06.01.2013 Aufrufe

2008 Ostern - Nikolaus - Cusanus - Haus

2008 Ostern - Nikolaus - Cusanus - Haus

2008 Ostern - Nikolaus - Cusanus - Haus

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

Nikolaus-

Cusanus-Haus

Freies Altenheim e.V.

Lebensgemeinschaft im Alter

Hauszeitung

Ostern 2008


2

Titelseite: „Die Auferstehung Christ“ von Matthias Grünewald / Isenheimer Altar

Colmar, Museum Unterlinden

INHALT: Seite

Aktuelles in Kürze aus dem NCH ................................................................. 5

Die Legende von den drei Hasen ................................................................... 7

Grünewald-Ausstellung in Kralsruhe am 14. Februar 2008 ........... 9

Totengedenken ......................................................................................................... 11

Bericht über die Tätigkeit des Heimbeirats im Jahr 2007 ................ 12

Neue Bewohner ....................................................................................................... 13

Farbtupfer im Alltag ............................................................................................. 14

Veranstaltungen ...................................................................................................... 20

Fasching-Fasnet-Karneval 2008 im NCH ................................................ 23

Mitarbeiter ................................................................................................................. 26

Rückblick ................................................................................................................... 28

Was haben Sie gegen »Hallo«? ..................................................................... 30

Eine nicht ganz alltägliche Störung! ............................................................ 32

Villa unter Wasser .................................................................................................. 34

Märchen-Quiz ........................................................................................................... 37

Neue Bücher in unserer Bibliothek ............................................................... 39

Unsere Jubilare ......................................................................................................... 47

Hauszeitung

Herausgeber: NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS,

Freies Altenheim e.V., Lebensgemeinschaft im Alter,

Törlesäckerstraße 9, 70599 Stuttgart-Birkach

Telefon 0711 / 45 83 - 0

Auflage Nr. 51: 800

Redaktion: Stefanie Heckle, Annedore Hennig, Andrea Nickel,

Ursula Schütt, Heinz Bollinger, Sören Hirning,

Eckehard Rauch, Frieder Stehle

Für die Beiträge unserer Bewohnerinnen und Bewohner

danken wir herzlich.

Spendenkonto: Nr. 100 555 004 Volksbank Esslingen (BLZ 61190110)


Ostern 2008

Frühlings - Erwartung

Ins Innre des Menschenwesens

Ergießt der Sinne Reichtum sich,

Es findet sich der Weltengeist

Im Spiegelbild des Menschenauges,

Das seine Kraft aus ihm

Sich neu erschaffen muß.

Rudolf Steiner

3


4

Hauszeitung

Allen unseren Leserinnen und Lesern wünschen

wir ein frohes Osterfest.

Die Redaktionsmitglieder der Hauszeitung:

Stefanie Heckle, Annedore Hennig, Andrea Nickel, Ursula Schütt,

Heinz Bollinger, Sören Hirning, Eckehard Rauch, Frieder Stehle


Ostern 2008

Aktuelles in Kürze

aus dem Nikolaus-Cusanus-Haus

Schnee Ende November und ein relativ kalter Dezember ließen die Herzen der

Winterliebhaber höher schlagen. Doch die folgenden Wochen enttäuschten. Und an

die Aussagen der Meteorologen „Viel zu warm und zu trocken für die Jahreszeit“

haben wir uns schon gewöhnt. Der milde Winter hat aber ja auch Vorteile,

zumindest was den Energieverbrauch und den Winterdienst betrifft. Unsere

Mitarbeiter der Haustechnik brauchten sich auch dieses Jahr nicht bei Petrus über

den Winterdienst zu beschweren. Und was die Energie-Verbrauchszahlen im NCH

betrifft, so ist der Verbrauch an Gas im letzten Jahr nur leicht gestiegen; die Zahlen

für Strom waren sogar leicht rückläufig. Leider wird dieser positive Effekt durch

Preissteigerungen zunichte gemacht. Beim Energiepreis scheint es wie beim Wetter

zu sein: wir sind ihm ausgesetzt und können ihn nicht ändern!

Freitagnachmittag war seit Bestehen des Nikolaus-Cusanus-Hauses

Märchenstunde! In dieser Zeit hat Frau Bendak dankenswerter Weise - frei

sprechend - unzählige Märchen erzählt und eine treue und begeisterte

Anhängerschar um sich geschart. Noch 2 Tage vor ihrem Tode im Dezember hielt

sie ihre letzte Märchenstunde. Dass ihre Arbeit auf fruchtbaren Boden fiel, zeigt die

Tatsache, dass schon ab Februar wieder am Freitagnachmittag Märchen vorgelesen

wurden.

Schon kurz nach Mariä Lichtmess fanden dieses Jahr die närrischen Tage statt. Auch

wenn die allgemeine Faschingszeit dieses Jahr verkürzt stattfand, wurde die Fasnet

im Nikolaus-Cusanus-Haus umso heftiger gefeiert. Der Auftakt bildete am

Rosenmontag der Fasnetskaffee im Restaurant. Dank bunter Dekoration, der

traditionellen Fasnetsküchle, der musikalischen Begleitung durch Claudia Kugock

und phantasievoller Kostüme erreichte die närrische Stimmung einen Höhepunkt,

wie die Bilder auf den Seiten 23 bis 25 eindrucksvoll zeigen. Einen Tag später – am

Fasnetsdienstag - war das Eurythmeum mit seinem Faschingsprogramm zu Gast

und bildete den Abschluss der närrischen Tage.

Am 14. Februar fand eine Ausfahrt zur Staatlichen Kunsthalle nach Karlsruhe statt.

Ziel war die viel gepriesene Ausstellung „Grünewald und seine Zeit.“ Dem Stau

auf der Autobahn verdankten wir eine Fahrt über die Landstraße und wurden mit

Raureif überzogenen Wäldern und Wiesen sowie einem strahlend blauen Himmel

entschädigt. Die Ausstellung widmete sich den Werken Grünewalds und dessen

5


6

Hauszeitung

Zeitgenossen, aber auch dem bewegenden Thema der Passion Christi. Grünewalds

künstlerische Hinterlassenschaft ist eher spärlich, umso erfreulicher, dass eine

beachtliche Anzahl von Gemälden und Zeichnungen zu bewundern war. (Siehe auch

Bericht auf den Seiten 9 bis 10).

Am 22. Februar erreichten uns die Arbeitskämpfe im öffentlichen Dienst. Der

Streik der Busse und Bahnen in Stuttgart betraf viele unserer MitarbeiterInnen.

Zum Glück blieben die angekündigten chaotischen Verhältnisse im Großraum

Stuttgart hinter den Voraussagen zurück. Dank Mitfahrgemeinschaften und der ein

oder anderen Taxifahrt konnten die MitarbeiterInnen rechtzeitig zum Dienst

erscheinen.

Am 25. Februar begannen auf allen drei Pflegebereichen Supervisionsgespräche.

Jeweils drei unterschiedliche, kompetente Supervisorinnen, die über entsprechende

Erfahrungen im Pflegeberuf verfügen, betreuen die Gesprächsgruppen. Das Ziel ist,

die Teams bei der Reflexion und der Verbesserung ihres beruflichen Handelns zu

begleiten. Da möglichst alle MitarbeiterInnen eines Wohnbereiches teilnehmen

sollen, der Schichtdienst aber weitergeführt werden muss, finden die Gespräche von

20.00 Uhr bis 22.00 Uhr statt. Diese doch ungewöhnliche Zeit erfordert von den

Teilnehmenden viel Einsatz und Willenskraft.

Seit Juli 2002 sind die Kostensätze im Pflegeheim des Nikolaus-Cusanus-Haus

stabil geblieben. Ganz im Gegensatz zum Wohnheimbereich, in welchem in den

letzten Jahren fortlaufend eine Anpassung der Nebenkosten erfolgte. Die allgemeine

Kostensteigerung über die letzten Jahren erzwingt nun auch eine Erhöhung der

Kosten für die Bewohnerinnen und Bewohner im Pflegeheimbereich. Und so finden

am 18. März – nach jahrelanger Pause – wieder Pflegesatzverhandlungen im

Nikolaus-Cusanus-Haus statt. Verhandlungspartner sind Vertreter der Pflegekassen

und des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales in Baden-Württemberg. Über

die Verhandlungen werden wir in unserer nächsten Ausgabe berichten.

Eckehard Rauch


Ostern 2008

Die Legende von den drei Hasen

(eine Hindu-Legende)

Es waren einmal drei Hasen, die jeden Tag zum lieben Gott um die Erfüllung ihres

Herzenswunsches beteten: Dereinst in den Himmel zu kommen. Der erste Hase hatte

ein braunes Fell, der zweite war weißgefleckt, der dritte war weiß und hieß

„Schnee“. Die drei Hasen hingen sehr aneinander, und was einer tat, taten die anderen

beiden auch. Viele Stunden waren dem Gebet geweiht, aber um nicht zu verhungern,

mussten sie auch für ihre Nahrung sorgen. In ihren drei Höhlen lebten sie

so viele Jahre ihr gottesfürchtiges Leben. Ihre Gebete reichten bis in den Himmel,

und Gott beschloss, ihre Frömmigkeit zu belohnen. Doch obwohl er sie kannte,

wollte er sie auf die Probe stellen. Also sprach Gottvater zum Mond: „Du brauchst

heute Nacht erst um zwölf Uhr zu scheinen, gehe also davor ins Himalajagebirge,

suche die drei Hasen und bitte einen jeden, deinen Hunger zu stillen. Wenn du bei

allen dreien gewesen bist, komm dann zurück und berichte mir.“

Der Mond gehorchte und ging zuerst zum braunen Hasen. Der bereitete sich gerade

seine Mahlzeit, und als er sah, dass der Mond vor seiner Höhle stand, lud er ihn

freundlich ein, das Mahl mit ihm zu teilen.

Der Mond bedankte sich und ging zum zweiten Hasen. Als der jemanden kommen

hörte, rief er aufgeweckt: „Willkommen, Freund!“ Als der Mond ihm erzählte, warum

er gekommen sei, sagte der Hase: „Gerne würde ich dir etwas zu essen geben,

aber ... ich habe heute zu lange gebetet und darum vergessen, mir etwas zu essen zu

machen. Wenn du einen Moment wartest, hole ich etwas.“ Und als er etwas zusammengesucht

hatte, gab er alles dem Mond. Danach kam der Mond zuletzt zum dritten

Hasen, zu Schnee. Er musste mehrmals anklopfen, doch endlich kam der Hase,

der in ein tiefes Gebet versunken war, und begrüßte ihn. „Ich suche jemanden, der

mir etwas zu essen geben kann“, sagte der Mond. „Nach der langen Reise über die

verschneiten Gipfel bin ich sehr müde und hungrig.“ „Ruhe dich ein wenig aus“,

sagte Schnee, „in der Zwischenzeit werde ich versuchen, etwas für dich heranzuschaffen.“

Der Mond hockte sich in den Eingang der Höhle. Der Hase durchsuchte inzwischen

seine Vorratskammer. Doch o weh! Schon seit Tagen hatte er keine Nahrung mehr

gesucht, so tief war er in Gebete versunken gewesen. Schnee dachte an ein Sprichwort:

„Wer einen Gast beherbergt, ihm den Hunger nicht stillt und den Durst nicht

löscht, der hat vergebens zu Gott gebetet.“ Was sollte der arme Hase nun machen?

In diesem schwierigen Moment hatte er einen erlösenden Einfall. Er ging nach draußen,

entzündete ein Feuer und lud den Gast ein, es sich bei den lodernden Flammen

7


8

Hauszeitung 2008

gemütlich zu machen. Dann sagte er: „Herr, ich habe in den letzten drei Tagen so

viel gebetet, dass ich keine Nahrung suchen konnte, also habe ich auch nichts im

Haus, was ich Euch anbieten könnte.“

Der Mond antwortete ärgerlich: „Dann gehe ich wohl wieder, und an deinem Feuer

will ich auch nicht sitzen.“

„O bleibt, bitte!“ rief Schnee. „Ist es Euch gleich, welches Fleisch ich Euch anbiete?“

Der Mond antwortete: „Da ich nun sehe, wie ernst du es meinst, werde ich jedes

Stück Fleisch essen, was du mir anbietest.“

„Wohlan“, sagte Schnee erfreut. „Doch da ich nichts anderes habe als mich selbst,

werde ich nun meinen eigenen Leib ins Feuer werfen, dann habt Ihr ein Mahl, Euren

Hunger zu stillen!“

„Nein!“ rief der Mond erschrocken. „Nein, tu das nicht!“

Aber es war zu spät. Bevor der Mond es verhindern konnte, war der Hase schon in

die Flammen gesprungen. Kein Schrei ertönte, der selbstgewählte Tod wurde von

keinem Geräusch begleitet.

Nach dieser dritten Begegnung flog der Mond zurück zum Himmel. Dort fand er in

Gottes Schoß einen schönen weißen Hasen, und Gott sprach „Siehe diesen Hasen,

Mond, der sich opferte und für dich ins Feuer sprang. Wie soll ich seine Selbstaufopferung

belohnen?“

Da bat der Mond: „Herr, gebt mir den Hasen zum Freund und Gefährten. Ich werde

ihn stets bei mir haben, wohin ich auch gehe.“

„Deine Bitte sei erhört“, antwortete der Vater. „Wenn du deinen Glanz auf die Erde

niederstrahlst, dann lass den Hasen mit dir glänzen, so dass alle Menschen ihn sehen

und sich an seiner Frömmigkeit und seiner Selbstaufopferung ein Beispiel nehmen

können.“

Seit dem Tage kann man den Hasen im silbernen Licht des vollen Mondes sehen,

doch am allerbesten sieht man ihn, wenn im Frühling der Ostermond am Himmel

steht.

„Die Reise zur Sonne“ - Geschichten zu Ostern, Pfingsten und Johanni -

Verlag Urachus - Johannes Mayer GmbH, Stuttgart


Ostern 2008

Grünewald-Ausstellung in Karlsruhe

am 14. Februar 2008

Die Namensliste am Empfang für die an der Ausstellung Interessierten wurde immer

länger. Am strahlend schönen Donnerstag den, 14. Februar erwartete uns ein großer

Bus mit einem ebenso strahlenden Fahrer, der uns mit Handschlag und sichtlicher

Freude uns fahren zu können, begrüßte. Somit war die richtige Stimmung gegeben.

In Karlsruhe vor dem Museum gab es eine gewisse Ernüchterung: wir kamen kaum

zur Tür herein, so drängten sich die Menschen. Doch wir wurden beruhigt, an

Wochenenden sei es noch viel schlimmer. Herr Rauch und Herr Stehle sorgten in

vollkommener Ruhe und Gelassenheit für die Eintrittskarten und nannten uns den

Beginn der Führung.

Mit leicht schlechtem Gewissen, schließlich war man ja für die Kunst gekommen,

suchte ich nach einer Tasse Kaffee und fand sie in einem, einer Bahnhofswartehalle

ähnlichem Raum, wo zu meiner Erleichterung, schon einige Cusaner-innen sich

stärkten.

Pünktlich fanden wir uns alle zur Führung wieder ein – einige schon Kunst-, andere

Kaffee-gestärkt. Erst wurden wir alle – nach kurzer Bekanntmachung mit unserem

Kunstführer – mit kleinen „Ohrwärmern“ bestückt und einem Kästchen vor dem

Bauch (hoch lebe die Technik). So waren wir immer mit unserem Leiter verbunden,

auch wenn man einmal etwas länger vor einem Bild verweilen wollte als der Rest

der Gruppe und er konnte ganz normal sprechen ohne Anstrengung. Was er auch tat,

mit einem unwahrscheinlichen Tempo! Und ich glaube, ohne sich zu versprechen,

denn die Zeit drängte.

Und dann kam für mich die große Überraschung! Aus der Vielzahl der Bilder in

einer Vielzahl von Räumen, in einer Unmenge von Menschen, meistens auch in diesen

Hörgruppen zusammengefasst, sodass man sich nicht störte, lies er uns anhand

der Bilderauswahl, die er uns zeigte und seinen sachlichen Hinweisen eine ganze

geistesgeschichtliche Entwicklung erleben.

Die Ausstellung – Näheres kann man im Katalog nachlesen – zeigt Werke von

Grünewald und vor allem auch seiner Zeitgenossen. Also 14./15./16. Jahrhundert,

der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Von Goldgrundmalerei (der Himmel ist

noch offen), bis zur detaillierten Erfassung der Welt um uns zum Beispiel in den

Pflanzenbildern eines Dürrers. Im Mittelpunkt standen die Kreuzigungsszenen

9


10

Hauszeitung

Grünewalds. Seine bis ins erfühlbare gemalte Schwere des geschundenen, toten

Leibes Christi, der Hintergrund meist dunkel, fast schwarz, oder Marias im Schmerz

gerungene Hände. Dann aber auch Studien von Gewändern und deren Faltenwurf

durch den darunter befindlichen Körper und seiner Haltung geformt. Was in älteren

Bildern nicht zu sehen war. Gesichter mit starkem Gefühlsausdruck, könnten als

absolut moderne Momentaufnahmen durchgehen. Viele andere Beispiele wurden

uns noch gezeigt, was eben in der doch kurzen Zeit möglich war.

Der einschneidende Bewusstseinswandel in diesen Jahrhunderten, von dem man

natürlich weiß – , durch die Kunst der Malerei erlebbar, erfühlbar gemacht mit Hilfe

dieser absolut sachlich kompetenten Führung war mir ein solches Erlebnis, dass ich

nach über einer Stunde stehen, gehen, gucken mich vollkommen erfrischt wie ein

Fisch im Wasser fühlte.

Im Bus fragte Herr Rauch kurz, ob jeder seinen Nachbarn wieder bei sich habe

und alle kamen wir wieder wohlbehalten zu Hause an. Dank dem NCH für solche

Möglichkeiten!

Ursula Koepf

Matthias Grünewald: Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes, um 1523/24

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe


12

Bericht über die Tätigkeit des

Heimbeirats im Jahr 2007

Hauszeitung

Zur Erinnerung: Die Heimmitwirkungsverordnung sieht vor, dass durch den

Heimbeirat die Heimbewohner in Angelegenheiten des Heimbetriebs mitwirken

können. Dies geschieht dadurch, dass der Heimbeirat zum Beispiel Anregungen und

Beschwerden der Mitbewohner entgegennimmt und mit der Heimleitung darüber

verhandelt oder dass er zu Maßnahmen, die die Heimleitung zu treffen beabsichtigt,

Stellung nehmen kann. Im Nikolaus-Cusanus-Haus werden alle zwei Jahre (gemäß

der Größe des Hauses) neun Mitglieder des Heimbeirats gewählt. Dies waren Ende

2006 die Damen Schalk, Schmalor, Schubert, Schwarzwälder, Trillhaas und die

Herren Müller, Niehaus, von Stietencron, Weber, die also bis Ende 2008 tätig sind.

Der Heimbeirat trifft sich in der Regel einmal im Monat, zuerst allein, dann mit der

Heimleitung. Es ergeben sich zum Teil ausführliche und wiederholende Gespräche,

weshalb hier nur die im Zeitraum Januar bis Dezember 2007 behandelten Themen

genannt werden können:

Begrüßung und Hilfen für neue Bewohner / Gestaltung des Bewohnertreffens /

Organisation ehrenamtlicher Aufgaben (Pfortendienst, Saaldienst, Schließdienst

unter anderem) / Mitarbeitersituation / Probleme der pflegebedürftigen Bewohner,

zum Beispiel Hilfs- und Therapieangebote, Teilnahme am Bewohnertreffen /

Kulturelle Veranstaltungen.

Das Haus betreffende Ereignisse: Café (Mitarbeiter, Warenangebot,) / Restaurant

(Preise, Bioprodukte) / Renovierungen / Räumung der Appartements /

Brandmeldeanlage / Energie Konzept des Hauses / Energiespar-Merkblatt /

Betriebsprüfung durch das Finanzamt / Besuch der Heimaufsicht und der

Berufsgenossenschaft (Küche).

Es fanden Treffen mit dem Vorstand des Vereins Nikolaus-Cusanus-Haus ( Themen:

Bilanz, Budget, Pflegekonzept) und mit dem Sozialfonds (Themen: Budget,

Entscheidungsprozesse) statt.

Die Mitglieder des Heimbeirats bedanken sich auf diesem Wege sowohl bei den

Mitbewohnern als auch bei der Heimleitung für die Zusammenarbeit, die jederzeit

von Offenheit und Verständnis bestimmt war.

(Zusammenfassung des im Bewohnertreffen vom 12.12.2007 gegebenen

mündlichen Berichts.)

Für den Heimbeirat: W. Niehaus


14

Farbtupfer im Alltag

Hauszeitung

Mit dem Dezember beginnt eine neue, lichtvolle Zeit im Jahr, und es beginnt ja auch

das Kirchenjahr. Die Welt um uns herum bleibt zwar noch duster und trüb, und die

Tage werden auch noch etwas kürzer, aber es beginnt die Adventszeit und damit die

Zeit des inneren Lichts. Noch vor dem ersten Advent, der 2007 erst im Dezember

war, reisten wir mit „Die kleine Nachtigall“ quasi „per Eurythmie“ nach China. Das

war ein wunderschönes, farbenfrohes Erlebnis, das uns in die Märchenwelt Hans-

Christian Andersens entführte. Schon am nächsten Tag war das Haus an vielen

Stellen verändert: der Empfang, das Restaurant, das Café und die Speiseräume

waren mit Adventskränzen geschmückt, und die ersten Kerzen brannten. Es ist eine

schöne Tradition unseres Hauses, dass wir am Nachmittag des ersten Advents ein

Adventsgärtchen haben. Ich kannte das bisher nur in der Art, wie es mit Kindern

gefeiert wird. Da wird eine Spirale aus Tannenzweigen gelegt, in deren Mitte eine

große Kerze steht. Die Kinder – vom 4. Lebensjahr an – bekommen vor ihrem Gang

einen Apfel mit Kerze, mit dem sie zum Licht im Zentrum gehen. Mit leuchtenden

Augen kommen sie zurück, und da können sogar die Eltern erleben, was das für ein

großer Augenblick ist! Und manches kleine Kind braucht auch die liebevolle

Begleitung zum Beispiel der Kindergärtnerin.

Wir zünden auf unserem Weg durch das Adventsgärtlein ein Licht für liebe

Menschen an, denen unsere Gedanken gelten, und auch das ist ein besonderer

Augenblick. Auch für die, die zuschauen, ist dieser Nachmittag sehr stimmungsvoll.

Es ist still im Innenhof, Musik erklingt, und es wird langsam dunkel. Bei uns wird es

jedoch immer heller, und die Reihe von Kerzen spiegelt sich wunderschön im

Glasdach und im Wasser.

Im Innenhof sind während der Adventszeit noch weitere musikalische Veranstaltungen:

der Birkacher Posaunenchor bringt uns adventliche Stimmung, und die

Flötengruppe der Karl-Schubert-Werkstätten besucht uns, und ich weiß nicht, wer

sich mehr freut: die Musikanten oder die Zuhörer!

Am 08. Dezember waren der Chor und Instrumentalgruppen der Arbeitsgemeinschaft

der Sing-, Tanz- und Spielkreise in Baden-Württemberg und der Stuttgarter

Bund der Vertriebenen mit einem reichen, stimmungsvollen Programm bei uns.

Beim Eintritt bekamen wir einen kleinen Baumschmuck geschenkt. Im Hintergrund

der Bühne war ein blauer „Himmel“ mit Strohsternen geschmückt, der zusammen

mit den hübschen Kleidern und der warmen Beleuchtung eine heimelige Stimmung

hervorrief. Die Instrumente waren außergewöhnlich: es gab Dudelsäcke, Alphörner,

ein Hackbrett, eine Zither, eine Harfe und andere, die natürlich nicht alle zusammen


Ostern 2008

erklangen. Das Publikum im voll besetzten Saal bedankte sich herzlich für diesen

besonderen Abend.

In der Adventszeit werden wir immer zum Kaffee mit Musik ins Restaurant

eingeladen. Das ist ein schöner Brauch, der dankbar wahrgenommen wird. Ich finde,

wir werden in der Adventszeit warm umhüllt von Licht, Musik und nicht zuletzt von

gutem Essen! Den stimmungsvollen Abschluss bilden die beiden Oberuferer

Weihnachtsspiele, die unter Opfern, aber in bewundernswerter Weise auf die Bühne

gebracht werden.

Und dann kann es Weihnachten werden.

Die Weihnachtsfeier ist fast wie eine große Familienfeier. Viele Bewohner kommen

im Festsaal zusammen, und wir hören die Weihnachtsgeschichte und Musik. Ich

möchte an dieser Stelle einmal dem Barock-Ensemble danken, das uns bei allen

Feiern mit seiner Musik begleitet! Das ist jedes Mal ein besonderes Geschenk, und

wir können auch Komponisten hören, die sonst vielleicht nicht so oft gespielt

werden. An der Weihnachtsfeier liebe ich auch das gemeinsame Singen.

Und dann gibt es extragutes Essen! Die Küche lässt sich jedes Jahr aufs Neue ein

Festmahl nach dem anderen einfallen. Es schmeckt wunderbar! Ein riesiges Dankeschön

dafür und für das gute Essen, das wir tagtäglich genießen! Ich finde, es ist ein

Kunststück, für so viele Menschen zu kochen, viele Diäten und Extrawünsche zu

beachten und doch so zu kochen, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist! Und

sollte es uns doch einmal nicht so gut schmecken, wissen wir, dass es am nächsten

Tag wieder schmecken wird.

Die Pflegebedürftigen kommen in den Speiseräumen in den Bereichen zusammen.

Dort brauchen wir uns nur an den Tisch zu setzen, dann werden wir bedient.

Manchen wird das Gereichte klein geschnitten, und manchen muss das Essen

gegeben werden, weil sie nicht mehr alleine essen können. Wohl gemerkt: Wir

werden nicht gefüttert! Aus dem Alter sind wir heraus, und Wellensittiche sind wir

auch nicht! Aber so sitzen die Pflegenden bei uns, und es können schöne Gespräche

und eine lustige Stimmung entstehen.

In den Speiseräumen stehen – außer den Adventskränzen und Weihnachtsbäumen –

das ganze Jahr über Jahreszeitentische, die von rüstigen Mitbewohnerinnen fantasievoll

und mit viel Liebe gestaltet werden. Sie, die Blumen am Fenster, die Bilder, die

von Bewohnern gemalt sind, und die Kerzen bzw. Baumlichter verbreiten eine

schöne Stimmung.

Wie jedes Jahr, so war auch diese Weihnachten das Eurythmeum Stuttgart bei uns

und zeigte uns am 26. Dezember ein Märchenspiel. Diesmal war es „Der König

15


16

Hauszeitung

vom goldenen Berg“. Das ist immer sehr schön, und ich möchte es auf keinen Fall

missen. Mit der Silvesterfeier und einem leckeren Buffet klingt das Jahr aus.

Wir leben in Mitteleuropa in einer „gemäßigten Zone“, die sich durch Jahreszeitenwechsel

auszeichnet. Leider sind diese bei uns total durcheinander gekommen.

Im Radio habe ich den Jahresrückblick eines Meteorologen gehört, der bezeichnete

alle Monate als „zu“: zu kalt, zu warm, zu trocken, zu nass – im Vergleich zum

Jahresdurchschnitt. Den Februar bezeichnete er – und das war nicht ganz ernst

gemeint – als zu kurz. Nun, dieses Jahr ist er einen Tag länger, da freuen sich alle,

die am Schalttag Geburtstag haben.

Der erste Farbtupfer im Neuen Jahr war das Drei-Königs-Spiel, das wieder die

Kumpanei der Reutlinger Waldorfschule für uns spielte. Das ist ein wunderschönes

Geschenk, und wir sind dankbar dafür!

Am 05. Januar gaben die Sternsinger auf ihrer Reise durch Birkach ein kurzes

Gastspiel bei uns. Das ist ein schöner Brauch: die Kinder sammeln Geld für

hilfsbedürftige Altersgenossen und helfen so Kindern auf der ganzen Welt, gleichzeitig

machen sie uns eine Freude. Ein weiterer schöner Brauch ist das „Traumlied

des Olaf Ästeson“, das Marion Tudge für uns sang.

Und auf einmal waren die Wände und Fenster leer: Der Weihnachtsschmuck

wurde abgenommen, und die Bilder machten einer neuen Ausstellung Platz. Die

Vernissage war am 13. Januar – für die Ausstellung mit dem Titel „Allem Anfang

wohnt ein Zauber inne“ –. Die Künstlerin Ondra Hruba ist jung und steht am

Anfang ihres künstlerischen Schaffens, aber aus den Bildern spricht einen eine

ungeheure Freude an der Farbe an. Das Japanpapier, auf dem manche Bilder gemalt

sind, gibt diesen eine besondere Wirkung durch die entstehenden Falten. Auf der

Ebene 1 hängen einige Porträts. Ich finde sie wegen ihrer Ausdrucksstärke

besonders bewundernswert. Die musikalische Umrahmung der Vernissage bildeten

drei Mädchen mit ihren Querflöten, die aufgrund ihres Alters dem Titel noch einen

besonderen Akzent gaben. Sie spielten souverän und flott. Schon der optische

Eindruck war reizend. Jetzt sind die Ebenen 1 und 2 wieder schön bunt.

Vor meiner Terrasse blüht eine rote Primel, und das tut sie schon das ganze Jahr!

Und seit Januar blüht sie besonders schön, da wir ja wunderschönes Wetter haben.

Ums Haus herum sieht man auch schon die ersten Büsche blühen, darunter auch die

Hamamelis, die wie ein Versprechen des nahen Frühlings wirkt. Frau Feller

berichtete uns am 16. Januar in gewohnt interessanter und lehrreicher Weise von ihr

und von der Kastanie. Im Gespräch über diesen Vortrag erfuhr ich, dass im

Hohenheimer Botanischen Garten Hamamelis in verschiedenen Farben blüht. Ich


Ostern 2008

machte also eine Spazierfahrt dorthin: da gibt es Hamamelis von Zitronengelb bis

Rubinrot! Und alles war überstrahlt vom goldgelben Licht der sinkenden Sonne!

Am 19. Januar konnten wir einen Einblick in brasilianische Volksmusik gewinnen.

Drei Lehrer und ein Schüler von verschiedenen Waldorfschulen in Brasilien spielten

einige Volksweisen. Eigentlich sollten es mehr Schüler sein, aber das war wohl aus

Kostengründen nicht gegangen. Die drei Männer und eine Frau, die da waren,

entschädigten uns voll und ganz! Besonders war, dass jeder fast jedes Instrument

spielen konnte, und so wanderten einige von ihnen von einem zum anderen. Es war

sehr schön!

Zum Konzert vom 27. Januar lasse ich wieder andere zu Wort kommen.

Viel Gefallen fand das Konzert des Kammerchores Concerto vocale der Universität

Tübingen. Es ist immer wieder erfreulich, wie es dem Chorleiter Peter Unterberg

gelingt, aus dem (aus Studiengründen) häufig wechselnden Kreis junger Menschen

ein geschlossenes Ensemble zu bilden, das durch seine musikalische Disziplin

beeindruckt. Dabei fallen aus einigen Solopassagen sehr gute Einzelstimmen auf,

was auf eine gute stimmliche Ausbildung der Chormitglieder hinweist. Das

Programm umfasste einen großen Zeitraum zwischen 1611 und 1901 und

beinhaltete verschiedene Stücke des Totengedenkens. Diese Auswahl wird um diese

Jahreszeit zunächst befremden, aber erklärbar, wenn wir erfahren, dass es sich dabei

um ein Semesterprogramm handelt, das mit den Studenten zusammen erarbeitet

wird. Die getragene Musik beeindruckte uns derartig, dass wir uns nicht getrauten,

zu applaudieren. Der Dirigent gab uns dann quasi die Erlaubnis, von da an wurde

jeder Beifall von einem Schmunzeln sowohl des Publikums als auch des Chors

begleitet.

Der Januar verging – unglaublich schnell! -, aber das schöne Wetter blieb uns im

großen Ganzen erhalten, so dass ich auch bei Fahrten nach Stuttgart, wo ich mich

vom Fahrdienst hinbringen lasse, trocken blieb. Einmal war ich mit Frau Stübler im

Kunstmuseum. Wir haben uns die Porträts von Otto Dix angesehen. Das war mal ein

außergewöhnliches Erlebnis!

Hier bei uns gab es gleich am 02. Februar ein wunderschönes Konzert vom

Akademischen Orchester der Eberhard Karls Universität Tübingen. Fast 70 Spieler

erfüllten den Saal erst mit den Klängen der Hebriden-Ouvertüre von F. Mendelsohn-

Bartholdy, dann mit dem Konzert für Orchester aus dem Jahr 1944 von B. Bartok.

Das Konzert war leider nicht so gut besucht; vielleicht lag das an der relativ

ungewohnten Musik von Bartok. Ich war erstaunt, wie gut man sich in die

Harmonien bzw. Disharmonien von Bartoks Musik einhören kann. Das gelingt bei

„den Hebriden“ besser: man fühlt sich gleich in die schroffe Inselwelt versetzt. Das

Publikum bedankte sich herzlich für diesen schönen Abend.

17


18

Hauszeitung

Die „5. Jahreszeit“ macht auch vor uns nicht Halt: am Rosenmontag treffen sich

lustig verkleidete Fastnachtfreudige im bunt geschmückten Restaurant zu Kaffee,

Krapfen, Musik und Tanz. Und am Faschingsdienstag zeigt uns das Eurythmeum

Amüsantes aus Musik und Dichtung, was gekrönt wurde von den „Abenteuern des

Don Quichotte“ von E. Kästner. Eine ganz reizende Geste der Eurythmisten ist, dass

sie zum Abschluss, begleitet von der Melodie des „Radetzky-Marsches“, durch den

Saal tanzen und Blumen an uns verteilen!

Und dann gab es eine Überraschung: das Wildermuth-Gymnasium Tübingen hatte

die Abitursprüfung in Musik, und so kamen fünf Schüler zu uns und spielten uns

ihre einstudierten Stücke vor. Auf Blockflöten, Klavier, Gitarre und Geige spielten

sie außer Mozart und Telemann auch moderne Komponisten, und da war einiges

doch sehr gewöhnungsbedürftig. Aber sie haben es gut gemacht.

Schon am nächsten Tag, am 09. Februar, war das Trio Vivente mit Werken von

Clara Schumann, Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms bei uns. Die drei

Frauen spielten mit viel Schwung und technisch brilliant für den gut besetzten Saal.

Und das Publikum bedankte sich überschwenglich.

Wenn schönes Wetter ist, dann fällt es einem schwer, sich am Nachmittag in den

dunklen Saal zu setzen, besonders wenn es draußen schon so bunt wird und die

Sonne vom wolkenlosen Himmel strahlt. Aber dann war für den 13. Februar eine

Eurythmie-Darbietung unter der Leitung von Bettina Grube angekündigt, und da

muss man fast hin! Wir wurden reich entschädigt! Das Programm hieß „pour les

Octaves“ und wurde von zwei Eurythmistinnen gestaltet, die am Ende ihrer

Ausbildung standen und es sich zur Aufgabe gemacht hatten, alles selbst zu

organisieren. Frau Grube führte uns mit ihrer schönen Sprache durch die

Darbietungen, die Gedichte, Balladen, Dramen und Musik umfassten. Es war ein

Genuss, wie ein Ineinanderübergehen von Eurythmie, Schauspiel und Tanz. Die

beiden Frauen mit den klingenden Namen Olivia Pisani und Danuta Swamy von

Zastrow tanzten so ausdrucksstark, wie ich es kaum jemals gesehen hatte! Es gelang

ihnen, den ganzen Bühnenraum zu erfüllen! Das Werk „pour les Octaves“ von

Claude Débussy gab der Veranstaltung den Namen, aber es hätte den zeitlichen

Rahmen gesprengt und wurde deshalb nicht gezeigt. Es war ein ganz besonders

schöner Abend, den das Publikum kaum wagte, mit seinem Applaus zu beenden. -

Wir gehen erhoben aus Konzerten und anderen Veranstaltungen und können uns

gestärkt dem Alltag stellen.

Simone von Dufais


Ostern 2008

Der Frühling VI

Wenn aus der Tiefe kommt der Frühling in das Leben,

Es wundert sich der Mensch, und neue Worte streben

Aus Geistigkeit, die Freude kehret wieder

Und festlich machen sich Gesang und Lieder.

Das Leben findet sich aus Harmonie der Zeiten,

Daß immerdar den Sinn Natur und Geist geleiten,

Und die Vollkommenheit ist Eines in dem Geiste,

So findet vieles sich, und aus Natur das Meiste.

Friedrich Hölderlin

19


20

Veransta l t u n g e n

O s t e r n b i s J o h a n n i 2 0 0 8

Hauszeitung

Sonntag 30.03.2008 17.00 Uhr Kammerkonzert

Andrej Jussow, Klavier

Alex Jussow, Geige

mit Werken von A. Dvo�ák, R. Schumann

F. Chopin und M. Ravel

Mittwoch 02.04.2008 17:00 Uhr „Zabalaza Tour 2008

Traditionelle Lieder und Tänze aus Südafrika,

aufgeführt von Kindern und Jugendlichen aus

dem Waisenhaus Projekt

Indawo Yentsikelelo in Kapstadt

Mittwoch 09.04.2008 17:00 Uhr Vortrag

„Waldorfschulen Weltweit“

Bernd Ruf und Andreas Schubert

Freunde der Erziehungskunst

Rudolf Steiners e.V.

Samstag 12.04.2008 19:00 Uhr "Kenner trinken Württemberger"

Geschichten und Szenen von Thaddäus Troll

Gastspiel des Theaters Lindenhof, Melchingen

Veranstaltung des

Bürger- und Kulturvereins Birkach

Sonntag 13.04.2008 10.00 Uhr Ausstellungseröffnung

Helga Weber, Ostfildern; Aquarelle

Charlotte Strohmaier, Ostfildern; Acryl

Thomas Werner, Stade; Skulpturen

Dienstag 15.04.2008 17.00 Uhr Chorkonzert

Vokalensemble Soinninkajo, Finnland

Internationale Chormusik in

feinster Klangqualität

Leitung: Christiaan Boele

mit Vokalmusik aus Finnland, Skandinavien

und der Klassik


Ostern 2008

Freitag 25.04.2008 19:30 Uhr „Im Weißen Rössel“

Operette nach Blumenthal und Kadelburg

Musik von Ralph Benatzky

Eine Produktion des

Paracelsus-Gymnasium-Hohenheims

Leitung: Eberhard Riese

Samstag 26.04.2008 15:00 Uhr „Im Weißen Rössel“

Samstag 26.04.2008 19:30 Uhr „Im Weißen Rössel“

Sonntag 27.04.2008 19:30 Uhr „Im Weißen Rössel“

Montag 28.04.2008 19:30 Uhr „Im Weißen Rössel“

Dienstag 29.04.2008 19:30 Uhr „Im Weißen Rössel“

Samstag 03.05.2008 17:00 Uhr Kammerkonzert

Gesa Jenne-Dönneweg, Violine

Stefan Knote, Violine

Irina Bockemühl, Viola

Fionn Bockemühl, Violoncello

Mit Werken von Ludwig van. Beethoven

und Felix Mendelssohn Bartholdy

Mittwoch 07.05.2008 17.00 Uhr Eurythmie

von Schülern der Waldorfschule Engelberg

Leitung: Hildegard Mothes

Sergej Prokofjew: Romeo und Julia;

10 Stücke für Klavier op. 75

Gebrüder Grimm: Das Märchen

von Jorinde und Joringel

Sonntag 11.05.2008 16:30 Uhr Pfingstfeier

Samstag 17.05.2008 19.00 Uhr Art is fact – CLASSIC EXPERIENCE

Aus Tag der Jahreszeiten- Ein Sommertag.

Mit Werken von Joseph Hayden

und Antonio Vivaldi

21


22

Hauszeitung

Samstag 24.05.2008 17.00 Uhr Sommerliche Lyrik

Mit Werken von Christian Morgenstern

und Ingeborg Bachmann, sowie

Mörikes heiterem Märchen.

Vorgetragen von NachwuchsschauspielerInnen

der Goetheanum-Bühne

Samstag 31.05.2008 17.00 Uhr Orchesterkonzert

von Schülern der Waldorfschule am

Kräherwald und der Michael-Bauer-Schule

Leitung: Andreas Walesch

Sonntag 08.06.2008 17:00 Uhr Boccherini-Quintett Stuttgart

Mitglieder des Radio-Sinfonieorchester

Stuttgart

Anna Curujew, Helke Bier, Violine

Dora Scheili, Viola

Irene Genal, Violoncello

Astrid Stutzke, Kontrabaß

mit Werken von Luigi Boccherini,

George Onslow und Alexender Glasunow

Mittwoch 11.06.2008 17.00 Uhr Vortrag

„Gral und Antigral im Drama

von Oskar Wilde“

Marcus Schneider, Basel

Samstag 14.06.2008 17.00 Uhr Salome und Johannes

Eurythmie, Tanz, Sprache,

Musik und Gesang

Ein Gralsmysterium nach „Salome“

von Oscar Wilde.

Projektensemble der

Freien Eurythmiegruppe Stuttgart

Leitung: Elisabeth Brinkmann

Sonntag 29.06.2008 16.30 Uhr Johannifeier

– Änderungen vorbehalten –


Ostern 2008

Fasching-Fasnet-Karneval 2008 im NCH

23


24

Hauszeitung


Ostern 2008

25


26

Hauszeitung

Mitarbeiter, die im NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS neu

angefangen haben:

Discher, Ute Pflegebereich E 2

Liebrecht, Jakob Pflegebereich E 2

Barbe, Christine Pflegebereich E 4

Reuter-Wutz, Angelika Pflegebereich E 4

Wir wünschen allen neuen Mitarbeitern einen guten

Start und viel Freude bei der Arbeit.

Mitarbeiter, die das Haus verlassen haben:

Horn, Melanie Pflegebereich E 2

Speck, Monika Pflegebereich E 2

Stahl, Jacqueline Pflegebereich E 4

Dorschel, Véronique Pflegebereich E 4

Hermann, Patrick Zivi Haustechnik

Wir danken unseren ausgeschiedenen Mitarbeitern und wünschen

ihnen alles Gute.


Ostern 2008

Ihr 5-jähriges Jubiläum im NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS

feiern in diesen Tagen:

Im Mai 2008

Ghausi, Ekramuddin Hauswirtschaft

Im Juni 2008

Nägele, Sigrid Pflegebereich E 3

Ihr 10-jähriges Jubiläum im NIKOLAUS-

CUSANUS-HAUS feiern in diesen Tagen:

Im Mai 2008

Riegler, Eleonora Pflegebereich E 2

Im Juni 2008

Onasch, Ute Hauswirtschaft

Ihr 15-jähriges Jubiläum im NIKOLAUS-CUSANUS-

HAUS feiern in diesen Tagen:

Im April 2008

Uysal, Rahime Küche

Im Mai 2008

Weipert, Heidi Pflegebereich E 2

Im Juni 2008

Grünzinger, Erika Pflegebereich E 3

27


28

Rückblick

Hauszeitung

Nach sechseinhalb Jahren verlasse ich das Cusanus-Haus, um mich neuen Aufgaben

zu widmen. Das bedeutet Abschied nehmen von all den Menschen, die mir im Laufe

dieser Jahre ans Herz gewachsen sind. Ich bin kein Mensch von höflichen Worten;

ich werde aber versuchen, die richtigen Worte zu finden.

Die Arbeit ist mir schwer gefallen. Ich denke dabei weniger an die „rein pflegerische

Arbeit“ (wenn es das überhaupt gibt), die mir recht gut gelang, ich denke an das,

was ich als die wesentliche Substanz dieser Arbeit bezeichne: die Liebe zu diesen

Menschen. In diesem Fall meine ich die Liebe, die ihrer Missverständnisse entkleidet

ist, die, die einen so viel kostet, die Veränderung verlangt und endlich nur dann

in der Lage ist, heilsam zu sein. Sie macht aus den Fertigkeiten Fähigkeiten – das

sind zwei ganz verschiedene Dinge. Ein Ideal. Es schadet nicht, es zu haben.

Ich habe in vielen verschiedenen Berufen gearbeitet, in angenehmen, in unliebsamen.

Zu den unliebsamen war ich gezwungen, ein Verhältnis zu finden. Ich war aufgefordert,

etwas an ihnen zu entdecken, was „liebenswert“ war. Auch hier im Cusanus-Haus

war ich gezwungen, ein Verhältnis zu finden – und vielleicht war hier die

Herausforderung am größten.

Da waren die Sanftmütigen, die Geduldigen, die rührend Hilflosen. Ihnen neigt sich

das Herz fast von selber zu. Und dann waren da die Eigenwilligen, die Widerspenstigen,

die einem den letzten Nerv rauben, die Abwesenden, die Resignierten

und Traurigen, die grenzenlos Fordernden. Sie waren mein „menschliches Übungsfeld“.

Ich habe mit ihnen und um sie gekämpft, nicht immer erfolgreich – und doch

manchmal von Erfolg gekrönt, wo ich es niemals erwartet hätte.

Wollte man ein Bild bemühen, so könnte man sich einen Kaktus vorstellen, der auf

kargem Boden wächst und immer mal wieder eine kleine Blüte hervorbringt.

Manchmal auch eine einzige, besonders prächtige. Aber immer hat man das Gefühl,

sie ist eine Errungenschaft. Das ist das Besondere an ihr. Damit wären wir wieder

bei der Liebe angelangt, von der ich vorhin sprach, denn das ist wohl ihr wesentlicher

Bestandteil: sie will errungen werden. So gilt meine Dankbarkeit all denen,

die es mir schwer gemacht haben. Sie haben mir – ohne es zu wissen – einen Dienst

erwiesen, sie haben mich geformt. Ich werde sie nicht vergessen.

Januar 2008 Monika Speck


Ostern 2008

Mailied

Wie herrlich leuchtet

Mir die Natur!

Wie glänzt die Sonne!

Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten

Aus jedem Zweig

Und tausend Stimmen

Aus dem Gesträuch,

Und Freud und Wonne

Aus jeder Brust.

O Erd, o Sonne!

O Glück, o Lust!

J. W. von Goethe

29


30

Was haben Sie gegen »Hallo« ?

Hauszeitung

Also gut: ich habe etwas gegen »Hallo«. Ich bin - um rasch meine Karte

abzugeben - der Dienstälteste einer ziemlich anständigen Familie; ich habe eine

vielseitig-tätige, recht jugendliche Frau, die überall, in Hütten und Palästen ihren

Mann, will sagen ihre Frau stellt; ferner drei Töchter, polyglotte Damen von nicht

geringem Liebreiz, dazuhin fünf Enkelkinder, die, wie man sagt, zu den schönsten

Hoffnungen berechtigen; zwei meiner Enkel lesen Verse von Ovid und platonische

Dialoge mit eben der Geläufigkeit, mit der ich den >Ermstalboten< lese, und eine

Enkelin spielt die Querflöte, Aurèle Nicolet entschlossen nacheifernd.

Diese Enkel sind - o Wunder - ihrem Ältervater zugetan; sie kommen zu Besuch;

adrett angetan stürmen sie die Treppe herauf und rufen »Hallo«. Und da gibt es

dann den Stich, einen winzigen Einstich, nicht der Rede wert. Doch: der Rede

wert. Ich erwidere den Ruf, indem ich »Grüß dich« sage, dazu den Taufnamen

oder einen der Neck- und Übernamen, an denen bei uns kein Mangel ist, und

dann folgt Rede und Gegenrede, tempo presto - über Stock und Stein.

Was habe ich gegen »Hallo«? »Hallo« ist ein Wurfgeschoß, ein Tennisball, der an

die Stirn trifft, ein Lebensschrei. Es kann auf der ersten Silbe betont werden oder

mit einem Doppel-o auf der zweiten, da ist kein Unterschied; es ist eine Art

Weltumarmung, ein Triumph, ein Was-kost'-die-Welt. Aber es ist kein Gruß.

»Ein Gruß ist etwas Grenzenloses« hat der Magister artium, hat Hofmannsthal

gesagt. Nun gut, etwas Grenzenloses ist »Hallo« auch; aber es ist für alle und

keinen, es ist keine Anrede, es sucht niemanden, und wenn es findet, so findet es

wie im Zufall, namenlos.

Ja, wie hätten Sie's denn gern, Herr Doktor? Vor fünfzig Jahren hätten Sie's ja

anders bekommen; da gab es den Namen im Gruß, da wurde »Heil« gewünscht

oder erwartet und ein Name genannt, eben der Name, den der große Brecht

verschweigt, wenn er vom »Anstreicher« spricht und den doch auch Sie, wie ich

weiß, weder aussprechen noch schreiben wollen. Nein, dies doch gewiß nicht.

Oder wollen Sie's feierlicher. Also dann: Rückert. Es gibt ein Lied, von Schubert

wundervoll vertont, und unser aller Dietrich, scilicet Fischer-Dieskau, singt es

so, daß einem die Augen übergehen: »O du Entrissne mir / und meinem Kusse /

sei mir gegrüßt, / sei mir geküßt.« - »Sei mir gegrüßt«: gut, das fällt mir von

den Lippen; aber ich fürchte, die Kleinste von den Meinen würde, wenn sie das

von mir so als Gruß hörte, besorgt dreinschauen und - Kind ihrer Zeit - fragen, ob

ich sie »noch alle hätte«.


Ostern 2008

Einen grüßenswerten Gruß? Frei heraus: Ich finde ihn nicht, jetzt nicht, und ich

weiß nicht, wann ich ihn finde. Ich bin ein Mann im neunten Lebensjahrzehnt; es

ist nicht zu früh, wenn ich mir ruhige Gedanken mache über eine letzte Reise,

über ein letztes Lager, über einen letzten Enkelbesuch. Man bringt ja da, p.p.c. -

pour prendre congé - kleine Gastgeschenke: eine Blume, ein Flötensolo, ein schön

übersetztes Sappho-Fragment. Sie kommen lautlos oder doch leise die Treppe

herauf, ich sehe es mit dem Fernblick der Liebe und der Trauer. »Fehlt dir

etwas, Ältervater?« So schöne Geschenke. Danke. »Vermißt du etwas?« Ein Wort

werde ich vermissen. Ich glaube, das Wort »Hallo«.

Albrecht Goes, Was haben Sie gegen "Hallo"?. Aus: Albrecht Goes, Vierfalt.

Wagnis und Erfahrung. (c) S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1993.

„Zeitungsleser im Hausgarten“

Quelle: www.carl-spitzweg.de/galerie.htm Original :Kaiserslautern, Pfalzgalerie

31


32

Eine nicht ganz alltägliche Störung!

Dienstag, den 26. Februar 2008

10.00 Uhr

Hauszeitung

Eine Bewohnerin spricht mich an: „Herr Ruthardt, wissen sie schon, dass unsere

Gehwegbeleuchtung am Gartenausgang nicht mehr funktioniert?“

„Nö! - Do, gucka mr´ heit Middag danooch.“

13.30 Uhr

Bobo macht sich auf den Weg, kommt nach kurzer Zeit in mein Büro zurück und

sagt: „Herr Ruthardt, kommen sie mal und bringen den Fotoapparat mit!“

Voller Erwartung folge ich ihm und kann fast nicht glauben, was ich da sehe:

Nanu, Bergbau in einer Gehweglampe!!!!


Ostern 2008

Dann wollen wir doch mal sehen,

wer sich da unrechtmäßig eingenistet

hat.

Bobo bei den Grabungsarbeiten

Die Ameisen haben im Laufe der Zeit

den Anschlussbereich der Lampe in

Besitz genommen und durch die

Feuchtigkeit der Erde kam es im

Klemmenbereich zum Kurzschluss.

Werk der Ameisen

Werk der Haustechnik

33

So, das wäre geschafft! Jetzt können

unsere Bewohnerinnen und Bewohner

wieder bei voller Beleuchtung zum

Garteneingang ins Haus gehen.

Rolf Ruthardt


34

Hauszeitung

Beim bundesweiten Wettbewerb „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“!

stellten sich Schüler der 4., 5. und 6. Klassen in märchenhaften Kurzgeschichten

vor, was sie alles machen würden, wenn sie zwei Wochen allein zu Hause wären, um

wie Pippi Langstrumpf, tun und lassen zu können, was sie wollten!

Alex Strobel, der 11-jährige Sohn unseres Küchenleiters, errang mit seiner

Geschichte „Villa unter Wasser“ den 1. Platz! Die Preisübergabe fand am 12.

November 2007 im Rahmen der Märchentage in Berlin statt. Der junge Schriftsteller

erhielt als Preis eine Wochenendreise mit seiner Familie nach Stockholm. Wir

gratulieren!

Red.

Villa unter Wasser

Alles fing damit an, dass meine Eltern in den Pfingstferien unbedingt in den

Bayerischen Wald wollten. Wandern! Oh, Mann! Es gibt 1000 Dinge, die ich

liebend gerne in den Ferien machen würde. Wandern ist nicht unter diesen Dingen!!

Wie viel Zeit und Nerven mich das Überreden meiner Eltern gekostet hat, zuhause

zu bleiben, kann sich kein Mensch vorstellen. Mein Entschluss, „ich bleibe da“,

stieß auf Granit. Nach einiger Zeit waren wir so weit, dass sie wenigstens mit sich

reden ließen, und als mein Vater sagte: „Da müsste er sich zumindest mal selber um

seinen Kram kümmern“, wusste ich, mein Ziel ist erreicht.

Samstagmorgen war es soweit. Mutter hatte mir einen Zettel mit mindestens 50

Verhaltensregeln an den Kühlschrank geklebt, außerdem eine Telefonliste mit

sämtlichen Personen, die im Notfall sofort alles liegen lassen und mich betütteln

könnten. Natürlich versprach ich meinen Eltern, alles zu befolgen, und endlich fiel

die Tür ins Schloss. Ruhe! Tun und lassen, was ich will! Kein Gemecker! Kein

Eingemische! Herrlich!

Zuerst stellte ich den Fernseher an und schaffte sämtliches Knabberzeug ins

Wohnzimmer. Es war wirklich toll. Wenn ich mich allerdings genau an diese ersten

Stunden allein zurückerinnere, meine ich, einen ganz, ganz schwachen Seegeruch

wahrgenommen zu haben. Naja, jedenfalls genoss ich meine Freiheit, bis zu dem

Zeitpunkt, an dem ich plötzlich die feuchten Spuren an den Wänden sah.

Ich setzte mich kerzengerade auf und stellte den Fernseher ab. Es war auch ein leises

Plätschern zu hören. Ich spürte, wie sich meine Nackenhaare aufstellten. Auf dem

Boden hatten sich kleine Pfützen gebildet, und an den Fenstern sah ich deutliche

Wasserlachen herunterlaufen. Das geht nicht mit rechten Dingen zu, dachte ich und


Ostern 2008

wollte schon zur Haustür hinaus ins Freie stürzen. Genau in dem Moment, in dem

ich meine Muskeln zur Flucht spannte, stürzte eine riesige Welle durch den Kamin

auf mich zu und ein kleines grünes Seepferdchen landete vor meinen Füßen.

„Hey, bin ich hier richtig im Seeparadies 4?“, Ich war unfähig, mich zu bewegen,

geschweige denn zu antworten. Es dauerte einige Minuten, bis ich mich wieder unter

Kontrolle hatte. Klar – wir wohnen „im Seeparadies 4“, und ich antwortete einfach:

„Ja, du bist richtig.“ Und ich erhielt die Antwort: „Okay. Dann bist du der Vermieter

unserer Ferienvilla! Kann ich meinen Freunden Bescheid sagen zu kommen? Sie

warten schon auf den Wellen?“ Mann! Träumte ich, oder was? Und schon ging es

los. Aus allen Ritzen und Spalten der Wände schoss Wasser. Das Wohnzimmer war

bis zur Decke mit Wasser gefüllt. Ich stand auf und lief die Treppe zu meinem

Zimmer hinauf. Die Bewegungen waren durch die Wellen etwas gebremst, aber ich

konnte mich beinahe normal bewegen. Das Atmen war auch kein Problem, wobei

ich das Gefühl nicht loswerden konnte, dass meine Wangen merkwürdige

Zuckungen vollführten. Kiemen?!

Ich hatte keine Zeit, in den Spiegel zu schauen, denn in meinem Zimmer tummelten

sich bereits mehrere Seesterne zwischen den CD´s.

Mittlerweile war die Villa komplett mit Wasser gefüllt. Einige Kugelfischväter

setzten ihre Kinder in den Eierkocher und spielten Karussell. Einen Hummer musste

ich aus der Kloschüssel befreien; er hatte sich mit seinen Scheren verhakt. Der

Toaster lief heiß, weil sich eine Gruppe von Feuerquallenmädchen ihre bleiche Haut

darin bräunte. Ein junger Hecht besprühte sich mit dem teuren Chanel meines Vaters

die Schwanzflossen und hatte schon die halbe Flasche geleert. Aale baten mich

dauernd, die Waschmaschine im Schleudergang einzustellen – ihre Gelenkigkeit

wurde durch das Schleudern angeblich verbessert. Unsere nagelneue Sauna wurde

von Seekühen völlig überfüllt, deshalb lief unser Stromzähler auf Hochtouren. Es

war verrückt.

Allerdings gewöhnte ich mich schnell an meine neuen Mitbewohner. Sie waren sehr

höflich und ausgesprochen angenehme Feriengäste. Mit einem Karpfen schloss ich

echte Freundschaft. Wir beide liebten dieselben Fernsehsendungen, und er hatte

auch eine große Leidenschaft für Chips mit Käse. Er war es auch, der seine Freunde

zu sofortiger Ruhe ermahnte, wenn meine Mutter wieder mal ihre Kontrollanrufe

startete. Zwar wunderte sie sich, dass es bei mir so eigenartig blubberte, aber ich

beruhigte sie, indem ich sagte: „ .... das ist sicherlich die schlechte

Telefonverbindung in Bayern.“

Der Karpfen, Theo, war von seinem Urlaub begeistert. „Mensch, Alex, deine Villa

ist genau das Richtige für uns. Ich glaube, wir kommen nächstes Jahr wieder.“

35


36

Hauszeitung

Dagegen hatte ich nichts einzuwenden. Theo half mir auch beim Aufladen der

Akkus. Ich brauchte ständig Akkus. Der Katzenhai schwamm zwölf Stunden am

Tag mit meinem MP3-Player herum. Die Kraken fanden den Gameboy super und

verhedderten sich ab und zu mit ihren Armen auf den Tasten. Auch die Akkus für

den CD-Player waren dauernd leer. Wer den benutzte, wusste ich nicht.

So ging es zwei Wochen lang, und es wurde mir natürlich nie langweilig.

An dem Tag, an dem meine Eltern zurückkommen sollten, verabschiedeten sich

meine Meeresfreunde mit Tränen in den Augen bei mir und versprachen, nächstes

Jahr wiederzukommen.

Theo wollte mir eine E-Mail schicken, wenn er gut im Meer angekommen war. Er

war der Letzte, der ging, und mit ihm verschwand auch das Wasser und das Kitzeln

meiner Wangen.

Als meine Eltern nachhause kamen, bemerkten sie zwar noch einen leichten

Seegeruch und wunderten sich über den Sand, der in manchen Zimmerecken lag,

aber richtig Ärger bekam ich nur wegen der leeren Chanelflasche. Außerdem

ärgerten sie sich über die hohe Stromrechnung und wollten gar nicht begreifen,

weshalb ich so viel in der Sauna war. Ich erzählte ihnen die Wahrheit, aber sie

dachten, ich sei von den zwei Wochen allein durchgeknallt. Der kleine Seestern in

der Badewanne war jedoch selbst für sie unerklärlich.

Alex Strobel bei der Preisübergabe in Berlin

Alex Strobel


Ostern 2008

Von einer Bewohnerin erhielten wir dankenswerter Weise nachfolgendes Rätsel, das

wir gerne an unsere Leser weitergeben. Wer alle Fragen richtig löst, kann diese am

Empfang abgeben (Namen nicht vergessen) und nimmt an einer Verlosung teil. Zu

gewinnen gibt es dreimal Kaffee und Kuchen.

Die Antworten sind bis spätestens 25. April 2008 am Empfang abzugegeben.

Viel Spaß und Glück beim rätseln! Red.

Märchen-Quiz

Dies ist ein Quiz für Querdenker, Intelligenzbolzen und IQ-Asse. Wer nicht alle

Fragen lösen kann, der tröstet sich. Erfolg hängt selten von Intelligenz ab ....

Beispiel: Frage: Siebenfacher Mörder mit Vorliebe für Mus

Antwort: Das Tapfere Schneiderlein

1.Chirurgischer Eingriff rettet Familie

___________________________________________________________

2.Quartett schlägt Gauner in die Flucht

___________________________________________________________

3.Halbstarker verschleudert Vermögen

___________________________________________________________

4.Volksbefragung verhindert Beschlagnahmung eines Baby

___________________________________________________________

5.Mörder im Haus der Großmutter

___________________________________________________________

37


38

6.Kräftiger Haarwuchs verhilft zu einem Schäferstündchen

Hauszeitung

___________________________________________________________

7.Adlige lebt in Kommune mit Bergarbeiter

___________________________________________________________

8.Entlohnung nach Leistungsprinzip

___________________________________________________________

9.Vogeleinsatz zur Qualitätsverbesserung von Lebensmitteln

___________________________________________________________

10.Leichte Handverletzung führt zu Massenhypnose

___________________________________________________________

11.Schlitzohriger Meilenläufer

___________________________________________________________

12.Intelligenter Adliger erteilt seiner Braut Lehren

___________________________________________________________

13.Grüner Herrscher bittet um Asyl

___________________________________________________________

14.Alte Dame möchte Jüngling vernaschen

___________________________________________________________

15.Zwei farbige Schwestern

___________________________________________________________


Ostern 2008

Neue Bücher in unserer Bibliothek (eine Auswahl)

Romane, Literatur

Daniel Kehlmann Die Vermessung der Welt (Großdruck)

Hans Magnus Enzensberger Landessprache

Max Frisch Der Mensch erscheint im Holozän

Antoine de Saint-Exupéry Flug nach Arras

Rafik Schami Die dunkle Seite der Liebe

Ilija Trojanow Der Weltensammler (Großdruck)

Botho Strauss Die Unbeholfenen

Jaan Kross Der Verrückte des Zaren

Saul Bellow Herzog

Martha Grimes Inspektor Jury kommt auf den Hund

Khaled Hosseini Drachenläufer

Christoph Ransmayr Die Schrecken des Eises und der Finsternis

Franz Hohler Die Torte

Kurt Tucholsky Briefe 1913 – 1935

Felix Huby Bienzle im Reich des Paten

Noah Gordon Der Schamane

Jurek Becker Amanda herzlos

Dorothy Sayers Der Glocken Schlag

Biografien

Frederic Grunfeld Rodin

Gregor Gysi Ein Blick zurück, ein Schritt nach vorn

Reinhold Messner 13 Spiegel meiner Seele

Marion York von Wartenburg Die Stärke der Stille

Golda Meir Mein Leben

Heiner Stachelhaus Joseph Beuys

Hartmut von Hentig Mein Leben Band 2

Helmuth James von Moltke Briefe an Freya 1939 - 1945

39


40

Anthroposophie

E. Koch / Th. Willmann Gerard Wagner

Frank Teichmann Die Entstehung der

Anthroposophischen Gesellschaft

Joseph Beuys / Rudolf Steiner Zeichnungen, Entwürfe, Skizzen

Henning Köhler Vom Ursprung der Sehnsucht

Carl Unger Schriften I - III

Friedrich Glasl Das Unternehmen der Zukunft

Verschiedenes

Hauszeitung

Geoffrey von Monmouth Das Leben des Zauberers Merlin

Dieter Seibert Goldenes Engadin

Hanna Wolff Jesus der Mann

Roland van Vliet Der Manichäismus

Heinz Schlaffer Die kurze Geschichte der deutschen Literatur

Birkach – Geschichte, Menschen, Bilder

Ernst Barlach Güstrower Tagebuch

Joseph Beuys Sprechen über Deutschland

Joachim Bauer Prinzip Menschlichkeit

Klaus Dörner Leben und sterben, wo ich hingehöre

Otto Dix Katalog Stuttgart 2007

Konstantin der Große Katalog Trier 2007

Simone Weil Unterdrückung und Freiheit

Reinhold Messner Yeti. Legende und Wirklichkeit

Dürers Mutter Katalog Berlin 2006

Thilo Bode Abgespeist. Wie wir beim Essen betrogen

werden

Neil Postman Das Verschwinden der Kindheit

Johanna Veronika Picht Zwerge

Walther Abendroth Schopenhauer


Leben Lernen

Von der Sonne lernen zu wärmen,

Von den Wolken lernen, leicht zu schweben.

Vom Wind lernen, Anstösse zu geben,

Von den Vögeln lernen, Höhe zu gewinnen,

Von den Bäumen lernen, standhaft zu sein.

Von den Blumen das Leuchten lernen,

Von den Steinen das Bleiben lernen,

von den Büschen im Frühling Erneuerung lernen,

von den Blättern im Herbst das Fallenlassen lernen.

Vom Regen lernen, sich zu verströmen,

Von der Erde lernen, mütterlich zu sein.

Vom Mond lernen, sich zu verändern,

Von den Sternen lernen, einer von vielen zu sein,

von den Jahreszeiten lernen, dass das Leben

immer von Neuem beginnt.....

Ute Latendorfer

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!