Die Sektion in Aktion! 1 I 2012 - Aachen

davaachen

Die Sektion in Aktion! 1 I 2012 - Aachen

Die Sektion in Aktion!

DAVON: 1/12

Bergtouren

in Afrika und Südamerika

Bouldern

1 I 2012

Das etwas andere Klettern

Landesmeisterschaften

Nepaltag in Aachen

Vorträge im Space Ludwigforum


2

Foto: Hans Graffenberger

Es ist alles so wie immer:

Knospen, Lieder, Licht und Saat,

und trägt doch den holden Schimmer,

den nur dieser Frühling hat.

Fritz Woike

Sektion Aachen des Deutschen Alpenvereins e.V.

Vorstand

Ausbildung

Gruppen

Das DAVON Redaktionsteam:

Hans Graffenberger,

Dirk Emmerich, Jutta Peters,

Dorothee Arlt, Michaela Müller,

Brigitte Balser konnte bei

diesem Termin nicht dabei sein.

Hütten und Wege

Jugend

Sport- und Wettkampfklettern

Naturschutz

Öffentlichkeitsarbeit & Service

www.dav-aachen.de

Organisation

Geschäftsstelle

Römerstr. 41-43, 52064 Aachen

geöffnet donnerstags 16-20 Uhr

Tel: 0241 / 4014387

Fax: 0241 / 4014388

E-Mail: info@dav-aachen.de

www.dav-aachen.de

Martina Wernerus

Ingrid Fündgens

Impressum

Liebe Leserinnen und Leser!

Warum steigen wir auf die Berge?

Nur, weil sie da sind? Nur, weil wir Unnützes erobern wollen? Ja, die

Frage ist fast so alt wie die Berge selbst, aber die Antwort ist nach

wie vor aktuell.

Denn die Berge geben uns weit mehr als sie uns abverlangen. Ruhe;

Möglichkeit, unsere Grenzen mental und körperlich auszuloten; Raum

um uns und unsere Partner kennenzulernen, um die Natur zu erleben.

Wir erfahren in einer Umgebung, die uns mit allen Sinnen fordert,

so viel, dass wir alles Überflüssige im Tal zurücklassen und unser

Rucksack mit den Alltagssorgen immer leichter wird.

Spannend zu sehen, wie in unserer Sektion alle Facetten des Alpinismus

gelebt werden. Und vielleicht ist es auch die Klammer der

Sektion, die die Unterschiedlichkeiten aller Aktivitäten auf einen

Nenner bringt: Gemeinsam die Natur erleben! Davon berichtet der

Jugendleiter Jan aus dem Allgäu, die Betreuer des Wettkampfkletterns

Lothar und Alexandra und der Sportkletterer Nils vom Bouldern.

Hierzu bieten wir noch kurzfristig einen Boulderkurs an (S. 17). Das

Motto: „Draußen daheim!“ trifft sicher auch auf die Berichte von

erfahrenen Tourengängern wie Horst zu, der am Cengalopfeiler

im Bergell unterwegs gewesen ist, und auf Jürgen und Christoph,

die von ihren Erlebnissen in Ecuador und Tansania berichten. Was

sich sonst noch auf den folgenden Seiten verbirgt, entdeckt Ihr am

besten selbst…!

Eure Redaktion wünscht Euch viel Spaß im Sommer

– was immer Ihr auch macht!

Take care – have fun!

(Verabschiedungswunsch im Youth-Hostel in Ancorage)

Dorothee Arlt

Brigitte Balser

Dirk Emmerich

Hans Graffenberger

Michaela Müller

Jutta Peters

DAVON berichten wir:

Adressen der Sektion Aachen 2

Vorwort 3

Hakuna Matata

Mount Kenia, Kilimandscharo und Safari 4

Wandergruppe:

Auf den Spuren der

Räuber im Spessart 9

Auf den Vulkanen Ecuadors 10

Bouldern

Ein Spiel mit Bewegung 14

Boulder-Landesmeisterschaft

Wettkampfergebnisse 15

Jugendgruppe:

Mit dem Motorboot in Tirol 18

Pumpspeicher und Goldgrube 20

Mitgliederversammlung 2012 22

Cengalopfeiler 24

Schmökerecke: Bibliothek 26

Heinz Gronen 29

Kurz und bündig 29

Kurzmitteilungen

Buntes Brett 31

DAVON: 1/12 DAVON: 1/12

3

3


Hakuna Matata

alles wird gut!

Mount Kenia, Kilimandscharo

und Safari

Mount Kenia und Kilimandscharo

lockten vier Aachener

Alpinisten nach Afrika. Den

stärksten Eindruck hinterließen

jedoch nicht die Gipfel, sondern

die Giraffen...

lughafen Nairobi. Die Abordnung

F der Trekkingorganisation (Melchior,

Lucy und Fahrer) steht bereit. Gabi, Günter,

Günther und ich bezahlen die erste

Rate und starten zum 200 km entfernten

Mount Kenia. Die Straße ist viel besser als

erwartet. Und nach gut 3 Stunden kommen

wir in Naro Moru auf der Westseite

des Mount Kenia an. Die Naro Moru River

Lodge erweist sich als einfache aber schön

in einem Park gelegene Ansammlung von

kleinen Bungalows mit einem sehr guten

Restaurant. Lucy präsentiert uns Josef

als Guide, da man angeblich ohne Führer

4

nicht in den Nationalpark hinein kommt.

Die Lohnforderung liegt bei mehr als dem

Doppelten des üblichen Satzes, aber Josef

lässt mit sich handeln. Lucy versucht

ständig, noch mehr Geld herauszuleiern,

selbst für Dinge, die vertraglich inklusive

sind. Solche Erfahrungen machen wir

später noch öfter.

Am nächsten Tag geht es los zum Park

Gate auf 2400m Höhe. Dort ist der Eintritt

fällig (55 $ pro Tag und Nase). „Hütten“

kosten zusätzlich 12-20 $ pro Nacht. Sie

haben maximal den Komfort von Biwakschachteln.

Als erste Etappe liegen 650

Höhenmeter über ca.15 km vor uns. Mit

viel zu schweren Rucksäcken von 22-30

kg gehen wir los. Wir müssen schließlich

für sieben Tage alle Nahrung, Koch- und

Kletterausrüstung, Klamotten und Schlafsäcke

selber schleppen. Der Fahrweg, dem

wir folgen, ist relativ flach und ziemlich

schlammig. Der Regenwald macht seinem

Namen alle Ehren, es nieselt. Von

Tieren ist im Urwald bis auf einen größeren

Affen nicht viel zu sehen. Nach drei

Stunden erreichen wir die Meteorologische

Station auf 3050 m. Dort liegt auch

das erste Camp mit mehreren Hütten. Wir

beziehen eine Hütte für acht Personen mit

großem Kamin. Der Regen verzieht sich

und gegen Abend reist der Himmel auf. In

der Hütte gesellen sich noch zwei Sachsen-

Anhaltiner zu uns, die zum Point Lenana,

dem dritthöchsten Gipfel des Mount

Kenia, wollen. Abends testen wir zum

ersten Mal unsere Expeditionsnahrung.

Sie schmeckt erstaunlich gut und schlägt

Tütensuppen um Längen. Von Hühnchen

über Rindergulasch bis Elch auf 4790 m

haben wir alles dabei. Mit der Morgendämmerung

um 6 Uhr stehen wir nach

DAVON: 1/12

Unter dem Kibo-Gipfel Gipfelfoto Point Lenana

einer erstaunlich kühlen Nacht auf. Beim

Frühstück und Packen lassen wir uns Zeit

und starten erst um 8:30 Uhr, als die Sonne

über den Berg hinaussteigt. Der Himmel

ist blau und der Urwald dampft vom Regen

des Vortages. Die ersten 100 Höhenmeter

wandern wir über eine Betonstraße

zu einem meteorologischen Messpunkt.

Danach steigen wir über einen schmalen

Pfad durch den lichter werdenden Wald. In

der Ferne sehen wir Berge in Mittel-Kenia.

Leider ist die Sicht weder am Mount Kenia

noch später am Kilimandscharo so klar,

dass wir einmal zum andern Vulkan hinübersehen

können. Auf 3600 m Höhe lichtet

sich der Wald und wir gelangen in ein

ziemlich nasses Hochmoor mit einzelnen

Bäumen und Pflanzen. Auf 4000 m haben

wir einen herrlichen Blick auf den Mount

Kenia. Die Hütte ist ca. fünf km vor uns zu

sehen, doch wegen der schweren Rucksäkke

brauchen wir über acht Stunden für die

1300 Höhenmeter und 16 km Strecke. Nahe

der Hütte beobachten wir ein Tier, das unserem

Murmeltier sehr ähnlich sieht, aber

nicht so schreckhaft ist. Es wird uns später

als Klippschiefer vorgestellt, hat nichts mit

Nagern zu tun und ist der engste Verwandte

der Elefanten.

Auf der Hütte sind neben den Anhaltinern

noch Engländer und Slowaken nebst Trägern.

Nachts stellen sich bei mir starke

Kopfschmerzen ein, die mir die nächsten

drei Tage erhalten bleiben. Am nächsten

Morgen entschließen wir uns, zwecks

besserer Akklimatisation zunächst zur

Austrian Hut 4790 m aufzusteigen und

dort Gepäck zu deponieren, um danach

wieder abzusteigen. Auf der Austrian Hütte

ist niemand. Wir begutachten die Klet-

DAVON: 1/12

terroute auf den Nelion 5185 m. Sie scheint

gangbar auch wenn noch Schnee und Eis in

der Wand liegen. In der Südwand beginnt

jetzt der Frühling, während auf der Nordseite

der Herbst beginnt. Gegen Mittag

sind wir zurück an Mac Kinders Camp.

Wir verbringen den Nachmittag mit Bummeln,

Lesen und Fotografieren. In der

Nacht kann ich kaum schlafen. Trotzdem

schaffe ich den Weg bis zur Austrian Hut in

gut zwei Stunden. Wir drei Männer starten

gleich durch und sind 40 Minuten später

auf der Point Lenana 4985 m.

Die zwei Günter wollen die Wand bis zum

Grat über 5000 m klettern. Günter und ich

wollen dann am nächsten Tag durch die

Wand zum Gipfel. Dieweil geht Gabi mit

Josef über Point Lenana zur Shipton’s Hut

4350 m hinunter. Ich beobachte die zwei

Kletterer, die die 4+er Route sauber klettern,

bis sie vom Nebel verschluckt werden.

Am frühen Nachmittag sind sie wieder da.

Sie sind bis zum Grat gekommen. Dahinter

liegt aber zu viel Schnee und Eis, um ohne

Eisbeil sicher zu klettern. Damit platzen

meine Gipfelträume. Statt Nelion steigen

wir noch mal auf Point Lenana und dann

nach Osten hinunter zur Mintos Hut, wo

wir uns wieder mit Gabi und Josef treffen.

Eigentlich wollen wir dort übernachten

aber die Hütte ist nur für Träger gedacht,

hat nur Rohe Holzbretter als Betten, ist

verdreckt und verstunken und von Ratten

bewohnt. Wir müssen 20 km und 1500 m

weiter runter zur nächsten Lodge Bandu.

Meinen 30 kg Rucksack hatte wegen meiner

Kopfschmerzen den letzten halben Tag ein

Träger getragen. Jetzt muss ich ihn wieder

selber tragen zusätzlich zu fünf Kilo Fotoausrüstung.

Aber mit jedem Meter tiefer

verschwinden die Kopfschmerzen und

die Kraft nimmt zu. Abends erreichen

wir die Lodge. Es gibt sogar eine Dusche.

Ein letztes Mal kochen wir Expeditionskost.

Nachts tummeln sich Büffel um die

Hütten. Wir bleiben lieber drinnen.

Morgens werden wir von einem Land Rover

abgeholt. Über 30 km geht es durch

den Urwald nach Chogoria, eine abenteuerliche

Fahrt, für die wir drei Stunden

benötigen. Von dort geht es weiter nach

Nairobi, wo wir nach einem Stadtbummel

einen geruhsamen freien Tag im

Uhuru-Park verbringen.

Den nächsten Tag verbringen wir im Bus

nach Moshi südlich des Kilimandscharo.

Die Straße ist bestens ausgebaut.

Vor der tansanischen Grenze werden

wir in einen Andenkenladen gefahren.

Die Malereien und Schnitzereien sind,

anders als in unseren Kitschläden, gutes

Kunsthandwerk. Die Grenzabfertigung

dauert, ist aber unkompliziert. In Tansania

ist Trockenzeit, die Landschaft

wird immer dürrer. Vor Arusha geraten

wir in einen Sandsturm. Nur vereinzelte

Massai ziehen in ihrer typisch rotblauen

Kleidung mit ihren Ziegenherden durch

den Busch. In Arusha wechseln wir den

Bus: Der neue Busfahrer hält wohl viel

von Kamikaze und so sind wir schon eine

Stunde später in Moshi auf der Südseite

des Kilimandscharo, wo Melchior uns in

Empfang nimmt. Das Hotel ist einfach,

liegt aber schön und hat sogar einen

Swimmingpool.

Am nächsten Morgen werden wir mit 30

Minuten Verspätung abgeholt und um

ein Viertel des Kilimandscharo herum-

5


Günther, Günter, Gabriele und Christoph am Gipfel Massai am Ngorogoro-Krater Gepard in der Serengeti Staubsturm in der Savanne Löwe in der Serengeti

gefahren. Der Berg versteckt sich hinter

dichten Wolken. Bis auf über 2000 m

wird Holzwirtschaft betrieben. Darüber

beginnt der Nationalpark mit der Regenwaldzone.

Am Londorossi Gate im Westen

werden die Trägerlasten (20kg/Träger)

aufgeteilt. Nach einer kurzen Fahrt bis auf

2400 m beginnt nach Mittag der Aufstieg

zu Fuß. Der Weg führt uns durch dichten

Regenwald. Von Regen keine Spur, dafür

sehen wir einige Affen. Ansonsten machen

sich die Tiere rar. Wir sind noch fit

vom Mount Kenia und so sind wir schon

knapp zwei Stunden später am Big Tree

Camp auf 2800 m, wo schon viele Zelte

stehen. Dort ist gerade eine große amerikanische

Expedition vom Gipfel zurückgekommen.

Da das Trinkgeld wohl recht

anständig war, dauert der obligatorische

Gesang mit Tanz volle zehn Minuten, ein

tolles Schauspiel. Unser Koch serviert uns

ein gutes Abendessen. Die Verpflegung ist

auch in den nächsten Tagen für unsere

europäischen Mägen sehr bekömmlich.

Die Tage sind am Äquator genau zwölf

Stunden lang von 6-18 Uhr. Die Dämmerung

ist kurz. Ein Nachtprogramm gibt

es nicht und so liegen wir spätestens um

20:00 Uhr im Schlafsack. Frühstück gibt

es gegen 7:30 Uhr und um 8:30 Uhr ist

Abmarsch. Bis auf den Gipfeltag sind alle

Strecken eher Halbtagswanderungen.

Nach 4 Stunden sind wir mittags zumeist

am Ziel.

Am nächsten Tag durchqueren wir bei

herrlichem Wetter den restlichen Regenwald

und eine Buschzone. Am Shira

I Camp (3500m) bietet sich zum ersten

Mal ein grandioser Blick auf den Kibo,

den Hauptvulkan des Kilimandscharo.

Südlich erheben sich die Reste des Shira-

Kraterrandes bis auf ca. 3800m Höhe.

Langsam ziehen die letzten Wolken vom

Kibo und am Abend taucht die untergehende

Sonne den Gipfel in rotes Licht.

Abends stellen wir fest, dass unser Guide

und unsere Träger eine völlig andere

Route planen, als wir mit der Trekkingorganisation

abgesprochen hatten. Nach

langem Hin und Her setzen wir uns durch.

Wir werden den Northern Circuit gehen.

Forderungen nach mehr Geld wehren wir

ab.

Nachts hat es gefroren, aber die aufsteigende

Sonne bringt Wärme. Wir durchqueren

das trockene Shira-Plateau, den

Boden des ehemaligen Shira-Kraters, bis

zum Moir Camp auf 3900 m, das in einem

Kessel unterhalb einer steilen Lawawand

liegt. Im Westen erhebt sich der Mount

Meru, ein 4562 m hoher Vulkan. Unser

Guide Balthasar läuft eine Stunde, um

per Handy ein Chemieklo für das Cratercamp

zu organisieren. Wir werden es

später nicht brauchen, da das Cratercamp

wegen überhöhter Geldforderungen der

Träger ausfällt. Um 18 Uhr erleben wir

einen wunderbaren Sonnenuntergang.

Anstrengend ist diese Art des Wanderns

nicht. Standardspruch der Guides: Pole

pole (langsam, langsam) und Hakuna

matata (alles wird gut). Wir steigen zunächst

auf 4400 m auf. Fauna und Flora

sind hier kaum noch vorhanden, nicht

einmal Insekten. Mit Beginn der Nordumgehung,

der auf ca. 4000 m Höhe den

Berg im Norden umrundet, kommen Wolken

auf und das Wetter wird schlecht. Wir

laufen durch eine Art Mondlandschaft

langsam abwärts. Der Boden besteht aus

loser Lawa. Später beginnt es zu nieseln

und schließlich zu regnen. Unter einem

Felsüberhang machen wir Mittagsrast.

Eine Stunde später sind wir angeblich am

Ziel, dem Rongai III Camp. Um die Zeit

kann das eigentlich nicht sein. Trotzdem

werden die Zelte aufgeschlagen. Als die

Wolken aufreißen und der Regen aufhört,

bieten sich wunderbare Aussichten ins

kenianische Vorland. Es zeigt sich aber

auch, dass wir erst in der Mitte des Northern

Circuit genau nördlich des Kibo sind.

Die Träger wollen am nächsten Tag nur

bis zum Rongai III Camp gehen, statt wie

vorgesehen, zur School Hut auf 4700 m.

Wir bestehen aber auf unserem Ziel.

Das Rongi III Camp erreichen wir am

nächsten Tag nach nur zwei Stunden

Marsch. Der Bach dort ist ausgetrocknet,

so dass wir zu wenig Wasser haben. In

weiteren zwei Stunden steigen wir in dichtem

Nebel die 750 m zur School Hut auf.

Kaum sind wir da, beginnt es zu schneien

und nach einiger Zeit sind unsere Zelte

weiß überzuckert. Baltasar hat irgendwoher

Wasser aufgetrieben. Wir verbringen

den Nachmittag dösend oder lesend. Um

18 Uhr reist es auf und vor uns schält sich

der Mawenzi, der dritte Vulkan der Kilimandscharo-Gruppe,

mit seinen über

5200 m Höhe aus den Wolken, angestrahlt

von der untergehenden Sonne. Direkt nach

dem Abendessen um 18:30 Uhr legen wir

uns schlafen, denn um Mitternacht ist die

Nacht schon wieder zu Ende. Heißer Tee

und ein paar Kekse dienen als Frühstück.

Dann geht es über die Rongai-Route los.

Es ist frostig. Wir sind im Aufstieg allein

und schaffen 220 Höhenmeter pro

Stunde. Gegen 4 Uhr treffen wir auf die

Maraungu-Route auch Coca-Cola-Route

genannt. In langen Reihen steigen dort

hunderte Bergsteiger und Guides auf, ein

endloses Meer aus tanzenden Stirnlampen.

Die Leute sind oft völlig unakklimatisiert

und haben einen glasigen Blick. Ein

Großteil wird den Gipfel nicht erreichen.

Man kann halt den Kilimandscharo nicht

mal eben für drei Tage buchen, auch wenn

die technischen Schwierigkeiten die einer

Lousberg-Besteigung nicht überschreiten.

Die Höhe fordert ihren Tribut. Den haben

wir mit 13 Tagen Akklimatisation bezahlt

und so überholen wir fast alle, machen nur

eine kurze Rast an Meyers Cave und erreichen

den Kraterrand an Gilmans Point

auf 5630 m lange vor Sonnenaufgang. Der

kommt kurz vor 6 Uhr mit einem grandiosen

Farbenspiel. Die ganze Ebene ist

von Wolken bedeckt, deren Obergrenze

bei 4000 m liegt. Darüber erhebt sich der

Mawenzi, dessen Gipfel jetzt weit unter

uns liegt. Langsam färbt sich der Himmel

von Rot zu Gold, als wir Stella Point

(5735 m) erreichen. Der Hauptgipfel des

Kibo, Uhuru Peak 5895 m, erstrahlt im

Morgenlicht.

Vorbei an den terrassenförmigen Feldern

des ca. 15-20 m dicken Rebmanngletschers

steigen wir die letzten 150 m zum Gipfel.

Es ist kalt (-7°), aber die Sonne scheint

und die Wolken in der Ebene zeigen Auflösungstendenzen.

Der Blick ist phantastisch,

doch der 400 km entfernte Mount

Kenia ist im Dunst nicht zu erkennen. 60

km weit im Westen erhebt sich der Mount

Meru als bläulicher Vulkan über die Wolken.

Nach 45 Minuten Pause wollen wir

drei Männer noch hinüber zum Reusch-

Krater in der Mitte des Kibo. Josef, unser

zweiter Guide, stellt dafür schon wieder

Geldforderungen, was Baltasar dazu bewegt,

ihn mit Gabi ins Lager zu schicken,

während er mit uns allein zum Reusch-

Krater geht. Dafür rutschen und rennen

wir zunächst 200 m eine Lava-Piste steil in

den großen Krater hinunter, durchqueren

eine Ebene vorbei an den letzten Resten des

Furthwängler-Gletschers und steigen dann

langsam 150 m zum Rand des Reusch-Kraters

auf 5840 m hinauf. Vor uns tut sich ein

grandioser Blick auf. Steil fallen die Kraterhänge

bis zu einer Zwischenebene ca.

100 m tiefer ab. In der Mitte dieser Ebene

liegt ein weiterer Krater aus dessen Mitte

ein neuer, steiler Vulkankegel aus Lava

wächst. Den Hängen entströmen Schwaden

von Schwefelgasen. Im Westen sehen

wir vor den Eisfeldern das Crater-Camp,

das von einer deutschen Forschungsexpedition

bewohnt wird. Gerne hätten wir

dort übernachtet.

Der Rückweg hinauf zum Stella-Point

und dann fast 2000 m über die Mweka-

Route hinunter, vorbei am völlig überlaufenen

Barafu Camp auf 4500 m, bis

zum 3900 m hoch gelegenen Millenium

Camp zieht sich. Die ersten 500 m kann

man noch über Aschefelder abrutschen.

Das geht blitzschnell. Aber dann wird es

mühsam und die Latscherei geht in die

Knie. Zum Springen ist es zu flach, zum

strammen Wandern zu steil. Im Lager

angekommen, beginnt der große Regen.

Ich kann gerade noch trocken ins Zelt

kriechen. Am Gipfel schneit es und als

am nächsten Morgen der Himmel kurz

aufreißt, erhaschen wir einen Blick auf

den total verschneiten Gipfel. Wir hatten

also unheimliches Wetterglück. Obwohl

unser Trinkgeld das höchste ist, das ich

jemals nach einer Expedition gegeben habe,

dauert der Gesang der Träger nur 60

Sekunden. Sie hatten für die sieben Tage

mit mindestens 1100 US$ gerechnet. Bis

auf Josef sind aber alle mehr oder weniger

zufrieden.

Die 1500 m hinab zum Gate führen durch

einen gespenstisch anmutenden Regenwald

mit großen Farnen, Schlingpflanzen,

hohen Bäumen, krächzenden und

singenden Vögeln. Am Gate gibt es zu

Werbezwecken noch eine Urkunde. Die

Bewohner des nächsten Dorfes haben

übermäßiges Interesse an unserer Ausrüstung.

Die Leute können alles gebrauchen,

von den Schuhen über die Stöcke bis

zu den Rucksäcken. Die Armut ist groß

und wir erscheinen als unendlich reiche

Touristen. Während der Tansanische Staat

uns 120 $ Eintritt pro Tag abknöpft, müssen

Träger mit 10 $ proTag auskommen, wovon

sie auch noch einen Teil an die Parkverwaltung

abgeben müssen. Das macht den

Wunsch nach einem hohen Trinkgeld verständlich

und wird von den Trekkingorganisationen

beim Lohn einkalkuliert.

Den Nachmittag verbringen wir mit einem

Stadtbummel in Moshi. Wir sind

zwei Tage früher zurück als geplant. Ein

Tag ist Ruhetag und am übernächsten

Tag brechen wir zu einer 5-tägigen Safari

auf.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass

wir am Lake Manyara, in der Serengeti

und im Ngorongoro Krater unvergleichliche

Landschaften mit unglaublich vielen

eindrucksvollen Tieren gesehen haben.

Die Safari war als kleines Anhängsel an die

Berge gedacht, stellte sich aber als absolutes

Highlight der ganzen Reise dar. r

6 DAVON: 1/12

DAVON: 1/12

7

Text und Fotos:

Christoph Heer


8

DAVON: 1/12

Auf den Spuren der

Räuber im Spessart

Eine Wanderwoche vom

9. bis 17. September 2011

Auch 2011 hatten hatten Annemarie

und Alfons Bogedain wieder eine

Wanderwoche für die Wandergruppe organisiert.

Ziel war Bad Orb, ein freundliches

kleines Solebad im Spessart. Wir

11 Teilnehmer haben den Ort in diesen

Tagen mehrfach durchkreuzt, auch den

Kur- und den Wildpark durchwandert.

Der letzte Tag, der zur freien Verfügung

stand, hat uns durch eine hochinteressante

Stadtführung mit Geschichte und

Bedeutung des Ortes bekannt gemacht.

Bad Orb war durch vier Jahrhunderte

ein Hauptort der Salzgewinnung durch

Gradierwerke, daher auch politisch viel

umkämpft. Wie staunten wir, dass neben

dem einzigen verbliebenen „Gradierwerk“,

allgemein Saline genannt, einst

neun weitere standen. Immerhin handelt

es sich um Bauwerke von 100 m Länge

zu 8 m Höhe mit Schlehdornbündeln auf

kunstvoll gezimmerten Holzgerüsten

aufgebaut. Aus dem darüber rieselnden

Wasser der örtlichen Solequelle ließ sich

das kostbare Salz gewinnen. Dass das

Städtchen aus der Vermarktung einigen

Wohlstand gezogen hat, bewiesen die

behäbigen alten und reich verzierten

Bürgerhäuser. Nach dem Niedergang der

Salzgewinnung wurden diese Solequellen

Grundlage für einen lebendigen, heute

leider rückläufigen Kurbetrieb. Leicht

fanden wir daher alle gute und dennoch

preisgünstige Quartiere.

St. Martin, die gotische Pfarrkirche aus

rotem Sandstein, der hier überall vorkommt,

hat trotz eines Brandes in den

achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts

die meisten seiner kostbaren Kunstwerke

bewahren können.

Auch für die, die nicht mehr so viel mit

wandern konnten, bot das Städtchen viel

Abwechslung, vor allem durch die wundervolle

neue Therme.

Die Gegend um Orb ist ein ideales Wandergebiet.

Die Wege waren abwechslungsreich

und gut, wenn nicht gerade

schwere Trecker abgeholzte Stämme

aufluden und dann eine Morastpiste

hinterließen, was uns leider mehrfach

widerfahren ist. Wir sind alle umliegenden

Höhen hinaufgestiegen durch dichte,

herbstlich leuchtende Mischwälder

und durch Täler mit Dörfern in weitem

Wiesengelände zurückgekehrt. Zuerst

hat uns der Dauerregen buchstäblich bis

auf die Haut aufgeweicht. Während der

letzten vier sehr kalten, aber glasklaren

Tage konnten wir weite Ausblicke genießen,

zuletzt vom Wachtturm auf dem

Molkenberg. Fast jeden Tag gab es einen

anderen Glanzpunkt. Mal war es ein im

Schlot stecken gebliebener Magmapfropf

mit einer Mauer von Basaltsäulen, wie

wir sie 2010 in der Rhön kennen gelernt

haben. Dazu erzählte uns dann Annemarie

die gruselige Sage von dem Felsspalt,

in dem der gierige Jägerbursche eingeschlossen

wurde.

Ein anderes Mal tranken wir Kaffee im

„Sudetenland“. Was soll der Name hier?

In dem Jossagrund , wo das Gasthaus lag,

siedelten sich nach Ende des 2. Weltkrieges

Flüchtlinge an. Zuvor wurde dieses

Gebiet als Truppenübungsplatz genutzt

und dreimal verwüstet: Zunächst unter

Kaiser Wilhelm, dann unter den Nazis

und zuletzt unter den Alliierten. Interessant

waren auch der St. Martins „Dom“ in

Oberndorf, (auch wenn er für einen Dom

viel zu bescheiden war) und die Fachwerkkirche

in Wächtersbach. Sage keiner,

diese Gegend sei hinterwäldlerisch und

kulturlos!

Auf der Heimfahrt haben wir noch die

beiden Kleinode Gelnhausen mit den

Resten der Kaiserpfalz Barbarossas und

„Steinau an der Straße“ kennen gelernt,

die Stadt, in der die Gebrüder Grimm ihre

Jugend verbrachten.

Und abends? Da ging man gemeinsam essen!

Anders als im berühmten „Wirtshaus

im Spessart“ gab es hier anstatt einer Räuberhöhle

ausgezeichnete Gasthäuser, wo

man den Gästen die leckersten Speisen an

Wild und Fisch preiswert vorsetzte. So trafen

wir uns allabendlich mal hier, mal da

zur fröhlichen und gemütlichen Tafelrunde.

Für alle war diese Wanderwoche ein

schönes und erholsames Herbsterlebnis.

Wir dankten Annemarie und Alfons für

ihre Mühe und große Geduld mit einem

Gedicht. Ich zitiere hier den Schluss:

Dank sei euch gesagt, „denn ihr machtet

uns bekannt mit diesem schönen Hessischen

Spessartland“. r

9

Text:

Hildegard

Trümper

Fotos:

A. Bogedain


Text und Fotos:

Jürgen Dirscherl

Trekking zu den

Vulkanen Equadors

Wir stehen direkt am Kraterrand,

doch von dem gewaltigen Schlund

ist nur der Rand zu erahnen. Es ist sechs

Uhr morgens, kurz nach Sonnenaufgang,

windig, kalt und neblig, die Feuchtigkeit

läßt den Anorak steif gefrieren, und das

nur 80 km vom Äquator entfernt! Schade,

Null Sicht auf dem Gipfel des Cotopaxi, mit

5897 m einer der höchsten aktiven Vulkane

der Welt …

Eine gute Woche sind wir nun in Ecuador

unterwegs, um eine Reihe von Vulkanen

zu besteigen. Wir, das sind elf Leute aus

Deutschland und der Schweiz, unterwegs

mit „Hauser Excursionen“ und perfekt

begleitet von unserem deutschen Reiseleiter

Mike. Ecuador teilt sich im wesentlichen

in drei geographische Regionen ein:

Das pazifische Tiefland im Westen, das

Amazonas-Tiefland im Osten, und das

Hochland als Streifen mit etwa 2500 bis

3000 m Höhe dazwischen, aus dem zahl-

10

reiche Vulkane aufragen, der höchste, der

Chimborazo, bis über 6000 m. Da häufig

Ostwind vorherrscht, gibt es im Hochland

viel Regen bzw. Schnee aus dem feuchten

Amazonas-Tiefland. Bei Westwind

kommt das schlechte Wetter aus Westen,

sprich, das Wetter ist eigentlich ganzjährig

besch... – sehr wechselhaft, wobei es sich

generell vormittags schnell bewölkt und

nachmittags regnet, für Bergsteigen ist

also sehr früher Aufbruch angesagt.

Die sechs Wochen davor hatte es fast ununterbrochen

geregnet, selbst für hier

sehr ungewöhnlich. Mit unserer Ankunft

wurde das Wetter zum Glück deutlich

besser, blieb aber wechselhaft. Durch das

schlechte Wetter waren die hohen Berge

tief verschneit, was die Besteigungen anspruchsvoller

und mühsamer, aber auch

schöner und teilweise sicherer (festere

Schneebrücken über den Spalten) machte.

Nach der Ankunft in Quito, nur etwa 25 km

Wir gingen zu Fuß auf die Vulkane,

diese Frauen warteten auf den Bus.

südlich des Äquators, besteigen wir zum

Akklimatisieren zuerst den Pasachoa, einen

erloschenen Vulkan mit etwa 4200 m

Höhe. Das Wetter ist zwar nicht schlecht,

viel Sicht haben wir am Pasachoa aber

nicht. Die zweite Akklimatisationstour

unternehmen wir am El Corazon. Von

der romantischen alten Hacienda an der

Bahnstation in Machachi führt der Weg

sehr weit und flach erst durch Felder und

schließlich durch die exotische Paramo-

Vegetation bis zum Vorgipfel mit etwa

4500 m.

Wir gehen langsam und so habe ich Zeit,

die fremdartigen Pflanzen zu fotografieren.

Auch von diesem Gipfel haben wir nur

begrenzte Sicht durch Wolken und Nebel

auf die Caldera. Uns kommen leise Zweifel,

ob wir die großen Gipfel wie Illiniza,

Cotopaxi und Chimborazo überhaupt je

zu sehen bekommen werden. Der Abstieg

geht flott, doch werden wir kurz vor der

Hacienda im Regen klitschnass.

Auf dem Vorgipfel des El Corazon In der Nordflanke des Illiniza Norte Rodeo

Nach diesen Eingehtouren gehen wir den

ersten Fünftausender an: Den Illiniza

Norte mit 5116 m. Aus Beschreibungen

in Büchern kannte ich den Berg als reinen

Felsgipfel, mit leichten Bergstiefeln

zu begehen. Unser Reiseleiter Mike meint

dazu, der Berg sei aktuell tief verschneit,

und auf dem Normalweg – mit leichten

Kletterstellen – kaum begehbar. Andere

Gruppen seien kürzlich nicht hochgekommen.

Wir gehen den Berg daher direkt

von Norden an, über ein eigentlich sehr

unschönes Schuttfeld, das aber bei diesen

Verhältnissen mit Steigeisen recht gut begehbar

sein sollte. Bei der Anreise verbirgt

sich der Illiniza in tiefhängenden Wolken.

Während des Aufstiegs zum Zeltlager auf

3900 m schüttet es wie aus Eimern, zum

Glück sind die Zelte einigermaßen dicht.

Erst am späten Abend hört es auf zu regnen.

Um drei Uhr heißt es Aufstehen und

nach einem kurzen Frühstück geht es los.

In der Morgendämmerung gegen sechs

sehen wir die Illinizas zum ersten Mal in

voller Größe, noch von Wolkenfetzen umflossen,

doch es reißt zunehmend auf.

Hinter uns ragt der gewaltige, nahezu ideal

geformte Kegel des Cotopaxi auf. Wir

queren die tief verschneite Nordostflanke

des Illiniza Norte bis zum Nordgrad und

folgen diesem ein Stück. Mit Steigeisen

ist der hartgefrorene Firn gut zu begehen,

aber weiter oben im Gipfelaufbau wird es

steil und zunehmend kommen Felsen

durch, die mit Eis und dickem Rauhreif

überzogen sind. Der viele Schnee hat den

Trekkingberg in eine nette kombinierte

Hochtour verwandelt! Nach sechs Stunden

stehen wir alle auf dem Gipfel, und

feiern diesen ersten Fünftausender der

Tour ausgelassen. Auch die Rundsicht ist

ganz passabel.

Obwohl noch früh am Vormittag steht

die Sonne schon hoch und beim Abstieg

wird der Schnee bereits weich und heikel.

Eine der Schweizerinnen ist ausgebildete

Bergführerin und turnt hin und her, um

weniger sicheren Teilnehmern an einer

kritischen Stelle zu helfen. Zurück bei den

Zelten beginnt es schon wieder zu regnen

und wir verbringen den Rest des Tages dösend

und ruhend im Zelt. Abends läßt der

Regen nach, und als ich am nächsten Morgen

um vier Uhr nach draußen sehe, funkeln

die Sterne über mir, auch das Kreuz

des Südens ist klar zu erkennen. Schnell

baue ich die Kamera auf und fotografiere

den beeindruckenden Südsternhimmel.

Der Morgen bleibt klar und so bietet sich

uns ein überwältigendes Schauspiel: Vor

uns Illiniza Sur und Illiniza Norte im Licht

der aufgehenden Sonne, und hinter uns

der riesige Kegel des Cotopaxi. Deutlich

ist der Kraterrand zu erkennen, mit der gewaltigen

Gipfelwächte am höchsten Punkt.

Weit in der Ferne ragt der Fünftausender

Cayambe auf, der direkt auf dem Äquator

liegt (und den einzigen Gletscher genau

auf dem Äquator trägt).

Nächstes Ziel ist der Cotopaxi selbst,

doch vorher ist ein Ruhetag auf 3700 m

im Akklimatisationszentrum Tambopaxi

in der Hochebene zu Füßen des Cotopaxi

angesagt. Es handelt sich um eine gemütlich

eingerichtete, geräumige Berghütte.

Als wir nach holpriger Fahrt ankommen,

hüllt sich der Cotopaxi wieder mal in Wolken.

Vor der Hütte sehen wir Kolibris an

einem Zuckerwasser-Spender. Am Abend

um sechs feiern wir in unserem Lager das

deutsche Silvester, die Gedanken schweifen

wie so oft nach Hause zur Familie. Um

Mitternacht begehen mit den trinkfesten

Einheimischen das ecuadorianische Silvester,

bei dem eine lebensgroße Stoffpuppe

als Symbol für das alte Jahr verbrannt

wird.

Am nächsten Tag findet im Dorf unterhalb

der Hochebene das traditionelle Neujahrs-

Rodeo statt. Wir wandern über die weite

Hochebene, hinter uns ragt der Cotopaxi

auf, ein unvergesslicher Anblick. Die Aufstiegsroute

über die Nordseite ist gut zu

erkennen, der Schnee reicht 500 m tiefer

als üblich.

Auf dem Rodeo sind wir die einzigen Touristen,

und werden von der Landbevölkerung

entsprechend bestaunt. Bei diesen

Rodeos werden keine Tiere getötet, es

handelt sich nur um einen Wettstreit der

Cowboys aus dem Hochland in verschiedenen

Disziplinen wie Stier-Einfangen mit

dem Lasso oder Bullenreiten. Dem Gewinner

winkt ein riesiger, bunter Pokal. Ganz

nebenbei werden gewaltige Mengen an

Bier und Essen vertilgt.

Am nächsten Morgen zieht das Wetter wieder

rasch zu, und wir steigen im Nebel zur

Jose-Ribas-Hütte auf 4800 m am Cotopaxi

auf. Unser Koch Carling und sein Gehilfe

Gallo versorgen uns wie schon am Illiniza

mit deftigem, leckerem Essen. Ganz

typisch für Ecuador sind die kräftigen

Gemüsesuppen, mit Zutaten, für die es

meist gar kein deutsches Wort gibt. Um

sieben Uhr abends gehen wir ins Lager,

doch wie so oft auf diesen Höhen und vor

großen Touren kann ich nicht schlafen.

Zum Glück wird schon um Mitternacht

geweckt, und kurz nach ein Uhr morgens

beginnt der Aufstieg, von der Hütte weg

mit Steigeisen im Schnee. Sah es abends

noch ganz gut aus – die Sterne funkelten

DAVON: 1/12 DAVON: 1/12 11


Cotopaxi vom Lager Illiniza Zeltlager am Illiniza Nordflanke des Illiniza Norte mit Aufstiegsroute Paramo-Vegetation Obere Aufstiegsroute am Cotopaxi

durch die Wolkenlücken – so fängt es nun

an zu schneien. Gleichzeitig ist es neblig

und sehr feucht. Obwohl es sich nicht sehr

kalt anfühlt, vereist der Anorak und wird

stocksteif.

Bald erreichen wir den Gletscher und passieren

mehrere heftige Spaltenzonen. Die

Spalten sind gewaltig, mehrfach müssen

wir weite Umwege laufen und zum Teil

wieder etwas absteigen, um begehbare

Spaltenbrücken zu finden. Dazu will das

Wetter einfach nicht besser werden. Ein

steiler Aufschwung folgt auf den nächsten,

dann wieder ein Eisbruch oder eine Spalte

mit Ausweichmanöver, und so folgen wir

unserem Bergführer Nico immer höher,

bis wir nach fünf Stunden Aufstieg nach

einem steilen Aufschwung auf einer Art

Kuppe stehen, hinter der es nicht mehr

weiter hoch geht – soweit wir das im Nebel

sehen können. Dies ist also der Gipfel

des Cotopaxi. Vor uns sollte sich eigentlich

der 800 m große Krater öffnen, doch – wie

anfangs gesagt – können wir gerade seinen

Rand erkennen.

Nach einer halben Stunde und einigen

Fotos wird es doch empfindlich kalt,

noch länger auf gutes Wetter zu warten

hat keinen Sinn, und so steigen wir zügig

wieder ab. Nach nur eineinhalb Stunden

sind wir wieder an der Hütte, gerade recht

zum Frühstück. Mittags steigen wir ganz

ab und fahren zur prächtigen Hacienda La

Cienega, die zu einem stilvollen Hotel umfunktioniert

wurde. Der Bau ist über 400

Jahre alt, 1802 übernachtete hier Alexander

von Humboldt. Die um einen gepflegten

Garteninnenhof angeordneten Räume

verströmen viel koloniales Flair.

Nach dem Pech mit dem Wetter heute

(nachdem es am Tag zuvor so genial gut

war !) hoffen wir nun auf besseres Wetter

an unserem letzten Ziel und dem Höhepunkt

der Reise, dem Chimborazo. Dessen

Gipfel ist übrigens der Punkt auf der Erde,

der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt

ist. Aufgrund der Erdabflachung zu

den Polen ist dieser Abstand über zwei km

größer als am Gipfel des Mount Everest.

Vorher ist jedoch Erholung im Badeort Banos

angesagt. Auf der Fahrt dahin besuchen

wir noch den Wasserfall des Rio Verde

am El Pailon del Diablo. Der Wasserfall

liegt nur auf 1500 m, bei der Wanderung

dahin umfängt uns tropische Vegetation

mit traumhaften Blüten.

Banos liegt nicht etwa am Meer, sondern

auf etwa 1900m direkt zu Füßen des – auch

aktuell - sehr aktiven Vulkans Tungurahua,

der die heißen Quellen im Ort speist.

Ein dummes Gefühl, zu wissen, daß direkt

über einem ein 4000 m hoher, aktiver

Vulkan droht, bei dem ständig mit einem

Ausbruch gerechnet werden muß. Bei der

Hinfahrt passieren wir den Lavastrom

vom letzten Ausbruch vor wenigen Jahren,

der die Straße verschüttete. Banos selbst

ist sehr touristisch aufgestellt, ich finde

Werkstätten für Schnitzereien aus der

Tagua-Nuß, dem sogenannten Elfenbein

Amazoniens, und erstehe einige Stücke für

meine Frau Vera und die Jungs.

Abends um sechs öffnen die heißen Quellen.

Das Thermalwasser mit etwa 42°C

wird jeden Tag frisch eingefüllt, daher

kann man problemlos ein Bad riskieren.

Nach einer halben Stunde ist man regelrecht

durchgeglüht wie nach einem Saunabesuch

und muß sich erst mal in kaltem

Wasser abfrischen, ein prickelndes Vergnügen.

Am Abend gehen wir gut Essen,

die Steaks hier sind wirklich klasse und

sehr preiswert.

Am nächsten Morgen verlassen wir Banos

und fahren volle 3000 m höher zum

Chimborazo. Die meiste Zeit verbirgt

er sich hinter Wolken, doch mittendrin

haben wir gute Sicht auf den mächtigen,

mehrgipfligen Vulkanstock. Er gilt als

erloschen und ist stark vergletschert. Wir

fahren bis zur Carrel-Hütte am Fuß des

Chimborazo auf 4800 m. Auf dem Weg sehen

wir am Straßenrand Gruppen von Vicunjas,

der kleinen Wildform der Lamas.

Anfangs fotografieren wir zur Vorsicht

aus sehr großer Entfernung, doch dann

lassen uns die scheuen Tiere bis auf 20 m

herankommen.

Nach einem leckeren Mittagessen auf der

Carell-Hütte steigen wir noch eine halbe

Stunde zur Whymper-Hütte auf 5000m.

Obwohl diese Westseite des Berges eher

vom pazifischen Tief land beeinf lußt

wird, reicht auch hier der Schnee bis zur

Hütte. Am Nachmittag eröffnen sich immer

wieder Blicke auf die Westflanke und

die Aufstiegsroute. Diese führt über die

traurigen Reste des Thielmanngletschers

– im wesentlichen über schneedurchsetzten,

gefrorenen Sand – bis zum Westgrat,

den man bei einem Felsturm namens El

Castillo erreicht. Dann folgt die Route

kerzengerade und stets recht steil über

800 Höhenmeter auf dem Westgrat, der

in dem Vorgipfel Veintemilla (6270 m ?)

endet. Von diesem geht es etwas abwärts

in ein Joch und schließlich hinauf zum

höchsten Punkt des Chimborazo, dem

Cumbre Whymper, mit 6310 m (manche

Quellen geben 6276 m an).

Zwei Tage zuvor war eine Gruppe aus

Deutschland auf dem Westgrat umgekehrt,

da der Schnee zu tief war und Lawi-

12 DAVON: 1/12 DAVON: 1/12

nengefahr bestand. Dies lässt uns nichts

Gutes ahnen. Nach kurzer, schlafloser

Nacht stehen wir schon um elf Uhr wieder

auf für ein schnelles „Frühstück“. Über

uns funkeln Tausende von Sternen, sogar

die Magellanschen Wolken lassen sich

erkennen! Sehr guter Dinge brechen wir

kurz nach Mitternacht auf. Es ist stockfinster,

eine mondlose Nacht. Bei El Castillo

machen wir eine erste kurze Pause, doch

zu meiner Enttäuschung sind die Sterne

nun verdeckt, sollte wie am Cotopaxi

schlechtes Wetter hereinziehen?

Wir beginnen den endlosen Aufstieg über

den Westgrat, über 800 m geht es monoton

steil bergauf. Soweit die Stirnlampe

reicht, gibt es bei dem vielen Schnee keinerlei

Anhaltspunkte auf dem Grat, nicht

einmal Spalten. Nur der Höhenmesser

bestätigt ab und zu, daß wieder hundert

Höhenmeter geschafft sind. Stundenlang

steigen wir so weiter, eine gewisse mentale

Stabilität (oder Sturheit ?) ist hier unabdingbar.

Ab 5800 m wird die Schneequalität spürbar

schlechter, immer wieder brechen wir

durch den Harschdeckel und rutschen

zurück. Meine Partnerin am Seil, eine

top-fitte Schweizerin, arbeitet sich am

losen Schnee etwas auf und bekommt

Kreislaufprobleme. Auch unser Bergführer

Nico ist hier machtlos. Richtig bitter

wird es ab 6000 m, ich rede ihr gut zu,

durchzuhalten, und es sei nicht mehr

weit, doch die letzten hundert Meter werden

für sie zum Kampf. Endlich flacht der

Grat ganz langsam ab, wird breiter und

mündet schließlich in eine breite Kuppe,

dem Vorgipfel Veintemilla. Da wir nur gute

fünf Stunden gebraucht haben, ist es

noch stockfinster. Wir machen nur kurz

Pause, und bevor meine Seilpartnerin viel

darüber nachdenken kann, sind wir schon

auf dem Weg zum Hauptgipfel.

Der Abstieg in das Joch geht gut, doch im

steilen Aufstieg zum Cumbre Whymper

braucht sie viele Pausen. Dann stehen wir

endlich auf dem höchsten Punkt und genießen

den Rundblick. Es ist viertel nach

sechs, die Sonne geht gerade auf. Über uns

sind dünne hohe Wolken, tief unter uns

liegt eine weitere Wolkenschicht, doch

dazwischen haben wir einen grandiosen

Blick auf den nahen Vulkan Tungurahua,

der mit seiner Rauchfahne am Krater

zeigt, wie aktiv er noch ist. In der Ferne,

etwa 100 km weg, schwebt der Cotopaxi

auf dem Wolkenmeer. Trotz des kalten

Windes bleiben wir recht lange und kosten

den Gipfel voll aus. Mit der höhersteigenden

Sonne lösen sich die hohen Wolken

über uns auf und die Sicht wird immer

besser. Außer uns ist nur noch eine Seilschaft

am Gipfel, die eineinhalb Stunden

vor uns (um viertel vor elf am Abend!)

gestartet war.

Schließlich machen wir uns an den langen

Abstieg. Diesen gehen wir mit viel

Muße an und nehmen uns alle Zeit zum

Fotografieren. Im Abstieg begegnen uns

die meisten Teilnehmer unserer Gruppe.

Insgesamt haben von den elf Teilnehmern

sechs den Cumbre Whymper erreicht, drei

weitere den Vorgipfel Veintemilla, und

nur zwei sind umgekehrt, ein sehr guter

Schnitt. Ganz davon

abgesehen,

dass alle Leute sehr fit waren, ging es in

der Gruppe auch sonst sehr harmonisch

zu, jeder half dem anderen, wo es nur

ging. Es gab weder Quertreiber noch

„Alpha-Tiere“, die den Gruppenzusammenhalt

störten.

Überglücklich und zufrieden stehen wir

drei Stunden später wieder an der Hütte,

frühstücken und warten auf die anderen.

Die letzten treffen erst gegen Mittag an

der Hütte ein. Wir steigen ganz ab, verabschieden

uns von Carling, Gallo und den

Bergführern, und fahren nach Riobamba

in ein schickes Hotel. Die erste heiße Dusche

ist herrlich. Wir lassen den Abend in

Feierstimmung ausklingen.

Am nächsten Tag, der auch als Reservetag

für den Chimborazo dienen sollte, fahren

wir mit einem uralten Schienenbus über

krumme und rumpelnde Schienen von

Riobamba nach Palmira. Vor dort bringt

uns der Bus zurück nach Quito, wo wir am

Abend noch ein sehr leckeres Abschieds-

Abendessen genießen. Den letzten Tag in

Quito nutzen wir noch für einen Besuch

am Äquator.

Wir lassen uns den Einfluß der Coriolis-

Kraft auf die Drehrichtung von abfließendem

Wasser vorführen. Der Effekt ist

wirklich verblüffend, nur drei Meter links

und rechts vom Äquator dreht das Wasser

beim Ablaufen aus einer Wanne mit

dem entsprechenden Drehsinn, genau

auf dem Äquator aber nicht. r

Cayambe 13


Bouldern

… ein Spiel mit der Bewegung

Verträumte Wälder mit großen Steinblöcken,

geologische Überbleibsel

aus einer anderen Zeit, sind das Ziel der

Boulderer, denen es bei der Ausübung ihres

Sports nicht um die großen Nordwände

geht. Sie finden die Erfüllung in ein paar

wenigen Kletterzügen, die sie ohne Seil

und Klettergurt zu meistern versuchen.

Das Klettern findet in Absprunghöhe

statt, wobei die Höhe von etwa zwei Metern

bis durchaus über sechs Metern variieren

kann. Um Verletzungen bei einem Sturz

vorzubeugen, werden Crashpads benutzt,

kleine klappbare Schaumstoffmatten, die

auf dem Boden ausgelegt die Sturzenergie

abfedern sollen.

Ursprünglich als Training für große Bergfahrten

hat sich das Bouldern inzwischen

zu einer eigenen Sportart entwickelt. Es

wird nicht nur an Steinblöcken, sondern

auch an künstlichen Kletterwänden mit

Kunststoffgriffen praktiziert. Diese Möglichkeit

wird in Kletterhallen, als auch

in speziellen Boulderhallen (wie z.B. der

,Moove‘ in Aachen) angeboten. Große

Turnmatten bieten einen ungefährlichen

Zugang zu dem Sport. Es werden verschiedenste

Wettkämpfe von der lokalen bis zur

internationalen Ebene ausgetragen.

Einige Boulder erfordern

spezielle Bewegungen

- hier wird mit dem

linken Fuß gezogen

(„gehookt“).

Das Bouldern bietet durch die wenigen

Kletterzüge die Möglichkeit sich genauer

mit den einzelnen Bewegungen

auseinanderzusetzen und verschiedene

Bewegungen auszuprobieren, um die

ökonomischste Lösung zu finden. Durch

die räumliche Nähe zu anderen Kletterpartnern

kann ein Austausch über die

Bewegungen stattfinden. Man kann sich

gemeinsam eine Lösung für das Boulderproblem

erarbeiten. Das Bouldern wird

somit zu einem gemeinsamen, kreativen

Spiel!

Pfingsten 2007 - gemeinsam mit Markus,

Conny und Tom bin ich das erste Mal auf

dem Weg nach Fontainebleau, einem großen

und bekannten Bouldergebiet, etwa

60km südlich von Paris. Der Wald von

Fontainebleau zählt zu einem der größten

zusammenhängenden Waldgebiete

Europas und beherbergt abertausende

Sandsteinblöcke, die zum Bouldern einladen.

Am ersten Tag fahren wir zum „Franchard

Isatis“, einem der vielen kleinen

Gebiete vor Ort. Jedes Gebiet unterscheidet

sich vom anderen. Bei manchen handelt

es sich um offene Sandflächen mit viel

Sonne, bei anderen wiederum um dichte

Nadelwälder mit Farnen.

Nach den ersten leichten Bouldern zum

Aufwärmen entdecken Markus und ich

einen dreieinhalb Meter hohen Block, an

dem ein Boulderproblem unser Interesse

weckt. Es handelt sich um eine steile Kante

mit kleinen Leisten als Griffen.

Zunächst haben wir Probleme überhaupt

die Füße vom Boden zu bekommen. Wir

probieren abwechselnd die verschiedensten

Griffe und Tritte aus, um eine Lösung

zu finden, mit der wir auf den Block kommen.

Zwischendurch tauschen wir uns

über unsere Erfahrungen aus und jeder

versucht vom anderen zu lernen. Wir

beschäftigen uns nur noch mit der Bewegung,

dem Eindrehen der Hüfte, dem

Griffwechsel an Leisten, dem Stützen und

Ziehen, dem präzisen Antreten mit den

Füßen auf kleinsten Tritten. Das Gestern

und Morgen spielt für eine kurze Zeit keine

bedeutende Rolle mehr. Wir sind nur

noch im Hier und Jetzt!

Nach der steilen Kante erfordert der

Ausstieg unsere volle Aufmerksamkeit.

Es handelt sich lediglich um eine große,

rundliche Fläche ohne nutzbare Griffe.

Wir müssen uns, unterstützt durch die

Beine, aus den Armen heraus hochdrükken,

um auf den Block zu gelangen. Uns

beiden gelingt es nach vielen Versuchen

auf den Block auszusteigen. Ich bin glücklich

oben zu sein, doch beim Ausblick

auf die vielen anderen Blöcke wird mir

schnell klar, dass es noch viele andere

reizvolle Bewegungsprobleme gibt, die

mich noch das ein oder andere Mal nach

Fontainebleau reisen lassen werden.

Es sind diese unterschiedlichsten Bewegungsprobleme

auf engstem Raum, die

das Bouldern zur Quintessenz des Klettern

werden lässt.

Text und Fotos:

Die Kletterpartner „spotten“

den Boulderer, damit er bei

einem Sturz auf den Füßen

landet.

Dominik Minartz Siegerehrung Die Chefs nach der Arbeit

Boulder-Landesmeisterschaft in der Aachener MooVe Halle

Zum ersten Mal fand die Landesmeisterschaft

im Bouldern in Aachen

statt. Austragungsort war die neue MooVe

Boulderhalle.

Nach intensiven Vorbereitungen wurde

ab Freitag (11.3.11) geschraubt, verändert

und ausprobiert, was die Finger des

Schrauberteams hergaben. Die Schrauber

um Lothar Braun und Stephan Hilgers

hatten knifflige, (für manche) kaum

lösbare Boulder an die Wand gezaubert.

Nachdem Freitagabend um 23 Uhr das

Licht in der Boulderhalle ausging, alles

war bestens vorbereitet, hatte Lothar eine

fast schlaflose Nacht.

„Klappt alles, haben wir an alles gedacht?“,

waren die quälendsten Fragen.

NATÜRLICH war alles in Ordnung. Nachdem

Samstagmorgen alle Helfer vor Ort

und eingekleidet waren (die Sektion Aachen

hatte die Helfer T-Shirts spendiert),

bekamen alle vom Hauptschiedsrichter

Markus Zöll die letzten Informationen.

Dann ging es los, mit einem Unterschied

zur Kletter LM. Beim Bouldern startet

die A-Jugend bei den Herren bzw. Damen

und die C-Jugend muss bei der B-

Jugend starten. Es lief ganz langsam an.

Erst wurden die etwas leichteren Boulder

gemacht, bevor es an die schweren Probleme

ging. Für das Finale qualifizierten sich

aus Aachen: Lars Bell (Herren), Johannes

Korn, Tobias Hagen (männl. B-Jugend)

und Leonie Weber (weibl. B- Jugend).

Nachdem alle Finalisten in der Iso-Zone

verschwunden waren, wurden von den

Routenschraubern letzte Handgriffe an

die Finalboulder gelegt.

Das superspannende und nervenaufreibende

Finale wurde wieder einmal

hervorragend von Stephan Hilgers moderiert.

Die Siegerehrung hatte Norbert

Balser in Vertretung für Joachim Opitz

vorgenommen. Doch wer dachte, es gäbe

wieder 08-15 Pokale wurde eines besseren

belehrt. Lothar hatte die Siegerpokale

selber entworfen und gebaut.

Ein ganz großes DANKE!!! geht an die

vielen, vielen Helfer. Ohne Euch wäre es

nicht möglich gewesen.

Und nicht zu vergessen: Susanne und Ilse

Hilgers. Vielen, vielen Dank eure Verpflegung

war super!

Es war ein sehr anstrengender, aber toller

Wettkampftag! Bis zum nächsten Wettkampf

in Aachen. r

Boulder LM Platzierungen

der Aachener Starter

Herren: Platz:

Lars Bell 3

Valentin Münz 11

Marcel Braun 15

Benni Joseph 19

Piet Wennmachers

männliche Jugend B:

21

Johannes Korn 4

Tobias Hagen 6

Dominik

Minartz

7

Damen:

Ciara Kenny 11

weibliche Jugend B:

Leonie Weber 6

Text / Bilder:

Alexandra Braun, Marc Thermann

Das DAV Helferteam Marcel Braun Tobias Hagen

Nils Giesbertz

14 DAVON: 1/12 DAVON: 1/12

15


W e t t k a m p f j a h r

2011

Die Aachener Kletterer

waren wieder erfolgreich

dabei.

Auch 2011 war für unsere Wettkampfkletterer

wieder ein sehr erfolgreiches Jahr.

Anfang Januar stimmte Lothar Braun seine

Schützlinge auf eine schwere, lange Klettersaison

(März bis Mitte Dezember) ein.

Im letzten Jahr hatte auch die Sektion Aachen

ein besonderes Highlight zu verzeichnen. Zum

ersten Mal wurde die Boulder-Landesmeisterschaft

in Aachen ausgetragen. Es war ein rundum

gelungener, erfolgreicher Wettkampf.

Nach diesem Event ging es dann für unsere

Truppe in die „heiße Phase“ der Vorbereitung.

Im April fand im Rahmen des Deutschen Jugendcups

die Bodensee – Trophy in Scheidegg

statt. Hier haben Marcel Braun und Dominik

Minartz ( bei einer sehr stark überhängenden

Wand ) ihr absolut Bestes gegeben.

Auch unsere Kleinen waren wettkampfmäßig

mal wieder an der Reihe. Das Opening 2011

machte die neue Kletterhalle in Mülheim an

der Ruhr. Die Mädels und Jungs haben sich

hier äußerst tapfer geschlagen, obwohl es viele

weite Züge in den Routen und Bouldern gab.

Weiter ging es dann in Chorweiler und Wesseling,

wo die Gesamtsieger gekürt wurden. Hier

hieß es in der U 14 Fungruppe: And the winner

is?? Charlotte Lucka hat gezeigt, dass der Aachener

Nachwuchs wieder einmal Top ist.

Für die Großen standen Mülheim und Ahlen

im Rahmen des NRW Cups auf dem Plan.Hier

waren die Aachener so erfolgreich, dass sogar

Trainer Lothar Braun sich für die Landesmeisterschaft

im Klettern (Austragungsort Troisdorf)

qualifiziert hat. 1 Woche vorher war für

einige unserer Kids noch ein Ausflug nach

Kassel angesagt. Dort fand die Westdeutsche

Meisterschaft statt.

Allen Teilnehmern einen herzlichen Glückwunsch

zu den tollen Leistungen im vergangenen

Jahr.

Rückblickend kann man sagen dass Lothar

Braun seine Kids optimal auf die vielen Wettkämpfe

eingestellt hat und es wiedermal ein

sehr positives Jahr für den Aachener Klettersport

war.

In diesem Sinne wünsche ich allen Kletterern

für das Wettkampfjahr 2012 alles Gute, Gesundheit,

viel Glück und viel Erfolg.

Mülheim

1 NRW Cup

Ahlen

2 NRW Cup

Troisdorf

LM

Kassel

Westdeutsche

Herren:

Lars Bell 2 5 10 7

Lothar Braun 8 9 10

Marcel Braun

männliche Jugend A:

14 10 11 24 9

Valentin Münz 7 7 6 7

Marcel Braun 8 5 8 9 5

Piet Wennmachers 6 9 9

Dominik Minartz 2 2 2 4 2

Tobias Hagen 4 4 4 9 4

David Franzmann 9 13

Johannes Korn 11 13

Jakob Zachariae

weibliche Jugend B:

3 2 3

Leonie Weber

weibliche Jugend C:

4 5 4 11 3

Alina Zimolong 6 4 3 8 3

Deutscher Boulder Meisterschaften

Herren: München Überlingen Frankfurt Rangliste

Lars Bell 18 20 14 19/61

Deutsche Jugend Cup´s

männliche Jugend A:

Scheidegg Regensburg Darmstadt Rangliste

Marcel Braun

männliche Jugend B:

22 22 20 22/36

Dominik Minartz

weibliche Jugend B:

16 18 19 16/34

Leonie Weber 28 29 38/39

Kids - Cup´s Mülheim Chorweiler Wesseling Gesamtergebnis

weibliche U 11:

Julia Vescan 8 5 13 4

Mareike Zimolong 11 11 9 8

Miriam Vescan

männliche U 14 Fun:

17 32

Gustav Classen 2 4 4 3

Philipp Lentzen 6 8 11 5

Linus Meusel

weibliche U 14 Fun:

10 9 10

Charlotte Lucka 2 1 1 1

Orla Kenny 1 4 2 2

Hannah Sturms 7 6 12 4

Greta Zumbe 8 7 13 5

Caitlin Perkampus 13 8 11 6

Carla Wüller 3 2 8

Maya Kretzschmar 5 7 11

Helene Arends 4 8 12

Chiara Blum

männliche U 14 Power:

9 16

Jakob Zachariae 12 9 10 10

Simon Niesen

weibliche U 14 Power:

11 12 9 11

Alina Zimolong 10 7 8 7

NRW

Rangliste

Neues Kursangebot!noch nicht im Kursbuch veröffentlicht

Boulderkurs im Frankenjura

für Fortgeschrittene

Mit Spass zu mehr Kraft, mehr Technik

und anderen neuen Eingebungen

Der Frankenjura mit seinem feinen Kalkgestein ist zweifellos das traditionsreichste und

beliebteste deutsche Klettergebiet. Eingerahmt von den Städten Nürnberg, Erlangen,

Bamberg und Bayreuth verteilen sich unzählige Kalkmassive in einer wunderschönen,

romantischen Landschaft, die zu sportlicher Outdoor-Aktivität einladen. Aber nicht

nur die Qualität des Kalkgesteins ist legendär, sondern auch die fränkische Küche, das

fränkische Bier und die fränkische Gastfreundschaft. So wird das Einkehren nach einem

ausgiebigen Klettertag das gemeinsame Erlebnis angenehm abrunden.

Dieser Kurs ist für alle, die bereits etwas Felserfahrung gesammelt haben. Vielleicht

kletterst Du schon seit zig Jahren, hauptsächlich mit Seil, und bist neugierig auf neue

Kletterformen? Oder Du möchtest gerne stärker werden, ohne einem stupiden Trainingsplan

zu folgen? Vielleicht möchtest Du auch einfach nur einmal zu den „Verrückten“

gehören, die mit Bouldermatte & Kletterschuhen zum Fels pilgern? Dann bist Du hier

genau richtig! Dieser Kurs richtet sich an alle, die in entspannter Atmosphäre einen

neuen Einblick in die Welt des Boulderns erfahren möchten!

Boulderkurs

Bouldern im Frankenjura, Foto: Udo Neumann

Termin / Dauer: Fr. 21. - So. 23. September 2012

Anmeldeschluss: 15.07.2012

Standort: Pegnitztal, Frankenjura, Deutschland

Voraussetzungen: Felserfahrung mit oder ohne Seil, Motivation

Kursinhalt: Einführung Bouldern: Verbesserung und Erweiterung individueller Kletter-techniken wie Eindrehen,

Körperschwerpunkt richtig einsetzen, gekonnt (Toe-) Hooken, sowie sicheres & vorausschauendes Spotten

Ausrüstung: Kletterschuhe, Chalkbag und Crashpad

Teilnehmerzahl: 3 - 6 Personen

Teilnehmerbeitrag: 70,- €

Fahrt, Übernachtung, Verpflegung sind nicht Bestandteil des Kurses.

Die Kosten hierfür sind selbst zu tragen. Crashpads können auf Anfrage

(gegen Gebühr) ausgeliehen werden.

Leitung: Layla Mammi

Anmeldung: Nach Rücksprache unter:

laylamammi@gmx.de (Tel. 0177-1469642)

schriftliche Anmeldung mit abgedrucktem Anmeldeformular bei:

Layla Mammi, Ringstr. 12, 91235 Hartenstein

Vorbesprechung: Kontaktaufnahme per Email!

Dann wird alles Weitere besprochen…

16 DAVON: 1/12 DAVON: 1/12

17

Anzeige


Johannes in einer Tour auf der Nord-Ost-Seite der Wolfebnerspitze Was will man mehr: Sonne, Felsen und schaulustige Schafe Die einzige in der Gruppe mit Kletter- und Motorbootschein

Mit dem Motorboot in Tirol

Konsequente Arbeit macht sich bezahlt

– ein Leitspruch, der letztes

Jahr über unserer Sommerfahrt stand

und sich wie kein zweiter bewahrheitet

hat. Nachdem sich die Sonne letzten Sommer

rar gemacht hatte, standen die Vorzeichen

für unsere Sommerfahrt denkbar

ungünstig. Die einzige Gegenmaßnahme,

die uns sinnvoll erschien, war ein systematisch

dokumentierter und akribisch

überprüfter Arbeitsplan, der im wesentlichen

aus einer Aufgabe bestand: Teller

leeressen. Und was soll ich sagen? Es hat

geklappt!

Unsere Sommerfahrt, die nun schon zum

dritten Mal stattfand, führte uns 2011 in

die Allgäuer Alpen (Tirol), genauer gesagt

auf die Hermann-von-Barth-Hütte. Diese

liegt 2.131m über dem Meeresspiegel, was

insofern beeindruckend ist, als dass das

nächste Meer immerhin 250km Luftlinie

entfernt ist. Etwas weniger weit entfernt,

nämlich etwa 30 Minuten zu Fuß, befindet

sich die Wolfebnerspitze. Daher erschien

es uns sinnvoll, unsere Aktivitäten

hauptsächlich dorthin zu verlegen, unsere

Klettersachen hatten wir vorsichtshalber

mitgenommen.

Der erste Tag war im wesentlichen geprägt

von der Frage, wie man mit gerade

mal 50 m langen Seilen eine 200 m hohe

Wand hinaufkommen soll. Dazu gab

es verschiedene Ideen, wir entschieden

uns nach längerem Hin-und-Her für die

Methode des überschlagenden Mehrseillängen-Kletterns.

(Der Vorschlag, vier

Halbseilpaare zu einem insgesamt 400m

18

langen Strang zu verknoten und damit

ein Toprope einzurichten, erschien uns

als wenig praktikabel.) Außerdem machten

wir an diesem Tag die Bekanntschaft

mit der einheimischen Tierwelt, die von

Schafen dominiert ist. Diese pelzigen

Racker präsentierten sich uns als eher

scheue Zeitgenossen, es gab allerdings

auch eine besonders aufdringliche Ausnahme.

Einer muss ja immer aus der

Reihe tanzen...

In den beiden Tagen darauf erprobten

und vertieften wir unsere Kenntnisse

im Mehrseillängen-Klettern, erklommen

schwindelnde Höhen und stiegen dem

Gipfelkreuz zu. In unseren Herzen brannte

eine Sehnsucht, die ließ uns nimmer

mehr Ruh. Herrliche Berge, sonnige Höhen,

Bergvagabunden sind wir! Ja, wir!

Der Tag 4 stand ganz im Zeichen der Erholung:

Wir legten einen Wandertag ein,

um uns von den Strapazen der Kletterei

ein wenig zu erholen. Unser Ziel war zunächst

der Hermannskar-See. Als der

Hüttenwirt morgens von unseren Plänen

erfuhr, eröffnete er uns die Möglichkeit

auf dem See Motorboot zu fahren und

gab uns einen 5-Liter Kanister Benzin

mit. Dieses Zusatzgewicht war zwar beschwerlich,

wurde aber mit einem umso

größeren Vergnügen belohnt, das wir

am See hatten. Wir kamen einstimmig

zu der Meinung, dass dieser Service in

Zukunft für alle Berghütten gesetzlich

vorgeschrieben werden muss, die in näherer

Umgebung einen Bergsee haben.

Vom Hermannskar-See wanderten wir

dann weiter zum großen Krottenkopf

(2.656 m), den wir by-fair-means und

vollständig ohne künstlichen Sauerstoff

bestiegen. Dies ist leider noch lange nicht

der Standard an diesem schönen Berg und

es stimmte uns verwunderlich, dass noch

kein Kiosk am Gipfel eröffnet hat, an dem

Speiseeis verkauft wird. Dieser Umstand

wurde auch von einem saarländischen

Tennisclub bemängelt, der unter Anleitung

eines Bergführers den Gipfel erreicht

hatte. Wir vermuten, dass die Teilnehmer

dieser Gruppierung im Tal keinen Handy-

Empfang hatten und daher den beschwerlichen

Weg auf den Krottenkopf auf sich

nahmen, um geschäftliche Termine zu

regeln. (Teilweise auch mit mehreren

Mobiltelefonen pro Person.) Wir machten

uns also wieder auf den Rückweg und

lernten unterwegs spannende Dinge über

Schrauben und Muskeln.

Die letzten beiden Tage standen wieder

im Zeichen der Felskletterei und dem Ziel,

mit allen Teilnehmern auf die Wolfebnerspitze

(2.432 m) zu klettern. Dies ist auch

allen gelungen. Besonders hervorzuheben

ist hier jedoch die respektable Leistung

der Zweierseilschaft Clara-Eva, die einen

durchaus als alpin zu bewertenden 6er

selbstständig durchstieg!

Am letzten Abend wurden wir hervorragend

vom Hüttenwirt unterhalten, der

uns auf seiner Steirischen Harmonika

zum Lied „Die Bergvagabunden“ begleitete,

welches auswendig zu lernen wir uns

zur Wochenaufgabe gemacht hatten. Außerdem

erfuhren wir an diesem Abend,

DAVON: 1/12 DAVON: 1/12

dass alle unsere Väter anscheinend öfter

nach Paris fahren und von dort Waudi-

Waudis mitbringen.

Die Sonnenstrahlen weckten uns am

nächsten Morgen und wir brachen nach

dem Frühstück in Richtung Tal auf. Damit

neigte sich unsere Reise dem Ende

und mit ihr auch diese Geschichte. Drei

Dinge haben wir in der Woche gelernt –

erstens: Nächstes Mal mehr Wurst und

weniger Äpfel. Zweitens: Nicht alle Leute

sollten freien Zugang zu einer Gitarre

haben. Und drittens: Wo Benzin draufsteht,

kann auch Skiwasser* drinnen

sein. (Gell, Eva?)

Zum Schluss noch eine Bemerkung in

eigener Sache: Bei unserer Ankunft in

Aachen mussten wir erfahren, dass es in

der Woche einen schweren Sturm gab, der

teilweise für heftige Überschwemmungen

gesorgt hat. Daher verweisen wir gerne

nochmal auf unsere eingangs geschilderte

Erfahrung bezüglich der vollständig

aufgegessenen Mahlzeiten. Scheinbar gab

es Leute, die damit ordentlich geschludert

haben – wir waren es jedenfalls nicht!

Sachdienliche Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle

entgegen.

Text: Jan Heuermann (Jugendleiter)

(* Skiwasser = Erfrischungsgetränk aus

Wasser mit Himbeersirup)

Die Hermann-von-Barth-Hütte und das großartige Panorama der Allgäuer Alpen

Den Tag mit dem schlechtesten (!) Wetter nutzen wir für eine Wanderung

Bergvagabunden am Bahnhof kurz vor der Rückreise nach Aachen

Die Jugend 1 ist eine offene Jugendgruppe der JDAV Aachen für

Jugendliche zwischen 14-19 Jahren. Mehr Infos gibt’s im Internet

unter: www.jdav-aachen.de/jugend1

19


Meinungen zum Bau

eines Pump-Stausees

im stillen Platzertal

Die Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) plant im Platzbachtal

oberhalb der Platzbach-Alm o.g. Stausee. Die

Baumaßnahme würde, wenn sie zur Ausführung

kommt, einen sehr großen und massiven Eingriff in

die Naturlandschaft bedeuten.

Unser Arbeitsgebiet ist von diesem Projekt betroffen.

Der DAV ist auf Bundesebene und auch in Österreich

als Naturschutzverband anerkannt und somit berechtigt,

wie auch im eigenen Interesse verpflichtet,

sich zu informieren und eine Meinung zu bilden und

zu formulieren.

Im Rahmen eines Infogesprächs wurden die beteiligten

Sektionen von der TIWAG über die geplante

Maßnahme im April 2011 unterrichtet.

Nach einer ersten Begehung im Juli 2011 konnte ich

mir mit Ingbert und Martin Babst ein Bild machen.

Es handelt sich hier um ein ruhiges Hochtal mit einigen

botanischen und auch geologischen Besonderheiten.

Die Größe des Stausees wird in der Oberfläche

über 90 ha betragen. Es werden ca. 7 ha Feuchtgebiete

überschwemmt, in der Talsohle befinden sich auch

von mir bisher nicht beobachtete Erdkegel, auf denen

sich der Bewuchs deutlich vom Umfeld abhebt.

Mit der Fertigstellung ist ein Rundweg um den See

geplant, um ihn touristisch zu erschließen.

Die vorhandene Platzer Alm und die oberhalb gelegene

Bergwerkruine bleiben von der Baumaßnahme

unberührt. Die Almbetreiber sehen die Maßnahme

auch mit kritischem Blick, so direkt unterhalb der

Staumauer zu wohnen und zu wirtschaften. Weideflächen

werden geringer, Besucherzahlen werden

steigen und somit die höheren Anforderungen den

Besuchern gegenüber. Das Platzertal liegt in einem

sehr ruhigen, abgeschiedenen Bereich des Glockturmkamms.

Der angrenzende Naturpark „Kaunergrat“ soll (?)

auf dieses Gebiet erweitert werden, der Pfroslkopf

würde dann dazu gehören und somit auch große Teile

unseres Arbeitsgebietes.

Dies macht Sinn. Viele von uns haben bei Wanderungen

von unserer Anton-Renk-Hütte aus den Steinadler

gesehen und beobachten können. Um seinen Lebensraum

zu erhalten, braucht es Abgeschiedenheit

und eine gewisse Ruhe, denn er braucht Beutetiere

für seine Lebensweise.

Wir sind Gast in den Alpen, verantwortungsvolles

und bewusstes Engagement für unsere Natur und

Umwelt ist ein Ziel unserer Arbeit.

Wolfgang Simons, Naturschutzreferent

20

Die Bilder können nur den Zustand der

Gebäude in den Jahren 1984, 1991 und

1998 zeigen, da wir auf unserer Wanderung

in ein uns bekanntes Gebiet leider keine

Kamera mitgenommen hatten

Goldgrube beim Silberbergwerk?

Der geplante Staudamm wird den Blick von der Platzer Alm auf die Dreitausender und das Obere Platzertal versprerren. Ehemalige Unterkunftshäuser an der Erzaufbereitung.

Im Arbeitsgebiet der Sektion Aachen liegt

am Kamm zwischen Bergler- und Platzertal

ein aufgelassenes Bergwerk, das

noch heute wegen des hohen Silbergehalts

der einstmals dort geförderten Bleierze als

„Silberbergwerk“ bezeichnet wird.

Zum Jahresbeginn 2011 gab der Stromerzeuger

„Tiroler Wasserkraft AG – TIWAG“

bekannt, dort den Bau eines Oberstufenspeichers

zu planen. Durch einen Steinschüttdamm

von 120 Meter Höhe und mit

einem Volumen von 7,8 m³ soll ein Speichersee

mit 42 Mio. m³ Inhalt geschaffen

werden. Den projektierten Speicher sollen

zum größten Teil Pumpen mit Wasser aus

dem Gepatsch-Stausee füllen. Der größte

Teil der Weideflächen der Platzer Alm soll

unangetastet bleiben, und die Großbaustelle

will man nur durch einen Zufahrtsstollen

aus dem Kaunertal erschließen.

Die Stollen des aufgelassenen Bergwerks

werden durch die vorgesehenen Baumaßnahmen

nicht beeinträchtigt, da sie über

dem Stauziel des Speichers liegen.

Die geplanten Eingriffe in die stille Welt des

Platzertals waren für uns ein Anlass, Ende

Juli 2011 diesen fernen Bereich unseres

Arbeitsgebietes noch einmal aufzusuchen.

Mit dem Auto gelangten wir über Pfunds

und den kleinen Ort Greit, dessen Häuser

wie Schwalbennester an den steilen Berghang

gebaut erscheinen, zum Parkplatz

vor der Pfundser Tschey. Wir durchquerten

die ausgedehnten Bergwiesen, die mit

ihren schmucken, für die Heuernte errichteten

Wohnhäuschen, mit den zahllosen

Heustadeln und einer neuen Bergkapelle

ein bewundernswertes Landschaftsbild

abgeben. Das regenreiche Wetter hatte ein

Mähen der Wiesen bisher verhindert, so

dass sie sich in ihrer vollen Blütenpracht

zeigten.

Am Ende der Tschey stießen wir auf einen

in jüngster Zeit angelegten breiten Fahrweg,

der sich, von Tösens heraufkommend,

durch den Wald des Platzertals bis

zu den Almgebäuden hinaufzog. Er zeigte

nicht mehr die geringste Spur des alten

Waldwegs mit seinen überwachsenen

Trockenmauern, auf dem seit der Mitte

des 19. Jahrhunderts wertvolles Erz ins

Inntal transportiert wurde. Unterhalb der

Almgebäude wurde in der Zeit des Erzabbaus

eine Aufbereitungsanlage für das Erz

betrieben. Was von den dort verfallenden

Gebäuden der Verbreiterung des Fahrwegs

hinderlich war, hatte schweres Gerät vollständig

zusammenstürzen lassen.

Ab den Almgebäuden führt ein ansteigender

– noch unveränderter – Hangweg zu

dem Gelände der verschiedenen Stollen

und den Gebäuden des aufgegebenen Bergwerks.

Von diesen waren einige wieder hergerichtet

und mit Zahlenschlössern versehen.

Viele verschiedenfarbig markierte

Messstellen ließen erahnen, wo etliche

Jahre lang eine Großbaustelle das Aussehen

des obersten Platzertals für immer

verändern wird. Diesem wertungsfreien

Blick in die Zukunft soll eine Betrachtung

der Zeiten folgen, in denen sich erstmals

Menschen bemühten, das nutzbar zu machen,

was die Berge ihnen boten: kostbare

Erze.

1539 erhielt eine Gewerkschaft die Abbaurechte

für die Erze im Berglertal. Zunächst

erfolgte der Erzabbau oberirdisch

in sogenannten Pingen, das sind Gruben,

in denen man den Metall führenden Gesteinsschichten

nachging. Diese Pingen

und der lose, unbewachsene Schotter von

ehemaligen Scheideplätzen, auf denen

die Bergknappen das silberreiche Bleierz

aussortierten, sowie die Reste ihrer Unter-

DAVON: 1/12 DAVON: 1/12

künfte lassen sich noch heute aufspüren.

Auf einem Saumpfad wurde das Erz nach

Tösens geschafft und im Inntal verhüttet,

um das gewonnene Silber der Münzprägestätte

in Hall zuzuführen. Die stets beschwerliche

Arbeit der Knappen nahe der

Gletscherregion musste 1610 ganz eingestellt

werden, denn der Bergler-Ferner erreichte

das Abbaugebiet, und die vom Eis

überfahrenen Lagerstätten blieben in den

folgenden 250 Jahren unerreichbar. Dieses

Ereignis traf in Tirol nur das höchstgelegene

Bergler-Bergwerk, brachte aber auch

den Goldabbau in den Hohen Tauern zum

Erliegen. Der Klimawandel scheint sich

auch in niedrigeren Regionen ausgewirkt

zu haben, denn zu dieser Zeit blieben im

Oberinntal die üblichen Getreideeinfuhren

aus Bayern und Schwaben nach schlechten

Ernten aus. Um die allgemeine Notlage, die

in Tösens nach Aufgabe des Erzabbaus eine

doppelte war, zu lindern, wurden 1615

alle Getreidebesitzer bei Strafe verpflichtet,

ihren über dem Eigenbedarf und dem

benötigten Saatgut liegenden Vorrat zu

verkaufen.

Erst 1858 nahmen Freigrübler (Privatleute)

den Bergbau wieder auf, mussten ihn

aber trotz guter Erfolge nach dem Tod des

Hauptunternehmers wieder einstellen.

1881 ließ sich der Advokat Dr. Duregger

aus Innsbruck die Schürfrechte übertragen,

und er schuf die Voraussetzungen für

einen systematischen Abbau der Erzlager:

Im Platzertal wurden verschiedene Stollen

bis in 2.815 m Höhe angefahren und von Tösens

aus schuf man den 10 km langen Weg

ins Abbaugebiet. Ein Berghaus mit Unterkünften

für 20 Bergleute, mit Schmiede,

Stallung und Erzmagazin wurde errichtet.

Am Platzerbach entstanden in ca. 2.100 m

Höhe die Anlagen zur Erzaufbereitung:

ein Betrieb für eine Doppelquetsche mit

zwei Walzenpaaren, angetrieben durch

Wasserkraft, zum Zerkleinern des Erzes;

ferner Arbeiterunterkünfte, Küche, Aufseherraum,

Stallungen und Erzmagazin. Der

Bergbau konnte nur in den Monaten April

bis Dezember betrieben werden. Ab dem

Jahr 1896 übernahm der Trienter Industrielle

Oss-Mazzura das Bergwerk.

Unter dem neuen Besitzer erlebte die

Erzgewinnung ihren Höhepunkt. Für 60

Arbeiter errichtete man in 2.535 m Höhe

ein Berghaus. Während die Arbeiten in

den bis zu 387 m langen Stollen und bei

der Rohscheidung noch von Hand erledigt

wurden, rüstete der neue Betreiber

die Aufbereitungsanlage durch einige

vom Wasser getriebene Maschinen auf.

Stündlich konnten zwar 1,5 Tonnen Erz

verarbeitet werden, aber durch Kälte und

Wassermangel, trotz Errichtung eines

Staubeckens, lag die Anlage 8 Monate im

Jahr still. 1910 führten die hohen Gewinnungs-

und Transportkosten zum Ende

des gesamten Bergbaus, und man ließ

Stollen, Berghäuser und Aufbereitungsanlage

mit allen Maschinen verfallen. Die

Angaben der „Chronik von Tösens“ für das

Jahr 1906 lassen dieses schnelle Ende noch

nicht erwarten: „1906 wurde der Bergbau

mit der Aufbereitung durch eine 2,9 km

lange Seilbahn verbunden. Die Belegschaft

zählte 63 Mann, wovon 26 in der Grube und

37 bei der Aufbereitung tätig waren. In

diesem Jahr wurden 150 Tonnen Bleikonzentrate

gefördert mit einem Gehalt von

52 Prozent Blei und 1.000 Gramm Silber

je Tonne.“

1923/24 misslang ein Versuch, den Schürfbetrieb

wieder dauerhaft aufzunehmen.

Den Erzabbau hielt man auch 1948/49 wieder

für rentabel und begann 1950, die Stol-

len zu enteisen und die Anlagen notdürftig

herzurichten. Aber ein fallender Preis für

Blei machte dem Bergbau von Tösens ein

Ende, obwohl Tirols höchstes Bergwerk ergiebige

Erzgänge aufweist. Die Vorräte an

Blei-, Zink- und Kupfererz wurden auf 1,5

Millionen Tonnen geschätzt. – Die Stolleneingänge

sind zugesprengt, und der Verfall

der meisten Gebäude setzt sich unaufhaltsam

fort. Vielleicht gelingt es dennoch

den Touristikern im Inntal kurzfristig,

die Spuren des historischen Bergbaus zu

einem lohnenden Wanderziel zu machen.

Etwas langfristiger angelegt sind die Pläne

der TIWAG, in der Nähe des Silberbergwerks

auf ihre Weise eine „Goldgrube“ zu

betreiben.

Noch bietet „unser“ Platzertal die Chance,

es (fast) so zu erleben, wie die Kräfte der

Natur und Generationen von Bergleuten es

geschaffen haben. Sollte eine Wanderung

Sie einmal dorthin führen, vergessen Sie

nicht Ihren Fotoapparat! Es erwartet Sie

eine Fülle beeindruckender Motive beim

Hinweg über die Tschey, im engen Tal mit

seinen steilen Grashängen, den markanten

Zirben und dem hinabstürzenden Bach,

der an einer Stelle einen Durchbruch in

Form eines Canons geschaffen hat. Wenn

die vielen Ruinen und die anderen Spuren

vergangener Zeiten und der Gedanke

an die bevorstehende Veränderung des

abgelegenen Tals Sie allzu nachdenklich

stimmen sollten, haben Sie an der Platzer

Alm Gelegenheit, Jausenrast mit Bier und

Speckbrot zu machen. Sie sollten nicht

auf dem neuen Fahrweg zurücklaufen,

sondern den wunderschönen Hangweg

rechts des Bachs entlangwandern, wo die

mit Blüten übersäten Wiesen mit besonderen

Kostbarkeiten aufwarten, mit Türkenbundlilien

und Straußglockenblumen, mit

Edelweiß und Steinnelken. r

21

Text:

Martin und

Ingbert Babst

Fotos:

Ingbert Babst


Fotos:

Brigtte Balser

Christian Arlt

Richard Bardl löst Peter Kustosz als Jugendreferent ab. Ehrung der Jubilare: 60 Jahre im DAV Joachim Opitz wurde in den Ehrenrat gewählt 25 Jahre im DAV Siegerehrung der Jugend

Mitgliederversammlung

Die Mitgliederversammlung 2012

war von den üblichen Tagesordnungspunkten

geprägt. Dem Gedenken

der Verstorbenen, dem Rechenschaftsbericht

des Vorstandes, der Entlastung

des Vorstandes sowie der Ehrung der

langjährigen Mitglieder, dem Bericht aus

den Gruppen und Referaten und dem Beschluss

des Haushaltsplanes 2012.

Es wurde daran erinnert, dass Lothar

Maul, der von 1975 bis 1996 das Amt des

Hüttenwartes für das Haus in Rohren innehatte,

im letzten Jahr verstorben ist.

Wie in den letzen Jahren war zu Beginn

der Veranstaltung ein wichtiger Tagesordnungspunkt

die Ehrung unserer jungen

Sportkletterer. Diese wurde von Alex

und Lothar Braun durchgeführt, die mit

viel Engagement den Sportkletterbereich

betreuen.

Im Laufe der Veranstaltung fanden

zwei Wahlen statt, in deren Verlauf der

langjährige 1.Vorsitzende Joachim Opitz

in den Ehrenrat und Richard Bardl auf

Vorschlag des Jugendausschusses zum

Jugendreferent gewählt wurden. Die

Wahlen erfolgten einstimmig.

Dr. Josef Bremen ließ die Aktivitäten der

Gruppen und Referate in einem kurzweiligen

Bildervortrag Revue passieren.

In seinem Rechenschaftsbericht für das

Jahr 2011 ging der Vorstandsvorsitzende

Norbert Balser auf die Etablierung des

Referates für Sport- und Wettkampfklettern

ein. Damit wurde eine klare

Differenzierung der verschiedenen

Ausrichtungen und Interessen im Klet-

ter- und Jugendbereich erreicht. Neben

dem leistungsorientierten Jugendbereich

findet im Rahmen des JDAV unter Leitung

von Ramona Gillessen ebenfalls ein

regelmäßiges Training statt, in dem die

Kinder spielerisch und ohne Leistungsdruck

ihrem „Hobby“ Klettern nachgehen

können.

Seit 2008 ist Peter Kustosz Jugendreferent

unserer Sektion. In seiner Amtszeit ist es

ihm gelungen, eine sehr aktive Jugendarbeit

zu etablieren. Leider steht er uns

aus beruflichen Gründen nicht weiter zur

Verfügung. Unter seiner Regie wurden im

letzten Jahr mit der Verabschiedung einer

Jugendsatzung und der Gründung des Jugendausschusses

wichtige Bausteine für

eine kontinuierliche Jugendarbeit gelegt.

Aus und durch den Jugendausschuss

getragen, rekrutiert sich der Nachfolger

– Richard Bardl – für die Funktion des

Jugendreferenten.

Eine weitere wichtige Säule für die langfristige

Entwicklung unseres Vereins ist

die Familienarbeit. Auch dort gibt es Positives

zu vermelden. Mit Jürgen Browers

haben wir einen weiteren ausgebildeten

Familiegruppenleiter erhalten und auf

Initiative von Urs Maas hat sich eine

zweite Familiengruppe für Familien mit

kleineren Kindern gegründet, die sich eines

großen Zuspruches erfreut.

Ein Höhepunkt im Jahr 2011 war die Verabschiedung

von Hermann Sailer nach 39

Jahren als Hüttenwart der Anton-Renk-

Hütte. Mit Peter Zöhrer hat Hermann für

uns einen würdigen Nachfolger gefunden

hat.

Mitte letzten Jahres kam es zu personellen

Veränderungen in der Geschäftsstelle.

Bereits länger zeichneten sich erhebliche

Spannungen zwischen den damaligen

Mitarbeitern ab. Trotz intensiven Gespräche,

war es nicht möglich, in der vorhandenen

Konstellation einen Konsens zu

finden. So kam es Ende Mai zu einer

sehr kurzfristigen Trennung von beiden

Mitarbeitern, was wir, bezogen auf die

einzelnen Personen, sehr bedauern.

Wir hatten das Glück, dass wir kurzfristig

zwei Mitarbeiterinnen gefunden haben.

In sehr kurzer Zeit arbeiteten sich Ingrid

Fündgens und Martina Wernerus in das

für sie völlig fremde Arbeitsgebiet ein.

Wir haben nun ein tolles Team in der

Geschäftsstelle, welches vertrauensvoll

zusammenarbeitet und sich gegenseitig

stützt, was sich in einer sehr guten Atmosphäre

niederschlägt.

Auf der Hauptversammlung in Heilbronn

hat der Deutsche Alpenverein mit der

Novellierung des Grundsatzprogramms

zur umwelt- und sozialverträglichen

Entwicklung und zum Schutz des Alpenraums

Position zu den veränderten

ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen

bezogen.

Ebenfalls in Heilbronn beantragte das

Präsidium des DAV eine erhebliche Erhöhung

des Verbandsbeitrages, um alle

Anforderungen, die aus den Sektionen

gekommen sind, zu erfüllen. Der Verbandsbeitrag,

den wir nach „München“

abführen müssen, macht ca. 40 % des

Jahresbeitrages aus. Die vorgeschlage-

ne Anpassung wurde in ihrer Höhe und

vom Zeitpunkt her mehrheitlich von den

Sektionen abgelehnt. Durch eine übereilte

Umgestaltung der Tagesordnung im

Nachgang zu der Abstimmung, kam es

zum Eklat, so dass die weiteren Beschlüsse

hinsichtlich ihrer Rechtmäßigkeit

fraglich waren.

Anfang dieses Jahres fand dann eine außerordentliche

Mitgliederversammlung

in Würzburg statt. Auf Initiative einiger

NRW-Sektionen wurde ein Kompromiss

gefunden. Ab 2014 wird der Verbandsbeitrag

für Vollzahler um ca. 3 Euro steigen.

Im Wesentlichen, um Kreditmittel für die

Sanierung der Hochgebirgshütten und

den Wegeausbau bereitzustellen. Inwieweit

wir die Erhöhung des Abführungsbeitrages

mit den verfügbaren Finanzmitteln

kompensieren können, ist noch

unklar, zumal auch der Finanzbedarf

unserer Sektion stetig steigt. Die Entscheidung,

ob wir die Mitgliedsbeiträge

anpassen, müssen wir dann gemeinsam

im nächsten Jahr auf der Mitgliederversammlung

treffen.

Der DAV-Landesverband NRW ist weiterhin

sehr aktiv im Bereich Sport- und

Wettkampfklettern. Leider sind die Fort-

schritte bei der Sicherung der Klettergebiete

in NRW in 2011 nicht so gewesen, wie

wir dies einmal gehofft haben. Hierzu tragen

die Veränderungen in der politischen

Landschaft und die geringeren Kapazitäten

des hauptamtlichen Mitarbeiters

beim Landesverband bei.

Auch im Jahr 2011 verzeichnete die Sektion

ein weiteres Wachstum von 158

Mitgliedern auf eine Anzahl von 3.800

Mitgliedern. Dies verteilt sich auf alle Altersklassen.

Es zeichnet sich ab, dass sich

dieser Trend im Jahr 2012 fortsetzt.

Auch in diesem Jahr – 2012 – stehen einige

Veränderungen an, denen wir uns stellen

müssen.

Heinrich Gronen, der leider nicht an der

Mitgliederversammlung teilnehmen

konnte, legt sein Amt als Wanderwart,

das er zusammen mit Jutta Peters wahrgenommen

hat, und als Organisator der

Sektionsabende nieder. Die Funktion des

Wanderwartes wird Jutta Peters nun erst

einmal alleine weiterführen. Für 2012 hat

Heinrich bereits alle Sektionsabende organisiert.

Wie es im nächsten Jahr weiter

geht, wissen wir noch nicht, hierzu müssen

wir noch eine Lösung finden.

Wir sind dabei, unsere Außendarstellung

Ehrung der Jubilare: 50 Jahre ... 40 Jahre im DAV

zu verbessern. Durch die kontinuierliche

Anpassung unseres Internetauftrittes

sowie durch die Erstellung von sektionsspezifischem

Informationsmaterial, wie

Flyern, wollen wir im Rahmen öffentlicher

Veranstaltungen das Leistungsangebot

unserer Sektion deutlicher herausstellen.

In seinem Bericht über die finanzielle

Situation des Vereins konnte der Schatzmeisters

Sebastian Wolfrum feststellen,

dass auf Grund der zusätzlichen Mitglieder

sich der ursprünglich negative

Haushaltsansatz in ein positives Ergebnis

gewandelt hat. Auch für das laufende Jahr

wurde wegen der zusätzlichen Anforderungen

aus den verschiedenen Bereichen

ein negativer Haushaltsansatz verabschiedet.

Dabei wurde von gleich bleibenden

Mitgliederzahlen ausgegangen.

Gegen Ende der Veranstaltung erfolgte

die Verabschiedung von Peter Kustosz

als Jugendreferent durch die Jugendleiter

und den Vorstand. Die Leistungen von

Heinrich Gronen für den Verein wurden

vom Vorstand gewürdigt und anschließend

einige Bilder seiner Paraderolle als

Nikolaus gezeigt. r

22 DAVON: 1/12 DAVON: 1/12

23


Text und Fotos:

Horst Wernerus

Cengalopfeiler 3369m

… Unterwegs in einem alpinen Klassiker mit Printen, Gummibärchen, aber ohne Feuer.

Das Bergell, wild romantisch fällt

das Tal von Maloja im Oberengadin

in drei Stufen steil hinunter bis nach

Chiavenna in Italien. Der historisch bedeutsame

Septimerpass verbindet die

Orte Bivio im Norden und Casaccia im

Süden. Die Septimerroute von Chur bis

nach Ciavenna war über lange Zeit einer

der wichtigsten alpenquerenden Transitverbindungen.

Viele Wege und Pfade im

Bergell zeugen von dieser Zeit. Die Wanderwege

durch sonnige Südhänge entlang

der Dörfer sind sehr verlockend.

Der Blick von Solgio auf die riesige gegenüberliegende

Felskette aus kompaktem

Bergeller Granit ist mehr als beeindrukkend.

Aus ihr erheben sich namhafte Felsgestalten

wie Badile oder Cengalo. Steil

über dem Val Bondasca erheben sich

die großen und kompakten Nordwände.

Klettergeschichte wurde hier 1923 ge-

schrieben, als zum ersten Mal die etwa

1200 m lange Nordkante des Piz Badile

durchstiegen wurde. 1937 folgte eine

weitere berühmte Route an der Badile,

die Via Cassin durch die Nordostwand.

Zeitgleich mit der Cassinroute wurde

durch die Seilschaft Gaiser / Lehrmann

der etwa 1000 m hohe Nordwest Pfeiler

am Cengalo durchstiegen. Die Cassin ist

heute eine bekannte und oft durchstiegene

Route mit sanierten und gebohrten

Standplätzen. Am Cengalopfeiler ist es

bist heute ruhig geblieben. Die alpine

Kletterroute am NW Pfeiler, mit ihrem

spaltenreichen und Steinschlag gefährdeten

Zustieg, hat ihren ursprünglichen

Charakter behalten. Eine Sanierung hat

nicht stattgefunden. Der größtenteils gute

und feste Granit bietet eine sehr schöne

Kletterei. Selten trifft man Haken an

und auch die Wegfindung ist nicht immer

einfach. Ein Sortiment Klemmkeile ist die

Grundlage für solide Sicherungspunkte.

Diese Aussichten reizten Georg und mich.

Wir kalkulieren 3 Tage für die Tour.

Unser Plan ist es am ersten Tag steil durch

das Val Bondasca zur Sciorahütte aufzusteigen.

Am nächsten Tage wollen wir sehr

früh über den spaltenreichen Gletscher

zum Einstieg gehen und einsteigen. Die

Kletterschwierigkeiten werden mit etwa

5+ / 6- angegeben. Den Pfeiler wollen

wir in maximal acht bis zehn Stunden

durchklettern, denn für den Abstieg nach

Süden sind zusätzlich fünf bis sechs Stunden

einzuplanen. Um von der Südseite zurück

auf die Nordseite zu gelangen, gibt es

verschiedene Möglichkeiten. Um dem oft

überfüllten Rif. Gianetti zu entkommen,

entscheiden wir uns für den Übergang

über den Bondopass. Oben am Pass steht

24 DAVON: 1/12 DAVON: 1/12

Biwakschachtel am Bondopass Frühstück ... Erste Sonnenstrahlen am Cengalopfeiler

eine Biwakschachtel, das Ziel für diesen

zweiten Tag. Von hieraus wollen wir dann

am dritten Tag über den Bondasca Gletscher

retour zur Hütte.

Es ist drei Uhr in der Nacht, als wir das bereitgestellte

Frühstück in der Sciorahütte

auf uns wirken lassen. Es fällt schwer, um

diese Uhrzeit etwas zu essen, aber es nützt

nix. Es muss eine Grundlage für einen

sehr langen Tag gelegt werden. Wir futtern

was das Zeug hält und kurz danach

ziehen wir im Licht der Stirnlampen Richtung

Einstieg. Das Studium der Gletscherspalten

am Vortag hat sich gelohnt. Zielstrebig

und nicht mehr zickzack als nötig,

kommen wir dem Einstieg näher. Der Weg

durch die Spaltenzone läuft perfekt. Kurz

nach sechs Uhr tauschen wir Steigeisen

und schwere Schuhe gegen Kletterfinken.

Cengalopfeiler – wir kommen!

Es ist noch saukalt. Die ersten eher brüchigen

Seillängen und auch das folgende

Schneefeld lassen wir schnell hinter uns.

Nun haben wir den eigentlichen Pfeiler

erreicht. Bester Bergeller Granit lässt uns

entzücken. Kalt ist es immer noch, aber

der Körper hat seine Betriebstemperatur

erreicht. Die Wegfindung gelingt uns gut

und so klettern wir Seillänge um Seillänge

auf dem schattigen Pfeiler, bis wir gegen

15.30 Uhr für die letzten Meter erneut die

Steigeisen benötigen. Die Sonne im Gipfelbereich

tut gut.

Der Weg bis zum Nachtlager ist noch

weit und so beginnen wir sofort mit dem

Abstieg nach Süden. Anfänglich über Felsen,

dann über ein kleines Gletscherfeld

hinunter in die Geröllhalden verlieren wir

viel Höhe. Vom tiefsten Punkt müssen

wir etwa 700 Höhenmeter wieder hinauf

zum Bondopass und der Biwakschachtel.

Der Tag zieht sich in die Länge und

langsam zehrt es an den Kraftreserven.

Wenigstens Wasser finden wir auf dem

Weg. Die letzten Printenstückchen dürfen

nicht mehr angetastet werden, es ist

die Essensration für die Biwakschachtel.

Wir sehen die Schachtel schon von weitem

im knalligen Orange auf dem Pass. Wir

quälen uns weiter. Mittlerweile sind die

Steigeisen wieder unter den Füßen und

kurz vor dem Ziel kommen noch ein paar

Klettermeter durch die Felsen. Die Kraft

schwindet immer mehr und der Rucksack

ist unerträglich schwer geworden.

Recht müde erreiche ich gegen 20 Uhr

die Biwakschachtel und bereits mit dem

ersten Blick sehe ich völlig unerwartet eine

großen Gaskocher und Tütensuppen.

Ich frohlocke, stürme aus der Schachtel

Richtung Georg und verkünde ihm fröhlich

den unerwarteten Luxus, welcher uns

erwartet. Ein Lächeln zieht durch sein Gesicht.

Wir nehmen die Schachtel in Beschlag.

Sehr eng, aber alles vorhanden,

sogar ein Kocher. Wir freuen uns, unsere

Essen- und Trinkration mit Suppe und

Wasser aufbessern zu können.

Ich finde drei feuchte Streichhölzer in einer

klammen Packung… Georg, haste

mal Feuer? Düstere Falten im Gesicht bedeuten

nichts Gutes. Auch ich finde kein

Feuer im Rucksack. Die drei Streichhölzer

gehen natürlich nicht. Ich gebe nicht auf.

Die Batterien aus der Stirnlampe müssen

herhalten. Mit Autoschlüssel und

Taschenmesser werden die Pole kurzgeschlossen.

Ja, es funkt wirklich, aber der

Kocher will nicht starten. 30 Minuten probiere

ich, dann gebe ich frustriert auf.

Wir kehren zum alten Plan zurück. Vier

kleine Printenstückchen für das Abendessen

und acht Gummibärchen zum

Frühstück müssen reichen. Sehr hungrig

aber gut gelaunt verbringen wir die Nacht

in der Schachtel. Der schöne Sonnenaufgang

entschädigt uns für dieses kleine

Missgeschick. Es ist sehr kalt und etwas

ungemütlich. Wir frotzeln erneut über

unsere Dummheit kein Feuer im Rucksack

zu haben. Von der Biwakschachtel

seilen wir auf den Bondasca Gletscher

ab. Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen

erreichen den Körper und gut gelaunt

geht es hinunter zur Sciorahütte. Kurz vor

elf Uhr erreichen wir die Hütte und unsere

vorsichtige Frage nach zwei großen Portionen

Spagetti wird mit einem Lächeln

bejaht. Hungrige Bergsteiger am Vormittag

scheint es hier öfters zu geben … r

25


nachgeschlagen:

Schmöker

Ecke

Liebe Freunde unserer Bibliothek,

liebe Mitglieder,

unsere Sektions-Bibliothek platzt aus allen

Nähten! Um für die vielen neuen Medien

Platz zu schaffen, werden wir eine weitere

Regalwand einrichten.

Dann wird es noch enger werden, aber

wir haben ja noch den Archivraum für

Tourenplanungen, den Ihr donnerstags

gerne nutzen könnt.

Um Eurem immer größer werdendem

Bedürfnis nach Trekkingtouren gerecht

zu werden, gibt es diesmal einen schönen

Bildband zum Lust machen und

Trekkingangebote auf der ganzen Welt.

Die Hochtourengeher finden eine aktuelle

Ausgabe der 4000er in den Alpen

und die Abenteuerlustigen Wege in den

Ost- und Westalpen mit besonderen

Herausforderungen.

Für diejenigen, die es gemütlicher angehen

wollen, gibt es eine ganze Reihe Trekking-

und Wanderführer .

Alle hier vorgestellten Medien und viel,

viel mehr können donnerstags eingesehen

bzw. ausgeliehen werden.

Na dann!!

Euer Bibliotheksteam:

Marlis Walter, Winfried Walter und

Walter Ponten

26

Trekkingführer:

Zahel, Mark

Abenteuer Alpentreks

Von Hütte zu Hütte in den Nordalpen

Bruckmann Verlag, München

1. Auflage 2009; 192 S.; 39,90 E

ISBN 978-3-7654-5359-5

In den Bergen unterwegs sein, von Hütte

zu Hütte, ganze Gebirgsgruppen zu

Fuß durchqueren – Alpentreks sind die

Königsdisziplin des Wanderns.

Zwischen Allgäu und Totem Gebirge,

vom Karwendel bis hin zu den Ötztaler

Alpen hat Mark Zahel zwanzig solcher

Mehrtagestouren in den Nordalpen erkundet

und die Schönheit dieser Wege für Sie

mit der Kamera eingefangen. Traumhafte

Bilder grandioser Landschaften und exakte

Angaben zur Tour – wer möchte da nicht

gleich selbst aufbrechen?

Därr, Astrid; Karl, Roland F.; Späth, Anette

1000 Wandertouren, die Sie machen

müssen, um die Welt zu sehen Afrika,

Amerika, Asien, Australien und Europa

Bruckmann Verlag, München, Deutsche

Erstausgabe 2011; 360 S.; 12,95 E

ISBN 978-3-7654-5554-4

Die „1000 Touren“ sind Inspirationsquelle

für ein Leben auf Wanderschaft und Touren

in der ganzen Welt. Ob Tagestour oder

Fernwanderweg, ob fast vor der Haustür

oder auf fernen Kontinenten, jeder wird

sein Traumprojekt finden – und dann das

nächste und das übernächste …

Goedeke, Richard

4000er – Tourenführer

Die Normalrouten auf alle

Viertausender der Alpen

Bruckmann Verlag, München

Aktualisierte Neuauflage 2012; 222 S.;

19,95 E, ISBN 978-3-7654-5761-6

Schon die Normalwege der 4000er sind

eine beachtliche Herausforderung. Vor

allem aber sind sie die logischsten Routen,

denn sie erspüren die Linien des geringsten

Widerstandes, die meist auch die Aufstiege

der Erstbesteiger waren und damit ein

Stück klassischer alpiner Geschichte bleiben.

Hüsler, Eugen E.

Abenteuerwege in den Ost- und

Westalpen 32 spannende Touren mit

dem gewissen Etwas

Bruckmann Verlag, München

1. Auflage 2011; 144 S.; 19,95 E

ISBN 978-3-7654-5623-7

Nervenkitzel inklusive

Bergtouren für alle, die mehr suchen als

schöne Landschaften:

Ein wenig Abenteuer bieten verwegene

Pfade in den Bayerischen Voralpen, in den

Julischen Alpen, in den Dolomiten, rund

um den Gardasee und in den Schweizer

Alpen. Nervenkitzel also garantiert – in der

Dolomiten-Einsamkeit der Marmarole, auf

den luftigen Felsbändern des Bondone,

am längsten Grat der Berner Voralpen,

in der verlorenen Bergbauernwelt des

Val Bavona, auf der Salbit-Hängebrücke.

Alle Touren sind aktuell und sorgfältig

recherchiert, Kartenskizzen erleichtern die

Orientierung, packende Bilder machen Lust

auf Abenteuer.

Wanderführer:

Der Verlag Anton Pustet in Salzburg hat

3 Tourenbücher für das Salzburger Land

herausgegeben. Halbtageswanderungen,

anspruchsvolle Touren mit großen

Höhenunterschieden, Mehrtagestouren,

Radwanderungen, Hinweise auf Weitwanderungen

und Pilgertouren. Karten,

Orientierungshilfen und Spezialtipps für

jede Region werden einbezogen.

Hetz, Siegfried

Erlebnis Salzburger Land Bd. 1

Flachgau

1.Auflage 2010; 192 S.; 19.95 E;

ISBN 978-3-7025-0629-2

Im Gürtel um die Stadt Salzburg setzen

sich prächtige Schlösser in Szene, die vom

sagenumwobenen Untersberg und der

Wallfahrtskirche Maria Plain flankiert werden.

Auen und Moore prägen die kontemplative

Flusslandschaft an der Salzach.

Hetz, Siegfried

Erlebnis Salzburger Land Bd. 2

Pinzgau

1. Auflage 2010; 208 S.; 19,95 E;

ISBN 978-3-7025-0643-8

Schneebedeckte Dreitausender, mächtige

Gletscher, imposante Täler, reißende Achen

und tosende Klammen prägen das Salzachtal

zwischen Krimml und Lend. Saumwege,

idyllische Almen, barocke Wallfahrtskirchen

und mystische Bergseen.

Hetz, Siegfried

Erlebnis Salzburger Land Bd. 3

Lungau

1.Auflage 2011; 189 S.; 19.95 E

ISBN 978-3-7025-0655-1

Der Lungau liegt fast zur Gänze auf über

1000 Meter Seehöhe und ist von Bergen

umgeben. Die Täler prägen das Gesicht

des Lungaus. Strahlenförmig erstrecken sie

sich vom Hochplateau nördlich in die Tauern

und südlich in die Nockberge. In dieser

spannenden Bergwelt – vom Naturpark

Riedingtal im Westen über den Preber im

Osten bis zum Stubennock im Süden – liegen

60 Bergseen und es werden 350 Almen

betrieben.

Goetz, Rolf

Mallorca – Wandern & Genießen

Bergverlag Rother, Oberhaching

1.Auflage 2011; 192 S.; 19,90 E;

ISBN 978-3-7633-3049-2

Abseits der in der Saison überlaufenen

Strände wartet auf den Wanderer ein

Paradies mit uralten Olivenhainen, spektakulären

Küstenlandschaften und aussichtsreichen

Gipfelzielen. Das Buch stellt 35

ausgewählte Touren für alle Anforderungen

vor. Neben Klassikern auch viele noch wenig

bekannte und neue Wanderungen.

Die Touren führen über gepflasterte

Pilgerrouten, schattige Köhlerwege und

verschwiegene Schmugglerpfade, mal entlang

der malerischen Küste, mal auf einen

Aussichtsgipfel oder zu einer der beiden

maurischen Burgen.

Unterwegs laden gemütliche Gasthäuser

und Lokale zu Tapas und anderen mallorquinischen

Köstlichkeiten ein.

Kummer, Reinhard

Outdoor Handbuch –

Der Weg ist das Ziel, Bd. 145

Dänemark: Wander- und Radführer

Bornholm

2. aktualisierte Auflage 2010; 185 S.;

14,90 E

ISBN 978-3-86686-290-6

Wanderer finden auf kleinem Raum sehr

unterschiedliche Felsformationen auf spannenden

Küstenpfaden. Radfahrer können

auf ein gut ausgebautes Radwegenetz

zurückgreifen, welches Natur und Kultur

an Küste und Inland berührt.

Körner, Tonia

Outdoor Handbuch – Der Weg ist das Ziel,

Bd. 41 Norwegen: Hardangervidda

5. überarbeitete Auflage 2010; 225 S.;

14,90 E, ISBN 978-3-86686-294-4

Die Hardangervidda gilt als eines der

beliebtesten Tourengebiete Norwegens,

weil die Hochebene einerseits keine hohen

technischen Ansprüche an den Wanderer

stellt und daher sehr familienfreundlich ist.

Für Skiläufer offeriert sie eine ganze Palette

interessanter Touren in einem schneesicheren

Areal. Der Radweg Rallarvegen entlang

der Bergen-Bahn avancierte in den letzten

Jahren zu einer der Touristenattraktionen

schlechthin.

Van de Perre, Erik

Outdoor Handbuch – Der Weg ist das Ziel

Bd. 40 Trans-Korsika: GR 20

7. aktualisierte Auflage 2010; 214 S.;

14,90 E, ISBN 978-3-86686-296-8

Erschlossen wird diese faszinierende

Bergwelt durch eine der spannendsten

Trekkingrouten Europas, den GR 20 oder

auf korsisch: Fra li monti.

Wegen der Erschließung des rauen korsischen

Berglands ist der Pfad immer

attraktiver geworden. Die Errichtung

einer Reihe gut ausgestatteter Wanderhütten

und die stark verbesserten Verpflegungsmöglichkeiten

haben dazu beigetragen.

Haupt, Christiane

Outdoor Handbuch –

Der Weg ist das Ziel, Bd. 187,

Deutschland Österreich:

Jakobsweg München –

Bregenz

2. aktualisierte Auflage 2010;

153 S.; 12,90 E, ISBN 978-3-

86686-314-9

Dieses Buch beschreibt den Weg

von München bis nach Bregenz

am Bodensee, wie er von einer

privaten Initiative im Jahr 2003

anhand von historischen Reiseberichten rekonstruiert

und beschildert wurde.

Die großen Handelsstraßen, auf denen die

Pilger einst wanderten, sind heute nicht mehr

für Wanderer nutzbar, weil sie zu großen

Autostraßen wurden.

Der Weg führt durch Orte, bei denen eine historische

Beziehung zum Jakobuskult nachgewiesen

werden konnte, verbunden mit dem vorbildlich

ausgebauten bayerischen Fernwandernetz.

Klos, Mathieu

Ardennen – Hohes Venn

Bergverlag Rother, Oberhaching

1. Auflage 2010; 176 S.; 12,90 E;

ISBN 978-3-7633-4391-1

Vom Ardenner Schinken haben viele schon

einmal gehört, aber wo die Ardennen genau

liegen, können selbst Rheinländer manchmal

nicht mit Sicherheit sagen.

Gut ein Drittel der Fläche Belgiens ist von

rauem Bergland bedeckt, einerseits dem Hohen

Venn, andererseits den Ardennen. Denn genau

genommen handelt es sich um zwei eigenständige

Gebirgszüge. Bis auf eine Höhe von 700 m

erhebt sich die Landschaft, in der wir eines der

letzten europäischen Hochmoore, weitläufige

Wälder, tief eingeschnittene Täler, zahlreiche

naturnahe Pfade und ein extrem gut gepflegtes

Wegenetz antreffen.

Rüffer, J.; Rüffer-Lukowicz, Chr.

Natursteig Sieg 9 Tagesetappen auf wildromatischen

Pfaden entlang der Sieg

J.P. Bachem Verlag, Köln

1. Auflage 2011; 168 S.; 14,95 E

ISBN 978-3-7616-2376-3

Der Wanderführer „Natursteig Sieg“ ist das

offizielle Buch zum gleichnamigen Wanderweg,

der im April 2011 eröffnet wurde. Die Tour

erstreckt sich entlang der Sieg von Siegburg

bis Windeck in 9 Etappen. Sie bietet ausführliche

Informationen zur Natur der Region und

zu attraktiven Sehenswürdigkeiten, wie das

Kloster Merten und die Burgruine in Windeck.

Die Tagesetappen sind zwischen 10 und 20

Kilometer lang.

27


28

Heinz Gronen

Ein Mann mit vielen Aufgaben und Interessen

Nach vielen aktiven Jahren in der

Sektion möchte er seine Ämter in

jüngere Hände übergeben.

Wer in einem Verein tätig ist, weiß, dass

zu einem Aufgabengebiet oft noch etliche

hinzukommen, zu groß ist der Bedarf an

geeigneten Leuten. Er gehörte zu denen,

die sich gern mit voller Kraft engagierten.

Von 1992 an war er mit als Wanderwart

tätig, ab 2005 wird die Wandergruppe von

den Wanderwarten Heinrich Gronen und

Jutta Peters in gemeinsamer Teamarbeit

betreut.

Dieser Wanderwart kommt von der Basis.

Heinrich Gronen ist seit 1988 Mitglied

unserer Sektion und gehörte schnell zu

den Personen, die sich als Wanderführer

engagierten. Heinrich war vielseitig am

Vereinsleben interessiert:

Zu den Aufgaben des Wanderwartes

gehört die Erstellung des Jahreswanderplans

mit den regelmäßig alle 14 Tage

stattfindenden Tageswanderungen. Hinzu

kommen Seniorenwanderungen und

Touren im Hoch- und Mittelgebirge. Gemeinsam

führte er mit seiner Frau Ursula

im Stubai, Standort Fulpmes, 14 Tage lang

herrliche Bergtouren und Wanderungen

durch. Von 1995 - 2012 organisierte er die

Sektionsabende in der Geschäftsstelle. Es

fanden Dia-Vorträge statt, die später im

digitalen Zeitalter zu Filmvorführungen

übergingen. Die Beiträge kamen überwiegend

aus den Reihen der Wandergruppe

und waren über Jahre gut besucht. Bei

dieser Vielfalt brauchte er natürlich Mitstreiter,

was für das gute Miteinander in

der Wandergruppe spricht.

Auch der kulturelle Teil kam nicht zu

kurz. Über viele Jahre wirkte er bei der Gestaltung

der Adventsbesinnung mit. Als

ehemaliger Sänger im Domchor brachte

er große Erfahrung mit und leitete sogar

unsere kleine Musikgruppe, Querflöte,

zwei Gitarren, Klavier und Geige spielten

unter seinem Taktstock.

Noch eine besondere Aufgabe wartete in

der Vorweihnachtszeit auf ihn: Er war

unser Nikolaus! Die Nikolauswanderungen

im Dezember mit anschließendem

gemütlichem Beisammensein bei Kaffee

und Kuchen im adventlich geschmückten

DAV-Haus in Rohren erfreuen sich großer

Beliebtheit. Jutta Peters findet erstaunlicherweise

jedes Jahr eine andere Hütte in

der Eifel, wo die Wanderer den Nikolaus

erwarten. Er kommt dann auch, prächtig

gekleidet mit Bischofsmütze, goldenem

Buch und einem Sack voller Geschenke.

Anschließend hat es Hans Muff nicht immer

leicht, die Wanderer nach einer hochprozentigen

Stärkung zum Weitergehen

zu bewegen.

Heinrich hat sich in all den Jahren ein

umfangreiches Betätigungsfeld erschlossen,

wozu auch ein bestens gepflegter und

bestellter Garten gehört. Wir freuen uns,

dass Heinrich und Ursula bei den Sektionswanderungen

weiterhin dabei sein

werden und dass er auch noch manche

schöne Tour führen wird. Und privat?

Seit August 2011 gibt es Klein-Jonas und

Heinrich hat jetzt wohl eine der schönsten

Aufgaben der Welt: nämlich die des

Großvaters!

Wir wünschen ihm viel Glück

und Freude.

Text: Dorothee Arlt

Fotos: Christian Arlt, Jutta Peters

DAVON: 1/12 DAVON: 1/12

29


Nepal

NEPAL Drei Vorträge mit verschiedenen Schwerpunkten

Am 1. Dezember 2012 findet im Rahmen unseres Vortragsprogramms

im Space des Ludwigforums ein besonderes Ereignis statt.

Der „Nepalabend“ bietet mit drei Vorträgen von drei verschieden Referenten einen

sicherlich sehr intensiven und abwechslungsreichen Eindruck von Land und Leuten.

Guus Reinartz:

Markante (Weit-)Blicke!

Im Vergleich mit seinen riesenhaften

Nachbarn Indien und China ist Nepal

nur ein winzig kleines Land. Trotzdem

ist es vier Mal so gross wie z.B. die Niederlande

und besitzt eine überraschend

grosse landschaftliche Verschiedenheit.

Nun bezaubert und verführt dieses Land

seine vielen Besucher aus aller Welt nicht

nur mit seinen farbenfrohen Bewohnern,

seinen hinduistischen Heiligtümern und

seinen buddhistischen Klöstern, sondern

auch mit wunderschönen Naturparks,

in denen u.a. Elefanten und Nashörner

leben.Die Landschaft erstreckt sich von

der flachen fruchtbaren Terai-Region an

ihrer Südgrenze (mit Indien), bis zu den

atemberaubenden, höchsten Gipfeln des

Himalaja an ihrer Nordgrenze ( mit Tibet).

Nichts tritt hier in nur einer einzigen Form

in Erscheinung und trotzdem stellt es sich

in einer seltsamen Einstimmigkeit dar,

sowohl landschaftlich, als auch sozialkulturell!

Technik: Leica, Überblendung

30

Samstag, 01. Dezember 2012

Guus Reinartz, NL Landgraaf | Horst Wernerus, Aachen | Dr. med. Ulf Gieseler, Speyer

16.00 Uhr 17.30 Uhr 19.00 Uhr

Horst Wernerus:

Trekking zum Fuß des

Kanchenjunga

Dieser dritthöchste Berg der Welt ist mit

seinen fünf Gipfeln und 8586 m der heiligste

unter den Achttausendern; den Buddhisten

Sikkims und Tibets ist er sowohl

göttlicher Schutz als auch Sitz des Gottes

des Reichtums.

Von der kulturell interessanten und pulsierenden

Hauptstadt Kathmandu geht

es ganz in den Osten Nepals – das andere

Nepal, nahe des ehemaligen Königreichs

Sikkim zu den Basislagern des 8586 m

hohen Kangchendzönga.

Ein einsamer Weg führt durch Terassenlandschaften,

Regenwälder, kleine

ursprüngliche Bergdörfer und über hohe

Pässe bis in die Reichweite der „5 Schatzkammern

des ewigen Schnees“, wie der

Kangchendzönga übersetzt heißt.

Technik: Digitalprojektion

Dr. med. Ulf Gieseler:

Von Kathmandu zum

Island Peak

Schwierige und mittelschwierige Bergtouren

in der Khumbu Region:

Island Peak (6.200 m)

Kalar Pattar (.5500 m)

Gokyo (5.350 m)

sowie ausserhalb des Khumbu der

Cho Oyu (8.200 m) im Nordosten Nepals.

Technik: Digitalprojektion

aufgepickt: Buntes Brett Geschäftsstelle

Öffnungszeiten:

Änderung der Verleihgebühr

von Verschüttetensuchgeräten (VS-Geräte)

Die Sektion Aachen ist bemüht, mit dem Serviceangebot

„VS-Geräte-Verleih“ den Mitgliedern aktuelle und technisch

einwandfreie Geräte zur Verfügung zu stellen.

Um dies in Zukunft weiter zu gewährleisten, ist eine Anpassung

der Verleihgebühren notwendig. Mit den Verleihgebühren

wird ein Teil der hohen Kosten für den Geräteservice und die

Anschaffung von Geräten kompensiert.

Mit der neuen Gebührenstruktur sind wir zuversichtlich,

auch in Zukunft den Service erfolgreich anbieten zu können.

Grundgebühr pro Gerät und Ausleihvorgang 5€

(Kaution 50 €)

+ die ersten 2 Wochen 5 €

+ jede weitere Woche 10 €

Ausleihe und Rückgabe donnerstags

während der Öffnungszeiten in der Geschäftsstelle.

Rückgabe: 16 und 18 Uhr

Ausleihe: 18 bis 20 Uhr

Reservierung bei Helmut Vor

unter materialausleihe@dav-aachen.de

oder Tel.: +31 / 43 / 3065340

Jeden Donnerstag von 16.00 – 20.00 Uhr.

Anschrift:

Römerstr. 41/43, 52064 Aachen , Tel. 0241/ 4014387 oder 20082

Änderungsmeldungen wie Adressen-, Namens-, Bank- u. Kontoänderungen

bitte direkt an die Geschäftsstelle und nicht nach München

melden. So wird gewährleistet, daß die DAV-Zeitschrift, die Sektionsmeldungen

u. die Mitgliedsausweise ohne Verzug zugestellt werden können

und der Bankeinzug des Mitgliedsbeitrages ohne zusätzliche Kosten gewährleistet

ist. Eventuell anfallende Bankgebühren,wegen Nichtausführbarkeit

der Abbuchung, müssen leider an die Mitglieder weitergegeben

werden.

Kündigungen der Mitgliedschaft sind schriftlich bis spätestens

30. September an die Sektion zu richten.

Mitgliederausweis: Gültig bis Ende Februar des folgenden Jahres.

Die Mitglieder aus dem benachbarten Ausland überweisen ihren Jahresbeitrag

bitte bis zum 31.1.des Folgejahres unaufgefordert an das Konto:

IBAN: DE21 3905 0000 0015 0007 71 , SWIFT- BIC: AACSDE 33

Die Beiträge für das Jahr 2012 haben sich nicht verändert.

Sektionsbibliothek

Die Sektionsbibliothek befindet sich in der Geschäftsstelle

und steht allen Mitgliedern zur Verfügung.

Öffnungszeiten: Donnerstags von 16.00 – 20.00 Uhr

Führer, Karten, alpine Literatur: Wandern, Klettern,

Hochtouren, Wasser- und Wintersport, Lehrschriften zu

allen alpinen Sportarten, Bildbände, Jahrbücher, Monographien,

Biographien, Reiseberichte und Belletristik.

Zeitschriften: „Bergsteiger“, „Klettern“, „Berg und

Steigen“ können eingesehen bzw. für 3 Wochen (neu)

kostenlos ausgeliehen werden. Bei einer längeren Ausleihe

werden pro Stück und Woche 50 Cent erhoben.

Der Medienbestand im Internet:

www.dav-aachen.de service bibliothek

Alpenvereinsjahrbuch -

Bestellung unter DAV-Shop

www.dav-shop.de

e-mail:dav-shop@alpenverein.de

Winterraumschlüssel

können gegen eine Kaution von 50

für 4 Wochen in der Geschäftsstelle

ausgeliehen werden.

Die einzelnen Vorträge dauern jeweils ca. 45 – 60 Min. In den

Pausen werden leckere Häppchen und Getränke gereicht. Der

Preis für das Gesamtpaket beträgt 20,- € für DAV-Mitglieder

und 25,- € für Nichtmitglieder. Essen und Trinken sind im

Preis enthalten, es gibt keine Einzelkarten für die Vorträge.

Die Eintrittskarten sind im Vorverkauf ab 1. September in

der Geschäftsstelle erhältlich. Wir freuen uns auf zahlreiche

Besucher.

* Vergünstigtes eTicket gilt nur in Verbindung mit DAV-Ausweis!

DAVON: 1/12 DAVON: 1/12 31


Alpenvereinsmitglieder

erhalten

Rabatt!

10%

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine