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Mit Hitler gegen „jüdischen Schund“ - Museum für Kunst ...

Mit Hitler gegen „jüdischen Schund“ - Museum für Kunst ...

ändert bis zur letzten

ändert bis zur letzten Ausgabe als Leitgedanke 27 und zeigt, dass Sleumer von einem legi- timen weltlichen Machtanspruch seiner Kirche ausgeht und auch dem Staat das Recht zur Zensur keineswegs abspricht. Diese Anspruch und der Glaube an die heilsame Wirkung autoritärer Führung bilden bei ihm ein wichtiges Fundament für die Brücke, die er später zwischen Katholizismus und Nationalsozialis- mus zu schlagen versucht. Offensichtlich orien- tiert er sich an der katholischen Soziallehre seiner Zeit, die eine gottgewollte kirchliche und staatliche Autorität kennt. Bereits mit der zweiten Auflage des Werkes, die noch im gleichen Jahr erschien wie die ers- te und somit von einem beträchtlichen Erfolg des kleinen Bandes zeugt, beginnt die Einlei- tung des Werkes zu wachsen. Zunächst sind es vor allem Fußnoten, die der Autor ergänzt. Mit ihnen beginnt ein Prozess, der die ursprünglich knapp und präzis formulierte Einführung von Auflage zu Auflage zur eingangs bereits be- schriebenen, ausufernden, immer schlechter lesbaren, von Einschüben und Unterbrechun- gen zerrissenen Tirade gegen die Medienwelt anschwellen lässt. Sleumer nutzt seinen Index von der zweiten Auflage an mehr und mehr als Vehikel im Sleumer-Ausgaben von 1906 (ganz links) bis 1956 (die dritte Auflage fehlt): Nur der Umfang der Einleitung wächst, nicht der des Index-Teils. allgemeinen Schundkampf. In einer der neuen Fußnoten findet sich ein direkter Angriff auf jüdische Verleger: „Neuerdings mehren sich erfreulicherweise die Anzeichen dafür, dass man endlich in unserem Vaterlande der Flut jener schamlosen, vielfach von jüdischer Seite verbreiteten Presserzeugnisse (man denke an die verlogenen Priester- und Klosterromane sowie an die tendenziös aufgebauschten Fürstenskandalgeschichten, denen sich geile Bro- schüren über menschliche Verirrungen und geschlechtliche Vorgänge zugesellen!) mit christlicher Entschlossenheit entgegenzutreten. Möchten doch alle Edeldenkenden sich zum Kampfe gegen die Unzuchtspresse zusammenschließen, ehe es in Deutschland so weit kommt wie im entchristlichten Frankreich!“ 28 27 Sleumer 1 1906, S. 8; 2 1906, S. 9; 4 1909, S.15; 5 1911, S.16; 6 1915, S. 15; 7 1920, S. 15; 8 1928, S.32; 9 1934, S. 48; 10 1951, S. 46; 11 1956, S.65 28 Sleumer 2 1906, S. 7-8 (Fußnote 2). © Johannes Wiele 12/2010 S. 8

Darüber hinaus bemerkt der Autor im direkten Anschluss an Ausführungen über die Strenge „heidnischer“ Büchergesetze 29 , dass „selbst“ 30 die Juden eine Art Indexverbot ge- kannt hätten. Im Kontext der kritiklosen Bewunderung, die Sleumer fast jeglicher Form von Zensur als Zeichen geistiger Disziplin und kultureller „Sauberkeit“ entgegenbringt, steckt hinter diesem „selbst“ nicht nur ein erneuter Seitenhieb auf die Juden – der Autor stellt seine Verwunderung zur Schau, dass den Juden eine aus seiner Sicht so segensreiche Einrichtung wie die Zensur überhaupt zuzutrauen ist – sondern auch ein rhetorischer Trick: Der Autor legitimiert seine fragwürdigen Thesen dadurch, dass er vorgibt, auch das gegne- rische Lager müsse ihrer Logik folgen. Bis zur vierten Auflage 1909 wächst die Einleitung um viele zusätzliche Fußnoten und eingeschobene Bemerkungen. Es mischen sich immer neue böswillige Äußerungen gegen Juden in den Text, zunächst gekoppelt an ähnliche Diffamierungen der politischen Linken. Entsprechend modifiziert der Autor die aus der zweiten Auflage bereits zitierte Fußnote zur angeblich jüdisch beeinflussten Schundproduktion: „Neuerdings mehren sich erfreuli- cherweise die Anzeichen, dass man endlich in unserem Vaterlande der Flut jener scham- losen, vielfach von jüdischer und sozialdemokratischer Seite verbreiteten Preßerzeugnisse [...] mit christlicher Entschlossenheit entgegentreten will!“. 31 1915 bearbeitet Sleumer seine erste judenfeindliche Äußerung aus der zweiten Auflage noch einmal. Er verstärkt die antijüdische Tendenz und gibt dem „Feind“ deutlicher als bisher ein Gesicht, nämlich das der jüdischen Journalisten und Redakteure: „Möchten doch alle Edeldenkenden sich zum Kampf wider die Unzucht- und religionsfeindliche Skandal- presse, die nach dem Urteile Einsichtiger gerade am j ü d i s c h e n Gelde ihren stärksten Rückhalt hat und durch jüdische Schriftleiter und Schreiber, zum Teil mit Hilfe der Sozia- listen, verbreitet wird, zusammenschließen, ehe es in Deutschland so weit kommt wie im entchristlichten Frankreich!“ 32 1920 kommt eine Textstelle hinzu, deren Typographie und Zeichensetzung geradezu Gift und Galle speien: „Man darf behaupten, daß im Jahre 1919 infolge der schändlichen Kinovorstellungen, Theaterstücke (z. B. jenes des im Wahnsinn verendeten Juden Lautensack: ‚Die Pfarrhauskomödie‘[…]), Schmutzbücher und Schandbilder m e h r christliche Jünglinge und Mädchen verführt worden sind als früher in zehn Jahren! Wann wird das d e u t s c h e Volk sich aufraffen, um den ausländischen (galizisch-polnisch- russischen) Schmutzfinken und ihren inländischen Ebenbildern es zum Bewußtsein brin- 29 Sleumer 2 1906, S. 8 (Fußnote 3), auch 4 1909, S. 14-15 (Fußnote 6). 30 Sleumer 2 1906, S. 8 (Fußnote 3), auch 4 1909, S. 15 (Fußnote 6). 31 Sleumer 4 1909, S. 10 (Fußnote 4), vgl. auch 5 1911, S. 11 (Fußnote 5). 32 Sleumer 6 1915, S. 11-12, auch 7 1920, S. 9. © Johannes Wiele 12/2010 S. 9

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