INTERNATIONALE BEZIEHUNGEN - Carl Bechstein Gymnasium

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INTERNATIONALE BEZIEHUNGEN - Carl Bechstein Gymnasium

INTERNATIONALE BEZIEHUNGEN

SONDERAUSGABE 2007

St. Edwards School

Cheltenham

41. Gymnasium

St. Petersburg

Gulfport High School

Gulfport

Lycée Giraux-Sannier

Boulogne-sur-Mer

Torsbergsgymnasiet

Bollnäs

Bechstein Gymnasium

Erkner


Internationale Beziehungen des Carl Bechstein Gymnasiums

Einblicke in andere Wirklichkeiten

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, liebe

Freunde!

Die internationalen Beziehungen des

Carl Bechstein Gymnasiums Erkner

spiegeln die Sprachenvielfalt der Schulgemeinschaft

und das weltoffene Interesse

aller hier Beteiligten wieder. Im Sinne des

Bildungsauftrages des Hauses stehen die

Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt

der Bemühungen.

Der Schüleraustausch und die Partnerschaft

von Schulen beruhen darauf, dass Menschen

aus dem Umgang miteinander Freude,

Unterstützung oder die Möglichkeit

sich einzubringen, erfahren. Der Respekt

voreinander erweist sich immer wieder als

die Brücke zwischen den Kulturen der Austauschpartner.

Zwischen den Schülerinnen

und Schülern aus Großbritannien, Russland,

den Vereinigten Staaten von Amerika,

Frankreich, Schweden und den Schülerinnen

und Schülern des Gymnasiums Erkner

haben sich viele Freundschaften entwickelt

– mit Blick auf die jüngere Geschichte unseres

Landes keine Selbstverständlichkeit.

Gute Beziehungen zwischen Staaten brauchen

Diplomatie und Achtung vor einander.

Das Reisen und der Austausch lehren

Toleranz und lassen uns oft einsehen, dass

das Eigene und Gewohnte nicht der Weisheit

letzter Schluss sein muss: Vieles kann

man genauso gut anders machen. Reisende

lernen, sich achtsam zu verhalten und sich

höflich an örtliche Gepflogenheiten anzupassen.

Nur unter der Bereitschaft sich aufs

Fremde einzulassen, dringen die gemachten

Erfahrungen tief ins eigene Wesen ein.

Dazu gehören auch immer wieder persönliche

Begegnungen außerhalb der eigenen

Gruppe im Ausland.

Die Schülerinnen und Schüler erfahren

durch den Austausch etwas über das Heimatgefühl

der Anderen – in der Sprache, in

der Landschaft, in Geschichte und Kultur.

Die erkannten Unterschiede in und bei

Schulpartnern und Austauschschülern fördern

gleichfalls eine wesentliche Form des

Miteinanders: In unseren Ansichten gehen

wir als Freunde auseinander. Viele, die zu

uns kommen, sind nach eigener Aussage

positiv überrascht über das moderne

Deutschland, das sie vorfinden. Wir sind

manchmal betroffen, was man auch heute

noch über uns im Ausland denkt. Auch

unseren Schülerinnen und Schülern vom

Carl Bechstein Gymnasium Erkner bieten

die internationalen Begegnungen ein Mehr

an Lebenserfahrung. Durch sie werden Einblicke

in fremde Wirklichkeiten geöffnet.

Unsere Verbindungen beruhen also grundsätzlich

auf Gegenseitigkeit, d. h. auf

Besuch und Gegenbesuch. Diese Ansicht

verbindet alle, die unter dem Dach des

Gymnasiums Erkner und in den Elternhäusern

unserer Schülerschaft zusammen kommen,

um mit einander zu reden, zu feiern

und etwas von sich mitzuteilen.

Nahezu jede Generation erfährt, dass einmal

der Wind der Veränderung weht.

Einem Sprichwort aus China folgend sehen

wir, dass die einen Mauern und die anderen

Windmühlen bauen. Ich empfehle Schülerinnen,

Schülern des Carl Bechstein Gymnasiums

und ihren Eltern die rege Teilhabe

an unseren Austauschprogrammen. Entsprechend

lade ich unsere ausländischen

Partner herzlich und ausdrücklich ein, die

vielfältigen Chancen eines Aufenthalts in

Erkner am Stadtrand von Berlin aufzugreifen.

Gleichfalls aufgefordert sind künftige

Schulgemeinschaften, das vorhandene

Spektrum der internationalen Begegnungen

fortzuentwickeln und kontinuierlich zu

erweitern: Erste Kontakte zu Japan, zu

Namibia im Süden Afrikas, zu Chile in

Lateinamerika und unserem polnischen

Nachbarn bestehen bereits, andere (Israel-

Palästina) ruhen zur Zeit auf Grund der globalen

Sicherheitslage.

Mein Dank gilt all denen, die die internationalen

Begegnungen durch ihren persönlichen

Einsatz und ihre finanzielle Unterstützung

ermöglichen: den Eltern, den Kolleginnen

und Kollegen der Fremdsprachen-

fächer, den Schülerinnen und Schülern,

Stiftungen, Sponsoren und staatlichen Stellen

im In- und Ausland.

Auf den folgenden Seiten finden Sie ein

Kurzportrait zu jeder Partnerschaft. Sie

erfahren etwas über die jeweilige Stadt und

Region, über das jeweilige Schulsystem,

unsere Partnerschule und anschließend persönliche

Eindrücke von den Schülerbegegnungen.

Zum Abschluss erlauben wir uns,

das Carl Bechstein Gymnasium Erkner

knapp vorzustellen.

Die Dokumentation wurde durch das

Transatlantik-Programm der Bundesregierung

der Bundesrepublik Deutschland aus

Mitteln des European Recovery Program

des Bundesministeriums für Wirtschaft und

Technologie gefördert.

Ich wünsche den Lesern der Sonderausgabe

des Bechstein Journals gemeinsam mit dem

Team Journalistik der Schule unter der Leitung

von Frau Sabine Winkler viel Vergnügen

beim Lesen.

Ihr

Rüdiger Konertz

Oberstudiendirektor

The English version is to be found:

Para la versión en español, ver el

signiente enlace:

La version française se trouve ici:

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www.carl-bechstein-gymnasium.de


Inhaltsverzeichnis

Nathalie Thuillier-Pruvost, Office de Tourisme, Boulogne-sur-Mer, Frankreich

Hubert Coze, Redaktion „Ville Boulogne-sur-Mer“, Frankreich

Robert Kreis,Bundesbildstelle beim Presse- und Informationsamt

der Bundesregierung, Berlin

Karl-Hans Sattler, Geschäftsführender Redakteur von

Agence France-Presse GmbH (AFP), Berlin

Großbritannien – St. Edward’s School – Cheltemham

Salubritas et Eruditio – Cheltenham 5

Vom Keystage 1 zum GCE A-Level: Das britische Schulsystem 6

Die St. Edward’s School in Cheltenham 7

„Was kocht in Germany ?“ – David und Dan in Berlin 8 - 9

Aus dem Programm der letzten englisch - deutschen Schülerbegegnung 9

Russland – 41. Gymnasium – St. Petersburg

St. Petersburg – Fenster zum Westen 11

Putins Nationalprojekt Bildung: Schulsystem in Russland 12

Zwanzig Jahre 41. Gymnasium in Sankt Petersburg 13

Anna und Katja – eine deutsch-russische Freundschaft 14 - 15

Aus dem Programm der deutsch-russischen Begegnung 15

USA – Gulfport High School – Gulfport

Gulfport vor und nach „Katrina“ 17

„No child left behind” – US-amerikanisches Schulsystem 18 - 19

Die Gulfport High School 19

Und wie geht’s weiter? 19

Das Interview (1) Jörg Schulze zum Transatlantik Projekt 20

Das Interview (2) Frau Elsner, Leiterin des Oberstufenchors am CBG 23

Alex 24 - 25

Frankreich – Lycée Giraux-Sannier – Boulogne-sur-Mer

La Ville de Boulogne-sur-Mer 27

Vive l’égalité! – Lernen in Frankreich 28

Lernen am Lycée Giraux-Sannier 29

Deutsch-französische Begegnung 29

„Échange franco-allemand“ – Schüleraustausch 2003/2004 30

Jugendparlament initiiert in Berlin ein neues Geschichtslehrbuch 31

Schweden – Torsbergsgymnasiet – Bollnäs

Bollnäs – Stadt am Ljusnan 33

Ausbildungsprogramme im schwedischen Schulsystem 34

Das Torsbergsgymnasiet in Bollnäs 35

Grüße vom Torsbergsgymnasiet 35

Nils Molin 36

Deutsch-schwedische Begegnung 37

Die Mentoren des Schüleraustausches 38

Deutschland – Carl Bechstein Gymnasium – Erkner

Wir über uns – Das CBG Erkner bei Berlin 39 - 40

Die Redaktion des „BechsteinJournals“ bedankt sich für das zur Verfügung gestellte Bildmaterial bei:

Hans Eric Hellberg, Bollnäs, Schweden

Mats Åmvall, Redaktion „Ljusnan“, Schweden

Leif Larsson, Redaktion „Ljusnan“, Schweden

Henrik Östergårds, C/O Rockfoto, Hägersten, Schweden

Jesse V. Bass III, vastormphoto, Portsmouth, USA

Sabine Winkler


I.

Großbritannien

St. Edward’s School

Cheltenham


Salubritas et Eruditio – Gesundheit und

Bildung – so lautet das Motto der englischen

Stadt Cheltenham mit derzeit etwa

100.000 Einwohnern. Die Stadt gehört zur

Grafschaft Gloucestershire und befindet

sich am westlichen Rand der Cotswold

Hills, die seit 1966 den Status „Area of Outstanding

Natural Beauty“ haben.

Cheltenham ist historisch geprägt durch

König Georg III. und die Regency-Epoche.

Schon im Mittelalter war die Grafschaft

durch den Wollhandel reich geworden. Mit

der Entdeckung mineralhaltiger Quellen

durch Kapitän Henry Skillicorne (1719)

wurde Cheltenham dann ein luxuriöser

Badeort, den bald der englische Adel für

sich in Anspruch nahm. Der an einer Stoffwechselkrankheit

leidende König Georg III.

und später dessen Nichte Königin Victoria

kurten hier häufig. Auch Jane Austen und

der große Erzähler Charles Dickens kamen

gerne in die elegante Kurstadt.

Seit dem 19. Jahrhundert hat sich Cheltenham

auch auf dem Gebiet der Bildung profiliert.

Die University of Gloucestershire

mit ihren ca. 9500 Studenten hat drei

Campi in Cheltenham, ein weiterer Campus

befindet sich im nahe gelegenen Gloucester.

Das seit 1873 bestehende Cheltenham

Ladies College ist Großbritanniens führende

private Mädchenschule mit Internatsanbindung

(Pop-Ikone Madonna soll kürzlich

hier ihre Tochter angemeldet haben). Das

1843 gegründete Cheltenham College ist

im Königreich die größte Internatsschule

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Großbritannien 5

„Ist früh das Wasser getrunken, welches gewöhnlich während der Promenade in einem der Brunnensäle geschieht, hat man

gebadet, en famille gefrühstückt (öffentliche Frühstücke sind selten), was fängt man dann mit dem langen Vormittage an, bis

die zweite Toilette vor Tische beginnt? Reiten, fahren, gehen kann man nicht immer; die wenigen Visiten, die Revue der Putzläden

sind bald abgetan. Welche eine Seligkeit, dann einen Zufluchtsort zu haben wie diese Leihbibliotheken! Man trifft dort

immer Gesellschaft; mit Bekannten wechselt man ein paar Redensarten, die Unbekannten starrt man an und wird von ihnen

wieder angestarrt.“

JOHANNA SCHOPENHAUER IN „REISE DURCH ENGLAND UND SCHOTTLAND“, 1818

SALUBRITAS ET ERUDITIO – CHELTENHAM

für Jungen und Mädchen. Und nicht zuletzt

gibt es viele renommierte private Sprachschulen

in schönen Villen des Regency-

Stils.

Bis heute zieht es wohlhabende Großstädter,

vor allem Londoner, in die Stadt. Die

teuren Läden im Montpellier-Viertel und in

der Promenadenstraße sind beliebte Anlaufpunkte

der Besucher und Bewohner Cheltenhams.

In den 50er und 60er Jahren hat

hier übrigens kein Geringerer als„Rolling

Stones“ Gründer Brian Jones gelebt. Konzerte

geben die „Stones“ in Cheltenham

allerdings schon lange nicht mehr. Dafür

finden alljährlich im Juli gut besuchte Jazzund

Folkkonzerte in der Town Hall und im

Pittville Pump Room statt. Und auch die

Literaturfestivals prägen das kulturelle

Leben in der Stadt. 1965 las hier übrigens

schon DDR-Schriftsteller Günther Kunert.

Von internationalem Rang ist Cheltenham

im Reitsport. Der Cheltenham Racecourse

– ein großes Zentrum für Springreiten im

Vorort Prestbury – lockt mit dem Cheltenham

Gold Cup Jockeys der Spitzenklasse,

Champion-Trainer und Tausende von wettfreudigen

Briten an. Den Privatflughafen

Cheltenham Racecourse Heliport nutzen

dann manchmal auch so prominente Gäste

wie Prinz William – zur Freude der Lokalpresse

und auch der Stadtväter, denn in den

vornehmen Hotels Cheltenhams geht in

dieser Zeit nichts mehr …

Für Schlagzeilen ganz anderer Art sorgte die

Kleinstadt im Jahr 2000: Der britische

Nachrichtendienst Government Communications

Headquarters (GCHQ) war mit

seinen rund 4500 Mitarbeitern in einen 337

Millionen Pfund teuren Glaspalast an den

Rand der Stadt gezogen. Im Auftrag Ihrer

Majestät und im „ECHELON“-Verbund

mit ähnlichen Einrichtungen in Kanada,

Neuseeland, Australien und den USA überwachen

die britischen Topagenten die

gesamte elektronische Kommunikation.

Ziel der Regierungsbehörde ist die Bekämpfung

des internationalen Terrorismus und

der organisierten Kriminalität.

Und zum Schluss: Einen sehenswerten Ort

gibt es ganz in der Nähe von Cheltenham –

im kleinen Städtchen Chipping Campden

gründete Anfang des 20. Jahrhunderts der

Architekt und Designer Charles Robert

Ashbee die „Guild of Handicraft“,ein

Kunstgewerbezentrum der Arts and Craft

Movement.

sw/BJ


6 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Großbritannien

VOM KEYSTAGE 1 ZUM GCE A-LEVEL: DAS BRITISCHE SCHULSYSTEM

Private Elitegymnasien mit Internatsanbindung,

die Public Schools, prägen

das positive Image der britischen Bildungslandschaft

im Ausland. Von den

rund 17000 ausländischen Internatsschülern

in Großbritannien nimmt die Gruppe

der Deutschen nach den Chinesen den

zweiten Platz ein. Tendenz steigend. Britische

Eltern entscheiden sich in der Schulwahl

für ihre Kinder anders: Obwohl viele

Public Schools auch Stipendien für begabte

Kinder anbieten, besuchen nur ca. 7,5%

der jungen Briten diesen Schultyp. Die

große Mehrheit geht auf staatliche Schulen,

die bis zu den Bildungsreformgesetzen

1988/1993 lokalen Bildungsbehörden

unterstanden und ohne einheitlichen

Lehrplan arbeiteten.

Der Nationale Lehrplan: Seine Inhalte sind

seit der Bildungreform für alle staatlichen

Schulen verbindlich. Die Pflichtschulzeit

(5.-16. Lebensjahr) ist in vier „Keystages“

eingeteilt, an deren Ende zentrale Tests in

festgelegten Fächern absolviert werden: in

Keystage 1 (Kl. 1 u. 2) in Mathe und

Deutsch, in Keystage 2 (Kl. 3-6) und Keystage

3 (Kl. 7-9) zusätzlich in den Naturwissenschaften.

Keystage 4 (Kl.10/11) schließt

mit einer größeren Prüfung (GCSE) in bis

zu elf Fächern ab. Die Prüfungsergebnisse

der 11. Klasse werden von externen Fachmoderatoren

kontrolliert, evtl. korrigiert

und veröffentlicht. Erreicht eine Schule

nicht mindestens zu 25% gute Ergebnisse,

hat sie drei bis fünf Jahre Zeit zur Verbesserung.

Gelingt das nicht, droht die Schulschließung.

Evaluation: Staatliche Inspektoren der OFS-

TED (Office for Standards in Education)

überprüfen sehr gründlich jede Schule im

Abstand von vier oder fünf Jahren in einer

mehrwöchigen Schulbegehung. Die Ergebnisse

der Untersuchung, evtl. gezogene Konsequenzen

wie auch Rankings muss die Schule veröffentlichen.

Werden erkannte Mängel nach

einer Frist nicht beseitigt, kann das gesamte

Schulpersonal entlassen werden. Schon

mehrfach sind Schulleitungen nach Negativbefunden

der OFSTED zurückgetreten.

Selbstverwaltung: Jede

Schule wählt im vierjährigen

Turnus einen Verwaltungsrat

mit Vertretern

der Lehrer und der Eltern,

der örtlichen Gemeinde

und der Wirtschaft. Der

Rat entscheidet mit dem

Schulleiter über die Finanzen

der Schule und über die

Einstellung von Lehrern.

Unterrichtszeiten: Das

Schuljahr beginnt am 1.

September und ist in Trimester

eingeteilt. Unterrichtet

wird von Montag bis

Freitag, meist von 9.00 -

15.30 Uhr.

Schulformen: Auf den freiwilligen

Besuch der Nursery School (Vorschule)

folgt die pflichtige Primary School

für die Fünf- bis Elfjährigen, meist in Infant

School (1. und 2. Schuljahr) und Junior

School (3. bis 6. Schuljahr) gegliedert.

Schüler vom Bacon´s College am CBG

Fotos: Liesbeth Konrath

Alternativ kann die First School mit

anschließendem Besuch der Middle School

besucht werden. Die Secondary School

beginnt in Klasse 7 und endet in Klasse 11

(11. - 16. Lebensjahr).

Die Schüler können wählen zwischen Comprehensive

School (Gesamtschulen mit und

ohne Sekundarstufe II) oder Grammar

School (Gymnasium), die in der Sixth Form

(Kl. 12/13) zur Hochschulreife führt.

Daneben gibt es die Technical Schools, die

Sixth Form Colleges (vergleichbar mit unseren

Oberstufenzentren) und die privaten

City Technology Colleges.

Zensuren: Erfolgreiche Leistungen werden

mit einer Notenskala von „A“ (Bestnote) bis

„E“ bewertet, ungenügende Leistungen mit

einem „U“.

Abschlüsse: Die Schüler wählen ihre Prüfungsfächer

selbst: in der SEK I sind das die

„GCSE-Fächer“ , in der SEK II die „GCE

A-Level“ Fächer. Die Sekundarstufe I

schließt in Klasse 11 mit dem „General Certificate

of Secondary Education“ (GCSE)

ab, die Sekundarstufe II in Klasse 13 mit

dem „General Certificate of Education

Advanced Level“ (GCE A- Level).

Seit kurzem gibt es das „Advanced Supplementary

Level“ (AS-Level) in Klasse 12

(etwa unser Vorabitur). Unserer „Mittleren

Reife“ entsprechen etwa fünf GCSE-Prüfungen,

unserem Abitur drei bis vier A

Level-Prüfungen.

Um zum Hochschulstudium zugelassen zu

werden, sind Abschlüsse in mindestens drei

GCSE-Fächern und drei GCE A-Level-

Fächern nötig.

sw/BJ


DIE ST. EDWARD’S SCHOOL IN CHELTENHAM

Das Hauptgebäude der St. Edward’s School Foto: Annegret Schäfer

Wir bieten eine akademische Ausbildung,

die in den christlichen Werten

verwurzelt ist. Unsere Religionserziehung

soll die Schüler zum Wissen und zur Liebe

zu Jesus führen. – So wird der Leser sinngemäß

auf der Homepage der St. Edwards

School begrüßt. Für den Rektor der katholischen

Privatschule, Dr. Andrew Nash, wie

auch für die 62 Lehrer und rund 500 Schüler

sind Gebete ein wesentlicher Bestandteil

des Schulalltags. Auch eine Gebetsgruppe

der Eltern besteht. Die regelmäßig stattfindenden

Andachten in der kleinen Schulkapelle

leitet ein Geistlicher.

Namensgeber der Schule ist König Edward

– letzter angelsächsischer Regent und frommer

Christ, der das kirchliche Leben im

Königreich gefördert hatte. Den „St.

Edward`s Day“ am 8. Oktober begehen

Schüler, Eltern und Lehrer folglich beson-

Am 6. Juli 2007 hatte unser Gymnasium

Besuch von Schülern des Bacon’s College

aus London - ein privates Technical

College, das von der Anglican Church

betrieben wird. Es liegt im Stadtbezirk Rotherhithe

im Themseknie im Südosten Londons,

nur wenige U-Bahn-Stationen vom

Tower entfernt.

Beziehungen des CBG zum Bacon’s College

bestehen schon seit einigen Jahren, als eine

Schülerin aus London für zwei Wochen zu

Gast bei uns an der Schule war mit einem

Stipendium des British Council. Seitdem

haben uns bereits 5 Schülerinnen und Schüler

aus London besucht und auch ihre Gastgeber

in London empfangen.

Diese ursprünglich losen Beziehungen wurden

weiter gefestigt, als im Winter 2006/07

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Großbritannien 7

ders festlich. Die Jagdhütte

des 1166 heiliggesprochenenMonarchen

im Charlton

Park in Cheltenham

ist das Ur-Gebäude,

auf dem die immer

wieder um- und ausgebauten

Häuser der

St. Edward`s School

beruhen.

Zum weitläufigen

Schulgelände gehören

neben dem

Hauptgebäude mehrereMehrzweckschulhallen,

ein

Hockeyspielfeld, ein Tennisplatz, Laborplätze,

technische Werkstätten sowie ein

Schauspielstudio und Kunstateliers. Ein

neues Refektorium entsteht im Herbst

2008. Die Bibliothek hat ca. 13.000 Bücher

sowie viele Zeitungen und Zeitschriften.

Drei Computerräume mit Internetzugang

und kleinere Computerstationen können

ständig genutzt werden. Auf dem nahe gelegenen

Gelände der St. Edward’s Junior

School mit Kindergarten sind die 2- bis

11Jährigen anzutreffen. Hier gibt es Rugby,

Kricket- und Fußballfelder. Da bei so vielen

sportlichen Aktivitäten allerhand Unfälle

passieren können, ist immer eine Schulkrankenschwester

zur Stelle.

Neben der sehr guten materiell-räumlichen

Ausstattung vermittelt St. Edward`s auch

vielfältige Unterichtsinhalte: Ab Klasse 7

kann Mandarin, Italienisch, Japanisch und

BESUCH VOM BACON’S COLLEGE LONDON AM CBG

Schülerinnen und Schüler der 7L E-mail-

Partnerschaften mit Schülern des Colleges

aufnahmen.

Auf Bitte der Deutschlehrerin und derzeitigen

Fachleiterin für Fremdsprachen, Ms

Britta Modi, kamen 36 lebhafte junge EngländerInnen

zu uns ans Gymnasium, um

einmal deutschen Schulalltag „live“ zu erleben.

Die Freude war groß, dass sich die Email-Partner

nun auch von Angesicht zu

Angesicht begrüßen durften. Sie und andere

interessierte „Bechsteiner“ nahmen die

Gäste unter ihre Fittiche und führten sie

durch die Schule, in den Unterricht und

auch in die Cafeteria. Dabei hatten beide

Seiten Gelegenheit, ihre jeweiligen Fremdsprachenkenntnisse

„am lebenden Objekt“

auszuprobieren, wobei unsere Schüler klar

im Vorteil waren – englische Schüler lernen

Deutsch gelernt werden. Alle Schüler belegen

in Klasse 10 den Religionsunterricht als

GCSE-Fach und absolvieren darin eine

Pflichtabschlussprüfung. Danach kann das

Fach freiwillig weiter belegt werden. Angeboten

wird außerdem Unterricht in Psychologie,

Volkswirtschaft, Design und Technologie.

Die Klassen sind relativ klein: ca. 18

Schüler in Kl. 7 - 11 und 9 Schüler in der

Sixth Form. Mögliche Schulabschlüsse sind

das GCSE und das A-Level. Außerhalb des

Unterrichts leisten die Schüler soziale

Arbeitstunden bei Hilsbedürftigen, denn

Nächstenliebe, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft

sind wichtige Elemente der Erziehung

auf der St. Edward’s School.

Die Schüler können verschiedenen Clubs

beitreten, in denen sie sich mit Theater,

Schach, Sport (besonders beliebt ist der

Mannschaftssport), Geografie, Wissenschaft

oder Geschichte beschäftigen. Wer bei Konzerten

aktiv mitwirken will, kann das im

Schulorchester, im Chor oder in der Jazzband

tun. Öffentliche Auftritte finden regelmäßig

in Cheltenham und Umgebung statt.

Auch Studienreisen gehören zum Bildungsprogramm.

Ziele der vergangenen Jahre

waren Australien, Island, Nordfrankreich,

Barcelona und Dublin. In diesem Jahr findet

ein Skikurs in Österreich statt und das

Rugby-Team geht nach Südafrika.

Im vergangenen Schuljahr wurde die St.

Edward’s School überprüft und erhielt von

den Schulinspekteuren gute bis sehr gute

„Noten“ in verschiedenen Kategorien.

Ninon Gelbrecht, Jg. 11

Fremdsprachen nur an 2 Stunden in der

Woche und können sie nach 2 Jahren

Unterricht auch wieder abwählen. Außerdem

hat Deutsch nicht den Stellenwert in

England wie Englisch bei uns – wozu soll

man auch Deutsch lernen, wenn die meisten

Urlaubsreisen nach Spanien oder Südfrankreich

gehen? Auf jeden Fall hat die Verständigung

gut geklappt, in welcher Sprache

auch immer, denn am Ende des Besuches

wurde doch eine Reihe von Adressen

ausgetauscht und für den Einen oder die

Andere war der Besuch auch ein Anreiz, die

Sprache jetzt besonders intensiv zu lernen –

man sieht sich vielleicht ja doch wieder!

Wir vom Fachbereich Englisch wollen auf

jeden Fall die Beziehung fortsetzen.

Volker Grillitsch, für den FB Englisch


8 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Großbritannien

Lars Perl, Dan Goodrum und David Löser (v.l.) am Schloss Charlottenburg in Berlin Foto: Anne Goldack

„Was kocht in Germany ?“ – David und Dan in Berlin

Unerwartet erreichte mich nach langer

Pause gegen Anfang Februar eine E-

Mail von Dan. Er schreibt nicht oft, ist vielbeschäftigt;

er fragte, ob es nicht möglich

wäre, dass er Ende März/Anfang April mit

einer Gruppe englischer Austauschschüler

erneut nach Deutschland kommen und

mich besuchen könne. Gerade weil er so selten

schrieb und der Kontakt in letzter Zeit

recht locker war, freute ich mich besonders

über die Anfrage und sagte zu, ohne groß

mit meiner Familie Absprache zu halten.

Der Austausch und unsere Freundschaft war

im Oktober 2004 zustande gekommen, als

das erste Mal eine Gruppe von fünf englischen

Schülern aus Cheltenham Erkner

besuchte. Frau Dr. Lembeck hatte bei der

Auswahl der jeweiligen Partner eine richtige

Einschätzung getroffen und uns „zusammengeworfen“,

was sich als Glück und Bereicherung

für uns beide erweisen sollte. Unsere

Sympathie war auch nach dem Gegenbesuch

im folgenden April ungebrochen, und nachdem

der Austausch de facto für uns zu Ende

ging, hatte sich bisher leider keine Möglichkeit

eines Wiedersehens ergeben.

Bei der Ankunft auf dem Flughafen staunten

die englischen Gäste am Abend des 30.

März nicht schlecht: Zusammen mit meinen

Freunden Anne und Tobias bildete ich

ein Empfangskomitee nach staatsmännischer

Manier. Tobias und ich spielten, er auf

dem Akkordeon und ich auf der Klarinette,

die britische Nationalhymne; Anne kann

nicht Akkordeon spielen, singen wollte sie

nicht, also durfte sie den an einem Besenstiel

befestigten Union Jack halten. Das war

unser offizieller Programmbeitrag, vielleicht

mietet uns Frau Schäfer noch für weitere

Empfänge. Für dieses Mal verabschiedeten

wir uns; die Austauschteilnehmer waren im

Schnitt zwischen 12 und 14 Jahre alt, da

wollten wir als Halberwachsene lieber unser

eigenes Ding machen.

Was willst du in Berlin sehen?, hatte ich

Dan im Vorfeld gefragt. Nichts Bestimmtes,

war die Antwort, einfach nur durch die

Stadt wolle er gehen. Als halbwegs Ortskundiger

habe ich ihn dann in den nächsten

Tagen zur Spandauer Zitadelle und ins

Schloss Charlottenburg geführt, spontan

sind wir ins Ägyptische Museum und in den

Dom gegangen; der Wunsch nach dem

Fernsehturm hatte sich bei ihm noch vom

letzten Besuch gehalten, wozu leider keine

Zeit war, was wir aber dieses Mal nachgeholt

haben. Zum Glück haben wir gleiche

Interessen, sonst wären wir wohl bei dem

einen oder anderen Objekt in Konflikt geraten.

Neugierig nahm Dan alles auf, und

auch für mich ist es eine neue Erfahrung

gewesen, mit einem Berlin sei so sauber,

wiederholte Dan immer aufs Neue: „Ich

liebe Berlin, ich liebe Deutschland.“, das

war seine Antwort, wenn ihn irgendjemand

nach seinen Eindrücken fragte.

Und wo es nur ging, trafen wir Schulfreunde

von mir, die gemeinsam mit Dan Zeit

verbringen wollten. Anne war beim ersten

Austausch dabei gewesen, sie verband also

eine Freundschaft mit Dan. Tobias war seit

seinem Schottlandaufenthalt anglophil

geworden, wollte Englisch sprechen. Lars

und Daniel ging es ebenso, sie hatten eine

Abiturprüfung in Englisch zu schreiben und

wollten die Konversation mit Dan als Vorbereitung

nutzen. Ihr Pech: Dans Deutsch

war tatsächlich so gut, beinahe perfekt, dass


wir kaum mehr Englisch gebraucht hätten.

Wir hielten es dann so, dass wir Englisch

sprachen und Dan auf Deutsch antwortete,

so ergab das für alle den besten Lerneffekt.

Dan übersetzte auch gerne englische Idiome

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Großbritannien 9

ins Deutsche, was sich oft sehr lustig ausnahm.

„Was kocht?“, seine Übersetzung der

Frage „What’s cookin‘?“, eigentlich eher

gemeint als „Was ist los?“, wurde bei uns

zum geflügelten Wort.

Es war, wie erwartet, eine tolle Zeit mit

Dan; wir alle hatten viel Spaß und denken

gerne daran zurück. Den Abschied nach viel

zu kurzen fünf Tagen gestalteten wir sehr

pathetisch. Wieder mit Klarinette und

Akkordeon, das dieses Mal Daniel bediente,

gaben wir am Flughafen Auld Lang Syne.

Auch wenn ein Wiedersehen in nächster

Zeit aufgrund der unterschiedlichen

Lebensplanung nicht möglich sein wird,

wird mir meine Freundschaft mit Dan in

Cheltenham wohl ein Leben lang erhalten

bleiben.

David Löser

David Löser hat im vergangenen Schuljahr

sein Abitur mit dem besten Notendurchschnitt

des Abiturjahrgangs (1,1) erworben

und lebt und arbeitet jetzt ein Jahr

lang in Australien.Was er danach studieren

will, steht noch nicht fest. Dan will in London

Musik studieren.

Anne, Dan, Lars und Tobias (v.l.) in Berlin Fotos: Anne Goldack

Aus dem Programm

der letzten

englisch-deutschen

Schülerbegegnung

Initiiert wurde die Schulpartnerschaft im

Herbst 2001. Frau Dr. Ute Lembeck, ehemalige

Englischlehrerin am CBG, knüpfte damals die

ersten Kontakte zur St. Edward’s School

während eines 3-wöchigen Praktikums in

Cheltenham.Seit zwei Jahren organisiert das

Programm die Englisch- und Sportlehrerin

Annegret Schäfer.

In der Zeit vom 30. März bis zum 4.April 2007

besuchten uns einige Schüler der St. Edward’s

School aus Cheltenham. Begleitet wurden sie

von den Lehrern Maeve Pitt und David Ruck.

Nach dem Empfang der Briten am Flughafen

Schönefeld hatten die Gäste zunächst einmal ein

ganzes Wochenende Zeit, um ihre Gastfamilie

und die betreuenden deutschen Jugendlichen

kennenzulernen.

Am Montag verbrachten die Gäste einen Schultag

am CBG. Nach den Unterrichtsbesuchen

fand nachmittags eine Stadtrallye in Erkner

statt, bei der Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie

das Heimatmuseum oder das Rathaus aufgesucht

wurden. Die Rallye hatten Herr Grillitsch

und Schüler der 11. Klasse vorbereitet.

Den Abend gestalteten die Gastfamilien ganz

unterschiedlich, so wurde z.B. eine Kletterhalle

in Berlin besucht. Am Dienstag gab es eine

Sightseeingtour durch Berlin – der Reichstag,

der Berliner Hauptbahnhof, das Brandenburger

Tor sowie die Berliner Mauer und der Potsdamer

Platz wurden besichtigt.

Am letzten Abend der Begegnung – beim

Bowling in der Stadthalle Erkner – erhielten

die jungen Briten unsere Bechstein-T-Shirts,

überreicht wurden sie von der Vorsitzenden des

Schulfördervereins,Frau Susanne Tiedemann.

Am Mittwochvormittag besuchten die Briten

mit ihren deutschen Gastgebern in Potsdam den

Cecilienhof, Schloss Sanssouci und das

Holländerviertel.Von dort ging es weiter zum

Flughafen Berlin-Schönefeld, wo die deutschen

Eltern schon mit dem Gepäck ihrer Schützlinge

warteten und die Gäste herzlich verabschiedeten.

Catherina Beck

Jg. 11

Unser nächster Besuch in Cheltenham findet

in der Zeit vom 12. bis 18. März 2008 statt.


II.

Russland

41. Gymnasium

St. Petersburg


Die nach Moskau zweitgrößte Stadt

Russlands trägt seit 1991 wieder ihren

ursprünglichen Namen – Sankt Petersburg,

vormals Leningrad, kurzzeitig auch Petrograd.

4,7 Millionen Einwohner leben in der

aus 42 Inseln und vielen Kanälen bestehenden

Metropole an der Newa, die deshalb

auch „Venedig des Nordens“ genannt wird.

Granitsteinerne Uferbefestigungen sollen

vor Hochwasser schützen – seit seiner

Gründung durch Zar Peter I. (1703) ist die

Stadt rund dreihundert Mal von schweren

Überschwemmungen heimgesucht worden.

Das Territorium am Finnischen Meerbusen

hatte Peter der Große dem Schwedenkönig

Karl XII. nach langen, erbitterten Kämpfen

abgetrotzt zu einer Zeit, in der England als

seefahrende Nation zur führenden Macht

des Westens aufgestiegen war. St. Petersburg,

so beschloss der reformfreudige Zar,

sollte das „Fenster zum Westen“ werden.

Tausende von Leibeigenen bauten in wenigen

Jahren Straßen, Brücken und Gebäude

in einer Region, wo vorher nur Sumpfgebiet

war. Handwerker, Ingenieure und Baumeister

aus ganz Europa prägten das Bild der

neuen Stadt. Zentrum war die Admiralität,

eine Schiffswerft für Kriegsschiffe, im Mündungsbereich

der Newa gelegen. Nördlich

davon entstand der Winterpalast, der bis

1917 Hauptresidenz der Zaren blieb. Heute

befindet sich dort die Eremitage, eine der

größten Kunstsammlungen der Welt. Die

Peter-Paul-Festung auf der „Haseninsel“

sollte den erkämpften Zugang zur Ostsee

sichern. Die Isaak-Kathedrale, die größte

Kirche Russlands, zur Zeit Katharina der

Großen erbaut, sollte die Position Russlands

als neue Großmacht dokumentieren.

St. Petersburg hat auch im 20. Jahrhundert

Geschichte geschrieben. Matrosenaufstände,

Attentate, die Februarrevolution und

schließlich der Schuss vom Panzerkreuzer

Aurora im Petrograder Hafen als Startsignal

für die Oktoberrevolution 1917 – eine politische

Wende internationalen Ausmaßes

nahm hier ihren Anfang. Das politische

Handeln von Lenin, Trotzki und später Stalin

ist untrennbar mit diesen Ereignissen

verbunden.

Ein Einschnitt in der Geschichte der Stadt

war die von den Deutschen verübte Leningrader

Blockade vom September 1941 bis

zum Januar 1944, während der mehr als

eine Million Leningrader ihr Leben verloren.

Dmitri Schostakowitsch komponierte

in dieser Zeit die „Leningrader Symphonie“,

die dem Mut und Durchhaltewillen

der hungernden Leningrader gegenüber den

deutschen Vernichtungsplänen gewidmet

war.

In der Sowjetzeit verlor die Stadt an Bedeutung.

Sichtbares Zeichen dafür war der

zunehmende Verfall vieler Gebäude und

Straßen. Zu neuer Blüte gelangte Petersburg

erst wieder zum 300jährigen Jubiläum im

Jahre 2003: Im Heumarktviertel – in den

engen Straßen und verwinkelten Hinterhöfen

am Gribojedow-Kanal hat Dostojewski

seine Romanhelden verortet – entstanden

in kurzer Zeit moderne Bürokomplexe und

Einkaufspassagen. Ex-Bundeskanzler

Schröder und Präsident Putin weihten das

aufwändig rekonstruierte Bernsteinzimmer

im Katharinenpalast ein. Die Adelspaläste

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Russland 11

„Es gibt, müssen Sie wissen, Nastenka, in Petersburg recht seltsame Winkel. In diese Gegenden scheint nicht mal dieselbe Sonne

hereinzuschauen, die allen anderen Petersburgern lacht, sondern eine andere, neue, eigens für diese Gässchen bestellte, die alles

in ein anderes, besonderes Licht taucht. In diesen Winkeln, liebe Nastenka, lebt man ein Leben, das es allenfalls in einem

unendlich fernen, uns unbekannten Lande geben mag ... Dieses Leben stellt eine Mischung von etwas völlig Phantastischem,

Ersehnt-Idealem und zugleich (leider, Nastenka!) auch Grauem, Prosaischem und Alltäglichen, um nicht zu sagen unwahrscheinlich

Trivialem dar.“

FJODOR DOSTOJEWSKI IN „WEISSE NÄCHTE“ (1848)

ST. PETERSBURG – FENSTER ZUM WESTEN

und Zarenresidenzen am Newski-Prospekt

wurden für 40 Milliarden Rubel saniert.

In den Nebenstraßen des Newski-Prospekts

und in den Außenbezirken der Metropole

sieht der Besucher jedoch auch die Verlierer

einer Gesellschaft, die nach der Perestroika

ins wirtschaftliche Chaos geraten waren –

Bettler, Straßenkinder und Obdachlose.

Trotz sinkender Einwohnerzahlen sind

bezahlbare Wohnungen noch immer

knapp. Jeder fünfte Einwohner lebt nach

wie vor in Kommunalkas – Gemeinschaftswohnungen,

in denen sich mehrere Familien

Küche und Bad teilen. Auch unter Putin

hat sich die Situation nicht wesentlich

verbessert, obwohl die Wirtschaft boomt.

Allerdings: Oligarch und Aluminium-

König Oleg Deripaska – mit einem

geschätzten Vermögen von 16,4 Milliarden

Euro der zweitreichste Mann Russlands –

kaufte unlängst für 202 Mio Euro 269 Hektar

Bauland am nördlichen Stadtrand von

Petersburg. 40000 Wohnungen für 100000

Menschen nebst Infrastruktur will er dort

errichten. Ob er selbst – wie der Legende

nach einst Peter I. – zum Spaten greift,

bleibt offen.

Regierungschef Putin hat übrigens als

gebürtiger Petersburger immer noch engen

Kontakt zu seiner Heimatstadt: Jekaterina,

die 22jährige Tochter des russischen Präsidenten,

wohnt in Petersburg bei der Großmutter

und studiert am Orientalistik-Institut

der Staatlichen Universität Sankt Petersburg

Japanologie.

Jasmin Sliwinski,

Julie Nikolaus, Jg.11

sw/BJ


12 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Russland

PUTINS NATIONALPROJEKT BILDUNG: SCHULSYSTEM IN RUSSLAND

Die Perestroika setzte auch im Bildungswesen

Russlands einen dynamischen

Prozess in Gang, der von Reformversuchen

und Umbrüchen geprägt ist. Der

Staat ist nach wie vor gesetzlicher Rahmengeber

und Träger der meisten Bildungseinrichtungen:

Im Juni 1992 erließ

die Russische Förderation ein neues Bildungsgesetz,

2005 erhob die Regierung

den unterfinanzierten Bildungssektor zum

„Nationalen Projekt“ und leitete Fördermaßnahmen

ein. Doch zunehmend treten

auch in – und ausländische Stiftungen in

Erscheinung, darunter die u.a. von Microsoft

unterstützte „Stiftung zur Förderung

der russischen Lehrerschaft“ oder die

„New Eurasia Foundation“. Sie streben die

Demokratisierung und Öffnung der russischen

Schule an und wollen innovative

Schulen durch Wettbewerbe fördern.

Schulgliederung und -typen: Die allgemeine

Schulpflicht umfasst 9 Jahre und beginnt

mit der vierjährigen Anfangsstufe (natschalnoe).

Die fünfjährige Grundstufe

(osnownoe) endet in Klasse 9 mit einer Prüfung.

Mit vollendetem 15. Lebensjahr kann

jeder Russe die Schulzeit beenden und dann

ein Technikum oder eine Berufsschule besuchen.

Möglich ist auch eine zweijährige

Fortsetzung der Schulzeit in der Mittelstufe

bis zur Klasse 11 (srednee), die mit dem

Erwerb des Reifezeugnises endet. Auch das

humanwissenschaftlich orientierte Gymnasium

und das naturwissenschaftlich ausgerichtete

Lyzeum enden mit diesem Schulabschluss,

der mit unserem Abitur vergleichbar

ist, aber an deutschen Hochschulen und

Universitäten nicht anerkannt wird. Die

Einführung eines 12. Schuljahrs wird diskutiert,

nicht nur, um sich westlichen Standards

anzupassen, sondern auch, um die

Belastung der Schüler zu verringern. Das

erworbene Reifezeugnis berechtigt in Russland

nur zur Anmeldung einer Hochschulzulassungsprüfung.

Erst der Besuch von

Vorbereitungskursen mit einer abschließenden

Prüfung führt zur Immatrikulation.

Die Bechsteiner zu Gast am 41. Gymnasium Fotos: Annika Schulz

Bürgerkunde: Der Literatur- und

Geschichtsunterricht hatte lange Zeit auch

eine politische Funktion. Das Fach „Bürgerkunde“

(vergleichbar mit dem Fach „Politische

Bildung“) besteht seit den 90er Jahren;

seit 2006 ist es Pflichtfach an allgemeinbildenden

Schulen. Die Erziehung zum

Patriotismus hat hier einen besonderen Stellenwert.

Unterrichtszeiten:

Die Schule beginnt

um 9 Uhr. An vielen

Schulen ist Samstags

Unterricht, dafür

haben Schüler in

Russland 3 Monate

Sommerferien – nur

in Klasse 9 und 10

finden im Juni die

Prüfungen statt. Am

1.September beginnt

in ganz Russland

der Schulunterricht,

der in Trimester

gegliedert ist.

Bewertung: Das

Notensystem

besteht aus 5 Noten

– von Bestnote 5 bis

zur „schlechten“

Note 1, die jedoch

erst ab Klasse 5

erteilt werden darf.

Schüler: Im Schuljahr 2005/6 lernten

15185 Mio Kinder und Jugendliche in

Russland an 61497 allgemeinbildenden

Schulen. 72000 Schüler (0,46%) lernten an

privaten Bildungseinrichtungen des Landes.

Zukunft: Im Rahmen des „Nationalen

Projekts Bildung“ sollen alle Schulen bis

zum Ende des Jahres 2007 mit Computern

und Internetanschlüsssen ausgestattet werden.

5000 ausgewählte Bildungseinrichtungen

erhalten Lehrmittel im Gesamtwert von

2,6 Milliarden Rubel (76,5 Mio Euro). Alle

Schulen im ländlichen Bereich sollen mit

Schulbussen ausgestattet werden. Die

Bezahlung der Lehrer soll erhöht werden,

sie verdienen momentan bis zu maximal

15000 Rubel (rund 400 Euro) und haben

deshalb häufig Zweitjobs.

sw/Bj


Die Schule liegt im Nordwesten von St.

Petersburg, knapp 25 Minuten vom

Stadtzentrum entfernt, im Primorski Rajon

– mit seinen rund 400000 Einwohnern

einer der größten Stadtbezirke.

Das große Schulgebäude stammt noch aus

Sowjetzeiten und hat neben seinen vielen

Fachräumen ein Computerkabinett, eine

Bibliothek, eine große Aula sowie eine

Mensa mit einem guten Imbiss- und Mit-

tagsangebot. Schüler aus sozial schwachen

Verhältnissen erhalten hier ein kostenloses

Frühstück.

Seit längerem gibt es in der Schule ein

„Erich-Kästner-Zimmer“ – das 41. Gymnasium

kämpft um den Namen des deutschen

Schriftstellers. In zwei Sportsälen finden

neben dem Sportunterricht auch viele Wettkämpfe

statt. Das Schulgelände ist

beschränkt auf einen betonierten Innenhof,

wo sich die Schüler wohl nur bedingt vom

Unterricht erholen können.

Zurzeit besuchen ca. 850 Kinder und

Jugendliche der Klassen 1 bis 11 die allgemeinbildende

staatliche Schule. Die Klassen

bestehen aus 25 bis 30 Schülern und

werden von einer Klassenleiterin betreut.

Das 41. Gymnasium hat seinen Schwerpunkt

auf das Fach Deutsch als erste Fremdsprache

gelegt, was durchgehend ab dem

Schuleintritt in Klasse 1 unterrichtet wird.

Ab Klasse 5 wird der Fremdsprachenunterricht

mit 5 Stunden pro Woche in zwei

geteilten Gruppen pro Klassenstufe vermittelt.

Ab Klasse 7 erlernen die Schüler als

zweite Fremdsprache Englisch. Die 10 Lehrer

im Fachbereich Deutsch bereiten die

Schüler auf den Erwerb eines Deutsch-Zertifikates

vor, welches von deutschen Fachlehrern

geprüft wird. In den Petersburger

Spracholympiaden belegen die Schüler des

41. Gymnasiums oft vordere Plätze.

Einige ehemalige Schüler studieren inzwi-

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Russland 13

ZWANZIG JAHRE 41. GYMNASIUM IN SANKT PETERSBURG

Das Schulgebäude des 41. Gymnasiums Fotos: Sven Audehm

Mindestens genauso wichtig wie die Schulleiterin:

Der Pförtner der Schule

Schulleiterin Tatjana Borisnowna

schen Germanistik – um die sehr strengen

Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen

absolvieren zu können, mussten sie ein Abschlusszeugnis

mit der Note 5 (der deutschen

Note „1“) nachweisen.

So wie alle russischen Schulen pflegt auch

das 41. Gymnasium die Tradition des „Ersten

Klingelns“: Am 1. September versammeln

sich alle Schüler auf dem Hof ; ein

Schüler der 11. Klasse und eine Schülerin

der 1. Klasse läuten gemeinsam das „Erste

Klingeln“, mit welchem das neue Schuljahr

eröffnet wird. Am 25. Mai wird mit dem

„Letzten Klingeln“ das Schuljahr beendet.

Im November 2007 feiert die Schule ihr 20.

Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch!

sw/BJ


14 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Russland

Anna Junghans (l.) und Ekaterina Raru im Dezember 2006 in Deutschland Foto: Nils Junghans

Anna und Katja – eine deutsch-russische Freundschaft

Als unsere Russischlehrerin Frau Fehrmann

fragte, wer sich für die Teilnahme am nächsten

deutsch-russischen Schüleraustausch

interessiere, kamen viele schöne Erinnerungen

an die letzte Begegnung auf und ich

meldete mich sofort. Schon einmal – in den

Jahren 2004/05, als ich in der 9. und dann

10. Klasse war – hatte ich an diesem Austausch

teilgenommen. Wir waren damals

eine lustige Jugendgruppe gewesen und hatten

neben den Schulbesuchen des 41. Gymnasiums

und den Exkursionen in St. Petersburg

auch in unserer Freizeit sehr viel Spaß.

Auch Ekaterina Raru – kurz Katja – und

ihre Familie habe ich in dieser Zeit kennengelernt.

Im Dezember 2006 war es dann wieder so

weit: Am Ende einer langen Vorbereitungsphase

erfuhren wir Deutschen endlich, wer

welchen russischen Gast aufnehmen durfte.

Zu mir kam Katja und ich freute mich riesig

darüber. Während einer schnell vergehenden

Dezemberwoche konnte sie und die

anderen russischen Gäste auch die Vorweih-

nachtsstimmung in Deutschland erleben.

Der Abschied fiel schwer, doch wussten wir,

dass wir uns im kommenden Frühjahr in St.

Petersburg sehen würden.

Im April 2007 saß ich dann im Flugzeug

nach Russland und dachte, nur noch 4

Stunden und ich sehe Katja wieder. Nach

der Landung in Pulkovo fuhren wir mit

dem Bus weiter zu unserer Partnerschule.

Dort warteten schon Katja und ihre

Schwester Nastja sowie der Vater der beiden

Mädchen. Katjas Familie hatte dieses Mal

zwei Schülerinnen aus Deutschland aufgenommen

– Jana Szperlinski und mich. Aufgeregt

fuhren wir in die Wohnung der

Rarus, wo uns die Mutter der zwei Mädchen

sehr herzlich begrüßte. Sie ist Hausfrau

und kümmert sich um alles, was im

Haushalt so anfällt, pflegt die Katze und die

familiären Freundschaften. Der Vater ist

Geschäftsmann und das Unternehmen, in

dem er arbeitet, hat mit Beton zu tun. Er

bringt das Geld nach Hause und sorgt für

die Existenz der Familie. Die Eltern können

wenig Deutsch sprechen – oft übersetzte

dann Katja. Die Familie war mir sehr sympathisch;

die vier Rarus haben viel Humor

und der gegenseitige Umgang ist sehr liebevoll.

Man konnte gar nicht anders, als sich

dort wohl zu fühlen. Unser Gastvater war

immer da, um uns am Abend von irgendeinem

Ort abzuholen und die Mutter servierte

köstliche 3- oder 4-Gänge-Menüs. Auf

mich als Vegetarierin wurde ein Extra-Speiseplan

„zugeschnitten“. Die Eltern kümmerten

sich so toll um uns, als wären wir

ihre eigenen Kinder.

Nastja, die jüngere Tochter der Rarus, geht

in die letzte – die 11. Klasse des 41. Gymnasiums

und möchte danach studieren. Meine

Katja ist inzwischen 18 Jahre alt und hat die

Schule mit einem sehr guten Durchschnitt

abgeschlossen. Sie studiert jetzt Wirtschaft

an einer Universität in St. Petersburg und

hört dort auch Vorlesungen in deutscher

Sprache. Sie erzählte mir, dass das Studium


Auch mal am Rad der Geschichte drehen: Anna (l.) und Jana auf der „Aurora” Foto: S. Nitsch

sehr schwer sei und dass sie ein noch besseres

Deutsch sprechen möchte und ich deshalb

viel mit ihr Deutsch sprechen solle.

Die Woche mit Katja und Nastja war sehr

interessant: Wir nahmen am Unterricht der

Russen teil und erlebten disziplinierte Schüler,

die bei einem Pförtner ihre Straßenbekleidung

abgeben müssen , bevor sie in die

Unterrichtsräume gelangen. Oft werden

Tests geschrieben. Die Schüler antworten

auf die Fragen der respektierten Lehrer

grundsätzlich im Stehen. Der Leistungsdruck

ist hoch, das Hausaufgabenpensum

enorm. Die Eltern unterschreiben regelmäßig

die Noteneinträge im Schultagebuch

ihres Kindes, was die Lehrer genauso regelmäßig

überprüfen. Seit der ersten Klasse lernen

die Schüler Deutsch, die meisten

beherrschen die Sprache gut bzw. sehr gut.

Nach dem Unterrichtsprogramm waren wir

meist noch lange in St. Petersburg unterwegs

– dies natürlich auch auf dem 4,5

Kilometer langen Newski – Prospekt mit

seinen 190 Palästen und dem berühmten

Luxus-Kaufhaus Gostiny Dwor, in dem

man bunt bemalte Matrjoschkas für stolze

10000 Rubel (das sind rund 280 Euro) kaufen

kann. Oder wir liefen durch die Stadt

und trafen uns mit anderen Leuten. Wir

versuchten so viel wie möglich in der jeweils

anderen Sprache zu sprechen. Katja und ich

wurden uns sehr vertraut, wir konnten über

alles reden. Wenn uns doch mal die entsprechenden

Vokabeln fehlten, versuchten wir

es mit Hilfe von Gestik und Mimik, wobei

wir manchmal solche Grimassen schnitten,

dass ein anschließender Lachanfall sicher

war.

Am letzten Abend waren Katja, Nastja und

ihr Papa sowie Jana, ich und noch ein paar

Freunde in einer großen Spielhalle. Dort

amüsierten wir uns köstlich. Wir spielten

erst Bowling, dann Billard und danach

Puck. Es war ein wirklich gelungener

Abschiedsabend. Katja und ihre Familie

versprachen uns, dass wir sie immer wieder

gerne besuchen könnten.

Der Austausch war ein tolles, unvergessliches

Erlebnis. Ich bin froh, dass ich ein

zweites Mal dabei sein durfte und kann nur

jedem empfehlen, an dieser Schülerbegegnung

teilzunehmen. Die Erinnerungen an

meine Freundin Katja in Petersburg sind

immer noch lebendig.

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Russland 15

Anna Junghans, Kl. 12

Anna lernt am CBG seit der 7. Klasse Russisch

und belegt die Leistungskurse Kunst

und Deutsch. Nach ihrem Abitur möchte

Anna studieren und danach vielleicht als

Grundschullehrerin arbeiten.

Aus dem Programm

der deutsch-russischen

Begegnung

Seit nunmehr sieben Jahren besteht ein deutschrussischer

Schüleraustausch zwischen unserem

Gymnasium und dem 41. Gymnasium in

St. Petersburg. Auf Initiative einer russischen

Mutter eines unserer Schüler war dieser Austausch

entstanden – Ilona Urban und Helga

Fehrmann, Russischlehrerinnen am CBG, griffen

diese Initiative und Idee engagiert auf und so

wurde aus einer ersten Begegnung ein Kontinuum

und zugleich auch ein fester Bestandteil des

Profils unseres Gymnasiums.

Im vergangenen Jahr besuchten uns die russischen

Gäste erstmals im vorweihnachtlich

gestimmten Dezember, sie erlebten so also auch

die deutschen Gepflogenheiten zur Adventszeit ,

was den Russen zwar fremd war, ihnen aber

ganz außerordentlich gefiel.

Hauptsächlich nahmen die russischen Schüler

mit ihren begleitenden Lehrerinnen an Unterrichtsstunden

des CBG teil, recherchierten in

vielfältiger Weise Leben und Werk des Autors

Erich Kästner, denn den Namen dieses deutschen

Schriftstellers will die Schule in Petersburg

demnächst tragen.

Eine Stadtrundfahrt durch Berlin, verbunden

mit einem Besuch der „Blue-Man-Group“ im

Theater am Potsdamer Platz, rundete das dichte

Programm der deutsch-russischen Begegnung ab.

Vom 21. - 28. April 2007 erfolgte der Gegenbesuch

der deutschen Austauschschüler. In Begleitung

von Frau Urban und Frau Fehrmann

flogen 18 SchülerInnen zur Partnerschule in die

Newametropole. Auf dem Programm der Begegnung

stand auch hier eine Rundfahrt durch die

Stadt mit dem größten Hafen Russlands. Besucht

wurden u.a. die Peter-Paul-Festung, das

berühmte Bernsteinzimmer wie auch der Katharinenpalast

in Zarskoje Selo. Während einer

nächtlichen Fahrt auf den Kanälen der 74 km

langen Newa konnten nicht nur die vielen

Palais und Kathedralen bewundert werden,

sondern auch die kunstvoll gestalteten Brücken.

Der Aufenthalt am russischen Gymnasium war

gut organisiert. Gemeinsam wurde dort am

Projekt „Vorurteile abbauen“ gearbeitet und der

Deutschunterricht besucht; auch das „Erich

Kästner“ Zimmer des Gymnasiums wurde

besichtigt und eine Theateraufführung erlebt.

In verschiedenen schulischen Wettkämpfen, z.B.

beim Volleyball, konnten sich die deutschen und

russischen Schüler vergleichen.

Langfristiges Ziel dieses Schüleraustausches ist

weiterhin die interkulturelle Begegnung, das

Kennenlernen von Land, Leuten und Kultur,

der Erhalt der russischen Sprache am Carl Bechstein

Gymnasium und das Vertiefen der deutschrussischen

Sprachkenntnisse.

Theo Navratil,

Xenia Stock , Jg. 11


III.

USA

Gulfport

High School


Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · USA 17

„Südlich von Hattiesburg, der letzten größeren Stadt vor der Golfküste mehren sich die Straßensperren der Nationalgarde und

der Polizei. Man ist freundlich, rät eindringlich zu vorsichtigem Fahren. „Was wollen Sie in Gulfport, da ist nichts mehr“, sagt

ein Polizist aus Laurel bei Hattiesburg, übernächtigt, unrasiert, möglicherweise ein wenig zu sarkastisch. Übertrieben ist die

Diagnose aber kaum. Herabgerissene Stromleitungen liegen quer über der Straße. Kilometerlang ist auf dem Mittelstreifen

zwischen den Richtungsfahrbahnen kaum ein Baum stehen geblieben…Schließlich Gulfport, an der Ortseinfahrt hat die Polizei

eine Leuchttafel aufgestellt: Absolute Ausgangssperre, 24 Stunden, scharfe Kontrollen. Ein kleiner Hund mit klingendem

Halsband irrt über die Straße. Glassplitter, undefinierbare Trümmer aus allen mögliche Baumaterialien, Abfälle. Das metallene

Gerippe muss eine Shell-Tankstelle gewesen sein, denn das herabgerissene gelb-rote Dach ist um so einen mächtigen stählernen

Pfeiler einer Licht- und Ampelanlage gefaltet, dass man die Richtung des Sturmes ausmachen kann: Hier hat er von

Süden her gewütet…“

F.A.Z. AM 2. SEPTEMBER 2005

GULFPORT VOR UND NACH „KATRINA“

Der US-Bundesstaat Mississippi hat 2,6

Millionen Einwohner, davon leben in

der Hauptstadt Jackson 178000 Menschen.

63% der Bevölkerung des Bundesstaates

sind Weiße, der Anteil der Schwarzen ist

mit 36 % höher als in den anderen US-Staaten.

Zu den Minderheiten in Mississippi

gehören u. a. rund 16 000 Einwohner

hispanischer Abstammung und etwa 8500

Choctaw- Indianer, die wie viele andere

Indianerstämme Anfang des 19. Jahrhunderts

einen Großteil ihres Territoriums

mehr oder weniger freiwillig an die amerikanische

Regierung verkauften.

Mississippi, wegen seiner vielen Magnoliengewächse

auch „Magnolia State“ genannt,

liegt östlich vom 3780 kilometerlangen

gleichnamigen Fluss, der im Norden der

USA in Minnesota entspringt und durch

zehn Bundesstaaten fließt, bevor er im Mississippi-Delta

in den Golf von Mexiko

mündet. Seit Jahrhunderten ist der Fluss ein

wichtiger militärischer und kommerzieller

Verkehrsweg. Riesige Schaufelraddampfer

transportierten hier einst Baumwolle zu den

Häfen der Golfküste, von wo aus sie weiter

nach Europa verschifft wurde. Anfang des

19. Jh. wurde der Fluss in seinem Lauf

begradigt und im Mündungsdelta von

mehreren Deichanlagen begrenzt. Die

anliegenden Sumpfgebiete wurden trockengelegt

und in den Sumpfsenken entstanden

unter dem Meeresspiegel liegende Städte. In

dieser durch Überflutungen und Wirbelstürme

doppelt gefährdeten Region lebten

anfangs vorwiegend schwarze Sklaven, später

auch arme Weiße.

Auf dem Mississippi verkehren heute

moderne Containerschiffe, die meisten werden

mit Waren für den Export beladen, vor

allem mit Fisch und Geflügel. Bis zum verheerenden

Hurrican „Katrina“ Ende August

2005 wurden große Teile dieser Ladungen

im Hafen von Gulfport umgeschlagen, wie

auch Importgüter, vor allem Obst aus der

Karibik und aus Lateinamerika. Der US-

Bananenkonzern Chiquita Brands löschte

im Hafen von Gulfport in wöchentlichen

Schiffslieferungen ein Viertel des gesamten

Bananenimports der USA.

Gulfport, 1887 von dem Eisenbahnbauer

William Hardy als Endpunkt einer von ihm

geplanten Eisenbahnlinie und als Hafenstadt

gegründet, ist mit 73000 Einwohnern

die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates.

Arbeitsplätze gab es vor allem in der Fischverarbeitung

und in der Erdölindustrie, später

in der Tourismusbranche. Touristische

Anziehungspunkte waren die künstlich

angelegten feinen Sandstrände mit einigen

großen Kasino-Hotels sowie die schwimmenden

Spielcasinos, die auf Stelzen im

Wasser aufgebockt und nur über riesige Seebrücken

erreichbar waren. Hintergrund der

scheinbar architektonischen Entscheidung:

Im „Bibelgürtel“ der USA, der sich von den

Südstaaten wie Tennessee, Alabama und

Mississippi bis in den Mittelwesten der

Great Plains erstreckt und der von Freikirchen

dominiert wird, ist das Glücksspiel auf

festem Boden verboten. Formal gesehen finden

die Glücksspiele also nicht im Bundesstaat

Mississippi statt. Das Parlament von

Mississippi beschloss außerdem vor rund

zwei Jahrzehnten ein Gesetz, wonach nur

die Choctaw-Indianer die Gewinne der

Spielcasinos einnehmen durften, die damit

ihre Krankenhäuser, Schulen und andere

öffentlichen Einrichtungen finanzierten.

Am 29. August 2005 zerstörte Hurrikan

„Katrina“ all die Ölplattformen, Hafenanla-

gen, Spielcasinos und auch die meist aus

Holz gebauten Wohnhäuser. „Katrina“

traf mit voller Wucht, mit Windgeschwindigkeiten

von mehr als 200 Stundenkilometern

die Stadt. Eine bis zu 7

Meter hohe Sturmflutwelle zerstörte

große Teile von Gulfport, die Infrastruktur

brach zusammen, viele Menschen

starben, rund 15000 Arbeitsplätze gingen

verloren.

Der Wiederaufbau der Stadt begann

2006 und wird wohl noch Jahre dauern.

sw/Bj

Foto: Jesse V. Bass III., media.vastormphoto


18 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · USA

Das Gulfport High School Chamber Orchestra im Auswärtigen Amt Berlin

„NO CHILD LEFT BEHIND” – US-AMERIKANISCHES SCHULSYSTEM

„No Child Left Behind“ – so lautet der

Titel des Bildungsgesetzes, das US-Präsident

George W. Bush im Jahr 2002 unterzeichnete

und mit dem durchgesetzt werden

soll, dass bis 2014 alle Schulkinder in

den USA richtig lesen, schreiben und rechnen

können.

Zur Erreichung dieses Ziels stellt das Federal

Government 20 Milliarden Dollar pro

Jahr zur Verfügung, zugleich wurde ein

Maßnahmekatalog von Sanktionen entwickelt

für die Schulen, die das gestellte Ziel

nicht erreichen, beginnend mit einer offiziellen

Verwarnung und endend mit der

Schließung der Schule. Die Leistungen der

Schüler werden jährlich in standardisierten

Vergleichsarbeiten in den Bereichen Lesen

und Mathematik überprüft. Die Testergebnisse

jeder Schule werden veröffentlicht,

aufgeschlüsselt nach den wichtigsten

ethnischen Gruppen.

Rassentrennung an US-amerikanischen

Schulen: Im Mai 1954 hob der Oberste

Gerichtshof die Rassentrennung an öffentlichen

Schulen in den USA auf. Bis dahin

wurden schwarze Kinder in sogenannten

„Schwarzenschulen” unterrichtet, welche

oft mehrere Kilometer vom Wohnort entfernt

lagen. Das Urteil sollte „in angemessener

Eile“ durch die Bundesgerichte

vorangetrieben werden. Heute ist die Wahl

der Schule frei.

Grundschule (Elementary School): Eingeschult

werden die Kinder im Alter von

6 Jahren. Gewöhnlich besuchen die Kinder

mit 5 Jahren einen Kindergarten, dem oft

ein privates Betreuungsprogramm vorangeht.

Die Elementary School umfasst die

Klassenstufen vom Kindergarten bis zur 4.,

5. oder 6. Klasse (abhängig vom Schulbezirk).

In Schulbezirken ohne Middle School

besuchen die „students“ die Elementary

School bis zur 8. Klasse. Unterrichtet werden

die Schüler von den mehrheitlich weiblichen

Lehrern meist 6 Stunden täglich.

Mittelschule (Middle School): Sie umfasst

regulär die Klassenstufen 5 bis 8 und bildet

den Übergang zur High School. Auch in diesen

Klassenstufen werden die Fächer periodisch

unterrichtet. fünf bis sieben Fächer pro

Semester, wobei der Stundenplan der Schüler

in der Regel von Montag bis Freitag die gleichen

Fächer in der selben Folge aufweist.

Oberschule (High School): Die High

School ist in einigen Aspekten mit der deutschen

Gesamtschule vergleichbar. Da in den

USA alle Jugendlichen die High School

besuchen, sind die Anforderungsbereiche

breiter. Ein paralleles Existieren zweier

Schulformen wie in Deutschland gibt es in

den USA nicht. Die High School ist eine

Einheitsschule ohne Klassenverband. In

Abhängigkeit von der Qualifikation der

Lehrkräfte wird den Schülern ein breites

Fächerangebot geboten. So wird an einigen

Schulen z.B. Anatomie, Psychologie oder

auch Zoologie unterrichtet. Bezeichnet werden

die Klassenstufen nicht mit einer Nummer,

sondern mit stufenbezogenen Namen.

Während die Achtklässler „greenling”

genannt werden, erhalten sie, bis zu ihrem

Abschluss als „seniors” in der 12. Klasse, die

Namen „freshmen” (9. Klasse), “sophomores”

(10. Klasse) und „juniors” (11. Klasse).

Der Identifikationsgrad der Schüler mit der

Schule, der durch eine intensive und individuelle

(außerunterrichtliche) Clubarbeit

erreicht wird, ist typisch.

Schuljahr: Es ist in 2 Halbjahre aufgeteilt.

Jedes dieser Halbjahr besteht aus 2 „quarters”

(Quartal), welche jeweils 9 Wochen

umfassen. Die ersten 3 der 4 Quartale

enden mit einem „progress report”, einem

Zwischenzeugnis, welches aber nicht über

die Versetzung entscheidet. Am Ende jedes

Schuljahres werden, zur Bildung

leistungsgleicher Gruppen und zum Aufbrechen

von „Cliquen“, die Klassenverbände

aufgelöst.

Bewertung: Leistungen werden in den USA

mit den Buchstaben A bis E bewertet. Ein

„A“ entspricht der Note 1, ein „E“ der Note

5. Zur Versetzung ist ein „Ausreichend“, D

(Note 4) nötig. An manchen amerikanischen

Schulen erfolgt die Versetzung ohne

weitere Prüfung.

Abschluss: Die High School wird mit dem

High School Diploma abgeschlossen und


trotz der Unterschiede in allen Bundesstaaten

der USA anerkannt. In Deutschland

wird dieser Abschluss mit dem Realschulabschluss

gleichgesetzt. Erst in Verbindung

mit einer Hochschulaufnahmeprüfung und

in vielen Fällen zusätzlichen Advanced-Placement-Prüfungen

(vergleichbar mit dem

DIE GULFPORT HIGH SCHOOL

Am 29. August 2005 verwüstete Hurrikan

Katrina Gulfport, woraufhin viele

Einwohner, darunter auch die Lehrer und

Schüler der Gulfport High School, die völlig

zerstörte Stadt verlassen mussten.

Bereits Anfang Oktober des selben Jahres

war zwar die Wiedereröffnung der Schule

möglich, aber viele Schüler und Lehrer

konnten zunächst noch nicht am Unterricht

teilnehmen.

Die Gulfport High School verfügt über ein

breites Band an Fächern, so wird zusätzlich

zu traditionellen Unterrichtsinhaltenen

unter anderem auch Anatomie und Psychologie

unterrichtet.

Nach Meinung der Schüler und Eltern sind

die Lehrer sehr darum bemüht, ihren Schülern

so gut wie möglich zu helfen und sie

nicht unter Druck zu setzen. Lehrer, Eltern

und Schüler befinden sich im engen und

regelmäßigen Kontakt, um so eventuell auftretende

Probleme der ca. 2000 Schüler der

9. bis 12. Klassen zu besprechen und effektiv

zu lösen.

Dieses Vorgehen spiegelt sich auch in den

schulischen Ergebnissen wieder, welche teilweise

über dem Durchschnitt der Vereinigten

Staaten liegen. Im Fach Geschichte

kann die GHS z.B. die besten Ergebnisse

des Staates vorweisen. Dafür bekam die

Schule bereits mehrere akademische Auszeichnungen.

Auch im Sport ist die High School sehr

aktiv und erfolgreich, so hat sie ein Softballteam,

ein Basketball- und ein Footballteam

sowie das bekannte Baseballteam „The

Admirals“.

Die Schüler selbst beschreiben ihre Schule

als eine sehr gute Vorbereitung für das College

und für das spätere Leben, da – so die

einhellige Meinung- die Individualität und

Kreativität des Einzelnen durch das Einwirken

der Mitschüler und Lehrer sowie durch

die zahlreichen und vielfältigen Angebote

der Schule gefördert werde.

Die Schüler halten die Gulfport High

School für „die beste Schule im ganzen

Land“.

Theresa Kien, Jg. 11

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · USA 19

Foto: Anne-Kristin Knobloch

Abitur), ist man zum Besuch eines Colleges

berechtigt. Solchen AP-Prüfungen gehen

Leistungskurse (AP courses) voraus, die

dem deutschen Leistungskurs entsprechen.

Juliane Wandt, Jg. 11

Und wie geht’s weiter?

Ein Benefizkonzert für die Opfer des Hurrikans

Katrina war Auslöser unserer Schulpartnerschaft

zur Gulfport High School. (Mehr dazu im

Interview auf Seite 21)

Nach einem ersten Besuch amerikanischer Lehrer

und Schüler in Erkner im vergangenen

Frühjahr steht nun unser Gegenbesuch in Gulfport

bevor.

Bei der weiteren Gestaltung unseres Kontaktes

nach Gulfport wollen wir ganz im Sinne des

Transatlantikprogramms den Austausch über

unsere Schule hinaus ausdehnen. In der amtlichen

Programmbeschreibung heißt es ziemlich

nüchtern:

„Zum Gegenstand der Förderung des Transatlantikprogramms:

Es werden deutsch-amerikanische

Projekte in den Bereichen Kultur, Bildung,

Wissenschaft und Wirtschaft finanziell

unterstützt, die sich am Leitgedanken „Begegnung

von Menschen“ orientieren.

Es sollen im wesentlichen folgende Ziele verfolgt

werden:Vermittlung eines umfassenden

Deutschlandbildes, deutscher Kultur und

Sprache, Förderung der Begegnung insbesondere

von jungen Menschen, Multiplikatoren und

Nachwuchsführungskräften, Meinungsaustausch

über aktuelle und zukunftsorientierte

Themen Begegnung und Förderung der wirtschaftlichen

Zusammenarbeit

Die Maßnahmen sollen dazu dienen, den transatlantischen

Beziehungen neue Impulse zu verleihen.

Sie sollen innovativen Charakter haben

und öffentlichkeitswirksam sein.“

Vom 18. bis zum 28. Oktober wollen wir daher

mit einer kleinen Bechstein-Gruppe (etwa 15

Schüler, 4 Lehrer) und einigen Vertretern aus

Wirtschaft und Verwaltung unserer Region weitere

Kontaktpflege betreiben. Vielleicht gelingt es

in diesen Tagen die Stadt Erkner und den

Landkreis Oder-Spree in Gulfport und Umgebung

noch bekannter zu machen. Besonders

nach dem Besuch des Gulfport Highschool

Orchestra im März eilt dem Carl Bechstein

Gymnasium ja ein exzellenter Ruf voraus.

Wir wollen versuchen darauf aufzubauen, so

dass langfristig Wirtschaftskontakte und

Praktikumsmöglichkeiten für Schülerinnen

und Schüler entstehen.

Jörg Schulze

Leiter der Arbeitsgruppe

„Transatlantik Projekt“

am Gymnasium Erkner


20 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · USA


Soweit ich informiert bin, unterstützt das

„Programm für transatlantische Begegnungen“

den deutsch-amerikanischen Austausch?

Die Bundesregierung hat ab 1997 als Nachfolge

einer Dankesspende aus Mitteln des European

Recovery Programm – Sondervermögens ein

„Deutsches Programm für transatlantische

Beziehungen“ ins Leben gerufen. Es soll die

Erinnerung an George C. Marshall wach halten

und in seinem Sinne die deutsch-amerikanische

Partnerschaft fördern. Die Schüler und Kollegen

aus Gulfport haben aber auch sehr viel Geld

eingespielt durch Konzerte in Gulfport und

Umgebung. Dieses Geld stand ihnen hier zur

Verfügung. So bezahlten sie zum Beispiel auch

ihre Hotelzimmer selbst.

Einige Schüler und Begleiter waren in Hotels

untergebracht?

Acht Schüler und zehn Erwachsene waren im

Bildungszentrum Erkner untergebracht. 16

Schüler waren bei Gastfamilien. Die 8 Schüler,

die im Hotel waren, wollten oder durften nicht

bei Gastfamilien schlafen, das hatte verschiedene

Ursachen. Die Eltern hatten offenbar Bedenken,

was die Sicherheit in Deutschland anbetrifft.

In Ihrem Artikel in der MOZ „Von Gulfport

nach Erkner – Besuch von Billy J. Ulmer und

José Sunderland am CBG Erkner“ schreiben Sie,

dass sich Ihr Bild von Amerika maßgeblich verändert

habe. Warum?

Ja, das stimmt. Das betraf Billy Ulmer und seine

Kollegen, die von Deutschland noch nicht sehr

viel wussten. Inzwischen war das anders, sie hatten

sich sehr umfassend belesen. Auch die Schüler

waren gut informiert, das haben wir bei den

Stadtführungen in Dresden, Berlin und Potsdam

gemerkt, sie hatten gute Vorkenntnisse. Sie

wussten zum Beispiel sehr genau Bescheid über

die deutsche Zweistaatlichkeit, über die Mauer

und die deutsche Geschichte allgemein.

Gab es etwas, dass Sie verblüfft oder verwundert

hat?

Was mich bei Amerikanern generell verblüfft, ist

die Spontanität, mit der sie Neues angehen, die

Lust am Ausprobieren. Das war auch in der Vorbereitung

zu merken, in der Begeisterung für die

Idee des Kontaktes zweier Schulen über den großen

Teich hinweg. Wenn ich jetzt von den beteiligten

Schülerinnen und Schülern höre, wie

intensiv die Kontakte zwischen den Gästen und

Gastgebern auch jetzt viele Wochen nach dem

Besuch noch sind, dann finde ich das prima.

Also sehen Sie in jedem Fall eine Zukunft für

diese Partnerschaft?

Unbedingt. Das Transatlantikprogramm fördert

die kostspieligen Besuche und Gegenbesuche ja

nur über einen bestimmten Zeitraum. Die ent-

standenen persönlichen Kontakte halten in vielen

Fällen garantiert länger.

Hat sich der Leistungskurs Musik um die

amerikanischen Schüler „gekümmert“?

Zunächst haben sich Schülerinnen und Schüler

der Stufe 11 gemeldet, die gerne einen Gast aus

Gulfport aufnehmen wollten. Unser Oberstufenchor

hat sich vor allem um die musikalische Seite

der Begegnung verdient gemacht. Ich war schwer

beeindruckt von der gesanglichen Leistung. Und

das bei relativ wenigen gemeinsamen Proben von

Orchester und Chor.

Der Kontakt entstand damals über ein Benefizkonzert.

Ja, das ging damals im September 2005 vom

Fachbereich Musik aus, ganz spontan. Ungefähr

zwei Wochen nach dem Wirbelsturm „Katrina“

ging das Programm „An American Summer

Night“ über die Bühne und brachte eine Menge

Spenden ein.

Wie kam es, dass das Spendengeld genau an diese

Schule ging?

Das geschah durch die Vermittlung des Deutschen

Generalkonsulats für den Süden der USA.

Die Gulfport High School war durch den Verlust

von Gebäuden, Materialien und Instrumenten

besonders schwer vom Hurrikan betroffen.

Auf welcher Ebene sollte dieser Austausch spezifisch

stattfinden, auf dem der Musik?

Als der Orchesterleiter Billy Ulmer im Dezember

2005 hier war, um sich für das Geld zu

bedanken, hörte er ein Stück von unserem

Oberstufenchor: Das „Ave Verum Corpus“ aus

einer Mozart-Messe und er sagte: „Wenn wir zu

euch kommen, dann würde ich ganz gerne mit

diesem Chor zusammen genau dieses Lied aufführen.“

Und wie gut das mit einem großen

Kammerorchester klingt, haben wir ja bei den

Konzerten in der Aula und in der Bonifatiuskirche

gehört. Absolute Gänsehautgarantie. Wer´s

nicht glaubt, sollte in die CD-Aufnahme reinhören.

In einem anderen Artikel der MOZ heißt es, die

meist gestellte Frage der deutschen Schüler wäre

die nach dem Ende der Probezeit.

Dem Reporter der MOZ waren offenbar vereinzelte

Fragen von Chormitgliedern nach dem

Ende der Probe aufgefallen. Das war für mich

nachvollziehbar, da ja Schüler am Nachmittag

und Abend noch Hausaufgaben erledigen oder

andere Termine wahrnehmen wollen. Als Zeichen

von Ungeduld oder mangelnder Motivation

habe ich das jedenfalls nicht verstanden. Schade

nur, dass der Artikel die acht Unterrichtsstunden

nicht erwähnte, die der gemeinsamen Probe von

Chor und Orchester vorangegangen waren.

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · USA 21

Das Interview (1) Jörg Schulze zum Transatlantik Projekt

Um die Organisation haben ausschließlich Sie

sich gekümmert?

Die intensive Phase der Vorbereitung umfasste

etwa 4 Monate, in denen reger Schriftverkehr

mit den Amerikanern herrschte und der Plan für

den Besuch auch im Detail besprochen wurde.

Das hätte ich ohne die Hilfe meiner Frau nicht

geschafft. Frau und Herr Elsner haben mir sehr

beim Austausch der Noten geholfen.

Gab es Probleme wegen vorhandener Sprachbarrieren,

immerhin konnten die Amerikaner kein

Wort Deutsch?

Ja, es gab kleine Verständigungsprobleme, aber

da viele Gastgeber-Schüler schon einmal in

Amerika oder einem anderen englischsprachigen

Land waren, gab es zwischen den Schülern überhaupt

kein Problem, die haben sich gut verstanden,

auch im Sinne des Wortes.

Gab es für Sie ein Highlight?

Gefühlsmäßig sehr intensiv war hier der Abend

in der Aula, das hat sicher alle sehr bewegt.

Höhepunkt für die Amerikaner war wohl der

Tag in Dresden, besonders die Orgelandacht in

der Frauenkirche.

War das der erste Austausch, den Sie begleiteten?

Ja, für mich war es eine Premiere. Aber auch für

die Amerikaner, viele von ihnen hatten noch

nicht einmal Mississippi verlassen, geschweige

denn die USA. Es war alles Neuland.

Das große Ziel war der „kultureller Austausch“,

sehe ich das richtig?

Die Amerikaner wollten sich mit ihren Konzertauftritten

natürlich zuerst bedanken für die

erfahrene Hilfe. Die Musik und das gemeinsame

Musizieren war freilich auch eine tolle Möglichkeit

sich näher zu kommen. Aber kultureller

Austausch bedeutet ja mehr. Auch das Kennenlernen

der Schulsyteme, der Landes- und Regionalgeschichte

oder des familiären Lebens gehören

dazu. Und auch die Grillparty bei Buchaliks

in Schöneiche war zweifellos eine Kulturtat. Wir

werden bei den noch folgenden Begegnungen

ganz in diesem Sinne weitermachen.

Können Sie den Austausch kurz zusammenfassen?

Neue Freundschaften schließen ist einfach,

bestehende Freundschaften bedürfen der sorgfältigen

Pflege.

Ich bin sehr erfreut darüber, dass die zwölf Tage

Ende März von den Schülern mit so vielen Ideen

und großem Engagement vorbereitet und begleitet

wurden. Vielen Dank auch an dieser Stelle an

die gastgebenden Familien.

Das Interview führte

Juliane Wandt, Jg. 11


22 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · USA

Das Golfport High School Chamber Orchestra und der Oberstufenchor mit Billy Ulmer in der St. Bonifatius Kirche Erkner Fotos: A. Knobloch


Wie groß war das Engagement der deutschen

Schüler und wie würden Sie die

Arbeit mit dem amerikanischen Lehrern

und Schülern beschreiben?

Man freute sich mit hoher Erwartung auf

die amerikanischen Gäste. Es wurde kurzfristig

der Wunsch unserer Schüler umgesetzt,

zwei Lieder zum Empfang zu singen,

„Help“ und „Eleanor Rigby“ von den

Beatles. Diese Lieder waren bereits im

Weihnachtsprogramm mit Erfolg gesungen

worden und auch die amerikanischen Schüler

waren sehr überrascht und erstaunt, die

Leistungskurse 11 und 12 mit diesen Lieder

zu hören und sangen zum Teil mit. Wahrscheinlich

fanden sie es toll!

Das Engagement war so groß, dass man

innerhalb weniger Proben im LK 11 „Ave

Verum Corpus“ vierstimmig, und in beiden

Kursen auch die zwei amerikanischen

Lieder, ebenfalls vierstimmig, einstudierte,

zudem noch zu Hause die Stimmen lernte

und übte. Das war eine sehr große Leistung,

die drei Lieder innerhalb einer Woche aufführungsreif

zu lernen.

Mit den Schülern aus Gulfport hatten wir

nur wenig Kontakt in der eigentlichen Probenarbeit,

mehr Blickkontakt. Sie saßen

spielend auf der Bühne - wir sangen unter

der Leitung von Billy Ulmer, der das Dirigat

für alle wie selbstverständlich übernommen

hatte. Es gab aber gegenseitig anerkennenden

Beifall.

Gab es sprachliche Verständigungsprobleme?

Die Sache ist die, dass kaum Möglichkeit

bestand, außer bei den Gastschülern, viel

miteinander zu reden. Billy Ulmer konnte

man im Übrigen als Ungeübter wenig verstehen,

aber er verstand uns. Wenn wir

Wichtiges zu bereden hatten, half Frau Ines

Schulze, die Dolmetscherin.

Fanden alle Proben mit Oberstufenchor

und Amerikanern zusammen statt?

Nein. Wir hatten am Montag und am Donnertag

jeweils 2 Stunden und am Sonntag

ca. 45 Minuten Probenzeit vor dem Konzert

in der Kirche. Im Übrigen heißt es zwar

immer Oberstufenchor, es waren aber zwei

für das Projekt zusammengefügte Leistungskurse.

Wie groß ist der Unterschied zwischen den

Amerikanern und unserer Schüler in musikalischer

Hinsicht?

Die Gulfporter üben täglich zwei Stunden

und das seit Jahren. Wir haben „nur” 5

Wochenstunden, in denen auch gesungen

wird, hauptsächlich jedoch wegen der zu

bewältigenden Klausuren Musikgeschichte

gelernt wird. Trotzdem brauchten wir uns

nicht zu verstecken!

Hat in dieser Woche eine Veränderung des

musikalischen Niveaus stattgefunden?

Ja. Von Probe zu Probe und auch vom Konzert

am Donnerstag zu dem am Sonntag hat

sich unser Niveau und unsere Aufführungspraxis

stark verbessert. Das konnten z.B.

auch „Außenstehende” wie Herr Schulze

spüren und hören.

Insofern: eine große Bereicherung für unsere

gesamte Arbeit!

Welche Musikrichtungen wurden in den

Proben und Konzerten bevorzugt?

Wir bezogen uns im weitesten Sinn auf die

Klassik, z.B. das „Ave Verum Corpus”, aber

auch auf Musik aus einem Musical, welche

auch schon fast den Charakter des Klassischen

trägt. Das Orchester spielte nur die

sogenannte E-Musik.

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · USA 23

Das Interview (2) Frau Elsner, Leiterin des CBG-Oberstufenchors

Mitglieder des Oberstufenchors in der Aula des CBG

Wie würden Sie die Konzerte beschreiben?

Sie waren auch im Gesamtcharakter eher

klassisch. Und es war toll! Das haben auch

alle Anderen so empfunden.

Halten Sie einen solchen Austausch für

sinnvoll und wichtig?

Ja. Es ist für beide Gruppen eine Bereicherung

und gut zur Urteilsbildung.

Gab es etwas, dass Sie verblüfft hat?

Wie die Gulfporter gestaunt haben bei der

Begrüßung und wie gut das Niveau war und

welch strenges Regime bei den Proben unter

Mr. Ulmer herrschte.

Gibt es eine besondere Situation, an die Sie

sich noch gerne erinnern?

Das Gestrampel, dieser Beifall höchsten

Maßes, des Orchesters nach dem letzten Lied

am Donnerstag während des Konzertes.

Gibt es eine Erfahrung, die Sie aus diesem

Austausch mitnahmen?

In der Hochburg des Jazz spielt man europäische

Klassik vom Feinsten.

Fassen Sie den Austausch kurz zusammen.

Ich empfand den Austausch als etwas Wunderbares

für alle Beteiligten, weil er erlebnisorientiert,

musikalisch sehr wertvoll und

interessant war und die Freundschaft zwischen

uns förderte.

Haben Sie noch eine weitere Anmerkung?

Zu wünschen bleibt eine weitere Begegnung

unserer Schüler beider Länder, was

nicht nur auf musikalischer Ebene interessant

werden dürfte.

Das Interview führte

Juliane Wandt, Jg. 11


24 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · USA

Alex

Sie kamen nach Deutschland, um zusammen

mit den Musik-Leistungskursen

unserer Schule zu musizieren. Sie, die amerikanischen

Schüler des „Gulfport High

School Chamber Orchestra“. Und sie war

eine von ihnen. Sie, Alejandra Ott, Teil des

Corps der ersten Violine des Gulfporter

Schulorchesters. Meine Austauschschülerin.

Alex wird sie von allen genannt. Weil das

spanische „j“ für die Amerikaner so schwer

auszusprechen sei. Und Alex liebt ihre Violine.

Auch wenn ihr die sehr hohen Töne

nach langen Proben gehörig auf den Wecker

fielen, wie sie mir zu später Stunde verraten

hat. Sie spielt ihr Instrument seit sieben Jahren,

seit ihre Mutter, eine aus der Dominikanischen

Republik stammende Wahlamerikanerin,

Alejandra in der vierten Klasse

davon überzeugt hat, doch bitte mit dem

Geigespielen anzufangen. Da war Alex zehn

Jahre alt. Nun ist sie 17, eine junge Frau,

und langsam nerven sie die teilweise schrillen

Klänge der kleinen Violine. Denn sie

hat nun große Ziele. Alex möchte lernen,

die Viola zu spielen. Reifere, sattere, tiefere

Klänge. Aber auch schwerer zu spielen.

Doch dies soll nun keinen falschen Eindruck

erwecken. Alejandra liebt ihre Violine

nach wie vor. Sie nimmt Privatstunden


ei einem, wie sie findet, großartigen Lehrer.

Sie spielt im Schul-Kammerorchester

Gulfports, Mississippi. Und sie genießt es

ebenso für sich allein zu spielen. Sie erhält

dabei die volle Unterstützung ihres Umfeldes.

Ihre Familie setzt alle Hebel in Gang,

um so oft wie möglich bei Konzerten und

Aufführungen anwesend zu sein. Ihr Vater,

der in Miami lebt, fliegt extra für Konzerte

seiner Tochter nach Mississippi. Lange

Autofahrten werden in Kauf genommen.

Das Teilhaben an dem künstlerischen

Schaffen der Tochter steht an erster Stelle.

Auch Alex Freunde genießen es, Alejandra

und dem Schulorchester bei Konzerten zu

lauschen. Die Musiker werden bewundert,

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · USA 25

Alejandra Ott mit ihren amerikanischen und deutschen Freunden in Dresden und in Berlin Fotos: Anne-Kristin Knobloch und Juliane Wandt

gelobt, die Arbeit des Orchesters steht bei

allen Schülern hoch im Kurs. Und das

genießen sie sichtlich.

Ein weiterer Punkt, den Alejandra so sehr

mag, ist die Arbeit mit dem Schulorchester.

Es ist, so wie auch wir deutschen Gastgeber

es erleben durften, eine eingeschworene,

nette, lustige Gruppe von Jugendlichen,

die Spaß an der gemeinsamen Zeit,

den gemeinsamen Erlebnissen und dem

Erreichten hat. Geleitet durch hochkarätige

Musiker aus aller Welt hat das Orchester

ein weit über die Stadtgrenzen Gulfports

hinaus bekanntes Niveau erreicht,

welches natürlich von allen Beteiligten

gehalten werden will.

Und so beugt sich auch Alex tagtäglich in

den Proben den gestrengen Anweisungen

des Orchesterleiters Mr. Ulmer. Und der

Lohn sind einmalige, ganz besondere

Erfahrungen, wie Konzerte in unterschiedlichen

Orten in den USA, wie das Musizieren

vor Botschaftern, Ministern und anderen

hochrangigen Persönlichkeiten – oder

wie die Auftritte während des Schüleraustausches

mit dem Carl Bechstein Gymnasium.

Jette Beißer,

Jette besucht die 12. Klasse am

Carl Bechstein Gymnasium.


IV.

Frankreich

Lycée Giraux-Sannier

Boulogne-sur-Mer


Boulogne-sur-Mer, nordfranzösische

Hafenstadt am Ärmelkanal, kann auf

eine rund zweitausendjährige Geschichte

zurückblicken. Die einstige römische Provinzstadt

war aus den keltischen Siedlungen

Bononia und Gesoriacum hervorgegangen

und hat immer wieder die Heere und Flotten

großer Machthaber aufnehmen müssen.

Vom Portus Itius, der heute mit Boulognesur-Mer

identifiziert wird, brachen Cäsar

und seine Legionen nach Britannien auf

(54/55 v. Chr.). Auch Kaiser Caligula plante

hier einen Feldzug nach Britannien, der

aber direkt vor der Überfahrt am Widerstand

der römischen Soldaten scheiterte (40

n.Chr.). Nur ein Leuchtturm, den Caligula

zu Navigationszwecken am Kanal errichten

ließ, zeugte noch bis ins 17. Jh. von den

Eroberungsplänen. Kaiser Claudius schließlich

versammelte für seinen Feldzug starke

Truppenverbände in der Stadt, selbst Elefanten

gehörten dazu, und eroberte Britannien

(43 n.Chr.). Bis zum Jahre 269 diente

Bononia als Liegeplatz der classis britannica,

der britannischen Flotte der Römer.

Im Mittelalter war Boulogne das Zentrum

der gleichnamigen Grafschaft und durchlebte

unter wechselnd flandrischer, englischer

und französischer Herrschaft erneut

höchst kriegerische Zeiten, die sich bis in

die Neuzeit fortsetzten.

Unter Napoleon I. wurde Boulogne-sur-

Mer eine blühende Garnisons- und später

Badestadt – hier aber endeten auch die

Invasionspläne des Kaisers (1805). Wäh-

rend des 1. Weltkrieges nutzten die Briten

die Stadt als militärische Basis. Im 2. Weltkrieg

lagen deutsche U-Boote vor der verminten

Küste Boulognes. Im September

1944 wurde die Stadt bombardiert und zu

85 % zerstört.

Heute findet der Besucher von Boulogne

deshalb nur wenige bauliche Spuren der

wechselvollen Geschichte: In der alten

Oberstadt, die von einer gut erhaltenen

dicken Ringmauer umgeben ist, liegt das

imposante Château Comtal, eine zum

Schloss ausgebaute Burg aus dem 13. Jh.,

die auf den Mauern des antiken Castrums

ruht. Die Kathedrale Notre Dame stammt

aus dem 19. Jh. Ansonsten ist das äußere

Erscheinungsbild der Stadt, in der heute

rund 45000 Menschen leben, durch Bauten

der 1950er Jahre geprägt. Der ausführende

Architekt Pierre Vivien ließ sich in seinen

Entwürfen besonders von Le Corbusier

inspirieren – die vier „buildings“am Quai

Gambetta zitieren überdeutlich Le Corbusiers

„Wohnmaschine“ bei Marseille. Boulognes

Hauptbahnhof dagegen – ebenfalls

von Vivien – wirkt wie eine Kopie des

Bahnhofs Termini in Rom. Eine Reminiszens

an die Geschichte? Boulogne darf sich

jedenfalls „Ville d´art et d`histoire“ nennen.

Die Menschen in und um Boulogne haben

heute wie überall mit den Folgen des Strukturwandels

zu kämpfen: Schon in den

1980er Jahren wurden alle Kohlebergwerke

in der Region stillgelegt. Ein Ferromangan-

Hüttenwerk mit drei Hochöfen bot bis zur

Sonderausgabe · Inernationale Beziehungen · Frankreich 27

„Als er von Ostia aus dorthin segelte, wäre er zweimal durch einen heftigen Nordweststurm fast untergegangen: das eine Mal

an der Küste von Ligurien, das zweite Mal in der Nähe der Stoechadischen Inseln. Er legte deshalb den Rest des Weges von

Massilia bis Gesoriacum zu Land zurück, setzte von dort über und unterwarf ohne einen Schwertstreich und ohne Blutvergießen

binnen weniger Tage einen Teil der Insel, worauf er im sechsten Monat nach seiner Abreise wieder nach Rom zurückkehrte

und einen glänzend ausgestatteten Triumph feierte.“

SUETON IN „DIVUS CLAUDIUS“ (41 - 46)

LA VILLE DE BOULOGNE-SUR-MER

Stilllegung im Jahre 2003 noch rund 1000

Arbeitern ein gesichertes Einkommen. Die

Arbeitslosenquote ist folglich überdurchschnittlich

hoch – sie liegt in ganz Nord-

Pas-de-Calais bei über 12%.

Die Nähe zum Meer ist nun ein wichtiger

Standortfaktor für Boulogne geworden: In

der modernen Unterstadt befindet sich der

größte Fischereihafen Frankreichs – der

europäische Marktführer in der Fischverarbeitung

ist zugleich der größte Arbeitgeber

in der Region. Doch die überfischten

Meere deuten auf schwierige Zeiten auch in

dieser Branche.

Der Tourismus ist vielleicht der zukunftsträchtigste

Wirtschaftsfaktor: Trotz des

nahegelegenen Eurotunnels checken noch

immer viele Reisende am großen Fährhafen

zur Fahrt über den Ärmelkanal ein oder aus

und auch ein Yachthafen mit 400 Anlegeplätzen

wird gern angelaufen.

Das Nationale Meereszentrum Nausicaa

mit 10000 Meerestieren besuchen jedes Jahr

mehr als 500000 Menschen. Auch die langen

feinen Sandstrände der Côte d`opale

sind sehr beliebt.

Und vom Cap Gris-Nez mit seinem Leuchturm

– von dem die französische Marine

den gesamten Schiffsverkehr auf dem

Ärmelkanal überwachen lässt – kann der

Tourist bei gutem Wetter bis nach Dover

schauen …

sw/BJ


28 Sonderausgabe · Inernationale Beziehungen · Frankreich

VIVE L’ÉGALITÉ! – LERNEN IN FRANKREICH

Vehement protestierten einhunderttausend

französische Gymnasiasten im

Februar/März 2005 gegen ein neues

Schulgesetz, das der damalige Bildungsminister

François Fillon der Raffarin-Regierung

vorgelegt hatte. Reformiert werden

sollte das baccalauréat – das französische

Zentralabitur, was in Frankreich als

gerechter, weil unparteiischer Einstieg in

höhere Bildungswege und in ein erfolgreiches

Berufsleben gilt. Der Grund: Die

zwölf Prüfungen, denen sich der Abiturient

am Ende der Schulzeit unterzieht, werden

anonym absolviert: Nicht die unterrichtenden

Fachlehrer, sondern externe

Korrektoren geben die Noten – wobei

namentlich nicht erkennbar ist, ob der zu

bewertende Schüler das Elitegymnasium

„Henri IV.“ im noblen 5. Arrondissement

von Paris besucht oder eine vorstädtische

„Risiko-Schule“.

Weil dies nach der Fillon-Reform nicht

mehr so sein sollte – die unterrichtenden

Lehrer sollten die Prüfungen in Anteilen

mit bewerten dürfen – kam es zum wütenden

Protest der Schüler – mit dem Ergebnis,

dass Chirac seinen Bildungsminister

entließ. Das Gesetz wurde trotzdem

beschlossen, ist aber bis heute nicht umgesetzt

und auch die von Fillon geplante Halbierung

der Zahl der Prüfungsfächer kam

(noch) nicht zustande.

Staat und Schule: Die Erziehung zum

„Citoyen“ – zum Staatsbürger – hat höchste

Priorität in französischen Schulen. Religionsunterricht

findet in staatlichen Schulen

nicht statt. Das französische Erziehungsministerium

verfasst die nationalen Bildungsstandards,

lässt zentrale Prüfungen absolvieren

und veröffentlicht jedes Jahr die ausgewerteten

Resultate sowie Schulrankings. Es

besteht eine Schulpflicht vom 6. bis zum

16. Lebensjahr. Schon ab dem 2. Lebensjahr

besuchen nahezu alle französischen Kinder

die dreijährige Ganztagsvorschule École

maternelle und anschließend die fünfjährige

École primaire (Grundschule).

Collège: Die Schüler wechseln nach der

Grundschule ins vierjährige Collège und

besuchen dort zunächst die „sixième“ und

„cinquième“ (6./5. Klasse, Beobachtungsstufe),

anschließend die „quatrième“ und

„troisième“ (4./3. Klasse, Orientierungsstufe)

– ab dem collège werden die Klassenstufen

„rückwärts“ gezählt. Kernfächer sind

Französisch, Mathematik, zwei Fremdsprachen,

Geschichte, Geographie, Gemeinschaftskunde,

SVT (Sciences de la vie et de

la terre, eine Kombination aus Biologie und

Geowissenschaft), Physik-Chemie, Technologie,

Kunst, Musik und Sport. Zusätzlich

kann eine Regionalsprache, Latein oder

Griechisch erlernt werden. Das Collège

endet nach einer Prüfung mit dem diplôme

national du brevet. Danach kann das drei-

Foto: AFP

jährige Lycée oder das CET – eine zweijährige

Oberstufe – besucht werden.

Lycée: Rund 70% aller Schüler setzen ihre

Schullaufbahn am lycée fort, gewählt werden

kann das lycée d´enseignement général

et technologiques (allgemeinbildend/technisch)

oder das lycée d´enseignement professionels

(berufsbildend). Im allgemeinbildenden

Gymnasium entscheiden sich die

Schüler für ein literarisches, wirtschaftsund

sozialwissenschaftliches oder naturwissenschaftliches

Profil mit entsprechenden

Kern- und Schwerpunktfächern. Die Abiturprüfung

wird in zwölf Fächern abgelegt.

Nur die dort erreichten Noten fließen in die

Gesamtwertung des Abiturs ein. (Auch dies

wollte Fillon übrigens abschaffen.)

Bewertung: Leistungen werden mit einer

Notenskala von 0 bis 20 Punkten bewertet,

20 Punkte stellen die beste Leistung dar,

werden aber so gut wie nie erteilt. Die Grenze

zum Bestehen liegt meist bei 10 Punkten.

In allen Fächern werden regelmäßig schriftliche

Leistungstests durchgeführt, es gibt

Trimesterzeugnisse. Nicht versetzt wird ein

Schüler nur in Absprache mit den Eltern.

Unterrichtszeiten: Die Ganztagsschulen

beginnen um 8 Uhr und enden meist um

17.30 Uhr. Mittwochnachmittags ist frei,

dafür am Samstagvormittag aber Unterricht.

Französische Schüler haben ein sehr

hohes Lernpensum zu absolvieren und deshalb

relativ wenig Freizeit.

sw/Bj


LERNEN AM LYCÉE GIRAUX-SANNIER

Das französische Gymnasium liegt am

Rande der Stadt Boulogne-sur-Mer und

trägt den Namen eines boulonnaiser Architekten,

dessen klassizistische Bauten im

Zweiten Weltkrieg jedoch fast alle zerstört

wurden. Einzig das Hotel Désandrouin, im

Stadtzentrum am Place Godefroy de Bouillon

gelegen, und einige zeichnerische Entwürfe

von Kirchenfassaden und vom (zerstörten)

Rathaus zeugen noch vom Schaffen

des Baumeisters Giraux-Sannier und auch

von der baulichen Pracht, die die Stadt in

napoleonischen Zeiten einmal hatte.

Und so ist denn auch das dynamisch wirkende

Bauensemble im Stadtbezirk St. Martin

Boulogne, in dem sich das Lycée Giraux

– Sannier befindet, kein klassizistisches,

sondern ein postmodernes Gebilde auf vier

Ebenen mit vielen kleinen und großen

Unterrichtsräumen und Werkstätten. Neue

Schüler können sich in dem riesigen Areal

(in dem ein striktes Rauch- und Handyverbot

besteht) schnell mal verlaufen. Ein großes

Restaurant, eine Bibliothek und eine

Sporthalle, die auch der Öffentlichkeit zur

Verfügung steht, gehören ebenso zur Schule.

Alle Schüler besitzen einen Schulausweis,

der auf Verlangen vorgezeigt werden muss,

Besucher dürfen nur nach Anmeldung das

Schulgebäude betreten. Der Unterricht

beginnt um 8 Uhr, die letzte Unterrichtsstunde

endet um 17.55 Uhr, geöffnet ist die

Schule bis um 18.30 Uhr.

Die rund 1200 SchülerInnen am Lycée

Giraux-Sannier können sich entscheiden

für ein allgemeinbildendes, ein technisches

oder ein berufsbildendes Abitur, die verschiedenen

beruflichen Abschlüsse bewegen

sich im verwaltungstechnischen und holzbzw.

metallverarbeitenden Bereich. 120

Lehrer unterrichten an der großen Bildungseinrichtung.

Das französische Gymnasium hat Beziehungen

zu einer Schule in Saint Louis im

Norden vom Senegal – die französischen

Schüler unterstützten eine École primaire in

der im Grenzgebiet zwischen Senegal und

Mauretanien liegenden Stadt Rosso mit der

Einrichtung einer Bibliothek. Neben den

Beziehungen zu unserer Schule bestehen

Kontakte zu noch einem weiteren deutschen

Gymnasium im nordrheinwestfälischen

Wegberg.

Eingangsbereich des Lycée Giraux-Sannier Foto: A. Jannsen

Sonderausgabe · Inernationale Beziehungen · Frankreich 29

sw/Bj

Deutsch-französische

Begegnung

Unsere Beziehung zur französischen Partnerschule

in Boulogne-sur-Mer besteht seit

nunmehr sieben Jahren. Die ehemals am CBG

tätige Englisch- und Französischlehrerin Svea

Oehring hatte die Schulpartnerschaft im Jahr

2000 initiiert. Verantwortliche Lehrerin auf

französischer Seite ist seit Beginn der Partnerschaft

Véronique Dubrane.

Der thematische Schwerpunkt der diesjährigen

deutsch-französischen Begegnung, betreut von

Frau Annette Jannsen vom CBG, lag auf dem

ideologisch geprägten Alltag der Deutschen im

vergangenen Jahrhundert. So sahen die französischen

Gäste schon in Frankreich den

mit einem Oscar gekrönten Spielfilm „Das

Leben der Anderen“ von Florian Henckel von

Donnersmarck und diskutierten anschließend

darüber, inwieweit in einem System der Macht

das Leben noch privat sein kann. Im Berliner

Stasimuseum konnten die Gäste dann den realpolitischen

Hintergrund zum Spielfilm erfahren:

In den Räumen der einstigen Stasizentrale

in der Normannenstraße sahen die Besucher, wie

die Staatssicherheit funktionierte, wie Widerstand

und Opposition in der DDR unterdrückt

wurde. Ein zweiter Themenschwerpunkt der

deutsch-französischen Begegnung war das Leben

der Juden in Deutschland während des Nationalsozialismus.

Eine zweisprachige Führung im

Jüdischen Museum Berlin vermittelte den jungen

Deutschen und Franzosen Eindrücke vom

Massenmord an den Juden in der Zeit des „Dritten

Reichs“. Außerdem erfuhren die Gäste beim

Besuch der „STORY OF BERLIN“ vom

geschichtlichen Werdegang der Hauptstadt. Mit

einer Führung durch den Berliner Atomschutzbunker

aus der Zeit des Kalten Krieges endete

dieser Themenschwerpunkt.

Der Tagesausflug ging diesmal nach Potsdam

mit einer Führung durch das Schloss Sanssoucci

und zum Abschluss besuchten Gäste und Gastgeber

das Auswärtige Amt in Berlin sowie den

Reichstag.

Berlin ist mit Boulogne - sur - Mer sicherlich

nur bedingt zu vergleichen, aber auch diese

Stadt hat ihre besonderen und sehenswerten

Orte. „Im Oktober 2007 ist wieder eine Stadtbesichtigung

geplant sowie eine Fahrt entlang

der Küste mit verschiedenen Stopps. Ein Besuch

des Meereskundemuseums „Nausicaa“ und auch

das abenteuerliche Strandsegeln gehören zum

Programm.“, sagte uns die den Austausch begleitende

Französischlehrerin am CBG, Annette

Jannsen. Die Stadt Paris war in den letzten Jahren

das Ziel des Tagesausfluges gewesen, in diesem

Jahr soll es nun Lille sein, da diese Stadt von

Boulogne aus schneller zu erreichen sei und mindestens

so facettenreich wie Paris sein soll, wie

Frau Jannsen betonte.

Vivien Heinicke, Maria Labes, Jg. 11


30 Sonderausgabe · Inernationale Beziehungen · Frankreich

„Échange franco-allemand“ – Schüleraustausch 2003/2004

Deutsche und französische Gymnasiasten vom CBG und vom Lycée Giraux-Sannier

in Boulogne-sur-Mer mit Frau Annette Jannsen (links) und Frau Svea Oehring (rechts).

Thomas Jefferson, 3. Präsident der USA,

formulierte einst provokant: „Jeder

Mensch von Kultur hat zwei Vaterländer:

das seine - und Frankreich.“

Herbst 2003, Schüleraustausch nach Boulogne-sur-Mer.

Meine Austauschschülerin

wohnt in einem abgelegenen Dorf, circa

eine halbe Stunde rasante Autofahrt von der

Schule entfernt. Wir kennen uns schon

durch erste zaghafte Briefkontakte. Ihre

Mutter, eine pensionierte Lehrerin, hat

durch die beiden älteren Schwestern meiner

„corres“ bereits reichlich Austausch-Erfahrungen

sammeln können und ich werde

herzlich aufgenommen. Sprachlich gibt es

keine Probleme und auch sonst wird die

Zeit konfliktfrei verlaufen.

Vor uns liegt eine spannende Woche mit

abwechslungsreichem Programm – Stadtbesichtigungen,

Strandsegeln, eine Exkursion

nach Paris und Besuche im französischen

Unterricht stehen auf dem Plan. Das Lycée

ist, wie alle Schulen in Frankreich, eine

Ganztagsschule. Mit seinen „nur“ 1200

Schülern zählt es noch zu den kleineren

Schulen. Dennoch ist das moderne, helle

Gebäude bestens ausgestattet, selbst Psychologen

und Ärzte, die den Schülerinnen

die Pille verschreiben, gehören zum Mikrokosmos

Schule. Das ist aber auch nötig, da

die Schüler neben Unterricht, Fahrzeit zur

Schule und abends noch Hausaufgaben

wenig Zeit für weitere Aktivitäten haben.

Nur der Mittwochnachmittag ist frei und

für Hobbies reserviert.

Wendepunkt im Tagesablauf ist die mindestens

einstündige Mittagspause mit wunderbarem

Mittagessen – 3 Gänge sind selbst in

der Schulkantine üblich. Allgemein spielen

meiner Erfahrung nach die Mahlzeiten in

Frankreich eine viel größere Rolle als in

Deutschland. Die Mittagspause als Ruhepol

im Tagesgeschäft (in Südfrankreich besonders

im Sommer mit nachfolgender Siesta)

und dem Abendessen als Treffpunkt für die

gesamte Familie. Auch in meiner Gastfamilie

wurde die abendliche Mahlzeit geradezu

„zelebriert“, mit dem schon sprichwörtlichen

französischen Käse (oder Joghurt) als

Abschluss. Das Sprichwort „Essen wie Gott

in Frankreich“ und das „savoir vivre“ sind

nicht unberechtigt.

Was das Schulsystem angeht, habe ich die

Erfahrung gemacht, dass in Frankreich

mehr Wert auf die schulischen Leistungen

der Schüler (und auch der Studenten) gelegt

wird als in Deutschland. So werden beispielsweise

die Prüfungsergebnisse der classes

préparatoires, die über den Zugang zur

Universität entscheiden, in den großen

Tageszeitungen veröffentlicht. Schon in der

Schule wird ein eher universitär anmutender

Lernansatz verfolgt, in dem der französische

Lehrer (der nicht umsonst „professeur“

heißt) vorträgt und die Schüler wörtlich

mitschreiben und dann auswendig lernen.

Mitarbeitsnoten gibt es keine, so dass die

französischen Schüler auch um einiges

zurückhaltender als die Deutschen sind. In

Deutschland geht man eher von dem

Ansatz „learning by doing“ aus, die Franzosen

müssen Stoff auswendig lernen, bevor

sie ihre Meinung äußern (also der Ansatz

„Können durch Wissen“).

Interessanterweise wenden die Franzosen

diese „Auswendig-Lern-Taktik“ auch auf

das Lernen von Fremdsprachen an, so dass

Textanalysen über der Fähigkeit zur Konversation

stehen (wer mal einen Blick in die

Vokabelhefte der Franzosen geworfen hat,

weiß, wovon ich rede). Trotzdem gibt es –

entgegen dem Cliché – viele Franzosen, die

auch gut Englisch können. Dass andere

Sprachen nicht so gut beherrscht werden,

liegt schon allein daran, dass der Unterricht

nicht so früh wie in Deutschland einsetzt

und mit weniger Wochenstunden unterrichtet

wird.

Während in Deutschland alle Leistungskurse

zum gleichen Abitur führen, wird in

Frankreich zwischen naturwissenschaftlichem,

sprachlichem und wirtschaftlichsozialwissenschaftlichem

Profil unterschieden,

die Zugang zu unterschiedlichen Studiengängen

erlauben. Die sciences werden

als das schwerste betrachtet, dementsprechend

kann man mit einem solchen Abitur

alles studieren (auch Sprachen!), mit einem

Sprachen-Abi sind technisch-naturwissenschaftliche

Studiengänge schon nicht mehr

möglich. So kam es auch, dass meine corres,

obwohl sie nach eigener Aussage viel mehr

Interesse an Sprachen hatte, zwecks besserer

Berufschancen das bac scientifique belegt

hatte.

Leider habe ich heute keinen Kontakt mehr

zu meiner Austauschpartnerin. Dennoch

war der échange franco-allemand eine wunderbare

Erfahrung, die ich nicht missen

möchte. Kaum zu glauben, dass vor sechzig

Jahren der Begriff der „deutsch-französischen

Erbfeindschaft“ noch weit verbreitet

war, während heute durch das Deutsch-

Französische Jugendwerk, die Deutsch-

Französische Hochschule, Schüleraustausche

usw. die „Deutsch-Französische

Freundschaft“ dominiert.

Der Aufenthalt in Boulogne blieb nicht

mein letzter Besuch in Frankreich, nach

dem Abitur war ich in Südfrankreich, ein

Jahr später im Elsass. Schließlich ist Frankreich

in jeder Region unterschiedlich und

überall gibt es Neues zu entdecken.

Annegret Brandt

Annegret, Abiturjahrgang 2006, studiert

Lebensmittelchemie im 3. Semester in

Dresden.


„Es ist gut, dass wir heute hier, wo Deutschland

und Frankreich sich entzweit haben,

wo unsere beiden Völker sich gegenseitig zerstörten,

wo das Wüten des Krieges tausende

Menschenleben gefordert hat, dass wir hier

feiern und unsere Freundschaft täglich aufs

Neue begründen, sie gleichsam beflügeln.

Aber Freundschaft lebt nicht nur von Worten,

sie wird erst durch Taten stark. Freundschaft

gründet nicht nur auf materieller

Solidarität, sondern auf einer intellektuellen

und geistigen Gemeinschaft, sie wird

durch gegenseitige Kenntnis genährt und

gestärkt.“

Gilles de Robien, ehemaliger Minister für

Bildung, Hochschule und Forschung bei der

Vorstellung eines neuen deutsch-französischen

Geschichtsbuches in Peronne am 4.

Mai 2006.

Das deutsch-französische Jugendwerk

(DFJW) wurde 1963 im Rahmen des

deutsch-französischen Freundschaftsvertrages

(Elysée-Vertrag) gegründet, um die

Freundschaft zwischen den beiden Ländern

nachhaltig zu fördern. Die Initiatoren Konrad

Adenauer und Charles de Gaulle wollten

die Aussöhnung der beiden Völker insbesondere

über die Jugend erreichen. Das

DFJW wird von beiden Regierungen jedes

Jahr mit einem bestimmten Etat ausgestattet,

die Gelder fließen in zahlreiche deutschfranzösische

Projekte.

Zum 40jährigen Jahrestag des Freundschaftsvertrages

fand im Januar 2003 in

Berlin ein Jugendparlament statt, mit dem

Ziel, junge Deutsche und Franzosen zusammenzubringen

und sie gemeinsam Politik

gestalten zu lassen. 250 deutsche Schüler

aus Berlin und Brandenburg und 250 französische

Schüler der Partnerschulen waren

daran beteiligt, darunter auch einige Schüler

des Carl Bechstein Gymnasiums und des

Lycée Giraux-Sannier, begleitende Lehrerinnen

waren auf deutscher Seite Frau Svea

Oehring und auf französischer Seite

Madame Véronique Dubrane. Die Jugendlichen

erarbeiteten in verschiedenen binationalen

Arbeitsgruppen Vorschläge, wie die

deutsch-französische Zusammenarbeit

zukünftig aussehen könne. Vier Hauptaspekte

wurden dabei besonders berücksichtigt:

die politische Tragweite der

deutsch-französischen Beziehungen auf

nationaler und europäischer Ebene sowie in

der Zivilgesellschaft, sozioökonomische

Kooperation (Administration, Handel,

Sonderausgabe · Inernationale Beziehungen · Frankreich 31

Jugendparlament initiiert in Berlin neues Geschichtslehrbuch

Im Kanzleramt in Berlin am 23. Januar 2003. Foto: Bundesbildstelle

Recht), Kooperation in den Bereichen

Naturwissenschaft und Technik, intellektueller

und kultureller Dialog. Die Jugendlichen

unterbreiteten zum Abschluss Bundeskanzler

Gerhard Schröder und Staatspräsident

Jacques Chirac persönlich eine im Plenum

erarbeitete Petition in deutscher und

französischer Sprache.

Eine Forderung war die nach einem neuen

Geschichtslehrbuch: „Das deutsch-französische

Jugendparlament fordert … ein

Geschichtsbuch mit gleichem Inhalt für

beide Länder einzuführen, um durch Unwissenheit

verursachte Vorurteile abzubauen.“

Das Projekt wurde durch die deutsche

Ministerpräsidentenkonferenz im Juni

2003 in Berlin und durch ein Treffen von

deutschen Ländern und französischen

Regionen im Oktober 2003 in Poitiers

bestätigt, in Gegenwart von Premierminister

Raffarin, von Bundeskanzler Schröder

und dem Bevollmächtigten der Bundesrepublik

Deutschland für kulturelle Angelegenheiten

im Rahmen des Vertrags über die

deutsch-französische Zusammenarbeit,

Ministerpräsident Müller. Auch die Kultusministerkonferenz

begrüßte im November

2003 das Vorhaben und verständigte sich

darauf, die Genehmigung eines solchen

Schulbuches zu unterstützen.

Im Frühjahr 2006 erschien dann beim deutschen

Ernst Klett-Schulbuchverlag und bei

der Édition Nathan in Paris eine erste

Ausgabe des Geschichtslehrbuchs für deutsche

und französische Abiturklassen:

„HISTOIRE/GESCHICHTE – Europa

und die Welt seit 1945“. Behandelt wird

darin also die zeitgenössische Geschichte

seit 1945. „Als solche räumt sie der Versöhnung

zwischen Deutschland und Frankreich

und ihrer Fortsetzung im europäischen

Aufbauwerk einen bedeutenden Platz

ein. Das Buch enthält unvergessliche Bilder

von General de Gaulle und Konrad Adenauer

in der Kathedrale von Reims, Bilder

von François Mitterrand und Helmut Kohl,

Hand in Hand in Verdun, und schließlich

von Jacques Chirac und Gerhard Schröder

in Caen beim 50. Jahrestag der Landung der

Alliierten. Diese Zeitspanne der Geschichte

lehrt uns, dass es keine Schicksalhaftigkeit

gibt, dass alte Feindschaften nicht ewig

andauern müssen und dass es möglich ist,

neue Seiten der Geschichte der Völker zu

schreiben.“ (Gilles de Robien,2006)

sw/BJ


V.

Schweden

Torsbergsgymnasiet

Bollnäs


Bollnäs ist eine mittelschwedische Kleinstadt

mit rund 28000 Einwohnern. Die

Stadt liegt im norrländischen Hälsingland

und gehört zur Provinz Gävleborgs län. Die

nur dünn besiedelte Region (14 Einwohner

je km2 ) besteht aus großen Ebenen mit

dichten Nadelwäldern , vielen Flüssen, Seen

und Fjorden.

Bollnäs liegt direkt am Fluss Ljusnan, der

weit im Westen im Skandinavischen Gebirge,

unmittelbar an der Grenze zu Norwegen

entspringt, auf seiner 438 km langen Strecke

mehrere Seen bildet, u.a. den Varpen,

und schließlich im Südosten bei Ljusne in

den Bottnischen Meerbusen mündet.

Schon immer hatten die Hälsingländer den

Ljusnan zum Flößen von Holz genutzt und

auf den Feldern wurde neben Getreide vor

allem Flachs angebaut. Der Kaufmann

Georg Collini erkannte die günstige Lage

der kleinen Siedlung am Ljusnan, erwarb

dort ein Anwesen und entwickelte Bollnäs

innerhalb weniger Jahre (1851 -1860) zu

einem wichtigen Handelszentrum. Die

Collinigatan, eine kleine Straße im heutigen

Stadtzentrum, erinnert an den Begründer

der Stadt. Die holzbetriebene Dampfschifffahrt

und später ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz

forcierten den Handel mit Holz,

zunehmend auch mit Flachs. An den Ufern

des Ljusnan wurde der Flachs zuerst in

Mühlen, später in wasserbetriebenen Fabriken

zu Leinen verarbeitet und verkauft. Zu

Reichtum gelangt, wurde Bollnäs schließlich

1888 Gemeinde. 1942 bekam es die

Stadtrechte.

Heute dient der Fluss mit seinen 18 Wasserkraftwerken

vorwiegend der Stromerzeugung

und dem Tourismus. Das Unternehmen

Växbo Lin bei Bollnäs produziert zwar

noch heute hochwertige Leinenerzeugnisse

– dies geschieht jedoch längst an modernen

Maschinen und mit importiertem Rohmaterial

aus Belgien.

Der Ökotourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

für die Stadt geworden. Inund

ausländische Touristen nutzen den

Ljusnan zum Kanu- oder Kajakfahren, auch

Flöße inclusive Kapitän können gemietet

werden. Beliebt ist auch das Flussfischen.

1500 Kilo Edelfische, darunter Äschen,

Regenbogen- und Lachsforellen, werden

jährlich im Ljusnan ausgesetzt, um das Anglerherz

zu beglücken.

Auch die Bollnäs travbana, eine Trabrennbahn

am Rande der Stadt, trägt zum Wirtschaftswachstum

der Stadt bei. In der regelmäßig

im Sommer stattfindenden „Pferdewoche“

können die Besucher spannende

Trabrennen sowie bekannte schwedische

Spring- und Dressurreiter erleben. Und die

Schweden wetten mindestens genauso leidenschaftlich

wie die Briten...

Bollnäs selbst ist heute überwiegend ein

Dienstleistungszentrum: ungefähr ein Viertel

der Erwerbstätigen ist in Pflegeberufen

tätig, im modernen Bezirkskrankenhaus

Bollnäs sjukhus arbeiten auch einige deutsche

Fachärzte und Krankenschwestern.

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Schweden 33

„Dort, am nördlichen Ufer des Flusses Ljusnan, bin ich also aufgewachsen. Und ich weiß heute noch ganz genau, dass ich im

Alter von sechs bis sieben Jahren in diesem Fluss Krokodile gesehen habe. Für andere waren es sicher Baumstämme auf ihrer

langen Fahrt zum Meer. Aber für mich blieben es Krokodile. Das verriet ich jedoch wohlweislich niemandem. Es war eben

mein Geheimnis. Der Fluss Ljusnan war also der Kongo, der durch meine Kindheit floss.“

HENNING MANKELL IN „EIN FLUSS IM SCHNEE UND EINER IM SAND“ (2006)

BOLLNÄS – STADT AM LJUSNAN

sw/BJ

Foto: Leif Larsson


34 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Schweden

AUSBILDUNGSPROGRAMME IM SCHWEDISCHEN SCHULSYSTEM

In Schweden besteht eine neunjährige

Schulpflichtzeit vom 7. bis zum 16.

Lebensjahr. Eltern und Schüler können

zwischen staatlichen und privaten Schulen

wählen, für beide Schulformen müssen

keine Schulgebühren entrichtet werden.

98% der Schweden entscheiden sich für

staatliche Schulen. Ca. 90% besuchen ein

Gymnasium. Die Kosten für Schulessen,

Lehrmaterialien und Fahrwege tragen die

Kommunen – auch dann, wenn das Kind

in einer anderen Kommune oder an einer

Privatschule unterrichtet wird. Auch die

Schulgesundheitspflege ist kostenlos

erhältlich: Ein Schularzt und eine Schulkrankenschwester

führen vorbeugende

Gesundheitskontrollen durch oder stellen

Ernährungspläne auf.

Der Lehrplan: Einen übergeordneten zentralen

Lehrplan gibt es nicht. Das schwedische

Parlament erstellt einen allgemeinen Bildungsplan,

die Kommunen konkretisieren

diesen im Schulentwicklungsplan, die Schulen

leiten daraus einen jährlichen Arbeitsplan

und ein Schulprogramm ab. Das SKOLVER-

KET (Nationale Behörde für das Bildungswesen)

überprüft die Umsetzung der Pläne

und berichtet darüber alle drei Jahre vor dem

schwedischen Parlament.

Grundschule: Die neunjährige Grundskola

(etwa unsere Gesamtschule) beinhaltet

Unterricht in sechs Bereichen: Basisfächer

(Schwedisch, Englisch und Mathematik),

praktisch-ästhetische Fächer, gesellschaftswissenschaftliche

und naturwissenschaftliche

Fächer, ein Sprachwahlpflichtfach und

ein persönliches Wahlpflichtfach des Schülers.

An den nationalen Fachtests in den

Basisfächern nehmen die 5. Klassen freiwillig

und die 9. Klassen obligatorisch teil. Englisch

ist die erste Fremdsprache, zweite

Fremdsprache ist wahlweise Deutsch, Französisch

oder Spanisch.

Das Schuljahr: Es ist in zwei Halbjahre aufgeteilt.

Der Schulbeginn und -schluss ist in

den Gemeinden und Städten unterschiedlich.

Der Unterricht findet von Montags bis

Freitags und auch am Nachmittag statt.

Zensuren, Versetzung, Abschlüsse: Im zweiten

Halbjahr der 8. Klasse werden erstmals

Noten nach einer dreistufigen Skala erteilt:

Sehr gut (mycke väl godkänd, mvg), Gut (väl

godkänd, vg) und Ausreichend (godkänd, g).

Schüler, die ein „g“ in einem Fach nicht

erreichen, erhalten dort keine Zensur, sondern

eine schriftliche Beurteilung. Die Schüler

werden automatisch versetzt, in Ausnahmefällen

kann der Rektor mit Einverständnis

der Eltern das Zurück- oder Vorversetzen

eines Schülers beschließen.

Gymnasium: Zum Wechsel in die dreijährige

Gymnasialschule müssen die Schüler

mindestens ein „g“ in Mathe, Schwedisch

und Englisch haben. Die Gymnasialschule

umfasst ein dreijähriges Ausbildungsprogramm,

dessen Profil der Schüler im Rahmen

zentral festgelegter Möglichkeiten selbst

festlegt. Es gibt 16 nationale – davon 14

berufsvorbereitende und 2 studienvorbereitende

– Ausbildungsprogramme. Daneben

gibt es ein Spezialprogramm (eine Kombination

berufs- und allgemeinbildender Fächer)

und ein Individualprogramm (für Schüler

mit größeren schulischen Defiziten). Jedes

Programm enthält die Kernfächer Schwedisch,

Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften,

Gemeinschaftskunde, Religion,

Kunst und Sport.

Bewertung: Die Kurse werden mit Noten

und Punkten bewertet. Zu den drei Notenwerten

der Grundschule kommt im Gymnasium

ein vierter hinzu: Icke godkänd (ig) –

das Ungenügend. In verschiedenen Fächern

werden zentrale Tests durchgeführt. Prüfungen

finden nicht statt.

Hochschulzulassung: Hat der Schüler die

Kurse seines Ausbildungsprogramms zu

mindestens 90% mit einem „g“ abgeschlossen,

erhält er ein Abschlusszeugnis und

damit die Studienberechtigung.

Grund zum Feiern: Erhalt der Abschlusszeugnisse, 2006 Torsbergsgymnasium Bollnas Foto: Hans Eric Hellberg

sw/Bj


Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Schweden 35

DAS TORSBERGSGYMNASIET IN BOLLNÄS Grüße vom

Torsbergsgymnasiet

Schulgebäude des Torsbergsgymnasiets in Bollnäs Foto: Leif Larsson

Die Schule in kommunaler Trägerschaft

nimmt rund 1000 Schüler im Alter

von 16 – 19 Jahren auf sowie 120 Lehrer

und 50 Mitarbeiter im medizinisch-technischen

Bereich, wozu auch ein Sozialteam

von zwölf Fachkräften gehört. Rektor der

Schule ist Leif Olovson. Zur Schulleitung

gehören noch vier weitere Rektoren und

eine Koordinatorin des Internationalen

Abiturs.

Neben den modern ausgestatteten Unterrichtsräumen,

darunter vier Computerräumen

mit jeweils 16 Rechnern, verfügt die

Schule über eine große Aula mit 453 Plätzen

und eine Cafeteria, in welcher täglich

eine kostenlose Schulmahlzeit angeboten

wird. Die große Bibliothek betreut Hendrik

Lindquist und ein Assistent.

Das Torsberggymnasiet bietet 12 nationale

Ausbildungsprogramme an, darunter

berufsbildende Programme im Bereich der

Elektronik, der Pädagogik und der Technik.

Ein naturwissenschaftliches Programm

bereitet direkt auf den Hochschulbesuch

vor. In Heden, zwei Kilometer entfernt vom

Hauptgebäude, finden seit 1993 drei Ausbildungsprogramme

statt – das Hotel- und

Restaurantprogramm, das Medienprogramm

und das Ästhetikprogramm mit

dem Schwerpunkt Musikdramatik. Rektor

Mikael Snell leitet diesen neueren Schulkomplex.

Seit 1999 können die Schüler neben dem

traditionellen Gymnasialabschluss auch das

Internationale Abitur erwerben, mit dem

eine weltweit geltende Hochschulzugangsberechtigung

verbunden ist. Das Torsbergsgymnasium

ist eine von rund 40 Schulen in

Schweden, welche diesen Bildungsweg

anbietet.

Das Profil der Schule wird auch bestimmt

durch seine vielfältigen internationalen

Kontakte und Projekte. Zweimal beteiligte

sich die Schule am COMENIUS – Programm

(Träger des multilateralen Bildungsprogramms

ist die Europäische Union) und

arbeitete zu verschiedenen Themen mit

Schulen in Griechenland, Italien und

Frankreich zusammen. Ein Geografiekurs

des Gymnasiums nahm am vierjährigen

MINERVA -Projekt teil: Die schwedischen

Schüler und zeitgleich mit ihnen junge Finnen,

Letten, Italiener, Ungarn, Belgier und

Slowenen untersuchten mit modernen elektronischen

Mitteln die Qualität der Gewässer

in ihrer Region und erstellten mit den

gesammelten Daten einen digitalen „Europäischen

Wasseratlas“. Zusammen mit

Schülern aus Kroatien und Finnland nahmen

die „Torsberger“ auch am LEONAR-

DO - Programm teil und setzten sich innerhalb

eines berufsorientierenden Ausbildungsprogramms

mit dem Thema „Eine

gemeinsame Zukunft im neuen Europa“

auseinander. Unterstützt wurde das Gymnasium

durch die international agierende

Olof-Palme-Stiftung.

Seit langem bestehen auch Kontakte zu Singapore,

Indonesien, Philippinen und

Malaysia.

sw/BJ

International Baccalaureate Diploma – Internationales Abitur

Insgesamt nehmen am Bildungsmodell 1200 Schulen in 100 Ländern der Welt teil. Die

Schüler, die sich für diesen Abschluss entscheiden, belegen innerhalb von zwei Jahren

sechs Fächer (davon mindestens zwei Sprachen), schreiben eine Facharbeit (Extended

Essay) und absolvieren den Kurs „Theory of Knowledge“ (ToK). In die Gesamtwertung

gehen ebenfalls 150 Stunden außerunterrichtliche Aktivitäten ein (CAS, „Creativity,

Action, Service“).

Der Austausch war sehr gut für unsere Gruppe

ES 3, sowohl fur sie als Gruppe als auch für die

einzelnen Schüler. Einiges, was für einzelne

Schüler besonders wertvoll gewesen ist: Weg von

zu Hause zu sein, neue Freunde in Deutschland

zu finden, viele haben immer noch Kontakt mit

einander, und wenigstens eine Schülerin kam

diesen Sommer zu Besuch nach Bollnäs - sie hat

sogar Arbeit hier gesucht. Für die Gruppe hat

der Austausch dazu geführt, dass eine Zusammengehörigkeit

mit einer Klasse in Deutschland

entstanden ist, aber auch die Zusammengehörigkeit

in ES 3 ist gestärkt worden.

Konkrete Höhepunkte des Austausches waren

aus unserer Sicht die Vorführung in der Aula

des Carl Bechstein Gymnasiums, an der auch

der Männerchor der Stadt Erkner teilgenommen

hat, sowie die Vorführung am Torsbergymnasium

in Bollnäs in Anwesenheit von drei

Vertretern von SKOLVERKET, die während der

Austauschwoche eine Inspektion am Torsbergsgymnasium

durchführte. Die Mitarbeiter stellten

fest, dass Musik und Gesang außerordentliche

Mittel sind, wenn man zwanglosen

Umgang schaffen will.

Die Idee zur Schlussproduktion der Klasse

ES 3, die ein großer Erfolg gewesen ist,

entstand während des Aufenthaltes unserer

Schüler in Erkner und Berlin.

Eindrücke davon findet ihr unter

www.hedengymnasiet.se/bilder-fran-diemauer.

Der Schüleraustausch ist auch für uns Lehrer

bedeutungsvoll, weil er uns Gelegenheit gibt,

die pädagogischen und methodischen Verhältnisse

zwei verschiedener Länder zu vergleichen und

Erfahrungen auszutauschen.

Wir Lehrer aus Bollnäs sind sehr dankbar, dass

dieser Austausch - u.a. auch auf Initiative von

Thomas Falk- zustande gekommen ist.

Viele Grüße

Lars-Erik Olausson, Lena Rieback und Ninna

Englsoon O` Nils

Unser nächster Besuch in Bollnäs wird in der

Zeit vom 21.10. 2007 bis zum 27.10.2007

stattfinden. 15 Schüler aus dem Musikleistungskurs

und 10 weitere Schüler, die sich mit

dem Projekt „Internationales Abitur”

beschäftigen, werden dann Gäste am Torsbergsgymnasium

sein. Musiklehrer Thomas Falk

und Englischlehrerin Beate Pahlke begleiten die

Begegnung.


36 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Schweden

Nils Molin

Nils Molin im Musical „Die Mauer“ , Torsbergsgymnasiet 2006

In der Aula des Torsbergsgymnasiet Bollnäs

begegnete ich zum ersten Mal meinem

schwedischen Gastschüler – Nils

Molin. Zusammen mit Annika Heins würden

wir bei ihm und seiner Familie eine

Woche verbringen. Nils Mutter Eva fuhr

uns nach der Begrüßung zu unserem neuen

Zuhause, was rund 20 Kilometer vom

Schulort entfernt war. Die Schulwege seien

hier ziemlich lang, aber ein gut funktionierendes

System von Überlandbussen mache

die Situation überschaubar, erzählte uns Eva

während der Fahrt zu ihrem Bauernhof.

Gastvater Hendrik erwartete uns dort schon

- auf einem riesigen Gehöft mit vielen Schafen,

Kühen und 3 Hunden.

Zwar waren wir am ersten Tag alle noch

etwas zurückhaltend, aber das änderte sich

schnell, denn die sympathische Gastfamilie

bemühte sich sehr um uns. Die fürsorgliche

Eva bewirtete uns stets mit köstlichen Speisen

und Hendrik stieg sogar auf den nahe

gelegenen Berg, um für uns Beeren zu sammeln

oder er ließ uns miterleben, wie die

Hunde für die Schafhütung trainiert wurden.

Von der Schafzucht, so erfuhren wir,

bestreitet die Familie auch einen Teil ihres

Lebensunterhalts.

Während der Konzert-Proben in der schwedischen

Schule hörte ich dann erstmals Nils

singen – und ich war überwältigt. Nils hatte

ein unglaubliches Stimmvolumen und

konnte sehr viele Stilrichtungen singen. So

etwas hatte ich bis dahin noch nie gehört.

Schnell stand fest, dass er auch beim Gegenbesuch

in Deutschland am CBG singen

müsse.

Die Woche in Bollnäs verging sehr schnell

und der Abschied von den Molins und den

anderen Schweden fiel Annika und mir sehr

schwer.

Und dann - im September - kam Nils zu uns

ans Carl Bechstein Gymnasium. Nils war

nun mein Gast. Die Wiedersehensfreude

war groß. Während der Fahrt zu mir nach

Hause zeigte sich Nils zunächst überwältigt

von der Baumvielfalt bei uns- Laubbäume

Foto: Henrik Östergårds

findet man kaum in Mittelschweden, dort

gibt es meist Nadelwälder. Am ersten Abend

unserer Begegnung sprach Nils immer wieder

fasziniert davon.

Die Tage mit ihm verliefen ziemlich

unkompliziert - zwar verging meist geraume

Zeit, bis Nils bereit für den Tag war, sein

morgendlicher Gesang entschädigte das

Warten darauf jedoch. Täglich probten wir

– auch nachmittags bei mir zu Hause - für

das anstehende Konzert und hatten viel

Spaß dabei. Wir konnten über alles reden

und vor allem konnten wir zusammen viel

lachen. Dann kam der große Abend. Nils

sang in unserer Aula „The show must go

on“ von Queen. Es war wunderschön, dem

zuzuhören.

Dieses Lied wurde auch zu unserem Motto -

wir wussten, dass wir uns so schnell nicht

wieder sehen werden. Doch der Kontakt

zwischen uns und unsere Freundschaft

bleibt erhalten.

Jana Radomski


Deutsch-schwedische

Begegnung

Die Schüler des Musik- und des Biologieleistungskurses

im Jahrgang 12 fuhren

gemeinsam mit ihren Lehrern Thomas

Falk und Thomas Bindig im April 2006

nach Bollnäs, eine Stadt im Mittelschweden.

Eine lange Reise mit dem Bus und mit der

Fähre stand uns bevor. Gott sei Dank waren

unsere Busfahrer Roland und Siegfried,

„Team Rosi“, wie wir sie liebevoll getauft

hatten - sehr freundlich und versorgten uns

immer mit frischem Kaffee und Kakao.

Unser erster großer Stopp fand in Stockholm

statt. Beim Besuch der deutschen Botschaft

konnten wir kurz mit dem Leiter der

Presseabteilung, Ralf Kraut-Krämer, über

das Land und seine Menschen sprechen.

Danach besichtigten wir die Stadt mit den

vielen Inseln und Brücken - eine der 53 Brücken

hatte vor Jahren der Vater unseres Biologielehrers

mit erbaut, was besonders die

Schweden sehr witzig fanden: „Wir fahren

jetzt über die Brücke von Thomas Bindigs

Vater.“. Am Abend besuchten wir ein Konzert

von Stipendiaten einer Stockholmer

Musikhochschule und konnten dort auch

mit deutschen Austauschstudenten über ihr

Leben in der - sehr teuren - Stadt sprechen.

Nach der Übernachtung in Stockholm ging

die Reise weiter nach Bollnäs, eine Stadt

mitten in der Natur. Links und rechts von

den Busfenstern sahen wir schneebedeckte

Tannenwälder. Lange begleitetete der Fluss

Ljusnan, an manchen Stellen noch zugefroren,

unseren Weg. In Deutschland war zur

Abreisezeit längst Frühling gewesen.

Jana (2. v. links) und Annika bei ihrer schwedischen Gastfamilie

Ankunft der Bechsteiner in Bollnäs

Schließlich erreichten wir das Torsbergsgymnasiet

in Bollnäs, völlig übermüdet stiegen

wir aus dem Bus und wurden herzlich

von 30 jungen Schweden begrüßt, welche

schon sehnsüchtig auf uns gewartet hatten.

Gemeinsam gingen wir in den Probenraum

der Schule und erfuhren dort, wer von wel-

chem Partner betreut wird. Der erste Kontakt

fiel ein wenig schwer, aber nachdem wir

bei unseren Gastfamilien angekommen

waren, gewöhnten wir uns schnell an die

neue Situation. Ungewöhnlich für uns

blieb, dass wir ca. 100 Kilometer weit „verstreut“

waren, wodurch es schwierig war,

sich spontan am Nachmittag zu verabreden.

Für die Schweden sind diese weiten Wege

völlig normal, stellten wir im Verlaufe der

Woche fest.

Für den nächsten Tag standen Proben auf

dem Plan, denn bis zum Ende der Woche

sollte ein komplettes Konzert vorbereitet

werden. Die Biologen gingen in die Natur

und untersuchten das Wasser und den

Wald. Auch Unterrichtsbesuche fanden

statt. Besonders interessant war der bilinguale

Unterricht im Fach Biologie. Am vorletzten

Tag besuchten wir den Järvzoo - eine

Art Naturreservoir, in dem einheimische

Tiere wie Braunbären, Luchse,

Elche, Rentiere und Wölfe

aufgezogen und vor dem Aussterben

geschützt werden.

Am letzten Tag stand unser

Abschiedskonzert an. Die

schwedischen Familien hatten

aus diesem Anlass einen

gemeinsamen Grillabend

organisiert; jede Gastfamilie

hatte eine besondere Speise

mitgebracht, wie z.B. köttbullar

(die berühmten schwedischen

Frikadellen - meist aus -

Elchfleisch!) und gravad lax

(gebeizter Lachs, die Lieblingsspeise

der Schweden). Wir erhielten

eine kleine afrikanische Tanzstunde, hörten

Sambamusik und aßen. Dann folgte unser

großer Auftritt zusammen mit den schwedischen

Schülern. Es war ein runder

Abschluss dieser ersten deutsch-schwedischen

Begegnung. Dann war die Zeit

gekommen, wir mussten uns verabschieden.

Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Schweden 37

Fotos: Jana Radomski

Viele Tränen liefen, obwohl wir wussten,

dass wir uns im September wieder sehen

würden. Eine lange Busfahrt mit „Team

Rosi“ brachte uns zurück nach Deutschland.

Die Torsberger zu Gast am CBG

Nach der Klausurzeit, den Zeugnissen und

den anschließenden Sommerferien war

auch schon der September 2006 gekommen

und wir sahen unsere Schweden wieder. Wir

fielen uns bei der Begrüßung in die Arme

und diesmal fuhren wir mit unseren Gästen

zu uns nach Hause. Am folgenden Tag

unternahmen wir einen gemeinsamen

Stadtrundgang durch Berlin und zeigten

den Schweden die schönsten Sehenswürdigkeiten

der Stadt. In der Nilolaikirche hatten

wir einen besonderen Moment: Wir durften

dank einer Sondergenehmigung auf der

Empore stehen und ein schwedisches Lied

singen. Der Klang in der Kirche war einmalig,

wir bekamen alle eine Gänsehaut.

In den nächsten Tagen standen viele Proben

auf dem Plan, auch wir wollten ein gutes

Abschlusskonzert geben. Am vorletzten

Abend war es dann soweit. All unsere

Freunde und Verwandten kamen in die

Aula des Carl Bechstein Gymnasiums, um

dieses deutsch-schwedische Konzert zu erleben.

Und es wurde ein Erfolg!

Den Abschied feierten wir im Hotel Peetzsee.

Auch wir haben gegrillt, gelacht und

gesungen. Diesmal aber ein wenig melancholischer

– wir wussten, wir werden viele

unserer schwedischen Freunde vielleicht das

letzte Mal sehen. Die Erfahrungen mit den

Gastschülern möchte keiner der beteiligten

Schüler – und sicher auch Lehrer – missen.

Es war eine wundervolle Zeit.

Jana, Abiturjahrgang 2007,

will in Potsdam Musik studieren.

Jana Radomski


Großbritannien

Russland

USA

38 Sonderausgabe · Internationale Beziehungen · Staff

Frankreich

Schweden

Die Mentoren des Schüleraustausches

Annegret Schäfer

(GER)

Ilona Urban

(GER)

Jörg Schulze

(GER)

Annette Jannsen

(GER)

Thomas Bindig

(GER)

Volker Grillitsch

(GER)

Helga Fehrman

(GER)

Brigitte Elsner

(GER)

Svea Oehring

(GER)

Thomas Falk

(GER)

Dr. Ute Lembeck

(GER)

Swetlana Trapesnikowa

(RUS)

Billy Ulmer

(USA)

Véronique Dubrane

(FRA)

Lena Rieback

(SWE)

David Ruck

(GBR)

Irina Molschanowa

(RUS)

Russel Sample

(USA)

Emanuel Brauns

(FRA)

Lars-Erik Olausson

(SWE)

Jorge Orozco

(USA)

Hélène Fau

(FRA)

N. Engelsoon O’Nils

(SWE)


Programm

Der Schüler steht im Mittelpunkt aller

Aktivitäten unserer Schule. In einer sinnvoll

vorbereiteten Umgebung können unsere

SchülerInnen ganzheitlich ohne Angst lernen.

Schon der Wechsel auf das Gymnasium

soll positiv aufgenommen werden.

Gewachsene Freundschaften aus der

Grundschule und eine leistungsmäßig ausgewogene

Zusammensetzung finden sich in

unseren Eingangsklassen wieder. Der Klassenverband

bleibt bis einschließlich des 10.

Jahrgangs bestehen. In maximalen Klassenstärken

von 25 bis 28 SchülerInnen werden

derzeit insgesamt etwa 800 Kinder und

Jugendliche gefördert und gefordert. LehrerInnen

unterrichten eine Klasse möglichst

über mehrere Jahre.

Fachliche Anforderungen der Unterrichtsfächer,

das soziale Miteinander und das Lernen

in der Gemeinschaft sind bedeutende

Ziele unseres Gymnasiums. Dazu gehört

auch der Erwerb kommunikativer und

medialer Kompetenzen. Das Ziel der Schullaufbahn

am CBG ist in der Regel das Abitur

nach 12 Schuljahren. Gleichzeitig sind

auch die anderen Bildungsabschlüsse

erreichbar.

Das Carl Bechstein Gymnasium Erkner ist

seit Anfang der neunziger Jahre verlässlicher

Bestandteil der Bildungslandschaft für

Erkner und die umliegenden Gemeinden,

zunehmend auch für den südöstlichen

Stadtrand Berlins. Das Gymnasium führt

Leistungs- und Begabtenklassen ab der 5.

Klasse mit einem erweiterten Bildungsangebot

zum Abitur.

Sonderausgabe · Inernationale Beziehungen · Bundesrepublik Deutschland 39

WIR ÜBER UNS – DAS CBG ERKNER BEI BERLIN

Unterricht

Neben dem Unterricht nach einem schulinternen

Curriculum können unsere

SchülerInnen durch gewählte, persönliche

Schwerpunkte ihren Weg durch die Schule

mitbestimmen. Dazu gehören in der Sekundarstufe

I die Wahl der 2. Fremdsprache

(Spanisch, Französisch oder Russisch ab

Klasse 7), zusätzlich Latein ab Klasse 9

sowie erneute Sprachangebote beim Eintritt

in die gymnasiale Oberstufe. Ab Klasse 9 ist

eine individuelle Schwerpunktsetzung u.a.

in den Wahlpflichtfächern Geografie, Biologie,

Homepage und Webdesign oder Journalistik

möglich. Über die Kursauswahl in

der Sekundarstufe II können ebenso Akzente

gesetzt werden wie in der Teilhabe an

Theaterprojekten, Schulband und Chor.

Wettbewerbe bieten unseren SchülerInnen

die Gelegenheit sich mit anderen zu messen.

Dabei erfreuen sich die schulinterne Fremdsprachenwoche,

der Rezitations- und Rhetorikwettstreit

im Fach Deutsch wachsender

Beliebtheit. Aber auch Wettbewerbe auf

Kreis- und Landesebene werden von unseren

SchülerInnen mit Erfolg bestritten, so

in Mathematik, Kunst, Sport und im

Schach.

Projekte

Differenziertes methodisches und fachliches

Wissen und Fähigkeiten erwerben unsere

SchülerInnen in einer Methodenwoche ab

Jahrgang 5 bzw. 7 und in den Fachtagen der

Jahrgänge 8 und 9. Schülerbetriebspraktika

in Klasse 9 vermitteln den Jugendlichen

erste Einblicke in berufliche Möglichkeiten.

Die Praktika werden im Fach Wirtschaftslehre

– Arbeit – Technik vor- und nachbe-

reitet. In den Klassenstufen 7, 8 und 10

können Klassenfahrten durchgeführt werden;

langfristig plant die Schule mindestens

drei zentrale Wandertage im Jahr. Exkursionen

in beiden Sekundarstufen sind jederzeit

durchführbar, sie machen Unterricht oft zu

einem spannenden Highlight. Fächerübergreifende

Projekte finden in allen Klassenstufen

statt, z.B. Theateraufführungen,

Exkursionen in Zoos und in den Tagebau

oder ins „Gläserne Labor“. In der religionsphilosophischen

Woche und auf Studienfahrten

vertiefen und erweitern unsere

SchülerInnen erworbene Fachkompetenzen.

„Zum Tag der Naturwissenschaften“ stellt

der Abiturjahrgang jährlich seine Fähigkeiten

im wissenschaftlichen Arbeiten unter

Beweis. Vorträge von Hochschullehrern,

Foren mit Wissenschaftlern und Politikern

konkretisieren gestellte Anforderungen

beim Wechsel an die Hochschule oder

Universität.

Der Englisch- und Französischunterricht

wird konstant von FremdsprachenassistentInnen

aus Frankreich, Großbritannien,

den USA oder Schottland begleitet. Heranwachsende

aus Polen und Israel waren

bereits zu Gast bei uns. Jedes Jahr besuchen

ca. 15 – 20 SchülerInnen unseres Gymnasiums

für einen größeren Zeitraum eine

Schule im Ausland und werden nach ihrer

Rückkehr problemlos integriert. Gastschüler

aus Argentinien, Brasilien, Chile,

Columbien und Venezuela, aus Frankreich

und Polen sowie aus China, Australien und

Neuseeland verbringen Phasen ihrer Schulzeit

bei uns.


Fotos: Winkler

Standort und Ausstattung

Häuser mit unterschiedlichem Charakter –

ein Altbau aus wilhelminischer Zeit und ein

Neubau – bieten ausreichend Platz für den

Unterricht und für schulische Veranstaltungen.

Haus 1 umfasst neben dem Verwaltungsbereich

die Fachräume für Informatik und

Gesellschaftswissenschaften, ein Fotolabor,

einen Konferenzsaal sowie Besprechungsräume.

Im Haus 2 befinden sich modern ausgestattete

Fachräume für den naturwissenschaftlichen

Unterricht, Klassenräume für die jüngeren

Jahrgänge, das Büro der Schülervertretung

und die Bibliothek. Jeder Fach- und

Unterrichtsraum verfügt über einen Internetanschluss

und Overhead-Projektor, viele

Räume zusätzlich über TV-, Video-, Beamer-

und DVD-Einheiten.

Herausgeber:

Carl Bechstein Gymnasium,

Neu Zittauer Straße 1-2

15537 Erkner

Redaktion:

Sabine Winkler

Satz und Layout:

Falk Flach, SLC-GmbH,

Badstraße 2, 15344 Strausberg,

Telefon 03341 - 30 94 05

Auflage: 2000 Exemplare

www.carl-bechstein-gymnasium.de

Einem ca. 350 Personen fassendes Forum

(Aula) sind vier Fachräume für Musik,

Kunst, Darstellendes Spiel angegliedert.

Die Dreifach-Sporthalle in zentraler Stadtlage

und ein komplett ausgestatteter Sportplatz

am landschaftlich reizvollen Dämeritzsee

werden für den Unterricht und die

Arbeitsgemeinschaften genutzt.

Der Einzugsbereich unseres Gymnasiums

erstreckt sich von Erkner über die nördlich

gelegenen Nachbarorte Woltersdorf, Rüdersdorf

und Schöneiche, über Hartmannsdorf,

Grünheide, Hangelsberg und Spreenhagen

im Osten sowie Neu Zittau und Gosen im

Süden und Berlin-Rahnsdorf im

Westen.Verkehrstechnisch ist die Schule gut

und sicher zu erreichen. Günstige Bus- und

Bahnverbindungen bestehen zu allen Ortsteilen

der anliegenden Nachbargemeinden.

Die Redaktion übernimmt keine Gewähr für eingereichte

Manuskripte und Fotos und behält sich

das Recht der auszugsweisen und redigierten Wiedergabe

vor. Veröffentlichungen müssen nicht mit

der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Für

das Design dieser Zeitung gelten die Bestimmungen

der §§ 2 und 31 UrhG in Verbindung mit

den Werkvertragbestimmungen des BGB. Die

Bestimmungen des UrhG gelten auch dann, wenn

die nach § 2 UrhG erforderliche Schöpfungshöhe

nicht erreicht ist. Jede Nachahmung, auch von

Teilen oder Details, ist unzulässig.

Jede anderweitige oder weitergehende Nutzung

von Text und Bild ist nur mit der ausdrücklichen

Einwilligung der Redaktion gestattet.

Kontakt

Rüdiger Konertz, Schulleiter

Peter Müller, stellvertretender Schulleiter

Gerd Nordheim, Oberstufenkoordinator

Thomas Bindig, MdeSl. Jg. 8 – 10

Kerstin Röske, MdeSl. Jg. 5 – 7

Sekretariat:

Bärbel Liersch und Dörte Kühlbach

Carl Bechstein Gymnasium Erkner

Neu Zittauer Straße 1-2

15537 Erkner

E-Mail: cbgym@web.de

Info: www.carl-bechstein-gymnasium.de

www.erkner.de

Öffnungszeiten: 7.30 – 15.30 Uhr

Fon: +493362 - 33 33

Fax: +493362 - 2 81 32

CARL BECHSTEIN

GYMNASIUM ERKNER

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