business summit - GO-AHEAD

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für Wirtschaftswissenschaften 1974 zogen ein wachsendes

Interesse für die reichhaltige Hinterlassenschaft der Österreichischen

Schule nach sich. Diese Rückbesinnung auf die

Wurzeln leitete eine völlige Neubewertung von Carl Menger

ein, die bis heute noch nicht abgeschlossen ist (vgl. Jaffe

1976; zuletzt Hagemann et al. 2010). In weiterer Folge wurden

auch die Differenzen innerhalb der „alten“ Österreichischen

Schule klarer herausgearbeitet, so etwa die methodologischen

Unterschiede zwischen Menger und Böhm-Bawerk

(1851-1914) (vgl. Gloria-Palermo 1999, 39-50) sowie zwischen

Menger und Friedrich von Wieser (1851-1926) (vgl. Hoppe/

Salerno 1999). Seit den 1990er Jahren wird zudem eine Kontroverse

darüber geführt, ob Hayek zur Theorie von Mises

in Opposition oder in Übereinstimmung steht (vgl. Salerno

2002, 119f. und Boettke 1994, 613).

Zur wachsenden Attraktivität der Austrians trug auch der

Umstand bei, dass ab den 1970er Jahren das neoklassischkeynesianische

Paradigma angesichts der realwirtschaftlichen

Entwicklung mehrfach in eine veritable Interpretationskrise

geriet und folglich alternative Erklärungsmodelle

wieder mehr Gehör fanden. Entgegen den Annahmen der

neoklassischen Lehrbücher etwa sahen sich die Industrieländern

gleichzeitig mit einer Infl ation und einer hohen Arbeitslosigkeit

konfrontiert. Die Austrians konnten darauf hinweisen,

dass es der Neoklassik mit ihrem Gleichgewichtsmodell,

ihrer Vernachlässigung dynamischer Marktprozesse, ihrer

Außerachtlassung von subjektiven Informationen,

von Wissen und von Lernen

sowie ihrem uneingeschränkten Gebrauch

makroökonomischer Aggregate gar nicht

möglich sein könne, zu einem fundierten

Verständnis der realen Wirtschaft zu

gelangen. Im Unterschied dazu stünde

den Austrians ein „sehr viel realistischeres, kohärenteres

und reicheres Paradigma“ zur Verfügung (Huerta de Soto

2007, 120f.). Als dann im Jahre 1989 die kommunistischen

Regime Osteuropas in sich zusammenbrachen, war dies eine

weitere Bestätigung der „Österreicher“, die seit den 20er

Jahren die Verwirklichung des Sozialismus für eine logische

Unmöglichkeit hielten (vgl. Mises 1922, 443). Obwohl

Hayek und Mises in der so genannten „Kalkulationsdebatte“

diese Position über mehrere Jahrzehnte hinweg mit überzeugenden

Argumenten vertreten hatten, war just in der 1989er

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Die Renaissance der Österreichischen Schule der Nationalökonomie

Aufl age eines weltweit verbreiteten Lehrbuchs zu lesen, dass

eine Planwirtschaft theoretisch und praktisch durchaus funktionsfähig

sei (Samuelson/Nordhaus 1989, 837).

Austrian Economics

Vor diesem Hintergrunde wuchs das akademische Netzwerk

der Austrians in den letzten Jahrzehnten beständig an

und strahlt seit den 80er Jahren von den USA aus in alle

Welt. Eigene Lehrstühle für „Austrian Economics“ wurden

zuerst an der New York University und an der George Mason

University in Fairfax (Virginia) eingerichtet; später folgten

andere Universitäten und Lehranstalten 1 oder es wirkten an

ihnen Ökonomen im Sinne der „Österreicher“. 2 Im Jahre 1982

inititiierte Llewellyn H. Rockwell, Jr. (*1944) mit Unterstützung

von Margit von Mises und Murray N. Rothbard die

Gründung des Ludwig von Mises Institutes (heute mit Sitz

in Auburn/Alabama). Als wissenschaftliche Fachzeitschrift

standen von 1987-1997 das Review of Austrian Economics,

und als dessen Nachfolger bis heute The Quarterly Journal

of Austrian Economics und Review of Austrian Economics

zur Verfügung.

Außerhalb der USA wirkten bzw. wirken Wirtschaftswissenschafter,

Philosophen und Publizisten in der Tradition

der Austrians in Großbritannien (Stephan Littlechild, Norman

B. Barry †), in Holland (Gerrit Meijer, Auke Leen), in

Italien (Raimondo Cubeddu, Enrico Collombatto, Michele

Im Unterschied dazu stünde den Austrians ein

„sehr viel realistischeres, kohärenteres und

reicheres Paradigma“ zur Verfügung

21

Cangiani), in Frankreich (Jörg Guido Hülsmann, Pascal

Salin, Jacques Garello, Gerard Bramoulle, Philippe Nataf,

Antoine Gentier, Georges Lane, Nikolay Gertchey, Richard

Arena), in Portugal (Jose Manuel Moreira), in Spanien (Jesus

Huerta de Soto, Rubio de Urquia, Jose Juan Franch, Angel

1) Loyola University (New Orleans), University of Missouri in Columbia (Missouri),

Pace University (New York), Florida State University in Tallahassee (Florida), Auburn

University (Alabama), University of Nevada (Las Vegas), University of Buffalo sowie

Grove City College in Pennsylvania.

2) So etwa Don Lavoie, Sanford Ikeda, George Selgin, Roger Garrison, Bruce Caldwell,

Richard Langlois, Stephan Boehm, Uskali Maki, Frederic Sautet, David Harper,

Mario J. Rizzo, Peter Boettke, Don Boudreaux, Karen I. Vaughn, Walter Block, Thomas

DiLorenzo, Peter G. Klein, Joseph T. Salerno, Jeffrey Herbener, Bruce Benson,

Randal Holcombe, Roger Garrison, Roderick Long, Mark Thornton u.a.

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