business summit - GO-AHEAD

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WER AN HYPERINFLATION DENKT, HAT DICKE GELDBÜNDEL UND EINE GELDSCHWEMME VOR AUGEN. TATSÄCHLICH

BLEIBT DAS GELD IN EINER HYPERINFLATION KNAPP. DIESER SCHEINBARE WIDERSPRUCH LÖST SICH AUF, SOBALD

MAN VERSTEHT, DASS MIT EXZESSIV GEDRUCKTEM GELD DIE SCHULDEN EINES ÜBERSCHULDETEN STAATES BEGLI-

CHEN WERDEN. ERST DER GELDMANGEL AUF STAATSEBENE FÜHRT ZUM ANWERFEN DER NOTENPRESSE. ANDERN-

FALLS KÄME ES ZUM STAATSBANKROTT.

Die Aufblähung der Geldmenge führt zur allgemeinen

Teuerung. Löhne und Gehälter passen sich den steigenden

Preisen an, doch immer mit Verzögerung. Die

Kaufkraft der Bevölkerung geht zurück. Irgendwann

beginnen die Menschen einen immer schnelleren Verfall

der Währung zu antizipieren und geben ihr Geld so

schnell wie möglich wieder aus. Die Umlaufgeschwindigkeit

des Geldes steigt. Letztlich steigen die Preise

sogar schneller als die Geldmenge, was Ökonomen oft

in Erstaunen versetzt. Der Teufelskreis wird erst nach

dem Zusammenbruch der Währung mit einer Währungsreform

beendet.

Hyperinfl ationen führen zu einer Verschiebung der Preisverhältnisse.

Nominal verteuern sich alle Waren, doch einige

Preise steigen viel schneller als andere. Nahrungsmittel und

Energie, die zum Leben unbedingt notwendig sind, werden

immer nachgefragt und bleiben nicht nur nominal sondern

auch real teuer. Auf Luxusgüter können die Menschen in

schlechten Zeiten dagegen verzichten. Deren Preise steigen

nominal zwar ebenfalls, doch real, d.h. infl ationsbereinigt,

fallen sie. Da kaum jemand bereit ist, noch Kredite zu vergeben,

die in wertlosem Geld zurückgezahlt werden, sinkt

die Nachfrage nach Gütern, die normalerweise kreditfi nanziert

werden. Die Preise für diese Güter fallen real ebenfalls.

Staatliche Preis- und Kapitalkontrollen verzerren das Preisgefüge

noch zusätzlich.

Eine Anlagestrategie, die sich an einem Hyperinfl ationsszenario

ausrichtet, sollte berücksichtigen, dass Einkommen aus

Vergütung für Arbeit ebenso wie Einkommen aus investiertem

Kapital (Dividenden, Zinsen, Mieterträge) real schrumpfen

werden. Eine Ergänzung des Einkommens durch Verkäufe

während der Infl ationszeit kann dann hilfreich sein

oder sogar notwendig werden. Die andere Herausforderung

besteht darin, Vermögen (Kaufkraft) in die Zeit nach der

GA ➛ Nummer 1/2011 ➛ Wenn Währungen scheitern „Geldanlage in der Hyperinfl ation“

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Währungsreform hinüberzuretten, um für den Neuanfang

möglichst gute Karten zu haben. Um beide Anlageziele zu

erfüllen, müssen Geldanlagen nicht nur wertbeständig sondern

auch fungibel (handelbar) sein.

Aktien

Aktien verkörpern Miteigentum an Unternehmen, also auch

Miteigentum an Industrieanlagen, Bodenschätzen usw. In

diesem Sinne besitzen sie Sachwertcharakter und sind entsprechend

wertbeständig. Solange die Börsen nicht geschlossen

sind, sind Aktien fungibler als viele andere Anlagen. Die

Kursfeststellung erfolgt vergleichsweise transparent. In der

Hochinfl ation zählt fast ausschließlich der materielle Substanzwert

eines Unternehmens. Klassische Bewertungskriterien

wie KGV oder FCF, die sich an Gewinnen und Dividenden

orientieren, werden vorübergehend außer Kraft gesetzt.

Minengesellschaften und Industrieunternehmen sollten im

Infl ationsportfolio höher gewichtet sein, Finanzwerte und

Handelsunternehmen entsprechend niedriger. Die Gefahr

einer Konfi szierung ist bei inländischen Aktien gering, bei

ausländischen allerdings höher. Bei einigen Branchen (Versorger)

besteht die Gefahr der Verstaatlichung mit unzureichender

Entschädigung der Aktionäre. Da die Realwirtschaft

unter der infl ationären Depression leidet, können die Kurse

infl ationsbereinigt auch nachgeben. Zwar schlugen deutsche

Aktien 1923, im letzten Infl ationsjahr, sogar Gold, doch nur

weil Aktien mangels Alternativen als kurzfristiges Wertaufbewahrungsmittel

dienten. Edelmetalle waren so gut

wie nicht im Umlauf, ihr Besitz zuletzt unter Strafe gestellt.

Aktien konnte man problemlos kaufen und wenn man Geld

brauchte, auch schnell wieder verkaufen. Die aus diesem

Grunde höhere Nachfrage war für deutsche Aktien 1923 der

Kurstreiber. In den Infl ationen der neueren Zeit, z.B. denen

in Argentinien oder Osteuropa, übernahmen Dollars oder

D-Mark diese Funktion. Aktien schlugen sich nicht so gut.

Aufgrund ihrer hohen Fungibilität und des geringen Konfi s-

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