MünchnerUni.Magazin - Ludwig-Maximilians-Universität München

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MünchnerUni.Magazin

Zeitschrift der Ludwig-Maximilians-Universität München #02/2002

ESSAY

PERSPEKTIVEN

EINER NEUEN

LERNKULTUR

HIGHTECHCAMPUS LMU

NEUES ZENTRUM

FÜR HIRNFORSCHER

STUDIUM

GASTSPIEL

DER LMU:

„JEFF KOONS”

IN AGADIR

IM INTERVIEW

PAPIER UND

DI FABIO,

MÜNCHNER

RICHTER IN

KARLSRUHE

LMU


IMPRESSUM

Herausgeber

Rektorat der

Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)

München

Redaktion

Kommunikation und Presse

Cornelia Glees-zur Bonsen (gl)

(Leitung)

Ortrun Huber (oh)

(stellv. Leitung)

Karnik Gregorian (kg)

Thomas Pinter (thp)

(Online-Redakteur)

Susanne Wedlich (suwe)

Mitarbeit

Manuela Baldauf (mb)

Eva Kittel (ki)

Geschwister-Scholl-Platz 1

80539 München

fon: +49 (0) 89 2180-3423

fax: +49 (0) 89 33 82 97

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Bildredaktion

Angelica Fuss (af)

Designkonzept und Layout

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Distribution

Mathias Schiener

Druck

Color-Offset GmbH

Geretsrieder Straße 10

81379 München


EDITORIAL

Vom 22. bis 26. April dieses Jahres

hat die Fakultät für Geowissenschaften

der Ludwig-Maximilians-Universität

(LMU) München

eine Geo-Aktionswoche

durchgeführt. Die Fakultät

beteiligt sich auch maßgeblich

an den Münchner Wissenschaftstagen

„Lebendige Erde“

vom 16. bis 20. Oktober 2002.

Beide Veranstaltungen erfolgen

im Rahmen des bundesweiten

„Jahres der Geowissenschaften

2002“, das den Dialog zwischen

Wissenschaft und Öffentlichkeit

intensivieren soll.

Der Dialog zwischen Wissenschaft

und Öffentlichkeit ist ein vorrangiges

Ziel der Hochschulpolitik, das

jedoch in dem Alltagsbetrieb der

Lehre und Forschung an Universitäten

oft hinten an gestellt

wird. Nicht zuletzt die LMU investiert

jedoch seit ein paar Jahren

verstärkt Ideen und Mittel in die

publikumswirksame Stärkung des

Verständnisses für die Chancen

und Risiken der Forschung. Sie fördert

damit auch die Einsicht in die

Notwendigkeit einer breit angelegten

Hochschullehre. Dies gilt in

besonderem Maße für die kleineren

Fachbereiche wie die Geowissenschaften,

deren Fächer Gefahr laufen,

hinter den Massenfächern ein

Schattendasein zu führen. Wir sind

daher froh, dass die Bundesministerin

für Bildung und Forschung

das Jahr 2002 zum „Jahr der Geowissenschaften“

erklärt hat.

Die Geowissenschaften sind in

dem Spannungsfeld zwischen

intensiver Nutzung unseres Planeten

und dessen begrenzten Ressourcen

angesiedelt. Dabei steht in

zunehmendem Maße der Schutz

unserer Umwelt bei weiter wachsender

Weltbevölkerung im Vordergrund.

Die sich hier ergebenden

Fragestellungen reichen von den

ökologischen Auswirkungen des

globalen Klimawandels über die

Nahrungs-, Wasser-, Rohstoffund

Energieversorgung, die Vorsorge

bezüglich natürlicher Katastrophen

(Erdbeben, Vulkanausbrüche,

Hochwasser etc.) bis hin

zur Sanierung von bereits eingetretenen

Umweltschäden.

Zur Lösung dieser Fragen ist

ein breites Methodenspektrum

notwendig, das die quantitative

Erfassung von Prozessen in allen

Größenskalen vom Nano-Bereich

bis zum planetaren Maßstab

umfassen muss. Die zu betrachtenden

Zusammenhänge werden

mit zunehmender Wissensbasis

immer komplexer und zunehmend

für Vorhersagen von künftigen

Entwicklungen genutzt.

Die Fakultät für Geowissenschaften

stellt sich mit ihren derzeitigen

Studienrichtungen der

Herausforderung die Erde als integriertes

System zu betrachten.

Durch die Gründung des Departments

für Geo- und Umweltforschung

und die Auflösung der bisherigen

Institute wird auch nach

außen deutlich, dass die Geowissenschaften

der Ludwig-Maximilians-Universität

eine Neuorientierung,

weg von der Aufteilung in

Disziplinen, hin zu einer integrierten

Sichtweise, vorgenommen

haben. Gerade die Geowissenschaften

sind nicht durch Ländergrenzen

in ihren Arbeitsgebieten

einzuschränken. Schon heute sind

enge Verbindungen mit Institutionen

in aller Welt Alltag und viele

Kooperationsprojekte sorgen für

einen regen internationalen Austausch

von Wissenschaftlern und

Studenten. Es ist daher logisch,

dass eine internationale Öffnung

der Geowissenschaften auch eine

Neuordnung der Studiengänge

GEOWISSENSCHAFTEN

AN DER LMU:

DAS GANZE SYSTEM

ERDE IM BLICK

nach sich zieht. Ein gemeinsames

naturwissenschaftlich ausgerichtetes

Grundstudium wird ab 2003,

unter Einbeziehung der Kapazitäten

der Technischen Universität

München, die bisherigen Studiengänge

Geologie/Paläontologie,

Mineralogie/Kristallographie und

Geophysik vereinen. Durch die

Schaffung international anerkannter

Bachelor- und Master-Abschlüsse

wird die Attraktivität des

Standortes München gestärkt.

Auch der Bereich der Geographie

steht vor einer Neuorientierung, da

eine unabhängige Gutachterkommission

die Konzentration der Geographie

an der LMU unter Einbindung

der Geographie der Technischen

Universität empfohlen hat.

Die Fakultät für Geowissenschaften

der LMU bietet das gesamte

Arbeitsspektrum der Geo-

Foto: LMU

wissenschaften auf qualitativ hohem

Niveau. Zusammen mit der

einzigartigen Vielzahl von geowissenschaftlich

ausgerichteten

Großforschungseinrichtungen und

Landesbehörden versteht sich die

Fakultät als Nukleus eines überregionalen

Zentrums für Geo- und

Umweltwissenschaften, angesiedelt

in München. ■

Professor Dr. Stefan Wohnlich

Dekan der Fakultät für

Geowissenschaften der LMU

MUM 02/2002 EDITORIAL

1


MUM 02/2002 NEWS

2

■ ZWEI STUDIERENDE DER LMU

SCHREIBEN SPORTGESCHICHTE

In unserer letzten Ausgabe berichteten

wir über Studierende an der

Ludwig-Maximilians-Universität,

die neben dem Studium noch Spitzensport

betreiben. Wie gut sich

beides miteinander verbinden lässt,

bewiesen Verena Bentele und Philipp

Crone, die Sportgeschichte

geschrieben haben.

Verena Bentele, Skilangläuferin

und Biathletin gewann im März bei

den VIII. Paralympics in Salt Lake

City vier Goldmedaillen. Die Psychologie-Studentin

lief, nach den

fünf Kilometern im klassischen Stil,

zehn Kilometer Freistil und dem

Biathlon-Rennen am Schlusstag

der Spiele auch über 15 km Freistil

ihren Konkurrentinnen davon und

war damit bei vier Starts nicht zu

schlagen gewesen. Damit ist die 20-

L M U IN DEN MEDIEN

jährige Studentin erfolgreichste

deutsche Teilnehmerin der Paralympics

in Salt Lake City. Mit Philipp

Crone, Biologiestudent, stellte die

LMU einen Spieler der Deutschen

Hockey-Nationalmannschaft, die

bei der Weltmeisterschaft in Malaysia

im März zum ersten Mal den

Titel errungen hat. ■ kg

1 Verena Bentele

DIE WURZELN DER WEIßEN ROSE

„Die Erinnerung an die Scholls und die ,Weiße Rose’ ist lebendig und

ein fester Bestandteil des deutschen Geschichtsbildes. (...)

Erstaunlicherweise hat sich bisher kein Historiker an eine

Gesamtdarstellung des Themas gewagt. Ein junger Wissenschaftler

(...) will diese Forschungslücke nun schließen. Der 28jährige

Sönke Zankel schreibt seine Doktorarbeit über die ,Weiße

Rose’. (...) Für seine Promotion ist Sönke Zankel (...) eigens aus

Bremen nach München gezogen. Nur an der LMU könne er diese

Arbeit schreiben - am historischen Ort.“

3 Süddeutsche Zeitung, 28.02.02

JENSEITS DER STILLE

„Ariane-Christine ist eigentlich von Geburt an gehörlos. Im Alter von

18 Monaten wurde ihr im Ohr ein Cochlea-Implantat eingesetzt,

dank dieser technischen Errungenschaft kann sie heute auf

einem Ohr ganz normal hören und wie jedes andere Kind sprechen.

Die Möglichkeit, Gehörlosen so erfolgreich helfen zu können,

ist ein ,Wunder, das wir uns vor 50 Jahren noch nicht hätten

vorstellen können’ meint Prof. Katrin Schorn, Leiterin der klinischen

und experimentellen Audiologie und Pädaudiologie an der

Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität

in Großhadern. Dort und am Klinikum Rechts der Isar (...) wird

das Gerät seit 15 Jahren erfolgreich verpflanzt.“

3 Münchner Merkur, 21.03.02

PROFESSUR FÜR ISLAMISCHE KUNST AN DER LMU

„Als erste Hochschule in Deutschland hat die Münchner Ludwig-

Maximilians-Universität (LMU) eine Professur für islamische

Kunst eingerichtet. (...) Damit werde die Geschichte der islamischen

Kunst konsequent im Rahmen der Allgemeinen Kunstgeschichte

gelehrt. Gelehrt wird das neue Fach seit Beginn des

Sommersemesters von Avinoam Shalem. Der 1959 in Haifa als

Sohn einer irakischen Familie geborene Kunstwissenschaftler

studierte in Tel Aviv und München, wo er auch promovierte.“

3 Süddeutsche Zeitung, 23.04.2002

Foto: Maria Dorner

■ NEUE BAVARISTISCHE

RINGVORLESUNG

Unter dem Titel „Schauplätze der

Geschichte in Bayern“ ist die Bavaristische

Ringvorlesung der Ludwig-Maximilians-Universität

in eine

neue Runde gestartet.

Im Sommersemester 2002 geht

es um die Schauplätze der

Geschichte in ganz Bayern quer

durch die Jahrhunderte: die Entscheidungsschlacht

gegen die

Ungarn im Jahre 955 auf dem Lechfeld,

Memmingen mit seinem Bauernaufstand

im Zunfthaus 1525

und die Hochzeit Kaiser Friedrich

Barbarossas mit Beatrix von Burgund

in Würzburg, der Marsch auf

die Feldherrnhalle in München

1923 und Neuschwanstein als

Traum und Ende Ludwigs II. Die Vorträge,

die vom Bavaristischen

Arbeitskreis beim Institut für

Bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universitätveranstaltet

werden, finden jeweils am

Mittwoch um 19 Uhr im Hörsaal

101 des Uni-Hauptgebäudes am

Geschwister-Scholl-Platz statt. Das

Programm und weitere Informationen

sind im Internet zu finden

unter: www.lmu.de/presse. ■ gl

1 Neues für Bayern-Fans

INTERVIEW MIT BERND HUBER, DESIGNIERTER LMU-REKTOR

„FAS: Ein Volkswirt an der Spitze: Da fürchten einige um die Orchideenfächer.

Haben Institute wie das für Assyriologie (...) noch

eine Zukunft? Huber: Diese Fächer zählen zur Tradition und zum

Profil unserer Universität. (...) FAS: Wenn wir sie richtig verstanden

haben, wollen Sie allen wohl und niemandem wehe. Können

Sie so Ihr Ziel erreichen? Huber: Die Universität ist nicht primär

eine Sparveranstaltung. In den nächsten Jahren sollten wir uns

an einem Zukunftskonzept orientieren, in dem festgelegt ist, was

an Mitteln und Ressourcen zur Verfügung steht. (...) Es ist aber

noch zu früh zu sagen, wo wir sparen müssen. (...) Die LMU steht

vor einem Generationenwechsel. (...) Allein deswegen wird dann

die Universität anders aussehen als heute.“

3 Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.03.2002

ZEIT-SERIE:

DIE NEUE ELITE (5) - DER ERFOLGSWIRT

„Der Schmidt. Vorname: Klaus. Beruf: Professor an der Ludwig-Maximilians-Universiät

München. Alter 40. Das Alter ist wichtig, denn

Klaus Schmidt ist Ökonom und der Verein für Socialpolitik, hierzulande

der bedeutendste Ökonomen-Verband, vergibt jedes

Jahr einen Preis an einen deutschsprachigen Wirtschaftswissenschaftler

bis 45 Jahre, dessen Arbeit international für Aufsehen

sorgt, man könnte auch sagen: an den besten jungen Ökonomen.

Vergangenes Jahr hat Klaus Schmidt den Preis bekommen.”

3 Die ZEIT, 21.03.02

JETZT KEIN GRUND ALARM ZU SCHLAGEN

„BSE-Experte Hans Kretzschmar von der Universität München rät zur

Gelassenheit. Focus: Versuche an Mäusen lassen befürchten,

dass der BSE-Erreger auch Muskelfleisch befallen kann. Ein

Grund zur Sorge? Kretzschmar: (...) Zwischen Mäusen und Rindfleisch

bestehen große Unterschiede. Man muss (...) wissen, dass

die Übertragung über die Nahrung weit weniger effektiv ist als

jene direkt in das Gehirn.“

3 FOCUS, 25.03.02

Foto: LMU


Foto: Maria Dorner / Gestaltung: Haak & Nakat

Foto: Max-Planck-Gesellschaft

Foto: LMU

4

11

PROFILE

AM COMPUTER

LESEN LERNEN:

LMU-FORSCHER HILFT

LEGASTHENIKERN

28

HIGHTECHCAMPUS LMU

NEUES ZENTRUM

FÜR HIRNFORSCHER

PROFILE

ICONIC TURN -

FELIX BURDA

MEMORIAL LECTURES

AN DER LMU

14

LMU-OFFICE

MITARBEITER-

BEFRAGUNG:

KREUZELN

FÜR DEN JOB

Foto: Haak & Nakat

MUM 02/2002

■ NEWS

2 LMU IN DEN MEDIEN

■ TITEL

4 PRIONEN IM PROFIL

Neues Forschungszentrum für Bayern an der LMU

7 „ES GIBT KEINE HEILUNG, ABER THERAPIE IST MÖGLICH“

Ein Gespräch mit Hans-Jürgen Freter,

Mitarbeiter der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

■ PROFILE

10 IM MITTELPUNKT: DIE ERDE

Erfolgreiche Aktionswoche zum Jahr der Geowissenschaften

11 ICONIC TURN - DAS NEUE BILD DER WELT

Felix Burda Memorial Lectures an der LMU

12 PERSPEKTIVEN NACH PISA

Erziehungswissenschaftler dikutieren an der LMU

13 FORSCHEN UND FEIERN

40 Jahre an der LMU: Das Institut für Chirurgische Forschung

THERAPIE ODER STRAFE?

Internationaler Kongress an der LMU zur Forensischen Psychiatrie

14 AM COMPUTER LESEN LERNEN

LMU-Wissenschaftler entwickelt Lernprogramm für Legastheniker

15 ODEON - VIERFACH PREISGEKRÖNT

CYBER LAW: DAS RECHTSSYSTEM IM IT-ZEITALTER

16 MEHR SERVICE, MEHR PLATZ

Neuer Bücherturm für Theologen und Philosophen

■ KUNSTSCHÄTZE

17 KUNSTTHERAPIE AM KLINIKUM GROßHADERN

■ STUDIUM

18 Business Wettbewerb

MIT FÜNF EURO SIND SIE DABEI

19 TAMBOSI TEXTE

MANUSKRIPTUM liest im Café übers Café

20 STUDIEREN OHNE HINDERNISSE

„JEFF KOONS” IN AGADIR

■ PERSONEN & POSITIONEN

21 NEUBERUFEN, PREISE & EHRUNGEN

24 ZWEI MÜNCHNER IN KARLSRUHE

Die LMU-Juristen Papier und Di Fabio im Interview

■ ESSAY

26 LERNORT LABOR

Von Diplom-Psychologe Michael Ley, Universität Bonn

■ LMU-OFFICE

28 KREUZELN FÜR DEN JOB

Mitarbeiterbefragung an der LMU

29 ZEIT LÄUFT FÜR NACHWUCHSWISSENSCHAFTLER

LMU-BROSCHÜREN IM NEUEN LAYOUT

30 MÜNCHEN ÜBERGIBT AN WÜRZBURG

Wechsel an der Spitze der Bayerischen Uni-Kanzler

■ SERVICE

■ IMPRESSUM (UMSCHLAG)

MUM 02/2002 INHALT

3


MUM 02/2002 TITEL

4

Foto: Maria Dorner / Gestaltung: Haak & Nakat

PRIONEN IM PROFIL

NEUES FORSCHUNGSZENTRUM

FÜR BAYERN AN DER LMU

Alzheimer, Parkinson, Creuztfeldt-Jakob-Krankheit und BSE –

die Begriffe haben an Schrecken nicht verloren. Prionforscher

und Neuropathologen beschäftigen sich weltweit mit diesen

verwandten Formen von Hirnerkrankungen bei Mensch und

Tier. In Bayern werden sich die Bedingungen für diese

Forschung bald deutlich verbessern: mit dem neuen Zentrum

für Prionforschung und Neuropathologie (ZPN).


1 Blick durchs Dach: Mit seiner

High-Tech-Ausstattung ist das

Prionforschungszentrum auch für

ausländische Forscher attraktiv.

Die Bauarbeiten sind angelaufen,

bereits Ende 2003 soll das ZPN

den Betrieb aufnehmen. Wissenschaftsminister

Hans Zehetmair

zeigte sich sehr zufrieden über

den Terminplan, als er Mitte April

den symoblischen ersten Spatenstich

setzte, gemeinsam mit

Staatsekretärin Erika Görlitz aus

dem Verbraucherschutzministerium

und LMU-Rektor Professor

Andreas Heldrich. Das ZPN ist ein

Schritt nach vorn für die biomedizinische

Forschung im gesamten

Freistaat. Die Einrichtung

steht allen bayerischen Universitäten

und wissenschaftlichen

Einrichtungen für eigens evaluierte

Projekte offen.

Minister Zehetmair betont vor allem

die Synergieeffekte, die mit dem

Neubau verbunden sein werden:

„Diese Lösung ermöglicht es, die

Ressourcen und das Fachwissen des

Instituts für Neuropathologie der

LMU unmittelbar in das neue

Prionzentrum einzubringen.“ Denn

das ZNP wird als Einrichtung der

Universität München in den Bayerischen

Forschungsverbund Prionen

(FORPRION) und in die bundesweite

Forschungsplattform für Transmissible

Spongiforme Enzephalopathien,

kurz TSE, eingebunden

sein. Auch für ausländische Spitzenforscher

dürfte das neue 19,5

Millionen Euro-Projekt nach Mei-

nung der Fachleute sehr attraktiv

sein. Denn hier finden sie ein spezielles

Sicherheitslabor und die geeignete

Ausstattung, um ihre Versuchstiere

unterbringen zu können.

SERVICEBETRIEB FÜR

GANZ DEUTSCHLAND

Die Hochschulleitung der LMU sieht

den Neubau, der in unmittelbarer

Nachbarschaft zu den naturwissenschaftlich-medizinischenEinrichtungen

des HighTechCampusLMU im

Münchner Stadtteil Großhadern

liegt, als Servicebetrieb für ganz

Bayern und darüber hinaus: „Der

Bauplatz, auf dem das Zentrum

errichtet wird, ist unser Beitrag zu

einem multifunktionalen Forschungsgebäude.

Hier soll der Ort

sein für innovative, wechselnde Forschungsprojekte

– je nach Bedarf“,

erklärt Rektor Heldrich. Das ZNP ist

also auf Zukunft angelegt. Neben

der Prionforschung und der Neuropathologie

hat das bayerische Wissenschaftsministerium

hier bereits

eine breiter angelegte biomedizinische

Grundlagenforschung im Blick.

Für den künftigen Geschäftsführenden

Direktor des ZNP und

Chef des Instituts für Neuropathologie

der LMU, Professor Hans

Kretzschmar, bringt der Standort

München bereits heute einen

beachtlichen Gewinn an wissenschaftlicher

Kompetenz: „Eines der

wichtigsten Zentren der Prionfor- 3

Foto: Maria Dorner

MUM 02/2002 TITEL

5


MUM 02/2002 TITEL

6

+++ 1982: Der amerikanische

Forscher Stanley Prusiner

prägt als Erster den

Begriff Prion. Das Wort steht

für die Abkürzung „Proteinaceous

infectious particle“,

zu Deutsch: „eiweißartige

ansteckende Teilchen“.

+++ In seiner Hypothese

geht Prusiner davon aus, dass

die Ursache für schwammartige

Erkrankungen des Gehirns

– beim Rind BSE, beim Mensch

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

genannt – ein infektiöses

Eiweiß ist. +++ Er geht

damit von einem völlig neuartigen

biologischen Prinzip aus.

Der letzte Beweis für diese

Hypothese aber fehlt.

+++ 1986: Erste Fälle

von BSE, einer bislang unbekannten

Rinderkrankheit, werden

in britischen Herden entdeckt.

+++ Zwei Jahre später

führen epidemiologische

Studien zu der Hypothese,

dass es einen möglichen

Zusammenhang zwischen der

Verfütterung von Tiermehl

und dem Ausbruch der BSE

gibt. Tiermehl als Futter für

Wiederkäuer wird daraufhin in

Großbritannien verboten.

+++ 1996: Zehn Fälle

einer bislang unbekannten

Variante der Creuzfeldt-

Jakob-Krankheit werden in

Großbritannien veröffentlicht.

Es gibt keine wahrscheinlichere

Erklärung als der Übertritt

des Erregers vom Rind zum

Menschen. +++ Fünf Jahre

später müssen per Gesetz

innerhalb der EU alle

Schlachtrinder, die älter als 30

Monate sind, auf BSE getestet

werden.

+++ 2002: Ein infektiöser

Fund in den Hinterbeinen

von Mäusen überrascht BSE-

Forscher weltweit. Amerikanische

Wissenschaftler haben

krankhafte Prionen, die in das

Gehirn der Mäuse injiziert

wurden, in den Muskeln der

Nager entdeckt. +++ Bis zu

diesem Zeitpunkt ging man

davon aus, dass sich Prionen

nur im Nerven- und Hirngewebe

von Rindern sammeln. In

Tests wird bis dato nur Risikomaterial

– Gewebe aus Gehirn

und Rückenmark – untersucht.

+++

3

schung und ein wesentlicher Teil der

Forschungsorganisation wird hier

lokalisiert sein“, versichert Kretzschmar,

der auch Leiter des Referenzzentrums

für Prionerkrankungen

und Neurodegenerative Krankheiten

und der CJK-Surveillance

Deutschland ist.

Diese Forschungsarbeit hat Tradition.

Nicht erst seit im November

2000 das erste Rind in Schleswig-

Holstein BSE-positiv getestet wurde,

suchen deutsche Wissenschaftler

nach den Ursachen, nach Verbreitungswegen

und Heilungschancen

von TSE. Die durch infektiöse

Eiweißablagerungen ausgelöste

schwammartige Veränderung des

Hirns äußert sich bei Rindern in

Form von BSE, beim Menschen als

Creuzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK).

Schon in den 20er Jahren beschrieben

die Mediziner Hans Gerhard

Creutzfeldt und Alfons Jakob erstmals

und unabhängig voneinander

dieses Leiden.

Doch mit der deutschen „BSE-

Krise“ erfuhr diese Forschungsrichtung

einen ganz neuen Aufschwung:

Anfang des Jahres

2001 gründete der Freistaat

Bayern FORPRION.

Ziel des Forschungsverbunds

ist sowohl die einschlägigeGrundlagenforschung,

als auch die Suche

nach Diagnosemöglichkeiten und

Therapien für TSE. Dies lässt sich der

Freistaat zehn Millionen Euro kosten

– zunächst auf zwei Jahre befristet.

Insgesamt umfasst der Verbund

derzeit 33 Projekte, angesiedelt an

sechs bayerischen Universitäten

(Ludwig-Maximilians-Universität

München, Technische Universität

München sowie den Universitäten

Nürnberg-Erlangen, Würzburg,

Bayreuth und Regensburg) und am

Max-Planck-Institut in Martinsried.

Vom Bund fließen zur Zeit jährlich

13,8 Millionen Euro in etwa 60 bis

70 Arbeitsgruppen, der Großteil der

Gelder stammt aus dem Bundesforschungsministerium.

Auf Landesebene

hat die LMU im wissenschaftlichen

Wettbewerb die Nase

vorn: Hier fördert die Staatsregierung

immerhin 17 der 33 einschlägigen

Forschungsvorhaben und

zwar aus den Bereichen Biochemie,

Molekularbiologie, Physik, Chemie,

VON MÄUSEN UND

MENSCHEN: EIN GANZES

STOCKWERK IST DEN

NAGERN VORBEHALTEN.

Medizin und Veterinärmedizin. Die

Projektleiter stehen in engem wissenschaftlichem

Austausch mit den

in ganz Deutschland arbeitenden

Gruppen.

Während also viele Forschungsvorhaben

definiert sind und auch

finanzielle Mittel zur Verfügung stehen,

bedarf es noch der geeigneten

Räumlichkeiten. „Momentan gibt es

in Bayern keine befriedigende Infrastruktur,

um im ausreichenden

Maße Infektionsversuche beispielsweise

an Mäusen durchzuführen“,

erklärt Dr. Rosi Lederer, Geschäftsführerin

des Bayerischen Forschungsverbunds

Prionen, die Notwendigkeit

des neuen Zentrums. Ein

Problem, das bald weitgehend

gelöst sein wird. Der vierstöckige

Neubau an der Feodor-Lynen-

Straße soll auf einer Nutzfläche von

rund 2600 Quadratmetern nicht nur

■ DER BAYERISCHE

FORSCHUNGSVERBUND FORPRION

Anfang 2001 wurde der Bayerischen Forschungsverbund Prionen

(FORPRION) gegründet. Der Verbund soll Grundlagenforschung

betreiben, aber auch nach Diagnosemöglichkeiten und Therapien

für TSE suchen. Der Freistaat fördert FORPRION zunächst für zwei

Jahre mit 10 Millionen Euro. Insgesamt umfasst der Verbund derzeit

33 Projekte, die an sechs bayerischen Universitäten und am Max-

Planck-Institut in Martinsried angesiedelt sind.

ZAHL DER FORSCHUNGSPROJEKTE

(Stand: 05.04.2002)

Universität Bayreuth 1

Universität Würzburg 4

Universität Nürnberg-Erlangen 4

Universität Regensburg 1

Ludwig-Maximilians-Universität München 17

Technische Universität München 5

Max-Planck-Institut in Martinsried 1

Grafik: Haak & Nakat


Foto: Deutsche Alzheimer Gesellschaft

das Institut für Neuropathologie,

sondern auch das neue Prionforschungszentrum

aufnehmen.

DEN INFEKTIONEN

AUF DER SPUR

Das oberste Stockwerk des ZPN ist

den Mäusen vorbehalten - allerdings

ohne Aussicht auf die Einrichtungen

der LMU. Denn das

Stockwerk ist fensterlos, weil die

transgenen Mäuse kein Tageslicht

vertragen. Mit ihrer Hilfe hoffen die

Wissenschaftler, die Rätsel vieler

Hirnerkrankungen zu lösen. Die

kleinen Nager sind für die Prionforschung

unentbehrlich. Denn bei

ihnen ist die Inkubationszeit für BSE

mit 200 Tagen deutlich kürzer als bei

Rindern, die erst nach Jahren

erkranken. An den Mäusen lässt

sich daher der Krankheitsverlaufs

wesentlich besser beobachten.

Das neue Zentrum für Prionforschung

und Neuropathologie an

der LMU wird auch für Forschungsaktivitäten

zu neurodegenerativen

Erkrankungen wie Alzheimer

und Parkinson offen stehen.

Derzeit kann noch keines der

beiden Leiden geheilt werden.

Doch die weltweit intensive Forschung

schreitet voran – und die

Erwartungen bei Betroffenen und

Fachleuten sind hoch. MUM

sprach mit Hans-Jürgen Freter,

Mitarbeiter der Deutschen Alzheimer

Gesellschaft, die Erkrankten,

ihren Angehörigen und Fachpersonal

Rat und Hilfe bietet

(www.deutsche-alzheimer.de).

MUM: In welchem Bereich ist in

Zukunft am ehesten ein Durchbruch in

der Alzheimer-Forschung zu erwarten

– in der Diagnose oder der Therapie?

Da Tiere als ursprüngliche

Träger der infektiösen Prionen

gelten, gebührt ihnen in der Forschung

ein besonderes Augenmerk.

Doch der Zusammenhang

zur Hirnforschung beim Menschen

ist eng. Unter dem Motto „Brain

Science“ diskutierten Wissenschaftler

kürzlich auf der Jahrestagung

des TierschutzInformationsZentrums

für die Biomedizinische Forschung

(TIZ-BIFO) an der LMU über

den aktuellen Stand der Hirnforschung

in der Human- und Veterinärmedizin.

Mit Blick auf den Tierschutz

drehte sich die Diskussion 3 Spuren-

auch um den Sinn sowie die Bedinsuche: Auch

gungen der Forschung an und mit Alzheimer

Versuchstieren. Hier berichteten der und Parkinson

Neuropathologe Kretzschmar und werden im ZPN

der Molekularbiologe und Alzhei- erforscht.

mer-Experte Professor Christian

Haass über ihre Studien zu neuro- 3 TITEL ES GIBT KEINE HEILUNG,

ABER THERAPIE IST MÖGLICH

EIN GESPRÄCH MIT HANS-JÜRGEN FRETER,

MITARBEITER DER DEUTSCHEN ALZHEIMER GESELLSCHAFT

Freter: Wir erhoffen uns auf allen

Gebieten neue Ergebnisse. Es gibt

beispielsweise immer noch keine

einfache und unkomplizierte Möglichkeit,

eine Alzheimer-Erkrankung

früh zu diagnostizieren. Das würde

aber auch nur dann Sinn machen,

wenn eine Therapie zur Verfügung

steht. Denn sonst gibt es vielleicht

den 40-Jährigen, der erfährt, dass er

irgendwann an Alzheimer erkranken

wird – obwohl weder die Diagnose

noch das Alter, in dem die Krankheit

tatsächlich auftritt, sicher sind.

MUM: Vor kurzem wurde gemeldet,

dass in den USA ein Bluttest entwickelt

wurde, der bei lebenden

Mäusen eine Alzheimer-Erkrankung

nachweisen kann, was bei Menschen

bislang nicht möglich ist. Was

ist davon zu halten?

Freter: Ähnliche Erfolgsmeldungen

werden öfter durch die Presse ver-

breitet. Oft hört man dann aber nie

wieder davon. Es stellt sich dann

doch die Frage, ob das nur Propaganda

für ein Forschungsinstitut

oder ein für erkrankte Menschen

wirklich interessantes Ergebnis ist.

MUM: Wird die Diagnose Alzheimer

bislang nur über Symptome wie Vergesslichkeit

und Konzentrationsstörungen

gestellt?

Freter: Die einzelnen Symptome

werden zunächst genau festgestellt,

dann andere Erkrankungen

ausgeschlossen. Mittlerweile

werden auch bildgebende Verfahren

eingesetzt, die beispielsweise

Plaques im Gehirn sichtbar

machen können. Allerdings hat

nicht jeder Alzheimer-Patient Plaques,

und nicht jeder mit Plaques

hat Alzheimer.

MUM: Welche Behandlungsmöglichkeiten

haben Patienten und was kön-

nen Angehörige tun, wenn die Diagnose

„Alzheimer“ lautet?

Freter: Oft wird gesagt, es gäbe keine

Therapiemöglichkeiten. Richtig

ist, dass eine Heilung nicht möglich

ist. Dennoch kann sehr viel für Alzheimer-Kranke

getan werden. Es

gibt Medikamente, die den Verlauf

der Krankheit verzögern können.

Außerdem ist es wichtig, dem Patienten

Orientierung, Stabilität und

geistige Anregung zu geben. Wichtig

ist es auch, für körperliches

Wohlbefinden und emotionale

Zuwendung zu sorgen. ■

Interview:

Susanne Wedlich

Foto: Maria Dorner

Foto: LMU

7

MUM 02/2002


MUM 02/2002 TITEL

8

Grafiken: Dr Ralph Zahn, ETH Zürich

1 Oben: Ein fehlgefaltetes

Prion-Protein lagert sich ab und

führt zu Prionerkrankungen.

Unten: Ungefährlich ist das

normale zelluläre Prion-Protein.

3

logischen Erkrankungen bei

Mensch und Tier. „Die sichere Diagnose

der Prionkrankheiten ist derzeit

nur durch die biochemische

oder histopathologische Untersuchung

des Gehirns möglich“, betont

Kretzschmar. TSE-Krankheiten können

also nur durch die Untersuchung

von Nervenzellen nach dem

Tod des infizierten Lebewesens

nachgewiesen werden. Testverfahren,

die beim lebenden Menschen

oder Tier eingesetzt werden können,

existieren derzeit noch nicht.

Auch bei der Erforschung der Alzheimer

und Parkinson Krankheit

befriedigen einfache Zellkulturmodelle

nicht die Bedürfnisse der Wissenschaftler.

„Diese Modelle sind für ein

funktionelles Verständnis im Organismus

nicht ausreichend und darüber

hinaus untauglich, um neue Medikamente

auf ihre protektive Wirkung zu

BSE

Bovine Spongiforme Enzephalopathie,

„schwammförmige“ Hirnerkrankung

beim Rind, landläufig

„Rinderwahnsinn“ genannt, wurde

1985 erstmals in Großbritannien

festgestellt

BSE-SCHNELLTEST

Innerhalb der Europäischen Union

stehen drei Schnelltests zum

Nachweis von BSE zur Verfügung.

In Deutschland sind zwei davon

bislang zugelassen. Diese Tests

sind allerdings vor dem Internationalen

Tierseuchenamt (OIE)

nicht ausreichend. Nach dem OIE

sind folgende Diagnosemethoden

zum Nachweis von BSE einzusetzen:

Western Blot (nach vorheriger

Aufreinigung entsprechend

OIE Vorgaben), immunhistochemische

Untersuchung histologischer

Hirnpräparate, histopathologische

Untersuchung oder

die elektronenmikroskopische

Darstellung Scrapie-assoziierter

Fibrillen.

CJD/CJK

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit,

„schwammförmige“ Hirnerkrankung

beim Menschen, wurde

1920/21 erstmals von den beiden

deutschen Medizinern Creutzfeldt

und Jakob beschrieben.

testen“, erklärt Professor Haass. Forschungen

mit einer transgenen Maus

jedoch ermöglichten es im Falle der

Parkinsonerkrankung, beispielsweise

pathologische Vorgänge nahezu exakt

zu rekapitulieren. Auf diese Weise

könnten nicht nur die Wirkmechanismen

der Erkrankung im Gehirn untersucht,

sondern gleichzeitig auch

potenzielle Medikamente getestet

werden, betonte der Hirnforscher.

PRIONFORSCHUNG – EIN GLOSSAR

DIAGNOSE

Das verbindliche Feststellen einer

bestimmten Erkrankung. Bei den

TSE ist eine definitive Diagnose nur

durch die Gewebeuntersuchung

des Gehirns möglich.

VCJD

Neue Variante der Creutzfeldt-

Jakob-Krankheit, die nach heutigem

Wissensstand durch den BSE-

Erreger verursacht wird.

PRION

Proteinaceous infectious particle.

Prionen gelten weithin als Erreger

der TSE. Im Sinne der letztlich noch

nicht bewiesenen Prion-Hypothese

bestehen die Erreger in erster

Linie aus der (krankmachenden)

Scrapie-Form des Prion-Proteins

(PrPSc).

PRION-HYPOTHESE

Nach dieser Hypothese ist der Erreger

ein „proteinartiges infektiöses

Partikel“, das Prion. Prionen sind

Erreger, die vorwiegend aus Protein

bestehen. Obwohl die Prion-Hypothese

noch nicht bewiesen ist, sieht

die Mehrheit der Forscher/innen die

Prion-Hypothese als Basis ihrer Forschung.

SCRAPIE

TSE der Schafe, selten Ziegen,

deutsch Traberkrankheit. Sie ist seit

ca. 200 Jahren bekannt und kommt

Foto: Maria Dorner

Da neurodegenerative Erkrankungen

wie Alzheimer oder Parkinson

ihre Ursache ebenso wie BSE in

einer Veränderung von Eiweißen im

Gehirn haben, werden auch Forschungen

zu diesen Leiden am

neuen Prionzentrum angesiedelt

sein. „Die Pathogenese dieser

Erkrankungen basiert auf ähnlichen

Mechanismen“, erklärt FOR-

PRION-Geschäftsführerin Dr. Lederer.

„Warum lagern sich Eiweiße im

Gehirn ab? Warum sterben Nervenzellen

aufgrund dieser Ablagerungen?

Das sind Probleme, die beide

Forschungsrichtungen betreffen.“

Viel Arbeit auch für eine interdisziplinäreNachwuchsforschergruppe,

die langfristig am neuen

Prionforschungszentrum etabliert

werden soll. ■ Ortrun Huber

7 ZPN-Labors in Stahl und Glas.

häufig in Großbritannien vor. Eine

Übertragung auf den Menschen

konnte bislang nicht nachgewiesen

werden.

TSE

Transmissible Spongiforme Enzephalopathie,

übertragbare „schwammförmige“

Erkrankungen des Gehirns,

ausgelöst durch einen unkonventionellen

Erreger. Eine Gruppe infektiöser

neurodegenerativer Krankheiten

des zentralen Nervensystems, mit

sehr langen Inkubationszeiten, zu

denen im Tierreich u.a. Scrapie und

die Bovine Spongiforme Enzephalopathie

(BSE), der so genannte Rinderwahnsinn

zählen. Analoge

menschliche Erkrankungen sind u.a.

die verschiedenen Formen der

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK).

Transmissible Spongiforme Enzephalopathien

verlaufen stets tödlich.

Schutzimpfungen oder wirksame

Therapien sind bisher nicht verfügbar.

Die Bezeichnung Spongiforme

Enzephalopathien beruht auf dem

markantesten histologischen Merkmal

dieser Krankheiten, einer

„schwammförmigen“ (=spongiformen)

Degeneration von Neuronen

im Gehirn. Eine sichere Diagnose ist

derzeit nur durch Untersuchung von

Hirngewebe möglich. Von den Vertretern

der Prion-Hypothese werden

diese Krankheiten als Prionkrankheiten

bezeichnet. (Quelle: TSE-Forum)


MUM 02/2002 PROFILE

10

IM MITTELPUNKT: DIE ERDE

ERFOLGREICHE AKTIONSWOCHE

ZUM JAHR DER GEOWISSENSCHAFTEN

Am Anfang schuf Gott Himmel

und Erde. Den Himmel reservierte

er für sich. Dem Menschen blieb

der blaue Planet - den er bevölkert,

beackert und erforscht. Bei

den Geologen, Mineralogen,

Paläontologen, Geographen, Geophysikern

und Meteorologen

dreht sich alles um den Globus.

2002 ist ihr Jahr: das Jahr der

Geowissenschaften, ausgerufen

vom Bundesministerium für Bildung

und Forschung. Unter dem

Motto „planet erde“ informieren

Groß- und Regionalveranstaltungen

in ganz Deutschland über Erde,

Feuer, Wasser, Luft (Infos unter

www.planeterde.de). Auch die

LMU ist dabei: Zum „Tag der Erde“

am 22. April, an dem bundesweit

Geowissenschaftler in den

Schulen ihr Fach vorstellten, startete

sie ihre Geo-Aktionswoche.

Mit Vorträgen und Besichtigungen

weihten LMU-Forscher in die

Geheimnisse von Mutter Erde ein.

Für Lehrer und ihre Schüler gab es

ein spezielles Vormittagsprogramm

mit Dia-, Film- und Laborvorführungen

sowie Workshops:

Urzeitvögel wurden bewundert,

Kristalle untersucht, der Weg des

Wassers erklärt, über Meteoritengefahr

und Klimawandel berichtet.

Die Faszination der Geowissenschaften

darzustellen - darum ließ

sich keines der sechs geowissenschaftlichen

Institute der LMU lange

bitten. Künftig werden sie in

einem Department zusammengefasst

sein. Auch die bei den Physikern

angesiedelten Meteorologen

machten mit. „Ich habe mich riesig

gefreut über die große Resonanz“,

berichtet Katja Henßel vom Institut

für Paläontologie, die die Geo-Aktionswoche

koordinierte. „Alle Bereiche

haben Ideen beigesteuert -

egal, ob sie sich mit winzigen Strukturen

auf Kristalloberflächen oder

globalen Prozessen wie dem Klimawandel

beschäftigen. Und auch die

Museen waren voll integriert.“

In Nachmittagsführungen präsentierten

das Paläontologische und

Geologische Museum, sowie das

Museum Reich der Kristalle ihre

Sammlungen. Bei Museums-Ralleys

konnten Nachwuchsforscher den

Geheimnissen der Erde nachspüren.

Zum Abschluss gab es ein Gruppenbild

mit Saurier und allabendlich

informierte ein Vortrag über irdische

Geschehnisse, etwa zum Thema

„Rohstoffe - Werkstoffe - Reststoffe“

oder die „Versicherung von Georisiken“.

Wer außerhalb Münchens

die „Faszination Erde“ erleben wollte,

konnte an Exkursionen, z.B. zur

Erdbebenwarte Fürstenfeldbruck

oder den Meteoriten-Impaktkratern

im Nördlinger Ries teilnehmen.

NEUER STUDIENGANG

„GEOWISSENSCHAFTEN“

Abgerundet wurde das Angebot

durch eine Reihe von Orientierungsveranstaltungen

für Oberstufenschüler,

denn auch die Geowissenschaften

haben Nachwuchssorgen:

„Wir werden offensiv an die Schulen

herantreten“, kündigt der Dekan der

Fakultät, Professor Stefan Wohnlich,

an. „Durch das Jahr der Geowissenschaften

erhoffen wir uns natürlich

einen gewissen Werbeeffekt und

den entsprechenden Zulauf bei

Studienanfängern.“ Dem soll auch

der neue Bachelor/Master-Studiengang

„Geowissenschaften“ dienen,

der derzeit mit der TU München

gemeinsam vorbereitet wird und

interdisziplinär Inhalte von Geographie,

Geologie, Mineralogie, Geophysik,

Paläontologie und Meteorologie

verknüpfen soll.

Nachwuchsforschern bieten die

Geowissenschaftler der LMU nach

der Aktionswoche die Ringvorlesung

„Erde - Umwelt des Menschen“

an, die von Wissenschaftlern

der LMU und Gastrednern gehalten

wird (dienstags, 18 Uhr c.t., Uni-

Hauptgebäude, Hörsaal 101).

Und selbst nach diesem Semester

ist in Sachen „planet erde“ noch

lange nicht Schluss. Vom 16. bis 20.

Oktober versprechen die Münchner

Wissenschaftstage 2002 unter dem

Motto „Lebendige Erde“ Informationen

und Unterhaltung zum Thema

Erde. An rund 50 „Marktständen

der Wissenschaft“ werden im

Museum Reich der Kristalle Wissenschaftler

über ihre aktuelle Forschung

informieren. Konzerte, Vorträge,

Diskussionsrunden und ein

Kinderprogramm sind geplant, bevor

die Wissenschaftstage am 19.

Oktober in die Münchner „Lange

Nacht der Museen“ münden (Weitere

Infos unter: www.muenchnerwissenschaftstage.de).

■ oh

1 Wie entstehen Gletscher? Antworten

bot die Geo-Aktionswoche.

Foto: LMU

Foto: LMU


ICONIC TURN

DAS NEUE BILD DER WELT

FELIX BURDA MEMORIAL LECTURES

AN DER LMU

Was ist ein Bild? Ein Gemälde.

Eine Fotografie. Eindrücke im

Fernsehen. Die Antwort scheint

einfach zu sein. Liest man im

Brockhaus nach, wird bestätigt:

BILD: 1) DARSTELLUNG VON

DINGEN AUF EINER FLÄCHE

(GEMÄLDE, DRUCK U.A.) und 2)

OPTIK: ABBILDUNG. Doch was ist

mit den inneren Bildern, die das

Gehirn produziert? Und gehört

das Bild, das man von einem

Menschen hat, ebenfalls dazu?

Die Ausprägungen sind vielfältig,

genauso wie die Verbreitung des

Bildes, das im letzten Jahrhundert

durch technische Verfahren

zu einem Massenmedium geworden

ist. Selbst für das menschliche

Auge unsichtbare, naturwissenschaftliche

Vorgänge werden

durch computergenerierte Bilder

fassbar. Eine Entwicklung, sagen

Wissenschaftler, die zu einem

Paradigmenwechsel führe: der

Iconic Turn. Seit diesem Semester

widmet sich eine Vortragsreihe

an der LMU unter dem Titel

„Iconic Turn – Das neue Bild der

Welt“ dem Thema. Veranstalter

dieser „Felix Burda Memorial

Lectures“ ist die Burda Akademie

zum Dritten Jahrtausend zusammen

mit dem Humanwissenschaftlichen

Zentrum der LMU.

Unsere Gesellschaft sieht sich einer

Flut von Abbildungen gegenüber.

Der Begriff Iconic Turn, erstmals

von Professor Gottfried Böhm

genannt, beschreibt die zunehmende

Bildhaftigkeit der Gesellschaft

und, so Jens Burger, „die umfassende

Präsenz und Vielfalt von Bildern,

die zu einem grundsätzlichen kulturellen

Wandel geführt haben”. Für

Burger, externer Berater der Felix

Burda Memorial Lectures, bestimmen

nicht mehr sprachlich-argumentative

Strukturen sondern Bilder

unsere Vorstellung von der

Welt und die Welt unserer Vorstellung.

Diese sind dabei nicht auf

wenige Teilbereiche begrenzt. So

wie in der Wissenschaft bereits ein

vielfältiger fächerübergreifender

Diskurs über die Begrifflichkeit des

Bildes entstanden ist, beschäftigen

sich auch die Felix Burda Memorial

Lectures aus interdisziplinärer Perspektive

mit der Bildthematik.

Neben Kunstwissenschaftlern

und Philosophen werden in der

ersten Vorlesungsreihe in diesem

Semester Architekten und Hirnforscher

ihre Positionen erörtern.

Hierbei geht es auch um

grundsätzliche Fragen, wie die

nach der gesellschaftlichen Wirkung

und der Macht der Bilder,

dem Verhältnis von Bildproduzent

und -konsument, der Wechselwirkung

zwischen inneren und äußeren,

privaten und öffentlichen Bildern.

Die Vorlesungen stehen allen

Interessierten offen, während am

Tag danach in speziellen, eintägigen

Workshops 19 Doktoranden

und Postdocs verschiedener Fachbereiche

den Diskurs mit den Referenten

weiter vertiefen.

VOM BILD ZUR

WAHRNEHMUNG

Die Seminarreihe, die am 25. April

der Kunstgeschichtler Hans Belting

von der Staatlichen Hochschule für

Gestaltung in Karlsruhe mit seinem

Vortrag „Echte Bilder und falsche

Körper – Irrtümer über die Zukunft

des Menschen“ eröffnet hat, wird

am 7. Mai von Professor Bazon

Brock mit dem Thema „Imaging als

Einheit von Künsten und Wissenschaften“

fortgesetzt. Der Philosoph

Peter Sloterdijk von der Staatlichen

Hochschule für Gestaltung

in Karlsruhe folgt neun Tage später

mit dem Vortrag „Bilder der Gewalt

– Gewalt der Bilder“ Am 6. Juni

berichtet Wolf Singer vom Max-

Planck-Institut für Hirnforschung

in Frankfurt über den Weg „Vom

Bild zur Wahrnehmung“. Eine

Woche später spricht der Londoner

Architekt Sir Norman Foster. Am

20. Juni referiert der Philosoph

Professor Reinhard Brandt von der

Universität Marburg über den Weg

„Von der Wahrnehmung zum Bild“.

Am 4. Juli bewertet Horst Bredekamp,

der als Kunstgeschichtler an

der Humboldt-Universität Berlin

lehrt, die „Kunstgeschichte als

historische Bildwissenschaft”. Für

dieses Semester beendet Professor

Friedrich Kittler vom Institut für

Kulturwissenschaften der Humboldt-Universität

Berlin am 11. Juli

die Vorlesungsreihe mit einem Vortrag

zum Thema „Das berechnete

Bild“. ■ kg

Fotos: Max-Planck-Gesellschaft

MUM 02/2002 PROFILE

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MUM 02/2002 PROFILE

12

PERSPEKTIVEN NACH PISA

ERZIEHUNGSWISSENSCHAFTLER

DISKUTIEREN AN DER LMU

„PISA“ – dieses Wort war wohl

das am häufigsten verwendete

bei der wichtigsten Pädagogentagung

im deutschsprachigen

Raum: dem 18. Kongress der

Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften

(DGfE), der

kürzlich an der Ludwig-Maximilians-Universität

München stattfand.

Die Bildungsstudie PISA

hat bestätigt, was Lehrer und

Professoren seit Jahren kommen

sehen: Deutsche Schüler schneiden

im internationalen Vergleich

schlecht ab. Das Kongress-Programm

ging jedoch über das

PISA-Thema weit hinaus. In 22

Symposien, 33 Arbeitsgruppen

und acht Roundtables diskutierten

rund 1400 Teilnehmer das

Thema „Innovation durch Bildung“

in sämtlichen Facetten.

Vorträge und Poster-Sessions mit

über fünfzig Beiträgen vermittelten

einen Eindruck vom aktuellen Forschungsstand

der Disziplin. Im Mittelpunkt

der Tagung stehe das

Spannungsverhältnis von Wissen

und Bildung, hatte der Leiter des

Organisationsteams und Erziehungswissenschaftler

an der LMU,

Professor Rudolf Tippelt, zum Auftakt

erklärt. Dass Ausbildung und

Unterricht in der öffentlichen Dis-

kussion mittlerweile einen hohen

Stellenwert einnehmen, zeigte der

Besuch von Staatsminister Professor

Julian Nida-Rümelin, der eigens

zur Eröffnung des Kongresses nach

München gekommen war. In seinem

Vortrag zur kulturellen

Dimension der Bildung warnte der

Beauftragte der Bundesregierung

für Angelegenheiten der Kultur und

der Medien davor, Bildung und Kultur

ausschließlich nach wirtschaftlichen

Kriterien zu bewerten. Auf

die Chancen einer bunten Republik

Deutschland wies die Vorsitzende

der DGfE, Professor Ingrid Gogolin,

hin. Sie forderte bei der Eröffnung

die Vielfalt der heranwachsenden

Generation als Chance zu begreifen.

In Deutschland herrsche eine

starke Kopplung von Herkunft und

Bildung. Dabei steige die Kompetenz

aller, wenn einzelne gesellschaftliche

Gruppen nicht von Bildung

ausgeschlossen würden.

Professor Jürgen Baumert,

Direktor des Berliner Max-Planck-

Institutes für Bildungsforschung

und einer der Väter der PISA-Studie,

machte deutlich, dass nach der

Analyse nun Konsequenzen folgen

müssten: „PISA weist nachdrücklich

auf die Notwendigkeit der

Modernisierung hin“, so der

Pädagoge. Einerseits müsse man

daher mit Risikogruppen so früh

wie möglich aktiv arbeiten, andererseits

müsse man die Mindeststandards

in den Grundschulen

sichern und die Lehrerausbildung

modernisieren.

Soviel steht fest: Ohne eine

geeignete Lehrerausbildung kann

es keine ausreichende Schülerbildung

geben. Mit dieser schlichten

Formel beschäftigten sich eine

ganze Reihe von Vorträgen der

Münchner Tagung. „Die Lehrerbildung

ist an die Grenzen ihres

Wachstums gestoßen,“ erklärte beispielsweise

der Bochumer Schulpädagoge

Ewald Terhart. Bislang

selbstverständliche Elemente des

Ausbaus moderner Lehrerbildung

wie mehr Wissenschaftlichkeit

würden nicht mehr als Garanten

einer positiven Weiterentwicklung

gesehen – im Gegenteil. Dennoch,

so Terhart, könne auch in den

bestehenden Strukturen die Qualität

der Lehrerbildung verbessert

werde, wenn Reformvorschläge,

wie etwa die klare Orientierung am

späteren Berufsfeld, umgesetzt

würden.

Natürlich gab es in München

auch den Blick über den nationalen

Tellerrand hinweg. Dafür sorgten

schon die rund 60 Referenten, die

aus dem Ausland an die Isar gereist

1 Sprach bei der Eröffnung:

Staatsminister Julian Nida-Rümelin

waren. Eine von ihnen, Professor

Gita Steiner-Khamsi von der

Columbia University, New York,

veranschaulichte am Beispiel der

Mongolei, wie Schulreformmodelle

transnational übertragen werden

können. Aber auch hier führte der

Weg an „PISA“ nicht vorbei. Als

1983 amerikanische Schüler im

internationalen Vergleich miserabel

abschnitten, so Steiner-Khamsi,

habe die US-Öffentlichkeit ähnlich

erschüttert reagiert wie die Deutschen

nach den Ergebnissen des

PISA-Tests. In den Vereinigten

Staaten folgte eine Bankrotterklärung

der Schulen – und die Privatisierung

des Schulsystems. Eine

Lösung für deutsche Verhältnisse?

Das Thema wird die Experten noch

lange beschäftigen. ■ mb

Foto: LMU

Foto: Bundesbildstelle


Foto: LMU

Wenn Kinder Opfer von Sexualdelikten

sind, werden in der

Öffentlichkeit immer wieder das

Strafmaß und die Therapiemöglichkeiten

für psychisch kranke

Rechtsbrecher diskutiert. Ein

Problem, mit dem sich die Forensische

Psychiatrie, die Disziplin

im Schnittpunkt zwischen

Rechtswissenschaft und Psychiatrie,

beschäftigt. Mit „Risikoeinschätzung

und Risikominimierung

bei psychisch kranken

Rechtsbrechern“ befasste sich

Ende März auch der 2. Jahreskongress

der „International

Association of Mental Health

Service“. Die Tagung wurde von

der Abteilung für Forensische

Psychiatrie des Klinikums der

Universität München organisiert.

Bei der Frage nach der Art der Therapie

war sich Rüdiger Müller-

Isberner von der Forensisch-Psychiatrischen

Klinik in Heina sicher:

■ FORSCHEN UND FEIERN

40 JAHRE AN DER LMU:

DAS INSTITUT FÜR CHIRURGISCHE FORSCHUNG

Einen runden Geburtstag hat

Ende März das Institut für Chirurgische

Forschung der LMU in

Großhadern gefeiert. Mit einem

Internationalen Jubiläumssymposium

unter dem Titel „Surgical

Research – a Discipline at

the Interface between the Basic

Sciences und Clinic“ begingen

die Mediziner das 40-jährige

Bestehen ihrer Forschungseinrichtung.

7 Neue Technik im OP: Seit 1962

wird an der LMU für den Fortschritt

in der Chirurgie geforscht.

■ THERAPIE ODER STRAFE?

INTERNATIONALER KONGRESS AN DER

LMU ZUR FORENSISCHEN PSYCHIATRIE

„Wenn man psychisch Kranke nur

ein halbes Jahr früher aus der stationären

Behandlung entlässt,

dann kann man sie mit dem damit

eingesparten Geld dafür zwölf Jahre

lang ambulant nachbetreuen,“

erklärte er in seinem Vortrag. Müller-Isberner

und seine Kollegen in

Hessen haben mit der ambulanten

Therapie sowohl Kosten gesenkt als

auch gute Erfahrungen gemacht.

So seien die Rückfallraten bei diesen

Patienten viel geringer als bei

Kranken, die in Gruppentherapien

nur stationär und nicht nachbehandelt

werden. Leider sei eine

ambulante Therapie in Deutschland

aber nicht vorgeschrieben, bedauerten

die Wissenschaftler.

Insgesamt informierten und

diskutierten rund 250 Forscher aus

dem In- und Ausland drei Tage lang

über die neusten Forschungen auf

dem Gebiet der Forensischen Psychiatrie.

Eine Besonderheit des

Forums sei es, „dass wir hier viele

Die 35 Mitarbeiter des Instituts,

darunter sechs Professoren, konzentrieren

sich auf Forschung

und Entwicklung im Bereich der

operativen Medizin. Dazu gehört

die Entwicklung neuer diagnostischer

und therapeutischer Verfahren

bei chirurgischen Erkrankungen.

Darüber hinaus fördert

das Institut den medizinischen

Nachwuchs durch die Betreuung

von rund 50 bis 60 Doktoranden

pro Jahr sowie Stipendiaten aus

dem Ausland.

Gegründet wurde das Institut

für Chirurgische Forschung 1962

von Prof. Walter Brendel als Ab-

verschiedene Fachrichtungen integriert

haben“, betonte Professor

Norbert Nedopil, Tagungspräsident

des Jahreskongresses und Leiter

der Forensischen Psychiatrie des

LMU-Klinikums. Man wolle so für

mehr Verständnis zwischen den

Disziplinen werben.

Die Forensische Psychiatrie ist

ein Spezialgebiet, das sich mit allen

rechtlichen Fragen in der Psychiatrie

beschäftigt. In der forensischpsychiatrischen

Praxis stehen dabei

vor allem die schwierige Behandlung

von psychisch kranken

Rechtsbrechern und die Gutachtertätigkeit

in Rechtsfragen im Vordergrund.

Während die forensische

Psychiatrie in der Öffentlichkeit

bislang weniger bekannt ist, wurde

in den letzten Jahren die Rückfallgefahr

bei Sexualstraftätern wieder

vermehrt diskutiert. Tatsache ist

jedoch, dass die Zahl der Sexualdelikte

in Deutschland grundsätzlich

abnimmt. Weil aber viele Fälle in

den Medien ausführlich dargestellt

werden, entstehe der Eindruck,

dass die Zahl erheblich größer sein

müsse. Darüber waren sich die

Kongressteilnehmer einig. Professor

Nedopil zeigte Verständnis für

teilung der Chirurgischen Universitätsklinik

Nussbaumstrasse.

Brendel hatte dafür eigens vom

Bad Nauheimer Kerckhoff-Institut

für Kreislaufforschung der Max-

Planck-Gesellschaft nach München

gewechselt. 1969 entstand

aus der Abteilung ein selbstständiges

Institut. „In dieser Zeit

begann vom Institut ausgehend

der Siegeszug der Transplantationsmedizin

in Deutschland“,

berichtete Prof. Alexander Baethmann

anlässlich des Jubiläums.

1978 bezog das Institut dann ein

neues Gebäude auf dem Gelände

des Klinikums Großhadern. ■ oh

die Ängste in der Öffentlichkeit.

Zulgleich rückte er auch die

Dimensionen zurecht: Allein in der

Psychiatrie im Bezirkskrankenhaus

in Haar bei München müsse jedes

Jahr viele tausend Male über Freigänge

und Entlassungen entschieden

werden. Dabei käme es nur bei

einem Bruchteil der Fälle zu, meist

harmlosen, Problemen, wie etwa

verspäteten Freigängern.

Für Professor Nedopil war die

Tagung ein voller Erfolg: „Sie hat

uns sehr viel weiter gebracht, denn

wir kamen in kürzester Zeit auf den

neuesten internationalen Stand der

Forschung.“ ■ kg

1 Voller Erfolg für den Tagungspräsidenten:

Prof. Norbert Nedopil

Foto: LMU

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MUM 02/2002 PROFILE

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Fotos: Haak & Nakat

Normalerweiseisteskeinproblemdiesentextzulesenundzuverstehen,auchwennmanihnzumerstenmalsieht.

Wenn dieser Satz

so wie hier und auch noch

orthografisch richtig geschrieben

ist, bereitet er den meisten Menschen

keine Schwierigkeiten.

Doch rund vier Prozent aller

Schulkinder haben selbst dann

ein Problem, ihn zu lesen. Die

Diagnose: Legasthenie. Die Ursachen

sind vielfältig. „Es gibt

nicht nur ein Phänomen, das für

die Lesestörung verantwortlich

ist“, erklärt Dr. Reinhard Werth

vom Institut für Soziale Pädiatrie

und Jugendmedizin der LMU,

„und damit auch nicht nur eine

allgemeingültige Therapie gegen

Legasthenie“. Gegen die Lesestörungen

hat der Wissenschaftler

deshalb ein Lernprogramm für

Schulkinder entwickelt, mit dem

sie am Computer individuell therapiert

werden können.

Die Idee zur Lernsoftware für

Legastheniker entwickelte der Neuropsychologe

Werth eher „unfreiwillig“.

Ursprünglich behandelte er

mit der Methode der Gesichtsfeldbestimmung

Kinder, die aufgrund

von Hirnstörungen Probleme beim

Sehen hatten. Durch diese Arbeit

AM COMPUTER LESEN LERNEN

LMU-WISSENSCHAFTLER

ENTWICKELT LERNPROGRAMM

FÜR LEGASTHENIKER

wurden andere Ärzte auf seine Studien

aufmerksam, die Kinder mit

Lesestörungen zu ihm schickten.

Deren Gesichtsfeld untersuchte

Werth ebenfalls und stellte auch

hier Sehstörungen fest.

Was aber war die Ursache für die

Leseschwäche? Denn Lesen bedeutet

nicht – wie der erste Satz zeigt

– das reine Hintereinanderreihen

von Buchstabenfolgen. Vielmehr

handelt es sich um einen komplexen

Vorgang, bei dem verschiedene

Leistungen vom Gehirn erbracht

werden müssen: die Fixierung eines

Wortteils, das Erkennen von Buchstaben,

Worten und Wortsegmenten

und dann der Blicksprung zum

nächsten Wortteil. In all diesen

Vorgängen kann es zu Fehlern einer

Hirnfunktion kommen, die dann zu

Lesestörungen führen. Für Reinhard

Werth war damit klar, dass er

ein Lernprogramm entwickeln

muss, das alle möglichen Phänomene

behandeln kann, nicht nur

eines. „Außerdem gab es für Kinder

nichts Befriedigendes auf dem

Markt, das ich mit gutem Gewissen

empfehlen konnte“, so Werth.

Mit seinem computergestützten

Lern- und Diagnoseprogramm

erforscht der Neuropsychologe als

erstes den individuellen Grund für

die Leseschwäche eines Kindes.

Dabei dürfe man nicht versuchen,

die Ursachen durch Korrelationen

ausfindig zu machen. „Vielmehr ist

es wichtig zu untersuchen, welches

Problem als hinreichende Bedingung

für eine Lesestörung feststeht“,

beschreibt Reinhard Werth

seinen Ansatz. Mit seinem Programm

können Buchstaben, Wortsegmente

und ganze Worte so dargestellt

werden, dass die Ursache

einer Lesestörung erkennbar wird.

Der Cursor zeigt den Kindern

an, wo oder was sie gerade lesen

sollen. Eine häufige Ursache für

Legasthenie sind beispielsweise zu

große Blicksprünge über zehn

Buchstaben hinweg. Dabei macht

der Leser mit den Augen einen

großen Satz zum nächsten Wortsegment

und kann dadurch manche

Buchstaben nicht mehr sehen.

„Er liest zum Beispiel statt Donnerstag

nur Donntag“, erklärt der

Neuropsychologe. Mit seinem Programm

kann diese Störung abtrainiert

werden, indem der zu lesende

Text farbig markiert wird und die

rechts folgenden Wortsegmente

nur schwach zu sehen sind. Mit der

Zeit wird der Kontrast rechts dann

verstärkt, das Wortsegment wird

immer besser lesbar.

Andere Kinder müssen ein

Wortsegment sehr lange anschau-

en, um es zu erkennen – wobei sich

diese Zeiteinheiten im Bereich von

100 bis 500 Millisekunden bewegen.

„Hier trainiere ich die Eigenschaft,

ein Wortsegment schneller

zu erfassen, indem ich es beispielsweise

zuerst 500 Millisekunden

zeige und dann die Zeit immer

weiter verkürze“, so Werth.

So individuell die Lesestörungen

sind, so unterschiedlich ist die

Wirkung des Lernprogramms. In

schwierigen Fällen brauchen die

Kinder ein halbes Jahr bis sich eine

positive Wirkung einstellt. Manchen

genügt aber auch schon eine

halbe Stunde. ■ kg

1 Der PC markiert mit Farbfeldern

ein zu lesendes Wort. Der übrige

Text ist nur schwach erkennbar,

um Blicksprünge zu vermeiden.

Foto: LMU


Foto: Haak & Nakat Foto: LMU / Grafik: Haak & Nakat

■ VIERFACH PREISGEKRÖNT

ODEON FÜHRT EXISTENZGRÜNDER ZUM ERFOLG

Um ein eigenes Unternehmen

aufzubauen, reichen Gründer-

Elan und eine viel versprechende

Geschäftsidee nicht aus. Für den

erfolgreichen Schritt in die

Selbstständigkeit sind Marktanalysen

und Finanzierungspläne

mindestens genauso wichtig.

Dieses unternehmerische Handwerkszeug

vermittelt ODEON,

das „Center for Entrepreneurship“

an der LMU.

Christian Tausend ist realistisch:

„Wie man ein Unternehmen gründet,

kann man jemandem schlecht

beibringen“, sagt der Projekt-

Manager von ODEON – Center for

Entrepreneurship (www.odeon.unimuenchen.de).

„Aber wir können

den Gründergeist wecken und elementare

Bausteine vermitteln.“ In

dem Gründerzentrum an der LMU

lernen Studenten und Uni-Mitarbeiter

in drei aufeinander aufbauenden

Kernseminaren – I-Plan (idea

evaluation and business planning),

B-Plan (business planning) und E-

Lab (entrepreneurship laboratory) –

wie sie sich im Start-up-Dschungel

zurechtfinden. Durch eigene Studien

bringt Odeon zudem das noch

junge Forschungsgebiet „Existenzgründung“

voran und will als Bindeglied

zwischen Hochschule und

Wirtschaft fungieren.

Gegründet wurde das Zentrum im

Herbst 2000. Verwurzelt ist es in

der Fakultät für Betriebswirtschaft

der LMU, dabei jedoch grundsätzlich

offen für alle Studierenden.

„Zu einer Unternehmensgründung

gehört schließlich mehr als

Betriebswirtschaftslehre“, erklärt

Christian Tausend. In interdisziplinären

Teams können angehende

Manager ihr Studienwissen ausprobieren,

während der naturund

sozialwissenschaftliche Nach-

■ CYBER LAW UND VIRTUAL ORDER

NACHWUCHSJURISTEN DISKUTIEREN

DAS RECHTSSYSTEM IM IT-ZEITALTER

Informationstechnologien (IT) haben

sich in den letzten Jahren rasant

weiter entwickelt. Nicht nur das

deutsche Rechtssystem hat Mühe

zu folgen, wenn neue, bislang

rechtsfreie Räume besetzt werden

müssen. „Cyber Law“ ist längst

nicht mehr nur ein Begriff aus der

Science-Fiction-Literatur, sondern

Realität, mit der sich angehende

Juristen auseinandersetzen müssen.

Diesen Rechtsfragen des IT-

Zeitalters haben sich die Teilnehmer

des einwöchigen Kongresses

„Information Society – The Legal

Challenges“ Ende April an der

LMU gestellt.

Die Tagung stellte den Abschluss

eines dreijährigen Projektes der

„European Law Students’ Association“

(ELSA) dar, das sich mit den

juristischen Auswirkungen der IT-

Gesellschaft beschäftigte. Der

Münchener Zweig von ELSA an der

Ludwig-Maximilians-Universität

hatte die Veranstaltung ausgerichtet.

Die europaweite Organisation

von Jurastudenten, Rechtsreferendaren

und angehenden Juristen

wuchs wirtschaftliches Know-how

kennen lernt. Mit ersten Erfolgen:

Beim letzten Münchener Business

Plan Wettbewerb, der seit 1996 die

Gründung von Unternehmen aus

dem Hochschulbereich unterstützt,

haben vier ODEON-Teams

eine Gold-, eine Silber- und zweimal

eine Bronzemedaille gewonnen.

Alle vier hatten ihr Wissen im

ODEON-Seminar „Entrepreneurial

Management and Business Planning“

erworben. ■ mb

will den Dialog unter jungen

Europäern fördern und zum Verständnis

unterschiedlicher Rechtssysteme

beitragen.

Caroline von Gall, Jurastudentin

an der LMU und Organisatorin des

Kongresses, sieht die Aufgabe der

juristischen Studenteninitiative

allerdings nicht nur darin, Studierende

der Rechtswissenschaften

auf künftige berufliche Anforderungen

vorzubereiten. Vielmehr ist

ihr der kulturelle Austausch wichtig:

„Gerade der Kongress bot den

Teilnehmern, die aus ganz Europa

anreisten, die Möglichkeit, sich

auch im Gespräch untereinander

über die Rechtssysteme und die

Juristenausbildung in anderen Ländern

zu informieren.“

Der Kongress machte deutlich,

dass die Juristen auf die „modernen

Zeiten“ reagiert haben. Das Spektrum

der Themen reichte von Vertragsabschlüssen

im Internet über

die Einhaltung des Datenschutzes

bis zu Internetkriminalität und

Softwarepiraterie. Der kriminellen

Phantasie sind im virtuellen Raum

keine Grenzen gesetzt. ■ thp

MUM 02/2002 PROFILE

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MUM 02/2002 PROFILE

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MEHR SERVICE, MEHR PLATZ

NEUER BÜCHERTURM FÜR

THEOLOGEN UND PHILOSOPHEN

Die Vorbereitungen für die Bauarbeiten

zum so genannten

Bücherturm im Hauptgebäude der

LMU laufen auf Hochtouren.

Denn die neue Theologisch-Philosophische

Zentralbibliothek soll

bis zum Wintersemester 2003/04

fertig gestellt sein. Für den

Umbau sind inzwischen drei

Referate der Zentralen Universitätsverwaltung

umgezogen;

die Studentenkanzlei siedelt im

Mai um.

Im neuen Bücherturm werden insgesamt

rund 30 Teilbibliotheken der

beiden Theologischen Fakultäten

und des Departments Philosophie

zusammengeführt. Der künftig zentrale

Betrieb bislang verstreuter Teileinrichtungen

hilft Kosten zu senken

und bietet überdies mehr Service:

größere Räume mit rund 2500

Quadratmetern Fläche und eine

bessere Ausstattung für die Bibliotheksbesucher

sowie längere

Öffnungszeiten.

Durch die Zusammenlegung

können im Bücherturm die Bestände

in sachlich zusammenhängende

Themenbereiche gegliedert und einheitlich

zusammengefasst werden.

Dies erleichtert die Literatursuche

erheblich. So wurde beispielsweise

der Zettelkatalog der evangelischen

Theologen bereits vollständig

maschinenlesbar erfasst, die Online-

Katalogisierung der Literatur der

katholischen und orthodoxen Theologen

läuft auf vollen Touren. Mehrfache

Ankäufe von Büchern können

vermieden werden, der bereinigte

Bestand wird dann rund 300.000

Bände umfassen.

Den Studierenden bietet sich im

Bücherturm auch die Möglichkeit

der OPAC- und Online-Recherche

im bayerischen EDV-Verbund der

Bibliotheken. Zudem kann nun von

jedem Ort der Welt aus ein Buch im

neuen Bücherturm aufgestöbert

werden. Schließlich bekommen die

Theologischen Fakultäten und das

Philosophie-Department noch eine

gemeinsame Lehrbuchsammlung,

die es bisher nicht gibt.

Ähnlich wie schon in der Bibliothek

des Historicums wird der

Bücherturm über einen zentralen

Eingangsbereich zu erreichen sein

und über ein behindertengerechtes

Treppen- und Aufzugssystem verfügen.

Der Umzug der vier Referate

ist notwendig, da neue Geschossdecken

und zusätzliche Galerien

eingebaut werden.

In einem ersten Schritt ist das

Stipendienreferat im Stammgelände

in die Zimmer 235 und 236,

erstes Obergeschoss, umgezogen,

die zuständigen Mitarbeiter für

Wahlen und Studentenstatistik sind

nun in Zimmer 109a, Erdgeschoss,

zu finden. Die Kontaktstelle für Forschungs-

und Technologietransfer

arbeitet nun in der Theresienstraße

37-41, Erdgeschoss. In einem zweiten

Schritt folgt die Studentenkanzlei.

Sie ist ab Mai in der „Raumgruppe

137“ im Hauptgebäude zu

finden. ■ gl

Foto: LMU

1 300.000 Bände soll der Bücherturm

im LMU-Hauptgebäude am

Geschwister-Scholl-Platz beherbergen.

Die neue Theologisch-

Philosophische Zentralbibliothek

wird im Wintersemester 2003/04

ihre Tore öffnen.

Foto: Haak & Nakat


AN DER LMU

Grafiken und Gemälde, Installationen und Fotografien, in Stein gehauene

Botschaften – die Universität München ist auch eine Galerie für Kunstwerke.

MUM präsentiert diese Schätze und zeigt, wo sie zu finden sind.

Die hier vorgestellten Bilder sind bei kunsttherapeutischen Sitzungen

mit Krebspatienten der Medizinischen Klinik III im Klinikum der Universität

München – Großhadern entstanden. Die Kunsttherapie versucht,

die schöpferischen Kräfte der erkrankten Menschen zu aktivieren

und sie so zu entlasten. Dabei geht es nicht etwa darum Kunstwerke

zu schaffen. Vielmehr soll den Patienten die Möglichkeit gegeben

werden, ihre seelische und psychische Verfassung im Spiel mit Formen

und Farben auszudrücken. Die Inhalte der eigenen Werke in ihrer

Bedeutung zu erkennen und diese Erkenntnisse im Alltag des Kranken

umzusetzen, steht im Mittelpunkt der 40- bis 60-minütigen Therapiesitzungen.

Für die Patienten ergeben sich so individuelle, neue Wege

für den Umgang mit ihrer bedrohlichen Krankheit.

Fotos: Maria Dorner KUNSTSCHÄTZE

1 Otto K.: „Ostern“

1 Christine L.: „Play of Colours“

1 H.-P. H.: „Farbenspiel 2“

1 Otto K.: „Besuchszeit“

7 Bernd S.: „Firewall“

Die Kunsttherapie an der Medizinischen

Klinik III in Großhadern

wird unterstützt durch den Verein

Lebensmut e.V. – Leben mit Krebs

(Kontakt: Tel. 089-699 583 15).

MUM 02/2002 KUNSTSCHÄTZE

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MUM 02/2002 STUDIUM

18

Fünf Euro kostet eine Kinokarte

am Kinotag oder eine Maxi-CD.

Man kann aber auch am Wettbewerb

5-Euro-Business teilnehmen,

eine Firma ins Leben rufen

und das Startkapital von fünf

Euro in Visitenkarten und ein

Infoblatt für die Kunden investieren

- so wie Melanie Preusker

(21) und Maximilian May (21).

Die beiden Studierenden haben im

letzten Sommersemester im Rahmen

des 5-Euro-Business mit

ihrer Firma „Image Low Budget

Campaign” kostengünstige Werbung

für klein- und mittelständische

Unternehmen angeboten

und den Wettbewerb gewonnen.

Die Kontaktstelle für Forschungsund

Technologietransfer der LMU

(KFT) bietet dieses Business-Projekt

zusammen mit dem Bildungswerk

der Bayerischen Wirtschaft (bbw)

allen Studierenden an. Innerhalb

von fünf Wochen lernten Preusker

und May, wie man ein Unternehmen

aufbaut und was für eine Existenzgründung

noch wichtig ist. Auch in

diesem Semester haben LMU-Studenten

wieder die Chance, mit fünf

Euro fünf Wochen lang Firmengründer

zu sein. Die Auftaktveranstaltung

für den Wettbewerb fand

Ende April statt.

Eigentlich erscheint es unmöglich,

mit fünf Euro eine Firma aufzubauen.

„Doch viel Geld zu verdienen

steht nicht im Vordergrund des Projekts“,

erklärt Dirk Erfurth von der

KFT. Die Studierenden sollen sich

vielmehr als Unternehmer versuchen,

„und mit den gewonnenen Erfahrungen

vielleicht auch eine andere

Perspektive für die Zeit nach

dem Studium bekommen“, betont

Erfurth. 5-Euro-Business richtet

sich deshalb gezielt an Geistes- und

Sozialwissenschaftler, sowie Wirtschaftswissenschaftler

im Grundstudium,

denn „Studierende aus

diesen Fachbereichen beschäftigen

sich während ihres Studiums selten

mit dem Thema“, sagt Dirk Erfurth.

Die Idee stammt aus Kanada, wo

Studierende mit einem Immigrationsservice

aus einem Dollar in nur

zwei Wochen 15.000 Dollar gemacht

hatten. Mit 5-Euro-Business

soll, so Erfurth, „auch die Kreativität

der Studierenden gefördert werden.“

Denn das geringe Startkapital

zwinge die Teams, sich originelle

Strategien zu überlegen, um kostengünstig

an ihre Kunden heranzukommen.

„Mit fünf Euro kann man

nicht sehr viele Telefonate führen

oder Briefe verschicken“, sagt

Erfurth und lächelt, „aber im richtigen

Leben haben die meisten Exis-

BUSINESS WETTBEWERB

MIT FÜNF EURO

SIND SIE DABEI

tenzgründer auch nicht viel Geld.“

Für Maximilian May ist dies eine

Stärke von 5-Euro-Business, denn

„das Spiel wird zum realen Leben.“

Bevor das Spiel beginnt, bekommen

die Jungunternehmer einen Crashkurs

in Ideenentwicklung, Marketing,

Recht und Finanzen. Sie profitieren

dabei von der Erfahrung der

Dozenten, „die selbst im Berufsleben

stehen und aus eigener Erfahrung

wissen, welche Punkte wichtig sind

und wo Gefahrenquellen stecken“,

erzählt Erfurth. In der zweiten Phase

müssen die Firmen am Markt

bestehen und Kunden gewinnen.

May und Preusker entschieden sich

dafür, ihre möglichen Kunden direkt

im Geschäft anzusprechen, denn

„dadurch lernten sie uns persönlich

kennen“, so May. Andere Teams

betrieben Telefonmarketing oder

warben auf einer eigenen Webseite.

Auch in dieser Phase steht die KFT

den Gruppen bei Problemen zur Seite,

die auch hilfreich sein können:

„Wichtig ist, dass die Studierenden

die Probleme erkennen“, so Erfurth.

Zum Abschluss des Wettbewerbs

werden drei Siegerteams gewählt.

Insgesamt gibt es Preise im Wert

von 3000 Euro, die zur freien Verfügung

stehen. Für Maximilian May

und Melanie Preusker stand aber

das Geld nicht im Vordergrund:

1 Ideenschau: Präsentation der

Geschäftsidee am eigenen Stand.

1 Soft Skills: Neben einem

schlüssigen Konzept ist auch der

persönliche Auftritt entscheidend.

„Durch 5-Euro-Business haben wir

eine Idee davon bekommen, welche

Faktoren tatsächlich wichtig sind.“

Dieses Wissen nutzt ihnen nun bei

der Gründung ihrer Nachfolgefirma

„Image Product Tuning”. ■ kg

Foto: Haak & Nakat

Fotos: LMU


Foto: Haak & Nakat

TAMBOSI TEXTE

MANUSKRIPTUM LIEST

IM CAFE ÜBERS CAFE

„Ein Mann und eine Frau verabreden

sich zum ,Blind Date’ im

Café Tambosi. Schreibt mal, was

dann passiert!“ So die Aufgabenstellung

von Schriftsteller Uwe

Timm und Lektor Martin Hielscher.

Die Wort-Meister leiteten

im Winter die Schreibwerkstatt

MANUSKRIPTUM und zwölf Teilnehmer

lieferten Texte - über bizarre

Paare, Schiffsköche und

Toaster. „Zu schade für die Schublade“,

befanden Timm und Hielscher

und organisierten eine Lesung

im Café Tambosi: Kein Stuhl

blieb frei, der Abend geriet zum

Erfolg. Hier eine Passage aus

„Gelee royale“, ein Tambosi Text

von David Höhn (25), Medzinstudent

der TU.

Sie sehen gar nicht viel anders aus,

sagte sie.

Als wer?

Nun ja, gar nicht viel anders als ich

mir das vorgestellt habe.

Das kann ich schon seitdem ich klein

bin, sagte sie. Einer Stimme ein

Gesicht zuordnen.

Sie strich ihren Rock glatt und

setzte sich, ohne ein Bein über das

andere zu schlagen.

Mira, sagte sie und legte ihre Hand

offen auf den Tisch, eine Zum-

Etwas-Hineinlegen-Hand. (Erstaunlich

klumpige Finger).

Lukas, er wischte seine verschwitzte

Hand vorher an seinem Hosenbein ab.

Die Bedienung war da, Mira wollte

Kaiserschmarrn. Dabei ein Lächeln,

sie lächelte mit ihrer Nase, diese Falten:

Nasenwurzelfalten.

Sie öffnete den Mund, ein Wortfluss,

sie erzählte von ihrem Vater, der

nebenberuflich Imker war, und eine

Allergie hatte, gegen Bienenstiche,

und von der Scheißangst, wenn der

alte Sturkopf zu seinen Bienenstöcken

ging, ob er sich das vorstellen

könne.

Er nickte und fragte sich nach der

Farbe ihrer Augen, (grün) (braun), (der

Seetang, der am Pazifik zwischen

Treibholz und stinkenden Plastikcontainern

liegt), und ob ihr Bauchnabel

nur so ein kleines Loch war, im Bauch.

Sie redete weiter von Allergien, und

von Hausstaubmilben, die das

Zwanzigfache ihres Körpergewichts

an Kot produzieren, von Demodex

folliculorum, der Haarbalgmilbe, die

auf unseren Köpfen lebt und sich von

Talgdrüsen ernährt, sie wisse auch

nicht, wieso sie immer davon reden

müsse, eine Milbenphobie vielleicht.

(Nasenwurzelfalten).

Er lächelte, draußen pfiff der Wind,

alles mögliche schien da durch die

Luft zu fliegen, zum Fenster konnte

er nicht sehen, (ein BH aus schwarzer

Spitze, der Träger war ihr von der

Schulter gerutscht).

Sie redete immer noch, als die Tür

aufging und Gestank in´s Cafe

wehte, Urin und Alkohol.

Entschuldigen Sie, sagte der Barmann,

das sagte er zu dem alten

Mann im Armeeparka, der einen

weißen Bart hatte und eine stattliche

Anzahl Plastiktüten.

Entschuldigen Sie, sagte der Barmann

noch einmal.

Macht nichts, sagte der Penner, der

blau war, mit der Platzwunde an der

Stirn.

Er müsse ihn bitten zu gehen.

Ich habe heute den Odeonsplatz

besetzt, krakeelte der Penner, und

von der Balustrade kamen neugierige

Blicke, Gespräche verstummten.

Der Barmann begann, seinen Körper

einzusetzen, Stück für Stück wurde

der Penner zur Tür gedrängt.

Den Odeonsplatz habe ich heute

besetzt, brüllte der Penner, und

keiner hat Gegenwehr geleistet,

besetzt habe ich den, und dann war

er weg, weggeschoben, durch den

Vorhang, durch die Tür.

Sie sagten etwas, beide zugleich,

und hielten inne, und begannen

dann wieder gleichzeitig zu reden,

und hielten inne, und lachten

(Nasenwurzelfalten).

Sie saßen und schwiegen. Draußen

gab es einen Knall, vielleicht einer

der angeketteten Sommertische.

(Milben, die in ihrem Bauchnabel

herumkriechen).

(...)

MANUSKRIPTUM

MÜNCHENER KURSE FÜR

KREATIVES SCHREIBEN

Auch im Studienjahr 2002/03 bietet

die LMU einen Kurs für kreatives

Schreiben an, diesmal geleitet

von der Autorin Dagmar Leupold

und Jo Lendle, Lektor des

DuMont Literatur und Kunst Verlags.

Das Seminar gibt über drei

Semester hinweg Einblicke in das

literarische Schreiben. Eigene Texte

können mit erfahrenen Praktikern

diskutiert werden. Als Begleitprogramm

ist ein Informationstag

„Mein Verlag und ich“,

ein Seminar zur Theorie des

modernen Erzählens und ein

Sprechtraining vorgesehen. Der

Kurs steht allen Studierenden der

drei Münchener Universitäten

(LMU, TUM, Hochschule der Bundeswehr)

offen, die nicht älter als

28 Jahre sind. Die Teilnehmerzahl

ist auf 12 begrenzt. ■ oh

Weitere Informationen:

Dr. Edda Ziegler

Institut für Deutsche Philologie

der Universität München,

Schellingstr. 3 / RG

80799 München

Tel.: 089 - 2180-2063

Fax: 089 - 2180-3871

E-Mail: manuskriptum@germanistik.uni-muenchen.de

1 Fiktion und Wirklichkeit: David

Höhn bei der Lesung im Café Tambosi

mit seiner Geschichte über

zwei Menschen im Tambosi, die

doch nie im Café gewesen sind.

Foto: Valentin Riedl

MUM 02/2002 STUDIUM

19


MUM 02/2002 STUDIUM

20

Foto: Haak & Nakat

Foto: LMU

Für 18 Studenten des Institutes für

Theaterwissenschaft der LMU war

es eine außergewöhnliche Erfahrung:

Sie traten beim Internationalen

Theaterfestival im März vor

marokkanischen Studierenden der

Universität Agadir auf. Dabei handelt

ihr Stück von vielen Themen,

die in einem islamisch geprägten

Land Tabu sind: Sex, Alkohol, Drogen,

Party-Blabla, Techno-Szene,

westliche Kunstszene, Jeff Koons...

Wer überhaupt ist Jeff Koons?

7 Informationen für

Behinderte finden

Studierende der LMU

ab sofort im Internet.

■ „JEFF KOONS“ IN AGADIR

LMU-STUDENTEN GEBEN GASTSPIEL IN MAROKKO

In dem nach dem amerikanischen

Pop-Art-Künstler betitelten jüngsten

Theatertext des Münchner

Gegenwartsautors Rainald Goetz

geht es um Alltag, um Wahrheit, um

Streit und Harmonie, um Kunst und

Banalitäten, um Liebe, Kummer und

Melancholie, um Bilder und Gebärden,

um Mann und Frau, um

Sehnsüchte und Worte. Die Angaben

zu Ort und Zeit sind nur vage,

es gibt weder eine klare Handlung

noch festgeschriebene Rollen. Die

1 Bilder und Gebärden: LMU-Studenten beim Theaterfestival in Agadir.

■ STUDIEREN OHNE HINDERNISSE

NEUE LMU-HOMEPAGE FÜR BEHINDERTE

Unter der Adresse www.barrierefrei-studieren.uni-muenchen.de

bietet die LMU ab sofort spezielle

Informationen für behinderte

Studierende im Internet.

Hier finden sich Hinweise zu aktuellen

Veranstaltungen, Infos zur

Studienbewerbung und -zulassung,

sowie zu speziellen Angeboten der

LMU für ihre behinderten Studierenden.

Es stehen etwa ein Zivildienstleistender,

ein Computer für

Blinde und Sehbehinderte, ein eigener

Ruheraum und reservierte Parkplätze

zur Verfügung. Zudem können

Tipps zur Beschaffung von

Hilfsmitteln und Organisation von

Studienbegleitern abgerufen werden.

Ein Newsletter bietet interessierten

Studierenden aktuelle Infos

besondere Qualität des Textes

besteht in einer großen Freiheit der

Interpretation und szenischen

Umsetzung sowie in der eigenwillig

geformten, bildhaften, poetischen

Sprache, die weniger vom Sinn als

vom Klang und Rhythmus lebt.

Was geschieht nun, wenn man

dieses postdramatische Stück im

Rahmen eines internationalen

Festivals vor einem 450-köpfigen

Publikum spielt, das die deutsche

Sprache nicht versteht und andere

Vorstellungen und Erwartungen

von Theater hat? Die marokkanischen

Zuschauer jedenfalls wollten

Unterhaltung, Musik, Tanz; es wurde

telefoniert, gegessen, getrunken,

geschwatzt, man kam und

ging. Bei einer „Bettszene“ wurde

es jedoch plötzlich ruhig im

Zuschauerraum. Das Gefühl packte

wohl manchen, in einem langsam

anschwellenden surrenden

Bienenschwarm zu sitzen. Obwohl

kaum etwas zu sehen war – keine

Obszönitäten und nur wenig nackte

Haut -, wurde die Phantasie der

Zuschauer über den Rhythmus der

zum Thema „Studieren mit Behinderung”.

Eine Fülle von Links führt

zu weiteren Internetadressen (Studentenwerk,

Behindertenverbände

u.a.). LMU-„Zivi“ Christopher Vickers

zum neuen Angebot: „Die Homepage

enthält alles was behinderte oder

chronisch kranke Studenten benötigen.

Wir haben zum Teil die Informationen

neu aufbereitet und auch

für eingeschränkte Computernutzer

zugänglich gemacht“. ■ af

Ansprechpartner:

Christopher Vickers, Zivi der LMU für

Behinderte und chronisch Kranke

Ludwigstr. 27/I, Zi. 114

Tel.: 089 - 2180-2963

Mobil: 0170 - 42 40 563

E-Mail: christopher.vickers@

verwaltung.uni-muenchen.de

Sprache angeregt. Einige reagierten

nach der Vorstellung empört,

eine verschleierte Studentin dagegen

war begeistert.

Das für die marokkanische

Theatertradition Fremdartige des

Stückes und der Inszenierung wurde

am letzten Tag des Festivals mit

einem Preis für die innovativste

Produktion anerkannt. Vier Tage

lang waren auf zwei Bühnen insgesamt

zwölf Inszenierungen von

Gruppen aus Marokko, Tunesien,

Spanien, Frankreich und Belgien

gezeigt worden.

Mit der praktischen, das Improvisationstalent

herausfordernden

Durchführung dieses Gastspiels,

den Vorstellungsbesuchen der

anderen Inszenierungen und den

anschließenden Diskussionen haben

die Teilnehmer vielleicht mehr über

das eigenartige Wesen des Theaters

erfahren als in manch einem theoretischen

Seminar. Dank an das

Goethe Institut für die finanzielle

Unterstützung und an den Suhrkamp

Verlag für die Aufführungsrechte.

■ Katrin Kazubko


NEUBERUFEN

PROF. DR. STEFAN K.

BOHLANDER

Medizinische Fakultät

Zum Dezember 2001 hat Stefan

Bohlander seine Professur für molekulare

Hämatologie und Onkologie

bei der Medizinischen Fakultät der

LMU angetreten. Der gebürtige

Rheinland-Pfälzer, Jahrgang 1961,

studierte an der Albert-Ludwigs-

Universität Freiburg im Breisgau, wo

er 1988 am Institut für Humangenetik

promovierte. Danach arbeitete

er sieben Jahre zunächst als Postdoc,

dann als Research Associate

1 Prof. Dr. Stefan K. Bohlander

und schließlich als Research Associate

(Instructor) auf dem Gebiet der

molekularen Tumorgenetik an der

Universität von Chicago bei Prof. Dr.

J. D. Rowley, einer Pionierin in der

Tumorzytogenetik. Einer seiner

Arbeitsschwerpunkte war die molekulare

Charakterisierung von Chromosomentranslokationen

und die

Klonierung von Genen, die durch

diese Chromosomentranslokationen

verändert werden.

Von 1996 bis Ende 2000 war

Bohlander am Humangenetischen

Institut der Universität Göttingen

tätig. Nach der Facharztanerkennung

für Humangenetik im Mai

1998 habilitierte er sich im Juni

1999 für das Fach Humangenetik.

Von Herbst 1996 bis Dezember 2000

leitete er die prä- bzw. postnatale,

zytogenetische Diagnostik am Göt-

Foto: LMU

tinger Institut, war in die genetische

Beratungstätigkeit eingebunden,

von 1999 bis 2000 als Oberarzt.

Seit Januar 2001 ist Bohlander in

der Medizinischen Klinik III der LMU

in der molekularen Leukämieforschung

tätig und mit dem Aufbau

einer Arbeitsgruppe am Hämatologikum

in Großhadern beschäftigt.

Wissenschaftlich befasst er sich

auch hier besonders mit den Fusionsgenen,

die bei Leukämien gefunden

werden. Neben der Klonierung

neuer Fusionen geht es zunehmend

um die Frage, wie diese Fusionsproteine

zur Leukämieentstehung

führen können; dabei will er verstärkt

als Technik den Aufbau von

Tiermodellen verfolgen. Die

Erkenntnisse über die genetischen

Veränderungen werden benutzt, um

eine neue Strategie zur Gentherapie

bei Leukämien zu entwickeln. Die

Forschungsvorhaben sind auch

Bestandteil des vom BMBF in München

geförderten Krebsnetzwerkes,

einem Teil des Deutschen Humanen

Genomprojekts.

PROF. DR. GERHARD BUCHALLA

Fakultät für Physik

Gerhard Buchalla hat im März 2002

seine Professur für Theoretische

Physik an der LMU angetreten. Er

wurde 1965 in Augsburg geboren

und studierte Physik an der TUM, wo

er 1994 promovierte. Von 1994 bis

1996 war er Research Associate am

Fermilab/USA und von 1996 bis

1997 Visiting Theoretical Physicist

am Stanford Linear Accelerator

Center/USA, und zwar als Otto-

Hahn-Stipendiat der Max-Planck-

Gesellschaft. Von 1997 bis 1999 war

er Fellow und von 1999 bis 2002

Staff Member in der Theorieabteilung

am CERN, Genf.

Buchallas Schwerpunkte in Lehre

und Forschung liegen in der

Anwendung der Quantenfeldtheo-

1 Prof. Dr. Gerhard Buchalla

Foto: LMU

rie auf Probleme der Elementarteilchenphysik.

Im Zentrum des Interesses

steht dabei die Theorie der

starken und elektroschwachen

Wechselwirkung. Für ein besseres

Verständnis der Grundlagen dieser

fundamentalen Naturkräfte erweist

sich das Studium der Physik schwerer

Quarks sowie seltener und CPverletzender

Zerfallsprozesse von K

und B Mesonen als besonders

fruchtbar. Die durchgeführten

theroretischen Arbeiten stehen in

engem Zusammenhang mit aktuellen

experimentellen Resultaten aus

internationalen Beschleunigerlabors.

PROF. DR. ANDREAS HAUFLER

Volkswirtschaftliche Fakultät

Im April 2002 hat Andreas Haufler

bei der Volkswirtschaftlichen Fakultät

seine Professur für Wirtschaftspolitik,

insbesondere Entwicklung

der Wirtschaft Osteuropas angetreten.

Prof. Dr. Andreas Haufler, Jahrgang

1961, hat an den Universitä-

1 Prof. Dr. Andreas Haufler

ten Freiburg im Breisgau und Madison,

Wisconsin, USA, Volkswirtschaftslehre

und Politikwissenschaft

studiert. Nach einem Aufbaustudium

„Internationale Wirtschaftsbeziehungen“

promovierte

er 1992 an der Universität Konstanz

und ging anschließend für ein Jahr

als Gastdozent an die University of

Western Ontario in London, Kanada.

Auf die Habilitation an der Universität

Konstanz im Jahre 1998 folgte

die erste Professur an der Universität

Göttingen. Dort lehrte Prof.

Haufler von 1999 bis 2002 die volkswirtschaftlichen

Fachgebiete

Finanzwissenschaft und Sozialpolitik,

bevor er den Ruf an die Universität

München annahm.

Die Lehrgebiete von Prof. Haufler

liegen in den Bereichen Sozialpolitik,

ökonomische Theorie der

Foto: LMU

Politik und in der nationalen und

internationalen Steuerpolitik. Zentrale

Themen seiner bisherigen Forschungsarbeiten

waren die Auswirkungen

zunehmender internationaler

Marktverflechtung auf die Steuer-

und Sozialpolitik, der internationale

Steuerwettbewerb und die Entscheidung

zwischen nationaler

Steuerautonomie und Steuerharmonisierung

in der Europäischen

Union. An der Ludwig-Maximilians-

Universität wird der Schwerpunkt

der Lehrveranstaltungen von Prof.

Haufler im Bereich der allgemeinen

Wirtschaftspolitik liegen. In der Forschung

werden neben der Weiterführung

laufender Projekte zur

internationalen Steuerpolitik künftig

auch verstärkt wirtschafts- und

sozialpolitische Fragen in einer um

die osteuropäischen Länder erweiterten

EU hinzukommen.

PROF. DR. ROLAND NETZ

Fakultät für Physik

Roland Netz, Jahrgang 1966, ist seit

Februar 2002 als Professor für Theoretische

Physik an der LMU tätig. Er

studierte Physik an der Technischen

Universität Berlin und am Massachusetts

Institute of Technology

und promovierte 1994 an der Universität

zu Köln. Während seiner

dreijährigen Postdoktorandenzeit

forschte er an der Tel-Aviv-University,

an der University of California,

Santa Barbara, in Seattle, am CEA

Saclay und in Straßburg. Er war von

1997 bis 2002 am Max-Planck-

Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung

tätig und habilitierte

sich 2000 in Potsdam.

Im Rahmen seiner Forschung

beschäftigt sich Netz mit theoretischen

Modellen zur Beschreibung

von weichen Materialien, also zum

Beispiel Polymeren, Membranen

und Kolloiden. Hierbei geht es vor

allem um den Einfluss von elektri-

1 Prof. Dr. Roland Netz

Foto: LMU

MUM 02/2002 PERSONEN UND POSITIONEN

21


MUM 02/2002 PERSONEN UND POSITIONEN

22

schen Ladungen auf die Struktur

und Eigenschaften dieser Stoffe.

Eine der wichtigen Fragestellungen

ist etwa die Struktur von Komplexen

aus steifen Polymeren und entgegengesetzt

geladenen Proteinen,

wie sie zum Speichern der (beim

Menschen immerhin zwei Meter

langen) DNS im Zellkern benutzt

wird. Netz wird in München auf eine

Kombination von quantenchemischen

Ab-Initio-Verfahren, Skalierungsmethoden

und Computersimulationen

setzen, um das dynamische

und statische Verhalten von

Biomolekülen und anderen makromolekularen

Komplexen zu verstehen.

Dabei werden im Mittelpunkt

die Interpretation von Einzelmolekülexperimenten

und ein theoretisches

Verständnis der Elektrophorese-Methode

stehen.

PROF. DR. GUNNAR DUTTGE

Juristische Fakultät

Im November 2001 übernahm Gunnar

Duttge die Professur für Straf-

1 Prof. Dr. Gunnar Duttge

recht und Rechtsphilosophie, die er

bereits im Sommersemester 2001

als Privatdozent vertreten hatte.

Geboren 1966 in Gemünden am

Main, absolvierte er sein Studium

der Rechtswissenschaften in Würzburg.

Nach einem Studium an der

Hochschule für Verwaltungswissenschaften

in Speyer war er wiederum

in Würzburg als wissenschaftlicher

Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kriminologie

und Strafrecht tätig. Nach

seiner Promotion 1995 über den

Begriff der Zwangsmaßnahme im

Strafprozessrecht wechselte Duttge

als wissenschaftlicher Assistent an

die Ruhr-Universiät Bochum. Dort

legte er 1999 seine Habilitationsschrift

vor über den Handlungsunwert

von Fahrlässigkeitsdelikten

und bekam im Januar 2000 die

venia legendi für Strafrecht, Straf-

Foto: LMU

prozessrecht und Rechtsphilosophie

verliehen. Nach seiner Ernennung

zum Hochschuldozenten lehrte er

zunächst in der Nachfolge seiner

akademischen Lehrerin, Prof. Dr. E.

Schlüchter, an der Ruhr-Universität

Bochum, ehe er dem Ruf nach München

folgte.

Schwerpunkte seiner Tätigkeit

sind neben dem materiellen Strafrecht

(insbesondere Fahrlässigkeit)

und dem Strafverfahrensrecht (insbesondere

Reformbestrebungen)

auch die Rechtssoziologie und

Rechtsphilosophie, vor allem aktuelle

Fragen der Bioethik und der

Sterbehilfe. Über die Grundrechte

veröffentlichte er 1998 ein Lehrbuch,

das bereits in mehreren Auflagen

erschienen ist. Er ist Herausgeber

und Autor diverser Schriften,

u.a. der NOMOS-Universitätsschriften

und der Gedächtnisschrift für

Prof. Dr. Ellen Schlüchter. Überdies

kommentiert er den Abschnitt

„Fahrlässigkeit“ im neuen „Münchner

Kommentar zum StGB“. Projekte

der näheren Zukunft widmen sich

der Strafrechtsvergleichung in

Europa sowie der multimedialen

Anwendung des Strafrechts (Neue

Medien).

PROF. DR. MICHAEL MEYEN

Sozialwissenschaftliche Fakultät

Michael Meyen, Jahrgang 1967,

hat zum Sommersemester 2002

seine Professur für Allgemeine und

Systematische Kommunikationswissenschaft

angetreten. Von

1988 bis 1992 studierte er Journalistik

in Leipzig, wo er 1995 promovierte.

In den Jahren 1991 bis

1997 arbeitete er als Journalist

und Nachrichtenredakteur in der

Tagespresse, beim Hörfunk und

beim Teletext. 1997 bis 2002 war

er Habilitationsstipendiat der

Deutschen Forschungsgemeinschaft

und habilitierte sich 2001.

1 Prof. Dr. Michael Meyen

Foto: LMU

Als Lehrbeauftragter war er an

den Universitäten Leipzig (1995

bis 2001) und Halle-Wittenberg

(2000/2001) tätig. Im Wintersemester

2001/2002 war er als

Gastprofessor an der TU Dresden.

PREISE

& EHRUNGEN

■ LEIBNIZ- UND POTAMKIN-

PREIS FÜR PROF. HAASS

Dr. Christian Haaß, Professor für

Stoffwechselbiochemie an der LMU,

ist am 6. März in Berlin der Förderpreis

des Gottfried Wilhelm Leibniz-

Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft

(DFG) 2002

verliehen worden. Darüber hinaus

erhält der Wissenschaftler den diesjährigen

Potamkin-Preis der American

Academy of Neurology. Der

Leibniz-Preis ist mit einer Fördersumme

von drei Millionen Mark verbunden,

der renommierte Potamkin

Award ist mit 100.000 Dollar dotiert.

Der 1960 geborene Haaß studierte

an der Ruprecht-Karls-Universität

Heidelberg Biologie. Nach

der Promotion 1989 (summa cum

laude) wurde er zunächst Postdoktorand

am Zentrum für molekulare

Biologie in Heidelberg und an der

Harvard Medical School in Boston/

USA, wo er sich schon mit der molekularen

Analyse der Ursachen für

die Entstehung der Alzheimererkrankung

beschäftigte. Dort

arbeitete er von 1993 bis 1995 als

Assistant Professor für Neurologie.

Nach Deutschland zurückgekehrt,

erhielt er eine Professur für Molekularbiologie

am Zentralinstitut für

Seelische Gesundheit in Mannheim

(Universität Heidelberg). Bevor Professor

Haaß 1999 dem Ruf nach

München folgte, lehnte er einen Ruf

auf eine Stiftungsprofessur an der

Mayo Clinic Jacksonville, USA, ab.

■ HANIEL-STIPENDIUM FÜR

AMERIKANISTIN DER LMU

Acht Haniel-Stipendien sind Anfang

März für Aufbaustudien an führen-

den Hochschulen in Europa und

Übersee vergeben worden. Julia

Kendlbacher vom Amerikanistik-

Institut der LMU ist für eines der

großzügig dotierten und begehrten

Haniel-Stipendien ausgewählt worden.

Kendlbacher, die schon

während ihres Studiums reichlich

Berufserfahrung gesammelt hat,

wird Internationale Umweltpolitik

in Monterey, Nordkalifornien, studieren.

Durch das Auslandsstudium

und ein anschließendes Praktikum

wird sie sich für die internationale

Arbeitswelt weiter qualifizieren.

Das Haniel-Stipendienprogramm

besteht seit 1991. Bewerben

können sich hochqualifizierte Nachwuchskräfte

mit besonderer praxisnaher

und wirtschaftsorientierter

Ausrichtung aus den Fächern Wirtschafts-,

Rechts-, Staats- und

Sozialwissenschaften sowie dem

Wirtschaftsingenieurwesen. Das

mehrstufige Auswahlverfahren

sowie die Betreuung der Stipendiaten

erfolgt in Kooperation mit der

Studienstiftung des deutschen

Volkes. Weitere Informationen bei

der Studienstiftung, Tel.: 0228-829

96 62; E-Mail: kalmbach@studienstiftung.de

und im Internet unter

www.haniel-stiftung.de.

■ DAAD-JAHRESPREIS FÜR

LMU-STUDENTIN

Die chinesische Studierende Zhao

Yu des auslandsorientierten Masterstudiengangs

„Psychology of Excellence“

der LMU hat den DAAD-Jahrespreis

2001 erhalten. Sie ist damit

die zweite EXCELLENCE-Studierende,

die diesen Preis zuerkannt

bekam. Die Ukrainerin Diana Krasikova

erhielt bereits den DAAD-Jahrespreis

1999. Im Jahr 2000 waren

zwei deutsche Teilnehmerinnen –

Caroline Haff und Anja Kahnt – mit

dem dib-Wissenschaftspreis des

Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft

ausgezeichnet worden

(MUM berichtete).

■ CHOICE-AUSZEICHNUNG

2001 FÜR LMU-AUTOR

„The International Handbook of

Giftedness and Talent“ (2nd ed.),

herausgegeben von Prof. K.A. Heller

(LMU), F.J. Mönks (KUN), R.J. Sternberg

(YALE) und R.F. Subotnik

(CUNY/APA), ist von der Zeitschrift

CHOICE als „Outstanding academic

title“ 2001 ausgezeichnet worden.


CHOICE ist ein unabhängiges

Rezensionsmagazin für Bibliothekare,

das von der American Library

Association herausgegeben wird.

Darin werden pro Jahr mehr als

23.000 Titel besprochen. Das Handbuch

ist für sein hohes wissenschaftliches

Niveau, für seine Präsentation

sowie für seine herausragende

Beitragsleistung und Bedeutung

für dieses Spezialgebiet ausgezeichnet

worden.

■ RUDOLF JAHNS

FÖRDERPREISE 2002

Gisela Burkamp, M.A. und Dr. Christian

Fuhrmeister vom Department

Kunstwissenschaften der LMU

haben die Rudolf Jahns Förderpreise

2002 erhalten. Gisela Buhrkamp

ist für ihre im April 2001 erschienene

Publikation „Rudolf Jahns” ausgezeichnet

worden. Die 1941 in Berlin

geborene Kunsthistorikerin

beschäftigt sich seit dem Jahr 1980

mit dem Werk des Künstlers und hat

noch zu Lebzeiten Jahns eine Ausstellung

seiner Japan-Aqua-Zeichnungen

erstellt. Dr. Christian Fuhrmeister

erhielt den Preis für seine

Studie über die Gemälde von Rudolf

Jahns, die nach 1945 entstanden

sind. Fuhrmeister, 1963 in Flensburg

geboren, promovierte an der Universität

Hamburg und ist seit Januar

2002 Geschäftsführer des

Departments Kunstwissenschaften

der LMU.

Der Rudolf Jahns Preis – mit

einer Gesamtpreissumme von

12.800 Euro dotiert – wird alle zwei

Jahre vor allem an jüngere

Kunsthistoriker sowie Publizisten

und Kunstvermittler vergeben, die

sich mit dem künstlerischen Werk

von Rudolf Jahns und seiner Zeit

befassen.

■ EHRENDOKTORWÜRDE FÜR

PROFESSOR HELLBRÜGGE

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Theodor Hellbrügge,

em. O., Professor für Sozialpädiatrie

der LMU und Leiter des

Kinderzentrums München, hat von

der Universität Breslau die Ehrendoktorwürde

erhalten. Die Medizinische

Universität Breslau ehrt

Theodor Hellbrügge für seine hervorragenden

wissenschaftlichen

Leistungen und die ständige Hilfe

für die polnische Pädiatrie und

Pädagogik. Damit erhöht sich die

Zahl seiner Ehrendoktortitel auf 13.

Prof. Hellbrügge begann seine

Laufbahn als Kinderarzt der Uniklinik

München und gründete hier den

ersten deutschen Lehrstuhl für Sozialpädiatrie;

zu seinen Errungenschaften

zählt beispielsweise die

Einführung der heute üblichen Kinder-Vorsorge-Untersuchungen

in

Deutschland. Mit dem Kinderzentrum

München schuf er die erste

sozialpädiatrische Einrichtung für

Entwicklungs-Rehabilitation,

Früherkennung und -therapie und

soziale Integration. Mittlerweile gibt

es 200 solcher Kinderzentren im Inund

Ausland. Zur Gründung von

weiteren Zentren hat Prof. Hellbrügge

1999 die Internationale

Aktion Sonnenschein e.V. gegründet.

Gerade in Ländern, in denen

Behinderte ausgestoßen oder vernachlässigt

von der Gesellschaft

leben müssen, sind die Kinderzentren

einzigartige Hilfsprojekte.

■ EHRENDOKTORWÜRDE FÜR

PROF. NIKOLAOU

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Theodor Nikolaou,

Leiter der Ausbildungseinrichtung

für Orthodoxe Theologie, hat

von der Universität „Babes-Bolyai“

in Cluj-Napoca (Klausenburg,

Rumänien) die Ehrendoktorwürde

erhalten. Mit der Auszeichnung wird

seine didaktische und wissenschaftliche

Tätigkeit gewürdigt

sowie sein Engagement für die

Beziehungen zwischen der rumänischen

und deutschen Orthodoxie,

die er im Rahmen des Studentenund

Professorenaustausches gefördert

hat.

Der 1942 in Anawra (Griechenland)

geborene Nikolaou hat an der

Theologischen Hochschule des ökumenischen

Patriarchats in

Chalki/Konstantinopel und an den

Universitäten Thessaloniki und

Bonn Theologie, Philosophie und

Klassische Philologie studiert. Er

promovierte in Bonn und Thessaloniki

und habilitierte sich 1975 in

Bern. Seit 1984 ist er Inhaber des

damals neu eingerichteten Lehrstuhls

für Orthodoxe Theologie an

der Katholisch-Theologischen

Fakultät der LMU.

■ FRIEDRICH WILHELM

BESSEL-FORSCHUNGSPREIS

Der Australier Prof. Dr. Martin G.

Banwell ist mit dem neuen Friedrich

Wilhelm Bessel-Forschungspreis

ausgezeichnet worden; Banwells

wissenschaftlicher Gastgeber ist

Prof. Dr. Wolfgang Steglich vom

Institut für Organische Chemie der

LMU. Der vom Bundesforschungsministerium

gestiftete und von der

Alexander von Humboldt-Stiftung

verliehene Friedrich Wilhelm Bessel-

Forschungspreis ehrt hoch qualifizierte

Nachwuchswissenschaftler

aus dem Ausland. Diese können mit

dem Preisgeld von bis zu 75.000

Euro einen längeren Forschungsaufenthalt

an einer deutschen Forschungseinrichtung

ihrer Wahl

finanzieren.

■ LMU-STUDENTEN BEI UNO IN

NEW YORK ERFOLGREICH

Beim National Model United Nations

(NMUN), der weltweit größten

und wichtigsten Simulationsveranstaltung

der Vereinten Nationen,

haben die Delegationen der LMU in

diesem Jahr besonders gut abgeschnitten.

Die LMU erhielt die

Höchstzahl von vier Awards, darunter

eine „Outstanding Delegation“ –

ein Award der höchsten Kategorie.

Damit war die LMU die beste ausländische

Universität überhaupt

beim diesjährigen NMUN.

Bei dem Projekt simulieren über

2500 Studenten aus aller Welt die

Arbeit der UN in rund zwei Dutzend

Gremien, vom Sicherheitsrat bis hin

zur Generalversammlung und vielen

Unterkommissionen. Seit 15

Jahren nimmt daran auch regelmäßig

eine Delegation der LMU teil,

in den vergangenen Jahren immer

mit Erfolg.

Die LMU war mit insgesamt 22

Studenten in New York vertreten.

Sie spielten in diesem Jahr zwei Rollen:

Ägypten (mit 17 Studenten)

und die Nichtregierungs-Organisation

„International Union of Local

Authorities“ (IULA). Bei der Awardvergabe

wurden diese Delegationen

getrennt gewertet: Beide erhielten

einen Award für die Qualität ihrer

Position Papers (der Stellungnahmen

des jeweiligen Landes zu den

im jeweiligen Komitee behandelten

Themen), die Ägypter darüber hinaus

eine „Distinguished Delegation“

(zweite von drei Kategorien) und die

IULA zum ersten Mal in der

Geschichte der LMU die „Outstanding

Delegation“.

Die NMUN-Projektgruppe München

ist eine studentische Initiative

am Geschwister-Scholl-Institut, das

Projekt ist an die Lehreinheit Prof.

Dr. Peter J. Opitz angegliedert. Geleitet

wurde die Lehrveranstaltung

durch zwei Lehrbeauftragte, Gregor

Kolk M.A. und Reinhard Wesel M.A.,

sowie ein 5-köpfiges „Orga-Team“:

Das sind Teilnehmer vom Vorjahr,

die als Tutoren die Teilnehmer auf

die Simulationen vorbereiten, die

alles Organisatorische, nicht zuletzt

die Finanzen, übernehmen und die

die Lehrveranstaltung mit den Lehrbeauftragten

gemeinsam durchführen.

■ UNIVERSITY OF PRETORIA

EHRT LMU-THEOLOGEN

Die University of Pretoria hat die

Professoren Friedrich Wilhelm Graf,

Lehrstuhlinhaber für Systematische

Theologie mit Schwerpunkt Ethik,

sowie Eckart Otto, Lehrstuhl für Alttestamentliche

Theologie, beide an

der Evangelisch-Theologischen

Fakultät der LMU, zu Research Fellows

ernannt. Diese Ehrung erfolgte

im Rahmen des Partnerschaftsabkommens

der Evangelisch-Theologischen

Fakultät der LMU mit der

Theologischen Fakultät der University

of Pretoria.

Professor Graf und Professor

Otto werden Doktoranden an der

südafrikanischen Universität mitbetreuen

und beteiligen sich an der

Konzeption gemeinsamer Forschungsprojekte:

Im Mittelpunkt

steht dabei die Untersuchung des

Wandels des südafrikanischen „religiösen

Marktes“ unter der Perspektive

der neueren, jetzt ökonomisch

orientierten Religionskulturforschung.

Friedrich Wilhelm Graf, Jahrgang

1948, wurde 1999 an die LMU

berufen. Seine Forschungsinteressen

gelten dem Zusammenhang

zwischen kapitalistischer Globalisierung

und religiösen Mentalitäten,

den Grundlagenfragen der Bio- und

Wirtschaftsethik sowie der Religions-

und Theologiegeschichte des

18. bis 20. Jahrhunderts.

Eckart Otto, Jahrgang 1944, kam

1996 nach München. Seine Forschungen

gelten der Altorientalischen

und Biblischen Rechtsgeschichte

im Rahmen einer antiken

Literatur- und Religionsgeschichte

sowie deren Bedeutung für heutige

Ethikdiskurse im Horizont einer universalen

Theorie der Moderne.

MUM 02/2002 PERSONEN UND POSITIONEN

23


MUM 02/2002 PERSONEN UND POSITIONEN

24

Foto: Bundesverfassungsgericht

■ ZUR PERSON

Professor Dr. Hans-Jürgen

Papier, Jahrgang 1943, hat seit

1992 den Lehrstuhl für Öffentliches

Recht, insbesondere Deutsches

und Bayerisches Staatsund

Verwaltungsrecht an der

LMU inne. Der gebürtige Berliner

studierte in seiner Heimatstadt

und habilitierte sich 1973

an der FU. Von 1974 bis 1991

war Papier Professor an der Universität

Bielefeld, wo er sich

unter anderem auf Umweltrecht

spezialisierte. Als Vorsitzender

der „Unabhängigen Kommission

zur Überprüfung des Vermögens

der Parteien und Massenorganisationen

der DDR“ schloss er mit

der PDS einen Vergleich über

deren weit gehenden Verzicht

auf das SED-Vermögen. 1998

wurde Papier als Vorsitzender

des Ersten Senats Vizepräsident

des Bundesverfassungsgerichts.

Im April 2002 ernannte ihn Bundespräsident

Johannes Rau zum

Präsidenten des höchsten deutschen

Gerichts. Hans-Jürgen

Papier ist verheiratet und Vater

zweier erwachsener Kinder.

ZWEI MÜNCHNER IN KARLSRUHE

LMU-PROFESSOREN PAPIER UND

DI FABIO WACHEN ALS VERFASSUNGS-

RICHTER ÜBER DAS GRUNDGESETZ

Der jüngste Eklat im Bundesrat hat es wieder einmal gezeigt: Wenn Politiker sich über Grundsatzfragen

streiten, bleibt nur das Bundesverfassungsgericht als letzte Rettung. Die höchste Gerichtsinstanz

in Deutschland genießt nicht von ungefähr großes Ansehen, schließlich ist sie prominent

besetzt. Zwei Verfassungsrichter kommen von der LMU: Professor Hans-Jürgen Papier ist

als Nachfolger von Jutta Limbach seit dem 10. April Präsident des Bundesverfassungsgerichts.

Seinen Lehrstuhl wird der 58-jährige Jurist weiter führen. Professor Udo Di Fabio gehört seit

Dezember 1999 dem Zweiten Senat des Gerichts an. Gleichzeitig lehrt der 48-jährige Lehrstuhlinhaber

Öffentliches Recht und Verfassungsgeschichte an der LMU. MUM sprach mit den

beiden Verfassungsrichtern über Richteramt und Uni-Alltag.

MUM: Herr Prof. Papier, welche

Auswirkungen hat Ihre Berufung

zum Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts

auf Ihre Arbeit

an der LMU?

Papier: Sicherlich wird die zeitliche

Anspannung durch das neue Amt

noch zunehmen. Aber es ist ja nicht

so, dass nun alles völlig neu wäre. Ich

war als Vorsitzender des Ersten

Senats bereits vier Jahre Vizepräsident

dieses Gerichts. Aber einige,

insbesondere repräsentative Verpflichtungen

werden hinzukommen.

MUM: In welchem Umfang werden

Sie in diesem Sommersemester

Lehrveranstaltungen an der Universität

München halten?

Papier: Ich werde, wie bisher auch,

eine zweistündige Vorlesung über

Verwaltungsrecht halten und

zudem ein Blockseminar mit dem

Titel „Streitbare Demokratie in

Deutschland“ anbieten. Da wird es

auch um Parteiverbotsverfahren

und Demonstrationsverbote gehen.

MUM: Ergeben sich durch Ihre neue

Position in Karlsruhe inhaltliche

Probleme für Ihre Lehrveranstaltungen

– etwa wenn es um persönliche

Bewertungen geht?

Papier: Als Verfassungsrichter darf

ich in meinen Lehrveranstaltungen

nicht aus laufenden Verfahren

berichten. Allerdings ist es möglich,

aus der Praxis des Verfassungsgerichts

abstrakte Rechtsprobleme zu

thematisieren, zum Beispiel im

Zusammenhang mit den Demonstrationsverboten.

Ich muss mich

aber persönlich zurückhalten und

darf nicht zu vertraulichen Vorgängen

Stellung beziehen.

MUM: Sie gelten als eher konservativer

Vertreter Ihrer Zunft und sind

Mitglied der CSU. Inwieweit beeinflusst

das Ihre Neutralität als Richter?

Papier: Eine Parteimitgliedschaft

darf sich nicht auf die richterliche

Tätigkeit auswirken. Aber das Bundesverfassungsgericht

hat ohnehin

zu einem ganz überwiegenden Teil

nicht mit parteipolitischen Streitigkeiten

zu tun. Beurteilungsmaßstab

des Gerichts ist allein das Verfassungsrecht.

Und dieses sollte nicht

mit der parteipolitischen Brille ausgelegt

werden. Wichtiger als die

politische Ausrichtung eines Richters

ist sein Sachverstand sowie seine

Lebenserfahrung und sein

Gerechtigkeitsgefühl.

MUM: Im Gegensatz zu Jutta Limbach

haben Sie keine politische

Vergangenheit und waren daher

vor Ihrer Wahl zum Präsidenten

der breiten Öffentlichkeit auch

nicht so bekannt. Wie wollen Sie

mit Ihren neuen Repräsentationspflichten

umgehen?

Papier: Als Vorsitzender des Ersten

Senats war ich bisher auch schon in

gewissem Umfang mit Repräsentationspflichten

betraut, denn das

Verfassungsgericht ist ein Zwillingsgericht.

Das bedeutet: Jeder der

beiden Senate ist das Bundesverfassungsgericht.

Allerdings werden

durch das neue Amt wohl doch

wesentlich mehr Verpflichtungen,

vor allem im Ausland, auf mich

zukommen.

MUM: Was sagt Ihre Frau zu Ihren

neuen Aufgaben?

Papier: Wenn es protokollarisch

notwendig ist, wird sie mich sicherlich

auf Reisen begleiten. Ansonsten

wird sich an unserem persönlichem

Leben zwischen Karlsruhe und Tutzing,

unserem Hauptwohnsitz,

nichts Wesentliches ändern. ■

Fotos: LMU


MUM:

Herr Prof. Di Fabio, wie bringen

Sie die Verpflichtungen in Karlsruhe

und an der LMU unter einen Hut?

Di Fabio: Manchmal ist die Doppelbelastung

nur schwer erträglich,

zumal ich kleine Kinder habe – meine

Tochter ist drei Monate und meine

Söhne fünf und bald sieben Jahre

alt. Und die Familie hat für mich nun

einmal den höchsten Stellenwert.

Gleichzeitig gehe ich leidenschaftlich

gern in den Hörsaal, weil ich den Kontakt

zu den Studenten nicht verlieren

will. Zudem bin ich etwa drei bis vier

Tage pro Woche in Karlsruhe.

MUM: Welche Lehrveranstaltungen

werden Sie in diesem Sommersemester

an der Universität München

halten?

Di Fabio: Ich gebe einen vierstündigen

Grundkurs für Erst- und

Zweitsemester, der im Wintersemester

angefangen hat und nun im

Sommersemester

fortgesetzt

wird. Darin geht

es um Öffentliches

Recht und Verfassungsrecht.

MUM: Im Zweiten Senat sind Sie

für Organstreitigkeiten zuständig.

Sollte die Union wegen des Streits

um das Abstimmungsverfahren im

Bundesrat zum Zuwanderungsgesetz

das Bundesverfassungsgericht

in Karlsruhe anrufen, könnte

der Fall auf Ihrem Schreibtisch

landen. Wie schätzen Sie die ganze

Sache ein?

Di Fabio: Zum konkreten Fall kann

ich mich nicht äußern, aber er ist

sicherlich nicht alltäglich. Es geht

um eine verfassungsrechtliche

Streitfrage, die womöglich das Bundesverfassungsgericht

beschäftigen

wird. Über die Aufgeregtheiten der

Auseinandersetzung hinweg

wünscht man sich gelegentlich eine

stärkere öffentliche Debatte über

politische Inhalte.

MUM: Warum genießt

das Bundesverfassungsgericht

in der Öffentlichkeit

ein so hohes Ansehen?

Di Fabio: Das hängt sicherlich

mit der richterlichen

Unabhängigkeit zusammen. Das Verfassungsgericht

legt die manchmal

recht allgemeinen Normen des

Grundgesetzes aus und bemüht sich

um Augenmaß bei den Folgen seiner

Entscheidungen. Karlsruhe steht

dabei unter starker öffentlicher

Beobachtung. Die Erwartungshaltung

und das Vertrauen der Bürger

in eine gute Rechtsprechung bedeuten

eine große Verantwortung für

jeden Richter.

MUM: Sie haben für einen Verfassungsrichter

eine eher ungewöhnliche

Karriere hinter sich. Sie haben

nach der Realschule zunächst zehn

Jahre als Kommunalbeamter in

Dinslaken gearbeitet und erst im

Abendgymnasium das Abitur

gemacht. Wie kam es dazu?

Di Fabio: Die Berufstätigkeit nach

der Realschule war als Erfahrung

sehr wichtig, es entstand bei mir

jedoch schnell der Wunsch, eine Universität

zu besuchen. Im Abendgymnasium

Abitur zu machen, war in der

Sache nicht schwieriger, aber abends

vielleicht ein wenig mühsamer. ■

Interviews: Ortrun Huber

■ ZUR PERSON

Professor Dr. Dr. Udo Di Fabio,

1954 in Duisburg geboren, hat

seit 1997 den Lehrstuhl für

Öffentliches Recht und Verfassungsgeschichte

an der LMU

inne. Während einer zehnjährigen

Karriere als Verwaltungsbeamter

im Mittleren Dienst der

Stadt Dinslaken erwarb er am

Abendgymnasium das Abitur

und begann ein Jurastudium,

das er 1985 abschloss. Nach

einer kurzen Zeit als Richter am

Amtsgericht Duisburg promovierte

Di Fabio an der Universität

Bonn, wo er bis 1990 als wissenschaftlicher

Mitarbeiter am

Institut für Öffentliches Recht

tätig war. Nach einer zweiten

Promotion im Fach Soziologie

1990 folgte 1993 die Habilitation.

Im gleichen Jahre wechselte

er als Professor an die Universität

Münster, wenige Monate

später nahm er einen Ruf an die

Universität Trier an. Seit Ende

1999 ist der Jurist Richter des

Bundesverfassungsgerichts.

Udo Di Fabio ist verheiratet und

Vater von drei Kindern.

Foto: Bundesverfassungsgericht

MUM 02/2002 PERSONEN UND POSITIONEN

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MUM 02/2002 ESSAY

26

LERNORT LABOR

PERSPEKTIVEN EINER NEUEN

LEHR- UND LERNKULTUR

Unter dem Stichwort „Lernort

Labor“ sind in Deutschland in

den vergangenen Jahren eine

Reihe von Initiativen entstanden,

die sich an der Nahtstelle

zwischen Schule und Hochschule

mit der Förderung des naturwissenschaftlichenNachwuchses

befassen. Die relativ verzweigten

Ansätze dieser Initiativen

sind nun zum ersten Mal

in einer Studie gemeinsam von

der Kultusministerkonferenz

und der Hochschulrektorenkonferenz

herausgegeben, dokumentiert

und analysiert worden.

Der Psychologe Michael Ley,

Autor der Studie „Übergang

Schule - Hochschule“, äußert

sich hier zu bildungspolitischen

Perspektiven, die mit dieser Art

des außerschulischen Lernens

verbunden sind.

Physik, Chemie und Mathematik:

Um die Naturwissenschaften machen

Schüler und Studenten heute

einen großen Bogen. Zu trocken, zu

spröde und zu wenig lebensnah erscheinen

vielen jungen Leuten diese

Fächer in der Schule, und deshalb

sinken nicht nur die Einschreibequoten

an den Hochschulen, sondern

es nimmt auch die Zahl derjenigen

ab, die eine Berufsausbildung

im Bereich von Naturwissenschaft

und Technik anstreben.

Viele Bildungsplaner sehen angesichts

solcher Entwicklungen bereits

komplette Berufszweige wegbrechen.

„Forschung und Leere“ titelte

jüngst der SPIEGEL und beschreibt

eine Horrorvision, die an

vielen Stellen längst Wirklichkeit geworden

ist: Physikprofessoren, die

vor leeren Bänken über Quantenmechanik

dozieren, Forschungsinstitute,

denen qualifizierte Nach-

wuchskräfte ausgehen, Assistenten,

die nur noch für den eigenen Bedarf

vor sich hinforschen.

Es ist allerdings nicht nur der

drohende Nachwuchsmangel, der

die Bildungspolitiker beunruhigt.

Fast ebenso bedenklich erscheinen

die Ergebnisse der jüngsten Schulleistungsuntersuchungen,

die deutschen

Schülerinnen und Schülern

gerade in Mathematik und Naturwissenschaft

ein schlechtes Zeugnis

ausstellen: Insbesondere beim

Lösen komplexer Aufgaben, die ein

konzeptionelles Verständnis naturwissenschaftlicher

Sachverhalte

oder die flexible Anwendung

erworbener Wissensbestände erfordern,

zeigen sich deutliche

Schwächen. Das alles sind Anzeichen

einer sehr weitreichenden Krise

unseres Bildungssystems, die sich

nicht ohne weiteres wegdiskutieren

lassen: Nicht nur weil die Industriegesellschaft

auf qualifizierten

ESSAY

Nachwuchs in den Naturwissenschaften

angewiesen ist, sondern

vor allem auch deshalb, weil eine

ganze Generation von wichtigen

Kenntnissen und Fertigkeiten in einem

Kernbereich unserer Kultur

ausgeschlossen zu werden droht.

Innerhalb der Bildungsforschung

gilt heute als erwiesene Tatsache,

dass sich die Probleme, vor denen

das deutsche Bildungssystem steht,

nicht mehr nur mit den traditionellen

Mitteln der Schule lösen lassen.

Ähnlich wie in anderen Bereichen

der Kultur sind vielmehr auch an

dieser Stelle innovative und zukunftsweisende

Konzepte gefragt.

Isolierte Maßnahmen und Teilveränderungen

sind Flickwerk und

führen letztlich nur zu einer Verschärfung

der Probleme.

AUFFORDERUNG

ZUM AUSPROBIEREN

Im Bereich der Naturwissenschaften

verbinden sich Ansätze zu einer

strukturellen Erneuerung daher vor

allem mit einer Reihe von Initiativen,

die bisher noch außerhalb der

etablierten Bildungseinrichtungen

operieren. Im Übergang zwischen

Schule, Hochschule und außeruniversitärenForschungseinrichtun-

Dipl.-Psych. Michael Ley

Autor der Studie „Übergang Schule – Hochschule“,

Universität Bonn

gen angesiedelt, bieten sie Schülerinnen

und Schülern die Möglichkeit,

sich ergänzend zum Schulunterricht

mit authentischen Zusammenhängen

der Naturwissenschaften

zu befassen: beispielsweise

im Rahmen von Aktionswochen

oder -tagen an den Hochschulen,

bei Besuchen von Forschungslaboren

oder -einrichtungen, aber auch

im Zusammenhang mit langfristig

angelegten Arbeitsgemeinschaften

und Praktika.

Im Unterschied zu traditionellen

Lernformen liegt der Schwerpunkt

der Initiativen dabei nicht in erster

Linie auf der Vermittlung bestimmter

„Inhalte“. Im Zentrum der einzelnen

Projekte stehen vielmehr Formen

des wissenschaftlichen Fragens

und Denkens, die sich an alltagsnahen

und anschaulichen Gesichtspunkten

orientieren, verstärkt

Möglichkeiten des Ausprobierens

und Selber-Machens einräumen

und nicht zuletzt von einem besonderen

Interesse an den ästhetischen

Seiten der wissenschaftlichen Systembildung

geleitet werden.

Was damit gemeint sein könnte,

lässt sich vor allem am Beispiel der

Schüler-Experimentiertage verdeutlichen.

Hier bieten bestimmte Forschungseinrichtungen

kompletten

Schulklassen oder einzelnen Schülergruppen

die Möglichkeit, authentische

Fragestellungen aus dem Forschungsalltag

der Physik, Chemie

oder Biologie in speziell zubereiteten

Experimenten zu bearbeiten. Anders

als dies häufig in der Schule der Fall

ist, muss dabei jedoch nicht ein bestimmtes

Experimentalschema eingehalten

oder reproduziert werden,

sondern es wird ausdrücklich Platz

zum Hin- und Herwenden oder zum

„Befummeln“ der einzelnen Fragestellungen

eingeräumt: An die

Stelle der Einbahnstraßen-Physik,

die lediglich den Vorgaben des Lehrbuchs

folgt, tritt die Erfahrung von

Zusammenhängen, in denen sich

unser vertrauter Alltag neu ordnen

und sortieren lässt.

An Hochschulen und Forschungseinrichtungen

der Bundes-

Foto: privat


epublik existieren nach vorsichtigen

Schätzungen inzwischen mehrere

tausend Initiativen, die sich mit

der Nachwuchswerbung im Bereich

des außerschulischen Lernens befassen.

Sie unterscheiden sich hinsichtlich

ihrer inhaltlichen Zielsetzungen,

ihrer didaktischen Konzeption

und ihrer organisatorischen

Struktur teilweise erheblich voneinander.

Gemeinsam ist ihnen jedoch

der Versuch, für Zusammenhänge

des naturwissenschaftlichen Denkens

zu werben, die über der einseitigen

Betonung scheinbar feststehender

„Inhalte“ oder „Erkenntnisse“

häufig vergessen werden: Die

Initiativen machen darauf aufmerksam,

dass auch die Naturwissenschaften

an menschliche Motivationen

gebunden sind, die nicht einfach

zugunsten „objektiver“ Fakten

übersehen werden können. Die einzelnen

Projekte unterstützen damit

Zusammenhänge, die früher einmal

unter dem Stichwort Bildung zusammengefasst

wurden. Heute

klingt dieser Begriff ziemlich verstaubt,

und statt auf Bildung setzen

wir lieber auf Wissensmanagement,

Informationsübertragung und globale

Vernetzung der Hochschulabschlüsse.

FÜR EINE MENSCHLICHERE

BILDUNGSPOLITIK

Nicht nur im Bereich der Schul- und

Hochschulpolitik lässt sich jedoch

beobachten, dass die Menschen

heute immer größere Schwierigkeiten

haben, der immer weiter ausgreifenden

Digitalisierung unseres

Alltags Folge zu leisten: Wir können

heute zwar eine SMS an den entferntesten

Punkt der Erde schicken,

aber wir haben verlernt, ein banales

Gespräch zu führen.

Aus psychologischer Sicht hat

der Nachwuchsmangel in den Naturwissenschaften

daher auch da-

mit zu tun, dass Jugendliche und

junge Erwachsene der Beliebigkeit

und Haltlosigkeit unserer Technik-

Kultur zu entkommen suchen. Hinter

den sinkenden Studienzahlen

steht keineswegs, wie häufig vermutet

wird, eine pauschale „Technikfeindlichkeit“,

sondern die Sehnsucht

nach Lebensformen, in denen

die menschlich – allzumenschlichen

– Seiten der Wirklichkeit nicht verleugnet

werden: die persönlichen

Eigenheiten und Marotten unserer

Lehrer und Kameraden, die Umwege,

die wir zum Verstehen komplizierter

Sachverhalte brauchen, die

Möglichkeit, die verschiedenen Seiten

der Wirklichkeit mit allen Sinnen

zu tasten und zu schmecken.

Es erscheint unter diesem Gesichtspunkt

wenig hilfreich, die Krise

des deutschen Bildungssystems

mit noch mehr Multimedia und

noch mehr Internet beheben zu

wollen. Erst wenn man die Schule

wieder zu „Lernorten“ macht, die

mit der Wirklichkeit unseres Alltags

Schritt halten, kommt man ein

Stückchen weiter.

Die Initiativen zum „Lernort Labor“

machen uns heute den Anfang

einer neuen Lehr- und Lernkultur

vor. Bildungsplaner und -politiker

wären gut beraten, diesen Anfang

nicht ungenutzt verstreichen zu

lassen. ■

Michael Ley ist Diplompsychologe

und Psychologischer Psychotherapeut.

Er leitet am Institut für Erziehungswissenschaft

der Universität

Bonn ein Modellprojekt zur Reform

der universitären Lehrerbildung.

Seine Studie „Übergang Schule-

Hochschule“ ist unter www.hrk.de

veröffentlicht und kann im Sekretariat

der Hochschulrektorenkonferenz

(HRK) angefordert werden.

ESSAY

Foto: Haak & Nakat

27

MUM 02/2002


MUM 02/2002 LMU – OFFICE

28

Arbeitszeit ist Lebenszeit. Rund

acht Stunden, oft auch mehr, verbringen

wir Tag für Tag auf dem

Posten. Sind diese Stunden gute

Zeiten oder schlechte Zeiten? Die

Staatsregierung will es genau

wissen und lässt deshalb im kommenden

Juni eine bayernweite

Mitarbeiterbefragung im öffentlichen

Dienst durchführen. An der

LMU haben nun die Bediensteten

in den Instituten und in der Verwaltung

das Wort. Das Klinikum

hat die Mitarbeiterbefragung

bereits abgeschlossen.

Nach dem erfolgreichen Testlauf

einer Behördenumfrage, zu dem

sich die LMU 1997 bereit erklärt

hatte, wird es jetzt offiziell: Ein rund

80 Punkte umfassender Fragebogen

will organisatorische Stärken und

Schwächen an den Tag bringen,

aber auch auf die individuellen Sorgen,

Nöte und Wünsche der

Bediensteten eingehen. Aussagen

wie „Mein Vorgesetzter mischt sich

in Details meiner Aufgaben ein“

oder „Die Übernahme von verantwortungsvollen

Aufgaben wird

anerkannt“ können per Kreuzchen

die Wertungen voll, eher, teils/teils,

eher nicht oder überhaupt nicht

zugeordnet werden. Gekreuzelt wird

freiwillig und die Teilnahme, das

KREUZELN FÜR DEN JOB

MITARBEITERBEFRAGUNG AN DER LMU

betont Personalratsmitglied Karl

Ischinger, bleibt geheim: „Es gibt bei

der Befragung keine Anonymitätslücke“.

Es werde weder kontrolliert,

an wen welcher Fragebogen ausgegeben,

noch nachgeprüft, ob ein

Fragebogen zurückgegeben worden

sei. Eine Identifikation der Mitarbeiter

sei damit nicht möglich.

ANONYMITÄT GEWAHRT

Dennoch ist das Misstrauen unter

den Kollegen groß. Viele fürchten,

dass ihr Fragebogen anhand der

„Beleg-Nummer“ identifiziert werden

könnte, die in der Kopfzeile

angeführt ist. Andrea Helbig von der

Personalabteilung der LMU beruhigt:

„Die Belegnummer wird im

bayerischen Landesamt für Statistik

und Datenverarbeitung in Schweinfurt

vergeben, um die Fragebögen

den einzelnen Organisationseinheiten

zuordnen zu können.“ Weder

dem Landesamt noch den Behörden

sei es jedoch möglich, Verbindungen

zu einzelnen Mitarbeitern zu ziehen.

Eine Zuordnung der Papiere zu

Bediensteten in kleinen Organisationseinheiten

werde zudem durch

eine spezielle Regelung verhindert.

Dazu Andrea Helbig: „Abteilungen,

die nur wenige Mitarbeiter haben,

werden mit anderen Abteilungen zu

Organisationseinheiten zusammen-

gelegt. Auch wenn dies in manchen

Fällen zu Lasten aussagekräftiger

Ergebnisse führen kann, wird so die

Anonymität der Teilnehmer auf

jeden Fall gewährleistet.”

Der Anonymitätsgrundsatz gilt

auch für den Rücklauf der Fragebögen.

Die Mitarbeiter senden ihre

Antworten in einem verschlossenen

Kuvert via Hauspost an den Personalrat

oder geben sie persönlich

dort ab. Der Personalrat bewahrt die

verschlossenen Umschläge mit den

Fragebögen bis zum letzten Abgabetermin

auf und leitet sie dann an

das Landesamt für Statistik zur Auswertung

weiter. Nach Abschluss der

Aktion werden alle Daten vom Landesamt

gelöscht und die Fragebögen

vernichtet.

CHANCE ZUR KRITIK

Konzipiert und formuliert wurde die

bayernweite Befragung von Professor

Lutz von Rosenstiel vom Institut

für Psychologie der LMU, in Zusammenarbeit

mit dem Landesbeauftragten

für Datenschutz und den

Hauptpersonalräten. Professor von

Rosenstiel sieht in der Befragung

eine besondere Chance, „schließlich

ist es im Arbeitsalltag nicht immer

ratsam, offen Kritik zu üben.“ Durch

die Fragebögen hätten die Mitarbeiter

nun die Möglichkeit, ihren Wün-

sche und Probleme publik zu

machen. Diese Gelegenheit, appelliert

der Wissenschaftler, sollten die

Bediensteten nicht ungenutzt verstreichen

lassen.

Damit den niedergeschriebenen

Antworten auch Taten folgen, legt

der Psychologe auch diesmal

besonderen Wert auf die Auswertung

und Umsetzung der Befragungsergebnisse.

Die Rückmeldung

soll möglichst schnell nach der Auswertung

an die jeweiligen Einheiten

gehen. In Gesprächsrunden können

dann die erhobenen Probleme

besprochen und Lösungen gesucht

werden. Da solche Sitzungen nicht

unbedingt konfliktfrei abliefen, so

Professor von Rosenstiel, seien Diskussionsleiter

von großer Bedeutung.

Ob und inwieweit die Mitarbeiterbefragung

dann auch Konsequenzen

im täglichen Arbeitsleben

haben wird, zeigt sich spätestens in

drei bis vier Jahren. Dann will die

Staatsregierung ihre Bediensteten

wieder kreuzeln lassen. ■ oh

Foto: LMU


Foto: Daniel Hintersteiner

■ DIE ZEIT LÄUFT FÜR

NACHWUCHSWISSENSCHAFTLER

LMU BEMÜHT SICH UM VERLÄNGERUNG

BEFRISTETER BESCHÄFTIGUNGSVERHÄLTNISSE

Wenn von Massenentlassungen die

Rede ist, kochen die Emotionen

verständlicherweise hoch. So auch

unter den Wissenschaftlern, die in

den vergangenen Monaten peu à

peu die Änderungen des Hochschulrahmengesetzes

(HRG) verdauen

mussten. Vor allem wissenschaftliche

Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter fürchten schlicht um

ihre berufliche Existenz angesichts

der neuen Regelungen für befristete

Beschäftigungsverhältnisse. Für

die Ludwig-Maximilians-Universität

München zumindest kann

Rektor Andreas Heldrich die Gemüter

beruhigen: „Auch unter dem

neuen Recht hatten wir noch keinen

Fall, in dem wir die Vertragsverlängerung

ablehnen mussten“,

erklärte der Jurist kürzlich in einem

Internet-Chat aus aktuellem Anlass

(http://chat.lmu.de). Seit der Gesetzesnovelle

landeten bisher mehr

als 100 Anträge wissenschaftlicher

Mitarbeiter auf dem Tisch der Personalabteilung.

Worum geht es in der Sache? Mit

dem neu gefassten HRG hat die

Bundesregierung drei einschnei-

dende Neuerungen eingeführt: Die

Juniorprofessur, die Assistentenund

Oberassistentenstellen ersetzen

soll, ferner die Abschaffung der Habilitation

als Berufungsvoraussetzung

sowie eine Beschäftigungsfrist

von maximal zwölf Jahren für die

gesamte Qualifikationsphase junger

Wissenschaftler. Da die beiden erstgenannten

Regelungen noch in

Landesrecht umgesetzt werden

müssen, konzentrierte sich der Protest

zunächst auf die befristeten Beschäftigungsverhältnisse.

Denn das

Gesetz ist am 23. Februar 2002 bereits

in Kraft getreten.

ÖFFENTLICHE EMPÖRUNG

Die neue Faustregel für Zeitverträge

wissenschaftlicher Mitarbeiter

lautet: Sechs Jahre vor der Promotion,

sechs Jahre nach der Promotion

(Verschiebungen möglich) – das

ist für Bundesbildungsministerin

Edelgard Bulmahn der ideale Karriereweg

zu einer unbefristeten Einstellung,

etwa für eine Professur auf

Lebenszeit. Diese Vorgabe sorgte

prompt für öffentliche Empörung.

Hauptargument der Gegner: Wer es

nach zwölf Jahren in der Wissen-

schaft nicht geschafft habe, der

werde einfach an die Luft gesetzt.

Das sei nicht nur eine

persönliche Katastrophe für die

Betroffenen, sondern auch ein

Rückschlag für viele laufende

Forschungsprojekte.

Der Ärger über das neue, eingeschränkte

Vertragsrecht blieb

schließlich in Berlin nicht ohne Folgen.

Doch auch die nun vorgesehene

Nachbesserung des HRG mit

neuen Übergangsfristen zugunsten

der Nachwuchsforscher geht vielen,

insbesondere Bayerns Wissenschaftsminister

Hans Zehetmair,

nicht weit genug.

An der doppelten Sechs-Jahres-

Regel stoßen sich vor allem diejenigen

Wissenschaftler, die die Frist

überschritten haben oder überschreiten

werden. Für die LMU signalisiert

Personalchef Friedrich Pott

Entwarnung: „Richtig ist, dass nach

Ablauf der Sechs-Jahres-Frist ein

befristeter Vertrag nicht mehr auf

das HRG gestützt werden kann.

Doch wir können dann weiterhin die

allgemeinen Befristungsgrundsätze

anwenden, insbesondere das Gesetz

über Teilzeitarbeit und befristete

Arbeitsverträge“, sagt der Leitende

Regierungsdirektor. Damit ist seiner

Meinung nach in den meisten Fällen

eine Fortbeschäftigung nach

Ablauf der Höchstfristen des HRG

möglich, insbesondere bei Drittmittelprojekten.

Darüber hat der Personalchef

alle wissenschaftlichen Einrichtungen

und auch die Kliniken

der LMU schriftlich informiert. Allerdings

ist die Beschäftigung nach allgemeinem

Arbeitsrecht an bestimmte

Bedingungen geknüpft.

Damit geht die Universität das Risiko

von einklagbaren so genannten

Kettenverträgen ein. Der Personalchef

sieht dies gelassen: „Wir arbeiten

zugunsten der Wissenschaft

gern mit diesem Risiko, prüfen dieses

aber in jedem Einzelfall genau.“

■ gl

7 Die wissenschaftlichen Mitarbeiter

der LMU sollen auch in

Zukunft in Ruhe forschen können.

■ LMU-

BROSCHÜREN IM

NEUEN LAYOUT

Pünktlich zum Start ins Sommersemester

präsentieren sich die

LMU-Infobroschüren „Veranstaltungskalender”,

„Konzerte in der

Aula” und „Studium generale” in

neuem Layout. Die drei Uni-Prospekte

sind nun als einheitliche

Reihe mit weiß-grünen Titelbildern

auf das Corporate Design der

Ludwig-Maximilians-Universität

abgestimmt. Die Broschüren, die

monatlich („Veranstaltungskalender“)

beziehungsweise zum

Semesterbeginn („Konzerte in der

Aula“ und „Studium generale“)

erscheinen, informieren über alle

öffentlichen Veranstaltungen an

der LMU. Die Hefte liegen kostenlos

in den Gebäuden der Universität

sowie in der Stadtinformation

im Münchner Rathaus am

Marienplatz aus. ■ oh

1 Hingucker: Die Infobroschüren

der LMU erscheinen nun in einheitlichem

weiß-grünen Layout.

MUM 02/2002 LMU – OFFICE

29

Foto: LMU


MUM 02/2002 LMU – OFFICE

30

Sommerlicher Stabwechsel: Nach

dreijähriger Amtszeit übergibt

LMU-Kanzler Dr. Hendrik Rust am

1. Juni turnusgemäß seine Aufgaben

als Sprecher der bayerischen

Uni-Kanzler an seinen Kollegen

von der Universität Würzburg,

Bruno Forster.

Alle sechs bis acht Wochen treffen

sich die leitenden Beamten der neun

staatlichen und der beiden nichtstaatlichen

Unis in Bayern zu

gemeinsamen Beratungen. Rechtsund

Personalangelegenheiten, Bauorganisation

und Gebäudebewirtschaftung

sowie vor allem Haushaltsfragen

– die Liste der besprochenen

Themen ist stets lang. Und

letztlich geht es stets ums Geld, wie

beispielsweise bei der Frage, welche

Software die Univerwaltungen kaufen

sollen. Besonders wichtig für die

Kanzlerrunde ist auch immer wieder

die Diskussion über den Vertei-

MÜNCHEN ÜBERGIBT

AN WÜRZBURG

WECHSEL AN DER SPITZE DER

BAYERISCHEN UNI-KANZLER

lungsmodus staatlicher Mittel zwischen

den Hochschulen oder über

Haushaltskürzungen und Stellenabgaben

an das Finanzministerium.

„Natürlich müssen auch die Unis im

Freistaat in wirtschaftlich schwierigen

Zeiten kräftig sparen“, sagt

Kanzler Rust und fügt hinzu: „Dies

darf aber nicht dazu führen, dass

von hoher Hand in mühsam gebildete

finanzielle Rücklagen und

Rückstellungen eingegriffen wird.

Die den Großunternehmen durchaus

vergleichbaren Hochschulen

können nach den Grundsätzen der

Kameralistik kaum noch wirtschaftlich

erfolgreich sein.“

Allerdings hat dieser „Elferrat“

keine Beschlusskompetenz, doch die

meist einhellige Meinung der bayerischen

Uni-Kanzler hat gegenüber

dem bayerischen Rechnungshof

oder den Ministerien durchaus

Gewicht. Um dieses noch zu vergrößern,

werden zu den Kanzler-

Beratungen regelmäßig Fachleute

aus der Wirtschaft oder den Ministerien

eingeladen. „Wir wollen Kontakte

zu Experten außerhalb der Universitäten

knüpfen, um deren Sachverstand

und Erfahrung zu nutzen“,

erklärt Rust. Der Sprecher der deutschen

Uni-Kanzler, die im September

in Halle tagen, ist übrigens auch ein

Bayer: Thomas A. H. Schöck kommt

von der Friedrich-Alexander-Universität

Erlangen-Nürnberg ■ oh

1 Kanzler Bruno Forster

Foto: Universität Würzburg

1 Kanzler Dr. Hendrik Rust

Foto: Hans-J. Laschinsky

Foto: LMU


TIPPS &

TERMINE

■ MUSIKER GESUCHT

Für das Sommersemester sucht Sinfonieta,

das Orchester der Münchner

Universitäten, noch Verstärkung:

Eine Soloflöte, Solo-Oboe und

Horn, sowie Musiker unter den Studierenden,

die Violine, Viola und

Violoncello spielen können. Interessenten

schreiben an: Sinfonieta,

Orchester der Münchner Universitäten,

Gesellschaft für studentisches

Musizieren, Musikalischer Leiter

Hartmut Zöbeley, Düsseldorfer

Str. 7, 80804 München. Konzerte in

der LMU, im Nymphenburger

Schlosspark und beim Theatron-

Musiksommerfestival, Anfragen

unter Tel.: 089-300 5568 und 089 –

52 11 10.

■ WEITERBILDEN IM MAI

Das Institut Student und Arbeitsmarkt

bietet auch im Mai Weiterbildungskurse

an. In kleinen Kursgruppen

(bis max. 25 Teilnehmer)

führen Dozenten aus der Wirtschaft

lernintensiv und praxisnah durch

die Kurse. Bei regelmäßiger Anwesenheit

erhalten die Teilnehmer Zertifikate!

Auf freiwilliger Basis werden

Prüfungen geschrieben, die zu

benoteten Zertifikaten führen. Kursgebühr

für Studierende aller Fachrichtung:

52 Euro, für Angestellte

der LMU: 100 Euro. Für ehemalige

Teilnehmer sind die Kurse kostenlos.

Die Termine für die neuen Kurse

sind: Desktopadministration Betriebssystem

Windows 9x: Mi, ab 8.

Mai, 17.30 Uhr s.t. Grundlagen Datenbankdesign

mit SQL: Mi, ab 8.

Mai, 17.30-20.45 s.t. Wirtschaftsenglisch:

Di. oder Mi., ab 7. Mai oder

8. Mai, 18-21 Uhr s.t. Mehr Infos:

Tel.: 089 – 2180-2191 oder E-Mail:

irina.spalek@extern.lrz-muenchen.de.

■ DEBATTIERCLUB MÜNCHEN

Fast 50 debattierlustige Studierende

argumentieren jede Woche nach

festen Regeln zu einer aktuellen

Streitfrage – wer welche Position zu

vertreten hat, wird ausgelost. So

wollen sie lernen, was an der Uni oft

zu kurz kommt: die Fähigkeit zu reden,

seine Meinung verständlich zu

präsentieren und die Zuhörer nicht

zu langweilen. Der Club steht allen

Studierenden, Doktoranden und Referendaren

offen. Die Debattierfreunde

treffen sich jeden Mittwoch

um 19.15 Uhr in den Räumen der

Katholischen Hochschulgemeinde,

Leopoldstr. 11. Weitere Infos: www.

debattierclub-muenchen. de.

■ VORSTELLUNGSGESPRÄCHE

OHNE ENDE

Sieben Vorstellungsgespräche auf

einen Streich. Dieser Service bietet

sich Studierenden bei der 3. UNI-

CUM Deutsche Recruiting Messe am

27. und 28. Mai in der Messe Düsseldorf.

Wer sich bis zum 10. Mai

unter www.unicum.de/messe für ein

Einzelgespräch bewirbt, wird mit etwas

Glück von mehreren Unternehmen

eingeladen und kommt kostenlos

zur Messe. Rund 100 Unternehmen

und 5000 Studierende, Hochschulabsolventen

und Young Professionals

werden erwartet. Darüber

hinaus stehen Unternehmenspräsentationen,

Fachvorträge und eine

individuelle, kostenlose Bewerberberatung

auf dem Programm. Neu

ist in diesem Jahr außerdem ein gesondertes

Forum für den Bereich

Weiterbildung.

■ JETZT IM NETZ: NEUER

ONLINE-MULTIMEDIAKURS

Fotographisch-filmische Dokumentation

und (animierte) Visualisierung

wissenschaftlicher Prozesse

sind für viele naturwissenschaftliche

und geisteswissenschaftliche

Fächer von zunehmender Bedeutung.

Jetzt können Interessenten

den Online-Multimediakurs von

Reinhold Leinfelder, Lehrstuhl Paläontologie

der LMU unter www.

palaeo.de/multimediakurs aufrufen,

der einen raschen Einstieg in die

Möglichkeiten multimedialer Dokumentation

und Präsentation bietet.

Gerade im Jahr der Geowissenschaften

soll dies ein Beitrag sein,

entsprechende Internet-, CD- und

DVD-, sowie Multimedia-eBook

und Touchscreen-Kioskprojekte

zu initiieren bzw. zu

erleichtern. Studieren-

den soll der Online-Multimediakurs

den Erwerb entsprechender Schlüsselqualifikationen

ermöglichen. Das

Weiterbildungsangebot der LMU

steht aber auch allen anderen Interessierten

offen. Der Kurs darf für

weitere, nichtkommerzielle Kurse

unter der Angabe von Autor und Beachtung

weiterer Copyright-Regelungen

verwendet werden.

■ DIENSTAGSVORTRÄGE ZUR

UMWELTGESCHICHTE

Das Historische Seminar der LMU

bietet in diesem Sommersemester

im Rahmen ihrer Dienstagsvorträge

eine Ringvorlesung zum Thema

„Umweltgeschichte. Erträge und

Perspektiven“ an und hat dafür die

renommiertesten Experten der Umweltgeschichte

gewinnen können.

Die sieben national und international

anerkannten Wissenschaftler

bieten einen umfassenden Überblick

über zukunftsweisende Ansätze interdisziplinärerumweltgeschichtlicher

Forschung. Alle Beiträge bündeln

Ergebnisse aus der Sozial-,

Wirtschafts- und Technikgeschichte,

der Geobotanik und Historischen

Geographie, sowie der Volkskunde

und allgemeinen Geschichte. Die

Vorträge bieten zudem die einmalige

Chance, mit den Kennern dieses

aktuellen Forschungsfeldes in München

persönlich diskutieren zu können.

Die Termine sind: 7. Mai, Joachim

Radkau (Bielefeld): „Der europäische

Sonderweg in der Umweltgeschichte”;

28. Mai, Hansjörg

Küster (Hannover): „Die wissenschaftliche

Botschaft der Umweltgeschichte

für der Umgang mit Natur,

Umwelt und Landschaft”; 4.

Juni, Rolf Peter Sieferle (St. Gallen):

„Nachhaltigkeit in historischer Perspektive”;

18. Juni, Christian Pfister

(Bern): „Das 1950er Syndrom –

Zum Stand der Diskussion“;

25. Juni, Franz-Josef

Brüggemeier (Freiburg):

„Blauer

Himmel über

der Ruhr?

Umwelt-

Da Kritika

geschichte in einem industriellen

Ballungsraum“; 9. Juli, Albrecht Lehmann

(Hamburg): „Aspekte populären

Landschaftsbewusstseins”.

Beginn der Veranstaltung ist jeweils

19 Uhr, c.t. im Historischen Seminar,

Schellingstraße 12, Raum A 001.

Weitere Informationen: Dr. Nils

Freytag, Historisches Seminar, Tel.:

089 – 2180-5569.

■ OFFENE HOCHULMEISTER-

SCHAFTEN IN MÜNCHEN

Den Florettfechtern und Geräteturnern

unter den Studierenden und

Mitarbeitern der Universitäten in

München bieten zwei Meisterschaften

im Mai die Möglichkeit, sich mit

Gleichgesinnten zu messen. Am 12.

Mai findet in der Zentralen Hochschulsportanlage

das Offene Hochschulturnier

für Nachwuchsfechter

im Florettfechten statt. Interessenten

müssen sich bis zum 7. Mai bei

Hole Rössler, Fachgebiet Fechten,

entweder per Brief, Fax: 089 – 289

24 664 oder E-Mail: roessler@zv.

tum.de anmelden. Die Gebühr beträgt

2,50 Euro. Turnerisch begabte

Studierende können sich am 29. Mai

in den Turnhallen des ZHS bei den

Offenen Münchner Hochschulmeisterschaften

der Männer und Frauen

in jeweils drei Wettkampfarten

versuchen. Teilnehmer müssen

sich schriftlich mit Namen,

Hochschule, Semesterzahl

und Wettkampfarten

anmelden. Einfach in

den Kasten neben

dem Wettkampfbretteinwerfen

ECKLS ECK

Da Kritika hod mei Stück glesn,

zammapapierlt und in’ Papierkorb gschmissn.

D Putzfrau hod s ausanandapapierlt,

glesn,

glacht

und an Kritika

in seim Dreeg sitzn lassn.

* HELMUT ECKL IST LEITER DES REFERATS III B 4 DER LMU.

DER SATIRIKER HELMUT ECKL* HAT DAS WORT

MUM 02/2002 LMU – OFFICE

31


MUM 02/2002 LMU – OFFICE

32

Fotos: LMU

oder per Brief an Heinrich Leopoldseder,

Fachgebiet Geräteturnen,

schicken. Meldeschluss ist der 15.

Mai. Meldeadresse für beide Wettkämpfe:

Sportzentrum der TU München,

Abteilung Hochschulsport,

Connollystr. 32, 80809 München.

PREISE &

STIPENDIEN

■ OLAF-TRIEBENSTEIN-

PREIS 2002

„Verbraucherinformation zur Ernährung“

ist das Thema des diesjährigen

Olaf-Triebenstein-Preises. Der

von der Stiftung Warentest ausgeschriebene

Förderpreis wird alle

zwei Jahre neu vergeben und ist mit

5000 Euro dotiert. Der Preis zeichnet

Arbeiten aus, die die Tätigkeit

der Stiftung in innovativer Weise

fördern. Das Thema eignet sich für

ein breites Spektrum möglicher Untersuchungsansätze:

Von der Prüfung

und Bewertung von Lebensmitteln

über Fragen der Kennzeich-

nung bis hin zu effektiven Wegen

der Informationsvermittlung. Studenten,

Nachwuchswissenschaftler

und Wissenschaftsjournalisten, die

an diesem Thema interessiert sind,

können die Teilnahmebedingungen

bei der Stiftung Warentest unter

Tel.: 030 - 2631 2240 oder im Internet

(www.stiftung-warentest.de)

anfordern. Abgabetermin ist der 30.

Juni 2002.

■ MULTIMEDIA-TRANSFER-

WETTBEWERB

Zum achten Mal können sich Studierende,

Absolventen und junge

Wissenschaftler aller Fakultäten ab

dem Sommer wieder um die Multimedia

Transfer-Preise bewerben.

Einzureichen sind Projekt- und Abschlussarbeiten

in den Kategorien

Creative Design, E-Learning, Tools,

E-Business und Hot Trends. Geplant

ist auch ein Sonderpreis Women’s

Special. Bewertungskriterien sind

Innovationsgehalt, Medieneinsatz,

Benutzerfreundlichkeit und Design.

Auf der Learntec, der Messe für Bildungs-

und Informationstechnologie

in Karlsruhe, präsentieren die 25

besten Teilnehmer ihren Beitrag. Als

Aussteller am Gemeinschaftsstand

„Forum Multimedia Transfer” können

sie sich den Entscheidern aus

der Wirtschaft vorstellen und wertvolle

Kontakte für den Berufsstart

1 Hahn und Heldrich: Kanzler Dr. Hendrik Rust (links) und Rektor Prof.

Andreas Heldrich

knüpfen. Ausschreibungsbeginn ist

Mitte Juni. Einsendeschluss ist der

15. Oktober 2002. Weitere Informationen

unter: www.ask.uni-karlsruhe.

de/transfer 2003.

■ 4. DEUTSCHER STUDIENPREIS

Mit dem Thema „Tempo! – Die beschleunigte

Welt“ hat die Körber-

Stiftung am 1. April 2002 die Ausschreibung

zum 4. Deutschen Studienpreis

gestartet. Studierende aller

Fachrichtungen und Hochschulen

aus dem In- und Ausland können

ihre Arbeiten bis zum 31. Oktober

2002 einreichen. Es gibt Preise

im Gesamtwert von 250.000 Euro.

Der Wettbewerb lädt zum interdisziplinären

Austausch über den Umgang

mit der Zeit ein. „Ich habe keine

Zeit“ ist heutzutage eine häufige

Klage. Alles soll immer schneller gehen.

Trotzdem hat niemand Zeit.

Das Phänomen der Beschleunigung,

ein universales Kennzeichen moderner

Gesellschaften, zieht sich durch

alle Lebensbereiche. Die damit verbundenen

Fragen und Probleme

sind sehr komplex und es gilt, die

vielfältigen Facetten dieses Phänomens

anhand der unterschiedlichsten

Fragestellungen zu untersuchen:

Wie sind die Auswirkungen

für den Einzelnen, wenn man dabei

einerseits an die schnelle Bedürfnisbefriedigung

und andererseits an

1 Gestreift: Michael Schmidt vom

Universitäts-Bauamt

NACHSCHLAG

FASCHINGSGALERIE AUS DER LEO 3

den wachsenden Stress denkt? Wie

steht es mit Gegenbewegungen wie

sanfter Tourismus, Sabbatjahr oder

Wellness-Wochenende? Ist es richtig

von den Bildungsexperten, kürzere

Schul- und Studienzeiten zu

fordern? Ist extremer Ressourcenverbrauch

unvermeidbar oder haben

energiesparende Technologien

wirklich eine Chance? Welche kulturellen

Unterschiede im Umgang

mit der Zeit gibt es? Interessierte

können die Wettbewerbsunterlagen

bei der Körber-Stiftung anfordern,

Tel.: 040 - 7250 3057 und einen E-

Mail-Newsletter mit Artikeln, Tipps

und Links zum Thema abonnieren

(www.studienpreis.de).

■ FORUM HUMORUM

„Sehr geehrte Redaktion,

bezugnehmend auf S. 21 der

Ausgabe 01/2002 des MUM -

Forum Humorum - darf ich

Ihnen mitteilen, dass es mich

wirklich gibt.”

3 E-Mail von Dr. Peter-Arnold

Mumm, Institut für Vergleichende

und Indogermanische

Sprachwissenschaft

sowie Albanologie der LMU,

an das MünchnerUni.Magazin

(MUM)

1 Mit Charme und Melone: Walter

Franziszi vom Referat IIB2

1 Als Hasi: Peter Thomas, Ref. IIB2


Auch im Sommersemester 2002

hat die Unilaufbahn für die Studienanfänger

mit der traditionellen

Begrüßungsfeier im Lichthof des

LMU-Hauptgebäudes begonnen.

Um Punkt zwölf Uhr begrüßte Rektor

Prof. Andreas Heldrich die Studenten.

Zuvor hatte die Band

„Miller’s Connection“ den Erstsemestern

bereits eine Stunde lang

eingeheizt. Heldrich beglück-

wünschte die Frischlinge zum Studienbeginn

an der LMU, die in den

neuesten Hochschulrankings von

FOCUS, sowie des Centrums für

Hochschulentwicklung gemeinsam

mit dem STERN in den meisten

Fächern wieder spitze ist. Vor

allem die Wirtschaftswissenschaften

schnitten sehr gut ab.

Des Rektors Tipp zum Uni-Start:

Auch Vorlesungen anderer Fächer

besuchen und die Luft der weiten

Welt schnuppern. „Die Universität

ist keine Ausbildungsmaschine

sondern Lebensraum zwischen

Schule und Berufspraxis.“ Damit

die Erstsemester für ihre Zeit an

der LMU gut gerüstet sind,

bekommmen die rund 3000 Neulinge

einen schwarzen LMU-Rucksack

mit Infos rund ums Studium

und kleinen Geschenken. ■

Fotos: Maria Dorner

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