Ohne Scheiss: Unsere Bücher sind sage und ... - Nicolas Märki

nitschi.ch

Ohne Scheiss: Unsere Bücher sind sage und ... - Nicolas Märki

__Salmiakki

Riesen und Zwerge

Nein, dies wird keine Kolumne über

die neusten epischen Schlachten

in irgendeiner Computerwelt. Ich

werde mich auch nicht über Probleme

beim Schuhkauf oder zu grosse

Kollegen beschweren, die sich einen

Spass daraus machen, wenn immer

möglich auf Kleinere (in diesem Fall

mich) herabzuschauen und dabei

überheblich-hämisch zu grinsen.

In dieser Kolumne geht es um weit

Bedeutenderes, nämlich den ewigen

Kampf zwischen Gross und Klein.

David gegen Goliath.

Bevor man mich gleich als religiöse

Symbolikerin oder 3. Klässlerin

identifiziert, deren Abteilung gerade

Marx im Geschichtsunterricht besprochen

hat, muss ich darauf hinweisen,

dass diese Kolumne leicht

ironische Untertöne enthalten kann.

Die Kantonsschule bereitet einen

aufs harte Erwachsenenleben vor.

Der Stärkere ergattert sich den Lift

zuerst, SV hat das Mensa-Monopol

und Kritik wird von höherer Stelle

meist ignoriert.

Als Folge wird die eigene Fitness

verbessert, anonyme Flugblätter

werden verteilt und das meiste

versandet sowieso irgendwie.

Es ist wissenschaftlich bewiesen,

dass sich die Mehrheit der Menschheit

konform verhält. Nett ausgedrückt,

der grösste Teil der Menschheit

ist auf Harmonie bedacht

__Und siehe: Sonntag ist Besuchstag

Sie sind ein Fixstern am Kantihimmel: die Besuchstage der

offenen Tür, an denen es nicht nur offene Türen, sondern

auch ganze Schulzimmer samt menschlichem Mobiliar zu

besuchen gibt. Die stolzen Eltern begutachten bei dieser

einmaligen Gelegenheit die Erziehung ihrer Erzeugnisse

und fühlen dem Lehrkörper auf den Zahn. Die Glieder

dieses Körpers und ihre Zöglinge gehen angesichts der

und ordnet sich dafür schon mal

dem Gruppenwillen unter. Negativ

gesagt, die meisten Menschen sind

Mitläufer.

Ist das schlecht?

Einige wenige haben das Sagen,

und die anderen sind damit grösstenteils

eigentlich ganz zufrieden.

Wenn es nicht so wäre, hätten wir

ein Individualistenproblem.

Und so sieht die Realität aus:

Goliath ignoriert David und es stört

eigentlich niemanden gross.

Ausser den Extremisten, natürlich.

SDA ist unsere Kanti-Kolumnistin.

Salmiakki (Bärendreck) hat sie von

ihrem Austauschjahr zurückgebracht

- von Finnland, fürs Volk.

ungewohnten Aufmerksamkeit mit einer Extraportion Elan

zur Sache. Der Samstag hat sich als zusätzlicher Schultag

bewährt, weil so auch unter der Woche berufstätige Eltern

einen Augenschein vom Auslaufgehege des Zoogymnasiums

nehmen können.

Nur gibt es viele Angehörige, die sogar samstags schuften

und deshalb an den Besuchstagen aussen vor bleiben.

Diesen Missstand hat die Schulleitung nun endlich runtergespült:

Die Besuchstage werden ausgebaut zu einem

Wochenende der offenen Tür. Von Freitag bis Sonntag

sind Interessierte und Eltern eingeladen, die Erlebniswelt

Schule zu entdecken.

In Anbetracht der religiösen Bedeutung des Sonntags organisieren

die SchülerInnen des Ergänzungsfachs Religion

(Erel) im Seitenschiff des Frank-Weihnachtskind-Hauses

einen öffentlichen Gottesdienst. Daneben sind weitere Attraktionen

geplant: Auf dem Dach des Aquariums führen

unsere Chemielehrer selbst Versuche durch, und der hauseigene

Windkanal bringt die Frisuren unserer Besucher

aerodynamisch in Form.

Wir freuen uns riesig, dass wir das Angebot der Besuchstage

derart verbessern können und unserem Anspruch als

offene Schule mit offenen Türen auch in Zukunft gerecht

werden.

Joseph Peterhans