DNV:Direkt - Ausgabe 4 (pdf)

dnvba.com

DNV:Direkt - Ausgabe 4 (pdf)

DNV Direkt

Das Zertifizierungsmagazin der DNV Nr. 4

In dieser Ausgabe:

• Rajendra Pachauri

• Danisco

• BBR Verkehrstechnik

• DIRO

• Perga-Plastic

Corporate Responsibility:

Mit Qualität sicher

in die Zukunft


Editorial

„Nachhaltigkeit“ läuft derzeit Gefahr, 2008

zum Unwort des Jahres gewählt zu werden.

Der Grund liegt in der inflationären Nutzung

der Vokabel, die vor allem aus Marketingsicht

erhöhte Aufmerksamkeit genießt. Mittlerweile

ist aus den Themen „Nachhaltigkeit“ und

„Gesellschaftliche Verantwortung“ ein Markt

mit vielen Versprechen entstanden. Doch werden

die hohen Erwartungen bereits erfüllt?

Sicher ist in jedem Fall, dass die Botschaft,

für seine unternehmerische Leistung dauerhaft

Verantwortung zu übernehmen, alleine

nicht ausreicht, um den Markenwert eines

Unternehmens zu schützen. Transparente

Fakten müssen geschaffen werden. Daher

macht es Sinn, dass die Botschaft im Managementsystem

verankert wird und sich in den

Prozessen widerspiegelt.

Wir möchten im Themenschwerpunkt Fragen

nachgehen wie zum Beispiel: Was hat eigentlich

das Thema Qualität mit Nachhaltigkeit zu

tun? Und wie trägt Management-System-

zertifizierung zur nachhaltigen Leistungsfähigkeit

von Unternehmen bei? Neben aktuellen

neuen Best Practises unserer Kunden finden

Sie in der vierten Ausgabe der DNV Direkt hoffentlich

etwas Orientierung dazu, mit welchen

Inhalten die Worthülse „Nachhaltigkeit“ sinnvoll

gefüllt werden kann.

Ihr Nikolaus Kim


Best Practice ...

News

Der Klimawandel ist eine

Gefahr für den Frieden

Transparenz zeigen

Wie sozial sind

Unternehmen?

Danisco

BBR Verkehrstechnik

DIRO

Perga-Plastic

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24


Weitere infos:

Wer eine Vorstellung davon bekommen

möchte, wie viel Einfluss der

eigene Lebensstil auf unsere Umwelt

hat, kann dies zum Beispiel hier

überprüfen: www.myfootprint.org

mehr zum projekt WE do:

Michael Niemeier

Tel. +49 (0) 201 7296-231

dialog@dnv.com

Der Sport bietet die beliebteste Werbeplattform.

Doch Sozial- und Ökosponsoring holt auf.

WE Do – Do You?

Mit WE do startete DNV im Frühjahr

2008 ein ehrgeiziges Umweltschutzprojekt

mit Vorbildfunktion. Die Mitarbeiter

sollen ihren persönlichen ökologischen

Fußabdruck verringern. In der ersten

Runde haben sich fast 2.000 DNV Mitarbeiter

für Projekte beworben, mit denen

sie ihre Verantwortung für nachhaltigen

Klimaschutz demonstrieren konnten. „Wir

haben mehr als 500 Projektvorschläge von

Mitarbeitern erhalten“, freut sich Kristian

Lindøe, Projektmanager bei DNV. Das

Unternehmen stellt dafür in diesem Jahr

BilDuNgS- uND ÖkoSpoNSoriNg im AufWiND

Deutschlands Unternehmen integrieren

verstärkt Sponsoringmaßnahmen in

ihr Corporate Social Responsibility (CSR)

Engagement. Voll im Trend liegt dabei

Bildungs- und Ökosponsoring. Auch wenn

Sport und Kultur nach wie vor die meisten

Sponsorengelder abbekommen. Das ergab

die neueste Langzeitstudie von Pleon

Event + Sponsoring.

„Knapp die Hälfte der befragten

Unternehmen binden Sponsoring in

ihre CSR-Projekte ein. Damit nutzen die

Unternehmen Sponsoring als strategisches

Instrument, um ihr Bekenntnis zu nachhaltiger

gesellschaftlicher Verantwortung in

ihre Kommunikation zu integrieren. Dies

bietet sich besonders für kleine und mittel-

DNV News

rund fünf Millionen Euro bereit. Gefördert

werden unter anderem Projekte von

Solarenergie für das Eigenheim bis hin

zum Ticket für den öffentlichen Nahverkehr.

„Unser Ziel ist es, dass wir unsere

Mitarbeiter darin unterstützen, möglichst

unmittelbar und gleichzeitig nachhaltig

ihr Umweltverhalten zu optimieren. Wir

würden uns freuen, wenn wir auch andere

Unternehmen dazu motivieren könnten,

ähnliche Projekte zu entwickeln und

durchzuführen“, erklärt Lindøe. Darum

gilt ab sofort: WE do! Do YOU?

ständische Unternehmen an, die CSR nicht

als eigenständiges Konzept im Rahmen

ihrer Geschäftstätigkeit um–setzen können,“

analysiert Dino Büscher, Managing

Director bei Pleon Event + Sponsoring.

Die Entwicklungen korrespondiere mit der

allgemeinen Tendenz der Unternehmen,

sich verstärkt Themen mit gesellschaftlicher

Relevanz anzunehmen.

Weitere infos:

Die Studie kann unter

www.pleon.de/Studien.1166.0.html

vollständig heruntergeladen werden.

4

DNV Direkt


DNV mit gutEm JAhrESErgEBNiS 2007

Das starke Wachstum der Weltwirtschaft

sowie gestiegene Aktivitäten in den meis-

ten Industriebereichen haben dafür

gesorgt, dass DNV im vergangenen Jahr

ein gutes Ergebnis hinlegen konnte. Das

geht aus dem Jahresbericht 2007 hervor,

der im Mai veröffentlicht wurde. Demnach

konnte DNV in seinen Kernbereichen ein

Wachstum von elf Prozent verzeichnen.

Die Erlöse summierten sich auf insgesamt

1,02 Milliarden Euro. Der operative

Gewinn betrug 110 Millionen Euro vor

gfSi-ViSioN EiNEr EiNhEitlichEN ZErtifiZiEruNg rückt NähEr

Anfang Juli trafen sich Branchenexperten

der Nahrungsmittelindustrie in

Washington zum „Import Safety Summit“.

Ziel der Veranstaltung: die mögliche An-

erkennung der GFSI-Standards in Nordamerika.

Die Vision der Global Food Safety

Initiative (GFSI) „Einmal zertifiziert –

überall anerkannt“ könnte Wirklichkeit

werden, wenn auch im amerikanischen

Markt Third-Party-Audits als Nachweis

für die Produktion und Verarbeitung von

Lebensmitteln anerkannt werden. Der

aktuelle Action Plan for Import Safety

definiert akkreditierte Third-Party-Audits

als Schlüsselelement für die Gewährleistung

sicherer Lebensmittel. Der Paradigmenwandel

in Amerika würde die weltweite

Zusammenarbeit erleichtern. Denn

und 67 Millionen Euro nach Steuern. Zu

den Regionen mit dem größten Wachstum

zählen Brasilien, China, Indien und Nordamerika.

Rund ein Viertel des Umsatzes

wurde mit der Zertifizierung von Managementsystemen

erzielt. Vor dem Hintergrund

einer gesunden Weltwirtschaft

sowie weiterhin hoher Aktivitäten im

Energiesektor und in allen Kernmärkten

von DNV prognostiziert CEO Henrik O.

Madsen 2008 ein weiteres solides Wachstum

für DNV.

Standards wie der International Food

Standard (IFS), der BRC des British Retail

Consortiums und das Safe Quality Food

Program des Food Marketing Institute

reichen dann als Garantie für die Herstellung

eines sicheren Produktes aus.

Alle Food-Safety-Standards verfolgen

gleiche Ziele: Sie wollen Risiken senken,

das Image der Marken schützen und

das Vertrauensverhältnis zwischen den

Betrieben und ihren Kunden festigen. Mit

einem Benchmarkingsystem vergleichen

alle Food-Safety-Standards neutral, ob

die Schlüsselkriterien eines Lebensmittelsicherheitsmanagementsystems

erfüllt

sind. Ist dies der Fall, wird der Standard

anerkannt.

Weitere infos:

Die Druckversion des Jahresberichts

2007 können Sie unter

dialog@dnv.com bestellen oder

unter www.dnv.de als PDF

herunterladen.

Eine weltweit einheitliche lebensmittel-Zertifizierung

rückt näher.

DNV Direkt 5


Der Klimawandel ist eine

Gefahr für den Frieden

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DNV Direkt


Unermüdlich ruft Dr. Rajendra Pachauri Unternehmen auf, ihren Teil der

Verantwortung zu übernehmen, um den Klimawandel abzuschwächen.

Dafür wurde er als Vorsitzender des Weltklimarats mit dem Friedensnobelpreis

ausgezeichnet. DNV Direkt hat Pachauri in Oslo getroffen.

Text: Per Busk Christiansen,

Foto: Nina E. Rangøy

Pachauri ist ein ruhiger, freundlicher

Mensch. Trotz seines vollen Terminkalenders

nimmt er sich reichlich Zeit, um seine

Einschätzung zum Klimawandel darzulegen.

Dabei wird schnell klar, wie leidenschaftlich

sein Engagement für das Thema

ist. Sein Ton wird ernst, als er erklärt, wie

der Klimawandel zu einer Bedrohung für

den Frieden werden kann.

„Zunächst einmal wird die Zahl und

Intensität extremer Wetterereignisse

steigen“, sagt der Klimaexperte. Schon

der Orkan Katrina, der 2005 in den USA

wütete, habe deutlich gezeigt, dass solche

Ereignisse selbst auf gut funktionierende

Gesellschaften zerstörerisch wirken –

sogar zeitweise zum Zusammenbruch von

Recht und Gesetz führen. „Einige Menschen

werden solche Situationen immer

wieder für ihre Zwecke ausnutzen wollen,

indem sie Gewalt und Terror ausüben“,

warnt Pachauri.

Eine weitere unmittelbare Gefahr für

den Frieden geht seiner Meinung nach

von den Wanderbewegungen großer Teile

der Bevölkerung aus. Was er entwirft,

klingt wie eine Horrorvision: Überschwemmungen,

Dürren und Hitzewellen werden

tief greifende Auswirkungen auf die Landwirtschaft

haben und Menschen zwingen,

landwirtschaftlich genutzte Gebiete zu

verlassen. Der Meeresspiegel wird steigen

und, vor allem in Deltagebieten mit

hoher Bevölkerungsdichte, die Menschen

direkt bedrohen. Die Menschen werden

gezwungen sein, in andere Regionen abzuwandern.

Solche großen Bevölkerungsbewegungen

würden unausweichlich zu

Konflikten führen, meint Pachauri. Der

Völkermord im afrikanischen Darfur sei

ein erstes Beispiel dafür.

„Der Klimawandel wird den Druck auf

schwache und arme Teile der Bevölkerung

noch verschärfen. In unseren Berichten

schätzen wir, dass allein in Afrika 75 bis

250 Millionen Menschen durch Wasserknappheit

bedroht sein werden, was möglicherweise

Kämpfe um Wasservorräte zur

Folge hat. Dies ist in besonderem Maße

eine ethische Frage, da es in Industrienationen

und Entwicklungsländern gleichermaßen

die Armen sind, die am meisten

leiden werden“, so Pachauri.

Für seinen Kampf gegen diese Entwicklung

bekam Pachauri, stellvertretend für

den Weltklimarat, im vergangenen Jahr

den Friedensnobelpreis. Doch der Rat verbuchte

kürzlich einen weiteren, bedeutsamen

Erfolg. Der Weltklimagipfel in Bali

im vergangenen Dezember verwendete die

Berichte des Rates erstmals als Diskussionsgrundlage.

„Und zum ersten Mal stellte

niemand die Gültigkeit der wissenschaftlichen

Belege in Frage“, freut sich Pachauri.

Mit der Bali-Konferenz begann ein Prozess,

der bis zur Konferenz in Kopenhagen

2009 fortgeführt werden soll. Dort wollen

die teilnehmenden Länder ein neues

Abkommen vereinbaren und neue Ziele

festlegen, die das 2012 endende Kyoto-

Protokoll ersetzen sollen.

Wenn sich die USA an einem neuen

Abkommen beteiligten, würden die Emissionshandelsmärkte

enorm expandieren

und es werde einen wesentlich größeren

Kohlenstoffmarkt sowie höhere Preise für

Kohlenstoff geben, hofft Pachauri.

Dies sei entscheidend, um den Klimawandel

abzuschwächen. Ein wesentlich

höherer Kohlenstoffpreis mache neue

Technologien mit niedrigem CO 2 -Ausstoß

und erneuerbare Energien wirtschaftlich

rentabel und somit zu einer echten Alternative

zu fossilen Brennstoffen. „Der Prozess

der Entscheidungsfindung des CDM

(Clean Development Mechanism; Mechanismus

der indirekten Kohlendioxid-

Einsparung – die Red.) muss wesentlich

effizienter werden“, fordert Pachauri. Für

einen funktionierenden Kohlenstoffmarkt

seien aber unabhängige Dritte, wie DNV,

notwendig. Sie können Projekte validieren

und die Reduzierung von Schadstoffemissionen

messen und verifizieren. „Dies

ist eine äußerst wichtige Rolle, die noch

mehr an Bedeutung gewinnen wird, je

mehr der Markt wächst“, so Pachauri.

Nach Berechnungen des Weltklimarates

sind die Kosten moderat, wenn sofort

gehandelt wird. Die Technologien zur

Rettung des Klimas seien bereits verfügbar

oder stünden kurz vor ihrer wirtschaftlichen

Nutzung. Eine dieser Technologien

ist die CO 2 -Abscheidung und -Speicherung

(CCS: Carbon Capture and Storage).

Laut Pachauri könne diese Technik einen

bedeutenden Beitrag zur Reduzierung

des CO 2 -Ausstoßes liefern. Es werde aber

noch etwas Zeit brauchen, bis diese Technologie

kommerziell verfügbar sein werde.

Dann aber bestehe kein Zweifel daran,

„dass CCS eine sehr bedeutende Rolle

spielen wird, allerdings als eine von vielen

Lösungen“, so seine Einschätzung.

DNV Direkt 7


Die Erkenntnisse des Klimarates richten

sich zwar in erster Linie an politische

Entscheidungsträger, viele Aspekte sind

jedoch auch für Unternehmen von Bedeutung.

Die Berichte liefern Einschätzungen,

welche Technologien vielversprechend

sind und welche vielleicht nicht ganz so

einfach umzusetzen sind; zudem helfen

sie Unternehmen bei der Planung ihrer

Investitionen in solche Technologien.

„Mir ist bewusst, dass Unternehmen diese

Einschätzungen selbst vornehmen, aber

der vierte Sachstandsbericht bringt alle

Erkenntnisse in einen Rahmen und bietet

so eine wesentlich breitere Informationsgrundlage,

auf der Firmen ihre Entscheidungen

treffen können“, erklärt Pachauri.

Demnach müssen Unternehmen Wege

finden, ihre Prozesse ökologischer zu

gestalten und Emissionen zu verringern.

Ebenso werden sie überlegen müssen,

welche Auswirkungen der Anstieg des

Meeresspiegels, extreme Wetterereignisse,

Niederschläge und Hitzewellen auf

ihr Geschäft haben werden. Betriebe,

die auf die Agrarwirtschaft angewiesen

sind, werden die Auswirkungen der Klimaveränderung

auf landwirtschaftliche

Nutzflächen und somit auch auf die Preise

von Rohstoffen bedenken müssen. Industriezweige,

deren Produktion in großem

Maß auf Wasser angewiesen ist, werden

mit Wasserknappheit umzugehen haben.

„Die meisten Unternehmen werden sich

auf die eine oder andere Weise anpassen

müssen“, sagt Pachauri.

Für die Firmen ist die Investition in

den Umweltschutz ein gutes Geschäft.

Der Druck von Kunden auf Unternehmen

wächst, ihr „grünes Engagement“ zu kom-

8

munizieren. Pachauri ruft Unternehmen

daher auf, ihren Teil zur Abschwächung

des Klimawandels beizutragen. Sein Rat:

Unternehmen sollten ihre Initiativen zum

Umweltschutz von unabhängiger Seite

verifizieren lassen, um ihre Anstrengungen

noch glaubwürdiger zu machen.

Rajendra Pachauri

wurde am 20. August 1940 im indischen

Nainatal geboren. Er studierte in den 70er-

Jahren an der North Carolina State University

und machte seinen Doktor als Ingenieur und

Ökonom. Der Kricket-Fan leitet seit 25 Jahren

das „Energy and Resources Institute“ (TERI) in

Neu-Delhi, das Forschung zu Umweltfragen,

Forstwirtschaft und nachhaltiger Entwicklung

betreibt.

Am 10. Dezember 2007 hat Dr. Pachauri

stellvertretend für den Weltklimarat (Intergovernmental

Panel on Climate Change, IPCC)

zusammen mit Al Gore den Friedensnobelpreis

entgegengenommen. Der Rat erhielt den

Preis für seine Arbeit über die von Menschen

verursachte Klimaveränderung, aber auch

für sein Engagement zur Abschwächung des

Klimawandels.

DNV Direkt


„Der Klimawandel wird den Druck auf schwache

und arme Teile der Bevölkerung noch verschärfen.“

Rajendra Pachauri

DNV Direkt 9


Transparenz zeigen

In den Unternehmen wächst die Erkenntnis, dass ein sorgfältiger Bericht

Bestandteil einer erfolgreichen Corporate Responsibility Agenda sein

muss. Gleichzeitig fehlen jedoch einheitliche Definitionen und Richtlinien.

Die Unsicherheit unter den Verantwortlichen ist groß.

Wie kann ein Unternehmen den steigenden

Anforderungen gerecht werden

und einen langfristig positiven Effekt mit

seinem Bericht erzielen? Diese zentrale

Frage stand im Fokus des Global Corporate

Responsibility (CR) Reporting-Summit,

der im März erstmals in Berlin stattfand.

Rund 120 Teilnehmer aus Unternehmen

diskutierten, wie Unternehmen den Forderungen

von Kunden, Politik und Gesellschaft

nach Corporate Responsibility

glaubwürdig nachkommen können.

Vor allem in Deutschland beurteilt

die Öffentlichkeit die Bemühungen der

Unternehmen häufig als nicht langfristig

genug und kaum ernst gemeint. Grund

dafür ist, dass viele Firmen zwar Verantwortung

predigen, in der Praxis es aber

oft mit den eigenen Grundsätzen nicht

allzu genau nehmen. Ralf Schmackpfeffer,

CR-Experte bei DNV, mahnt daher: „Um

glaubwürdig zu sein, dürfen CR-Aktivitäten

nicht im freien Raum schweben.“

Vielmehr müssten die CR-Aktivitäten

strategisch in das Unternehmenskonzept

eingebettet sein und sich in den Kernprozessen

wiederfinden. Nur wenn diese

Grundvoraussetzung gegeben sei, würden

die Stakeholder den CR-Bericht ernst nehmen.

In Deutschland wird dabei vor allem

auf die Einhaltung von anerkannten Leitlinien

von unabhängigen Organisationen

wie der Global Reporting Initiative (GRI)

geachtet. Ebenso trägt eine Überprüfung

der CR-Berichte durch externe Gutachter

zur Glaubwürdigkeit bei. „Wir erleben,

dass die Begutachtung in den Unternehmen

den Blick für die wesentlichen CR-

Themen schärft und oft ein zusätzlicher

Ansporn ist, die Berichte besonders korrekt,

vor allem aber ausgewogen zu gestalten“,

bestätigt Schmackpfeffer. Das erhöhe

die Glaubwürdigkeit und die Qualität des

Berichtes.

Die Unternehmen haben die Notwendigkeit

jedenfalls erkannt. Ethisches Verhalten,

Wahrnehmung gesellschaftlicher

Verantwortung und offene Kommunikation

stehen ganz oben auf der Agenda.

Uneinigkeit besteht nur darüber, welche

Maßnahmen zu einer umfassenden CR-

Strategie gehören. Instrumente sind zum

Beispiel internationale Standards wie SA

8000 (Social Accountability International)

oder AA 1000 (Accountability 1000), die

OECD-Leitsätze, die Prinzipien des Global

Compact bis hin zu vielen individuellen

Programmen und Initiativen wie Erklärungen

auf Länder- und Verbandsebene. Jetzt

will die Internationale Organisation für

Normung (ISO) mit der neuen Norm ISO

26000 Unternehmen und Organisationen

einen Leitfaden bieten, an dem sie sich

orientieren können.

10

DNV Direkt


Darin wird festgelegt, was soziale Verantwortung

ausmacht und wie sie auf allen

Gebieten unternehmerischen Handelns

und in allen Ebenen einer Zulieferkette

praktisch umgesetzt werden kann.

275 Teilnehmer aus 54 ISO-Mitgliedsländern

und 28 internationalen Organisationen,

darunter DNV, entwickeln zurzeit in

einer Arbeitsgruppe den neuen Standard.

Schwerpunkte liegen bei den Themen

Umweltschutz, Menschenrechte und

Arbeitsbedingungen, organisatorische

Unternehmenssteuerung und faire Methoden

im geschäftlichen Umgang sowie

Kundenbelange und gesellschaftliche

Beteiligung und Entwicklung. Die Norm

wird voraussichtlich kein zertifizierbarer

Standard und kein Managementsystemstandard

sein, sondern ein freiwilliger

Leitfaden.

„Inwieweit eine solche Guideline zur

Anwendung kommen wird, hängt von der

Qualität des Werkes ab und von den Möglichkeiten,

wie ein Unternehmen sich bei

der Anwendung dennoch spezifisch darstellen

kann“, konstatiert Ralf Schmackpfeffer.

Mit der Implementierung von

geeigneten Instrumenten zum Management

von unternehmerischer Verantwortung

kommen Unternehmen ihrer Verpflichtung

zu sozial verantwortungsvollem

Handeln nach. Sie schützen so den Wert

und das Image ihres Unternehmens und

schaffen Vertrauen bei den Konsumenten.

Als internationaler Marktführer für

Dienstleistungen im Risikomanagement

bewertet und zertifiziert DNV schon heute

im Auftrag von Unternehmen CR-Aktivitäten.

Die Norm SA 8000 etwa garantiert

menschenwürdige Arbeitsplatzbedingungen

und anerkannte Arbeitnehmer- und

Menschenrechte. Ein SA-8000-Zertifikat

stellt gegenüber Verbrauchern die Einhaltung

dieser grundlegenden Bedingungen

sicher.

Weitere CR-Instrumente von DNV

sind die Umsetzung einer ethisch nachhaltige

Supply Chain, die Reduzierung

der Betrugs- und Korruptionsanfälligkeit,

die Bewertung der Transparenz und der

unternehmerischen Verantwortung sowie

die Verifizierung von Nachhaltigkeitsberichten.

Diese Tools dienen dazu, die

verantwortliche Unternehmensführung in

allen Bereichen zu optimieren. „Ziel unserer

Arbeit ist es, zu einem nachhaltigen

Engagement für Social Responsibility zu

ermutigen, was zugleich ein wesentliches

Betätigungsfeld von DNV ist“, so Ralf

Schmackpfeffer.

weitere informationen:

Global Reporting Initiative

– www.globalreporting.org

OECD-Leitsätze

– www.oecd.org

UN Global Compact

– www.unglobalcompact.org

Organization for Standardization (ISO)

– ISO 14000 Normenfamilie zum Umweltmanagement,

ISO 26000 CR-Standard

(noch in Arbeit)

– www.iso.org

Social Accountability: Norm für nachhaltiges

Wirtschaften

– www.sa-intl.org

Bundesumweltministerium – Empfehlungen

zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

– www.bmu.de

Accountability – Assurance Standard zur

Prüfung von CR-Berichten

– www.accountability.org

DNV Direkt 11


Interview: Alexander Heintze,

Fotos: DNV

In Deutschland schreiben sich global agierende

Konzerne Corporate Responsibility

auf die Fahnen, während in Billiglohnländern

die Menschenrechte mit Füßen getreten

werden. Siegt am Ende der Profit über

die Verantwortung?

Ohne Gewinne zu machen, können

Unternehmen keine Arbeitsplätze und

keinen Wohlstand schaffen. Allerdings

müssen Firmen heute ihre wirtschaftlichen

Vorgaben und das Vertrauen ihrer

Interessensgruppen gewinnen, um langfris-

tig erfolgreich zu sein. Das Streben nach

wirtschaftlichem, sozialem und ökologischem

Gewinn ist also viel stärker als in

der Vergangenheit miteinander verbunden.

Wie ernst nehmen Firmen das Thema

überhaupt?

Manchmal entdecken Unternehmen

das Thema erst, wenn die Krise da ist – sei

es eine Umweltverschmutzung oder ein

Unfall in einer Fabrik. Wenn aber die

öffentliche Diskussion bereits im Gange

ist, ist es zu spät. Andere Firmen achten

frühzeitig darauf, die Risiken zu minimieren.

Das hängt von der Branche ab und

wie stark die Firmen unter Beobachtung

von Konsumenten und Staat stehen. Doch

auch Firmen, die nur im B-to-B-Bereich

tätig sind, fühlen den Druck von den

Kunden ihrer Kunden. Das zu ignorieren,

Wie sozial sind

Unternehmen?

kann in einigen Fällen dramatische Konsequenzen

für das Überleben des Unternehmens

haben. Andere praktizieren

seit Jahren oder Jahrzehnten CSR, reden

darüber aber wenig und sind sich der Verantwortung,

die sie übernommen haben,

auch nicht immer bewusst. Denn sie ist für

diese Unternehmen bereits selbstverständlich

geworden.

Reicht es, einen Baum je verkauften Bierkasten

zu pflanzen oder ein paar Cent pro Packung

an eine Umweltstiftung zu spenden,

um als verantwortungsbewusstes Unternehmen

wahrgenommen zu werden?

Da bin ich etwas skeptisch. Diese

Kampagnen vermitteln den Kunden das

Gefühl, etwas Gutes für die Umwelt zu

tun, wenn sie ein bestimmtes Produkt kaufen.

In Wirklichkeit erzeugt der Verbraucher

in vielen Fällen durch seinen Kauf

erst die Umweltverschmutzung. Je mehr er

von dem Produkt kauft, desto mehr Schaden

richtet die Produktion an.

Besser wäre es, den Zusammenhang

zwischen den sozialen Kosten und dem

Produkt klarzumachen. Zum Beispiel,

dass ein Teil des Geldes verwendet wird,

um die Schäden zu verringern, die durch

die Produktion verursacht werden. Aber

das wäre wohl aus Marketingsicht nicht so

ansprechend.

Es gibt das Schlagwort „Gute Unternehmensführung

ist immer sozial“. Können Sie

das so unterschreiben?

Was heißt, sozial zu sein? Unternehmen

haben eine Verantwortung gegenüber

ihren Eigentümern, ihren Angestellten, der

Gesellschaft und gegenüber den zukünftigen

Generationen. Das alles muss ins

Gleichgewicht gebracht werden, damit alle

davon profitieren.

Ein gutes Management sollte sich den

Bedürfnissen und Erwartungen seiner

Angestellten und der Gesellschaft bewusst

sein und diese respektieren. Und es sollte

in der Lage sein, Entscheidungen mit einer

langfristigen Ausrichtung zu treffen und

diese richtig zu kommunizieren.

Gibt es echte Wettbewerbsvorteile durch

eine gelebte CSR?

Ja, und sie sind messbar. Das Markenimage

gehört natürlich dazu. Aber es gibt

auch direkte finanzielle Auswirkungen.

Heute hängt das Markenimage zum Beispiel

in hohem Maße vom Verhalten der

Lieferanten ab. Kinderarbeit, Umweltverschmutzung,

menschenverachtende

Arbeitsbedingungen eines Lieferanten in

einem Drittland haben einen erheblichen

Einfluss auf das Markenimage und die

Gewinnentwicklung.

Rechnet sich CSR für ein Unternehmen?

DNV betrachtet immer die Kosten-

Nutzen-Relation. Nur wenn man versteht,

wo die größten Risiken liegen und wo

die positive Wirkung am stärksten ist,

kann man sicher sagen, wo und in welchem

Umfang eine Investition sinnvoll

ist. Ansonsten droht die Gefahr, sich zu

Risiken hinreißen zu lassen, die man erst

12

DNV Direkt


Das Schlagwort Corporate Social Responsibility (CSR) ist schick und soll für ein positives

Image sorgen. Doch die Realität sieht anders aus: Manager, die sich nicht an Gesetze halten,

Unternehmen, die Menschenrechte mit den Füßen treten. Passt das zusammen?

Wir haben Lorenzo D’Ambra, CSR-Experte bei DNV, dazu befragt.

DNV Direkt 13


erkennt, wenn der finanzielle Schaden

eingetreten ist.

Im Zusammenhang mit CSR fällt auch immer

wieder der Begriff Nachhaltigkeit – auch so

ein Modewort bei vielen Unternehmen. Wie

hängen die beiden Begriffe zusammen?

Nachhaltigkeit bedeutet, ein ausgeglichenes

Wachstum zu haben, das die Ressourcen

nicht ausbeutet, sodass die nächste

Generation noch davon profitieren

kann. In diesem Sinne hat Nachhaltigkeit

mehr mit einer langfristigen Perspektive

und mit Umweltschutz zu tun, während

CSR mehr mittelfristig ausgerichtet ist und

die Gesellschaft sowie soziale Aspekte im

Blick hat. Aber am Ende ist die Bedeutung

dieselbe: Es geht um verantwortungsvolles

Handeln, Respekt gegenüber Mitmenschen

und der Umwelt.

Was ist überhaupt eine gute Corporate

Social Responsibility?

Ein wichtiges Element ist, dass man die

Interessengruppen (Stakeholder) kennt.

Man muss herausfinden, welche Interessen

sie verfolgen, ihnen zuhören und

mit ihnen kommunizieren. Erfolgreiche

Unternehmen sind ziemlich gut darin,

hier das richtige Gleichgewicht zu finden.

Wie kann CSR den Mitarbeitern und den

Kunden vermittelt werden?

Ein gutes Kommunikations-Instrument

ist der direkte Kontakt zu den Stakeholdern

und wenn man sie so zu einem

14

„Die unternehmerische Verantwortung zu

ignorieren, kann dramatische Konsequenzen

für das Überleben der Firma haben.“

Teil der Entscheidungsprozesse macht.

CSR-Berichte sind ebenfalls ein wichtiges

Instrument. Aber man muss sichergehen,

dass die Berichte und das System dahinter

glaubwürdig sind.

Kann das nicht in die andere Richtung

gehen, wenn sich ein Unternehmen der CSR

verschreibt, dann aber doch Rationalisierungen

und Kostensenkungen auf Kosten der

Mitarbeiter und/oder der Umwelt vornehmen

muss?

In solchen Krisensituationen können

Firmen mit einer guten CSR weiterhin

verantwortungsvoll handeln. Wenn das

Unternehmen zum Beispiel 20 Prozent

der Angestellten entlassen muss, um zu

überleben, kann man das immer noch

auf verantwortungsvolle Weise tun: durch

Umschulungsmaßnahmen für die Arbeiter

zum Beispiel und durch eine aufrichtige

Kommunikation.

Welche Fehler sollten Unternehmen bei der

Implementierung einer CSR-Strategie

vermeiden?

Einige Firmen parken ihre CSR-Aktivitäten

bei einer kleinen Gruppe von Leute

– etwa in der Marketingabteilung. Eine

CSR-Strategie sollte mit einem Bekenntnis

des Topmanagements starten. Das

Management muss der Treiber des ganzen

Prozesses sein und verantwortlich für die

Ergebnisse. Gut ist es auch, von Anfang

an die Stakeholder einzubeziehen, soweit

das machbar ist. Ein anderer Fehler ist,

die ganze Entwicklung und Umsetzung

Lorenzo D´Ambra

der CSR-Strategie auszulagern. Hilfe von

außen kann wichtig sein, aber sie sollte in

enger Zusammenarbeit mit den Schlüsselpersonen

der Firma stattfinden.

Bei DNV machen wir das in Form von

Strategie-Workshops, in denen wir den

Managern helfen, ihre eigene Strategie

zu entwickeln. Nur so können sie sicher

sein, dass die CSR tatsächlich als Wert in

die Firmenkultur einfließt und von jedem

einzelnen Mitarbeiter gelebt wird.

Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße

für die Entwicklung und Bedeutung einer

CSR-Strategie?

Unterschiedliche Unternehmensgrößen

bedeuten natürlich unterschiedliche

Bedürfnisse und Ressourcen. Aber alle

Unternehmen sind von CSR betroffen.

Kleine, lokale Unternehmen können

sogar mehr Einflussmöglichkeiten haben.

Sie haben zum Beispiel gute Verbindungen

zur Gemeinde oder können schneller

Entscheidungen treffen. Zudem wird der

größte Teil des Bruttosozialproduktes

von kleinen und mittleren Unternehmen

erwirtschaftet. Die Summe der kleinen

Wirkungen kann also wahrlich globalen

Einfluss nehmen. DNV hat einen besonderen

Ansatz für diese Unternehmen entwickelt,

der die verschiedenen Bedürfnisse

und Möglichkeiten berücksichtigt.

DNV ist seit Langem ein Treiber für eine

Norm für Social Responsibility. Was bringt

es, das Thema zu normieren?

DNV Direkt


Durch die Vielzahl der Richtlinien,

Übereinkünfte, Verhaltenskodizes und

Managementsysteme ist die Verwirrung

groß, welche Ansätze nun für das Unternehmen

relevant sind.

Darum ist DNV zum Beispiel an der

Entwicklung der neuesten ISO-26000-

Richtlinie für CSR beteiligt. Es ist das erste

Mal, dass eine große Gruppe von Interessensvertretern,

inklusive Nichtregierungsorganisationen

und Entwicklungsländer,

in ein solches Projekt eingebunden ist.

Die ISO 26000 wird Unternehmen helfen,

eine werthaltige CSR-Strategie zu entwickeln

und umzusetzen. Unabhängig von

ihrer Größe und dem Standort.

Die Norm wird voraussichtlich kein zertifizierbarer

Standard sein, sondern ein freiwilliger

Leitfaden. Besteht da nicht die Gefahr,

dass das Vorhaben doch nur aus Marketinggründen

angegangen wird?

Das Verständnis von CSR ist von der

jeweiligen Kultur und den praktischen

Umsetzungsmöglichkeiten im Land

abhängig. Ein zertifizierbarer Standard

würde das Risiko bergen, dass die Industrieländer

unterfordert wären, während

andere Länder in ihrer Entwicklung durch

die Auflagen stark beschränkt würden,

weil die Standards praktisch nicht umsetzbar

wären. Ich denke, dass eine gemeinsame

Richtlinie und die Anleitung zur

Umsetzung ein guter Anfang sind.

Wie wird das Thema CSR bei DNV eigentlich

selber angewendet und gelebt?

Bei DNV haben wir ein internes CSR-

Board, das sich aus Teilnehmer aus allen

Ländern, in denen DNV vertreten ist,

zusammensetzt. Wir kommunizieren es

sehr klar an die Mitarbeiter, welchen

Zweck und welche Werte unser Unternehmen

verfolgt. Und – das Wichtigste – wir

leben diese Werte.

Zum Beispiel haben wir mit der „WE-

do“-Initiative ein beispielhaftes Umweltprojekt

ins Leben gerufen, mit dem jeder

DNV-Mitarbeiter seinen ökologischen Fußabdruck

verkleinern kann. Im Rahmen

einer internationalen Kooperation mit

dem Roten Kreuz helfen wir, die Lebensbedingungen

von Menschen unter anderem

in Ländern wie Kenia, Indonesien

und China zu verbessern. Wir unterstützen

dabei mit konkreten Projekten – wie der

Trinkwassergewinnung. Über diese Partnerschaft

haben DNV-Mitarbeiter aktiv

mitbestimmt.

Zusätzlich verwenden wir die CSR- und

Beurteilungsmethoden, die wir unseren

Kunden empfehlen, auch intern. Zum Beispiel

wenden wir die GRI-Richtlinien an,

um unsere Jahresergebnisse transparent

darzustellen.

DNV steht für Vertrauen und Glaubwürdigkeit.

Darum sind Ethik, Betrugs-

und Korruptionsvermeidung bei uns

Bestandteil unserer Unternehmensstrategie.

Wir könnten in diesem Markt nicht

bestehen, ohne dass wir garantieren

können, dass wir unabhängig in unseren

Urteilen sind und dass wir bei der Integrität

und der Qualität unserer Arbeit keine

Abstriche machen.

Lorenzo D`Ambra

ist CSR-Experte bei

DNV Industry in Essen.

DNV Direkt 15


Info: DanIsco

Danisco ist ein weltweit führender Hersteller

von Starterkulturen, Süßungsmitteln und

Lebensmittelzusatzstoffen. Das Unternehmen

ist in 47 Ländern aktiv. Die Zentrale

befindet sich in Kopenhagen. In Deutschland

sind über 300 Mitarbeiter an den

Hauptstandorten Königslutter, Niebüll und

Anklam beschäftigt.

Text: Stuart Brewer,

Foto: Danisco

Die Verantwortung des dänischen

Lebensmittelkonzerns Danisco ist enorm.

Mehr als 100 Millionen Menschen essen

regelmäßig Produkte des Unternehmens.

Das Unternehmen ist mit 142 Standorten

in 47 Ländern einer der führenden Hersteller

von Zusatzstoffen für Lebensmittel

weltweit. Angesichts der zunehmenden

Diskussion über gesundes Essen gehört

Corporate Social Responsibility für das

Unternehmen zur Strategie. „Unsere

Fähigkeit, Verantwortung gegenüber der

Gesellschaft zu übernehmen, ist entscheidend

für unsere Marktposition“, erklärt

Liselotte Carlsen, Projektkoordinatorin

für nachhaltige Entwicklung bei Danisco

in Dänemark. „Nachhaltige Entwicklung

ist vollständig in unser Geschäftsmodell

integriert und wird vom Management als

wesentlicher Antrieb für die Umsetzung

einer effektiven und sozialverantwortlich

handelnden Organisation verstanden.

Unser Image und unsere Glaubwürdigkeit

beruhen auf erstklassigen, nachhaltigen

Ergebnissen“, betont Carlsen.

Trotzdem sei die Entscheidung, eine

nachhaltige Entwicklung in die Unter-

nehmensgrundsätze aufzunehmen, nicht

nur getroffen worden, um gesetzliche

Vorgaben oder Wünsche von Kunden zu

erfüllen. Das Unternehmen verspricht sich

davon auch finanzielle Vorteile.

„Für uns ist das unter anderem eine

Versicherung gegenüber potenziellen

Problemen im Hinblick auf Nachhaltigkeit

– sowohl für Danisco als auch für unsere

Kunden“, umschreibt Carlsen die Angst,

dass sich ein schlechtes Image auf die

Unternehmenszahlen auswirken könnte.

„Wir glauben, dass es nicht nur Kosten verursacht,

Verantwortung zu übernehmen.

Diese Haltung kann auch zu neuen Produkten

führen und die Stellung des Unternehmens

als attraktiver Geschäftspartner

stärken“, so Carlsen. Zudem erwarten

die Verbraucher, dass Unternehmen sich

gesellschaftlich engagieren. „Sie haben

gerne ein gutes Gefühl, wenn sie ein Produkt

aus dem Supermarktregal nehmen,

ohne dabei ein schlechtes Gewissen wegen

des Umweltschutzes, der vielen Kalorien

oder schlechter Arbeitsbedingungen der

Beschäftigten zu bekommen“, erläutert

Carlsen.

Dansico versteht eine nachhaltige

Entwicklung als einen stetigen und dynamischen

Prozess, der Produktion und

Vertrieb unterstützt. „Man sollte nicht nur

16

DNV Direkt


Soziale Verantwortung

ist ein sauberes Geschäft

Das sechste Jahr in Folge berichtet Danisco von seinem Engagement im Bereich

Nachhaltigkeit. Die Offenheit hat Vorteile für die Umwelt, die Gesundheit der

Verbraucher und das Firmenimage.

herkömmliche Aspekte wie Gesundheit,

Sicherheit oder Umweltverschmutzung

betrachten“, sagt Carlsen. So sei das

Unternehmen einerseits bestrebt, Produkte

zu entwickeln, die umweltverträglich

sind oder eine gesundheitsfördernde Wirkung

haben. „Außerdem steht für Danisco

die Verringerung des Energieverbrauchs

in der kompletten Wertschöpfungskette

im Fokus“, betont Carlsen. So wurden zum

Beispiel in der Zuckersparte im Laufe der

Jahre die Fabriken auf den neuesten Stand

der Technik gebracht. Dies bescherte

Danisco eine Spitzenposition unter den

europäischen Zuckerherstellern – nicht

nur in Hinblick auf den Gewinn, sondern

auch beim Energieverbrauch.

Solche Leistungen in der Nachhaltigkeit

würden vor allem von der Führung und

vom Engagement der Mitarbeiter abhängen,

sagt Carlsen. „Das kann nur durch ein

strukturiertes Herangehen erreicht werden.

Wir müssen Ziele formulieren, Pläne

erstellen und Standards setzen, nach denen

unsere Werke arbeiten sollen. Ebenso müssen

wir mögliche negative Auswirkungen

auf unsere Produkte beachten, Kompetenzen

und Wissen unserer Mitarbeiter

weiterentwickeln und ein Rückmeldesystem

etablieren, mit dem wir unsere Entwicklung

beobachten und gegebenenfalls korrigierend

eingreifen können“, so Carlsen.

Um die Bemühungen auch für Kunden

und die Öffentlichkeit deutlich zu

machen, hat das Unternehmen bereits

1992 die „Business Charter for Sustainable

Development“ und 2003 den „UN Global

Compact“ (siehe nebenstehenden Kasten)

unterzeichnet. Diese Maßnahmen haben

Danisco die Aufnahme in die Dow-Jones-

Nachhaltigkeitsindizes (DJSI) sowie in die

„FTSE4 Good Indices“ ermöglicht, die

strenge Anforderungen an die Unternehmen

stellen. Gleichzeitig aber beachten

immer mehr institutionelle Investoren

solche Verpflichtungen bei ihren Anlageentscheidungen.

DNV wurde von Danisco mit der Verifizierung

der Nachhaltigkeitsberichterstattung

2006 beauftragt. Der Prozess umfasste

dabei die sozialen und ökologischen

Aspekte, Gesundheits- und Sicherheitsindikatoren

sowie Daten und Aktivitäten

zur Nachhaltigkeit. „In diesem Jahr haben

wir zum ersten Mal die neue Richtlinie

G3 der Global Reporting Initiative (GRI)

für unsere Berichterstattung angewendet.

Sowohl wir bei Danisco als auch DNV

bestätigen, dass die GRI-Anwendungsebene

C+ erfüllt wurde“, erklärt Carlsen. Der

Bericht veranschaulicht Daniscos Bemühungen,

nachhaltige Entwicklung ins

Unternehmen zu integrieren und auf fortgeschrittenem

Niveau Bericht zu erstatten.

Glossar:

Business charter for sustainable

Development

ist eine Unternehmerinitiative der Internationalen

Handelskammer (International

Chamber of Commerce, ICC)

Global Reporting Initiative (GRI)

Die GRI entwickelt Richtlinien für die

Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten,

die von Großunternehmen, kleineren und

mittleren Unternehmen, Regierungen und

Nicht-Regierungsorganisationen angewendet

werden können. Mehr Informationen:

www.globalreporting.org

United nations Global compact

Ein weltweites Abkommen zwischen Unternehmen

und den Vereinten Nationen, um

die Globalisierung sozialer und ökologischer

zu gestalten. Um daran teilzunehmen,

müssen Unternehmen lediglich in einem

Brief an den UN-Generalsekretär erklären,

in Zukunft bestimmte Mindeststandards

einzuhalten. Mehr Informationen:

www.unglobalcompact.org

DNV Direkt 17


BBR Verkehrstechnik stellt

die Weichen auf Qualität

18

DNV Direkt


Der Braunschweiger Bahnzulieferer ist als weltweit erstes Unternehmen nach der neuen

Bahnnorm IRIS Rev.01 zertifiziert worden.

Die Liberalisierung der Schienenverkehre

schreitet in ganz Europa voran,

wenn auch in unterschiedlich schnellen

Schritten. Mit der Öffnung wird auch der

Wettbewerb zwischen den Bahnunternehmen

zunehmen. Nicht nur die Kunden

werden die Qualität der Anbieter dann

noch genauer prüfen. Auch bei Bahnbetreibern

und Herstellern wächst seit Jahren

der Anspruch an eine systematische

Qualitätssicherung.

Vor drei Jahren riefen die Firmen

Bombardier, Siemens Transportation und

Alstom daher eine Initiative ins Leben, die

einen einheitlichen Qualitätsstandard für

Schienenfahrzeuge entwickelte. Analog

zur ISO/TS 16949 der Automobilindustrie

soll der International Railway Industry

Standard (IRIS) für die Bahnbranche

eine Ergänzung zur ISO 9001 darstellen.

Allerdings erweitert um die spezifischen

Anforderungen der Schienenindustrie.

So berücksichtigt der IRIS-Standard zum

Beispiel den langen Lebenszyklus der

Schienenfahrzeuge von teilweise mehr als

30 Jahren. Zudem sind die Anforderungen

an die Sicherheit im Bahnbereich sehr

hoch und Projekte dauern aufgrund der

enormen Komplexität selten weniger als

drei Jahre. Die Idee fand schnell eine breitere

Basis. Der europäische Dachverband

der Bahnindustrie UNIFE (Association of

the European Rail Industry) spannte sich

vor die Entwicklung und trieb den Standard

weiter voran.

Mit dem Braunschweiger Bahnzulieferer

BBR – Baudis Bergmann Rösch

Info: BBR VeRkehRstechnIk

BBR Verkehrstechnik ist seit der Gründung

im Jahr 1990 zu einem mittelständischen

Unternehmen mit Sitz in Braunschweig

gewachsen.

Über 150 hoch qualifizierte Mitarbeiter entwickeln

und fertigen innovative elektronische

Systeme und Produkte für den Bereich

Eisenbahn und öffentlicher Personennahverkehr.

Das Unternehmen ist nach IRIS und ISO

9001 zertifiziert sowie als Q1-Lieferant der

Deutschen Bahn eingestuft.

DNV Direkt 19


20

IRIS

IRIS ist die weltweit gültige Norm für den

Einsatz von Qualitätsmanagementsystemen

für Zulieferer der Bahnindustrie. Die Revision

01 ist am 1. November 2007 erschienen

und bildet seit Januar 2008 die Zertifizierungsgrundlage.

Dabei knüpft IRIS an die

Forderungen der ISO 9001:2000 an, die

um bahnspezifische Forderungen erweitert

wurden. Für bereits vorhandene gültige

Zertifizierungen auf der Grundlage der ISO

9001:2000 und/oder ISO/TS 16949:2002

bzw. EN 9100 sieht das IRIS-Regelwerk

eine Reduzierung des IRIS-Auditaufwandes

vor. Die Zertifizierungsaudits werden ausschließlich

von Auditoren akkreditierter Zertifizierungsgesellschaften

wie DNV durchgeführt.

Die Systemhersteller hatten 2007

ihre A-Lieferanten dazu aufgerufen, sich

bis 2009 nach dem neuen IRIS-Standard

zertifizieren zu lassen. Es ist daher damit zu

rechnen, dass sich IRIS als Branchenstandard

etabliert.

Verkehrstechnik GmbH zertifizierte DNV

weltweit das erste Unternehmen nach

der Revision 01 des IRIS-Standards. „Wir

haben eine zusätzliche Herausforderung

gesucht und wollten einfach wissen, ob wir

das schaffen können“, so Thomas Bergmann,

einer der drei Geschäftsführer von

BBR, zur Motivation der Zertifizierung.

Doch es ging nicht nur um die sportliche

Herausforderung. „Ziel war auch, dass ein

unabhängiger Dritter bestätigt, dass unser

Managementsystem Hand und Fuß hat“,

ergänzt Bergmann.

Zumal die Systemhersteller wie Alstom

Transport, AnsaldoBreda, Bombardier

Transportation und Siemens Transportation

von ihren mehr als 1000 Zulieferern

bis 2009 eine Zertifizierung nach IRIS

verlangen. Damit wollen die Hersteller die

Qualität über die Versorgungskette hinweg

verbessern und die Kosten in Hinblick

auf den zunehmenden Wettbewerb durch

leistungsfähige Geschäftsprozesse senken.

Später soll IRIS auch auf die Vorlieferanten

(2nd-Tier-Supplier) ausgeweitet

werden, wie es in der Automobilindustrie

bereits üblich ist. In den kommenden

Jahren wird damit kaum ein Zulieferer

ohne das IRIS-Zertifikat auskommen.

Dafür sorgt schon eine extra aufgebaute

IRIS-Datenbank. Diese gewährleistet den

Herstellern eine schnelle Verfügbarkeit

von Informationen zu den Lieferanten

und damit eine höhere Transparenz des

Marktes.

„In den letzten Jahren hinkte die

Bahnindustrie der Entwicklung hinter-

her“, weiß auch Michael Quambusch,

Qualitätsmanager bei BBR. Während die

Automobilindustrie bereits vor 15 Jahren

mit der Entwicklung eines einheitlichen,

weltweit gültigen Standards begann, hat

die Bahnindustrie das Thema weitgehend

verschlafen.

Dabei bietet die IRIS-Zertifizierung

den Unternehmen einige Vorteile. Für

Hersteller und Zulieferer reduziert sich

die Zahl der Audits, da die individuellen

Lieferantenaudits in Zukunft entfallen

können. Durch die kombinierte Zertifizierung

nach den Kriterien der ISO 9001

reduzieren sich zudem die Kosten für den

Erhalt des IRIS-Zertifikates.

„Die Einsparungen waren für uns aber

nicht ausschlaggebend“, betont Quambusch.

Vielmehr wollte BBR die Herausforderung

annehmen und als einer der

ersten Lieferanten mit Zertifikat einen

Wettbewerbsvorteil für sich in Anspruch

nehmen. „Ich sah hier ein enormes Potenzial,

um unser Qualitätsmanagement zu

verbessern“, sagt Quambusch. Das überzeugte

auch die Geschäftsführung. Viel

Überzeugungsarbeit war laut Quambusch

aber nicht notwendig. „Sie sah sofort

einen vernünftigen Sinn in dem globalen

Qualitätsstandard der zukünftigen IRIS-

Norm.“ Zumal sich bei BBR der Zusatzaufwand

in Grenzen hielt. „Wir waren schon

vorher einer der wenigen Lieferanten, die

bereits einen hohen Sicherheitsstandard

aufwiesen“, sagt Quambusch. Daher konnten

viele Anforderungen der Norm mühelos

erfüllt werden.

DNV Direkt


„Einsparungen standen für uns nicht im Vordergrund.

Wir wollten unser Qualitätsmanagement verbessern.“

Dabei verlangt die Bewertungsmethode

bei IRIS deutlich mehr als die ISO 9001.

In den Audits wird anhand von mehr

als 250 Fragen der Reifegrad des Unternehmens

ermittelt. Bei diesem Ergebnisscoring

werden die Unternehmen – ab-

hängig von der Reife des Managementsys-

tems – in fünf Niveaus eingeordnet. Dabei

reicht die Skala der Bewertung von „optimiert“

bis „ungenügend“. Entscheidend

für die erfolgreiche Zertifizierung sind

allerdings zwölf K.o.-Fragen, anhand derer

bereits im Vorfeld die Zulassung zum

Zertifizierungsaudit überprüft wird. Dazu

zählen beispielsweise die Validierung

der Prozesse für Produktion und Service,

Design, Projektmanagement, Change-

Management und die Kontrolle nichtkonformer

Prozesse.

Einfach war der Weg für Qualitätsmanager

Quambusch nicht. Den Mitarbeitern

mussten die Erweiterungen zur ISO

9001 schmackhaft gemacht werden. Die

meisten Schwierigkeiten hatte Quambusch

aber mit den Formulierungen im

IRIS-Fragenkatalog. „Hier konnte ich mir

damit weiterhelfen, dass ich anhand der

vordefinierten Antworten die Frage interpretierte.

Da dies nicht immer möglich

war, telefonierte ich mit dem Auditor, um

weitere Informationen zu bekommen. Im

Internet gab es zu diesem Zeitpunkt recht

wenig brauchbares Material, sodass man

Aufgrund der noch sehr „jungen“ IRIS-

Norm auf sich allein gestellt war.“

Quambusch und BBR haben diese

Hürden gemeistert und mit insgesamt

85 Prozent der Punkte ein sehr gutes

Ergebnis erreicht. „Mir wäre weniger lieber

gewesen“, schmunzelt Quambusch.

„Dann hätten wir uns leichter verbessern

können.“ Jetzt sei es die Herausforderung,

von diesem hohen Niveau aus noch besser

zu werden. In drei Jahren steht eine neue

Zertifizierung an. Innerhalb dieser Zeit

müssen die Fragen aber auch intern einmal

durchgespielt werden. Doch bei BBR

sieht man auch das sportlich. „Unsere Produkte

sind zukunftsfähig. Deshalb möchten

wir mit der IRIS-Zertifizierung eine

solide Basis für unsere Wachstumsstrategie

auf dem europäischen Markt schaffen“,

sagt Bergmann.

Michael Quambusch, QMB

weIteRe InfoRmatIonen:

www.iris-rail.org

www.unife.org

DNV Direkt 21


Vielleicht war vor einigen Jahrzehnten

die Arbeitswelt wirklich noch ein bisschen

einfacher als heute. Da war es üblich,

dass ein junger Anwalt kurzerhand ein

Kanzleischild neben seiner Eingangstür

aufhängte und auf Kundschaft wartete.

„Früher war es ein Nachfragemarkt,“ weiß

Anton G. Schmid, seit 1974 in Regensburg

als Anwalt für Steuer-, Banken- und ziviles

Baurecht tätig. Heute, so Schmid, reiche

das nicht mehr aus, heute müsse man sich

als Anwalt um die Nachfrage kümmern.

„Damals gab es 40.000 Anwälte in Deutschland,

inzwischen sind es 148.000“, berichtet

Schmid. „Der Markt ist schwer in Bewegung,

in manchen Riesenkanzleien arbeiten

heute mehrere Hundert Anwälte.“ Da

Einzelkämpfer wohl langfristig kaum noch

Chancen haben werden, gründete Schmid

mit anderen Rechtsanwälten 1992 DIRO,

ein europaweit arbeitendes Netzwerk, bei

dem er seitdem einer der drei Geschäftsführer

ist.

Um neue Mandanten zu gewinnen,

spielt auch bei Anwälten mittlerweile die

Qualität eine große Rolle. Doch die Qualität

eines Anwalts zu beurteilen, fällt Nicht-

Juristen naturgegebenermaßen schwer.

Und dass der Anwalt qualitativ gute Arbeit

gemacht hat, wenn das Verfahren verloren

ging, ist noch schwerer zu vermitteln. Darum

entschloss man sich auch bei DIRO für

22

DNV Direkt


Qualität ist Anwalts

Liebling

Einzelkämpfer unter den Anwälten haben es zunehmend schwer.

Das Anwalts-Netzwerk DIRO hat sein Qualitätsmanagementsystem

zertifiziert und so die Zufriedenheit seiner Mandanten erhöht.

eine Zertifizierung. Allein im vergangenen

Jahr wurde bei 63 neu hinzugekommenen

Kanzleien das Qualitätsmanagementsystem

nach der DIN 9001:2000 zertifiziert.

In diesem Jahr werden laut Schätzung

von Rechtsanwältin Sylke Schwiering,

Head of Operations in der DIRO-Zentrale

in Hamburg, wohl 15 weitere Kanzleien

unter anderem in Paris und in Ljubljana

hinzukommen.

Als Grundlage dient stets das DIRO-

Kanzleihandbuch, das für alle Kanzleien,

die Mitglied im Netzwerk sind, verbindlich

ist. „Mithilfe dieses Handbuches erstellt

jede Kanzlei ihr eigenes Handbuch, das sie

für die Zertifizierung vorlegen muss“, sagt

Schmid. Seine Regensburger Kanzlei wurde

so bereits 1997 zertifiziert. „Die Zertifizierung

hat in meiner Kanzlei, aber auch

in den anderen DIRO-Kanzleien zu einem

Motivationsschub unter den Mitarbeitern

und zur Verbesserung des Teamgeistes

geführt“, hat Schmid beobachtet. Denn

das Handbuch wird nicht vom Anwalt im

stillen Kämmerlein erstellt, sondern alle

Mitarbeiter setzen sich zusammen. Sie

durchdenken gemeinsam sämtliche Abläufe,

analysieren und dokumentieren sie.

Rund 60 bis 70 Prozent der Zertifizierung

beziehen sich dabei auf die Büroarbeitsebene,

der kleinere Teil auf die Arbeit der

Juristen und Anwälte.

„Das Spannende dabei ist, sich Dinge

bewusst zu machen, die man schon immer

tut“, sagt Schmid. „Manchmal stellt man

ja dabei auch fest, dass vieles bereits ganz

gut funktioniert.“ Die Ergebnisse der neu

durchdachten Arbeitsschritte fließen ins

Netzwerk zu einem regen Erfahrungsaustausch.

„Wir veranstalten zwei bis drei

Workshops im Jahr für unser Kommunikationsforum,

an denen jeweils rund 20 bis

30 Kanzleien teilnehmen“, erzählt Sylke

Schwiering. Zudem gibt es auf übergeordneter

Ebene bei DIRO einen Qualitätszirkel

mit elf Teilnehmern aus einzelnen

Kanzleien. Die Teilnehmer bilden sich

gezielt fort, besuchen und betreuen einzelne

Kanzleien.

Als vor drei Jahren die erneute Zertifizierung

anstand, gab es einige Veränderungen.

„Der neue ISO-Standard

ist weniger starr und industrielastig als

früher“, freut sich Anton Schmid, der als

Projektleiter die Zertifizierungen begleitete.

An seiner Seite stand dabei – anders

als früher oft üblich – kein Ingenieur als

Auditor, sondern ein Fachmann von DNV,

der sich auf die DIRO-Kanzleien spezialisiert

und so einen guten Überblick hat.

Dass die neue Zertifizierung, die

Kanzleihandbücher, das Kommunikationsforum

und der Qualitätszirkel auch

den Mandanten einen Nutzen bringen,

wird jährlich bei der DIRO überprüft. „All

unsere Qualitätsverbesserungen haben ja

das Ziel, die Mandantenzufriedenheit zu

erhöhen“, erklärt Schmid. Daher werden

die Mandanten durch Interviews oder Fragebögen

um ihre Meinung gebeten: Wie

waren die Räumlichkeiten der Kanzlei?

Die Mitarbeiter? Wurden Sie pünktlich

zurückgerufen? Mussten Sie lange warten?

Wurden Ihnen die Dinge verständlich

erklärt? Würden Sie wiederkommen und

uns weiterempfehlen? „Jedes Jahr wird

bei uns jede Kanzlei von Außenstehenden

überprüft“, sagt Schmid“, sodass wir ganz

genau wissen, wie gut unser Qualitätsmanagementsystem

funktioniert und wir sind

derzeit hochzufrieden.“

Info: DIro

Die DIRO ist ein europaweit arbeitendes

Kanzleinetzwerk. Unter dem Motto

„Anwaltliche Dienstleistung im europäischen

Netzwerk“ haben sich inzwischen

176 deutsche und internationale Kanzleien

mit mehr als 1.400 Rechtsanwälten zusammengeschlossen,

darunter 137 in Deutschland.

Schwerpunkte sind Arbeits-, Familien-,

Zivil- und verstärkt auch Wirtschaftsrecht.

www.diro.eu

DNV Direkt 23


Info: Perga-PlastIc

Perga-Plastic ist ein Unternehmen der Kunststoff

verarbeitenden Industrie und liefert

seit über 35 Jahren Polyethylen-Folien und

Verpackungsprodukte für unterschiedliche

Industriezweige – unter Anderem auch die

Lebensmittelindustrie – sowie für verschiedene

Handelsorganisationen. Die meisten

Kunden sitzen in Deutschland, Dänemark,

Holland, Belgien, der Schweiz und in Österreich.

Bei den Spezialprodukten kommen

die Kunden auch aus aller Welt. Die rund

170 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz

von rund 50 Millionen Euro.

Alles neu verpackt

Höchste Anforderungen an Hygiene und Betriebsorganisation erfüllt

Perga-Plastic aus Walldürn (Odenwald). Durch die BRC-Zertifizierung werden

die hohen Standards nachhaltig gesichert, und so auch die Arbeitsplätze.

In der Küche werden sie achtlos aufgerissen

und weggeworfen. Folien sind

lästige Verpackungen, die aufwendig

entsorgt werden müssen. Doch ohne diese

Folien würde kaum etwas frisch beim

Verbraucher ankommen. Rund 300 verschiedene

Einwickelbögen, Beutel, Tragetaschen

und Säcke bietet die Walldürner

Firma Perga- Plastic GmbH dafür an. „Je

nach Bedarf sind sie mal breiter, mal

größer, haben ausgestanzte Grifflöcher,

Verstärkungsblätter oder werden bei uns

bedruckt“, erzählt Geschäftsführer Bernhard

Hansmann. Im Laufe eines Jahres

werden rund 20.000 Aufträge abgewickelt

und zwei Milliarden Portionen frische

Lebensmittel im Einzelhandel mit diesen

Folien verpackt, damit sie frisch und sauber

bleiben.

Eine große Bedeutung für die Industrie

hat der „BRC Global Standard for

Packaging and Packaging Materials“. Das

Regelwerk ist ein klar umrissener Standard

für das Hygienemanagement und die Qualitätssicherung

in der Verpackungsindustrie.

Die neue Version drei, die seit dem

1. Juli 2008 verbindlich ist, setzt zudem auf

das Ressourcenmanagement und die Verantwortung

der Unternehmensleitung.

Doch schon die Vorläuferversion

stellte für die Perga-Plastic-Mitarbeiter

eine echte Herausforderung dar. „Wir

haben hier alles auf den Kopf gestellt“,

sagt Hansmann. Immer häufiger besteht

die Lebensmittelindustrie, aber auch

zunehmend das Lebensmittelhandwerk,

bei den Lieferanten auf europaweit anerkannte

Zertifikate. Vor zwei Jahren hat das

Unternehmen entschieden, eine Vorreiterrolle

bei den Lebensmittelverpackern

einzunehmen und sich nach dem BRC IoP

(British Retail Consortium, Institute of

Packaging) zertifizieren zu lassen. Dafür

wurden bei Perga-Plastic hohe Investitionen

getätigt. Allein die Baumaßnahmen,

wie der Einbau von Trennwänden,

Fliegengittern und Fliegenlampen, der

Umbau von Schleusen, die Installation

einer Schließanlage sowie die Einrichtung

einer betriebseigenen Wäscherei, kosteten

rund 500.000 Euro. Größter Kostenpunkt

aber war die neue Belüftungsanlage. Die

neue Anlage sorgt unter anderem dafür,

dass es keine Fliege mehr schafft, gegen

den Luftstrom einzudringen und sich in

eine Folie zu schummeln.

Um den neuen Nachhaltigkeitsanforderungen

des BRC-Standards zu entsprechen,

setzt Perga-Plastic auf Innovationen.

Die Folien bestehen unter anderem aus

recyclingfähigem Polyethylen (PE) und

sind mit einem Gewicht von teilweise

bis zu sieben Gramm pro Quadratmeter

24

DNV Direkt


extrem dünn. „Ressourcenschonender

kann man Lebensmittel gar nicht einpacken“,

weiß Hansmann.

Für die BRC-Zertifizierung mussten

aber auch die Arbeitsabläufe neu organisiert

werden. Während früher Lieferfahrzeuge

kurzerhand auf den Hof fuhren

und so mancher Betriebsfremde in den

Hallen herumspazierte, herrschen jetzt

strenge Kontrollen. Für Besucher gibt es

nur noch einen Eingang, an dem sie sich

an- und abmelden müssen. Jeder wird mit

einem Haarnetz und einem Einwegkittel

ausgestattet. Auch die Mitarbeiter können

nicht mehr in jeden Bereich. Eine

Transponderlösung ersetzt mittlerweile

die Schlüssel, jedem Mitarbeiter wird

nur noch in bestimmte Bereichen Zutritt

gewährt. Transporte über den Hof sind

für unverpackte Fabrikate tabu.

Die Maßnahmen sollen die Hygiene

verbessern. Wie auch das Verbot von Glasflaschen

und Metallen, die zerbrechen

könnten. Die Rollen dürfen nur noch

mit bestimmten Messern aufgeschnitten

werden. Für die Mitarbeiter entstanden

neue Desinfektionsstationen sowie Waschräume.

Die neue Arbeitskleidung muss

nach Feierabend auf dem Firmengelände

bleiben, was ebenso kontrolliert wird

wie das Tragen der Haarnetze und das

häufige Wechseln der Arbeitskleidung.

„Das ist alles Gewöhnungssache“, weiß die

Qualitätsmanagementbeauftragte Ellen

Metzger, „ebenso wie die neuen Personalwege

und die Forderung, alle Türen stets

geschlossen zu halten.“ Alle Mitarbeiter

durchliefen Schulungen. Die rund

90 Mitarbeiter der Produktion in Walldürn

absolvierten zudem eine spezielle

Schulung, das sogenannte Infektionsschutz-programm.

„Wir sind absolut auf dem neuesten

Stand, vielleicht sogar ein bisschen darüber

hinaus“, freut sich Hansmann. „Wir

haben noch nie so geordnete Verhältnisse

gehabt.“ Der Geschäftsführer hat schon

weitere Verbesserungen im Visier: Da in

einem halben Jahr erneut ein Audit nach

der neuen BRC-Norm ansteht, wurden

fünf Mitarbeiter als Kontrolleure der Neueinführungen

abgestellt. „Noch in diesem

Jahr werden wir uns,“ sagt Hansmann,

„um die DIN 14001 bemühen und uns mit

den Themen Sicherheit und Verbraucherschutz

auseinandersetzen.“

BRC-Standard

Der „BRC Global Standard for Packaging

and Packaging Materials“ enthält konkrete

Anforderungen an die Hersteller von Verpackungsmaterialien,

die von der Lebensmittelindustrie

verwendet werden. Dazu

zählen auch Materialien ohne direkten

Kontakt mit dem Lebensmittel wie Aluminiumfolien,

Plastikbecher und Hygieneartikel.

Ziel ist, die Einhaltung der gesetzlichen

Anforderungen an die Sicherheit der Verpackungen

nachweisbar zu machen sowie

darüber hinaus jegliche Gesundheitsgefährdung

für den Endverbraucher durch

chemische, physikalische und mikrobiologische

Kontaminate auf ein Mindestmaß zu

beschränken.

DNV Direkt 25


Termine und Seminare

DNV on the Road

15. - 16.09.08, Wolfsburg:

DNV Automobilforum 2008 (Automotive)

15.10.08, Köln:

Global Gap (Lebensmittel)

Automobilforum 2008 kommt in Fahrt!

Am 15. und 16. September 2008 findet

das DNV Automobilforum im Conferencing

Cinema der Volkswagen AG in Wolfsburg

statt. Referenten, unter anderem von Volkswagen,

Bosch, EPCOS, Huf, Cherry und der

University of Cambridge haben bereits zugesagt.

„Wir freuen uns darauf, dass sich unser

Forum für Qualität in der Automobilbranche

nunmehr im dritten Jahr weiter etabliert und

wir mit unserem Event zahlreichen Experten

eine wertvolle interaktive und informative

Plattform zum Networking bieten können“,

erklärt Michael Niemeier, Leiter Marketing

und Kommunikation bei DNV in Essen. Die

Themen in diesem Jahr möchten polarisieren,

informieren und sensibilisieren: Was hat Qualität

mit Innovation zu tun? Wie arbeitet die

Automobilindustrie schlank, umweltbewusst

und gleichzeitig nachhaltig erfolgreich? Welche

Erfahrungen wurden mit außergewöhnlichen

Qualitätsprojekten in der letzten Zeit

gemacht und wo liegt die Zukunft in Sachen

Qualitätsmanagement? Sie sind herzlich eingeladen,

von den Erfahrungen der Best Practices

zu lernen und darüber zu diskutieren,

wohin die Reise geht.

Aktuelles Programm: www.dnv.de

Seminare der DNV Academy

www.dnv.de/academy

Arbeitssicherheit:

08. - 09.09.08, Essen Grundlagenkurs OHSAS

13. - 15.10.08, Essen AMS-Auditor

10. - 14.11.08, Essen IRCA Lead Auditor OHSAS

Automotive:

01. - 03.09.08, Essen Interner Auditor Automobil

17. - 18.11.08, Frankfurt/Main Automotive Core Tools

Bahn:

09. - 11.09.08, Essen Interner Auditor IRIS

Qualitätsmanagement:

02. - 04.09.08, Essen Grundlagen des Qualitätsmanagements

19.09.2008, Essen Revision ISO 9001:2008

14. - 16.10.08, Essen Interner Auditor

27. - 31.10.08, Essen IRCA Lead Auditor ISO 9001:2000

04. - 05.11.08, Essen Kontinuierliche Verbesserung (KVP)

Lebensmittelsicherheit:

10.09.2008, Essen Risikoanalyse in der Nahrungsmittelindustrie

15. - 18.09.2008, Essen BRC Third Party Auditor

Umwelt:

16. - 17.09.08, Essen Grundlagen ISO 14001

14. - 16.10.08, Essen Umweltrecht und Umweltaspekte/Umweltauswirkungen

06.11.2008, Essen Refresher Umweltrecht

08. - 12.12.08, Essen IRCA Lead Auditor Umwelt

BuchuNg & INFo:

Simone Horn | simone.horn@dnv.com | Fon +49 (0) 201 7296-221 | Fax +49 (0) 201 7296-223

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DNV Direkt


DNV Automobilforum 2008

Ihr Forum für Qualität in der Automobilindustrie

„Lean & Clean in die

automobile Zukunft“

16. September 2008 | 8.45 – 17.00 uhr

Volkswagen Ag | Wolfsburg

Vorabend-get-together: 15. September 2008 | ab 20.00 uhr

Weitere Infos & Buchung

online: www.dnv.de

persönlich: Simone horn | Tel. +49 (0) 201 7296-221 | Fax -223 | dialog@gnv.com


DNV Direkt

Das Zertifizierungsmagazin der DNV

IMPRESSUM

HERAUSGEBER

DNV Zertifizierung und

Umweltgutachter GmbH,

Schnieringshof 14, 45329 Essen

VERANTWORTLICH

Michael Niemeier, Anschrift s.o.

DESIGN

loxon design & media GmbH,

Landwehrstraße 37 Rgb.,

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REDAKTION

Michael Niemeier (DNV),

Presse büro Alexander Heintze,

München, www.heitext.de

DRUCK

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