2,20 - Nord-Handwerk

nord.handwerk.de

2,20 - Nord-Handwerk

special

CeBIT-Forum Handwerk

Vorwürfe und Sicherheitslücken

Am Stand des Forums Mittelstand

verfolgten die Besucher

der Computerfachmesse

CeBIT in Hannover am Tag

des Handwerks aufmerksam

die Podiumsdiskussionen

mit Markus Berger de

Leon, Aufsichtsratschef des

Handwerkerauktionsportals

My-Hammer und des Sicherheitsexperten

Uwe Hannreich

von Kaspersky Lab. Beide

stellten sich dem Dialog mit

Handwerkern.

Billigkonkurrenz

außer Kontrolle?

Markus Berger de Leon wehte

ein eisiger Wind ins Gesicht.

Seine Internetplattform My-

Hammer stößt im Handwerk

auf Widerstand. Malermeister

Heiko Hottenrott warf My-

Hammer vor, dass diese Art der

Auftragsvergabe die Schwarzarbeit

fördere, nicht transparent

genug sei und Betriebe mit einer

vernünftigen Kalkulation

in die Insolvenz treibe und

Meisterbetriebe häufig den

Pfusch beseitigen müssen. Dem

entgegnete Berger de Leon,

dass das Netzwerk immer

mehr wachse. „Die Zahl von

900.000 Kunden spricht für

sich. 50 % derer haben bereits

40 NordHandwerk April 2009

„80 % unserer

Mitgliedsbetriebe

haben einen

Meisterbrief“

Markus Berger de Leon

Aufsichtsrats-Chef

von My-Hammer.

„Das Handwerk ist

im Visier

von Hackern.“

Uwe Hannreich

Channel Sales Manager

Kaspersy Lab.

einen Auftrag durchführen

lassen. Hinzu kommt, dass in

unserem neuen Branchenbuch

nachweislich 80 % der

Handwerker einen Meisterbrief

haben“, erklärte der

My-Hammer-Chef den

Skeptikern.

Daten besser schützen

Die Warnung vom Sicherheits-Experten

Uwe Hannreich

war eindeutig: „Das

Handwerk ist im Visier von

Hackern.“ Vielen Betrieben

fehle es an Sicherheitskonzepten.

Jeder könne nach

Belieben Daten klauen, die

für ein Unternehmen die

Lebensgrundlage bedeuten

können. „Täglich werden

14.000 Viren verbreitet“, so

Hannreich. Malermeister

Matthias Schultze musste

schmerzlich erfahren, dass

Daten im Wert von 75.000 €

gelöscht wurden. Seither investierte

er 40.000 € in ein

Konzept, beauftragte einen

Sicherheits-Experten, der

seine Daten stündlich an

verschiedensten Orten in

Deutschland sichert. „Leider

wachen viele erst zu

spät auf“, warnte Hannreich.> Unternehmen fokussierten. Lediglich

ein kleiner Tisch zeigte die neuesten

Mobiltelefone. Stattdessen präsentierte

der Mobilfunkanbieter neue Formen

des Internets. Long Term Evolution, kurz

LTE, soll schon bald die Probleme mit

der Verfügbarkeit von DSL im ländlichen

Raum lösen.

LTE soll für schnelles Internet sorgen

Bei diesem Thema wurde Frank Poloschek

hellhörig. Im Februar war es ihm gelungen,

seine Firma nach zweijährigem zähen

Kampf an eine DSL-Breitbandverbindung

anzubinden. Ein Problem, mit dem sich

in Norddeutschland viele Betriebe im

ländlichen Raum rumplagen. Eine Grafik

zeigte, die vielen weißen Flecken rund um

Metropolen wie Hamburg, wo noch kein

DSL verfügbar ist.

Von LTE erzählte dem Handwerks-

meister damals noch niemand etwas. Sämtliche

Anbieter versuchten über DSL, Satelliten

und UMTS die Firma ans schnelle

Internet anzubinden. Nichts funktionierte.

Stattdessen verschickte er großen Daten

zum Teil in der Nacht über eine analoge

Modem-Verbindung. „Jede Minute

wurde abgerechnet und zudem mussten

wir auch immer damit rechnen, dass die

Verbindung unerwartet getrennt wird“,

erinnerte sich Poloschek an so manche

unruhige Nacht.

Jetzt kann der Feinmechanikermeister

deutlich ruhiger schlafen. Nach mehreren

Versuchen und vielen Gesprächen mit Anbietern

und Politikern gelang es, seinen Ort

an das DSL-Netz anzuschließen. „Wenn

die Datenübertragung bei LTE natürlich

um ein vielfaches höher ist als beim DSL

und der Preis passt, wäre das eventuell eine

Alternative. Aber erst mal sind wir zufrieden

überhaupt eine Breitbandverbindung

zu haben“, so Poloschek.

Stephan Joest, Mitarbeiter von Vodafone,

erklärte den Handwerkern, dass der

Datenverkehr im vergangenen Jahr um

80 % gestiegen sei. Umso wichtiger seien

die schnellen Internetverbindungen. „E-

Mails haben das alte Fax abgelöst. Firmen

verschicken ihre Informationen heute als

optimal lesbare PDF-Dokumente samt

Bildern und Grafiken“, erklärte der Fachmann.

Er präsentierte den Besuchern.

zudem neuartige Mini-Laptops, die das

Internet künftig noch besser in die Ar-

beitsprozesse von Handwerksunternehmen

einbinden sollen.

Sicherheit durch Cloud-Computing

Günstig wie Handys sollen sie schon bald

erhältlich sein. Damit wollen die Mobilfunkanbieter

insbesondere Unternehmern

zu noch mehr Mobilität verhelfen. „Cloud-

Computing“, nannte der Experte diese

Form der Kommunikation. Unternehmen

sollen nicht mehr darauf angewiesen

sein, dass ihre Daten auf einem lokalen

Rechner oder in einem Firmennetzwerk

gespeichert

werden und damit der Zugriff

kompliziert geregelt

werden muss.

Das Cloud-Computing

ist eine Form des IT-Managements,

das es ermöglicht,

dass die Daten an

mehreren Orten gesichert

werden und jederzeit darauf

zugegriffen werden kann.

Kabellos könnten so auch

Mitarbeiter direkt von ihrer

Dr. Markus Merk, dreimaliger Welt-Schiedsrichter

Baustelle aus aufs Internet und Firmennetzwerk

zugreifen und beispielsweise Material

bestellen. „Jetzt muss ich noch mal

genau überlegen, wie ich das mit unserem

neuen Server mache. In den kommenden

Monaten werde ich die Entwicklungen auf

dem Markt genau beobachten und mich

dann entscheiden“, so Frank Poloschek

nach sechs erkenntnisreichen Stunden auf

dem Messegelände, bevor er seine ausgewählten

Stände besuchte und Angebote

einholte.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine