Materialien Fließgewässer - VFG
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Impressum<br />
Herausgeber & Koordination:<br />
WBW Fortbildungsgesellschaft<br />
für Gewässerentwicklung mbH<br />
Redaktion:<br />
Birgit Beermann, Ann Zirker<br />
(WBW Fortbildungsgesellschaft<br />
für Gewässerentwicklung mbH)<br />
Gestaltung/Herstellung:<br />
reesedesign, D-76131 Karlsruhe,<br />
www.reesedesign.de<br />
Druck:<br />
Ordner.de, 40237 Düsseldorf<br />
Bildnachweise:<br />
WBW Fortbildungsgesellschaft<br />
für Gewässerentwicklung mbH<br />
Auflage:<br />
1. Auflage, 2000 Stück<br />
Kontakt:<br />
WBW Fortbildungsgesellschaft<br />
für Gewässerentwicklung mbH<br />
Karlstraße 91, 76137 Karlsruhe<br />
Tel. 0721/82448920, Fax 0721/82448929<br />
info@wbw-fortbildung.de<br />
www.wbw-fortbildung.de
<strong>Materialien</strong> <strong>Fließgewässer</strong><br />
Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur
2<br />
Inhaltsverzeichnis<br />
Vorwort ............................................. 5<br />
1. Einführung .......................... 6<br />
Übersicht „Kompetenzen” ..................... 8<br />
Menschliches Leben ...................... 8<br />
Kulturphänomene und Umwelt ........ 8<br />
Naturphänomene und Technik ........ 8<br />
Hinweise zum Gebrauch ....................... 9<br />
2. Natur erleben<br />
mit allen Sinnen.................10<br />
Bezug zum Bildungsplan ......................12<br />
...innerhalb des Fächerverbundes „Mensch, Natur<br />
und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />
Einstimmung .....................................13<br />
Sehen ........................................13<br />
Fühlen/Riechen/Schmecken ..........15<br />
Hören ........................................16<br />
Tasten ........................................19<br />
Materialliste/Literatur ...................19<br />
3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong> .. 20<br />
Bezug zum Bildungsplan ..................... 22<br />
...innerhalb des Fächerverbundes „Mensch, Natur<br />
und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />
Ufer- und Wiesenpflanzen<br />
an <strong>Fließgewässer</strong>n ..............................24<br />
Einstimmung ...............................24<br />
Materialliste/Literatur .................. 25<br />
Gewässerstruktur und<br />
Bewertung der Strukturgüte ................26<br />
Einstimmung ...............................26<br />
Materialliste/Literatur ...................27<br />
Kleinlebewesen ................................. 28<br />
Einstimmung .............................. 28<br />
Materialliste/Literatur .................. 29<br />
Fische und Gewässerschutz ................ 30<br />
Einstimmung .............................. 30<br />
Gewässerbegehung ..................... 30<br />
Materialliste/Literatur .................. 30<br />
Untersuchung von Flusswasser .............31<br />
...und Sediment in Neckar und Rhein
4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong> ..32<br />
Bezug zum Bildungsplan ..................... 34<br />
...innerhalb des Fächerverbundes „ Mensch,<br />
Natur und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />
Einstimmung –<br />
Sensibilisierung für die Natur .............. 36<br />
Camera natura ........................... 36<br />
Landschaft verändern ................. 36<br />
Wer sucht der findet .................... 36<br />
Zeitlupenspaziergang ...................37<br />
Wasser-Phantasiereise ..................37<br />
Natur-Kunstwerk, Aufgabenstellung ..... 38<br />
Tast-Spiel zur Gruppenbildung ...... 38<br />
Blätterschlangen ........................ 38<br />
Steintürme ................................ 39<br />
Geschichten & Märchen<br />
als Inspirationsquelle .................. 39<br />
Wassertheater & Wassertänze ..............42<br />
Vernissage & Dokumentation<br />
der Kunstwerke ..................................43<br />
Materialliste/Literatur ...................43<br />
5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong><br />
durch den Menschen ....... 44<br />
Die Landschaftsentwicklung ................ 44<br />
...der <strong>Fließgewässer</strong> und Flusslandschaften<br />
unter dem Einfluss des Menschen<br />
Bezug zum Bildungsplan ..................... 46<br />
...innerhalb des Fächerverbundes „Mensch, Natur<br />
und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />
Durchführung ....................................47<br />
Materialliste/Literatur .................. 48<br />
Frühe Nutzungen ................................49<br />
Mühlkanäle, Mühlgräben ...............49<br />
Schifffahrt ..................................49<br />
Flößerei ..................................... 50<br />
Teiche ........................................51<br />
Wasserwiesen, Bewässerungsgräben . 52<br />
Flussbau, Hochwasserschutz ........ 53<br />
Kulturtechnik contra Natur? ......... 53<br />
Heutige Nutzungen ............................ 54<br />
Inanspruchnahme von<br />
gewässernahen Flächen ............... 54<br />
Abflussregulierung ...................... 54<br />
Gewässerausbau ........................ 54<br />
Literatur .....................................55<br />
Anhang: Arbeitsblätter ......... 56<br />
Arbeitsblätter zu Themen<br />
rund ums <strong>Fließgewässer</strong><br />
Fortbildungsgesellschaft 3
4<br />
3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong>
Vorwort<br />
Materialhefter zum Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur<br />
Im Schuljahr 2004/ 2005 wurde der Fächerverbund<br />
Mensch, Natur und Kultur an<br />
den Grundschulen Baden-Württembergs<br />
eingeführt. Damit wurden die Weichen für<br />
eine noch ganzheitlichere Vermittlung von<br />
Lerninhalten gestellt. Gerade für komplexe<br />
ökologische Themengebiete ergeben sich<br />
dort neue Chancen. Veränderungen im Lehrplan<br />
führen häufig zu Fragen, wie diese Neuerungen<br />
umgesetzt werden können. Dieser<br />
Materialhefter möchte eine Hilfestellung<br />
für einen erlebnisorientierten Unterricht an<br />
<strong>Fließgewässer</strong>n geben.<br />
Das vorliegende Material wurde im Rahmen<br />
des Projektes „Gewässerpädagogisches<br />
Programm im Rhein-Neckar-Kreis” zusammengestellt<br />
und erprobt. Das Projekt wurde<br />
in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt<br />
Rhein-Neckar-Kreis von der WBW Fortbildungsgesellschaft<br />
für Gewässerentwicklung<br />
mbH durchgeführt. Im Grundschulbereich<br />
lag der Schwerpunkt bei Schulveranstaltungen<br />
und Lehrerfortbildungen auf der<br />
Grundlage der vorliegenden <strong>Materialien</strong>.<br />
Für weiterführende Schulen wurden Projektwochen<br />
angeboten, bei denen die altersgerechte,<br />
praktische Umsetzung der<br />
Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im<br />
Vordergrund stand. Beispiele dafür sind<br />
die Aufwertung von Gewässerrandstreifen<br />
durch Bepflanzungen oder das Einbringen<br />
von Störsteinen in die Gewässersohle.<br />
Der Materialhefter richtet sich in erster<br />
Linie an Lehrerinnen und Lehrer der Grundschulen.<br />
Aber auch alle Naturinteressierten,<br />
die zusammen mit Kindern im Alter von<br />
sechs bis elf Jahren dem Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />
auf die Spur gehen möchten, wird<br />
er eine wertvolle Hilfe sein. Die Art der Heftung<br />
ermöglicht es, eigene <strong>Materialien</strong> hinzuzufügen<br />
und den Hefter damit stetig zu<br />
aktualisieren.<br />
Ich wünsche Ihnen, Ihren Klassen oder<br />
Kindergruppen lehrreiche und spannende<br />
Stunden an unseren heimatlichen Bächen<br />
und Flüssen!<br />
Tanja Gönner,<br />
Umweltministerin Baden-Württemberg<br />
Fortbildungsgesellschaft 5
1. Einführung<br />
Im Zuge der Bildungsplanreform 2004<br />
wurde an den Grundschulen des Landes<br />
Baden-Württemberg der Fächerverbund<br />
„Mensch, Natur und Kultur” (MeNuK)<br />
eingeführt. Nach Beendigung des Anfangsunterrichtes<br />
(AU) in Klasse 2, für die<br />
Klassen 3 und 4 ab Schuljahr 2005/ 2006,<br />
wird der Unterricht durch den neuen Fächerverbund<br />
• fächerübergreifend und integrativ<br />
• handlungsorientiert<br />
• auf die Lebenswelterfahrung der Kinder<br />
ausgerichtet. Mit der Einführung des Fächerverbundes<br />
MeNuK bekommt der<br />
Unterricht eine stärker naturwissenschaftlich-technische<br />
Ausrichtung. Die Neugierde<br />
auf Naturphänomene und technische<br />
Zusammenhänge soll geweckt werden. In<br />
Verbindung mit der Freude am künstlerischen<br />
Gestalten und dem aktiven Umgang<br />
mit Musik sollen musikalische und<br />
gestalterische Fähigkeiten erweitert werden.<br />
Das systematische Kennen- und Verstehen<br />
Lernen der kulturellen Wurzeln des<br />
Umfeldes ist Lernziel. MeNuK eröffnet damit<br />
Chancen für einen anwendungs- und<br />
problemorientierten, aktiv-entdeckenden<br />
und kreativen Unterricht. Teile davon eignen<br />
sich hervorragend für den außerschulischen<br />
Unterricht.<br />
Fortbildungsgesellschaft 7
8<br />
1. Einführung<br />
Übersicht „Kompetenzen”<br />
Im Fächerbund MeNuK werden bildungsrelevante<br />
Themen aus der Lebenswirklichkeit<br />
in neun Kompetenzfelder (KF)<br />
gegliedert, von denen jeweils drei den drei<br />
zentralen Bereichen „Menschliches Leben”,<br />
„Kulturphänomene und Umwelt” und „Naturphänomene<br />
und Technik” zugeordnet<br />
werden.<br />
Menschliches Leben<br />
KF 1 Wer bin ich – was kann ich:<br />
Kinder entwickeln und<br />
verändern sich,<br />
stellen sich dar<br />
KF 2 Ich – du - wir:<br />
Zusammen leben, miteinander<br />
gestalten, voneinander lernen<br />
KF 3 Kinder dieser Welt:<br />
Sich informieren,<br />
sich verständigen,<br />
sich verstehen<br />
Kulturphänomene<br />
und Umwelt<br />
KF 4 Raum und Zeit<br />
erleben und gestalten<br />
KF 5 Heimatliche Spuren<br />
suchen und entdecken<br />
KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />
Staunen, schützen, erhalten<br />
Naturphänomene<br />
und Technik<br />
KF 7 Natur macht neugierig:<br />
Forschen, experimentieren,<br />
dokumentieren<br />
KF 8 Erfinder/-innen, Künstler/<br />
-innen, Komponist/-innen<br />
entdecken, entwerfen und<br />
bauen, stellen dar<br />
KF 9 Energie, <strong>Materialien</strong>,<br />
(Verkehrs-)wege: Vergleichen<br />
und bewusst machen
Hinweise zum Gebrauch<br />
Für die verschiedenen Kompetenzfelder<br />
bietet das neue Material Umsetzungsbeispiele<br />
für den außerschulischen Unterricht<br />
am und rund um das Gewässer. Die Beispiele<br />
greifen verschiedene Themen auf, die<br />
immer mehrere Kompetenzfelder berühren.<br />
Der jeweilige Bezug zum Bildungsplan und<br />
den Kompetenzfeldern wird jeweils voran<br />
gestellt.<br />
Die Umsetzungsbeispiele setzten sich<br />
aus einzelnen Bausteinen (z. B. Wissensvermittlung,<br />
Aktionen, Spiele) zusammen,<br />
aus denen die Lehrer/-innen einen Schulvormittag<br />
gestalten können. Durch Kombination<br />
von mehreren Umsetzungsbeispielen<br />
lassen sich ganze Projekte gestalten. Zu den<br />
Umsetzungsbeispielen, sowie den einzelnen<br />
Aktionen und Spielanleitungen, werden<br />
ausführliche didaktische Hinweise zur Einsatzmöglichkeit<br />
gegeben. Fotos veranschau-<br />
Graf von Oberndorffschule Neckarhausen im Kandelbach, Ladenburg, 2005<br />
lichen und erleichtern die Durchführung.<br />
Weiterführende Literatur zu einzelnen Umsetzungsbeispielen<br />
ergänzt das Material.<br />
Sach- und Hintergrundinformationen<br />
zu den einzelnen Themenbereichen werden<br />
nicht gesondert aufgeführt. Entsprechendes<br />
Material steht, gut und anschaulich<br />
aufgearbeitet, in der Handreichung „Schulen<br />
für einen Lebendigen Neckar” des Nachbarschaftsverbandes<br />
Heidelberg-Mannheim<br />
zur Verfügung. Dieser Ordner liegt an allen<br />
Grundschulen von Heidelberg bis Mannheim<br />
vor. Ferner stehen von der WBW Fortbildungsgesellschaft<br />
für Gewässerentwicklung<br />
die Ausbildungsunterlagen für Gewässerführer/-innen<br />
über die Homepage www.<br />
wbw-fortbildung.de Gewässerpädagogik<br />
Gewässerführer zur Verfügung. Verweise<br />
zu passenden Sachinformationen werden im<br />
jeweiligen Kapitel gegeben.<br />
Fortbildungsgesellschaft 9
2. Natur erleben<br />
mit allen Sinnen<br />
Mit Aktionen, welche die Sinne Hören,<br />
Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken anregen,<br />
erleben und erfahren die Kinder den<br />
Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong> auf eine besondere<br />
Art.<br />
Sie können dabei grundlegende und positive<br />
Naturerfahrungen machen, die heutzutage<br />
leider nicht mehr alltäglich sind. Der<br />
Aufenthalt in der Natur wird von den Kindern<br />
dabei als persönliche Bereicherung erfahren.<br />
Das Material ist ebenso für eine längere Projektphase<br />
geeignet.<br />
Die einzelnen Aktionen unterstützen die<br />
Kinder, sich auf die neue Situation des „draußen<br />
Lernens” einzustimmen. Im Vordergrund<br />
steht die Schärfung der Sinne und die Sensibilisierung<br />
für die Natur am Lebensraum<br />
<strong>Fließgewässer</strong>.<br />
Fortbildungsgesellschaft 11
12<br />
2. Natur erleben mit allen Sinnen<br />
Bildungsplan<br />
Bezug zum Bildungsplan innerhalb des Fächerverbundes<br />
„Mensch, Natur und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />
Klasse 2<br />
KF 1 Wer bin ich – was kann ich:<br />
Kinder entwickeln und verändern<br />
sich, stellen sich dar<br />
Die Schüler/-innen können die<br />
Bedeutung und die Leistungen<br />
der Sinne erkennen und in ihrer<br />
Lebenswirklichkeit nutzen.<br />
KF 4 Raum und Zeit erleben<br />
und gestalten<br />
Die Schüler/-innen können ihnen<br />
bekannte Räume bewusst wahrnehmen,<br />
mit unterschiedlichen Sinnen<br />
erschließen und sich in ihnen<br />
orientieren.<br />
KF 5 Heimatliche Spuren<br />
suchen und entdecken<br />
Die Schüler/-innen lernen den Veranstaltungsort<br />
als Lebens-, Wohn-,<br />
Lern-, Sozial- und Spielraum für sich<br />
selbst kennen, erkunden ihn und<br />
setzen sich mit ihm aktiv auseinander.<br />
KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />
Staunen, schützen, erhalten<br />
Die Schüler/-innen<br />
• können erkennen, dass Menschen,<br />
Tiere und Pflanzen Lebewesen sind<br />
und ihr Konzept vom Lebendigen erweitern.<br />
• können ihre Kenntnisse von heimischen<br />
Lebewesen erweitern und festigen<br />
und daraus Wertschätzung<br />
entwickeln.<br />
• erweitern aus der genauen<br />
Naturbeobachtung und aus sinnlicher<br />
Erfahrung mit Tieren und<br />
Pflanzen ihre musikalischen<br />
und künstlerischen Wahrnehmungs-,<br />
Gestaltungs- und<br />
Ausdrucksfähigkeiten.<br />
KF 7 Natur macht neugierig:<br />
Forschen, experimentieren,<br />
dokumentieren<br />
Die Schüler/-innen können<br />
• über Naturphänomene staunen.<br />
• die Erscheinungen der belebten<br />
und unbelebten Natur gezielt<br />
wahrnehmen.<br />
• Fragen zu Naturphänomenen<br />
stellen.<br />
• einfache Experimente mit und<br />
ohne Anleitung durchführen,<br />
beobachten und dokumentieren.<br />
• Naturerfahrungen miteinander<br />
vergleichen und ordnen, Regelmäßigkeiten<br />
aufspüren.<br />
KF 8 Erfinder/-innen, Künstler/-innen,<br />
Komponist/-innen entdecken,<br />
entwerfen, und bauen,<br />
stellen dar<br />
Die Schüler/-innen kennen Beispiele<br />
fantastischer, skurriler Erfindungen<br />
und Kunstwerke.
Einstimmung<br />
Die Spiele und Aktivitäten greifen jeweils<br />
ein Sinnesorgan auf. Durch die Konzentration<br />
auf einen der Sinne wird die<br />
Wahrnehmung für Naturphänomene und<br />
das Bewusstsein für die eigenen Sinne gesteigert.<br />
Der Bezug zum angesprochenen<br />
Sinnesorgan (Bau, Funktion) sollte hergestellt<br />
werden. Dazu bietet sich vor Beginn<br />
oder nach Ende einer Aktivität oder eines<br />
Spieles eine kleine Abfrage zum angesprochenen<br />
Sinnesorgan an: Der Aufbau und die<br />
Funktion des Sinnesorgans und die Bedeutung<br />
für den Menschen (Form der Orientierung)<br />
sollen die Kinder mit Unterstützung<br />
des Lehrers/der Lehrerin erklären. Spielerische<br />
Beispiele, wie die Demonstration<br />
mit einer Trommel (Bezug: menschliches<br />
Trommelfell), der Einsatz einer Übung zum<br />
gezieltes Richtungshören (Lauschen mit abgespreizten<br />
Ohren) können den Kindern die<br />
Erklärung der Sinnesorgane erleichtern.<br />
Steinschlange am Neckar<br />
Sehen<br />
Uferparcours<br />
Dieses Spiel bietet sich zu Beginn eines<br />
Vormittages an. Die Kinder können dabei<br />
zunächst ausgiebig die neue Umgebung<br />
erkunden. Das erleichtert ihnen später die<br />
Orientierung im Gelände, Ängste und Unsicherheiten<br />
können abgebaut werden. Ein<br />
Uferparcours fördert die Konzentration und<br />
stillt die Neugierde auf einen unbekannten<br />
Ort. Außerdem wird dem Bewegungsdrang<br />
der Kinder Rechnung getragen, der am Anfang<br />
einer Veranstaltung besonders hoch ist.<br />
Es wird entlang des Ufers, in Abwesenheit<br />
der Klasse, ein Parcours von zehn kleinen<br />
Objekten aus Naturmaterialien errichtet.<br />
Die Schüler/-innen werden nacheinander auf<br />
den Weg geschickt und sollen diese Objekte<br />
aufspüren.<br />
Fortbildungsgesellschaft 13
14<br />
2. Natur erleben mit allen Sinnen<br />
Dabei ist es wichtig, dass sie den Parcours<br />
leise entlang gehen, ohne auf entdecktes<br />
zu zeigen oder es zu berühren. Sie sollen<br />
sich beim Abgehen der Strecke möglichst<br />
viele Objekte merken. Am Ende des Uferparcours<br />
teilt jedes Kind dem/der Lehrer/in<br />
seine Entdeckungen mit. Zum Abschluss<br />
geht die Klasse gemeinsam die Strecke noch<br />
einmal ab und tauscht Eindrücke aus. Der<br />
Parcours muss klar durch einen Start- und<br />
Endpunkt begrenzt sein. Hilfreich kann dabei<br />
auch ein Strick von ca. 20 m Länge sein.<br />
Verstecken – Entdecken<br />
Alternativ können zehn künstliche Gegenstände<br />
ausgelegt werden, wie z. B. eine<br />
Badeente aus Gummi, ein Löffel, ein bunter<br />
Badeschwamm, eine Spiegelkachel usw. Die<br />
Schüler/-innen zählen die entdeckten Dinge<br />
und teilen dem/der Lehrer/-in am Ende der<br />
Strecke ihre Ergebnisse mit.<br />
Zur Veranschaulichung gestalterischer<br />
Möglichkeiten mit Naturmaterialien und deren<br />
jeweiligen Eigenarten eignen sich Abbildungen<br />
von „LandArt”-Objekten. An Bildbeispielen<br />
kann man mit den Kindern gezielt ansprechen,<br />
worin die Besonderheiten dieser Kunstwerke<br />
bestehen und welche Beschaffenheit,<br />
Farbe und Form das jeweilige Material hat.<br />
Mein Stein – Dein Stein<br />
Spiegelgang im Auwald<br />
LandArt ist Landschaftskunst mit der Natur<br />
als Medium. Sie ist eine Form der Kunst, welche<br />
die Umwelt in den Schaffensprozess mit<br />
einbezieht. LandArt reicht vom reinen Beobachten<br />
von schönen Naturerscheinungen bis<br />
zu großflächigen Arrangements. Beim schottischen<br />
Künstler Andy Goldsworthy, der den<br />
Begriff LandArt zum ersten Mal verwendete,<br />
stehen die Reflektierung der Natur und die<br />
Hervorhebung Ihrer Schönheit und Vollkommenheit<br />
im Mittelpunkt seiner Arbeit.<br />
Spiegelgang<br />
Diese Aktion fordert von den Kindern<br />
erhöhte Konzentration und Wachsamkeit.<br />
Da es sich um eine Aktivität mit der ganzen<br />
Klasse handelt, ist eine gewisse Ruhe<br />
innerhalb der Gruppe Voraussetzung. Deshalb<br />
eignet sich dieses Spiel besser im Laufe<br />
einer Veranstaltung als zu Beginn. Der<br />
Spiegelgang ist nur dann interessant, wenn<br />
Bäume am Ufer wachsen.<br />
Die Kinder bilden eine Reihe (max.<br />
zehn pro Kleingruppe), wobei sie sich mit
der einen Hand auf der Schulter des Vorderen<br />
festhalten. Mit der anderen Hand wird<br />
eine Spiegelkachel so oberhalb der Nase<br />
gehalten, dass im Spiegel Äste und Kronen<br />
der Uferbäume zu sehen sind. Die Karawane<br />
wandelt für zehn Minuten am Ufer<br />
entlang, während die Kinder ihren Blick in<br />
die Spiegel richten. Angeführt wird sie von<br />
einer Person ohne Spiegel. Die Schüler/innen<br />
durchwandern optisch das spiegelverkehrte<br />
Bild über ihnen. Es kann dabei zu<br />
interessanten Verhaltensweisen kommen,<br />
z. B. dass Kinder über Baumäste „hinübersteigen”,<br />
die sich in Wirklichkeit über ihnen<br />
befinden. Anschließend tauscht die Klasse<br />
gemeinsam Erlebnisse und Empfindungen<br />
aus. Wichtig: Bei der Auswahl der Strecke<br />
sollten große Lücken in der Baumkronenschicht<br />
vermieden werden. Andernfalls<br />
kann unter freiem Himmel Angst aufkommen<br />
„ins Leere” zu stürzen.<br />
Fühlen/Riechen/Schmecken<br />
Die folgenden Aktionen und Spiele sind als<br />
Einstieg in die Thematik Riechen und Fühlen<br />
gut geeignet. Sie sind unkompliziert und<br />
fördern die detaillierte Wahrnehmung mit<br />
Händen und Nase wie auch die Umgebungswahrnehmung.<br />
Die Aspekte „dem Partner<br />
vertrauen lernen” und „verantwortungsvoll<br />
mit dem anderen umgehen” werden angesprochen.<br />
Ferner wird bei beiden Spielen<br />
die Kommunikation und Ausdrucksfähigkeit<br />
der Kinder gefördert. Die Spiele lassen sich<br />
praktisch jederzeit in den Vormittag einbauen.<br />
Die „Geheimniskrämerei” eignet sich besonders<br />
zur Auflockerung.<br />
Geheimniskrämerei<br />
Der Spielleiter hat zuvor Gegenstandspaare<br />
aus der Natur in einem undurchsichtigen<br />
Stoffbeutel gesammelt. Die Dinge<br />
sollten aus der unmittelbaren Umgebung<br />
stammen und vollständig von einer Kinderhand<br />
umschlossen werden können.<br />
Die Kinder bilden einen Kreis: Der Beutel<br />
wird reih um verdeckt (hinter dem Rücken<br />
der Kinder) herumgegeben. Jedes Kind<br />
nimmt sich einen Gegenstand aus dem Beutel<br />
heraus, den er nicht den anderen zeigt<br />
oder darüber spricht! Dann versuchen die<br />
Kinder ihren Gegenstand bei einem der Kinder<br />
zu finden. Dazu stellen sie sich Rücken<br />
an Rücken, tauschen ihren Gegenstand aus<br />
und ertasten ihn. Falls es sich nicht um den<br />
Gleichen handelt, wird zum nächsten Kind<br />
gewechselt. Wenn die Sachen übereinstimmen,<br />
dürfen die beiden Kinder an den Rand<br />
der Gruppe gehen. Wenn alle Kinder ihren<br />
Partner über den gleichen Gegenstand gefunden<br />
haben, gibt es einen kurzen Austausch.<br />
Es sollte besprochen werden, was<br />
es ist und woher die Dinge stammen (z. B.<br />
ein Erlenblatt kommt von einer Erle am<br />
Flussufer). Zur Einprägung des Naturobjekts<br />
und seiner Zuordnung zur Umgebung<br />
ist es sinnvoll, die Kinder ihren Gegenstand<br />
in der Umgebung suchen zu lassen.<br />
Anschließend kann man noch gezielte<br />
Hinweise zu den Pflanzen geben (z. B.<br />
Weidenrinde enthält den Wirkstoff, der in<br />
Kopfschmerztabletten ist: Salizylsäure, die<br />
Pflanze heißt lateinisch Salix!)<br />
Partner, die sich über das Spiel gefunden<br />
haben, suchen je zwei Gegenstände in<br />
der Umgebung, die sie dem Partner, der die<br />
Augen geschlossenen hat geben: Der Partner<br />
soll über Riechen und Tasten den Gegenstand<br />
beschreiben und versuchen zu<br />
erraten, was es sein könnte. Der/die Lehrer/-in<br />
sucht unter dessen nach besonderen<br />
Pflanzen (z. B. Knoblauchsrauke), die im Anschluss<br />
im Kreis zum Riechen herumgereicht<br />
wird. (Kinder sollen Geruch beschreiben:<br />
zwieblig, knoblauchartig.) Essbare Kräuter:<br />
Mädesüß (Blüten lassen sich als Tee zubereiten),<br />
Brunnenkresse (Salat) oder Holunderblüten.<br />
Aus Holunderblüten lassen sich<br />
schmackhafte (süße) Pfannkuchen zubereiten<br />
(Schulküche). Ursprung der Nutzung von<br />
Fortbildungsgesellschaft 15
16<br />
2. Natur erleben mit allen Sinnen<br />
einigen Kräutern, Geschichten und Rezepte<br />
dazu kann man gut in dem Buch „Lebenselixiere<br />
aus Deutschland” aus der Hobbythek-<br />
Reihe nachlesen.<br />
Mein Stein - Dein Stein<br />
Das folgende Spiel ist geeignet, wenn<br />
die Gruppe vorher ihren Bewegungsdrang<br />
gestillt hat, da eine erhöhte Konzentration<br />
und stilles Sitzen gefordert ist. Wiederum<br />
stehen die Steigerung der Wahrnehmungsfähigkeit<br />
(mit den Händen) und die unmittelbare<br />
Erfahrung im Mittelpunkt der Aktion.<br />
Jedes Kind sucht sich zunächst einen<br />
Stein am Ufer, der ihm besonders auffällt<br />
und gut gefällt. Es sollte von einer Kinderhand<br />
vollständig umschlossen werden können.<br />
Jedes Kind befühlt seinen Stein genau<br />
und intensiv, auch mit geschlossenen Augen.<br />
Die Steine werden eingesammelt. Die<br />
Kinder bilden einen Kreis. Die Kinder bekommen<br />
die Augen verbunden und jedes<br />
bekommt einen der Stein in die Hand gelegt.<br />
Nun geben die Kinder den Stein (sofern<br />
es nicht ihr eigener ist) reihum an den rechten<br />
Nachbarn weiter, dieser wiederum an<br />
seine rechten Nachbarn usw. Dabei versuchen<br />
die Kinder Ihren Kieselstein wieder zu<br />
finden. Kinder, die ihren Stein wieder in der<br />
Hand haben, dürfen die Augen öffnen und<br />
behalten ihren Stein. Ankommende Steine<br />
werden aber weiter gereicht.<br />
Geräusche-Landkarte<br />
Hören<br />
Die erste Übung eignet sich besonders als<br />
Einstimmungsübung für die Konzentration auf<br />
den Hörsinn und lässt sich an einem Vormittag<br />
auch mehrfach einsetzen. Sie benötigt<br />
keine besondere Vorbereitung und kommt mit<br />
einem minimalen Zeitaufwand aus.<br />
Geräusche raten<br />
Die Gruppe steht mit geschlossenen Augen<br />
eine Minute im Kreis und die Kinder achten<br />
auf Geräusche aus der Umgebung. Als Ort<br />
sollte eine Stelle ausgewählt werden, die vielfältige<br />
Naturgeräusche und vom Menschen<br />
verursachte Geräusche bietet. Ist dies nicht<br />
möglich, so kann man auch zwei verschiedene<br />
Orte auswählen, an denen je ein Kriterium<br />
zutrifft und das Spiel zweimal durchführen:<br />
Die Aufgabe der Kinder besteht darin,<br />
die Anzahl der Geräusche zu zählen, sich<br />
zu merken aus welcher Richtung sie kommen<br />
und zuzuordnen, wer oder was dieses<br />
Geräusch verursacht. Anschließend werden<br />
die Ergebnisse in der Gruppe verglichen:<br />
Welche Geräusche wurden wahrgenommen?<br />
Sind mehr Geräusche wahrgenommen<br />
worden als vorher mit offenen Augen?<br />
Warum? Welche Geräusche wurden als angenehm<br />
oder unangenehm empfunden?<br />
Welche Geräusche waren natürlichen Ursprungs<br />
und welche nicht? Falls zwei Orte<br />
ausgewählt wurden sollten die Ergebnisse<br />
miteinander verglichen werden.<br />
Geräusche-Landkarte<br />
Alternativ können die Kinder auch eine<br />
Landkarte der gehörten Geräusche zeichnen.<br />
Um diese zu erstellen wird Konzentration und<br />
Eigenständigkeit von den Kindern gefordert.<br />
Dafür sucht sich jedes Kind einen Platz in<br />
der näheren Umgebung (Hör- und Sichtweite<br />
zur Aufsichtsperson einhalten). Jedes Kind<br />
bekommt eine Blankopostkarte/ einen dün-
nen Pappbogen im Format DIN A 5 und einen<br />
Stift. In die Mitte zeichnet jeder ein Kreuz,<br />
das den eigenen Standort kennzeichnet.<br />
Die Aufgabe besteht darin, um den eigenen<br />
Standpunkt (Kreuz) herum die Geräusche<br />
der Umgebung aufzuzeichnen. Dabei steht<br />
es frei, ob jemand die Ergebnisse symbolisch<br />
darstellen mag, z. B. für eine Vogelstimme<br />
eine Note in die Landkarte einzeichnet oder<br />
lieber die Geräusche gegenständlich festhalten<br />
möchte und einen Vogel aufzeichnet.<br />
Die Aktion sollte erst dann beendet werden,<br />
wenn alle Kinder ihre Geräusche-Landkarte<br />
fertig gestellt haben. Die Karten werden<br />
anschließend nebeneinander gelegt und besprochen.<br />
Ente und Küken<br />
Dieses Spiel ist zur Auflockerung sehr<br />
gut geeignet. Zu Beginn bilden die Kinder<br />
Paare. Ein Kind ist die Entenmutter, das an-<br />
Wassermusik der besonderen Art<br />
dere Kind das Entenküken. Dem Küken werden<br />
die Augen verbunden. Mutter und Küken<br />
stehen dicht beieinander. Die Entenmutter<br />
läuft nun langsam am Ufer entlang und ruft<br />
mit einem Piepen ihr Küken. Durch ständiges<br />
Wiederholen des Geräusches kann das<br />
Küken blind der Mutter folgen. Nach einer<br />
Weile werden die Rollen getauscht.<br />
Wenn die Schule oder der/die Lehrer/in<br />
über Klangfrösche verfügt sollten sie den<br />
Kindern als Beispiel für das Richtungshören<br />
aus der belebten Natur vorgeführt werden.<br />
Diese Klangfrösche sind aus Holz hergestellt<br />
und haben einen gezackten Rücken. Streicht<br />
man mit einem Holzstab über diesen Rücken<br />
ertönt ein täuschend echtes „Gequake” eines<br />
Froschmännchens nach einem Weibchen.<br />
Wassermusik<br />
Für dieses Experiment zum Hören braucht<br />
man ein Flachufer mit ausreichender Länge<br />
Fortbildungsgesellschaft 17
18<br />
2. Natur erleben mit allen Sinnen<br />
von ca. 15 Metern. Das <strong>Fließgewässer</strong> sollte<br />
an dieser Stelle über eine gewisse (hörbare)<br />
Strömung verfügen. Bei dieser etwas<br />
aufwendigeren, aber lohneswerten Aktion ist<br />
vor allem die Kreativität der Kinder und das<br />
Arbeiten in der Gruppe gefordert.<br />
Die Kinder werden zunächst in Gruppen<br />
von 4-5 Kindern aufgeteilt. Je ein Materialsatz<br />
bestehend aus zwei langen Kunststoffstangen<br />
(1,80 m Länge, 2 cm im<br />
Durchmesser), einem Klebeband und einem<br />
Kunststofftrichter (Durchmesser 20<br />
cm) wird an die einzelnen Gruppen verteilt.<br />
Die Bauanleitung zu diesem Spiel können<br />
die Kinder, natürlich abhängig von der<br />
Klassenstruktur/Lernstand und der Selbstständigkeit<br />
auch selbst herausfinden! Als<br />
Hinweis wird der Bezug zum vorangegangenen<br />
„Hörspiel” hergestellt und die Aufgabe<br />
ausgegeben, dem Fluss zuzuhören.<br />
Anschließend lauschen die Kinder mithilfe<br />
der „Hörrohre” dem Fluss zu. Schnell<br />
kommen die Kinder auch auf die Idee Flussgeräusche<br />
zu provozieren, indem sie Steine<br />
in das Gewässer werfen, in die Rohre pusten<br />
oder die Trichter ins bewegte Sediment des<br />
<strong>Fließgewässer</strong>s lassen. Bei Letzterem kann<br />
man nämlich auch der Kraft des Wassers<br />
zuhören, durch die die Sedimente im Bachbett<br />
bewegt werden!<br />
Nach ca. 15 Minuten berichten alle<br />
Gruppen von Ihren Erfahrungen, ggf. veranschaulichen<br />
sie ihre Ergebnisse mit den<br />
„Hörrohren”. Ein mitgebrachter Kassetten-<br />
recorder lässt die Kinder länger und konzentrierten<br />
bei der Sache bleiben und erzeugt<br />
ein jederzeit abrufbares und vielseitig einsetzbares<br />
Tondokument der Aktion. Alternativ<br />
zu einer selbst aufgenommenen<br />
Kassette ist im Verlag an der Ruhr auch<br />
ein Wasser - Geräusche - Spiel erschienen.<br />
Auf einer CD sind verschiedenste Wassergeräusche<br />
zu hören, zu denen die Kinder<br />
die jeweils passende Geräuschkarte finden<br />
müssen.<br />
Regenmacher-Spiel<br />
Die Kinder sammeln für sich jeweils<br />
zwei Steine und setzten sich anschließend<br />
in einen großen Kreis. Der Spielleiter geht<br />
nun herum und tippt nach und nach alle<br />
Kinder mit der Hand einmal auf die Schulter.<br />
Jedes Kind, das angetippt wird, beginnt<br />
die Steine in einem Rhythmus, den das Kind<br />
selbst wählen kann, aneinander zu schlagen.<br />
Dadurch entsteht mit zunehmender<br />
Zahl von Kindern eine Art „Regen” der sich<br />
langsam zu einem richtigen „Regenschauer”<br />
steigert.<br />
Wenn alle Kinder angetippt wurden,<br />
geht der Spielleiter ein zweites Mal herum<br />
und tippt die Kinder wiederum an (zweimal<br />
auf die Schulter tippen). Daraufhin hören<br />
die Kinder auf, die Steine aneinander<br />
zu schlagen. Der Regenschauer hört langsam<br />
auf.
Tasten<br />
Blinde Karawane<br />
Das Spiel eignet sich in der Mitte oder<br />
am Ende eines Vormittages, wenn die<br />
Gruppe die Umgebung schon gut kennt<br />
und evtl. Berührungsängste mit der Natur<br />
schon abgebaut sind.<br />
Eine Gruppe von maximal zehn Kindern<br />
stellt sich mit verbundenen Augen in<br />
einer Reihe auf. Die Kinder legen dazu ihre<br />
Hände auf die Schulter des Kindes vor ihnen.<br />
Der/die Lehrer/-in führt die Karawane<br />
an und geht langsam durch abwechslungsreiches<br />
Gelände.<br />
Beim Anführen ist es wichtig, den Kontakt<br />
zur Gruppe durch regelmäßiges Umschauen<br />
zu halten und gegebenenfalls das<br />
Schritttempo zu verlangsamen. Bei warmen<br />
Temperaturen ist es für den Tastsinn<br />
besonders spannend die Karawane barfuß<br />
wandeln zu lassen.<br />
Bei der Auswahl der Strecke ist auf die<br />
Vielfalt des Untergrundes (Wiese: trockene,<br />
kurz gemähte Wiese, nasse hoch gewachsene<br />
Wiese, erdige Fläche, Kiesel, evtl.<br />
Flachufer mit Wasser) zu achten. Auch sollte<br />
es eine Abwechslung im Relief geben<br />
(berauf, bergab). Die Kinder sollten während<br />
des Ganges nicht sprechen. Am Anfang<br />
ist dieses für kleinere Kinder sehr schwierig,<br />
im Verlauf des Spieles wird das meist immer<br />
besser eingehalten. Die Karawane sollte<br />
mindestens 5 Minuten unterwegs sein.<br />
Die Erlebnisse werden ausgetauscht.<br />
Worüber ist man gegangen? Gab es angenehme<br />
oder auch unangenehme Gefühle?<br />
Welche Unterschiede im Gehen bestehen<br />
im Vergleich zu Gehen mit offenen Augen?<br />
(Reliefwahrnehmung, Geschwindigkeit,<br />
Zeitwahrnehmung). Die Kinder sollen<br />
Ihre Eindrücke schildern.<br />
Materialliste<br />
• Uferparcours:<br />
20 m lange Leine<br />
• Geheimniskrämerei:<br />
Stoffbeutel zum Sammeln von Naturmaterialien<br />
• Verstecken – Entdecken:<br />
10 Gegenstände zum Verstecken<br />
• Wassermusik:<br />
Lange Kunststoffstangen, Trichter, Klebeband<br />
• Generell hilfreich ist ein einfaches Pflanzen-<br />
und Tierbestimmungsbuch dabei zu haben<br />
Im Klassensatz:<br />
• Spiegelgang:<br />
Spiegelfliesen mit aufgeklebtem<br />
Hosenbundgummiband zum Festhalten<br />
• Geräusche-Landkarte:<br />
Blankopostkarten/<br />
dünne Pappbögen Format DIN A 5,<br />
Bleistifte, Radiergummis, Sitzmatten<br />
(z. B. zerschnittene Camping-Isoliermatte),<br />
• Ente und Küken, Blinde Karawane:<br />
Augenbinden oder Tücher<br />
Literatur<br />
Cornell, Josef (1991):<br />
Mit Kindern die Natur erleben,<br />
Verlag an der Ruhr, Mühlheim a. d. R.<br />
Cornell, Josef (1991):<br />
Mit Freude die Natur erleben,<br />
Verlag an der Ruhr, Mühlheim a. d. R.<br />
Goldsworthy (1991): Verlag Zweitausendeins<br />
Güthler, A. / Lacher, K. (2005):<br />
Naturwerkstatt Landart,<br />
AT Verlag, Baden und München<br />
Neumann, A. und Neumann, B. (2002):<br />
Wasserfühlungen, Ökotopia Verlag<br />
Pütz, Kirschner (2002):<br />
Lebenselixiere aus Deutschland:<br />
wilde Pflanzen / vgs Köln.<br />
Trommer, Gerhard (1991):<br />
Natur wahrnehmen mit der Rucksackschule<br />
Westermann-Verlag<br />
Wasser erleben und erfahren (1990):<br />
Das Element Wasser in der Grundschule,<br />
Verlag an der Ruhr, Mülheim a. d. R.<br />
Wasser-Geräusche-Spiel (1990):<br />
Rheinisch-Westfälische<br />
Wasserwerksgesellschaft / Verlag an der Ruhr<br />
Mülheim a. d. R.<br />
Fortbildungsgesellschaft 19
3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />
Ein Lebensraum und seine Bewertung<br />
Im ersten Teil der Veranstaltung erkunden<br />
die Schüler/-innen mit verschiedenen<br />
Aufgaben und Spielen das Ufer eines<br />
Baches oder Flusses und lernen die dort<br />
vorkommenden Pflanzen und deren Bezug<br />
zum Lebensraum kennen. Auch Sinnes-, Erfahrungs-<br />
und Bewegungsspiele, wie sie im<br />
Kapitel 1 beschrieben sind, lassen sich hier<br />
zur Wissensvermittlung und -vertiefung gut<br />
einsetzen.<br />
Im zweiten Teil wird der Zustand des<br />
<strong>Fließgewässer</strong>s unter einem Aspekt untersucht,<br />
der lange nicht in die Bewertung mit<br />
einbezogen wurde, die Gewässerstruktur.<br />
Sie sagt sehr viel über die natürliche, bzw.<br />
veränderte Beschaffenheit eines Baches<br />
oder Flusses aus. Sie kann, in vereinfachter<br />
Form, auch mit Grundschüler/-innen untersucht<br />
werden.<br />
Im dritten Teil lernen die Kinder die<br />
Kleinlebewesen im <strong>Fließgewässer</strong> und deren<br />
Anpassungen an den Lebensraum kennen.<br />
Auch den Fischen, Lebensweise und<br />
Ansprüche an das <strong>Fließgewässer</strong>, gilt dieser<br />
Abschnitt.<br />
Nach dem Erkunden der Pflanzen und<br />
Tiere, sowie der Strukturen des <strong>Fließgewässer</strong>s,<br />
schließt sich die Bewertung der Ergebnisse<br />
an (Arbeitsblätter).<br />
Damit wird ein Bezug zum Zustand<br />
des <strong>Fließgewässer</strong>s und der umgebenden<br />
Landschaft, bzw. den Veränderungen<br />
durch die menschliche Nutzung hergestellt.<br />
Eine isolierte Durchführung der einzelnen<br />
Bausteine aus Kapitel 2 ist aber auch möglich<br />
und für die Klassenstufe 2 wegen der einfacheren<br />
Aufgabenstellungen gut geeignet.<br />
Die Zuordnung zu Kompetenzfeldern<br />
des Fächerverbundes erfolgt aus Gründen<br />
der Vereinfachung und Übersichtlichkeit<br />
insgesamt für alle Einheiten aus den Kapiteln<br />
2 und 3.<br />
Diese Materialen sind insbesondere zur<br />
Umsetzung in den Kompetenzfeldern KF 6<br />
und KF 7 des Fächerverbundes für die Klassenstufen<br />
2, 3 und 4 gut geeignet.<br />
Fortbildungsgesellschaft 21
22<br />
3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />
Bildungsplan<br />
Bezug zum Bildungsplan innerhalb des Fächerverbundes<br />
„Mensch, Natur und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />
Klasse 2<br />
KF 4 Raum und Zeit erleben<br />
und gestalten<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
• ihnen bekannte Räume bewusst<br />
wahrnehmen, mit unterschiedlichen<br />
Sinnen erschließen und sich in ihnen<br />
orientieren.<br />
• Zeit in eigenen künstlerischen Formen<br />
darstellen.<br />
KF 5 Heimatliche Spuren suchen,<br />
entdecken und gestalten<br />
Die Schülerinnen und Schüler<br />
• lernen den Veranstaltungsort als<br />
Lebens-, Wohn-, Lern-, Sozial- und<br />
Spielraum für sie selbst kennen, erkunden<br />
ihn und setzen sich mit ihm<br />
aktiv auseinander.<br />
• nehmen Spuren aus Natur, Kunst<br />
und Kultur im Heimatraum wahr<br />
und entwickeln daraus eigene Vorstellungen<br />
von ihrem Lebensraum.<br />
• kennen Beispiele aus der Kunst- und<br />
Kulturgeschichte des Heimatraumes.<br />
KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />
Staunen, schützen, erhalten<br />
und darstellen<br />
Die Schülerinnen und Schüler<br />
• können erkennen, dass Menschen,<br />
Tiere und Pflanzen Lebewesen sind<br />
und ihr Konzept vom Lebendigen erweitern.<br />
• können Techniken der Naturbeobachtung<br />
und Kriterien der Unterscheidung<br />
von Pflanzen und Tieren<br />
anwenden.<br />
• können ihre Kenntnisse von heimischen<br />
Lebewesen erweitern und festigen<br />
und daraus Wertschätzung<br />
entwickeln.<br />
• können für Pflanzen und Tiere sorgen<br />
und praktisches Wissen über<br />
Pflege, Umgang und Nutzung erwerben.<br />
• erweitern aus der genauen Naturbeobachtung<br />
und aus sinnlicher Erfahrung<br />
mit Tieren und Pflanzen<br />
ihre musikalischen und künstlerischen<br />
Wahrnehmungs-, Gestaltungs-<br />
und Ausdrucksfähigkeiten.<br />
KF 7 Natur macht neugierig:<br />
Forschen, experimentieren,<br />
dokumentieren und gestalten<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
• über Naturphänomene staunen.<br />
• Beispiele für die Einzigartigkeit und<br />
den Wert von Natur nennen.<br />
• die Erscheinungen der belebten<br />
und unbelebten Natur gezielt wahrnehmen.<br />
• Fragen zu Naturphänomenen stellen.<br />
• einfache Experimente mit und ohne<br />
Anleitung durchführen, beobachten<br />
und dokumentieren.<br />
• Naturerfahrungen miteinander vergleichen<br />
und ordnen, Regelmäßigkeiten<br />
aufspüren.<br />
• Erfahrungen mit der Natur in eigene<br />
sprachliche, künstlerische und musikalische<br />
Gestaltungen einbeziehen.<br />
KF 8 Erfinder/-innen, Künstler/-innen,<br />
Komponist/-innen entdecken,<br />
entwerfen, und bauen, stellen dar<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
Collage, Montage und Zufallsverfahren<br />
als Prinzipien zum Entzünden<br />
fantastischer Ideen und Erfindungen<br />
nutzen.
Klasse 4<br />
KF 1 Wer bin ich – Was kann ich:<br />
Kinder entwickeln und verändern<br />
sich, stellen sich dar<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
aus praktischem musikalischem und<br />
künstlerischem Tun Freude und Zuversicht<br />
in die eigene Leistungsfähigkeit<br />
entwickeln.<br />
KF 4 Raum und Zeit erleben<br />
und gestalten<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
• Natur- und Kulturräume bewusst<br />
wahrnehmen, für sich erschließen<br />
und sich in ihnen orientieren.<br />
• sich in größeren Zeiträumen orientieren<br />
und Ereignisse und Erlebnisse<br />
zeitlich einordnen.<br />
• Erfahrungen von Zeit unterschiedlich<br />
darstellen.<br />
• erkennen, dass gegenwärtige Phänomene<br />
und Prozesse Bedeutung<br />
für die Lebenswirklichkeit der Zukunft<br />
haben.<br />
KF 5 Heimatliche Spuren suchen, entdecken,<br />
gestalten und verändern<br />
Die Schülerinnen und Schüler<br />
• lernen den Heimatraum kennen, erkunden<br />
ihn, gestalten ihn aktiv mit.<br />
• können die Veränderungen des Heimatraumes<br />
in Vergangenheit, Gegenwart<br />
und Zukunft erkennen und<br />
hierfür Verantwortungsbewusstsein<br />
entwickeln.<br />
• können kulturelle Spuren aus der<br />
Heimatgeschichte bewusst wahrnehmen<br />
und daraus eigene gestalterische<br />
Ausdrucksformen<br />
entwickeln.<br />
KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />
Staunen, schützen, erhalten<br />
und darstellen<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
• Techniken der Naturbeobachtung,<br />
der Orientierung in der Artenvielfalt,<br />
des Vergleichs an Kriterien<br />
und des Entwickelns von Ordnungssystemen<br />
anwenden.<br />
• an Beispielen aufzeigen, wie Menschen<br />
seit jeher Naturräume und<br />
Landschaften gestalten, nutzen<br />
und verändern.<br />
• die Bedeutung der Artenvielfalt an<br />
Beispielen aufzeigen.<br />
• aus der aufmerksamen Naturbeobachtung<br />
und sinnlichen Erfahrung<br />
ihre künstlerischen und musikalischen<br />
Gestaltungs- und Ausdrucksfähigkeiten<br />
weiterentwickeln.<br />
• ihre Verantwortung für die Bewahrung<br />
und Erhaltung der Natur und<br />
Umwelt erkennen.<br />
KF 7 Natur macht neugierig:<br />
Forschen, experimentieren,<br />
dokumentieren und gestalten<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
• Erscheinungen der belebten und<br />
unbelebten Natur und die Erfahrungen<br />
mit ihr gezielt wahrnehmen<br />
und dokumentieren.<br />
• Phänomene der belebten und unbelebten<br />
Natur beschreiben und<br />
begrifflich erfassen.<br />
• eigene Fragen stellen, dazu einfache<br />
Experimente planen, durchführen,<br />
diskutieren, auswerten und<br />
optimieren.<br />
• Erfahrungen miteinander vergleichen<br />
und ordnen, Regelmäßigkeiten<br />
aufspüren und in anderen<br />
Kontexten wieder erkennen.<br />
• technische und mediale Hilfsmittel<br />
zur selbstständigen Informationsbeschaffung<br />
über Naturphänomene<br />
verwenden.<br />
• Erfahrungen mit Natur präsentieren<br />
und in künstlerische und musikalische<br />
Gestaltungen einbeziehen.<br />
Fortbildungsgesellschaft 23
24<br />
3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />
Ufer- und Wiesenpflanzen an <strong>Fließgewässer</strong>n<br />
Einstimmung<br />
Zu Beginn steht zunächst die Erkundung<br />
der Umgebung und das Kennen Lernen der<br />
Pflanzen im Vordergrund. Bevor man zur<br />
Wissensvermittlung übergeht, wird mit den<br />
ersten beiden Aktivitäten die Neugierde der<br />
Kinder gestillt. Bei der ersten Aktion wird<br />
darüber hinaus auch die Kreativität und die<br />
künstlerische Gestaltungsfähigkeit der Kinder<br />
gefördert. Die Aktionen und Spiele können<br />
in der folgenden Reihenfolge an einem<br />
Schulvormittag durchgeführt werden.<br />
Sachinformationen zu Wiesenpflanzen<br />
und Tieren und deren Wechselbeziehung<br />
sind im Kapitel 4 („Neckarwiese”) des Ordners<br />
„Schulen für einen Lebendigen Neckar”<br />
zu finden. Ausführliche Sachinformationen<br />
zur Vegetation in der Aue sind in den Kapiteln<br />
2.2.1 und 2.4.9 der Gewässerführerausbildung<br />
nachlesbar (www.wbw-fortbildung.de<br />
Gewässerpädagogik Gewässerführer).<br />
Naturfarben-Palette<br />
Aus Pappe ausgeschnittene Paletten (s.<br />
Kopiervorlage auf Arbeitsblatt Nr. 12), wie sie<br />
Maler zum Mischen von Farben benutzen, wird<br />
mit doppelseitigem Klebeband beklebt und an<br />
die Gruppe verteilt. Die Aufgabe besteht darin,<br />
die unterschiedlichen „Farben” von Pflanzen<br />
der Uferwiese oder -saums zu sammeln.<br />
Dazu kleben die Kinder einzelne kleine Blüten,<br />
Halme usw. auf die selbst haftenden Streifen<br />
auf. Die Ergebnisse werden verglichen und auf<br />
Ihre Vielfalt untersucht. Die Paletten können<br />
später im Klassenzimmer für die Gestaltung<br />
eines Posters oder einer Collage verwendet<br />
werden (vgl. Collage: Jahresuhr, S. 25).<br />
Pflanzen-Puzzle<br />
Teile einzelner Pflanzen, z. B. Blüten<br />
oder Blätter, werden im Vorfeld von dem/der<br />
Naturfarben-Palette<br />
Lehrer/-in gesammelt und auf einem Tuch<br />
ausgebreitet. Die Kinder bekommen die<br />
Aufgabe sich jeweils eins dieser Teilstücke<br />
zu nehmen und die dazu gehörende ganze<br />
Pflanze am Ufer zu suchen und mitzubringen.<br />
Dabei sollte man vorher darauf hinweisen,<br />
dass die Kinder die Pflanze nicht mit der<br />
Wurzel ausreißen. Die Pflanzen werden auf<br />
ein großes weißes Tuch gelegt und anschließend<br />
in der Runde besprochen. Wer kennt<br />
einige der mitgebrachten Pflanzen und kann<br />
sie benennen? Sehen sich einige Pflanzen<br />
ähnlich? Wenn ja in welchen Merkmalen? In<br />
dieser Form kann, auch ohne spezielle Artkenntnis,<br />
der Bezug zum System der Pflanzenfamilien<br />
hergestellt werden.<br />
Weitere Hinweise zu den ausgewählten<br />
Pflanzen des Lebensraumes und deren Anpassung<br />
daran sollte die Lehrkraft geben,<br />
beispielsweise die Biegsamkeit von Weiden<br />
Ästen als Anpassung an die auf sie wirkenden<br />
Kräfte bei Überflutungen. Gut ist auch<br />
eine Stelle, an der das Wurzelwerk der<br />
Schwarzerle sichtbar ist. Die Symbiose mit<br />
einem Bakterium, zur Aufnahme von Luftstickstoff<br />
(Anpassung an Sauerstoffmangel<br />
bei permanenter Überflutung), lässt sich daran<br />
gut ableiten. Außerdem ist die Funktion<br />
der Wurzeln zur Befestigung für das Bachbett<br />
gut zu erkennen. Die Abfragerunde und<br />
Erläuterung zur Aktivität ist der Einstieg
für eine genauere Untersuchung der Pflanzen.<br />
Die Wissensvermittlung erfolgt in der<br />
nachfolgend beschriebenen Aktion über das<br />
selbstständige Arbeiten in Kleingruppen.<br />
Pflanzen-Steckbrief<br />
Um die Pflanzen und Pflanzenfamilien genauer<br />
kennen zu lernen, werden Gruppen von<br />
jeweils vier Kindern gebildet. Jede Kleingruppe<br />
sucht sich eine Pflanze, bzw. einen Baum<br />
am Ufer aus und fertigt, mit Hilfe eines Bestimmungsbuches<br />
/ einer Bestimmungshilfe,<br />
einen Steckbrief an (Arbeitsblatt Nr. 1 u. 2).<br />
Die Gruppen kommen nach ca. 15-20<br />
Minuten wieder zusammen. Jede Kleingruppe<br />
stellt in der Großgruppe ihre Pflanze vor:<br />
Blütenform- und Eigenschaften mit Bezug<br />
zur Pflanzenfamilie, Form der Blätter, Größe<br />
usw. Besonders interessant ist herauszufinden,<br />
ob die ausgesuchte Pflanze auch<br />
als Heilmittel genutzt werden kann. Für<br />
die Gestaltung einer Wiesencollage für das<br />
Klassenzimmer werden einige Pflanzen zwischen<br />
Zeitungspapier gelegt, um sie später<br />
zu pressen bzw. gleich in eine mobile<br />
Pflanzenpresse gelegt. Diese kann ganz einfach<br />
aus zwei Gittern selbst gebaut werden.<br />
Kann die Pflanze gleich vor Ort bestimmt<br />
werden, sollte man unbedingt einen Zettel<br />
mit dem Namen zu den Papierbögen, bzw.<br />
in die Presse legen.<br />
Pflanzen-Wettlauf<br />
Vorbereitung: Verschiedene Pflanzenarten,<br />
die von den Kindern gesammelt wurden,<br />
werden auf eine Unterlage gelegt. Insgesamt<br />
entstehen 4 solcher Stapel mit jeweils<br />
mehreren Exemplaren einer Art. Die Kinder<br />
werden in 4 (bis 5) Gruppen eingeteilt, die<br />
sich nebeneinander (entlang einer gedachten<br />
Linie) aufstellen. Nach dem Prinzip des<br />
Staffellaufes müssen die Kinder als Mannschaft<br />
auf Zuruf des Spielleiters eine bestimmte<br />
Pflanze aus dem Stapel holen. Nur<br />
die richtigen Ergebnisse werden mit einem<br />
Punkt für die Mannschaft belohnt. Die Mannschaft<br />
mit den meisten Punkten wird zu den<br />
„Pflanzenexperten des Tages” gekürt.<br />
Collage einer Jahresuhr<br />
Um die jahreszeitlichen Zyklen der Pflanzen<br />
zu vermitteln, kann man eine Wandcollage<br />
erstellen aus dem gesammelten Naturmaterial<br />
wie gepressten Pflanzen, Naturfarben-<br />
Paletten, Früchten und Samen, Fotos und<br />
Zeichnungen. Am einfachsten überträgt man<br />
je zwei Kindern die Aufgabe Material, Fotos<br />
etc. von einer Pflanze zu sammeln und in die<br />
Schule mitzubringen. Über den Verlauf eines<br />
Schuljahres erhält man so vielgestaltiges Material.<br />
Bei der gemeinsamen Gestaltung der<br />
Kollage für den Klassenraum wird die künstlerische<br />
Gestaltungsfähigkeit und Kreativität<br />
der Schüler/-innen erneut geschult.<br />
Materialliste<br />
• Einfache Pflanzenbestimmungsbücher:<br />
Bestimmungshilfen<br />
Im Klassensatz:<br />
• Arbeitsblatt „Vorlage Naturfarben-Palette”<br />
(Blatt Nr. 12), doppelseitiges Klebeband, Schere<br />
• Pflanzenpuzzle: Weißes Tuch<br />
• Arbeitsblätter „Pflanzensteckbrief” (Blatt Nr. 1),<br />
„Baumsteckbrief” (Blatt Nr. 2): Bleistifte, Radiergummis,<br />
Sitzmatten (z. B. zerschnittene Camping-Isoliermatte),<br />
Zeitungspapier, ggf. mobile Pflanzenpresse<br />
Literatur<br />
Hartz, Kurt (1988): Bäume und Sträucher,<br />
BLV Naturführer<br />
Neumann, A. und Neumann B. (2002):<br />
Wiesenfühlungen, Ökotopia Verlag<br />
Pütz, Kirschner (2002): Lebenselixiere<br />
aus Deutschland: Wilde Pflanzen / vgs Köln<br />
Schauer, Kaspari (1989): Was blüht denn da?<br />
Der große BLV Pflanzenführer<br />
Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim (2000):<br />
Schulen für einen lebendigen Neckar,<br />
<strong>Materialien</strong> für den Unterricht<br />
Fortbildungsgesellschaft 25
26<br />
3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />
Gewässerstruktur & Bewertung der Strukturgüte<br />
Die nachfolgenden Aktionen und Spiele<br />
eignen sich für eine altersgerechte Beurteilung<br />
der Gewässerstruktur. Hinter diesem<br />
etwas sperrigen Begriff verbirgt sich<br />
ein wichtiger Aspekt für die Beurteilung eines<br />
<strong>Fließgewässer</strong>s.<br />
Jahrzehntelang wurde diese Beurteilung<br />
anhand der chemischen und biologischen<br />
Gewässergüte (Arbeitsblatt Nr. 4)<br />
vorgenommen.<br />
In diesem Kapitel lernen die Schüler/innen<br />
von einem <strong>Fließgewässer</strong> darüber<br />
hinaus Verlauf, Beschaffenheit der Ufer,<br />
Gewässertiefe, Gewässersohle, Querbauwerke<br />
und Umgebung zu beschreiben und<br />
damit die Strukturgüte zu beurteilen (Arbeitsblatt<br />
Nr. 3).<br />
Einstimmung<br />
Um ein Gespür für dieses Thema zu bekommen,<br />
können die Schüler/-innen den<br />
Grad der Natürlichkeit, bzw. der Veränderung<br />
durch den Menschen anhand eines einfachen<br />
Schemas selbst bewerten.<br />
Als Einstieg für das Thema eignet sich<br />
folgende Aufgabe:<br />
Wir wollen heute den Bach nach seinen<br />
gut sichtbaren Strukturen beurteilen.<br />
Wie einen Menschen kann man auch ein<br />
<strong>Fließgewässer</strong> gesundheitlich untersuchen.<br />
Stellt Euch vor, Ihr seid beim Arzt. Welche<br />
Untersuchungen macht der Arzt zunächst<br />
wenn er Euch sieht? Antwort: „Er schaut<br />
sich äußere Merkmale an”.<br />
Genau das wollen wir heute mit dem<br />
Gewässer machen. Natürlich kann man<br />
dem Bach nicht den Puls fühlen, aber das<br />
Arbeitsblatt Nr. 3/Bachprotokoll macht die<br />
Untersuchung möglich.<br />
Bach-Protokoll<br />
Nach dem Einstieg wird besprochen,<br />
welche Kriterien für eine Untersuchung der<br />
Bachstrukturen wichtig sind. Dazu wird an je<br />
zwei Kinder ein Bachprotokoll (Arbeitsblatt<br />
Nr. 3) ausgeteilt. Die einzelnen Punkte werden<br />
schrittweise besprochen und erklärt.<br />
Am besten lässt man die einzelnen Punkte<br />
des Protokolls vorlesen und fragt anschließend,<br />
ob sie den Inhalt verstanden haben.<br />
Dann bekommt je eine Zweiergruppe<br />
die Aufgabe Strukturen des <strong>Fließgewässer</strong>s<br />
genau zu untersuchen und das Bachprotokoll<br />
auszufüllen. Man sollte unbedingt darauf<br />
achten, dass die Kinder sich den Verlauf<br />
des Gewässers gründlich anschauen und<br />
das Protokoll nicht nur bezogen auf eine<br />
Stelle des <strong>Fließgewässer</strong>s ausfüllen.<br />
Nach 20 Minuten werden die Ergebnisse<br />
der Flussforscherpaare besprochen und die<br />
Ergebnisse dargestellt. Eine grobe Einschätzung<br />
nach der jeweiligen Bedeutung der gefundenen<br />
Struktur für die „Gesundheit” des<br />
<strong>Fließgewässer</strong>s sollte sich anschließen. Sie<br />
stellt den Bezug zur Natürlichkeit bzw. Naturferne<br />
des Gewässers her, aus denen sich<br />
wiederum die ökologische Wertigkeit und<br />
mögliche Maßnahmen zur Verbesserung ableiten<br />
lassen.<br />
Ein ausführlicheres Vorgehen zum Thema<br />
bietet sich für die Klassenstufen 3 und<br />
4 an. Dabei wird eine Karte eines Bachabschnittes<br />
angefertigt.<br />
Gemeinsam läuft die Klasse zunächst<br />
einen möglichst vielseitig strukturierten<br />
Bachabschnitt ab. Währenddessen wird der<br />
Bachverlauf mit seinen besonderen Eigenschaften<br />
in einer kleinen Karte vom Exkursionsgebiet<br />
dargestellt. Die wesentlichen<br />
Strukturen sollten dort wieder zu finden
sein und zusätzlich auch schriftlich notiert<br />
werden (Kriterien vgl. Bachprotokoll):<br />
• Bachverlauf (gekrümmt/schnurgerade)<br />
• Stromschnelle, Fließgeschwindigkeiten<br />
• Begradigungen, Verlegungen,<br />
Verrohrungen des Gewässerverlaufes<br />
(nicht vorhanden/vorhanden)<br />
• Gewässerbett/-sohle (offen/befestigt)<br />
• Bewuchs am Ufer (durchgehend<br />
oder lückig/fehlt völlig)<br />
• Bachbett (unterschiedlich tief/einheitlich<br />
tief)<br />
• Uferstreifen (vorhanden/nicht vorhanden)<br />
• Uferbefestigungen (keine/Mauern,<br />
Gittersteine, Steinschüttung)<br />
• Querbauwerke (vorhanden/nicht vorhanden)<br />
Dieses langsame Abgehen eines Bachabschnittes<br />
verschafft den Kindern eine<br />
gute Übersicht über die verschiedenen<br />
Strukturen eines <strong>Fließgewässer</strong>s. Es schult<br />
die Fähigkeit sich im Gelände zu orientieren<br />
und fördert das genaue Hinschauen.<br />
Es kommt bei dieser Übung nicht auf ein<br />
druckreifes Ergebnis an, sondern den Arbeitsprozess<br />
als solchen.<br />
„Bach und Kanal”-Spiel<br />
Dieses Spiel dient der Wissensvertiefung<br />
durch Nachspielen und intensives<br />
Erleben.<br />
Ein Kind wird aus der Gruppe herausgenommen,<br />
so dass es die anderen nicht mehr<br />
sehen kann. Die anderen Kinder stellen sich<br />
paarweise gegenüber in einer Reihe auf und<br />
bilden so die beiden Bachufer. Sie bekommen<br />
verschiedene Aufgaben:<br />
a) Einen begradigten Bach (Kanal/Schifffahrtsstraße)<br />
darzustellen: Die Kinder<br />
bleiben einfach in einer geraden Doppelreihe<br />
gegenüber stehen.<br />
b) Einen natürlichen Bach nachzubilden:<br />
Kurvige Verlaufsform (die Doppelreihe<br />
bildet Schlangenlinien), Steine im Bach<br />
(einzelne Kinder stehen zwischen der<br />
Doppelreihe) und hereinragende Baumwurzeln<br />
(Arme und Füße ranken aus den<br />
Doppelreihen in das Bachbett).<br />
c) Den Bach nachzubilden, den sie untersucht<br />
haben. Anschließend sollte besprochen<br />
werden, wo dieser einzuordnen ist<br />
(begradigt/natürlich).<br />
Dem anfangs aus der Gruppe genommenen<br />
Kind werden die Augen verbunden.<br />
Es passiert nacheinander die drei verschiedenen<br />
Bäche und soll sich vorstellen es sei<br />
ein Wassertropfen auf der Reise.<br />
Zum Abschluss wird „der Wassertropfen”<br />
gefragt, welche Erfahrungen er in welchem<br />
Bach gemacht hat. Wie lange hat die Reise<br />
gedauert? Gab es Probleme beim Durchfließen<br />
eines Baches? Wie hat sich das Passieren<br />
des jeweiligen Baches angefühlt?<br />
Materialliste<br />
• Maßband (5m)<br />
• 1 Korken<br />
• Uhr mit Sekundenzeiger / Stoppuhr<br />
• Thermometer (wasserdicht)<br />
• 1 Augenbinde<br />
Im halben Klassensatz:<br />
• Arbeitsblatt „Bachprotokoll” (Blatt Nr. 3)<br />
• DIN A 4 Papier (blanko)<br />
• Bleistifte und Radierer<br />
• Feste Unterlagen (Karton, Brett)<br />
Literatur<br />
Ein Bach ist mehr als Wasser (1999): Hessisches<br />
Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten<br />
Mit Kindern Bach und Fluss erleben (2003): Akademie<br />
für Natur- und Umweltschutz, Baden-Württemberg<br />
Fortbildungsgesellschaft 27
28<br />
3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />
Kleinlebewesen<br />
Während dieser Einheit lernen die Kinder<br />
die Kleinlebewesen im <strong>Fließgewässer</strong> und deren<br />
jeweilige Anpassungen an den Lebensraum<br />
kennen. Sie erproben Fangtechniken,<br />
beobachten und bestimmen die gefangenen<br />
Tiere und lernen dabei einen verantwortungsvollen<br />
Umgang mit lebenden Tieren. Dieses<br />
Thema fasziniert Kinder, nach anfänglichen<br />
Berührungsängsten mit den unbekannten<br />
„Tierchen”, am meisten und fesselt sie sehr<br />
lange. Wenn möglich, sollte man deswegen<br />
ruhig zwei Vormittage evtl. an verschiedenen<br />
<strong>Fließgewässer</strong>n dafür einplanen. Das festigt<br />
das Wissen der Kinder über biologische Sachverhalte<br />
und Zusammenhänge.<br />
Sachinformationen zu Kleinlebewesen<br />
im <strong>Fließgewässer</strong> mit Bezug zur Wasserqualität<br />
sind im Kapitel 5 („Tiere am<br />
Fluss”) des Ordners „Schulen für einen Lebendigen<br />
Neckar” zu finden. Ausführliche<br />
Sachinformationen zur Fauna der <strong>Fließgewässer</strong><br />
und der Anpassungen der Tiere<br />
an den Lebensraum sind im Kapitel 2.4.9<br />
des Ausbildungsskriptes der Gewässerführer<br />
Baden-Württemberg nachlesbar (www.<br />
wbw-fortbildung.de Gewässerpädagogik<br />
Gewässerführer).<br />
Einstimmung<br />
Heute wollen wir erforschen, welche Tiere<br />
im Bach leben. Frage: Wie groß sind wohl<br />
diese Tiere? Denkt dabei nicht nur an Fische,<br />
sondern auch kleinere Wasserlebewesen.<br />
Wo halten sich diese Tiere im Bach auf?<br />
Wie könnte man sie am besten fangen?<br />
Fangen der Kleinlebewesen<br />
Zunächst werden die Kinder in Kleingruppen<br />
mit je 3-4 Kindern eingeteilt.<br />
Dann werden die <strong>Materialien</strong> verteilt. Jede<br />
Gruppe erhält Siebe, eine Schale zur Aufbewahrung<br />
der Tiere und einen Pinsel. Als<br />
erstes wird klares Wasser in die Schalen<br />
gefüllt, bevor zuviel Untergrund aufgewirbelt<br />
wird. Die Kinder sollen die verschiedenen<br />
Zonen des Gewässers absuchen wie<br />
Uferbereich (Pflanzen, Falllaub), Freiwasser,<br />
Gewässersohle und unter Steinen.<br />
Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass<br />
sich diese Lebewesen vor allem unter Steinen<br />
aufhalten. Ansonsten kann schnell<br />
Enttäuschung aufkommen bei erfolglosen<br />
Keschern im Freiwasser! Die gefundenen<br />
Kleinlebewesen werden mit dem Pinsel<br />
vorsichtig in die Wasserschale umgesetzt.<br />
Bei sandigem Untergrund füllt man die Siebe<br />
mit dem Bodenmaterial und spült dieses<br />
mit langsam kreisenden Bewegungen<br />
im fließenden Wasser durch. Zum Vorschein<br />
kommende Kleintiere werden mit<br />
dem Pinsel aufgenommen und in die Schale<br />
gelegt.<br />
Es sollte solange gekäschert werden,<br />
bis keine neuen Arten mehr gefunden werden,<br />
jedoch max. 20 Minuten. Bücher und<br />
Bestimmungsschlüssel helfen dabei, im<br />
Anschluss die Tiere zu bestimmen. Anhand<br />
von Bestimmungskarten, z. B. die Becherlupenkartei,<br />
können die Kinder selbst<br />
ihre Tiere vergleichen und zuordnen. Zusammen<br />
mit dem/der Lehrer/-in werden<br />
Lebensweise und Anpassung an den Lebensraum<br />
besprochen. Nach der Auswertung<br />
werden alle Tiere wieder vorsichtig im<br />
Bach ausgesetzt.<br />
Tiere im Bach<br />
Mit Hilfe des Arbeitsblattes Nr. 4 können<br />
die Schüler/-innen die häufigsten Kleintiere<br />
eines <strong>Fließgewässer</strong>s bestimmen. Die Tiere<br />
werden auf dem Arbeitsblatt angekreuzt<br />
und damit die Gewässergüte bestimmt.
Naseweis-Spiel<br />
Das Naseweis-Spiel ist ein Ratespiel,<br />
bei dem Gelerntes wiederholt und vertieft<br />
werden kann. Es eignet sich sehr<br />
gut als Abschluss einer Veranstaltung,<br />
bei der neue Lebewesen kennen gelernt<br />
wurden.<br />
Alle Kinder setzen sich in einen Kreis.<br />
Der/die Lehrer/-in formuliert verschiedene<br />
Aussagesätze über ein Tier. Sobald ein Kind<br />
meint das Tier herausgefunden zu haben,<br />
legt es den Zeigefinger an seine Nasenspitze.<br />
Wenn alle, bzw. die meisten Kinder,<br />
glauben die Antwort zu kennen, fragt der/<br />
die Lehrer/-in nach dem Namen des Tieres.<br />
Gemeinsam im Chor ruft die Klasse laut die<br />
Antwort in die Runde. Beispiele:<br />
Flohkrebs:<br />
Ich habe sehr viele Beine/ Mein Körper<br />
ist von einem Panzer bedeckt/ Meine Verwandten<br />
leben im Meer und haben Kneifzangen/<br />
Ich bin ein …!<br />
Egel:<br />
Ich kann meinen Körper ganz doll ausstrecken/<br />
mal bin ich dünn, mal dick/ Ich<br />
habe zwei Saugnäpfe, um mich festzuhalten/<br />
Viele denken ich und meinen Verwandten<br />
ernähren uns alle von Blut, das stimmt<br />
aber nicht!/ Ich bin ein …!<br />
Libelle:<br />
Ich habe vier Flügel/ Meine Hinterleib<br />
ist lang und dünn/ Manche Menschen sagen<br />
ich kann stechen, das stimmt aber nicht!/<br />
Ich kann sehr schnell fliegen und in der Luft<br />
die Richtung wechseln/ Ich werde manchmal<br />
als „Edelstein der Lüfte” bezeichnet/<br />
Ich bin eine … !<br />
Materialliste<br />
Pro Kleingruppe<br />
• 2-3 Küchensiebe<br />
• 1 Plastikschale<br />
• 1 Haarpinsel<br />
• Ggf. Becherlupen im Klassensatz<br />
• Bestimmungsliteratur<br />
• Arbeitsblätter „Gewässergüte” (Blatt Nr. 4), „Wer ist<br />
wer” (Blatt Nr. 5), „Tiere im Vergleich” (Blatt Nr. 6)<br />
Literatur<br />
Dittmann, Köster: Die Becherlupenkartei:<br />
Tiere in Tümpeln, Seen und Bächen,<br />
Verlag an der Ruhr<br />
Schwab, H. (1995): Süßwassertiere –<br />
Klett Verlag, 320 S.<br />
Schwoerbel, J. (1999): Einführung in die Limnologie<br />
– Gustav Fischer Verlag, 8. Auflage, 465 S.<br />
Xylander, W. & Naglschmid, Dr. F. (1985):<br />
Gewässerbeobachtung Gewässerschutz;<br />
Verlag Naglschmid, Stuttgart.<br />
Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim (2000):<br />
Schulen für einen lebendigen Neckar,<br />
<strong>Materialien</strong> für den Unterricht<br />
Fortbildungsgesellschaft 29
30<br />
3. Lebensraum <strong>Fließgewässer</strong><br />
Fische und Gewässerschutz<br />
Einstimmung<br />
„Sich wohl fühlen wie ein Fisch im Wasser”<br />
– für die Fische selbst gilt diese Redensart<br />
vielfach nicht mehr. Unsere Bäche, Flüsse<br />
und Seen wurden durch Gewässerausbau,<br />
Abwassereinleitungen und andere Eingriffe<br />
so stark verändert, dass viele Fischarten keine<br />
ausreichenden Lebensbedingungen finden<br />
und ihre Vorkommen gefährdet, einige<br />
Arten sogar ausgestorben sind. Inzwischen<br />
greifen aber auch Maßnahmen, mit denen<br />
dieser Entwicklung entgegengesteuert wird<br />
– der Lachs beispielsweise ist in viele Gewässer<br />
zurückgekehrt. Fische stellen einerseits<br />
eine Tiergruppe dar, die dem Menschen<br />
seit Alters her vertraut ist. Auf der anderen<br />
Seite jedoch entziehen sich Fische aufgrund<br />
ihres unzugänglichen Lebensraumes in der<br />
Regel einer direkten Beobachtung. Gleiches<br />
gilt für Flusskrebse. Das Begreifen der Zusammenhänge<br />
sowie der Anpassungsstrategien<br />
dieser Wassertiere fällt den Kindern<br />
leichter, wenn sie selbst die Möglichkeit haben,<br />
ein Gewässer zu erleben.<br />
Neben dem Naturerlebnis steht auch die<br />
Bewusstseinsentwicklung für ökologische Zusammenhänge<br />
im Vordergrund. Die Kinder<br />
sollen in Kleingruppen selbst Inhalte erarbeiten:<br />
Was für Fische leben in unseren Bächen,<br />
Flüssen und Seen? Welche Probleme finden<br />
wir im Fischlebensraum? Somit wird auch das<br />
Thema Gewässerschutz vermittelt.<br />
Gewässerbegehung<br />
Nähere Kenntnisse über die Verbreitung,<br />
Lebensräume und Häufigkeiten unserer heimischen<br />
Fischarten lassen sich sehr gut im<br />
Rahmen einer Gewässerführung durch örtliche<br />
Fischereivereine gewinnen. Auch gibt<br />
es an manchen Gewässern Fischlehrpfade<br />
mit illustrierten Infotafeln. Fragen Sie den<br />
Fischer vorab, welche Tiere und Pflanzen er<br />
Ihnen voraussichtlich zeigen wird. So kann<br />
der Unterricht darauf abgestimmt werden<br />
und Schwerpunkte gesetzt werden.<br />
Arbeitsblätter können während einer<br />
Führung bearbeitet werden (Schreibunterlage).<br />
Sie sind jedoch nur dann sinnvoll, wenn<br />
entsprechend anschaulich auf diese Fischarten<br />
eingegangen werden kann, z. B. im Rahmen<br />
einer Begehung eines Fischlehrpfades<br />
oder dem ergänzenden Besuch eines Großaquariums.<br />
Fischsteckbriefe eignen sich zur<br />
Vor- oder Nachbereitung in der Schule. Hier<br />
wird man die Fischart nach dem Schwerpunkt<br />
der Führung, örtlichen Gegebenheiten oder<br />
auch nach den Wünschen der Schüler/-innen<br />
wählen. Zur Vorbereitung des Unterrichtsganges<br />
schreiben die Kinder ihre Fragen auf.<br />
Am Gewässer notieren sie dann die Antworten.<br />
An freien Gewässern ist es häufig sehr<br />
schwer, Fische zu beobachten. Idealerweise<br />
sind zusätzlich Fische im Aquarium oder Präparate<br />
verfügbar.<br />
Verband für Fischerei- und Gewässerschutz in<br />
Baden-Württemberg e.V. (www.vfg-bw.org)<br />
Materialliste<br />
• Arbeitsblätter: „Warum kann die Forelle so schnell<br />
schwimmen?” (Blatt Nr. 7), „Das Forellenquiz”<br />
(Blatt Nr. 8), „Wie kann man Gewässer und Natur<br />
schützen?” (Blatt Nr. 9), „Wir untersuchen: Fühlen<br />
sich Fische hier wohl?” (Blatt Nr. 10)<br />
• Bestimmungsliteratur<br />
• Entsprechende Kleidung<br />
Bevor man mit Kindern ans Wasser geht, sollte man<br />
selbst die Strecke abgehen und eventuelle<br />
Gefahrenstellen meiden.<br />
Literatur<br />
Aal bis Zander – Fischkartenset, 51 Arten,<br />
ISBN 3-937371-04-4<br />
Fische in Baden-Württemberg, 176 S.<br />
Gewässergüte bestimmen und beurteilen, 209 S.,<br />
ISBN 3-937371-00-1<br />
Angeln für Einsteiger – Video-DVD, 60 Min.,<br />
ISBN 3-937371-05-2<br />
Fischbildtafeln: Postersatz (enthält 2 Poster) mit<br />
56 heimischen Fischarten im Format 69 x 98 cm.<br />
Fische in Bächen und Flüssen, 60 S.,<br />
ISBN 978-3-937579-6
Untersuchung von Flusswasser<br />
und Sediment in Neckar und Rhein<br />
Das Messschiff der Landesanstalt<br />
für Umwelt, Messungen und Naturschutz<br />
(LUBW) MS „Max Honsell” befährt regelmäßig<br />
Rhein und Neckar. Seine Aufgabe ist<br />
die gewässerkundliche Untersuchung und<br />
Kontrolle von Neckar und Rhein. Auf seinen<br />
Einsatzfahrten an rund 100 Tagen im Jahr<br />
werden die Beschaffenheit des Flusswassers<br />
und der Sedimente kontrolliert.<br />
Zum Thema Gewässergüte und Gewässeruntersuchung<br />
ist ein Besuch von Schulklassen<br />
auf dem Schiff bei rechtzeitiger<br />
Anfrage und nach Abstimmung möglich.<br />
Während des ca. einstündigen Besuches<br />
bekommen die Kinder einen Einblick in die<br />
Aufgaben des Messschiffes und die einmalige<br />
Gelegenheit, den Fachleuten bei Ihrer<br />
Arbeit über die Schulter zu schauen.<br />
Nach einer kurzen Einführung zu den<br />
Aufgaben und der Ausstattung des Schiffes<br />
werden wichtige Untersuchungsparameter,<br />
Geräte und Methoden zu Untersuchung vorgestellt.<br />
Anschließend werden einige dieser<br />
Parameter ermittelt, z. B. Wassertrübung,<br />
Temperatur, Sauerstoffgehalt und pH-Wert.<br />
Je nach Einsatzort wird ein Tiefenprofil erstellt<br />
und eine Netz-Plankton-Untersuchung<br />
zur Beprobung von Zooplankton durchgeführt.<br />
Wann immer es möglich ist, können<br />
die Schüler/-innen die Untersuchungen<br />
selbst durchführen.<br />
Vor einer Veranstaltung mit einer<br />
Schulklasse, sollte sich interessierte Lehrer-/innen<br />
über die „Max Honsell” und deren<br />
Aufgagen informieren und mit ihren<br />
Schüler/-innen eine Vorbesprechung zum<br />
Besuch machen. Informationsmaterialen<br />
können über die Landesanstalt in Karlruhe<br />
bezogen werden.<br />
Landesanstalt für Umwelt,<br />
Messungen und Naturschutz<br />
Baden-Württemberg (LUBW)<br />
Griesbachstr. 1, 76185 Karlsruhe<br />
Tel.: 0721/56000 - 1584<br />
www.lubw.baden-wuerttemberg.de<br />
( Wasser <strong>Fließgewässer</strong><br />
<strong>Fließgewässer</strong> Lebensadern der Landschaft<br />
Gewässerüberwachung<br />
MessSchiff MaxHonsell)<br />
Forschungsschiff<br />
Max Honsell<br />
Fortbildungsgesellschaft 31
4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />
Ziel eines Landartprojektes „Kunst am<br />
<strong>Fließgewässer</strong>” ist es, Kinder für die Natur<br />
zu begeistern und sie für einen bewussten<br />
Umgang mit ihr zu sensibilisieren. Zusätzlich<br />
werden Kreativität und soziale Kompetenz<br />
gefördert.<br />
Eine persönliche Beziehung zur Natur<br />
ist die Grundlage, auf der umweltbewusstes<br />
Handeln wachsen kann. Landart ist eine<br />
schöne Möglichkeit, Kindern intensive Naturerlebnisse<br />
zu ermöglichen. Letztendlich<br />
soll über die Sensibilisierung für die Natur<br />
das Bewusstsein für ökologisches, nachhaltiges<br />
Verhalten gestärkt werden.<br />
Die Anziehung die Wasser auf Kinder<br />
ausübt, ist die Grundlage für das Gelingen<br />
der Aktion. Sie lieben es, Staudämme zu<br />
bauen, Steine auf dem Wasser hüpfen zu<br />
lassen und bei entsprechendem Wetter im<br />
Wasser zu plantschen. Am Ufer eines Gewässers<br />
finden sich sehr unterschiedliche<br />
<strong>Materialien</strong>, die sich gut für den Bau von<br />
Kunstwerken eignen.<br />
Landartkünstler/-innen gestalten ihre<br />
Kunstwerke ausschließlich aus Naturmaterialien,<br />
meist lediglich mit ihren bloßen<br />
Händen und belassen die Werke am<br />
Ort ihrer Entstehung. Sie vergehen wieder<br />
in einem natürlichen Prozess, der je<br />
nach Material und Standor t einige<br />
Stunden, Tage oder auch Monate dauern<br />
kann.<br />
Fortbildungsgesellschaft 33
34<br />
4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />
Durch den schottischen Landartkünstler<br />
Andy Goldsworthy angeregt, entsteht seit<br />
einigen Jahren eine neue Verbindung zwischen<br />
Kunst und Natur, die auch Kindern<br />
einen neuen Zugang zur Natur ermöglicht.<br />
Landart ist eine bunte und erlebnisreiche<br />
Kunst. Eine Mischung von Natur erfahren<br />
und erkunden, Abenteuerspiel und dort kreativ<br />
schaffen, wo einem ein frischer Wind<br />
um die Nase weht.<br />
Bildungsplan<br />
Bezug zum Bildungsplan innerhalb des Fächerverbundes<br />
„Mensch, Natur und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />
Klasse 2<br />
KF 1 Wer bin ich – was kann ich:<br />
Kinder entwickeln und verändern<br />
sich, stellen sich dar<br />
Die Schülerinnen und Schüler<br />
• finden unterschiedliche Ausdrucksformen<br />
für ihre Persönlichkeit, ihre<br />
Gedanken, Gefühle und Selbstwahrnehmungen.<br />
• können die Bedeutung und die<br />
Leistungen der Sinne erkennen und<br />
in ihrer Lebenswirklichkeit nutzen.<br />
KF 2 Ich – du – wir:<br />
Zusammen Leben, Miteinander<br />
gestalten, Voneinander Lernen<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
• miteinander, für andere und sich<br />
singen und musizieren, darstellen<br />
und gestalten.<br />
• erkennen, dass eigene Fähigkeiten<br />
und Fertigkeiten in der Gruppe<br />
wirksam werden.<br />
• gestalterische Fähigkeiten zum<br />
Ausdruck von sich und anderen<br />
nutzen.<br />
KF 5 Heimatliche Spuren<br />
suchen und entdecken<br />
Die Schülerinnen und Schüler<br />
• nehmen Spuren aus Natur, Kunst<br />
und Kultur im Heimatraum wahr<br />
und entwickeln daraus eigene Vorstellungen<br />
von ihrem Lebensraum.<br />
• finden einen sprachlichen, körperlichen,<br />
musikalischen, darstellenden<br />
Ausdruck für ihr Heimatgefühl.<br />
KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />
Staunen, schützen, erhalten<br />
Die Schülerinnen und Schüler erweitern<br />
aus der genauen Naturbeobachtung<br />
und aus sinnlicher Erfahrung<br />
mit Tieren und Pflanzen ihre musikalischen<br />
und künstlerischen Wahrnehmungs-,<br />
Gestaltungs- und<br />
Ausdrucksfähigkeiten.<br />
KF 7 Natur macht neugierig: Forschen,<br />
experimentieren, dokumentieren<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
Erfahrungen mit der Natur in eigene<br />
sprachliche, künstlerische und musikalische<br />
Gestaltungen einbeziehen.
Klasse 4<br />
„...Bewegung, Wandel, Licht, Wachstum und Zerfall sind das<br />
Herzblut der Natur, die Energien, die ich durch meine Arbeit versuche<br />
zu erschließen. Die Erregung bei einer Berührung, der Widerstand,<br />
den ein Ort, die <strong>Materialien</strong> und das Wetter leisten, die Erde<br />
sind Quellen meiner Arbeit. Wenn ich mit Blättern, Steinen oder<br />
Stöcken arbeite, beschäftige ich mich mit ihnen nicht nur in ihrer Eigenschaft<br />
als Material; sie ermöglichen mir zugleich einen Zugang<br />
zu dem Leben, das in ihnen ruht und sie umgibt.”<br />
KF 1 Wer bin ich – was kann ich:<br />
Kinder entwickeln und verändern<br />
sich, stellen sich dar<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
aus praktischem musikalischen und<br />
künstlerischen Tun Freude und Zuversicht<br />
in die eigene Leistungsfähigkeit<br />
entwickeln.<br />
KF 2 Ich – du – wir:<br />
Zusammen Leben, Miteinander<br />
gestalten, Voneinander Lernen<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
• miteinander und für sich und andere<br />
singen und musizieren, darstellen<br />
und gestalten.<br />
· • ihre entwickelten Fähigkeiten zum<br />
gestalterischen Ausdruck von sich<br />
und anderen nutzen.<br />
KF 4 Raum und Zeit erleben<br />
und gestalten<br />
Andy Goldsworthy,<br />
Landartkünstler<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
• Natur- und Kulturräume bewusst<br />
wahrnehmen, für sich erschließen<br />
und sich in ihnen orientieren.<br />
• Räume, auch Bewegungs- und<br />
Klangräume, auf unterschiedliche<br />
Art absichtsvoll gestalten.<br />
KF 6 Mensch, Tier und Pflanze:<br />
Staunen, schützen, erhalten<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
aus der aufmerksamen Naturbeobachtung<br />
und sinnlichen Erfahrung<br />
ihre künstlerischen und musikalischen<br />
Gestaltungs- und Ausdrucksfähigkeiten<br />
weiterentwickeln.<br />
KF 7 Natur macht neugierig: Forschen,<br />
experimentieren, dokumentieren<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
Erfahrungen mit Natur präsentieren<br />
und in künstlerische und musikalische<br />
Gestaltungen einbeziehen.<br />
Fortbildungsgesellschaft 35
36<br />
4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />
Einstimmung – Sensibilisierung für die Natur<br />
Je wacher die Sinne sind, desto intensiver<br />
wird die Natur erlebt. Das Atelier für<br />
die „Kunst am <strong>Fließgewässer</strong>” ist der Naturraum<br />
mit all seinen Formen, Farben und <strong>Materialien</strong>.<br />
Um den Platz, an dem später die<br />
Kunstwerke entstehen werden, besser kennen<br />
zu lernen, bietet es sich an zu Beginn<br />
einige Aktionen durchzuführen, die Augen,<br />
Ohren und Nase für die Umgebung öffnen.<br />
Hierfür eignen sich besonders Naturerfahrungsspiele<br />
und Sinnesübungen.<br />
Als Einstimmung für das Projekt „Kunst<br />
am <strong>Fließgewässer</strong>” eignen sich neben den<br />
anschließend beschrieben Aktionen und<br />
Übungen auch alle in Kapitel 2: „Natur erleben<br />
mit allen Sinnen” aufgeführten Aktivitäten.<br />
Camera natura<br />
Die Schüler/-innen bilden Paare. Ein<br />
Kind ist die Kamera, das andere der Fotograf.<br />
Die Kamera schließt die Augen (= Kameralinse)<br />
und wird von dem Fotografen<br />
vorsichtig durch die Gegend geführt. Sieht<br />
der Fotograf ein schönes Motiv, richtet er<br />
vorsichtig die Kamera (= Kopf) darauf aus<br />
und drückt auf den Auslöser, d.h. er zupft<br />
am Ohrläppchen des Kamera-Kindes. Dieses<br />
öffnet daraufhin für ein paar Sekunden<br />
seine Augen und betrachtet das ausgewählte<br />
Bild. Beim erneuten Zupfen am Ohrläppchen,<br />
schließt sich die Kameralinse wieder.<br />
Nun wird die Kamera zum nächsten Motiv<br />
geführt. Es werden insgesamt drei Fotos<br />
gemacht, dann tauschen Fotograf und<br />
Kamera die Rollen. Die ganze Aktion sollte<br />
möglichst ruhig durchgeführt werden, so<br />
hinterlassen die Bilder einen tieferen Eindruck<br />
bei der Kamera.<br />
Am Ende kann jede Kamera ihr Lieblingsbild<br />
„entwickeln”. Dazu wird auf einer<br />
DIN A 5 – Blankopostkarte eine einfache<br />
Skizze angefertigt oder jede Kamera beschreibt<br />
in einer Runde ihr schönstes Foto.<br />
Mit Hilfe dieses Spiels werden auch Kleinigkeiten<br />
in der Umgebung entdeckt und<br />
wahrgenommen. Durch die geschlossenen<br />
Augen ist die Wahrnehmung verändert, die<br />
kurzen Eindrücke prägen sich intensiver<br />
ein. Geräusche, Licht und Schatten werden<br />
deutlicher wahrgenommen. Zwischen den<br />
Partnern wird Vertrauen geschaffen oder<br />
vertieft.<br />
Zeitdauer: ca. 20 Minuten<br />
Landschaft verändern<br />
Es werden zwei ca. 20 qm² große Flächen<br />
mit einem Seil oder Schnur abgegrenzt.<br />
Die Klasse wird in zwei gleich große<br />
Gruppen geteilt. Die Gruppen bekommen<br />
drei Minuten Zeit um sich ihren Quadranten<br />
möglichst gut einzuprägen. Dann wechseln<br />
die Gruppen den Quadranten und nehmen<br />
drei bis fünf Veränderungen vor, indem sie<br />
Gegenstände hinein legen oder etwas umplatzieren.<br />
Anschließend ist die Aufgabe die<br />
Veränderungen im eigenen Quadranten zu<br />
entdecken.<br />
Zeitdauer: ca. 20 Minuten<br />
Wer sucht der findet<br />
Auf ein Tuch werden zehn verschiedene<br />
Naturmaterialien gelegt, die in der<br />
Umgebung zu finden sind. Die Schüler/innen<br />
haben eine Minute Zeit sich die<br />
<strong>Materialien</strong> einzuprägen. Die Gegenstände<br />
werden nun verdeckt und die Kinder<br />
bekommen die Aufgabe die <strong>Materialien</strong> in<br />
der Umgebung zu suchen und mitzubringen.
Ziel des Spiels ist es, die unterschiedlichen<br />
<strong>Materialien</strong> des Ortes kennen zu lernen,<br />
die später auch für die Naturkunst<br />
verwendet werden können.<br />
Zeitdauer: ca. 10 Minuten<br />
Zeitlupenspaziergang<br />
Die Schüler/-innen stellen sich in einer<br />
Reihe nebeneinander auf. Auf ein vereinbartes<br />
Zeichen setzten sich alle ganz langsam<br />
in unterschiedliche Richtungen in Bewegung.<br />
Der Spaziergang wird einzeln und<br />
schweigend durchgeführt. Jeder versucht<br />
sich in seinem eigenen Rhythmus durch die<br />
Natur zu bewegen und auf alle Geräusche,<br />
Gerüche und Farben zu konzentrieren. Beim<br />
zweiten Zeichen wird der Spaziergang beendet<br />
und alle kommen zusammen um sich<br />
über ihre Erfahrungen auszutauschen.<br />
Zeitdauer: ca. 20 Minuten<br />
Wasser-Phantasiereise<br />
Um Anzukommen und die Umgebung<br />
genauer wahrzunehmen kann auch eine<br />
Phantasiereise durchgeführt werden:<br />
Text:<br />
Lege Dich bequem hin. Suche Dir eine<br />
Liegeposition, die angenehm für Dich<br />
ist. Eine, in der du ungefähr 20 Minuten<br />
ruhig liegen bleiben kannst....<br />
Wenn jetzt noch etwas zwickt oder zwackt,<br />
lege Dich noch einmal anders hin…<br />
Nun atme langsam ein und aus. Wir gehen<br />
jetzt auf eine Reise....<br />
Du befindest dich auf einer Wiese. Die<br />
Sonne scheint angenehm warm auf deinen<br />
Körper. Am blauen Himmel ziehen<br />
weiße Wolken vorüber. In der Nähe muss<br />
ein Bach sein. Du hörst seine Geräusche.<br />
Du läufst den Bach entlang. Lustig<br />
plätschert das Wasser über die Steine.<br />
Du kannst schon den Fluss sehen. Gemächlich<br />
fließt er durch die Landschaft.<br />
Am Ufer findest du einen flachen Stein.<br />
Du nimmst ihn in die Hand und lässt ihn<br />
über das Wasser hüpfen…<br />
Auf dem Fluss schwimmen Enten und<br />
Schwäne. Du begleitest sie am Ufer<br />
ein Stück flussaufwärts. Plötzlich hörst<br />
du das gewaltige Tosen eines Wasserfalls…<br />
Das Wasser stürzt vor dir laut in die Tiefe.<br />
Ein feiner Nebel hüllt dich ein. Du<br />
spürst die zarten Tröpfchen auf deiner<br />
Haut…<br />
Die Wassertröpfchen glitzern in der warmen<br />
Sonne. Ein farbenprächtiger Regenbogen<br />
spannt sich wie eine Brücke<br />
über den Wasserfall…<br />
Du bekommst Durst und möchtest etwas<br />
trinken…<br />
Am Wegesrand ist eine Quelle. Ihr klares<br />
und reines Wasser sprudelt aus dem<br />
Boden. Du bückst dich und schöpfst mit<br />
deinen Händen das klare Wasser und<br />
löschst deinen Durst. Das Wasser ist angenehm<br />
kühl und erfrischend…<br />
Du bleibst noch eine Weile am Flussufer<br />
sitzen…<br />
Du bist ganz ruhig und entspannt…<br />
Eine große Ruhe durchströmt dich…<br />
Du träumst noch ein wenig weiter…<br />
… Nun ist es Zeit wieder zurückzukehren.<br />
Du reckst deine Arme und streckst<br />
dich. Atme tief durch und öffne langsam<br />
deine Augen…<br />
Zeitdauer: 15 min<br />
Fortbildungsgesellschaft 37
38<br />
4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />
Natur-Kunstwerk, Aufgabenstellung<br />
Bei der Formulierung der Aufgabenstellung<br />
ist es wichtig, dass sie deutlich<br />
formuliert wird. Der Zeitrahmen, der zur<br />
Verfügung steht, sowie der Umkreis indem<br />
gebaut werden kann, müssen klar abgesprochen<br />
werden. Falls Gruppen-Kunstwerke<br />
erstellt werden, sollten sich die Gruppen<br />
bereits vorher gefunden haben oder durch<br />
ein Spiel ausgelost worden sein (s. u.). Gemeinschaftswerke<br />
fördern die Kooperation<br />
und das spielerische Experimentieren der<br />
Kinder.<br />
Naturgesicht<br />
Tast-Spiel zur Gruppenbildung<br />
Alle Kinder bilden einen großen Kreis,<br />
schließen die Augen und halten ihre geöffneten<br />
Hände hinter den Rücken. Der/die<br />
Lehrer/-in legt nun jedem Kind einen Gegenstand<br />
in die Hand, z. B. ein Kieselstein,<br />
eine Muschelschale, ein Stöckchen oder ein<br />
Blatt. Die Kinder gehen nun jeweils paarweise<br />
zusammen, stellen sich Rücken an<br />
Rücken und vergleichen durch Fühlen die<br />
Gegenstände. So finden sich alle Kinder mit<br />
denselben Gegenstand letztendlich zu jeweils<br />
einer Gruppe zusammen.<br />
Wichtig ist darauf zu achten, dass sobald<br />
sich ein Paar mit dem gleichen Gegenstand<br />
gefunden hat, dieses gleich<br />
zusammen bleibt. Andere Paare oder einzelne<br />
Kinder können dann (Rücken an Rücken)<br />
nachfühlen, ob sie zu dieser Gruppe<br />
gehören. Ansonsten entsteht ein wildes<br />
Hin- und Herlaufen, ohne dass sich die<br />
Gruppen finden können.<br />
Die Zahl der gewählten Gegenstände<br />
richtet sich nach der gewünschten Anzahl<br />
von Arbeitsgruppen.<br />
Blätterschlangen<br />
Blätter lassen sich gut miteinander verbinden,<br />
indem man überlappende Blätter<br />
mit einem Blattstiel, einem dünnen Stöckchen<br />
oder einem Grashalm aneinanderheftet.<br />
Blattstiel, Stöckchen oder Grashalm<br />
werden dabei wie eine Nadel benutzt.<br />
Die Aufgabe besteht zu Beginn darin,<br />
Blätter mit Stiel oder anderes geeignetes<br />
Material in der Umgebung zu finden. Jedes<br />
Kind verbindet nun mit dieser Methode<br />
seine Blätter zu einer Schlange. Anschließend<br />
können die Schüler/-innen noch mehrere<br />
Teilschlangen aneinander setzten, so<br />
dass eine lange Wasserschlange entsteht.
Die fertigen Schlangen können dann zu<br />
Wasser gelassen und beobachtet werden.<br />
Welche Wege lässt die Wasserströmung<br />
die Blätterschlange nehmen? Welche<br />
schwimmt am schnellsten?<br />
Zeitdauer: 30 min<br />
Steintürme<br />
An <strong>Fließgewässer</strong>n mit steinigen Ufern<br />
lässt sich diese herausfordernde Aktion<br />
durchführen. Unter dem Motto „Wer baut<br />
den höchsten Steinturm” können die Kinder<br />
einzeln oder auch zu mehreren zusammenarbeiten.<br />
Die Turmbauten werden zu<br />
Beginn noch häufiger einstürzen, hier ist<br />
Durchhaltevermögen angesagt! Bei dieser<br />
Aktion werden nebenbei auch Grundregeln<br />
von Statik und Stabilität erlernt. Bei<br />
einem abschließenden Rundgang zu den<br />
einzelnen Türmen wird noch einmal ge- Steinungeheuer<br />
meinsam überlegt, was beim Turmbau zu<br />
beachten ist.<br />
Zeitdauer: 30 Minuten Geschichten & Märchen<br />
als Inspirationsquelle<br />
Geometrie<br />
Mit Geschichten und Märchen kann ein<br />
inspirierender Rahmen für Landartprojekte<br />
gebildet werden. Es können auch Teile<br />
aus Geschichten verwendet werden, die die<br />
Kinder bereits kennen. Nach dem Lesen der<br />
folgenden Geschichte bietet es sich an, verschiedene<br />
Szenen oder Figuren mit <strong>Materialien</strong><br />
darzustellen, die der Bach oder der<br />
Fluss angespült haben.<br />
Ungeheuerlich<br />
Vor vielen, vielen Jahren lebte ein großes<br />
Ungeheuer, genannt „Rhenosaurus<br />
aquaticus” in diesem <strong>Fließgewässer</strong>,<br />
das alles fraß, was ihm zu nahe kam:<br />
Pferde, Kühe, Schweine und Schafe.<br />
Ja, es fraß sogar ganze Bäume wenn<br />
es wütend war. Das Ungeheuer kam<br />
eines Tages auf seiner Futtersuche,<br />
Fortbildungsgesellschaft 39
40<br />
4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />
denn es war ständig hungrig, an dieser<br />
Insel hier vorbei und da ihm das Ufer<br />
und die schönen alten Bäume so gut<br />
gefielen, entschloss es sich aus dem<br />
Wasser zu steigen und sich genauer<br />
auf dieser Insel umzusehen. Nachdem<br />
es sich alles angeschaut hatte,<br />
suchte es sich einen gemütlichen<br />
Schlafplatz unter einem Baum und beschloss,<br />
dass diese Insel sein neues<br />
zu Hause werden sollte. Im Laufe der<br />
Zeit richtete sich das Ungeheuer die<br />
Insel ganz nach seinen Bedürfnissen<br />
ein. Es schaffte sich einen Ausguck,<br />
um schon von Weitem herannahende<br />
Schiffe entdecken zu können, Für<br />
seinen unstillbaren Hunger baute es<br />
sich eine Vorratskammer, in der seine<br />
Ungeheuer<br />
Beute schön frisch blieb und je länger<br />
das Ungeheuer auf der Insel war,<br />
desto größer wurde auch der Haufen<br />
mit den zum Teil riesenhaften Skeletten<br />
von seinen Beutetieren. Denn neben<br />
den Landtieren ernährte es sich<br />
von den damals noch hier lebenden<br />
Meerpferden, Riesenottern, Superaalen,<br />
Vielflosslern und Meeressauriern.<br />
Nach einer solchen Mahlzeit döste<br />
das Ungeheuer am liebsten in seiner<br />
Riesen-Hängematte aus Lianen in der<br />
Sonne und wenn die Sonne gar zu aufdringlich<br />
war oder es regnete, suchte<br />
es Schutz in seinem ungeheuerlichen<br />
Unterschlupf in dem es bei schlechtem<br />
Wetter auch schlafen konnte. In sternenklaren<br />
Nächten jedoch schlief es
am liebsten auf einer Plattform unter<br />
dem Sternenzelt, damit es nächtliche<br />
Zwiegespräche mit dem Mond führen<br />
konnte. Dem Mond vertraute es auch<br />
an, dass es sehr einsam war und die<br />
Menschen hörten vor allem in Vollmondnächten<br />
oft ein lautes und schauerliches<br />
Wehklagen, das von der Insel<br />
in die Nacht hinausschallte. So vergingen<br />
die Jahre und kein Mensch traute<br />
sich mehr die Insel zu betreten.<br />
Die Menschen, die am Fluss lebten waren<br />
sehr traurig und erzählten noch<br />
nach vielen Jahren ihren Kindern die<br />
Geschichten ihrer Ur- Ur- Ur-Großeltern,<br />
dass die Insel eine wunderschöner<br />
Ort sei an dem man wunderbar<br />
spielen, picknicken, spazieren und Feste<br />
feiern konnte, bevor das Ungeheuer<br />
auftauchte. Die Menschen fanden<br />
es sehr schade, dass die Insel schon<br />
so lange von diesem gefräßigen Ungeheuer<br />
besetzt war. An einem schönen<br />
sonnigen Tag fiel jemanden beim Erzählen<br />
dieser Geschichte plötzlich ein,<br />
dass in den Auwäldern am Fluss ja die<br />
Trolle lebten. Trolle sind mutige, starke<br />
und schlaue Waldgeister. Man sollte sie<br />
fragen, ob sie vielleicht eine Idee haben,<br />
wie man das Ungeheuer vertreiben<br />
könnte.<br />
Die Trolle, die Kinder sehr gerne mochten<br />
und sie auch über die Jahre hinweg<br />
sehr vermissten, sie hatten in frühren<br />
Zeiten am Kieselstrand zusammen mit<br />
Steinen gespielt, hatten einen Einfall<br />
und machten sich sogleich auf den<br />
Weg. Sie gingen hinunter zum Ufer, bestiegen<br />
ihr Boot und fuhren in Richtung<br />
Insel. Bald entdeckten Sie das Ungeheuer<br />
beim Baden. Die Trolle näherten<br />
sich vorsichtig, um das Ungeheuer zu<br />
fragen wie es ihm auf der Insel denn so<br />
gefalle. Da fing es plötzlich an bitterlich<br />
zu weinen und schluchzte „Ich bin<br />
so alleine, alle haben Angst vor mir und<br />
keiner will mit mir spielen”. Die Trolle<br />
nickten verständlichvoll und erzählten<br />
ihm, dass es ein Meer gibt, in dem viele<br />
andere große Tiere leben die bestimmt<br />
keine Angst vor ihm hätten. Das Ungeheuer<br />
schaute erstaunt auf und fragte<br />
„Wie komme ich denn da hin?” „Du<br />
musst dich einfach nur auf den Rücken<br />
legen und dich vom Wasser treiben<br />
lassen, am Ende wirst du ins Meer<br />
gespült.” Das Ungeheuer verabschiedete<br />
sich etwas wehmütig von seiner<br />
wunderbar ungeheuerlichen Wohnstätte<br />
auf der Insel, legte sich auf den Rücken<br />
und ließ sich treiben. Es träumte<br />
aber schon von seinen neuen Freunden<br />
und die Trolle konnten es in der Ferne<br />
bald schon nicht mehr sehen. Sie<br />
ruderten schnell zurück und verkündeten<br />
die Nachricht von der Abreise<br />
des Ungeheuers. Am Abend fand ein<br />
großes Fest am Kieselstrand mit Feuerwerk,<br />
Tanz und gutem Essen statt. Die<br />
Trolle, Kinder und Erwachsene feierten<br />
und freuten sich dass sie von nun an<br />
wieder auf Insel spielen und spazieren<br />
gehen konnten.<br />
Es war sogar so, dass das Spielen auf<br />
der Insel noch viel schöner und interessanter<br />
geworden war, weil sie die<br />
Wohnstätte und Plätze des Ungeheuers<br />
für ihre Spiele nutzen konnten.<br />
Nach dem Vorlesen dieser Geschichte könnte<br />
Kleingruppen jeweils eine der folgenden<br />
Aufgaben gestellt werden:<br />
• Könnt ihr euch vorstellen wie das Ungeheuer<br />
ausgesehen hat? Baut das Ungeheuer<br />
aus den <strong>Materialien</strong> nach, die ihr<br />
hier finden könnt!<br />
• Wie könnte die Insel aussehen, auf der<br />
das Ungeheuer gelebt hat? Baut die Insellandschaft<br />
nach!<br />
• Baut eine Szene aus der Geschichte<br />
nach, die euch besonders gefallen hat.<br />
Zeitdauer: abhängig von der<br />
Geschichte mindestens 60 Minuten<br />
Fortbildungsgesellschaft 41
42<br />
4. Kunst am <strong>Fließgewässer</strong><br />
Wassertheater & Wassertänze<br />
Durch Wasser kann man sich auch zum<br />
Theaterspielen oder Tanzen anregen lassen.<br />
Dabei sollten den Kindern möglichst wenige<br />
Vorgaben in Hinsicht auf Dialoge gemacht<br />
werden, sondern es werden lediglich Stichpunkte<br />
zur Anregung gegeben.<br />
Für ein Wassertheater geht z. B. ein<br />
Wassertropfen auf Reisen. Von der Quelle<br />
bis ins Meer lernt er die Bewohner der<br />
jeweiligen Gewässerabschnitte kennen<br />
wie Eintagsfliegenlarve, Forelle, Biber und<br />
Fischotter. Eine eigene Dynamik bekommt<br />
das Stück, wenn verschiedene Gefahren<br />
auftauchen. Denkbar wären die Einleitung<br />
von Abwässern, die das Wasser für Insekten<br />
und Fische verdirbt oder ein Hochwasser,<br />
welches Biber und Fischotter bedroht. Ein<br />
Wassertropfen kann ebenso den Gewässerkreislauf<br />
durchlaufen: Quelle-Bach-Fluss-<br />
Meer-Wolke-Regen.<br />
Ein schönes Thema ist auch die „Befreiung”<br />
eines Flusses, dessen Ufer zu Beginn<br />
des Stückes verbaut/ befestigt ist. Nachdem<br />
das Wasser wieder ungehindert fließen<br />
kann, steigen Wassernixen aus den Fluten<br />
Nixentanz<br />
hervor und beginnen vor Freude mit einem<br />
Tanz. Wassertänze können verschiedene<br />
Musikwerke in Bewegungen darstellen, z. B.<br />
„Die Moldau” von Smetana. In diesem klassischen<br />
Werk wird der Verlauf der Moldau in<br />
Tschechien musikalisch dargestellt.<br />
Dabei wechseln langsame mit dramatischen<br />
Passagen ab, die durch verhaltene<br />
oder weit ausgreifende Bewegungen nachgespielt<br />
werden können.<br />
Ein Wassertanz ganz anderer Art ist<br />
aufgeblasene Luftballone über eine bewegte<br />
Wasseroberfläche „tanzen“ zu lassen. Diese<br />
Aktion eignet sich auch als Abschluss einer<br />
Wasserprojektwoche.<br />
Ein wichtiger Aspekt bei Wassertheaterstücken<br />
und Wassertänzen das Entwerfen<br />
und Anfertigen von Kostümen. Dazu eignen<br />
sich <strong>Materialien</strong>, die auch im Klassensatz<br />
keine großen Kosten entstehen lassen,<br />
wie blaue Mülltüten auf denen z. B. Fischen<br />
oder Muscheln aus Pappe befestigt werden.<br />
Mit einfachen Tüchern lassen sich zusätzlich<br />
schön die schwingenden Bewegungen von<br />
Wasser darstellen.
Vernissage & Dokumentation der Kunstwerke<br />
Zum Abschluss der Aktion „Kunst am<br />
<strong>Fließgewässer</strong>” findet ein gemeinsamer<br />
Rundgang zu allen Objekten statt. Die jeweiligen<br />
Erbauer/-innen erläutern den anderen<br />
ihr Werk. Sie können sich auch eine<br />
Geschichte zu ihrem Kunstwerk ausdenken<br />
und ihm einen Namen oder Titel geben.<br />
Jede Arbeit wird mit einem Applaus von der<br />
ganzen Klasse gebührend gewürdigt.<br />
Die Kunstwerke sollten außerdem mit<br />
den Künstler/-innen dokumentiert werden,<br />
da sie meist schnell vergänglich sind und<br />
nicht transportiert werden können. Die Bilder<br />
lassen sich gut für eine für eine Ausstellung<br />
verwenden.<br />
Zeitdauer der Vernissage:<br />
min. 5 Minuten pro Gruppe<br />
Steinschmetterling<br />
Materialliste<br />
• Sitzmatten im Klassensatz<br />
• Augenbinden als Klassensatz<br />
• Kamera für die Dokumentation<br />
Literatur<br />
Andreas Güthler, Kathrin Lacher (2005):<br />
Naturwerkstatt Landart, Ideen für kleine und große<br />
Naturkünstler, AT Verlag Baden und München<br />
Michael Kalff u.a. (2001): Handbuch zur Natur- und Umweltpädagogik,<br />
Günter Albert Ulmer Verlag, 78609 Tuningen<br />
Heinz Knieriemen (1999): Martin Krampfer; Kinderwerkstatt:<br />
Naturfarben und Lehm, AT Verlag, Aarau Schweiz<br />
Andy Goldsworthy (1991): Zweitausendeins<br />
Fortbildungsgesellschaft 43
5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong><br />
durch den Menschen<br />
Die Landschaftsentwicklung der <strong>Fließgewässer</strong> und<br />
Flusslandschaften unter dem Einfluss des Menschen<br />
An unterschiedlichen Orten und unter<br />
Einsatz verschiedener Methoden und Medien<br />
erforschen die Schüler/-innen Verlauf,<br />
Eigenschaften und Entwicklung eines<br />
<strong>Fließgewässer</strong>s und seiner Umgebung.<br />
Sie lernen verschiedene Nutzungen<br />
des Wassers und deren Auswirkung auf<br />
das <strong>Fließgewässer</strong> und die umgebende<br />
Landschaft kennen. Diese Materialen sind<br />
insbesondere zur Umsetzung von Teilen innerhalb<br />
der Kompetenzfelder KF 4, und 5<br />
des Fächerverbundes für die Klassenstufen<br />
3 und 4 geeignet.<br />
Dieses Thema kann mit einem kreativkünstlerischen<br />
Teil ergänzt werden, der<br />
dem Kompetenzfeld KF 8 zugeordnet ist.<br />
Fortbildungsgesellschaft 45
46<br />
5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong> durch den Menschen<br />
Bildungsplan<br />
Bezug zum Bildungsplan innerhalb des Fächerverbundes<br />
„Mensch, Natur und Kultur” auf Ebene der Kompetenzfelder<br />
Klasse 4<br />
KF 4 Raum und Zeit erleben<br />
und gestalten<br />
Die Schülerinnen und Schüler können<br />
• Natur- und Kulturräume bewusst<br />
wahrnehmen, für sich erschließen<br />
und sich in ihnen orientieren.<br />
• sich in größeren Zeiträumen orientieren<br />
und Ereignisse und Erlebnisse<br />
zeitlich einordnen.<br />
• Ereignisse und Erlebnisse als geschichtliche<br />
Phänomene begreifen.<br />
• erkennen, dass gegenwärtige Phänomene<br />
und Prozesse Bedeutung<br />
für die Lebenswirklichkeit der Zukunft<br />
haben.<br />
Fischtreppe am Hochrhein,<br />
Wasserkraftwerk Rheinfelden<br />
KF 5 Heimatliche Spuren suchen,<br />
entdecken, gestalten<br />
und verändern<br />
Die Schülerinnen und Schüler<br />
• kennen unterschiedliche Auffassungen<br />
von Heimat und gehen reflektiert<br />
damit um.<br />
• entwickeln Respekt und Wertschätzung<br />
gegenüber anderen Sichtweisen<br />
und erfahren anders sein als<br />
Bereicherung.<br />
• entwickeln durch reflektierte Wahrnehmung<br />
des eigenen Heimatgefühls<br />
ein gestärktes Selbstbild.<br />
• lernen den Heimatraum kennen,<br />
erkunden ihn und gestalten ihn<br />
aktiv mit.<br />
• können sich mit ihren kulturellen<br />
und sozialen Lebensverhältnissen<br />
identifizieren, sie ausdrücken und<br />
darstellen, reflektieren und unterscheiden.<br />
• können die Veränderungen des<br />
Heimatraumes in Vergangenheit,<br />
Gegenwart und Zukunft erkennen<br />
und hierfür Verantwortungsbewusstsein<br />
entwickeln.<br />
• können kulturelle Spuren aus der<br />
Heimatgeschichte bewusst wahrnehmen<br />
und daraus eigene gestalterische<br />
Ausdrucksformen<br />
entwickeln.<br />
• können wichtige Zusammenhänge<br />
in den Bereichen Arbeit,<br />
Arbeitsstätten und Produktion<br />
erkennen.
Durchführung<br />
Zunächst wird eine topografische Karte<br />
(TK) als schwarzweiß Kopie im halben Klassensatz<br />
verteilt, auf der das Einzugsgebiet<br />
des <strong>Fließgewässer</strong>s, sowie der Wohnort der<br />
Schüler/-innen verzeichnet ist.<br />
Geeignet sind Karten im Maßstab<br />
1:25.000 (TK 25) und größer. Die Kinder<br />
bekommen die Aufgabe in dieser Karte die<br />
lineare Form zu finden, die das <strong>Fließgewässer</strong><br />
darstellt. Ist diese Aufgabe gelöst,<br />
werden die Kinder gebeten, den Verlauf<br />
des <strong>Fließgewässer</strong>s nachzuzeichnen und<br />
den Aufenthaltsort zu bestimmen. Für<br />
die allgemeine Orientierung auf der Karte<br />
müssen zu Beginn die verwendeten Symbole<br />
besprochen werden.<br />
Bei größeren Flüssen und Flusseinzugsgebieten,<br />
wie z. B. Rhein oder Neckar, kann<br />
man für die Klasse eine großformatige Karte<br />
bereithalten. Anhand dieser Karte können<br />
die Schüler/-innen den Flussverlauf und<br />
den eigenen Standort nach o. a. Vorgehensweise<br />
nachvollziehen. Falls es im örtlichen<br />
Heimatmuseum ein Modell des heimatlichen<br />
<strong>Fließgewässer</strong>s aus neuerer oder auch älterer<br />
Zeit gibt, sollte man diese Chance nutzen<br />
und mit der Klasse an einer Museumsführung<br />
teilnehmen. Meist werden solchen Veranstaltungen<br />
von motivierten, ortskundigen<br />
Personen durchgeführt, die den Kindern<br />
lebhaft die Geschichte des <strong>Fließgewässer</strong>s<br />
erzählen können.<br />
Zur weiteren Bearbeitung des<br />
Themas beginnt man mit einer<br />
kurzen Fragerunde:<br />
Dafür reicht der/die Lehrer/-in ältere<br />
und neuere Fotos, Abbildungen oder Karten<br />
vom <strong>Fließgewässer</strong>, an dem die Exkursion<br />
stattfinden soll, herum. Anschließend<br />
äußern die Kinder Ihre Eindrücke.<br />
Als Denkanstöße eignen sich<br />
folgende Fragestellungen:<br />
• Woran könnte es liegen, dass der Fluss auf<br />
älteren Abbildungen ganz anders aussieht?<br />
• Könnt Ihr die Bilder zeitlich einordnen?<br />
• Was hat zu dem heutigen Aussehen des<br />
<strong>Fließgewässer</strong>s geführt?<br />
• Hat der Mensch zur Veränderung beigetragen?<br />
• In welcher Form hat der Mensch das Aussehen<br />
des <strong>Fließgewässer</strong>s beeinflusst?<br />
Bei der Lösung dieser Aufgabe kann<br />
das Arbeitsblatt Nr. 11 „Was macht der<br />
Mensch am <strong>Fließgewässer</strong>” Unterstützung<br />
bieten. Es zeigt exemplarisch die menschliche<br />
Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong>, aus denen<br />
sich direkte und indirekte Veränderungen<br />
gut ableiten lassen.<br />
Für eine abschließende Dokumentation<br />
sollten die Ergebnisse schriftlich festgehalten<br />
werden. Zur Abrundung und zum Abschluss<br />
der Unterrichtseinheit ist das Erstellen eines<br />
<strong>Fließgewässer</strong>modells gut geeignet. Dies<br />
kann recht einfach in einer Kiste angefertigt<br />
werden. Die Kinder in zwei Gruppen geteilt.<br />
Die eine Gruppe bekommt die Aufgabe das<br />
untersuchte <strong>Fließgewässer</strong> möglicht realistisch<br />
nachzubilden. Die zweite Gruppe gestaltet<br />
dagegen ein <strong>Fließgewässer</strong> nach den<br />
eigenen Wunschvorstellungen der Kinder.<br />
Das Material, für die Gestaltung der Modelle,<br />
suchen sich die Schüler/-innen in der<br />
Umgebung des untersuchten Gewässers.<br />
Die (Papp-)Kiste wird zunächst mit<br />
blauer Wasserfarbe bemalt. Anschließend<br />
wird das <strong>Fließgewässer</strong> mit den gesammelten<br />
Materialen nachgebildet, bzw. das<br />
Wunschmodell gestaltet.<br />
Kriterien für die genaue Darstellung<br />
der Gewässermodelle sind:<br />
• Bachverlauf (gekrümmt/ schnurgerade)?<br />
• Gewässerbett/ -sohle (natürliches Material/<br />
befestigt)?<br />
• Uferbewuchs (vorhanden: Wiese,<br />
Sträucher, Bäume/ nicht vorhanden:<br />
Feld, Straße)?<br />
• Uferstreifen als Puffer zu landwirtschaftlich<br />
genutzten Flächen (vorhanden/ nicht<br />
vorhanden)?<br />
Fortbildungsgesellschaft 47
48<br />
5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong> durch den Menschen<br />
• Uferbefestigungen (keine/ Betonmauern,<br />
Gittersteine, Steinschüttung)<br />
• Querbauwerke, Verrohrung (nicht vorhanden/<br />
vorhanden)<br />
• Weitere Umgebung des <strong>Fließgewässer</strong>s<br />
(Naturlandschaft/ Häuser etc.)<br />
Anschließend stellen sich beide Gruppen<br />
ihre Modelle vor, dabei werden die Unterschiede<br />
deutlich. Der Vergleich der Ergebnisse gibt<br />
vor allem Aufschluss über die Bedürfnisse der<br />
Kinder nach „erlebbaren” Bächen und Flüssen<br />
und bietet zudem auch die Möglichkeit,<br />
gemeinsam Vorschläge und Ideen für die<br />
Umgestaltung des untersuchten <strong>Fließgewässer</strong>s<br />
zusammenzutragen. Falls die Aussicht<br />
besteht, eine Bachpatenschaft im Umkreis<br />
der Schule aufzunehmen, wäre dies eine gute<br />
Möglichkeit, in Form von Arbeitsgruppen an<br />
die Ergebnisse des „Unterricht im Freien” anzuknüpfen.<br />
Die Schüler/-innen können die so<br />
gewonnenen Erkenntnisse für die aktive Mitgestaltung<br />
einer lebendigen <strong>Fließgewässer</strong>landschaft<br />
in ihrem Heimatort einbringen.<br />
(aus: Mannheimer Umweltforum)<br />
„Neckarträume”<br />
Materialliste<br />
• Topographische Karten im Maßstab<br />
1:25.000 (TK 25)<br />
• Neuere und ältere Fotos/ Abbildungen des<br />
untersuchten <strong>Fließgewässer</strong>s<br />
Das Kartenmaterial kann über das Internet (Landesamt<br />
für Vermessung) oder Buchhandlungen, Fotos<br />
und Abbildungen der örtlichen Gewässer über<br />
Heimatmuseen und Büchereien bezogen werden.<br />
Bei der Materialbeschaffung sollten sich die Schüler/-innen<br />
aktiv beteiligen.<br />
Material <strong>Fließgewässer</strong>-Modell:<br />
• Kiste aus dicker Pappe/Karton<br />
(60 cm x 40 cm x 20 cm)<br />
• Wasserfarben<br />
• Pinsel/ Schwämmchen<br />
• Naturmaterialien aus der Umgebung<br />
Literatur<br />
Ein Bach ist mehr als Wasser (1999): Hessisches<br />
Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten<br />
Mit Kindern Bach und Fluss erleben (2003): Akademie<br />
für Natur- und Umweltschutz, Baden-Württemberg
Frühe Nutzungen<br />
Der Mensch war schon immer auf das<br />
Wasser als Lebensgrundlage angewiesen.<br />
Man versorgte sich mit dem Nahrungsmittel<br />
Trinkwasser. Hinzu kamen im Laufe der Zeit<br />
immer vielfältigere Nutzungsansprüche an<br />
die Gewässer. Wasser diente der Energiegewinnung,<br />
der Bewässerung, als Transportmedium<br />
oder übernahm militärstrategische<br />
Funktionen.<br />
Aber es war immer ein zwiespältiges<br />
Verhältnis zum Medium Wasser. Es brachte<br />
einerseits Segen und Nutzen, andererseits<br />
Zerstörung und Verderben; entsprechend<br />
gab es Nutz- und Schutzbauten, um das<br />
Wasser in die gewünschten Bahnen zu lenken,<br />
nämlich Kanäle, Gräben, Leitungen,<br />
Stollen, Schutzmauern, Staumauern, Sicherungsmauern.<br />
Die Nutzung, Manipulation und Gestaltung<br />
der Gewässer besitzen also eine lange<br />
Tradition. Im Folgenden werden einige<br />
für Mitteleuropa typische frühe Nutzungsformen<br />
dargestellt.<br />
Mühlkanäle, Mühlgräben<br />
Mühlgräben sind in Mitteleuropa die ältesten<br />
weit verbreiteten wasserbaulichen<br />
Einrichtungen. Bereits im frühen Mittelalter<br />
sind Wassermühlen bekannt. In der Karolingerzeit<br />
(8./9. Jahrhundert) nimmt die<br />
Zahl der Mühlen sehr stark zu; sie gingen in<br />
die Tausende, da Wasser der Energieträger<br />
schlechthin war.<br />
Es gab:<br />
• drehende Mühlen (Getreide- und Ölmühlen,<br />
Hanfreiben, Schleifmühlen)<br />
• stampfende Mühlen (Loh-, Papier-, Walk-,<br />
Pulvermühlen, Knochenstampfen, Pochwerke,<br />
Eisenhämmer)<br />
• Sägen<br />
Wassermühle<br />
Insbesondere die Mittelgebirge waren –<br />
soweit sie genügend Wasser besaßen – sehr<br />
dicht mit Mühlen besetzt. Es gab unzählige<br />
Mühlkanäle, Ausleitungsbauwerke und oft<br />
auch trocken liegende Ausleitungsstrecken.<br />
Die Auswirkungen auf die Fläche waren jedoch<br />
unbedeutend, während die vielen Mühlen<br />
im Flachland bzw. Tiefland sich ungleich<br />
stärker auf den Landschaftswasserhaushalt<br />
auswirkten.<br />
Schifffahrt<br />
Auch die Schifffahrt hat in Mitteleuropa<br />
eine sehr lange Tradition und geht gebietsweise<br />
bis in die Antike und die vorrömische<br />
Metallzeit zurück, so auf dem Rhein, der Mosel<br />
und der Donau. Man war nur mit Schiffen<br />
und Flößen in der Lage, schwere Güter,<br />
etwa Werksteine und Mühlsteine, aber auch<br />
Weinfässer, über längere Strecken zu transportieren.<br />
Die baulichen Eingriffe in die frei fließenden<br />
Flussläufe und die Auen waren, so darf<br />
angenommen werden, vergleichsweise bescheiden.<br />
Über lange Zeit waren Treidel- oder<br />
Leinpfade, die man für die Bergfahrt benö-<br />
Fortbildungsgesellschaft 49
50<br />
5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong> durch den Menschen<br />
Wehr in Balingen<br />
tigte, die einzige Infrastruktur. Treidel- oder<br />
Leinpfad, nannte man einen Arbeitsweg unmittelbar<br />
am Flussufer, der angelegt wurde,<br />
damit Menschen und Zugtiere (zum Beispiel<br />
Pferde) Frachtschiffe flussaufwärts ziehen<br />
konnten. Auch am Ufer von Kanälen finden<br />
sich solche Wege. Die Schiffe waren über<br />
ein Tau („Leine”) mit den auf den Leinpfaden<br />
gehenden Treidelpferden und Treidlern verbunden.<br />
Den Vorgang nannte man treideln.<br />
Um die Treidelpfade funktionsfähig zu halten,<br />
mussten die Ufergehölze und Steine beseitigt<br />
werden. Hier und dort wurden sicherlich auch<br />
Felsen angeschnitten. Die Treidelschifffahrt<br />
ging erst nach dem Erscheinen maschinengetriebener<br />
Schiffe zu Ende.<br />
Ab der frühen Neuzeit wurden zur Verbesserung<br />
der Schifffahrt, aber auch zum<br />
Zweck der Abflussbeschleunigung und des lokalen<br />
Hochwasserschutzes, einzelne Durchstiche<br />
in den Gewässern vorgenommen. Die<br />
Technik der Durchstiche (von Flussschleifen)<br />
blieb bis ins 18. Jahrhundert neben den<br />
Deichen die einzig praktikable Möglichkeit,<br />
Flussläufe zu korrigieren, zu begradigen.<br />
Flößerei<br />
Flößerei und Trift (von „treiben” im Sinne<br />
von „treiben lassen”) bedeuten Transport<br />
von schwimmenden Baumstämmen oder von<br />
Scheit- oder Schnittholz auf Wasserstraßen.<br />
Dabei wird unterschieden, ob das Holz zusammengebunden<br />
ist, oder nicht. Ist das der Fall,<br />
spricht man vom Flößen, wenn nicht, vom<br />
Triften. Das Flößen wird auch als Schwemmen<br />
(also „schwimmen lassen”) bezeichnet.<br />
Der älteste Hinweis auf Flößerei stammt<br />
aus der Bronzezeit. Das Wort „flota” für Floß<br />
ist seit dem frühen Mittelalter in Gebrauch,<br />
was ein eindeutiger Hinweis auf die Tätigkeit<br />
des Flößens ist. Man kann generell sagen,<br />
dass die Flößerei seit dem Mittelalter, und<br />
verstärkt ab dem Spätmittelalter, in weiten<br />
Gebieten Mitteleuropas eine sehr große Rolle<br />
gespielt hat, mit einem Höhepunkt im 18.<br />
und 19. Jahrhundert. Und sie war privilegiert,<br />
das heißt, sie hatte Vorrang vor anderen<br />
Nutzungen. Wegen des Ausbaus des<br />
Schienen- und Straßennetzes endete die<br />
Flößerei größtenteils mit dem 19. Jahrhundert.<br />
Auf einigen Flüssen wurde sie erst im<br />
20. Jahrhundert eingestellt.<br />
Die Flößerei ist im Schwarzwald seit dem<br />
frühen Mittelalter überliefert. Mit Wieden 1<br />
zusammengebundene Baumstämme wurden<br />
über die Flüsse zum Bestimmungsort<br />
bewegt. In viele Gewässer mussten, damit<br />
die Langholzflößerei, aber auch die Scheiterholztrift<br />
überhaupt über längere Zeit des<br />
Jahres möglich war, Floßweiher, Wasserstuben,<br />
Treibseen, Schwallungen oder Klausen<br />
eingebaut werden, aus denen gespeichertes<br />
Wasser schwallartig abgelassen werden<br />
konnte. Die notwendigen Wassermassen<br />
wurden dann zusammen mit dem Floß freigegeben.<br />
Im Laufe der Jahrhunderte wurden<br />
diese Wasserwege über Murg, Nagold, Enz,<br />
Kinzig, Neckar und Rhein bis nach Holland<br />
erweitert. Die kleinen Seitenbäche wurden<br />
zum Teil ebenfalls floßbar gemacht. Im 18.<br />
Jahrhundert führte der niederländische Holzbedarf<br />
zur Blüte des Holzhandels, aber auch<br />
zum Kahlschlag weiter Regionen des Nordschwarzwaldes.<br />
Die langen und geradegewachsenen<br />
Tannen waren als Baumaterial für<br />
Schiffe ideal geeignet. Diese Tannen wurden<br />
dann auch einfach „Holländer” genannt.<br />
Waren die Flöße im Mittelalter noch vergleichsweise<br />
bescheiden dimensioniert, so<br />
nahmen sie in der Blütezeit gewaltige Ausmaße<br />
an. Ein Enz-Floß konnte eine Länge
von 250 bis 280 m erreichen,<br />
die aus Schwarzwaldtannen<br />
gebundenen<br />
Holländerflöße auf dem<br />
Rhein waren um die 400<br />
m lang, bis zu 80 m breit<br />
und -da mehrschichtig –<br />
bis zu 5 m hoch. Mit ihrer<br />
Oblast (das, was auf<br />
den Flößen mitgeführt<br />
wird), den Hütten und<br />
Passagieren, glichen sie<br />
belebten, schwimmenden<br />
Dörfern.<br />
Die „Blütezeit” der Flößerei bedeutete für<br />
die Flüsse und Bäche gravierende bauliche<br />
Eingriffe. Die Gewässerläufe wurden den Bedürfnissen<br />
der Flößerei angepasst. Die Floßstraße<br />
musste mindestens so breit wie die<br />
Länge der zu flößenden Hölzer und möglichst<br />
geradlinig sein, was erforderlichenfalls durch<br />
Abgraben und Durchstoßen von Gewässerkrümmungen<br />
erreicht wurde. Dazu kamen<br />
das Tieferlegen oder Anheben der Sohle, um<br />
die Fließgeschwindigkeit zu vergleichmäßigen,<br />
Ufersicherungen mit Steinmauern, Freihalten<br />
der Ufer, um sie begehbar zu halten,<br />
Entfernung von Felsen, Kies- und Sandbänken,<br />
Rechen zum Auffangen der Holzscheite<br />
und die Einrichtung von großen, ebenen<br />
Plätzen, wo das Holz eingebunden, angelandet<br />
und gepoltert werden konnte. Viele Bäche<br />
wurden an den Talrand verlegt. Es waren<br />
alljährlich wiederkehrende Unterhaltungsarbeiten<br />
zu machen; diese fanden meist im<br />
Sommer („Baumonat”) statt.<br />
Teiche<br />
Teiche sind stehende Gewässer, die mit<br />
Blick auf ganz bestimmte ökonomische Nutzungen<br />
gebaut wurden, also künstlichen<br />
Ursprungs sind. Etliche Teiche dürften als<br />
Speicher für Mühlen entstanden, mithin also<br />
schon sehr alt sein. Die allermeisten Teiche<br />
wurden jedoch für die Fischwirtschaft als<br />
Hauptnutzung gebaut. In den Mittelgebir-<br />
Flößerei<br />
gen wurden die das Tal querenden Dämme<br />
in der Regel aus dem anstehenden Material<br />
geschüttet und festgestampft. Große<br />
Dämme erhielten zusätzlich eine Steinpflasterung.<br />
Zur Ausstattung eines Teiches gehörten<br />
ein Grundablass 2 und eine befestigte<br />
und mit einem Rechen 3 versehene Dammscharte<br />
zur Hochwasserentlastung (d.h. das<br />
Hochwasser konnte über eine Scharte im<br />
Damm kontrolliert abfließen).<br />
Im Flachland finden sich eher Teichverbände<br />
mit einfacheren, niedrigeren Dämmen,<br />
die durch eigene Grabensysteme<br />
gespeist werden. Fischteiche sind dort am<br />
stärksten verbreitet, wo der <strong>Fließgewässer</strong>reichtum<br />
groß und die Geländegestalt<br />
günstig waren. In diesen Landschaften konzentrierten<br />
sich die Teiche dann außerdem<br />
um Adelssitze, Rittergüter, Klöster und Städte.<br />
Schwerpunkte der Teichwirtschaft waren<br />
und sind zum Beispiel Holstein, die Oberlausitz,<br />
das Gebiet um Schleiz in Thüringen, die<br />
Oberpfalz, Mittelfranken, der südliche Pfälzerwald<br />
und das südliche Oberschwaben. In<br />
allen diesen Gebieten tauchen erste schriftliche<br />
Hinweise auf wirtschaftlich betriebene<br />
Fischerei und existierende und zu bauende<br />
Teiche im 13. Jahrhundert auf. Im 14.<br />
Jahrhundert erlebte die Teich- und Fischereiwirtschaft<br />
einen gewaltigen Aufschwung<br />
und eine Blütezeit, die bis ans Ende des 16.<br />
Jahrhunderts bzw. Anfang des 17. Jahrhunderts<br />
dauerte und in deren Verlauf unzählige<br />
Teiche entstanden sind. Ursache hierfür<br />
war nicht nur der hohe Fischbedarf für die<br />
Fortbildungsgesellschaft 51
52<br />
5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong> durch den Menschen<br />
vielen Fastentage, sondern auch die Tatsache,<br />
dass der Fisch ein Luxusgut war, mit<br />
dem man Spitzenpreise erzielen konnte.<br />
Der Teichbau hatte also ganz profane, ökonomische<br />
Hintergründe.<br />
Weitere Zwecke von Teichen sind:<br />
• Verschönerung und Belebung von Gärten<br />
und Parks (Schmuck-, Zier- oder Gartenteich)<br />
• Bereitstellung von Brauch- und Löschwasser<br />
(Löschteich)<br />
• Speicher für Energiewasser im Bergbau<br />
• Bereitstellung von Trinkwasser für Nutzvieh<br />
(Viehtränke)<br />
• Schwimm- oder Bademöglichkeit (Badeoder<br />
Schwimmteich)<br />
Wässerwiesen und<br />
Bewässerungsgräben<br />
Die Bewässerungslandwirtschaft war in<br />
vielen Regionen Deutschlands bis in die jüngere<br />
Vergangenheit weit verbreitet. Bei den<br />
sogenannten Wässerwiesen legte man ganze<br />
Grabensysteme und kleine Weiher an, um<br />
das nährstoffreiche Wasser 4 von den Häusern,<br />
Straßen und Stallungen zu sammeln<br />
und den Wiesen zu zuleiten. Ziel dieser Maßnahme<br />
war primär die Düngung der Wiesen<br />
zur Ertragssteigerung. Zusätzlich diente sie<br />
der Verlängerung der Vegetationszeit durch<br />
Winterwässerung, der „Entsäuerung”, der<br />
Unkraut- und Schädlingsbekämpfung sowie<br />
der Verbesserung des Wasserhaushalts.<br />
Diese Kulturtechnik geht – von antiken<br />
Ursprüngen ist auszugehen – nachweislich<br />
gebietsweise bis ins Hochmittelalter zurück<br />
(z.B. Wässerungsanlagen bei Isny im Allgäu<br />
im 12. Jahrhundert). Im 19. Jahrhundert erfuhr<br />
die Methode der Wiesenbewässerung<br />
einen großen Aufschwung. Zum Ausbau der<br />
Wiesen wendete man, je nach Wasserangebot<br />
und Relief, verschiedene Techniken<br />
an. So beispielsweise die Überstauung, den<br />
„natürlichen Hangbau”, den „Beethangbau”<br />
oder den Rückenbau, bei dem man die Wiesenoberflächen<br />
vollständig umgestaltete.<br />
Die Bewässerung der Wiesen wirkte sich<br />
deutlich auf den Vegetationsbestand der<br />
Wiesenflächen und Gräben aus: ehemalige<br />
Wässerwiesen weisen heute häufig eine<br />
hohe Strukturdiversität auf und sind - vor<br />
allem abhängig von dem Erhaltungszustand<br />
- als Kulturdenkmal einzustufen.<br />
Voraussetzung für eine effektive Bewässerung<br />
waren immer der Gewässerausbau,<br />
Neutrassierung, die Anlage von Wehren<br />
und Fallen, Haupt- und Nebengräben sowie<br />
Entwässerungsgräben, um die Flächen versumpfen<br />
zu lassen.<br />
Damit brachte der kulturtechnische<br />
Ausbau der Wiesen neben den positiven Aspekten<br />
auch eine Reihe von Nachteilen mit<br />
sich:<br />
Positive Effekte:<br />
• Beispiel für effektive Ressourcennutzung<br />
• Wasserretentionseffekte<br />
• Grundwasserneubildung<br />
• Ausgeprägtes Mikrorelief<br />
• hohe Standortvielfalt<br />
• kleinräumiges Vegetationsmuster<br />
Negative Effekte:<br />
• Wasserverbrauch<br />
• Barrieren im Gewässer<br />
(Ausleitungsbauwerke)<br />
• Gewässerausbau und -begradigung<br />
• Gezielte Trockenlegung der Grabensysteme<br />
• Wiesenintensivierung (Artenrückgang)<br />
• Reliefumgestaltung und Bodenstörung<br />
Wiesenbewässerung bedeutete also<br />
eine optimale Ausnutzung der Nährstoffressourcen,<br />
aber auch massive Eingriffe in<br />
die Gewässer und den Landschaftswasserhaushalt.
Flussbau und<br />
Hochwasserschutz<br />
Wie bereits zu Beginn angesprochen,<br />
wusste der Mensch nicht nur das Wasser<br />
nutzbar zu machen, sondern er musste sich<br />
auch dagegen schützen. Dies geschah bis auf<br />
den heutigen Tag mehr oder weniger erfolgreich,<br />
weil Eingriffe in die Flussdynamik immer<br />
Effekte nach sich ziehen, die gar nicht<br />
oder nur schwer abschätzbar sind. Diese Aussage<br />
gilt für frühere Zeiten um so mehr.<br />
Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts fand<br />
der Flussbau nicht in größeren Zusammenhängen<br />
statt. Man suchte nach punktuellen<br />
Problemlösungen und der Wasserbau stützte<br />
sich insgesamt auf Versuch und Irrtum sowie<br />
handwerkliche Erfahrung. Die Irrtümer mündeten<br />
häufig in größeren Katastrophen (z.B.<br />
unkontrollierte Überschwemmungen, starke<br />
Erosionserscheinungen, Uferabbrüchen).<br />
Im Zuge der Aufklärung profitierte der Wasserbau<br />
von den allgemeinen Fortschritten in<br />
Naturwissenschaft und Technik (zur Wissenschaft<br />
wurde er aber noch lange nicht).<br />
Von sehr großer Bedeutung war die territoriale<br />
Neuordnung weiter Gebiete des alten<br />
Reiches und eine sukzessive Einführung von<br />
Baubehörden. Zuvor hatten die betroffenen<br />
Flussanlieger meist nur in eigenem Interesse<br />
und zum Schaden der unterliegenden<br />
Nachbarn gehandelt. Gründe für Eingriffe in<br />
die Flussläufe waren unerwünschte Bettaufhöhungen<br />
und Engstellen, die zu Ausuferungen<br />
führten, „unordentliche” Verläufe,<br />
Krümmungen, Aufspaltungen, Inseln, Sediment-<br />
und Geschiebeeinträge aus Zuflüssen,<br />
ungleich hohe Ufer und die Sicherung<br />
von Bauwerken wie Brücken und Wehren<br />
sowie der Schutz von Siedlungen.<br />
Kulturtechnik contra Natur?<br />
An verschiedenen Beispielen wurde dargestellt,<br />
wie lange schon und wie stark der<br />
Mensch auch auf großen Flächen wasserbaulich<br />
in die Landschaften eingegriffen und diese<br />
Schleuse von einem Hochwasserrückhaltebecken<br />
nachhaltig verändert hat und dabei - aus<br />
heutiger Sicht - vieles zerstört, aber auch<br />
Werte, Lebensräume und sehenswerte Reize<br />
geschaffen hat. Alle Produkte der Eingriffe<br />
sind ein Stück Wirtschaftsleistung,<br />
Zeugen menschlicher Arbeit und Kultur, aber<br />
sie haben durchaus auch natürliche Züge<br />
und Eigenschaften angenommen, insbesondere<br />
offensichtlich bei den Teichen und<br />
künstlich gezogenen alten Bächen. Dennoch<br />
entziehen sie sich eigentlich einem Natürlichkeitsmaßstab,<br />
weil sie rein künstlichen<br />
Ursprunges und meist nur durch Pflege und<br />
Nutzung zu erhalten sind.<br />
Auf der anderen Seite gibt es ungezählte<br />
Strecken von ehemals natürlichen <strong>Fließgewässer</strong>n,<br />
die - etwa aus den Zeiten der<br />
Flößerei - von einer trocken gesetzten Mauer<br />
begleitet werden oder in denen sich noch<br />
technische Einrichtungen der Bewässerung<br />
oder Floßgassen befinden. Hier hat die Natur<br />
technische, kulturelle Züge angenommen.<br />
Soll man sie um eines puristischen Natürlichkeitsdiktats<br />
willen entfernen? - Was<br />
hat Vorrang? - Die technische Einrichtung als<br />
Spiegelbild einer bestimmten Zeit, ein hohes<br />
Maß an Natürlichkeit, die ökologische Funktionsfähigkeit,<br />
die Schönheit einer wasserbaulichen<br />
Anlage oder der Natur? - Doch müssen<br />
wir überhaupt „entweder oder” entscheiden?<br />
- Nein, wir müssen es nicht. Aus den in diesem<br />
Kapitel behandelten Zeiten sind nicht<br />
mehr viele Überbleibsel vorhanden. Deshalb<br />
sollten wir die wasserbaulichen Elemente und<br />
Relikte einfach belassen, integrieren und als<br />
Kulturlandschaftselemente pflegen.<br />
Fortbildungsgesellschaft 53
54<br />
5. Nutzung der <strong>Fließgewässer</strong> durch den Menschen<br />
Heutige Nutzungen<br />
Dass der Mensch die <strong>Fließgewässer</strong>- und<br />
Auen nutzungsorientiert gestaltet und damit<br />
in die natürlichen Prozesse eingegriffen hat,<br />
lässt sich an anhand vieler Beispiele belegen.<br />
Unterschiedlich fällt jedoch in den meisten<br />
Fällen die Bewertung der Veränderungen<br />
aus; beispielsweise die Antwort auf die Frage,<br />
ob nicht die Vorteile einer Nutzung, die<br />
damit verbundenen Nachteile rechtfertigen.<br />
Die allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche<br />
Situation hat auf die Antwort<br />
mit Sicherheit großen Einfluss. Im Folgenden<br />
werden einige häufig vorkommende gebrauchsbedingte<br />
Einflussnahmen und einige<br />
bedeutsame Nutzungen kurz und wertfrei<br />
dargestellt. Das Abwägen zwischen Vor- und<br />
Nachteil einer geplanten oder vorhandenen<br />
Nutzung ist Bestandteil der Planung.<br />
Inanspruchnahme von<br />
gewässernahen Flächen<br />
In der Vergangenheit sind in gewässernahen<br />
Bereichen (i.d.R. die Auen) verstärkt<br />
Straßen- und Eisenbahntrassen gebaut<br />
sowie Bereiche für Ansiedlungen und Infrastruktureinrichtungen<br />
und Siedlungen<br />
erschlossen worden. Dies ist auf die Vorteile<br />
des Standorts (z.B. liegen alle wichtigen<br />
Städte an Flüssen) bzw. den Umstand<br />
zurückzuführen, dass häufig nur dort noch<br />
freie Flächen verfügbar sind. Solche Eingriffe<br />
bedeuten für die betroffenen Gewässer<br />
eine Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten<br />
(z.B. aufgrund von Verbau, Verrohrungen,<br />
Ufersicherungen u.ä.). Eine<br />
weitere äußerst bedeutsame Benutzung der<br />
gewässernahen Bereiche und Auen umfasst<br />
den Hochwasserschutz. Durch den Bau von<br />
Deichen, Mauern u.a. werden die natürlichen<br />
Überschwemmungsgebiete von <strong>Fließgewässer</strong>n<br />
abgeschnitten und stehen damit<br />
für den Hochwasserschutz nicht mehr zur<br />
Verfügung.<br />
Abflussregulierung<br />
Zur Abflussregulierung werden quantitative<br />
(wassermengenwirtschaftliche)<br />
Einflussnahmen gezählt, wie Wasserentnahmen<br />
und -einleitungen sowie die Speicherung<br />
von Wasser.<br />
Wasserentnahmen entziehen einem<br />
<strong>Fließgewässer</strong> bzw. Gewässerabschnitt<br />
Wasser und reduzieren damit den Abfluss<br />
flussabwärts der Entnahmestelle. Wasserentnahmen<br />
dienen u.a. der Trinkwasserversorgung,<br />
der Wasserversorgung der<br />
Industrie, der Wasserversorgung von Wasserstraßen<br />
(Kanälen) und der Erzeugung<br />
von Strom in Wasserkraftanlagen (Ausleitungskraftwerke).<br />
Aber auch die zeitweise<br />
Speicherung (Zwischenspeicherung) von<br />
Wasser in Talsperren, Poldern oder anderen<br />
Rückhalteeinrichtungen entzieht dem <strong>Fließgewässer</strong><br />
Wasser und beeinflusst auf diese<br />
Weise das Abflussgeschehen. Entsprechendes<br />
gilt auch für die Entnahme von unterirdischem<br />
Wasser (Grundwasserentnahmen).<br />
Zusätzlich können auch unnatürlich hohe<br />
Wassereinleitungen in den betroffenen Gewässerstrecken<br />
zu Veränderungen führen. So<br />
sind zum Beispiel plötzliche Einleitungen von<br />
Oberflächenwasser (u.a. nachdem Anspringen<br />
eines Regenüberlaufes) stets problematisch,<br />
da dadurch die Strömungsgeschwindigkeiten<br />
im Zulaufbereich abrupt ansteigen. Die hohen<br />
Geschwindigkeiten fördern nicht nur die Erosion,<br />
sondern sind u.a. auch verantwortlich<br />
für die erhöhte Abdrift von Organismen.<br />
Gewässerausbau<br />
Der Gewässerausbau umfasst die wasserbauliche<br />
(flussbauliche) Gestaltung eines<br />
Gewässers. Solche flussbaulichen Maßnahmen<br />
und der Bau entsprechender Betriebs-<br />
und Kontrolleinrichtungen sind u.a.<br />
Voraussetzung für:
• Wasserversorgung (u.a. Sicherstellung<br />
der Trinkwasserversorgung, Bereitstellung<br />
von Wasser für die Industrie)<br />
• Güter- und Personentransport auf dem<br />
Wasser ( u.a. Wasserstraßen und Kanäle,<br />
Verbesserung der Bedingungen für die<br />
Schifffahrt),<br />
• Ressourcenschonende Stromerzeugung<br />
in Wasserkraftanlagen (u.a. Bau und Betrieb<br />
der Kraftwerksanlagen)<br />
• Landwirtschaftliche Nutzung (u.a. Beund<br />
Entwässerungsmaßnahmen, Meliorationen)<br />
• Sicherung von baulichen Anlagen in und<br />
am Gewässerbett (z.B. Brückenpfeiler,<br />
Versorgungsleitungen, Auslassbauwerke<br />
von Kläranlagen, Entnahmebauwerke)<br />
• Freizeit, Erholung und Sport ( u.a. Infrastruktureinrichtungen,<br />
Wander- und Radwege,<br />
Einsetzstellen für Boote)<br />
• Hochwasserschutz (u.a. Bau von Hochwasserschutzdeichen,<br />
-mauern, Poldern,<br />
Rückhaltebauwerken)<br />
• Nassabbau von Kies in der Gewässeraue<br />
Diese Aufzählung ist mit Sicherheit nicht<br />
vollständig, deckt jedoch die bedeutsamsten<br />
Nutzungen ab. In Abhängigkeit von den lokalen<br />
Verhältnissen und von der Nutzung sind an<br />
den <strong>Fließgewässer</strong>n unterschiedliche Ausbauvarianten<br />
anzutreffen. Häufig fügen sich die<br />
Gewässerausbauten (z.B. Böschungssicherungen,<br />
Buhnen) nahtlos in eine Landschaft<br />
ein. Andere Ausbauten müssen wiederum situationsbedingt<br />
massiver gestaltet werden.<br />
Sobald sich Nutzungen in der Nähe eines Gewässers<br />
konzentrieren und daher mit erheblichem<br />
Schadensrisiko bei Hochwasser zu<br />
rechnen ist, steigt der Anteil an Beton an.<br />
Man unterscheidet dabei zwischen konventionellem<br />
Gewässerausbau, bei dem der<br />
Gewässerverlauf weitgehend festgelegt wird<br />
und naturnahem Gewässerausbau. Hier werden<br />
unter anderem naturraumtypische Baustoffe<br />
verwendet und eine eigendynamische<br />
Ausformung der Laufentwicklung, wenn auch<br />
nur in kleinem Rahmen, ermöglicht.<br />
Der Mensch benötigt einen Zugang zu<br />
<strong>Fließgewässer</strong> und Aue, da damit oft existenzielle<br />
Erfordernisse verbunden sind. Die<br />
oben dargestellten allgemein beschriebenen<br />
Veränderungen werden getätigt, um<br />
Nutzungen zu ermöglichen bzw. diese zu<br />
optimieren und zu schützen.<br />
Institut für Landespflege,<br />
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg<br />
(www.landespflege-freiburg.de)<br />
Fußnoten:<br />
1 Eine Wiede, auch ein Wiedel genannt, ist ein verdrehter<br />
Zweig aus pflanzlichem Material, aus dem Bänder geflochten<br />
werden. Sie bestehen aus Haselnuss, Weide oder<br />
Traubenkirsche oder auch aus Eichen-, Tannen- und Fichtenstämmchen<br />
und waren sehr belastbar. Zur Herstellung<br />
von Wieden wurden die Stämmchen in Wasser eingeweicht<br />
und in vier bis fünf Meter langen Bäh- oder Wiedöfen erhitzt<br />
(„gebäht”). Anschließend wurden diese im heißen Zustand<br />
an Wiedstöcken zu Wieden gedreht und zu Kränzen<br />
geformt.<br />
2 Als Grundablass bezeichnet man die verschließbare Öffnung<br />
zum Entleeren des Stauinhalts (des Nutzraums).<br />
3 Der Treibgutrechen ist eine aus einer Vielzahl parallel angeordneten<br />
Holz- oder Metallstäben, oft rechteckigen<br />
Querschnittes bestehende Vorrichtung, die dazu dient,<br />
Treibgut in Gewässern vor wasserwirtschaftlichen Anlagen<br />
aufzuhalten.<br />
4 Heute würde man abschätzig Abwasser dazu sagen.<br />
Literatur<br />
Textpassagen wurden entnommen aus:<br />
Jürging, P. & Patt, H. (2005):<br />
<strong>Fließgewässer</strong>- und Auenentwicklung - Grundlagen<br />
und Erfahrungen – (Kapitel 3: Mensch und<br />
<strong>Fließgewässer</strong>) - Springer Verlag, Heidelberg: 523 S.<br />
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie:<br />
• Artikel Flößerei<br />
(Bearbeitungsstand: 12. Oktober 2007)<br />
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Fl%<br />
C3%B6%C3%9Ferei&oldid=37767814<br />
(Abgerufen: Oktober 2007)<br />
• Artikel Teich<br />
(Bearbeitungsstand: 26. Oktober 2007)<br />
URL: http://de.wikipedia.org/w/<br />
index.php?title=Teich&oldid=38279524<br />
(Abgerufen: Oktober 2007)<br />
• Artikel Treideln<br />
(Bearbeitungsstand: 17. Juli 2007)<br />
URL: http://de.wikipedia.org/w/<br />
index.php?title=Treideln&oldid=34486973<br />
(Abgerufen: Oktober 2007)<br />
• Artikel Wiesenbewässerung<br />
(Bearbeitungsstand: 24. April 2007) http://<br />
de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wiesenbew%C3<br />
%A4sserung&oldid=30912972<br />
(Abgerufen: 27. Oktober 2007)<br />
Fortbildungsgesellschaft 55
Arbeitsblätter<br />
Inhalt/Thema Arbeitsblatt<br />
Pflanzensteckbrief ............................................................. Nr. 1<br />
Baumsteckbrief ................................................................. Nr. 2<br />
Bachprotokoll .................................................................... Nr. 3<br />
Biologische Gewässergüte ................................................. Nr. 4<br />
Wer ist wer? ...................................................................... Nr. 5<br />
Tiere im Vergleich ............................................................. Nr. 6<br />
Warum kann die Forelle so schnell schwimmen? .................. Nr. 7<br />
Das Forellenquiz ................................................................. Nr. 8<br />
Wie kann man Gewässer und Natur schützen? ..................... Nr. 9<br />
Wir untersuchen: Fühlen sich Fische hier wohl? ................... Nr. 10<br />
Was macht der Mensch am <strong>Fließgewässer</strong>? ....................... Nr. 11<br />
Vorlage Naturfarben-Palette .............................................. Nr. 12<br />
Bauanleitung Wasserrad .................................................... Nr. 13<br />
Fortbildungsgesellschaft 57
Fortbildungsgesellschaft
Arbeitsblatt Nr. 1<br />
Pflanzensteckbrief<br />
Zeichne die Pflanze mit Blättern und Blüten möglichst genau:<br />
_____________________________________________________________________<br />
Wo hast du die Pflanze gefunden?<br />
am Ufer auf der Wiese<br />
in der Böschung woanders<br />
_____________________________________________________________________<br />
Wie viele Blütenblätter hat die Pflanze?<br />
_____________________________________________________________________<br />
Welche Farbe hat die Blüte?<br />
_____________________________________________________________________<br />
Zu welcher Pflanzenfamilie gehört sie?<br />
_____________________________________________________________________<br />
Name der Pflanze:<br />
Fortbildungsgesellschaft
Fortbildungsgesellschaft
Arbeitsblatt Nr. 2<br />
Baumsteckbrief<br />
Rubbelbild der Rinde:<br />
_____________________________________________________________________<br />
Wo steht der Baum?<br />
am Wasser auf der Wiese<br />
in der Böschung woanders<br />
_____________________________________________________________________<br />
Wie dick ist der Baumstamm?<br />
_____________________________________________________________________<br />
Klebe ein Blatt auf:<br />
_____________________________________________________________________<br />
Zeichne die Frucht des Baumes:<br />
_____________________________________________________________________<br />
Name des Baumes:<br />
Fortbildungsgesellschaft
Fortbildungsgesellschaft
Arbeitsblatt Nr. 3<br />
Bachprotokoll<br />
Name des Flusses/Baches:<br />
_____________________________________________________________________<br />
Aussehen des Wassers:<br />
klar leicht trüb sehr trüb<br />
_____________________________________________________________________<br />
Boden des Baches:<br />
große Steine Kies und Steine<br />
Sand Schlamm und weicher Boden<br />
_____________________________________________________________________<br />
Am Ufer gibt es:<br />
keine Pflanzen Gras und niedrige Pflanzen<br />
Sträucher Bäume (welche Baumarten kommen vor?):<br />
____________________________________<br />
_____________________________________________________________________<br />
Bachverlauf:<br />
geschlängelt mit Kurven begradigt<br />
_____________________________________________________________________<br />
Pufferzone: Hat der Bach einen durchgehenden, ungenutzten Uferstreifen?<br />
ja nein<br />
_____________________________________________________________________<br />
Müll:<br />
Müll im Bachbett Müll am Ufer kein Müll<br />
_____________________________________________________________________<br />
Veränderung am Ufer/Bach durch den Menschen:<br />
Beton oder Steinmauer Rohre<br />
Uferbefestigung mit Holz nichts<br />
_____________________________________________________________________<br />
Zusatzmessungen:<br />
Breite des Baches _______ m<br />
Tiefe des Baches _______ cm<br />
Wassertemperatur _______ °C<br />
_____________________________________________________________________<br />
Strömungsgeschwindigkeiten:<br />
Für 10 Meter braucht das Wasser ____________ Sekunden.<br />
Fortbildungsgesellschaft
Fortbildungsgesellschaft
Arbeitsblatt Nr. 4<br />
Biologische Gewässergüte<br />
Was für eine Qualität hat dieses <strong>Fließgewässer</strong>?<br />
Güteklasse 1-2<br />
sauber<br />
Güteklasse 2<br />
leicht<br />
verschmutzt<br />
Güteklasse 2-3<br />
mäßig bis<br />
stark<br />
verschmutzt<br />
Güteklasse 3-4<br />
stark bis<br />
übermäßig<br />
verschmutzt<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
Strudel-<br />
wurm<br />
Gemeiner<br />
Flohkrebs<br />
Zweiäugiger<br />
Plattegel<br />
Wasserassel<br />
Eintagsfliegen-<br />
larve<br />
Eintagsfliegen-<br />
larve<br />
Schlamm-<br />
schnecke<br />
Rollegel<br />
Steinfliegen-<br />
larve<br />
Wasser-<br />
geistchen<br />
Kugel-<br />
muschel<br />
Köcherfliegen-<br />
larve<br />
Flussmuschel<br />
Flussflohkrebs<br />
RattenZuckmückenschwanzlarvelarve Abbildungen der Organismen: Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.
Fortbildungsgesellschaft
Arbeitsblatt Nr. 5<br />
Wer ist wer?<br />
Ordne den Wassertieren die richtige Eigenschaft zu<br />
und verbinde sie mit einem Strich!<br />
_____________________________________________________________________<br />
An meinem Hinterleib<br />
habe ich drei fadenartige<br />
Schwanzanhänge<br />
Ich bin sehr schnell<br />
und schwimme immer<br />
auf der Seite liegend<br />
Ich bin sehr glitschig<br />
und halte mich mit zwei Saugnäpfen<br />
an Steinen fest<br />
Ich habe viele Beine<br />
und Verwandte, die an<br />
Land leben<br />
Mein Körper ist<br />
von einer<br />
Schale geschützt<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
FLoHKReBS<br />
FLUSSMUScHeL<br />
WASSeRASSeL<br />
EiNtAGSFliEGENlArVE<br />
eGeL<br />
Abbildungen der Organismen: Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.
Arbeitsblatt Nr. 5 • AUFlÖSUNG<br />
Wer ist wer?<br />
Ordne den Wassertieren die richtige Eigenschaft zu<br />
und verbinde sie mit einem Strich!<br />
_____________________________________________________________________<br />
An meinem Hinterleib<br />
habe ich drei fadenartige<br />
Schwanzanhänge<br />
Ich bin sehr schnell<br />
und schwimme immer<br />
auf der Seite liegend<br />
Ich bin sehr glitschig<br />
und halte mich mit zwei Saugnäpfen<br />
an Steinen fest<br />
Ich habe viele Beine<br />
und Verwandte, die an<br />
Land leben<br />
Mein Körper ist<br />
von einer<br />
Schale geschützt<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
FLoHKReBS<br />
FLUSSMUScHeL<br />
WASSeRASSeL<br />
EiNtAGSFliEGENlArVE<br />
eGeL<br />
Abbildungen der Organismen: Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.
Arbeitsblatt Nr. 6<br />
Tiere im Vergleich<br />
Trage die<br />
Namen der<br />
Tiere hier ein<br />
und zeichne<br />
diese:<br />
Was frisst<br />
das jeweilige<br />
Tier?<br />
Wo lebt das<br />
jeweilige<br />
Tier am Bach?<br />
Wie atmet<br />
das jeweilige<br />
Tier?<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
tiEr 1 tiEr 2
Fortbildungsgesellschaft
Arbeitsblatt Nr. 7<br />
Warum kann die Forelle so schnell schwimmen?<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
besitzen nur Fische, die zur<br />
Familie der Lachse gehören<br />
Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />
zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />
erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de
Arbeitsblatt Nr. 7 • AUFlÖSUNG<br />
Warum kann die Forelle so schnell schwimmen?<br />
Schuppen und Schleim<br />
Schutz<br />
rückenflosse<br />
Gleichgewicht<br />
Fettflosse<br />
Kiemen<br />
keine Funktion<br />
Atmung<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
besitzen nur Fische, die zur<br />
Familie der Lachse gehören<br />
2 Brustflossen<br />
Schwanzflosse<br />
Steuerung<br />
Antrieb<br />
2 Bauchflossen<br />
Afterflosse<br />
Steuerung<br />
Gleichgewicht<br />
Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />
zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />
erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de
Arbeitsblatt Nr. 8<br />
Das Forellenquiz<br />
Auf welchen Bildausschnitten ist die Forelle dargestellt?<br />
A F S<br />
I X<br />
_____________________________________________________________________<br />
eine Forelle legt<br />
B bis 5 Eier c bis 2500 Eier D bis 2 Millionen Eier<br />
_____________________________________________________________________<br />
Eine Fettflosse haben nur<br />
M<br />
P<br />
H<br />
Fische, die mit dem Karpfen verwandt sind.<br />
Hechte<br />
Fische, die zur Familie der Lachse und Forellen gehören.<br />
_____________________________________________________________________<br />
Die Bachforelle hat<br />
e<br />
L<br />
K<br />
rote Punkte und Streifen<br />
einen roten Streifen<br />
sehr große Schuppen<br />
_____________________________________________________________________<br />
Forellen brauchen<br />
W warmes Wasser R kaltes Wasser T Schlammgrund<br />
_____________________________________________________________________<br />
lösung: Der fängt nicht nur Fische.<br />
Er sorgt dafür, dass genügend im Wasser sind und schützt ihren Lebensraum.<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
G<br />
Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />
zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />
erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de
Arbeitsblatt Nr. 8 • AUFlÖSUNG<br />
Das Forellenquiz<br />
Auf welchen Bildausschnitten ist die Forelle dargestellt?<br />
A F S<br />
I X<br />
_____________________________________________________________________<br />
eine Forelle legt<br />
B bis 5 Eier c bis 2500 Eier D bis 2 Millionen Eier<br />
_____________________________________________________________________<br />
Eine Fettflosse haben nur<br />
M<br />
P<br />
H<br />
Fische, die mit dem Karpfen verwandt sind.<br />
Hechte<br />
Fische, die zur Familie der Lachse und Forellen gehören.<br />
_____________________________________________________________________<br />
Die Bachforelle hat<br />
e<br />
L<br />
K<br />
rote Punkte und Streifen<br />
einen roten Streifen<br />
sehr große Schuppen<br />
_____________________________________________________________________<br />
Forellen brauchen<br />
W warmes Wasser R kaltes Wasser T Schlammgrund<br />
_____________________________________________________________________<br />
F I S c H e R<br />
lösung: Der fängt nicht nur Fische.<br />
Er sorgt dafür, dass genügend im Wasser sind und schützt ihren Lebensraum.<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
G<br />
Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />
zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />
erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de
Arbeitsblatt Nr. 9<br />
Wie kann man Gewässer und Natur schützen?<br />
Auswahlantworten (Unterstreiche die richtigen Vorschläge):<br />
L Badeverbote beachten<br />
F Gräben verrohren<br />
e Fische in angemessener<br />
Weise für den menschlichen<br />
Verzehr fangen<br />
T geschützte Pflanzen<br />
ausgraben<br />
B Schutzzonen beachten<br />
e keine ungeklärten<br />
Abwässer einleiten<br />
M Moore trockenlegen<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
N Uferbereiche nicht unnötig<br />
oder grundlos niedertreten<br />
S schützenswerte<br />
Biotope erhalten<br />
I Meere nicht als<br />
Müllkippe verwenden<br />
W Autos an Bächen waschen<br />
c Wasserschutzgebiete<br />
schonen<br />
A Tiere mutwillig oder ohne<br />
vernünftigen Grund aus<br />
dem Wasser fangen<br />
H Rad- und Wanderwege<br />
nicht verlassen<br />
V Zelten im Schilfbereich<br />
e Lärm vermeiden<br />
D Düngen in<br />
Wasserschutzgebieten<br />
R Bachläufe nicht begradigen<br />
Z Altöl in Flüsse gießen<br />
K Tümpel zuschütten<br />
N Uferbereiche von<br />
Abfällen freihaltenen<br />
Malt die Kennbuchstaben der richtigen Vorschläge im Schaubild farbig an.<br />
lest im Uhrzeigersinn um den Kreis und ihr findet die richtige lösung.<br />
tragt die lösung ein! Wie heißt die Aufgabe für uns alle?<br />
Gewässer schützen, weil wir damit ...<br />
Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />
zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />
erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de
Arbeitsblatt Nr. 9 • AUFlÖSUNG<br />
Wie kann man Gewässer und Natur schützen?<br />
Auswahlantworten (Unterstreiche die richtigen Vorschläge):<br />
L Badeverbote beachten<br />
F Gräben verrohren<br />
e Fische in angemessener<br />
Weise für den menschlichen<br />
Verzehr fangen<br />
T geschützte Pflanzen<br />
ausgraben<br />
B Schutzzonen beachten<br />
e keine ungeklärten<br />
Abwässer einleiten<br />
M Moore trockenlegen<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
N Uferbereiche nicht unnötig<br />
oder grundlos niedertreten<br />
S schützenswerte<br />
Biotope erhalten<br />
I Meere nicht als<br />
Müllkippe verwenden<br />
W Autos an Bächen waschen<br />
c Wasserschutzgebiete<br />
schonen<br />
A Tiere mutwillig oder ohne<br />
vernünftigen Grund aus<br />
dem Wasser fangen<br />
H Rad- und Wanderwege<br />
nicht verlassen<br />
V Zelten im Schilfbereich<br />
e Lärm vermeiden<br />
D Düngen in<br />
Wasserschutzgebieten<br />
R Bachläufe nicht begradigen<br />
Z Altöl in Flüsse gießen<br />
K Tümpel zuschütten<br />
N Uferbereiche von<br />
Abfällen freihaltenen<br />
Malt die Kennbuchstaben der richtigen Vorschläge im Schaubild farbig an.<br />
lest im Uhrzeigersinn um den Kreis und ihr findet die richtige lösung.<br />
tragt die lösung ein! Wie heißt die Aufgabe für uns alle?<br />
Gewässer schützen, weil wir damit ...<br />
l E B E N S i C H ErN<br />
Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />
zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />
erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de
Arbeitsblatt Nr. 10<br />
Wir untersuchen: Fühlen sich Fische hier wohl?<br />
Der lauf des Baches/Flusses ist<br />
natürlich – gewunden, er ist nicht durch<br />
den Menschen verändert<br />
naturnah – hat noch seinen natürlichen<br />
Lauf, aber es sind Baumaßnahmen<br />
(z.B: eine Uferbefestigung aus Steinen)<br />
zu erkennen<br />
naturfern – durch Baumaßnahmen<br />
(z.B. Begradigung) verändert<br />
An dieser Stelle des Baches/Flusses<br />
gibt es<br />
überhaupt keine Bauwerke<br />
im Bach-/Flussbett<br />
eine Solschwelle, eine Art Wehr aus Natursteinen,<br />
über die das Wasser laufen kann<br />
ein Wehr<br />
Die Strömung des Baches/Flusses<br />
ist abwechslungsreich (schnelle<br />
und langsame Bereiche, Rückläufe)<br />
zeigt an einigen Stellen Strömungsunterschiede<br />
ist eintönig (nur eine Fließgeschwindigkeit<br />
erkennbar)<br />
im Bach-/Flussbett<br />
befinden sich Vertiefungen,<br />
Engstellen oder Sand-/Kiesbänke<br />
liegen große Steine oder Bäume/Äste<br />
findet man hin und wieder tiefere Stellen<br />
herrscht nur eine einheitliche<br />
Gewässertiefe vor<br />
Auswertung:<br />
Du hast häufig Sätze angekreuzt:<br />
Es handelt sich um ein weitgehend natürliches Gewässer, in und<br />
an dem sich Fische noch wohl fühlen. Sie können sich verstecken<br />
und zu ihren Laichplätzen wandern.<br />
Du hast häufig Sätze angekreuzt:<br />
Der Zustand des Gewässers ist bereits bedenklich.<br />
Hier fühlen sich nicht mehr alle Fischarten wohl.<br />
Du hast häufig Sätze angekreuzt:<br />
Hier wird es für Fische und andere Tiere schwierig zu überleben.<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
Der Gewässergrund besteht<br />
aus Kies oder Sand<br />
an vielen Stellen aus Kies oder Sand<br />
aus Schlamm<br />
aus Kies, der von einer schmierigen<br />
Algenschicht überzogen ist<br />
Fische<br />
Du hast an mehreren Stellen Fische<br />
entdeckt. Kennst du Namen der hier<br />
lebenden Fische?<br />
In dem Gewässer leben schon Fische,<br />
sind aber schwer zu beobachten.<br />
In dem Gewässer gibt es keine<br />
oder nur sehr wenig Fische.<br />
Tiere und Spuren<br />
Du findest häufig Tiere und/oder<br />
Spuren von Tieren (Vögeln, Säugetieren,<br />
Insekten, Lurchen, usw.) Kennst du die<br />
Namen?<br />
Du entdeckst einige Tiere<br />
oder Spuren von Tieren.<br />
Tiere oder Spuren von ihnen<br />
sind nicht zu entdecken.<br />
Dieses und weitere Arbeitsblätter, sowie Infos<br />
zum Thema „Fische und Gewässerschutz”<br />
erhältlich unter www.fischer-machen-schule.de
Fortbildungsgesellschaft
Arbeitsblatt Nr. 11<br />
Was macht der Mensch am <strong>Fließgewässer</strong>?<br />
Finde weitere Aktivitäten und zeichne sie in das Bild ein:<br />
Fortbildungsgesellschaft
Fortbildungsgesellschaft
Arbeitsblatt Nr. 12<br />
Vorlage Naturfarben-Palette<br />
Direkt auf dickere Pappe kopieren oder aufkleben.<br />
Fortbildungsgesellschaft
Fortbildungsgesellschaft
Arbeitsblatt Nr. 13<br />
Bauanleitung Wasserrad<br />
Benötigte <strong>Materialien</strong>:<br />
- Tischlerplatte o.ä. (wasserfest), ca. 12x12cm, Dicke ca. 30mm<br />
- Kantholz, 2x2cm, Länge ca. 25-30cm<br />
- Rundholz oder Kantholz, ca. 30-40mm dick, ca. 40-60cm lang<br />
- 2 Unterlagsscheiben, Innendurchmesser 12mm<br />
- 6 gleiche Kochlöffel<br />
Herstellung:<br />
Auf der Holzplatte einen Kreis mit 10cm Durchmesser<br />
und in diesen ein Sechseck (Kantenlänge=5cm) zeichnen.<br />
Genau in der Mitte des Kreises wird ein Quadrat<br />
mit 2x2cm ausgesägt. Danach das Sechseck<br />
aussägen und die sägerauhen Flächen<br />
abschleifen. In der Dicke des Kochlöffelstiels<br />
werden nun sechs ca 3cm tiefe Löcher in die<br />
Holzplatte gebohrt (siehe Zeichnung).<br />
Fortbildungsgesellschaft<br />
Vierkantloch<br />
20/20mm<br />
Kantenlänge 5cm<br />
Kochlöffel<br />
Aus dem Kantholz 2x2cm schnitzt und feilt man<br />
seitlich ca. 3,5cm lange Zapfen. Der Durchmesser<br />
sollte dem Loch der Unterlagsscheibe entsprechen.<br />
Die Zapfen sind möglichst gleichmäßig<br />
rund und glatt zu schleifen. Dann die<br />
Kochlöffel mit wsaserfestem Kleber in<br />
die Holzplatte leimen und diese mittels<br />
Welle 20/20mm<br />
kleiner Holzkeile auf der Welle befestigen. Unterlagsscheibe Runder Zapfen (Lager)<br />
In die je nach örtlicher Gegebenheit abgelängten<br />
Holzstützen einen Schlitz zur Aufnahme der<br />
Wellenzapfen sägen und feilen. Als Sicherung kann<br />
ein Zahnstocher o.ä. genommen werden.<br />
Zahnstocher<br />
hölzerne Radstütze
Fortbildungsgesellschaft