business summit - GO-AHEAD

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GO AHEAD! Das Magazin für visionäre Denker und andere

DIE KERNSCHMELZE DES FINANZSYSTEMS Nummer 1/2011

DAS MAGAZIN FÜR VISIONÄRE DENKER UND ANDERE

NUMMER 1/2011

Kongress zur Österreichischen Schule der Nationalökonomie

Nationalökonom

Seite 30

Rahim Taghizadegan

Politischer Wandel Seite 8

4 201130 091005

Die Kernschmelze

Des Finanzsystems

GO AHEAD!

leading responsibly

www.go-ahead.at

Hannes Zipfel

Gutes Geld und schlechtes Geld Seite 12

Ralf Flierl

Eine „österreichische Welt“ Seite 56


Kursentwicklung in EUR

(indexiert, Basis 100)

100

40

Nov 2007

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Nov 2008 Nov 2009 Nov 2010 Jul 2011

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sind kein Indiz für die Zukunft. Die hier verwendeten Daten und Informationen basieren auf zuverlässigen Quellen. Absolute Portfolio Management GmbH und die mit ihr verbundenen Gesellschaften übernehmen trotz sorgfältiger

Ermittlung keinerlei Garantie für die Richtigkeit aller Daten sowie eine allfällige Haftung aus Nachteilen, die direkt oder indirekt aus der Verwendung dieser Anzeige oder ihres Inhaltes entstehen.

Quelle: Bloomberg, Monatskurse,

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Die Kernschmelze des Finanzsystems

WIR HÄTTEN ES NICHT EXAKTER TREFFEN KÖNNEN AUCH WENN WIR WEDER

VERURSACHER NOCH PANIKMACHER DER TURBULENZEN AN DEN FINANZ-

MÄRKTEN SIND. DAS GEGENTEIL IST WAHR, WIR VERSUCHEN MIT DEM DRIT-

TEN KONGRESS ZUR ÖSTERREICHISCHEN SCHULE DER NATIONALÖKONOMIE,

LICHT IN DAS DUNKLE GEDANKENGEBÄUDE DER MEISTEN

Der Unverstand und das mangelnde Wissen über die Zusammenhänge

unseres Finanzsystems machen erst diese Krise in

ihrem vollen Ausmaß so gefährlich. Leider fehlt es am gesunden

Menschverstand und am Erkennen der dahinterliegenden

Ideen mancher wirtschaftswissenschaftlicher Lösungsansätze.

Dass die Zufriedenheit mit den bisherigen Erklärungsansätzen

für die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise und vor allem

mit den bisherigen „Exit“-Strategien eine überaus enden wollende

ist, zeigt sich auch an den medialen und öffentlichen

Wellen, die das Thema eines möglichen Staatsbankrottes

schlägt.

In der Tat sind die Handlungserfordernisse seit dem Sommer

dieses Jahres um ein wesentliches gestiegen. Noch größere

Schuldenberge in den reichsten Ländern der westlichen Welt

verstellen uns den Blick in die Zukunft. Über die Zukunft der

europäischen Währung wird mehr denn je gemunkelt. Unsicherheit

und auch Angst vor Radikalisierung machen sich in

einigen Städten breit.

Vor diesem Hintergrund will der Dritte Kongress zur Schule

der Österreichischen Nationalökonomie mit kritischen Analysen

neue Perspektiven für die Zukunft eröffnen. Denn wer

die Ursachen der Krise nicht verstanden hat – und das haben

in der Politik viele nicht -, der wird wohl kaum dazu in der

Lage sein, die richtigen Lösungsperspektiven zu entwickeln.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen mit der aktuellen Ausgabe

unseres Kongressmagazins und mit seinen hochkarä-

MARKTTEILNEHMER ZU BRINGEN.

5

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Editorial

Mag. Nikolaus Kimla

Herausgeber

tigen Autoren eine spannende und aufschlussreiche Lektüre

– und Ihnen als Besucher des Kongresses neue Impulse und

Perspektiven.

Lassen wir uns von den Gedanken unseres Hauptreferenten

des letzten Kongresses Ron Paul inspirieren: „Ideen spielen

bei der Formierung der Gesellschaft eine große Rolle. Ja,

sie sind bei weitem mächtiger als Bomben oder Armeen oder

Gewehre. Das liegt daran, dass Ideen sich über alle Grenzen

hinweg ausbreiten können. Sie stecken hinter allen Entscheidungen,

die wir treffen. Sie können die Welt in eine Weise

verändern, wie es Regierungen und Armeen nicht können.

Mit Ideen für die Freiheit zu kämpfen, ergibt für mich sehr

viel mehr Sinn, als mit Gewehren oder mit Politik oder politischer

Macht zu kämpfen. Mit Ideen können wir tatsächliche

Veränderungen bewirken, die auch bleiben“. «


Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum es in Österreich so viele

gute Ideen gibt?

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Cover-Story

EINE „ÖSTERREICHISCHE WELT“

08 Politischer Wandel

12 Gutes Geld und schlechtes Geld

18 Die Renaissance der Österreichischen Schule

der Nationalökonomie

26 Wenn Währungen scheitern

„Geldanlage in der Hyperinflation“

30 Die Kernschmelze des Finanzsystems

56 Eine „österreichische Welt“

Wie sähe eine Gesellschaft aus, die über eine

wettbewerbliche Geldordnung verfügt?

64 Keynes ist tot – nicht der Kapitalismus

70 Österreich: Mit privatem Wachstumskapital

durchstarten

74 Zeit für GO AHEAD

80 Die Kernschmelze der Wirtschaftsethik

oder: WIR sind „der Balkan“

86 GO AHEAD! Die Wirtschaftsplattform

WENN MAN SICH ALL DIE PUNKTE VERGEGENWÄRTIGT, DIE IN DIESER AUSGABE

BEZÜGLICH „GUTEN GELDES“ BESCHRIEBEN WERDEN, SO STELLT SICH NATÜRLICH

DIE ENTSCHEIDENDE FRAGE: WIE SÄHE DENN EINE SOLCHE GESELLSCHAFT AUS, IN

DER ES KEIN VON STAATSWEGEN AUFGEZWUNGENES, SONDERN EIN WETTBEWERB-

LICHES GELD GÄBE. WÄRE DIESE WELT ANDERS, EINFACHER ODER GAR BESSER ALS

DIE JETZIGE?

Ralf Flierl Seite 56

7

Politischer Wandel

Rahim Taghizadegan

Gutes Geld und schlechtes Geld

Hannes Zipfel

Seite 12

Eine „österreichische Welt“

Zeit für GO AHEAD

Nikolaus Kimla

Seite 74

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Inhalt

Seite 08

Ralf Flierl

Seite 56


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Politischer Wandel

Rahim Taghizadegan

Politischer Wandel

8


GESELLSCHAFT, WIRTSCHAFT UND STAAT BETRACHTET DIE ÖSTERREICHISCHE SCHULE NICHT ALS MYSTISCHE,

SELBSTSTÄNDIGE WESEN, DAHER AUCH NICHT ALS BESTIEN, DENEN WIR AUSGELIEFERT SIND, SONDERN ALS KOM-

PLEXE ERGEBNISSE DES HANDELNS DER MENSCHEN. DIE ERSTE KONSEQUENZ DIESES GEDANKENS LIEGT DARIN,

DIE GROSSEN WORTE, DIE S CHÖNEN ABSICHTEN UND INSBESONDERE DIE POLITIK ETWAS WENIGER ERNST ZU NEH-

MEN. ES GILT DIE MAHATMA GANDHI ZUGESCHRIEBENE EMPFEHLUNG: SEI SELBST DIE VERÄNDERUNG, DIE DU IN DER

WELT SEHEN WILLST.

Veränderung ist niemals kostenlos und daher selten

bequem. Die Ausreden, man könne nichts verändern,

weil es dafür nicht genügend Zustimmung, Geld,

Zeit gäbe, sind allzu bequeme Vorwände. Ludwig von

Mises erkannte: „Aller Fortschritt der Menschheit

vollzog sich stets in der Weise, dass eine kleine Minderheit

von den Ideen und Gebräuchen der Mehrheit

abzuweichen begann, bis schließlich ihr Beispiel die

anderen zur Überzeugung der Neuerung bewog. Wenn

man der Mehrheit das Recht gibt, der Minderheit vorzuschreiben,

was sie denken, lesen und tun soll, dann

unterbindet man ein für alle Male allen Fortschritt.“

Die Betonung des Unternehmertums durch die Österreichische

Schule drückt eine nüchterne Bevorzugung

des Bessertuns anstelle des bloßen Besserwissens

aus.

Und dennoch misst die Österreichische Schule dem Wissen

ganz entscheidende Bedeutung bei. Gemeint ist allerdings

weniger die Anhäu fung von Fakten, sondern es geht darum,

das zu sehen, was andere übersehen. Wir sind letztlich geistige

Wesen. Ideen – unsere Vorstellungen von der Welt – prägen

unser Handeln. Darum stellt den ersten Schritt zum Bessertun

ein besseres Verständnis der Realität dar. Das bedeutet

nicht, dass man alles wissen muss, bevor man handeln kann.

Zum Glück stehen uns so viele, für sich genommen scheinbar

9

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Politischer Wandel

unbedeutende, aber in Summe so bedeutsame Möglichkeiten

zum Handeln offen, dass jeder an seinem kleinen Stück Welt

üben kann. Gerade weil in der Zukunft eine neue Praxis,

ein neues Handeln erforderlich sein wird, ist es wesentlich

praktischer, sich die Muße zur Theorie zu gönnen, als den

widersprüchlichen Rezepten der Gegenwart zu folgen. Um

uns unsere entfremdete Welt wieder anzueignen, müssen wir

mit den Augen eines Kindes oder Philosophen durch die Welt

gehen lernen. Es gibt so vieles zu entdecken, zu hinterfragen,

auszuprobieren!

Weil jeder von uns nur über einen kleinen Ausschnitt des

Wissens verfügt und wir im Vorhinein nicht wissen, was sich

bewähren wird, sind die Wissensteilung und die Fähigkeit

zu lernen von so großer Wichtigkeit. Daraus leiten sich die

politischen Empfehlungen der Österreichischen Schule ab.

Anstelle der Zentralisierung von Entscheidungen bei wenigen,

die weit entfernt von den konkreten Verhältnissen sind,

betonen die Österreicher die persönliche Verantwortung, die

sich darauf beschränkt, was reale Menschen absehen können.

Die Konsequenz wären wesentlich kleinere politische Einheiten.

Womöglich – und das erhoffen viele der jüngeren „Austrians“

– könnten solche Einheiten vollkommen auf der freiwilligen

Einsicht der Menschen beruhen, weil sie sich mit

ihnen identifi zieren können, und würden gänzlich ohne die


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Politischer Wandel

Initiierung von Zwang auskommen. Hier ist von „Initiierung

die Rede, weil auch kein aktueller Vertreter der Österreichischen

Schule so unrealistisch ist, anzunehmen, dass es unter

Menschen jemals ausschließlich Freundschaft und Frieden

geben wird. Reale Menschen neigen zu allerlei Lastern und

Schwächen und eben auch zur Gewalt. Der komplizierten

Frage des politischen Zusammenlebens können wir uns hier

leider nur am Rande widmen. Dieses Buch ist der ökonomischen

Tradition der Österreichischen Schule gewidmet und

kann die zahlreichen politischen, ethischen, psychologischen,

erkenntnistheoretischen und historischen Exkurse, die aus

dieser Tradition hervorgegangen sind, nur streifen.

Kleinere politische Einheiten

Unabhängig davon, wie die politischen Einheiten verfasst

sind, betonen die „Österreicher“ auch in diesem Bereich die

Vorzüge des Wettbewerbs. Dabei geht es ihnen nicht um

einen rastlosen Wettlauf, wie er etwa im Wettrüsten zutage

tritt. Das Prinzip des Wettbewerbs versteht die Österreichische

Schule als die Möglichkeit, Angebote abzulehnen. Die

Weil das Handeln der Menschen das Entscheidende

ist, reicht es nicht aus, bloß mehr Markt

und weniger Staat zu fordern, wie dies manche

Kleinere politische Einheiten „Austrians“ in ideologischem

Überschwang tun.

Staaten unserer Tage würden freilich wenig erfreut reagieren,

wenn wir ihnen schrieben, wir wären nach gewissenhafter

Prüfung zum Entschluss gelangt, dass wir ihr freundliches

Angebot ablehnen müssen und das Abonnement ihrer

Leistungen gerne zum nächstmöglichen Termin kündigen

möchten. Die jüngeren „Austrians“ betonen, dass die Staaten

ebenso reagieren würden wie jede andere kriminelle Organisation:

mit Waffengewalt.

Je größer die politischen Einheiten, desto schwieriger wird

es, ihren „Angeboten“ auszuweichen. Selbst wenn man das

gar nicht möchte, sondern sich trotz aller Ärgernisse zu

Hause ganz wohlfühlt, hat der Mangel an Wettbewerb die

10

üblichen Folgen, die wir aus der Wirtschaft kennen: Die Qualität

der Leistungen nimmt ab, während die Kosten dafür steigen.

Auch der Steuerwettbewerb folgt diesem Prinzip. Den

Hochsteuerländern ist es ein Gräuel, dass es „Steueroasen“

gibt, die attraktivere Steuersätze aufweisen und dadurch Besserverdienende

anziehen. Doch wie Fürst Hans-Adam II. von

Liechtenstein, der übrigens wie auch sein Sohn und Nachfolger

die Österreichische Schule gut kennt und schätzt, es so

schön auf den Punkt bringt: Von Steueroasen kann nur dann

die Rede sein, wenn sie im Vergleich zu Steuerwüsten stehen.

Im Grunde drängen die europäischen Steuerwüsten zu

einem Steuerkartell, das sie vor unangenehmem Wettbewerb

bewahren soll, indem den Bürgern noch weniger Alternativen

verbleiben. Die Folge eines solchen Steuerkartells wäre

freilich verheerend: Die Verwüstung des Kontinents durch

kurzfristige Politik würde noch rasanter vor sich gehen.

Weil das Handeln der Menschen das Entscheidende ist, reicht

es nicht aus, bloß mehr Markt und weniger Staat zu fordern,

wie dies manche Kleinere politische Einheiten „Austrians“ in

ideologischem Überschwang tun. Der

Markt ist keine Lösung, sondern bloß

die Bezeichnung für die Koordination

zwischen freiwillig tauschenden Menschen,

die Angebote ablehnen dürfen.

In der aktuellen wirtschaftlichen und

politischen Unordnung zeigen sich die

Verzerrungen als so groß, dass auch

den Märkten gegenüber eine gewisse

Skepsis angebracht ist. Und doch besitzen

wir noch die entscheidende Freiheit

und damit Verantwortung, die Angebote auf den Märkten

eben auch zurückzuweisen.

Ludwig von Mises betonte diese Verantwortung des Konsumenten

lange, bevor sie ins allgemeine Bewusstsein drang.

Er verglich den Markt mit einer Demokratie, „bei der jeder

Pfennig einen Stimmzettel darstelle. Die demokratische

Wahlordnung mag eher als ein unzulänglicher Versuch angesehen

werden, im politischen Leben die Marktverfassung

nachzubilden. Auf dem Markt geht keine Stimme verloren.

Jeder verausgabte Betrag, er mag noch so klein sein, übt seine

Wirkung auf die Produktion. Die Entscheidung des Verbrauchers

setzt sich mit dem ganzen Gewicht, das er ihr durch die


Aufwendung des Geldbetrages gibt, bis in die entferntesten

Bezirke des gesellschaftlichen Produktionsapparates durch.“

Wem die bestehende Wirtschaftsstruktur nicht zusagt, erinnere

sich daran, dass er mit jedem Kaufentscheid daran beteiligt

ist, diese hervorzubringen. Der Ökonom beobachtet, dass

dieselben Menschen, die über das Verdrängen der kleinen

Läden durch die großen Ketten jammern, es selbst ebenso

vorziehen, ihre Shoppingtouren in Einkaufszentren durchzuführen.

Ludwig von Mises hat das etwas gehässig als neurotischen

Zug gedeutet: „Der Neurotiker kann das Leben in

seiner wahren Gestalt nicht ertragen. Es ist ihm zu roh, zu

grob, zu schlecht. Um es sich erträglich zu gestalten, […]

fl üchtet [er] in eine Wahnidee.“

Die nüchterne Analyse der Politik lässt von dieser nicht

allzu viel erwarten. Veränderungen gehen selten von Politikern

aus, besonders heute, wo diese in einem massenmedial

orchestrierten Zustimmungsregime bloß auf gesellschaftlichen

Trends reiten. Die ökonomische Analyse der Massendemokratie

zeigt, dass es im Machtinteresse konkurrierender

Parteien liegt, sich immer stärker am sogenannten Medianwähler

zu orientieren: Parteien mit größeren Stammwählerschichten

setzen sich so weit durch, bis sich zwei Blöcke

gegenüberstehen. Diese Blöcke können ihre Machtbasis nur

noch durch ein Hinauswachsen über ihre Stammwählerschaft

vergrößern. Dazu müssen sie genau jene Wähler ansprechen,

die gerade am Rand ihrer Klientel liegen und ebenso der Konkurrenz

zuneigen. Das sind natürlich exakt dieselben Wähler,

die auch die Konkurrenz anzusprechen versucht. Diese

Medianwähler liegen genau im Bevölkerungsdurchschnitt.

Parteien müssen, um zu überleben, durchschnittliche Politik

machen; jede allzu große Entfernung vom Durchschnitt

lässt die Medianwähler zur Konkurrenz abwandern. Leider

aber glauben Herr und Frau Durchschnitt heute das eine und

morgen dessen Gegenteil. Was noch vor kurzem als absurder

Extremismus galt, der sich allenfalls in Satirezeitungen

fand, ist heute bereits Mainstream, also Durchschnitt. Die

Österreichische Schule legt es nahe, sich vom Wahnsinn der

Masse zu lösen und Hypes nicht mitzumachen. Ohne Fernsehen

und Tageszeitung lebt es sich besser. Die Meinungen

unserer Mitmenschen müssen wir respektieren, aber nicht

allzu ernst nehmen. Die alten Vertreter der Österreichischen

Schule zeigten allesamt die Gabe, inmitten des allergrößten

Wahnsinns einen kühlen Kopf zu bewahren, freundlich und

11

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Politischer Wandel

umgänglich zu bleiben, und nicht in blinde Wut oder utopische

Wahnideen zu verfallen.

Medianwähler

Darf man von der Österreichischen Schule zumindest wirtschaftspolitische

Empfehlungen erwarten? Zunächst wird die

Vorstellung abgelehnt, dass sich Wirtschaft nach Belieben

politisch steuern lässt. Entscheidend ist die klare Zuschreibung

von Verantwortung, und diese bedeutet größtmögliche

Freiheit innerhalb klarer Grenzen. Für Fehler und Schäden,

die sein Handeln hervorbringt, hat der Verantwortliche die

vollen Kosten zu tragen. Das umfasst notwendigerweise auch

Folgeschäden für die Umwelt. Die meisten heutigen „Austrians“

beurteilen die Haftungsbegrenzung und die Möglichkeit,

mittels Insolvenzanmeldung für das eigene Scheitern

andere zahlen zu lassen, als problematisch.

Wenn die Österreichische Schule politisch ausgelegt wird,

dann erweckt sie den Eindruck, eigentlich gegen alles zu

sein. In der Politik gibt es so viele falsche Ideen, dass man

schon alle Hände voll damit zu tun hätte, nur den Schaden

einzugrenzen, der laufend ausgebrütet wird, und vergangene

Fehler zu reparieren. „Österreicher“ erscheinen daher in aller

Regel als nüchterne Nein-Sager und Spielverderber. Wenn

ein Kind das erste Mal „Nein!“ sagt, wird es sich allerdings

seiner Freiheit bewusst: Darin liegt die Essenz des Entscheidens.

Wir können uns bewusst dagegen entscheiden, jeden

Unsinn mitzumachen. «

Rahim Taghizadegan

Wirtschaft wirklich verstehen

ISBN 978-3-89879-624-8


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Gutes Geld und schlechtes Geld

Hannes Zipfel

Gutes Geld

und schlechtes Geld

12


GELD IST NICHT ALLES – ABER OHNE GELD IST BEKANNTLICH ALLES NICHTS. DIESE ERFAHRUNG MACHEN IMMER

MEHR HOCH VERSCHULDETE STAATEN DER WESTLICHEN HEMISPHÄRE. GRIECHENLAND, GROSSBRITANNIEN, ITALIEN

UND SELBST DIE USA LEIDEN UNTER HOHEN STAATSSCHULDEN, DIE ZU UNPOPULÄREN SPARMASSNAHMEN ZWINGEN

UND JEDEN ANSATZ VON WIRTSCHAFTLICHER PROSPERITÄT IM KEIM ZU ERSTICKEN DROHEN. ABER AUCH JAPAN, DER

EINSTIGE WACHSTUMSSTAR ASIENS, LEIDET MITTLERWEILE UNTER EINER ENORM HOHEN STAATSVERSCHULDUNG

JENSEITS DER 200%-MARKE GEMESSEN AM BRUTTOINLANDSPRODUKT.

Solange der Rest der Welt dynamisch wuchs war

dies für das stark exportorientierte Land kein Problem,

doch nun ist die halbe Welt von einer möglichen

Schuldendeflation und in der Folge wirtschaftlicher

Kontraktion bedroht. Daher machen sich neben Japan

auch die wachstumsstarken Emerging Markets und

die rohstoffexportierenden Länder langsam Sorgen

um die Absatzchancen ihrer Exportgüter in Europa

und Nordamerika.

Bei der Frage, wie man der Überschuldung entgegenwirken

kann und wie sich die schuldenbedingte

Wachstumslethargie überwinden lässt, gehen die

Meinungen stark auseinander. Die Anhänger der

keynesianischen Konjunkturtheorie fordern noch

mehr billiges Geld, um die Kreditkosten tragbar

zu halten und massive Konjunkturstimuli, um aus

den Schulden herauszuwachsen. Als Nebeneffekt

akzeptiert man eine stark steigende globale Geldmenge

einhergehend mit steigenden Rohstoff- und

Vermögenspreisen, die im Zeitverlauf zu realer

Konsumgüterteuerung führen, jedoch den Vorteil

einer schleichenden Gläubigerenteignung mit sich

bringen. Ein großer Verfechter dieses Lösungsweges

aus der Schuldenfalle ist der US Notenbankchef

Ben Shalom Bernanke. Dementsprechend sieht

auch die Geldpolitik der USA aus, die man getrost

als ultralax bezeichnen kann. Neben auf zwei Jahre

festgeschriebenen Nullzinsen kauft die US-Noten-

ABB. 1

bank auch weiterhin mit Einnahmen aus Bestandsanleihen

neue Staatsanleihen auf und fi nanziert so das Staatsdefi zit

der USA zu großen Teilen selbst. Dadurch bläht sich die

Bilanz der Notenbank extrem auf und gibt ein Gefühl für

die Dynamik der Geldschwemme.

Doch auch auf der anderen Seite des Atlantiks sind die Währungshüter

längst von der Tugend der Stabilitätspolitik abgekommen

und stolpern von einer unkonventionellen Krisen-

US-NOTENBANKGELDMENGE (M0)

US-$ Geldbasis explodiert

Quelle: US FED, Thomson Reuters

Grafi k: Solit Kapital GmbH

13

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Gutes Geld und schlechtes Geld


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Gutes Geld und schlechtes Geld

maßnahme zur nächsten. Zuletzt kaufte die Europäische

Zentralbank (EZB) mit Geld aus dünner Luft (selbst erzeugt)

italienische und spanische Staatsanleihen im Volumen von

22 Mrd. Euro, um die Zinsen der Papiere unter Kontrolle zu

halten und ohne diesen Offenmarktgeschäften ausreichende

Sterilisationsmaßnahmen entgegenzusetzen. Insgesamt gab

die EZB seit Ausbruch der Staatsschuldenkrise im Mai 2010

bereits fast 100 Mrd. Euro für Staatsanleihekäufe aus – ein

Vielfaches ihres Eigenkapitals.

Diametral entgegengesetzt zur Geldpolitik sucht derzeit die

Fiskalpolitik in Europa und den USA ihr Heil in Sparmaßnahmen,

der sogenannten Austeritätspolitik.

Die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen sind darf angesichts

der extremen Verschuldung bezweifelt werden. In normalen

Zeiten ist eine auf ausgeglichene Haushalte ausgerichtete

Politik unbedingt zu begrüßen. Aber nicht, wenn das Kind

bereits in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen ist. Jetzt

wirken die Sparmaßnahmen in Griechenland, Spanien, Italien

und Großbritannien wie Brandbeschleuniger der Krise.

Statt die Haushalte zu sanieren, führen die Ausgabenkürzungen

zu steigender Arbeitslosigkeit, sinkenden

Investitionen, geringeren Steuereinnahmen,

höheren Sozialausgaben und

einem beschleunigten Anstieg der Schulden.

Man kann Austeritätsprogramme in

dieser Phase der Überschuldung als vollkommen

kontraproduktiv bezeichnen. Es

sei denn, das Ziel wäre eine defl ationäre

Depression wie in der Weimarer Republik

unter Reichskanzler Brüning. Die aktuell

abstürzenden Konjunkturindikatoren und

der Börsencrash im August geben einen Vorgeschmack darauf,

was passiert, wenn die Fiskalpolitik auf dem Austeritätspfad

fortschreitet.

Das Problem ist, dass der Großteil der politischen Klasse

noch nicht verstanden hat, dass es bereits fünf nach Zwölf

ist und der Point of no Return in Sachen Staatsverschuldung

längst überschritten wurde. Die Illusion von der Belastung

der kommenden Generationen ist naiv. Die Schuldenkrise

bedroht alle jetzt lebenden Generationen unmittelbar. Dementsprechend

unkonventionell und pragmatisch müssen jetzt

auch die Gegenmaßnahmen ausfallen. Doch noch scheuen

sich die gewählten Volksvertreter, sich selbst und ihren Wählern

das volle Ausmaß der Überschuldung einzugestehen.

Ohne Schäden für die Weltwirtschaft und das globale Währungssystem

ist diese Krise in Anbetracht ihrer Dimension

nicht mehr zu lösen. Eine sehr unangenehme Wahrheit. Sie

zu ignorieren führt aber garantiert in die Katastrophe. Umso

eher die Politik diese bittere Wahrheit akzeptiert, umso größer

ist die Chance, eine Weltwirtschaftskrise à la 1929 doch

noch zu vermeiden.

Während wir darauf warten, ob die Fiskalpolitiker rechtzeitig

das Ausmaß der Krise verstehen und gemeinsam mit den

Notenbankern an einem Strang ziehen, sollten wir uns über

unser Geld Gedanken machen und welche Auswirkungen

eine Schuldendefl ation oder eben das Weginfl ationieren der

Schulden auf die Kaufkraft unserer offi ziellen Zahlungsmittel

hat.

Es ist zwar davon auszugehen, dass vor allem in Hinblick auf

den US-Präsidentenwahlkampf und den nackten Existenzkampf

der Eurozone neue schuldenfi nanzierte Konjunktur-

Das Problem ist, dass der Großteil der politischen

Klasse noch nicht verstanden hat, dass

es bereits fünf nach Zwölf ist und der Point of

no Return in Sachen Staatsverschuldung längst

überschritten wurde.

14

programme auf die Agenda kommen, getarnt als intelligente

Infrastrukturmaßnahmen zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit

und mit dem eigentlichen Ziel, die Schulden

weg zu infl ationieren, die Arbeitslosigkeit unter Kontrolle zu

halten und den Entschuldungsprozess für die breite Masse

so erträglich wie möglich zu gestalten. Ob es so kommt, ist

jedoch in Anbetracht der ideologisch verhärteten Fronten

noch nicht sicher.

Aber wie auch immer, in beiden Szenarien stehen wir vor

dem totalen Vertrauens- und Wertverlust in unser heutiges


Währungssystem. Vor allem aber in die Esperantowährung

Euro und die Noch-Weltleitwährung US-Dollar. Entweder

erfolgt der Wertverlust schleichend oder auf einen Schlag

durch Staatsbankrotte und Währungsschnitte. Wir haben es

bei allen großen ungedeckten Währungen schon lange nicht

mehr mit voll funktionstüchtigem Geld im eigentlichen Sinne

zu tun.

Gutes Geld zeichnet sich durch die Attribute beliebige Teilbarkeit,

natürliche Knappheit, allgemeine Akzeptanz sowie

Wertstabilität aus. Bei genauer Betrachtung erfüllen alle großen

Währungen (die sogenannten Major Currencies) lediglich

den Punkt der beliebigen Teilbarkeit vollständig. Alle

anderen Anforderungen an eine Währung werden nur noch

eingeschränkt oder gar nicht erfüllt. Das passiert, wenn Planwirtschaftler

die Kontrolle über das Geldsystem übernehmen

und an die eigene Hybris glauben, alles vorhersehen und

steuern zu können. Man hätte vom Untergang des Ostblocks

lernen können, jetzt ist es zu spät. Der freie Markt und seine

Bürger werden die Planwirtschaftler in den Zentralbanken

auf brutale Weise in ihre Schranken weisen, in dem sie den

staatlich sanktionierten Währungen das Vertrauen entziehen.

In Anbetracht der sich abzeichnenden konjunkturellen

Abkühlung in Nordamerika und großen Teilen Europas, trotz

historisch einmaliger „unkonventioneller“ Konjunkturstimuli,

ist auch für die Zukunft nicht davon auszugehen, dass

die für den Euro und den US-Dollar verantwortlichen Geldpolitiker

ihrer Aufgabe des „Währungshütens“ nachkommen

können. Im Gegenteil tobt gerade ein unerbittlicher

Abwertungswettlauf zum Erhalt außenwirtschaftlicher

Wettbewerbsvorteile. Dies ist genau das Gegenteil

weltwirtschaftlicher Koordination und lässt die

geldpolitischen Zentralplaner an ihren eigenen Maßstäben

scheitern. In diesem Zusammenhang muss

die Manipulation des Schweizer Franken erwähnt

werden und die absurde Drohung der Schweizerischen

Nationalbank (SNB) den Franken an den

untergehenden Euro zu koppeln. Damit wird auch

der Schweizer Franken als Währungsalternative

untragbar.

Aber auch die Bank of England (BoE) fährt einen

desperaten Kurs gegen die eigene Währung. Neben

ABB. 2

einem negativen Realzins von 3,9% hat sie bereits öffentlich

angekündigt, die britische Wirtschaft weiterhin mittels

Notenpresse zu unterstützen. Spätestens ab dem dritten

Quartal dieses Jahres wird wohl auch die US-Notenbank

unter dem Druck verfallender Vermögenspreise und schlechter

Arbeitsmarktdaten diesem Beispiel wieder folgen. Die

EZB kämpft zudem noch gegen das Auseinanderbrechen der

Eurozone. Die Konsequenz wird eine beschleunigte Erosion

der Kaufkraft und des Vertrauens in das staatlich sanktionierte,

ungedeckte Digitalbuchgeld und Kreditgeldsystem in

Europa sein.

Sieger dieses Währungskrieges

sind die vom ökonomischen und

politischen Establishment gehassten

Rohstoffwährungen Gold und Silber.

Gehasst, weil sie nicht auf Dauer manipulierbar und steuerbar

sind und sich größtenteils ihrer Kontrolle entziehen.

Doch Gold und Silber erfüllen eine wichtige Funktion während

dieser Phase der ökonomischen Zäsur – als Parallel- und

Reservewährungen. Die Tatsache, dass der Goldpreis zuletzt

sogar während er Eskalation der Staatsschuldenkrise in

einem Umfeld stark fallender Vermögenspreise neue Höchststände

erklomm, zeigt, dass es für das Schicksal von Euro,

US-Dollar und Yen keine Rolle spielt, ob diese Schuldenkrise

in einem defl ationären Kollaps oder in einer Hyperinfl ation

EUROSTÄRKE?

Quelle: Bloomberg

Grafi k: Solit Kapital GmbH

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GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Gutes Geld und schlechtes Geld


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Gutes Geld und schlechtes Geld

ABB. 3

EUROSTÄRKE?

Quelle: Thomson Reuters

Grafi k: Solit Kapital GmbH

endet. Das Vertrauen in diese Währungen erodiert in atemberaubendem

Tempo, was zu einer Renaissance der monetären

Edelmetalle führt – ungeachtet der entgegengerichteten

medialen Stimmungsmache. Ein Leistungsnachweis in

Sachen Kaufkraftstabilität über mehrere Jahrtausende lässt

sich eben nicht einfach wegdiskutieren.

In jüngster Zeit wird in den Medien oft von

„Eurostärke“ gesprochen. Gemeint ist die Währungsrelation

zu anderen ungedeckten Papierwährungen

wie zum Beispiel dem US-Dollar oder

dem Britischen Pfund. Allerdings wird hier eine

unsolide Währung mit noch schlechteren Währungen

verglichen – bezogen auf Staatsverschuldung,

Defi zite und Strukturprobleme. Schaut man

sich aber zum Beispiel den Euro im Vergleich zum

Schweizer Franken an, einer klassischen Krisenwährung,

dann wird an der Entwicklung der eidgenössischen

Valuta die massive Fluchtbewegung

aus dem Euroraum sichtbar. Schon seit Monaten

fl iehen Griechen, Iren, Portugiesen, Spanier und

sogar Deutsche aus der Gemeinschaftswährung

in den relativ kleinen Währungsraum Franken. In

griechischen Bankenkreisen ist bereits von Panik

und „Bank-Run“ die Rede.

ABB. 4

Noch dramatischer fällt die Negativbilanz des Euro

gegenüber der Rohstoffreservewährung Gold aus.

Hier hat der Euro sogar Dreiviertel seines Wertes

eingebüßt, und das in nur 11 Jahren (Abb. 3).

Aber nicht nur gegenüber solider Währungen wertet

der Euro massiv ab, auch gegenüber dem Wert

von Waren und Dienstleistungen. Die Kaufkraft

des Euro sinkt mit zunehmender Dynamik, ebenso

wie die der Weltleitwährung US-Dollar (Abb. 4).

Verwunderlich ist diese Entwicklung nicht, wenn

man bedenkt, mit welcher Geschwindigkeit die

digitalen Notenpressen der Zentralbanken in Japan,

Großbritannien, China und vor allem den USA heiß

laufen, um Geld in das Finanzsystem zu pumpen,

das diese Überschussliquidität dann u.a. in Rohstoffe

umleitet und schlussendlich die Güter- und

Dienstleistungspreise in die Höhe treibt.

Je mehr die Menschen in den nächsten Monaten und Quartalen

diese Tatsachen begreifen, umso intensiver wird die

Flucht in die letzten verbliebenen soliden Währungen sein

– Gold und Silber «

KAUFKRAFTVERLUST US-DOLLAR UND EURO

beschleunigt sich wieder

Quelle: Thomson Reuters

Grafi k: Solit Kapital GmbH

16


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GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Renaissance der Österreichischen Schule der Nationalökonomie

Eugen Maria Schulak / Herbert Unterköfler

Die Renaissance

der Österreichischen Schule

der Nationalökonomie *

18


DIE BEWEGTE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG DER LETZTEN JAHREN HAT DIE VERWENDUNGSHÄUFIGKEIT DES

WORTES „KRISE“ DRASTISCH STEIGEN LASSEN. WAR ANFANGS NOCH ALLGEMEIN VON EINER „BANKENKRISE“ DIE

REDE, SPRACH MAN BALD VON EINER „KREDITKRISE“ BZW. „LIQUIDITÄTS-“ ODER „REFINANZIERUNGSKRISE“. DIESE

SEIEN, SO WAR SPÄTER IN DEN FEUILLETONS ZU LESEN, FOLGE EINER „REGULIERUNGSKRISE“, EINER „VERTRAU-

ENSKRISE“ ODER GAR EINER UMFASSENDEN „BANKENSYSTEM-KRISE“.

Später, als die symbiotischen Beziehungen zwischen

den kreditfinanzierenden Banken und den überstrapazierten

Staatshaushalten noch deutlicher zu Tage

traten, wurde das Krisen-Vokabularium nochmals

erheblich erweitert. Heute werden bereits „Staats-

und Staatsfinanzierungskrisen“, „Wirtschafts- oder

Wachstumskrisen“ oder überhaupt eine „Krise des

Wohlfahrtsstaates“ konstatiert. Die Liste dieser

Komposita ließe sich leicht fortsetzen. Dass sie

laufend länger wird, dokumentiert unter anderem

auch die Ratlosigkeit der wirtschaftswissenschaftlichen

und wirtschaftspolitischen Akteure. Nimmt

man deren Anspruch, wirtschaftliche Zusammenhänge

und Abläufe zu verstehen und in diese allenfalls

steuernd eingreifen zu können, für bare Münze,

dann ist die Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008

vor allem auch eine ernsthafte Krise der heutigen

Wirtschaftswissenschaften. Vor diesem Hintergrund

wird verständlich, warum das Interesse an alternativen

Forschungsprogrammen im Allgemeinen und an

der Österreichischen Schule der Nationalökonomie

im Besonderen so deutlich zugenommen hat.

In einem Rückblick ist daran zu erinnern, dass sich die Schule

nach einer langen, annähernd 50jährigen wissenschaftlichen

Blüte in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts mit ihren

theoretischen Grundannahmen immer mehr im Widerspruch

* ) Der folgende Beitrag ist die gekürzte und überarbeitete Wiedergabe eines Kapitels

aus Eugen Maria Schulak / Herbert Unterköfler, Die Wiener Schule der Nationalökonomie.

Eine Geschichte ihrer Ideen, Vertreter und Institutionen, herausgegeben

von Hubert Christian Ehalt für die Wiener Vorlesungen, Dialogforum der Stadt Wien,

Verlag Bibliothek der Provinz, 2. Auflage, Weitra 2010

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Renaissance der Österreichischen Schule der Nationalökonomie

19

zum herrschenden Zeitgeist gestellt sah. Heilsversprechende,

kollektivistische Ideologien von rechts oder links bestimmten

zusehends die Politik, die Gesellschaft und das intellektuelle

Leben in Europa. Selbst in de-mokratisch gebliebenen

Staaten war dieser Trend derart wirkmächtig, dass der anmaßende

Anspruch von John Maynard Keynes (1883-1946), das

künftige Wohl der Menschheit sichern zu können, eine eifrige

Anhängerschaft fand. Als nach dem Anschluss 1938 die

Österreichi-sche Schule schließlich unter äußerer Gewalteinwirkung

zerfi el, befand sie sich bereits in einer akademischen

Außenseiterrolle. Nach dem Zweiten Weltkrieg schienen die

Ideen der Schule jegliche Strahlkraft und Aktualität verloren

zu haben. Die Politik in den westlichen Ländern orientierte

sich an den Ideen des Wohlfahrtsstaates und wurde

von Volkswirtschaftern sekundiert, die eine Gesellschaft im

Überfl uss (Galbraith 1959) versprachen.

Heyek und Mises

Es waren Friedrich A. von Hayek und vor allem Ludwig von

Mises, die das Erbe der Österreichischen Schule in der neuen

(amerikanischen) Umgebung nicht bloß am Leben zu erhalten

vermochten, sondern mit einigen Mitstreitern und neuen

Schülern sogar weiterentwickeln konnten. Hayek gewann

in seiner Zeit an der London School of Economics Ludwig

Lachmann (1906-1990) und George L.S. Shackle (1903-1992)

als Schüler. Als er 1949 nach Chicago berufen wurde, wandte

er sich jedoch vor allem dem Studium der institutionellen

Rahmenbedingungen einer freien Gesellschaft zu und wurde

den „Social Thoughts“ und nicht mehr den Wirtschaftswissenschaften

zugerechnet (vgl. Boettke 1994, 613).


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Renaissance der Österreichischen Schule der Nationalökonomie

Im Unterschied dazu arbeitet Ludwig von Mises nach seiner

Ankunft in den USA in seinem angestammten Metier weiter.

Als 64-Jähriger erhielt er 1945 eine Gastprofessor an der

New York University, die er bis ins hohe Alter von 87 Jahren

aktiv ausübte. Die Resonanz auf seine ersten beiden in den

USA verlegten Bücher (Omnipotent Government, 1944 und

Bureaucracy, 1944) war bescheiden. Human Action (1949)

wurde jedoch ein großer Erfolg (vgl. Hülsmann 2007, 883-

888). Wie schon 25 Jahre zuvor in Wien, gelang es Mises in

New York abermals, einen nachhaltig wirksamen Schülerkreis

um sich zu versammeln. Aus diesem ging etwa Israel

M. Kirzner (geb. 1930) hervor, der in Market Theory and the

Price System (1963), Methodological individualism, Market

Equilibrium, and Market Process (1967) und Competition

and Entrepreneurship (1973) eine umfassende Markt- und

Unternehmertheorie vorlegte, welche die endogene Tendenz

einer Volkswirtschaft zum Gleichgewicht mit Hilfe des

unternehmerischen Handelns erklärte. Ein anderer Schüler,

Hans F. Sennholz (1922-2007), übersetzte viele Schriften von

Mises ins Englische und trug so zur frühen Verbreitung der

geldtheoretischen Positionen der „Österreicher“ in den USA

bei.

Murray N. Rothbard

Der bedeutendeste Mises-Schüler in der Neuen Welt wurde

Murray N. Rothbard (1926-1995), später Professor an der

University of Nevada in Las Vegas. Bereits mit seinem zweibändigen

Frühwerk Man, Economy and State (1962) konnte

Rothbard die Ansätze seines Lehrers insbesondere in der

Geldtheorie, der Monopoltheorie und der Zins- und Kapitaltheorie

weiter vertiefen. In America’s Great Depression

(1963) legte er mit fundierten wirtschaftstheoretischen und

historischen Kenntnissen dar, über welche Kanäle die für den

künstlichen Boom in den „Goldenen 20ern“ verantwortlich

zeichnende Infl ationierung vonstatten ging, die dann unvermeidlich

im Börsencrash von 1929 mündete. Diese Deutung

widerspricht bis heute der vorherrschenden, keynesianisch

gefärbten Interpretation des „Schwarzen Donnerstags“. Mit

seinem dogmenhistorischen Werk An Austrian Perspective

on the History of Economic Thought (1995) legte Rothbard

eine umfassende ökonomische Theoriegeschichte aus dem

Blickwinkel der „Austrians“ vor. Immer wieder kritisierte

er die aggressive Außenpolitik der USA, die Ausdehnung

des Staates sowie die Beschneidung der Freiheitsrechte und

20

wurde so zu einem radikalen Vertreter der libertären Bewegung.

Ungeachtet der wachsenden Schülerzahl galten bis Mitte

der 60er Jahre die Austrians, vertreten durch Hayek oder

Mises, den meisten etablierten Ökonomen bloß als historisches

Relikt. Für die Vertreter der Schule waren die 50er

und 60er Jahre „years in the wilderness“ (Zijp 1993, 73).

Sie waren eine kleine Minderheit im akademischen Leben,

deren wissenschaftliche Denkweise mit dem neoklassischen

Paradigma inkompatibel war. Die drei Grundannahmen der

Neoklassik (rationales Optimierungsverhalten, fi xe Präferenzordnung

und Gleichgewicht), standen damals wie heute

den Ausgangspositionen der Austrians (zweckgerichtetes

Handeln, individuelle Präferenzen und dynamische Prozesse)

diametral entgegen (vgl. Boettke 1994, 602 und 604).

Darüber hinaus lehnten die Austrians eine mathematische

Behandlung nationalökonomischer Probleme grundsätzlich

ab, denn „im Gebiete des Handelns“ gäbe es „keine Maßeinheit

und kein Messen“ (vgl. Mises 1953, 663).

Bei der Wiedergeburt der

Österreichischen Schule als

Modern Austrian Economics

spielten eine Reihe von historischen

Rückbesinnungen auf die zentralen

Protagonisten und die wesentlichen

Themen der Schule eine nicht

geringe Rolle.

So erinnerte 1967 der einfl ussreiche englische Ökonom John

Richard Hicks (1904-1989) an die entscheidenden Auseinandersetzungen

zwischen Hayek und Keynes zu Beginn der

30er Jahre, die er als „wirkliches Drama“ bezeichnete, und

rehabilitierte Hayeks damals unterlegene Position (Hicks

1967, 203). Ein Jahr später gab Hayek die gesammelten

Schriften von Carl Menger in vier Bänden heraus (Hayek

1968). Die 100-Jahr-Feier zur Veröffentlichung von Carl Mengers

Grundsätze 1971, die Würdigungen von Mises’ Lebenswerk

anlässlich seines Todes 1973 sowie Hayeks Nobelpreis


für Wirtschaftswissenschaften 1974 zogen ein wachsendes

Interesse für die reichhaltige Hinterlassenschaft der Österreichischen

Schule nach sich. Diese Rückbesinnung auf die

Wurzeln leitete eine völlige Neubewertung von Carl Menger

ein, die bis heute noch nicht abgeschlossen ist (vgl. Jaffe

1976; zuletzt Hagemann et al. 2010). In weiterer Folge wurden

auch die Differenzen innerhalb der „alten“ Österreichischen

Schule klarer herausgearbeitet, so etwa die methodologischen

Unterschiede zwischen Menger und Böhm-Bawerk

(1851-1914) (vgl. Gloria-Palermo 1999, 39-50) sowie zwischen

Menger und Friedrich von Wieser (1851-1926) (vgl. Hoppe/

Salerno 1999). Seit den 1990er Jahren wird zudem eine Kontroverse

darüber geführt, ob Hayek zur Theorie von Mises

in Opposition oder in Übereinstimmung steht (vgl. Salerno

2002, 119f. und Boettke 1994, 613).

Zur wachsenden Attraktivität der Austrians trug auch der

Umstand bei, dass ab den 1970er Jahren das neoklassischkeynesianische

Paradigma angesichts der realwirtschaftlichen

Entwicklung mehrfach in eine veritable Interpretationskrise

geriet und folglich alternative Erklärungsmodelle

wieder mehr Gehör fanden. Entgegen den Annahmen der

neoklassischen Lehrbücher etwa sahen sich die Industrieländern

gleichzeitig mit einer Infl ation und einer hohen Arbeitslosigkeit

konfrontiert. Die Austrians konnten darauf hinweisen,

dass es der Neoklassik mit ihrem Gleichgewichtsmodell,

ihrer Vernachlässigung dynamischer Marktprozesse, ihrer

Außerachtlassung von subjektiven Informationen,

von Wissen und von Lernen

sowie ihrem uneingeschränkten Gebrauch

makroökonomischer Aggregate gar nicht

möglich sein könne, zu einem fundierten

Verständnis der realen Wirtschaft zu

gelangen. Im Unterschied dazu stünde

den Austrians ein „sehr viel realistischeres, kohärenteres

und reicheres Paradigma“ zur Verfügung (Huerta de Soto

2007, 120f.). Als dann im Jahre 1989 die kommunistischen

Regime Osteuropas in sich zusammenbrachen, war dies eine

weitere Bestätigung der „Österreicher“, die seit den 20er

Jahren die Verwirklichung des Sozialismus für eine logische

Unmöglichkeit hielten (vgl. Mises 1922, 443). Obwohl

Hayek und Mises in der so genannten „Kalkulationsdebatte“

diese Position über mehrere Jahrzehnte hinweg mit überzeugenden

Argumenten vertreten hatten, war just in der 1989er

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Renaissance der Österreichischen Schule der Nationalökonomie

Aufl age eines weltweit verbreiteten Lehrbuchs zu lesen, dass

eine Planwirtschaft theoretisch und praktisch durchaus funktionsfähig

sei (Samuelson/Nordhaus 1989, 837).

Austrian Economics

Vor diesem Hintergrunde wuchs das akademische Netzwerk

der Austrians in den letzten Jahrzehnten beständig an

und strahlt seit den 80er Jahren von den USA aus in alle

Welt. Eigene Lehrstühle für „Austrian Economics“ wurden

zuerst an der New York University und an der George Mason

University in Fairfax (Virginia) eingerichtet; später folgten

andere Universitäten und Lehranstalten 1 oder es wirkten an

ihnen Ökonomen im Sinne der „Österreicher“. 2 Im Jahre 1982

inititiierte Llewellyn H. Rockwell, Jr. (*1944) mit Unterstützung

von Margit von Mises und Murray N. Rothbard die

Gründung des Ludwig von Mises Institutes (heute mit Sitz

in Auburn/Alabama). Als wissenschaftliche Fachzeitschrift

standen von 1987-1997 das Review of Austrian Economics,

und als dessen Nachfolger bis heute The Quarterly Journal

of Austrian Economics und Review of Austrian Economics

zur Verfügung.

Außerhalb der USA wirkten bzw. wirken Wirtschaftswissenschafter,

Philosophen und Publizisten in der Tradition

der Austrians in Großbritannien (Stephan Littlechild, Norman

B. Barry †), in Holland (Gerrit Meijer, Auke Leen), in

Italien (Raimondo Cubeddu, Enrico Collombatto, Michele

Im Unterschied dazu stünde den Austrians ein

„sehr viel realistischeres, kohärenteres und

reicheres Paradigma“ zur Verfügung

21

Cangiani), in Frankreich (Jörg Guido Hülsmann, Pascal

Salin, Jacques Garello, Gerard Bramoulle, Philippe Nataf,

Antoine Gentier, Georges Lane, Nikolay Gertchey, Richard

Arena), in Portugal (Jose Manuel Moreira), in Spanien (Jesus

Huerta de Soto, Rubio de Urquia, Jose Juan Franch, Angel

1) Loyola University (New Orleans), University of Missouri in Columbia (Missouri),

Pace University (New York), Florida State University in Tallahassee (Florida), Auburn

University (Alabama), University of Nevada (Las Vegas), University of Buffalo sowie

Grove City College in Pennsylvania.

2) So etwa Don Lavoie, Sanford Ikeda, George Selgin, Roger Garrison, Bruce Caldwell,

Richard Langlois, Stephan Boehm, Uskali Maki, Frederic Sautet, David Harper,

Mario J. Rizzo, Peter Boettke, Don Boudreaux, Karen I. Vaughn, Walter Block, Thomas

DiLorenzo, Peter G. Klein, Joseph T. Salerno, Jeffrey Herbener, Bruce Benson,

Randal Holcombe, Roger Garrison, Roderick Long, Mark Thornton u.a.


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Renaissance der Österreichischen Schule der Nationalökonomie

Rodriquez, Oscar Vara, Javier Aranzadi del Cerro, Gabriel

Calzada), in Tschechien (Josef Šima, Dan Stastny, Jan Havel)

sowie in Japan (Yukuhiro Ikeda, Kiichiro Yagi, Jun Kobayashi,

Tamotso Nishizawa, Tsutomu Hashimoto). In Deutschland

besteht kein eigener „österreichischer“ Lehrstuhl, doch

eine Reihe von Fachleuten und Publizisten identifi zieren sich

mit dem Forschungsprogramm der Austrians (vgl. Aufl istung

bei Baader 2007, 120; anzuführen ist zusätzlich noch Thorsten

Polleit). In Österreich wurden in den letzten Jahren zur

Österreichischen Schule Beiträge vor allen von Karl Milford

und Hansjörg Klausinger und eigenständige Publikationen

von Rahim Taghizadegan (Wirtschaft wirklich verstehen,

2011), Gregor Hochreiter (Krankes Geld – kranke Welt, 2010)

sowie von den Autoren dieses Artikels verfasst.

Führenden Vertreter der „revitalisierten“ Österreichischen

Schule

Die führenden Vertreter der „revitalisierten“ Österreichischen

Schule im Gewande der Austrian School of Economics

in Europa sind heute Hans-Hermann Hoppe, Jörg Guido

Hülsmann und Jesus Huerta de Soto.

Hans-Hermann Hoppe (geb. 1949), ein gebürtiger Deutscher,

der seine Dissertation in Philosophie bei Jürgen Habermas

(geb. 1929) schrieb, ging bereits früh zu Studienzwecken in

die USA. Er war langjähriger Schüler Murray N. Rothbards

Bekannt wurde Huerta de Soto auch für seine

These, dass die spanische Spätscholastik als Vorläufer

der Österreichischen Schule zu gelten habe

und lehrte von 1986 bis 2008 an der University of Nevada. In

seiner Kritik der kausalwissenschaftlichen Sozialforschung

(1983) legte er dar, dass kausalwissenschaftliche Sozialforschung

logisch unmöglich sei, da sie mit der von jedem Wissenschafter

implizit als gültig anerkannten und argumentativ

nicht wider-spruchsfrei zu bestreitenden Aussage, man

könne lernen, unvereinbar ist. Die Ökonomie könne daher

keine empirische Sozialwissenschaft sein, sondern müsse als

apriorische Handlungswissenschaft begriffen werden. In A

Theory of Socialism and Capitalism (1989) defi nierte Hoppe

den Sozialismus als ein institutionalisiertes Verfahren der

22

Aggression gegen das Eigentum, als ein zutiefst unmoralisches

Gesellschaftssystem, das keinesfalls einer „natürlichen

Ordnung“ entspreche. Dieser Grundgedanke wurde in Demokratie,

der Gott der keiner ist (2003, engl. 2001) weiter ausgebaut

und um eine grundlegende Demokratiekritik erweitert.

Hoppe schrieb zahlreiche Bücher und Artikel zu theoretischen

Fragestellungen der Austrians sowie zur Naturrechtsethik,

aber auch wider die vorherrschenden ökonomischen

Irrtümer mit den Schwerpunkten „Geldtheorie“ und „öffentliche

Güter“. 2006 begründete er die Property and Freedom

Society, die sich der intellektuellen Radikalitat in der Mises-

Rothbard-Tradition verpfl ichtet fühlt.

Der an der Universite d’Angers lehrende deutschstämmige

Ökonom Jörg Guido Hülsmann (geb. 1966) wies mit A Theory

of Interest (2002) die Zinsdebatte in eine neue Richtung.

So spiegle der Zins die sich aus der Logik des Handelns ergebende

Wertdifferenz zwischen Zielen und Mitteln wider. Im

Unterschied zu Böhm-Bawerk und Mises führte Hülsmann

den Zins somit nicht mehr auf den Faktor Zeit zurück. In

seinen Arbeiten zum Geldproblem betont Hülsmann, dass

die Vertreter der subjektivistischen Wertlehre bislang zu sehr

den materiellen Aspekt, d.h. das Ökonomische im engeren

Sinne, herausgestrichen hatten. In Die Ethik der Geldproduktion

(2007) defi nierte er Infl ation demnach als jenen Teil

der Geldproduktion, der der Verletzung von Eigentumsrechten

entspringt, und siedelte die Problematik

vorrangig in der Ethik an. Ganz

generell, so Hülsmann, würden Staatseingriffe

in das Geldwesen eine stets

perverse Eigendynamik erzeugen, die

letztlich entweder zur Zerstörung der

Währung oder in die völlige Staatsaufsicht

führt. Mit The Last Knight of Liberalism (2007) legte

er unter Verwendung bisher nicht zugänglicher Quellen eine

umfassende Biographie von Ludwig von Mises vor.

An der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid lehrt Jesus

Huerta de Soto (geb. 1956), ein führender Ökonom in der

Tradition Hayeks. Der studierte Wirtschaftswissenschafter,

Jurist und Versicherungsmathematiker verfasste ein

umfassendes Grundlagenwerk zur österreichischen Geld-

und Konjunkturtheorie (Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklus,

2011, span. 1998). Ein weiterer Schwerpunkt seiner


Arbeit liegt bei der Erforschung kreativer, unternehmerisch

getriebener Marktprozesse (The Theory of Dynamic Effi ciency,

2008). Bekannt wurde Huerta de Soto auch für seine

These, dass die spanische Spätscholastik als Vorläufer der

Österreichischen Schule zu gelten habe, blieb das entscheidende

„missing-link“ zwischen der scholastischen Tradition

und den „Österreichern“ allerdings bislang schuldig.

Das neuerwachte Interesse an der Österreichischen Schule

und an ihrer modernen Spielart, der Austrian School of

Economics, hat in den letzten Jahren zu einer Vervielfachung

diesbezüglicher Publikationen, Vorträge und Kongresse

sowie zur Gründung einschlägiger Foschungsinstitute,

Gesellschaften und Diskussionszirkeln geführt. Die

Stellungsnahmen der Austrians zur Theorie des Geldes, des

Kredites und der Finanzmärkte sind von besonderer Aktualität.

Weitere Schwerpunkte der Untersuchungen gelten der

Theorie des institutionellen Zwanges, der Preistheorie, der

Monopol- und Wettbewerbstheorie-, sowie der Wohlfahrtsökonomie

und ihren Folgen. Andere fruchtbare Betätigungsfelder

liegen in der Neuen Institutionenökonomik, in der Subdisziplin

„Recht und Ökonomie“ sowie in der Analyse von

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von Soziologie und Ökonomie, Verlag für Sozialwissenschaften,

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GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Renaissance der Österreichischen Schule der Nationalökonomie

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Menger (1871): Menger, Carl, Grundsätze der Volkswirthschafts-

23

Recht und Ethik (vgl. Huerta de Soto 2007 [2000], 124-127

und Boettke 1994, 608-611). Ungeachtet der Vielfältigkeit

und Diversität dieser Beiträge lässt das aktuelle Forschungsprogramm

der Modern Austrians den ursprünglichen Themenkanon

der „alten“ Österreichischen Schule immer noch

deutlich erkennen. Allein dies ist ein nachdrücklicher Beweis

für dessen erstaunliche Langlebigkeit und Frische. «

Dr. Eugen Maria Schulak

schulak@philosophische-praxis.at

Dr. Herbert Unterköfl er

herbert_unterkoefl er@msn.com

lehre, Wilhelm Braumuller, Wien 1871

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GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Wenn Währungen scheitern „Geldanlage in der Hyperinfl ation“

Andreas Otto

Wenn Währungen scheitern

„Geldanlage in der Hyperinfl ation“

26


WER AN HYPERINFLATION DENKT, HAT DICKE GELDBÜNDEL UND EINE GELDSCHWEMME VOR AUGEN. TATSÄCHLICH

BLEIBT DAS GELD IN EINER HYPERINFLATION KNAPP. DIESER SCHEINBARE WIDERSPRUCH LÖST SICH AUF, SOBALD

MAN VERSTEHT, DASS MIT EXZESSIV GEDRUCKTEM GELD DIE SCHULDEN EINES ÜBERSCHULDETEN STAATES BEGLI-

CHEN WERDEN. ERST DER GELDMANGEL AUF STAATSEBENE FÜHRT ZUM ANWERFEN DER NOTENPRESSE. ANDERN-

FALLS KÄME ES ZUM STAATSBANKROTT.

Die Aufblähung der Geldmenge führt zur allgemeinen

Teuerung. Löhne und Gehälter passen sich den steigenden

Preisen an, doch immer mit Verzögerung. Die

Kaufkraft der Bevölkerung geht zurück. Irgendwann

beginnen die Menschen einen immer schnelleren Verfall

der Währung zu antizipieren und geben ihr Geld so

schnell wie möglich wieder aus. Die Umlaufgeschwindigkeit

des Geldes steigt. Letztlich steigen die Preise

sogar schneller als die Geldmenge, was Ökonomen oft

in Erstaunen versetzt. Der Teufelskreis wird erst nach

dem Zusammenbruch der Währung mit einer Währungsreform

beendet.

Hyperinfl ationen führen zu einer Verschiebung der Preisverhältnisse.

Nominal verteuern sich alle Waren, doch einige

Preise steigen viel schneller als andere. Nahrungsmittel und

Energie, die zum Leben unbedingt notwendig sind, werden

immer nachgefragt und bleiben nicht nur nominal sondern

auch real teuer. Auf Luxusgüter können die Menschen in

schlechten Zeiten dagegen verzichten. Deren Preise steigen

nominal zwar ebenfalls, doch real, d.h. infl ationsbereinigt,

fallen sie. Da kaum jemand bereit ist, noch Kredite zu vergeben,

die in wertlosem Geld zurückgezahlt werden, sinkt

die Nachfrage nach Gütern, die normalerweise kreditfi nanziert

werden. Die Preise für diese Güter fallen real ebenfalls.

Staatliche Preis- und Kapitalkontrollen verzerren das Preisgefüge

noch zusätzlich.

Eine Anlagestrategie, die sich an einem Hyperinfl ationsszenario

ausrichtet, sollte berücksichtigen, dass Einkommen aus

Vergütung für Arbeit ebenso wie Einkommen aus investiertem

Kapital (Dividenden, Zinsen, Mieterträge) real schrumpfen

werden. Eine Ergänzung des Einkommens durch Verkäufe

während der Infl ationszeit kann dann hilfreich sein

oder sogar notwendig werden. Die andere Herausforderung

besteht darin, Vermögen (Kaufkraft) in die Zeit nach der

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Wenn Währungen scheitern „Geldanlage in der Hyperinfl ation“

27

Währungsreform hinüberzuretten, um für den Neuanfang

möglichst gute Karten zu haben. Um beide Anlageziele zu

erfüllen, müssen Geldanlagen nicht nur wertbeständig sondern

auch fungibel (handelbar) sein.

Aktien

Aktien verkörpern Miteigentum an Unternehmen, also auch

Miteigentum an Industrieanlagen, Bodenschätzen usw. In

diesem Sinne besitzen sie Sachwertcharakter und sind entsprechend

wertbeständig. Solange die Börsen nicht geschlossen

sind, sind Aktien fungibler als viele andere Anlagen. Die

Kursfeststellung erfolgt vergleichsweise transparent. In der

Hochinfl ation zählt fast ausschließlich der materielle Substanzwert

eines Unternehmens. Klassische Bewertungskriterien

wie KGV oder FCF, die sich an Gewinnen und Dividenden

orientieren, werden vorübergehend außer Kraft gesetzt.

Minengesellschaften und Industrieunternehmen sollten im

Infl ationsportfolio höher gewichtet sein, Finanzwerte und

Handelsunternehmen entsprechend niedriger. Die Gefahr

einer Konfi szierung ist bei inländischen Aktien gering, bei

ausländischen allerdings höher. Bei einigen Branchen (Versorger)

besteht die Gefahr der Verstaatlichung mit unzureichender

Entschädigung der Aktionäre. Da die Realwirtschaft

unter der infl ationären Depression leidet, können die Kurse

infl ationsbereinigt auch nachgeben. Zwar schlugen deutsche

Aktien 1923, im letzten Infl ationsjahr, sogar Gold, doch nur

weil Aktien mangels Alternativen als kurzfristiges Wertaufbewahrungsmittel

dienten. Edelmetalle waren so gut

wie nicht im Umlauf, ihr Besitz zuletzt unter Strafe gestellt.

Aktien konnte man problemlos kaufen und wenn man Geld

brauchte, auch schnell wieder verkaufen. Die aus diesem

Grunde höhere Nachfrage war für deutsche Aktien 1923 der

Kurstreiber. In den Infl ationen der neueren Zeit, z.B. denen

in Argentinien oder Osteuropa, übernahmen Dollars oder

D-Mark diese Funktion. Aktien schlugen sich nicht so gut.

Aufgrund ihrer hohen Fungibilität und des geringen Konfi s-


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Wenn Währungen scheitern „Geldanlage in der Hyperinfl ation“

ABB.

INFLATIONSMATRIX

� Nicht geeignet

�� Wenig geeignet

��� Bedingt geeignet

���� Gut geeignet

����� Ausgezeichnet geeignet

Aktien

Immobilien

Kunst,

Schmuck,

Antiquitäten,

Sammlungen

Erhalt der

Kaufkraft

während der

Infl ation

���

(����� in

der Endphase

möglich)

���/��

(eigengenutzt

/ vermietet,

fremdfi -

nanziert)

Kaufkrafterhalt

bis nach

Währungsreform

Fungibilität

�� ����1)

���/��

(eigengenutzt

/ vermietet,

fremdfi -

nanziert)

zierungsrisikos eignen sich Aktien besonders zur Aufbesserung

des Einkommens während der Infl ation, weniger als

langfristiges Mittel zum Kaufkrafterhalt. Sie gehören unbedingt

in ein diversifi ziertes Infl ationsportfolio.

Immobilien

„Betongold“ gilt vielen Deutschen als Infl ationsanlage

schlechthin. Den größten Vorteil bieten abbezahlte, eigengenutzte

Immobilien, die einen frei gestaltbaren Ort zum

Leben bieten und deren Garten zur ergänzenden Nahrungsversorgung

in Krisenzeiten genutzt werden kann. Kreditfi -

nanzierte, vermiete Immobilien haben dagegen viele Nachteile.

Da Darlehn in Zeiten hoher Infl ation entweder nicht

erschwinglich oder nicht verfügbar sind, bricht die kredit-


28

1) Bei funktionierenden Märkten

2) Höher, wenn Silber temporär als Geld funktioniert

Erträge zur

Einkommensergänzung

durch Verkauf,

Dividenden

gering bis

negativ

Konfi szierungsrisiko

gering (inländische

A.) mittel

(ausländische

A.)

gering

�� �� ��� durch Verkauf gering-mittel

Gold ����� ����� ����

durch Verkauf

möglich, aber

nicht empfl

ehlenswert

mittel

Silber ����� �� ��� 2) durch Verkauf gering-mittel

Anleihen �


(����� bei

nach einer

Währungsreform

gekauften

Anleihen)

��� 1)

Rendite

bleibt unter

Kursverlusten

nicht vorhanden(inländische),

mittel

(ausländische)

Papiere

Günstigster

K-Zeitpunkt

Von der Infl ation,

während

der I. als Liquiditätsspeicher

Während der

Infl ation oder

nach erfolgreicherWährungsreform

(Schnäppchen)

Während

und nach

der Infl ation

(Schnäppchen)

Von der

Infl ation

Von der

Infl ation

Nach erfolgreicherWährungsreform

Günstigster

VK-Zeitpunkt

Während

und nach der

Infl ation

Von der

Infl ation

(heute)

Während der

Infl ation

Nach erfolgreicherWährungsreform

Während der

Infl ation

Von der

Infl ation

(heute)

basierte Nachfrage nach Immobilien ein, was Druck auf die

infl ationsbereinigten Preise bedeutet. Eine staatlich verordnete

Deckelung der Mieten, die Wohnraum für Geringverdiener

erschwinglich halten soll, bedeutet bei hohen Infl ationsraten

sinkende reale Mieteinnahmen. Notwendige

Instandhaltungskosten und Versicherungen unterliegen der

Teuerung aber in vollem Umfang. So können sogar reale Verluste

entstehen. Die Immobilie, die Einkommen generieren

sollte, entwickelt sich dann zur Kostenfalle. Sind Immobilien

generell schon nicht sehr fungibel, so ist eine Immobilie mit

Sanierungsstau während einer Hyperinfl ation gar nicht mehr

verkäufl ich. Mit Lastenausgleich, Vermögens- und Hypothekengewinnabgaben,

wie sie die Währungsreformen 1923/24

und 1948 jeweils nach sich zogen, wurden Immobilienbesit-


zer auch noch Jahre später belastet. Für viele Menschen ist

die Immobilie der größte Vermögensposten. Für sie entsteht

ein Klumpenrisiko und eine ausbalancierte Streuung des Vermögens

wird verhindert. Aufgrund der geringen Fungibilität

und ihres relativ hohen, nicht teilbaren Wertes sind Immo-

Gold und Silber gelten zu Recht seit Jahrtausenden

als die Anlagen, mit denen man einen Währungszusammenbruch

am besten übersteht.

bilien für die Supplementierung des Einkommens während

der Infl ationszeit kaum geeignet. Wegen der zu erwartenden

realen Wertverluste und der Gefahr eines Lastenausgleichs

eignen sie sich aber auch nicht besonders gut, um Vermögen

bis in die Zeit nach der Währungsreform zu erhalten.

Besonders kreditfi nanzierte, vermietete Immobilien sind als

Infl ationsschutz fragwürdig. Diejenigen, die es schaffen, ihre

Kaufkraft zu erhalten, können allerdings während und nach

einer Hochinfl ationszeit Immobilien zu Schnäppchenpreisen

erwerben. Hier bieten sich Chancen bei richtigem

Timing.

Edelmetalle

Gold und Silber gelten zu Recht seit Jahrtausenden als

die Anlagen, mit denen man einen Währungszusammenbruch

am besten übersteht. Doch zwischen den beiden

Metallen, die oft in einem Atemzug genannt werden,

gibt es wichtige Unterschiede. Silber, das Gold des kleinen

Mannes, wird länger für die Massen erschwinglich

sein als Gold. Silber wird stark von der Industrie nachgefragt,

was momentan die Kurse stützt, sich bei einem

Konjunkturabschwung aber negativ bemerkbar machen

wird. Zumindest in der Frühphase einer galoppierenden

Infl ation sollte Silber Gold outperformen. In der Endphase

einer Hyperinfl ation und nach einer Währungsreform

wird sich Silber aber voraussichtlich viel schlechter

schlagen als Gold. Im Gegensatz zu Silber hat Gold heute

noch monetären Charakter und in Zukunft vielleicht

sogar die Chance, wieder in ein neues Weltwährungssystem

integriert zu werden. Das außergewöhnlich hohe

Stock-to-Flow-Ratio, also das Verhältnis des neu geförderten

bzw. verarbeiteten Goldes zur Menge allen jemals

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Wenn Währungen scheitern „Geldanlage in der Hyperinfl ation“

29

geförderten Goldes, macht den Goldpreis unabhängig von

Schwankungen in Produktion oder industrieller Nachfrage.

Nur relativ wenig Gold kommt jährlich zu sehr viel schon

vorhandenem Gold hinzu, was einer monetären Verwendung

entgegenkommt. Aus historischer Sicht ist das Risiko

einer Konfi szierung für Gold allerdings

höher als für Silber. Silber eignet sich

vorzüglich zur Einkommensaufbesserung

während der Infl ation. Gold ist das

beste Vehikel, um Kaufkraft bis in die

Zeit nach der Infl ation zu transportieren.

Im Infl ationsportfolio haben beide

ihre Berechtigung.

Ein diversifi ziertes Portfolio, das sowohl Aktien als auch

Edelmetalle enthält, sollte in Zeiten hoher Infl ation nicht nur

die Kaufkraft erhalten, sondern auch ausreichend Liquidität

generieren können. Nur wer handlungsfähig bleibt, kann

auch Chancen nutzen. «

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Felix Zulauf

James Turk

2011

1914

1919

1929

1919 1929 1939 1949 49 499 1959 9 1969 1979 1989 9 1999 99

In Zusammenarbeit mit

GO AHEAD! business summit ‘11

DIE KERNSCHMELZE DES FINANZSYSTEMS

Kongress zur Österreichischen Schule der Nationalökonomie

Wien, 30. September und 1. Oktober 2011

im Palais Niederösterreich

1871

Carl Menger

Böhm Bawerk

Ludwig von Mises

Friedrich A. von Hayek


v

PROGRAMM

Programm: Freitag, 30. September

09.00 - 10.00 Kick-Off (Rückblick & Ausblick) durch Nikolaus Kimla

10.00 - 10.45 VORTRAG Felix Zulauf

Anlagepolitische Großwetterlage. Strukturelle Herausforderungen in der Weltwirtschaft und im globalen

Finanzsystem. Standortbestimmung zum laufenden Zyklus.

10.45 - 11.30 DIALOG mit Hanno Bästlein, Christoph Neumayer, Felix Zulauf

MODERATION: Andreas Lampl (Chefredakteur FORMAT)

11.30 - 12.30 WORLD CAFE METHODIK

Auf den Punkt gebracht:

Staatsbankrott aus der Sicht „Problem sucht Lö sung“. Bei diesen Foren werden die wichtigsten Probleme, Themen

und Herausforderungen in der zukünftigen Herausforderung aus Sicht der Teilnehmer diskutiert und aufbereitet.

Panel A: Staatsbankrott - Auswirkungen auf die Banken MODERATION: Jochen Ressel

Panel B: Staatsbankrott - Auswirkungen auf die Politik MODERATION: Johannes Thun-Hohenstein

Panel C: Staatsbankrott - Auswirkungen auf die Gesellschaft MODERATION: Saskia Wallner, Ketchum Publico

In diesen drei parallelen Panels haben die KongressteilnehmerInnen die Möglichkeit, ihre Fragen und Beiträge zum

Thema auf den Punkt zu bringen. Für einen strukturierten und produktiven Ablauf werden die einzelnen Panels von

versierten ModeratorInnen geleitet. Nach 20 Minuten wechseln die TeilnehmerInnen zum nächsten Panel und können

so bei jedem Thema mitwirken.

12.30 - 13.00 ZUSAMMENFASSUNG WORLD CAFE: Felix Zulauf MODERATION: Saskia Wallner (Ketchum Publico)

13.00 - 14.30 MITTAGESSEN & NETWORKING

14.30 - 15.30 PARALLEL FOREN – BOOM AND BUST

Grundlagen der Österreichische Schule [der Nationalökonomie] - die Geld- und Konjunkturtheorie

KEYNOTE: Gregor Hochreiter PODIUM: Margarete Kriz-Zwittkovits, Michael Lehofer MODERATION: Jochen Ressel

Crack-up-Boom: Theorie, Status-Quo und die weitere Entwicklung, so wie sie von Smart Investor eingeschätzt wird

KEYNOTE: Ralf Flierl PODIUM: Steffen Krug, Raimund Dietz MODERATION: Fabian Grummes

Was die Konzepte der Austrians in der aktuellen Krise bringen

KEYNOTE: Barbara Kolm PODIUM: Stefan Zapotocky, Jürgen Marchart

MODERATION: Boehringer Simone (Süddeutsche Zeitung)

Neue Geschäftschancen für Kriminelle - statt „Abbau von Schulden? Unsere Wirtschafts- und Sozialpolitik bietet

Mafiosi zig Chancen Milliarden zu verdienen! – schröpfen wir Kriminelle um Staatschulden zu reduzieren.

KEYNOTE: Maximilian Burger Scheidlin PODIUM: Hans-Georg Kantner, Georg Zanger

MODERATION: Oliver Tanzer (Ressortleiter Wirtschaft & Politik, DIE FURCHE)

15.30 - 16.00 PAUSE & NETWORKING

16.00 - 16.45 VORTRAG Markus C. Kerber

Die Krise des Euro und die Revolte der Bürger. Anmerkungen zur Dekadenz der EWU und ihren Verursachern.

16.45 - 17.30 DIALOG mit Rainer Münz, Peter Brandner, Markus C.Kerber

MODERATION: Karl-Peter Schwarz (FAZ)

17.30 - 18.00 VORTRAG Manfred Kastner

Wurzeln und Auswege aus der Sackgasse. Kreative Zerstörung und Neuanfang – möge sich fern

von Altem Neues entfalten.

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Programm: Samstag, 1. Oktober

09.00 - 09.30 RÜCKBLICK & AUSBLICK Johannes Thun-Hohenstein

09.30 - 10.15 VORTRAG Philipp Vorndran

Jede Krise kann auch als Chance verstanden werden: Sachwerte stehen vor einer großen Renaissance, es gilt in

volatilen Zeiten die Nerven zu bewahren

10.15 - 10.45 DIALOG mit Constantin Veyder-Malberg, Philipp Vorndran, Reinhard Backhausen

MODERATION: Lukas Sustala (Der STANDARD)

10.45 - 11.00 PAUSE & NETWORKING

11.00 - 11.30 VORTRAG James Turk

Gold’s Price will Rise Because Gold is Money. Though its monetary features have often been overlooked in recent

decades, gold has not lost the unique and inimitable attributes that make it money. Ongoing problems with national

currencies are leading to a greater reliance on gold worldwide, with the inevitable result that gold will soon return to

its traditional and rightful role as international money.

11.30 - 12.00 DIALOG mit Hannes Zipfel, James Turk, Martin Siegel

MODERATION: Patricia Helletzgruber

12.00 - 12.30 VORTRAG Ralf Flierl

Gutes Geld: Wie Geld in die Welt kommt, woran das herrschende System krankt und was eine gesunde Geldordnung

ausmacht.

12.30 - 13.00 DIALOG mit Ralf Flierl, Andreas Böger, Joachim Rene Zyla

MODERATION: Fabian Grummes

13.00 - 14.00 VORTRAG Thorsten Polleit

Die Kraft der guten Ideen. Werk und Wirkung der Österreichischen Schule der Nationalökonomie - Wichtige Beiträge

und Erkenntnisse der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

14.00 - 14.15 SCHLUSSWORT Nikolaus Kimla

14.15 - 16.00 MITTAGESSEN & NETWORKING

Von anderen ökonomischen Zugängen unterscheidet sich die Österreichische

Schule der Nationalökonomie insbesondere darin, dass sie ein wesentlich

realistischeres Menschenbild zulässt.

GO AHEAD! business summit ‘11

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NOTIZEN

Felix Zulauf

Anlagepolitische Großwetterlage.

Strukturelle Herausforderungen in der Weltwirtschaft und im globalen Finanzsystem. Standortbestimmung

zum laufenden Zyklus.

NOTIZEN

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PARALLEL FOREN – BOOM AND BUST

GO AHEAD! business summit ‘11

Grundlagen der Österreichische Schule [der Nationalökonomie] - die Geld- und Konjunkturtheorie

Crack-up-Boom

Was die Konzepte der Austrians in der aktuellen Krise bringen

Neue Geschäftschancen für Kriminelle - statt „Abbau von Schulden? FOREN

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NOTIZEN


NOTIZEN

Markus C. Kerber

Die Krise des Euro und die Revolte der Bürger.

Anmerkungen zur Dekadenz der EWU und ihren Verursachern.

NOTIZEN

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Manfred Kastner

Wurzeln und Auswege aus der Sackgasse.

Kreative Zerstörung und Neuanfang – möge sich fern von Altem Neues entfalten.

GO AHEAD! business summit ‘11

NOTIZEN

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NOTIZEN

Philipp Vorndran

Jede Krise kann auch als Chance verstanden werden:

Sachwerte stehen vor einer großen Renaissance, es gilt in volatilen Zeiten die Nerven zu bewahren

NOTIZEN

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James Turk

Gold’s Price will Rise Because Gold is Money

Though its monetary features have often been overlooked in recent decades, gold has not lost the

unique and inimitable attributes that make it money. Ongoing problems with national currencies are

leading to a greater reliance on gold worldwide, with the inevitable result that gold will soon return to

its traditional and rightful role as international money.

GO AHEAD! business summit ‘11

NOTIZEN

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NOTIZEN

Ralf Flierl

Gutes Geld:

Wie Geld in die Welt kommt, woran das herrschende System krankt und was eine gesunde Geldordnung

ausmacht.

NOTIZEN

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Thorsten Polleit

Die Kraft der guten Ideen.

Werk und Wirkung der Österreichischen Schule der Nationalökonomie - Wichtige Beiträge und Erkenntnisse

der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

GO AHEAD! business summit ‘11

NOTIZEN

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REFERENTEN UND DIALOGPARTNER

Ing. Reinhard

Backhausen

Präsident des Fachverbandes der Textil-, Bekleidungs-,

Schuh- und Lederindustrie sowie seit

1997 Geschäftsführer der Firma Backhausen

interior textiles. Backhausen ist außerdem u.a. Vorstandsmitglied

der EURATEX (Dachverband der Europäischen

Textilindustrie), Vorstandsmitglied des Österreichischen

Chemiefaserinstitutes (MFI) und Präsident des Österreichischen

Institutes für Ökologie, Technik und Innovation (ÖTI).

2007 wurde er vom Österreichischen Gewerbeverein zum

„Unternehmer des Jahres 2007, Kategorie Familienunternehmen“

ausgezeichnet.

Andreas Böger

Seit Oktober 2007 Portfolio Manager des APM

Gold & Resources Fund, ein auf den Edelmetallsektor

spezialisierter UCITS III Investmentfonds

mit aktivem Risikomanagement. Der Fonds soll als kapitalmarktgebundenes

Produkt eine höhere risikobereinigte

Rendite als passive Investments in Gold und Goldaktien

erwirtschaften. Das Management erfolgt unter Berücksichtigung

der Lehren der Österreichischen Nationalökonomie,

hier insbesondere die unterschiedliche Behandlung von

Theorie und Geschichte des menschlichen Handelns. Herr

Böger, CAIA Mitglied, ist nach Abschluss seines Medizinstudiums

in die Finanzbranche gewechselt, in der er seit 10

Jahren tätig ist.

Dr.

Hanno M. Bästlein

Seit April 2006 Vorsitzender des Vorstands der

Constantia Packaging GmbH. Nach Banklehre

und Studium der Wirtschaftswissenschaften

in Deutschland und Kalifornien Start der berufl ichen

Laufbahn bei einem mittelständischem Anlagenbauer. 1994

Wechsel zur Hochtief AG. In leitender Position insbesondere

für die Internationalisierung des Konzerns zuständig.

Nach Station als Finanzchef eines internationalen Einzelhandelsunternehmens

erfolgte 2004 die Bestellung zum

Finanzvorstand der VA Technologie AG. Vorsitz und Mitglied

in diversen Aufsichtsräten sowie u.a. Mitglied des Bundesvorstands

der Industriellenvereinigung Österreich.

Mag.

Peter Brandner

Peter Brandner ist als Fachexperte für empirische

Wirtschafts- und Finanzmarktforschung im Bundesministerium

für Finanzen tätig. Davor war er

wirtschaftspolitischer Berater im Kabinett von Finanzminister

Grasser, Wirtschaftswissenschafter sowohl am

Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO),

als auch am Institut für Höhere Studien (IHS), der Universität

Wien und in der Österreichischen Nationalbank (OENB).

Seine Forschungsschwerpunkte und Publikationen umfassen

unter anderem die Gebiete Geld- und Fiskalpolitik

sowie Finanzmärkte. Er fungiert außerdem als Experte des

Staatsschuldenausschusses.

1919 1929 1939 1949 1959 1969


Dipl. Volkswirt Dr.

Raimund Dietz

Studium der Wirtschaftswissenschaften, Politik

und Mathematik in Innsbruck und Berlin, wissenschaftlicher

Assistent an der Freien und

Technischen Universität (1969-74), Mitarbeiter am Wiener

Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (1975-97),

Konsulent osteuropäischer Regierungen im Auftrag der EU

und OECD, Aufsichtsrat in etlichen Firmen. Coach, Trainer,

Ökonom und Systemanalytiker, Konsulent Business Angel,

Finanzmarktspezialist. Autor mehrerer Bücher, u.a. „Geld

und Schuld - eine ökonomische Theorie der Gesellschaft“.

Dipl-Kfm. Ralf Flierl

Gründer und Geschäftsführer der in München

ansässigen Smart Investor Media GmbH sowie

Chefredakteur des Magazins Smart Investor.

Zudem verantwortlich für den wöchentlich erscheinenden

Börsen-Letter Smart Investor Weekly. Das Smart Investor

Magazin vermittelt fernab vom Mainstream interessantes

Börsen-Know-how und ist ein kompetenter Ratgeber bei

Investmententscheidungen. Vor seiner jetzigen Tätigkeit

war er unter anderem Wertpapieranalyst bei der FINANZ-

WOCHE in Pullach bei München und Leiter des Research bei

der GoingPublic Media AG in Wolfratshausen.

Dr. Max

Burger-Scheidlin

GO AHEAD! business summit ‘11

Geschäftsführer von ICC Austria - Internationale

Handelskammer; Experte für Globalisierung, Anti-

Korruption, Produktpiraterie, Wirtschaftskrimina-

lität, Wirtschaft und Ethik; führende Stimme zu: „Wie fi nanzieren

wir – unfreiwillig – Kriminelle, Mafi osi, Menschenschmuggler,

Terroristen?“. Mitglied der ICC Anti-Corruption

Commission, Paris; Partner von Commercial Crime Services,

London; Lehrbeauftragter „Prävention von Wirtschaftskriminalität“:

Donau Universität Krems, MCI Innsbruck; Seit

35 Jahren Beratung von Unternehmen bei Internationalisierung;

Auslandsaufenthalte in Sudan, Saudi Arabien, Kuwait,

Australien, Japan, Korea, Philippinen, Malaysia; Beratungstätigkeiten

in 85 Staaten. Ko-Autor zahlreicher Bücher.

Mag. Gregor

Hochreiter, M.Sc.

Gründer und Vorstand des „Institut für Wertewirtschaft“.

Das Institut widmet sich u.a. der Forschung

und Vermittlung einer realistischen Ökonomie in

der Tradition der „Wiener Schule der Ökonomie“. Lehraufträge

an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Hochschule

Liechtenstein. Autor von „Langfristig Werte sichern“, Ko-

Autor von „Der Anti-Steingart“ und „The Regulation Race“.

Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität

Wien, sowie einer postgradualen Ausbildung an der

Universität Aalborg (Dk) für das CEPS (Centre for European

Policy Studies), einem Brüsseler Think Tank tätig.

1979 1989 1999 2009 2019


REFERENTEN UND DIALOGPARTNER

Dr. Hans-Georg

Kantner

Seit 1995 beim Kreditschutzverband, wo er seit

1996 den Bereich Insolvenz leitet. Nach seinem

Studium der Rechtswissenschaften langjährige

Tätigkeit im Kommerzkreditgeschäft einer österreichischen

Großbank. Seine berufl ichen Aufgaben spannen den Bogen

von Firmensanierungen in und außerhalb von Insolvenzverfahren

bis zu Insolvenzursachenforschung und Fragen des

Datenschutzes. Er publiziert laufend zu diesen Themen und

ist auch Referent bei Wirtschaftssymposien.

Prof. Dr.

Markus C. Kerber

ist Professor für öffentliche Finanzwirtschaft und

Wirtschaftspolitik an der Technischen Universität

Berlin. Seit 2006 ist er Gastprofessor für Verteidi-

gungsökonomie am I.E.P., Paris. Von 1991 – 2001 war er

Gastdozent an der Führungsakademie der Bundeswehr. Seit

1991/92 ist Kerber Rechtsanwalt und Unternehmensberater

in Berlin, Paris und London. Zu seinen Tätigkeiten zählen

ebenfalls leitende Posten für Investmentbanken in Paris

und London. Kerber veröffentlicht zahlreiche Schriften zur

öffentlichen Finanzwirtschaft, Unternehmensfi nanzierung

sowie Gesellschaftsrecht, Kartellrecht und Europarecht.

2011 erschien „Der Verfassungsstaat ist ohne Alternative“.

Mag.

Manfred Kastner

Vorsitzender des Vorstands des Gasdienstleistungsunternehmens

C.A.T. oil AG. Gründungspartner

von Model Management.com und Partner

von Production Paradise.com und Kay Kim Haute Couture.

In verschiedenen sozialen Projekten involviert und

u.a. Partner und Präsident des Verwaltungsrat des Vision

Microfi nance Fonds, der 2005 gegründet wurde und aktuell

über 100 Millionen US$ Darlehen an die Armen in über 20

Ländern vergeben hat. Kastner ist Förderer und Vorstandsmitglied

der Antara Stiftung. Seine Studienschwerpunkte

waren Volkswirtschaft, Kapitalmärkte und Sprachen und er

hat die Wirtschaftsuniversität Wien abgeschlossen.

Mag.

Nikolaus Kimla

Ursprünglich Evangelischer Theologe, Mitgründer

und geschäftsführender Gesellschafter der uptime

ITechnologies GmbH. Initiator der 2004

gegründeten unabhängigen Wirtschafts- und Content-

Plattform GO-AHEAD!, die sich u.a. an den Grundsätzen der

freien Marktwirtschaft im Sinne einer liberalen und sozial

eingestellten Verantwortlichkeit orientiert. Veranstalter des

Kongresses GO AHEAD! business summit als Initiative, um

Lehre, Prinzipien und Perspektiven der österreichischen

Schule der Nationalökonomie in Österreich im wirtschaftspolitischen

Diskurs zu verankern und ihre Lösungsansätze

für den Anleger, den Unternehmer und den Manager sowie

die politisch Verantwortlichen nutzbar zu machen.

1919 1929 1939 1949 1959 1969


Mag. Dr.

Barbara Kolm

Generalsekretärin das Friedrich August v. Hayek

Institut in Wien, das als „Großhändler von Ideen“

marktwirtschaftliche Lösungen in den Bereichen

Bildung, Gesundheit, Sicherung des Arbeits- u. Wirtschaftsstandortes

und Armutsbekämpfung anbietet, sowie die

Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie

verbreitet. Gründerin des Austrian Economics Center, das

sich der Forschung und Politikberatung im Bereich der

gesellschaftlichen Verantwortung von Individuen in Kombination

mit ökonomischen Fragen widmet. Mitglied der Mont

Pélerin Society und Präsidentin der European Coalition for

Economic Growth. Sie studierte Betriebswirtschaftslehre

an der Universität Innsbruck und der UCLA.

Dipl. Volksw.

Steffen Krug

Gründete 2009 das Institut für Austrian Asset

Management (ifAAM-Institut). Krug studierte

Volkswirtschaftslehre an der Uni Heidelberg,

ESC Reims in Frankreich und an der Europa-Universität-

Viadrina in Frankfurt an der Oder. Er war zwei Jahre lang

wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr.

Jan Winiecki, einem Vertreter der Österreichischen Schule

der Ökonomie. Nach einem Traineeprogramm bei der Vereins-

und Westbank in Hamburg war er dort anschließend

als Wertpapierspezialist am Alten Wall tätig. 2001 machte

er sich als Anlageberater und Finanzmakler selbständig

(Lacruche Brokerage).

Margarete

Kriz-Zwittkovits

GO AHEAD! business summit ‘11

Seit 2008 (ehrenamtliche) Präsidentin des Österreichischen

Gewerbevereins (ÖGV) und damit die

erste Frau an der Spitze des Vereins seit dessen

Gründung im Jahre 1839. Sie ist außerdem Geschäftsführerin

von zwei Unternehmen - der „Margarete Zwittkovits

GmbH“ sowie der „Zwittkovits Immobilien Verwertungsgesellschaft

Gesellschaft m.b.H.“. Neben einer Unternehmerehrung

des Österreichischen Gewerbevereins im Jahr 2003

wurde sie 2009 zur Kommerzialrätin ernannt.

Prim.

Univ.-Prof. DDr.

Michael Lehofer

ist ärztlicher Leiter der Landesnervenklinik Sigmund

Freud in Graz, wo er davor elf Jahre lang die

Psychiatrische Abteilung leitete.

Er ist selbst Führungskraft und Vorgesetzer von mehreren

hundert Mitarbeitern,Psychologe, Psychiater und Psychotherapeut.

Er ist Autor von zwei Gedicht bänden, Vortragender

und anerkannter Führungskräftecoach.

1979 1989 1999 2009 2019


REFERENTEN UND DIALOGPARTNER

Dr. Jürgen Marchart

Seit Januar 2007 Geschäftsführer der AVCO, war

zuvor in der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft

(FFG) tätig, wo er ein Programm

zur Finanzierung von Start-up Unternehmen leitete. Neben

der Tätigkeit im Bereich der Unternehmensfi nanzierung

konnte er auch wertvolle Erfahrung in der Leitung und im

Management von FTI-Programmen und der Entwicklung

von Evaluierungskonzepten sammeln. Davor war er in zwei

Start-Up’s in Deutschland (München) und Österreich (Wien)

tätig.

Mag. Christoph

Neumayer

Seit April 2011 Generalsekretär der Industriellenvereinigung,

davor war Neumayer u.a. als Bereichsleiter

Marketing & Kommunikation,

Leiter des IV-Newsroom sowie Chefredakteur des „Pressedienst

der Industrie“ in der Industriellenvereinigung aktiv.

1995 erhielt Neumayer, als Mitarbeiter der ORF-Minderheitenredaktion,

den „Claus Gatterer Journalistenpreis“. Er ist

außerdem seit 2002 als Lektor am Institut für Publizistik

Universität Salzburg und am Institut für Publizistik und

Kommunikationswissenschaft, Universität Wien, tätig.

Univ.-Prof. Dr.

Rainer Münz

Akademischer Direktor der Erste School of Banking

and Finance (Erste Group) und Senior Fellow

am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut

(HWWI). Von 2008 - 2010 Mitglied der Refl exionsgruppe

„Horizont 2020 – 2030“ der Europäischen Union (sogenannter

EU-„Weisenrat“). Derzeit Lehramt an der Universität St.

Gallen. Münz ist ein Experte zu Fragen von Bevölkerungsentwicklung,

internationale Migration und demographischer

Alterung sowie deren Auswirkungen auf Wirtschaft,

soziale Sicherungssysteme und das Bankgeschäft.

Prof. Dr.

Thorsten Polleit

Seit Oktober 2000 Chief German Economist bei

Barclays Capital. Davor für ABN AMRO in Frankfurt

am Main, London und Amsterdam tätig und

ab März 1998 Chief German Economist von ABN AMRO

Deutschland AG. Mitglied der Friedrich-August-von-Hayek-

Gesellschaft und des Forschungs-Netzwerks Research on

Money in the Economy (ROME). Sein Hauptinteressengebiet

liegt in den Bereichen monetäre Ökonomik, Geldtheorie

und -politik, sowie Kapitalmarktheorie. Er gründete im Jahr

2000 die ECB Observer, eine unabhängige Beobachtergruppe

der Europäischen Zentralbank. 2003 erhielt er einen Ruf

als Honorarprofessor an die Frankfurt School of Finance &

Management.

1919 1929 1939 1949 1959 1969


Martin Siegel

Berater des Stabilitas Pacifi c Gold + Metals (Bester

Goldminenfonds 2009) sowie tägliche Marktberichte

und Analysen auf www.goldhotline.de.

Gründer der Goldhandelsfi rma Westgold. Seit 1987 gab

er über drei Jahre den Börsebrief „Der Goldmarkt“ heraus

und verfasste sechs Bücher über die Analyse des Goldmarktes

und Goldminenaktien. Er war Berater des Fonds

PEH –Q – Goldmines und gründete 2006 schließlich seine

eigene Goldhandelsfi rma „Westgold“. Seit 2007 ist Siegel

Berater des Stabilitas Pacifi c Gold + Metals. Tägliche

Marktberichte und Analysen auf www.goldhotline.de und

www.goldseiten.de.

James Turk, B.A.

Gründer der Edelmetall-Handelsplattform Gold-

Money und Vorstand der GoldMoney Foundation.

Turk begann seine Karriere nach Abschluss

des Studiums in internationaler Wirtschaft im Jahr 1969 bei

der Chase Manhattan Bank, wechselte bald in die Edelmetall-Branche

und war von 1983 bis 1987 Manager der Rohstoffabteilung

der Investmentbehörde von Abu Dhabi. Er

ist Autor zweier Bücher, sowie verschiedener Monografi en

und Artikel über Geld und das Bankwesen. Des Weiteren ist

er Co-Autor des Buches The Coming Collapse of the Dollar,

welches in einer neu veröffentlichten Taschenbuchversion

aktualisiert wurde und nun den Titel The Collapse of the

Dollar trägt.

Mag. Johannes

Thun-Hohenstein

GO AHEAD! business summit ‘11

Seit 2002 selbstständiger Berater im Medienbereich,

führt Thun-Hohenstein als Trainer und

Coach Entscheidungsträger zu neuen Leistungen.

Zu seinen Kunden zählen Medien- und Kommunikationsunternehmen

in Österreich, Deutschland, UK und Irland. Er

verfügt über umfangreiche Medienerfahrung durch Tätigkeiten

als Geschäftsführer eines Spartenkanals, Gründer

von Radio Energy in Wien, Geschäftsführer eine Filmdistributionsfi

rma, die Übernahme von ATV in Österreich durch

Dr. Kloiber, den Start von TV2 in Ungarn. Gründer des IAB -

Internet Advertising Bureau; bis 1995 Führung des Management

Club in Wien; davor im Kabinett des Bundesministers

für Wissenschaft und Forschung Dr. Erhard Busek.

Mag. Constantin

Veyder-Malberg

Mitglied im Vorstand der Capital Bank - GRAWE

Gruppe AG. In dieser Funktion für die Bereiche

Private Banking, Investment Services und Treasury

zuständig. Daneben ist er Vorstand in der Brüll Kalmus Bank

AG. Die Capital Bank Gruppe ist Teil des Versicherungskonzerns

der Grazer Wechselseitigen und verwaltet über die

KAG rund 2,5 Mrd. € Konzerngelder, sowie rund 4 Mrd. an

Kundengeldern. Veyder-Malberg verfügt über mehr als 20

Jahre Erfahrung im Wertpapiergeschäft, davon 15 Jahre

als Bank bzw. KAG-Vorstand. Seine Stationen waren das

Bankhaus Spängler, die Focus Wertpapierverwaltungs- und

FinanzberatungsgmbH, die Schoellerbank, die Austro-Bavaria

Investment AG sowie SKWB Schoellerbank Invest AG.

1979 1989 1999 2009 2019


REFERENTEN UND DIALOGPARTNER

Philipp Vorndran

verstärkt als Kapitalmarkt Stratege seit Anfang

2009 das Investment Team von Flossbach & von

Storch. Er begleitet die Flossbach & von Storch

AG zuvor bereits seit 2005 als Aufsichtsrat. Davor von

1997 bis 2008 bei der Credit Suisse Gruppe in verschiedenen

Funktionen. Unter anderem als globaler Chefstratege

im Asset Management sowie von 2004 bis 2006 CEO der

Credit Suisse Asset Management GmbH in Deutschland.

Seinen berufl ichen Werdegang startete er bei Julius Bär in

Frankfurt und Zürich. Leitete dort von 1992 bis 1996 unter

anderem den Bereich Derivative von Julius Bär Asset Management.

DI Dr. tech.

Stefan Zapotocky

Vorstand der BAST AG Value & Invest Development

sowie der BAST Investment AG und Geschäftsführer

der BAST Unternehmensbeteiligung

GmbH. Von 1975-1988 Leitung der Bereiche Strategische

Unternehmensplanung und Kapitalmarktemissionen der

ERSTE BANK AG. 1988-2000 Aufbau und Leitung der LB

Capital Markets, Österreichische Länderbank AG; zudem

stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrates der LB, später BA

Industrieholding und der BA Investmentbank sowie Leiter

des Ressorts Wertpapiere bzw. Asset Management der BA-

CA AG. 2000 Berufung in den Vorstand der Wiener Börse AG.

Aufsichtsrat der ÖIAG, Wien und Capital Leben Versicherungs

AG, Liechtenstein.

Dr. Georg Zanger

Seit 1975 selbständiger Rechtsanwalt in Wien mit

Schwerpunkt auf kreativen Lösungen für Wirtschaftsunternehmen.

Lektor für Wettbewerbsrecht,

Urheberrecht und Medienrecht an den Universitäten Salzburg

und Wien, sowie Vortragender am Universitätslehrgang

für Rechtsinformatik an der Universität Wien. Absolvierte

2004 und 2005 das internationale und europäische Wirtschaftsrechtstudium

an der Hochschule St. Gallen und

bekam den „Master of Business Law“ verliehen.

Hannes Zipfel

Seit Jänner 2011 Vorstand & Chefökonom VSP Financial

Services AG sowie Edelmetall- und Währungsexperte

der Solit Kapital GmbH.

Im Anschluss an das Studium der Volkswirtschaftslehre zunächst

als Financial Adviser bei dem Discountbroker Consors

tätig. Später am Aufbau des Bereiches Anlageberatung

maßgeblich beteiligt. Zusätzlich Mitglied des Anlageausschusses

und Fachreferent für Finanzmarktthemen. Autor

der Monatspublikation „Finanzmärkte aktuell – Konjunktur,

Märkte Portfolio“. Ab 2008 Vorsitzender des Asset Management

Ausschuss der Top Ten Portfolio Management GmbH,

2009 Chefökonom bei der MK Luxinvest.

1919 1929 1939 1949 1959 1969


Felix W. Zulauf

Inhaber der von ihm gegründeten Zulauf Asset

Management AG, Zug / Schweiz. Seine Laufbahn

führte ihn vorher bei der UBS in Zürich durch

verschiedene Positionen, unter anderem als Fondsmanager,

globaler Anlagestratege und Leiter des institutionellen

Portfolio Managements. Dazwischen dienten ihm Auslandeinsätze

bei renommierten Börsenfi rmen in New York und

Paris zur Vertiefung der Fachkenntnisse globaler Finanzmärkte.

1990 gründete er die Zulauf Asset Management

AG, um seine Anlagephilosophie frei von konventionellen

institutionellen Restriktionen umsetzen zu können. Er ist

verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Dr.

Joachim Rene Zyla

GO AHEAD! business summit ‘11

Zählt zu den erfahrensten europäischen Analytikern

des Wirtschaftslebens mit dem Schwerpunkt

Senior Management-Evaluierung.

Nach Studien in Wien, Paris und an der Harvard Business

School in Boston verfolgte er zunächst seine Karriere im

internationalen Investment Banking, u.a. bei Credit Suisse

First Boston Ltd. in London. 1990 Wechsel in die Managementberatung,

ab 1997 CEO von Odgers Berndtson Central

Europe, einem der größten Executive Search Unternehmen

in Zentraleuropa. Im Sinne eines „Knowledge Sharing“

hält Zyla hochspezialisierte Seminare für Manager in ganz

Europa.

1979 1989 1999 2009 2019


RAHMENPROGRAMM & RÜCKBLICK BUSINESS SUMMIT 2009 UND 2010

Rahmenprogramm

Um ü ber den Kongress hinausgehenden Mehrwert zu schaffen, bietet GO AHEAD! fü r die Sprecher

und Teilnehmer des Kongresses auch in diesem Jahr wieder besondere Side-Events.

Samstag, 1. Oktober

„Lange Nacht der Museen“

Eine Veranstaltung des ORF für kulturinteressierte

Nachtschwärmer. Eintritt 13,- EUR

Von 18.00 bis 01.00 Uhr Früh.

Information und Ticketbestellung:

http://langenacht.orf.at

Freitag, 30. September

Beginn 19.00 Uhr

„Kabarett- Cocktail“

Kabarett mit Werner Brix

Palais Esterhazy

Wallnerstraße 4/1

A-1010 Wien

1919 1929 1939 1949 1959 1969


Rückblick business summit 2009 und 2010

GO AHEAD! business summit ‘11

1979 1989 1999 2009 2019


KONGRESSORT

Palais Niederösterreich

Landtagssaal

Palais Niederösterreich

Rittersaal

1919 1929 1939 1949 1959 1969


Palais Niederösterreich

Herrensaal

GO AHEAD! business summit ‘11

Palais Niederösterreich

Prälatensaal

1979 1989 1999 2009 2019


PARTNERS & SPONSOREN

Veranstalter

Mit freundlicher Unterstützung von

In Zusammenarbeit mit

1919 1929 1939 1949 1959 1969


Partner

Medienpartner

CLUB UNABHÄNGIGER LIBERALER

FÜR LIBERALE ALLER RICHTUNGEN UND AUS ALLEN PARTEIEN

GO AHEAD! business summit ‘11

1979 1989 1999 2009 2019


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Eine „österreichische Welt“

Ralf Flierl

Eine „österreichische Welt“

Wie sähe eine Gesellschaft aus, die über eine

wettbewerbliche Geldordnung verfügt?

56


WENN MAN SICH ALL DIE PUNKTE VERGEGENWÄRTIGT, DIE IN DIESER AUSGABE BE-

ZÜGLICH „GUTEN GELDES“ BESCHRIEBEN WERDEN, SO STELLT SICH NATÜRLICH DIE

ENTSCHEIDENDE FRAGE: WIE SÄHE DENN EINE SOLCHE GESELLSCHAFT

AUS, IN DER ES KEIN VON STAATSWEGEN AUFGEZWUNGENES, SONDERN

EIN WETTBEWERBLICHES GELD GÄBE. WÄRE DIESE WELT ANDERS, EINFA-

CHER ODER GAR BESSER ALS DIE JETZIGE?

Einige wichtige Aspekte, insbesondere hinsichtlich

der Finanzindustrie und der Börse, hatten wir bereits

in der Titelgeschichte der Ausgabe 8/2010 beschrieben

(dort im Artikel „Durch die österreichische Brille“

auf S. 51). Der hier vorliegende Beitrag soll eine Weiterführung

in den Bereichen Gesellschaft, Sozialwesen

und Politik bringen. Da es sich um eine utopische

– und aus Sicht des Autors wünschenswerte – Welt

handelt, wurde vornehmlich im Konjunktiv formuliert.

Freiheit und Eigentum

In einer solchen „österreichischen Welt“ könnten die Menschen

maximale Freiheit und absoluten Schutz ihres Eigentums

genießen. Dies klingt erst einmal fabelhaft. Wer will

denn nicht frei sein und Eigentum haben? Aber ganz so einfach

ist das nicht. Denn für Freiheit muss man auch bereit

sein und mit Eigentum muss man auch umgehen können, was

an folgender Überlegung verdeutlicht werden soll:

Steuern und Sozialabgaben

Der Staat würde in einer solchen Welt vermutlich auf ein

Minimum reduziert sein, d.h. die Einkommensteuern wären

auf einem niedrigen Satz (z.B. 10%) und Konsumsteuern und

Sozialabgaben gäbe es vermutlich gar nicht 1 . Damit wäre der

Anteil des Staates am gesamten Wirtschaftsgeschehen nur

1) Konsumsteuern (wie z.B. Mehrwertsteuer) treffen übrigens in erster Linie die

untere Sozialschicht, weil dort der Anteil des Konsums am Gesamteinkommen sehr

hoch ist.

57

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Eine „österreichische Welt“

minimal, eine Verschuldung wäre ihm obendrein kaum möglich.

Dies hätte zur Folge, dass den Menschen ein ungleich

höherer Betrag (z.B. 90%) von ihrem Einkommen verbliebe

als dies heute der Fall ist. Der fi nanzielle Gestaltungsspielraum

wäre also dementsprechend sehr viel größer, was mehr

Freiheit bedeutet. Allerdings wären die Menschen damit

gezwungen, sich um bisher staatlicherseits organisierte

Angelegenheiten selbst zu kümmern, z.B. um Bildung oder

Vorsorge für den Krankheitsfall. Das bedeutet: Die Menschen

müssten das Mehr an fi nanziellen Mitteln selbständig

so einsetzen, dass sie und ihr Eigentum (auch Körper,

Seele und Geist sind Eigentum des Menschen) maximalen

Nutzen davon haben. Dieser Gedanke klingt für die meisten

von uns recht befremdlich, aber mal ganz ehrlich: Wer

weiß denn besser um seine eigenen Bedürfnisse Bescheid als

ein Mensch selbst? Ein übergeordneter, unpersönlicher Staat

bestimmt nicht!

Sozialwesen

Wäre denn eine solche Gesellschaft nicht von Egoismus und

Asozialität 2 geprägt? Hierzu gilt es zu beachten, dass die

Freiheit jedes einzelnen Menschen immer dort endet, wo die

Freiheit des anderen Menschen beginnt. Wenn also staatliche

Vorschriften für das Zusammenleben so gering und so einfach

wie möglich ausgestaltet sind, so werden die Menschen

2) Unter Asozialität wird ein von der geforderten oder anerkannten gesellschaftlichen

Norm abweichendes Individualverhalten verstanden.


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Eine „österreichische Welt“

zwangsläufi g umsichtiger und sozialer mit ihren Mitmenschen

umgehen. Beispiel 1: Einige kleinere Städte in Mitteleuropa

hatten versuchsweise alle Verkehrsampeln abgeschaltet,

woraufhin die Vorsicht unter den Autofahrern deutlich

zunahm und die Zahl der Unfälle zurückging. Zwar stellt

auch die Rechts-vor-Links-Regel eine staatliche Vorgabe

dar, allerdings eine, welche doch sehr viel mehr persönlichen

Gestaltungsspielraum zulässt als eine Ampel. Beispiel 2: In

den USA, wo das staatliche soziale Netz weitaus weniger ausgefeilt

ist, sind die Privatinitiativen zur Hilfe von Bedürftigen

deutlich ausgeprägter als in Europa. Hier verlässt man sich in

Sachen Soziales regelmäßig auf den Staat.

Die weit verbreiteten Phänomene wie Sozialbetrug,

Schwarzarbeit, Steuerfl ucht und -hinterziehung

werden in unserer Zeit zu den schlimmsten Auswüchsen

des Egoismus und der Asozialität gezählt.

Wenn aber die Einkommensteuersätze sehr niedrig

wären und Konsumsteuern und Sozialabgaben gar

nicht existierten, dann hätten sowohl Arbeitnehmer

als auch -geber sowie reiche und arme Menschen

gar keine Anreize mehr, (riskante und komplizierte)

Vermeidungs- oder Erschleichungsstrategien zu

verfolgen. Dies wiederum aber würde einen positiven

Effekt auf die Steuereinnahmen des Staates

haben. Jeder – Konsument, Bürger, Unternehmen,

Staat –, alle wüssten genau, woran sie sind.

Und dies ist die beste Voraussetzung für effi ziente

Anreize.

All dies bedeutet übrigens nicht, dass unser Utopie-Staat

ohne Sozialwesen auskommen müsste. Es

wäre eben nur auf Gemeindeebene oder sogar auf

freiwilliger privater Ebene organisiert. So wäre der

Anreiz auch viel größer, „Sozialfälle“ nicht nur zu

verwalten, sondern in einer adäquaten Weise wieder in die

Gesellschaft einzugliedern.

Nähe und Transparenz

Ein effi zienter und verantwortungsvoller Umgang mit Freiheit

und Eigentum ist jedoch nur in einer Umgebung möglich,

in der Nähe (gemeint ist ein persönlicher Bezug) und

Transparenz herrscht. Dieser Anreiz würde dazu führen,

dass die Menschen vermutlich in möglichst überschaubaren

ABB. 1

regionalen Strukturen zusammenleben*. Ein recht treffendes

Beispiel hierfür ist die kleine Schweiz mit ihrem Subsidiaritätsprinzip.

Was dort nicht unbedingt auf Bundesebene

geregelt werden muss, das gestalten die 26 Kantone jeweils

nach ihrem entsprechenden Umfeld und Bedürfnissen. Und

was noch eine Ebene tiefer erledigt werden kann, wird dann

in den über 2.700 Gemeinden beschlossen. Dort aber ist jeder

Bürger aufgerufen, an den ihn direkt betreffenden Entscheidungen

mitzuwirken.

Geld und Zins

In einer „österreichischen Welt“ würde die Geldmenge relativ

konstant bleiben (siehe Abb. 1) bzw. sich nur recht lang-

FIAT-MONEY-SYSTEM VERSUS „ÖSTERREICHISCHE WELT“

Quelle: Smart Investor

25

20

15

10

5

0

5,5

5

4,5

4

3,5

3

2,5

2

58

BIP

Geldmenge

Preise

Fiat-Money-System

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Die "österreichische Welt"

BIP

Geldmenge

Preise

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

sam verändern.

Erstens würden Finanzierungen deutlich weniger auf Fremdkapitalbasis

(= Kredite) erfolgen, sondern auf Eigenkapitalbasis

(= Erspartes). Damit aber ist davon auszugehen, dass

nur ein kleiner Anteil des umlaufenden Geldes wirklich Kreditgeld

und damit zinstragend wäre – alleine schon deshalb,

weil der heutige Staat als mit Abstand größter und laufender

„Aufschuldner“ ausfi ele. Denn kreditwürdig wäre nur derjenige,

der das geliehene Kapital für Investitionen verwendet


Hayek und Mises...

...würden Smart Investor lesen.

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21


und somit überhaupt realistischerweise zu einer Rückzahlung

fähig ist. Demnach würde also der Treibsatz für eine nachhaltig

stark steigende Geldmenge fehlen.

Zweitens stünden den wenigen Krediten, die dennoch vergeben

werden (tendenziell an Unternehmen), die Bankrotte

gegenüber, die natürlich auch in einer österreichischen Welt

vorkommen und die dort auch zugelassen werden.

Bezogen auf die letzte Krise würde dies bedeuten: Die Großbanken

der heutigen Zeit hätten in einer „Austrian World“

keine staatliche Hilfe in der Krise von 2008 bekommen. Sie

wären demnach gleichsam den Dinosauriern untergegangen,

weil sie sich in Geschäfte gewagt hatten, deren negative Konsequenzen

sie nicht bedenken wollten (der heutige Grundsatz

„too big to fail“ würde nicht gelten). Die mit den Bankrotten

verbundene Reduktion der bestehenden Kreditmenge würde

also auch die Geldmenge verringern. Damit könnte die Geldmenge

in einer österreichischen Welt – trotz der Existenz von

Zinsen – nachhaltig relativ konstant bleiben (siehe Abb. 1).

Die Sache mit dem Wachstum

Gemäß dem heutigen Mainstream-Verständnis kann Wachstum

nur erfolgen, wenn es durch eine steigende Geldmenge

unterfüttert ist. Der Preis, den man für diese Konstellation zu

zahlen hat, ist die Teuerung. D.h. das regelmäßige Zuviel an

Geld (gegenüber den Gütern) wird über die Zeit in steigende

Preise transformiert. Abb. 1 (oben: Fiat-Money-System) verdeutlicht

diesen Sachverhalt schematisch.

In einer Welt mit minimalem Staat und wettbewerblichem

Geld (Abb. 1, unten: „österreichische Welt“) dagegen würden

die Geldmenge und auch die Wirtschaftsleistung jeweils

einigermaßen konstant bleiben. Entscheidend hierbei ist, dass

sich Kostenvorteile durch technischen Fortschritt und Effi -

zienzsteigerungen dann aber in sinkenden Preisen niederschlagen

3 . Schließlich fehlt in dieser Welt der konterkarierende

Zins- und Zinseszinseffekt weitgehend. Wenn also bei

gleichbleibender nominaler Wirtschaftsleistung die Güterpreise

sinken, dann steigt dementsprechend die reale Wirtschaftsleistung

(= Preis mal Gütermenge), d.h. es fi ndet reales

(aber kein ausgeprägtes nominales) Wachstum statt.

3) Warum trotz technischen Fortschritts und Effizienzsteigerungen in unserer heutigen

Zeit dennoch regelmäßig Teuerung herrscht, kann die Mainstream-Ökonomik

nicht schlüssig erklären.

61

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Eine „österreichische Welt“

Preis(-Infl ation)

Wenn das Preisniveau nicht automatisch regelmäßig steigt,

sondern tendenziell sogar leicht sinkt, dann hat dies natürlich

enorme Folgen für das Wirtschaftsleben. Heutzutage bestehen

die Anreize für den Konsum oftmals darin, möglichst

viele Güter für wenig Geld zu erstehen (quantitative Vorgehensweise).

Darüber hinaus muss man auch schnell kaufen,

denn in der Zukunft ist der Preis aufgrund der Teuerung

schon höher. Slogans wie „Geiz ist geil“ oder „Zahle einmal,

bekomme zwei Stück“ („Buy one, get one free“) sind heute

völlig normal. Die Qualität des betreffenden Gutes bleibt aber

bei solchen Überlegungen außen vor.

In einer „österreichischen Welt“ wäre der Druck auf die Konsumenten,

(unnötige und nicht dringliche) Dinge zu kaufen,

deutlich geringer. Man könnte und würde sich auch mehr

Zeit mit der Kaufentscheidung lassen. Schließlich würden

einem die Preise nicht ständig davonlaufen. Dieses Mehr an

Zeit würde genutzt werden können, um sich verstärkt auf die

Produktqualität zu konzentrieren.

Kritiker der Austrian Economics wenden gerne ein, dass

sich bei laufend sinkendem Preisniveau eine Abwartehaltung

(Attentismus) unter den Konsumenten breit machen würde,

weshalb die Gefahr eine Defl ationsspirale drohe. Aber auch

diese Kritik greift nicht.

Unternehmen und Übernahmen

Auch die Unternehmen würden sehr viel weniger Übernahmeaktivitäten

starten. Erstens wäre ja der Fremdkapitalmarkt

nicht gut entwickelt, zweitens würde eine sehr viel höhere

Risikoaversion bestehen. Und drittens wären „Mergers &

Acquisitions“ nicht so angesagt, weil der Teuerungseffekt

nicht genutzt werden kann. Schließlich werden heute viele

Übernahmen nur deshalb getätigt, weil billiges Geld in großem

Maße zur Verfügung steht, welches man zum Marktanteil-

und damit Margenausbau verwenden kann (schon wieder

eine rein quantitative Überlegung!). Die Intention dabei ist,

die Schulden für den Kaufpreis später mit entwertetem Geld

zurückzubezahlen.

Dabei weisen nahezu alle Studien zu diesem Thema eindeutig

auf, dass Firmenübernahmen fast immer in qualitativer

Hinsicht (Stichwort „Culture Clash“, z.B. bei DaimlerChrys-


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Eine „österreichische Welt“

ler) kontraproduktiv sind und längerfristig – also nachdem

die „Synergieeffekte“ über Massenentlassungen „gehoben“

wurden – auch quantitativ/fi nanziell nicht den erwünschten

Erfolg bringen. Schließlich entstehen durch Übernahmen

Reibungsverluste wegen zu großer, schlecht zu steuernder

Strukturen.

Löhne und Gewerkschaften

Heutzutage organisieren sich viele Arbeitnehmer in Gewerkschaften,

welche meist jährlich aktiv werden, auf die Arbeitgeber

zugehen und mehr Lohn verlangen – in der Regel mit

dem Argument des Teuerungsausgleichs. An diesem Hauptargument

lässt sich schon erkennen, dass in einer absolut

freiheitlichen Welt mit tendenziell sinkendem Preisniveau

Gewerkschaften eigentlich überfl üssig wären. Denn wenn die

Preise tendenziell stetig fallen, dann steigen die Reallöhne

im gleichen Maße von selbst. Die Unternehmer müssten also

regelmäßig auf jeden Arbeitnehmer einzeln zugehen (also

umgekehrt zu heute) und mit ihm seine individuelle Leistung

besprechen und daraus Konsequenzen ziehen. Eine nur

mittelmäßige Arbeitsleistung würde demnach zu einer Her-

Es sollte klar geworden sein, dass die maximale

Freiheit für die Menschen zugleich erfordert, dass

sie bewusst, eigen-verantwortlich und damit auch

nachhaltig handeln.

absetzung des Lohns in Höhe des realen Wachstums führen,

womit der Reallohn stagniert (etwas anderes ist bei einer mittelmäßigen

Leistung auch nicht vertretbar). Die Ausgangs-

und Anreizsituation wäre also genau umgekehrt zu heute.

Informationen und Ratings

Es sollte klar geworden sein, dass die maximale Freiheit für

die Menschen zugleich erfordert, dass sie bewusst, eigen-verantwortlich

und damit auch nachhaltig handeln. Dazu aber

bedarf es regelmäßiger Informationen über die Entwicklungen

in der Welt, mit denen sich die Menschen eingehend auseinandersetzen

müssen (statt in „Brot-und-Spiele“-Manier

Kulturschrott zu konsumieren). Solche Informationen könnten

die Presse oder aber spezielle (Rating-)Agenturen liefern.

Aber diese gibt es doch jetzt schon, möchte man meinen. Ja,

62

allerdings gehen die Menschen heute damit völlig verantwortungslos

und damit unkritisch gegenüber deren Ergebnissen

um. Beispiel 1: Die Industrie erkauft sich über Anzeigenschaltungen

eine genehme Berichterstattung in den Medien,

welche von den meisten Menschen dennoch ernst genommen

wird; Beispiel 2: Die Ratingagenturen werden für ihre Einschätzungen

von den Kreditnehmern (z.B. Anleihe-Emittenten)

bezahlt. Hier sind entgegen dem gesunden Menschenverstand

die Anreize völlig falsch gesetzt. Richtig wäre es,

wenn die Menschen bereit wären, für wirklich unabhängige

und in ihren Diensten stehende Medien höhere Preise zu zahlen.

Und richtig wäre es auch, wenn der Kreditgeber für die

Bewertung des Kreditnehmers bezahlt. Nur so sind effi ziente

und wirkungsvolle Anreizstrukturen denkbar.

Geld und Gold

Eine wettbewerbliche Geldordnung würde zuallererst bedeuten,

dass die Menschen Geld nicht als staatsgegeben ansehen,

sondern sich laufend über dessen Eigenschaften und Qualität

Gedanken machen müssen. Dies impliziert, dass hinsichtlich

des zu verwendenden Geldes immer eine gewisse Grundskepsis

angebracht ist. Schnell würden

sich im Marktprozess Güter als Geld

etablieren können, welche schon immer

einen gewissen Geldcharakter hatten,

allen voran Edelmetalle wie z.B. Gold.

Entscheidend dabei ist jedoch, dass

das zu verwendende Geld nicht staatlicherseits

vorgeschrieben wird. Insofern

besteht auch nicht die Gefahr der Hortung durch einige

wenige reiche Parteien. Schließlich würde sich am Markt

sofort ein anderes Geld als gängig etablieren.

Pfl icht und Kür der Staatsaufgaben

Die wirklich einzige Aufgabe, die der Staat in unserer Utopie-Welt

erfüllen müsste, wäre die Gewährleistung der inneren

und äußeren Sicherheit sowie der Schutz von Freiheit und

Eigentum. Natürlich wären zusätzlich auch andere Aufgaben

wie die Bereitstellung von Bildungseinrichtungen (Schulen)

oder Infrastruktur (Straßen) denkbar, allerdings würden dies

die entsprechenden staatlichen Institutionen selbstständig

und von Fall zu Fall entscheiden können. Was nicht unbedingt

der Staat erledigen muss, könnten auch private Unternehmen

bewerkstelligen. Die Umsetzung durch den Staat


Ralf Flierl

Ralf Flierl ist Gründer und Geschäftsführer der Smart

Investor Media GmbH sowie Chefredakteur des Magazins

Smart Investor. Zudem ist er verantwortlich für

den wöchentlich erscheinenden Börsen-Letter Smart

Investor Weekly. Vor seiner jetzigen Tätigkeit war er

unter anderem Wertpapieranalyst bei der FINANZ-

WOCHE (Dr. Jens Ehrhardt). Der 1965 in der Nähe von

Regensburg geborene Flierl ist verheiratet und lebt

seit 1986 in München, wo er auch sein Studium der

Betriebswirtschaft absolvierte.

würde dann nicht zuletzt davon abhängen, inwieweit die

Finanzierung gewährleistet werden kann. Aber wie schon

gesagt: Die Möglichkeit des Staates, Fiat Money zu kreieren,

bestünde dann nicht mehr. Oder anders ausgedrückt: Der

Staat kann dann nur das ausgeben, was er einnimmt.

Ein Hauptunterschied zu heute läge auch darin, dass ein

wuchernder Staat mit einer Warfare- oder Wellfare-Ausrichtung

nicht denkbar wäre. Mit Warfare-Staat sind in erster

Linie die USA gemeint, die über die Hälfte ihrer Steuereinnahmen

für die kriegerische Aufrechterhaltung ihres Imperiums

verwenden. Mit Wellfare sind Wohlfahrtsstaaten wie

v.a. in Westeuropa gemeint, die sich im politischen Sinne fast

nur noch über die schuldenfi nanzierte Umverteilung defi nieren.

Ein „österreichischer Staat“ wäre dagegen sehr schlank, was

aber nicht heißt, dass er auch schwach wäre. Ganz im Gegenteil:

Recht wird durchgesetzt und Unrecht wird bestraft –

ohne Wenn und Aber.

Fazit

Die hier vorgestellte Utopie mag dem einen oder anderen

Leser als weltfremd, weit hergeholt oder als völlig unrea-

63

Ralf Flierl

Chefredakteur des Smart

Investor

listisch erscheinen. Sobald aber unser jetziges Finanz- und

Gesellschaftssystem defi nitiv gescheitert sein wird – der

Autor rechnet damit spätestens in fünf Jahren –, werden solche

alternativen Überlegungen auch im Mainstream zunehmend

Gehör fi nden. Es waren immer die Utopisten und die

„Spinner“, die lange vor den eigentlichen Entdeckungs- und

Wissenssprüngen den gedanklichen Boden für die zukünftigen

Entwicklungen bereiteten. Oftmals um den Preis, dass

sie zu ihren Lebzeiten verlacht wurden.

Die hier vorgestellte Welt ergibt sich teilweise logisch aus der

Konstellation eines Geldsystems, welches nicht auf staatlichem

Zwang beruht. Bei einigen Punkten wurden vom Autor

Annahmen getroffen, die aufgrund der fehlenden Überprüfbarkeit

anhand eines konkreten realen Beispiel-Staates nicht

als gesichert gelten können. Eine weiterführende Diskussion

hierzu wäre sicherlich hilfreich. Als Literatur zu diesem

Thema sei das Buch „Krankes Geld, kranke Welt“ von

Gregor Hochreiter und die Smart Investor-Ausgabe 8/2010

empfohlen. «


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Keynes ist tot – nicht der Kapitalismus

Barbara Kolm

Keynes ist tot

nicht der Kapitalismus

64


DAS LEBEN AUF PUMP HAT EIN ENDE. DIESE SCHMERZHAFTE, ABER OFFENSICHTLICHE TATSACHE LEGTEN „DIE

MÄRKTE“ IN DEN LETZTEN WOCHEN UND MONATEN BEINHART OFFEN. EINEM MITGLIEDSSTAAT DER EU NACH DEM

ANDEREN WIRD DAS VERTRAUEN IN DIE BONITÄT ENTZOGEN. REGIERUNGEN KÖNNEN NICHT MEHR ÜBER IHRE VER-

HÄLTNISSE LEBEN UND MÜSSEN IHRE STAATSFINANZEN ENDLICH IN DEN GRIFF BEKOMMEN. POLITISCHE FEHLENT-

SCHEIDUNGEN – WIE DIE VERTUSCHUNG VERGANGENER KRISEN DURCH UNFINANZIERBARES „DEFICIT SPENDING“

UND KÜNSTLICH NIEDRIGGEHALTENE ZINSEN – LIEGEN NUN IN FORM VON SCHULDENBERGEN AUF DEM TISCH. SIE

KÖNNEN NICHT LÄNGER VON DER POLITIK WEGGELEUGNET WERDEN.

Die künftige Entwicklung der Steuerlast ist davon

abhängig wie die Politik die Problematik der zunehmenden

Staatsverschuldung zu lösen versucht.

Die Anhebung von Massensteuern würde zu einer

Beschneidung der Kaufkraft der Bevölkerung führen

und damit das künftige Wirtschaftswachstum

gefährden. Eine Anhebung der Körperschaftsteuersätze

hätte negative Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft

der Unternehmen und damit auch auf

die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskraft.

Die Senkung der Lohnsteuer würde die Nettoeinkommen

der Arbeitnehmer erhöhen, deren Leistungsbereitschaft

anregen und auch die Nachfrage nach

Arbeitskräften ankurbeln und so zu einer Entlastung

der Situation auf dem Arbeitsmarkt führen. Die Höhe

der Personalkosten ist zudem ein wichtiger Standortfaktor

im internationalen Wettbewerb.

Stattdessen könnte der Staat Kostensenkungen forcieren;

einerseits um Kaufkraft und Wirtschaftswachstum zu

sichern (nicht durch Mehrausgaben!) und andererseits um

Generationengerechtigkeit zu gewährleisten indem versucht

65

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Keynes ist tot – nicht der Kapitalismus

wird, die Schulden, die einer nächsten Generation aufgebürdet

werden, auf ein Mindestmaß zu begrenzen. Wirtschaftswachstum

und Anreize für Innovationen und Bildung versprechen

den Erhalt der Kaufkraft, konstante Beschäftigung

und eine nachhaltige Konsolidierung des Budgets.

Dies kann nur gelingen, wenn die Aufgaben des Staates und

damit der Politik im neuen Jahrtausend endlich kritisch hinterfragt

werden. Dies ist unbequem - da eine Reduktion des

staatlichen Einfl usses auf die Wirtschaft, viele um ihre politische

Existenz bringen würde - aber dringend von Nöten.

Nennen wir das Kind beim Namen: Der Wohlfahrtsstaat, der

über Jahrzehnte einfache Regeln (z.B. nicht mehr auszugeben

als einzunehmen oder für seine eigenen Handlungen Verantwortung

zu übernehmen) außer Kraft gesetzt hat, ist an seine

Grenzen gestoßen und hat in seiner jetzigen Form ausgedient.

Es reicht nicht mehr diverse Reformarbeitsgruppen einzusetzen.

Reformen müssen endlich tatsächlich angegangen

werden. Geschieht dies nicht, verschiebt sich der Tax Freedom

Day in den nächsten Jahren noch weiter nach hinten –

aus einem einzigen Grund: Da es für die Politik leichter ist,

die Eigentumsrechte „der Reichen“ (=große Teile der Mittelschicht,

durch Infl ation) durch noch höhere Besteuerung zu

beschneiden, als notwendige Maßnahmen anzugehen!


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Keynes ist tot – nicht der Kapitalismus

Kurz gesagt: Reformen anstatt der üblichen politischen Sonntagsreden

Wir fordern:

✓ Radikale Ausgabenkürzungen des Staates

✓ Steuersenkungen, um die Attraktivität Österreichs als

Wirtschaftsstandort und die Leistungsbereitschaft der

Bürger zu erhöhen

✓ Flexibilisierung des Arbeitsmarktes

✓ Endlich eine echte Pensionsreform, um die Generationengerechtigkeit

wieder herzustellen

▫ Weg vom Umlageverfahren hin zu einem Kapitaldeckungsverfahren

✓ Mehr Konkurrenz innerhalt der EU und innerhalb

Österreichs durch „echten“ Föderalismus à la Schweiz

▫ Keine weiteren Zentralisierungsschritte auf

EU-Ebene

✓ Gesundheitsreform

✓ Bildungsreform

Kurz gesagt: Reformen anstatt der üblichen politischen Sonntagsreden

Dr. Barbara Kolm

Generalsekretärin das Friedrich August v. Hayek Institut

in Wien, das als „Großhändler von Ideen“ marktwirtschaftliche

Lösungen in den Bereichen Bildung,

Gesundheit, Sicherung des Arbeits- u. Wirtschaftsstandortes

und Armutsbekämpfung anbietet, sowie

die Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie

verbreitet. Gründerin des Austrian Economics

Center, das sich der Forschung und Politikberatung

im Bereich der gesellschaftlichen Verantwortung

von Individuen in Kombination mit ökonomischen Fragen

widmet. Mitglied der Mont Pélerin Society und Präsidentin

der European Coalition for Economic Growth.

Sie studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität

Innsbruck und der UCLA.

66

Tax Freedom Day 2011 - 213 Tage schuften für den

Staat

In diesem Jahr fi el der Tax Freedom Day auf den 31. Juli, und

damit auf den 213. Tag des Jahres 2011. Den Berechnungen

des Austrian Economics Center zufolge mussten die Österreicher

rechnerisch bis zu diesem Tag arbeiten, um für sämtliche

Steuern und Abgaben aufzukommen. Erst von diesem

Tag an kann der Steuerzahler sein Einkommen zur Finanzierung

seiner täglichen Ausgaben, Investitionen und der privaten

Vorsorge verwenden. Zur Berechnung des Tax Freedom

Day wird hierbei die gesamte Steuer- und Abgabenlast

einer Volkswirtschaft ins Verhältnis zum Volkseinkommen

- die Summe aller von Inländern erzielten Lohn- und Kapitaleinkünfte

- gesetzt. Die Steuerbelastung umfasst dabei

alle direkten Steuern, wie Lohn- und Körperschaftssteuer,

die Kapitalertragssteuer ,als auch die indirekten Steuern, wie

Umsatzsteuer und Normverbrauchsabgabe.

Veranschaulichung der Entwicklung der Steuer- und

Abgabenlast in Österreich ab 1976

Dr. Barbara Kolm, Director

Austrian Economics Center

(AEC)

b.kolm@austriancenter.com

www.austriancenter.com

www.taxfreedomday.at


Das Konzept des Tax Freedom Day geht auf die in

Washington DC ansässige Tax Foundation zurück,

die den Tax Freedom Day für die USA seit 1948

berechnet. Mittlerweile haben sich mehrere Wirtschaftsinstitute

derartiger Projekte angenommen,

darunter das britische Adam Smith Intitute und das

Karl-Bräuer Institut des Bundes der Steuerzahler

Deutschland.

Ziel dieser Berechnungen ist die Veranschaulichung

der Steuerbelastung und die Schaffung eines

Bewusstseins in der Bevölkerung für die Steuerbelastung,

auch in Hinblick auf die historische Entwicklung

der Steuer- und Abgabenquote.

In den vergangenen Jahrzehnten vollzog sich eine Entwicklung

zunehmender Steuerbelastung, die zur Folge hatte,

dass der Tax Freedom Day, der im Jahre 1976 noch auf den

23. Juni gefallen war, bis zum Jahr 2001 den 22. August

erreichte. Besonders in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs,

wie im Jahr 2001, nach dem Platzen der New-Economy-Blase

oder im Jahr 2008, in dem die globalen Folgen der aktuellen

Finanzkrise immer deutlicher spürbar wurden,

wirkten sich aufgrund steigender Staatsausgaben

und rückläufi ger Einkommen negativ auf das

Datum des Tax Freedom Day aus.

In den letzten Jahren stellte sich ein Rückgang der

Steuerbelastung ein, weshalb sich der Tax Freedom

Day – entgegen der langfristigen Entwicklung –

wieder um etwa einen Monat nach vorne verschob.

Seit 1976 stieg das Volkseinkommen um durchschnittlich

14%, die Steuern und Sozialabgaben

jedoch um 17%, wodurch das Verhältnis von Steuern

und Sozialabgaben zum Volkseinkommen von

49% auf über 57% anstieg. Angesichts der in jüngster

Zeit stark angestiegenen Staatsverschuldung und

der krisenbedingt erhöhten Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung,

darf zumindest bezweifelt werden, dass

diese Entwicklung eine nachhaltige ist.

Die nachfolgende Grafi k bildet die Entwicklung des Tax

Freedom Day in Österreich seit dem Jahr 1976 ab (Abb.1).

ABB. 1

ABB. 2

TAX FREEDOM DAY

die Entwicklung des Tax Freedom Day in Österreich seit dem Jahr 1976

Quelle: Austrian Economics Center (AEC)

Steuerlast im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich offenbart sich die hohe Belastung

der österreichischen Steuerzahler. In Deutschland wurde

der Tax Freedom Day vom Karl-Bräuer-Institut für den 6. Juli

errechnet, womit die deutschen Steuerzahler durchschnittlich

etwa drei Wochen weniger für den Staat arbeiten müssen.

In anderen Ländern treten im Vergleich zu Österreich noch

deutlichere Unterschiede zu Tage; in Großbritannien fi el der

Tax Freedom Day auf den 30. Mai, in den USA gar auf den

12. April, den 102. Tag des Jahres.

TAX FREEDOM DAY

die Entwicklung des Tax Freedom Day im Vergleich zu A/D/GB/USA

Quelle: Quelle: Austrian Economics Center (AEC)

67

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Keynes ist tot – nicht der Kapitalismus

All diesen Berechnungen liegt das Volkseinkommen

zugrunde, weshalb eine gute Vergleichbarkeit der Werte

gegeben ist. Die Betonung der Eigenverantwortlichkeit des

einzelnen Individuums und die damit einhergehenden vergleichsweise

geringen Ausgaben für das Sozialsystem sind


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Keynes ist tot – nicht der Kapitalismus

als Ursachen für eine geringere Steuerbelastung in Großbritannien

und den USA zu nennen. Dass die in Österreich

anfallenden Ausgaben für Sozialleistungen letztlich der

Bevölkerung zu Gute kommen, steht außer Frage, jedoch

sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass diese Leistungen

mit Steuern fi nanziert werden, die wiederum von

Unternehmen und Privatpersonen über Steuern bezahlt werden

müssen. Überdies ist zu bezweifeln, dass der Staat ein

besserer (Um-)Verteiler ist, als die Bürger selbst. Das der

Wirtschaft entzogene Kapital hätte ohne staatliche Eingriffe

effi zienter eingesetzt und somit die Wohlfahrt der gesamten

Bevölkerung (zB. durch mehr Arbeitsplätze, höhere Löhne,

weniger Steuern…) gesteigert werden können.

Volkseinkommen als Basis der Berechnung

Die Auswahl des Volkseinkommens an Stelle des Bruttoinlandsprodukts

zur Berechnung des Tax Freedom Day erfolgt

aus der Überlegung, dass das Volkseinkommen ein besseres

Maß für die Summe der Einkommen einer Volkswirtschaft

ist, da dieses im Gegensatz zum Bruttoinlandspro-

68

dukt von Verzerrungen, wie beispielsweise Abschreibungen

nicht berührt ist und demnach auch die geeignetere Größe

zur Berechnung einer Steuer und Abgabenquote auf Einkommen

ist. Aus diesem Grund führen viele bedeutende Wirtschaftsinstitute

wie die Tax Foundation und das Adam Smith

Institute ihre Berechnungen anhand des Volkseinkommens

durch.

Österreich

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Österreich ein

Hochsteuerland in Europa ist und die letzte substanzielle

Steuerreform im Jahr 2004/05 erfolgte (Senkung der Körperschaftssteuer

von 34% auf 25%) und die Abschaffung

der Erbschafts- und Schenkungssteuer im Jahr 2008. Um

die Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Sicherung des

Arbeits- und Wirtschaftsstandortes zu garantieren, müssen

Steuersenkungen, Ausgabenreduktionen und Strukturreformen

erfolgen. «


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Die Konstruktion der EU ist das Resultat des Ringens

zweier Visionen für Europa. Die liberale Vision

vertritt eine freie Marktwirtschaft in einem Europa

der offenen Grenzen. Auf der anderen Seite

steht die sozialdemokratische Vision Europas.

Der Euro reizt zum Schuldenmachen. Unabhängige

Regierungen können sich einer Zentralbank bedienen,

um ihre Haushaltsdefi zite zu bezahlen. Das

Ganze ähnelt einer Notenpresse mit verschiedenen

Eigentümern.

In seinem grundlegenden Werk zeigt der Wirtschaftsphilosoph

Rahim Taghizadegan, welche Faktoren für

eine Fortsetzung der Forschung in der Tradition

von Carl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk, Ludwig

van Mises und Friedrich August von Hayek sprechen.

Er plädiert für ein Umdenken und die Rückbesinnung

auf die Östereichische Schule – und damit auf den

gesunden Menschenverstand.

Die Krise des Euro ist in erster Linie eine Überschuldungskrise

von Staaten und Banken. Ihre Ursache

liegt im staatlichen Scheingeldmonopol, das über

Jahrzehnte ein Schneeballsystem aus ungedeckten

Zahlungsverpfl ichtungen aufgebaut hat, inzwischen

seinen Zenit erreicht hat und nun vor dem Zusammenbruch

steht.

Das Buch fordert einen marktwirtschaftlichen

Befreiungsschlag in Deutschland, Europa und in

der Welt.

Die jüngste Finanzkrise von 2007 brachte das Weltfi

nanzsystem fast zum Einsturz. Aus der Finanzkrise

wurde eine Banken-, Wirtschafts-, Staatschulden- und

jetzt zunehmend eine Euro-Krise. »Fällt« im Zuge

dieser Krisen sogar unsere Währung, der Euro? Und

falls ja, wäre das so schlimm?

Der Autor macht in diesem Werk eindrücklich klar, wie

es um die Zukunft unserer Währung steht.

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GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Österreich: Mit privatem Wachstumskapital durchstarten

Jürgen Marchart

Österreich:

Mit privatem Wachstumskapital

durchstarten

70


ÖSTERREICHISCHE BETEILIGUNGSGESELLSCHAFTEN SIND NACH WIE VOR STARKE PARTNER DER KLEINEN UND MIT-

TELSTÄNDISCHEN UNTERNEHMEN. DURCH FEHLENDE RAHMENBEDINGUNGEN IST ES JEDOCH SCHWER, INTERNATIO-

NALE INSTITUTIONELLE INVESTOREN ZU GEWINNEN.

Österreichische Private-Equity- und Venture-Capital-

Fonds investierten – im letzten zur Verfügung stehenden

Berichtszeitraum – im Jahr 2010 insgesamt

127 Millionen Euro an privatem Wachstumskapital in

86 kleine und mittlere Unternehmen im In- (82 Millionen

Euro) und Ausland (45 Millionen Euro).

Das Gesamtinvestitionsvolumen der österreichischen Beteiligungskapitalgeber

lag damit lediglich 8 Prozent unter dem

Vorjahreswert und zeigt, dass privates Wachstumskapital

nach wie vor ein starker Partner für kleine und mittlere Unternehmen

ist und in nationale und internationale Wachstumsmärkte

investiert. Damit rangiert Österreich im europäischen

Vergleich bei den Schlusslichtern, gemessen am Prozentanteil

der Investments am BIP (siehe Abb.). 2010 stiegen nicht

nur die Buy-outs an, die nun 45 Prozent aller Investments

ausmachen, sondern auch die Frühphaseninvestments (Seed,

ABB.

INVESTMENTS ANTEIL AM BIP 2010 (in %)

Quelle: PEREP_Analytics / EVCA Yearbooks

Industry statistics (by ountry of private equity fi rm)

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Österreich: Mit privatem Wachstumskapital durchstarten

71

Start-up und Later Stage Venture) blieben erfreulicherweise

mit knapp 23 Prozent aller getätigten Investments auf fast

dem gleichen Niveau wie 2009. Allerdings hat sich innerhalb

der Frühphaseninvestments der Fokus auf den Later-Stage-

Venture-Bereich verschoben. Die Branche „Gewerbe- und

Industrieprodukte“ führt das Ranking der Investments auch

diesmal wieder an, gefolgt von den Branchen „Kommunikation“,

„Computer und Unterhaltungselektronik“, „Life Sciences“

und „Gewerbe- und Industriedienstleistungen“.

Hälfte der Investments im Ausland

Die Mittelbeschaffung für zukünftige Beteiligungsinvestitionen

ist auch nach der Finanz- und Wirtschaftskrise nach wie

vor eine große Herausforderung, wie in allen Teilen Europas

zu beobachten ist. Konnten Beteiligungskapitalgeber mit Sitz

in Österreich 2009 286 Millionen Euro an frischem Kapital

einwerben, so ist 2010 mit 268 Millionen Euro frischem Kapital

für zukünftige Investments in vielversprechende Wachstumsmärkten

im deutschsprachigen Raum sowie in Mittel-

und Osteuropa ein leichter Rückgang um 6 Prozent

zu verzeichnen. Nachdem im Vorjahr in weiten Teilen

Europas die öffentliche Hand die Hauptinvestorengruppe

war, hat der in Österreich vor der Krise

sehr dominant vertretene Bankensektor mit 23 Prozent

der kommittierten Mittel wieder Interesse an

der Assetklasse Private Equity und Venture Capital

gefunden und Kapital für Mezzaninfi nanzierungen

bereitgestellt. Es ist jedoch durch fehlende, international

wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen

nach wie vor besonders schwer, internationale institutionelle

Investoren für den Standort Österreich zu

gewinnen. Rund die Hälfte (48 Prozent) des österreichischen

Beteiligungskapitals über 268 Millionen

wurden in Mittel- und Osteuropa investiert.

Mit 52 Millionen Euro (at cost) ist das Deinvestiti-


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Österreich: Mit privatem Wachstumskapital durchstarten

onsvolumen gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent gesunken.

Der Anteil an Abschreibungen (2009: 43 Prozent) hat

sich jedoch auf 30 Prozent des gesamten Exitvolumens reduziert.

Die Beteiligungsfonds haben also mit dem Exit gewartet

und die Unternehmen durch die Krise zu begleiten. Das

stellte sich auch im Jahr 2011 wieder als Vorteil für so manches

Portfoliounternehmen heraus, da diese mit dem Private-

Equity- und Venture-Capital-Investor über einen starken

Miteigentümer verfügen, der mit Know-how, Management-

Unterstützung und zusätzlichem Kapital durch die Krise half.

Rahmenbedingungen im Wandel

Sowohl national wie auch auf EU-Ebene sind die rechtlichen

Rahmenbedingungen zurzeit im Umbruch. In Österreich

fehlt nach wie vor ein international wettbewerbsfähiges

Private-Equity-Gesetz. Auf EU-Ebene wurde Ende 2010

die Alternative Investment Fund Manager (AIFM) Guideline

beschlossen, die zum Ziel hat, systematische Risiken des

Finanzmarkts zu kontrollieren, die Interessen der Investoren

zu schützen und für mehr Transparenz zu sorgen. Ziele, die

Über die AVCO

(Austrian Private Equity and

Venture Capital Organisation)

Die AVCO ist als Dachorganisation der österreichischen

Beteiligungskapitalindustrie Ansprechpartner für alle

Fragen zu Private Equity und Venture Capital in Österreich.

Sie verfügt derzeit über 18 ordentliche und 27

assoziierte Mitglieder, die die Arbeit der AVCO auch mit

Expertise und inhaltlichem Engagement unterstützen.

72

der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation

(AVCO) und der österreichischen Private-Equity- und

Venture-Capital-Branche ebenfalls ein Anliegen sind. Die

vorliegende Guideline unterscheidet jedoch nicht zwischen

den verschiedenen Anlageklassen und dem damit verbundenen,

variierenden Risiko für den Finanzmarkt und hat daher

im Zuge der Implementierung der AIFM in nationales Recht

noch großes Optimierungspotential, um die genannten Ziele

tatsächlich zu erreichen.

Nur wenn durch internationale Regelungen sowohl die EU als

auch Österreich zu attraktiven Finanz- und Wirtschaftsplätzen

ausgebaut werden, ist auch in Zukunft die Eigenkapitalausstattung

kleiner und mittlerer österreichischer Unternehmen

garantiert. Damit wären diese Firmen gut gerüstet, um

ihren Wachstumskurs fortzusetzen. «

Autor:

Dr. Jürgen Marchart

Geschäftsführer

Lothringerstraße 12

1030 Wien

Tel.: +43/1/526 38 05

Email: juergen.marchart@avco.at

Internet: www.avco.at


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Zeit für GO AHEAD

Nikolaus Kimla

Zeit für GO AHEAD

Es braucht mehr Unternehmertum und wieder mehr

Freiheit und weniger Gleichmacherei: Was jetzt Not tut ist

eine Anleitung zum neuen „Mindset“.

74


IMMOBILIENKRISE, KIRCHENKRISE, POLITIKKRISE, EUROKRISE, MANAGERKRISE, SCHULDENKRISE:

MAN KÖNNTE DIE LISTE ENDLOS FORTSETZEN, MIT EINEM WORT: KRISEN HABEN HOCHKONJUNKTUR. UND ES

SCHEINT KEIN ENDE IN SICHT. UNBESTRITTEN IST: ES LÄUFT ETWAS SCHIEF IN UNSEREM WIRTSCHAFTSSYSTEM. VIE-

LEN BÜRGERN STÖSST DIESE AHNUNGSLOSIGKEIT DER VERANTWORTLICHEN UNANGENEHM AUF. PANIK AN MANCHEN

ORTEN VERBREITET SICH UND ES DÄMMERT VIELEN, DAS ETWAS FAUL IST IM SYSTEM. DOCH WAS TUN? WEN FRAGEN?

UNTERSCHIEDLICHER KÖNNTEN DIE KOMMENTARE IN DEN VERSCHIEDENEN MEDIEN GAR NICHT SEIN.

Die Problemverlagerung zu einer speziellen Gruppe

könnte ein bekannter, doch in einer Sackgasse endender,

Lösungsansatz sein. Einst eine Volksgruppe,

heute eine ökonomische Gruppierung. Zu einfach und

nicht plausibel, denn das Problem liegt tiefer. Es liegt

an unserem Mindset, und dafür sind wir ALLE mitverantwortlich.

Wir sind in wesentlichen Bereichen unserer Gesellschaft

mangelhaft oder gar falsch „geprägt“. Wenn es uns jetzt nicht

gelingt, die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Irrtümer

zu überwinden, wird die Krise kein bzw. ein schreckliches

Ende haben.

Es gibt immer die Möglichkeit zu Handeln, eine Tat zu setzen,

die notwendige Umkehr anzutreten, Verantwortung zu

übernehmen für die ungewisse Zukunft. Vier Ansatzpunkte

könnten ein Ausgangspunkt sein, um konkrete Schritte einzuleiten.

➛ Go ahead: Gleichheit ist die Zwillingsschwester

der Gerechtigkeit

Thomas Mann schrieb, „Freiheit ist die Zwillingsschwester

der Verantwortung“, es ist ein gesellschaftlicher Irrtum dies,

auf die Gleichheit und Gerechtigkeit übertragen zu wollen.

Den Grundgedanken eines gerechten Systems in der von der

Politik gesteuerten Umverteilung zu verankern, ist zu einer

der politischen Hauptantworten in der Finanz-, Wirtschafts-

und Eurokrise geworden. Mit höheren bzw. neuen Steuern

will man die „Wohlhabenden“ und alle anderen treffen,

denen Schuld an der Krise gegeben wird – und so Gerechtigkeit

schaffen. Dass dies allen Ernstes Resonanz fi ndet, hat

nicht nur mit einer hochgezüchteten Neidkultur zu tun, sondern

auch damit, dass uns jahrzehntelang eingebläut wurde,

75

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Zeit für GO AHEAD

Gerechtigkeit sei eine Funktion der Gleichheit. Je gleicher

eine Gesellschaft – in der politischen Praxis übersetzt mit:

je weniger wir den „Wohlhabenden“ lassen, desto gerechter

ist die Gesellschaft. Gemessen am Gini-Koeffi zient, der

Gleichheit misst (Lister der Länder nach Einkommensverteilung

– siehe Wikipedia), müssten wir in Österreich freilich

in einem der gerechtesten Länder der Welt leben. Denn

Österreich ist eines der am meisten umverteilenden Länder.

Aber Gleichheit hat eben nicht viel mit Gerechtigkeit zu tun.

Warum eigentlich Gleichheit? Rahim Taghizadegan bringt

dies auf den Punkt: „Die Gleichheit wurde zum zentralen

Ideal unserer Zeit. Sogar das große Wort der Gerechtigkeit

wird heute fast nur noch synonym mit Gleichheit verwendet.

Ungleichheit gilt als Inbegriff der Ungerechtigkeit. Die willkürliche

Ungleichbehandlung und damit schlechtere Behandlung

einzelner Menschen oder Volksgruppen, bis hin zum

Massenmord, gab der Ungleichheit einen schlechten Namen.

Als einzig akzeptabler Gegenpol erschient dabei die Gleichheit.

Dabei wird jedoch stets die gleiche Würde des Menschen

mit gleichen Ergebnissen verwechselt. Schließlich ist

es gerade die Achtung der gleichen Würde der Menschen, die

Respekt vor deren Verschiedenheit gebietet.“*.

Der zentrale Wert für eine positive gesellschaftliche Entwicklung

ist und bleibt jedenfalls die Freiheit. Sie braucht Vielfalt

und nicht Gleichheit. Statt Ungleiches zwangsweise zu nivellieren,

müssen wir einen produktiven, klugen gesellschaftlichen

Umgang mit Ungleichheit fi nden. Ungleichheit bringt

uns weiter. Denn aus der Ungleichheit speisen sich jene dynamischen

Veränderungs- und Entwicklungsprozesse, die für

Wachstum und Wohlstand unverzichtbar sind. „Die Ökonomen

der Österreichischen Schule waren etwas realistischer

in ihren Annahmen. Sie lassen sich nicht dadurch verwirren,

dass der Mensch gleich an Würde ist (oder sein sollte),


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Zeit für GO AHEAD

um daraus zu folgern, Menschen seien sich tatsächlich völlig

gleich. Gerade unsere Unterschiede sind doch interessant und

werten uns auf. Die berechtigte und lobenswerte Sorge um

den Schwächeren hat in der Ökonomie oft zu Scheuklappen

geführt“*.

➛ Go ahead: „homo oeconomicus“ als Ausgangspunkt

für Wirtschaftsdynamik

Julius Friedrich Gans von Ludassy war der erste Ökonom der

den Begriff des „homo oeconomicus“ prägte, „um vor einer

unrealistischen Volkwirtschaftslehre zu warnen die sich mit

Scheinmenschen befasst“. Woher kam dieses Denken, das

einen Scheinmenschen erschuf und ein Kunstobjekt kreierte.

In der Menschheitsgeschichte erscheint nämlich der einzelne

Mensch nicht ins Gewicht zu fallen. „Auch heute haben viele

das Gefühl, einzeln kaum etwas bewegen zu können. Die

Massengesellschaften unserer Zeit erwecken den Eindruck,

wir wären alle bloß entbehrliche Zahnrädchen in einem großen

Getriebe. ...Manche mögen sich nur noch als Mitläufer

empfi nden, doch diese Vorstellung ist eine selbsterfüllende

Prophezeiung: Das Leugnen der Freiheit beseitigt auch ihre

letzten Reste.“

Unserer – mit einer Sozialquote um die 30 Prozent äußerst

sozialen - Marktwirtschaft ordnen ihre Kritiker gerne ein

überaus fragwürdiges Menschenbild zu: den gierigen, dummen

und rücksichtslosen Ökonomie-Menschen. Wir sollten

das nicht hinnehmen. Über Werthaltungen und Menschenbilder

braucht es in der Tat eine breite Diskussion – und

zwar eine, die realistische Paradigmata zu bieten hat. Die

Österreichische Schule der Ökonomie kann dafür Orientierungspunkte

bieten. Denn sie formuliert jenseits des vielbeschworenen,

aber nie realen „homo oeconomicus“ ein realistischeres

Menschenbild. Sie versteht unter Ökonomie die

Lehre vom menschlichen Handeln. Sie eröffnet einen humanen

Zugang, der sich am persönlichen Handeln und den

persönlichen Zielen des Menschen orientiert. Der einzelne

Mensch ist Ausgangspunkt. Das Handeln, als die konkrete

Entscheidung zwischen gegebenen Möglichkeiten, ist Gegenstand

ihrer Forschung. „Handeln ist bewusstes Verhalten.

Handeln ist Wollen, das sich in Tat und Wirken umsetzt und

damit verwirklicht. Handeln liegt in der Natur des Menschen

und seiner Welt, Handeln- Müssen ist dem Menschen durch

die Bedingungen, unter denen er lebt, vorgeschrieben“, so

76

Ludwig von Mises. Dieses Handeln manifestiert sich im

Menschenbild des freien Unternehmers. Freies und eigenverantwortliches

Unternehmertum zu fördern und zu fordern

ist daher mehr denn je ein Gebot der Zukunft.

Zum freien Unternehmertum gehört auch ein verantwortungsvoller

und ehrlicher Umgang mit dem Risiko – ganz

im Sinn der Tugenden des traditionellen Kaufmannes, der

weiß, dass sich große Geschäfte nicht mit kleinen Risiken

machen lassen. „Erfolgreiche Unternehmer sind alles andere

als übermütig; meist sind sie sogar extrem vorsichtig – eben

weil sie Eigenes aufs Spiel setzen. Vorsicht und Mut wiedersprechen

sich nicht.“*

Mehr freies und eigenverantwortliches unternehmerisches

Denken und Handeln in allen gesellschaftlichen Bereichen

zu fördern und zu fordern ist wohl die wichtigste Lehre aus

allen Krisen. Dies verstärkt zu propagieren und deutlich zu

machen, liegt heute mehr denn je in der Verantwortung von

Meinungsbildnern und Entscheidungsträgern. Nur eine realistische

Einschätzung des Handelns von Menschen schafft

Wachstum.

➛ Go ahead: Konsumiere dich REICH

Wir leben in einer „instant society“, die dazu erzogen wurde

auf Knopfdruck, jeden Wunsch zu erhalten. Das lässt sich

durch viele gesellschaftliche Bereiche hindurch beobachten.

In kaum einem anderen Bereich hat es aber so gravierende

Folgen wie in der boomenden Kreditwirtschaft. Was auch

immer wir uns an materiellen Gütern wünschen: der billige

Kredit macht´s möglich!. „In nur 10 Minuten zum Geld –

Herzenswunsch – in 10 Minuten erfüllt! Der Superschnell –

Kredit. (Auszug aus der neuen BAWAG P.S.K )“

Konsumieren auf Pump stand am Beginn der amerikanischen

Finanzmarktkrise, und an der dahinter stehenden Mentalität

hat sich nichts geändert. Sie prägt auch heute das politische

Handeln. Die Ergebnisse werden nur dramatischer:

Wir leben in einer unverantwortlichen Weise von den Schulden,

die wir den nächsten Generationen aufbürden. Europa

und die USA haben über Jahrzehnte über ihre Verhältnisse

gelebt. Es ist absurd, aber wahr, dass die reichsten Staaten

der Welt die meisten Schulden angehäuft haben. Innerhalb

der letzten 30 Jahre hat sich die österreichische Schulden-


quote von 18,8 Prozent auf 72,3 Prozent fast vervierfacht.

Die Zinszahlungen werden höchst wahrscheinlich bis zum

Jahr 2015 auf über zehn Mrd. Euro ansteigen. Doch nicht nur

die Staatsschulen plagen uns. Diese Haltung hat sich nahtlos

auf den Bürger übertragen. Es gilt am sogenannten schönen

Leben teilzuhaben, doch wer die Zeche zahlen wird, meist

der Schuldennehmer selbst am wenigsten und die Banken

unterstützen diese Grundhaltung. Die Schulden bei uns, und

hier schließt sich der Kreis zum Gleichheitsirrtum, sind das

Ergebnis der hohen Umverteilung. Die Schulden, die Österreich

jahrzehntelang auf den Finanzmärkten aufgenommen

hat, wurden vor allem für Sozialleistungen und Förderungen

verwendet. Für Zukunftsinvestitionen blieb und bleibt kein

Mehr freies und eigenverantwortliches unternehmerisches

Denken und Handeln in allen gesellschaftlichen

Bereichen zu fördern und zu fordern

ist wohl die wichtigste Lehre aus allen Krisen

Geld mehr. Nach Berechnungen der Industriellenvereinigung

sind die öffentlichen Ausgaben für Investitionen in Österreich

in den vergangenen 35 Jahren um über 2 Prozentpunkte

des BIP zurückgegangen, während die Ausgaben für Transfers

im gleichen Zeitraum um fast 9 Prozentpunkte des BIP

anstiegen. Schulden machen eben nicht heute reich, sondern

morgen arm. Haushaltspolitische Vorsicht darf nicht bestraft,

sondern muss belohnt werden – von der ganzen Gesellschaft.

➛ Go ahead: Vertraue dem System der Wohlstandsversorgung

Nicht nur die Schuldenberge, die der Staat verursacht, sollten

uns davon abhalten, seinen Umfang und seine Aktivitäten

in Frage zu stellen. Das Mindset, dass „der Staat“ voll

und ganz für die soziale Sicherheit seiner Bürgerinnen und

Bürger sorgt, hat ebenso wenig Zukunft, wie die individuelle

Vorstellung, dass man sich in jeder Lebenslage auf den „Vater

Staat“ verlassen kann. Staatsgläubigkeit macht abhängig.

Mathias Horx hat das „Angebot“ des Sozialstaats sehr klar

charakterisiert*: „Wenn es dir schlecht geht, musst du gar

nichts tun. Du kannst dich vor den Fernseher setzen und

beruhigt abwarten, bis die Konjunktur wieder anspringt und

77

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Zeit für GO AHEAD

wieder ein „Arbeitsplatz“ zur Verfügung steht.“ Das funktioniert

heute nur nicht mehr, es ist auch unsozial, Menschen das

abzunehmen, was sie – gewiss mit Ausnahmen – selbst können:

aktiv und tätig zu werden, sich eine Arbeit zu suchen.

Der Sozialstaat muss Aktivität und Eigenverantwortung fördern,

statt sie zu hemmen. Die Ökonomen der Österreichischen

Schule sind anti-kapitalistisch, „wenn damit die Ablehnung

der herrschenden Unordnung gemeint ist, und dennoch

dem anmaßenden Antikapitalismus unserer Tage abgeneigt.

Denn seit den frühesten Anfängen der Moderne haben all

die ahnungslosen Interventionen die Lage immer nur noch

schlimmer gemacht. ...Eben weil sich die Österreichische

Schule des Moralismus enthält, überlasst

sie es den Einzelnen, sich selbst

zum Bessern zu verändern und anderen

ein Vorbild zu sein, anstatt darauf

zu warten, dass eine bessere Gesellschaft

oder ein besserer Staat den

neuen Menschen hervorbringt, wie

ihn die Moralisten gerne hätten“. Die

ehemalige deutsche Grün-Politikerin Adrienne Goehler fragt

zu Recht: „Ist denn das Soziale beim Staat überhaupt nur

am Besten oder auch nur leidlich gut aufgehoben? Welche

Bedingungen braucht es, damit das soziale Engagement vom

Staat an die Gesellschaft zurückgegeben werden kann? Welche

gesellschaftlichen Transformationen brauchen wir, damit

das Subjekt von Verantwortung erkennbar wird, und wer sollen

diese Subjekte sein?“

Um solche Fragen beantworten zu können, müssen wir

umdenken, was unser mentales Verhältnis zum Staat betrifft:

Staatlicher Interventionismus be- und verhindert vielfach die

Freisetzung unternehmerischer Kraft für die Lösung gesellschaftlicher

Herausforderungen. Um sie muss es jedoch

gehen. Die große Herausforderung liegt heute darin, eine

Kultur der Freiheit zu entfesseln, die ihren Namen auch verdient.

Wir müssen in jeder Hinsicht unternehmerischer werden,

um Krisenresistenz zu gewinnen. Gelingt das nicht, sind

dramatische ökonomische und soziale Verwerfungen vorprogrammiert.

«

* Wirtschaft wirklich verstehen. Einführung in die Österreichische Schule der Ökonomie,

FinanzBuch Verlag 2011.


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Capital Bank

Nach Hoffnungslosigkeit kommt

die Neuorientierung

In Goethes Faust spricht Margarete die berühmten

Worte: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“.

Es ist schon erstaunlich mit welcher Dynamik sich der

Goldpreis von einem Zwischenhoch in das nächste

hochschaukelt. Gold steht als die einzige nicht künstlich

vermehrbare Währung dem schwindenden Vertrauen

in Zentralbanken und Staaten gegenüber, die

zu beschwichtigen suchen, was nicht zu beschwichtigen

ist. In Analogie zu den vier Phasen der Krisenbewältigung

aus der Psychologie können wir ausmachen

wo wir heute stehen und wie es wohl weiter gehen wird.

Während die Politik noch immer in der ersten Phase der

Verleugnung verharrt, hat sie die Bevölkerung bereits

in die nächste Phase der Hoffnungslosigkeit überholt.

Erst wenn beide in der dritten Phase der Neuorientierung

ankommen werden die harten, unpopulären und

länderübergreifenden Maßnahmen zur Stabilisierung

des Euros möglich.

Erst dann werden sich die Märkte beruhigen. Bis dahin

werden wir vor allem eines sehen: Stark schwankende

Kurse verbunden mit manipulativen Eingriffen der

Politik und Notenbanken. Staatsanleihen und Währungen

schwanken zwischen den freien Marktkräften

und staatlich veranlasster Manipulation wie dem Leerverkaufsverbot,

den Fixierungsversuch des Schweizer

Franken oder die Stützungskäufe italienischer

Staatsanleihen. Prognosen werden in diesem Umfeld

zum Glücksspiel. Aber je länger es dauert bis wir in die

Phase der koordinierten Neuorientierung kommen,

desto größer wird die Gefahr einer unkontrollierten

78

zerstörerischen Entwicklung der Eurokrise. In solchen

Phasen kann es von Vorteil sein, nicht zur Gänze investiert

zu sein, um das trockene Pulver bei günstigsten

Bewertungen zu investieren. So erwachsen Sie aus

der Krise als Gewinner dank Immobilien- und Wertpapierinvestitionen

zu Schnäppchenpreisen. Also ist gut

beraten wer heute noch nicht alles Bares langfristig

investiert. Wer aber sein gesamtes Vermögen zu lange

auf Warteposition in Cash hält, der nimmt unfreiwillig

an der Umverteilung der Vermögenden auf die (Staats-)

Schuldner teil. Denn die Infl ationsrate und die Steuern

führen zu realer Wertvernichtung. Nur naive Geister

können sich dann noch an den nominalen Steigerungen

von Sparbuchsalden freuen.

Vermögen sichern bis zur Neuorientierung

Also bliebt nur das älteste Rezept zu Sicherung des

Vermögens: die Diversifi kation. Neben dem taktischen

Halten von trockenem Pulver für Krisenkäufe ist eine

breite Streuung auf Aktien und Anleihen die empfohlene

Lösung. Bei der Auswahl der Titel müssen sich

die Investoren auf ein Szenario einstellen: Die aktuelle

Hoffnungslosigkeit als Grundstimmung dämpft

sowohl Investitions- als auch Konsumfreude nicht nur

in der europäischen Volkswirtschaft. Was folgt ist eine

erneute Rezession oder zumindest Jahre stagnierender

Ökonomien. Die Capital Bank hat ein Portfolio für

ein ebensolches Szenario stagnierender Volkswirtschaften

und überbordender Staatsschulden beidseits

des Atlantiks konzipiert.

Es handelt sich um ein Wertpapierportfolio mit einem

ausgewogenen Verhältnis von Aktien und Anleihen mit


einer Beimischung ausgewählter Rohstoffe. Es beinhaltet

insbesondere reife Unternehmen mit Produkten

des täglichen Bedarfs. Diese erzielen heute im Wesentlichen

ihr Wachstum in den aufstrebenden Märkten der

Schwellenländer, wohingegen den gesättigten Märkten

der Industriestaaten hinsichtlich Umsatzsteigerungen

kaum mehr Bedeutung zukommt. Während der Nestlé

Konzern beispielsweise in Europa zwischen den Jahren

2005 und 2010 Umsatzrückgänge von 15% verzeichnen

musste, erzielte dieser in derselben 5 Jahresperiode

in Asien, Ozeanien und Afrika Umsatzsteigerungen

von über 20%. Wie bedeutsam ist also das fehlende

Wirtschaftswachstum in einigen Ländern Europas für

diesen globalen Konzern? Wir sind der Meinung, dass

diesbezüglich kein großer Einfl uss besteht und haben

infolge 15 weitere Unternehmen identifi ziert, für die

dies ebenfalls zutrifft. Aktien alleine machen jedoch

noch kein diversifi ziertes Portfolio, schon gar nicht für

ein Szenario stagnierender Volkswirtschaften. Unternehmensanleihen

betrachten wir daher als sinnvolle

Beimischung, denn anders als für den Aktionär spielen

für den Anleihegläubiger Gewinnsteigerungen eine

untergeordnete Rolle.

Im Gegenteil, fremdfi nanzierte Wachstumsprogramme

erhöhen die Risiken für Anleihegläubiger, nicht aber

deren Ertragspotentiale. Sie sind daher an stabilen

Bilanzen und stetigen Zahlungsströmen („Cash Flows“)

zur Bedienung der Anleihen interessiert. Da kommt es

gerade recht, dass viele Unternehmen in den vergangenen

Jahren ihre Bilanzstrukturen in Schuss gebracht

haben. Für Rohstoffe gilt gerade jetzt: Es ist nicht

alleine Gold, das glänzt. Damit sind wir wieder beim

79

WWW.CAPITALBANK.AT

Vertrauen, dass auch von vielen Banken in der Vergangenheit

schändlich missbraucht wurde.

Die individuell passende Lösung mit wirklich

unabhängiger Beratung fi nden

Wie immer man sich für die Positionierung seines Vermögens

entscheidet, die ständig ändernde Faktenlage

erfordert eine laufende Überprüfung und Anpassung.

Eine ehrliche und faire Beratung ist wichtiger denn je.

Die Capital Bank hat daher vor einigen Jahren die sogenannte

Unabhängigkeitsgarantie eingeführt. Diese bildet

die rechtliche Basis zur Sicherung einer unabhängigen

Beratung bzw. Vermögensverwaltung. Sie befreit

die Bank von allen Interessenkonfl ikten, die aus versteckten

Produktprovisionen herrühren können. Die

Unabhängigkeitsgarantie ist Bestandteil in unseren

Beratungs- und Verwaltungsverträgen. Darin wird festgelegt,

dass die Bank sich verpfl ichtet alle an die Bank

gezahlten Bestandsprovisionen, die sie für die jeweils

vertragsgegenständlichen Vermögenswerte erhält, zu

berechnen, zu berichten und auch den Kunden gutzuschreiben.

Capital Bank, GRAWE Gruppe AG

Palais Esterhazy, Wallnerstraße 4/1, A-1010 Wien

offi ce.wien@capitalbank.at

Tel.: + 43 1 316 14 - 0


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Kernschmelze der Wirtschaftsethik

Paul Christian Jezek

Die Kernschmelze

der Wirtschaftsethik

oder: WIR sind „der Balkan“

80


ZUGEGEBEN, MIT DER AUSSAGE, ÖSTERREICH WÄRE DER BALKAN (ODER DERSELBE WÜRDE ZUMINDEST IN WIEN

BEGINNEN), TUT MAN DER „ÖSTLICHSTEN DER DREI IN MITTELMEER RAGENDEN SÜDEUROPÄISCHEN HALBINSELN“ IN

ZEITEN WIE DIESEN EIGENTLICH ZIEMLICH UNRECHT. DENN IMMER MEHR ENTWICKELT SICH DIE ANGEBLICHE „INSEL

DER SELIGEN“ ZUM VERITABLEN SÜNDENPFUHL, ZU SODOM & GOMORRHA, ODER AUCH NUR ZUM GG-STAAT, WAS

DENN WAHLWEISE ALS REPUBLIK DER GEGENGESCHÄFTE ODER AUCH „LAND DER GRASSERS UND GORBACHS“ INTER-

PRETIERT WERDEN KÖNNTE.

Denn Boni hin und Nationalökonomie her, wenn man wie der

Autor dieser Zeilen zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses

Tag für Tag um nicht zu schreiben Stunde um Stunde

mit neuen Details zur Telekom-Austria-Affäre konfrontiert

wurde, war und ist man doch einigermaßen versucht, anzunehmen,

SO schlimm sei es um geschäftliche Sitte und pekuniäre

Moral hierzulande noch nie gestanden. Die Vorwürfe

gegen den ehemaligen Infrastrukturminister Hubert Gorbach

seien lediglich die „Spitze des Eisbergs“, auch wenn es

immerhin um ein paar hunderttausend Euro geht, die angeblich

als Gegenleistung für eine Verordnung bezahlt wurden,

die Gorbach seinerzeit erlassen hatte.

Ein paar 100.000 Euro?

Eigentlich ein Klacks im Vergleich zu den neun Millionen,

die 2004 ganz offensichtlich widerrechtlich als Boni für rund

100 Telekom-Manager bezahlt wurden. Hier hatte der frühere

Telekom-Vize-Finanzvorstand Gernot Schieszler gegenüber

der Staatsanwaltschaft Wien seine Verwicklung in die Manipulation

des Telekom-Aktienkurses zugegeben und damit

gleichzeitig drei der vier früheren Vorstände, Heinz Sundt,

Stefano Colombo und Rudolf Fischer schwer belastet. Einzig

Ex-TA-Boss Boris Nemsic soll nicht direkt involviert gewesen

sein. Schieszler hätte demnach im Auftrag des Vorstands

bereits Wochen vor dem Stichtag für einen Aktienoptionsplan

Kontakt zum Broker Johann Wanovits aufgenommen.

Am Stichtag selbst, dem 26. Februar 2004, sollen Colombo

und Fischer ihn in einer Telefonkonferenz dazu gedrängt

haben, Wanovits mit der Manipulation des Aktienkurses zu

beauftragen, was dieser auch getan habe. Wanovits soll laut

Schieszler dafür eine „Risikoprämie“ in Höhe von zwei Mil-

81

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Kernschmelze der Wirtschaftsethik

lionen Euro verlangt haben, schlussendlich habe er dann eine

Mio. Euro in bar bekommen. Um die Geldfl üsse zu verschleiern,

sollen mit Wissen und Einverständnis von Fischer und

Colombo Scheinaufträge an den Lobbyisten Peter Hochegger

vergeben worden sein.

Peter Hochegger?

An dieser Stelle könnte man versuchsweise (auch) über

semantische Feinheiten philosophieren, nicht „nur“ über

Wirtschaftsethik und den (Ver-)Fall derselben. Denn der

62jährige Steirer wird zwar inzwischen seit Monaten nur

noch als „Lobbyist“ (bestenfalls als „PR-Berater“ (allerbestenfalls

als Unternehmer (was ja auch einiges über die Wertigkeit

bestimmter Berufsbezeichnungen aussagt („Journalist“

kam erfreulicherweise noch nicht vor)))) bezeichnet,

immerhin war Hochegger aber AUCH einmal Politiker, nämlich

Landtagsabgeordneter. Klammer: für die ÖVP, im steirischen

Landtag. Klammer zu.

In diesem heißen Herbst 2011 nun gilt Hochegger aber

„nur noch“ als Schlüsselfi gur zahlreicher undurchsichtiger

Geschäfte. So sollen über ihn in den Jahren 2000 bis 2006 -

in der Ära der Schwarz-Blauen-Koalition - mehr als 40 Millionen

Euro an Honoraren und Provisionen gefl ossen sein,

wobei das Geld überwiegend von staatsnahen Betrieben wie

ÖBB und eben Telekom Austria gekommen sein soll.

Beispielhaft ist auch die BUWOG-Affäre: 2004 erhielten

Hochegger und Walter Meischberger (Sie verzeihen: zu diesem

Herren fällt GOAHEAD! nichts ein) im Zuge der umstrittenen

Privatisierung der Bundeswohnungen (BUWOG) vom

erfolgreichen Käufer Immofi nanz 9,6 Millionen Euro. Laut


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Kernschmelze der Wirtschaftsethik

Berichten sollen die beiden mittels Scheinrechnungen über

eine zypriotische Briefkastenfi rma bezahlt worden sein.

Zypern ... Bulgarien ... Liegt übrigens Bulgarien (auch)

am Balkan?

Geographisch gesehen ist das eine dumme Frage. Der Hauptkamm

des Balkangebirges befi ndet sich IN Bulgarien (bulgarisch:

Stara Planina). Der bulgarischen Regierung waren

Hocheggers Dienste 1,5 Millionen Euro für eine Imagekampagne

„Reinforcing the Positive Image of the Republic of

Bulgaria in the European Union“ wert. Dabei soll es laut

Hochegger um die „Einschätzung“ des Bulgarien-Images in

der EU gegangen sein. Ein Teil des Geldes landete übrigens

bei Ex-ÖVP-Innenminister Ernst Strasser. Dieser sagte aus,

für die Beseitigung eines Problems eines ausländischen Kunden

100.000 Euro erhalten zu haben.

(Hier schließt sich einer von mehreren Kreisen, die zum

Redaktionsschluß noch nicht ganz rund waren. Ende August

wollte die Staatsanwaltschaft (noch?) nicht bestätigen, dass

„in Sachen Telekom Austria“ auch Ermittlungen gegen

den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly laufen. Angeblich

hätte die TA unter dem Projekttitel „Infotech“ rund 1,1

Millionen Euro an Mensdorff-Pouilly bezahlt, und zwar im

Zusammenhang mit der Vergabe der Blaulichtfunktechnik

Paul Christian Jezek

Paul Christian Jezek, 47, ist Chefredakteur des KMU-

Magazins UNTERNEHMER und gilt als einer der profundesten

Kenner und Förderer der heimischen KMU-

und EPU-“Szene“. Mitarbeiter u. a. von Börse Express,

Glocal Visyon, LexPress, Logistik Express, Österreichs

Wirtschaft, Pharma-Time, PKA-Journal, Sharaka,

SOLID. 1995 Gründungsmitglied des Wirtschafts-

Blatts, 2010 Mitgründer der UIK-austria. Zahlreiche

(auch literarische) Veröffentlichungen, u. a. „Der Fall

Libro“, „Ethik in der Wirtschaft“, „Communication goes

Europe“, „Das Geheimnis der privaten Universitäten“,

„So kommt mein Unternehmen in die Medien“, „Hand-

82

an ein Konsortium, an dem auch die TA beteiligt war. Dieser

Auftrag war dem Betreiber mastertalk in der Ära des damaligen

Innenministers Ernst Strasser entzogen und dann dem

TA-Konsortium gegeben worden.)

Kaum noch in Erinnerung ist dagegen die Linzer Terminal

Tower Affäre: 2005 erhielten Hochegger und Meischberger

von der zur Porr AG gehörenden UBM-Realitätenentwicklung-AG

ein Beraterhonorar von (nur!) 200.000 Euro, um

„Hindernisse in Zusammenhang mit einem von der Porr in

Linz entwickelten Büroprojekt aus dem Weg zu räumen“.

Kurz darauf sprach sich der damalige Finanzminister Karl-

Heinz Grasser für die Übersiedlung der Finanzlandesdirektion

Oberösterreich in den neuen Terminal Tower aus,

wohingegen er aufgrund der hohen Mietkosten wiederholt

gegenteilig argumentiert hatte.

Karl-Heinz Grasser?

Vergessen wir nicht: Der Mann war Finanzminister. Über

mehrere Jahre hinweg.

BUWOG-Affäre und Linzer Terminal Tower wurden schon

erwähnt. Die Homepage-Geschichte ist uns inzwischen

zu mickrig. Unterm Strich bleibt hier und heute, dass die

buch für Export, Logistik und Auslandsinvestitionen“,

PR-Aktivitäten für diverse Firmen, BBJ-Wein-Newsletter,

Geschäftsberichte u. a. für börsennotierte Unternehmen

(neunziger Jahre bis incl. 2011), Unternehmerhandbuch

2010 sowie „Investieren in Österreich“ (mit

anderen, 2010) und „Leading Business Champions Austria“

(2010).

Es gilt (fast) immer und ewig Kants

Kategorischer Imperativ: „Handle

so, dass die Maxime Deines Willens

jederzeit zugleich als Prinzip einer

allgemeinen Gesetzgebung gelten

könnte.“


österreichische Justiz den ehemaligen Finanzminister der

Republik verdächtigt, über ein Netzwerk von Firmen und

Stiftungen in Liechtenstein, Zypern und der Karibik dubiose

Gelder kassiert zu haben. Grasser hatte im Herbst 2010

Selbstanzeige bei der Finanz erstattet, weil er von 2002 bis

2008 - auch in der Zeit seiner Tätigkeit als Finanzminister

- Einkünfte aus Spekulationsgewinne und Dividenden nicht

versteuert hat. (Er hat DIESE Steuerschuld von 18.000 Euro

mittlerweile beglichen, mögliche Steuerschulden von vor

2002 sind inzwischen verjährt.) Gegen Grasser wird weiters

wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch und Bruch des Amtsgeheimnisses

sowie wegen Verdachts auf Untreue ermittelt

- laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom 14. 7. 2010

beziehen sich die Untersuchungen (auch) auf die Privatisierungen

von Postsparkasse, Staatsdruckerei, Flughafen Wien,

Dorotheum, Siemens Österreich, Voestalpine Stahl, Strohal

Rotationsdruck, Österreichischer Postbus, Böhler-Uddeholm,

VA Erzberg und Austria Tabak. Nur rudimentär können wir

uns daran erinnern, dass Grasser den in die BAWAG-Affäre

involvierten Wolfgang Flöttl mehrmals getroffen hat und u.

a. mit ihm gemeinsam mehrere Tage auf einer Yacht von

Julius Meinl V. verbracht hat. (Helmut Elsner? Wir haben

zu wenig Platz.)

Haben wir alles?

Ach ja, Grasser soll auch am umstrittenen Verkauf der Hypo

Group Alpe Adria mitverdient = sich während seiner Amtszeit

mit einer halben Million Euro indirekt über die Schweizer

Treuhandgesellschaft Ferint AG an der von Tilo Berlin

geleiteten Investorengruppe beteiligt und damit gegen

das Unvereinbarkeitsgesetz verstoßen haben. Im Zuge des

Prüfberichtes der Nationalbank leitete die Finanzmarktaufsicht

(FMA) Sonderermittlungen wegen möglichen Verstoßes

gegen Geldwäschebestimmungen ein: Geprüft wird, ob

Grasser bei der Beteiligung am Verkauf der Hypo Group

Alpe Adria gegen den Paragraf 40 des Bankwesengesetzes

verstoßen hat - in diesem sind die „Sorgfaltspfl ichten zur

Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfi nanzierung“

festgeschrieben.

Hypo?

Da war doch NOCH etwas ...

Ja, da war noch etwas. Erinnern Sie sich an die HYPO-

BANK Burgenland AG, die sich seit dem Sommer 2006

83

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Kernschmelze der Wirtschaftsethik

im Konzern der GRAWE (Grazer Wechselseitige Versicherung

AG) befi ndet? Im Jahr 2000 gab es hier einen Skandal

wegen geplatzter Kredite im Ausmaß von reschen zwei

Milliarden Schilling (ca. 146 Millionen Euro), der zu vorgezogenen

Landtagswahlen und zum Rücktritt von Landeshauptmann

Karl Stix führte. (2003 wurde im Landtag der

„rasche“ Verkauf der Bank beschlossen, der sich jedoch in

die Länge zog, da der erste Verkaufsversuch an die Kärntner

Hypo Alpe Adria Bank AG (!) scheiterte.) Der zweite scheiterte

ebenfalls, als im August 2005 die Bank an den Industriellen

Mirko Kovats bzw. dessen A-Tec Industries verkauft

werden sollte.

Mirko Kovats und A-Tec? Wir haben keinen Platz ...

... übrigens auch nicht für Karl Petrikovics ... alles schon so

lange her ...

Lange her?

Gab es da nicht Mitte der 1970er Jahre in der Bundeshauptstadt

eine ganz bestimmte gemeindeeigene Wohnbaugesellschaft?

Ein Schulbeispiel für die These des „Alles schon

einmal dagewesen“! Die aus fünf Firmen durch Fusion hervorgegangene

Wohnbaugesellschaft Wiener Bauring führte

trotz eines Verbotes der Durchführung von Auslandsprojekten

zahlreiche Bauvorhaben im arabischen Raum durch.

Durch schwere Managementfehler, Korruption und Betrug

entstand bis 1973 ein Schuldenstand von nicht weniger als

1,4 Milliarden Schilling (ca. 100 Mio. Euro) anstelle eines

geplanten Plus von 700 Millionen. Im Juni 1974 beschuldigte

ein Prüfungsbericht des Kontrollamtes der Stadt Wien die

beiden Ex-Direktoren des Baurings Wawowetz und Zöllner,

durch fahrlässiges Verhalten bei Arabiengeschäften 550 Millionen

Schilling Verlust eingefahren zu haben. Bürgermeister

Gratz versprach, den Bericht an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten,

schloss jedoch kategorisch aus, dass Rückfl üsse

in Arabien geleisteter Provisionen der heimischen Parteienfi

nanzierung gedient haben könnten. Der folgende Prozeß

endete am 23. 12. 1976 mit Freisprüchen für die Manager,

denen im Urteil erschütternde Ahnungslosigkeit und Sorglosigkeit

bis hin zur Unfähigkeit bescheinigt wurde. Einzig ein

Architekt, der versucht hatte, sich durch komplizierte Serienkreditkonstruktionen

um 60 Mio. (immerhin „nur“ Schilling)

zu bereichern, wurde rechtskräftig zu einer mehrjährigen

Haftstrafe verurteilt.


GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Kernschmelze der Wirtschaftsethik

Bau-Skandal(e)?

Da fällt uns doch ein three-letter acronym ein, das uns auch

im Herbst 2011 skandalös häufi g begegnet: AKH. Der Bau

des Allgemeinen Krankenhauses in Wien wurde bereits 1955

beschlossen (projektierte Kosten: eine Milliarde Schilling,

geplante Bauzeit: zehn Jahre), aber erst Anfang der 1970er

Ein hochrangiger Landesbeamte hatte durch

jahrelange Unterschlagungen ein Privatvermögen

von umgerechnet mehr als 30 Millionen

Euro erlangt

Jahre in Angriff genommen. Das Großprojekt wurde mit ca.

45 Milliarden Schilling (heute 3,3 Milliarden Euro) zu Europas

teuerstem Krankenhausbau und konnte erst 1994 vollständig

in Betrieb genommen werden. Schon vierzehn Jahre

vorher hatte das AKH immerhin für einen bis heute immer

wieder gern zitierten österreichischen „All-Time-Sager“

gesorgt: Der damalige Bundespräsident Rudolf Kirchschläger

prägte in seiner Rede zur Eröffnung der Welser Messe im

August 1980 das gefl ügelte Wort „Trockenlegung der Sümpfe

und sauren Wiesen“.

Alles schon mal dagewesen?

Ein hochrangiger Landesbeamte hatte durch jahrelange

Unterschlagungen ein Privatvermögen von umgerechnet

mehr als 30 Millionen Euro erlangt - nicht zuletzt aufgrund

seiner guten Kontakte zu einem der höchsten Herren des

Landes. Der Beamte leitete u. a. die Präsidialkanzlei der Landesregierung,

die Rechnungsabteilung und schließlich auch

die Ernährungsabteilung. Er genoss das uneingeschränkte

Vertrauen des Landespräsidenten (der ihm sogar Blanko-

Unterschriften gab) und unterschlug vor allem Gelder aus

dem Notstandsbudget (für Brand- und Hochwasserkatastrophen),

die er auf einem Privatkonto veranlagte,

das er als „Invalidenfonds“ tarnte.

Es kam zu Demonstrationen (!) in einer

der größten Städte Österreichs gegen den

Beamten (und „seinen“ Präsidenten), der

schließlich wenige Stunden vor seiner

geplanten Flucht in Wien verhaftet wurde.

Der Beamte war in der Haft geständig und

beging schließlich in seiner Zelle Selbstmord. Zwei seiner

Untergebenen wurden zu Haftstrafen verurteilt, auf höherer

Ebene hatte die Affäre hingegen keine Konsequenzen.

Der Mann hieß Eduard Rambousek und lebte bis zu seinem

Freitod 1918 in Salzburg.

Ach ja, für alle gelten alle denk- und vorstellbaren Unschuldsvermutungen.

Und wir waren immer schon der Balkan und werden es auch

bleiben. Paul Jezek der Österreicher sagt: Alle Österreicher

sind Lügner. «

Paul Christian Jezek

Chefredakteur UNTERNEHMER

Stichwort: Größenordnungen

*) Den im Rahmen der bisher erfolgten Vergleiche erzielten Entschädigungen bei den Bilanzfälschungen der Firma Enron (2001) in Höhe von 7,1 Milliarden

US-Dollar steht ein durch die Insolvenz vernichteter Börsenwert von 60 Milliarden USD gegenüber.

*) Bei dem im Dezember 2008 vom FBI verhafteten Bernard L. Madoff geht es bei dem über Jahrzehnte durchgeführten Schneeballsystem um rund 50 Milliarden

Dollar, also rund 38 Milliarden Euro.

*) „Wirtschaftskriminalität im ganzen Land? Das kann man nur grob abschätzen - rund 3 bis 4 Milliarden Euro jährlich durch Geldanlagebetrug, 2,5 bis 3

durch internen Betrug (also durch Mitarbeiter), etwa 3 Milliarden durch „Schutz“ der Wirtschaft vor Importen, Zollbarrieren und dergleichen; dazu kommen

noch etwa 1,5 Milliarden Euro durch Produktpiraterie und etwa 1 Milliarde durch Projektfinanzierungsbetrug. In Summe geht es um etwa 15 Milliarden Euro

Schaden - pro Jahr.“ (Maximilian Burger-Scheidlin, Geschäftsführer der Internationalen Handelskammer ICC Austria)

Stichwort: „Alles schon mal dagewesen“

In Huldigung der Ikone Helmut Gustav Friedrich Qualtinger (starb vor einem Vierteljahrhundert am 29. 9. 1986, gab einer Gasse und einem Hof in Wien den

Namen): „Der Papa wird‘s schon richten“ ist eine kritische Kabarettnummer, deren Titel in Österreich als Synonym für Protektions- und Vetternwirtschaft

sprichwörtlich geworden ist. Das Lied wurde am 22. Oktober 1958 in der TV-Live-Sendung „Spiegel vorm Gsicht“ präsentiert. Es nimmt die zynische Haltung

einer gelangweilten und überheblichen Jeunesse dorée aufs Korn, die sich in der in den 1950er-Jahren „angesagten“ Wiener Eden Bar trifft („der Gießhübl,

der Puntigam und i“) und sich allfällige Schwierigkeiten von den wohlhabenden und prominenten Vätern beiseiteräumen lässt. Ein Job bei der Atomkommission

mit (damals horrenden) „monatlich dreizehntausend Schlei als Lohn“ erscheint hier trotz mangelnder Ausbildung ebenso wenig als Problem wie die

„Applanierung“ des „Fauxpas“ eines Verkehrsunfalls mit Todesfolge. Es sei „nix passiert“, der Porsche sei schon repariert, äußert sich der Erzähler zynisch.

(„Nur leider is mir ein Passant, bevor er g‘storbn is, eineg‘rannt.“) Der Vater wisse ja so viele G‘schichten, die andere Leute stör‘n ...

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GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ GO AHEAD! Die Wirtschaftsplattform

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