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GPS-HundeortunG

Reichweiten-

Champion

Im Test: Das finnische Hundeortungssystem Tracker Hunter 3

Foto: SE

Autor: Stephan Elison

Der Elch hatte uns abgehängt: War

vor dem Elchhund in undurchdringliches

Sumpfland eingewechselt

und würde jetzt wohl den See

durchrinnen. Die finnischen Hundeführer

schlagen vor, zum Auto zurückzugehen

und den See zu umfahren: Die

einzige Chance sei, Hund und Elch auf

der anderen Seite des Sees abzupassen.

Während wir auf Schotterpisten das Gewässer

umrunden, schauen die beiden

regelmäßig auf ihre Smartphones, um

Position und Laufrichtung des Hundes

zu überprüfen, der mit dem Ortungs-

Elchhund mit G 400

GPS-Halsung.

Foto: SE

Das Nokia C 7-00 mit seinem großen, scharfen, kontrastreichen Display und

langer Akkulebensdauer ist für die Tracker-Software gut geeignet. Das

Telefon zeigt Position, Laufrichtung, Geschwindigkeit und Bellfrequenz des

Hundes sowie Satellitenstatus, GSM-Signal und Akkustatus des Halsbands an.

gerät G 400 der finnischen Firma

Tracker Oy ausgerüstet ist.

Natürlich starre ich ebenfalls auf

das Display – schließlich geht es um

„meinen“ Elch – und staune nicht

schlecht: Teilweise sind wir vierzig,

fünfzig Kilometer von dem Hund entfernt,

doch der Kontakt reißt nie ab.

Tatsächlich ist die Reichweite des G 400

mit der Software Hunter Tracker 3 nahezu

unbegrenzt: Als ich mich mit einem

Mitarbeiter von Tracker zwecks Übergabe

des Testgeräts und Installation der

Software in Leipzig treffe, ortet er den

Hund eines Kollegen, der zu dieser Zeit

gerade im Jagdeinsatz ist – in Finnland.

Nach der Rückkehr von der Pirsch-Leserreise

(ausführlicher Bericht auf Seite

82 f.) hatte ich bei Tracker angerufen

und gefragt, ob deren GPS-Halsband

auch in Deutschland verfügbar sei.

Der Zeitpunkt war gut gewählt, denn

die für den deutschsprachigen Raum

entwickelte Version befand sich kurz

vor der Markteinführung. So erhielt

die Pirsch als erste deutsche Jagdzeitschrift

die Möglichkeit, das finnische

Hunde-Navi ausgiebig zu testen.

In der Drückjagdsaison 2011 / 2012 rüsteten

wir verschiedene Stöberhunde mit

dem G 400 aus. Die Jagden fanden zum

Teil in notorischen Funklöchern statt,

wo weder Telefonieren noch das Empfangen

oder Versenden von SMS möglich

war. Trotzdem wusste das mit einer

Vier-Netze-Sim-Karte ausgestattete

Halsband immer, wo der Hund

sich befand. In nur einem Fall konnte

das Smartphone die Positionsmeldungen

nicht empfangen – dies dürfte

aber dem bekanntermaßen miserablen

mobilen Internet des Providers O 2 geschuldet

sein. Es empfiehlt sich also, einen

Provider mit einer besseren Netzabdeckung

zu wählen. Tracker Hunter

schätzt, dass der für den Betrieb not-


lo 3/2012

wendige GPRS-Empfang auf 98 Prozent

der Fläche Deutschlands gewährleistet

ist. Das G 400-Halsband empfängt die

GPS-Koordinaten des Hundes und sendet

diese Datenpakete per GPRS an den

Server von Tracker in Finnland.

FunktionSweiSe

Der Server schickt die Daten dann an

das Smartphone des Hundeführers, auf

Wunsch auch an andere Jäger. Zum Betrieb

sind also zwei Sim-Karten notwendig:

Eine für das Halsband, eine für das

Smartphone. Die Karte im Halsband

muss nur recht geringe Datenvolumina

senden: Ein Datenpaket ist nur 0,00015

Megabyte groß. Deshalb reicht hier eine

günstige Prepaid-Karte aus. Das Smartphone

schaufelt erheblich größere Datenmengen

hin und her – dafür ist eine

Internet-Flatrate unerlässlich. Hunter

Tracker 3 läuft auf verschiedenen

Smartphones von Nokia, Samsung und

Sony Ericsson. Eine Liste kompatibler

Geräte ist auf der Homepage von Tracker

abrufbar. Das im Test verwendete

Nokia C7-00 (zirka 200 Euro) überzeugte

durch das große, gestochen

scharfe Display und lange Akkulaufzeit.

Benötigt wird weiterhin das G 400-

Halsband (499 Euro) und die Software.

Für die ein Jahr gültige Lizenz werden

59 Euro fällig. Download und Installation

sind nicht völlig trivial und erfordern

ausgedehnte Tauchgänge in die Tiefen

der Menüstruktur des Handys.

kAnn AlleS, weiSS AlleS

Ist die Installation geglückt, begeistert

Tracker Hunter 3 mit Funktionssicherheit

und -umfang. Kann das Halsband

wirklich einmal weder GPS- noch Funksignal

empfangen, so errechnet das

G 400 den vom Hund im Funkloch zurückgelegten

Weg. Dieser wird in der

Kartendarstellung des Tracks dann als

gestrichelte Linie angezeigt. In der Praxis

kam das, wie gesagt, nicht vor. Sobald

das Halsband wieder Empfang hat,

sendet es die nächste Positionsmeldung.

Ähnliches gilt für das Smartphone: Besteht

keine Möglichkeit, GPRS-Daten

zu empfangen, so reicht es, in ein Gebiet

mit Netzabdeckung zurückzukehren,

um die aktuelle Position – und auch

den in der Zwischenzeit zurückgelegten

Track – des Hundes zu erhalten.

Das Telefon zeigt den eigenen Standort

sowie Position und Laufrichtung des

Webtracking: Nach Anmeldung auf der Homepage von trackerhunter.com lassen sich die

gespeicherten Tracks speichern in ihrem zeitlichen Verlauf abspielen. Mit einem Gastpasswort

können Freunde oder andere Hundeführer die Daten einsehen. Die Passagen, auf

denen der Hund laut gejagt hat, werden fett wiedergegeben.

Hundes auf einer detailreichen Karte

im Maßstab 1:100 000 an, in die man

hineinzoomen kann. Das Gerät lädt die

für den jeweiligen Standort benötigten

Karten automatisch herunter und speichert

sie auf der Mini-SD-Karte im Telefon

ab. Karten müssen also nur geladen

werden, wenn es in einem neuen

Gebiet auf die Jagd geht. Die in Finnland

verfügbaren Karten in größerem Maßstab

werden nach Auskunft von Tracker

auch für Deutschland angeboten werden,

wenn sich eine ausreichend große

Zahl von Kunden findet.

Mit Hunter Tracker 3 lassen sich jedoch

nicht nur bis zu 999 Hunde orten, sondern

auch – deren Einverständnis vorausgesetzt

– andere Jäger und Hundeführer,

auf deren Handys die Tracker

Hunter Software läuft. Das Mitglied

einer Stöberhundgruppe, deren Mitglieder

Tracker Hunter nutzen, kann

also nicht nur sehen, wo sich der eigene

Hund befindet, sondern auch, wo die

anderen Vierläufer, Hundeführer und

Durchgehschützen sind – ein bedeutender

Zuwachs an Sicherheit. Die Software

ermöglicht die Bildung geschlossener

Gruppen, die über die Chat-Funktion

kommunizieren können.

Desweiteren besteht die Möglichkeit,

diverse Lokalitäten – Anschuss, Auto,

Jagdhütte, Sammelplatz, aber beispielsweise

auch die Reviergrenzen – in die

Karte einzugeben. Auf Wunsch navigiert

das Gerät dann zum Hund oder

einem anderen angewählten Punkt.

Alarmfunktionen setzten den Jäger in

Kenntnis, wenn sein Hund ein bestimmtes

Gebiet verlässt oder Laut gibt: Ein im

Halsband integriertes Mikrophon registriert

Lautäußerungen des Hundes. Die

Empfindlichkeit des Mikros ist einstellbar,

so das Rascheln, Hecheln oder Lauf-

geräusche keinen Fehlalarm auslösen.

Die Abschnitte des Tracks, auf denen

der Hund laut war, werden auf der Karte

als fette Linie wiedergegeben. Überdies

besteht die Möglichkeit, den Hund

– beziehungsweise sein Halsband – anzurufen

und zu hören, ob er Spur- oder

Standlaut gibt.

Die Software wertet die Aktivitäten des

Hundes statistisch aus: Zurückgelegte

Kilometer, Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit,

lautes Jagen – alles

wird erfasst. Das liefert wertvolle Hinweise

darauf, wie ein Hund jagt, was

die Planung des Hundeeinsatzes vor

Stöberjagden erleichtert. Die Kompassfunktion,

ein Distanzwerkzeug zum

schnellen Berechnen der Entfernung

zwischen zwei Punkten oder die Wettervorhersage

auf Knopfdruck für den

jeweiligen Standort runden den üppigen

Funktionsumfang ab.

Weitere Möglichkeiten eröffnet das Webtracking.

Wer sich auf der Homepage

von Tracker registriert, kann die Tracks

der Hunde in ihrem zeitlichen Verlauf

abspielen und auswerten. Freunde können

sich einloggen und den Verlauf der

Jagd live am Rechner mitverfolgen. Die

Tracks bleiben auf dem Server von Tracker

dauerhaft gespeichert.

FAzit:

Das Hunde-GPS aus Finnland überzeugte

im Test durch überlegene Reichweite

und sichere Funktion. Trotz der

Kritikpunkte – umständliche Installation

und laufende Kosten – ist das G 400

in Verbindung mit der Hunter Tracker

3 Software das beste Hundeortungssystem,

das wir jemals getestet haben. eu

i Vertrieb in Deutschland: w www.aduro.de

w www.hunde-navi.com w www.sausicher.de

Foto: SE

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