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Materialien Fließgewässer - VFG

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Impressum<br />

Herausgeber & Koordination:<br />

WBW Fortbildungsgesellschaft<br />

für Gewässerentwicklung mbH<br />

Redaktion:<br />

Birgit Beermann, Ann Zirker<br />

(WBW Fortbildungsgesellschaft<br />

für Gewässerentwicklung mbH)<br />

Gestaltung/Herstellung:<br />

reesedesign, D-76131 Karlsruhe,<br />

www.reesedesign.de<br />

Druck:<br />

Ordner.de, 40237 Düsseldorf<br />

Bildnachweise:<br />

WBW Fortbildungsgesellschaft<br />

für Gewässerentwicklung mbH<br />

Auflage:<br />

1. Auflage, 2000 Stück<br />

Kontakt:<br />

WBW Fortbildungsgesellschaft<br />

für Gewässerentwicklung mbH<br />

Karlstraße 91, 76137 Karlsruhe<br />

Tel. 0721/82448920, Fax 0721/82448929<br />

info@wbw-fortbildung.de<br />

www.wbw-fortbildung.de


<strong>Materialien</strong> <strong>Fließgewässer</strong><br />

Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur


2<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

Vorwort ............................................. 5<br />

1. Einführung .......................... 6<br />

Übersicht „Kompetenzen” ..................... 8<br />

Menschliches Leben ...................... 8<br />

Kulturphänomene und Umwelt ........ 8<br />

Naturphänomene und Technik ........ 8<br />

Hinweise zum Gebrauch ....................... 9<br />

2. Natur erleben<br />

mit allen Sinnen.................10<br />

Bezug zum Bildungsplan ......................12<br />

...innerhalb des Fächerverbundes „Mensch, Natur<br />

und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />

Einstimmung .....................................13<br />

Sehen ........................................13<br />

Fühlen/Riechen/Schmecken ..........15<br />

Hören ........................................16<br />

Tasten ........................................19<br />

Materialliste/Literatur ...................19<br />

3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong> .. 20<br />

Bezug zum Bildungsplan ..................... 22<br />

...innerhalb des Fächerverbundes „Mensch, Natur<br />

und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />

Ufer- und Wiesenpflanzen<br />

an <strong>Fließgewässer</strong>n ..............................24<br />

Einstimmung ...............................24<br />

Materialliste/Literatur .................. 25<br />

Gewässerstruktur und<br />

Bewertung der Strukturgüte ................26<br />

Einstimmung ...............................26<br />

Materialliste/Literatur ...................27<br />

Kleinlebewesen ................................. 28<br />

Einstimmung .............................. 28<br />

Materialliste/Literatur .................. 29<br />

Fische und Gewässerschutz ................ 30<br />

Einstimmung .............................. 30<br />

Gewässerbegehung ..................... 30<br />

Materialliste/Literatur .................. 30<br />

Untersuchung von Flusswasser .............31<br />

...und Sediment in Neckar und Rhein


4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong> ..32<br />

Bezug zum Bildungsplan ..................... 34<br />

...innerhalb des Fächerverbundes „ Mensch,<br />

Natur und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />

Einstimmung –<br />

Sensibilisierung für die Natur .............. 36<br />

Camera natura ........................... 36<br />

Landschaft verändern ................. 36<br />

Wer sucht der findet .................... 36<br />

Zeitlupenspaziergang ...................37<br />

Wasser-Phantasiereise ..................37<br />

Natur-Kunstwerk, Aufgabenstellung ..... 38<br />

Tast-Spiel zur Gruppenbildung ...... 38<br />

Blätterschlangen ........................ 38<br />

Steintürme ................................ 39<br />

Geschichten & Märchen<br />

als Inspirationsquelle .................. 39<br />

Wassertheater & Wassertänze ..............42<br />

Vernissage & Dokumentation<br />

der Kunstwerke ..................................43<br />

Materialliste/Literatur ...................43<br />

5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong><br />

durch den Menschen ....... 44<br />

Die Landschaftsentwicklung ................ 44<br />

...der <strong>Fließgewässer</strong> und Flusslandschaften<br />

unter dem Einfluss des Menschen<br />

Bezug zum Bildungsplan ..................... 46<br />

...innerhalb des Fächerverbundes „Mensch, Natur<br />

und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />

Durchführung ....................................47<br />

Materialliste/Literatur .................. 48<br />

Frühe Nutzungen ................................49<br />

Mühlkanäle, Mühlgräben ...............49<br />

Schifffahrt ..................................49<br />

Flößerei ..................................... 50<br />

Teiche ........................................51<br />

Wasserwiesen, Bewässerungsgräben . 52<br />

Flussbau, Hochwasserschutz ........ 53<br />

Kulturtechnik contra Natur? ......... 53<br />

Heutige Nutzungen ............................ 54<br />

Inanspruchnahme von<br />

gewässernahen Flächen ............... 54<br />

Abflussregulierung ...................... 54<br />

Gewässerausbau ........................ 54<br />

Literatur .....................................55<br />

Anhang: Arbeitsblätter ......... 56<br />

Arbeitsblätter zu Themen<br />

rund ums <strong>Fließgewässer</strong><br />

Fortbildungsgesellschaft 3


4<br />

3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong>


Vorwort<br />

Materialhefter zum Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur<br />

Im Schuljahr 2004/ 2005 wurde der Fächerverbund<br />

Mensch, Natur und Kultur an<br />

den Grundschulen Baden-Württembergs<br />

eingeführt. Damit wurden die Weichen für<br />

eine noch ganzheitlichere Vermittlung von<br />

Lerninhalten gestellt. Gerade für komplexe<br />

ökologische Themengebiete ergeben sich<br />

dort neue Chancen. Veränderungen im Lehrplan<br />

führen häufig zu Fragen, wie diese Neuerungen<br />

umgesetzt werden können. Dieser<br />

Materialhefter möchte eine Hilfestellung<br />

für einen erlebnisorientierten Unterricht an<br />

<strong>Fließgewässer</strong>n geben.<br />

Das vorliegende Material wurde im Rahmen<br />

des Projektes „Gewässerpädagogisches<br />

Programm im Rhein-Neckar-Kreis” zusammengestellt<br />

und erprobt. Das Projekt wurde<br />

in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt<br />

Rhein-Neckar-Kreis von der WBW Fortbildungsgesellschaft<br />

für Gewässerentwicklung<br />

mbH durchgeführt. Im Grundschulbereich<br />

lag der Schwerpunkt bei Schulveranstaltungen<br />

und Lehrerfortbildungen auf der<br />

Grundlage der vorliegenden <strong>Materialien</strong>.<br />

Für weiterführende Schulen wurden Projektwochen<br />

angeboten, bei denen die altersgerechte,<br />

praktische Umsetzung der<br />

Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im<br />

Vordergrund stand. Beispiele dafür sind<br />

die Aufwertung von Gewässerrandstreifen<br />

durch Bepflanzungen oder das Einbringen<br />

von Störsteinen in die Gewässersohle.<br />

Der Materialhefter richtet sich in erster<br />

Linie an Lehrerinnen und Lehrer der Grundschulen.<br />

Aber auch alle Naturinteressierten,<br />

die zusammen mit Kindern im Alter von<br />

sechs bis elf Jahren dem Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />

auf die Spur gehen möchten, wird<br />

er eine wertvolle Hilfe sein. Die Art der Heftung<br />

ermöglicht es, eigene <strong>Materialien</strong> hinzuzufügen<br />

und den Hefter damit stetig zu<br />

aktualisieren.<br />

Ich wünsche Ihnen, Ihren Klassen oder<br />

Kindergruppen lehrreiche und spannende<br />

Stunden an unseren heimatlichen Bächen<br />

und Flüssen!<br />

Tanja Gönner,<br />

Umweltministerin Baden-Württemberg<br />

Fortbildungsgesellschaft 5


1. Einführung<br />

Im Zuge der Bildungsplanreform 2004<br />

wurde an den Grundschulen des Landes<br />

Baden-Württemberg der Fächerverbund<br />

„Mensch, Natur und Kultur” (MeNuK)<br />

eingeführt. Nach Beendigung des Anfangsunterrichtes<br />

(AU) in Klasse 2, für die<br />

Klassen 3 und 4 ab Schuljahr 2005/ 2006,<br />

wird der Unterricht durch den neuen Fächerverbund<br />

• fächerübergreifend und integrativ<br />

• handlungsorientiert<br />

• auf die Lebenswelterfahrung der Kinder<br />

ausgerichtet. Mit der Einführung des Fächerverbundes<br />

MeNuK bekommt der<br />

Unterricht eine stärker naturwissenschaftlich-technische<br />

Ausrichtung. Die Neugierde<br />

auf Naturphänomene und technische<br />

Zusammenhänge soll geweckt werden. In<br />

Verbindung mit der Freude am künstlerischen<br />

Gestalten und dem aktiven Umgang<br />

mit Musik sollen musikalische und<br />

gestalterische Fähigkeiten erweitert werden.<br />

Das systematische Kennen- und Verstehen<br />

Lernen der kulturellen Wurzeln des<br />

Umfeldes ist Lernziel. MeNuK eröffnet damit<br />

Chancen für einen anwendungs- und<br />

problemorientierten, aktiv-entdeckenden<br />

und kreativen Unterricht. Teile davon eignen<br />

sich hervorragend für den außerschulischen<br />

Unterricht.<br />

Fortbildungsgesellschaft 7


8<br />

1. Einführung<br />

Übersicht „Kompetenzen”<br />

Im Fächerbund MeNuK werden bildungsrelevante<br />

Themen aus der Lebenswirklichkeit<br />

in neun Kompetenzfelder (KF)<br />

gegliedert, von denen jeweils drei den drei<br />

zentralen Bereichen „Menschliches Leben”,<br />

„Kulturphänomene und Umwelt” und „Naturphänomene<br />

und Technik” zugeordnet<br />

werden.<br />

Menschliches Leben<br />

KF 1 Wer bin ich – was kann ich:<br />

Kinder entwickeln und<br />

verändern sich,<br />

stellen sich dar<br />

KF 2 Ich – du - wir:<br />

Zusammen leben, miteinander<br />

gestalten, voneinander lernen<br />

KF 3 Kinder dieser Welt:<br />

Sich informieren,<br />

sich verständigen,<br />

sich verstehen<br />

Kulturphänomene<br />

und Umwelt<br />

KF 4 Raum und Zeit<br />

erleben und gestalten<br />

KF 5 Heimatliche Spuren<br />

suchen und entdecken<br />

KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />

Staunen, schützen, erhalten<br />

Naturphänomene<br />

und Technik<br />

KF 7 Natur macht neugierig:<br />

Forschen, experimentieren,<br />

dokumentieren<br />

KF 8 Erfinder/-innen, Künstler/<br />

-innen, Komponist/-innen<br />

entdecken, entwerfen und<br />

bauen, stellen dar<br />

KF 9 Energie, <strong>Materialien</strong>,<br />

(Verkehrs-)wege: Vergleichen<br />

und bewusst machen


Hinweise zum Gebrauch<br />

Für die verschiedenen Kompetenzfelder<br />

bietet das neue Material Umsetzungsbeispiele<br />

für den außerschulischen Unterricht<br />

am und rund um das Gewässer. Die Beispiele<br />

greifen verschiedene Themen auf, die<br />

immer mehrere Kompetenzfelder berühren.<br />

Der jeweilige Bezug zum Bildungsplan und<br />

den Kompetenzfeldern wird jeweils voran<br />

gestellt.<br />

Die Umsetzungsbeispiele setzten sich<br />

aus einzelnen Bausteinen (z. B. Wissensvermittlung,<br />

Aktionen, Spiele) zusammen,<br />

aus denen die Lehrer/-innen einen Schulvormittag<br />

gestalten können. Durch Kombination<br />

von mehreren Umsetzungsbeispielen<br />

lassen sich ganze Projekte gestalten. Zu den<br />

Umsetzungsbeispielen, sowie den einzelnen<br />

Aktionen und Spielanleitungen, werden<br />

ausführliche didaktische Hinweise zur Einsatzmöglichkeit<br />

gegeben. Fotos veranschau-<br />

Graf von Oberndorffschule Neckarhausen im Kandelbach, Ladenburg, 2005<br />

lichen und erleichtern die Durchführung.<br />

Weiterführende Literatur zu einzelnen Umsetzungsbeispielen<br />

ergänzt das Material.<br />

Sach- und Hintergrundinformationen<br />

zu den einzelnen Themenbereichen werden<br />

nicht gesondert aufgeführt. Entsprechendes<br />

Material steht, gut und anschaulich<br />

aufgearbeitet, in der Handreichung „Schulen<br />

für einen Lebendigen Neckar” des Nachbarschaftsverbandes<br />

Heidelberg-Mannheim<br />

zur Verfügung. Dieser Ordner liegt an allen<br />

Grundschulen von Heidelberg bis Mannheim<br />

vor. Ferner stehen von der WBW Fortbildungsgesellschaft<br />

für Gewässerentwicklung<br />

die Ausbildungsunterlagen für Gewässerführer/-innen<br />

über die Homepage www.<br />

wbw-fortbildung.de Gewässerpädagogik<br />

Gewässerführer zur Verfügung. Verweise<br />

zu passenden Sachinformationen werden im<br />

jeweiligen Kapitel gegeben.<br />

Fortbildungsgesellschaft 9


2. Natur erleben<br />

mit allen Sinnen<br />

Mit Aktionen, welche die Sinne Hören,<br />

Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken anregen,<br />

erleben und erfahren die Kinder den<br />

Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong> auf eine besondere<br />

Art.<br />

Sie können dabei grundlegende und positive<br />

Naturerfahrungen machen, die heutzutage<br />

leider nicht mehr alltäglich sind. Der<br />

Aufenthalt in der Natur wird von den Kindern<br />

dabei als persönliche Bereicherung erfahren.<br />

Das Material ist ebenso für eine längere Projektphase<br />

geeignet.<br />

Die einzelnen Aktionen unterstützen die<br />

Kinder, sich auf die neue Situation des „draußen<br />

Lernens” einzustimmen. Im Vordergrund<br />

steht die Schärfung der Sinne und die Sensibilisierung<br />

für die Natur am Lebensraum<br />

<strong>Fließgewässer</strong>.<br />

Fortbildungsgesellschaft 11


12<br />

2. Natur erleben mit allen Sinnen<br />

Bildungsplan<br />

Bezug zum Bildungsplan innerhalb des Fächerverbundes<br />

„Mensch, Natur und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />

Klasse 2<br />

KF 1 Wer bin ich – was kann ich:<br />

Kinder entwickeln und verändern<br />

sich, stellen sich dar<br />

Die Schüler/-innen können die<br />

Bedeutung und die Leistungen<br />

der Sinne erkennen und in ihrer<br />

Lebenswirklichkeit nutzen.<br />

KF 4 Raum und Zeit erleben<br />

und gestalten<br />

Die Schüler/-innen können ihnen<br />

bekannte Räume bewusst wahrnehmen,<br />

mit unterschiedlichen Sinnen<br />

erschließen und sich in ihnen<br />

orientieren.<br />

KF 5 Heimatliche Spuren<br />

suchen und entdecken<br />

Die Schüler/-innen lernen den Veranstaltungsort<br />

als Lebens-, Wohn-,<br />

Lern-, Sozial- und Spielraum für sich<br />

selbst kennen, erkunden ihn und<br />

setzen sich mit ihm aktiv auseinander.<br />

KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />

Staunen, schützen, erhalten<br />

Die Schüler/-innen<br />

• können erkennen, dass Menschen,<br />

Tiere und Pflanzen Lebewesen sind<br />

und ihr Konzept vom Lebendigen erweitern.<br />

• können ihre Kenntnisse von heimischen<br />

Lebewesen erweitern und festigen<br />

und daraus Wertschätzung<br />

entwickeln.<br />

• erweitern aus der genauen<br />

Naturbeobachtung und aus sinnlicher<br />

Erfahrung mit Tieren und<br />

Pflanzen ihre musikalischen<br />

und künstlerischen Wahrnehmungs-,<br />

Gestaltungs- und<br />

Ausdrucksfähigkeiten.<br />

KF 7 Natur macht neugierig:<br />

Forschen, experimentieren,<br />

dokumentieren<br />

Die Schüler/-innen können<br />

• über Naturphänomene staunen.<br />

• die Erscheinungen der belebten<br />

und unbelebten Natur gezielt<br />

wahrnehmen.<br />

• Fragen zu Naturphänomenen<br />

stellen.<br />

• einfache Experimente mit und<br />

ohne Anleitung durchführen,<br />

beobachten und dokumentieren.<br />

• Naturerfahrungen miteinander<br />

vergleichen und ordnen, Regelmäßigkeiten<br />

aufspüren.<br />

KF 8 Erfinder/-innen, Künstler/-innen,<br />

Komponist/-innen entdecken,<br />

entwerfen, und bauen,<br />

stellen dar<br />

Die Schüler/-innen kennen Beispiele<br />

fantastischer, skurriler Erfindungen<br />

und Kunstwerke.


Einstimmung<br />

Die Spiele und Aktivitäten greifen jeweils<br />

ein Sinnesorgan auf. Durch die Konzentration<br />

auf einen der Sinne wird die<br />

Wahrnehmung für Naturphänomene und<br />

das Bewusstsein für die eigenen Sinne gesteigert.<br />

Der Bezug zum angesprochenen<br />

Sinnesorgan (Bau, Funktion) sollte hergestellt<br />

werden. Dazu bietet sich vor Beginn<br />

oder nach Ende einer Aktivität oder eines<br />

Spieles eine kleine Abfrage zum angesprochenen<br />

Sinnesorgan an: Der Aufbau und die<br />

Funktion des Sinnesorgans und die Bedeutung<br />

für den Menschen (Form der Orientierung)<br />

sollen die Kinder mit Unterstützung<br />

des Lehrers/der Lehrerin erklären. Spielerische<br />

Beispiele, wie die Demonstration<br />

mit einer Trommel (Bezug: menschliches<br />

Trommelfell), der Einsatz einer Übung zum<br />

gezieltes Richtungshören (Lauschen mit abgespreizten<br />

Ohren) können den Kindern die<br />

Erklärung der Sinnesorgane erleichtern.<br />

Steinschlange am Neckar<br />

Sehen<br />

Uferparcours<br />

Dieses Spiel bietet sich zu Beginn eines<br />

Vormittages an. Die Kinder können dabei<br />

zunächst ausgiebig die neue Umgebung<br />

erkunden. Das erleichtert ihnen später die<br />

Orientierung im Gelände, Ängste und Unsicherheiten<br />

können abgebaut werden. Ein<br />

Uferparcours fördert die Konzentration und<br />

stillt die Neugierde auf einen unbekannten<br />

Ort. Außerdem wird dem Bewegungsdrang<br />

der Kinder Rechnung getragen, der am Anfang<br />

einer Veranstaltung besonders hoch ist.<br />

Es wird entlang des Ufers, in Abwesenheit<br />

der Klasse, ein Parcours von zehn kleinen<br />

Objekten aus Naturmaterialien errichtet.<br />

Die Schüler/-innen werden nacheinander auf<br />

den Weg geschickt und sollen diese Objekte<br />

aufspüren.<br />

Fortbildungsgesellschaft 13


14<br />

2. Natur erleben mit allen Sinnen<br />

Dabei ist es wichtig, dass sie den Parcours<br />

leise entlang gehen, ohne auf entdecktes<br />

zu zeigen oder es zu berühren. Sie sollen<br />

sich beim Abgehen der Strecke möglichst<br />

viele Objekte merken. Am Ende des Uferparcours<br />

teilt jedes Kind dem/der Lehrer/in<br />

seine Entdeckungen mit. Zum Abschluss<br />

geht die Klasse gemeinsam die Strecke noch<br />

einmal ab und tauscht Eindrücke aus. Der<br />

Parcours muss klar durch einen Start- und<br />

Endpunkt begrenzt sein. Hilfreich kann dabei<br />

auch ein Strick von ca. 20 m Länge sein.<br />

Verstecken – Entdecken<br />

Alternativ können zehn künstliche Gegenstände<br />

ausgelegt werden, wie z. B. eine<br />

Badeente aus Gummi, ein Löffel, ein bunter<br />

Badeschwamm, eine Spiegelkachel usw. Die<br />

Schüler/-innen zählen die entdeckten Dinge<br />

und teilen dem/der Lehrer/-in am Ende der<br />

Strecke ihre Ergebnisse mit.<br />

Zur Veranschaulichung gestalterischer<br />

Möglichkeiten mit Naturmaterialien und deren<br />

jeweiligen Eigenarten eignen sich Abbildungen<br />

von „LandArt”-Objekten. An Bildbeispielen<br />

kann man mit den Kindern gezielt ansprechen,<br />

worin die Besonderheiten dieser Kunstwerke<br />

bestehen und welche Beschaffenheit,<br />

Farbe und Form das jeweilige Material hat.<br />

Mein Stein – Dein Stein<br />

Spiegelgang im Auwald<br />

LandArt ist Landschaftskunst mit der Natur<br />

als Medium. Sie ist eine Form der Kunst, welche<br />

die Umwelt in den Schaffensprozess mit<br />

einbezieht. LandArt reicht vom reinen Beobachten<br />

von schönen Naturerscheinungen bis<br />

zu großflächigen Arrangements. Beim schottischen<br />

Künstler Andy Goldsworthy, der den<br />

Begriff LandArt zum ersten Mal verwendete,<br />

stehen die Reflektierung der Natur und die<br />

Hervorhebung Ihrer Schönheit und Vollkommenheit<br />

im Mittelpunkt seiner Arbeit.<br />

Spiegelgang<br />

Diese Aktion fordert von den Kindern<br />

erhöhte Konzentration und Wachsamkeit.<br />

Da es sich um eine Aktivität mit der ganzen<br />

Klasse handelt, ist eine gewisse Ruhe<br />

innerhalb der Gruppe Voraussetzung. Deshalb<br />

eignet sich dieses Spiel besser im Laufe<br />

einer Veranstaltung als zu Beginn. Der<br />

Spiegelgang ist nur dann interessant, wenn<br />

Bäume am Ufer wachsen.<br />

Die Kinder bilden eine Reihe (max.<br />

zehn pro Kleingruppe), wobei sie sich mit


der einen Hand auf der Schulter des Vorderen<br />

festhalten. Mit der anderen Hand wird<br />

eine Spiegelkachel so oberhalb der Nase<br />

gehalten, dass im Spiegel Äste und Kronen<br />

der Uferbäume zu sehen sind. Die Karawane<br />

wandelt für zehn Minuten am Ufer<br />

entlang, während die Kinder ihren Blick in<br />

die Spiegel richten. Angeführt wird sie von<br />

einer Person ohne Spiegel. Die Schüler/innen<br />

durchwandern optisch das spiegelverkehrte<br />

Bild über ihnen. Es kann dabei zu<br />

interessanten Verhaltensweisen kommen,<br />

z. B. dass Kinder über Baumäste „hinübersteigen”,<br />

die sich in Wirklichkeit über ihnen<br />

befinden. Anschließend tauscht die Klasse<br />

gemeinsam Erlebnisse und Empfindungen<br />

aus. Wichtig: Bei der Auswahl der Strecke<br />

sollten große Lücken in der Baumkronenschicht<br />

vermieden werden. Andernfalls<br />

kann unter freiem Himmel Angst aufkommen<br />

„ins Leere” zu stürzen.<br />

Fühlen/Riechen/Schmecken<br />

Die folgenden Aktionen und Spiele sind als<br />

Einstieg in die Thematik Riechen und Fühlen<br />

gut geeignet. Sie sind unkompliziert und<br />

fördern die detaillierte Wahrnehmung mit<br />

Händen und Nase wie auch die Umgebungswahrnehmung.<br />

Die Aspekte „dem Partner<br />

vertrauen lernen” und „verantwortungsvoll<br />

mit dem anderen umgehen” werden angesprochen.<br />

Ferner wird bei beiden Spielen<br />

die Kommunikation und Ausdrucksfähigkeit<br />

der Kinder gefördert. Die Spiele lassen sich<br />

praktisch jederzeit in den Vormittag einbauen.<br />

Die „Geheimniskrämerei” eignet sich besonders<br />

zur Auflockerung.<br />

Geheimniskrämerei<br />

Der Spielleiter hat zuvor Gegenstandspaare<br />

aus der Natur in einem undurchsichtigen<br />

Stoffbeutel gesammelt. Die Dinge<br />

sollten aus der unmittelbaren Umgebung<br />

stammen und vollständig von einer Kinderhand<br />

umschlossen werden können.<br />

Die Kinder bilden einen Kreis: Der Beutel<br />

wird reih um verdeckt (hinter dem Rücken<br />

der Kinder) herumgegeben. Jedes Kind<br />

nimmt sich einen Gegenstand aus dem Beutel<br />

heraus, den er nicht den anderen zeigt<br />

oder darüber spricht! Dann versuchen die<br />

Kinder ihren Gegenstand bei einem der Kinder<br />

zu finden. Dazu stellen sie sich Rücken<br />

an Rücken, tauschen ihren Gegenstand aus<br />

und ertasten ihn. Falls es sich nicht um den<br />

Gleichen handelt, wird zum nächsten Kind<br />

gewechselt. Wenn die Sachen übereinstimmen,<br />

dürfen die beiden Kinder an den Rand<br />

der Gruppe gehen. Wenn alle Kinder ihren<br />

Partner über den gleichen Gegenstand gefunden<br />

haben, gibt es einen kurzen Austausch.<br />

Es sollte besprochen werden, was<br />

es ist und woher die Dinge stammen (z. B.<br />

ein Erlenblatt kommt von einer Erle am<br />

Flussufer). Zur Einprägung des Naturobjekts<br />

und seiner Zuordnung zur Umgebung<br />

ist es sinnvoll, die Kinder ihren Gegenstand<br />

in der Umgebung suchen zu lassen.<br />

Anschließend kann man noch gezielte<br />

Hinweise zu den Pflanzen geben (z. B.<br />

Weidenrinde enthält den Wirkstoff, der in<br />

Kopfschmerztabletten ist: Salizylsäure, die<br />

Pflanze heißt lateinisch Salix!)<br />

Partner, die sich über das Spiel gefunden<br />

haben, suchen je zwei Gegenstände in<br />

der Umgebung, die sie dem Partner, der die<br />

Augen geschlossenen hat geben: Der Partner<br />

soll über Riechen und Tasten den Gegenstand<br />

beschreiben und versuchen zu<br />

erraten, was es sein könnte. Der/die Lehrer/-in<br />

sucht unter dessen nach besonderen<br />

Pflanzen (z. B. Knoblauchsrauke), die im Anschluss<br />

im Kreis zum Riechen herumgereicht<br />

wird. (Kinder sollen Geruch beschreiben:<br />

zwieblig, knoblauchartig.) Essbare Kräuter:<br />

Mädesüß (Blüten lassen sich als Tee zubereiten),<br />

Brunnenkresse (Salat) oder Holunderblüten.<br />

Aus Holunderblüten lassen sich<br />

schmackhafte (süße) Pfannkuchen zubereiten<br />

(Schulküche). Ursprung der Nutzung von<br />

Fortbildungsgesellschaft 15


16<br />

2. Natur erleben mit allen Sinnen<br />

einigen Kräutern, Geschichten und Rezepte<br />

dazu kann man gut in dem Buch „Lebenselixiere<br />

aus Deutschland” aus der Hobbythek-<br />

Reihe nachlesen.<br />

Mein Stein - Dein Stein<br />

Das folgende Spiel ist geeignet, wenn<br />

die Gruppe vorher ihren Bewegungsdrang<br />

gestillt hat, da eine erhöhte Konzentration<br />

und stilles Sitzen gefordert ist. Wiederum<br />

stehen die Steigerung der Wahrnehmungsfähigkeit<br />

(mit den Händen) und die unmittelbare<br />

Erfahrung im Mittelpunkt der Aktion.<br />

Jedes Kind sucht sich zunächst einen<br />

Stein am Ufer, der ihm besonders auffällt<br />

und gut gefällt. Es sollte von einer Kinderhand<br />

vollständig umschlossen werden können.<br />

Jedes Kind befühlt seinen Stein genau<br />

und intensiv, auch mit geschlossenen Augen.<br />

Die Steine werden eingesammelt. Die<br />

Kinder bilden einen Kreis. Die Kinder bekommen<br />

die Augen verbunden und jedes<br />

bekommt einen der Stein in die Hand gelegt.<br />

Nun geben die Kinder den Stein (sofern<br />

es nicht ihr eigener ist) reihum an den rechten<br />

Nachbarn weiter, dieser wiederum an<br />

seine rechten Nachbarn usw. Dabei versuchen<br />

die Kinder Ihren Kieselstein wieder zu<br />

finden. Kinder, die ihren Stein wieder in der<br />

Hand haben, dürfen die Augen öffnen und<br />

behalten ihren Stein. Ankommende Steine<br />

werden aber weiter gereicht.<br />

Geräusche-Landkarte<br />

Hören<br />

Die erste Übung eignet sich besonders als<br />

Einstimmungsübung für die Konzentration auf<br />

den Hörsinn und lässt sich an einem Vormittag<br />

auch mehrfach einsetzen. Sie benötigt<br />

keine besondere Vorbereitung und kommt mit<br />

einem minimalen Zeitaufwand aus.<br />

Geräusche raten<br />

Die Gruppe steht mit geschlossenen Augen<br />

eine Minute im Kreis und die Kinder achten<br />

auf Geräusche aus der Umgebung. Als Ort<br />

sollte eine Stelle ausgewählt werden, die vielfältige<br />

Naturgeräusche und vom Menschen<br />

verursachte Geräusche bietet. Ist dies nicht<br />

möglich, so kann man auch zwei verschiedene<br />

Orte auswählen, an denen je ein Kriterium<br />

zutrifft und das Spiel zweimal durchführen:<br />

Die Aufgabe der Kinder besteht darin,<br />

die Anzahl der Geräusche zu zählen, sich<br />

zu merken aus welcher Richtung sie kommen<br />

und zuzuordnen, wer oder was dieses<br />

Geräusch verursacht. Anschließend werden<br />

die Ergebnisse in der Gruppe verglichen:<br />

Welche Geräusche wurden wahrgenommen?<br />

Sind mehr Geräusche wahrgenommen<br />

worden als vorher mit offenen Augen?<br />

Warum? Welche Geräusche wurden als angenehm<br />

oder unangenehm empfunden?<br />

Welche Geräusche waren natürlichen Ursprungs<br />

und welche nicht? Falls zwei Orte<br />

ausgewählt wurden sollten die Ergebnisse<br />

miteinander verglichen werden.<br />

Geräusche-Landkarte<br />

Alternativ können die Kinder auch eine<br />

Landkarte der gehörten Geräusche zeichnen.<br />

Um diese zu erstellen wird Konzentration und<br />

Eigenständigkeit von den Kindern gefordert.<br />

Dafür sucht sich jedes Kind einen Platz in<br />

der näheren Umgebung (Hör- und Sichtweite<br />

zur Aufsichtsperson einhalten). Jedes Kind<br />

bekommt eine Blankopostkarte/ einen dün-


nen Pappbogen im Format DIN A 5 und einen<br />

Stift. In die Mitte zeichnet jeder ein Kreuz,<br />

das den eigenen Standort kennzeichnet.<br />

Die Aufgabe besteht darin, um den eigenen<br />

Standpunkt (Kreuz) herum die Geräusche<br />

der Umgebung aufzuzeichnen. Dabei steht<br />

es frei, ob jemand die Ergebnisse symbolisch<br />

darstellen mag, z. B. für eine Vogelstimme<br />

eine Note in die Landkarte einzeichnet oder<br />

lieber die Geräusche gegenständlich festhalten<br />

möchte und einen Vogel aufzeichnet.<br />

Die Aktion sollte erst dann beendet werden,<br />

wenn alle Kinder ihre Geräusche-Landkarte<br />

fertig gestellt haben. Die Karten werden<br />

anschließend nebeneinander gelegt und besprochen.<br />

Ente und Küken<br />

Dieses Spiel ist zur Auflockerung sehr<br />

gut geeignet. Zu Beginn bilden die Kinder<br />

Paare. Ein Kind ist die Entenmutter, das an-<br />

Wassermusik der besonderen Art<br />

dere Kind das Entenküken. Dem Küken werden<br />

die Augen verbunden. Mutter und Küken<br />

stehen dicht beieinander. Die Entenmutter<br />

läuft nun langsam am Ufer entlang und ruft<br />

mit einem Piepen ihr Küken. Durch ständiges<br />

Wiederholen des Geräusches kann das<br />

Küken blind der Mutter folgen. Nach einer<br />

Weile werden die Rollen getauscht.<br />

Wenn die Schule oder der/die Lehrer/in<br />

über Klangfrösche verfügt sollten sie den<br />

Kindern als Beispiel für das Richtungshören<br />

aus der belebten Natur vorgeführt werden.<br />

Diese Klangfrösche sind aus Holz hergestellt<br />

und haben einen gezackten Rücken. Streicht<br />

man mit einem Holzstab über diesen Rücken<br />

ertönt ein täuschend echtes „Gequake” eines<br />

Froschmännchens nach einem Weibchen.<br />

Wassermusik<br />

Für dieses Experiment zum Hören braucht<br />

man ein Flachufer mit ausreichender Länge<br />

Fortbildungsgesellschaft 17


18<br />

2. Natur erleben mit allen Sinnen<br />

von ca. 15 Metern. Das <strong>Fließgewässer</strong> sollte<br />

an dieser Stelle über eine gewisse (hörbare)<br />

Strömung verfügen. Bei dieser etwas<br />

aufwendigeren, aber lohneswerten Aktion ist<br />

vor allem die Kreativität der Kinder und das<br />

Arbeiten in der Gruppe gefordert.<br />

Die Kinder werden zunächst in Gruppen<br />

von 4-5 Kindern aufgeteilt. Je ein Materialsatz<br />

bestehend aus zwei langen Kunststoffstangen<br />

(1,80 m Länge, 2 cm im<br />

Durchmesser), einem Klebeband und einem<br />

Kunststofftrichter (Durchmesser 20<br />

cm) wird an die einzelnen Gruppen verteilt.<br />

Die Bauanleitung zu diesem Spiel können<br />

die Kinder, natürlich abhängig von der<br />

Klassenstruktur/Lernstand und der Selbstständigkeit<br />

auch selbst herausfinden! Als<br />

Hinweis wird der Bezug zum vorangegangenen<br />

„Hörspiel” hergestellt und die Aufgabe<br />

ausgegeben, dem Fluss zuzuhören.<br />

Anschließend lauschen die Kinder mithilfe<br />

der „Hörrohre” dem Fluss zu. Schnell<br />

kommen die Kinder auch auf die Idee Flussgeräusche<br />

zu provozieren, indem sie Steine<br />

in das Gewässer werfen, in die Rohre pusten<br />

oder die Trichter ins bewegte Sediment des<br />

<strong>Fließgewässer</strong>s lassen. Bei Letzterem kann<br />

man nämlich auch der Kraft des Wassers<br />

zuhören, durch die die Sedimente im Bachbett<br />

bewegt werden!<br />

Nach ca. 15 Minuten berichten alle<br />

Gruppen von Ihren Erfahrungen, ggf. veranschaulichen<br />

sie ihre Ergebnisse mit den<br />

„Hörrohren”. Ein mitgebrachter Kassetten-<br />

recorder lässt die Kinder länger und konzentrierten<br />

bei der Sache bleiben und erzeugt<br />

ein jederzeit abrufbares und vielseitig einsetzbares<br />

Tondokument der Aktion. Alternativ<br />

zu einer selbst aufgenommenen<br />

Kassette ist im Verlag an der Ruhr auch<br />

ein Wasser - Geräusche - Spiel erschienen.<br />

Auf einer CD sind verschiedenste Wassergeräusche<br />

zu hören, zu denen die Kinder<br />

die jeweils passende Geräuschkarte finden<br />

müssen.<br />

Regenmacher-Spiel<br />

Die Kinder sammeln für sich jeweils<br />

zwei Steine und setzten sich anschließend<br />

in einen großen Kreis. Der Spielleiter geht<br />

nun herum und tippt nach und nach alle<br />

Kinder mit der Hand einmal auf die Schulter.<br />

Jedes Kind, das angetippt wird, beginnt<br />

die Steine in einem Rhythmus, den das Kind<br />

selbst wählen kann, aneinander zu schlagen.<br />

Dadurch entsteht mit zunehmender<br />

Zahl von Kindern eine Art „Regen” der sich<br />

langsam zu einem richtigen „Regenschauer”<br />

steigert.<br />

Wenn alle Kinder angetippt wurden,<br />

geht der Spielleiter ein zweites Mal herum<br />

und tippt die Kinder wiederum an (zweimal<br />

auf die Schulter tippen). Daraufhin hören<br />

die Kinder auf, die Steine aneinander<br />

zu schlagen. Der Regenschauer hört langsam<br />

auf.


Tasten<br />

Blinde Karawane<br />

Das Spiel eignet sich in der Mitte oder<br />

am Ende eines Vormittages, wenn die<br />

Gruppe die Umgebung schon gut kennt<br />

und evtl. Berührungsängste mit der Natur<br />

schon abgebaut sind.<br />

Eine Gruppe von maximal zehn Kindern<br />

stellt sich mit verbundenen Augen in<br />

einer Reihe auf. Die Kinder legen dazu ihre<br />

Hände auf die Schulter des Kindes vor ihnen.<br />

Der/die Lehrer/-in führt die Karawane<br />

an und geht langsam durch abwechslungsreiches<br />

Gelände.<br />

Beim Anführen ist es wichtig, den Kontakt<br />

zur Gruppe durch regelmäßiges Umschauen<br />

zu halten und gegebenenfalls das<br />

Schritttempo zu verlangsamen. Bei warmen<br />

Temperaturen ist es für den Tastsinn<br />

besonders spannend die Karawane barfuß<br />

wandeln zu lassen.<br />

Bei der Auswahl der Strecke ist auf die<br />

Vielfalt des Untergrundes (Wiese: trockene,<br />

kurz gemähte Wiese, nasse hoch gewachsene<br />

Wiese, erdige Fläche, Kiesel, evtl.<br />

Flachufer mit Wasser) zu achten. Auch sollte<br />

es eine Abwechslung im Relief geben<br />

(berauf, bergab). Die Kinder sollten während<br />

des Ganges nicht sprechen. Am Anfang<br />

ist dieses für kleinere Kinder sehr schwierig,<br />

im Verlauf des Spieles wird das meist immer<br />

besser eingehalten. Die Karawane sollte<br />

mindestens 5 Minuten unterwegs sein.<br />

Die Erlebnisse werden ausgetauscht.<br />

Worüber ist man gegangen? Gab es angenehme<br />

oder auch unangenehme Gefühle?<br />

Welche Unterschiede im Gehen bestehen<br />

im Vergleich zu Gehen mit offenen Augen?<br />

(Reliefwahrnehmung, Geschwindigkeit,<br />

Zeitwahrnehmung). Die Kinder sollen<br />

Ihre Eindrücke schildern.<br />

Materialliste<br />

• Uferparcours:<br />

20 m lange Leine<br />

• Geheimniskrämerei:<br />

Stoffbeutel zum Sammeln von Naturmaterialien<br />

• Verstecken – Entdecken:<br />

10 Gegenstände zum Verstecken<br />

• Wassermusik:<br />

Lange Kunststoffstangen, Trichter, Klebeband<br />

• Generell hilfreich ist ein einfaches Pflanzen-<br />

und Tierbestimmungsbuch dabei zu haben<br />

Im Klassensatz:<br />

• Spiegelgang:<br />

Spiegelfliesen mit aufgeklebtem<br />

Hosenbundgummiband zum Festhalten<br />

• Geräusche-Landkarte:<br />

Blankopostkarten/<br />

dünne Pappbögen Format DIN A 5,<br />

Bleistifte, Radiergummis, Sitzmatten<br />

(z. B. zerschnittene Camping-Isoliermatte),<br />

• Ente und Küken, Blinde Karawane:<br />

Augenbinden oder Tücher<br />

Literatur<br />

Cornell, Josef (1991):<br />

Mit Kindern die Natur erleben,<br />

Verlag an der Ruhr, Mühlheim a. d. R.<br />

Cornell, Josef (1991):<br />

Mit Freude die Natur erleben,<br />

Verlag an der Ruhr, Mühlheim a. d. R.<br />

Goldsworthy (1991): Verlag Zweitausendeins<br />

Güthler, A. / Lacher, K. (2005):<br />

Naturwerkstatt Landart,<br />

AT Verlag, Baden und München<br />

Neumann, A. und Neumann, B. (2002):<br />

Wasserfühlungen, Ökotopia Verlag<br />

Pütz, Kirschner (2002):<br />

Lebenselixiere aus Deutschland:<br />

wilde Pflanzen / vgs Köln.<br />

Trommer, Gerhard (1991):<br />

Natur wahrnehmen mit der Rucksackschule<br />

Westermann-Verlag<br />

Wasser erleben und erfahren (1990):<br />

Das Element Wasser in der Grundschule,<br />

Verlag an der Ruhr, Mülheim a. d. R.<br />

Wasser-Geräusche-Spiel (1990):<br />

Rheinisch-Westfälische<br />

Wasserwerksgesellschaft / Verlag an der Ruhr<br />

Mülheim a. d. R.<br />

Fortbildungsgesellschaft 19


3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />

Ein Lebensraum und seine Bewertung<br />

Im ersten Teil der Veranstaltung erkunden<br />

die Schüler/-innen mit verschiedenen<br />

Aufgaben und Spielen das Ufer eines<br />

Baches oder Flusses und lernen die dort<br />

vorkommenden Pflanzen und deren Bezug<br />

zum Lebensraum kennen. Auch Sinnes-, Erfahrungs-<br />

und Bewegungsspiele, wie sie im<br />

Kapitel 1 beschrieben sind, lassen sich hier<br />

zur Wissensvermittlung und -vertiefung gut<br />

einsetzen.<br />

Im zweiten Teil wird der Zustand des<br />

<strong>Fließgewässer</strong>s unter einem Aspekt untersucht,<br />

der lange nicht in die Bewertung mit<br />

einbezogen wurde, die Gewässerstruktur.<br />

Sie sagt sehr viel über die natürliche, bzw.<br />

veränderte Beschaffenheit eines Baches<br />

oder Flusses aus. Sie kann, in vereinfachter<br />

Form, auch mit Grundschüler/-innen untersucht<br />

werden.<br />

Im dritten Teil lernen die Kinder die<br />

Kleinlebewesen im <strong>Fließgewässer</strong> und deren<br />

Anpassungen an den Lebensraum kennen.<br />

Auch den Fischen, Lebensweise und<br />

Ansprüche an das <strong>Fließgewässer</strong>, gilt dieser<br />

Abschnitt.<br />

Nach dem Erkunden der Pflanzen und<br />

Tiere, sowie der Strukturen des <strong>Fließgewässer</strong>s,<br />

schließt sich die Bewertung der Ergebnisse<br />

an (Arbeitsblätter).<br />

Damit wird ein Bezug zum Zustand<br />

des <strong>Fließgewässer</strong>s und der umgebenden<br />

Landschaft, bzw. den Veränderungen<br />

durch die menschliche Nutzung hergestellt.<br />

Eine isolierte Durchführung der einzelnen<br />

Bausteine aus Kapitel 2 ist aber auch möglich<br />

und für die Klassenstufe 2 wegen der einfacheren<br />

Aufgabenstellungen gut geeignet.<br />

Die Zuordnung zu Kompetenzfeldern<br />

des Fächerverbundes erfolgt aus Gründen<br />

der Vereinfachung und Übersichtlichkeit<br />

insgesamt für alle Einheiten aus den Kapiteln<br />

2 und 3.<br />

Diese Materialen sind insbesondere zur<br />

Umsetzung in den Kompetenzfeldern KF 6<br />

und KF 7 des Fächerverbundes für die Klassenstufen<br />

2, 3 und 4 gut geeignet.<br />

Fortbildungsgesellschaft 21


22<br />

3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />

Bildungsplan<br />

Bezug zum Bildungsplan innerhalb des Fächerverbundes<br />

„Mensch, Natur und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />

Klasse 2<br />

KF 4 Raum und Zeit erleben<br />

und gestalten<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

• ihnen bekannte Räume bewusst<br />

wahrnehmen, mit unterschiedlichen<br />

Sinnen erschließen und sich in ihnen<br />

orientieren.<br />

• Zeit in eigenen künstlerischen Formen<br />

darstellen.<br />

KF 5 Heimatliche Spuren suchen,<br />

entdecken und gestalten<br />

Die Schülerinnen und Schüler<br />

• lernen den Veranstaltungsort als<br />

Lebens-, Wohn-, Lern-, Sozial- und<br />

Spielraum für sie selbst kennen, erkunden<br />

ihn und setzen sich mit ihm<br />

aktiv auseinander.<br />

• nehmen Spuren aus Natur, Kunst<br />

und Kultur im Heimatraum wahr<br />

und entwickeln daraus eigene Vorstellungen<br />

von ihrem Lebensraum.<br />

• kennen Beispiele aus der Kunst- und<br />

Kulturgeschichte des Heimatraumes.<br />

KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />

Staunen, schützen, erhalten<br />

und darstellen<br />

Die Schülerinnen und Schüler<br />

• können erkennen, dass Menschen,<br />

Tiere und Pflanzen Lebewesen sind<br />

und ihr Konzept vom Lebendigen erweitern.<br />

• können Techniken der Naturbeobachtung<br />

und Kriterien der Unterscheidung<br />

von Pflanzen und Tieren<br />

anwenden.<br />

• können ihre Kenntnisse von heimischen<br />

Lebewesen erweitern und festigen<br />

und daraus Wertschätzung<br />

entwickeln.<br />

• können für Pflanzen und Tiere sorgen<br />

und praktisches Wissen über<br />

Pflege, Umgang und Nutzung erwerben.<br />

• erweitern aus der genauen Naturbeobachtung<br />

und aus sinnlicher Erfahrung<br />

mit Tieren und Pflanzen<br />

ihre musikalischen und künstlerischen<br />

Wahrnehmungs-, Gestaltungs-<br />

und Ausdrucksfähigkeiten.<br />

KF 7 Natur macht neugierig:<br />

Forschen, experimentieren,<br />

dokumentieren und gestalten<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

• über Naturphänomene staunen.<br />

• Beispiele für die Einzigartigkeit und<br />

den Wert von Natur nennen.<br />

• die Erscheinungen der belebten<br />

und unbelebten Natur gezielt wahrnehmen.<br />

• Fragen zu Naturphänomenen stellen.<br />

• einfache Experimente mit und ohne<br />

Anleitung durchführen, beobachten<br />

und dokumentieren.<br />

• Naturerfahrungen miteinander vergleichen<br />

und ordnen, Regelmäßigkeiten<br />

aufspüren.<br />

• Erfahrungen mit der Natur in eigene<br />

sprachliche, künstlerische und musikalische<br />

Gestaltungen einbeziehen.<br />

KF 8 Erfinder/-innen, Künstler/-innen,<br />

Komponist/-innen entdecken,<br />

entwerfen, und bauen, stellen dar<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

Collage, Montage und Zufallsverfahren<br />

als Prinzipien zum Entzünden<br />

fantastischer Ideen und Erfindungen<br />

nutzen.


Klasse 4<br />

KF 1 Wer bin ich – Was kann ich:<br />

Kinder entwickeln und verändern<br />

sich, stellen sich dar<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

aus praktischem musikalischem und<br />

künstlerischem Tun Freude und Zuversicht<br />

in die eigene Leistungsfähigkeit<br />

entwickeln.<br />

KF 4 Raum und Zeit erleben<br />

und gestalten<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

• Natur- und Kulturräume bewusst<br />

wahrnehmen, für sich erschließen<br />

und sich in ihnen orientieren.<br />

• sich in größeren Zeiträumen orientieren<br />

und Ereignisse und Erlebnisse<br />

zeitlich einordnen.<br />

• Erfahrungen von Zeit unterschiedlich<br />

darstellen.<br />

• erkennen, dass gegenwärtige Phänomene<br />

und Prozesse Bedeutung<br />

für die Lebenswirklichkeit der Zukunft<br />

haben.<br />

KF 5 Heimatliche Spuren suchen, entdecken,<br />

gestalten und verändern<br />

Die Schülerinnen und Schüler<br />

• lernen den Heimatraum kennen, erkunden<br />

ihn, gestalten ihn aktiv mit.<br />

• können die Veränderungen des Heimatraumes<br />

in Vergangenheit, Gegenwart<br />

und Zukunft erkennen und<br />

hierfür Verantwortungsbewusstsein<br />

entwickeln.<br />

• können kulturelle Spuren aus der<br />

Heimatgeschichte bewusst wahrnehmen<br />

und daraus eigene gestalterische<br />

Ausdrucksformen<br />

entwickeln.<br />

KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />

Staunen, schützen, erhalten<br />

und darstellen<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

• Techniken der Naturbeobachtung,<br />

der Orientierung in der Artenvielfalt,<br />

des Vergleichs an Kriterien<br />

und des Entwickelns von Ordnungssystemen<br />

anwenden.<br />

• an Beispielen aufzeigen, wie Menschen<br />

seit jeher Naturräume und<br />

Landschaften gestalten, nutzen<br />

und verändern.<br />

• die Bedeutung der Artenvielfalt an<br />

Beispielen aufzeigen.<br />

• aus der aufmerksamen Naturbeobachtung<br />

und sinnlichen Erfahrung<br />

ihre künstlerischen und musikalischen<br />

Gestaltungs- und Ausdrucksfähigkeiten<br />

weiterentwickeln.<br />

• ihre Verantwortung für die Bewahrung<br />

und Erhaltung der Natur und<br />

Umwelt erkennen.<br />

KF 7 Natur macht neugierig:<br />

Forschen, experimentieren,<br />

dokumentieren und gestalten<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

• Erscheinungen der belebten und<br />

unbelebten Natur und die Erfahrungen<br />

mit ihr gezielt wahrnehmen<br />

und dokumentieren.<br />

• Phänomene der belebten und unbelebten<br />

Natur beschreiben und<br />

begrifflich erfassen.<br />

• eigene Fragen stellen, dazu einfache<br />

Experimente planen, durchführen,<br />

diskutieren, auswerten und<br />

optimieren.<br />

• Erfahrungen miteinander vergleichen<br />

und ordnen, Regelmäßigkeiten<br />

aufspüren und in anderen<br />

Kontexten wieder erkennen.<br />

• technische und mediale Hilfsmittel<br />

zur selbstständigen Informationsbeschaffung<br />

über Naturphänomene<br />

verwenden.<br />

• Erfahrungen mit Natur präsentieren<br />

und in künstlerische und musikalische<br />

Gestaltungen einbeziehen.<br />

Fortbildungsgesellschaft 23


24<br />

3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />

Ufer- und Wiesenpflanzen an <strong>Fließgewässer</strong>n<br />

Einstimmung<br />

Zu Beginn steht zunächst die Erkundung<br />

der Umgebung und das Kennen Lernen der<br />

Pflanzen im Vordergrund. Bevor man zur<br />

Wissensvermittlung übergeht, wird mit den<br />

ersten beiden Aktivitäten die Neugierde der<br />

Kinder gestillt. Bei der ersten Aktion wird<br />

darüber hinaus auch die Kreativität und die<br />

künstlerische Gestaltungsfähigkeit der Kinder<br />

gefördert. Die Aktionen und Spiele können<br />

in der folgenden Reihenfolge an einem<br />

Schulvormittag durchgeführt werden.<br />

Sachinformationen zu Wiesenpflanzen<br />

und Tieren und deren Wechselbeziehung<br />

sind im Kapitel 4 („Neckarwiese”) des Ordners<br />

„Schulen für einen Lebendigen Neckar”<br />

zu finden. Ausführliche Sachinformationen<br />

zur Vegetation in der Aue sind in den Kapiteln<br />

2.2.1 und 2.4.9 der Gewässerführerausbildung<br />

nachlesbar (www.wbw-fortbildung.de<br />

Gewässerpädagogik Gewässerführer).<br />

Naturfarben-Palette<br />

Aus Pappe ausgeschnittene Paletten (s.<br />

Kopiervorlage auf Arbeitsblatt Nr. 12), wie sie<br />

Maler zum Mischen von Farben benutzen, wird<br />

mit doppelseitigem Klebeband beklebt und an<br />

die Gruppe verteilt. Die Aufgabe besteht darin,<br />

die unterschiedlichen „Farben” von Pflanzen<br />

der Uferwiese oder -saums zu sammeln.<br />

Dazu kleben die Kinder einzelne kleine Blüten,<br />

Halme usw. auf die selbst haftenden Streifen<br />

auf. Die Ergebnisse werden verglichen und auf<br />

Ihre Vielfalt untersucht. Die Paletten können<br />

später im Klassenzimmer für die Gestaltung<br />

eines Posters oder einer Collage verwendet<br />

werden (vgl. Collage: Jahresuhr, S. 25).<br />

Pflanzen-Puzzle<br />

Teile einzelner Pflanzen, z. B. Blüten<br />

oder Blätter, werden im Vorfeld von dem/der<br />

Naturfarben-Palette<br />

Lehrer/-in gesammelt und auf einem Tuch<br />

ausgebreitet. Die Kinder bekommen die<br />

Aufgabe sich jeweils eins dieser Teilstücke<br />

zu nehmen und die dazu gehörende ganze<br />

Pflanze am Ufer zu suchen und mitzubringen.<br />

Dabei sollte man vorher darauf hinweisen,<br />

dass die Kinder die Pflanze nicht mit der<br />

Wurzel ausreißen. Die Pflanzen werden auf<br />

ein großes weißes Tuch gelegt und anschließend<br />

in der Runde besprochen. Wer kennt<br />

einige der mitgebrachten Pflanzen und kann<br />

sie benennen? Sehen sich einige Pflanzen<br />

ähnlich? Wenn ja in welchen Merkmalen? In<br />

dieser Form kann, auch ohne spezielle Artkenntnis,<br />

der Bezug zum System der Pflanzenfamilien<br />

hergestellt werden.<br />

Weitere Hinweise zu den ausgewählten<br />

Pflanzen des Lebensraumes und deren Anpassung<br />

daran sollte die Lehrkraft geben,<br />

beispielsweise die Biegsamkeit von Weiden<br />

Ästen als Anpassung an die auf sie wirkenden<br />

Kräfte bei Überflutungen. Gut ist auch<br />

eine Stelle, an der das Wurzelwerk der<br />

Schwarzerle sichtbar ist. Die Symbiose mit<br />

einem Bakterium, zur Aufnahme von Luftstickstoff<br />

(Anpassung an Sauerstoffmangel<br />

bei permanenter Überflutung), lässt sich daran<br />

gut ableiten. Außerdem ist die Funktion<br />

der Wurzeln zur Befestigung für das Bachbett<br />

gut zu erkennen. Die Abfragerunde und<br />

Erläuterung zur Aktivität ist der Einstieg


für eine genauere Untersuchung der Pflanzen.<br />

Die Wissensvermittlung erfolgt in der<br />

nachfolgend beschriebenen Aktion über das<br />

selbstständige Arbeiten in Kleingruppen.<br />

Pflanzen-Steckbrief<br />

Um die Pflanzen und Pflanzenfamilien genauer<br />

kennen zu lernen, werden Gruppen von<br />

jeweils vier Kindern gebildet. Jede Kleingruppe<br />

sucht sich eine Pflanze, bzw. einen Baum<br />

am Ufer aus und fertigt, mit Hilfe eines Bestimmungsbuches<br />

/ einer Bestimmungshilfe,<br />

einen Steckbrief an (Arbeitsblatt Nr. 1 u. 2).<br />

Die Gruppen kommen nach ca. 15-20<br />

Minuten wieder zusammen. Jede Kleingruppe<br />

stellt in der Großgruppe ihre Pflanze vor:<br />

Blütenform- und Eigenschaften mit Bezug<br />

zur Pflanzenfamilie, Form der Blätter, Größe<br />

usw. Besonders interessant ist herauszufinden,<br />

ob die ausgesuchte Pflanze auch<br />

als Heilmittel genutzt werden kann. Für<br />

die Gestaltung einer Wiesencollage für das<br />

Klassenzimmer werden einige Pflanzen zwischen<br />

Zeitungspapier gelegt, um sie später<br />

zu pressen bzw. gleich in eine mobile<br />

Pflanzenpresse gelegt. Diese kann ganz einfach<br />

aus zwei Gittern selbst gebaut werden.<br />

Kann die Pflanze gleich vor Ort bestimmt<br />

werden, sollte man unbedingt einen Zettel<br />

mit dem Namen zu den Papierbögen, bzw.<br />

in die Presse legen.<br />

Pflanzen-Wettlauf<br />

Vorbereitung: Verschiedene Pflanzenarten,<br />

die von den Kindern gesammelt wurden,<br />

werden auf eine Unterlage gelegt. Insgesamt<br />

entstehen 4 solcher Stapel mit jeweils<br />

mehreren Exemplaren einer Art. Die Kinder<br />

werden in 4 (bis 5) Gruppen eingeteilt, die<br />

sich nebeneinander (entlang einer gedachten<br />

Linie) aufstellen. Nach dem Prinzip des<br />

Staffellaufes müssen die Kinder als Mannschaft<br />

auf Zuruf des Spielleiters eine bestimmte<br />

Pflanze aus dem Stapel holen. Nur<br />

die richtigen Ergebnisse werden mit einem<br />

Punkt für die Mannschaft belohnt. Die Mannschaft<br />

mit den meisten Punkten wird zu den<br />

„Pflanzenexperten des Tages” gekürt.<br />

Collage einer Jahresuhr<br />

Um die jahreszeitlichen Zyklen der Pflanzen<br />

zu vermitteln, kann man eine Wandcollage<br />

erstellen aus dem gesammelten Naturmaterial<br />

wie gepressten Pflanzen, Naturfarben-<br />

Paletten, Früchten und Samen, Fotos und<br />

Zeichnungen. Am einfachsten überträgt man<br />

je zwei Kindern die Aufgabe Material, Fotos<br />

etc. von einer Pflanze zu sammeln und in die<br />

Schule mitzubringen. Über den Verlauf eines<br />

Schuljahres erhält man so vielgestaltiges Material.<br />

Bei der gemeinsamen Gestaltung der<br />

Kollage für den Klassenraum wird die künstlerische<br />

Gestaltungsfähigkeit und Kreativität<br />

der Schüler/-innen erneut geschult.<br />

Materialliste<br />

• Einfache Pflanzenbestimmungsbücher:<br />

Bestimmungshilfen<br />

Im Klassensatz:<br />

• Arbeitsblatt „Vorlage Naturfarben-Palette”<br />

(Blatt Nr. 12), doppelseitiges Klebeband, Schere<br />

• Pflanzenpuzzle: Weißes Tuch<br />

• Arbeitsblätter „Pflanzensteckbrief” (Blatt Nr. 1),<br />

„Baumsteckbrief” (Blatt Nr. 2): Bleistifte, Radiergummis,<br />

Sitzmatten (z. B. zerschnittene Camping-Isoliermatte),<br />

Zeitungspapier, ggf. mobile Pflanzenpresse<br />

Literatur<br />

Hartz, Kurt (1988): Bäume und Sträucher,<br />

BLV Naturführer<br />

Neumann, A. und Neumann B. (2002):<br />

Wiesenfühlungen, Ökotopia Verlag<br />

Pütz, Kirschner (2002): Lebenselixiere<br />

aus Deutschland: Wilde Pflanzen / vgs Köln<br />

Schauer, Kaspari (1989): Was blüht denn da?<br />

Der große BLV Pflanzenführer<br />

Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim (2000):<br />

Schulen für einen lebendigen Neckar,<br />

<strong>Materialien</strong> für den Unterricht<br />

Fortbildungsgesellschaft 25


26<br />

3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />

Gewässerstruktur & Bewertung der Strukturgüte<br />

Die nachfolgenden Aktionen und Spiele<br />

eignen sich für eine altersgerechte Beurteilung<br />

der Gewässerstruktur. Hinter diesem<br />

etwas sperrigen Begriff verbirgt sich<br />

ein wichtiger Aspekt für die Beurteilung eines<br />

<strong>Fließgewässer</strong>s.<br />

Jahrzehntelang wurde diese Beurteilung<br />

anhand der chemischen und biologischen<br />

Gewässergüte (Arbeitsblatt Nr. 4)<br />

vorgenommen.<br />

In diesem Kapitel lernen die Schüler/innen<br />

von einem <strong>Fließgewässer</strong> darüber<br />

hinaus Verlauf, Beschaffenheit der Ufer,<br />

Gewässertiefe, Gewässersohle, Querbauwerke<br />

und Umgebung zu beschreiben und<br />

damit die Strukturgüte zu beurteilen (Arbeitsblatt<br />

Nr. 3).<br />

Einstimmung<br />

Um ein Gespür für dieses Thema zu bekommen,<br />

können die Schüler/-innen den<br />

Grad der Natürlichkeit, bzw. der Veränderung<br />

durch den Menschen anhand eines einfachen<br />

Schemas selbst bewerten.<br />

Als Einstieg für das Thema eignet sich<br />

folgende Aufgabe:<br />

Wir wollen heute den Bach nach seinen<br />

gut sichtbaren Strukturen beurteilen.<br />

Wie einen Menschen kann man auch ein<br />

<strong>Fließgewässer</strong> gesundheitlich untersuchen.<br />

Stellt Euch vor, Ihr seid beim Arzt. Welche<br />

Untersuchungen macht der Arzt zunächst<br />

wenn er Euch sieht? Antwort: „Er schaut<br />

sich äußere Merkmale an”.<br />

Genau das wollen wir heute mit dem<br />

Gewässer machen. Natürlich kann man<br />

dem Bach nicht den Puls fühlen, aber das<br />

Arbeitsblatt Nr. 3/Bachprotokoll macht die<br />

Untersuchung möglich.<br />

Bach-Protokoll<br />

Nach dem Einstieg wird besprochen,<br />

welche Kriterien für eine Untersuchung der<br />

Bachstrukturen wichtig sind. Dazu wird an je<br />

zwei Kinder ein Bachprotokoll (Arbeitsblatt<br />

Nr. 3) ausgeteilt. Die einzelnen Punkte werden<br />

schrittweise besprochen und erklärt.<br />

Am besten lässt man die einzelnen Punkte<br />

des Protokolls vorlesen und fragt anschließend,<br />

ob sie den Inhalt verstanden haben.<br />

Dann bekommt je eine Zweiergruppe<br />

die Aufgabe Strukturen des <strong>Fließgewässer</strong>s<br />

genau zu untersuchen und das Bachprotokoll<br />

auszufüllen. Man sollte unbedingt darauf<br />

achten, dass die Kinder sich den Verlauf<br />

des Gewässers gründlich anschauen und<br />

das Protokoll nicht nur bezogen auf eine<br />

Stelle des <strong>Fließgewässer</strong>s ausfüllen.<br />

Nach 20 Minuten werden die Ergebnisse<br />

der Flussforscherpaare besprochen und die<br />

Ergebnisse dargestellt. Eine grobe Einschätzung<br />

nach der jeweiligen Bedeutung der gefundenen<br />

Struktur für die „Gesundheit” des<br />

<strong>Fließgewässer</strong>s sollte sich anschließen. Sie<br />

stellt den Bezug zur Natürlichkeit bzw. Naturferne<br />

des Gewässers her, aus denen sich<br />

wiederum die ökologische Wertigkeit und<br />

mögliche Maßnahmen zur Verbesserung ableiten<br />

lassen.<br />

Ein ausführlicheres Vorgehen zum Thema<br />

bietet sich für die Klassenstufen 3 und<br />

4 an. Dabei wird eine Karte eines Bachabschnittes<br />

angefertigt.<br />

Gemeinsam läuft die Klasse zunächst<br />

einen möglichst vielseitig strukturierten<br />

Bachabschnitt ab. Währenddessen wird der<br />

Bachverlauf mit seinen besonderen Eigenschaften<br />

in einer kleinen Karte vom Exkursionsgebiet<br />

dargestellt. Die wesentlichen<br />

Strukturen sollten dort wieder zu finden


sein und zusätzlich auch schriftlich notiert<br />

werden (Kriterien vgl. Bachprotokoll):<br />

• Bachverlauf (gekrümmt/schnurgerade)<br />

• Stromschnelle, Fließgeschwindigkeiten<br />

• Begradigungen, Verlegungen,<br />

Verrohrungen des Gewässerverlaufes<br />

(nicht vorhanden/vorhanden)<br />

• Gewässerbett/-sohle (offen/befestigt)<br />

• Bewuchs am Ufer (durchgehend<br />

oder lückig/fehlt völlig)<br />

• Bachbett (unterschiedlich tief/einheitlich<br />

tief)<br />

• Uferstreifen (vorhanden/nicht vorhanden)<br />

• Uferbefestigungen (keine/Mauern,<br />

Gittersteine, Steinschüttung)<br />

• Querbauwerke (vorhanden/nicht vorhanden)<br />

Dieses langsame Abgehen eines Bachabschnittes<br />

verschafft den Kindern eine<br />

gute Übersicht über die verschiedenen<br />

Strukturen eines <strong>Fließgewässer</strong>s. Es schult<br />

die Fähigkeit sich im Gelände zu orientieren<br />

und fördert das genaue Hinschauen.<br />

Es kommt bei dieser Übung nicht auf ein<br />

druckreifes Ergebnis an, sondern den Arbeitsprozess<br />

als solchen.<br />

„Bach und Kanal”-Spiel<br />

Dieses Spiel dient der Wissensvertiefung<br />

durch Nachspielen und intensives<br />

Erleben.<br />

Ein Kind wird aus der Gruppe herausgenommen,<br />

so dass es die anderen nicht mehr<br />

sehen kann. Die anderen Kinder stellen sich<br />

paarweise gegenüber in einer Reihe auf und<br />

bilden so die beiden Bachufer. Sie bekommen<br />

verschiedene Aufgaben:<br />

a) Einen begradigten Bach (Kanal/Schifffahrtsstraße)<br />

darzustellen: Die Kinder<br />

bleiben einfach in einer geraden Doppelreihe<br />

gegenüber stehen.<br />

b) Einen natürlichen Bach nachzubilden:<br />

Kurvige Verlaufsform (die Doppelreihe<br />

bildet Schlangenlinien), Steine im Bach<br />

(einzelne Kinder stehen zwischen der<br />

Doppelreihe) und hereinragende Baumwurzeln<br />

(Arme und Füße ranken aus den<br />

Doppelreihen in das Bachbett).<br />

c) Den Bach nachzubilden, den sie untersucht<br />

haben. Anschließend sollte besprochen<br />

werden, wo dieser einzuordnen ist<br />

(begradigt/natürlich).<br />

Dem anfangs aus der Gruppe genommenen<br />

Kind werden die Augen verbunden.<br />

Es passiert nacheinander die drei verschiedenen<br />

Bäche und soll sich vorstellen es sei<br />

ein Wassertropfen auf der Reise.<br />

Zum Abschluss wird „der Wassertropfen”<br />

gefragt, welche Erfahrungen er in welchem<br />

Bach gemacht hat. Wie lange hat die Reise<br />

gedauert? Gab es Probleme beim Durchfließen<br />

eines Baches? Wie hat sich das Passieren<br />

des jeweiligen Baches angefühlt?<br />

Materialliste<br />

• Maßband (5m)<br />

• 1 Korken<br />

• Uhr mit Sekundenzeiger / Stoppuhr<br />

• Thermometer (wasserdicht)<br />

• 1 Augenbinde<br />

Im halben Klassensatz:<br />

• Arbeitsblatt „Bachprotokoll” (Blatt Nr. 3)<br />

• DIN A 4 Papier (blanko)<br />

• Bleistifte und Radierer<br />

• Feste Unterlagen (Karton, Brett)<br />

Literatur<br />

Ein Bach ist mehr als Wasser (1999): Hessisches<br />

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten<br />

Mit Kindern Bach und Fluss erleben (2003): Akademie<br />

für Natur- und Umweltschutz, Baden-Württemberg<br />

Fortbildungsgesellschaft 27


28<br />

3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />

Kleinlebewesen<br />

Während dieser Einheit lernen die Kinder<br />

die Kleinlebewesen im <strong>Fließgewässer</strong> und deren<br />

jeweilige Anpassungen an den Lebensraum<br />

kennen. Sie erproben Fangtechniken,<br />

beobachten und bestimmen die gefangenen<br />

Tiere und lernen dabei einen verantwortungsvollen<br />

Umgang mit lebenden Tieren. Dieses<br />

Thema fasziniert Kinder, nach anfänglichen<br />

Berührungsängsten mit den unbekannten<br />

„Tierchen”, am meisten und fesselt sie sehr<br />

lange. Wenn möglich, sollte man deswegen<br />

ruhig zwei Vormittage evtl. an verschiedenen<br />

<strong>Fließgewässer</strong>n dafür einplanen. Das festigt<br />

das Wissen der Kinder über biologische Sachverhalte<br />

und Zusammenhänge.<br />

Sachinformationen zu Kleinlebewesen<br />

im <strong>Fließgewässer</strong> mit Bezug zur Wasserqualität<br />

sind im Kapitel 5 („Tiere am<br />

Fluss”) des Ordners „Schulen für einen Lebendigen<br />

Neckar” zu finden. Ausführliche<br />

Sachinformationen zur Fauna der <strong>Fließgewässer</strong><br />

und der Anpassungen der Tiere<br />

an den Lebensraum sind im Kapitel 2.4.9<br />

des Ausbildungsskriptes der Gewässerführer<br />

Baden-Württemberg nachlesbar (www.<br />

wbw-fortbildung.de Gewässerpädagogik<br />

Gewässerführer).<br />

Einstimmung<br />

Heute wollen wir erforschen, welche Tiere<br />

im Bach leben. Frage: Wie groß sind wohl<br />

diese Tiere? Denkt dabei nicht nur an Fische,<br />

sondern auch kleinere Wasserlebewesen.<br />

Wo halten sich diese Tiere im Bach auf?<br />

Wie könnte man sie am besten fangen?<br />

Fangen der Kleinlebewesen<br />

Zunächst werden die Kinder in Kleingruppen<br />

mit je 3-4 Kindern eingeteilt.<br />

Dann werden die <strong>Materialien</strong> verteilt. Jede<br />

Gruppe erhält Siebe, eine Schale zur Aufbewahrung<br />

der Tiere und einen Pinsel. Als<br />

erstes wird klares Wasser in die Schalen<br />

gefüllt, bevor zuviel Untergrund aufgewirbelt<br />

wird. Die Kinder sollen die verschiedenen<br />

Zonen des Gewässers absuchen wie<br />

Uferbereich (Pflanzen, Falllaub), Freiwasser,<br />

Gewässersohle und unter Steinen.<br />

Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass<br />

sich diese Lebewesen vor allem unter Steinen<br />

aufhalten. Ansonsten kann schnell<br />

Enttäuschung aufkommen bei erfolglosen<br />

Keschern im Freiwasser! Die gefundenen<br />

Kleinlebewesen werden mit dem Pinsel<br />

vorsichtig in die Wasserschale umgesetzt.<br />

Bei sandigem Untergrund füllt man die Siebe<br />

mit dem Bodenmaterial und spült dieses<br />

mit langsam kreisenden Bewegungen<br />

im fließenden Wasser durch. Zum Vorschein<br />

kommende Kleintiere werden mit<br />

dem Pinsel aufgenommen und in die Schale<br />

gelegt.<br />

Es sollte solange gekäschert werden,<br />

bis keine neuen Arten mehr gefunden werden,<br />

jedoch max. 20 Minuten. Bücher und<br />

Bestimmungsschlüssel helfen dabei, im<br />

Anschluss die Tiere zu bestimmen. Anhand<br />

von Bestimmungskarten, z. B. die Becherlupenkartei,<br />

können die Kinder selbst<br />

ihre Tiere vergleichen und zuordnen. Zusammen<br />

mit dem/der Lehrer/-in werden<br />

Lebensweise und Anpassung an den Lebensraum<br />

besprochen. Nach der Auswertung<br />

werden alle Tiere wieder vorsichtig im<br />

Bach ausgesetzt.<br />

Tiere im Bach<br />

Mit Hilfe des Arbeitsblattes Nr. 4 können<br />

die Schüler/-innen die häufigsten Kleintiere<br />

eines <strong>Fließgewässer</strong>s bestimmen. Die Tiere<br />

werden auf dem Arbeitsblatt angekreuzt<br />

und damit die Gewässergüte bestimmt.


Naseweis-Spiel<br />

Das Naseweis-Spiel ist ein Ratespiel,<br />

bei dem Gelerntes wiederholt und vertieft<br />

werden kann. Es eignet sich sehr<br />

gut als Abschluss einer Veranstaltung,<br />

bei der neue Lebewesen kennen gelernt<br />

wurden.<br />

Alle Kinder setzen sich in einen Kreis.<br />

Der/die Lehrer/-in formuliert verschiedene<br />

Aussagesätze über ein Tier. Sobald ein Kind<br />

meint das Tier herausgefunden zu haben,<br />

legt es den Zeigefinger an seine Nasenspitze.<br />

Wenn alle, bzw. die meisten Kinder,<br />

glauben die Antwort zu kennen, fragt der/<br />

die Lehrer/-in nach dem Namen des Tieres.<br />

Gemeinsam im Chor ruft die Klasse laut die<br />

Antwort in die Runde. Beispiele:<br />

Flohkrebs:<br />

Ich habe sehr viele Beine/ Mein Körper<br />

ist von einem Panzer bedeckt/ Meine Verwandten<br />

leben im Meer und haben Kneifzangen/<br />

Ich bin ein …!<br />

Egel:<br />

Ich kann meinen Körper ganz doll ausstrecken/<br />

mal bin ich dünn, mal dick/ Ich<br />

habe zwei Saugnäpfe, um mich festzuhalten/<br />

Viele denken ich und meinen Verwandten<br />

ernähren uns alle von Blut, das stimmt<br />

aber nicht!/ Ich bin ein …!<br />

Libelle:<br />

Ich habe vier Flügel/ Meine Hinterleib<br />

ist lang und dünn/ Manche Menschen sagen<br />

ich kann stechen, das stimmt aber nicht!/<br />

Ich kann sehr schnell fliegen und in der Luft<br />

die Richtung wechseln/ Ich werde manchmal<br />

als „Edelstein der Lüfte” bezeichnet/<br />

Ich bin eine … !<br />

Materialliste<br />

Pro Kleingruppe<br />

• 2-3 Küchensiebe<br />

• 1 Plastikschale<br />

• 1 Haarpinsel<br />

• Ggf. Becherlupen im Klassensatz<br />

• Bestimmungsliteratur<br />

• Arbeitsblätter „Gewässergüte” (Blatt Nr. 4), „Wer ist<br />

wer” (Blatt Nr. 5), „Tiere im Vergleich” (Blatt Nr. 6)<br />

Literatur<br />

Dittmann, Köster: Die Becherlupenkartei:<br />

Tiere in Tümpeln, Seen und Bächen,<br />

Verlag an der Ruhr<br />

Schwab, H. (1995): Süßwassertiere –<br />

Klett Verlag, 320 S.<br />

Schwoerbel, J. (1999): Einführung in die Limnologie<br />

– Gustav Fischer Verlag, 8. Auflage, 465 S.<br />

Xylander, W. & Naglschmid, Dr. F. (1985):<br />

Gewässerbeobachtung Gewässerschutz;<br />

Verlag Naglschmid, Stuttgart.<br />

Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim (2000):<br />

Schulen für einen lebendigen Neckar,<br />

<strong>Materialien</strong> für den Unterricht<br />

Fortbildungsgesellschaft 29


30<br />

3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />

Fische und Gewässerschutz<br />

Einstimmung<br />

„Sich wohl fühlen wie ein Fisch im Wasser”<br />

– für die Fische selbst gilt diese Redensart<br />

vielfach nicht mehr. Unsere Bäche, Flüsse<br />

und Seen wurden durch Gewässerausbau,<br />

Abwassereinleitungen und andere Eingriffe<br />

so stark verändert, dass viele Fischarten keine<br />

ausreichenden Lebensbedingungen finden<br />

und ihre Vorkommen gefährdet, einige<br />

Arten sogar ausgestorben sind. Inzwischen<br />

greifen aber auch Maßnahmen, mit denen<br />

dieser Entwicklung entgegengesteuert wird<br />

– der Lachs beispielsweise ist in viele Gewässer<br />

zurückgekehrt. Fische stellen einerseits<br />

eine Tiergruppe dar, die dem Menschen<br />

seit Alters her vertraut ist. Auf der anderen<br />

Seite jedoch entziehen sich Fische aufgrund<br />

ihres unzugänglichen Lebensraumes in der<br />

Regel einer direkten Beobachtung. Gleiches<br />

gilt für Flusskrebse. Das Begreifen der Zusammenhänge<br />

sowie der Anpassungsstrategien<br />

dieser Wassertiere fällt den Kindern<br />

leichter, wenn sie selbst die Möglichkeit haben,<br />

ein Gewässer zu erleben.<br />

Neben dem Naturerlebnis steht auch die<br />

Bewusstseinsentwicklung für ökologische Zusammenhänge<br />

im Vordergrund. Die Kinder<br />

sollen in Kleingruppen selbst Inhalte erarbeiten:<br />

Was für Fische leben in unseren Bächen,<br />

Flüssen und Seen? Welche Probleme finden<br />

wir im Fischlebensraum? Somit wird auch das<br />

Thema Gewässerschutz vermittelt.<br />

Gewässerbegehung<br />

Nähere Kenntnisse über die Verbreitung,<br />

Lebensräume und Häufigkeiten unserer heimischen<br />

Fischarten lassen sich sehr gut im<br />

Rahmen einer Gewässerführung durch örtliche<br />

Fischereivereine gewinnen. Auch gibt<br />

es an manchen Gewässern Fischlehrpfade<br />

mit illustrierten Infotafeln. Fragen Sie den<br />

Fischer vorab, welche Tiere und Pflanzen er<br />

Ihnen voraussichtlich zeigen wird. So kann<br />

der Unterricht darauf abgestimmt werden<br />

und Schwerpunkte gesetzt werden.<br />

Arbeitsblätter können während einer<br />

Führung bearbeitet werden (Schreibunterlage).<br />

Sie sind jedoch nur dann sinnvoll, wenn<br />

entsprechend anschaulich auf diese Fischarten<br />

eingegangen werden kann, z. B. im Rahmen<br />

einer Begehung eines Fischlehrpfades<br />

oder dem ergänzenden Besuch eines Großaquariums.<br />

Fischsteckbriefe eignen sich zur<br />

Vor- oder Nachbereitung in der Schule. Hier<br />

wird man die Fischart nach dem Schwerpunkt<br />

der Führung, örtlichen Gegebenheiten oder<br />

auch nach den Wünschen der Schüler/-innen<br />

wählen. Zur Vorbereitung des Unterrichtsganges<br />

schreiben die Kinder ihre Fragen auf.<br />

Am Gewässer notieren sie dann die Antworten.<br />

An freien Gewässern ist es häufig sehr<br />

schwer, Fische zu beobachten. Idealerweise<br />

sind zusätzlich Fische im Aquarium oder Präparate<br />

verfügbar.<br />

Verband für Fischerei- und Gewässerschutz in<br />

Baden-Württemberg e.V. (www.vfg-bw.org)<br />

Materialliste<br />

• Arbeitsblätter: „Warum kann die Forelle so schnell<br />

schwimmen?” (Blatt Nr. 7), „Das Forellenquiz”<br />

(Blatt Nr. 8), „Wie kann man Gewässer und Natur<br />

schützen?” (Blatt Nr. 9), „Wir untersuchen: Fühlen<br />

sich Fische hier wohl?” (Blatt Nr. 10)<br />

• Bestimmungsliteratur<br />

• Entsprechende Kleidung<br />

Bevor man mit Kindern ans Wasser geht, sollte man<br />

selbst die Strecke abgehen und eventuelle<br />

Gefahrenstellen meiden.<br />

Literatur<br />

Aal bis Zander – Fischkartenset, 51 Arten,<br />

ISBN 3-937371-04-4<br />

Fische in Baden-Württemberg, 176 S.<br />

Gewässergüte bestimmen und beurteilen, 209 S.,<br />

ISBN 3-937371-00-1<br />

Angeln für Einsteiger – Video-DVD, 60 Min.,<br />

ISBN 3-937371-05-2<br />

Fischbildtafeln: Postersatz (enthält 2 Poster) mit<br />

56 heimischen Fischarten im Format 69 x 98 cm.<br />

Fische in Bächen und Flüssen, 60 S.,<br />

ISBN 978-3-937579-6


Untersuchung von Flusswasser<br />

und Sediment in Neckar und Rhein<br />

Das Messschiff der Landesanstalt<br />

für Umwelt, Messungen und Naturschutz<br />

(LUBW) MS „Max Honsell” befährt regelmäßig<br />

Rhein und Neckar. Seine Aufgabe ist<br />

die gewässerkundliche Untersuchung und<br />

Kontrolle von Neckar und Rhein. Auf seinen<br />

Einsatzfahrten an rund 100 Tagen im Jahr<br />

werden die Beschaffenheit des Flusswassers<br />

und der Sedimente kontrolliert.<br />

Zum Thema Gewässergüte und Gewässeruntersuchung<br />

ist ein Besuch von Schulklassen<br />

auf dem Schiff bei rechtzeitiger<br />

Anfrage und nach Abstimmung möglich.<br />

Während des ca. einstündigen Besuches<br />

bekommen die Kinder einen Einblick in die<br />

Aufgaben des Messschiffes und die einmalige<br />

Gelegenheit, den Fachleuten bei Ihrer<br />

Arbeit über die Schulter zu schauen.<br />

Nach einer kurzen Einführung zu den<br />

Aufgaben und der Ausstattung des Schiffes<br />

werden wichtige Untersuchungsparameter,<br />

Geräte und Methoden zu Untersuchung vorgestellt.<br />

Anschließend werden einige dieser<br />

Parameter ermittelt, z. B. Wassertrübung,<br />

Temperatur, Sauerstoffgehalt und pH-Wert.<br />

Je nach Einsatzort wird ein Tiefenprofil erstellt<br />

und eine Netz-Plankton-Untersuchung<br />

zur Beprobung von Zooplankton durchgeführt.<br />

Wann immer es möglich ist, können<br />

die Schüler/-innen die Untersuchungen<br />

selbst durchführen.<br />

Vor einer Veranstaltung mit einer<br />

Schulklasse, sollte sich interessierte Lehrer-/innen<br />

über die „Max Honsell” und deren<br />

Aufgagen informieren und mit ihren<br />

Schüler/-innen eine Vorbesprechung zum<br />

Besuch machen. Informationsmaterialen<br />

können über die Landesanstalt in Karlruhe<br />

bezogen werden.<br />

Landesanstalt für Umwelt,<br />

Messungen und Naturschutz<br />

Baden-Württemberg (LUBW)<br />

Griesbachstr. 1, 76185 Karlsruhe<br />

Tel.: 0721/56000 - 1584<br />

www.lubw.baden-wuerttemberg.de<br />

( Wasser <strong>Fließgewässer</strong><br />

<strong>Fließgewässer</strong> Lebensadern der Landschaft<br />

Gewässerüberwachung<br />

MessSchiff MaxHonsell)<br />

Forschungsschiff<br />

Max Honsell<br />

Fortbildungsgesellschaft 31


4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />

Ziel eines Landartprojektes „Kunst am<br />

<strong>Fließgewässer</strong>” ist es, Kinder für die Natur<br />

zu begeistern und sie für einen bewussten<br />

Umgang mit ihr zu sensibilisieren. Zusätzlich<br />

werden Kreativität und soziale Kompetenz<br />

gefördert.<br />

Eine persönliche Beziehung zur Natur<br />

ist die Grundlage, auf der umweltbewusstes<br />

Handeln wachsen kann. Landart ist eine<br />

schöne Möglichkeit, Kindern intensive Naturerlebnisse<br />

zu ermöglichen. Letztendlich<br />

soll über die Sensibilisierung für die Natur<br />

das Bewusstsein für ökologisches, nachhaltiges<br />

Verhalten gestärkt werden.<br />

Die Anziehung die Wasser auf Kinder<br />

ausübt, ist die Grundlage für das Gelingen<br />

der Aktion. Sie lieben es, Staudämme zu<br />

bauen, Steine auf dem Wasser hüpfen zu<br />

lassen und bei entsprechendem Wetter im<br />

Wasser zu plantschen. Am Ufer eines Gewässers<br />

finden sich sehr unterschiedliche<br />

<strong>Materialien</strong>, die sich gut für den Bau von<br />

Kunstwerken eignen.<br />

Landartkünstler/-innen gestalten ihre<br />

Kunstwerke ausschließlich aus Naturmaterialien,<br />

meist lediglich mit ihren bloßen<br />

Händen und belassen die Werke am<br />

Ort ihrer Entstehung. Sie vergehen wieder<br />

in einem natürlichen Prozess, der je<br />

nach Material und Standor t einige<br />

Stunden, Tage oder auch Monate dauern<br />

kann.<br />

Fortbildungsgesellschaft 33


34<br />

4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />

Durch den schottischen Landartkünstler<br />

Andy Goldsworthy angeregt, entsteht seit<br />

einigen Jahren eine neue Verbindung zwischen<br />

Kunst und Natur, die auch Kindern<br />

einen neuen Zugang zur Natur ermöglicht.<br />

Landart ist eine bunte und erlebnisreiche<br />

Kunst. Eine Mischung von Natur erfahren<br />

und erkunden, Abenteuerspiel und dort kreativ<br />

schaffen, wo einem ein frischer Wind<br />

um die Nase weht.<br />

Bildungsplan<br />

Bezug zum Bildungsplan innerhalb des Fächerverbundes<br />

„Mensch, Natur und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />

Klasse 2<br />

KF 1 Wer bin ich – was kann ich:<br />

Kinder entwickeln und verändern<br />

sich, stellen sich dar<br />

Die Schülerinnen und Schüler<br />

• finden unterschiedliche Ausdrucksformen<br />

für ihre Persönlichkeit, ihre<br />

Gedanken, Gefühle und Selbstwahrnehmungen.<br />

• können die Bedeutung und die<br />

Leistungen der Sinne erkennen und<br />

in ihrer Lebenswirklichkeit nutzen.<br />

KF 2 Ich – du – wir:<br />

Zusammen Leben, Miteinander<br />

gestalten, Voneinander Lernen<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

• miteinander, für andere und sich<br />

singen und musizieren, darstellen<br />

und gestalten.<br />

• erkennen, dass eigene Fähigkeiten<br />

und Fertigkeiten in der Gruppe<br />

wirksam werden.<br />

• gestalterische Fähigkeiten zum<br />

Ausdruck von sich und anderen<br />

nutzen.<br />

KF 5 Heimatliche Spuren<br />

suchen und entdecken<br />

Die Schülerinnen und Schüler<br />

• nehmen Spuren aus Natur, Kunst<br />

und Kultur im Heimatraum wahr<br />

und entwickeln daraus eigene Vorstellungen<br />

von ihrem Lebensraum.<br />

• finden einen sprachlichen, körperlichen,<br />

musikalischen, darstellenden<br />

Ausdruck für ihr Heimatgefühl.<br />

KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />

Staunen, schützen, erhalten<br />

Die Schülerinnen und Schüler erweitern<br />

aus der genauen Naturbeobachtung<br />

und aus sinnlicher Erfahrung<br />

mit Tieren und Pflanzen ihre musikalischen<br />

und künstlerischen Wahrnehmungs-,<br />

Gestaltungs- und<br />

Ausdrucksfähigkeiten.<br />

KF 7 Natur macht neugierig: Forschen,<br />

experimentieren, dokumentieren<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

Erfahrungen mit der Natur in eigene<br />

sprachliche, künstlerische und musikalische<br />

Gestaltungen einbeziehen.


Klasse 4<br />

„...Bewegung, Wandel, Licht, Wachstum und Zerfall sind das<br />

Herzblut der Natur, die Energien, die ich durch meine Arbeit versuche<br />

zu erschließen. Die Erregung bei einer Berührung, der Widerstand,<br />

den ein Ort, die <strong>Materialien</strong> und das Wetter leisten, die Erde<br />

sind Quellen meiner Arbeit. Wenn ich mit Blättern, Steinen oder<br />

Stöcken arbeite, beschäftige ich mich mit ihnen nicht nur in ihrer Eigenschaft<br />

als Material; sie ermöglichen mir zugleich einen Zugang<br />

zu dem Leben, das in ihnen ruht und sie umgibt.”<br />

KF 1 Wer bin ich – was kann ich:<br />

Kinder entwickeln und verändern<br />

sich, stellen sich dar<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

aus praktischem musikalischen und<br />

künstlerischen Tun Freude und Zuversicht<br />

in die eigene Leistungsfähigkeit<br />

entwickeln.<br />

KF 2 Ich – du – wir:<br />

Zusammen Leben, Miteinander<br />

gestalten, Voneinander Lernen<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

• miteinander und für sich und andere<br />

singen und musizieren, darstellen<br />

und gestalten.<br />

· • ihre entwickelten Fähigkeiten zum<br />

gestalterischen Ausdruck von sich<br />

und anderen nutzen.<br />

KF 4 Raum und Zeit erleben<br />

und gestalten<br />

Andy Goldsworthy,<br />

Landartkünstler<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

• Natur- und Kulturräume bewusst<br />

wahrnehmen, für sich erschließen<br />

und sich in ihnen orientieren.<br />

• Räume, auch Bewegungs- und<br />

Klangräume, auf unterschiedliche<br />

Art absichtsvoll gestalten.<br />

KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />

Staunen, schützen, erhalten<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

aus der aufmerksamen Naturbeobachtung<br />

und sinnlichen Erfahrung<br />

ihre künstlerischen und musikalischen<br />

Gestaltungs- und Ausdrucksfähigkeiten<br />

weiterentwickeln.<br />

KF 7 Natur macht neugierig: Forschen,<br />

experimentieren, dokumentieren<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

Erfahrungen mit Natur präsentieren<br />

und in künstlerische und musikalische<br />

Gestaltungen einbeziehen.<br />

Fortbildungsgesellschaft 35


36<br />

4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />

Einstimmung – Sensibilisierung für die Natur<br />

Je wacher die Sinne sind, desto intensiver<br />

wird die Natur erlebt. Das Atelier für<br />

die „Kunst am <strong>Fließgewässer</strong>” ist der Naturraum<br />

mit all seinen Formen, Farben und <strong>Materialien</strong>.<br />

Um den Platz, an dem später die<br />

Kunstwerke entstehen werden, besser kennen<br />

zu lernen, bietet es sich an zu Beginn<br />

einige Aktionen durchzuführen, die Augen,<br />

Ohren und Nase für die Umgebung öffnen.<br />

Hierfür eignen sich besonders Naturerfahrungsspiele<br />

und Sinnesübungen.<br />

Als Einstimmung für das Projekt „Kunst<br />

am <strong>Fließgewässer</strong>” eignen sich neben den<br />

anschließend beschrieben Aktionen und<br />

Übungen auch alle in Kapitel 2: „Natur erleben<br />

mit allen Sinnen” aufgeführten Aktivitäten.<br />

Camera natura<br />

Die Schüler/-innen bilden Paare. Ein<br />

Kind ist die Kamera, das andere der Fotograf.<br />

Die Kamera schließt die Augen (= Kameralinse)<br />

und wird von dem Fotografen<br />

vorsichtig durch die Gegend geführt. Sieht<br />

der Fotograf ein schönes Motiv, richtet er<br />

vorsichtig die Kamera (= Kopf) darauf aus<br />

und drückt auf den Auslöser, d.h. er zupft<br />

am Ohrläppchen des Kamera-Kindes. Dieses<br />

öffnet daraufhin für ein paar Sekunden<br />

seine Augen und betrachtet das ausgewählte<br />

Bild. Beim erneuten Zupfen am Ohrläppchen,<br />

schließt sich die Kameralinse wieder.<br />

Nun wird die Kamera zum nächsten Motiv<br />

geführt. Es werden insgesamt drei Fotos<br />

gemacht, dann tauschen Fotograf und<br />

Kamera die Rollen. Die ganze Aktion sollte<br />

möglichst ruhig durchgeführt werden, so<br />

hinterlassen die Bilder einen tieferen Eindruck<br />

bei der Kamera.<br />

Am Ende kann jede Kamera ihr Lieblingsbild<br />

„entwickeln”. Dazu wird auf einer<br />

DIN A 5 – Blankopostkarte eine einfache<br />

Skizze angefertigt oder jede Kamera beschreibt<br />

in einer Runde ihr schönstes Foto.<br />

Mit Hilfe dieses Spiels werden auch Kleinigkeiten<br />

in der Umgebung entdeckt und<br />

wahrgenommen. Durch die geschlossenen<br />

Augen ist die Wahrnehmung verändert, die<br />

kurzen Eindrücke prägen sich intensiver<br />

ein. Geräusche, Licht und Schatten werden<br />

deutlicher wahrgenommen. Zwischen den<br />

Partnern wird Vertrauen geschaffen oder<br />

vertieft.<br />

Zeitdauer: ca. 20 Minuten<br />

Landschaft verändern<br />

Es werden zwei ca. 20 qm² große Flächen<br />

mit einem Seil oder Schnur abgegrenzt.<br />

Die Klasse wird in zwei gleich große<br />

Gruppen geteilt. Die Gruppen bekommen<br />

drei Minuten Zeit um sich ihren Quadranten<br />

möglichst gut einzuprägen. Dann wechseln<br />

die Gruppen den Quadranten und nehmen<br />

drei bis fünf Veränderungen vor, indem sie<br />

Gegenstände hinein legen oder etwas umplatzieren.<br />

Anschließend ist die Aufgabe die<br />

Veränderungen im eigenen Quadranten zu<br />

entdecken.<br />

Zeitdauer: ca. 20 Minuten<br />

Wer sucht der findet<br />

Auf ein Tuch werden zehn verschiedene<br />

Naturmaterialien gelegt, die in der<br />

Umgebung zu finden sind. Die Schüler/innen<br />

haben eine Minute Zeit sich die<br />

<strong>Materialien</strong> einzuprägen. Die Gegenstände<br />

werden nun verdeckt und die Kinder<br />

bekommen die Aufgabe die <strong>Materialien</strong> in<br />

der Umgebung zu suchen und mitzubringen.


Ziel des Spiels ist es, die unterschiedlichen<br />

<strong>Materialien</strong> des Ortes kennen zu lernen,<br />

die später auch für die Naturkunst<br />

verwendet werden können.<br />

Zeitdauer: ca. 10 Minuten<br />

Zeitlupenspaziergang<br />

Die Schüler/-innen stellen sich in einer<br />

Reihe nebeneinander auf. Auf ein vereinbartes<br />

Zeichen setzten sich alle ganz langsam<br />

in unterschiedliche Richtungen in Bewegung.<br />

Der Spaziergang wird einzeln und<br />

schweigend durchgeführt. Jeder versucht<br />

sich in seinem eigenen Rhythmus durch die<br />

Natur zu bewegen und auf alle Geräusche,<br />

Gerüche und Farben zu konzentrieren. Beim<br />

zweiten Zeichen wird der Spaziergang beendet<br />

und alle kommen zusammen um sich<br />

über ihre Erfahrungen auszutauschen.<br />

Zeitdauer: ca. 20 Minuten<br />

Wasser-Phantasiereise<br />

Um Anzukommen und die Umgebung<br />

genauer wahrzunehmen kann auch eine<br />

Phantasiereise durchgeführt werden:<br />

Text:<br />

Lege Dich bequem hin. Suche Dir eine<br />

Liegeposition, die angenehm für Dich<br />

ist. Eine, in der du ungefähr 20 Minuten<br />

ruhig liegen bleiben kannst....<br />

Wenn jetzt noch etwas zwickt oder zwackt,<br />

lege Dich noch einmal anders hin…<br />

Nun atme langsam ein und aus. Wir gehen<br />

jetzt auf eine Reise....<br />

Du befindest dich auf einer Wiese. Die<br />

Sonne scheint angenehm warm auf deinen<br />

Körper. Am blauen Himmel ziehen<br />

weiße Wolken vorüber. In der Nähe muss<br />

ein Bach sein. Du hörst seine Geräusche.<br />

Du läufst den Bach entlang. Lustig<br />

plätschert das Wasser über die Steine.<br />

Du kannst schon den Fluss sehen. Gemächlich<br />

fließt er durch die Landschaft.<br />

Am Ufer findest du einen flachen Stein.<br />

Du nimmst ihn in die Hand und lässt ihn<br />

über das Wasser hüpfen…<br />

Auf dem Fluss schwimmen Enten und<br />

Schwäne. Du begleitest sie am Ufer<br />

ein Stück flussaufwärts. Plötzlich hörst<br />

du das gewaltige Tosen eines Wasserfalls…<br />

Das Wasser stürzt vor dir laut in die Tiefe.<br />

Ein feiner Nebel hüllt dich ein. Du<br />

spürst die zarten Tröpfchen auf deiner<br />

Haut…<br />

Die Wassertröpfchen glitzern in der warmen<br />

Sonne. Ein farbenprächtiger Regenbogen<br />

spannt sich wie eine Brücke<br />

über den Wasserfall…<br />

Du bekommst Durst und möchtest etwas<br />

trinken…<br />

Am Wegesrand ist eine Quelle. Ihr klares<br />

und reines Wasser sprudelt aus dem<br />

Boden. Du bückst dich und schöpfst mit<br />

deinen Händen das klare Wasser und<br />

löschst deinen Durst. Das Wasser ist angenehm<br />

kühl und erfrischend…<br />

Du bleibst noch eine Weile am Flussufer<br />

sitzen…<br />

Du bist ganz ruhig und entspannt…<br />

Eine große Ruhe durchströmt dich…<br />

Du träumst noch ein wenig weiter…<br />

… Nun ist es Zeit wieder zurückzukehren.<br />

Du reckst deine Arme und streckst<br />

dich. Atme tief durch und öffne langsam<br />

deine Augen…<br />

Zeitdauer: 15 min<br />

Fortbildungsgesellschaft 37


38<br />

4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />

Natur-Kunstwerk, Aufgabenstellung<br />

Bei der Formulierung der Aufgabenstellung<br />

ist es wichtig, dass sie deutlich<br />

formuliert wird. Der Zeitrahmen, der zur<br />

Verfügung steht, sowie der Umkreis indem<br />

gebaut werden kann, müssen klar abgesprochen<br />

werden. Falls Gruppen-Kunstwerke<br />

erstellt werden, sollten sich die Gruppen<br />

bereits vorher gefunden haben oder durch<br />

ein Spiel ausgelost worden sein (s. u.). Gemeinschaftswerke<br />

fördern die Kooperation<br />

und das spielerische Experimentieren der<br />

Kinder.<br />

Naturgesicht<br />

Tast-Spiel zur Gruppenbildung<br />

Alle Kinder bilden einen großen Kreis,<br />

schließen die Augen und halten ihre geöffneten<br />

Hände hinter den Rücken. Der/die<br />

Lehrer/-in legt nun jedem Kind einen Gegenstand<br />

in die Hand, z. B. ein Kieselstein,<br />

eine Muschelschale, ein Stöckchen oder ein<br />

Blatt. Die Kinder gehen nun jeweils paarweise<br />

zusammen, stellen sich Rücken an<br />

Rücken und vergleichen durch Fühlen die<br />

Gegenstände. So finden sich alle Kinder mit<br />

denselben Gegenstand letztendlich zu jeweils<br />

einer Gruppe zusammen.<br />

Wichtig ist darauf zu achten, dass sobald<br />

sich ein Paar mit dem gleichen Gegenstand<br />

gefunden hat, dieses gleich<br />

zusammen bleibt. Andere Paare oder einzelne<br />

Kinder können dann (Rücken an Rücken)<br />

nachfühlen, ob sie zu dieser Gruppe<br />

gehören. Ansonsten entsteht ein wildes<br />

Hin- und Herlaufen, ohne dass sich die<br />

Gruppen finden können.<br />

Die Zahl der gewählten Gegenstände<br />

richtet sich nach der gewünschten Anzahl<br />

von Arbeitsgruppen.<br />

Blätterschlangen<br />

Blätter lassen sich gut miteinander verbinden,<br />

indem man überlappende Blätter<br />

mit einem Blattstiel, einem dünnen Stöckchen<br />

oder einem Grashalm aneinanderheftet.<br />

Blattstiel, Stöckchen oder Grashalm<br />

werden dabei wie eine Nadel benutzt.<br />

Die Aufgabe besteht zu Beginn darin,<br />

Blätter mit Stiel oder anderes geeignetes<br />

Material in der Umgebung zu finden. Jedes<br />

Kind verbindet nun mit dieser Methode<br />

seine Blätter zu einer Schlange. Anschließend<br />

können die Schüler/-innen noch mehrere<br />

Teilschlangen aneinander setzten, so<br />

dass eine lange Wasserschlange entsteht.


Die fertigen Schlangen können dann zu<br />

Wasser gelassen und beobachtet werden.<br />

Welche Wege lässt die Wasserströmung<br />

die Blätterschlange nehmen? Welche<br />

schwimmt am schnellsten?<br />

Zeitdauer: 30 min<br />

Steintürme<br />

An <strong>Fließgewässer</strong>n mit steinigen Ufern<br />

lässt sich diese herausfordernde Aktion<br />

durchführen. Unter dem Motto „Wer baut<br />

den höchsten Steinturm” können die Kinder<br />

einzeln oder auch zu mehreren zusammenarbeiten.<br />

Die Turmbauten werden zu<br />

Beginn noch häufiger einstürzen, hier ist<br />

Durchhaltevermögen angesagt! Bei dieser<br />

Aktion werden nebenbei auch Grundregeln<br />

von Statik und Stabilität erlernt. Bei<br />

einem abschließenden Rundgang zu den<br />

einzelnen Türmen wird noch einmal ge- Steinungeheuer<br />

meinsam überlegt, was beim Turmbau zu<br />

beachten ist.<br />

Zeitdauer: 30 Minuten Geschichten & Märchen<br />

als Inspirationsquelle<br />

Geometrie<br />

Mit Geschichten und Märchen kann ein<br />

inspirierender Rahmen für Landartprojekte<br />

gebildet werden. Es können auch Teile<br />

aus Geschichten verwendet werden, die die<br />

Kinder bereits kennen. Nach dem Lesen der<br />

folgenden Geschichte bietet es sich an, verschiedene<br />

Szenen oder Figuren mit <strong>Materialien</strong><br />

darzustellen, die der Bach oder der<br />

Fluss angespült haben.<br />

Ungeheuerlich<br />

Vor vielen, vielen Jahren lebte ein großes<br />

Ungeheuer, genannt „Rhenosaurus<br />

aquaticus” in diesem <strong>Fließgewässer</strong>,<br />

das alles fraß, was ihm zu nahe kam:<br />

Pferde, Kühe, Schweine und Schafe.<br />

Ja, es fraß sogar ganze Bäume wenn<br />

es wütend war. Das Ungeheuer kam<br />

eines Tages auf seiner Futtersuche,<br />

Fortbildungsgesellschaft 39


40<br />

4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />

denn es war ständig hungrig, an dieser<br />

Insel hier vorbei und da ihm das Ufer<br />

und die schönen alten Bäume so gut<br />

gefielen, entschloss es sich aus dem<br />

Wasser zu steigen und sich genauer<br />

auf dieser Insel umzusehen. Nachdem<br />

es sich alles angeschaut hatte,<br />

suchte es sich einen gemütlichen<br />

Schlafplatz unter einem Baum und beschloss,<br />

dass diese Insel sein neues<br />

zu Hause werden sollte. Im Laufe der<br />

Zeit richtete sich das Ungeheuer die<br />

Insel ganz nach seinen Bedürfnissen<br />

ein. Es schaffte sich einen Ausguck,<br />

um schon von Weitem herannahende<br />

Schiffe entdecken zu können, Für<br />

seinen unstillbaren Hunger baute es<br />

sich eine Vorratskammer, in der seine<br />

Ungeheuer<br />

Beute schön frisch blieb und je länger<br />

das Ungeheuer auf der Insel war,<br />

desto größer wurde auch der Haufen<br />

mit den zum Teil riesenhaften Skeletten<br />

von seinen Beutetieren. Denn neben<br />

den Landtieren ernährte es sich<br />

von den damals noch hier lebenden<br />

Meerpferden, Riesenottern, Superaalen,<br />

Vielflosslern und Meeressauriern.<br />

Nach einer solchen Mahlzeit döste<br />

das Ungeheuer am liebsten in seiner<br />

Riesen-Hängematte aus Lianen in der<br />

Sonne und wenn die Sonne gar zu aufdringlich<br />

war oder es regnete, suchte<br />

es Schutz in seinem ungeheuerlichen<br />

Unterschlupf in dem es bei schlechtem<br />

Wetter auch schlafen konnte. In sternenklaren<br />

Nächten jedoch schlief es


am liebsten auf einer Plattform unter<br />

dem Sternenzelt, damit es nächtliche<br />

Zwiegespräche mit dem Mond führen<br />

konnte. Dem Mond vertraute es auch<br />

an, dass es sehr einsam war und die<br />

Menschen hörten vor allem in Vollmondnächten<br />

oft ein lautes und schauerliches<br />

Wehklagen, das von der Insel<br />

in die Nacht hinausschallte. So vergingen<br />

die Jahre und kein Mensch traute<br />

sich mehr die Insel zu betreten.<br />

Die Menschen, die am Fluss lebten waren<br />

sehr traurig und erzählten noch<br />

nach vielen Jahren ihren Kindern die<br />

Geschichten ihrer Ur- Ur- Ur-Großeltern,<br />

dass die Insel eine wunderschöner<br />

Ort sei an dem man wunderbar<br />

spielen, picknicken, spazieren und Feste<br />

feiern konnte, bevor das Ungeheuer<br />

auftauchte. Die Menschen fanden<br />

es sehr schade, dass die Insel schon<br />

so lange von diesem gefräßigen Ungeheuer<br />

besetzt war. An einem schönen<br />

sonnigen Tag fiel jemanden beim Erzählen<br />

dieser Geschichte plötzlich ein,<br />

dass in den Auwäldern am Fluss ja die<br />

Trolle lebten. Trolle sind mutige, starke<br />

und schlaue Waldgeister. Man sollte sie<br />

fragen, ob sie vielleicht eine Idee haben,<br />

wie man das Ungeheuer vertreiben<br />

könnte.<br />

Die Trolle, die Kinder sehr gerne mochten<br />

und sie auch über die Jahre hinweg<br />

sehr vermissten, sie hatten in frühren<br />

Zeiten am Kieselstrand zusammen mit<br />

Steinen gespielt, hatten einen Einfall<br />

und machten sich sogleich auf den<br />

Weg. Sie gingen hinunter zum Ufer, bestiegen<br />

ihr Boot und fuhren in Richtung<br />

Insel. Bald entdeckten Sie das Ungeheuer<br />

beim Baden. Die Trolle näherten<br />

sich vorsichtig, um das Ungeheuer zu<br />

fragen wie es ihm auf der Insel denn so<br />

gefalle. Da fing es plötzlich an bitterlich<br />

zu weinen und schluchzte „Ich bin<br />

so alleine, alle haben Angst vor mir und<br />

keiner will mit mir spielen”. Die Trolle<br />

nickten verständlichvoll und erzählten<br />

ihm, dass es ein Meer gibt, in dem viele<br />

andere große Tiere leben die bestimmt<br />

keine Angst vor ihm hätten. Das Ungeheuer<br />

schaute erstaunt auf und fragte<br />

„Wie komme ich denn da hin?” „Du<br />

musst dich einfach nur auf den Rücken<br />

legen und dich vom Wasser treiben<br />

lassen, am Ende wirst du ins Meer<br />

gespült.” Das Ungeheuer verabschiedete<br />

sich etwas wehmütig von seiner<br />

wunderbar ungeheuerlichen Wohnstätte<br />

auf der Insel, legte sich auf den Rücken<br />

und ließ sich treiben. Es träumte<br />

aber schon von seinen neuen Freunden<br />

und die Trolle konnten es in der Ferne<br />

bald schon nicht mehr sehen. Sie<br />

ruderten schnell zurück und verkündeten<br />

die Nachricht von der Abreise<br />

des Ungeheuers. Am Abend fand ein<br />

großes Fest am Kieselstrand mit Feuerwerk,<br />

Tanz und gutem Essen statt. Die<br />

Trolle, Kinder und Erwachsene feierten<br />

und freuten sich dass sie von nun an<br />

wieder auf Insel spielen und spazieren<br />

gehen konnten.<br />

Es war sogar so, dass das Spielen auf<br />

der Insel noch viel schöner und interessanter<br />

geworden war, weil sie die<br />

Wohnstätte und Plätze des Ungeheuers<br />

für ihre Spiele nutzen konnten.<br />

Nach dem Vorlesen dieser Geschichte könnte<br />

Kleingruppen jeweils eine der folgenden<br />

Aufgaben gestellt werden:<br />

• Könnt ihr euch vorstellen wie das Ungeheuer<br />

ausgesehen hat? Baut das Ungeheuer<br />

aus den <strong>Materialien</strong> nach, die ihr<br />

hier finden könnt!<br />

• Wie könnte die Insel aussehen, auf der<br />

das Ungeheuer gelebt hat? Baut die Insellandschaft<br />

nach!<br />

• Baut eine Szene aus der Geschichte<br />

nach, die euch besonders gefallen hat.<br />

Zeitdauer: abhängig von der<br />

Geschichte mindestens 60 Minuten<br />

Fortbildungsgesellschaft 41


42<br />

4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />

Wassertheater & Wassertänze<br />

Durch Wasser kann man sich auch zum<br />

Theaterspielen oder Tanzen anregen lassen.<br />

Dabei sollten den Kindern möglichst wenige<br />

Vorgaben in Hinsicht auf Dialoge gemacht<br />

werden, sondern es werden lediglich Stichpunkte<br />

zur Anregung gegeben.<br />

Für ein Wassertheater geht z. B. ein<br />

Wassertropfen auf Reisen. Von der Quelle<br />

bis ins Meer lernt er die Bewohner der<br />

jeweiligen Gewässerabschnitte kennen<br />

wie Eintagsfliegenlarve, Forelle, Biber und<br />

Fischotter. Eine eigene Dynamik bekommt<br />

das Stück, wenn verschiedene Gefahren<br />

auftauchen. Denkbar wären die Einleitung<br />

von Abwässern, die das Wasser für Insekten<br />

und Fische verdirbt oder ein Hochwasser,<br />

welches Biber und Fischotter bedroht. Ein<br />

Wassertropfen kann ebenso den Gewässerkreislauf<br />

durchlaufen: Quelle-Bach-Fluss-<br />

Meer-Wolke-Regen.<br />

Ein schönes Thema ist auch die „Befreiung”<br />

eines Flusses, dessen Ufer zu Beginn<br />

des Stückes verbaut/ befestigt ist. Nachdem<br />

das Wasser wieder ungehindert fließen<br />

kann, steigen Wassernixen aus den Fluten<br />

Nixentanz<br />

hervor und beginnen vor Freude mit einem<br />

Tanz. Wassertänze können verschiedene<br />

Musikwerke in Bewegungen darstellen, z. B.<br />

„Die Moldau” von Smetana. In diesem klassischen<br />

Werk wird der Verlauf der Moldau in<br />

Tschechien musikalisch dargestellt.<br />

Dabei wechseln langsame mit dramatischen<br />

Passagen ab, die durch verhaltene<br />

oder weit ausgreifende Bewegungen nachgespielt<br />

werden können.<br />

Ein Wassertanz ganz anderer Art ist<br />

aufgeblasene Luftballone über eine bewegte<br />

Wasseroberfläche „tanzen“ zu lassen. Diese<br />

Aktion eignet sich auch als Abschluss einer<br />

Wasserprojektwoche.<br />

Ein wichtiger Aspekt bei Wassertheaterstücken<br />

und Wassertänzen das Entwerfen<br />

und Anfertigen von Kostümen. Dazu eignen<br />

sich <strong>Materialien</strong>, die auch im Klassensatz<br />

keine großen Kosten entstehen lassen,<br />

wie blaue Mülltüten auf denen z. B. Fischen<br />

oder Muscheln aus Pappe befestigt werden.<br />

Mit einfachen Tüchern lassen sich zusätzlich<br />

schön die schwingenden Bewegungen von<br />

Wasser darstellen.


Vernissage & Dokumentation der Kunstwerke<br />

Zum Abschluss der Aktion „Kunst am<br />

<strong>Fließgewässer</strong>” findet ein gemeinsamer<br />

Rundgang zu allen Objekten statt. Die jeweiligen<br />

Erbauer/-innen erläutern den anderen<br />

ihr Werk. Sie können sich auch eine<br />

Geschichte zu ihrem Kunstwerk ausdenken<br />

und ihm einen Namen oder Titel geben.<br />

Jede Arbeit wird mit einem Applaus von der<br />

ganzen Klasse gebührend gewürdigt.<br />

Die Kunstwerke sollten außerdem mit<br />

den Künstler/-innen dokumentiert werden,<br />

da sie meist schnell vergänglich sind und<br />

nicht transportiert werden können. Die Bilder<br />

lassen sich gut für eine für eine Ausstellung<br />

verwenden.<br />

Zeitdauer der Vernissage:<br />

min. 5 Minuten pro Gruppe<br />

Steinschmetterling<br />

Materialliste<br />

• Sitzmatten im Klassensatz<br />

• Augenbinden als Klassensatz<br />

• Kamera für die Dokumentation<br />

Literatur<br />

Andreas Güthler, Kathrin Lacher (2005):<br />

Naturwerkstatt Landart, Ideen für kleine und große<br />

Naturkünstler, AT Verlag Baden und München<br />

Michael Kalff u.a. (2001): Handbuch zur Natur- und Umweltpädagogik,<br />

Günter Albert Ulmer Verlag, 78609 Tuningen<br />

Heinz Knieriemen (1999): Martin Krampfer; Kinderwerkstatt:<br />

Naturfarben und Lehm, AT Verlag, Aarau Schweiz<br />

Andy Goldsworthy (1991): Zweitausendeins<br />

Fortbildungsgesellschaft 43


5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong><br />

durch den Menschen<br />

Die Landschaftsentwicklung der <strong>Fließgewässer</strong> und<br />

Flusslandschaften unter dem Einfluss des Menschen<br />

An unterschiedlichen Orten und unter<br />

Einsatz verschiedener Methoden und Medien<br />

erforschen die Schüler/-innen Verlauf,<br />

Eigenschaften und Entwicklung eines<br />

<strong>Fließgewässer</strong>s und seiner Umgebung.<br />

Sie lernen verschiedene Nutzungen<br />

des Wassers und deren Auswirkung auf<br />

das <strong>Fließgewässer</strong> und die umgebende<br />

Landschaft kennen. Diese Materialen sind<br />

insbesondere zur Umsetzung von Teilen innerhalb<br />

der Kompetenzfelder KF 4, und 5<br />

des Fächerverbundes für die Klassenstufen<br />

3 und 4 geeignet.<br />

Dieses Thema kann mit einem kreativkünstlerischen<br />

Teil ergänzt werden, der<br />

dem Kompetenzfeld KF 8 zugeordnet ist.<br />

Fortbildungsgesellschaft 45


46<br />

5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong> durch den Menschen<br />

Bildungsplan<br />

Bezug zum Bildungsplan innerhalb des Fächerverbundes<br />

„Mensch, Natur und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />

Klasse 4<br />

KF 4 Raum und Zeit erleben<br />

und gestalten<br />

Die Schülerinnen und Schüler können<br />

• Natur- und Kulturräume bewusst<br />

wahrnehmen, für sich erschließen<br />

und sich in ihnen orientieren.<br />

• sich in größeren Zeiträumen orientieren<br />

und Ereignisse und Erlebnisse<br />

zeitlich einordnen.<br />

• Ereignisse und Erlebnisse als geschichtliche<br />

Phänomene begreifen.<br />

• erkennen, dass gegenwärtige Phänomene<br />

und Prozesse Bedeutung<br />

für die Lebenswirklichkeit der Zukunft<br />

haben.<br />

Fischtreppe am Hochrhein,<br />

Wasserkraftwerk Rheinfelden<br />

KF 5 Heimatliche Spuren suchen,<br />

entdecken, gestalten<br />

und verändern<br />

Die Schülerinnen und Schüler<br />

• kennen unterschiedliche Auffassungen<br />

von Heimat und gehen reflektiert<br />

damit um.<br />

• entwickeln Respekt und Wertschätzung<br />

gegenüber anderen Sichtweisen<br />

und erfahren anders sein als<br />

Bereicherung.<br />

• entwickeln durch reflektierte Wahrnehmung<br />

des eigenen Heimatgefühls<br />

ein gestärktes Selbstbild.<br />

• lernen den Heimatraum kennen,<br />

erkunden ihn und gestalten ihn<br />

aktiv mit.<br />

• können sich mit ihren kulturellen<br />

und sozialen Lebensverhältnissen<br />

identifizieren, sie ausdrücken und<br />

darstellen, reflektieren und unterscheiden.<br />

• können die Veränderungen des<br />

Heimatraumes in Vergangenheit,<br />

Gegenwart und Zukunft erkennen<br />

und hierfür Verantwortungsbewusstsein<br />

entwickeln.<br />

• können kulturelle Spuren aus der<br />

Heimatgeschichte bewusst wahrnehmen<br />

und daraus eigene gestalterische<br />

Ausdrucksformen<br />

entwickeln.<br />

• können wichtige Zusammenhänge<br />

in den Bereichen Arbeit,<br />

Arbeitsstätten und Produktion<br />

erkennen.


Durchführung<br />

Zunächst wird eine topografische Karte<br />

(TK) als schwarzweiß Kopie im halben Klassensatz<br />

verteilt, auf der das Einzugsgebiet<br />

des <strong>Fließgewässer</strong>s, sowie der Wohnort der<br />

Schüler/-innen verzeichnet ist.<br />

Geeignet sind Karten im Maßstab<br />

1:25.000 (TK 25) und größer. Die Kinder<br />

bekommen die Aufgabe in dieser Karte die<br />

lineare Form zu finden, die das <strong>Fließgewässer</strong><br />

darstellt. Ist diese Aufgabe gelöst,<br />

werden die Kinder gebeten, den Verlauf<br />

des <strong>Fließgewässer</strong>s nachzuzeichnen und<br />

den Aufenthaltsort zu bestimmen. Für<br />

die allgemeine Orientierung auf der Karte<br />

müssen zu Beginn die verwendeten Symbole<br />

besprochen werden.<br />

Bei größeren Flüssen und Flusseinzugsgebieten,<br />

wie z. B. Rhein oder Neckar, kann<br />

man für die Klasse eine großformatige Karte<br />

bereithalten. Anhand dieser Karte können<br />

die Schüler/-innen den Flussverlauf und<br />

den eigenen Standort nach o. a. Vorgehensweise<br />

nachvollziehen. Falls es im örtlichen<br />

Heimatmuseum ein Modell des heimatlichen<br />

<strong>Fließgewässer</strong>s aus neuerer oder auch älterer<br />

Zeit gibt, sollte man diese Chance nutzen<br />

und mit der Klasse an einer Museumsführung<br />

teilnehmen. Meist werden solchen Veranstaltungen<br />

von motivierten, ortskundigen<br />

Personen durchgeführt, die den Kindern<br />

lebhaft die Geschichte des <strong>Fließgewässer</strong>s<br />

erzählen können.<br />

Zur weiteren Bearbeitung des<br />

Themas beginnt man mit einer<br />

kurzen Fragerunde:<br />

Dafür reicht der/die Lehrer/-in ältere<br />

und neuere Fotos, Abbildungen oder Karten<br />

vom <strong>Fließgewässer</strong>, an dem die Exkursion<br />

stattfinden soll, herum. Anschließend<br />

äußern die Kinder Ihre Eindrücke.<br />

Als Denkanstöße eignen sich<br />

folgende Fragestellungen:<br />

• Woran könnte es liegen, dass der Fluss auf<br />

älteren Abbildungen ganz anders aussieht?<br />

• Könnt Ihr die Bilder zeitlich einordnen?<br />

• Was hat zu dem heutigen Aussehen des<br />

<strong>Fließgewässer</strong>s geführt?<br />

• Hat der Mensch zur Veränderung beigetragen?<br />

• In welcher Form hat der Mensch das Aussehen<br />

des <strong>Fließgewässer</strong>s beeinflusst?<br />

Bei der Lösung dieser Aufgabe kann<br />

das Arbeitsblatt Nr. 11 „Was macht der<br />

Mensch am <strong>Fließgewässer</strong>” Unterstützung<br />

bieten. Es zeigt exemplarisch die menschliche<br />

Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong>, aus denen<br />

sich direkte und indirekte Veränderungen<br />

gut ableiten lassen.<br />

Für eine abschließende Dokumentation<br />

sollten die Ergebnisse schriftlich festgehalten<br />

werden. Zur Abrundung und zum Abschluss<br />

der Unterrichtseinheit ist das Erstellen eines<br />

<strong>Fließgewässer</strong>modells gut geeignet. Dies<br />

kann recht einfach in einer Kiste angefertigt<br />

werden. Die Kinder in zwei Gruppen geteilt.<br />

Die eine Gruppe bekommt die Aufgabe das<br />

untersuchte <strong>Fließgewässer</strong> möglicht realistisch<br />

nachzubilden. Die zweite Gruppe gestaltet<br />

dagegen ein <strong>Fließgewässer</strong> nach den<br />

eigenen Wunschvorstellungen der Kinder.<br />

Das Material, für die Gestaltung der Modelle,<br />

suchen sich die Schüler/-innen in der<br />

Umgebung des untersuchten Gewässers.<br />

Die (Papp-)Kiste wird zunächst mit<br />

blauer Wasserfarbe bemalt. Anschließend<br />

wird das <strong>Fließgewässer</strong> mit den gesammelten<br />

Materialen nachgebildet, bzw. das<br />

Wunschmodell gestaltet.<br />

Kriterien für die genaue Darstellung<br />

der Gewässermodelle sind:<br />

• Bachverlauf (gekrümmt/ schnurgerade)?<br />

• Gewässerbett/ -sohle (natürliches Material/<br />

befestigt)?<br />

• Uferbewuchs (vorhanden: Wiese,<br />

Sträucher, Bäume/ nicht vorhanden:<br />

Feld, Straße)?<br />

• Uferstreifen als Puffer zu landwirtschaftlich<br />

genutzten Flächen (vorhanden/ nicht<br />

vorhanden)?<br />

Fortbildungsgesellschaft 47


48<br />

5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong> durch den Menschen<br />

• Uferbefestigungen (keine/ Betonmauern,<br />

Gittersteine, Steinschüttung)<br />

• Querbauwerke, Verrohrung (nicht vorhanden/<br />

vorhanden)<br />

• Weitere Umgebung des <strong>Fließgewässer</strong>s<br />

(Naturlandschaft/ Häuser etc.)<br />

Anschließend stellen sich beide Gruppen<br />

ihre Modelle vor, dabei werden die Unterschiede<br />

deutlich. Der Vergleich der Ergebnisse gibt<br />

vor allem Aufschluss über die Bedürfnisse der<br />

Kinder nach „erlebbaren” Bächen und Flüssen<br />

und bietet zudem auch die Möglichkeit,<br />

gemeinsam Vorschläge und Ideen für die<br />

Umgestaltung des untersuchten <strong>Fließgewässer</strong>s<br />

zusammenzutragen. Falls die Aussicht<br />

besteht, eine Bachpatenschaft im Umkreis<br />

der Schule aufzunehmen, wäre dies eine gute<br />

Möglichkeit, in Form von Arbeitsgruppen an<br />

die Ergebnisse des „Unterricht im Freien” anzuknüpfen.<br />

Die Schüler/-innen können die so<br />

gewonnenen Erkenntnisse für die aktive Mitgestaltung<br />

einer lebendigen <strong>Fließgewässer</strong>landschaft<br />

in ihrem Heimatort einbringen.<br />

(aus: Mannheimer Umweltforum)<br />

„Neckarträume”<br />

Materialliste<br />

• Topographische Karten im Maßstab<br />

1:25.000 (TK 25)<br />

• Neuere und ältere Fotos/ Abbildungen des<br />

untersuchten <strong>Fließgewässer</strong>s<br />

Das Kartenmaterial kann über das Internet (Landesamt<br />

für Vermessung) oder Buchhandlungen, Fotos<br />

und Abbildungen der örtlichen Gewässer über<br />

Heimatmuseen und Büchereien bezogen werden.<br />

Bei der Materialbeschaffung sollten sich die Schüler/-innen<br />

aktiv beteiligen.<br />

Material <strong>Fließgewässer</strong>-Modell:<br />

• Kiste aus dicker Pappe/Karton<br />

(60 cm x 40 cm x 20 cm)<br />

• Wasserfarben<br />

• Pinsel/ Schwämmchen<br />

• Naturmaterialien aus der Umgebung<br />

Literatur<br />

Ein Bach ist mehr als Wasser (1999): Hessisches<br />

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten<br />

Mit Kindern Bach und Fluss erleben (2003): Akademie<br />

für Natur- und Umweltschutz, Baden-Württemberg


Frühe Nutzungen<br />

Der Mensch war schon immer auf das<br />

Wasser als Lebensgrundlage angewiesen.<br />

Man versorgte sich mit dem Nahrungsmittel<br />

Trinkwasser. Hinzu kamen im Laufe der Zeit<br />

immer vielfältigere Nutzungsansprüche an<br />

die Gewässer. Wasser diente der Energiegewinnung,<br />

der Bewässerung, als Transportmedium<br />

oder übernahm militärstrategische<br />

Funktionen.<br />

Aber es war immer ein zwiespältiges<br />

Verhältnis zum Medium Wasser. Es brachte<br />

einerseits Segen und Nutzen, andererseits<br />

Zerstörung und Verderben; entsprechend<br />

gab es Nutz- und Schutzbauten, um das<br />

Wasser in die gewünschten Bahnen zu lenken,<br />

nämlich Kanäle, Gräben, Leitungen,<br />

Stollen, Schutzmauern, Staumauern, Sicherungsmauern.<br />

Die Nutzung, Manipulation und Gestaltung<br />

der Gewässer besitzen also eine lange<br />

Tradition. Im Folgenden werden einige<br />

für Mitteleuropa typische frühe Nutzungsformen<br />

dargestellt.<br />

Mühlkanäle, Mühlgräben<br />

Mühlgräben sind in Mitteleuropa die ältesten<br />

weit verbreiteten wasserbaulichen<br />

Einrichtungen. Bereits im frühen Mittelalter<br />

sind Wassermühlen bekannt. In der Karolingerzeit<br />

(8./9. Jahrhundert) nimmt die<br />

Zahl der Mühlen sehr stark zu; sie gingen in<br />

die Tausende, da Wasser der Energieträger<br />

schlechthin war.<br />

Es gab:<br />

• drehende Mühlen (Getreide- und Ölmühlen,<br />

Hanfreiben, Schleifmühlen)<br />

• stampfende Mühlen (Loh-, Papier-, Walk-,<br />

Pulvermühlen, Knochenstampfen, Pochwerke,<br />

Eisenhämmer)<br />

• Sägen<br />

Wassermühle<br />

Insbesondere die Mittelgebirge waren –<br />

soweit sie genügend Wasser besaßen – sehr<br />

dicht mit Mühlen besetzt. Es gab unzählige<br />

Mühlkanäle, Ausleitungsbauwerke und oft<br />

auch trocken liegende Ausleitungsstrecken.<br />

Die Auswirkungen auf die Fläche waren jedoch<br />

unbedeutend, während die vielen Mühlen<br />

im Flachland bzw. Tiefland sich ungleich<br />

stärker auf den Landschaftswasserhaushalt<br />

auswirkten.<br />

Schifffahrt<br />

Auch die Schifffahrt hat in Mitteleuropa<br />

eine sehr lange Tradition und geht gebietsweise<br />

bis in die Antike und die vorrömische<br />

Metallzeit zurück, so auf dem Rhein, der Mosel<br />

und der Donau. Man war nur mit Schiffen<br />

und Flößen in der Lage, schwere Güter,<br />

etwa Werksteine und Mühlsteine, aber auch<br />

Weinfässer, über längere Strecken zu transportieren.<br />

Die baulichen Eingriffe in die frei fließenden<br />

Flussläufe und die Auen waren, so darf<br />

angenommen werden, vergleichsweise bescheiden.<br />

Über lange Zeit waren Treidel- oder<br />

Leinpfade, die man für die Bergfahrt benö-<br />

Fortbildungsgesellschaft 49


50<br />

5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong> durch den Menschen<br />

Wehr in Balingen<br />

tigte, die einzige Infrastruktur. Treidel- oder<br />

Leinpfad, nannte man einen Arbeitsweg unmittelbar<br />

am Flussufer, der angelegt wurde,<br />

damit Menschen und Zugtiere (zum Beispiel<br />

Pferde) Frachtschiffe flussaufwärts ziehen<br />

konnten. Auch am Ufer von Kanälen finden<br />

sich solche Wege. Die Schiffe waren über<br />

ein Tau („Leine”) mit den auf den Leinpfaden<br />

gehenden Treidelpferden und Treidlern verbunden.<br />

Den Vorgang nannte man treideln.<br />

Um die Treidelpfade funktionsfähig zu halten,<br />

mussten die Ufergehölze und Steine beseitigt<br />

werden. Hier und dort wurden sicherlich auch<br />

Felsen angeschnitten. Die Treidelschifffahrt<br />

ging erst nach dem Erscheinen maschinengetriebener<br />

Schiffe zu Ende.<br />

Ab der frühen Neuzeit wurden zur Verbesserung<br />

der Schifffahrt, aber auch zum<br />

Zweck der Abflussbeschleunigung und des lokalen<br />

Hochwasserschutzes, einzelne Durchstiche<br />

in den Gewässern vorgenommen. Die<br />

Technik der Durchstiche (von Flussschleifen)<br />

blieb bis ins 18. Jahrhundert neben den<br />

Deichen die einzig praktikable Möglichkeit,<br />

Flussläufe zu korrigieren, zu begradigen.<br />

Flößerei<br />

Flößerei und Trift (von „treiben” im Sinne<br />

von „treiben lassen”) bedeuten Transport<br />

von schwimmenden Baumstämmen oder von<br />

Scheit- oder Schnittholz auf Wasserstraßen.<br />

Dabei wird unterschieden, ob das Holz zusammengebunden<br />

ist, oder nicht. Ist das der Fall,<br />

spricht man vom Flößen, wenn nicht, vom<br />

Triften. Das Flößen wird auch als Schwemmen<br />

(also „schwimmen lassen”) bezeichnet.<br />

Der älteste Hinweis auf Flößerei stammt<br />

aus der Bronzezeit. Das Wort „flota” für Floß<br />

ist seit dem frühen Mittelalter in Gebrauch,<br />

was ein eindeutiger Hinweis auf die Tätigkeit<br />

des Flößens ist. Man kann generell sagen,<br />

dass die Flößerei seit dem Mittelalter, und<br />

verstärkt ab dem Spätmittelalter, in weiten<br />

Gebieten Mitteleuropas eine sehr große Rolle<br />

gespielt hat, mit einem Höhepunkt im 18.<br />

und 19. Jahrhundert. Und sie war privilegiert,<br />

das heißt, sie hatte Vorrang vor anderen<br />

Nutzungen. Wegen des Ausbaus des<br />

Schienen- und Straßennetzes endete die<br />

Flößerei größtenteils mit dem 19. Jahrhundert.<br />

Auf einigen Flüssen wurde sie erst im<br />

20. Jahrhundert eingestellt.<br />

Die Flößerei ist im Schwarzwald seit dem<br />

frühen Mittelalter überliefert. Mit Wieden 1<br />

zusammengebundene Baumstämme wurden<br />

über die Flüsse zum Bestimmungsort<br />

bewegt. In viele Gewässer mussten, damit<br />

die Langholzflößerei, aber auch die Scheiterholztrift<br />

überhaupt über längere Zeit des<br />

Jahres möglich war, Floßweiher, Wasserstuben,<br />

Treibseen, Schwallungen oder Klausen<br />

eingebaut werden, aus denen gespeichertes<br />

Wasser schwallartig abgelassen werden<br />

konnte. Die notwendigen Wassermassen<br />

wurden dann zusammen mit dem Floß freigegeben.<br />

Im Laufe der Jahrhunderte wurden<br />

diese Wasserwege über Murg, Nagold, Enz,<br />

Kinzig, Neckar und Rhein bis nach Holland<br />

erweitert. Die kleinen Seitenbäche wurden<br />

zum Teil ebenfalls floßbar gemacht. Im 18.<br />

Jahrhundert führte der niederländische Holzbedarf<br />

zur Blüte des Holzhandels, aber auch<br />

zum Kahlschlag weiter Regionen des Nordschwarzwaldes.<br />

Die langen und geradegewachsenen<br />

Tannen waren als Baumaterial für<br />

Schiffe ideal geeignet. Diese Tannen wurden<br />

dann auch einfach „Holländer” genannt.<br />

Waren die Flöße im Mittelalter noch vergleichsweise<br />

bescheiden dimensioniert, so<br />

nahmen sie in der Blütezeit gewaltige Ausmaße<br />

an. Ein Enz-Floß konnte eine Länge


von 250 bis 280 m erreichen,<br />

die aus Schwarzwaldtannen<br />

gebundenen<br />

Holländerflöße auf dem<br />

Rhein waren um die 400<br />

m lang, bis zu 80 m breit<br />

und -da mehrschichtig –<br />

bis zu 5 m hoch. Mit ihrer<br />

Oblast (das, was auf<br />

den Flößen mitgeführt<br />

wird), den Hütten und<br />

Passagieren, glichen sie<br />

belebten, schwimmenden<br />

Dörfern.<br />

Die „Blütezeit” der Flößerei bedeutete für<br />

die Flüsse und Bäche gravierende bauliche<br />

Eingriffe. Die Gewässerläufe wurden den Bedürfnissen<br />

der Flößerei angepasst. Die Floßstraße<br />

musste mindestens so breit wie die<br />

Länge der zu flößenden Hölzer und möglichst<br />

geradlinig sein, was erforderlichenfalls durch<br />

Abgraben und Durchstoßen von Gewässerkrümmungen<br />

erreicht wurde. Dazu kamen<br />

das Tieferlegen oder Anheben der Sohle, um<br />

die Fließgeschwindigkeit zu vergleichmäßigen,<br />

Ufersicherungen mit Steinmauern, Freihalten<br />

der Ufer, um sie begehbar zu halten,<br />

Entfernung von Felsen, Kies- und Sandbänken,<br />

Rechen zum Auffangen der Holzscheite<br />

und die Einrichtung von großen, ebenen<br />

Plätzen, wo das Holz eingebunden, angelandet<br />

und gepoltert werden konnte. Viele Bäche<br />

wurden an den Talrand verlegt. Es waren<br />

alljährlich wiederkehrende Unterhaltungsarbeiten<br />

zu machen; diese fanden meist im<br />

Sommer („Baumonat”) statt.<br />

Teiche<br />

Teiche sind stehende Gewässer, die mit<br />

Blick auf ganz bestimmte ökonomische Nutzungen<br />

gebaut wurden, also künstlichen<br />

Ursprungs sind. Etliche Teiche dürften als<br />

Speicher für Mühlen entstanden, mithin also<br />

schon sehr alt sein. Die allermeisten Teiche<br />

wurden jedoch für die Fischwirtschaft als<br />

Hauptnutzung gebaut. In den Mittelgebir-<br />

Flößerei<br />

gen wurden die das Tal querenden Dämme<br />

in der Regel aus dem anstehenden Material<br />

geschüttet und festgestampft. Große<br />

Dämme erhielten zusätzlich eine Steinpflasterung.<br />

Zur Ausstattung eines Teiches gehörten<br />

ein Grundablass 2 und eine befestigte<br />

und mit einem Rechen 3 versehene Dammscharte<br />

zur Hochwasserentlastung (d.h. das<br />

Hochwasser konnte über eine Scharte im<br />

Damm kontrolliert abfließen).<br />

Im Flachland finden sich eher Teichverbände<br />

mit einfacheren, niedrigeren Dämmen,<br />

die durch eigene Grabensysteme<br />

gespeist werden. Fischteiche sind dort am<br />

stärksten verbreitet, wo der <strong>Fließgewässer</strong>reichtum<br />

groß und die Geländegestalt<br />

günstig waren. In diesen Landschaften konzentrierten<br />

sich die Teiche dann außerdem<br />

um Adelssitze, Rittergüter, Klöster und Städte.<br />

Schwerpunkte der Teichwirtschaft waren<br />

und sind zum Beispiel Holstein, die Oberlausitz,<br />

das Gebiet um Schleiz in Thüringen, die<br />

Oberpfalz, Mittelfranken, der südliche Pfälzerwald<br />

und das südliche Oberschwaben. In<br />

allen diesen Gebieten tauchen erste schriftliche<br />

Hinweise auf wirtschaftlich betriebene<br />

Fischerei und existierende und zu bauende<br />

Teiche im 13. Jahrhundert auf. Im 14.<br />

Jahrhundert erlebte die Teich- und Fischereiwirtschaft<br />

einen gewaltigen Aufschwung<br />

und eine Blütezeit, die bis ans Ende des 16.<br />

Jahrhunderts bzw. Anfang des 17. Jahrhunderts<br />

dauerte und in deren Verlauf unzählige<br />

Teiche entstanden sind. Ursache hierfür<br />

war nicht nur der hohe Fischbedarf für die<br />

Fortbildungsgesellschaft 51


52<br />

5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong> durch den Menschen<br />

vielen Fastentage, sondern auch die Tatsache,<br />

dass der Fisch ein Luxusgut war, mit<br />

dem man Spitzenpreise erzielen konnte.<br />

Der Teichbau hatte also ganz profane, ökonomische<br />

Hintergründe.<br />

Weitere Zwecke von Teichen sind:<br />

• Verschönerung und Belebung von Gärten<br />

und Parks (Schmuck-, Zier- oder Gartenteich)<br />

• Bereitstellung von Brauch- und Löschwasser<br />

(Löschteich)<br />

• Speicher für Energiewasser im Bergbau<br />

• Bereitstellung von Trinkwasser für Nutzvieh<br />

(Viehtränke)<br />

• Schwimm- oder Bademöglichkeit (Badeoder<br />

Schwimmteich)<br />

Wässerwiesen und<br />

Bewässerungsgräben<br />

Die Bewässerungslandwirtschaft war in<br />

vielen Regionen Deutschlands bis in die jüngere<br />

Vergangenheit weit verbreitet. Bei den<br />

sogenannten Wässerwiesen legte man ganze<br />

Grabensysteme und kleine Weiher an, um<br />

das nährstoffreiche Wasser 4 von den Häusern,<br />

Straßen und Stallungen zu sammeln<br />

und den Wiesen zu zuleiten. Ziel dieser Maßnahme<br />

war primär die Düngung der Wiesen<br />

zur Ertragssteigerung. Zusätzlich diente sie<br />

der Verlängerung der Vegetationszeit durch<br />

Winterwässerung, der „Entsäuerung”, der<br />

Unkraut- und Schädlingsbekämpfung sowie<br />

der Verbesserung des Wasserhaushalts.<br />

Diese Kulturtechnik geht – von antiken<br />

Ursprüngen ist auszugehen – nachweislich<br />

gebietsweise bis ins Hochmittelalter zurück<br />

(z.B. Wässerungsanlagen bei Isny im Allgäu<br />

im 12. Jahrhundert). Im 19. Jahrhundert erfuhr<br />

die Methode der Wiesenbewässerung<br />

einen großen Aufschwung. Zum Ausbau der<br />

Wiesen wendete man, je nach Wasserangebot<br />

und Relief, verschiedene Techniken<br />

an. So beispielsweise die Überstauung, den<br />

„natürlichen Hangbau”, den „Beethangbau”<br />

oder den Rückenbau, bei dem man die Wiesenoberflächen<br />

vollständig umgestaltete.<br />

Die Bewässerung der Wiesen wirkte sich<br />

deutlich auf den Vegetationsbestand der<br />

Wiesenflächen und Gräben aus: ehemalige<br />

Wässerwiesen weisen heute häufig eine<br />

hohe Strukturdiversität auf und sind - vor<br />

allem abhängig von dem Erhaltungszustand<br />

- als Kulturdenkmal einzustufen.<br />

Voraussetzung für eine effektive Bewässerung<br />

waren immer der Gewässerausbau,<br />

Neutrassierung, die Anlage von Wehren<br />

und Fallen, Haupt- und Nebengräben sowie<br />

Entwässerungsgräben, um die Flächen versumpfen<br />

zu lassen.<br />

Damit brachte der kulturtechnische<br />

Ausbau der Wiesen neben den positiven Aspekten<br />

auch eine Reihe von Nachteilen mit<br />

sich:<br />

Positive Effekte:<br />

• Beispiel für effektive Ressourcennutzung<br />

• Wasserretentionseffekte<br />

• Grundwasserneubildung<br />

• Ausgeprägtes Mikrorelief<br />

• hohe Standortvielfalt<br />

• kleinräumiges Vegetationsmuster<br />

Negative Effekte:<br />

• Wasserverbrauch<br />

• Barrieren im Gewässer<br />

(Ausleitungsbauwerke)<br />

• Gewässerausbau und -begradigung<br />

• Gezielte Trockenlegung der Grabensysteme<br />

• Wiesenintensivierung (Artenrückgang)<br />

• Reliefumgestaltung und Bodenstörung<br />

Wiesenbewässerung bedeutete also<br />

eine optimale Ausnutzung der Nährstoffressourcen,<br />

aber auch massive Eingriffe in<br />

die Gewässer und den Landschaftswasserhaushalt.


Flussbau und<br />

Hochwasserschutz<br />

Wie bereits zu Beginn angesprochen,<br />

wusste der Mensch nicht nur das Wasser<br />

nutzbar zu machen, sondern er musste sich<br />

auch dagegen schützen. Dies geschah bis auf<br />

den heutigen Tag mehr oder weniger erfolgreich,<br />

weil Eingriffe in die Flussdynamik immer<br />

Effekte nach sich ziehen, die gar nicht<br />

oder nur schwer abschätzbar sind. Diese Aussage<br />

gilt für frühere Zeiten um so mehr.<br />

Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts fand<br />

der Flussbau nicht in größeren Zusammenhängen<br />

statt. Man suchte nach punktuellen<br />

Problemlösungen und der Wasserbau stützte<br />

sich insgesamt auf Versuch und Irrtum sowie<br />

handwerkliche Erfahrung. Die Irrtümer mündeten<br />

häufig in größeren Katastrophen (z.B.<br />

unkontrollierte Überschwemmungen, starke<br />

Erosionserscheinungen, Uferabbrüchen).<br />

Im Zuge der Aufklärung profitierte der Wasserbau<br />

von den allgemeinen Fortschritten in<br />

Naturwissenschaft und Technik (zur Wissenschaft<br />

wurde er aber noch lange nicht).<br />

Von sehr großer Bedeutung war die territoriale<br />

Neuordnung weiter Gebiete des alten<br />

Reiches und eine sukzessive Einführung von<br />

Baubehörden. Zuvor hatten die betroffenen<br />

Flussanlieger meist nur in eigenem Interesse<br />

und zum Schaden der unterliegenden<br />

Nachbarn gehandelt. Gründe für Eingriffe in<br />

die Flussläufe waren unerwünschte Bettaufhöhungen<br />

und Engstellen, die zu Ausuferungen<br />

führten, „unordentliche” Verläufe,<br />

Krümmungen, Aufspaltungen, Inseln, Sediment-<br />

und Geschiebeeinträge aus Zuflüssen,<br />

ungleich hohe Ufer und die Sicherung<br />

von Bauwerken wie Brücken und Wehren<br />

sowie der Schutz von Siedlungen.<br />

Kulturtechnik contra Natur?<br />

An verschiedenen Beispielen wurde dargestellt,<br />

wie lange schon und wie stark der<br />

Mensch auch auf großen Flächen wasserbaulich<br />

in die Landschaften eingegriffen und diese<br />

Schleuse von einem Hochwasserrückhaltebecken<br />

nachhaltig verändert hat und dabei - aus<br />

heutiger Sicht - vieles zerstört, aber auch<br />

Werte, Lebensräume und sehenswerte Reize<br />

geschaffen hat. Alle Produkte der Eingriffe<br />

sind ein Stück Wirtschaftsleistung,<br />

Zeugen menschlicher Arbeit und Kultur, aber<br />

sie haben durchaus auch natürliche Züge<br />

und Eigenschaften angenommen, insbesondere<br />

offensichtlich bei den Teichen und<br />

künstlich gezogenen alten Bächen. Dennoch<br />

entziehen sie sich eigentlich einem Natürlichkeitsmaßstab,<br />

weil sie rein künstlichen<br />

Ursprunges und meist nur durch Pflege und<br />

Nutzung zu erhalten sind.<br />

Auf der anderen Seite gibt es ungezählte<br />

Strecken von ehemals natürlichen <strong>Fließgewässer</strong>n,<br />

die - etwa aus den Zeiten der<br />

Flößerei - von einer trocken gesetzten Mauer<br />

begleitet werden oder in denen sich noch<br />

technische Einrichtungen der Bewässerung<br />

oder Floßgassen befinden. Hier hat die Natur<br />

technische, kulturelle Züge angenommen.<br />

Soll man sie um eines puristischen Natürlichkeitsdiktats<br />

willen entfernen? - Was<br />

hat Vorrang? - Die technische Einrichtung als<br />

Spiegelbild einer bestimmten Zeit, ein hohes<br />

Maß an Natürlichkeit, die ökologische Funktionsfähigkeit,<br />

die Schönheit einer wasserbaulichen<br />

Anlage oder der Natur? - Doch müssen<br />

wir überhaupt „entweder oder” entscheiden?<br />

- Nein, wir müssen es nicht. Aus den in diesem<br />

Kapitel behandelten Zeiten sind nicht<br />

mehr viele Überbleibsel vorhanden. Deshalb<br />

sollten wir die wasserbaulichen Elemente und<br />

Relikte einfach belassen, integrieren und als<br />

Kulturlandschaftselemente pflegen.<br />

Fortbildungsgesellschaft 53


54<br />

5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong> durch den Menschen<br />

Heutige Nutzungen<br />

Dass der Mensch die <strong>Fließgewässer</strong>- und<br />

Auen nutzungsorientiert gestaltet und damit<br />

in die natürlichen Prozesse eingegriffen hat,<br />

lässt sich an anhand vieler Beispiele belegen.<br />

Unterschiedlich fällt jedoch in den meisten<br />

Fällen die Bewertung der Veränderungen<br />

aus; beispielsweise die Antwort auf die Frage,<br />

ob nicht die Vorteile einer Nutzung, die<br />

damit verbundenen Nachteile rechtfertigen.<br />

Die allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche<br />

Situation hat auf die Antwort<br />

mit Sicherheit großen Einfluss. Im Folgenden<br />

werden einige häufig vorkommende gebrauchsbedingte<br />

Einflussnahmen und einige<br />

bedeutsame Nutzungen kurz und wertfrei<br />

dargestellt. Das Abwägen zwischen Vor- und<br />

Nachteil einer geplanten oder vorhandenen<br />

Nutzung ist Bestandteil der Planung.<br />

Inanspruchnahme von<br />

gewässernahen Flächen<br />

In der Vergangenheit sind in gewässernahen<br />

Bereichen (i.d.R. die Auen) verstärkt<br />

Straßen- und Eisenbahntrassen gebaut<br />

sowie Bereiche für Ansiedlungen und Infrastruktureinrichtungen<br />

und Siedlungen<br />

erschlossen worden. Dies ist auf die Vorteile<br />

des Standorts (z.B. liegen alle wichtigen<br />

Städte an Flüssen) bzw. den Umstand<br />

zurückzuführen, dass häufig nur dort noch<br />

freie Flächen verfügbar sind. Solche Eingriffe<br />

bedeuten für die betroffenen Gewässer<br />

eine Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten<br />

(z.B. aufgrund von Verbau, Verrohrungen,<br />

Ufersicherungen u.ä.). Eine<br />

weitere äußerst bedeutsame Benutzung der<br />

gewässernahen Bereiche und Auen umfasst<br />

den Hochwasserschutz. Durch den Bau von<br />

Deichen, Mauern u.a. werden die natürlichen<br />

Überschwemmungsgebiete von <strong>Fließgewässer</strong>n<br />

abgeschnitten und stehen damit<br />

für den Hochwasserschutz nicht mehr zur<br />

Verfügung.<br />

Abflussregulierung<br />

Zur Abflussregulierung werden quantitative<br />

(wassermengenwirtschaftliche)<br />

Einflussnahmen gezählt, wie Wasserentnahmen<br />

und -einleitungen sowie die Speicherung<br />

von Wasser.<br />

Wasserentnahmen entziehen einem<br />

<strong>Fließgewässer</strong> bzw. Gewässerabschnitt<br />

Wasser und reduzieren damit den Abfluss<br />

flussabwärts der Entnahmestelle. Wasserentnahmen<br />

dienen u.a. der Trinkwasserversorgung,<br />

der Wasserversorgung der<br />

Industrie, der Wasserversorgung von Wasserstraßen<br />

(Kanälen) und der Erzeugung<br />

von Strom in Wasserkraftanlagen (Ausleitungskraftwerke).<br />

Aber auch die zeitweise<br />

Speicherung (Zwischenspeicherung) von<br />

Wasser in Talsperren, Poldern oder anderen<br />

Rückhalteeinrichtungen entzieht dem <strong>Fließgewässer</strong><br />

Wasser und beeinflusst auf diese<br />

Weise das Abflussgeschehen. Entsprechendes<br />

gilt auch für die Entnahme von unterirdischem<br />

Wasser (Grundwasserentnahmen).<br />

Zusätzlich können auch unnatürlich hohe<br />

Wassereinleitungen in den betroffenen Gewässerstrecken<br />

zu Veränderungen führen. So<br />

sind zum Beispiel plötzliche Einleitungen von<br />

Oberflächenwasser (u.a. nachdem Anspringen<br />

eines Regenüberlaufes) stets problematisch,<br />

da dadurch die Strömungsgeschwindigkeiten<br />

im Zulaufbereich abrupt ansteigen. Die hohen<br />

Geschwindigkeiten fördern nicht nur die Erosion,<br />

sondern sind u.a. auch verantwortlich<br />

für die erhöhte Abdrift von Organismen.<br />

Gewässerausbau<br />

Der Gewässerausbau umfasst die wasserbauliche<br />

(flussbauliche) Gestaltung eines<br />

Gewässers. Solche flussbaulichen Maßnahmen<br />

und der Bau entsprechender Betriebs-<br />

und Kontrolleinrichtungen sind u.a.<br />

Voraussetzung für:


• Wasserversorgung (u.a. Sicherstellung<br />

der Trinkwasserversorgung, Bereitstellung<br />

von Wasser für die Industrie)<br />

• Güter- und Personentransport auf dem<br />

Wasser ( u.a. Wasserstraßen und Kanäle,<br />

Verbesserung der Bedingungen für die<br />

Schifffahrt),<br />

• Ressourcenschonende Stromerzeugung<br />

in Wasserkraftanlagen (u.a. Bau und Betrieb<br />

der Kraftwerksanlagen)<br />

• Landwirtschaftliche Nutzung (u.a. Beund<br />

Entwässerungsmaßnahmen, Meliorationen)<br />

• Sicherung von baulichen Anlagen in und<br />

am Gewässerbett (z.B. Brückenpfeiler,<br />

Versorgungsleitungen, Auslassbauwerke<br />

von Kläranlagen, Entnahmebauwerke)<br />

• Freizeit, Erholung und Sport ( u.a. Infrastruktureinrichtungen,<br />

Wander- und Radwege,<br />

Einsetzstellen für Boote)<br />

• Hochwasserschutz (u.a. Bau von Hochwasserschutzdeichen,<br />

-mauern, Poldern,<br />

Rückhaltebauwerken)<br />

• Nassabbau von Kies in der Gewässeraue<br />

Diese Aufzählung ist mit Sicherheit nicht<br />

vollständig, deckt jedoch die bedeutsamsten<br />

Nutzungen ab. In Abhängigkeit von den lokalen<br />

Verhältnissen und von der Nutzung sind an<br />

den <strong>Fließgewässer</strong>n unterschiedliche Ausbauvarianten<br />

anzutreffen. Häufig fügen sich die<br />

Gewässerausbauten (z.B. Böschungssicherungen,<br />

Buhnen) nahtlos in eine Landschaft<br />

ein. Andere Ausbauten müssen wiederum situationsbedingt<br />

massiver gestaltet werden.<br />

Sobald sich Nutzungen in der Nähe eines Gewässers<br />

konzentrieren und daher mit erheblichem<br />

Schadensrisiko bei Hochwasser zu<br />

rechnen ist, steigt der Anteil an Beton an.<br />

Man unterscheidet dabei zwischen konventionellem<br />

Gewässerausbau, bei dem der<br />

Gewässerverlauf weitgehend festgelegt wird<br />

und naturnahem Gewässerausbau. Hier werden<br />

unter anderem naturraumtypische Baustoffe<br />

verwendet und eine eigendynamische<br />

Ausformung der Laufentwicklung, wenn auch<br />

nur in kleinem Rahmen, ermöglicht.<br />

Der Mensch benötigt einen Zugang zu<br />

<strong>Fließgewässer</strong> und Aue, da damit oft existenzielle<br />

Erfordernisse verbunden sind. Die<br />

oben dargestellten allgemein beschriebenen<br />

Veränderungen werden getätigt, um<br />

Nutzungen zu ermöglichen bzw. diese zu<br />

optimieren und zu schützen.<br />

Institut für Landespflege,<br />

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg<br />

(www.landespflege-freiburg.de)<br />

Fußnoten:<br />

1 Eine Wiede, auch ein Wiedel genannt, ist ein verdrehter<br />

Zweig aus pflanzlichem Material, aus dem Bänder geflochten<br />

werden. Sie bestehen aus Haselnuss, Weide oder<br />

Traubenkirsche oder auch aus Eichen-, Tannen- und Fichtenstämmchen<br />

und waren sehr belastbar. Zur Herstellung<br />

von Wieden wurden die Stämmchen in Wasser eingeweicht<br />

und in vier bis fünf Meter langen Bäh- oder Wiedöfen erhitzt<br />

(„gebäht”). Anschließend wurden diese im heißen Zustand<br />

an Wiedstöcken zu Wieden gedreht und zu Kränzen<br />

geformt.<br />

2 Als Grundablass bezeichnet man die verschließbare Öffnung<br />

zum Entleeren des Stauinhalts (des Nutzraums).<br />

3 Der Treibgutrechen ist eine aus einer Vielzahl parallel angeordneten<br />

Holz- oder Metallstäben, oft rechteckigen<br />

Querschnittes bestehende Vorrichtung, die dazu dient,<br />

Treibgut in Gewässern vor wasserwirtschaftlichen Anlagen<br />

aufzuhalten.<br />

4 Heute würde man abschätzig Abwasser dazu sagen.<br />

Literatur<br />

Textpassagen wurden entnommen aus:<br />

Jürging, P. & Patt, H. (2005):<br />

<strong>Fließgewässer</strong>- und Auenentwicklung - Grundlagen<br />

und Erfahrungen – (Kapitel 3: Mensch und<br />

<strong>Fließgewässer</strong>) - Springer Verlag, Heidelberg: 523 S.<br />

Wikipedia, Die freie Enzyklopädie:<br />

• Artikel Flößerei<br />

(Bearbeitungsstand: 12. Oktober 2007)<br />

URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Fl%<br />

C3%B6%C3%9Ferei&oldid=37767814<br />

(Abgerufen: Oktober 2007)<br />

• Artikel Teich<br />

(Bearbeitungsstand: 26. Oktober 2007)<br />

URL: http://de.wikipedia.org/w/<br />

index.php?title=Teich&oldid=38279524<br />

(Abgerufen: Oktober 2007)<br />

• Artikel Treideln<br />

(Bearbeitungsstand: 17. Juli 2007)<br />

URL: http://de.wikipedia.org/w/<br />

index.php?title=Treideln&oldid=34486973<br />

(Abgerufen: Oktober 2007)<br />

• Artikel Wiesenbewässerung<br />

(Bearbeitungsstand: 24. April 2007) http://<br />

de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wiesenbew%C3<br />

%A4sserung&oldid=30912972<br />

(Abgerufen: 27. Oktober 2007)<br />

Fortbildungsgesellschaft 55


Arbeitsblätter<br />

Inhalt/Thema Arbeitsblatt<br />

Pflanzensteckbrief ............................................................. Nr. 1<br />

Baumsteckbrief ................................................................. Nr. 2<br />

Bachprotokoll .................................................................... Nr. 3<br />

Biologische Gewässergüte ................................................. Nr. 4<br />

Wer ist wer? ...................................................................... Nr. 5<br />

Tiere im Vergleich ............................................................. Nr. 6<br />

Warum kann die Forelle so schnell schwimmen? .................. Nr. 7<br />

Das Forellenquiz ................................................................. Nr. 8<br />

Wie kann man Gewässer und Natur schützen? ..................... Nr. 9<br />

Wir untersuchen: Fühlen sich Fische hier wohl? ................... Nr. 10<br />

Was macht der Mensch am <strong>Fließgewässer</strong>? ....................... Nr. 11<br />

Vorlage Naturfarben-Palette .............................................. Nr. 12<br />

Bauanleitung Wasserrad .................................................... Nr. 13<br />

Fortbildungsgesellschaft 57


Fortbildungsgesellschaft


Arbeitsblatt Nr. 1<br />

Pflanzensteckbrief<br />

Zeichne die Pflanze mit Blättern und Blüten möglichst genau:<br />

_____________________________________________________________________<br />

Wo hast du die Pflanze gefunden?<br />

am Ufer auf der Wiese<br />

in der Böschung woanders<br />

_____________________________________________________________________<br />

Wie viele Blütenblätter hat die Pflanze?<br />

_____________________________________________________________________<br />

Welche Farbe hat die Blüte?<br />

_____________________________________________________________________<br />

Zu welcher Pflanzenfamilie gehört sie?<br />

_____________________________________________________________________<br />

Name der Pflanze:<br />

Fortbildungsgesellschaft


Fortbildungsgesellschaft


Arbeitsblatt Nr. 2<br />

Baumsteckbrief<br />

Rubbelbild der Rinde:<br />

_____________________________________________________________________<br />

Wo steht der Baum?<br />

am Wasser auf der Wiese<br />

in der Böschung woanders<br />

_____________________________________________________________________<br />

Wie dick ist der Baumstamm?<br />

_____________________________________________________________________<br />

Klebe ein Blatt auf:<br />

_____________________________________________________________________<br />

Zeichne die Frucht des Baumes:<br />

_____________________________________________________________________<br />

Name des Baumes:<br />

Fortbildungsgesellschaft


Fortbildungsgesellschaft


Arbeitsblatt Nr. 3<br />

Bachprotokoll<br />

Name des Flusses/Baches:<br />

_____________________________________________________________________<br />

Aussehen des Wassers:<br />

klar leicht trüb sehr trüb<br />

_____________________________________________________________________<br />

Boden des Baches:<br />

große Steine Kies und Steine<br />

Sand Schlamm und weicher Boden<br />

_____________________________________________________________________<br />

Am Ufer gibt es:<br />

keine Pflanzen Gras und niedrige Pflanzen<br />

Sträucher Bäume (welche Baumarten kommen vor?):<br />

____________________________________<br />

_____________________________________________________________________<br />

Bachverlauf:<br />

geschlängelt mit Kurven begradigt<br />

_____________________________________________________________________<br />

Pufferzone: Hat der Bach einen durchgehenden, ungenutzten Uferstreifen?<br />

ja nein<br />

_____________________________________________________________________<br />

Müll:<br />

Müll im Bachbett Müll am Ufer kein Müll<br />

_____________________________________________________________________<br />

Veränderung am Ufer/Bach durch den Menschen:<br />

Beton oder Steinmauer Rohre<br />

Uferbefestigung mit Holz nichts<br />

_____________________________________________________________________<br />

Zusatzmessungen:<br />

Breite des Baches _______ m<br />

Tiefe des Baches _______ cm<br />

Wassertemperatur _______ °C<br />

_____________________________________________________________________<br />

Strömungsgeschwindigkeiten:<br />

Für 10 Meter braucht das Wasser ____________ Sekunden.<br />

Fortbildungsgesellschaft


Fortbildungsgesellschaft


Arbeitsblatt Nr. 4<br />

Biologische Gewässergüte<br />

Was für eine Qualität hat dieses <strong>Fließgewässer</strong>?<br />

Güteklasse 1-2<br />

sauber<br />

Güteklasse 2<br />

leicht<br />

verschmutzt<br />

Güteklasse 2-3<br />

mäßig bis<br />

stark<br />

verschmutzt<br />

Güteklasse 3-4<br />

stark bis<br />

übermäßig<br />

verschmutzt<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

Strudel-<br />

wurm<br />

Gemeiner<br />

Flohkrebs<br />

Zweiäugiger<br />

Plattegel<br />

Wasserassel<br />

Eintagsfliegen-<br />

larve<br />

Eintagsfliegen-<br />

larve<br />

Schlamm-<br />

schnecke<br />

Rollegel<br />

Steinfliegen-<br />

larve<br />

Wasser-<br />

geistchen<br />

Kugel-<br />

muschel<br />

Köcherfliegen-<br />

larve<br />

Flussmuschel<br />

Flussflohkrebs<br />

RattenZuckmückenschwanzlarvelarve Abbildungen der Organismen: Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.


Fortbildungsgesellschaft


Arbeitsblatt Nr. 5<br />

Wer ist wer?<br />

Ordne den Wassertieren die richtige Eigenschaft zu<br />

und verbinde sie mit einem Strich!<br />

_____________________________________________________________________<br />

An meinem Hinterleib<br />

habe ich drei fadenartige<br />

Schwanzanhänge<br />

Ich bin sehr schnell<br />

und schwimme immer<br />

auf der Seite liegend<br />

Ich bin sehr glitschig<br />

und halte mich mit zwei Saugnäpfen<br />

an Steinen fest<br />

Ich habe viele Beine<br />

und Verwandte, die an<br />

Land leben<br />

Mein Körper ist<br />

von einer<br />

Schale geschützt<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

FLoHKReBS<br />

FLUSSMUScHeL<br />

WASSeRASSeL<br />

EiNtAGSFliEGENlArVE<br />

eGeL<br />

Abbildungen der Organismen: Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.


Arbeitsblatt Nr. 5 • AUFlÖSUNG<br />

Wer ist wer?<br />

Ordne den Wassertieren die richtige Eigenschaft zu<br />

und verbinde sie mit einem Strich!<br />

_____________________________________________________________________<br />

An meinem Hinterleib<br />

habe ich drei fadenartige<br />

Schwanzanhänge<br />

Ich bin sehr schnell<br />

und schwimme immer<br />

auf der Seite liegend<br />

Ich bin sehr glitschig<br />

und halte mich mit zwei Saugnäpfen<br />

an Steinen fest<br />

Ich habe viele Beine<br />

und Verwandte, die an<br />

Land leben<br />

Mein Körper ist<br />

von einer<br />

Schale geschützt<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

FLoHKReBS<br />

FLUSSMUScHeL<br />

WASSeRASSeL<br />

EiNtAGSFliEGENlArVE<br />

eGeL<br />

Abbildungen der Organismen: Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.


Arbeitsblatt Nr. 6<br />

Tiere im Vergleich<br />

Trage die<br />

Namen der<br />

Tiere hier ein<br />

und zeichne<br />

diese:<br />

Was frisst<br />

das jeweilige<br />

Tier?<br />

Wo lebt das<br />

jeweilige<br />

Tier am Bach?<br />

Wie atmet<br />

das jeweilige<br />

Tier?<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

tiEr 1 tiEr 2


Fortbildungsgesellschaft


Arbeitsblatt Nr. 7<br />

Warum kann die Forelle so schnell schwimmen?<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

besitzen nur Fische, die zur<br />

Familie der Lachse gehören<br />

Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />

zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />

erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de


Arbeitsblatt Nr. 7 • AUFlÖSUNG<br />

Warum kann die Forelle so schnell schwimmen?<br />

Schuppen und Schleim<br />

Schutz<br />

rückenflosse<br />

Gleichgewicht<br />

Fettflosse<br />

Kiemen<br />

keine Funktion<br />

Atmung<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

besitzen nur Fische, die zur<br />

Familie der Lachse gehören<br />

2 Brustflossen<br />

Schwanzflosse<br />

Steuerung<br />

Antrieb<br />

2 Bauchflossen<br />

Afterflosse<br />

Steuerung<br />

Gleichgewicht<br />

Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />

zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />

erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de


Arbeitsblatt Nr. 8<br />

Das Forellenquiz<br />

Auf welchen Bildausschnitten ist die Forelle dargestellt?<br />

A F S<br />

I X<br />

_____________________________________________________________________<br />

eine Forelle legt<br />

B bis 5 Eier c bis 2500 Eier D bis 2 Millionen Eier<br />

_____________________________________________________________________<br />

Eine Fettflosse haben nur<br />

M<br />

P<br />

H<br />

Fische, die mit dem Karpfen verwandt sind.<br />

Hechte<br />

Fische, die zur Familie der Lachse und Forellen gehören.<br />

_____________________________________________________________________<br />

Die Bachforelle hat<br />

e<br />

L<br />

K<br />

rote Punkte und Streifen<br />

einen roten Streifen<br />

sehr große Schuppen<br />

_____________________________________________________________________<br />

Forellen brauchen<br />

W warmes Wasser R kaltes Wasser T Schlammgrund<br />

_____________________________________________________________________<br />

lösung: Der fängt nicht nur Fische.<br />

Er sorgt dafür, dass genügend im Wasser sind und schützt ihren Lebensraum.<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

G<br />

Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />

zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />

erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de


Arbeitsblatt Nr. 8 • AUFlÖSUNG<br />

Das Forellenquiz<br />

Auf welchen Bildausschnitten ist die Forelle dargestellt?<br />

A F S<br />

I X<br />

_____________________________________________________________________<br />

eine Forelle legt<br />

B bis 5 Eier c bis 2500 Eier D bis 2 Millionen Eier<br />

_____________________________________________________________________<br />

Eine Fettflosse haben nur<br />

M<br />

P<br />

H<br />

Fische, die mit dem Karpfen verwandt sind.<br />

Hechte<br />

Fische, die zur Familie der Lachse und Forellen gehören.<br />

_____________________________________________________________________<br />

Die Bachforelle hat<br />

e<br />

L<br />

K<br />

rote Punkte und Streifen<br />

einen roten Streifen<br />

sehr große Schuppen<br />

_____________________________________________________________________<br />

Forellen brauchen<br />

W warmes Wasser R kaltes Wasser T Schlammgrund<br />

_____________________________________________________________________<br />

F I S c H e R<br />

lösung: Der fängt nicht nur Fische.<br />

Er sorgt dafür, dass genügend im Wasser sind und schützt ihren Lebensraum.<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

G<br />

Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />

zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />

erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de


Arbeitsblatt Nr. 9<br />

Wie kann man Gewässer und Natur schützen?<br />

Auswahlantworten (Unterstreiche die richtigen Vorschläge):<br />

L Badeverbote beachten<br />

F Gräben verrohren<br />

e Fische in angemessener<br />

Weise für den menschlichen<br />

Verzehr fangen<br />

T geschützte Pflanzen<br />

ausgraben<br />

B Schutzzonen beachten<br />

e keine ungeklärten<br />

Abwässer einleiten<br />

M Moore trockenlegen<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

N Uferbereiche nicht unnötig<br />

oder grundlos niedertreten<br />

S schützenswerte<br />

Biotope erhalten<br />

I Meere nicht als<br />

Müllkippe verwenden<br />

W Autos an Bächen waschen<br />

c Wasserschutzgebiete<br />

schonen<br />

A Tiere mutwillig oder ohne<br />

vernünftigen Grund aus<br />

dem Wasser fangen<br />

H Rad- und Wanderwege<br />

nicht verlassen<br />

V Zelten im Schilfbereich<br />

e Lärm vermeiden<br />

D Düngen in<br />

Wasserschutzgebieten<br />

R Bachläufe nicht begradigen<br />

Z Altöl in Flüsse gießen<br />

K Tümpel zuschütten<br />

N Uferbereiche von<br />

Abfällen freihaltenen<br />

Malt die Kennbuchstaben der richtigen Vorschläge im Schaubild farbig an.<br />

lest im Uhrzeigersinn um den Kreis und ihr findet die richtige lösung.<br />

tragt die lösung ein! Wie heißt die Aufgabe für uns alle?<br />

Gewässer schützen, weil wir damit ...<br />

Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />

zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />

erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de


Arbeitsblatt Nr. 9 • AUFlÖSUNG<br />

Wie kann man Gewässer und Natur schützen?<br />

Auswahlantworten (Unterstreiche die richtigen Vorschläge):<br />

L Badeverbote beachten<br />

F Gräben verrohren<br />

e Fische in angemessener<br />

Weise für den menschlichen<br />

Verzehr fangen<br />

T geschützte Pflanzen<br />

ausgraben<br />

B Schutzzonen beachten<br />

e keine ungeklärten<br />

Abwässer einleiten<br />

M Moore trockenlegen<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

N Uferbereiche nicht unnötig<br />

oder grundlos niedertreten<br />

S schützenswerte<br />

Biotope erhalten<br />

I Meere nicht als<br />

Müllkippe verwenden<br />

W Autos an Bächen waschen<br />

c Wasserschutzgebiete<br />

schonen<br />

A Tiere mutwillig oder ohne<br />

vernünftigen Grund aus<br />

dem Wasser fangen<br />

H Rad- und Wanderwege<br />

nicht verlassen<br />

V Zelten im Schilfbereich<br />

e Lärm vermeiden<br />

D Düngen in<br />

Wasserschutzgebieten<br />

R Bachläufe nicht begradigen<br />

Z Altöl in Flüsse gießen<br />

K Tümpel zuschütten<br />

N Uferbereiche von<br />

Abfällen freihaltenen<br />

Malt die Kennbuchstaben der richtigen Vorschläge im Schaubild farbig an.<br />

lest im Uhrzeigersinn um den Kreis und ihr findet die richtige lösung.<br />

tragt die lösung ein! Wie heißt die Aufgabe für uns alle?<br />

Gewässer schützen, weil wir damit ...<br />

l E B E N S i C H ErN<br />

Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />

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erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de


Arbeitsblatt Nr. 10<br />

Wir untersuchen: Fühlen sich Fische hier wohl?<br />

Der lauf des Baches/Flusses ist<br />

natürlich – gewunden, er ist nicht durch<br />

den Menschen verändert<br />

naturnah – hat noch seinen natürlichen<br />

Lauf, aber es sind Baumaßnahmen<br />

(z.B: eine Uferbefestigung aus Steinen)<br />

zu erkennen<br />

naturfern – durch Baumaßnahmen<br />

(z.B. Begradigung) verändert<br />

An dieser Stelle des Baches/Flusses<br />

gibt es<br />

überhaupt keine Bauwerke<br />

im Bach-/Flussbett<br />

eine Solschwelle, eine Art Wehr aus Natursteinen,<br />

über die das Wasser laufen kann<br />

ein Wehr<br />

Die Strömung des Baches/Flusses<br />

ist abwechslungsreich (schnelle<br />

und langsame Bereiche, Rückläufe)<br />

zeigt an einigen Stellen Strömungsunterschiede<br />

ist eintönig (nur eine Fließgeschwindigkeit<br />

erkennbar)<br />

im Bach-/Flussbett<br />

befinden sich Vertiefungen,<br />

Engstellen oder Sand-/Kiesbänke<br />

liegen große Steine oder Bäume/Äste<br />

findet man hin und wieder tiefere Stellen<br />

herrscht nur eine einheitliche<br />

Gewässertiefe vor<br />

Auswertung:<br />

Du hast häufig Sätze angekreuzt:<br />

Es handelt sich um ein weitgehend natürliches Gewässer, in und<br />

an dem sich Fische noch wohl fühlen. Sie können sich verstecken<br />

und zu ihren Laichplätzen wandern.<br />

Du hast häufig Sätze angekreuzt:<br />

Der Zustand des Gewässers ist bereits bedenklich.<br />

Hier fühlen sich nicht mehr alle Fischarten wohl.<br />

Du hast häufig Sätze angekreuzt:<br />

Hier wird es für Fische und andere Tiere schwierig zu überleben.<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

Der Gewässergrund besteht<br />

aus Kies oder Sand<br />

an vielen Stellen aus Kies oder Sand<br />

aus Schlamm<br />

aus Kies, der von einer schmierigen<br />

Algenschicht überzogen ist<br />

Fische<br />

Du hast an mehreren Stellen Fische<br />

entdeckt. Kennst du Namen der hier<br />

lebenden Fische?<br />

In dem Gewässer leben schon Fische,<br />

sind aber schwer zu beobachten.<br />

In dem Gewässer gibt es keine<br />

oder nur sehr wenig Fische.<br />

Tiere und Spuren<br />

Du findest häufig Tiere und/oder<br />

Spuren von Tieren (Vögeln, Säugetieren,<br />

Insekten, Lurchen, usw.) Kennst du die<br />

Namen?<br />

Du entdeckst einige Tiere<br />

oder Spuren von Tieren.<br />

Tiere oder Spuren von ihnen<br />

sind nicht zu entdecken.<br />

Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />

zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />

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Fortbildungsgesellschaft


Arbeitsblatt Nr. 11<br />

Was macht der Mensch am <strong>Fließgewässer</strong>?<br />

Finde weitere Aktivitäten und zeichne sie in das Bild ein:<br />

Fortbildungsgesellschaft


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Arbeitsblatt Nr. 12<br />

Vorlage Naturfarben-Palette<br />

Direkt auf dickere Pappe kopieren oder aufkleben.<br />

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Arbeitsblatt Nr. 13<br />

Bauanleitung Wasserrad<br />

Benötigte <strong>Materialien</strong>:<br />

- Tischlerplatte o.ä. (wasserfest), ca. 12x12cm, Dicke ca. 30mm<br />

- Kantholz, 2x2cm, Länge ca. 25-30cm<br />

- Rundholz oder Kantholz, ca. 30-40mm dick, ca. 40-60cm lang<br />

- 2 Unterlagsscheiben, Innendurchmesser 12mm<br />

- 6 gleiche Kochlöffel<br />

Herstellung:<br />

Auf der Holzplatte einen Kreis mit 10cm Durchmesser<br />

und in diesen ein Sechseck (Kantenlänge=5cm) zeichnen.<br />

Genau in der Mitte des Kreises wird ein Quadrat<br />

mit 2x2cm ausgesägt. Danach das Sechseck<br />

aussägen und die sägerauhen Flächen<br />

abschleifen. In der Dicke des Kochlöffelstiels<br />

werden nun sechs ca 3cm tiefe Löcher in die<br />

Holzplatte gebohrt (siehe Zeichnung).<br />

Fortbildungsgesellschaft<br />

Vierkantloch<br />

20/20mm<br />

Kantenlänge 5cm<br />

Kochlöffel<br />

Aus dem Kantholz 2x2cm schnitzt und feilt man<br />

seitlich ca. 3,5cm lange Zapfen. Der Durchmesser<br />

sollte dem Loch der Unterlagsscheibe entsprechen.<br />

Die Zapfen sind möglichst gleichmäßig<br />

rund und glatt zu schleifen. Dann die<br />

Kochlöffel mit wsaserfestem Kleber in<br />

die Holzplatte leimen und diese mittels<br />

Welle 20/20mm<br />

kleiner Holzkeile auf der Welle befestigen. Unterlagsscheibe Runder Zapfen (Lager)<br />

In die je nach örtlicher Gegebenheit abgelängten<br />

Holzstützen einen Schlitz zur Aufnahme der<br />

Wellenzapfen sägen und feilen. Als Sicherung kann<br />

ein Zahnstocher o.ä. genommen werden.<br />

Zahnstocher<br />

hölzerne Radstütze


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