Wir haben das ZEWO- Gütesiegel Impressum - märtplatz

maertplatz.ch

Wir haben das ZEWO- Gütesiegel Impressum - märtplatz

2008/2009


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Editorial

Vom Ausbildungserfolg her betrachtet,

war das vergangene

Jahr ein hervorragendes. Wer

immer sich von unseren MärtplätzlerInnen

an eine Abschlussprüfung

wagte, bestand diese.

Im Detail haben unsere Leute folgende

Prüfungen abgelegt:

2 Bildhauerinnen

Prüfung Österreich

1 Damenschneiderin

Prüfung Schweiz

1 Fotofach-Angestellte

Prüfung Schweiz

3 FotografInnen

Prüfung Österreich

2 Fotokaufmann/frau

Prüfung Österreich

2 ICT Assistant Web SIZ

Prüfung Schweiz

Ein herzliches

Dankeschön!

Wir danken …

Annemarie Meili, Küsnacht

Ruth J. Müller, Zürich

Dr. Markus Flepp, Zürich

Eugen Jegge-Kläsi, Küsnacht

Josef Hildbrand, Zürich

Urs Doerig, Kreuzlingen

Susanne und Eric Cramer, Rorbas

Urs Pape, Neerach

Ernst Feldmann-Schmidlin, Küsnacht

Elke Fenner, Zürich

Urs Horber-Masetto, Zürich

Ilse und Jean-Jacques Blumer, Freienstein

Dr. Ulrich Münch, Winkel

der Gemeinde Rorbas

1 Keramikmalerin

(Anlehre) Schweiz

2 Köche

Prüfung Schweiz

Die beiden Bildhauerinnen

kamen zum einen aus der Theaterwerkstatt

(Steinbildhauerin),

zum andern aus der Töpferei

(Keramikbildhauerin). Für drei der

Abschliessenden hatten wir für

den praktischen Teil eine sogenannte

Betriebsprüfung beantragt.

So konnten sie die Prüfung

in ihrer gewohnten Umgebung

ablegen. Auch der Augenschein

der Keramikmalerin erfolgte in

unserer Werkstatt. Um die

Statistik zu vervollständigen, sei

noch erwähnt, dass auch zwei

unserer LehrmeisterInnen sich

den österreichischen Abschlussprüfungen

unterzogen (und

ebenfalls bestanden). Dies taten

sie, um sich Klarheit über den

Inhalt und die Form der dortigen

Prüfung (es handelt sich um die

offizielle Lehrabschlussprüfung)

zu verschaffen.

Ich möchte allen, den Prüflingen

und all denen die sie ausgebildet

haben, herzlich gratulieren und

ihnen für ihre grossartige geleistete

Arbeit herzlich danken.

Unsere Ausbildungen am Märtplatz

werden immer komplizierter.

Das hängt zum Teil damit

zusammen, dass die Anforderungen

in den einzelnen Berufen

stetig steigen, und zwar für die

praktische Ausbildung wie für die

Berufsschule. Immer öfter müssen

wir Nachhilfen, Zusatzunterricht,

Lernbegleitung oder

Prüfungsvorbereitungen organisieren.

Zum andern Teil aber

werden auch unsere Lehrlinge

immer «unhandlicher». Es sind

durchs Band feine, liebenswerte,

begeisterungs-fähige, einsatzbereite,

gescheite Menschen. Aber

die meisten von ihnen haben an

dem, was sie in ihrem jungen

Leben bereits erfahren mussten,

derart schwer zu tragen, dass sie

für das Erlernen eines Berufs

ausgiebige zusätzliche Unter-

der Ref. Kirchgemeinde Bassersdorf-Nürensdorf

… und all den vielen weiteren

der Staub-Kaiser-Stiftung, Winterthur

Spenderinnen und Spendern,

der Primarschule Hochfelden

die uns im vergangenen Jahr

regelmässige, unregelmässige

und einmalige Beiträge haben

zukommen lassen – kleine, grössere und ganz grosse. Ihnen allen

dürfen und können wir mit bestem Gewissen sagen, dass ihr Geld

nicht irgendwie in dubiosen Börsengeschäften oder beim Spekulieren

an amerikanischen Banken versandet, sondern dass es uns ganz

wesentlich bei unserer wichtigen Arbeit hilft. In diesem Sinn soll das

vorliegende «MärtBlatt» auch ein «DankBlatt» sein.

stützung brauchen. Wir alle, die

Lehrlinge und ihre Ausbildner-

Innen, sind da ganz schön gefordert.

Jedes Mal, wenn wir in der Märtplatz-Sitzung

(in der gemeinsamen

Sitzung von Lehrmeister-

Innen und Geschäftsleitung) in

Gedanken durch unsere Werkstätten

gehen und über die

Entwicklungen der einzelnen

Lehrlinge in den letzten Wochen

sprechen, werde ich vor Freude

ganz melancholisch. Wieviel

Einsatzbereitschaft kommt da

zusammen, wieviel guter Wille,

Grosszügigkeit, Freude am einzelnen

Menschen, Ideenreichtum,

wenn es darum geht, für

jeden unserer Lehrlinge eine ihr

oder ihm gemässe Form der

Ausbildung oder sonstiger

Unterstützung zu finden! Es gibt

kaum einen jungen Menschen

bei uns, für den nicht irgend eine

spezielle Abmachung, irgend ein

besonderes Arrangement gilt.

Und was ist es doch für eine

wunderschöne, spannende und

lohnende Aufgabe, sich all diese

verschiedenen Arrangements

auszudenken und auszuprobieren.

Daran können wir uns erinnern,

wenn wieder Zeiten kommen, in

denen einzelne unserer Lehrlinge

in Depressionen ertrinken oder

bei der Prüfung durchfallen.

Jürg Jegge


Das internationale Kabarettforum «Salzburger Stier» ist 27 Jahre alt

Die Märtplatz-Theaterwerkstatt wirkt mit!

Seit 27 Jahren gibt es den «Salzburger Stier», den renommiertesten Kleinkunstpreis im deutschen Sprachraum,

und seit 24 Jahren gibt es den Märtplatz. Etwas haben diese beiden Institutionen gemeinsam: Unsere Theaterwerkstatt

stellt seit einigen Jahren den Preis, einen stilisierten Stierkopf, her.

Immer dann, wenn einmal im

Jahr eine Künstlerin oder ein

Künstler aus Deutschland, Österreich

und der Schweiz in irgend

einer Stadt im deutschsprachigen

Raum mit dem «Salzburger

Stier» ausgezeichnet wird, dann

ist der Märtplatz indirekt mit

dabei: Der Preis, ein stilisierter

Stierkopf, wird seit Jahren bei

uns in der Theaterwerkstatt sorgfältig

und liebevoll hergestellt.

Die «Arbeitsgemeinschaft für Unterhaltung

deutschsprachiger

Sender» (AUDS) ist ein Gremium

von Radio-Unterhaltungsabteilungen

der ARD, des ORF, des

Schweizer Radio DRS und der

RAI Bozen. Ziel der AUDS ist die

Förderung des inhaltlichen Austausches

zwischen den einzelnen

Sendern sowie die Vertretung

der Anliegen der Unterhaltungsredaktionen

in den

öffentlich-rechtlichen Organisationen.

Die Arbeitsgemeinschaft

ist als Trägerin für die Durchführung

des Salzburger Stiers

verantwortlich und organisiert

Fachtagungen und Foren.

Die FotografInnenlehrlinge und AusbildnerInnen stellten sich die Aufgabe,

das übergreifende Thema «Weg / Strecke» fotografisch umzusetzen.

Die folgende Fotostrasse zeigt

die Bilder von: Juliana Brücker und

Rachel Fischer (S. 3 bis 7), Dominik

Weiss (S. 8 und 9), Sascha Wipf

(S. 10 und 11), Nick Brändli (S. 12 bis

15), Natalie Wigger (S. 16 und 17) und

Heidi Arens (S. 18 und 19).

Der «Salzburger Stier» wird seit Jahren in der Märtplatz-Theaterwerkstatt hergestellt.

Am Anfang war «unser»

Cédric Dumont

Gegründet wurde die AUDS

Ende der Sechzigerjahre.

Gründungspräsident war der

Musiker und Radiomann Cédric

Dumont, Chef des in der

Foto: Juliana Brücker/Rachel Fischer

Schweiz legendären Radio-Unterhaltungsorchesters.Ursprünglich

gehörten Musik- und Wortabteilungen

gemeinsam der

AUDS an. Umstrukturierungen in

den einzelnen Sendern hatten

zur Folge, dass die Musikredaktionen

mit der Zeit ausschieden.

Heute ist die Gemeinschaft

schwerpunktmässig der Wortunterhaltung

verpflichtet.

1982 wurde der Preis zum ersten

Mal vergeben. Der erste Schweizer

Preisträger war der Kabarettist

Joachim Rittmeyer, der am

Foto: Dominik Weiss

salzburger stier

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salzburger stier

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Märtplatz auch schon Kurse «für

unerwartete Situationen» durchgeführt

hat. Der Salzburger Stier

ist einer der renommiertesten

Kleinkunstpreise im deutschen

Sprachraum und mit je – das

heisst für Deutschland, Österreich

und der Schweiz – 6000

Euro (rund 9600 Franken) dotiert.

Während 15 Jahren wurde der

Preis in Salzburg verliehen. Dann

ging er auf Reisen und zwar zu

den Hörerinnen und Hörern der

am Preisverfahren beteiligten

Sendestationen. In den 90er

Jahren fand er in Luzern statt,

2008 machte er zum Beispiel in

Düsseldorf Station.

Die Stierwascher

So wie das Pferd zu Troja und

die Eulen zu Athen gehören, gehört

der Stier zu Salzburg. Die

Legende vom Salzburger Stierwaschen

ist eine schöne Geschichte,

die man gerne den Touristen

erzählt. Zur Zeit der Bauernaufstände

in Salzburg, um 1525,

wurde Erzbischof Matthäus Lang

von Wellenburg in der Festung

Hohensalzburg von den Aufständischen

belagert. Salzburg war

damals bereits von starken

Stadtmauern umgeben, welche

Noch ein Salzburger Stier

Mit der Bezeichnung «Salzburger Stier» wird

auch das älteste noch in Betrieb befindliche

Hornwerk der Welt bezeichnet. Es befindet

sich hinter dem Holzbalkon des Krautturms in

der Festung Hohensalzburg in der Stadt

Salzburg. Über 200 Pfeifen hat diese riesige

Walzenorgel, die 1502 unter Erzbischof

Leonhard von Keutschach errichtet wurde.

1735 wurden sie durch Rochus Egedacher

erneuert. Vom Palmsonntag bis zum 31.

Oktober brüllt der «Salzburger Stier» täglich

jeweils um 7, um 11 und um 18 Uhr. Er leitet

damit das Glockenspiel am Residenzplatz ein

und beendet es auch wieder.

die Belagerer nicht bezwingen

konnten. Man wollte also die

Stadt so lange aushungern, bis

sie von selber zur Übergabe

bereit war. Die Bauern riegelten

Salzburg ab und so konnte kein

Lebensmittelnachschub in die

Stadt gelangen.

Die Salzburger erkannten aber

bald die Absicht der Feinde. Um

einer möglichen Hungersnot vorzubeugen,

schrieb der Stadtkommandant

ein strenges

Fasten vor. Aber irgendwann war

der Tag erreicht, an dem nur

noch ein einziger Stier übrig

Die Schweizer Preisträger

1982: Joachim Rittmeyer

1983: Osy Zimmermann

1984: Sibylle und Michael Birkenmeier

1985: Mad Dodo

1986: Cabaret Sauce Claire

1987: Sabine Rasser

1988: Kathrin Brenk

1989: Lorenz Keiser

1990: Linard Bardill

1991: Birgit Steinegger, Viktor Giacobbo

1992: Kabarett Götterspass

1993: Geschwister Pfister

1994: Acapickels

1995: Stiller Has

1996: Massimo Rocchi

1997: Wolfram Berger

blieb, der noch 1998: Maria Thorgevsky & Dan Wiener

nicht ge-

1999: Herr Thiel & Herr Sassine

schlachtet war. 2000: Geholten Stühle

Er war braun 2001: Ursus & Nadeschkin

gefleckt und 2002: Pfannestil Chammer Sexdeet

gut genährt. 2003: Ferruccio Cainero

Da verfiel der 2004: schön&gut

Stadtkomman- 2005: Emil Steinberger (Ehrenstier)

dant auf eine 2006: Gabriel Vetter

List: Am frü- 2007: Simon Enzler

hen Morgen

des nächsten

Tages wurde

2008: Franz Hohler (Ehrenstier)

der Stier auf die breite Festungschen die Salzburger den schekmauer

getrieben und von dort kigen Stier weiss an und zeigten

oben dem Feind gezeigt. Dieser ihn am Morgen darauf wieder

sollte nicht etwa glauben, die den Belagerern. Am dritten Mor-

Salzburger litten schon Hunger. gen trabte ein pechschwarzer

In der kommenden Nacht stri- Stier über die Festungsmauer.


Die aufständischen Bauern

waren nun der Meinung, dass

die ganze Belagerung nichts

gebracht hätte und Salzburg

immer noch über genügend

Lebensmittelreserven verfüge.

Und in der Nacht zogen die

fremden Kriegsknechte heimlich

ab. In der Stadt aber herrschte

grosser Jubel. Die Bürger führten

den Stier hinab an die Salzach

und wuschen ihn so lange bis er

wieder braun gefleckt war. Seit

dieser Zeit nennt man die

Salzburger «die Stierwascher».

Die Tatsachen

Historisch belegt ist, dass die

Salzburger Metzger die Schlachtung

der Tiere öffentlich vorzu-

nehmen hatten, damit kein

schädliches Fleisch in den

Verkauf kommen konnte. Die

übliche Reinigung an dem bis an

die Stadtmauer reichenden flachen

Ufer der Salzach und die

Schlachtprobe führte zur scherzhaften

Bezeichnung «Stierwascher»

für die Salzburger. Der

sogenannte «Wascher», der mit

Keulen oder ähnlichen Geräten

gegeben wurde, war dabei die

Betäubung, die bei einer

Schlachtung üblich war.

Weiter ist zu bemerken, dass die

Metzger der Stadt Salzburg bis

zur Zeit Wolf Dietrich von

Raitenaus ihre Läden auf der

damaligen Stadtbrücke hatten. In

einem alten Text aus dem Stadt-

Fotos: Juliana Brücker/Rachel Fischer

archiv von Salzburg lesen wir darüber:

«Auf der Pruggen gab es

dereinsten vierzehn Metzgerläden

... darunter Döllinger und

Reitsamer» (letzere Familie hatte

ihre Metzgerei noch bis in die

Vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts

in der Griesgasse). Da

Erzbischof Wolf Dietrich von

Raitenau jedoch der Gestank

ihrer Abfallbeseitigung in die

Salzach zu stark wurde und

natürlich auch die Sauberkeit der

Salzach sehr darunter litt, befahl

er diesen Metzgern, sich an

der Griesgasse anzusiedeln.

Die letzten Metzgerläden sind

von dort Anfang bis Mitte 20.

Jahrhundert verschwunden. Ein

Abbild der Metzgerfahne (mit

Metzgersprung) und das Wap-

pen der Metzgerinnung ist heute

noch im Hof zwischen dem Wilden-Mann-Durchgang

und dem

Geschäft Billa Corso zu sehen.

Und nicht unerwähnt bleiben

darf, dass die aufständischen

Bauern sich ja innerhalb der

Stadtmauern aufgehalten hatten.

Also in der Salzburger Altstadt.

Daher kann man auch davon

ausgehen, dass die sich in die

Festung Hohensalzburg zurück

gezogenen Stadtoberhäupter

und der Erzbischof gar nicht zur

Salzach zum Waschen gelangen

konnten.

salzburger stier

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werner herbst

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Der Schriftsteller, Verleger, Märtplatzwerkstattleiter und Freund Werner Herbst ist tot

«Dankbar für alles, was er für uns MärtplätzlerInnen getan hat»

Am 17. März 2008 starb Werner Herbst, 65jährig, völlig unerwartet in Wien. Er war während rund 22 Jahren als Leiter der

Schreibwerkstatt bei uns tätig. An seiner Beerdigung sprach auch Märtplatzleiter Jürg Jegge.

«Erstes Rorbaser sowie Zweites Wiener Lesetheater»: Werner Herbst, Felix Haldimann und Jürg Jegge trugen 1996

Brechts «Flüchtlingsgespräche» im Winterthurer Restaurant Eiffelturm vor.

Es gab Tränen bei uns am Märtplatz,

unserer Eingliederungsstätte

für junge Menschen mit

«Startschwierigkeiten», als die

Nachricht von Werners Tod eintraf.

Unsere Lehrlinge, unsere

Lehrmeisterinnen und Lehrmeister

verlieren einen Kursleiter, der

ihnen viel eher ein guter Kollege

war. Einer, der auf ihre Eigenheiten

einging, mit der ihm eigenen

Mischung aus Sensibilität

Foto: Gregor Supper

und Schroffheit, der sich für sie

interessierte und einsetzte.

Einige Märtplätzler, die haben

dank ihm noch im Erwachsenenalter

das Lesen und Schreiben

erlernt. Und er freute sich jedes-

weil ein ein

kein bein ist

drum fehlt so vieles

dem ein

aber dem bein auch

weil ja bekanntlich

ein bein

leider kein ein ist

spürst du das auch?

werner herbst

mal mit, wenn wieder so etwas

gelang. Ich erinnere mich, wie

er mich aus einer Sitzung schellte:

«Du, der Mario kann lesen» –

und wie er diesen Mario sogleich

bei der nächsten Lesetheateraufführung

einsetzte. Andere

unserer Leute kamen dank ihm

mit Literatur, mit visueller Poesie


oder, eben, mit dem Lesetheater

Mir selber machte es immer Sohn] erzählte. Der schrecklich

in Verbindung. Oder sie erfreu- ich lebte eine weile

grossen Spass, mit ihm meine litt, wenn seine Arbeit nicht

ten sich seiner wohlwollenden die weile ist vorbei

Texte durchzuackern. Beim beachtet wurde – und der hand-

und zugleich sehr kritischen und staune jetzt

letzten Mal sagte er zu mir: Du kehrum Lob unwirsch zurück-

Unterstützung bei ihren eigenen ich lebe ohne eile

wirst immer besser. Ich entgegwies. Der sich uneigennützig für

Schreibversuchen. Noch vor- und auch ganz ohne weile nete: Ich habe auch einen guten Kollegen einsetzte – und der sich

letzte Woche arbeitete er, neben die eile ist vorbei

Lehrmeister. Darauf brummte er: kurz darauf mit den selben

seinem gewohnten Kurs für so kommt

«Bitte sei nicht so blöd!»

Kollegen aufs Gröbste zerstreiten

unsere Journalisten-Lehrlinge, dass plötzlich leben ist

konnte, weil er etwas anderes für

mit einem etwas eigenartigen dort drüben

Ich bin ja bei weitem nicht der richtig erkannt hatte als sie. Das

jungen Menschen mit autisti- dort hinten

Einzige, der jetzt wieder einen war es, was ich vielleicht am

schen Zügen, der bis jetzt Kurz- und da

guten Freund mehr verliert. Einen meisten an ihm schätzte: dass er

geschichten im Umfang von ja selbst in mir

Freund, der auf imponierende es mir bei aller Freundschaft ge-

die eile ist gewesen

Weise nicht einverstanden war radeaus ins Gesicht sagte, wenn

doch will ich mich stets regen mit der Unwohnlichkeit und ich seiner Meinung nach irgend-

esso ist ein gutes benzin

in dieser kleinen weile

Ungleichheit dieser Welt – und wo falsch unterwegs war.

rama ist ein gutes fett

ganz ohne jeglich trübe

der zugleich mit seinem Einsatz

dash ist ein gutes waschmittel und bleiben was ich bin

dazu beitrug, sie wenigstens Und natürlich bewunderte ich ihn

berger ist ein guter sportler so ganz in einer weile

im kulturellen Bereich ein biss- dafür, wie er seine «liebe kleine

gott ist ein guter gott

doch gänzlich ohne eile

chen wohnlicher zu machen.

fiat ist ein gutes auto

in meiner kleinen welt

Der sich fürchterlich über die

werner herbst so zwischen hier und dort bürgerliche Enge der Familie spätabends singt die ölsardine

wo langsam stetig

aufregen konnte, im Allgemeinen schön tot und stinkend bin ich frei

sich zusammenhält

wie im Besonderen – und der im der dose ist dies einerlei

hundertfünfzig Seiten fast ohne die nackte kleine welt

selben Atemzug mit spürbarem sie rostet still vor sich hin

Punkt und Komma und unter

werner herbst Stolz von Gertrauds oder Stefans

werner herbst

ausführlicher Nichtbeachtung

auch üblicher Satz- und Recht-

Arbeit [Werner Herbsts Frau und

schreibgewohnheitengeschrie- zu bringen, die es allerdings in

ben hatte, und den er jetzt dazu sich hatten. Ich mag im Augen-

brachte, skurrile Miniaturen von blick nicht daran denken, was

zwei oder drei Sätzen zu Papier daraus hätte werden können.

Fotos: Juliana Brücker/Rachel Fischer

werner herbst

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werner herbst

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Herbstpresse» durch die Jahre

brachte. Er selber hätte mir beim

Lektorieren in diesem Satz das

Wort «natürlich» sofort herausgestrichen:

Was bitte hat das mit

Natur zu tun?

Ich komme jetzt langsam in ein

Alter, wo man sie nach und nach

verliert, die Menschen, mit denen

man ein Stück Weg gegangen

ist. Mit denen man redete, dachte,

trank und lachte und gemeinsam

andern Menschen das

Leben, je nachdem, vereinfachte

oder verkomplizierte. Meine

Eltern, beide über neunzig, haben

schon ungleich längere

Erfahrung mit solchen Verlusten.

Und obwohl sie gläubige

Menschen sind mit Hoffnung auf

ein Wiedersehen in der Ewigkeit,

sagen sie beide: «Das ist etwas,

daran gewöhnt man sich nie.

Das ist und bleibt jedesmal ein

Verlust und tut jedesmal weh.»

Für mich bleibt zum Schluss

doch so etwas wie Dankbarkeit,

gegenüber dem Schicksal, dem

Zufall, dem Leben, was weiss

ich? Dankbarkeit darüber, dass

ich Gelegenheit hatte, Werner

kennen zu lernen. Und vor allem

Dankbarkeit ihm gegenüber, für

all das, was er für uns Märtplätzlerinnen

und Märtplätzler – und

für viele andere auch – getan hat.

Fotos: Dominik Weiss


«Eine Einzelerscheinung im literarischen Leben Österreichs»

Das grosse, weite Herz unseres

Freundes und Kollegen, des

Autors, Buchliebhabers, Pädagogen

und Verlegers Werner

Herbst hat aufgehört zu schlagen.

In großer Trauer nehmen wir

von ihm Abschied. Sein feines

Sensorium für das Besondere,

ob in der Auswahl der Bücher

und Autoren, die er in seiner

herbstpresse und auf seinen

Einblattdrucken veröffentlichte,

für Papiersorten, Schrifttypen

oder Druckverfahren, mit denen

er seine Publikationen ausstattete,

oder in der Themenwahl und

Ausführung seiner eigenen Texte,

machten ihn schon früh zu einer

Einzelerscheinung im literarischen

Leben Österreichs. Er

agierte mitten im Zentrum und an

der Peripherie zugleich. Sein

Wohnsitz war Wien, sein Lebensort

Meidling. Mit welcher Liebe

zum Detail er seiner Arbeit nachging,

davon konnten sich seit

vielen Jahren die Besucher der

Frankfurter Buchmesse anhand

seiner eigenen Veröffentlichungen

und der seiner Kollegen in

Werner Herbst wurde am 20. Januar 1943 in Wien geboren. Er lebte in Wien und Ranzenbach

(Klausen-Leopoldsdorf, Niederösterreich), schrieb Lyrik und Seh-Texte, Prosa und Theaterstücke,

war seit 1970 Herausgeber des Verlags «herbstpresse» und organisierte viele internationale Einzelund

Gruppenausstellungen. Er veranstaltete zahlreiche «Literarische Duett-Duelle» mit Gerhard

Jaschke («schöne stunden», «vom häkchen zum haken», «es ist, um den verstand zu verlieren»,

«über den betrieb», «albert ehrenstein – eine collage», «unser nestroy») und hatte Auftritte mit den

Gruppen «Wohlklang» und «Neuer Wohlklang» (Werner Herbst: Text und Stimme, Andreas Leikauf:

Gitarre, und andere Musiker in verschiedenen Besetzungen) in Wien, Linz, Graz und Rorbas

(Schweiz). Seit 1986 war er Leiter der Schreibwerkstatt der Stiftung Märtplatz in der Schweiz. An

Preisen erhielt er unter anderen den Förderungspreis der Stadt Wien, den V. O. Stomps-Preis

(Mainz), den Adolf-Schärf-Preis und den Theodor-Körner-Förderungspreis. Werner Herbst war Mitglied

der Grazer Autorenversammlung, der Interessen-Gemeinschaft Autorinnen Autoren und des

Podium – Literaturkreis Schloss Neulengbach.

seinem Verlag überzeugen.

Werner Herbst hat das Medium

Buch & Buchdruck von allem

Anfang an nicht genügt.

Er hat genauso Schachteln wie

Geschirrtücher und vor allem

auch das Bild als literarische

Transportmöglichkeiten genützt.

Legendär wurden und waren

seine Wohlklanglieder beziehungsweise

seine Gruppenarbeiten

unter dem Gruppennamen

«Wohlklang», «Neuer

Wohlklang» oder «Die Herren».

Mit den «Herren» (Herbst,

Jaschke, Ruiss, Vyoral) führten

ihn Tourneen bis nach Deutschland

und in die Schweiz. In der

Schweiz, wo er regelmässig

Jugendlichen und Erwachsenen

Literaturunterricht gab, arbeitete

er auch als Pädagoge. Dorthin

haben ihn auch erst jüngst seine

beiden Lieblingsbeschäftigungen

geführt, Bücher auszustellen und

mit Texten zu arbeiten.

Bei der Luzerner Buchwoche hat

er wie so oft in seinem Leben,

nur diesmal eben zum letztenmal,

die Produktion seiner

herbstpresse, von Freibord und

der edition fundamental – und

damit auch der beiden Verlage

gezeigt, in denen er mit zahlreichen

Publikationen selbst vertreten

ist. Wir sind durch sein

Leben um zahlreiche Druck- und

Buchbesonderheiten reicher geworden,

wir haben durch seinen

Tod den unersetzlichen Verlust

seiner Freundschaft und seiner

Bemühungen um die Literatur,

insbesondere um die sowohl formal

als auch inhaltlich experimentierfreudige

Lyrik, erlitten.

Gerhard Ruiss

Interessen-Gemeinschaft

Autorinnen Autoren

Wien, 19.3.2008

werner herbst

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egina indermühle maurer

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Foto: Sascha Wipf

Zum Andenken an Regina Indermühle Maurer

«Sie war ein zutiefst

solidarischer Mensch»

Im letzten Jahr haben wir noch

einen weiteren lieben Menschen

verloren. Anfang 2008

verstarb unsere ehemalige

Stiftungsrätin Regina Indermühle

Maurer. Ich lernte Regina

und ihren Mann Werner vor gut

30 Jahren kennen. Werner war

damals «der» Grafiker des

Zytglogge-Verlags, Regina,

gelernte Fotografin, erledigte alle

Fotoarbeiten für den Verlag, und

so kamen wir zusammen. Immer

wieder hockte ich bei ihnen in

Wyden bei Neuenegg. Es gab

Tage, da glich das Haus einem

Bienenstock. Die Kinder vergnügten

sich mit ihren Kamerädlein

im Garten, hinter dem Haus

fotografierte Regina einen

Zytglogge-Autor, oben im Atelier

gestalteten Martin Hauzenberger

und Werner die Zytglogge-Zytig

und ich hielt die beiden mit

munteren Gesprächen von der

Arbeit ab. Wenn es gegen

Mittag ging, kreiste Regina ums

und durchs Haus, schaute,

wer alles da war, und für die gab

es dann zu essen, ohne grosses

Aufhebens. Sie hatte etwas

selbstverständlich Gütiges, fröhlich

Mütterliches, das in keiner

Weise vereinnahmend war.

Sie war ein zutiefst solidarischer

Mensch und blieb dabei trotzdem

absolut eigenständig. Als

wir mit viel Begeisterung und

Geld das Atelier Q gründeten,

bekam ich von ihr einen Brief.

Sie schrieb, dass sie die Idee gut

finde und mittrage. Zugleich

aber schalt sie mich nachdrücklich

für die Weise, auf die wir

das umsetzten. Wir entschieden

in der Geschäftsleitung trotzdem

so, wie wir es vorgesehen

hatten. Das tat unserer Freundschaft

mit Regina keinerlei

Abbruch. Übrigens sollte sie mit

ihrer Schelte Recht behalten.

Bilder: Regina Indermühle Maurer

Ein grosses Thema war die Ordnung.

«Ordnung muss man im

Kopf haben, nicht in der Stube»,

sagte sie. Im Haus in Wyden

und später in Elfingen war es gemütlich,

man fühlte sich wohl.

Es herrschte zwar kein richtiges

Durcheinander und schon gar

kein Chaos, aber man spürte:

Hier wird mehr gewohnt als her-

ausgeputzt. Es war eben eine

richtige Ordnung, eine Geordnetheit,

und das ist allemal etwas

anderes, als wenn die spärlich

verblieben Gegenstände rechtwinklig

angeordnet herumliegen.

Ordnung blieb auch das Thema

ihrer künstlerischen Arbeit der

letzen Jahre. Darin rückte sie der

oberflächlichen, rechtwinkligen


Ordnung zu Leibe. Mit der Nähmaschine

ging sie gegen ein

langweiliges weisses Rechteck

namens Leintuch vor und

veranstaltete ein «romantisches

Gnusch», ein wohlgeplantes,

wunderschönes Durcheinander.

Entdeckte sie irgendwo eine

Gerätschaft oder sonst ein Objekt,

das der Rechtwinkligkeit

«brouettes à sarmenst»: Die Sujets für diese Foto-Aquatinta-Umsetzungen fand Regina Indermühle Maurer im Burgund.

der Welt widersprach, wurde dieses

fotografiert und oft anschliessend

in der Reproduktion

verfremdet. Es beeindruckte

mich immer wieder, wie sie ihre

Arbeiten zwar mit Freude herzeigte,

aber überhaupt kein

Gschtürm darum veranstaltete.

Auf Ende des Jahres 2002 trat

Regina als Stiftungsrätin und

Vizepräsidentin zurück. Wir

bedauerten das sehr. Es sei jetzt

angesagt, jemand Jüngerem

Platz zu machen, fand sie.

Ausserdem wolle sie mehr Zeit

haben für ihre künstlerische

Arbeit. Und für das neu ausgebaute

kleine Haus im Burgund,

zwischen dem und Elfingen sie

und Werner pendelten. Allzu viel

Zeit, all das zu geniessen, blieb

ihr nicht mehr.

Jürg Jegge

regina indermühle maurer

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ückspiegel

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Januar – Dezember 2008

Märtplatz im Rückspiegel

Kurse

Albert Hagenbucher:

Jassen

Im Frühjahr 2000 begann am

Märtplatz unter der Leitung von

«Jasskönig» Göpf Egg ein Jasskurs.

Inzwischen leitet Göpfs

«Thronfolger», Albert

Hagenbucher, die Jass-Nachmittage

am Märtplatz. Es geht

darum, sich nicht in die Karten

schauen lassen, zu bieten oder

zu wählen, Farbe zu bekennen,

seine Karten offenzulegen, jemanden

auszustechen und

Trümpfe zur rechten Zeit auszuspielen.

Das wird in geselligem

Rahmen geübt, denn auch hier

gilt: Übung macht den Meister

oder die Meisterin!

Daniel Rinderknecht:

Gitarren-Kurs

Im September 2007 stand an

zwei Nachmittagen pro Woche in

zwei Gruppen, bei guter Stimmung

das Gitarrenspiel auf dem

Programm. Unter den Kursteilnehmenden

befanden sich

hauptsächlich DebütantInnen.

Sie erlernten zuerst das Stimmen

des Instruments. Später kamen

immer mehr Akkorde und

Zupftechniken hinzu. Am Ende

des Kurses waren alle soweit mit

der Gitarre vertraut, dass

gemeinsam der Bob-Dylan-

Klassiker «Knockin’ on Heavens

Door» gespielt werden konnte.

Der Kurs wurde anfangs 2008

mangels Ausdauer – manfrau

kommt halt nicht als Joan Baez

oder John Lennon auf die Welt –

abgebrochen.

Peter Bissegger:

JournalistInnen-Kurs

Seit Mai 2007 ist Peter Bissegger,

ehemaliger Redaktor bei

Schweizer Radio DRS und fundierter

Kenner der schweizerischen

Kleinkunstszene – er ist

Präsident der ktv (Vereinigung

KünstlerInnen – Theater – VeranstalterInnen,

Schweiz) –, bei

den JournalistInnen hin und

wieder als Ausbildner tätig.

Hauptthema dabei ist die journalistische

Auseinandersetzung

mit Kunst und KünstlerInnen.

Gustav Weiss:

Glasurenkurs

21. - 25.1.2008

Der heute 86-jährige Gustav

Weiss aus Deutschland (siehe

auch unter «Clubabende») erteilte

den Lernenden der Töpferei

und der Keramikmalerei während

fünf Tagen einen Intensivkurs in

Glasurtechnologie. Er ist der

Verfasser des «Keramik-Lexikons

– Praktisches Wissen griffbereit»,

eines Werks, das alle Informationen

enthält, die bei der Beschäftigung

mit Keramik verfügbar

sein müssen. Es hilft beim

Auffinden und Verarbeiten von

Naturstoffen und beim Ofenselbstbau

genauso wie beim

Arbeiten mit Fertigmaterial und

beim Brennen im Elektro-Ofen.

Jürg Jegge:

Opernkurs

23.1.2008

Im Stadttheater Luzern wurde

unter der Regie von Peter Carp

«Les Contes d’Hoffmann»

(Hoffmanns Erzählungen), eine

Oper in fünf Akten von Jacques

Offenbach, gegeben. Während

der Dichter in drei Geschichten

von einer Liebe erzählt, die aufgrund

von Verkennung in der

Katastrophe endet, verpasst er

Fotos: Nick Brändli


Foto: Nick Brändli

Im Rahmen des Opernkurses wurde im Stadttheater Luzern «Les Contes d’Hoffmann» von Jacques Offenbach genossen.

selbst die Begegnung mit der

Frau seines Lebens. Da weiss

nur noch die Muse tröstende

Worte. Das Luzerner Sinfonieorchester

dirigierte Rick Stengårds.

Alice Müller:

Steuererklärungskurs

5.3.2008

Alice Müller heisst die neue

Steuersekretärin der Gemeinde

Rorbas. Wie schon ihr Vorgänger

Arnold Bartesaghi, stellt auch

sie sich zur Verfügung, die MärtplätzlerInnen

beim Ausfüllen ihrer

Steuererklärung anzuleiten.

Doris Renk:

Nothilfekurs

8./ 9.4.2008

Der Nothilfekurs bildet den obligatorischen

Einstieg auf dem

Weg zum Führerausweis. Doris

Renk aus Embrach lehrte die

TeilnehmerInnen, eine Notfallsituation

richtig einzuschätzen,

weitere Schäden für Betroffene

und Helfende zu verhindern,

lebensrettende Sofortmassnahmen

situationsgerecht einzusetzen

und die eigenen Möglichkeiten

zur Hilfeleistung, Pflichten

und Grenzen zu erkennen.

Ingeborg Gleichauf:

Philosophiekurs

9./ 10.5.2007

Seit rund sieben Jahren gibt es

am Märtplatz einen Philosophie-

kurs, ins Leben gerufen und bis

2004 geleitet vom Politologen

Werner Seitz. Seit 2005 steht der

Kurs unter der Leitung von

Ingeborg Gleichauf aus Freiburg

im Breisgau. Sie ist Autorin,

Philosophin und Mutter von drei

Töchtern. Am Anfang ging es um

das Werk von Thomas Nagel:

«Was bedeutet das alles? Eine

ganz kurze Einführung in die

Philosophie». Insbesondere das

Kapitel «Der Sinn des Lebens»

wurde eingehend behandelt und

besprochen. Dann stand ein

Aufsatz zum Thema «Der freie

Wille» von Peter Bieri alias

Pascal Mercier («Nachtzug nach

Lissabon») zur Diskussion. Im

Mai 2007 diente das neue Werk

der Kursleiterin, «Ich will verstehen»,

als Grundlage. Das Buch

versammelt die Geschichten der

Philosophinnen von der Antike

bis zur Gegenwart. Es enthält 45

Porträts, die zeigen, dass Frauen

schon immer philosophiert haben.

Die Verhältnisse waren nur

nicht danach, es auch laut zu tun.

Jürg Hofer:

Lerntechnik

13. - 16.5.2008

Es gibt verschiedenste einfache

Hilfsmittel, die das Lernen unterstützen

können. Unter Anleitung

des kreativtherapeutischen

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14

Begleiters Jürg Hofer versuchten

die KursteilnehmerInnen, individuell

herauszufinden, mit welcher

Methode das Lernen am

effektivsten und mühelosesten

geschieht, wem also welche

Methode am besten entspricht.

Leopold Vodicka und Ricki Tilner:

Fotokurs

1. - 4.7.2008

Diese Tage galten der Vorbereitung

auf die EU-Lehrabschlussprüfung

in Wien im September

2008. Dabei waren Ricki Tilner

als Expertin für den Bereich

Fotokauffrau / Fotokaufmann und

Leopold Vodicka als Experte für

den Bereich Fotografin / Fotograf

zuständig.

Olaf Schöner:

Bildhauerkurs

7. - 11.7.2008

Auch hier ging es um die Vorbereitung

auf die EU-Lehrabschlussprüfung

in Wien im

November 2008. Die drei

Märtplatz-VertreterInnen wurden

durch den Prüfungsexperten Olaf

Schöner in den Bereichen

Stilkunde, Fachrechnen und

Fachzeichnen «gedrillt».

Beat Schifferli:

Visuelle Kommunikation

3./17./ 23. und 24.9.2008

Visuelle Kommunikation ist die

Übermittlung von Information

über das Auge. Es geht vor allem

darum, Schriften, Bilder und

Farben in Zusammenhang zu

setzen. Ein Kurs also speziell für

die Leute der Medien-, Fotound

Journalistenwerkstatt. Vier

Tage lang zeigte Beat Schifferli,

wie Visuelle Kommunikation

funktioniert und wie stark sie

viele Lebensbereiche geprägt

hat. Die KursteilnehmerInnen

konnten jeweils in Workshops

ihre Kreativität walten lassen.

Es wurden Logos entworfen oder

Bilder und Texte in ungewohnter

Weise neu zusammengestellt.

Ein anspruchsvoller Kurs, den

Beat Schifferli jedoch sehr locker

und anschaulich zu gestalten

verstand. Er unterrichtet unter

anderem an der Hochschule für

Gestaltung und Kunst in Basel,

der Schule für Gestaltung in

Basel sowie der Merz-Akademie

in Stuttgart.

Michèle Rothweiler:

«Was ist Mathematik?»

26.11.2008

Zahlen, Zahlen und immer wieder

Zahlen. Mathematik ist

überall, zum Beispiel wenn wir

den Lichtschalter aufdrehen,

am Computer spielen oder Radio

hören. Die Mathematik ist eine

der ältesten Wissenschaften. Ihre

erste Blüte erlebte sie in der

Antike in Griechenland und im

Hellenismus (336 bis 30 vor

Christus). Die Mathematikerin

Michèle Rothweiler zeigte, wie

stark unser Alltag mit der

Mathematik verknüpft ist; dies

anhand von zahlreichen auf den

Märtplatz bezogenen Beispielen.

Fotos: Nick Brändli

Kultur und

Francesca De Martin:

«Glück(s)los»

31.1.2008

In ihrem Comedy-Stück

«Glück(s)los» erzählt Francesca

De Martin sehr lebendig von ihrer

Suche nach dem Glück. Diese

begann in ihrer Kindheit in Italien,

als sie zu fragen begann, wie

man Glück findet. Und weil ihr

niemand diese zentrale Frage

des Lebens erklären konnte, begann

sie eben selbst genau

hinzuschauen. Francesca De

Martin, wohl eine der besten

Komödiantinnen dieser Zeit,

riss dass Publikum am Märtplatz

zu Beifallsstürmen hin.

Rachel Matter und Daniel Fueter:

«Madame stellt ein

Klavier in die Alpen»

20.2.2008

Rachel Matter präsentiert zusammen

mit dem Pianisten

Daniel Fueter einen unterhaltsamen

Liederabend. Sie singt

Lieder, Chansons und Songs in

verschiedenen Sprachen und

Stilen. Er spielt Klavier und kommuniziert

zwischendurch mit

der Sängerin, was mitunter zu

witzigen Situationen führt.

Als einziges Requisit dient ihnen

das Klavier, das im Zentrum

ihres Auftritts steht. Mehr hat es

auch nicht gebraucht für diesen

höchst gelungenen Auftritt.


Foto: Johannes Dietschi

Foto: Johannes Dietschi

«Glück(s)los»: Francesca De Martin riss dass Publikum am Märtplatz zu Beifallsstürmen hin.

Der mit der Stimme tanzt: Martin O. überrascht mit perfekt arrangieren Stimmcollagen, Rhythmusgefühl und Timing.

Tini Kainrath, Thomas Hojsa und

Helmut Emersberger:

Wiener Lieder

12.3.2008

Die beiden Wiener Sänger Thomas

Hojsa und Helmut Emersberger

waren nach langer

Abwesenheit wieder einmal am

Märtplatz zu Gast, diesmal

allerdings höchst bereichernd

unterstützt durch Tini Kainrath.

Kainraths Skala reicht vom Blues

bis zum Wiener Lied, vom Film

bis zur Operette. Sie ist auch bekannt

als eines der drei Wiener

«Rounder Girls», arbeitete mit

Ostbahn Kurti, Hubert von

Goisern und Wolfgang Ambros

und wirkte bei verschiedenen

Film- und Fernsehproduktionen

wie «Tatort», «Kaisermühlen

Blues» oder «Dolce Vita» mit.

Die Drei boten dem Publikum mit

«alten Rennern» und neuen

Liedern einen herzergreifenden

Abend.

Martin O.:

Der mit der Stimme tanzt

1.4.2008

Ein Mikrofon und eine Sampler-

Maschine sind die einzigen

Requisiten, die Martin O. für seine

A-Cappella-Auftritte braucht.

Der Ostschweizer Stimmakrobat

überrascht sein Publikum mit

perfekt arrangieren Stimmcollagen,

viel Rhythmusgefühl und

ausgefeiltem Timing. Er singt bekannte

Lieder sowie Eigenkompositionen,

die durchaus

überzeugen können. Auch

einige ZuschauerInnen durften

ihre Sangeskünste unter

Beweis stellen. Mit seinem Programm

schafft es Martin O.,

rückspiegel

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16

mehrere Generationen anzusprechen,

und trotzdem authentisch

zu bleiben. Der Mann mit dem

Mikrofon tanzt offensichtlich

einer steilen Karriere entgegen.

Peter Hottinger und Matthias

Bretscher Barkey:

«He, Super! Mann!»

7.5.2008

Es handelt sich um «ein Stück

über Selbstzweifel, Rivalität

und Freundschaft für alle Supergirls

und Superboys von 7 bis

77». Superman, gespielt von

Matthias Bretscher Barkey, hängt

apathisch in seinem durchgelegenen

Comicsheft. Es geht

ihm schlecht. Die Welt hat ihn

vergessen. Und Superschurke

Flyman, dargestellt von Peter

Hottinger, hat nur eins im Sinn:

den vorerst geschwächten, dann

aber frisch gestärkten Superman

zu besiegen, zum schlimmsten

aller Bösewichte zu werden

und die Welt zu zerstören. Die

Inszenierung besorgte Martha

Zürcher, das Bühnenbild die

Märtplatz-Theaterwerkstatt.

Märtplatz-Schneiderei:

«Verdacht»

im Zirkus Chnopf

26. - 30.6.2008

Der Zirkus Chnopf ist ein Gemeinschaftsprojekt

von professionellen

Kulturschaffenden

und talentierten Jugendlichen.

He, Super! Mann!: Supermann zeigt dem Superschurken, dass er es immer noch drauf hat.

Geboten wird ein unterhaltsames

Programm aus Artistik, Theater

und Live-Musik unter freiem

Himmel. Ende Juni gastierte der

Zirkus auf dem Blumer-Fabrikareal

in Freienstein, wo die

Zirkuscrew auch gleich in ihren

Wohnwagen übernachtete. Das

aktuelle Stück «Verdacht – Eine

Stadt gerät aus den Fugen»

dreht sich um rätselhafte Vorfälle

in New Oerlikon: Olivia, die

Künstlerin, genannt The Boss, ist

spurlos verschwunden. Verdächtigt

werden aus Prinzip alle,

Fotos: Natalie Wigger

auch die Holy Sisters, denen die

Bühne gehört, bis Olivia auftaucht…

Sämtliche Kostüme

wurden auch dieses Jahr wieder

von der Märtplatz-Schneiderei

unter der Leitung von Natalie

Péclard kreiert und hergestellt.

RossiRussius Produktionen:

«Maria Callas –

Meisterklasse»

16.9.2008

Sie war die «Primadonna Assoluta»,

denn auf der Opernbühne

beherrschte Maria Callas alle

Rollen. Dann machten die

Medien sie zur Jetset-Diva. Die

Sopranistin verstummte und

starb 1977 einen einsamen Tod.

Am Ende ihrer Bühnenkarriere

gab Maria Callas an der New

Yorker Juilliard School zwei

Master Classes. Ein Teil dieser

Unterrichtsstunden wurde damals

aufgenommen. Diese Aufnahmen

benutzte Terrence

McNally für sein Stück mit Musik

von Vincenzo Bellini, Giacomo

Puccini und Giuseppe Verdi. Unter

der Regie von Klaus Henner

Russius spielten Graziella Rossi

als Maria Callas, Helmut Vogel

als Pianist sowie Anna Steiner,

Olga Kindler, Klaus Henner Russius

und Daniel Bentz gross auf.

Foto: Johannes Dietschi


Foto: Johannes Dietschi

«Maria Callas – Meisterklasse»: v.l. Helmut Vogel, Anna Steiner, Graziella Rossi.

Gegenstimmen:

«Stell dich ein – Eine

Kantate zur Arbeit»

27.9.2008

Die «Gegenstimmen» sind ein

politisch engagierter, 50-stimmiger

Chor unter der nunmehr

14-jährigen musikalischen Leitung

von Erke Duit aus Wien. Ihr

Credo lautet: «Wir richten uns

gegen Krieg, Faschismus, Gewalt

und Unterdrückung. Wir

stellen Fragen, singen gegen

mangelndes Interesse und das

Schweigen und vertonen am

liebsten Themen, die in der üblichen

Diskussion leicht oder

sogar gerne übersehen werden.»

Ein politisch engagierter Chor,

der zum Thema Arbeit singen

will, hat es nicht leicht. Die traditionellen

Arbeiterlieder passen

nicht mehr in eine neoliberale,

entsolidarisierte Welt. Also haben

die «Gegenstimmen» versucht,

eine zeitgemässe und selbstironische

Antwort zu finden. Entstanden

ist mit einem Text von

Frank A. Schneider, mit der

Musik von Erke Duit und unter

der Regie von Miguel Angel

Gaspar und Gerda Schorsch die

Kantate «Stell dich ein» mit – so

die «Gegenstimmen» selber –

«mehr Fragen als Antworten».

Ein Besucher in der Märtplatz-

Theaterwerkstatt dazu: «Gesang

und Applaus kamen von

Herzen».

Alvaro Solar:

«Socken, Lügen & Wein»

19.11.2008

«Socken, Lügen und Wein» erzählt

davon, wie das Leben so

spielt: von Schicksalsschlag und

Sockenfussball, von Sehnsucht

und Sinn, von Schönheit, Suff

und Scheiss, von Pech oder

Glück und manchem, was Kopf

steht. Wenn Lüge und Wahrheit

einen Wein trinken, wenn Liebe

und Hass miteinander ins Bett

gehen, wenn Gott und der Teufel

sich Sorgen um die Menschheit

machen, geht es zwischen alten

Gegenspielern ums Ganze!

«Socken, Lügen und Wein» ist

aber vor allem eines: Eine

Liebeserklärung an die Fantasie.

Unter der Regie von Francesca

de Martin (siehe Seite 14) ent-

Foto: Johannes Dietschi

«Verdacht»: Der Zirkus Chnopf gastierte auf dem Blumer-Fabrikareal in Rorbas.

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zückte Alvaro Solar mit seinem

musikalischen Stück das Märtplatzpublikum

in hohem Mass.

Clubabende

Gustav Weiss

24.1.2008

Gustav Weiss ist Autor von erfolgreichen

Büchern zum Thema

Keramik und Glasur, die hier

von den entsprechenden Fachleuten

in der Töpferei und der

Keramikmalerei gerne gelesen

werden. Das Konzept des

Clubabends ist, dass jemand

eingeladen wird, der aus seinem

Leben erzählt. Gustav Weiss

wurde 1922 in der Slovakei

geboren, besuchte in den 30er

Jahren Keramikkurse, verlor ein

Bein im Krieg, verliess die

DDR als 1961 die Mauer gebaut

wurde und begann, in der

BRD bei einem Verlag zu arbeiten.

Seither veröffentlicht er

Bücher, Zeitschriften und auch

ein Computerprogramm.

Extras

Lernende und Jürg Jegge:

«Zahnstocher»

Jeden zweiten Monat findet der

sogenannte Zahnstocher statt.

Hier besprechen interessierte

Lernende im Beisein von Märtplatzleiter

Jürg Jegge anfallende

Probleme und bringen Verbesserungsvorschläge

vor.

Am «Openspace» werden gemeinsame Interessen strukturiert, Anlässe organisiert und der innere Zusammenhalt gestärkt.

MärtplätzlerInnen:

«Open Space»

Jeden zweiten Monat findet das

sogenannte Open Space statt.

Hier kommen die Märtplatzleitung,

alle LehrmeisterInnen und

alle Lernenden zusammen, um

gemeinsame Interessen zu strukturieren,

ausserordentliche Anlässe

(Kurse, «Kultur und»,

«Stubete», «Extras», «Platzda»,

Clubabende) zu organisieren

und den inneren Zusammenhalt

des Märtplatzes zu stärken.

Fotos: Heidi Arens

Caroline Bahud de Mortanges

und Heinrich Bader:

Psychoanalytische

Sozialarbeit

Monatlich

Immer mehr Lehrlinge kommen

aufgrund psychischer Schwierigkeiten

an den Märtplatz. Dieser

Umstand bringt die LehrmeisterInnen

manchmal an den

Rand ihres Repertoires. Deshalb

wurden bereits mehrere

fachlich geschulte Personen zum

Gedankenaustausch eingeladen.

Seit Februar 2006 kommen

Caroline Bahud de Mortanges

und Heinrich Bader regelmässig

an den Märtplatz, um mit

den LehrmeisterInnen einmal pro

Monat einen aktuellen Fall

zu besprechen. Beide sind ausgebildete

PsychotherapeutInnen,

Caroline Bahud de Mortanges

Foto: Dominic Weiss


Foto: Anonym

Beim Aufrichtefest (in) der neuen Stube: Stiftungsratspräsident Bernard Glauser.

ist ausserdem Psychologin und

Heinrich Bader Sozialpädagoge.

Beide sind Mitglieder des Vereins

für Psychoanalytische Sozialarbeit.

Jeannot Diem:

«Willst du reden?»

14-täglich

Jeannot Diem ist seit sechs Jahren

Partner in einem Beratungsunternehmen

und seit 2001

Inhaber der Assessment Art AG.

Alle zwei Wochen steht der

erfahrene Psychologe dem

Märtplatz, seinen eigenen Wünschen

entsprechend und honorarlos,

zur Verfügung. Sein

Markenzeichen lautet «Willst du

reden? Meine Handynummer

lautet…».

JournalistInnen:

Max-Bill-Ausstellung

1.2.2008

Im Gewerbemuseum Winterthur

besuchten die JournalistInnen

eine Ausstellung, die sich dem

Gestalter Max Bill widmet. Der

1908 in Winterthur geborene

Künstler war nicht nur als Maler

und Bildhauer, sondern ebenso

als Architekt und Ausstellungs-

gestalter, als Plakatgrafiker,

Buchgestalter und Autor,

als Lehrer, Typograf und Entwerfer

von Möbeln und Industrieprodukten

tätig. Die stilvoll gestaltete

Ausstellung umfasste

Arbeiten aus sechs Jahrzehnten.

Neue Märtplatz-Stube:

Aufrichte

15.4.2008

Am 15. April 2008 wurde der

Märtplatz 23 Jahre alt. Er nahm

seinen Geburtstag zum Anlass,

auch die Aufrichte der neuen

Stube und der neuen Küche zu

feiern. Die Märtplatzköche veranstalteten

für alle am Um- und

Neubau Beteiligten sowie für

alle MärtplätzlerInnen daselbst

ein freundschaftliches Essen

und Trinken. Anstatt des bei solchen

Anlässen obligaten Beinschinkens

gab es Schweinshalsbraten

mit Rosmarin und Kartoffelsalat,

dazu Bohnen-, Karotten-

und Gurkensalat. Wider Erwarten

kamen sehr viele Besucher,

um ihrer Freude über die

gelungene Bauerei Ausdruck zu

geben.

Geschäftsleitung und

LehrmeisterInnen:

Klausur in Biel

22./23.5.2008

Die Lernenden gingen in Rorbas-

Freienstein selbständig ihrer

Arbeit nach, während die LehrmeisterInnen

und die Geschäftsleitung

in Biel-Bienne, wieder

einmal über den Märtplatz und

die Welt nachdachten. Vor einigen

Jahren hatten sie die nachstehenden

neun Vorgaben für

ihre Arbeit formuliert: «1. JedeN

EinzelneN als EinzelneN betrachten.

Möglichst wenig «allge-

rückspiegel

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20

meingültige» Regelungen. 2. Mit

den Stärken der Lehrlinge arbeiten,

nicht auf die Schwächen

starren. Vom Käse reden, nicht

von den Löchern. 3. Zusammenarbeiten,

nicht Macht ausüben.

4. Die Lehrlinge nicht nach

unseren Vorstellungen formen

wollen. JedeR darf so sein, wie

er oder sie sein möchte, solange

sie oder er andere damit nicht

nachhaltig stört. 5. Lehrlinge dürfen

Schwierigkeiten haben. 6.

Den Lehrlingen Zeit lassen. 7.

Vielfältige Anregungen, Begegnungen,

Erfahrungen ermöglichen.

8. Und das alles nicht nur

deklarieren, sondern auch tun. 9.

Fehler dürfen passieren. Auch

beim Versuch, diese Vorgaben

umzusetzen.» Die Teilnehmenden

waren sich nach einer ausgedehnten

Diskussion einig: Diese

Vorgaben sind für den Märtplatz

nach wie vor richtig und sollen

auch künftig als Richtschnur für

die Arbeit gelten. Ein weiterer

Diskussionspunkt war die «Öffnung»

der Ausbildungsstätte

auch für junge Menschen ohne

IV. Vorerst soll sich eine Arbeitsgruppe

mit diesem Problem auseinandersetzen.

Jürg Jegge wird

als Märtplatzleiter im August

2011 zurücktreten. Etwa in einem

Jahr soll mit der konkreten

Suche nach einem Nachfolger

angefangen werden.

Schweizer Fernsehen:

Am Märtplatz zu Besuch

Foto: Nick Brändli

Foto: Nick Brändli

Freude nach der Lehrabschlussprüfung in Wien: Alle FotografInnen waren erfolgreich.

30.5.2008

Für einen Dokumentarfilm von

Peter Neumann zum Thema

«Disziplin an der Schule» machte

das Schweizer Fernsehen

Aufnahmen im und rund um den Spektakuläre Show am Entenrennen: Die Stelzentruppe Gangart beeindruckte mit skurillem Feuertheater.

Märtplatz. Darüber hinaus stand

Märtplatzleiter Jürg Jegge

in einem Interview Red und

Antwort.

Märtplatz:

6. Entenrennen –

Wettstreit der

kunterbunten Tössvögel

5.7.2008

Ausnahmsweise schmücken wir

uns mit fremden Federn und

drucken hier Auszüge aus dem

Bericht von Livio Liechti aus dem

«Tages-Anzeiger» vom 7.7.2008

ab: Eine bunte Schar aus selbst

gebauten Enten und entenähnlichen

Schwimmobjekten

beherrschte diesen Samstag

die ruhig dahinfliessende Töss

bei der ehemaligen Spinnerei

in Freienstein. In verschiedenen

Läufen mit unterschiedlichen

Startbedingungen schwammen

die Gebilde die wenige 100

Meter lange Rennstrecke fluss-


«Hast du Angst?»: Interaktionstheater mit der Theatergruppe Korn im Rorbaser Steigweissaal.

abwärts. Einige Kinder liessen es

sich auch nicht nehmen, es ihren

Enten gleichzutun und einen

Sprung ins kühle Nass zu wagen.

In der Königsklasse des bereits

zum 6. Mal ausgetragenen Gummientenrennens

massen sich

Enten unterschiedlichster Art und

Grösse, welche die Kinder zuvor

mit ein wenig elterlicher Unterstützung

und mit viel Kreativität

aus verschiedensten Materialien

hergestellt hatten. Natürlich

waren auch die schnittigsten

Eigenbauten nicht vor unerwarteten

Strömungen und sonstigen

Störfaktoren geschützt, und so

war wohl zum Sieg auch ein

wenig Glück nötig. Solches hatte

Nadine Völlmin aus Embrach.

Die Fünfjährige stand mit je einem

Sieg in der Eigenbaukategorie

und bei den normalen

Gummienten gleich zweimal

zuoberst auf dem Podest. «Sie

hat auf die beste Gummiente

gewettet und auch die beste

Ente gebaut», meinte ihre ältere

Schwester stolz. Im alljährlichen

Gummientenrennen sehen

die Verantwortlichen den idealen

Rahmen, um sich der Öffentlichkeit

in Erinnerung zu rufen

und ihr ein schönes Sommerfest

für Jung und Alt zu schenken.

So bot sich den Besuchern im

flussnahen Hinterhof des Neuen

Kinos ein breites kulinarisches

Angebot, das abends durch Konzerte

und andere künstlerische

Darbietungen ergänzt wurde.

Fürs leibliche Wohl sorgte die

Colonia Libera Embrachertal, die

ihr 50-jähriges Bestehen feiert

und dieses Jahr immer wieder an

öffentlichen Festen auftritt. Sie

prägte auch das Motto des Festprogramms:

«Italien».

Fotografie und Bildhauerei:

EU-Lehrabschlussprüfung

in Wien

September und November 2008

Ein höchst erfreuliches Ergebnis

ist aus der österreichischen

Hauptstadt zu vermelden: Alle

MärtplätzlerInnen, die zur Prüfung

antraten, waren erfolgreich.

Atelier A und Märtplatz:

Ausstellung am Herbstfest

Rorbas-Freienstein

12. - 14.9.2008

Unter dem Titel «Schumacher-

Welten» inszenierten die Ausbildungsstätten

«Märtplatz» und

«Atelier A» anlässlich des

Herbstfestes von Freienstein-

Teufen im Platzda eine Ausstellung

über die «Schuhmacherei

von gestern, heute und

morgen». Das Atelier A in Schaff-

hausen bietet zur Zeit Ausbildungen

in den Bereichen

Fotografie, Betriebsunterhalt,

Schuhmachen und Kochen

an. Darüber hinaus sind modulare

Ergänzungen möglich.

Die interessante Ausstellung

brachte manchem Besucher

das uralte Schuhmacher-

Handwerk eindrücklich näher.

MärtplätzlerInnen:

Besuch in der ETH

18.9.2008

Einige MärtplätzlerInnen besuchten

die ETH in Zürich. Sie

wurden von drei Lehrmeistern

des Chemie-Labors empfangen

und durch ihr Reich geführt.

«Höchst spannend» war die

Demonstration des Teilchenbeschleunigers,

mit dem zum

Beispiel das Alter eines Holzstücks

gemessen werden kann.

Der höchst informative Morgen

fand seinen Abschluss bei einem

Mittagessen in der Mensa.

Daniela Dora:

Sporttag

1.10.2008

Der Andrang hielt sich sehr im

Rahmen: Es kamen zwei Sportbeflissene.

Nach einer sogenannten

«Aufwärm- und Vertrauensrunde»

rückte das Boule-

Foto: Johannes Dietschi

Spiel in all seinen Varianten in

den Mittelpunkt des Geschehens

und mit einem lockeren Seilhüpfen

ging der Sporttag zu Ende.

Arthur Strasser:

Lufinger Kinder

in der Töpfi

1.11.2008

Pfarrer Arthur Strasser und seine

Lernvikarin aus Lufingen organisierten

anstelle des Religionsunterrichts

einen Besuch in der

Märtplatztöpferei. Hier arbeiteten

dann die Drittklässler unter der

Anleitung des Lehrmeisters und

seiner Lehrlinge. Zu den Höhepunkten

dieses Samstags gehörte

auch das Mittagessen, das

Kochlehrling Isaiah Tyson und

seine Freundin zubereitet hatten.

Theatergruppe «Korn»,

Frauenfeld:

«Hast du Angst?»

8.11.2008

Die Theatergruppe «Korn» entstand

aus der Theatergruppe der

Strafanstalt Saxenriet und ist

eine Arbeitsgruppe der Reform

91, einer Organisation für Strafgefangene

und Entlassene. Unter

der Leitung und Regie von Peter

Zimmermann trat das Team im

Steigwiessaal in Rorbas mit dem

Interaktionstheater «Hast du

Angst», einem Stück in drei Bildern,

auf. Die Kollekte an diesem

Abend kam der Stiftung

Märtplatz zu. Wir danken der

Theatergruppe «Korn» (Zürcherstrasse

228, 8500 Frauenfeld,

052 722 10 30) herzlich dafür.

Roman Signer:

«Projektionen»

12.11.2008

Interessierte MärtplätzlerInnen

besuchten Roman Singers

«Projektionen» im Helmhaus in

Zürich. Der Bildhauer, Zeichner,

Filmer, Aktions- und Konzeptkünstler

lebt und arbeitet in

St. Gallen. Im Jahr seines 70.

Geburtstages stellte er im Helmhaus

in Zürich Arbeiten ab

1993 aus: «Projektionen» zeigte

erstmals an die 30 Video- und

zwei Super-8-Filme. «Sinnfällig»,

so der Helmhaus-Kurator Simon

Maurer, «wurde dabei Signers

rückspiegel

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22

Umgang mit Zeit, mit Bewegung

und Stillstand, mit Materie, mit

Verdichtung und Zerstreuung,

mit Philosophie, mit Werden und

Vergehen.»

Märtplatz:

Sponsoren-Festessen

21.11.2008

Der Märtplatz lud seine «gröberen»

SponsorInnen und die Mitglieder

des alten und des neuen

Stiftungsrates zu einem Stuben-

Einweihungsabend mit Theater

und Festessen ein. Anstelle eines

eigenen Berichts drucken wir

hier auszugsweise eine Beteiligten-Reaktion

ab: «Sie haben uns

am vergangenen Freitagabend

ein Einweihungsfest der besonderen

Art geschenkt, das uns

beeindruckt, begeistert und

wohlgetan hat. Beeindruckend

war die beim sympathischen

Empfang, bei der Betrachtung

der Töpfereien und Fotografien,

bei der liebenswürdigen und

kompetenten Bewirtung spürbare

engagierte Hingabe der Mitarbeitenden

dieses einzigartigen

Märtplatzes. Begeisternd war

Alvaro Solar mit seinem Solostück

(siehe auch unter «Kultur

und»), aus dem sich uns die

Gegenüberstellungen von Krieg

und Frieden, Hass und Liebe,

Lüge und Wahrheit mit ihren spitzen

Pointen und ihrer sprachlichen

Präzision besonders eingeprägt

haben. Aber auch die visuell

und vom Tonfall her grossartige

Interpretation der das

Stück tragenden ‹Clique› besonderer

Typen war ein Erlebnis.

Wohlgetan hat uns die in der

neuen Märtplatz-Stube geschaffene

gastfreundliche

Atmosphäre.»

Luisa Kehl und Heidi Arens:

Hundeporträts

27.11.2008

Die Fotolehrmeisterin Heidi

Arens und die «frisch gebackene»

Fotografin Luisa Kehl

porträtierten zahlreiche HundehalterInnen

mit ihren Hunden in

einem herrlich kitschigen, bühnenbildartigen

Dekor. Die prächtigen

Charakterstudien wurden

gerahmt und in der Märtplatz-

Luisa Kehl und Heidi Arens: Ausstellung ihrer Hunde- und HalterInnenportraits in der Märtplatzstube.

Das Platzda verwandelte sich vor der Weihnacht wieder einmal in ein «Ceramic-Café».

Foto: Sascha Wipf

Foto: Sascha Wipf


Stube ausgestellt. Mit einem

fröhlichen Couscous-Essen fand

die Vernissage ihren Abschluss.

Joseph Aerthott, Rehaswiss:

«Märtplatz goes India»

12.12.2008

«Wir laden herzlich zu einem

indischen Abend ein. Dies

zusammen mit der Rehaswiss,

1977 von Joseph Aerthott

gegründet, einer Organisation,

die Menschen mit einer

Behinderung in Entwicklungs-

Märtplatz-News

Wir haben das ZEWO-

Gütesiegel

ländern, hauptsächlich in Indien,

gezielt fördert. Nach der Vorstellung

des Hilfswerks Rehaswiss

werden wir den Abend bei

einem ausgedehnten indischen

Essen, von unseren Köchen

unter «indischer Anleitung» zubereitet,

ausklingen lassen. Der

Erlös kommt der Rehaswiss

zugut.» So hiess es in der

Ankündigung dieses Anlasses,

der für die BesucherInnen zu

einem inspirierenden kulturellen

Austausch wurde.

Seit dem Herbst 2008 haben wir das Gütesiegel der ZEWO. Die Stiftung

ZEWO ist die schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige,

Spenden sammelnde Organisationen. Sie setzt sich für die

Förderung von Transparenz und Lauterkeit im Spendenwesen ein.

Sie prüft gemeinnützige Organisationen auf den gewissenhaften Umgang

mit Spendengeldern und verleiht ein Gütesiegel, wenn ihre

Anforderungen erfüllt sind. Zudem informiert sie über Wichtiges und

Aktuelles rund ums Spenden.

Das Gütesiegel zeichnet gemeinnützige Organisationen für den gewissenhaften

Umgang mit den ihnen anvertrauten Geldern aus.

Es bescheinigt den zweckbestimmten, wirtschaftlichen und wirkungsvollen

Einsatz von Spenden und steht für transparente und vertrauenswürdige

Organisationen mit funktionierenden Kontrollstrukturen,

die Ethik in der Mittelbeschaffung und Kommunikation wahren.

Organisationen, die das Gütesiegel tragen werden regelmässig auf

die Einhaltung der Kriterien geprüft.

Auf Spenden angewiesen!

Der Märtplatz arbeitet intensiv mit der Eidgenössischen Invaliden-Versicherung

und verschiedenen Jugendanwaltschaften zusammen.

Das heisst: mit diesen Organisationen findet ein reger Finanzverkehr

statt. Weil aber der Märtplatz vor allem in kulturellen Belangen bisweilen

mehr als üblich unternimmt, reicht das hereinfliessende Geld

nicht ganz. Bei einem Umsatz von rund 3,2 Millionen Franken im

Jahr sind wir – wenn wir unser Niveau halten wollen – auf jährlich

etwa 10 Prozent des Umsatzes in Form von Spenden angewiesen.

Daher ist auch der kleinste Beitrag stets willkommen. Wir danken an

dieser Stelle allen Spenderinnen und Spendern für ihre Unterstützung.

Stiftung Märtplatz, 8427 Rorbas

Telefon: 044 865 52 22

Fax: 044 865 52 91

E-Mail: buero@maertplatz.ch

Internet: www.maertplatz.ch

Postscheckkonto: 84-1660-2

Platzda

Brigitte Bosshard:

Ceramic-Café

November und Dezember 2008

Auch dieses Jahr verwandelte

sich das Platzda vor der Weihnacht

in ein «Ceramic-Café».

Brigitte Bosshard, die Lehrmeisterin

der Keramikmalwerkstatt,

stand den MärtplätzlerInnen,

sowie der einheimischen Bevölkerung

mit Rat und Tat zur

Verfügung: «Sie bemalen die von

Impressum

Herausgeber:

Stiftung Märtplatz

Postfach

8427 Rorbas-Freienstein

Telefon: 044 865 52 22

Fax: 044 865 52 91

E-Mail: buero@maertplatz.ch

Internet: www.maertplatz.ch

Postscheckkonto: 84-1660-2

Redaktion:

Märtplatz-JournalistInnen-Werkstatt

Irchelstrasse 1, 8428 Teufen

Telefon: 044 865 58 36

E-Mail: journalisten@maertplatz.ch

Thomas Wepfer, Natalie Wigger

Ausbildner: Jürg Bingler und Andrea Casalini

Fotos:

Ihnen ausgesuchte Rohkeramik

mit bunten Farben, und wir

glasieren und brennen für Sie.

Einfach vorbeischauen und

sich inspirieren lassen», stand

geschrieben, und so geschah

es – mit viel Erfolg.

Märtplatz-Fotowerkstatt

Nick Brändli, Johannes Dietschi, Dominik Weiss,Sacha Wipf

Ausbildner: Heidi Arens, Nick Brändli, Simone Glauser

Umschlag:

Theo Aebersold

Fotostrasse:

Heidi Arens, Nick Brändli, Juliane Brücker, Racher Fischer,

Dominik Weiss, Natalie Wigger, Sascha Wipf

Layout:

Märtplatz-Medienwerkstatt

Simon Aeschlimann

Ausbildner: Daniel Riedweg

Druck:

Medico Druck

8424 Embrach

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ein wort stirbt aus

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werner herbst

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