Akzente 11_05.indd - Nordzucker AG

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Akzente 11_05.indd - Nordzucker AG

Akzente

Dezember 2005 • Neues aus dem Unternehmen

Aktuell

Deutlich

geringeres

Jahresergebnis

erwartet 9

Rübe

Ernte

unter besten

Bedingungen

14

Markt & Kunde

Weltmarkt

das unbekannte

Wesen

22

Nordzucker fit machen

für die Zukunft

Die gemeinsame

Wettbewerbsfähigkeit

erhöhen


2 I Inhalt I Akzente Dezember 2005

Auf ein Wort

Aktuell

Nordzucker fit machen für die Zukunft –

WTO-Urteil zwingt zu Kapazitätsanpassungen

Wettbewerbsfähigkeit erhöhen – Auch die

Rübenbezahlung muss auf den Prüfstand

Nordzucker erwartet für 2005/2006

deutlich geringeres Jahresergebnis

Welches EU-Land stimmt mit wie viel Gewicht?

– Neues Abstimmungsprocedere

Der süße Riese, den keiner kennt –

Zuckerwirtschaft in Indien

Rübe

Kampagne 2005 bisher zufriedenstellend

Rübenernte unter besten Bedingungen

Schneller besser werden – Ein Betrieb aus dem

nördlichen Vorharzgebiet stellt sich vor

Ertragspotenziale im Anbaugebiet der Nordzucker

AG – Erträge steigern, Kosten senken

Male Karpaty, Slowakei – Starke Regionen

bei Nordzucker und was sie auszeichnet

Dicksaft schont das Budget – Im Werk Tepla

läuft die erste Nordzucker-Dicksaftkampagne

Markt und Kunde

Zucker könnte künftig knapp werden –

Zucker-Weltmarkt: Das unbekannte Wesen

Kurz vorgestellt: Xylit –

ein zahnpflegender Zuckeraustauschstoff

Für die süßen Augenblicke im Leben –

SweetFamily zeigt mehr Gesicht

Treffpunkt Nordzucker

Goetz von Engelbrechten

im Aufsichtsrat von KWS

Renaturierung im Fokus – Lehrter Teiche an

Stiftung Kulturlandpflege übergeben

Es ist fünf vor zwölf – Kampagnetreffen

ehemaliger Führungskräfte

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Neue Felder

Biodiesel oder Rapsöl als Kraftstoff? – Neue

Felder informiert über Verwertung von Raps

Das süße Rezept

Pflaumen-Apfel-Strudel

mit Nordzucker SweetFamily

SweetFamily zeigt Gesicht

Impressum

Herausgeber:

Nordzucker AG

Küchenstrasse 9 · 38100 Braunschweig

Telefon 0531 / 24 11 - 0

Telefax 0531 / 24 11 - 106

E-Mail akzente@nordzucker.de

Redaktion:

Gerald Dohme, Christian Kionka,

Susanne Dismer-Puls (sdp) verantwortlich

Layout und Satz:

adconcept werbeagentur gmbh, Hannover

Druck:

CW Niemeyer Druck GmbH, Hameln, Aufl.: 17.500

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32

Aufmerksamkeit für die süßen Augenblicke im Leben:

Rezeptbeilagen in Zeitschriften und Rezeptheftchen

auf den Deckeln der Zuckerträume setzen die Sweet-

Family-Backprodukte in Szene.


Sehr geehrte

Rübenanbauer und Aktionäre,

die Beratungen über die Reform der

Zuckermarktordnung kommen in die

entscheidende Phase. Ende November

soll der EU-Agrarministerrat über die

Reform der Zuckermarktordnung erstmals

abstimmen. Das Europäische

Parlament hat erklärt, seine notwendige

Stellungnahme „nachzureichen“, so

dass mit einem Votum gerechnet wird,

das eine „brauchbare“ Aussage für die

WTO-Verhandlungen in Hongkong

darstellt. Seitens der EU-Kommission

ist keine Bereitschaft erkennbar, das

Alles-außer-Waffen-Abkommen (EBA)

mit den ärmsten Ländern der Welt (LDC)

zu modifizieren und diese Staaten in ein

Quotenmanagement im Rahmen der

EU-Zuckermarktordnung einzubinden.

Auf der einen Seite deutet vieles darauf

hin, dass der Fischer-Boel-Vorschlag mit

einigen Nachbesserungen beim Restrukturierungsfonds

und den Ausgleichszahlungen

verabschiedet wird, auf der

anderen Seite drohen die so genannten

elf Randstaaten einschließlich Polen

und Ungarn damit, den gesamten

Vorschlag im Ministerrat zu blockieren,

da sie maßgebliche Teile ihres Rübenanbaus

verlieren würden.

Das WTO-Panel vom 28. April 2005

verbietet ab 2006 den Export von

C-Zucker. Das Ende der Übergangsfrist

ist inzwischen auf den 22. Mai 2006

festgelegt worden – d.h. nach diesem

Zeitpunkt darf kein C-Zucker mehr

exportiert werden. Nordzucker musste

auf diese WTO-Panelentscheidung mit

einer Anpassung seiner Werkstruktur

reagieren. Rund 200.000 Tonnen C-

Zucker sind betroffen. Diese Menge

sowie die wirtschaftlich erforderliche

Kampagnelänge führten zum Beschluss

des Aufsichtsrats, das Werk Wierthe nach

der Kampagne 2005 und das Werk Groß

Munzel nach der Kampagne 2006 zu

schließen. Aufgrund der erforderlichen

Einschränkung der Zuckererzeugung

wird ab 2006 nur noch mit einer um

rund 13 Prozent verminderten Anbaufläche

und Rübenmenge zur Erfüllung

der Höchstquote gerechnet. Eine planmäßige

Erzeugung von Überschusszucker

ist zu vermeiden.

Die WTO-Verhandlungen in Hongkong

werden ein weiter sinkendes Schutzniveau

durch Zölle und Subventionen für

landwirtschaftliche Produkte bringen.

Mit der Liberalisierung der Märkte für

den Handel von Hochtechnologie und

Dienstleistungen gelangen landwirtschaftliche

Interessen in Europa ins

Hintertreffen und werden als Opfergabe

gesehen. Zu groß sind die Interessen

der Hersteller von Hochtechnologie,

die in den Entwicklungs- und

Schwellenländern zum Zug kommen

wollen und das nur schaffen, wenn der

Marktzugang für in erster Linie landwirtschaftliche

Produkte aus diesen

Regionen in Europa eingeräumt wird.

Der durch den rasanten Anstieg der

Rohrzuckerproduktion zu verzeichnende

weltweite Trend zulasten des Rübenzuckers

wird sich verstärken. Wachsende

Zuckermärkte werden künftig nur auf

den Weltmärkten und im Rohrzucker

zu finden sein. Nordzucker und die

Rübenanbauer haben sich auf die

dringend erforderliche Erhöhung der

Wettbewerbsfähigkeit einzustellen.

Erträge steigern, Kosten senken, gilt

für alle Beteiligten gleichermaßen.

Nordzucker muss weiter wachsen, um

Märkte zu sichern und zu besetzen.

Das gilt zunächst für das Kerngeschäft

Zucker aus Rübe in Europa. Aber die

Beschäftigung mit dem Rohrzucker

darf nicht außer Acht gelassen werden,

um den Anschluss an die Märkte der

Zukunft nicht zu verpassen. Nur wachsende

Unternehmen, die Trends erkennen

und handeln, werden bestehen.

Akzente Dezember 2005 I Auf ein Wort I 3

Für landwirtschaftliche Betriebe gilt seit

Generationen „wachsen oder weichen“.

Gegen dieses Naturgesetz des Marktes

lassen sich keine dauerhaften Alternativen

etablieren. Der Markt bestimmt

den Preis und daran hat sich die

gesamte Wertschöpfungskette, vom

Saatgut bis zum Zucker, zu orientieren.

Glücklicherweise haben wir „nebenbei“

eine bislang erfolgreich verlaufende

Kampagne mit hohen Rübenqualitäten

und guten Verarbeitungsleistungen zu

verzeichnen. Lassen Sie uns im Bewusstsein

unserer Stärken die notwendigen

Maßnahmen ergreifen, um das Kerngeschäft

zu entwickeln, Kunden zu

binden und uns auf den Weltmärkten

zu etablieren.

Der Vorstand

Nordzucker AG

Dr. Ulrich Nöhle

Jens Fokuhl

Günter Jakobiak


4 I

Aktuell I Akzente Dezember 2005

Nordzucker fit machen

für die Zukunft

WTO-Urteil zwingt zu Kapazitätsanpassungen

Bereits seit dem 28. April 2005 haben

wir es schwarz auf weiß: Die EU hat

den Streit mit Brasilien, Thailand und

Australien um unzulässige Subventionen

im Zuckerexport endgültig verloren.

Rund drei Millionen Tonnen C-Zucker,

die die EU jährlich im Durchschnitt auf

dem Weltmarkt verkauft hat, können

nach dem Ende der Umsetzungsfrist, also

zum 22. Mai 2006, nicht mehr exportiert

werden. Auch der Reexport von

jährlich 1,3 Millionen Tonnen AKP-Zucker

wird dann nicht mehr zulässig sein.

WTO-Entscheidung trifft direkt

Die WTO-Entscheidung trifft uns direkt:

Nordzucker hat im Durchschnitt der

vergangenen fünf Jahre rund 200.000

Tonnen C-Zucker erzeugt und in Länder

außerhalb der EU verkauft. Diese

Menge entspricht

„Man kann sich der Jahresproduktion

fragen, wer gibt der von eineinhalb Wer-

WTO eigentlich das ken.Produktionska- Recht zu bestimmen, pazität, die wir nach

wer was herstellen Maßgabe des WTOoder

exportieren darf Urteils künftig nicht

und wer nicht?“

mehr benötigen, weil

wir sie nicht mehr

nutzen dürfen. Diese Überkapazitäten

gilt es nun ohne Zeitverzug abzubauen.

Nordzucker wird die notwendige Anpassung

in zwei Schritten vornehmen und

das Werk Wierthe nach der Kampagne

2005 sowie das Werk Groß Munzel

nach der Kampagne 2006 stilllegen.

Die Werksschließungen werden sozial

verantwortlich ohne betriebsbedingte

Kündigungen über ein unternehmensweites

Vorruhestandsangebot umgesetzt.

Europäische Union –

das erfolgreiche Vorbild der WTO

Man kann sich fragen, wer gibt der

WTO eigentlich das Recht zu bestimmen,

wer was herstellen oder exportieren

darf und wer nicht? Wieso dürfen

unsere Landwirte nicht das anbauen,

was sie wollen? Und wieso darf Nordzucker

ihren Zucker nicht in freier

unternehmerischer Entscheidung zum

Weltmarktpreis wettbewerbsfähig

Dr. Ulrich Nöhle,

Vorstandsvorsitzender

Nordzucker AG

anbieten? Antworten auf diese Fragen

ergeben sich aus der bisherigen

Entwicklung der Europäischen Union.

Die heutige Staatengemeinschaft ist

über Jahrzehnte zusammen gewachsen,

indem sie durch Zollabbau, freien

Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen

und Kapital „gerechtere“

Lebens- und Arbeitsbedingungen

sowie gleiche Wettbewerbsbedingungen

für die Wirtschaft geschaffen hat.

WTO: EU-ähnliches Konzept,

aber niedrigeres Niveau

Meilensteine der Entwicklung der EU

• Gründung der Montan-Union für

Kohle und Stahl in 1951/1953

(Unterzeichnung/Inkrafttreten)

• Die Gründung der Europäischen

Wirtschafts Gemeinschaft (EWG)

sowie Euratom durch den Vertrag

von Rom in 1957/1958. EWG und

Euratom zusammen bilden seit

dem Fusionsvertrag von1965/

1967 die Europäischen Gemeinschaften

mit Rat und Kommission.

Die Welthandelsorganisation (WTO,

world trade organisation) verfolgt ein

ähnliches Konzept – allerdings auf weit

niedrigerem Niveau. Als reine Handelsorganisation

beschränkt sie sich auf die

Absenkung von Ein- und Ausfuhrzöllen,

den Abbau von Exportsubventionen

• Der Maastricht Vertrag über die

Gründung der Europäischen

Union 1992/1993 bewirkte unter

anderem die Umbenennung der

EWG in EG.

• Die Verträge von Amsterdam

(1997/1999) und Nizza

(2001/2003) brachten eine

Konsolidierung von EU- und EG-

Vertrag sowie eine institutionelle

Reform.

Ergebnis dieses Prozesses ist der politisch und wirtschaftlich

stabile Raum Europäische Union.


und andere den Handel verzerrende

Regelungen. Deutschland und die EU

haben sich durch ihre Mitgliedschaft

zur Einhaltung von WTO-Regeln und

Vereinbarungen verpflichtet.

Verbindlich für alle Mitglieder:

WTO-Entscheidungen

Bei Streitigkeiten zwischen WTO-

Mitgliedern können einzelne Staaten

eine Art Schiedsgericht anrufen, den

so genannten Appelate Body in Genf.

Eben das haben Brasilien, Thailand

und Australien – die weltgrößten

Zuckerexporteure – getan, weil sie

der Meinung waren,

„Bemerkenswert ist

dabei, dass nicht

etwa ein armes

Land geklagt hat,

um seine Exportchancen

zu

verbessern, sondern

eben die größten

Zuckerex porteure

der Welt.“

dass die EU den C-

Zucker nur durch

eine unzulässige

Quersubven tio nierung

aus der Quotenzuckererzeugung

herstellen könne.

Konkret heißt das:

Nur weil die Rübenanbauer

und die

Zuckerindustrie auf

der Grundlage der EU-Zuckermarktordnung

Mindestpreise garantiert bekommen,

konnten sie sich die Maschinen

und Anlagen kaufen, mit denen sie

über den EU-Verbrauch hinaus weiteren

Zucker produzieren und zu Weltmarktpreisen

absetzen. Ob nun richtig oder

falsch – das WTO-Gericht hat entschieden,

dass der C-Zucker nicht

mehr exportiert werden darf und die

EU und auch Deutschland müssen sich

daran halten, ob wir als Nordzucker

das nun wollen oder nicht.

Bemerkenswert ist dabei, dass nicht

etwa ein armes Land geklagt hat, um

seine Exportchancen zu verbessern,

sondern eben die größten Zuckerexporteure

der Welt, die schon heute 40

Prozent des Exportmarktes bedienen.

Wer die Tagespresse aufmerksam liest,

entdeckt weitere Streitfälle ähnlicher

Art: Prominente Beispiele sind der

Bananenstreit zwischen der EU und

den mittelamerikanischen Bananen

exportierenden Staaten oder auch der

anstehende Streit um unzulässige Subventionen

zwischen Airbus und Boeing.

Verschiebung ganzer Industriezweige

Letztlich führt die neue „Welthandelsordnung“

zur Verschiebung von

ganzen Industriezweigen und damit

verbunden zur Verschiebung von

Arbeitsplätzen. Eindrucksvolles Beispiel

aus jüngster Vergangenheit ist der

Textilstreit zwischen der EU und China.

China ist 2001 der WTO beigetreten.

Seitdem sind hunderttausende neuer

Arbeitsplätze im Textilsektor in China

entstanden, während die wenigen verbliebenen

in Europa entfallen. Auf der

anderen Seite kaufen diese

Länder Maschinen und

Dienstleistun gen in

der EU. Sie

schaffen

damit

neue

Akzente Dezember 2005 I Aktuell I 5

WTO-Doha-Runde: Auf der Suche nach neuen

Formeln für freieren Warenverkehr

Die Ursprünge der WTO liegen in den

GATT-Verhandlungsrunden (General

Agreement on Tarifs and Trade = Ver -

einbarung über Zölle und Handel) aus

den Jahren 1947 bis 1994, insbesondere

in der so genannten Uruguay-

Runde von 1986 bis 1994. Dem GATT

folgte die Gründung der WTO im Jahre

1995. Die WTO hat insgesamt 148

Mitgliedstaaten.

Sie konzentriert sich auf die Absenkung

von Zöllen und Subven tionen,

um für gerechtete Handelsbedingungen

zwischen den beigetretenen

Staaten zu sorgen. Aktuell werden

verschiedene so genannte „Zollbänder“

und „Zoll senkungsformeln“ intensiv

diskutiert, deren Anwendung den

freien Waren verkehr zwischen den

148 beigetretenen Staaten erleichtert.

Die nächsten Verhandlungen der so

genannten Doha-Runde (Doha ist

die Hauptstadt von Katar) sind für

den 13. bis 18. Dezem ber 2005 in

Hongkong vorgesehen.

Arbeitsplätze – auch und insbesondere

beim Exportweltmeister Deutschland.

Zurzeit gewinnt nur der Billigste –

Nachholbedarf bei den WTO-Statuten

Diese Entwicklung „Unter den jetzigen

lässt sich unter dem Bedingungen gewinnt

Schlagwort „Globali- eben nicht der beste,

sierung“zusammen- umwelt freundlichste

fassen.Zollabsen- oder sozialste Marktteilkun

gen und Subvennehmer, sondern eintions

abbau führen fach nur der billigste“

zu neuen Waren strömen.

Umwelt- und Sozialbedin gungen

spielen jedoch – noch – keine Rolle bei

den WTO-Verhandlungen. Unter den

jetzigen Bedingungen gewinnt eben

nicht der beste, umwelt freundlichste

oder sozialste Marktteil nehmer, sondern

einfach nur der billigste. Die Er rungenschaften

unserer mitteleuropäischen

Zivilisation seit der industriellen Revolution

des 19. Jahrhunderts

u


6 I Aktuell I Akzente Dezember 2005

werden durch solch eindimensionale

Sichtweise zum Teil wieder rückgängig

gemacht! Hier gibt es in der Tat einen

deutlichen Nachholbedarf in den

Statuten der WTO.

Kein „Globalisierungsopfer“

Ist Nordzucker also ein Globalisierungsopfer?

Die Antwort könnte „ja“ lauten –

in die Zukunft gerichtet heißt sie: „Die

Welt ändert sich – wir verändern uns

mit ihr und machen Nordzucker fit für

die Zukunft!“ In vielen Schritten bereiten

wir uns jetzt auf die bevorstehende

Reform der Zuckermarktordnung

vor. Die angekündigten deutlichen

Preisabsenkungen fordern von uns

neue betriebswirtschaftliche Konzepte,

um im Markt bestehen zu bleiben –

und um immer etwas besser zu sein

als unser nächster Wettbewerber.

Klare Ziele

Nordzucker stellt sich diesem zunehmenden

Wettbewerb. Die langfristigen

Ziele sind klar formuliert:

• Saatgut und landwirtschaftliche

Flächen für die 18/80 Rübe (18

Prozent Zuckergehalt und 80

Tonnen Rüben je Hektar)

• 120 Tage Kampagne

• 1.500 Tonnen erzeugter Zucker pro

Mitarbeiter in unseren Werken

• kundenorientierte

Unternehmensführung

• schlanke Strukturen

Entscheidungsparameter Werksstruktur

Die Werke Wierthe und Groß Munzel

wurden auf Basis breiter Analysen als

Schließungsstandorte identifiziert. Einzelne

Parameter geben kein umfassendes

Bild über die Zusammenhänge.

Entscheidend war das entwickelte

Gesamtbild auf Basis aller Faktoren.

Strategische Parameter

• relative Vorzüglichkeit der Rübe

• Potential Anteil der Rübenfläche

• Ertragsmesszahl (Bodenpunkte)

• Kapitalmarktorientierung der

Nordzucker AG

• europaweites und langfristig weltweites

Geschäft mit Zucker und

süßen Kohlenhydraten

Mit den anstehenden Werkschließungen

geht Nordzucker einen weiteren Schritt

in diese Richtung. Für alle betroffenen

Mitarbeiter zweifellos ein harter Schritt –

aber der richtige und notwendige

Schritt für Nordzucker, für die Zukunftsfähigkeit

unseres Unternehmens und

damit für uns alle.

Wir machen Nordzucker fit für die

Zukunft – helfen Sie mit! ■

• Lage zu unseren Kunden (Transportentfernung

Fertigware)

Ökonomische Parameter

• Einmaleffekte

• Mehraufwendungen

• laufende Einsparungen

Umwelt- und Standortbedingungen

• Wasser

• Emissionen

• Lage


Die gemeinsame

Wettbewerbsfähigkeit erhöhen

Auch die Rübenbezahlung muss auf den Prüfstand

Die Reform der Zuckermarktordnung

sieht drastische Preissenkungen bei

Rüben und Zucker vor. Die EU-Kommission

ist der Ansicht, dass sich der

zu erwartende Mengendruck aus dem

„Alles außer Waffen“ - Abkommen (EBA)

mit den am wenigsten entwickelten

Ländern der Erde (LDC-Staaten) durch

drastische Preissenkungen zumindest

teilweise vermindern lässt. Darüber

hinaus strebt die EU-Kommission an,

dass nur die wettbewerbsfähigsten

Regionen in der Europäischen Union

die Rüben- und Zuckerproduktion aufrechterhalten.

Wettbewerbsfähig sind

die Regionen, die zu Preisen produzieren

können, die am Markt erzielt werden

und darüber hinaus einen höheren

Gewinn erwirtschaften als mit einer

anderen Kultur zu erzielen ist.

Nordzucker teilt mit seinen Rübenanbauern

in Norddeutschland eine Region,

die zu den wettbewerbsfähigsten

in Europa zählt. Die Zuckererzeugung

aus Rübe wollen wir in gemeinsamer

Anstrengung und unter Ausschöpfung

aller Potenziale dauerhaft wirtschaftlich

erfolgreich gestalten.

Bisherige Maßnahmen

reichen nicht aus

Schließungen von Werken sind nur ein

Mittel zur Kostensenkung, das immer

einen gravierenden Einschnitt bedeutet.

Um unseren Zucker wettbewerbsfähig

zu halten, reichen die bisher durchgeführten

Rationalisierungsmaßnahmen

zukünftig nicht mehr aus. Deshalb müssen

auch bei der Rübenbezahlung eine

Reihe von Nebenleistungen auf den

Prüfstand und mit dem Dachverband

Norddeutscher Zuckerrübenanbauerverbände

e. V. (DNZ) neu verhandelt

werden.

Nordzucker lässt sich bei den Überlegungen

zur Rübenbezahlung ab 2006

von folgenden Grundsätzen leiten:

Anbauer- und Aktionärsinteressen

berücksichtigen

Die Rübenbezahlung muss sich an der

Ertragskraft des Unternehmens, der

Notwendigkeit zu innovativen Aufgaben

unter Berücksichtigung von Markt-

und Zukunftsrisiken orientieren. Außerdem

sind die Interessen von Aktionären

und Rübenanbauern gleichermaßen zu

berücksichtigen. Diese nach wie vor

aktuelle Vorgabe aus dem Celler

Zielsetzungspapier meint nichts anderes,

als dass die nachhaltige

Entwicklung des Unternehmens

(Wachstum) und die Verzinsung des

dafür zur Verfügung gestellten Kapitals

gesichert sein muss und die Rübenbezahlung

in einem angemessenen Verhältnis

dazu steht.

Leistung für Gegenleistung

Eine (Neben-) Leistung wird für Gegenleistung

gewährt. Das heißt, der Wert

der Leistung und die dafür aufgewendeten

Zahlungen, beziehungsweise

Prämien müssen in einem ausgewogenen

Verhältnis zueinander stehen.

Dienstleistungen werden nach Marktgesichtspunkten

entlohnt. Dienstleistungen,

für die ein Wettbewerb besteht,

werden zu wettbewerbskonformen

Tarifen entlohnt. Das bedeutet ausdrücklich

auch die Einhaltung eines

definierten Qualitätsniveaus bei der

Arbeitserledigung. Als Beispiele gelten

dafür die Tarife für Rübenfrachten,

Laden und Reinigen sowie

Dienstleistungen zur Mietenpflege.

Außerdem müssen geeignete Maßnahmen

getroffen werden, um un-

Akzente Dezember 2005 I Aktuell I 7

Günter Jakobiak,

Vorstandsmitglied

Nordzucker AG

günstige Einflüsse auf die Zuckererzeugung

zu minimieren.

Ein wichtiges Thema ist die Vermeidung

von Überschusszucker aus Quotenrüben,

da durch die Entscheidung des

WTO-Panels am 28. April 2005 der

Export von C-Zucker untersagt wurde.

Für diesen so genannten „Überschusszucker“

lässt sich im ungünstigsten

Fall ab Mai 2006 überhaupt kein Erlös

mehr erzielen. Insofern ist Nordzucker

gezwungen, die Zuckererzeugung aus

Mehrrüben nur in dem Rahmen zu-

zulassen, wie Absatzmöglichkeiten im

Inland, so, wie sie die Zuckermarktordnung

vorsieht, bestehen.

Ziele und Maßnahmen

• 15 Tonnen Rübe = 80/18, (80

Tonnen pro Hektar Rübenertrag

mit 18 Prozent Zuckergehalt)

• Anbaustrukturen optimieren

• Arbeitserledigungskosten

reduzieren

• Die Rübenbezahlung nach

folgenden Grundsätzen:

- marktgerechte Vergütung der

Dienstleistungen Transport, Laden

und Reinigen, Mietenpflege

- ausgewogenes Verhältnis von Nebenleistung

und Wert der Leistung

• Verlängerung der Kampagnen

von 95 auf 100 Tage, mittelfristig

auf 120 Tage

• Senkung der Verarbeitungs- und

Vertriebskosten

u


8 I Aktuell I Akzente Dezember 2005

120 Tage müssen erreicht werden

Die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der

Rübenzuckerproduktion ist am wirksamsten

durch eine Verlängerung der

Kampagnen zu erzielen. Die Maßnahmen

der vergangenen Jahre, als unter

stagnierendem Zuckerpreis die Wirtschaftlichkeit

ebenfalls ständig erhöht

werden musste, führten bereits zu

Kampagnelängen von 90 bis 95 Tagen.

Das heißt, ein Kampagnezeitraum von

Mitte September bis Weihnachten kann

als normal angesehen werden. Kurzfristig

werden 100 Tage Kampagnelänge

angestrebt, mittelfristig müssen sogar

120 Tagen erreicht werden.

Wichtig bleibt eine wirksame Mietenpflege,

die in den vergangenen Jahren

etabliert wurde. Rübenanbauer und

Nordzucker profitieren durch verbesserte

Qualität und geringere Verluste

beziehungsweise höhere Verarbeitbarkeit

der Rüben.

Gemeinsame Anstrengung

Die Steigerung der Rübenerträge und

-qualität (80 Tonnen Rübenertrag pro

Hektar mit 18 Prozent Polarisation für

15 Tonnen Zucker) verlangt viele

gemeinsame Anstrengungen und eine

effektive Beratung. Die Berater des

Nordzucker-Rübenmanagements werden

die Multiplikatoren und Landwirte

bei diesen Aufgaben unterstützen.

Die Rübenbezahlung der Nordzucker

wird auch weiterhin zur Wettbewerbsfähigkeit

der Zuckerrübe an unseren

norddeutschen Standorten beitragen.

Gemeinsame Anstrengungen in den

Strukturen und bei den Produktions-

und Stückkosten sind jedoch erforderlich,

um die Wettbewerbsfähigkeit

unseres Zuckers bei den Kunden zu

sichern. ■

2005 zum letzten Mal auf Hochtouren:

die Zuckerfabrik Wierthe (oberes Bild)

Das Nordzucker-Werk Groß Munzel wird nach der

Kampagne 2006 geschlossen (unten)


Nordzucker erwartet für 2005/2006

deutlich geringeres Jahresergebnis

Verspätete Deklassierung bringt Einbußen

für die gesamte EU-Zuckerbranche

Nordzucker wird das sehr gute Ergebnis

des Vorjahres im laufenden Geschäftsjahr

2005/2006 nicht erreichen. Der mit

der Vorjahreskampagne vergleichbaren

guten Kampagne 2005 mit hohen

Rüben- und Zuckererträgen, hohen

Zuckergehalten und einer guten Qualität

der Rübe stehen deutlich gestiegene

Energiekosten und ein verstärkter Wettbewerb

in der Europäischen Union

gegenüber. Zuckerabsatz und -preise

haben sich im ersten Halbjahr 2005/

2006 aufgrund des unerwartet hohen

Zuckerangebotes aus den zehn neuen

EU-Staaten sowie der von der EU-

Kommission für die Kampagne 2004

unterlassenen Deklassierung wenig

erfreulich entwickelt. Verbunden damit

sind deutliche Erlösminderungen beim

Termine Hauptversammlungen

2005

In Abstimmung mit den Holdings

der Nordzucker AG sind für die

Haupt-, beziehungsweise Gesellschafterversammlungen

folgende

Termine vorgesehen:

Union Zucker Südhannover GmbH

Mittwoch, 05. Juli 2006, 10.00 Uhr

Nordharzer Zucker AG

Mittwoch, 12. Juli 2006, 10.00 Uhr

Nordzucker Holding AG

Donnerstag, 13. Juli 2006, 10.00 Uhr

Nordzucker AG

Freitag, 14. Juli 2006, 10.00 Uhr

Versammlungsorte sind wie gewohnt

die Stadthalle Braunschweig,

beziehungsweise das Berghölzchen

Hildesheim für die Gesellschafterversammlung

der Union-Zucker.

Export von Quotenzucker. Erstmalig

seit 20 Jahren wurde in der EU wieder

Zucker zur Intervention gegeben. Die

insgesamt zu erwartenden Erlöseinbußen

werden das Nordzucker-Ergebnis

im laufenden Geschäftsjahr 2005/2006

deutlich vermindern.

Die angespannte Situation auf dem

europäischen Zuckermarkt trifft ebenfalls

unsere osteuropäischen Beteiligungen.

So wird insbesondere Polen,

wo 2004 positive Einmaleffekte realisiert

werden konnten, nicht an das

hervorragende Vorjahresergebnis

anknüpfen. Nordzucker hat sowohl in

Polen als auch in Ungarn Zucker der

Intervention angedient.

Schnelle Wende vorerst nicht in Sicht

Im September 2005 hatte die EU-Kommission

für das Zuckerwirtschaftsjahr

2005/2006 die aus Sicht der Branche

lange überfällige Deklassierung in Höhe

von 1,9 Millionen Tonnen Quotenzucker

entschieden. Das bedeutet EU-weit

10,4 Prozent Kürzung der A-B-Quote,

für die Nordzucker AG entspricht dies

14,3 Prozent der nationalen Höchstquote.

Perspektivisch rechnen wir

durch diese EU-Entscheidung mit einer

Entlastung und Trendwende auf den

europäischen Inlandsmärkten. Diese

Trendwende ist allerdings abhängig

von einem mit der Zuckernachfrage

ausgeglichenen Zuckerangebot innerhalb

der EU, das heißt insbesondere die

Vermarktung des Interventionszuckers

innerhalb der EU oder als Exportware

wird unter anderem die weitere

Entwicklung auf dem europäischen

Binnenmarkt entscheidend beeinflussen.

Die Deklassierung bedeutet vorerst jedoch

noch keine schnelle positive Wende

für das Zuckergeschäft. Zunächst führt

die Deklassierung aufgrund geringerer

Akzente Dezember 2005 I Aktuell I 9

Jens Fokuhl,

Vorstandsmitglied

Nordzucker AG

Quotenzuckermengen bei Nordzucker

zu rückläufigen Umsätzen.

Drastisch gestiegene Energiepreise

In der laufenden Kampagne erhöhen

außerdem erheblich gestiegene Energiepreise

die Produktionskosten. Durchgehend

hohe Qualitäten der Rüben

und die damit verbundene gute

Verarbeitbarkeit können die drastisch

gestiegenen Energiekosten bei weitem

nicht ausgleichen.

Einmaleffekte aus Sozialplan

und Abschreibungen

Belastet wird das Ergebnis des Geschäftsjahrs

2005/2006 darüber hinaus durch

die Bildung von Rückstellungen für den

nach den Schließungsbeschlüssen für

die Werke Wierthe und Groß Munzel

verabschiedeten Sozialplan sowie

durch zusätzliche Abschreibungen.

Das Marktgeschehen in der Europäischen

Union zeigt, wie sehr die Reform

der Europäischen Zuckermarktordnung

ihre Schatten bereits voraus wirft. Trotz

kontinuierlicher Optimierung aller

Kostenpositionen in den vergangenen

Jahren zeigt der Verlauf des diesjährigen

Geschäftsjahres, wie intensiv weiterhin

alle Einsparmöglichkeiten und Erlösverbesserungen

genutzt werden müssen.

Die eingeleitete Maßnahme mit der

Schließung der Werke Wierthe und

Groß Munzel ist ein wichtiger Beitrag,

um die Ertragsfähigkeit der Nordzucker

langfristig zu sichern. ■


10 I

Aktuell I Akzente November 2005

Welches EU-Land stimmt

mit wie viel Gewicht?

Neues EU-Abstimmungsprocedere

bei der ZMO-Reform

Die Verabschiedung der künftig geltenden

Zuckermarktordnung steht an.

Während Entscheidungstermin und

endgültiger Inhalt offen sind, ist der

Weg durch die EU-Instanzen klar

geregelt. Nach Artikel 37 Absatz 2 des

EG-Vertrages werden Verordnungen

für die gemeinsame Agrarpolitik der

Gemeinschaft durch den Rat mit

qualifizierter Mehrheit auf Vorschlag

der Kommission und nach Anhörung

des Europäischen Parlaments erlassen.

Aus dieser Vorschrift ergibt sich für

die Verabschiedung der ZMO-Reform

folgender Verfahrensablauf:

1. Die EU-Kommission unterbreitet

dem EU-Parlament einen Vorschlag

zur zukünftigen Zuckermarktordnung.

Dieser Verordnungsvorschlag liegt seit

dem 22. Juni 2005 vor und sieht eine

Kürzung des Rübenmindestpreises von

42 Prozent und eine Kürzung des

Zuckerpreises um 39 Prozent gegenüber

dem heutigen Niveau vor.

2. Das EU-Parlament nimmt Stellung

zu dem Vorschlag. Dieser Beschluss des

Parlaments wird gemäß Artikel 198 des

EG-Vertrages mit der absoluten Mehrheit

der abgegebenen Stimmen gefasst.

Zwischenzeitlich hat das Parlament, trotz

eindringlicher Appelle der Kommission,

die Arbeiten zu beschleunigen, angekündigt,

seine Stellungnahme erst im

Januar 2006 abgeben zu wollen. Da

der Europäische Rat ohne Stellungnahme

des Parlaments die Verordnung zur

Zuckermarktordnung nicht beschließen

kann, ist mit einer Beschlussfassung über

die zukünftige Zuckermarktordnung

vor dem Beginn der WTO-Verhandlungen

in Hongkong, die im Dezember

2005 stattfinden, nicht zu rechnen.

ZMO-Reform braucht

qualifizierte Mehrheit

Stefan Mühl,

Justitiar (li.),

Thomas Graf, Marktordnungsfragen

3. Der EU-Ministerrat erlässt, wenn die

Stellungnahme des Parlaments vorliegt,

die neue Verordnung zur Zuckermarktordnung.

Voraussichtlich wird dies wegen

der erst im Januar 2006 zu erwartenden

Stellungnahme des Parlaments nicht

vor Februar 2006 möglich sein. Gemäß

Artikel 37 Absatz 2 des EG-Vertrages ist

die zukünftige Zuckermarktordnung

durch den Rat mit qualifizierter Mehrheit

zu beschließen, wobei Artikel 205

des EG-Vertrages regelt, welche Hürden

der Rat im einzelnen zu nehmen hat.

Die qualifizierte Mehrheit im Rat ist

erreicht, wenn:

• Die Mehrheit der Mitgliedstaaten

dem Reformvorschlag zustimmt und

gleichzeitig

• mindestens 232 von insgesamt 323

Stimmen im Rat der neuen Verordnung

zustimmen. Dies entspricht einer Mehrheit

von 72,3 Prozent aller Stimmen im Rat der

Europäischen Union. Die 25 Mitgliedsstaaten

der Europäischen Union verfügen –

ähnlich wie im Bundesrat der Bundesrepublik

Deutschland – über unterschiedliche

Stimmgewichte im Rat. Die Stimmenverteilung

berücksichtigt zwar die Größe

der Mitgliedsländer, entspricht aber nicht

dem genauen Bevölkerungsverhältnis.

So verfügt zum Beispiel die Bundesrepublik

Deutschland mit 29 Stimmen

im Rat über genauso viele Stimmen wie

Frankreich, obwohl in Deutschland etwa

23 Millionen EU-Bürger mehr leben als

in unserem westlichen Nachbarland.

(Zur Verteilung aller Stimmen des Rates

auf die einzelnen Mitgliedsstaaten der

EU vergleiche Tabelle Stimmverteilung).

• Darüber hinaus kann ein Mitgliedstaat

fordern, dass überprüft wird, ob

durch die befürwortenden Stimmen

mindestens 62 Prozent der Gesamtbevölkerung

der EU vertreten werden.

Ist das nicht der Fall, gilt der Beschluss

als abgelehnt.

Kleinere EU-Staaten werden gestärkt

Zum besseren Verständnis des Abstimmungsprocederes

ist auf die seit dem

01. November 2004 geltende Stimmenverteilung

im Rat auf die einzelnen

Länder einzugehen (vgl. Tabelle). Diese

Gewichtung der Stimmen im Rat gilt

gemäß Artikel 12 der EU-Beitrittsakte

nach der Aufnahme von Tschechien,

Estland, Zypern, Lettland, Litauen, Ungarn,

Malta, Polen, der Slowakei und

Slowenien. Die bevölkerungsreichen

Staaten der EU haben im Europäischen

Rat je 29 Stimmen: Deutschland (83

Mio. Einwohner), Frankreich (60 Mio.),

Großbritannien (59 Mio.) und Italien

(57 Mio.) Mittelgroße Länder wie Polen

(38 Mio.) und Spanien (42 Mio. Einwohner)

haben mit je 27 Stimmen im Rat

nur zwei Stimmen weniger als die vier

deutlich bevölkerungsreicheren Länder.

Grundsätzlich stärkt die geltende Stimmverteilung

bevölkerungsschwächere

EU-Staaten und schwächt den Einfluss

bevölkerungsstarker Mitgliedsstaaten.

So können kleinere Länder zum einen

durch ihr im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße

stärkeres Stimmengewicht

leichter eine Sperrminorität zustande

bringen. Eine Sperrminorität liegt dann

vor, wenn von den 321 Stimmen im

Rat genau 90 Stimmen gegen einen

Vorschlag der Kommission abgegeben

werden. In diesem Fall würde zwar mit


231 Stimmen eine deutliche Mehrheit

für den Kommissionsvorschlag abgegeben

werden, jedoch wäre dies immer

noch eine Stimme weniger als die

erforderlichen 232. Der Kommissionsvorschlag

wäre abgelehnt.

Die Stimmverteilung im Rat erleichtert

zum anderen aber auch das Erreichen

einer qualifizierten Mehrheit im Rat

gegen die großen EU-Mitgliedsstaaten.

So wäre eine qualifizierte Mehrheit im

Rat auch dann erreicht, wenn die größten

Mitgliedsstaaten, nämlich Deutschland,

Frankreich und das Vereinigte Königreich

gegen einen Vorschlag der Kommission

stimmen, alle anderen Staaten aber dafür.

Die drei größten EU-Mitgliedsländer

verfügen nämlich lediglich über 87

Stimmen im Rat, so dass alle anderen

Länder zusammen mit ihren verbleibenden

234 Stimmen jederzeit gemeinsam

die qualifizierte Mehrheit von 232 Stimmen

aufbringen könnten.

Im Einzelfall muss eine

qualifizierte Mehrheit 62 Prozent

der EU-Bevölkerung repräsentieren

In derartigen Fällen und um zu vermeiden,

dass wichtige Verordnungen oder

andere Entscheidungen des Rates

gegen die Meinung der bevölkerungsreichsten

Staaten der EU in Kraft treten

können, sieht der EG-Vertrag vor, dass

auf Antrag eines Landes überprüft werden

kann, ob die Mitgliedsstaaten, die

eine qualifizierte Mehrheit bilden, mindestens

62 Prozent der Bevölkerung

der EU repräsentieren.

Im dargestellten Fall, also einer Beschlussfassung

im Rat gegen die Stimmen

von Deutschland, Frankreich und das

Vereinigte Königreich, repräsentieren

die zustimmenden Länder nämlich

lediglich 254,4 Millionen der 455,7

Millionen Einwohner und damit lediglich

56 Prozent der Gesamtbevölkerung der

EU. Somit könnte im Rat – vermutlich

auf Antrag eines dieser drei Länder –

festgestellt werden, dass die Bedingung,

wonach der Beschluss 62 Prozent der

Bevölkerung repräsentieren muss,

nicht erfüllt ist. Der betreffende

Akzente November 2005 I Aktuell I 11

Beschluss käme dann nicht zustande.

Allerdings setzt der dargestellte Fall

voraus, dass die entsprechende Überprüfung

auf Antrag eines Landes

durchgeführt wird. Stellt bei einer

Beschlussfassung gegen die Stimmen

der drei größten EU-Staaten kein

Mitglied des Rates diesen Antrag, so ist

der Beschluss gefasst, auch wenn die

zustimmenden Länder nicht 62 Prozent

der EU-Bevölkerung repräsentieren. ■

Stimmen- / Sitzverteilung im Europäischen Rat / EU-Parlament

Mitgliedsstaat ISO code

Bevölkerung

(in Mio.)

Stimmen im

Europäischen Rat *

Sitze im

EU-Parlament **

Deutschland DE 83 29 99

Frankreich FR 60 29 78

Großbritannien GB 59 29 78

Italien IT 57 29 78

Spanien ES 42 27 54

Polen PL 38 27 54

Niederlande NL 16 13 27

Griechenland EL 11 12 24

Tschechien CZ 10 12 24

Belgien BE 10 12 24

Ungarn HU 10 12 24

Portugal PT 10 12 24

Schweden SE 9 10 19

Österreich AT 8 10 18

Slowakei SK 5 7 14

Dänemark DK 5 7 14

Finnland FI 5 7 14

Irland IE 4 7 13

Litauen LT 3 7 13

Lettland LV 2 4 9

Slowenien SI 2 4 7

Estland EE 1 4 6

Zypern CY 0,6 4 6

Luxemburg LU 0,5 4 6

Malta MT 0,4 3 5

Summe 451,1 321 732

* Vertretung der Mitgliedsstaaten

Entscheidungsfindung: Die qualifizierte Mehrheit besteht aus einem dreifachen Mehrheitssystem.

1. Die Mehrheit der Staaten muß zustimmen; 2. Mindestens 72,3 % (232/321) der Stimmen müssen

zustimmen; 3. Die Entscheidung muß mindestens 62 % der EU-Bevölkerung repräsentieren.

** Vertretung der Bürger

Entscheidungsfindung: 1. Einfache Mehrheit: 50 % der anwesenden Parlamentsmitglieder +1; 2. Qualifizierte

Mehrheit (im Fall von Dissenz zwischen Parlament und Rat): 50 % aller Parlamentsmitglieder +1 (367)


12 I Aktuell I Akzente Dezember 2005

Der süße Riese, den keiner kennt

Zuckerwirtschaft in Indien

Nach den Akzente-Zuckerportraits über

Brasilien, Australien und Thailand –

den Ländern, die vor der WTO erfolgreich

gegen die EU-Zuckerexporte

geklagt haben – setzen wir die Vorstellung

wichtiger Zuckerländer der Welt

fort. Thomas Graf hat Indien unter die

Lupe genommen, ein Schwergewicht

unter den Zuckererzeugerländern, das

wenigen ein Begriff ist. Mit rund 21,7

Millionen Tonnen Rohwert ist das Land

nach Brasilien zweitgrößter Zuckererzeuger

der Welt. Unter den Zuckerverbrauchern

hält Indien sogar Platz eins.

Landwirtschaft – klein strukturiert

mit großen Unterschieden zwischen

den Rohranbauregionen

Auf den insgesamt 163 Millionen

Hektar Ackerfläche Indiens wirtschaften

116 Millionen landwirtschaftliche Betriebe

mit durchschnittlich 1,4 Hektar

Ackerfläche. Die rund eine Million

Betriebe mit Rohranbau bewirtschaften

insgesamt über vier Millionen Hektar.

Sie sind im Durchschnitt größer, nach

europäischem Maßstab aber immer

noch klein strukturiert. Etwa 85 Prozent

der indischen Zuckerrohrfläche können

beregnet werden. Die Feldarbeiten

werden vorwiegend von Hand mit

geringer Arbeitsproduktivität verrichtet.

Überraschend ist, dass Rohr in Indien

nur für eine relativ kurze Nutzungsdauer

von zwei Jahren angebaut wird.

Die Unterschiede zwischen den Anbauregionen

sind groß: In Uttar Pradesh

Zuckerrohranbaugebiete in Indien

Region

Niederschl.

(mm/Jahr)

Breitengrad

ø Jahrestemperatur

beträgt die Kampagnedauer 117 Tage

und läuft von November bis April. In

Tamil Nadu erstreckt sich die Kampagne

sogar über 206 Tage im Zeitraum

Oktober bis Juli. Die Zuckererträge pro

Hektar variieren in den einzelnen Regionen

von 5,5 Tonnen Zucker je Hektar

im Norden bis 10,9 Tonnen im Süden.

Der Zuckerrohranbau in Indien hat

neben konkurrierenden Früchten wie

Reis, Weizen, Ölsaaten, Nüssen und

Kaffee eine hohe Wettbewerbsfähigkeit

– nicht zuletzt weil die Zuckerbranche

staatlich gefördert wird.

Zuckerindustrie – niedrige Kapazitäten

mit günstiger Auslastung

Zur Zuckerindustrie Indiens gehören

derzeit etwa 430 aktive Rohrmühlen.

Die Verarbeitungskapazität ist mit rund

2.500 Tonnen Rohr je Fabrik und Kampagnetag

sehr niedrig. Die Auslastung

ist dank der langen Kampagne günstiger

als zum Beispiel in der deutschen

Zuckerwirtschaft.

Die Herstellungskosten von Zucker in

Indien liegen bei rund 300 Euro je

Tonne Zucker und damit auf Rang fünf

der wichtigen Zuckerhersteller.

Trotz eines bestehenden staatlichen

Förderprogramms für die Beimischung

von Ethanol zum Benzin und bestehender

Destillerien wird von der Verwendung

von Ethanol im Kraftstoff bisher

nur eingeschränkt Gebrauch gemacht.

Bewässerung

Fläche

Rohr (ha)

Rohrertrag

Zuckerertrag/t

Rohr

Uttar Pradesh 700 - 1.200 25 - 28˚N 26˚C ergänzend 923.000 57 t/ha 97 kg

Maharashtra 700 18 - 21˚N 25˚C notwendig 635.000 80 t/ha 120 kg

Tamil Nadu 1.300 8 - 13˚N 28˚C notwendig 170.000 109 t/ha 100 kg

Quelle: Sweetener Analysis, April 2004

Thomas Graf,

Marktordnungsfragen,

Neue Felder

Die Energieerzeugung aus Bagasse

existiert nur in den Anfängen.

Eine Besonderheit im indischen

Süßungsmittelmarkt ist die Produktion

von Gur (Jaggery) und Khandsari.

Diese Süßungsmittel werden ebenfalls

aus Zuckerrohr von Konkurrenten der

Rohrmühlen auf traditionelle Weise in

offenen Pfannen hergestellt. Der Anteil

dieser Produktion ist jedoch rückläufig.

Herstellungskosten von Zucker

im internationalen Vergleich

Herstellungskosten in €/t Zucker

700

600

500

400

300

200

100

0

Ber. Kosten Verarbeitung Transport

Nebenprodukte, Sonstiges

Rohstoff

Brasilien

Australien

Thailand

Südafrika

Indien

Polen

Ukraine

USA (Rohr)

USA (Rübe)

Deutschland

Quelle: Zimmermann, B.; Zeddies, J.: „Zuckerrübe contra Zuckerrohr“,

in: Die Zuckerrübe, Ausg. 5/2003, vgl. LMC International, 2005

Staatlich reglementiert:

Zuckerabsatz und Rohrpreis

Die Zuckerproduktion Indiens wuchs

auf 21 Millionen Tonnen und übersteigt

derzeit den Inlandsverbrauch

(19 Millionen Tonnen). Der Pro-Kopf

Verbrauch liegt bei 18 Kilogramm pro

Jahr. Mittelfristig wird von Verbrauchssteigerungen

von etwa vier Prozent

pro Jahr ausgegangen. Die im Inland

nicht benötigte Menge – je nach Erntejahr

bis zu zwei Millionen Tonnen

Zucker – geht in den Export.


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Im Rahmen einer extrem dirigistischen

Agrarpolitik werden insbesondere die

Rohrpreise und die Absatzmengen

staatlich kontrolliert. Die Fabriken profitieren

von Finanzierungshilfen. Mit

Importzöllen ist der heimische Markt

vom internationalen Wettbewerb abgeschottet.

So liegt der Großhandelspreis

für Zucker im Inland bei 40 US-Dollar

je Tonne über dem Weltmarktpreis.

Schwache Position in

Welthandelsrunde

Diese Praxis schwächt die Position

Indiens in der laufenden Welthandelsrunde,

in der sich das Land grundsätzlich

für den Abbau von Handelsbarrieren

stark macht und vor allem den Zugang

zu den Märkten in Industrieländern

fordert. Im Jahr 2002 hat die indische

Zentralregierung die komplette Liberalisierung

des indischen Zuckermarkts

angekündigt. Da die Reform stark in

das soziale Gefüge des Landes eingreift,

wurde 2003 eine Verlängerung des

Marktsteuerungssystems für weitere

30 Monate beschlossen.

Ausbaupläne

Indiens Zuckerwirtschaft ist durch die

Reglementierung nur verhalten gewachsen.

Durch den immensen Inlandsbedarf

tritt das Land bisher nur unwesentlich

als Exporteur auf. Ob die großen Ausbaupläne

für die Zucker- und Ethanolwirtschaft

des Landes seine Rolle im

Markt verändern, wird sich in Zukunft

erweisen. Die Konsolidierung des

Mühlensektors und das Ausmaß der

tatsächlichen Liberalisierung werden

dabei wesentliche Faktoren sein. ■

Akzente Dezember 2005 I Aktuell I 13

Quellen: CEFS (2005): „An analysis of sugar policy reform

and trade liberalisation“; Der Fischer Weltalmanach 2005;

Gudoshnikov, S.; Jolly, L.; Spence, D.(ISO): The world

sugar market (2004); F. O. Licht: World Ethanol and

Biofuels Report, International Sugar and Sweetener Report;

Europäisches Zuckerjournal

Indien in Zahlen

Einwohnerzahl 1.048,6 Mio.

Bruttosozialprodukt

pro Kopf (2002) 470 US-$

Arbeitslosigkeit (2003) 10,9 %

Währung 1 Indische Rupie (INR)

= 100 Paise

Kurs (am 01.08.2005) 1 € = 53,1 INR

Inflation (Ø 1990-2001) 7,6 %

Gesamtexport 2003

davon Nahrungsmittel

Zuckererzeugung 2003

davon Inlandsverbrauch

davon Export

52,2 Mrd. US-$

< 3 %

21,7 Mio. t Rohwert

18,6 Mio. t

1,6 Mio. t

Zuckerverbrauch / Kopf 18,1 kg Rohwert

Gesamtfläche

(Position im Weltrang)

3.287.263 km²

(Rang 7)

Zuckerrohrfläche 4,3 Mio. ha

Zuckerrohrbetriebe ca. 1 Mio.

Nutzungsdauer

Zuckerrohrpflanzung 2 Jahre

Anzahl aktive Zuckerrohrmühlen

(2001)

davon mit Annex

Destillerie

436

108

Zuckerrohrernte Oktober bis Juli

Erntemethode meist Handernte ohne

Abbrennen

Marktordnung • Einfuhrzölle für

Zucker

• staatliche Festset-

zung der Rohrpreise

• Stützung des

Zuckerpreises

• Programm zur

Liberalisierung des

Marktes wurde

wieder ausgesetzt

Subventionen • für Produktions-

mittel

• für F+E Maßnahmen

• Umschuldungspro-

gramme für Fabriken

• Exportförderung

Quellen: Fischer Weltalmanach 2005, Zuckerrübe 3/2002, vlg. Bartens

Zuckerwirtschaft 2004, ISO 2003


14 I

Rübe I Akzente Dezember 2005

Kampagne 2005

bisher zufriedenstellend

Rübenernte unter besten Bedingungen

Die Aussaat und die Entwicklung der

Zuckerrüben in Norddeutschland ist

im Frühjahr/Sommer 2005 unter recht

günstigen Bedingungen verlaufen. Auch

die Rübenbestände der 4700 Hektar

Umbruchfläche, die aufgrund der Nachtfröste

im April nochmals gedrillt werden

mussten, haben sich gut entwickelt.

Die Ertragsfeststellungen im August

und Anfang September ließen einen

guten Rübenertrag in Höhe von rund

58 Tonnen je Hektar im Durchschnitt

der Nordzucker AG, ähnlich der Kampagne

2004, erwarten.

Die Kampagnetermine 2005 wurden

unter Berücksichtigung der Verarbeitungskosten

der Zuckerrüben in den

Werken, den Zuckerlogistik-, den Rübenfrachtkosten

und dem Früh- und Spätlieferausgleich

optimiert. Die Rübenanlieferung

in den Werken Clauen, Uelzen

und Klein Wanzleben begann bereits

am 13./14. September. In den drei

Werken ist eine 100-Tage-Kampagne

geplant. Die Werke Güstrow, Schladen,

Abzüge

GA

Claus Pommerehne (li.),

Rübenmanagement

National;

Dr. Gerd Jung,

Rübenmanagement

International

Wierthe und Munzel starteten erst am

26. September mit der Rübenanlieferung

und werden eine Kampagnelänge von

rund 85 Tagen haben. Nordstemmen liegt

mit 93 Tagen Kampagnelänge im Mittelfeld.

Die Rübenanlieferung soll in allen

Werken bis Weihnachten beendet sein.

Die Rübenverarbeitung verlief in den

meisten Werken sehr zufriedenstellend.

Bereits am 23./24. September verarbeiten

die vier Werke etwa 55.000 Tonnen

Aufgrund der bisher günstigen Witterung in dieser Kampagne erfolgt die Rübenernte und der Rübentransport

annähernd reibungslos und ohne größere Störungen

Kampagneerwartung 2005 – Nordzucker National

Kampagneergebnisse bis 18.11.05

(%)

K/B

Zucker

(%)

K Na AmN SMV

(mmol/ 1000g Rüben) (%)

Clauen 8,65 3,50 17,524 33,5 5,1 13,3 1,26

Güstrow 8,29 3,55 17,847 38,1 4,4 12,4 1,29

Groß Munzel 8,09 3,73 17,841 34,6 3,7 13,8 1,27

Nordstemmen 8,55 3,40 17,506 34,4 4,5 12,0 1,23

Schladen 8,93 3,51 18,113 33,9 5,7 13,4 1,28

Uelzen 7,84 3,84 17,706 36,3 3,3 14,0 1,29

Wierthe 8,20 3,60 17,548 34,2 4,4 12,7 1,25

Klein Wanzleben 9,22 3,86 17,645 33,5 7,0 16,3 1,36

Nordzucker National 8,47 3,67 17,693 34,8 4,8 13,8 1,29

Rüben am Tag. Nachdem die anderen

Werke die Verarbeitung aufgenommen

haben, hat Nordzucker am 3./4. Oktober

94.000 Tonnen Rüben am Tag verarbeitet.

Der Kampagnedurchschnitt ist

mit 90.200 Tonnen je Tag geplant.

Durch die günstige Witterung verliefen

die Rübenernte und der Rübentransport

annähernd reibungslos. Die Rüben

haben eine gute innere (niedriger

Standardmelasseverlust) und äußere

Qualität und lassen sich daher gut

verarbeiten.

Die Einschätzung des Rübenertrages

für die Kampagne 2005 liegt (Stand

18.November 2005) bei 58,1 Tonnen/

Hektar und einem Zuckergehalt von

17,71 Prozent. Nordzucker National

erzeugt aus etwa 8,4 Millionen Tonnen

Rüben 1,3 Millionen Tonnen Weißzucker,

wobei, erhöht durch die Deklassierung

von 14,31 Prozent, etwa 300.000

Tonnen C-Zucker erzeugt werden.

CLA GÜS MUN NST SLA UEL WIE WZL gesamt

Verarbeitungsmenge 999.000 760.000 653.300 1.177.000 799.000 1.906.000 861.000 1.276.000 8.435.000

Lieferbeginn 14. Sept. 26. Sept. 26. Sept. 19. Sept. 26. Sept. 14. Sept. 26. Sept. 13. Sept. 13. Sept.

1. Verarbeitungstag 15. Sept. 27. Sept. 27. Sept. 20. Sept. 27. Sept. 15. Sept. 27. Sept. 14. Sept. 14. Sept.

Tgl. Verarbeitung 9.900 8.800 7.700 12.500 9.700 19.200 10.200 12.800 90.800

Verarbeitungstage 100 86 87 93 82 101 83 99 93

Lieferende 23. Dez. 21. Dez. 22. Dez. 21. Dez. 16. Dez. 24. Dez. 18. Dez. 20. Dez. 23. Dez.


Polen, Slowakei und Ungarn

Die Ausgangsvoraussetzungen für eine

gute Rübenernte waren in den Ländern

Polen, Slowakei und Ungarn unterschiedlich.

In Polen herrschte während

der ganzen Vegetationsperiode überwiegend

Trockenheit. In der Slowakei

und Ungarn war die Niederschlagsverteilung

ausgesprochen positiv für

eine gute Rübenernte.

Die Erntebedingungen sind bisher als

optimal zu bezeichnen. Wir rechnen

mit Zuckererträgen zwischen 8,4 und

9,2 Tonnen pro Hektar, womit wir

unserem mittelfristigen Ziel von 10

Tonnen pro Hektar einen Schritt näher

kommen werden.

Aufgrund der Verarbeitungskapazität

unserer zwei Werke in Polen mit 11.200

Tonnen pro Tag, in der Slowakei in der

„neuen“ Zuckerfabrik Tepla mit 5.300

Tonnen pro Tag und unseren zwei

Werken in Ungarn mit 12.100 Tonnen

pro Tag haben wir Kampagnelängen

zwischen 94 und 120 Tagen geplant.

Die Kampagne begann zwischen dem

9. und 16. September 2005. Geplantes

Kampagneende ist in Polen vor

Weihnachten. In Ungarn und in der

Slowakei erst Anfang Januar 2006.

Während der Kampagnebeginn in den

polnischen und ungarischen Werken

geradezu vorbildlich erfolgte, gab es in

der Slowakei am Anfang Probleme.

Durch die Schließung des Werkes Trnava

nach der Kampagne 2004 musste die

Leistung im Werk Trencianska Teplá

von 2.200 auf 5.500 Tonnen pro Tag

ausgebaut werden. Der komplette

Vorderbetrieb des Werkes wurde entkernt

und zwischen den Kampagnen

neu aufgebaut. Da die Zuckererzeugung

gleich bleiben soll, muss knapp

die Hälfte der Zuckererzeugung als

Dicksaft zwischengelagert werden, um

dann im Frühjahr eine Dicksaftkampagne

fortzusetzen. Damit wurde ein

für Nordzucker vollkommen neues

Konzept in sehr kurzer Zeit realisiert.

Mittlerweile läuft die Fabrik stabil auf

hohem Niveau, so dass die anfangs

erlittenen Minderverarbeitungsmengen

weitestgehend kompensiert werden

können. Trotzdem wird die anfängliche

Verzögerung und insbesondere der

erhebliche Rübenertragszuwachs von

rund 40.000 Tonnen das Kampagneende

bis in den Januar hinein verschieben.

Die Gesamtrübenverarbeitungsmenge

in Polen, Ungarn und der Slowakei

beträgt rund 2,9 Millionen Tonnen

Rüben, die zu insgesamt etwa 420.000

Tonnen Zucker verarbeitet werden.

In allen Ländern werden 100 Prozent

der Rüben per Spedition angeliefert

und damit entsprechend zu 100 Prozent

vorgereinigt. Die Rübenanfuhr erfolgt

überwiegend mit rückwärtskippenden

Muldenkippern, um den Anforderungen

eines trockenen Rübenhofes gerecht

zu werden. In diesem Zusammenhang

Akzente Dezember 2005 I Rübe I 15

In den drei Ländern Polen, Slowakei und Ungarn

werden 100 Prozent der Rüben am Feldrand mit

Verladebändern oder mit einer Maus vorgereinigt.

Das linke Bild zeigt die neue GeBo Maus, von der

Gerätebau Bottmersdorf (oben).

Die Rübentransporte erfolgen überwiegend mit

modernen rückwärts kippenden Muldenkippern

(unten).

ist der umgestaltete Rübenhof in

Szolnok, Ungarn, zu erwähnen, der

mit geringen Investitionen umgerüstet

wurde. Auf Grund seiner geringen

Kapazität gelangt die Rübe ohne große

Lagerverweildauer nahezu direkt vom

Feldrand zur Verarbeitung. ■

Kampagneerwartung 2005 – Polen, Slowakei und Ungarn (Stand: 10.11.05)

Rübenerzeugung

PL SK HU Nordzucker Int.

Anzahl Anbauer 5.537 127 261 5.925

Anbaufläche

pro Betrieb ha 4,1 93,4 79,0 9,3

Anbaufläche ha 22.596 11.864 20.627 55.087

Ertrag t/ha 46,7 53,5 58,8 52,7

Rübenmenge t 1.055000 635.000 1.212.000 2.902.000

Polarisation % 18 16,5 15,7 16,7

Zuckerertrag t/ha 8,4 8,8 9,2 8,8

Rübenverarbeitung

und Zuckererzeugung

PL SK HU Nordzucker Int.

Verarbeitung t 1.055.000 635.000 1.212.000 2.902.000

Tato t/d 11.500 5.250 11.800 28.550

Kampagne d 92 122 102 102

Kampagne-Beginn 16. Sep. 9. Sep. 13. Sep. 9. Sep.

Kampagne-Ende 18. Dez. 7. Jan. 1. Jan. 7. Jan.


16 I Rübe I Akzente Dezember 2005

„Schneller besser werden!“

Ein Betrieb aus dem nördlichen Vorharzgebiet stellt sich vor

Der Betrieb mit 95 Hektar landwirtschaftlicher

Nutzfläche liegt am nördlichen

Rand des Harzes. Betriebsleiter

Friedrich-Wilhelm Gehlhar hat von

seinem Vater den Betrieb 1986 mit

Schulte: Die Böden im Vorharzgebiet

können stark schwanken. Wie haben

Sie die Fruchtfolge abgestimmt?

Gehlhar: Auf den besseren Böden wird

die Zuckerrübe dreijährig angebaut.

Sie hat einen Fruchtanteil von gut zwölf

Prozent in meinem Betrieb. Winterweizen,

oder auch mal Wintergerste,

stehen zwischen den Rüben. Auf den

nicht so guten Standorten steht der

Raps in der Fruchtfolge mit Winterweizen

oder Wintergerste. Diese Fruchtfolge

erfolgt auch schon mal vierjährig.

Den Raps in eine Rübenfruchtfolge zu

integrieren ist nicht das Problem. Er

wird zukünftig ohnehin einen größeren

Anteil einnehmen.

Schulte: Der Betrieb hat in der

Vergangenheit einige Veränderungen

mitgemacht. Welche hatte entscheidenden

Einfluss auf die Entwicklung?

Gehlhar: Ab 1984 habe ich mit einem

120 Hektar Betrieb zusammengearbeitet.

Ich habe meine Arbeitskraft eingebracht,

der andere Betrieb das Maschinenkapital.

Im eigenen Betrieb ist der Maschinenbesatz

folglich auf ein Minimum

abgebaut worden. Bis 1990 haben wir

so 150 ha bewirtschaftet. Nach Flächenzupacht

habe ich seit 1991 zu meinem

landwirtschaftlichen einen Gewerbebetrieb

gegründet, der sämtliche für

unsere Region typischen Ackerarbeiten

anbietet. Nur das Roden der Rüben ist

bis heute nicht im Programm. Bei

Bedarf kaufe ich aus dem Gewerbebetrieb

notwendige Arbeiten für meinen

31 Hektar Eigenfläche übernommen.

Heute bewirtschaftet er 95 Hektar

und der Anteil der Pachtfläche liegt

bei 36 Prozent. Der Hof außerhalb

des Ortes Vienenburg, verfügt über

landwirtschaftlichen Betrieb als

Dienstleistung zu.

Zusätzlich wird aus diesem Bereich

Lohnarbeit das Laden und Reinigen,

der Transport und die Mietenpflege

von Zuckerrüben bedient. Mit der

Tätigkeit Laden und Reinigen habe ich

1991 begonnen, seit 1998 betreibe ich

eine Rübenmaus für diese Arbeiten, die

in der letzten Kampagne rund 100.000

Tonnen Rüben verladen hat. 2004

habe ich als Dienstleister mit der

mechanisierten Mietenpflege begonnen.

Ich sehe in diesen beiden Bereichen

die Notwendigkeit eines dynamischen

Wachstums, um alle Forderungen

bedienen zu können. Durch steigende

Energiekosten fordere ich auf der

einen Seite eine höhere Vergütung für

meine Dienstleistung. Auf der anderen

Seite deuten aber alle Zeichen auf

einen geringeren Vergütungssatz hin.

Wenn ich weiterhin einen Überschuss

erwirtschaften will, muss ich die

Kosten reduzieren. Das Motto heißt:

„Schneller besser werden.“ Die Verschmelzung

mit anderen Lade- und

Reinigungsgruppen ist durch abnehmende

Rübenmengen im Gespräch und

notwendig. In diesem Geschäft schätze

ich die Zusammenarbeit mit Nordzucker

als einem verlässlichen Partner.

Schulte: Sie führen einen landwirtschaftlichen

Betrieb und einen

Lohnbetrieb. Wie ist die Ausstattung

mit Arbeitskräften?

Gehlhar: Für den landwirtschaftlichen

Matthias Schulte,

Rübenmanagement

Werk Schladen

eine gute Infrastruktur. 35 Hektar des

Betriebes sind in arrondierter Lage.

Die Autobahn liegt nur zwei Kilometer

entfernt, die Pachtflächen liegen in einer

Entfernung von 13 und 40 Kilometer.

Betriebsleiter Friedrich-Wilhelm Gehlhar mit seiner

Tochter Sabine

Als Betriebsleiter ist der praktische Einsatz auf dem

Schlepper noch Tagesgeschäft

Öffentlichkeitsarbeit hat einen hohen Stellenwert:

Vorstellung der Verlademaus vor Personen aus

Behörden und Ämtern


Betrieb stehe ich mit meiner Arbeitskraft

als Betriebsleiter, wobei mich meine

Frau im Büro tatkräftig unterstützt. Für

die Dienstleistungen habe ich zwei

ständige Mitarbeiter und zusätzliche

Saisonkräfte. Die Mitarbeiter kommen

vorwiegend aus der Landwirtschaft und

sind vielseitig qualifiziert. Nicht nur

das, sie sind auch interessiert an der

Entwicklung in der Landwirtschaft und

an der meines Betriebes.

Schulte: Ihr Einkommen stammt

nicht nur aus Ihrem landwirtschaftlichen

Betrieb. Welche weiteren

Einkommen haben Sie?

Gehlhar: Im letzten Jahr bin ich in die

Stromerzeugung aus Sonnenlicht eingestiegen.

Ich möchte mehr und mehr

zu einem Energiewirt werden, denn

ich glaube, dass darin für mich eine

betriebliche Chance liegt. Natürlich

zählt die Dividende von Nordzucker

auch zu meinem Einkommen. Leider

hat sie innerhalb meines Betriebes nur

einen eher geringen ökonomischen

Stellenwert. Aber die Kapitalverzinsung

ist zurzeit recht gut.

Schulte: Die Maschinenkosten sind

ein wichtiger Teil der Arbeitserledigungskosten.

Wie halten Sie diese

Kosten niedrig?

Gehlhar: Im landwirtschaftlichen

Betrieb habe ich nur noch einen 95-

PS-Schlepper. Drei weitere Schlepper

stehen als Dienstleistung zur Verfügung

und werden nach Bedarf „zugekauft“.

Ziel ist es, eine Schlepperauslastung

von 1000 Stunden pro Jahr zu erreichen.

Das ist sehr viel und nicht leicht

in der Umsetzung. Der Mähdrusch

und der Pflanzenschutz werden zu 100

Prozent als Dienstleistung zugekauft.

Bei der Bodenbearbeitung werden Teilarbeiten

aus dem landwirtschaftlichen

Betrieb erledigt. Der Transport von

Getreide und Zuckerrüben wird nach

Bedarf als Dienstleistung für den Betrieb

durchgeführt. Bei allen Tätigkeiten und

Maßnahmen muss die Rentabilität

gewährleistet sein.

Schulte: Wie können die Betriebsmittelkosten

zu einer Rentabilität

beitragen?

Gehlhar: Ich kaufe Betriebsmittel

alleine ein. Ich nutze viele Informationsquellen,

nicht zuletzt auch das Internet.

Jedoch ist der niedrigste Preis am Ende

nicht immer der beste. Mir sind zuverlässige

Partnerschaften wichtig. Bei den

Treibstoffen für meine Maschinen habe

ich im letzten Jahr auf Pflanzenöl umgestellt,

um Kosten zu sparen. Jedoch

erreiche ich die höchsten Einspareffekte

im Ackerbau über eine Vergrößerung

der Flächeneinheiten. Darüber können

die Arbeitserledigungskosten am besten

gesenkt werden.

Schulte: Zwei Betriebe zu führen

bedarf sicher einer guten Organisation.

Wie schätzen Sie den Zeitbedarf

dafür ein und welche Instrumente

nutzen Sie zur Unterstützung?

Gehlhar: Die Anforderungen an die

Organisation und das Management

haben in der Vergangenheit deutlich

zugenommen. Die Zeit am Schreibtisch

ist länger geworden und ich müsste

noch mehr Zeit daran verbringen. In

Akzente Dezember 2005 I Rübe I 17

Zukunft wird sich das kaum vermeiden

lassen. Über den Beratungsring stehe

ich in ständigem Austausch mit dem

Berater und anderen Betrieben. Die

Kennzahlen des Betriebes werden fortlaufend

kontrolliert und verglichen.

Informationen beziehe ich aber auch

aus Fachzeitschriften und dem Internet.

Diese Informationen und der

Austausch mit Berufskollegen sind

wichtig für die Bewältigung der zukünftigen

Aufgaben. Die Arbeit auf den

Betrieben muss organisiert werden.

Dabei stellt die umweltgerechte Produktion

innerhalb der Landwirtschaft, die

konform mit den Cross Compliance-

Auflagen gehen muss, eine wachsende

Herausforderung dar. Die Erfolgsparameter

müssen unter diesen Auflagen

ständig beobachtet werden. Eine

Zertifizierung des Betriebes in naher

Zukunft ist kaum zu vermeiden.

Schulte: Auch Nordzucker muss sich

entwickeln. Welche Erwartungen

haben Sie für Ihren Betrieb?

Gehlhar: Weiterhin ein gutes Rübengeld

und eine Dividende zu bekommen.

Das ist das Hauptziel für meinen

Betrieb. Eine Standortsicherheit für

diese Region, damit die Dienstleistungen

leichter in landwirtschaftlicher Hand

bleiben können. Wenn sie dann noch

wirtschaftlich vertretbar und fair entlohnt

werden, kann ich durch die Rübe

einen positiven Beitrag für meinen

Betrieb erwirtschaften.

Schulte: Vielen Dank für Ihre

Ausführungen und noch einen guten

Verlauf der Kampagne.


18 I Rübe I Akzente Dezember 2005

Ertragspotenziale im Anbaugebiet

der Nordzucker AG

Erträge steigern, Kosten senken

Um auch zukünftig im Rübenanbau

erfolgreich zu sein, müssen im wesentlichen

zwei Punkte realisiert werden:

Erträge steigern, Kosten senken.

Bei den Möglichkeiten zur Kostensenkung

ist vor allem der Bereich Arbeitserledigung

zu beachten. In erster Linie

führen strukturelle Maßnahmen zu

Verbesserungen. Es lassen sich allerdings

zwischen den Betrieben sehr

hohe Schwankungen feststellen. Das

gilt auch für die Erträge, die sich in

einer sehr großen Spanne bewegen,

wie nordzuckerweite Auswertungen

durch das Rübenmanagement national

belegen.

Ertragsgruppen

60

50

40

30

20

10

0

Verteilung Landwirte/Ertragsgruppen in %*

Rübenmenge in den Ertragsgruppen in %

38

28

< 9 t/ha

* Exakte Definition ist Anzahl Anbaustandorte (Astos),

da ein Landwirt in einer Statistik mehrfach genannt sein kann.

55

Die nebenstehende Abbildung zeigt,

dass die Ertragsunterschiede im Zuckerertrag

innerhalb eines Naturraumes

größer sind als zwischen den Naturräumen.

Unter Naturräumen sind Gebiete

zu verstehen, die in Bezug auf Klima

und Boden weitestgehend homogen

sind. Die Auswertung zeigt, dass die

besten 25 Prozent der Landwirte einen

Zuckerertrag von nahezu 13 Tonnen

pro Hektar erreichen, und somit der

Weg zur Rübe mit 15 Tonnen pro

64

9-12 t/ha

7

8

>12 t/ha

Hektar Zuckerertrag – zumindest in

dieser Region – gar nicht mehr so weit

ist. Der Unterschied zwischen den

Naturräumen ist deutlich geringer und

beträgt nur rund 1,25 Tonnen pro

Hektar. Fazit: Nicht nur der Standort

ist entscheidend, sondern vor allem

das Know-how des Landwirts. Die Analyse

über alle Nordzucker-Rübenanbauer

zeigt die Anzahl der Landwirte

und die Rübenmenge, die sich in einzelnen

Ertragsgruppen wieder finden:

• Betriebe mit Zuckerertrag über zwölf

Tonnen pro Hektar (potentielle

Zukunftsbetriebe)

• Betriebe mit Zuckerertrag von neun

bis zwölf Tonnen pro Hektar

(Zukunft dieser Rübenbaubetriebe

hängt von Ertragssteigerung und

Kostenstruktur ab)

• Betriebe mit Zuckerertrag unter

neun Tonnen pro Hektar (bei ungünstigen

Kostenstrukturen haben

diese Betriebe zukünftig vermutlich

große Probleme)

Nur sieben Prozent der Landwirte

haben im Mittel der Jahre von 2002

bis 2004 über zwölf Tonnen pro

Hektar Zuckerertrag geerntet, dagegen

liegen 38 Prozent aller Betriebe unter

neun Tonnen pro Hektar.

Sieben Prozent der Landwirte, die mehr

als zwölf Tonnen pro Hektar ernten,

Dr. Andreas Windt,

Rübenmanagement

Werk Wierthe

produzieren acht Prozent der

Rübenmenge. Somit ist der prozentuale

Anteil fast deckungsgleich. Dagegen

gibt es große Unterschiede im Bereich

unter neun Tonnen pro Hektar:

Während 38 Prozent der Landwirte in

diesem Bereich liegen, verbergen sich

dahinter nur 28 Prozent der Rüben.

Dies bedeutet, dass in diesem Segment

offensichtlich eine beträchtliche

Anzahl von Betrieben mit einer geringen

Anbaufläche liegt. Insbesondere

dort, wo die Rübe heute schon eine

geringe Bedeutung im Betrieb hat und

gleichzeitig niedrige Zuckererträge

erzielt werden, muss über den zukünftigen

Rübenanbau kritisch nachgedacht

werden!

Fazit: Auf allen Betrieben müssen

Anstrengungen unternommen werden,

die Zuckererträge weiter zu steigern.

Dieses gilt auch für die Betriebe, die

heute schon mehr als zwölf Tonnen

Zucker pro Hektar ernten. Die große

Zahl der Betriebe, die zwischen neun

und zwölf Tonnen Zucker pro Hektar

ernten, müssen zukünftig die Erträge

steigern und zum anderen die Kosten

senken. Sollte der Rübenanbau unter

zukünftigen Rahmenbedingungen

nicht wirtschaftlich sein, so muss auch

über einen Ausstieg aus der Rübenproduktion

nachgedacht werden. ■

Vergleich der Zuckererträge in Naturräumen (in t/ha) 2004

Durchschnitt Beste 25 % Schlechteste 25 %

Differenz: Zwischen den Naturräumen: 1,25 t/ha In den Naturräumen: 4,28 t/ha

14

12

10

8

6

4

2

0

Rethen Ambergau

Leine-

Weser

Nordstemmen

Gronau-

Alfeld Einbeck

Bad Gandersheim

Göttingen

Gieboldehausen

Kassel

12,93

8,65

Durchschnitt

10,85


Male Karpaty – nicht nur der Veltliner

gedeiht in den kleinen Karpaten

Starke Regionen bei Nordzucker

und was sie auszeichnet

In Akzente 1/2005 haben wir mit einer

Portraitreihe starker Anbauregionen im

Einzugsgebiet der Nordzucker begonnen.

In dieser Ausgabe stellen wir die

Region Male Karpaty (kleine Karpaten)

in der Slowakei vor.

Rund 70 Kilometer südöstlich vom

slowakischen Werk Trencianska Tepla

liegt die Anbauregion Male Karpaty

(kleine Karpaten). In diesem Gebiet

werden im weitläufigen Tal der „Vah“

rund 2.000 Hektar Rüben von 22 Betrieben

angebaut. Die durchschnittliche

Rübenanbaufläche beträgt 92 Hektar.

Die Betriebe bewirtschaften eine

durchschnittliche Gesamtbetriebsfläche

von etwa 1.300 Hektar und sind als

Agrargenossenschaften organisiert. Es

handelt sich um Gemischtbetriebe, die

neben dem Acker- und Feldfutterbau

auch Tierproduktion betreiben.

Besonders sympathisch macht die

Region der in den Talrandlagen verbreitete

Weinanbau. Wohlschmeckende

Weißweine wie der Veltliner, der

Silvaner oder der Riesling machen

der Region alle Ehre.

Ein Ackerbaugebiet mit Potenzial

Die natürlichen Voraussetzungen für

den Ackerbau mit fruchtbaren Braunerden

aus Löss und einem mittleren

Jahresniederschlag von rund 620 Milli-

Nordzucker-Anbaugebiete Slowakei

Trnava

Trencianska Tepla

metern sind hervorragend. Allerdings

sind aufgrund der schlechten produktionstechnischen

Voraussetzungen,

bedingt durch die geschichtliche Entwicklung,

noch im Jahr 2000 nur 34

Tonnen Rüben pro Hektar mit einem

Zuckergehalt von 15,6 Prozent geerntet

worden. Durch enorme Umstellungen

in der Produktionstechnik in Verbindung

mit großen Investitionen im

Bereich der Sä-, Bodenbearbeitungs-

und Erntetechnik konnten im Jahr

2004 bereits 47 Tonnen pro Hektar

mit 17,6 Prozent Zuckergehalt erzielt

werden. In 2005 liegt die Ertragserwartung

bei 54 Tonnen pro Hektar

und 16,5 Prozent Zuckergehalt.

Volle Nutzung der Vegetationszeit

bei ausgefeilter Produktionstechnik

In der Region Male Karpaty beginnt

die Aussaat möglichst früh, etwa ab

20. März jeden Jahres. Von der gesamten

Saatfläche werden mit steigender

Tendenz etwa 35 Prozent in Mulchsaat

und 65 Prozent konventionell nach

Pflugfurche bestellt. Dabei zeigen die

Erfahrungen mit der Mulchsaat eine

Wasserersparnis, die im typischerweise

trockenen Monat Juli den Rüben zu

Gute kommt. Die Ertragsschwankungen

zwischen den Jahren haben sich

auf diesen Flächen deutlich reduziert.

Die mineralische Düngung wird an die

vorhandenen Nährstoffgehalte der

Böden angepasst, jede Fläche wird

nach der EUF-Methode analysiert. Im

Mittel beträgt die Stickstoffdüngung

75 Kilogramm Stickstoff (N) pro Hektar.

Auch die Unkrautbekämpfung wurde

konsequent an die auflaufende Unkrautflora

angepasst. Prophylaktische

Maßnahmen im Vorauflauf gehören

nahezu der Geschichte an.

Akzente Dezember 2005 I Rübe I 19

Dr. Ulf Wegener,

Rübenmanagement

International

Nach flacher Saatbettbereitung erfolgt die Zuckerrübenaussaat

mit moderner Drilltechnik

Um das Zuckergehaltsniveau zu steigern,

werden ausschließlich rizomaniatolerante

zuckergehaltsbetonte Sortentypen (Z-

und NZ-Sorten) angebaut. Das Saatgut

ist zu 100 Prozent mit Montur gebeizt.

Entwicklung von Rübenertrag und Zuckergehalt

in der Region Male Karpaty

Rübenertrag (t/ha) Zuckergehalt (%)

*Schätzung

t/ha

50

40

30

20

0

50

45

15,6 15 15,5

34

16,8

40

2000 2001 2002 2003 2004

%

54*

20

47 17,6

16,5*

15

2005

In der Infektionszeit ab Ende Juni wird

die Entwicklung der relevanten Blattkrankheiten

intensiv beobachtet, um

termingerecht Bekämpfungsmaßnahmen

vorzunehmen. In diesem Zusammenhang

hat sich die Warnung der

Betriebe über zentral verschickte SMS

bewährt.

Entscheidend auf dem Weg der Ertragssteigerung

war aber auch die Reduzierung

der Ernteverluste. Dazu wurde

die sechsreihige Rodung im Umfang

deutlich ausgebaut. Mittlerweile wird

nahezu die gesamte Fläche mit modernen

sechsreihigen Rodesystemen

geerntet. u

10

5

0


20 I Rübe I Akzente Dezember 2005

Die erreichte durchschnittliche Bestandes dichte

von 91.000 Pfl anzen pro Hektar ist die

Grund lage für hohe Erträge bei guter Qualität

Alle Rüben werden vorgereinigt und

mit LKW zur Fabrik transportiert. Im

Vergleich mit den noch im letzten Jahr

anteilig praktizierten Bahntransporten

entfallen somit die doppelte Verladung

und die damit erhöhten Verlustquellen.

Fazit

In den letzten Jahren haben die Betriebe

im Gebiet Male Karpaty enorme

Energie in die Entwicklung einer mit

westeuropäischem Niveau ver gleich -

Winterveranstaltungen 2006 (Stand November 2005)

baren Rentabilität beim Rüben anbau

gesteckt. Flexibilität und die Fähigkeit

zur Integration von innovativen Verfahren

in die praktizierten Betriebsabläufe

zeichnen die Betriebsleiter aus.

Auf der Basis der dokumentierten

Leistungs- und Kostenanalysen in

Verbindung mit den natürlichen und

strukturellen Voraussetzungen sehen

sich die Betriebe für die Herausforderungen

der Zukunft gut aufgestellt.


Tag Datum Uhrzeit Veranstaltungsort Verband

Mi. 25.01. 9:00

9:00

14:00

Meine, Gemeindezentrum, Neue Straße

Sternberg, Seehotel, Johannes-Dörwald-Allee 4

Upahl, Gaststätte Dubbe, Hauptstr. 32

ZAV Nds.-Ost

ZAV Güstrow

ZAV Güstrow

Do. 26.01. 14:00 Wunstorf, Hotel Wehrmann, Kolenfelder Str. 86 ZAV Nds.-Mitte

Fr. 27.01. 9:00

14:00

9:00

14:00

Mo. 30.01. 9:00

14:00

9:00

14:00

Di. 31.01. 9:00

14:00

9:00

14:00

Mi. 01.02. 9:00

14:00

9:30

14:00

Do. 02.02. 9:00

14:00

9:00

14:00

Fr. 03.02. 9:00

14:00

9:00

14:00

Mo. 06.02. 9:00

14:00

9:30

Di. 07.02. 9:00

14:00

9:00

Mi. 08.02. 9:00

14:00

Clauen, Zuckerfabrik (südlicher Bereich)

Clauen, Zuckerfabrik (nördlicher Bereich)

Stendal, Rathaus, Markt 1

Winterfeld, Rasthaus Wieseneck, Dorfstr. 7

Salzgitter-Bad, Ratskeller, Marktplatz 10

Schladen, Zuckerfabrik (westlicher Bereich)

Satrup, Satrup-Krog, Glücksburger Str. 1

Jevenstedt, Möhl´s Gasthof, Dorfstr. 12

Bönnien, Gasthaus Maas, Störyer Str. 8

Nordstemmen, Zuckerfabrik (nördlicher Bereich)

Breitenfelde, Siemers Gasthof, Dorfstr. 21

Bosau, Gasthaus Frohsinn, Bischof-Vicelin-Damm

Bornum, Lindenhof, Im Winkel 23

Wierthe, Zuckerfabrik

Lockstedt, Zur Erholung, Dorfstr. 24

Meldorf, Zur Erheiterung, Rosenstr. 6

Nienburg-Holtorf, Krügerhof, Landstr. 26

Walsrode, Forellenhof, Hünzingen

Halberstadt, Bildungs-/Gesundheitszentr., Kirschallee 6

Hundisburg, Landesforst „Haus des Waldes“, Schloss

Stederdorf, Hotel Schönau, Peiner Str. 17

Schladen, Zuckerfabrik (östlicher Bereich)

Bergen, Stadthaus, Lange Str. 1

Gr. Oesingen, Gasthaus Zur Linde, Hauptstr. 15

Northeim, Stadthalle, Grafenhof 7

Gieboldehausen, Niedersachsenhof, Am Schützenpl. 1

Ahlerstedt, Schützenhof Bockelmann, Stader Str. 2

Rheden, Ebelings Gaststätte, Am Thie 3

Nordstemmen, Zuckerfabrik (südlicher Bereich)

Uelzen, Stadthalle, An der Zuckerfabrik 1

Lüchow, Ratskeller, Lange Str. 56

Deutsch Evern, Haus Niedersachsen, Bahnhof 1

ZAV Nds.-Mitte

ZAV Nds.-Mitte

ZAV Magdeburg

ZAV Güstrow

ZAV Nds.-Mitte

ZAV Nds.-Mitte

ZAV Schl.-Holstein

ZAV Schl.-Holstein

ZAV Nds.-Mitte

ZAV Nds.-Mitte

ZAV Schl.-Holstein

ZAV Schl.-Holstein

ZAV Nds.-Ost

ZAV Nds.-Mitte

ZAV Schl.-Holstein

ZAV Schl.-Holstein

ZAV Nds.-Mitte

ZAV Nds.-Mitte, RAN

ZAV Magdeburg

ZAV Magdeburg

ZAV Nds.-Mitte

ZAV Nds.-Ost

RAN

RAN

ZAV Südnds.

ZAV Südnds.

RAN

ZAV Südnds.

ZAV Südnds.

RAN

RAN

RAN


Dicksaft schont das Budget

Im slowakischen Werk Tepla läuft die erste

Nordzucker-Dicksaftkampagne

Wie die Rübenmenge von bisher zwei

Zuckerfabriken Budget schonend an

einem Standort verarbeitet werden

kann, lässt sich derzeit im Werk Tepla

der Nordzucker-Tochter Povazský

Cukor a.s. in Trencianska Teplá studieren.

Mit Beginn der diesjährigen

Rübenkampagne am 9. September

2005 starteten die Ingenieure die erste

Dicksaftkampagne in dem slowakischen

Werk. Premiere auch für Nordzucker.

Die parallele Produktion von Zucker

und Dicksaft wird bisher dank ausreichender

Lager- und Produktionskapazitäten

in keinem der übrigen

zwölf Nordzuckerwerke praktiziert.

Bereits bei der Übernahme der vier

Zuckerfabrikation in Trencianska Teplá

und Trnava durch Nordzucker im Jahr

1998 stand fest, die Rübenverarbeitung

perspektivisch an einem Standort zu

konzentrieren. Obwohl Teplá mit einer

Verarbeitungskapazität von 2.200

Tonnen Rüben pro Kampagnetag die

kleinere Fabrik war, bekam sie aufgrund

der deutlich günstigeren Lage

den Zuschlag für den Ausbau. Das vorhandene

Zuckerhaus hatte bereits eine

größere Kapazität und wurde in mehreren

Stufen modernisiert. Die Zuckerhausleistung

von 4000 Tonnen pro Tag

reichte aber nicht, um die gesamte

Rübenmenge des rund 80 Kilometer

südwestlich gelegenen Werks Trnava

zu verarbeiten.

Der Tank ist günstiger als das Silo

„Die Lücke zwischen Zuckerhauskapazität

und Vorderbetrieb, der für 5.700

Tonnen Rüben pro Tag ausgebaut

wurde, füllt seit dieser Kampagne der

Dicksafttank“, erläutert Werner Küster.

„Der Tank zur Einlagerung von Dicksaft

als Zwischenprodukt ist um die

Hälfte günstiger als der Bau entsprechender

Silokapazitäten für Zucker“,

rechnet Küster vor. „Außerdem erspart

uns die parallele Produktion von Zucker

und Dicksaft erhebliche zusätzliche

Investitionen im Zuckerhaus.“ Als Nachteil

der Dicksaftproduktion nennt er

einen insgesamt höheren Energieverbrauch.

Der neue Tank im Werk Tepla

fasst Dicksaft für die zeitversetzte Gewinnung

von rund 30.000 Tonnen Zucker.

Noch eine Premiere: (Dicksaft-)

Kampagne nach Ostern

Eine zweite Premiere steht den 174

Mitarbeitern im Werk Tepla noch bevor:

2006 wird der Fabriksschornstein zum

ersten Mal in der 105-jährigen

Geschichte der Fabrik nicht nur im

Herbst, sondern auch nach Ostern bis

in den Mai dampfen. Dann nämlich,

wenn wieder Platz ist in den Silos für

den Zucker, der aus dem zwischengelagerten

Dicksaft gewonnen wird.

sdp

Akzente Dezember 2005 I Markt und Kunde I 21

Der Dicksafttank im Werk Tepla sparte erhebliche Investitionen bei der Konzentration der Rübenverarbeitung

von zwei auf einen Standort.

Dicksaft ist der auf ca. 70 - 75 Prozent Trockensubstanz

eingedickte, gereinigte Zuckersaft.

Er entsteht am Ende der Verdampfstation bevor

die eigentliche Kristallisation des Zuckers in den

Kochapparaten im Zuckerhaus folgt.


22 I

Markt und Kunde I Akzente Dezember 2005

Zucker könnte künftig knapp werden

Zucker-Weltmarkt: Das unbekannte Wesen

In kaum einer der vielfältigen Diskussionen

oder Abhandlungen zum europäischen

Zuckermarkt wird der Bezug

auf den „Weltzuckermarkt“ fehlen, meist

als Hinweis auf die positive, offene,

faire, wettbewerbsorientierte Alternative

zum angeblich dirigistischen, protektionistischen

und zutiefst unfairen

System der EU-Marktordnungen. Insbesondere

wird unterstellt, der Weltmarkt

verkörpere sozusagen die realen

Verhältnisse, während innerhalb der

EU ein „künstlicher“ Markt aufrechterhalten

werde, der natürlich insbesondere

die Zucker-Verbraucher von den

Segnungen des freien Welthandels

ausschließe.

Kleiner als er klingt

Was ist das also, der Welt-Zuckermarkt?

Dazu zunächst ein paar Zahlen: Weltweit

werden zurzeit knapp 150 Millionen

Tonnen Zucker produziert, und

auch konsumiert. Allerdings wird der

weitaus größte Teil dieser Menge

innerhalb des Ursprungslandes (oder

einer Ländergruppe) konsumiert, meist

im Rahmen geschützter Binnenmärkte.

Die EU ist das naheliegendste Beispiel,

hier werden bei einer Produktion (EU

25) von knapp 20 Millionen Tonnen

(Weißwert) etwa 16 Millionen Tonnen

EU-intern gehandelt. In Indien wurden

letztes Jahr rund 14 Millionen Tonnen

produziert und im Lande selbst verbraucht.

Brasilien verbraucht über 10

Millionen Tonnen, die Reihe lässt sich

fortsetzen. Zusammengezählt werden

so etwa 110 bis 120 Millionen Tonnen

Zucker in Binnenmärkten hergestellt

und verbraucht. Lediglich der Rest

macht das aus, was man üblicherweise

als den „Weltmarkt“ bezeichnet, ob er

diesen Namen zu Recht trägt, kann

jeder selbst beurteilen.

Viel beschworen:

Der Weltmarktpreis für Zucker

Mindestens genauso oft wie der

„Weltmarkt“ wird der „Weltmarktpreis“

beschworen, als Ausdruck des „realen“

Wertes von Zucker im Gegensatz zu

den „willkürlichen“ und „natürlich viel

zu hohen“ EU-Preisen.

Da muss man zunächst fragen: welcher

Weltmarktpreis? Der gegenwärtige,

US-$ 280,00 pro Tonne, oder der

von vor vier Wochen, US-$ 314,00?

Oder der Preis von vor einem Jahr, US-$

235,00, oder vor zwei Jahren, US-$

173,00 (alles Weißzucker, in Säcken,

fob gestaut Seehafen). Oder sehen wir

uns die Rohzuckernotierungen an (es

gibt sie schon sehr viel länger als die für

Weißzucker), mit Jahres-Durchschnittswerten

von 1,76 US-cents per lb (= US-

$ 38,80 p. 1.000 kg) in 1966, aber

¢ 29,71 (= US-$ 654,98) in 1974 (mit

¢ 63,76 = US-$ 1.405,60 als höchste

Notierung des Jahres)!

Es ging wild hin und her in den letzten

30 Jahren. Mitte der 70er, und dann

noch mal Anfang der 80er Jahre überstieg

der Weltmarktpreis das EU-Niveau

erheblich, sodass beim Export von EU-

Zucker nichts erstattet, sondern große

Abschöpfungen fällig wurden. Kurz,

die Berufung auf „den Weltmarktpreis“

ist irreführend, und er muss keineswegs

immer so viel niedriger sein, als

zum Beispiel der EU-Preis.

Große Schwankungen

Wie kommt es zu diesen großen Preisschwankungen?

Ganz simpel: durch

Angebot und Nachfrage. Wer fragt

nach, wer bietet auf dem Weltmarkt

an? Die Käufer, etwas schematisch

gesehen, sind die Länder, die keinen

Zucker produzieren (das sind recht

Henning Koch,

August Töpfer & Co KG,

Hamburg

wenige) und die, die Zucker produzieren,

aber weniger als den Eigenbedarf

(das sind recht viele). Die Verkäufer

sind die, die mehr produzieren als sie

verbrauchen. Die einen decken ihren

(Rest-) Bedarf, die anderen „entsorgen“

ihre Überschüsse.

Der Preis richtet sich danach, ob mehr

Bedarf gedeckt oder mehr Überschüsse

entsorgt werden müssen, und das wiederum

danach, was jeweils produziert

und konsumiert wird. Hier aber wirkt

sich das Gefälle zwischen den jeweiligen

Mengen der Welt-Produktion und

des „Weltmarktes“ aus. Eine witterungsbedingte

Einbuße von zwei Prozent

der Gesamterzeugung entspricht drei

Millionen Tonnen – das sind aber 7,5

oder gar 10 Prozent des Angebots auf

dem Weltmarkt. Wenn, wie während

der Asien-Krise, der Verbrauch eines

Marktes für über 50 Millionen Tonnen

um zehn Prozent einbricht, geht dem

Weltmarkt Nachfrage von fünf Millionen

Tonnen, rund 15 Prozent verloren.

Nur ein Viertel des weltweit

erzeugten Zuckers wird auf dem

Weltmarkt gehandelt

Zucker, der auf dem freien Weltmarkt gehandelt wird.

Zucker, der nicht auf dem Weltmarkt verkauft

wird, sondern unter dem Schutz nationaler

Marktregelungen und Handelsabkommen

produziert und gehandelt wird.

ca. 33 Mio. t

23%

ca. 109 Mio. t

77%


Weltzuckererzeugung 2002/2003 und Verbrauch 2001

Angaben in Mio. t Rohwert

24

21

18

15

12

9

6

3

0

Brasilien

Quelle: ISO Sugar Year Book 2002 & Zuckerwirtschaft Europa 2004

Auch bei schlechten Preisen wird

verkauft, weil Lagerung Geld kostet

Genauso fatal ist die geringe Preiselastizität

dieses „Weltmarktes“. Mit

wenigen Ausnahmen verkaufen die

Produzenten den größeren Teil ihrer

Produktion vor ihrer Haustür – in mehr

oder weniger offiziell geschützte Märkte.

Hier verdienen sie ihr Geld. Die Übermengen

gehen in den Export – zu

möglichst guten Preisen, aber auch zu

weniger guten, wenn es nicht anders

geht. Auch bei schlechten Preisen, unter

tatsächlichen Kosten, wird noch verkauft.

Weil die Alternative, die Lagerung, Geld

kostet und auch meist keine Lösung

darstellt, denn die nächste Ernte wächst

schon heran.

Wir haben hier etwas abstrakt von

„Ländern“ als Käufer und Verkäufer

gesprochen. In einigen Fällen sind es

tatsächlich noch die Regierungen, die

über öffentliche Ausschreibungen Roh-

oder Weißzucker kaufen oder verkaufen.

Dagegen gibt es in anderen Ländern

offene Märkte, in denen Händler

dem Produzenten überschüssige Ware

abkaufen und sie an Importeure, aber

auch an Verbraucher wie Abpacker oder

Rohrzucker Zuckerverbrauch Rübenzucker

Brasilien, Thailand und Australien

• nicht AKP

• nicht LDC

• keinerlei Präferenzen

• aber die weltgrößten Überschusshersteller!

Indien EU China USA Thailand Australien Mexiko Pakistan Kuba Südafrika Ukraine Russland

Verarbeiter (zum Beispiel von Süßwaren

oder Erfrischungsgetränken) in Übersee

absetzen. Der sogenannte „Inter-

Operator-Handel“, also der Handel

zwischen zwei europäischen Firmen,

die sonst möglicherweise heftige Konkurrenten

sind, ist seltener geworden.

Zuckerhandel über

Warenterminbörsen

Last not least kann Zucker auch an die

Zucker-Terminbörsen in New York und

in London geliefert, beziehungsweise

von diesen abgenommen werden.

Akzente Dezember 2005 I Markt und Kunde I 23

Waren-Termin-Börsen haben in der

Öffentlichkeit einen schlechten Ruf. Zu

Unrecht. Die wichtigsten Zucker-Terminmärkte

sind die in New York für losen

Rohzucker und in London für gesackten

Weißzucker. Hier kann jeder, der will,

und die finanziellen Garantien stellt,

Roh- und Weißzucker kaufen und verkaufen

– für spätere Lieferung, deshalb

der Name „Termin-Markt“. Allerdings

schreiben die Börsen die Bedingungen

genau vor: Die Mengen-Einheiten (50

Tonnen = 1 „lot“), Qualitäten,

Verpackungen, Liefertermine –

bestimmte Monate bis zu zwei Jahre

im Voraus – und die Parität „fob

gestaut“.

30 Ursprünge, 50 Häfen –

logistische Unsicherheiten

Auch die Ursprünge, beziehungsweise

die Ladehäfen sind vorgegeben – allerdings

rund 30 Ursprünge für Rohzucker

und über 50 Häfen für Weißzucker.

Der Käufer erfährt erst nach dem

Auslaufen des jeweiligen Terminmonats,

bei der „Andienung“, in welchem

Hafen – oder welchen Häfen – er die

Ware abzuholen hat. Dafür hat er aber

wiederum zwei Monate Zeit, während

derer er sein Schiff „präsentieren“ muss.


24 I

Markt und Kunde I Akzente Dezember 2005

Das heißt, der Verkäufer muss damit

rechnen, den Zucker irgendwann innerhalb

dieser Frist zu liefern. Man sieht

also, eine Lieferung an, beziehungsweise

vom Terminmarkt ist mit gewissen

logistischen Unsicherheiten belastet.

Dennoch werden sie in großem Maße

genutzt. Von den „Professionellen“, also

Zucker-Produzenten, Zucker-Händlern

und Zucker-Verbrauchern in erster Linie,

um Preise abzusichern. Der klassische

Fall wäre ein Hersteller von Rohzucker

in Brasilien, der für die Planung seiner

Produktion, angefangen bei der Anpflanzung

vom Rohr, einen verlässlichen

Erlös kalkulieren muss – die Ware steht

aber erst in zwölf oder gar 18 Monaten

zur Verfügung. Dafür einen individuellen

Käufer zu finden ist in aller Regel nicht

möglich.

Die Börse garantiert

die korrekte Abwicklung

Da liegt es nahe, sich des Terminmarktes

zu bedienen, der für alle notierten

Termine immer aktuelle und realisier-

Termingeschäfte aus Verarbeiterperspektive

Der Zuckerverarbeiter, sagen wir, ein Bonbon-

Kocher in Singapur, wird sich mit einigen der

technischen Fragen des Terminmarktes auseinander

setzen müssen. Denn ob er die Ware in

Hamburg, in Buenos Aires oder Ulsan (Süd-Korea)

abholen muss, beeinflusst seine Kalkulation erheblich.

So wird er wahrscheinlich zu einem späteren

Zeitpunkt, wenn konkrete Verkäufer konkrete

Partien anbieten, jemanden finden, der ihm die

Ware da anbietet, wo er sie braucht, und so, wie

er sie braucht, in Containern und mit einer bestimmten

Sackmarkierung. Alles das, was mit dem

starren Börsen-Reglement nicht zu vereinbaren ist.

So wird unser Bonbon-Kocher eine Partie erwerben

wollen, die ihm zum Beispiel von einer in

Hamburg alteingesessenen Zucker-Handelsfirma

angeboten wird – zum aktuellen Preis, der vielleicht

US-$ 30,00 pro Tonne höher ist als der,

den er am Terminmarkt bezahlt hat. Dieses Terminmarkt-Engagement

verkauft er nun – und verdient

Weltzuckererzeugung und Verbrauch seit 1995/96 (Angaben in 1000 t Rohwert)

160.000

140.000

120.000

100.000

1995/96 1996/97 1997/98 1998/99 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 2004/05

Quelle: F. O. Licht, World Sugar Balances – 1995/96 - 2004/05

bare Kauf- und Verkaufskurse bietet.

Durch den Verkauf einer entsprechenden

Menge „Lots“, zum entsprechenden

– späteren – Liefertermin weiß

unser Produzent, wie viel Geld er für

die Ware bekommen wird, und wenn

er auch noch die börsen-gemäßen

Lagermöglichkeiten hat, braucht er

nichts weiter zu tun, als den Zucker zu

produzieren und abzuwarten, dass zu

gegebener Zeit der – bis zur Andienung

anonyme – Käufer sein Schiff zum

Laden stellt. Die korrekte Abwicklung

beider Seiten wird durch die Börse

garantiert, wofür sie sich wiederum

von allen Beteiligten üppige Garantien

stellen lässt.

Die meisten Kontrakte werden vor

dem Auslaufen wieder aufgelöst

Der Terminmarkt erfüllt seinen Zweck

voll, auch wenn die jeweiligen Engage-

dabei US-$ 30,00 pro Tonne, die er in seiner

Kalkulation vom Preis, den er beim Hamburger

Händler bezahlt hat, in Abzug bringen kann.

Mit anderen Worten, für seine Planung ist weiterhin

nur der Preis relevant, den er mal am

Terminmarkt bezahlt hat, auch wenn er dieses

Engagement zurückgehandelt hat.

Termingeschäfte aus Handelssicht:

größere Käufe preislich absichern

Der Terminmarkt dient dem Handel, um größere

Käufe oder Verkäufe, für die er nicht sofort

einen “Gegen-Partner“ findet, preislich abzusichern.

Nehmen wir an, Nordzucker meldet sich

beim besagten Hamburger Händler, und bietet

eine Partie von 5.000 Tonnen C-Zucker an, zum

Preis von € 250,00. In US-$ umgerechnet ergibt

das US-$ 294,00. Der März in London handelt

gerade mit US-$ 295,00. Der Händler gibt seinem

Broker in London die Order zum Verkauf

von 100 lots = 5.000 Tonnen zu US-$ 295,00.

Sobald diese Order ausgeführt wurde, bestätigt

ments vor dem Auslaufen des Termins

wieder aufgelöst werden. Das ist bei

dem überaus größten Teil der Transaktionen

der Fall.

Das normale „Volumen“ in New York

kann an einem Handelstag, der nur drei

Stunden dauert, zwischen 20.000 und

50.000 lots, also eine bis 2,5 Millionen

Tonnen betragen, es gab auch schon

Tage mit 150.000 lots (= 7,5 Millionen

Tonnen). Aufs Jahr gerechnet ergeben

sich so ohne weiteres Umsätze von

500 Millionen Tonnen oder mehr.

Die „Andienungen“ beschränken sich

dagegen meist auf einige 100.000

Tonnen. Eine halbe Million gilt bereits

als ungewöhnlich groß.

Finanzfonds blähen

Terminmarkt-Umsätze auf

Erzeugung Verbrauch

Hierzu muss allerdings auf die Rolle

der Händler der Nordzucker den Kauf.

Die Zeiten sind schlecht, der Markt fällt, die Kundschaft

in Übersee wacht auf und der Händler

bekommt eine Anfrage aus Sri Lanka für 5.000

Tonnen Zucker. Der März in London notiert mittlerweile

bei US-$ 265,00 der Händler kalkuliert

Fracht- und andere Kosten von US-$ 50,00 pro

Tonne und verkauft zu US-$ 320,00. Das entspricht

einem Netto-Erlös von US-$ 270,00.

Flugs erteilt er seinem Broker den Auftrag, 100 lots

= 5.000 Tonnen März bei US-$ 265,00 zu kaufen.

Aus der Terminmarkt-Operation (Verkauf US-$

295,00/Kauf US-$ 265,00) entsteht ein Gewinn

von US-$ 30,00. Aus dem Kauf von Nordzucker

(= US-$ 294,00) und Verkauf nach Sri Lanka

(netto US-$ 270,00) entsteht ein Verlust von US-$

24,00. Gewinn US-$ 30,00 minus Verlust US-$

24,00 gleich Netto-Netto-Gewinn von US-$

6,00. Der „Umweg“ über den Terminmarkt hat

es also möglich gemacht, an dieser Transaktion

Geld zu verdienen, obwohl der Preis nach dem

Kauf bei der Nordzucker erheblich gesunken ist.


Weltmarktpreise Zucker cents/pound (Ib) 1979-2005

30

25

20

15

10

5

0

1979

der Spekulation verwiesen werden, die

zu dieser Aufblähung der Umsätze

einen kräftigen Teil beiträgt. Man hat

sich angewöhnt, in diesem Zusammenhang

von „den Funds“ zu sprechen. In

der Tat sind es oft Pensions-Fonds, oder

reine Finanz-Fonds, die Geld aus verschiedensten

Quellen verwalten und

permanent nach den besten Anlagemöglichkeiten

suchen. Diese Fonds

müssen nun an den Terminmärkten

entweder kaufen – sie „gehen long“,

oder verkaufen – sie “gehen short“,

um Geld zu verdienen. Sie tun das,

was die professionellen Nutzer aus

unseren Beispielen nicht tun – sie spekulieren,

mal mit Erfolg, mal ohne.

Solange sie aktiv sind, können sie viel

bewirken. Da sie sich mit den Grundlagen,

den „Fundamentals“ des

Weltmarktpreis cents/pound (lb) Durchschnittspreis cents/pound (lb)

1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005

Stand: 30.08.2005 Quelle: F. O. Licht, World Sugar Balances – 1995/96 - 2004/05

Marktes, wie zum Beispiel Produktion/

Verbrauch möglichst nicht befassen,

werden sie normalerweise keine eigenen

Strategien entwickeln, sondern darauf

warten, dass eine Preisbewegung entsteht,

um sich ihr dann anzuschließen.

Durch ihre geballte Finanzkraft können

sie diese Bewegung dann oft gewaltig

verstärken, manchmal bis zur grotesken

Verzerrung der Werte. In solchen

Situationen wird dann mitunter von

„manipulierten“ Märkten gesprochen.

Wenn dies vielleicht auch nicht ganz

falsch ist, wird man doch darauf hinweisen

müssen, dass man einen Preis

nur dann erfolgreich nach oben oder

nach unten „manipulieren“ kann,

wenn man selbst, mit eigenem Geld,

den Preis nach oben hinaufkauft, oder

eben nach unten verkauft. Die Hoffnung

der Manipulateure, schließlich die

Akzente Dezember 2005 I Markt und Kunde I 25

anderen zu zwingen, hinter ihnen herzulaufen,

erfüllt sich sehr oft auch nicht.

Weltmarktpreise sagen

nichts über Kosten

Der Weltmarkt ist ein „Rest“-Markt, auf

dem Verkäufer und Käufer agieren, die

hier nur einen kleine Teil ihrer Aktivitäten

abwickeln, und auch nur teilweise

mit eindeutiger kommerzieller Logik.

Dargestellt wird der Weltmarkt an den

Terminmärkten, die natürlich, um ein

weiteres Vorurteil auszuräumen, die

Preise nicht bestimmen, sondern nur

registrieren. Die Preise haben viel mit

Angebot und Nachfrage und der Spekulation,

aber nur wenig mit Produktionskosten

des einen oder anderen

Anbieters zu tun. Ein Überschuss von

Angebot über Nachfrage drückt die

Preise, egal übrigens, von wem diese

Überschüsse stammen und ob sie subventioniert

sind oder nicht.

In Zukunft sind

„knappe Verhältnisse“ möglich

Hier mag ein Blick in In Märkten

die Zukunft angebracht ohne Überschüsse

sein – der weltweite bestimmt der

Zuwachs des Zuckerver- solventeste Käufer

brauchs mit 1,5 bis 2,5 den Preis

Prozent pro Jahr scheint

ungebrochen. Dagegen ist die

Zunahme der Produktion keineswegs

so sicher. Im Gegenteil, die EU schickt

sich an, einen radikalen Schnitt ihrer

Erzeugung und ihrer Exporte zu vollziehen

und schneller Ersatz ist durchaus

nicht sicher. Die Zeiten der Mega-

Überschüsse scheinen erstmal vorbei

zu sein, ausgeglichene, wenn nicht

knappe Verhältnisse sind möglich.

Und in Märkten ohne Überschüsse

bestimmt nicht der billigste oder

verzweifelteste Verkäufer die Preise,

sondern der solventeste Käufer. ■


26 I

Markt und Kunde I Akzente Dezember 2005

Kurz vorgestellt: Xylit

Nordzucker Süßungsmittel im Portrait – Ein maßgeschneiderter

zahnpflegender Zuckeraustauschstoff

Karies entsteht infolge eines gestör ten

Gleichgewichts zwischen De- und Remineralisierung

an der Schmelz oberfläche

des Zahnes. Dabei spielen auch vergärbare

Kohlenhydra te, die über die Nahrung

in die Mund höhle gelangen, eine Rolle.

Sie werden durch Mikroorganismen im

Zahnbelag (Plaque) in kariesverursachende

Säuren umgewandelt. Bei häufigem

Kohlen hydratangebot – insbesondere

auch beim Genuss von an der Zahnober

fläche klebenden Snacks – bleibt

die Remineralisierung des Zahnschmel zes

unvollständig. Folglich sind eine sorgfältige

Mundhygiene und die Fluoridzufuhr

zur Förderung der Remineralisierung

der Zahnoberfläche wichtige

Maßnahmen zur Verhinderung der

Karies. Einen weiteren Beitrag zur Vorbeugung

der Karies leistet der Einsatz

von Zuckeralkoholen. Sie verleihen

dem Nahrungs- und Genussmittel die

gewünschte Süße, können aber von den

Mikroorganismen im Mund nicht oder

nur sehr langsam verwertet werden.

Verwendung von Xylit in Europa

Bonbons

& andere

Süßwaren

12 %

Kaugummi

80 %

Attraktive Eigenschaften

für den Konsumenten

Pharma

8 %

Xylit hat besonders zahnpflegende

Eigenschaften und eignet sich besonders

gut zum Austausch von Kohlen hydra ten.

Das Produkt hat einen hemmenden

Effekt auf die Mikroorganis men der

Mundflora. Dieser für den Konsu menten

besonders attraktive Zusatznutzen

gegenüber anderen Zuckeralkoholen

(zum Beispiel Sorbit, Mannit oder

Isomalt) kann speziell in Europa, auf

Grund entsprechender Kennzeichnung,

vermarktet werden. Der Markt für

Zahnpflege-Kaugummis und -Bonbons,

deren Konsum besonders nach den

Mahlzeiten empfohlen wird, wächst

stark. Produkte der Anbieter Wrigley

oder Mentos und das neue zuckerfreie

tictac ICEGLOO® von Ferrero, das zu

97 Prozent aus Xylit besteht, sind vielen

bekannt.

Weitere starke Anwendungseigen schaften

von Xylit sind die sehr hohe Süße

(ca. 90 Prozent im Vergleich zum

Zucker) sowie der Kühleffekt, der beim

Schmelzen im Mund das angenehme

Frischegefühl hervorruft. Daneben ist

Xylit kalorienreduziert und diabetikergeeignet.

Ausschließlich pflanzliche Rohstoffe

Xylit wird heute ausschließlich aus

pflanzlichen Materialien, die einen

hohen Xylangehalt aufweisen,

hergestellt. Als besonders

geeignet gelten Holz

(Birke und Buche),

Stroh, Mais spindeln,

Bagasse sowie Mandelund

Nussschalen.

Bei der industriellen

Herstellung wird

zunächst das Xylan

mittels Schwefelsäure

herausgelöst und

zur Xylose hydrolysiert.

Die nach mehrstufiger

Reinigung kristallisierte

Xylose wird anschließend

Dr. Volker Diehl,

New Products

InnoSweet GmbH

Schematischer Herstellungsprozess

Holz, Stroh,

Maisspindeln,

etc.

Hydrolyse

Aufreinigung

Verdampfung /

Kristallisation

Xylose

Aufl ösen

Hydrierung

Aufreinigung

Verdampfung /

Kristallisation

Xylit

wieder aufgelöst, katalytisch mit Wasserstoff

hydriert und als kristalline oder

sprühgetrocknete Ware vermarktet.

Der Xylit-Markt verzeichnet hohe

Zuwachsraten. Der weltweit führende

Anbieter von Xylit ist die dänische

Danisco, daneben wird der Markt von

Roquette (F) und Cargill (USA) bzw.

deren europäischer Tochter Cerestar

sowie einigen chinesischen Anbietern

versorgt. Die Nordzucker Tochter

InnoSweet GmbH aus Braunschweig

bietet Xylit seit diesem Jahr an. ■

Der Markt für Zahnpfl ege-Kaugummis und

-Bonbons wächst


Für die süßen Augenblicke im Leben

SweetFamily zeigt mehr „Gesicht“

Mit Abschluss der Einmach- und Cock -

tailzeit endete im August auch die seit

November 2004 andauernde Einführungsphase

der Marke „SweetFamily“.

In diesem Zeitraum erfolgten für jeden

SweetFamily-Sortimentsbereich Kom -

muni kationsmaßnahmen zum Markenwechsel,

indem das neue Verpackungsdesign

zusammen mit der neuen Marke

präsentiert wurde. Ziel war es, in allen

Verwendergruppen Bekanntheit für die

Marke SweetFamily aufzubauen.

Ab September greifen die Vermarktungsmaßnahmen

nun verstärkt das Markenversprechen

„SweetFamily – Für die

süßen Augenblicke im Leben“ auf, um

den Konsumenten das näher zu bringen,

was unsere Marke gegenüber anderen

Hersteller- und Handelsmarken einzig -

artig, sympathisch und begehrenswert

macht. Da sich Bilder mit Menschen,

die unsere Produkte genießen, dazu

besser eignen als reine Verpackungsabbildungen,

zeigen die Kommunikationsmaßnahmen

im wahrsten Sinne

des Wortes nun „mehr Gesicht“.

Im September läutete die Kampagne

mit dem Jungen, der beim Kuchen naschen

einen süßen Augenblick erlebt,

die Blechkuchenzeit ein. Dabei spielten

Zuckerträume Zimt sowie Brauner Zucker

die Hauptrolle. Durch Rezeptbeilagen

in den Zeitschriften Lisa und Tina,

kleinen runden Rezeptheftchen auf

den Deckeln der Zuckerträume und

einem Puzzlegewinnspiel im Internet

(www.sweet-family.de) wurden den

Konsumenten die leckeren Anwendungsmöglichkeiten

der Markenprodukte

schmackhaft gemacht.

Von Oktober bis Dezember werden die

Zuckerträume Vanille, der Puderzuckerstreuer

und der Feinste Zucker durch

sympathische Momentaufnahmen

während des Backens in der heimischen

Küche in Szene gesetzt. Erneut werden

die Verbraucher mittels Rezeptbeilagen

in den Zeitschriften Lisa und Tina und

kleinen runden Rezeptheftchen auf den

Deckeln der Zuckerträume auf unsere

Backprodukte aufmerksam gemacht.

Ein 5-Euro-Gutschein auf den Kilo- und

500-Gramm-Verpackungen von Feinstem

Zucker schafft in der Zeit vom 1.

November bis 31. Dezember zusätzliche

Kaufanreize. Auf der Rückseite des

Gutscheins ist ein individueller Code

vermerkt, der beim Einkauf im Online-

Shop www.buch.de eingelöst werden

kann (Mindestwarenwert 25 Euro).

Akzente Dezember 2005 I Markt und Kunde I 27

Dr. Marcus Fuchs,

Produktmanagement

Diese Verkaufsförderung

via 5-Euro-Gutschein fi ndet

zeitgleich auch bei unserem Weißen

und Braunen Teezucker Anwendung,

deren Vermarktung dann im Januar

und Februar mit „Lassen Sie es

knistern“-Anzeigen in BUNTE und

Reader’s Digest fortgesetzt wird.


28 I Treffpunkt Nordzucker I Akzente Dezember 2005

Goetz von Engelbrechten, ehemaliger

Vorstandsvorsitzender der Nordzucker

AG und Mitglied im Nordzucker-Auf-

FDP-Abgeordnete in Braunschweig

Über den aktuellen Stand der ZMO informierten

sich am 20. Oktober 2005 die

Mitglieder des Landtages Jan-Christoph

Oetjen, Gesine Meißner und Carsten

Lehmann sowie Dieter Lüddecke,

Vorsitzender der FDP-Regionsfraktion

Hannover. Schwerpunkt der Ausführungen

von Gerald Dohme (3. von re.)

waren die Schließungen der beiden

Zuckerfabriken Wierthe und Groß

Munzel in diesem und im kommenden

Jahr als Reaktion auf die EU-

Zuckerexportverbote ab 2006 durch

den verlorenen WTO-Panel-Entscheid.

Renaturierung im Fokus

Goetz von Engelbrechten

im Aufsichtsrat von KWS

sichtsrat, ist seit dem 7. November

neues Aufsichtsratsmitglied der KWS

Saat AG. Er wurde durch das zuständige

Amtsgericht bestellt, nachdem Philip

von dem Bussche sein Aufsichtratsmandat

zum 1. Oktober 2005 niedergelegt

hatte und in den Vorstand der

Gesellschaft gewechselt ist.

„Goetz von Engelbrechten schätzen

wir aus langjähriger Erfahrung“, so

Vorstandssprecher Andreas J. Büchting.

„In seiner früheren Tätigkeit für die

Lehrter Teiche an Stiftung Kulturlandpflege übergeben

Am 13. September übergab Günter Jakobiak

das 38 Hektar große Teichgelände

der ehemaligen Zuckerfabrik Lehrte

an die niedersächsische Stiftung Kulturlandpflege.

Für Nordzucker das flächenmäßig

größte Projekt bisher. Nachdem

1998 die letzte Rübe im Werk verarbeitet

worden war, musste eine Nachnutzung

des Industrieareals und der Teichanlagen

her. Beides ist in der Zwischenzeit erfolgreich

unter Dach und Fach. Im Beisein

von zahlreichen Stiftungsvertretern,

Politikern und dem Umweltausschuss

der Stadt Lehrte richtete Jakobiak auch

den Blick nach vorn und betonte, dass

Nordzucker seit Mitte der 80er Jahre

kontinuierlich auf die Übergabe renaturierter

Flächen in weitere Umweltnutzungen

setze und keine Industriebrachen an

ehemaligen Standorten akzeptiere. „Der

Umgang mit der Nachnutzung ehemaliger

Standorte ist Bestandteil unseres

Nachhaltigkeitskonzepts“, hob Jakobiak

hervor. So entstanden an zahlreichen

KWS-Gruppe (1970-1992), zuletzt als

Geschäftsführer unserer Getreidegesellschaft

Lochow-Petkus, hat er das Hybridroggengeschäft

erfolgreich aufgebaut.“

Goetz von Engelbrechten wird der Hauptversammlung

der KWS am 18. Januar

2006 zur Nachwahl für die laufende

Amtsperiode vorgeschlagen werden.

KWS/sdp

Standorten wie auch in Lehrte Nachnutzungskonzepte,

die Zukunftschancen

und Arbeitsplätze bieten, wo durch

Werksschließung zunächst der Rückbau

im Vordergrund stand.

Tanja Schneider-Diehl


„Es ist fünf vor zwölf“

Starkes Interesse ehemaliger Führungskräfte an

Entwicklung der Nordzucker AG auf Kampagnetreffen

Den Zug haben sie zwar schon verlassen,

doch Richtung, Lokführer und

Geschwindigkeit – das interessiert die

ehemaligen Zuckertechniker und Werkleiter

der Nordzucker weiterhin sehr.

So trafen sich im Oktober 50 Ehemalige

im Werk Klein Wanzleben, um den

Kontakt zum Unternehmen zu halten

und mehr zu hören zu den Entwicklungen

auf WTO-Ebene und innerhalb der

EU. „Es ist fünf vor zwölf“ – sagte

Dr. Ulrich Nöhle zur Reform der ZMO.

Die Verhandlungen in Hongkong im

Dezember seien für die WTO der

Schlüssel zu mehr Liberalisierung auf

den Weltmärkten. „Betroffen hiervon

sind landwirtschaftliche Produkte, also

auch wir und unser Zucker“, der als Gut

gegen Dienstleistungen und Hochtechnologie

ins Rennen geschickt werde. Von

politischen Veränderungen auf WTO-

Ebene seien aber auch die Änderungen

im Rahmen der Zuckermarktordnung

betroffen. Wenn der im Sommer vorgelegte

Vorschlag der EU-Kommission

so umgesetzt werde, komme es vor

allem darauf an „die Anreize für den

Ausstieg dann nicht mehr konkurrenzfähiger

Marktteilnehmer attraktiver zu

gestalten, um eine horizontale Quotenkürzungen

zu vermeiden“, hob Nöhle

hervor. „Wir gehören zu den Besten,

wir müssen aber noch deutlich besser

werden, wenn wir nach 2015 am

Markt bestehen wollen.“

Günter Jakobiak berichtete über den

bisherigen Verlauf der Kampagne 2005

in Deutschland und im Bereich International,

über Investitionen und Produktionserwartungen.

So sei ab 2015 mit größeren

Zuckerfabriken und deutlich längeren

Kampagnen zu rechnen. Um

dies organisieren zu können, sei die

Langzeitlagerung der Rübe von züchterischer

Seite zu lösen. „Nordzucker

trägt mit einigen Pilotprojekten dazu

bei, effizienter und kostengünstiger zu

werden“, betonte der Technik-Vorstand.

Besucher aus dem Reich der Mitte

Eine rote Fahne am Werkstor, ein Plakat

mit chinesischen Zeichen am Eingang

in Klein Wanzleben, Uelzen und

im Flüssigzuckerwerk Nordstemmen.

Der Grund dafür: Vertreter von zwei

chinesischen Firmen, Geschäftspartner

der InnoSweet, waren zu Besuch

in Deutschland und konnten unter

anderem diese Werke besichtigen. Die

beiden Firmen Hope und Green stellen

in China Süßungsmittel her.

Während der Rundgänge in den

Werken wurde intensiv über technische

Ausrüstung und Qualitätsmanagement

diskutiert. In technischen

Fragestellungen konnte man sich auch

über Kulturgrenzen hinweg sehr gut

verständigen. Bei Fragen, die das Qualitätsmanagement

betreffen, spielen

die unterschiedlichen Erfahrungen in

China bzw. in Deutschland eine deutlich

größere Rolle.

Dr. Rahel Buczys, InnoSweet GmbH

Akzente Dezember 2005 I Treffpunkt Nordzucker I 29

So werde das Projekt „Bahntransport

von Rüben“ ab Ende Oktober ausloten,

ob sich clevere und kostengünstige

Transportlösungen für die Zukunft ergeben.

Auf die just-in-time-Anlieferung

der Rüben setze das Projekt „7-Tage-

Anfuhr in Klein Wanzleben“. „Wir wollen

von den Wochenendlagern für

Rüben wegkommen, auch das spart

Kosten“, erklärte Jakobiak. Im Bereich

Mitarbeiter bestehe das Ziel, ab 2006

auf bezahlte Überstunden zu verzichten.

Werkleiter Karl Meier beschloss mit

einem ausführlichen Rundgang den informativen

Teil des Besuchsprogramms.

Tanja Schneider-Diehl

Diskussion in Klein Wanzleben - Lee Chang

(InnoSweet) und Liu Jicai (Hope), oben;

Herr Liu Huixing (Hope) und Dr. Rahel Buczys

(InnoSweet), unten


30 I Neue Felder I Akzente Dezember 2005

Biodiesel oder Rapsöl als Kraftstoff?

Neue Felder informiert über

Verwertungsmöglichkeiten für Raps

Durch den verstärkten Anbau als nachwachsender

Rohstoff wurde die Rapsfläche

in Deutschland auf 1,26 Millionen

Hektar ausgedehnt. Die weit überwiegende

Verwendungsrichtung von Raps

als nachwachsender Rohstoff erfolgt

derzeit in Form von Biodiesel (RME).

Motoren umrüsten – Ja oder nein?

Der Einsatz dieses Kraftstoffs in Reinform

sollte nach Einbau entsprechender

Dichtungen nur in dafür freigegebenen

Motoren erfolgen. Deutlich

umfangreichere technische Eingriffe

sind nötig, wenn ein Dieselmotor mit

(unverestertem) Rapsöl betrieben werden

soll. Hierfür bieten spezielle

Umrüstfirmen ihre Dienstleistungen

an. In der Regel verliert der Nutzer

jedoch mit dem Umbau auf Rapsöl die

Garantie des Motorenherstellers.

Neuerdings gibt es Versicherungen

gegen Motorschäden bei Verwendung

von reinem Rapsöl. Bei steigenden

Mineralölpreisen vergrößert sich der

Preisvorteil von Rapsöl. Dies nehmen

immer mehr Landwirte zum Anlass,

sich mit dem Thema Umrüstung von

Motoren im landwirtschaftlichen

Bereich zu befassen. Bei Entscheidungen

zur Umrüstung ist zu empfehlen, die

Kriterien Kraftstoffpreis, Einsatztauglichkeit

und Betriebssicherheit gleichermaßen

zu berücksichtigen.

SunFuel wird Biodiesel

den Rang ablaufen

Bislang machte der Anteil von Rapsöl

als Reinkraftstoff am gesamten in

Deutschland eingesetzten Kraftstoff

weniger als 0,01 Prozent aus. Reines

Rapsöl ist damit bislang ein Nischenprodukt

im Kraftstoffmarkt. Dem gegenüber

betrug der Anteil von Biodiesel immerhin

schon 1,4 Prozent. Prognosen zur

künftigen Entwicklung des Kraftstoffmarktes

lassen ein begrenztes weiteres

Wachstum des Biodieselmarktes erwarten.

Etwa ab dem Jahr 2010 wird Biodiesel

voraussichtlich mehr und mehr

durch SunFuel ergänzt beziehungsweise

ersetzt werden. Dieser neue Kraftstoff

hat nicht nur Vorteile hinsichtlich der

Einhaltung niedrigerer Emissions-

Thomas Graf,

Marktordnungsfragen,

Neue Felder

grenzwerte, sondern auch deutlich

weniger Begrenzungen in der Biomassebasis,

da er aus Ganzpflanzen verschiedenster

Art hergestellt werden kann.

Rapsverarbeitung –

Eine Option für Landwirte

Immer mehr Landwirte prüfen den

Einstieg in die Gewinnung von Rapsöl

als flüssiger Industrie- und Energierohstoff.

Die Rapsölgewinnung ist inzwischen

nicht nur im großtechnischen,

sondern auch im dezentralen Maßstab

ausgereift. Neben einzelbetrieblichen

Lösungen bieten sich Beteiligungen an

Erzeugergemeinschaften oder genossenschaftlichenÖlverarbeitungsanlagen

an. Erfolgsfaktoren sind die Wahl

einer geeigneten Pressengröße, hohe

Auslastung der Anlage, strengste

Kostendisziplin, die Gewährleistung

einer definierten Qualität der Produkte

und der Aufbau stabiler Absatzmärkte.

Möglich ist auch die weitere Veredelung

des Rapsöls auf betrieblicher

Ebene zu RME im so genannten


Batchverfahren. Hierbei handelt es sich

um absetzige Produktion in Chargen.

Mit der Einspeisevergütung nach EEG

bietet sich ferner der Rapsöleinsatz in

Blockheizkraftwerken (BHKW) an. Eine

hohe Wertschöpfung ist möglich,

wenn die bei der Herstellung von

Strom anfallende Wärme möglichst

vollständig genutzt wird und eine gute

Auslastung der Anlage gesichert ist.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten

für Raps

Noch in der Erprobungsphase ist die

Verwendung von Rapsöl als Heizöl.

Daneben gibt es eine Reihe weiterer

Möglichkeiten: den Einsatz von Rapssaat

als Schmierstoff, als Asphaltzusatz,

als Betontrennmittel, als Hilfsstoff in

der Blechverarbeitung und als Rohstoff

für Kosmetikprodukte. Schließlich wird

Rapsöl in der Energietechnik sowie in

der Chemischen Industrie eingesetzt.

Herstellungskosten von Rapsöl in

Abhängigkeit von Anlagengröße

und Auslastung der Anlage

Die Herstellungskosten von Rapsöl sinken

• mit zunehmender Größe der Anlage

• mit zunehmender Auslastung.

Ölmindestpreis in €/l

0,5

0,4

0,3

0,2

0,1

0

5.000 Betriebsstunden

6.000 Betriebsstunden

8.000 Betriebsstunden

0,48 0,46 0,44

0,46 0,44 0,43 0,43 0,41 0,40

150 750

Leistung der Anlage in kg/h

1.000

Quelle: Graf, Torsten, TLL, Jena: „Betriebswirtschaftliche Aspekte der

dezentralen Ölsaatenverarbeitung“, in „Dezentrale Ölsaatenverarbeitung“,

KTBL- 427

Festzuhalten ist, dass Raps durch vorteilhafte

Eigenschaften eine ganze

Reihe von Nutzungsmöglichkeiten hat.

Das Mengenpotenzial für die energetische

Verwertung erscheint dabei

Neue Felder für innovative Pflanzennutzung

bietet interessierten

Landwirten eine aktuelle Dokumentation

über Verwertungsmöglichkeiten

von Raps, wirtschaftliche Effekte der

Umrüstung auf Rapsöl, Fördermöglichkeiten

für Anbau, Verwertung

Akzente Dezember 2005 I Neue Felder I 31

jedoch ungleich höher als das der

stofflichen Nutzung. Die Steigerung

der Kosten für fossile Brennstoffe und

die Förderung von Biokraftstoffen

beschleunigen die stärkere Nutzung.

und Vermarktung sowie über Risiken

durch die Abhängigkeit der Ölsaatenpreise

vom internationalen Handel.

Die Langfassung mit 70 Seiten können

Sie per Fax unter 0531 2411-103

oder per E-Mail unter

thomas.graf@nordzucker.de abrufen.

Literaturtipps

zum Thema Biomasse als Energieträger

Mit Blick auf extreme Steigerungen

der Energiepreise findet Biomasse als

Energieträger starke Beachtung.

In vielen Betrieben wird erwogen,

stärker auf Holz zur Wärmebereitung

zurückzugreifen. Zu diesem Themenbereich

bietet die Fachagentur

Nachwachsende Rohstoffe folgende

kostenlose Veröffentlichungen an:

Das Handbuch Bioenergie Kleinanlagen

(2003) deckt ein breites Themenspektrum

ab, welches von der

Bereitstellung von Festbrennstoffen

über Brennstoffeigenschaften bis hin

zu Feuerungs- und Anlagentechnik,

rechtlichen Anforderungen und

Kostenangaben reicht.

Das Handbuch wird

durch den aktuelleren

Leitfaden Bioenergie

2005 ergänzt, der die

vorgenannten Themen

und zusätzlich die

Organisation und Umsetzung eines

Bioenergieprojekts behandelt.

Die Marktübersicht Pellets-Zentralheizungen

und Pelletöfen hilft bei der

Wahl des richtigen Pelletkessels. Sie

listet die im Handel erhältlichen Biomassekessel

auf und gibt auch viele

Tipps zu Einbau und Betrieb der Kessel.

Die Marktübersicht Scheitholzvergaserkessel,

Scheitholz-Pellet

Kombinationskessel gibt Hinweise

zur Planung und Installation dieser

Anlagen. Einen Schwerpunkt bilden

die Empfehlungen zur technischen

Bewertung der Kesselsysteme. Für

den Investor sehr hilfreich sind die

Gegenüberstellungen der betrachteten

Heizanlagen im Hinblick auf

technische Ausstattung und Preise.

Die genannten Schriften sind als

Download zu beziehen bei der Fachagentur

Nachwachsende Rohstoffe

e.V., und zwar über die Internetseite:

http://www.bio-energie.de. Bitte

verwenden Sie auf dieser Website

den Pfad Literatur/Allgemein oder

Literatur/Feste Biomasse. Wegen des

großen Datenvolumens sind die

Kapitel zum Teil einzeln nacheinander

herunterzuladen.


Nordzucker AG, Küchenstraße 9, 38100 Braunschweig

Pflaumen-Apfel-Strudel

Aus Mehl, Wasser und Ei einen Nudelteig

kneten. Die Oberfläche befeuchten und den

Teig 30 Minuten ruhen lassen. Den Teig auf

einem bemehlten Tuch ausrollen und ziehen.

Schnell mit flüssiger Butter bestreichen und

die vorbereiteten Zutaten der Füllung auf dem

Teig verteilen. Die Seiten einschlagen und die

Teigplatte zu einem Strudel aufrollen.

Den Strudel in eine Auflaufform legen und

45 Minuten bei 160 °C backen. Noch warm

mit Vanillesoße oder Vanilleeis verzehren.

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Für den Teig:

250 g Mehl

1/8 l Wasser

1 Ei

Für die Füllung:

50 g flüssige Butter

1 Msp. Salz

400 g Äpfel

350 g Pflaumen

60 g SweetFamily

Zuckerträume Vanille

50 g gehackte Mandeln

Zum Dekorieren:

SweetFamily Puderzucker

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