Dezember 2008 - FURIOS Online

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mensen mit

in Der mensa

mit präsiDent

Lenzen

Gerne wollten wir ein Interview mit Professor Lenzen,

Präsident der Freien Universität. Leider ließ uns sein

Pressesprecher ausrichten, dass dies weder kurzfristig,

noch in absehbarer Zeit möglich sei. Die Haushaltsverhandlungen

mit dem Senat stünden an. Dank steter

Medienpräsenz ist es uns dennoch gelungen O-Töne

einzufangen. Für ein Gespräch der anderen Art.*

von Christa Roth und Johannes Hub

Freitagnachmittag in der Mensa. Auf dem Tablett hat Präsident Lenzen

Schweinememedaillons mit gedünstetem Lauch und Kroketten

für 4,90 Euro, dazu Spreewaldgurken.

Sieht sehr gesund aus …

(lacht) Keine Bange, auch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

leben nicht allein von der reinen Erkenntis!

Aber Spreewaldgurken? Als Lokalpatriot der FU sind Sie bisher

kaum in Erscheinung getreten.

Menschen, deren Horizont nicht über den Spreewald und seine

wohlschmeckenden Gurken hinausgeht, werden keine Zukunft

haben. (ernst) Daneben in aller Klarheit noch einmal: die Freie

Universität Berlin, nicht die FU! Wir hassen diese Abkürzung,

und jeder, der sie verwendet, zahlt einen Euro in die Universitätskasse.

Identity, das heißt Identität, das impliziert, sich zu identifizieren

mit einer Corporation, der Freien Universität.

Woran scheitert die von Ihnen geforderte Disziplin?

Es fehlt an Willenskraft.

Thema Exzellenzinitiative. Studenten der FU sehen die Lehre

der Forschung gegenüber oft benachteiligt. Können Sie diesen

Unmut nachvollziehen?

Honoriert werden in diesem Wettbewerb nicht exzellente Lehre

oder ein guter Ruf einzelner Fächer hinsichtlich ihrer Ausbildungsqualität

und auch nicht die Aussicht der Absolventen

unterschiedlicher Fachrichtungen auf dem Arbeitsmarkt. Kurzum:

Über die akademische Ausbildungsqualität sagt das Wettbewerbsergebnis

nichts aus.

Wie rechtfertigen Sie dann das Wahlergebnis in Bezug auf die

FU?

Freiheit und Exzellenz setzen einander gegenseitig voraus. Deshalb

war und ist die Freie Universität ein Ort der Exzellenz und wird es

sein. Und aufgrund ihrer Exzellenz ist sie ein Garant für akademische

Freiheit.

Sie selbst sind dieses Jahr vom CHE und der FTD zum »Hochschulmanager

des Jahres« gekürt worden. Welche Voraussetzungen

muss man mitbringen, um eine Universität glaubwürdig

zu vermarkten?

Billiger Trick: Dieter Lenzen in

der Mensa. Eine Fotomontage.

Marketing heißt: nicht mehr als fünf Stunden Schlaf pro Tag, viel

essen können (Dinners!) ohne nachhaltige Gesundheitsschäden,

den Stress lieben lernen.

Delegieren Sie nicht auch einiges an ihre Mitarbeiter?

Es gibt keine Maßnahme, die der Präsident nicht vorher gesehen

hat und keine Äußerung, die nicht vorher freigegeben wurde!

Universitätsmarketing ist Chefsache. Wilde Aktionen sind der

Tod einer jeden Marketingstrategie.

Andererseits prägen doch auch große Namen wie Dutschke

das Bild der FU.

Wir wurden lange Zeit als eine Schmuddeluni abgetan.

Sie meinen die 68er. Gesellschaftlich engagierte Studenten

gibt es heute auch noch, was soll sich im Vergleich zu damals

verändert haben?

Wenn man all die Rankings, die existieren, nebeneinander

schreibt und fragt, wie oft eine deutsche Universität unter den

zehn besten ist, dann ist die Antwort überraschend und für Sie

erfreulich: Die Freie Universität ist auf dem ersten Platz! Sie hat

die meisten Hits, wenn mal alle Rankings zusammen nimmt. So

gesehen sind Sie immatrikuliert an Deutschlands Nummer 1!

Was macht den Unterschied aus? Was heißt es denn, Student

der FU zu sein?

Erstens: besser sein als andere. Zweitens: schneller sein als andere.

Ein Wort zur verhinderten »Superuni«.

Freie Humboldt Universität? Nein, danke.

Ihr Kommentar zum 60-jährigen Jubiläum?

Frage nicht, was deine Universität für dich tun kann – frage, was

du für die Freie Universität tun kannst!

* Die Originalzitate sind Zeitungsartikeln, schriftlichen Stellungnahmen und

öffentlichen Äußerungen Dieter Lenzens entnommen. Das Gespräch hat in

dieser Form jedoch nicht stattgefunden.

Furios 01 (2008)

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