Festival IN3 15. – 18. November 2012, tpc Studio 5 ... - Museum.de

skd.museum.de

Festival IN3 15. – 18. November 2012, tpc Studio 5 ... - Museum.de

Ausgabe 10 9 | 2012 http://magazin.museum.de

MAGAZIN

MUSEUM.DE

Weltkulturerbe Völklinger Hütte

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Wir machen Exponate begreifbar.

heddier electronic ist seit 1989 der verlässliche

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und Sicherheit. Wir beraten Sie qualifiziert

und entwickeln Konzept und Lösung für

Ihre speziellen Bedürfnisse von der Idee

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und Sicherheitstechnik im Museum

In diesem Heft:

Weltkulturerbe

Völklinger Hütte 6

Museum für Sepulkralkultur

Kassel 16

Qui Shi Shua

Museum Pfalzgalerie

Kaiserslautern 30

25 Jahre Deutsches

Historisches Museum

Berlin 34

Der Meerturm in Xanten 38

Museumstreffen 44

Narren. Künstler. Heilige.

Bundeskunsthalle Bonn 47

Pailletten, Posen, Puderdosen

Mode in den 1920er Jahren

Bomann Museum Celle 50

Corporate Scenography

Festival Zürich 56

Kooperationen zwischen

Museen und Unternehmen

Mit Kreativität und neuen

Ideen Win-Win-Konzepte

entwickeln 60

Workshop Kooperation 67

Schmuckmuseum

Pforzheim 68

Alter Sack trifft alte Schachtel

Sackmuseum Nieheim 72

Titelfoto: © Gerhard Kassner /

Weltkulturerbe Völklinger Hütte

MAGAZIN MUSEUM.DE

Ausgabe Nr. 10, Auflage 7.700

September 2012

Herausgeber

Uwe Strauch, Dipl.-Inf TU

X

anten ist die Dom-,

Römer- und Siegfriedstadt

am linken Niederrhein,

in der museum.de

gegründet wurde.

Wenn man hier schon als Kind ganz

selbstverständlich mit Römerscherben

im Garten spielt, dann wird man auch

davon geprägt. Sicherlich spielte auch

ein Bankenturm in Frankfurt eine Rolle

in meinem beruflichen Leben, als ich

dort Software-Entwickler war. Einen

»echten« Turm habe ich mit museum.de

jedoch erst jetzt bezogen, und zwar auf

Einladung von unserem Bürgermeister

Strunk und dem Leiter der Tourismus

Info Xanten, Herrn Friese. Seit Anfang

Juni hat museum.de sein Domizil nun im

Meerturm aus dem 14. Jahrhundert am

mittelalterlichen Westwall.

Peter Friese, Leiter der TIX, Bürgermeister Christian Strunk und Uwe Strauch vor dem neuen Domizil

Kurfürstenstr. 9

46509 Xanten

Telefon 02801-9882072

Telefax 02801-9882073

museum@mailmuseum.de · http://magazin.museum.de

Kultur braucht Schutz. Genau das strahlt

der geschichtsträchtige Meerturm mit

seinen über zwei Meter dicken Wänden

aus. Er lädt zum verantwortungsbewussten

Handeln ein und ist gleichzeitig ein

authentischer Ort für das Magazin, die

Museums-App und die zentrale Museumsdatenbank.

Im Artikel zum Turm ab

Seite 38 erfahren Sie auch, warum es

mich ohne den Turm vielleicht gar nicht

geben würde.

Die gute Luft und eine weite Landschaft

haben hier zu gesunden und ebenso weitsichtigen

Entscheidungen zum Thema

Kultur geführt. Nicht zuletzt die katholische

Kirche hat über viele Jahrhunderte

mit einer schützenden Hand einen

wesentlichen Beitrag dafür geleistet, dass

der Ort historisch geblieben ist. Mit so viel

Kultur lebt es sich gut im schönen Xanten

am Niederrhein.

Wir sehen uns am 5. Oktober beim Museumstreffen

in Bonn.

Herzlichst

Uwe Strauch

Druck: druckstudio GmbH

www.druckstudiogruppe.com

Design: Andrea Wark

www.andrea-wark.de

Foto: Helge Boele

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Die präzise Lichtlenkung, zum Beispiel der Panorama Pollerleuchten,

lässt keine Lichtemission oberhalb der Horizontalebene

zu. Wir nennen dies Dark-Sky-Technik: Das Licht strahlt

nur dahin, wohin es soll im Interesse des Menschen und der

Umwelt. Dark Sky geeignete Leuchten verfügen über eine präzise

Lichtlenkung und eine definierte Abschirmung für optimalen

Sehkomfort.

Schloss Benrath

Für Schloss Benrath wurde ausschließlich eine vertikale Beleuchtung

gewählt. Da der Bereich vor der Fassade begehbar ist, wurden

Bodeneinbauleuchten ausgewählt. In diesem Fall werden

Tesis Linsenwandfluter verwendet, die eine sehr gleichmäßige

Helligkeitsverteilung auf der Fassade erzeugen. Man sieht deut-

Museumsbeleuchtung innen und außen

Wenn von Museumsbeleuchtung die Rede ist, so denkt man

in der Regel an die Beleuchtung der Exponate im Innenraum.

Doch dies ist nicht alles: Viele Museen, vor allem auch museal

genutzte Schlösser und Burgen, erzielen durch eine differenzierte

Außenraumbeleuchtung eine nicht zu unterschätzende

Fernwirkung.

Heute stehen Städte rund um die Welt im Wettstreit um ein wieder

erkennbares nächtliches Profil, um prägnante Lichtmarken.

Zugleich löst sich der Gegensatz von Innen und Außen in der

Architektur zunehmend auf. Transparente Gebäude verwandeln

sich nachts in von innen heraus leuchtende Erscheinungen. Das

Lichtkonzept im Innenraum wirkt nach außen weiter, das Lichtkonzept

im Außenraum soll sich nahtlos anfügen: Die Lichtplanung

verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz.

Kunsthalle Emden

Ein Beispiel ist die Kunsthalle in Emden: Das subjektive Helligkeitsempfinden

wird im wesentlichen durch die vertikale

Beleuchtung der Außenmauern bestimmt. Und aufgrund der

Transparenz der verglasten Flächen wirkt die museale Innenraumbeleuchtung

weit in den Außenraum hinein und wird

durch die szenografische Gestaltung verstärkt. Horizontales

Licht kommt zusätzlich für die Wege- und Treppenbeleuchtung

zum Einsatz. Die einzige im Foto sichtbare Leuchte ist vor der

Skulptur, die dramatisch von unten angestrahlt wird: Licht statt

Leuchten ERCO Lichtanwendungen in Reinkultur. Realisiert

wird dies mit ERCO Lichtwerkzeugen wie Tesis, Parscoop, Visor,

Lightmark und Panorama.

Dark Sky Technik: Panorama Pollerleuchte.

lich, dass das Licht gezielt nur bis zur Traufkante reicht. Daher

fällt kein Streulicht in den oberen Halbraum, eine Lichtverschmutzung

des Nachthimmels wird vermieden.

Fazit

Außenraumbeleuchtung erhöht wesentlich die Wahrnehmung

von Museen im öffentlichen Raum. Dafür stehen präzise Lichtwerkzeuge

für vielseitige Anwendungen und mit effizienten

Lichtquellen zur Verfügung. Vor allem Leuchten mit LED-Bestückung

sind heute eine wirtschaftliche Lösung mit geringen

Stromkosten. Die Broschüren »Licht im Außenraum« und

»Beleuchtung mit LED« können unter der nachfolgenden

Adresse angefordert werden.

Dr.-Ing. Wolfgang Roddewig

Leiter Segment Museum

w.roddewig@erco.com · www.erco.com

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tune the light

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Generation der Powercast LED-

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und energieeffizient stellen

LEDs ideale Lichtquellen für den

Außenraum dar. Im Powercast

Scheinwerfer liefern die neu-

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esten Hochleistungs-LEDs in

Warmweiß oder Neutralweiß

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narrow spot bis wide flood,

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Daten machen deutlich: Hier

liegt die Zukunft der Beleuchtung

im Außenraum.

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Foto: Wolfgang Klauke

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte

einer der spannendsten Orte der Welt

Foto: Franz Mörscher

Foto: Hans-Georg Merkel

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist

weltweit das einzige Eisenwerk aus der

Blütezeit der Industrialisierung, das vollständig

erhalten ist. Nach der Stilllegung

der Roheisenproduktion im Jahr 1986

wurde die Völklinger Hütte 1994 zum

UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die Anfänge

der Völklinger Hütte reichen bis

zum Jahr 1873 zurück. Der erste Hochofen

wurde 1883 angeblasen.

Das Industriedenkmal wird ständig restauriert

und für künftige Generationen

erhalten. Das Weltkulturerbe Völklinger

Hütte zeigt international herausragende

Ausstellungen.

Carl Röchling, Gründer der Hütte

oben: Panorama Überblick »Asterix & Die Kelten«

kleine Fotos unten, v.l.n.r.:

Feuertornado im Ferrodrom ®

Gebläsehalle mit Gebläsemaschinen

im ScienceCenter Ferrodrom ®

Hütte

Völklinger Weltkulturerbe © angegeben anders nicht wenn

»Asterix & Die Kelten«, Teilansicht Fotos

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Fotos wenn nicht anders angegeben © Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Fotos auf dieser Seite: Wolfgang Klauke (2), Franz Mörscher (1)

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oben: Bubble Maschine im

ScienceCenter Ferrodrom ®

rechts: Gebläsemaschine

unten: Aufstieg zur Gichtbühne

Zu den Pionierleistungen der Völklinger

Hütte zählen der Erzschrägaufzug und die

Sinteranlage. Über den Erzschrägaufzug

wurden die Rohstoffe mit einer Hängebahn

zur Gichtbühne in 32 Metern Höhe

transportiert. Die Gichtbühne verbindet

die sechs Hochöfen der Völklinger Hütte.

Dieses Transportsystem ist eine der Besonderheiten

des Völklinger Eisenwerks. Die

Sinteranlage bot die Chance, Reststoffe

des Verhüttungsprozesses zu recyceln. In

Völklingen entstand eine der modernsten

und zur damaligen Zeit auch größten Sinteranlagen

Europas.

Ein Besuch im Weltkulturerbe Völklinger

Hütte beginnt mit einer multimedialen

Einführungsshow, die den ehemaligen

Arbeitsalltag skizziert. Das größte Abenteuer

ist der Aufstieg auf die Aussichtsplattform

am Hochofen in 45 Metern Höhe. Von

dort kann man die Industrielandschaft des

Weltkulturerbes überblicken.

In der Völklinger Hütte, wo einst Schornsteine

qualmten und ohrenbetäubender

Lärm den Arbeitsalltag bestimmte, finden

heute Konzerte und hochkarätige Ausstellungen

statt. Neben den wechselnden

Ausstellungen können das ScienceCenter

Ferrodrom ® und der Industrielandschaftsgarten

»Das Paradies« besucht

werden.

Das ScienceCenter Ferrodrom ® ist eine

Erlebniswelt zum Thema Eisen und Stahl,

die in spektakulärer Weise die Geschichte

des Eisens mit der Geschichte der Völklinger

Hütte verbindet. An über 100 Experimentier-

und Mitmachstationen können Kinder

und Erwachsene den Prozess der Eisengewinnung

spielerisch nachvollziehen.

Die vier Elemente können im Ferrodrom ®

mit allen Sinnen erlebt werden: mit dem

Feuer- und Windtornado, dem magischen

Eisblock oder der mannshohen Windmaschine.

An der riesigen Windmaschine im

Freigelände, nur einen Steinwurf entfernt

von der über 20 Meter langen Wendelrutsche

unter dem Kohlegleis können die

Besucher selbst zum »Windmacher« werden,

sich mit Wunsch-Wind-Geschwindigkeit

kräftig durchpusten lassen.

Foto: Wolfgang Klauke

Foto: Nicolas Dhervillers

oben: Riesenrutsche im ScienceCenter Ferrodrom ® oben: Foto aus der Ausstellung »Mythos Ferrari Fotografien Günther Raupp« (ab 22. September 2012)

unten: Road, 2012; Behind the Future. Nicolas Dhervillers Neue Fotografie

Foto: © Günther Raupp

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Foto: K. H. Veith / W. Klauke Foto: Gerhard Kassner

Fotos wenn nicht anders angegeben © Weltkulturerbe Völklinger Hütte

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oben: Weltkulturerbe Völkinger Hütte bei Nacht (in der Installation »Licht Lumière« von Hans-Peter Kuhn im ScienceCenter Ferrodrom ®

oben: Archimedes-Experiment

im ScienceCenter Ferrodrom ®

oben rechts: Paradies; Blick in den Himmel

unten: Der Industrielandschaftsgarten

»Das Paradies« im Weltkulturerbe

Im Hüttenlabor ist die Erlebniswelt des

Magnetismus und die modellhafte Nachbildung

des Hüttentransports mit Förderschnecke,

Hängebahnwagen und

dem Schrägaufzug zu entdecken. Das

monumentale Original, gleich neben dem

Hochofenbüro gelegen, ist eine Meisterleistung

der Ingenieurskunst und eine

Mischung zwischen Wuppertaler Schwebebahn

und dem ebenso legendären

Cable Car in San Francisco.

»Das Paradies« ist der ‚wilde‘ Landschaftsgarten

im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

Das Gelände zwischen der ehemaligen

Kokerei und der Saar wurde 25 Jahre lang

sich selbst überlassen. Hier konnten sich

Tiere und Pflanzen wie im Garten Eden

frei entfalten und haben Stück für Stück

das Gelände zurückerobert. Nach den Plänen

von Catherina Gräfin Bernadotte von

der Insel Mainau entstand ein Landschafts-

garten von 33.000 qm, der die Symbiose

von Industrie und Natur in zwölf Gartenräumen

inszeniert.

Mit »Behind the Future. Nicolas Dhervillers

Neue Fotografie« zeigt das Weltkulturerbe

Völklinger Hütte ein anspruchsvolles

und spannendes Kunstprojekt. Die

Fotografien des preisgekrönten französischen

Fotografen inszenieren die Völklinger

Hütte als eine Science-Fiction-Welt.

Die Bilder bieten neue und ungewöhnliche

Perspektiven auf das UNESCO-Weltkulturerbe

Völklinger Hütte. Mit den

Fotoarbeiten des französischen Künstlers

liefert das Weltkulturerbe Völklinger

Hütte einen zentralen Beitrag zu »MONO

2012«, dem wichtigsten Kulturprojekt

der Großregion SaarLorLux 2012.

Freunde schneller Autos sollten sich den

22. September 2012 im Kalender rot markieren.

Denn an diesem Samstag startet

die Ausstellung »Mythos Ferrari Fotografien

Günther Raupp« im Weltkulturerbe

Völklinger Hütte. In der Gebläsehalle

trifft die einzigartige Industriekultur

des UNESCO-Weltkulturerbes Völklinger

Hütte auf einen der größten Mythen der

populären Kultur: Ferrari.

Fotos: Hans Wolfgang Klauke

oben: Faszination Magnetismus

im ScienceCenter Ferrodrom ®

oben rechts: Ferrodrom ® Wolkensimulation

unten: First Step, 1966, Allen Jones Off The Wall

Mit »Allen Jones Off the Wall« setzt

das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ab

Samstag, den 13. Oktober 2012, seine

Ausstellungsreihe zur Pop Art fort. Allen

Jones ist einer der prägendsten britischen

Pop Art-Künstler. Bekannt wurde er durch

Skulpturen, die Frauenfiguren als Möbelstücke

inszenieren.

Industriekultur erleben, sich von Kunst

faszinieren lassen, einmalige Landschaftserlebnisse

genießen: Das UNESCO Weltkulturerbe

Völklinger Hütte bietet für

jeden etwas.

Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Europäisches Zentrum für

Kunst und Industriekultur GmbH

täglich geöffnet ab 10 Uhr

www.voelklinger-huette.org

© Allen Jones. 2011

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Gute Museen entstehen immer nur durch das Engagement

ihrer Mitarbeiter. Eine funktionierende Technik ist dafür

Grundvoraussetzung. Das gilt in besonderer Weise für das

Ticketing. Viele gute Museen setzen hier auf Beckerbillett.

Unsere Botschaft: Geradlinige, unkomplizierte Zusammenarbeit

und Nähe zu den speziellen Anforderungen von

Museen und Science Centern.

Unsere Kernkompetenz: Softwareentwicklung für Besuchermanagement

und kaufmännische Verwaltung, Hardware

für Kasse, Einlasskontrolle, Museumsshop und Besucherinformation

sowie umweltschonender Ticketdruck.

Unser Versprechen: Intensive individuelle Beratung, hohe

Sicherheit und verlässliche Termine.

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Fotomotiv: Museum der Arbeit, Hamburg

Gutes Museum.

Fotos: Jens Markus Lindhe

Anno Domini 950 errichtet König Gorm der Alte einen Runenstein

mit der Inschrift »In Erinnerung an Thyra, seine Frau, Dänemarks

Zierde«.

15 Jahre später befahl ihr Sohn Harald Blauzahn die Errichtung

eines zweiten Denkmals zur Erinnerung an seine Eltern und an

»Harald, der ganz Dänemark für sich gewonnen, und Norwegen,

und machte die Dänen zu Christen«.

1047 Jahre später, bei Vollmond in einer frostigen Winternacht,

wurde der Schleier über der neuen Zierde Dänemarks aufgehoben:

Ein klima-kontrolliertes Schutzgehäuse

für die Jelling Runensteine.

Bekannt als »Dänemarks Taufschein«

tragen sie die erste schriftliche Erwähnung

des Wortes »Dänemark« und

werden neben den Denkmälern Stonehenge

und den Pyramiden von der

UNESCO als Weltkulturerbe geschützt.

Jelling Runensteine, Dänemark, www.unesco.org

Architekt und Designer: Erik Nobel, NOBEL arkitekter, www.nobel.dk

Archäologe: Jørgen Westphal, Kulturgutbewahrung Dänemark, www.kulturarv.dk

Beratende Ingeneure: Rambøll Dänemark, www.rambøll.dk

Weitere Bilder auf www.roblonlighting.com

Bluetooth-Lichttechnik

Nach mehr als tausend Jahren unter Einfluss von Wind, Wetter,

Natur und Vandalismus, fand NOBEL Architekten einen genialen

Weg, den Zugang unter Wahrung des Denkmalschutzes für

Dänen und zukünftige Generationen zu erhalten.

»Auf den ersten Blick schien die Aufgabe unmöglich«, erinnert

sich Erik Nobel. »Wie konnte das Gefühl der Präsenz aufrechterhalten

werden, wenn funktionale und technische Anforderungen

erfüllt werden müssen? Seine Lösung war auffallend,

bestehend aus Bronze-und-Glas-Vitrinen, die wie metaphorisch

eine Hand über die Runensteine halten«.

Roblon Avantgarde Downlights, im Gehäuse

verborgen, akzentuieren die Runen und Bilder

auf dem Granit. Und die Lichttechnik

aus dem 21. Jahrhundert ist lautlos. Auch

in einer stillen Winternacht stört sie weder

Besucher noch den königlichen Wikingerschlaf

in den Grabhügeln aus dem 10. Jahrhundert.

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Das Queen Mother Memorial | The Mall, London, England | Reliefskulptur des Künstlers Paul Day | www.pauldaysculpture.com Classical Downlight faseroptische Beleuchtungssysteme von Roblon | Mehr Fotos auf www.roblonlighting.com

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Museum für Sepulkralkultur

Jutta Lange

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Das Museum für Sepulkralkultur in Kassel nimmt in der Museumslandschaft

Deutschlands eine besondere Stellung ein. Seine

zentralen Themen sind Sterben und Tod, Trauern und Gedenken.

Der Begriff Sepulkralkultur, der sich vom lateinischen sepulcrum

= Grab ableitet, erfährt hier eine thematische Erweiterung.

Alle kulturellen Erscheinungen, die sich in Zusammenhang mit

den ‚letzten Dingen‘ entwickelt haben, werden berücksichtigt:

Bestattungs- und Trauerriten und -bräuche, aber auch künstlerische

Sichtweisen auf Leben und Tod.

großes Foto: Blick in die Dauerausstellung Friedhof und Grabmal

unten: Grablege der Familie von Stockhausen, Trendelburg, 17. 19. Jh.

unten: Grabzeichen Timm Ulrichs,

»Denken Sie immer daran, mich zu vergessen!«, 1975

Fotos: Andrea Wark

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»Nicht nur das Leben, auch der Tod hat seine Geschichte. Es ist

eine Geschichte von Wahrnehmungen, Einstellungen, Bildern.

In den Bildern vom Tod spiegeln sich Lebensdeutungen, in den

Lebensdeutungen Lebensbilder.« (Joachim Drumm)

Das Museum konzentriert sich mit seiner Sammlung geografisch

auf den mitteleuropäischen Raum und zeitlich auf die

Epoche zwischen ausgehendem Mittelalter, der beginnenden

Neuzeit und der Gegenwart. Inhaltlich wird historisches Totenbrauchtum

in einer Dauerausstellung mit gegenwärtigen Entwicklungen

in Beziehung gesetzt.

oben: Memento mori, Totenschädel mit Schlange, 19. Jh.

rechts oben: Bemalte Totenschädel, Süddt., um 1850

links: Totentanzmaske aus Tibet, 2010

unten: »Cocoon vollendete Geborgenheit«,Andreas Spiegel, 2006

rechts unten: Blick in die Dauerausstellung, Abteilung leben, sterben,

bestatten, trauern, erinnern;

im Vordergrund islamischer und jüdischer Sarg

Mit der Dauerausstellung des Museums wird die kulturgeschichtliche

Entwicklung im Umgang mit sterben, bestatten,

trauern und erinnern veranschaulicht. Dabei handelt es sich um

Exponate sowohl der so genannten ‚Hochkultur‘ als auch der

Alltagskultur, welche bewusst ein Nebeneinander finden. Die

historischen Exponate werden kontrastiert mit Werken zeitgenössischer

Künstlerinnen und Künstler, die auf vielfältige Weise

den Umgang mit Sterben und Tod zum Ausdruck bringen.

Versucht die Dauerausstellung Bestattungs- und Trauerriten

insgesamt abzuhandeln, widmen sich die zahlreichen Sonderausstellungen

einzelnen Realien und Themen wie Vanitas-Stillleben,

Haarbildern, Haarschmuck, Perlkränzen, Särgen, Trauerschmuck,

Totenmasken und vielem mehr. Auch Produkte aus

Kunsthandwerk, Kommunikation und Produktdesign, die sich

des Themas des Abschiednehmens annehmen, werden in Einzelausstellungen

vorgestellt.

Inhaltliches Ziel des Museums für Sepulkralkultur ist es, über

das weite Feld der Sepulkralkultur zu informieren und einen

Austausch zwischen den unterschiedlichen Disziplinen wie

Volkskunde, Archäologie, Ethnologie, Soziologie und Kulturgeschichte

zu ermöglichen, den Tod wieder stärker ins Leben zu

integrieren, dem Tod wieder ein Stück jener Normalität zurückzugeben,

die er früher besessen haben soll.

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oben: Tödlein, geschnitzt, Nachbildung, 19. Jh.

oben: Carl Julius Zinnert, Liegebüste einer

Unbekannten, 1855

rechts: Wegweiser, Karolin und Daniel Bräg, 2000

unten: Ringinger Leichenkutsche, 19. Jh.

War es in den 1990er Jahren seit Eröffnung

des Museums nicht ganz selbstverständlich,

über ein Fachpublikum hinaus

Menschen aller Generationen für die

Sepulkralkultur zu interessieren, so etablierte

sich das Museum für Sepulkralkultur

über die Jahre in der Museumslandschaft.

Bis zum heutigen Zeitpunkt konnte eine

Außenwirkung erzielt werden, die dem

Museum mit seinen zahlreichen Ausstellungen

und Aktivitäten ein sehr positives

Ansehen als zentrale Einrichtung für die

Themenbereiche Sterben, Tod und Bestatten

in Deutschland und darüber hinaus

einbrachte.

Die eigentliche Zielrichtung des Museums

entwickelte sich erst im Laufe der Jahre.

Wurden in den ersten Jahren seit Eröffnung

volkskundliche, kulturgeschichtliche

Zeugnisse der Bestattungs- und Trauerkultur

in Sonderausstellungen gezeigt,

wie beispielsweise die Kulturgeschichte

des Sarges, des Trauerschmuckes, des

Totentanzes, des Bestatterberufes, der

Totenkronen und vieles mehr, hat sich die

Ausstellungspraxis durch die Übernahme

der bemerkenswerten, äußerst erfolgreichen

Ausstellung Last minute Eine

Ausstellung zu Sterben und Tod aus der

Schweiz 2000/2001 stark dahingehend

geändert, dass nun häufig ‚das Leben’,

das ‚Hier und Jetzt‘ im Mittelpunkt steht.

In jener Ausstellung Last minute ging es

neben der Informationsvermittlung um

die Weitergabe von Erfahrungen heute!

Erfahrungen von Sterbenden und

Begleitenden, Handelnden und Trauernden.

Last minute fragte dabei nicht nach

den konventionellen Handlungsmustern,

sondern stellte die Multioption mögli-

unten: Motorisiertes Dreirad, »Pony«, 1971

chen Handelns angesichts des Fehlens

verbindlicher Antworten in einer säkularisierten

Gesellschaft in den Vordergrund.

Der große Erfolg der Ausstellung zeigte

deutlich, was Menschen bewegt und dass

ihre Auseinandersetzung mit dem Ende

durchaus im Hier und Jetzt angesiedelt ist.

Eine weitere Sonderausstellung, die an

dieser Stelle erwähnenswert ist und eine

veränderte Ausstellungspraxis nach sich

zog, ist »Erzähl mir was vom Tod. Eine

interaktive Ausstellung über das Davor

und Danach« aus dem Kindermuseum

FEZ Berlin-Wuhlheide. Der große Erfolg

zeigte, dass Sterben und Tod auch für

Kinder, selbst im Vorschulalter, aufschlussreich

sein kann. Darüber hinaus ist

es uns hier gelungen, einen Dialog zwischen

den Generationen in Gang zu setzen,

auch wenn viele Eltern der Meinung

waren, ihre Kinder vor dem schwierigen

Thema Sterben und Tod beschützen zu

wollen. Sehr gute Erfahrungen machen

wir immer wieder gerade mit Kindern

zwischen fünf und zehn Jahren, die in

der Begegnung mit der Thematik wenig

bis keine Berührungsängste zeigen und

lebendig mit Fragen und Antworten,

Ideen und Vorstellungen ihre kindliche

Neugier zum Ausdruck bringen.

Beide Ausstellungen machten uns sehr

deutlich, dass das Thema Sterben, Tod

und Trauer weder auf Personen, die sich

beruflich mit der Thematik beschäftigen,

noch auf Altersstufen zu beschränken

ist, eine Erkenntnis, die großen Einfluss

hat auf die Zielgruppenbewerbung. Über

Fachgruppen und grundsätzlich kunst-

und kulturinteressierte Besucher hinaus

konnten inzwischen Menschen jeden

Alters für das Thema interessiert werden,

auch solche, die bis dato nicht zum Besucherkreis

zählten.

oben: Zimmerdenkmal aus Haaren, letztes Drittel 19. Jh.

Hierzu bieten wir jährlich bis zu vier Sonderausstellungen

an, die einzelne Aspekte

fokussieren, führen diverse Projekte und

Seminare durch und konzipieren ein

hochwertiges Veranstaltungsprogramm,

das die unterschiedlichsten Zielgruppen

anspricht. Das Museum möchte eine Plattform

sein, die es ermöglicht, der Reflexion

zum Teil auch brisanter und kontrovers

diskutierter Ansätze und Ansprüche in der

Entwicklung der Sepulkralkultur Raum

geben, sie vorstellen und diskutieren zu

können. Das Veranstaltungsprogramm

begleitet nicht nur die Sonderausstellungen,

sondern versteht sich auch als eigenständige

Reihe, die spartenübergreifend

auch mit künstlerischen Elementen und

Inszenierungen die Thematik des Hauses

belebt. Die Veranstaltungen dienen nicht

zuletzt dazu, den Menschen die Scheu

vor dem Museum mit seiner speziellen

Thematik Tod zu nehmen.

Die Besucher jung und alt nehmen

unser Angebot gerne an, und wir verbuchen

hier eine große Beliebtheit. Dabei

liegt gerade in der Vielfältigkeit der

Reiz. Die große Bandbreite des Angebotes

wird hergestellt durch beispielsweise

Kabarett- und Liederabende, Museumsnächte,

Totenhochzeitsnächte speziell

für Kinder, diverse Workshops für Kinder

und Schüler aller Jahrgangsstufen sowie

Konfirmanden und Auszubildende, durch

Fortbildungsveranstaltungen für Lehrerinnen

und Lehrer, Ferienprogramme,

Führungen, auch Mitternachtsführungen,

Diskussionsabende, Vorträge zu aktuellen

Themen, fachspezifische Seminare und

Tagungen, um nur einige herausragende

Beispiele zu nennen.

oben: Grabstele, Dirk Franz, 2001; Trauernde, 19. Jh.

links oben: Verschiedene Totenkleidungsstücke (Haube,

Mütze, Negligéhaube) und Kindersarg aus der Grablege

der Familie von Stockhausen, Trendelburg, 17. 19. Jh.

unten: Einbalsamierungsset von Charriere, um 1840

Das Museum für Sepulkralkultur konnte

sich über die Jahre zu einer Institution

herausbilden, die in ihrer Unverwechselbarkeit

und Einzigartigkeit ein Publikum

an sich binden konnte, welches dem

Museum dauerhaft die Treue hält und

auch an Verwandte, Freunde, Bekannte

und Berufskollegen weiter empfiehlt.

unten: Einfuhrwagen in den Kremationsofen, Jena, 1954 unten: Sarg in Form eines Hahnes, Ghana, Paa Joe, 1990

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Verschiedene Totenmasken, Gips-Abgüsse: Friedrich Wilhelm II, Ludwig van Beethoven, Martin Luther,

Kaiser Napoleon I, Claire Elisabeth Bantzer, Friedrich Hebbel

Porträtaufnahmen in einem Hospiz, Fotograf: Walter Schels, 2008

oben: Trauerschmuck und Gedenkbroschen überwiegend aus Haaren, 18. Jh.

unten: Totenkronen, 17. 19. Jh.

»SCHWARZ…«

Jubiläumsausstellung des Museums für Sepulkralkultur

Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens widmet sich das

Museum für Sepulkralkultur jener Farbe, die aufgrund ihrer

physiologisch-psychologischen Wirkung und darauf aufbauender

Bräuche als die Farbe von Tod und Trauer gilt: SCHWARZ.

Das inhaltliche Spektrum der Ausstellung reicht von der etymologischen

Bedeutung des Farbbegriffes über die physikalische

Entschlüsselung dieser »Unfarbe« bis hin zu deren künstlerischer

und kultureller Bedeutung. Veranschaulicht wird dies

an Beispielen aus der Bildenden Kunst und anhand zahlreicher

Sach- und Gebrauchsgegenstände des traditionellen christlichen

Totenbrauchtums.

In vielen Bräuchen spiegelt sich die vielschichtige, meist »tragische«,

Symbolik der Farbe Schwarz wieder, die im Volksglauben

früherer Jahrhunderte fest verankert war. Darüber hinaus greift

die Ausstellung den »heiter-ironischen« Aspekt von Schwarz

auf, wie er als »Schwarzer Humor« im Kontext von Sterben,

Tod und Trauer zu finden ist. Den Abschluss der Ausstellung

bildet ein Exkurs zum gegenwärtigen Status jener Todes- und

Trauerfarbe und deren gesellschaftlicher Wahrnehmung mit

überraschenden Erkenntnissen für viele Besucher!

Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm.

Sonderausstellung »Schwarz«

1. September 2012 bis 27. Januar 2013

Eröffnung am 31. August 2012 um 19.30 Uhr

oben, von links nach rechts: Leichenkutsche, letztes Drittel 19. Jh.;

Hubertus Hess, Wenn Engel reisen, 21. Jh.; Räderbahre, frühes 20. Jh.;

Sargbank aus Siebenbürgen, 1971; Totentrage, Anfang 20. Jh.

Stiftung Zentralinstitut und

Museum für Sepulkralkultur

Weinbergstraße 2527 | D-34117 Kassel

Telefon 0049 (0)561 91893 0

Telefax 0049 (0)561 91893 10

info@sepulkralmuseum.de

www.sepulkralmuseum.de

Öffnungszeiten

Di 10.00 17.00, Mi 10.00 20.00 Uhr

Do bis So 10.00 17.00 Uhr

Eintritt 6,- EUR

Ermäßigter Eintritt 4, EUR

(Schüler, Konfirmanden, Studenten,

Berufsschüler, Bundesfreiwilligendienstleistende,

BBK-Mitglieder und Personen

in der Gruppe ab 10 Personen)

Ermäßigter Eintritt 2,50 EUR

(Arbeitslose und in der Gruppe ab

10 Personen für Schüler, Konfirmanden,

Studenten, Berufsschüler, Sozialbedürftige,

Bundesfreiwilligendienstleistende)

Familienkarte 10, EUR

(max. 2 Erw. und Kinder bis 16 Jahre)

Kinder unter 6 Jahren frei

unten: Stele, Sol Lyfond, 2011

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Prof. Dr. Reiner Sörries

Direktor des Museums für Sepulkralkultur

Freilich: es gibt nichts einzuwenden gegen einen

Arbeitsplatz im kulturellen Bereich, aber ausgerechnet

in einem Museum, das sich den Themen

Sterben, Tod, Bestattung und Erinnerung

verschrieben hat? Eigentlich ist es nicht meine

Art, dem Tod zu viel Raum geben zu wollen; da

halte ich es eher mit Bazon Brock, der für seine

Abschaffung plädierte: »Der Tod muss abgeschafft

werden, diese verdammte Schweinerei

muss aufhören. Wer ein Wort des Trostes spricht,

ist ein Verräter.«

Aber mich hat ja niemand dazu gezwungen, diese

Stelle anzutreten, damals 1992, als wir mit dem

Museum für Sepulkralkultur den Betrieb aufnahmen.

Eine engagierte Mitarbeiterschaft hat verhindert,

dass am Kasseler Weinberg Totenstille

herrscht. Vielmehr hat sich das Museum über

die Jahre zu einem lebensfrohen und lebendigen

Haus entwickelt, in dem bei aller Ernsthaftigkeit

der Themenstellung und Themenbewältigung

auch Tanz und Kabarett, Festlichkeiten und Kinderlachen

ihren Platz haben. Und wenn ich einen

Wunsch habe, dann diesen, dass das in Zukunft

auch so bleibt.

Es ist schon richtig, dass ein Museum von seinen

Sammlungen, von den Originalen lebt, aber es

lebt auch von seinen Besucherinnen und Besuchern,

den großen und den kleinen. Da unterscheidet

sich ein Spezialmuseum mit sepulkraler

Thematik nicht von anderen Museen. Dabei bin

ich nicht derjenige, der dem Event-Museum das

Wort redet, aber erleben dürfen die Menschen

schon etwas. Sie mögen etwas mitnehmen von

ihrem Museumsbesuch, eine Erkenntnis, eine

Erfahrung oder eine Stimmung. Und das ist vielleicht

im Sepulkralmuseum noch entscheidender

als in einem anderen Haus. Politiker reden gerne

vom Museum als einer Bildungseinrichtung, und

Wissensvermittlung liefert ihm seine Daseinsberechtigung.

Aber was kann man vom Tod schon

wissen?

Von ihm erfährt man im Museum für Sepulkralkultur

eigentlich nichts, sein Geheimnis wird

nicht gelüftet; eher kann man hier erfahren, wie

die Menschen in Vergangenheit und Gegenwart

mit diesem Geheimnis umgegangen sind, welche

Strategien sie entwickelt haben, um mit diesem

Mysterium einigermaßen klar zu kommen. Vielleicht

geht es dann hier im Museum nur um diesen

Erfahrungsschatz: wir sind nicht allein mit der

leidigen Konsequenz jedes Lebens. Und wenn alljährlich

im Museum der Dia de los muertos gefeiert

wird, wenn die Ofrendas aufgebaut sind und

die Mariachi Kapelle spielt, dann spürt man etwas

von der Verbindung dieser beiden Welten hüben

und drüben.

Dann bin ich sogar doch geneigt, zu glauben, am

richtigen Platz zu sein, wenn ich erleben darf, dass

die Menschen ihre Scheu vor diesem Museum

abzulegen beginnen, wenn sie sogar gerne kommen

an diesen Ort, an dem das Wissen um die

Endlichkeit zwar präsent ist, dem Tod aber nicht

gehuldigt wird. Und dann gibt es ja noch das

Phänomen, dass der Tod eine breite Spur durch

die Kulturgeschichte der Menschheit gezogen hat

Eigentlich bin ich hier fehl am Platz.

und immer noch zieht. Vielleicht gibt es neben der

Liebe keine weitere Kraft, die so elementar wie

der Tod das kulturelle Kreativpotenzial des Menschen

anspornt. Und diese Kulturgeschichte des

Todes, der bereits Philippe Aries ein wissenschaftliches

Denkmal gesetzt hat, bietet dann eben

wieder ein weites Terrain für die wissenschaftliche

Beschäftigung, der ich mich gerne hingebe. Und

spätestens dann fühle ich mich doch am rechten

Platz. Und aus dieser Perspektive ist dann ein

bemalter und beschrifteter Sarg aus der Barockzeit

nicht anders zu behandeln als ein bemalter

Hochzeitsschrank derselben Zeit. Das erleichtert

die Sache dann ungemein.

Schließlich könnte sich meine Einstellung zu meiner

Arbeitsstätte auch dadurch noch rapide verbessern,

wenn es nicht diese latente Unsicherheit

gäbe, ein Museum, das von den Zuwendungen

der öffentlichen Hände abhängt, heil in und

durch die Zukunft zu bringen. Und wenn einmal

die Buchhalterin käme und sagte, wir hätten

noch Geld für eine Anschaffung, ein zusätzliches

Projekt oder… Allerdings soll es ja auch Träume

geben, die durchaus zu unserem emotionalen

Wohlbefinden beitragen können.

MUSEUMBESUCHE BEREICHERN DEN UNTERRICHT. DA ICH IM BIOLOGIEUNTERRICHT

DIE EVOLUTIONSTHEORIE BEHANDELE, MÖCHTE ICH MIT MEINER KLASSE DAS

STÄDTISCHE NATURKUNDEMUSEUM BESUCHEN.

DAZU SURFE ICH ZUM MUSEUMSWEBSHOP UND BUCHE EINE ERMÄßIGTE SCHUL-

FÜHRUNG. AUCH BEZAHLEN KANN ICH OHNE PROBLEME DIREKT ÜBER MEINEN

COMPUTER, Z. B. PER RECHNUNG. EIN BARCODETICKET MIT ALLEN INFORMATIONEN

ZUM EINLASS UND ZUR FÜHRUNG WIRD AN MEIN MOBILTELEFON GESENDET.

25


ICH HABE MIR ÜBRIGENS DEN KATALOG ZUR AUSSTELLUNG GLEICH MITBESTELLT.

DEN KATALOG NUTZE ICH ZUR VORBEREITUNG DES UNTERRICHTS UND DES BESUCHES.

26

hasan.kocbay@gmail.com

GLEICH GEHT ES LOS. DA DER BARCODE ALLE NÖTIGEN INFORMATIONEN ENTHÄLT,

PASSIEREN WIR SCHNELL DIE EINLASSKONTROLLE. IM AUSSTELLUNGSBEREICH

WARTET DER GUIDE SCHON. ALLES IST OPTIMAL ORGANISIERT.

UND MICH HAT DAS GANZE LEDIGLICH WENIGE MINUTEN AM COMPUTER GEKOSTET.

Mobile Payment und Mobile Ticketing ist ein Produkt von VISITATE und

mr. next id, verfügbar bei allen führenden Mobilfunkanbietern.

Auch für Ihr Haus? Sprechen Sie uns an.

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Das Museum für Antike Schiffahrt

nimmt Fahrt auf mit innovativen

Lösungen von SCHOTT

Gleich mehrere Kompetenzbereiche von SCHOTT Architecture

+ Design steuerten bei der Modernisierung und energetischen

Sanierung des Museums für Antike Schiffahrt des Römisch-Germanischen

Zentralmuseums (RGZM) in Mainz ihr Know-how

und ihre Produkte zum Erfolg des Projektes bei.

Objekte zum Greifen nah

»Ganz nah dran« lautet der Anspruch, den das entspiegelte

Glas AMIRAN ® in perfekter Weise einlöst. Es handelt sich dabei

um ein im Tauchverfahren beidseitig interferenzoptisch entspiegeltes

Glas mit einer Restreflexion von nur ca. einem Prozent.

Dadurch ist es nahezu unsichtbar und eignet sich ideal für Präsentationen

in Museen. Außerdem ermöglicht es selbst bei extremen

Helligkeitsunterschieden vor und hinter der Scheibe eine

klare Durchsicht. So erscheinen die historischen Highlights in

den Vitrinen und Schaukästen zum Greifen nah.

Licht: Kombination von LEDs und Glasfasern

Eine weitere Herausforderung war die optimale Ausleuchtung

der Schaukästen und die Beleuchtung der Objekte. Hier waren

es die Lighting-Spezialisten, die sich mit ihrer Kompetenz einbrachten.

SCHOTT verfügt über ein breites Spektrum an inno-

vativen Lichtlösungen für die Innenarchitektur, die von raffinierter

Raumakzentuierung bis hin zu gezielten Lichteffekten in

hochwertigen Vitrinen reichen. Insbesondere die Kombination

von energieeffizienten LEDs mit langlebigen glasfaseroptischen

Bauteilen ist für eine aufmerksamkeitsstarke Inszenierung ideal

geeignet.

Licht, Schatten, Strom das Multitalent ASI ® THRU

Ein bedeutender Teil der umfangreichen Arbeiten am Museum

war die energetische und funktionelle Sanierung des Daches

mittels modernster Solartechnik. Bei der ursprünglich als Lokomotivwerkstatt

errichteten Halle wurden 1994 bei Einzug des

Schiffahrtmuseums die Ziegel durch eine rund 2.000 qm große

Oberlichtverglasung mit Sonnenschutzglas ersetzt. Ziemlich

problematisch, wie sich herausstellte: Das Sonnenlicht blendete

die Besucher, heizte die Halle übermäßig auf, beschädigte das

organische Material der Exponate und beeinträchtigte den szenischen

Aufbau der Ausstellung.

Die Lösung dieser Probleme fanden die Planer in ASI ® THRU

Solarmodulen von SCHOTT. Als Generalunternehmer lieferte

SCHOTT rund 1.100 qm der integrierten, semitransparenten

Dünnschichtmodule mit einer 10-prozentigen Transparenz als

Oberlichtverglasung. Die bisherige Verglasung wurde demontiert

und 740 Scheiben, davon 630 Scheiben mit aktiven Modulen,

wurden in die vorhandene Stahlkonstruktion eingesetzt.

www.schott.com/architecture

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Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

(mpk) zeigt vom 8. September

bis zum 6. Januar unter dem Titel

»Landschaft, Licht und Stille« rund 50

meist großformatige Ölgemälde des

chinesischen Malers Qiu Shihua. Erstmals

in einer musealen Einzelausstellung

in Europa stellt das Museum des

Bezirksverbands Pfalz in Kooperation

mit der Nationalgalerie Staatliche

Museen zu Berlin das Œuvre des Künstlers

in einem repräsentativen Überblick

vor. Private und öffentliche Leihgeber

im In- und Ausland haben die Zusammenschau

ermöglicht.

Qiu Shihua zählt mit seinen seit den

frühen 1970er Jahren bis heute entstandenen

Werken zu den herausragenden

Positionen aktueller chinesischer

Kunst im Allgemeinen und

zeitgenössischer Landschaftsmalerei im

Besonderen. Der Künstler befragt mit

äußerst feinen Bildfindungen auf eindrucksvolle

Weise die Sichtbarkeit in

der Malerei. Er verbindet ostasiatische

Vorstellungen mit westlichen Einflüssen

und lädt zu außergewöhnlichen

Seherlebnissen ein.

Landschaft, Licht und Stille

Das mpk entdeckt den chinesischen Maler Qiu Shihua

Auf den ersten Blick scheinen seine

Gemälde nahezu weiß zu sein, doch

bei längerer, intensiver Betrachtung

werden weite Landschaften, ruhig und

menschenleer, in zarten variantenreichen

Farbnuancen sichtbar. Je nach

Blickwinkel erscheinen oder entziehen

sich Motive wie Bäume, Wellen, ein

Weg oder die durch eine Wolkendecke

hindurch brechende Sonne. Erahntes

verdichtet sich, Details scheinen auf,

doch schon im nächsten Augenblick

kann sich der eben gewonnene Eindruck

wieder ins Immaterielle verflüchtigen.

Das gemalte Licht übt geradezu

eine magische Anziehungskraft auf

den Betrachter aus. Stimmungen entstehen,

die an einen Traumzustand

erinnern.

In seiner Denk- und Arbeitsweise orientiert

sich Qiu Shihua am Taoismus.

Darstellung und Entrückung, An- und

Abwesenheit, Fülle und Leere beschäftigen

den Maler in einem steten Prozess

des Wiederholens und gleichzeitigen

Variierens. Dabei bedient er sich äußerst

Qiu Shihua, Untitled, 2006, Öl auf Leinwand,

150 x 292 cm, Privatbesitz,

courtesy m Bochum Kunstvermittlung

Qiu Shihua: Untitled, 1986, Mischtechnik auf

Papier, 102,5 x 152,5 cm, Privatbesitz,

courtesy m Bochum Kunstvermittlung

reduzierter Gestaltungsmittel. Seine

stille, überaus sensible, in dünnen Farbschichten

und Lasuren aufgetragene

Malerei gibt keine bestimmten Orte wieder,

sondern ruft vielmehr Erinnerungen

an landschaftliche Eindrücke wach. Sie

ist das Ergebnis vom Künstler real gesehener

Landschaften, entsteht tatsächlich

jedoch in einem Zustand meditativer

Versenkung. Qiu Shihuas Ziel ist es,

dem Wesen der Dinge nachzuspüren. Er

sieht die Welt als einen leeren Raum, in

dem sich alles befindet; deshalb bedeutet

Leere für ihn das wirkliche Sein.

Neben seiner Verbindung zur traditionellen

chinesischen Malerei ist Qiu

Shihuas intensive Auseinandersetzung

mit westlicher Kunst spürbar. So bringt

ihn die bildkonstituierende Verwendung

der Nicht-Farbe Weiß in die Nähe

abstrakter Malerei westlicher Künstler,

die seit etwa 1945 durch das Experimentieren

mit Weiß vielfältige neue, auf

unterschiedliche Weise reduzierte Ausdrucksmöglichkeiten

gefunden haben.

Qiu Shihua wurde 1940 in Zizhong in

der Provinz Sichuan, im Südwesten

Chinas, geboren. Er studierte an der

Kunstakademie Xi’an und erhielt dort

vor allem eine Ausbildung in traditioneller

chinesischer Malerei. Am Ende seiner

Studienzeit beschäftigte er sich mit dem

sozialistischen Realismus nach sowjetischem

Vorbild. Nach seinem Abschluss

1962 arbeitete Qiu Shihua während

und nach der Kulturrevolution bis 1984

als Plakatmaler für ein Kino. In den folgenden

Jahren bereiste er Europa und

stellte hier vereinzelt auch aus. Diese

Erfahrungen sowie seine Hinwendung

zum Taoismus trugen zur Entwicklung

seines heutigen Werkes bei. Qiu Shihua

lebt und arbeitet in Beijing und der

Wirtschaftsmetropole Shenzhen.

Zur Ausstellung ist ein zweisprachiger

Katalog, 180 Seiten, über 60 Abbildungen,

in Deutsch und Englisch im Richter

& Fey Verlag erschienen. Weitere Informationen

zum Katalog finden Sie auch

auf unserer Website.

8. September 2012 bis 6. Januar 2013

mpk, Museum Pfalzgalerie

Kaiserslautern

Museumsplatz 1

67657 Kaiserslautern

www.mpk.de

Fotos: Eric Jobs, Hattingen

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LegendäreMeisterWerke

Die neue Dauerausstellung des Landesmuseums Württemberg

Raumbilder, Zeitläufe und faszinierende Objekte

Atemberaubende Steinzeitkunst, kostbare

Grabbeigaben, mächtige Könige...

das erwartet den Besucher bei den

LegendärenMeisterWerken. Die neue

Schausammlung des Landesmuseums

Württemberg zur Kulturgeschichte der

Region ist als chronologischer Rundgang

aufgebaut. Der Besucher durchmisst auf

2.400 Quadratmetern einen Zeitlauf von

über 35.000 Jahren. Damit diese ungeheuren

Zeitdimensionen nachvollziehbar

bleiben, sind die Räume klar gegliedert.

Jeder Raum widmet sich einem kürzeren

oder längeren Zeitabschnitt, einer »Epoche«

und macht sie durch seine einheitliche

Farbgebung eindeutig erkennbar.

Über allem stehen die Raumbilder, sie

geben jeder Epoche eine assoziative

Aussage, die dem Besucher bei Betreten

der Einheit sofort die Hauptaussage

der Epoche oder Epochenabschnitts

vermitteln sollen, ohne viel Worte der

Erklärung, nur das Bild soll sprechen.

So charakterisiert z. B. ein angedeutetes

Hügelgrab die Eisenzeit oder ein

stilisierter Zug das Zeitalter der Industrialisierung.

Auf diese Weise wird aus

Raum, Farbe und Inszenierung eine

nachvollziehbare, erlebbare Sinneinheit.

Dem gegenüber stehen Vitrinen und

raumbildende Elemente die in ihrer Präsentation

zurückhaltend sind. Sie beherbergen

die eigentlichen Hauptprotagonisten

der Ausstellung die Objekte!

Sie sind durch aufwendige Montage in

einem eigens entwickelten Vitrinensystem

geradezu magisch präsentiert und

scheinen vor den Augen der Besucher

in den Vitrinen zu schweben. Dadurch

erfahren auch unscheinbare und kleine

Objekte jene Aufmerksamkeit, die ihrer

historischen Bedeutung angemessen ist,

obgleich sie dem interessierten Besucher

bisher vielleicht nie aufgefallen waren.

Winzige, aber wichtige Details, Verzierungen,

handwerkliche Macharten oder

neue Materialien fallen dem Besucher

jetzt ins Auge und die inhaltliche Dimension

der Objekte erschließt sich neu über

die Faszination des Schauens.

In den Planungen für die neue Schausammlung

zeigte sich früh, dass aus

diversen Gründen die Entwicklung eines

völlig neuen Vitrinentypus notwendig

werden würde. So galt es zum einen eine

Vitrine zu planen, die Objekte durch indirekte

Beleuchtung und raffinierte Montage

geheimnisvoll schwebend erscheinen

zu lassen. Zum anderen sollten für den

Bau der Vitrinen geeignete Materialien

verwendet werden, die die wertvollen

Exponate vor Schäden schützen. Für die

Vitrinenkonstruktion wurde vornehmlich

Glas und Stahl verwendet eine Garantie

dafür, dass keine Schadstoffe abgegeben

werden. Mögliche Schäden durch Licht

werden durch den Einsatz von LEDs als

oben: Das 19. Jahrhundert

linke Seite, oben: Die Eiszeit

linke Seite, unten: Das Mittelalter

rechts: Die Merowinger

Leuchtmittel minimiert. Diese sind frei von

UV-Strahlung, erwärmen sich nur minimal

und helfen zudem, die Stromkosten zu

reduzieren. Zur indirekten Beleuchtung

sind die Leuchtmittel separat, durch eine

Scheibe vom Vitrineninnenraum getrennt,

über- und unterhalb der Vitrine angebracht.

Dadurch ist die Einrichtung und

Wartung des Lichts möglich, ohne dass

der Vitrinenraum geöffnet werden muss.

In jedem Vitrinensockel kann man zur

Regulierung des Vitrinenklimas ein spezielles

Granulat unterbringen, das über ein

Lochblech in der unteren Glasabdeckung

in den Vitrineninnenraum abgegeben wird.

Zur Bestückung der Vitrinen lässt sich eine

zweite Rückwand aus der Vitrine entnehmen,

auf der leichtere Exponate mit Stäben

auf Abstand montiert werden. Schwere und

große Objekte werden zusätzlich auf einem

Lochblech, das zwischen der Vitrinenrückwand

und der zusätzlichen Rückwand sitzt,

festgeschraubt.

Ein weiteres Strukturelement sind die so

genannten Epochenboxen. Sie begleiten

den Besucher im Rundgang wie kleine

hell leuchtende Landmarks. Stets gleichbleibend

aufgebaut, bieten sie dem

Besucher die Möglichkeit, sich darüber

zu informieren, was die prägenden Ver-

änderungen eines Zeitalters waren, wie

die regionale Geschichte in den globalen

Kontext eingeordnet werden kann und

welche Innovationen die Epoche prägten.

Zudem kann er anhand eines markanten

Objektes etwas über den Geist der

Epoche erfahren.

Einer totalen Inszenierung wurden die

Turmräume unterzogen, den sogenannten

Denkräumen. Sie sind die Ruhepole

in der dichten Ausstellungsabfolge. Hier

rekapituliert der Besucher Gesehenes, er

verarbeitet es, er betrachtet es in anderen

Zusammenhängen und er stellt sich neue

oder alte Fragen zu speziellen Themen.

Hier werden keine didaktischen oder

wissenschaftlichen Erklärungen gegeben,

hier sprechen die Objekte und es

agiert der Besucher und wird Teil der

Inszenierung.

ATELIERHAMMERL

austellungen | museen | inszenierte räume

www.atelierhammerl.de

Fotos: Hendrik Zwietasch, Landesmuseum Württemberg

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25 Jahre

Deutsches Historisches Museum

19872012

Im Oktober dieses Jahres feiert das

Deutsche Historische Museum seinen

25sten Geburtstag mit einem vielfältigen

Veranstaltungsprogramm. Zwei

hochkarätige Sonderausstellungen lassen

die Ausstellungshalle wieder zu

einem voll bespielten Haus werden:

Mit »Verführung Freiheit. Europäische

Kunst seit 1945« sind ausgewählte

Kunstwerke aus fast 40 europäischen

Ländern zu Gast. Die Ausstellung »Im

Atelier der Geschichte. Die Gemäldesammlung

des Deutschen Historischen

Museums« führt den Facettenreichtum

der hauseigenen Sammlung an Gemälden

vor Augen.

Am 18. Oktober 2012 hinterfragt eine

prominent besetzte Podiumsdiskussion

unter der Moderation von Stephan Detjen

die kulturpolitische Aufgabe von

Nationalmuseen in einer sich immer

stärker vernetzenden Welt. Glanzvoller

Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten

ist ein Festakt in Erinnerung an die

Gründungszeit des Deutschen Historischen

Museums mit namhaften Gästen

aus Politik und Kultur. Publikumshöhepunkt

ist das Museumsfest am 27. und

28. Oktober 2012: Bei freiem Eintritt

können Besucherinnen und Besucher

einen einzigartigen Blick hinter die

Kulissen des Museums werfen und das

Haus bei zahlreichen Veranstaltungen in

Gänze kennen lernen.

Deutsches Historisches Museum, Austellungshalle

von I.M. Pei bei Tag © DHM / Ulrich Schwarz

Das Deutsche Historische Museum

war ein Geschenk der Bundesrepublik

Deutschland an die Stadt Berlin zu ihrer

750-Jahr-Feier am 28. Oktober 1987.

Ursprünglich als Museumsbau im Spreebogen

gegenüber dem Reichstagsgebäude

geplant, kam dem Deutschen

Historischen Museum mit den politischen

Umwälzungen der Folgejahre eine weitere

Aufgabe zu: Mit der Wiedervereinigung

Deutschlands am 3. Oktober 1990

übertrug die Bundesregierung dem Deutschen

Historischen Museum die Gebäude

und die Sammlungen des Museums für

Deutsche Geschichte der DDR. So wurde

das 1695 errichtete Zeughaus, das älteste

Gebäude am Prachtboulevard Unter

den Linden, zu seinem neuen Sitz. Hier

ist heute die Ständige Ausstellung zur

deutschen Geschichte im europäischen

Kontext zu sehen. Ergänzt wird sie durch

die vielfältigen Sonderausstellungen in

der 2003 eröffneten modernen Ausstellungshalle

des chinesisch-amerikanischen

Architekten Ioeh Ming Pei mit seiner eindrucksvollen

Glasspindel.

Foto © DHM / Ulrich Schwarz Foto © DHM

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Die Veranstaltungen auf einen Blick:

17. Oktober 2012 bis 10. Februar 2013

Verführung Freiheit.

Europäische Kunst seit 1945

XXX. Europaratsausstellung

Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten ist

die Eröffnung der XXX. Europaratsausstellung

»Verführung Freiheit. Europäische

Kunst seit 1945«. Die Ausstellung,

die das Kernstück einer europäischen

Kooperation ist, versteht sich als ein erster

Versuch, die europäische Kunst seit 1945

ohne die üblichen ideologischen Grenzziehungen

des Kalten Krieges in den Blick

zu nehmen. Werke von 120 Künstlern

aus nahezu allen europäischen Ländern

beschäftigen sich mit der Idee der Menschenrechte

in beiden politischen Systemen

nach 1945 und lassen den Wunsch

eines selbstbestimmten Lebens und das

Streben nach Freiheit deutlich sichtbar

werden.

© DHM; Foto Thomas Bruns

25. Oktober 2012 bis April 2013

Im Atelier der Geschichte.

Die Gemäldesammlung

des Deutschen Historischen Museums

Mit mehr als einhundert ausgewählten

Gemälden aus der Zeit zwischen dem 14.

und 20. Jahrhundert präsentiert das Deutsche

Historische Museum die unterschiedlichen

Funktionen der Malerei in den vergangenen

600 Jahren: Die Inszenierung

von Herrschern und ihrem Umfeld, die

Darstellung bedeutsamer, historischer

Ereignisse, aber auch die malerischen

Interpretationen der Welt des »kleinen

Mannes« und Schilderungen des Alltagslebens.

Zu sehen sind Meisterwerke von

Giuliano Bugiardini, Lucas Cranach d.Ä.

oder Willi Baumeister, die berühmte Persönlichkeiten

wie Kaiser Maximilian I. oder

Martin Luther für die Ewigkeit festhielten,

ebenso wie großformatige Schlachtenge-

oben: 1980er Jahre, BRD

unten: Öffentliche Führung, Siegesmeldung nach

der Schlacht bei Leipzig

rechts unten: Ständige Ausstellung; 19891990

Transparente Demonstration Alexanderplatz

18. Oktober 2012, 19 Uhr

mälde und Alltagsszenen. Als das Deutsche Historische Museum vor

25 Jahren gegründet wurde, waren Berlin,

Deutschland und Europa in zwei miteinander

konkurrierende politische Systeme

geteilt. Die Museumsgründung galt

als Politikum: Als nationales Geschichtsmuseum

sollte das Deutsche Historische

Museum die Aufgabe haben, einen Überblick

über die deutsche Geschichte in

ihrem europäischen Zusammenhang zu

präsentieren, der historischen Erinnerung

Raum zu geben und Identifikationsmöglichkeiten

anzubieten. Nach dem Zusammenbruch

des Sozialismus und in Zeiten

einer sich immer stärker vernetzenden

Welt diskutiert ein hochkarätiges Podium

unter der Leitung von Stephan Detjen die

kulturpolitische Aufgabe der nationalen

Geschichtsmuseen im 21. Jahrhundert.

© DHM; Foto Thomas Bruns

Podiumsdiskussion

Nationale Geschichte Stifterin von Identität oder Auslaufmodell?

Impulsreferat:

Prof. Dr. Alexander Koch, Präsident

Stiftung Deutsches Historisches Museum

Es diskutieren:

Dr. Franziska Augstein,

München, Journalistin

Thea Dorn, Berlin, Schriftstellerin,

TV-Moderatorin

Prof. Dr. Jürgen Kocka,

Berlin, Sozialhistoriker

Prof. Dr. Harald Welzer,

Essen, Soziologe und Sozialpsychologe

Moderation: Stephan Detjen,

Chefkorrespondent Hauptstadtstudio

Deutschlandradio

Anmeldung und Information:

tagungsbuero@dhm.de

27. und 28. Oktober 2012

Museumsfest

Am 27. und 28. Oktober 2012 lädt das

Deutsche Historische Museum bei freiem

Eintritt zum Mitfeiern ein. Jung und Alt

können mit einem umfassenden Führungs-

und Veranstaltungsprogramm die

Gebäude und Ausstellungen des Deutschen

Historischen Museums kennen

lernen. Schauspieler des Maxim Gorki

Theaters lassen sich von Werken der Ständigen

Ausstellung inspirieren. Kuratoren,

Restauratoren und Ausstellungsgestalter

präsentieren ihre Arbeit mit einem eindruckvollen

Blick hinter die Kulissen.

Nicht nur die Ausstellungen sind an diesem

Tag für die Besucher geöffnet, sondern

auch die Werkstätten in der nahe

gelegenen Friedrich-Engels-Kaserne.

Eine Plakatauktion, Gewinnspiele, eine

Frage-und-Antwort-Runde mit dem Präsidenten

des Deutschen Historischen

Museums und viele weitere Aktionen

für Kinder und Erwachsene erwarten die

Besucher im überdachten Schlüterhof.

Das Zeughauskino präsentiert Filmdokumentarisches

zur 750-Jahr-Feier Berlins,

Filme für Kinder sowie mit »Der Himmel

über Berlin« die unvergessene filmische

Momentaufnahme aus dem Jahr 1987.

© DHM; Foto Thomas Bruns

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Das gerade erst erworbene Gebäude raubte Posthalter Felderhoff

den Schlaf. Mit dem Kauf des Xantener Meerturms meinte

er, einen guten Schnitt gemacht zu haben. Der Turm sollte

abgerissen und die Steine verkauft werden. Doch wider Erwarten

blieb das Gemäuer standhaft und trotzte allen Angriffen

von Hammer und Meißel, so dass Felderhoff den Kriegs- und

Steuerrat bat, vom Kauf zurücktreten zu dürfen. Die Arbeit sei

so mühsam, argumentierte er, dass er für den gewöhnlichen

Tageslohn keine Arbeiter mehr bekommen würde. An einem

Der Meerturm in Xanten

Fotos: Uwe Strauch, Helge Boele (1)

Tag seien ihm schon für zwei

Reichstaler dicke Meißel entzwei

geschlagen worden. Als

Vergleich und um den Rat ihm

wohlgesonnen zu machen,

schlug Felderhoff vor, auf

eigene Kosten ein dauerhaftes

Dach zu finanzieren. 1

Das alles ereignete sich 1791;

da war der Turm fast aufs Jahr

genau 400 Jahre alt. Weitere

zwei Jahrhunderte später

gehört der Meerturm zu den

historischen Sehenswürdigkeiten

der niederrheinischen

Stadt Xanten nahe der niederländischen

Grenze. Nur

der Durchgang, das Meertor,

wurde 1821 abgerissen.

Einst als Schutz vor allem

gegen die Truppen des Grafen

von Kleve errichtet, ist

heute hier die Redaktion von

Museum.de untergebracht.

Der Auszug aus den Räumen

einer ehemaligen Firma für

Diamantwerkzeuge war durch

die räumliche Erweiterung

des benachbarten Archäologischen

Parks Xanten erforderlich

geworden. Mit dem

Bezug des Meerturms schlägt

Uwe Strauch die Brücke von

Vergangenem zu den moder-

Blick vom Meerturm auf den Dom zu Xanten

nen Technologien des 21. Jahrhunderts. »Museen haben auch

immer etwas mit Geschichte zu tun. Darum ist der Turm der

ideale Ort für meine Arbeit«, sagt der 48-jährige.

Und zugleich kehrt er an einen wichtigen Ort in seiner Familiengeschichte

zurück. Denn im Februar 1945 hatten hier

Xantener Einwohner Schutz vor den Bomben alliierter Flugzeuge

gesucht. Unter ihnen die Mutter, die Großeltern und

der Onkel von Uwe Strauch.

In einigen Überlieferungen wird der Meerturm auch Viehtor

genannt, weil die Tiere es auf dem Weg zur Tränke vor der Stadt

nutzten. Andere Quellen sprechen zudem vom Diebesturm in

Anlehnung an die Arrestzellen, die hier eingerichtet waren. Vor

allem aber war der mächtige, dreigeschossige Backsteinbau, seit

1981 ein Baudenkmal, mit den wenigen Fenstern, manchmal

nur schmalen Schlitzen und wegen eines hochgelegten, gedeckten

Wehrgangs Teil eines Flucht- und Rückzugssystems hin zum

benachbarten Mitteltor und damit weiter zur Bischofsburg.

Der Name ist abgeleitet von Maar, ein Hinweis auf die Sümpfe,

die sich früher jenseits der Stadtmauern erstreckt hatten, so

dass die Städter für lange Zeit von dieser Westseite her mit dem

feuchten Gelände kaum einen Angriff fürchten mussten. »Es ist

davon auszugehen, dass die Besatzung (mit den Pferden) von

der Bischofsburg über das Mitteltor

über den Wehrgang und

von dort aus rasch zum Meertor

gelangen bzw. umgekehrt

durch das Meertor in die Burg

flüchten und sich da zurückziehen

konnten«, vermutet

Wolfgang Richard Müller. 2

Wir schreiben das Jahr 1228,

genauer gesagt den 15. Juli,

als der Ort Xanten die Stadtgründungsurkunde

erhielt

und damit das Recht auf eine

Befestigung »im Hinblick auf

die Belästigungen und Schäden,

die die treuen Bürger

von Xanten durch die Einfälle

der Feinden unruhigen Zeiten

erlitten hatten«. 3 Doch

bis zur steinernen Stadtmauer

und dem Bau diverser

Türme sollten noch Jahrzehnte

ins Land gehen. Ein

Schutz durch Wall und ein

Wassergraben erwiesen sich

in jenen unruhigen Zeiten

als zunehmend unzureichend

Erzbischof Friedrich von

Saarwerden und Graf Adolf I.

von Kleve lagen miteinander

in Fehde , so dass der Geistliche

im März 1389 in einem

Husarenstreich binnen 21

Tagen einen Palisadenzaun

um die Stadt hochziehen ließ.

Eine Behelfsmaßnahme, nicht

auf Dauer angelegt, aber dennoch

erfolgreich. Denn ein Überraschungsangriff der gräflichen

Söhne, deren Truppen mit Leitern die Befestigung überwinden

wollten, scheiterte im April. 4

Nach und nach ersetzte eine Mauer aus Stein, in Abständen

unterbrochen durch mächtige Türme und Tore, den provisorischen

hölzernen Schutz. Für den Bau bedienten sich die Arbeiter

in den nahegelegenen Ruinen der alten Römerstadt Colonia

Ulpia Traiana und holten von dort Bruch- und Tuffsteine.

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Radierung von Paul van Liender 1759, nach einer Zeichnung von Jan de Beyer, 1746

StiftsMuseum Xanten, Graphische Sammlung

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oben: Meterdicke Mauern im Turm

So wuchs die gemauerte Befestigung Schritt für Schritt, wenn

auch nur sehr langsam. Denn noch 1459 berichtete Arnold van

Magelsem, der Stadtsekretär, die Stadt Xanten sei eine Stadt

»ohne Mauern (obemuerd) und hat an vielen Enden trockene

Gräben, so dass man im Sommer wie im Winter an vielen Stellen

durch den Graben und durch den auf dem Wall steckenden

Palisadenzaun (…) hindurch ein- und ausgehen kann, wie es oft

geschieht und noch immer geschieht«. 5

Leider existiert nur eine einzige historische Darstellung vom

Aussehen des Turms, ein Kupferstich von Paulus van Liedler

nach einer Zeichnung von Jan de Beyer von 1746 6 . Die Fassade

dürfte sich aber bis heute nur geringfügig verändert haben.

Nicht mehr vorhanden, sondern nur noch aus Überlieferung

bekannt, ist hingegen jene lateinische Inschrift am Meerturm,

die den Bau der steinernen Befestigung hervorhob.

Mauerreste der Bischofsburg

Nur wenige Jahrzehnte nach der Entstehung des Stichs sollte

der Turm, so wollte es der Magistrat der Stadt, dem Schicksal

der anderen, bereits abgerissenen Türme folgen, da »der alte

Diebesturm am Meertor dergestalt verfallen sei, dass sowohl

die Torschreiberei als die nebenstehenden Häuser wegen des zu

befürchtenden Einsturzes des Daches in Gefahr ständen, großen

Schaden zu erleiden«. 7 Nur die untere Etage sollte weiterhin als

Lager stehen bleiben und ein neues Dach erhalten. Vom Verkauf

von 86.000 Mauersteinen erwartete man einen ansehnlichen

Betrag für die gebeutelte Stadtkasse. In Folge mehrerer Kriege

und Missernten war die Bevölkerung in knapp drei Jahrhunderten

um mehr als die Hälfte von 5000 auf etwa 2000 gesunken,

mit der Verlagerung des Rheins nach Osten hin und somit weg

von der Stadt sank die wirtschaftliche Bedeutung immer mehr.

In dieser finanziellen Not gedachte der Magistrat durch den Verkauf

des Turms, zum späteren Leidwesen von Posthalter Felderhoff,

einen Gewinn zu erzielen. Eine trügerische Hoffnung.

Zweieinhalb Meter dicke Mauern aus Backstein haben also auch

diesem Angriff erfolgreich getrotzt, so wie ihm auch die Jahre

1641 und 1642 nichts hatten anhaben können, als in den Wirren

des Dreißigjährigen Kriegs Wälle und Mauern abgetragen

wurden. 8 Hessenoberst Rabenhaupt ignorierte das Angebot der

Bürger, für 200 Reichstaler von seinem Vorhaben abzulassen,

und ließ die Stadtmauern weitgehend schleifen. Dass zumindest

mit den Toren ein Teil der Verteidigungsanlage

erhalten geblieben

ist, ist nur der Zahlung von 100

Talern zu verdanken. 9

Heute wird ein Teil des Meerturms

als Ausstellungsfläche genutzt.

Über den Wehrgang und das

zerstörte und nach dem Zweiten

Weltkrieg wieder aufgebaute

Mitteltor ist es mit dem Siegfriedmuseum

verbunden. Wer aus

einem der wenigen Fenster und

Scharten schaut, der schaut auf

Geschichte. Zur einen Seite hin

fällt der Blick auf die mächtigen

Türme des Xantener Doms, zur

anderen auf das ehemalige Pesthäuschen

an der Poststraße.

Zur wechselvollen Geschichte des Uwe Strauch vor dem neuen

Turms gehört seine Funktion als Domizil von Museum.de

Gefängnis bis in die Neuzeit hinein,

als es ähnlich wie Ende des

18. Jahrhunderts beim Verkauf an Posthalter Felderhoff jetzt

aber nur vordergründig und als Rechtfertigung nach außen hin

erneut um die öffentlichen Finanzen, in Wahrheit aber um

die Gleichschaltung auch der öffentlichen Verwaltung durch die

Nationalsozialisten ging. Bis 1933 war das Zentrum mit Politiker

Bürgermeister Wegenaer an der Spitze die stärkste Fraktion.

Doch am 18. April 1933 wurde er gemeinsam mit dem Rendanten

der Sparkasse festgenommen und im Meerturm inhaftiert.

Sie sollen angeblich durch falsche Kreditvergaben die Stadt an

den Rand des Ruins gebracht haben. Der auf zwölf Jahre wiedergewählte

Bürgermeister, der einst NS-Mitglieder aus dem

öffentlichen Dienst entfernen ließ, wurde seines Amtes enthoben

und in den Ruhestand versetzt.

Foto: Helge Boele

Der unterirdische Wehrgang, heute zum SiegfriedMuseum gehörig

Somit war der Weg für die neuen braunen Machthaber frei.

Zwölf Jahre lang übte der nationalsozialistische Stadtverordnete

und Gewerbeoberlehrer Karl Schöneborn das Amt des Bürgermeisters

aus. Bis zur Flucht im Februar 1945. Von den Niederlanden

aus drangen die Alliierten unaufhaltsam vor, so dass die

nationalsozialistische Stadtverwaltung sich genötigt sah, einen

eindringlichen Durchhalteappell an die Bevölkerung zu richten

und sich dabei auch der Historie der Stadt bediente: »Wall und

Mauer, Tore und Türme entstanden (…) im 13. Jahrhundert,

um die Stadt wirksam gegen feindliche Einfälle schützen zu

können. Nach über 700 Jahren wechselvollen Ringens um den

Bestand unserer Heimat und insbesondere unserer Stadt, erleben

wir heute ein ähnliches, durch moderne Waffen entsprechend

schweres Schicksal.« 10

In den Februartagen des Jahres 1945, nachdem die Alliierten

bei ihrer Luftlandung einige Monate zuvor Nimwegen und

Arnheim eingenommen hatten und ihre Verbände vorrückten,

erlebten die Einwohner mehrfach schwere Bombenangriffe,

die die Stadt nach und nach in Schutt und Asche legten. Am

Ende sollte Xanten zu 86 Prozent zerstört sein. Ein Großteil

der Bevölkerung folgte den Bediensteten der Stadtverwaltung

und flüchtete aus der Stadt aufs Land. Der Verwaltungsbeamte

Johannes Schuh notierte zum Beispiel für die Tage nach dem

10. Februar 1945: »… immer wieder Lebensmittelbeschaffung,

Der Autor

Nach dem Studium von Geschichte

und Sozialwissenschaften begann Peter

Kummer seine journalistische Laufbahn

als Redakteur der Rheinischen Post, ehe

er in den Landtag von Nordrhein-Westfalen

wechselte. Anschließend folgten

zwölf Jahre als Pressesprecher zum

Teil in leitender Funktion für zwei der

größten deutschen Wohnungsunternehmen

und zuletzt eine Tätigkeit im

damaligen Bau- und Verkehrsministerium

NRW.

Endnoten

1 Konrad Bork »Warum blieb das Meertor und

Klever Tor in Xanten erhalten?«

in Die Heimat Zeitschrift für niederrheinische

Heimatpflege 1938

2 Wolfgang Richard Müller in:

»Xanten entdecken Führer zu den

historischen Bauten«

3 Konrad Bork a.a.O.

4 Carl Wilkens: »Die Bischofsburg zu Xanten«

5 Dieter Kastner: »Stadterhebung, Stadtwerdung

und das Privileg für Xanten vom 15. Juli 1228«

in: Studien zur Geschichte der Stadt Xanten

1228 1978, Köln 1978

Erteilung von Fliegerabreisebescheinigungen, Aufräumungsarbeiten,

Straßenfreilegungen. Unzählige Wünsche der Bevölkerung

wegen Evakuierung.« 11

Wer in der Innenstadt blieb, suchte in einem der wenigen unbeschädigten

Gebäuden Sicherheit vor den Bomben. Im Meerturm

mit seinem nur etwa 18 Quadratmeter großen Raum in Parterre,

ohne Fenster nach draußen, dafür aber durch die meterdicken

Mauern besonders geschützt, hörten die Menschen das Heulen

der fallenden Bomben, die zahllosen Einschläge und das Bersten

der umliegenden Wohnhäuser rund um den Marktplatz,

auch die fast völlige Zerstörung des Xantener Doms und die

Einschläge in den Bunker eine Gehminute entfernt am Marktplatz.

Aber sie selbst überlebten vielleicht auch dank der spätmittelalterlichen

Bau- und Befestigungskunst. In seinen Notizen

listete Bürgermeister Schöneborn die Schäden detailliert auf:

ganze Straßenzüge zerstört, ebenso der Marktplatz, der ein Bild

des Grauens biete, das Klever Tor, »empfindlich beschädigt« 12 ,

trotzte den Angriffen. Ebenso der Meerturm.

Peter Kummer

Turm mit Wehrgang; im Hintergrund SiegfriedMuseum und der Dom

6 Clive Bridger: »Das mittelalterliche Meertor

in Xanten« in: Archäologie im Rheinland, 1987

7 Ebd.

8 Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. 1,

Hrsg: Paul Clemen, Düsseldorf 1892

9 Udo Mainzer: »Die Xantener Stadtbefestigung

mit ihren Toren in Vergangenheit und Zukunft«

in: Studien zur Geschichte der Stadt Xanten

1228 1978, Köln 1978

10 Jürgen Rosen: »Augenzeugenberichte vom

Untergang Xantens 1945«

in: Studien zur Geschichte der Stadt Xanten

1228 1978, Köln 1978

11 Ebd.

12 Ebd.

43


44

Einladung

Am 5. Oktober findet in der Bundeskunsthalle

das zweite Museumstreffen statt.

Nehmen Sie die Zeit für unseren gemeinsamen

Tag in Bonn, der unter dem Motto

»Lebendiges Museum« statt findet.

Zu der kostenlosen Veranstaltung melden

Sie sich und Ihre Kollegen bitte unter

http://treffen.museum.de an. Dort befindet

sich auch die Liste der bisher angemeldeten

Museen, die präsent sein werden.

Außerdem haben wir dort einige

Infos zum Programm, Anfahrt und den

Übernachtungsmöglichkeiten zusammengestellt.

Die Bundeskunsthalle lädt die Teilnehmer

am 5. Oktober zur kostenlosen Besichtigung

aller Ausstellungen ein.

Wir danken unseren

Sponsoren:

2. Museumstreffen am 5. Oktober 2012 in Bonn

Lebendiges Museum

Mir stellt sich die scheinbar simple Frage,

was ein Museum überhaupt ist und ob

man dem ganzen überhaupt das Attribut

»lebendig« geben kann. Ein Zoo

hat lebendige Tiere. Aber wie kann ein

Museum mit Kunstwerken lebendig sein?

Lassen Sie uns gemeinsam aufbrechen zur

Spurensuche nach dem Museums-Gen.

Jim Knopf und die wilde 13

Seit über 50 Jahren ist der liebenswürdige

Jim Knopf und sein dampfendes Gefährt

von der Augsburger Puppenkiste eine

sehr lebendige Figur, obwohl sie einen

Holzkopf hat. Letztlich ist es eine menschliche

Schöpfung, die durch begeisterte

Puppenspieler zum Leben erweckt wird.

Zieht man an einem bestimmten Faden,

so hebt sich die Hand zu einem freundlichen

Gruß.

Bei dieser Gelegenheit sende ich einen

ebenso herzlichen Gruß an »die Kiste«

das Augsburger Puppentheatermuseum.

Bis zum 21. Oktober ist dort die Sonderausstellung

»200 Jahre Kinder- und Hausmärchen

der Brüder Grimm« zu sehen.

Richtig betrachtet müsste es also nicht

Museumstreffen, sondern Museums-Kollegentreffen

heißen. Wir sind es, die das

Museum zum Leben erwecken, indem wir

an den richtigen Fäden ziehen. Auf diese

Art und Weise springt dann auch bei uns

in der Redaktion der Funke über. Damit

diese Funken weit fliegen und schön

leuchten, sind wir bei jeder Ausgabe vom

Magazin Museum.de mit viel Begeisterung

am Werk.

Ein Austausch unter Kollegen das geht

nicht allein über Schreibtischkommunikation.

Für einen Museumsbesuch geht

man ja auch nicht zum Monitor, sondern

ins Museum. Lassen Sie uns im lockeren

Rahmen Erfahrungen austauschen und

gemeinsam überlegen, wie man das

Museum lebendig gestalten kann. Wie

ist es zu schaffen, dass die Museen auch

außerhalb der Eingangstür als lebendige

Orte wahrgenommen werden, in denen

man sich gerne aufhält?

Das ist vielleicht sogar eine existenzielle

Frage und als Optimist halte ich es in diesem

Sinne am Ende wie bei den Märchen

der Gebrüder Grimm: »… dann leben sie

noch heute!«.

Herzlichst

Uwe Strauch

Sieben Referenten sprechen aus Ihrer ganz eigenen Perspektive

über das »Lebendige Museum«. Dazwischen gibt es den Austausch

zwischen Ihren Kollegen.

Dr. Bernhard Spies

Geschäftsführer

der Bundeskunsthalle,

Bonn

»Die Lebendigkeit der Bundeskunsthalle«

Prof. Barbara Holzer

HolzerKobler Architekturen,

Zürich/Berlin

»Mise en scène

Zwischen Neurose und Lustprinzip«

Dr. Stephanie Jacobs

Leiterin des Deutschen Buch- und

Schriftmuseums der Deutschen

Nationalbibliothek, Leipzig

»Von Kerbhölzern, fliegenden Blättern

und Zukunftsvisionen:

Die neue Dauerausstellung des Deutschen

Buch- und Schriftmuseums der Deutschen

Nationalbibliothek«

Prof. Dr. Alexander Koch

Präsident Stiftung Deutsches

Historisches Museum, Berlin

»Museum in Transition:

Das Deutsche Historische Museum«

Bettina Pfaff

Geschäftsleitung der Arche Nebra, Nebra

»Vom Marathon zum Sternenflug

die Arche Nebra bewegt«

Oberst PD Dr. Matthias Rogg

Direktor Militärhistorisches Museum

der Bundeswehr, Dresden

»Lebendige Militärgeschichte

Das neue Militärhistorische Museum der

Bundeswehr«

Prof. Dr. Hermann Schäfer

Gründungspräsident der Stiftung Haus

der Geschichte der Bundesrepublik

Deutschland, Prof. WiSoGesch. Univ. Freiburg,

Abteilungsleiter Kultur u. Medien

Bundeskanzleramt Berlin a.D.

»Wenn das Museum schläft, leiden die

Alten Meister.« (anonym)

Ohne Wagnis kein Erlebnis.

45


ORT

Messegelände Leipzig

Halle 2

Messe-Allee 1

04356 Leipzig

ÖFFNUNGSZEITEN

9.30 - 18.00 täglich

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MUSEUMS- UND AUSSTELLUNGSTECHNIK

LEIPZIG

22. - 24. NOVEMBER 2012

Museumsbau

Museumsausstattung

Besucherservice

Mediale Präsentation

Museale Infrastruktur

Museumsmanagement

Bibliothekstechnologie

© Sammlung Antoine de Galbert, Paris

© Museum aan de Stroom, Antwerpen

Narren.

Künstler.

Heilige.

Lob der Torheit

In allen menschlichen Gesellschaften gibt es die Figur des

Exzentrikers, der am Rande steht, als Außenseiter gilt, und

einerseits verachtet, aber andererseits als besonders und herausgehoben

wahrgenommen wird. Die Ausstellung mit ihren

ca. 200 Exponaten verfolgt die unterschiedlichsten Ausprägungen

dieser universalen Figur und spürt ihr in allen Weltkulturen

und Epochen nach.

Zeitlich schlägt sie einen Bogen von altägyptischen

Zeugnissen bis zu jüngsten Werken

des 21. Jahrhunderts und beweist, dass

trotz aller oberflächlichen Verschiedenheit

des Ausdrucks die archetypische Figur und

ihre Funktion seit 3000 Jahren Menschheitsgeschichte

unverändert aktuell sind. Es werden

überraschende Ähnlichkeiten und Kontinuitäten

aufgedeckt: Narren, Schmiede,

Propheten, Dichter, Schamanen, Priester,

Kachina-Maske; Hopi, Künstler gehören allesamt zu diesen Grenz-

Arizona, Anf. 20. Jh gängern, leben in einer besonderen Sphäre

Foto: Cloé Beaugrand und bringen Menschliches mit Übermenschlichem

in Verbindung. Fremd wirkende Bilder,

spirituelle Zeichen, Figuren u. a. aus dem antiken Griechenland,

dem Fernen Osten, Ozeanien, Afrika, Sibirien und

Südamerika treten neben europäische barocke, moderne und

zeitgenössische Werke.

Magische Figur (Europäischer

Nagelfetisch),

Belgien, 19. Jh

Ausgestellt werden neben den Bildern und

Darstellungen der exzentrischen Figuren

auch deren magische Werkzeuge und Hilfsmittel

wie Kostüme, Masken, Zauberstäbe,

Musikinstrumente, Fetische und Medikamente.

Die Schaustücke stammen aus zahlreichen

öffentlichen und privaten Sammlungen

und Museen in Frankreich, Belgien, den

USA, Deutschland, den Niederlanden, Brasilien,

Dänemark, Russland und der Schweiz.

Tatsächlich erfüllen die exzentrischen Figuren

eine essentielle Rolle. So wie es ohne

Tod kein Leben gibt, kann es auch ohne

Chaos und Exzess, ohne Unverständliches,

Mystisches, Außergewöhnliches weder

Ordnung noch Normalität geben.

47


© Musée du quai Branly, Paris

© Musée international du Carnaval et du masque, Binche

48

Der Lauf der Welt

wäre in höchster

Gefahr, wenn es keine

»Meister der Unordnung«,

keine Zauberer,

Künstler oder

Heilige gäbe, wenn

nicht der Karneval

Maske der balinesischen

die Verhältnisse auf

den Kopf stellte oder

Hexenkönigin Rangda, die Narren in christo

Indonesien 19001950 nachts beteten. Während

die absolute

Notwendigkeit des Andersseins für das

Funktionieren menschlichen Lebens in der

alltäglichen Betrachtung häufig aus dem

Blickfeld gerät, rückt die Ausstellung die

Randfiguren ins Licht und unterstreicht

die vitale Bedeutung ihrer Aufgabe.

Kuker-Kostüm, Pernik,

Bulgarien, ca. 18801990

Kurator der Ausstellung

ist Jean de Loisy,

Präsident des Palais

de Tokyo in Paris. Die

Schau wurde in Paris

im Musée du quai

Branly eröffnet. Nach

der zweiten Station

in Bonn geht die

Tournee weiter nach

Madrid ins CaixaForum

(7. Februar 19.

Mai 2013).

Kunst-und Ausstellungshalle

der Bundesrepublik Deutschland in Bonn

31. August bis 2. Dezember 2012

Bo (cacatu),

Coll. Marc Arbogast; Foto: Gérard Bonnet

Im Rahmen des Ausstellungsaufbaus

aktivierte Aze Kokovivina, der »Priester

mit dem irren Lachen« einen eigens

für die Ausstellung realisierten Voodoo-Altar.

Der Altar, bestehend aus Lehm, Blut,

Tierschädeln, Palmöl, Holz, Eisen sowie

Teilen weiterer Fetische, ist der Voodoo-Macht

Kelessi geweiht. Laut Aze

Kokovivina gelingt es ihm dank des

Gesangs, der Sprache und der Materialien,

die er für die Komposition seiner

Fetische verwendet, mit den Voodoo-Mächten

zu verhandeln. Nach der

Aktivierung dient der Altar dem Schutz

des Hauses und der Kinder. Er bleibt

während der gesamten Ausstellungsdauer

aktiviert. Der Priester wird ihn am

Ende der Ausstellung wieder deaktivieren,

da im Voodoo-Ritual nur Wissende

die Macht haben, die Quellen der Voodoo-Macht

zu beeinflussen.

Aze Kokovivina ist Generalsekretär

der Voodoo-Priester in Togo und dort

eine Berühmtheit. Er wird als Meister

angesehen; das Geheimnis seines Voodoo-Zaubers

ist die Mischung aus Theater

und Voodoo.

Fotos Voodoo: © Andrea Wark

Besuchen Sie uns in

Halle 2 Stand MU 94.

Leipzig

22. - 24.11.2012

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49


50

Modezeichnungen und Objekte

der Zwanziger Jahre

Eine Ausstellung der Kunstbibliothek,

Staatliche Museen

zu Berlin, im Rahmen des

deralen Programms der

Stiftung Preußischer Kulturbesitz

in Kooperation mit

dem Bomann-Museum Celle

(November 2011 bis März 2012)

BOMANN-MUSEUM CELLE

Schloßplatz 7

29221 Celle

www.bomann-museum.de

Pailletten

Posen

Puder

dosen

Wie kaum ein anderes kulturelles

Element der »Goldenen

Zwanziger Jahre« verdeutlicht

die Mode, zusammen

mit dem neuen Schönheitsideal,

das Lebensgefühl dieser

Epoche. Die politischen

und gesellschaftlichen Veränderungen

nach dem Ersten

Weltkrieg führten dabei

gerade in der Damenmode

zu einer regelrechten Befreiung,

die dem Selbstbewusstsein

der »neuen« Frau entsprach.

Neuartige, elastische

Materialien lösten das seit

Jahrhunderten als verbindlich

geltende Korsett ab:

Eine Revolution für die Frau,

der auch der immer kürzer

werdende Rock- und Kleidersaum

gerecht wurde.

Beinzeigen war jetzt ebenso

angesagt wie das Adaptieren

männlicher Modeelemente,

wodurch sich die Frauenkleidung

fast gänzlich vom femininen

Ideal der Vorkriegszeit

unterschied. Der Typ

der Garçonne und des Girls

wurde geboren und mit ihnen

der Drang nach Jugendlich-

keit, Schlankheit und Mobilität.

Beiden gemein war der

Bubikopf entscheidendes

Merkmal für das jugendliche

Aussehen. Während die

Garçonne eher den männlichen

Typus in Verhalten und

Kleidung anstrebte, spielte

das Girl mit den weiblichen

Reizen und subtiler Erotik.

Für die schnelle Verbreitung

dieser neuen Modeideale

sorgte neben dem Theater

das noch junge Medium des

Films. Stars und Sternchen

der Zeit wie Lya de Putti,

Maria Korda oder Brigitte

Helm hatten für viele Frauen

Vorbildcharakter. Noch entscheidender

für die Kommerzialisierung

war, vor allem

hinsichtlich der Idealisierung

der Mode der Moderne, die

illustrierte Presse der Zeit.

Allein in Berlin, das als Medienzentrum

in Deutschland

galt, erschienen für das breite

Publikum wöchentlich unzählige

Illustrierte, Mode- und

Fachjournale sowie Bildbeilagen

zu den großen Tageszeitungen.

51


52

Modulbau-Technik für Museen,

Galerien und Ausstellungen

Leichte

Bauweise

Zeitloses

Design

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Oberfläche

Patentierte Stellwandtechnik,

leicht und schnell in der

Handhabung. Variabel im

Design, robust und langlebig.

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Module mit individuellem

Charakter für alle Bauformen.

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Nicht sichtbare

Verbindungstechnik

Einfacher Auf-

und Abbau

Stabiler

Kantenschutz

Einen 500 qm großen Raum

so zu unterteilen, dass 100

Modezeichnungen, 200 Puderdosen

und zahlreiche Kleidungsstücke

und Accessoires

präsentiert werden können

und dabei den Besucher auf

einem sinnvollen Rundgang

zu führen, ist ein anspruchsvolles

Unterfangen. Realisiert

wurde es mit etwa 60 Stellwand-Elementen

der Firma

MBA. Das System mila-wall

Serie 100 ist bei den Celler

Museen seit einigen Jahren

im Einsatz.

Kuratoren schätzen es wegen

seiner hohen Flexibilität, die

Ausstellungstechniker wegen

der einfachen Handhabbarkeit

und des geringen Gewichtes

der einzelnen Elemente.

Auch können durch die

Deckenverbinder problemlos

Raumteiler erstellt werden.

Besonders nachhaltig ist das

System durch den umlaufendenMultifunktionsrahmen

aus Aluminium und die

wechselbaren sowie streichfähigen

Oberflächen.

Die Ausstellung zeigte über

100 Modezeichnungen aus

der Sammlung Modebild

Lipperheidesche Kostümbibliothek

der Staatlichen

Museen zu Berlin, die wohl

die umfassendsten Bestände

an künstlerischer Modegrafik

aus den Metropolen Paris,

Wien und vor allem Berlin

besitzt. Die ausgewählten

Arbeiten entstanden zwischen

1919 bis 1929. Die in

verschiedenen Techniken, oft

für Zeitschriften ausgeführten

Illustrationen verdeutlichen

einerseits den detaillierten

Blick auf die damaligen

Modeideale, andererseits

zeigen sie einen Querschnitt

durch die künstlerischen Strömungen

der Zeit.

53


54

Einen weiteren Ausstellungsschwerpunkt

bildeten 200

Puderdosen und Kosmetikaccessoires

der 1920er Jahre aus

dem Bestand einer Berliner

Privatsammlerin. Die Objekte

zeugen von einer unglaublichen

Formen-, Farb- und

Materialvielfalt, die den Bedarf

an hochwertigen gestalteten

Kosmetika der damaligen Zeit

deutlich macht und die Verbindung

zwischen Mode und

Schönheitsideal aufzeigt. Wie

in der Mode vollzog sich auch

in der Kosmetik in den 1920er

Jahren ein enormer Wandel.

Schönheits- und Körperpflege

waren nicht länger eine intime

Angelegenheit, sondern wurden

zum Gesprächs- und Werbethema.

Selbst das Schminken

in der Öffentlichkeit

wurde allgemein akzeptiert.

Erstmalig in der Öffentlichkeit

zu sehen waren zahlreiche Textilien

und Accessoires aus der

Sammlung des Bomann-Museums

sowie Leihgaben aus

dem Modemuseum Meyenburg.

Neben Nachmittags-

und Tageskleidern vermittelt

besonders auch die

Tanz- und Abendgarderobe

einen Eindruck vom Lebensgefühl

der Zwanziger Jahre auch

im Raum Celle, inspiriert von

den Modeströmungen in den

Metropolen der Welt.

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zerlegbar wiederverwendbar kostengünstig maßgeschneidert weltweit einmalig patentiert preisgekrönt Museumsqualität

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55


Foto © Susanne Dobler

56

Mit dem wachsenden Bedürfnis von

Auftraggebern, sich dreidimensional zu

präsentieren und der Erschwinglichkeit

der dafür notwendigen Gestaltungsmittel

gewinnt die Corporate Scenography

zunehmend an Bedeutung. Nicht nur

bei temporären Markenpräsentationen,

sondern auch bei permanenten Firmenauftritten

wird das authentische, physische

Erlebnis einer Firmen- oder Markenphilosophie

ein immer wichtigerer

Bestandteil der Markeninszenierung im

kommerziellen und im kulturellen Sektor

gleichermaßen. Architektur wurde lange

Zeit als Additivum zum Corporate Design

betrachtet. Corporate-Design-Richtlinien

wurden auf Beschriftungen, Farben und

CI-konforme Materialien reduziert, um eine

gewisse Einheitlichkeit im Erscheinungsbild

zu gewährleisten. Allgemeine Zielvorstellungen

wie »hochwertig«, »repräsentativ«

oder »zukunftsweisend« wurden lediglich

verbal oder zweidimensional verfolgt. Erst

CORPORATE SCENOGRAPHY BRANDED

EXPERIENCE OR THE ART OF COMMERCE

allmählich werden auch weiterreichende

Möglichkeiten räumlicher Gestaltung zur

Aufwertung und Vermittlung eines Markenimages

erkannt und genutzt. Denn mit

einer konsistenten, an den Markenwerten

orientierten Corporate Scenography kann

ein nachhaltiger und quasi intravenöser

Zugang zur Marke gelingen. Dies bedeutet

aber keine banale, plakative Präsentation,

sondern vielschichtige Assoziationen, eine

schlaue und überraschende Übersetzung

von Markenwerten und Firmenphilosophie

in Raumbilder, die von den Besuchern

persönlich entschlüsselt ein erinnerungs-

würdiges Erfolgserlebnis auslöst. Dann bildet

die Corporate Scenography das zum

Raum gewordene Selbstverständnis einer

Marke, eines Unternehmens oder einer

Institution ab, ein für den Rezipienten

begehbares und erfahrbares Sujet.

Was kann die Corporate Scenography leisten,

angesichts des wachsenden Bedürfnisses

von Unternehmen und Institutionen

sich dreidimensional zu präsentieren?

Worin liegen Chancen und Herausforderungen

einer solchen Corporate Scenography?

Wie künstlerisch darf und wie kommerziell

muss eine solche Gestaltung sein?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch

das International Scenographers` Festival

IN3, das in diesem Jahr vom 15.18.

November unter dem Titel Corporate

Scenography the Art of Commerce in

den TPC Studios in Zürich stattfindet.

Weitere Informationen unter: www.in3.ch

Uwe R. Brückner: Corporate Scenography

Vom intravenösen Zugang zur Marke,

in: Corporate Identity und Corporate

Design. Neues Kompendium. av-edition,

Ludwigsburg 2007, S. 126137.

Schädlingsbekämpfung moderne Schädlingsbekämpfung mit Stickstoff

Die Bekämpfung folgender

Schädlinge ist möglich:

Motten

Museumskäfer (Anthrenus-Arten)

Speckkäfer

Pelzkäfer

Nagekäfer (Anobien)

Brotkäfer

Parkettkäfer

Hausbockkäfer

und andere

Einsatzmöglichkeiten:

Museen

Sammlungen

Depots

Archive

Galerien

Kirchen

Restaurationsbetriebe

und andere

Absolut giftfreie Schädlingsbekämpfung

Stabile Kammern mit dauerhaft gleichbleibender

Dichtigkeit

Individuelle Einhausungen mit gasdichten

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CORPORATE SCENOGRAPHY

THE ART OF COMMERCE

4th International Scenographers‘ Festival IN3

15. 18. November 2012, tpc Studio 5, Zürich

in cooperation with

Media partner

57


58

Ein digitales Fotoalbum zwischen Exponaten:

Auf 3D-generierten Seiten erscheinen Fotos und

Schmalfilme aus dem Leben des Firmengründers.

Über einen Handhörer kann ein Tondokument

abgerufen werden.

Bild rechts:

Ein Bauzaun im Museum: Die Öffnungen in der

Bretterwand sind mit maskierten HD-Monitoren

hinterlegt. Für die Baustellenatmosphäre sorgt ein

dezenter Audioteppich.

Die Schöck AG, ein mittelständischer Bauteilehersteller

mit Firmensitz in Baden-Baden,

feiert ihr 50. Firmenjubiläum mit

der Eröffnung eines Firmenmuseums.

Geschichte, Gegenwart und Zukunft des

Unternehmens werden auf über 200 qm

für Besucher lebendig.

Wie kommen 50 Jahre Unternehmensgeschichte ins Museum?

Vom Büro zum inszenierten Raum

Verantwortlich für Konzeption und Bau

des Museums war ein Team, bestehend

aus den Firmenhistorikern der Geschichts-

agentur Guttmann und Grau, der Gestaltergruppe

Raumeinsichten sowie den

Mediengestaltern von echtzeitMEDIA.

Ziel der Museumsmacher war es, das

Unternehmen, die Menschen, die es

gestalten und seine Produkte in den Mittelpunkt

zu stellen eine gewisse Herausforderung,

denn Schöck Produkte

sind gewissermaßen »unsichtbar« verbaut

in Gebäuden.

Grundlage für das inhaltliche Konzept

des Museums bildete die Recherche der

Firmenhistoriker. Dieses Konzept eröffnet

dem Besucher die Möglichkeit, sich dem

Unternehmen Schöck auf zwei unterschiedlichen

Wegen zu nähern: Entlang

eines Zeitstrahls kann die Entwicklung der

Firma und ihrer Produkte chronologisch

nachvollzogen werden. Themeninseln

ermöglichen es, unterschiedliche Aspekte

des Unternehmens genauer kennenzulernen.

Wie ein roter Faden zieht sich das

Thema Innovation durch die gesamte

Ausstellung.

Aufgabe der Gestaltergruppe Raumeinsichten

war es anschließend, das inhaltliche

Konzept räumlich und gestalterisch

umzusetzen. Die Herausforderung

bestand darin, gewöhnliche Büroräume

an die Erfordernisse eines Museumsraums

anzupassen. Im Gestaltungskonzept

enthalten waren u.a. das Entfernen

von Wänden, Verlegung eines neuen,

farbig gestalteten Bodens, die komplette

Elektrifizierung der bespielten Themeninseln,

auch für den Medieneinsatz, sowie

ein attraktives Beleuchtungskonzept.

Dabei kamen passend zum Unternehmen

innovative Materialien zum

Einsatz. Der eher unscheinbare Museumseingang,

eine Flurtüre, wurde durch

den Einsatz eines beleuchteten Museumstores

aufgewertet. Gestaltet mit dem

neuen Effektgewebe EttlinLux werden die

Firmenfarben repräsentiert und eine illusionäre

Räumlichkeit erzeugt. In Anlehnung

an die Unternehmens-CI entwickelten

die Gestalter eine helle, freundliche

Gesamtanmutung. Der Zeitstrahl wird in

verschiedenen Ebenen bespielt. Neben

der grafischen, zweidimensionalen Ebene

gibt es versenkte Vitrinen, vorgesetzte

Hauben und Tablare oder auch selbstleuchtende

Elemente.

Medieninszenierung »Internationalisierung«:

Der Nutzer interagiert am Touchscreen, der Inhalt

wird sowohl auf dem Monitor dargestellt wie auch

großflächig auf Leinwand projiziert.

Die Themeninseln sind in ihrer Anmutung

alle ähnlich gestaltet und farblich durch

eine ovale Bodenmarkierung erkennbar.

Ein Protagonist, ein Mensch aus dem

Unternehmen, führt in das jeweilige

Thema ein. Die Inhalte werden zweidimensional

über große, frei verformte Grafikwände

und dreidimensional in Objektmöbeln

vermittelt. Auch hier kommen

innovative Materialien zum Einsatz: Teile

der Möbel sind farbig illuminiert durch

Lucem, einem neuartigen »Leuchtbeton«.

Die mediale Umsetzung der gestalterischen

Konzeption lag in den Händen von

echtzeitMEDIA. Die Medienplaner waren

dabei nicht allein für die Medienproduk-

tion, sondern auch für technische Umsetzung,

Beschaffung, Programmierung und

Montage zuständig. Im Museum Schöck

bestand die Herausforderung darin,

technisch innovative Produkte sowohl

für Laien, wie auch für Fachleute aussagekräftig

und gleichermaßen ansprechend

zu gestalten und dabei der Firma

Schöck die Möglichkeit offen zu halten,

Neuerungen und Entwicklungen kurzfristig

und selbständig einzupflegen.

Dies gelang durch Anbindung der

Medienstationen ans Internet: Inhalt und

Programmierung dieser Stationen können

per Fernwartung überwacht, geändert

oder ergänzt werden.

Die kombinierte Touchscreen-Beamerstation

»Internationalisierung« funktioniert

mit einem Content-Management-System,

über das die weltweiten Niederlassungen,

Fertigungsstätten und Partner von

Schöck auf einer 3D-generierten Weltkugel

in Text, Bild und Audio dargestellt

werden. Hier kann der Nutzer interaktiv

eingreifen, indem er Inhalte und Informationstiefe

steuert.

Inszenierung innovativer Produkte durch den

Einsatz innovativer Materialien.

Themeninsel »Innovation« mit 3D-animierten

Fischen

Das eigentliche Erfolgsrezept der Firma,

Entwicklungen jenseits des Mainstreams

voranzutreiben, wird mit einem 3D-animierten

Fisch illustriert, der gegen Strömung

und Zeitgeist schwimmt, und der

dennoch seinen Weg findet: Sinnbild für

die Firmenphilosophie, mit der Schöck

sein Unternehmen über die Jahre erfolgreich

gemacht hat.

Gestaltergruppe Raumeinsichten

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59


60

Kooperationen zwischen Museen

und Unternehmen

Mit Kreativität und neuen Ideen

Win-Win-Konzepte entwickeln

Mechtild Julius

Viele Museen wünschen sich eine bessere

finanzielle Ausstattung und sind daher

auf der Suche nach innovativen Finanzierungsquellen,

um ihren gesellschaftlichen

Auftrag erfüllen, neue Besuchergruppen

erschließen und auch in Zukunft für die

Besucher/innen ein attraktiver und vielseitig

bereichernder Ort sein zu können. Gleichzeitig

suchen Unternehmen nach neuen

Wegen, um die Attraktivität ihres Standortes

zu erhöhen, gesellschaftliches Engagement

zu zeigen und Mitarbeitern wie Kunden

über das kommerzielle Ergebnis hinaus

einen ideellen Mehrwert zu bieten.

Oft existieren die Welten »Kultur« und

»Wirtschaft« jedoch ohne Querverbindungen

nebeneinander. Auch mögen

zuweilen Berührungsängste der Kulturschaffenden

mit dem »Kommerziellen«,

Gewinnorientierten, existieren. Und auf

der anderen Seite fehlen in Unternehmen

einfach die Ideen, wie sie sich über klassische

Werbung und Öffentlichkeitsarbeit

hinaus in die Gesellschaft einbringen und

zugleich ihre unternehmerischen Ziele

verfolgen können. In der Verbindung der

Interessen und Ziele von Museen und von

Unternehmen liegt also ein gewaltiges

Potenzial. Hier können Museen durch

Kreativität, aktives Zugehen auf Unternehmen

und das Beschreiten neuer Wege

sicherlich viel erreichen.

Was aber können Museen tun, um für

Unternehmen interessante Kooperationspartner

zu sein?

Schauen wir uns zunächst einmal an,

welche Bedarfe es in Unternehmen gibt,

die möglicherweise zu einer Kooperation

mit einem Museum führen können. Was

brauchen und suchen Unternehmen im

kulturellen Bereich?

Interessante Antworten auf diese Frage

liefert die bundesweite Studie »Unternehmerische

Kulturförderung in Deutsch-

land«, die der Kulturkreis der deutschen

Wirtschaft im BDI e.V. im Jahr 2010 veröffentlicht

hat und die auf einer repräsentativen

Befragung von ca. 350 Unternehmen

basiert.

Demnach sind es drei Hauptmotive,

warum Unternehmen in kulturelle Projekte

investieren:

1. Die Übernahme gesellschaftlicher

Verantwortung ist mit 92 Prozent der

Hauptgrund für kulturelles Engagement.

Begriffe wie »Corporate Cultural Responsibility«

oder »Corporate Citizenship«

sind in vielen Unternehmen mittlerweile

selbstverständlicher Bestandteil der

Unternehmenskultur. Hinzu kommt, dass

große und zunehmend auch mittelständische

Unternehmen von der Öffentlichkeit

und von ihren Shareholdern zunehmend

an den jährlichen Nachhaltigkeitsberichten

gemessen werden. Für die Nachhaltigkeitsberichte

existieren Rankings des

Bundesministeriums für Arbeit, die jährlich

veröffentlicht werden und die auf ein

großes Medieninteresse stoßen. Kaum

ein Unternehmen kann es sich heutzutage

noch leisten, nicht auf diesem Spielfeld

aktiv zu sein. Hier entsteht also auch

Druck von außen auf die Unternehmen,

sich gesellschaftlich zu engagieren.

2. Für 79 Prozent der befragten Unternehmen

ist darüber hinaus der Imagegewinn

ein zentrales Motiv, um sich kulturell

aktiv einzubringen. Die Messbarkeit des

Medieninteresses und der Kommunikationswirkung

des kulturellen Engagements

ist daher von großer Bedeutung.

3. Die Steigerung der Mitarbeitermotivation

bzw. -identifikation spielt darüber

hinaus vor allem bei großen Unternehmen

eine wichtige Rolle. »Arbeitgeberattraktivität«

ist hier das Stichwort, das umso

bedeutsamer wird, als neue Fachkräfte

immer schwieriger zu finden sind. Für die

bestehende Belegschaft wird schon aus

wirtschaftlichen Überlegungen heraus

eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit angestrebt,

da diese mit einem geringeren

Krankenstand und geringerer Fluktuation

korrespondiert. Zufriedene Mitarbeiter sind

erfahrungsgemäß produktiver. Museen

sollten sich bewusst sein, dass diese ehemals

»weichen« Faktoren aus der Ecke

»nice to have« zunehmend zentral werden

für die wirtschaftliche Zukunft von Unternehmen.

Auch für das Thema »Arbeitgeberattraktivität«

gibt es mittlerweile vielbeachtete

Rankings, die im »War of Talents«

zunehmend an Gewicht gewinnen.

Für kleinere Unternehmen ist hingegen

wichtiger, wie attraktiv das kulturelle

Angebot in Bezug auf die Kunden des

Unternehmens ist. Kleinere und mittelständische

Unternehmen nutzen ihr

kulturelles Engagement gern, um ihre

Kunden zu erfreuen und ihrem Angebot

einen attraktiven Rahmen zu geben.

Für Unternehmen aller Größenordnungen

ist entscheidend, dass die geförderte

Kultur regional bedeutsam ist. Das eigene

Unternehmensumfeld soll aufgewertet

und die eigene Identifikation mit dem

Standort zum Ausdruck gebracht werden.

Museen sollten diese Beweggründe von

Unternehmen kennen, akzeptieren und

berücksichtigen. Denn wenn es gelingt,

Kooperationen zu entwickeln, in denen

die Interessen und Ziele beider Seiten

erfüllt werden, können fruchtbare Partnerschaften

von langer Dauer entstehen.

Bei 73 Prozent der in o.g. Studie befragten

Firmen ist die Partnerschaft mit Kulturschaffenden

von mehrjähriger Dauer.

Eine andere Perspektive ist die der Mitarbeiter/innen

und Manager/innen in

Unternehmen. Flächendeckend kämpfen

diese zur Zeit mit einer immer weiter steigenden

Arbeitsbelastung und Arbeitsüberlastung

bis hin zu erschreckend

zunehmenden Fällen von Burn-out. Die

Verantwortung, die eigene Energiebalance

im Griff zu behalten und sich selbst

arbeitsfähig zu erhalten, wird dabei weitgehend

den Mitarbeitern überlassen.

Das Modell auf der nächsten Seite zeigt,

aus welchen vier zentralen Energiequellen

Menschen ihre Kraft ziehen und sich

immer wieder regenerieren können.

Bei der Arbeit in Unternehmen liegt für

die Mitarbeiter der Schwerpunkt oft übermäßig

auf der zu leistenden Arbeit. Die

Ebenen Körper, Beziehungen

und Sinn werden zugunsten

eines immensen Arbeitspensums

vernachlässigt. Hier liegen

ungeheure Bedürfnisse brach

z.B. nach Inspiration, Erholung,

guter Kommunikation,

beglückenden Begegnungen,

Schönheit, Sinnerleben oder

Genuss. Alle diese individuellen

Bedürfnisse kann ein Museum

erfüllen. Etwas pathetisch ausgedrückt:

Das Museum kann

den Menschen das Leben in

seiner Fülle wiedergeben. Es

kann Glücksmomente ermöglichen.

Das Kunsthistorische Museum Wien z.B.

vermietet sein wunderschönes Kaffeehaus

in der Kuppelhalle für firmeninterne Veranstaltungen

an Unternehmen. Die Gäste

verbringen den ganzen Abend an »ihren«

Tischen. Im Verlaufe des Abends können

sie frei nach Gusto immer wieder in die

exklusiv für sie geöffneten Ausstellungen

hinein- und hinausgehen. Sie flanieren also

nach Belieben in wechselnder Begleitung

exklusiv durch das Museum, immer wieder

unterbrochen von Erholungspausen am

ZEUTSCHEL Die Zukunft der Vergangenheit.

eigenen Tisch im herrlichen Café bei kulinarischen

Genüssen und guten Gesprächen.

So werden Inspiration durch die Ausstellungen,

Gaumenfreuden, lebendige Kommunikation,

schöne Begegnungen und Entspannung

aufs Angenehmste miteinander

verknüpft. Begeisterung bei den Gästen

und ein ausgedehnter Besuch des gesamten

Museums durch eine sonst schwer zu

erreichende Besuchergruppe sind die Folge.

Ausgehend von den unternehmerischen

und individuellen Bedürfnissen der Unternehmen

und seiner Mitarbeiter/innen im

regionalen Umfeld kann jedes

Museum kreativ werden und interessante

und neuartige Ideen für

passgenaue Kooperationen entwickeln.

Zunächst kann es hilfreich

sein, die Unternehmenswerte

eines potenziellen Partnerunternehmens

zu kennen und sich auf

diese zu beziehen. Meistens finden

sich die Unternehmenswerte

prominent platziert auf der Webseite

des Unternehmens. In der

Kommunikation mit dem Unternehmen

sollte dann deutlich werden,

inwieweit die Kooperationsidee

mit den Werten des Unternehmens

korrespondiert und wie dieses medial vermittelt

werden könnte. Um überhaupt erst

einmal ins Gespräch zu kommen, Berührungsängste

abzubauen und Interesse und

Vertrauen auf beiden Seiten aufzubauen,

hat es sich bewährt, Unternehmensvertreter

ins Museum einzuladen und den

»Betrieb Museum« mit seinen Möglichkeiten

vor Ort zu präsentieren. Viele Manager

erleben einen interessanten Museumsbesuch

als inspirierend und beglückend und

sind daher persönlich durchaus gewillt, sich

hier zu engagieren.

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62

Welche Formen kann eine Kooperation

annehmen?

Bisher fördern die in o.g. Studie befragten

Unternehmen insbesondere Einzelevents

(72 Prozent), gefolgt von Projektförderungen

(56 Prozent) und institutionellen

Förderungen (51 Prozent). Je größer

Unternehmen sind, umso häufiger werden

auch unternehmenseigene Kulturprojekte

gefördert, die mit Unterstützung

der Kultureinrichtung im Unternehmen

selbst oder in den Räumlichkeiten der

jeweiligen kulturellen Institution durchgeführt

werden.

Der Kreativität sind keine Grenzen

gesetzt. Das Museum Biberach hat beispielsweise

eine Reihe industrie-geschichtlicher

Sonderausstellungen

ge-meinsam mit Unternehmenspartnern

ins Leben gerufen. Nach mehreren unternehmenshistorischenSonderausstellungen

wurde zuletzt gemeinsam mit dem

Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim

die Ausstellung »Ein Medikament

entsteht« konzipiert, in der die Komplexität

moderner Pharmaforschung bis hin

zur Marktzulassung eines neuen Medika-

FAUST

mentes anschaulich erläutert wird. Diese

Ausstellung wurde vom 10.06.2011 bis

06.11.2011 in Biberach und anschließend

vom 13.12.2011 bis 20.05.2012

im Naturhistorischen Museum in Mainz

gezeigt. Die Ausstellung brach laut Presseberichten

die Besucherrekorde aller

bisherigen Ausstellungen der Museums

Biberach. Besonders beliebt waren dabei

die Führungen durch Wissenschaftler von

Boehringer Ingelheim.

Die Firma E.ON fördert längerfristig

unterschiedliche Museen und Kulturprojekte,

u.a. das Museum Kunstpalast

in Düsseldorf in unmittelbarer Nachbarschaft

der Konzernzentrale. Ein Zitat aus

der E.On-Homepage:

»Die Begegnung mit Kunst und Kultur

ist für die Mitarbeiter der E.ON-Konzernzentrale

besonders attraktiv: Sie erhalten

für sich und ihre Begleitung freien Eintritt

in das Museum und gehören immer

zu den Allerersten, die die Ausstellungen

im Rahmen von Exklusivführungen

besuchen können. Die E.ON-Mitarbeiter

haben daher eine besondere Verbindung

zur Kunst und gehören mittlerweile

zum Stammpublikum des Museums.« So

erreicht das Museum auch die Zielgruppe

der 2550-jährigen Berufstätigen, die

allzu oft »keine Zeit« für einen Museumsbesuch

haben.

Ebenfalls in Düsseldorf beheimatet ist

das NRW-Forum Kultur und Wirtschaft,

ein Beispiel für gelingende Public-Private-Partnership

(PPP). Hier haben sich

Öffentliche und Private Hand, darunter

zahlreiche Unternehmen, in einem Verein

zusammengefunden und betreiben

mit Erfolg gemeinsam das Ausstellungshaus

mit dem niedrigsten öffentlichen

Zuschuss pro Besucher in Düsseldorf.

Andere Unternehmen fördern Kultur

durch indirektes Sponsoring, indem sie

nämlich ihre Dienstleistungen kostenfrei

zur Verfügung stellen. Ein Beispiel ist die

fachmännische Reinigung der Fenster

der Berliner Gedächtniskirche durch die

Firmen Düssmann und Kärcher. 27.000

Glasfenster sowie der bunt gepunktete

Keramikfliesenboden wurden gereinigt.

Zudem wurde der Betonsockel vom

schwarzen Kerzenruß befreit. Insgesamt

250.000 Euro haben die beiden Unternehmen

Kärcher und Dussmann in die

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63


64

Reinigung investiert. Das Medienecho

war hoch und durchweg positiv.

Ein weiterer Kooperationsansatz könnte

z.B. in der unternehmensinternen Weiterbildung

liegen. Denn viele Firmen suchen

immer wieder nach neuen Ansätzen, um

ihre Mitarbeiter/innen zu inspirieren, zu

motivieren und zu kreativen Ideen und

Problemlösungen anzuregen. Schon jetzt

mieten Unternehmen daher gern Seminarräume

in Museen, um ihre Workshops

in einem inspirierenden Umfeld stattfinden

zu lassen.

Neu wäre es, wenn das Museum auch

inhaltliche und konzeptionelle Impulse

für firmeninterne Weiterbildungsveranstaltungen

oder Projekt-Workshops

geben könnte, bei denen die Ausstellung

punktuell integriert würde. Insbesondere

bei Fragestellungen, die kreatives Denken

»out of the box« erfordern, finden sich

sicherlich in jeder Ausstellung Anknüpfungspunkte,

die z.B. durch den Einsatz

von Kreativitätstechniken mit der Fragestellung

der jeweiligen Firmenveranstaltung

verknüpft werden können. So

würde die Ausstellung, also das Museum

URSULA SCHÄFER

MIET-VITRINEN

in seiner Kernfunktion selbst, zum konzeptionellen

Bestandteil firmeninterner

Arbeit.

Um selbst innovative Kooperationsformen

zu entwickeln, ist der Austausch

mit Kolleg/innen aus anderen Museen

oft eine hervorragende Inspirationsquelle.

Eine Plattform für kollegialen

Austausch und gemeinsame Ideenentwicklung

bietet ein Workshop, den die

Akademie Museum.de am 13. November

2012 in den schönen Räumlichkeiten des

Schmuckmuseums in Pforzheim durchführt.

Angeregt durch Erfahrungsaustausch,

Best-Practice-Beispiele und eine

systematische Analyse der Möglichkeiten

des eigenen Museums besteht im Workshop

die Gelegenheit, innovative Kooperationsansätze

für das eigene Museum

zu entwickeln. Darüber hinaus wird vermittelt,

wie Museumsvertreter die Kommunikation

mit Unternehmensvertretern

idealerweise gestalten können, um Türen

zu öffnen und einen kreativen Ideenaustausch

hin zu innovativen Win-Win-Konzepten

in Gang zu bringen. Seien Sie

herzlich eingeladen, an diesem Workshop

teilzunehmen!

Links zum Thema:

Studie »Unternehmerische Kulturförderung in

Deutschland«: www.kulturkreis.eu/images/stories/downloads/pb_csr_und_ccr/studie_unternehmerische_kulturfrderung.pdf

Ranking der Nachhaltigkeitsberichte für 2011:

www.ranking-nachhaltigkeitsberichte.de

Kaffeehaus in der Kuppelhalle des Kunsthistorischen

Museums Wien: www.khm.at/

planen-sie-ihren-besuch/kunsthistorisches-museum/cafe-restaurant

Sonderausstellung »Ein Medikament entsteht«

im Museum Biberach: www.ein-medikament.de

Engagement E.ON im Kultursponsoring:

www.eon.com/de/ueber-uns/sponsoring/kunstund-kultur.html

NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf:

www.nrw-forum.de/partner

Pressebericht über die Reinigung der Berliner

Gedächtniskirche durch zwei Sponsoren:

www.morgenpost.de/berlin/article106633798/

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65


66

Workshop der Akademie museum.de

Kooperation zwischen Museen

und Unternehmen

am 13. November 2012

im Schmuckmuseum Pforzheim

Reuchlinhaus

Jahnstraße 42

75172 Pforzheim

Zielgruppe:

Museumsexperten, die an der Kooperation mit Unternehmen

interessiert sind.

Nutzen:

• Sie machen Ihr Museum interessant als Partner für Unternehmen.

• Sie machen Unternehmen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene

Angebote.

• Sie entwickeln Ansätze, wie Sie Unternehmenskooperationen

konkret ansteuern können.

• Sie wissen, wie Sie Kontaktgespräche mit Unternehmensvertretern

professionell und sicher führen können.

• Sie erreichen die Besuchergruppe der 2545-Jährigen.

Inhalte:

• Was bieten Museen, das kein anderer Anbieter für

Unternehmen leisten kann?

(USP Unique Selling Proposition)

• Zielgruppen und Ansprechpartner

innerhalb von Unternehmen

• Bedürfnisse von Unternehmen und deren Mitarbeiter/innen

• Mögliche Angebote von Museen für Unternehmen

• Beispiele für gelungene Kooperationen zwischen Museen

und Unternehmen

• Gesprächsführung im Kontaktgespräch mit Unternehmensvertretern

(Gesprächsleitfaden und Kommunikationstechniken)

Methoden:

Kurzweiliger, interaktiver und erlebnisorientierter Workshopstil

• Kurzpräsentationen der Moderatorin

• Plenumsdiskussion und -moderation

• Kleingruppen- und Partnerarbeit

• Praktische Übungen zur Gesprächsführung

Das Anmeldeformular mit weiteren Informationen finden Sie

unter http://www.museum.de/akademie/pf_13112012.pdf

Moderation des Workshops:

Mechtild Julius M.A. CMC/BDU

www.mj-beratung.com

• Unternehmensberaterin/Coach seit 1998

• Schwerpunkte:

Marketing, Kreativität, Führung, Kommunikation,

Großgruppenmoderation

• Führungskraft im Marketing der Henkel KGaA

(19921997)

• Studium der Germanistik und Geschichte,

Universität Konstanz

Zeiten für den Workshop:

09.00 10.30 Uhr

11.00 12.30 Uhr

gemeinsames Mittagessen,

Möglichkeit zum Besuch der Ausstellung

14.00 15.00 Uhr

15.30 17.30 Uhr

Mechtild Julius

Ihr Beitrag:

295 € zzgl. 19% ges. Umsatzsteuer

Das Mittagessen und Getränke sind im Preis inbegriffen.

Begrenzte Teilnehmerzahl:

Mindestens 10, maximal 20 Teilnehmer.

Bei Nichterreichen der Mindestteilnehmerzahl behalten wir

uns vor, das Seminar 2 Wochen vor dem Termin abzusagen.

Evtl. entstandene Kosten werden nicht erstattet.

67


Fotos wenn ncht anders angegeben © Schmuckmuseum Pforzheim; Objektfotos: Günther Meyer; Außenaufnahmen: Valentin Wormbs; Innenaufnahmen: Valentin Wormbs, Brigida Gonzalez, HG Merz

68

Das Schmuckmuseum Pforzheim setzt

auf stabile, sinnstiftende Kooperationsansätze

für beide Seiten

Ein stilvolles Ambiente, Orte der Konzentration

und auch der sinnvollen Zerstreuung,

professionelle Rundum-Versorgung

inklusive Catering und ansprechenden

Incentive-Angeboten, all das macht gute

Tagungsräume aus Räume, die eine

anregende Arbeitsatmosphäre mit bleibendem

Erinnerungswert schaffen. Die

visionäre Architektur des Reuchlinhauses,

in dem sich das Schmuckmuseum Pforzheim

befindet, ist so ein Ort.

»Wir entdecken

zunehmend Unternehmen

als einen

neuen Besucherkreis,

die ihre Mitarbeiter

und Kunden

zu Schulungs- und

Tagungszwecken

zu uns führen«,

so die Leiterin des

Schmuckmuseums

Pforzheims Cornelie

Holzach. »Menschen,

die mitten

im Berufsleben

stehen, finden oft

nicht die Muße, die

vielfältige Museumslandschaft

in

der näheren oder ferneren Umgebung zu

erkunden. Da wir alle Altersgruppen gleichermaßen

ansprechen möchten, sehen

wir hier interessante Möglichkeiten und

weiteres Entwicklungspotential.« Gerade

während eines anstrengenden Tagungsmarathons

kann eine Pause mit Kurzführung

durch die Sammlungsräume erfrischend

und belebend wirken. Vor einem

spannenden Exponat lässt es sich wunderbar

verweilen und den Kunstgenuss

mit Kollegen beim lockeren Gespräch

teilen. Der angrenzende Stadtpark, der

Museen

und Unternehmen

eine gute Partie?

durch die Panoramafenster erfahrbar

wird, lädt zum Spaziergang ein.

Das Reuchlinhaus ist ein architektonisches

Juwel, konzipiert im »International Style«.

Es wurde 1961 nach Entwürfen des Architekten

Manfred Lehmbruck (19131993),

Sohn des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck,

errichtet und erinnert an die Baukunst

von Ludwig Mies van der Rohe. Glas,

Beton und Stahl dominieren seinen Cha-

rakter, rhythmisch unterbrochen und

umspielt von unterschiedlichen Natursteinflächen.

Es ist das erste Projekt, bei

dem Lehmbruck seine wissenschaftlichen

Forschungen zu Museumsbauten in die

Praxis umsetzte, und es verhalf ihm zu seinem

Durchbruch als Architekt. Herzstück

des Reuchlinhauses ist die Eingangshalle.

Über die freitragende Stahl-Wendeltreppe

gelangt man hinunter ins Foyer mit Vortragssaal,

Galerie zum Hof und dem Hof

selbst mit Wasserbecken und Kaskade.

Seit März 2006, nach dem sensiblen

Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes

durch das Architekturbüro HG Merz,

kann das Schmuckmuseum seine hochkarätige

Sammlung hier großzügiger präsentieren.

Das Schmuckmuseum Pforzheim ist

ein weltweit einzigartiges Museum zur

Geschichte des Schmucks. Rund 2.000

Exponate zeigen Schmuckkunst aus fünf

Jahrtausenden: kunstvoll und fein gearbeiteteSchmuckstücke

der Etrusker,

üppige Kleinodien

aus dem Barock,

bedeutende Stücke

aus dem

Jugendstil sowie

eine renommierte

Sammlung modernen

Schmucks.

Die ethnografische

Sammlung Herion

gibt Einblick in die

schmückenden

Ausdrucksformen

außereuropäischer

Gesellschaften,

und kunstvolle

Taschenuhren aus

der Sammlung des

Pforzheimer Uhrenfabrikanten Philipp

Weber, eine Dauerleihgabe der Sparkasse

Pforzheim Calw, dokumentieren Uhrmacher-

und Goldschmiedekunst vom 17.

bis ins 19. Jahrhundert. Auch eine Abteilung

über die Geschichte der Pforzheimer

Schmuckindustrie ist zu sehen. Pro Jahr

werden drei bis fünf Sonderausstellungen

gezeigt. Nur fünf Minuten entfernt,

im Technischen Museum der Pforzheimer

Schmuck- und Uhrenindustrie, kann man

zudem lebendige Einblicke in Aspekte der

Herstellung erhalten.

Schlangenarmreif, griechisch-hellenistisch,

3. 2. Jh. v. Chr.

Die Sammlungsgeschichte des Hauses ist

eng verknüpft mit der Entwicklung der

Pforzheimer Schmuckindustrie, die 1767

mit einer wirtschaftspolitischen Entscheidung

des Markgrafen Karl Friedrich von

Baden ihren Anfang nahm. Ȇber diese

Anknüpfungspunkte erzielen wir mit

unseren museumspädagogischen Angeboten

auch fruchtbare Kooperationen

mit ansässigen Unternehmen. Hier bauen

sich qualitätvolle Beziehungen auf, die

über Sponsoring hinausgehen. Sie festigen

unsere lokale Vernetzung«, findet

Cornelie Holzach.

Als Beispiel mit Pioniercharakter ragt das

Projekt »Kitas auf Museumstour« heraus.

»Innovation von Anfang an Schlüsselqualifikationen

heute für die Arbeitswelt

von morgen« lautet dessen Motto. Es ist

ein Kooperationsprojekt der Pforzheimer

Museen, des Kulturamtes, des Amtes für

Bildung und Sport, des Vereins Goldader

Bildung und inzwischen auch von Unternehmen

der Stadt. Es führt seit 2009

jährlich Mädchen und Jungen ab vier Jahren

an städtische Museen heran, erreicht

Familien unabhängig von sozialer oder

nationaler Zugehörigkeit, fördert Schlüsselqualifikationen

wie Sprach- und Kommunikationskompetenz,

mathematisches

und naturwissenschaftliches Interesse,

ästhetische Bildung, Neugier und interkulturelle

Kompetenz und wirkt identitätsstiftend

und integrativ. Im Projekt

entwickeln pädagogische Fachkräfte und

Museumspädagogen gemeinsam nach-

Armreif, Peter Chang, Glasgow, 1998

69


70

Reliquiar-Anhänger, Burgundisch, um 1400

Leihgabe des Landes Baden-Württemberg

haltige Konzepte für innovative frühkindliche

Bildungsangebote und nutzen dabei

die Museumsschätze dieser Stadt.

»Von der Produktion, die Maschinen erledigen,

hat sich der Fokus hin zu Team-

und Projektarbeit verschoben. Um sich

in diese Arbeitsprozesse einbringen und

dort behaupten zu können, sind Kommunikations-

und Sozialkompetenz unabdinglich.

Und genau diese werden durch

ein Projekt wie ›Kitas auf Museumstour‹

stark gefördert«, erläutert die Museumsleiterin.

Der Erwerb dieser Schlüsselqualifikationen

heute für die Arbeitswelt von

morgen ist außerdem als Wirtschaftsfaktor

von Bedeutung, nicht zuletzt in

einer sozial eher benachteiligten Stadt

wie Pforzheim. Mit diesem innovativen

kulturellen Bildungskonzept leistet das

Projekt einen nachhaltigen und zukunfts-

Wickeln von Ösen beim Kettenworkshop

im Rahmen des Projekts

»Von der Idee zum Produkt:

Was hat Schmuck mit Physik zu tun?»

fähigen Beitrag zur Bildungsförderung

am Wirtschaftstandort Pforzheim. 2011

wurde es prämiert mit dem 1. Preis des

»Invest in Future Award«. »Von Erzieherinnen

erfahren wir, dass Kinder der teilnehmenden

Kitas sie mit der Forderung

bestürmen: Ich bin schon vier, ich möchte

auch ins Museum!. Nicht selten erleben

wir, dass Kinder ihre Eltern anschließend

ins Museum führen«, schildert Cornelie

Holzach begeistert.

Mit einem weiteren Projekt wurde das

Schmuckmuseum ebenfalls Preisträger

und zum »Ausgewählten Ort 2010« im

»Land der Ideen« auserkoren. Dieser Innovationswettbewerb

wird jährlich bundesweit

ausgetragen und ist Teil der größten

Veranstaltungsreihe Deutschlands, die

von der Standortinitiative »Deutschland

Land der Ideen« und der Deutschen Bank

unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten

durchgeführt wird. Ausgezeichnet

wurde das museumspädagogische

Projekt »Von der Idee zum Produkt:

Was hat Schmuck mit Physik zu tun?«.

Dabei haben sich in den vergangenen

Schuljahren Schulklassen der Stufen neun

und zehn aus Pforzheim und dem Enzkreis

aus unterschiedlichen Perspektiven

mit dem Thema Schmuck beschäftigt und

am Ende diesen selbst hergestellt und in

Ausstellungen im Schmuckmuseum präsentiert.

Die Schüler machten sich über

rund zwölf Wochen lang auf die Suche

nach Antworten und besuchten öffentliche

und betriebliche Einrichtungen, die

einen Bezug zur Schmuckindustrie in

Pforzheim haben. Außer im Schmuck-

Papagei-Anhänger, Süddeutsch, um 1560-1570

Schenkung Werner Wild Stiftung

museum und dem Technischen Museum

der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie

waren sie im Stadtarchiv, in der

Scheideanstalt C. Hafner, im Schmucktechnologischen

Institut der Hochschule

Pforzheim, in der Goldschmiedeschule

und bei Meistergoldschmieden der Zunft

»Kitas auf Museumstour«: Kinder der Kita Weststadt, gekleidet als Römer oder in türkischem und indischen

Gewand. Horst Frisch, Claudia Baumbusch, Katharina Hein und Petra Bösl, Margit Kemm, Renate

Engler, Cornelie Holzach (v.l.n.r.).

Kinder (v.l.n.r.): Amisha, Octavie, Salem, Karlin, Ceyda, Fabienne, Havvanur

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oben links: Goldene Taschenuhr mit Übergehäuse und Châtelaine, George Graham, London, um 1730;

Uhrensammlung Philipp Weber im Schmuckmuseum Pforzheim; Leihgabe der Stiftung Sparkasse Pforzheim Calw

Pforzheim Schmuck + Gestaltung. Zudem

haben sie mit dem Schmuckdesigner und

Dozenten an der Hochschule Pforzheim

Spencer Gaudoin Gussringe entworfen

und in der Gießerei Loss gießen lassen.

»Mit einem weichen Einstieg über das

Thema Schmuck gelingt es uns, auch

Mädchen für Technik zu interessieren.

Die hiesigen Unternehmen überzeugt

das, und sie unterstützen das Projekt

nun schon seit Beginn 2008 äußerst

Warum...

...haben Sie negative Erfahrungen mit Medienstationen gemacht?

Schwieriger Einbau, hohe Betriebskosten, Ausfälle,

Lüftergeräusche, Hitzeentwicklung, langsame Reaktion,

ruckelnde Filmwiedergabe, schlechte Bildqualität,

kurze Lebensdauer, Verständnisprobleme beim Besucher,

teure Wartung, Abstürze, Betriebssystemupdates, unflexibel,

hohe Komplexität, Schulungsbedarf für Mitarbeiter...?

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just multimedia presentation

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engagiert. Das motiviert uns, noch weitere

Möglichkeiten der Zusammenarbeit

mit Unternehmen zu suchen. Deshalb

freut es uns außerordentlich, dass das

Team von ›museum.de‹ unsere Einrichtung

als Veranstaltungsort zur Durchführung

des Workshops ›Kooperation

zwischen Museen und Unternehmen‹

ausgewählt hat. Wir freuen uns aus auf

einen inspirierten Austausch mit Fachkollegen

am 13. November 2012«, schließt

Cornelie Holzach.

jummp ist ein Produkt von ArchimediX,

Ihrem Dienstleister für Medienkonzeption,

Filmproduktion, digitale Rekonstruktion

und Medientechnik

Brosche »Octopus und Schmetterling«,

Entwurf Lucas von Cranach, Berlin, 1899/1900

Ausführung Louis Werner, Berlin, 1900

Auf diese Technik vertrauen bereits:

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz,

Schlösserverwaltung Baden-Württemberg, Bayerische

Schlösserverwaltung, Klassik-Stiftung Weimar,

Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Stadt Karlsruhe,

Stadt Ober-Ramstadt, Stadt Aschaffenburg, Haus der

Geschichte Dinkelsbühl, Weserstadion Bremen,

historisches Museum der Pfalz Speyer, Haus der

Geschichte Kamen, Toto-Lotto Museum Stuttgart,

Klostermuseum Neresheim, Naturschutzzentrum Sylt, 71

EWE-Energie und viele mehr


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Nieheim ist ein rund 3.000 Einwohner zählender Ort im Norden

Südostwestfalens. Im 13. Jahrhundert verlieh ihm der Bischof

von Paderborn die Stadtrechte und machte aus den Unfreien

stolze Ackerbürger. Stolz sind die Nieheimer bis heute geblieben,

denn ihr historischer, einstmals von einer hohen Mauer umgebener

kreisrunder Ortskern

enthält einige bemerkenswerte

Sehenswürdigkeiten.

Dazu zählt insbesondere die

frühgotische dreischiffige,

dreijochige Hallenkirche mit

polygonalen Chören, die in

Entwurf und Planung aus

der ersten Hälfte des 13.

Jahrhunderts stammt.

Im Schatten ihres Turmes

steht das 1610 erbaute Rathaus.

Die sich darin hinter

dicken Mauern tummelnde

Administration und die über

sie wachenden Dorfältesten

und Volksvertreter werden

somit auch heute noch mit

jedem Glockenschlag daran

erinnert, wer in einer vom Katholizismus geprägten Gesellschaft

letztlich den Ton angibt. Ein wenig gelitten hat in den letzten

Jahren das markante Fachwerk des 1701 erbauten Richterhauses.

Es ist zurzeit unbewohnt und hofft inständig auf bessere

Zeiten und einen finanzkräftigen Investor. Ortsbild prägend

sind weiterhin drei mächtige Wasserspeicher, die in ostwestfälischer

Mundart »Kümpe« heißen.

Deutsches Sackmuseum

Alter Sack

trifft

alte Schachtel

In Ostwestfalen schreibt ein kurioses Museum Geschichte

Neben seinen historischen Bauwerken ist das zwischen Teutoburger

Wald (Hermannsdenkmal) und Weser (Schloss Corvey)

gelegene Städtchen stolz auf seine Dichter. Die bekanntesten

sind der Schöpfer des Epos Dreizehnlinden, Friedrich Wilhelm

Weber, und der Lyriker Peter Hille. Museumsstuben an historischer

Stätte erinnern in

Nieheim und im Ortsteil

Erwitzen an diese beiden

schriftstellernden Persönlichkeiten.

Eine gewisse Berühmtheit

hat dem Städtchen mit dem

unikalen Namen ein kleiner,

runder Käse beschert.

Der »Nieheimer Käse« wird

nach traditionellen Rezepturen

aus Sauermilch hergestellt

und ist sowohl in

weicher Konsistenz als auch

getrocknet und gerieben zu

genießen. Letztendlich ist

es ihm zu verdanken, dass

Nieheim eine eigene Schaukäserei

bekam und alle zwei

Jahre den von mehr als 50.000 Besuchern frequentierten Internationalen

Deutschen Käsemarkt ausrichtet.

Selbst das »Westfalen Culinarium« hat seinen Ursprung im

Nieheimer Käse. Denn Kernstück der im Mai 2006 eröffneten

Museumsmeile mit Brotmuseum, Schinkenmuseum und Biermuseum

ist das Deutsche Käsemuseum.

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oben: Jutenähmaschine in der Sackflickerstube

unten: Mehlsackentstaubung

rechts: Sackklopf- und Bürstmaschine

Alles das, was bis hierher beschrieben worden ist, lässt sich vermutlich

wenn auch nicht so konzentriert in ähnlicher Form

an anderer Stelle finden. Einzigartig in Deutschland, wenn nicht

weltweit, dürfte dagegen das in einem ehemaligen Kornhaus

(Landhandel) eingerichtete Deutsche Sackmuseum sein.

Gründer ist der rührige Orts- und Stadtheimatpfleger Ulrich

Pieper. Er hatte zunächst ein Heimatmuseum in jener Form

geplant, wie es nahezu allerorten zu finden ist. Mit austauschbaren

Exponaten, Schriften, Urkunden und sonstigen Sammelsurien.

Doch dann fanden sich ein paar alte beschriftete Säcke,

die das Interesse des bodenständigen Westfalen weckten. Fortan

begann Pieper zu forschen und entdeckte zunehmend interessante

Dinge über eines der ältesten Transportmittel der Menschheitsgeschichte.

Fest stand für ihn dabei schon sehr bald, dass

das Känguru schon eher einen Beutel benutzte, als der Homo

sapiens. Obwohl aber darüber ist in diesem Kontext nicht zu

spekulieren dem Säckchen in der Fortpflanzung des Menschen

ja auch eine gewisse Bedeutung beizumessen ist.

Wie dem auch sei: Ulrich Pieper verlor den Gedanken an ein

Heimatmuseum immer mehr aus den Augen und interessierte

sich vornehmlich für Säcke, Beutel und Tüten. In den Folgejahren

trug er eine solche Menge davon zusammen, dass sich

ein ganzes Gebäude damit füllen ließ. Das Deutsche Sackmuseum

war geboren und Pieper wurde dessen »Direktor«.

Mittlerweile präsentiert das Museum im Kornhaus neben dem

kleinsten Postsack der Welt den Strohsack, den Geldsack, den

Lachsack, den Dudelsack, den Kohlensack, den Brotsack, den

chinesischen Reissack und einen von Vitali Klitschko signierten

Boxsack. Im Obergeschoss befindet sich die Sackflickerstube

mit der Jutenähmaschine, der Sackklopfmaschine, der Mehlsackentstaubungsmaschine

und der Sackdruckerei.

oben: Grandioser Koloratur-Sopran Erna Sack

rechts: Wilibald Blell in Thanheim, 1839; die Axt

zeigt an, dass der Besitzer Holzfachmann war

unten: Sackexperte Ulrich Pieper

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oben: Kunstwerke auf Jutesäcken präsentierte das

Sackmuseum im September 2010 in der Sonderausstellung

»Art Sacco«

rechts: Erwin Grosche im Sackmuseum

unten: Feriengäste bei einer Führung im Sackmuseum

Obwohl das Sackmuseum mit seinen zahlreichen

Informationen und zeitgeschichtlichen

Dokumenten ein durchaus seriöses

Image besitzt, sind kleine Sticheleien der

Besucher an der Tagesordnung. So wird

z.B. von den in Gruppen auftretenden

Damen immer wieder die Frage gestellt:

»Kann ich meinen alten Sack auch hier

abgeben?« Wer die bauernschlauen Ostwestfalen

kennt, der weiß, dass eine mit

herzlich sprödem Humor gegebene Antwort

nicht lange auf sich warten lässt.

In Nieheim war sie am Museum angeschlagen

und lautete: »Alter Sack sucht

alte Schachtel.« Seither werden neben

Schinken- und Klammerbeuteln auch alte

Schachteln aus Holz und Pappe gesammelt.

Darunter befinden sich verzierte

Zigarrenschachteln; Griffelkästen und

Schachteln für den vornehmen Chapeau

Claque. Präsentiert werden auch sie mit

spröden, mehr oder minder wissenschaftlich

belegbaren Erläuterungen oder mit

einem schelmischen Augenzwinkern.

Für Kultur im Kleinformat sorgt das

Museum im Kornhaus unter anderem mit

der Dauerausstellung »Nieheimer Flechthecken«

sowie der bäuerlich rustikalen

Museumsküche, durch die man freien

Zugang zur Ausstellung hat.

Zunehmender Beliebtheit erfreut sich

das Sackmuseum als Veranstaltungsort.

Neben bekannten Kabarettisten und

Comedy Stars treten hier Schlagersänger

und Musikgruppen auf. Fotoausstellungen,

die einen Bezug zur Heimat haben,

finden darin ebenso statt, wie die Ausstellung

»Art Sacco«, in der kunstvoll

bemalte Jutesäcke gezeigt wurden.

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Den aus ganz Deutschland und den Benelux-Ländern

anreisenden Besuchergruppen

kredenzen die Museumsmitarbeiter

auf Wunsch Waffeln am Stiel, Schmalzbrot

mit Nieheimer Käse oder ein in Nieheim

gebrautes Bürgerbier. Gäste, die es herzhafter

lieben, bekommen im kleinen Flachmann

Korn- oder Apfelbrände, die hier als

»Absacker« und »Sackhüpfer« vermarktet

werden. Wer nun vermutet, der Herr

Museumsdirektor könnte den ganzen Tag

faul auf dem Sack (Stroh- oder Bettsack)

liegen, der ist wahrhaftig mit dem Klammerbeutel

gepudert. Denn Ulrich Pieper

führt die Museumsgäste oftmals persönlich

durch seine Ausstellungsräume. Und

wer ihm bei seinen Führungen gut zuhört,

der kennt anschließend den Unterschied

zwischen den armen Leuten, die vom

Schicksal gebeutelt wurden und jenen feinen

Herrschaften, die sich rechtzeitig alles

einsackten.

Für Ulrich Pieper, das wird bei seinen

Vorträgen immer wieder deutlich, ist die

Welt der sich in der Ausstellung treffenden

alten Säcke und alten Schachteln eine

ungemein spannende und durchaus ernste

Angelegenheit. Zu den meisten Exponaten

weiß er kleine Geschichten, von denen

einige die Besucher zu Tränen rühren.

So z. B. von dem Sack, in dem ein im 2.

Weltkrieg Vertriebener sein verbliebenes

Hab und Gut vom Osten in den Westen

rettete. Oder der Rucksack, mit dem eine

Frau aus der ehemaligen DDR immer wieder

ihre in Westdeutschland ergatterte

Ware auf allen Vieren robbend über die

deutsch-deutsche Grenze brachte.

Schaukäsen in der Museumsküche

Die Unterschrift des Präsidenten der Europäischen Kommission, José Manuel Baroso, bestätigt, dass der

in der Museumsküche zu Schauzwecken hergestellte »Nieheimer Käse« ein eigenständiges Produkt mit

einem geschützten Namen ist:s

VERORDNUNG (EU) Nr. 414/2010 DER KOMMISSION vom 12. Mai 2010

zur Eintragung einer Bezeichnung in das Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen

und der geschützten geografischen Angaben [Nieheimer Käse (g.g.A.)]

Einige dieser Ausstellungsstücke wurden

Pieper persönlich übergeben, andere

erreichten ihn mit Briefen, die in zittriger

Handschrift geschrieben waren. Das

auf den ersten Blick kurios erscheinende

Deutsche Sackmuseum kennt den Sackwitz,

aber es beschreibt auch ein Stück

lebendige Vergangenheit.

Auf Wunsch holt Direktor Ulrich Pieper die Gäste persönlich mit dem Planwagen ab. Seine weitere Leidenschaft

sind Kaltblutpferde, die er in einem von ihm aus der Taufe gehobenen Verein züchtet und pflegt.

Deutsches Sackmuseum

Museum im Kornhaus Nieheim

Wasserstraße 6

33039 Nieheim

Telefon: 05274 / 953 630

E-Mail: info@sackmuseum.de

www.sackmuseum.de

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Bruynzeel Museum

MUSEUMSTREFFEN 2012

Besuchen Sie uns beim Museumstreen 2012

am 5.10.2012 in der Bundeskunsthalle in Bonn.

80

Bruynzeel Archiv & Bürosysteme, tel: 02131 409 90, www.bruynzeel.de, info@bruynzeel.de

MAS │ Museum Aan de Stroom, Belgien

Tropenmuseum, Niederlande

Museum Valence, Frankreich

Stedelijk Museum Amsterdam, Niederlande

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