Forschungsbericht 2009 - EBZ Business School

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Forschungsbericht 2009 - EBZ Business School

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Gerd Pieper, Präsident der IHK Mittleres Ruhrgebiet und Inhaber der Stadtparfümerie Pieper

GmbH mit Filialen in allen Städten des Ruhrgebiets, betonte, dass die Cities die „Schaufenster

der Städte“ seien und forderte hohe Qualitäten der Innenstädte, die sich in der Konkurrenz zu gut

gemanagten Einkaufszentren behaupten müssten. Pieper fasste die Anforderungen an zukunftsfähige

Innenstädte in sechs Punkten zusammen: Erstens sei die Innenstadtentwicklung eine Gemeinschaftsaufgabe,

die als Private-Public-Partnership zu organisieren sei. Zweitens müssten

Innenstädte zu Erlebnisräumen werden – das Bochumer Bermuda-Dreieck sei dafür ein gutes

Beispiel. Drittens müsse die „Uniformitätsfalle“ vermieden werden – jede City brauche städtebauliche

Qualitäten und Leuchttürme, die ihr ein eigenes Gesicht geben. Viertens sei die Erreichbarkeit

mit dem PKW eine unverzichtbare Bedingung – Dauerbaustellen oder gar Rückbau der zentralen

Zufahrtsachsen (wie in Bochum geschehen) schadeten der City. Fünftens sollten die Cities

eine Aufenthaltsqualität, Sauberkeit und Sicherheit bieten, wie sie bei Shopping-Centern Standard

seien. Und sechstens benötigten die Innenstädte Flächenkonzepte, um strukturiert in die

Zukunft zu gehen.

Durch Piepers Thesen herausgefordert, präsentierte Dr. Ernst Kratzsch, Stadtbaurat der Stadt

Bochum, den Masterplan Innenstadt, der nicht weniger als 43 aktuelle Investitionsvorhaben einschließlich

der vier Großprojekte Gerichtsquartier, Innenstadt West, Hauptbahnhof und Viktoriaquartier

aufweist. Dr. Kratzsch sah den entscheidenden Erfolgsfaktor im öffentlichen Dialog –

denn Investoren wollen wissen, was in der Nachbarschaft ihrer Projekte geschieht, bevor sie ihre

Projekte realisieren. Schließlich seien auch gute Projekte gefragt, um einer einseitigen Konzentration

auf Probleme wie Nokia und Opel entgegenzuwirken.

„Die Bochumer Innenstadt ist overshopped“ stellte Eckhard Brockhoff, geschäftsführender Gesellschafter

der Immobiliengesellschaft Brockhoff & Partner und exzellenter Marktkenner, fest. Es

gebe zu viel Schaufensterfläche, und viele der Immobilien seien nicht mehr marktfähig. Um auf

vermarktungsfähige Ladenflächen zu kommen, sei die Zusammenlegung von Ladenlokalen sinnvoll.

Außerdem müsse in die Immobilien investiert werden. Brockhoff sprach sich klar gegen ein

neues Einkaufszentrum in Bochum aus. Es mache keinen Sinn, Schaufenstermeter zu vermehren,

während die Einwohnerzahlen sinken. Ein neues Einkaufscenter in der Bochumer City würde

florieren, die Innenstadt aber veröden, zeigt sich Brockhoff überzeugt. Vor allem aber müsse die

Entscheidung über ein Center schnell gefällt werden – denn die Diskussion über das Einkaufszentrum

bringe Verunsicherung bei Eigentümern und Einzelhändlern und Investitionsentscheidungen

würden aufgeschoben.

Prof. Dr. Volker Eichener, Rektor der EBZ Business School, präsentierte eine Modellrechnung,

nach der das Einzelhandelsvolumen, bedingt durch den demographischen Wandel, aber auch die

Verlagerung der Einkaufsgewohnheiten, in den Innenstädten und Stadtteilzentren in Zukunft

erheblich schrumpfen werde. Zusätzlich würden Mittel- und Stadtteilzentren unter der Konzentration

der Standorte leiden. Die Innenstädte kämen um einen Strukturwandel nicht herum. Chancen

sah der Rektor in den Bereichen Gastronomie und Freizeit, Gesundheit sowie in urbanen Wohnformen,

die nach Umfragedaten immer attraktiver werden. Stadtteilzentren sollten sich bei ihrer

Entwicklung an ihrer Bevölkerungsstruktur orientieren. Je nach Bewohnerstruktur könnte die Perspektive

„Urbanes Erlebniszentrum“, „Dorfplatz“ oder auch „Orientalischer Basar“ heißen. In USamerikanischen

Städten stellten hohe Migrantenanteile heute kein Negativmerkmal mehr dar:

„Kulturelle Vielfalt ist eine Stärke.“ Der Strukturwandel der Cities und Stadtteilzentren erfordere

eine Reduzierung der Einzelhandelsflächen, eine Optimierung der Immobilien und eine Nutzung

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Forschungsbericht 2009 Seite 57

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