Kunst im öffentlichen Raum - INSTITUT FÜR AKTUELLE KUNST IM ...

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Kunst im öffentlichen Raum - INSTITUT FÜR AKTUELLE KUNST IM ...

Kunst im öffentlichen Raum

Das »Denkmal zur Erinnerung

an das Konzentrationslager

Neue Bremm in Saarbrücken«

von André Sive 1947

Oranna Dimmig

Im ersten Band der vom Institut

für aktuelle Kunst im Saarland

herausgegebenen Dokumentationsreihe

zur Kunst im öffentlichen

Raum nach 1945 musste

das zur Saarbrücker »KZ-Gedenkstätte

Neue Bremm« gehörende

Denkmal – als Obelisk beschrieben

– in die Reihe der Kunstwerke eingeordnet

werden, deren Urheber

nicht zu ermitteln war. 1)

Zu Recht wurde in einer Rezension

des Bandes für diese ungeklärten

Fälle darauf verwiesen, dass »sich

durch Auswertung von Bau- und

anderen Akten sicher manches

Rätsel lösen« ließe. 2) Jedoch lässt

die finanzielle und personelle Situation

des Instituts die wünschenswerte,

dabei zumeist aufwendige

Archivrecherche im Allgemeinen

nicht zu. Darüber hinaus gestaltet

sich für den Zeitraum der französischen

Präsenz an der Saar nach

1945 die Suche nach Quellen

besonders schwierig. Umso erfreulicher

ist ein Zufallsfund, der

Denkmal von André Sive. Foto 1947/1948

Lageplan der beiden Lager Neue Bremm

in Saarbrücken, 1943

in dem ungarisch-französischen

Architekten André Sive (1899-1958)

den Schöpfer des »Denkmals zur

Erinnerung an das Konzentrationslager

Neue Bremm in Saarbrücken«

wiederentdecken ließ. 3)

Als Nachtrag zu dem Band über

Kunst im öffentlichen Raum nach

1945 in Saarbrücken wird im

Folgenden sowohl der Architekt

vorgestellt als auch die ursprüngliche,

inzwischen weitgehend

zerstörte Gestaltung der unter

französischen Regie 1947 angelegten

Gedenkstätte beschrieben

werden, zu der das von Sive entworfene,

ca. 30 Meter hohe

Monument aus Stahlbeton gehört.

Das »erweiterte Polizeigefängnis

Neue Bremm«

Die Gedenkstätte soll an die

Menschen erinnern, die unter der

Diktatur des Nationalsozialismus

in einem hier gelegenen kleinen,

dabei besonders grausamen Lager

gelitten haben, gequält und gefoltert

wurden, zu Tode kamen.

Im Frühjahr 1943 wurde am südlichen

Stadtrand von Saarbrücken,

an der Straße nach Metz, ein

Barackenlager für Männer errichtet.

Diesem folgte Ende 1943

ein weiteres Barackenlager für

Frauen. 4) Der Gestapo-Stelle Saarbrücken

direkt unterstellt, bildeten

beide das »erweiterte Polizeigefängnis

Neue Bremm«. Streng

genommen kann wegen dieser verwaltungsmäßigen

Zuordnung nicht

von einem KZ gesprochen werden,

da für die nationalsozialistischen

Konzentrationslager die SS-Kommandobehörde

zuständig war. 5)

Gleichwohl wurde die Bezeichnung

»Konzentrationslager Neue Bremm«

oder »KZ Neue Bremm« bereits

in frühen Veröffentlichungen verwendet

und ist in die offizielle

Benennung der Gedenkstätte

eingegangen.

Die beiden in etwa quadratisch

angelegten, jeweils von einem

Stacheldrahtzaun umgebenen

Lagerabteilungen lagen östlich

der Metzer Straße (damals

Josef-Bürkel-Straße) und waren

durch den Alstinger Weg von

einander getrennt. Hier, und nicht

an der belebten Straße nach Metz,

lagen auch die Zugänge.

Jeweils in der Mitte der Lager

befand sich ein großer Platz,

an dessen Rand die Gebäude –

Gefangenenbaracken, Funktionsgebäude

und Wachstuben –

angeordnet waren. Das Zentrum

der beiden Appellplätze bildete

je ein quadratischer sogenannter

»Löschweiher«. Wie ähnliche

Einrichtungen in anderen Lagern –

es sei nur auf die sogenannte

»Schuhprüfstrecke« auf dem

Appellplatz des KZ Sachsenhausen

verwiesen – dienten die beiden

Löschwasserbassins einzig und

allein dem Zweck, die Gefangenen

grausam zu quälen und zu foltern

– oftmals mit Todesfolge.

Wie viele Häftlinge das »erweiterte

Polizeigefängnis Neue Bremm«

durchliefen und wie viele hier

starben, lässt sich, solange die

Lagerakten fehlen, nicht genau

ermitteln. Das Lager »hatte alle

Attribute eines Konzentrationslagers,

diente aber für ganz unterschiedliche

Häftlingskategorien:

als Erziehungs- oder Straflager für

Arbeitsbummelanten; als Lager für

Kriegsgefangene; als Haftort für

Widerstandskämpfer, für in Geiselhaft

genommene Angehörige von

lothringischen und elsässischen

Verweigerern des Dienstes in der

Wehrmacht – Malgré-nous – und

für auf der Straße verhaftete, meist

französische Nacht-und-Nebel-

Gefangene; als Durchgangslager

für sehr verschiedene Häftlinge

auf dem Weg in größere Lager.

Viele Zeugen bezeichneten die

Neue Bremm ... als grausamer als

große Lager.« 6)

13


Als Ende 1944 die alliierte Front

näher rückte, wurde das Lager

nach Heiligenwald verlegt und in

ein dort bestehendes Zwangsarbeiterlager

integriert. Ein Jahr nach

Kriegsende mussten sich 36 Wachleute

(33 Männer, 3 Frauen) des

»Polizeigefängnisses Neue Bremm«

vor dem »Tribunal Général du

Gouvernement Militaire de la

Zone d’Occupation Française« im

Rastatter Prozess für ihre Taten verantworten.

Es wurden 14 Todesurteile

gefällt und vollzogen, ein

Freispruch ausgesprochen, die

übrigen 18 Männer und 3 Frauen

wurden zu Strafen zwischen

15 Jahren Zwangsarbeit und

3 Jahren Gefängnis verurteilt.

14

Die Einweihung der Gedenkstätte

1947

Die Baracken der beiden Lagerabteilungen

wurden 1945 bis auf

die Fundamente abgerissen, die

Wasserbassins blieben bestehen.

Am 11. November 1947, dem

Gedenktag des Waffenstillstandes

von 1918, wurde die Gedenkstätte

feierlich eingeweiht. 7) In Anwesenheit

zahlreicher Vertreter der

französischen Militärbehörde, des

saarländischen Landtages und anderer

öffentlicher, politischer und

kultureller Bereiche enthüllte Militärgouverneur

Gilbert Grandval 8)

zusammen mit dem ehemaligen

französischen Häftling Herrn

Dumolin und zwei namentlich

nicht bekannten Frauen aus der

Reihe ehemaliger Deportierter die

Inschrift des Gedenksteins. 9)

Bislang fehlen detaillierte Kenntnisse

über die Planungsgeschichte

zur Errichtung der Gedenkstätte –

vielleicht weil die Frage danach

noch nicht gestellt wurde, vielleicht

weil die Quellenlage schwierig ist 10) .

Die Inschrift nennt das »comité du

camp de la Nouvelle Brème« als

diejenigen, die das Denkmal errichtet

haben. Welche Personen

aus dem Kreis ehemaliger Häftlinge

dieses Lagerkomitee bildeten, ist

unbekannt. Offensichtlich fand das

Lagerkomitee Unterstützung bei

der französischen Militärregierung,

die nach dem Zweiten Weltkrieg in

der französischen Besatzungszone

und der separaten Verwaltungseinheit

des Saarlandes die Regierungsgewalt

innehatte. Dafür spricht

neben dem Aspekt der Finanzierung

und der unter militärischen Ehrenbezeugungen

von Gouverneur

Grandval vollzogenen Einweihung

auch die Tatsache, dass ein

Architekt aus der von Grandval

an die Saar gezogenen Riege

französischer Architekten und

Städteplaner den Entwurf für das

Denkmal lieferte: André Sive.

Der Architekt

André Sive, am 22. November 1899

als André Szivessy in Szeged geboren,

emigrierte als Zwanzigjähriger

von Ungarn nach Frankreich. 11)

In Paris studierte er Architektur bei

Auguste Perret. 12) Seine ersten

Arbeiten waren Möbel und Einrichtungen

für Pariser Wohnungen, die

er gemeinsam mit seinem Studienfreund

Ernö Goldfinger entwarf. 13)

Zusammen mit Goldfinger und

Pierre August Forestier gewann

Sive 1927 den Wettbewerb für den

Gerichtshof von San Salvador.

Die Zusammenarbeit mit Forestier

währte in den 1930er Jahren und

nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zu nennen sind beispielsweise

Arbeiten an der Cité de Clairevivre

(Salagnac/Dordogne), einer Einrichtung

für Lungenkranke 1930, die

Villa Blondeau in Algier 1937 und

das Militärhospital Alphonse-Laveran

in Marseille 1957, ein 600-Betten-

Bau. Sives Zusammenarbeit mit

anderen Architekten setzte sich auch

nach dem Krieg und seinem Engagement

an der Saar in zahlreichen

Projekten fort. Am bekanntesten

dürften die typisierten Fertighäuser

in Meudon /Hautes-de-Seine im Südwesten

von Paris sein, die André Sive

und Jean Prouvé entwickelt haben. 14)

Hervorzuheben ist auch die langjährige

Arbeit für die Zeitschrift

»L’Architecture d’Aujourd’hui«,

einem Sprachrohr für moderne,

internationale Architektur, der

Sive sich bis kurz vor seinem Tod

am 22. September 1958 in Morainvilliers/Seine-et-Loire

widmete.

Während des Zweiten Weltkrieges

hielt André Sive sich erst in

Spanien, dann in Algerien auf.

In Algier wurde er zum Leiter

der Architekturabteilung der

provisorischen Regierung der

Französischen Republik ernannt.

Nach Kriegsende befand sich

André Sive gerade im Aufbruch zu

einer Reise mit Le Corbusier 15) und

Eugène Claudius-Petit in die USA,

als ihn die Anfrage ereilte, in der

Abteilung »Wiederaufbau und

Stadtplanung« der Militärregierung

von Saarbrücken mitzuarbeiten. 16)

Erst nach der Rückkehr aus den

Vereinigten Staaten schloss sich Sive

dem von Grandval angeworbenen

Urbanisten-Team an der Saar an.

Grandval, seit dem 30. August 1945

Militärgouverneur im Saarland, sah

in der Kultur- und Wiederaufbaupolitik

ein Mittel, die Entnazifizierung

der Saarländer zu fördern und

die deutsche Bevölkerung dauerhaft

an Frankreich zu binden. Seit 1941

im Widerstand gegen die deutsche

Besetzung Frankreichs, hatte

Grandval in der Bewegung »Ceux

de la Résistance« den Baumeister

und Metallkünstler Jean Prouvé

kennengelernt und war durch ihn in

die moderne Architektur eingeführt

worden. Prouvé, der 1945 übrigens

für das Haus Grandval in St. Cloud

bei Paris eine zweiflügelige Tür entwarf

17) , unterstütze Grandval bei der

Suche nach geeigneten Architekten.

Das Team, das schließlich zusammenkam

und im Oktober 1945

offiziell seinen Dienst aufnahm,

bestand aus den Architekten Marcel

Roux 18) , Georges-Henri Pingusson 19) ,

Jean Mougenot 20) , Pierre Lefèvre 21) ,

Edouard Menkès 22) und André Sive.

Neben diesen Architekten, die,

um sie in die Verwaltung der Besatzungsmacht

zu integrieren, militärische

Ränge bekamen und Uniformen

trugen, gilt es auch die Zivilisten

zu nennen, die sich nur gelegentlich

im Saarland aufhielten: Jean Prouvé,

der für die Dillinger Stahlhütte

beispielsweise Türen, Möbel und

Fertighäuser aus Stahl entwarf 23) ,

sowie Gabriel Guévrékian 24) und

René Herbst 25) als Aufbauer und

Lehrer der neu gegründeten Staatlichen

Schule für Kunst und Handwerk

in Saarbrücken.

Die genannten Architekten und

Kunsthandwerker verkörperten

als erklärte Anhänger der funktionalistischen

Architektur die

Geschichte des »Mouvement

moderne«, der durch Le Corbusier

geprägten Strömung der Zwischenkriegszeit.

Alle waren Mitglieder

der »Union des Artistes Modernes«

(UAM) und hatten an den »Congrès

Internationaux d’Architectes Modernes«

(CIAM) teilgenommen. 26)


In seinem Geleitwort zu der 1947

erschienenen Sondernummer der

Zeitschrift »Urbanisme« über den

französischen Wiederaufbau an der

Saar schrieb Grandval programmatisch:

»Am 10. Juli 1945 kam

Frankreich an die Saar zurück.

Diese Gegend, die wir infolge des

Plebiszits von 1935 verließen, und

zwar in einem außerordentlich

wohlhabenden Zustand, bot

unseren Blicken ein Bild der Verwüstung,

das auch den Stärksten

entmutigen konnte... Frankreich

hat an der Saar Pläne, die seiner

Tradition entsprechen. Es will in

diesem Land die Spuren des

preußischen Geistes verwischen,

die auch nach den Bombardierungen

weiterbestehen; es will, dass

der Genius der Städtebauer auf

immer die Bande webt, die Saarland

und Frankreich einen ... Roux,

Pingusson, Sive, Menkès, Lefèvre,

erklären Sie nun, was Sie geschaffen

haben und was Sie in reinster

Überlieferung französischen

Schöpfergeistes zu verwirklichen

gedenken.« 27)

Angesichts dieses Programmes

der Entnazifizierung und »Entpreußung«

durch Kultur und

Architektur überrascht es nicht,

dass die Initiative zur Errichtung

einer Stätte des Gedenkens an

Menschen, die in dem Saarbrücker

Lager »Neue Bremm« gequält und

getötet wurden, erkennbar von

offizieller Seite aufgenommen

wurde. Wir wissen nun, dass

André Sive, der innerhalb der

französischen Wiederaufbau-

Equipe zusammen mit Marcel Roux

für die Erarbeitung eines Regionalplanes

für das Saarland zuständig

war, der Urheber des Denkmalentwurfes

ist. Das realisierte Monument

setzte den weithin sichtbaren

Akzent der Gedenkstätte, die im

Gegensatz zu der heutigen

Gedenkstätte aus zwei getrennten

Arealen bestand: dem Areal des

Lagergeländes und dem daneben

liegenden, neu geschaffenen Areal

für Gedenkfeiern.

Oben: Bildflug-Nr. 1 vom 20.04.1953,

Bild-Nr. 1808,

Maßstab 1:5000 (Ausschnitt). Gesüdet

Unten: Topographische Grundkarte des

Deutschen Reiches, Saarbrücken-Alt,

Feldlage, 1933, Ausgabe 1954, Nr. 4,

Maßstab 1:5000 (Ausschnitt). Genordet


16

Die Gedenkstätte von 1947

– eine Rekonstruktion

Die 1947 eingeweihte Gedenkstätte

war eine auf öffentliches

Gedenken hin konzipierte Anlage,

in der alle Bestandteile stimmig

auf das Gelände des Männerlagers

und auf einander in Bezug gesetzt

waren. Dies ist trotz bislang fehlender

Entwurfs- und Planzeichnungen,

Bauakten, zeitgenössischer

Beschreibungen und anderer

Quellen anhand historischer Fotos

belegbar. So lässt eine 1953 angefertigte

Luftaufnahme die Struktur

des Gesamtkomplexes ablesen,

während verschiedene Einzelheiten

der Anlage auf fotografischen Aufnahmen

festgehalten sind, die anlässlich

der jährlichen Gedenkfeiern

Ende der 1940er und Anfang der

1950er Jahre entstanden. Ziel der

Aufnahmen war selbstverständlich

die Dokumentation der jeweiligen

Gedenkfeier, jedoch nicht die

Wiedergabe der Anlage im Sinne

einer Architekturfotografie. Die

einzige bisher bekannt gewordene

Architekturaufnahme indessen

konzentriert sich auf Sives Denkmal

und lässt die unmittelbare Umgebung

und die als Maßstabsvergleich

mitabgebildete Menschengruppe

im Ungewissen. 28) Auf

dieser Basis sind nicht alle Details

zu klären, es lassen sich aber

aussagekräftige Beobachtungen

treffen und Schlüsse ziehen, die

eine gedankliche Rekonstruktion

der Gedenkstätte von 1947 weitgehend

ermöglichen.

Eine frühere Luftaufnahme 29) ,

vermutlich aus dem Jahre 1945,

zeigt das ehemalige Lager »Neue

Bremm« inmitten einer ländlichen,

fast völlig unbebauten Umgebung,

die geprägt ist durch eine Einteilung

in Felder und Wiesen,

welche gelegentlich von Bäumen

oder Büschen bestanden oder

gesäumt sind. Durch diese Landschaft

führt schnurgerade die

Metzer Straße, von der etwa in

Bildmitte der Alstinger Weg im

rechten Winkel nach Osten abzweigt.

Nördlich und südlich des

Weges erstrecken sich die beiden

Lagerabteilungen. Die Situation

entspricht derjenigen auf dem Bauplan,

der 1943 im Zusammenhang

mit der Errichtung des Frauenlagers

entstand. An der Metzer Straße

kann man gegenüber der Einmün-

dung des Alstinger Weges eine

Gebäudegruppe ausmachen.

Dabei handelt es sich um eine Ausflugsgaststätte,

die bei der Errichtung

des Lagers bereits existierte.

Auf der späteren, 1953 entstandenen

Luftaufnahme 30) , die in einem

vergrößerten Ausschnitt die Situation

an Alstinger Weg und Metzer

Straße darstellt, sind deutlich die

Veränderungen wahrzunehmen,

die inzwischen eingetreten sind,

bzw. vorgenommen wurden. Auffallend

exakt umgrenzt und deutlich

abgehoben von der Umgebung

zeigt sich die dunkle, rechteckige

Fläche des ehemaligen Männerlagers.

Das Wasserbassin in der

Mitte und die hellen Grundmauern

der abgerissenen Baracken sind

sehr gut zu erkennen. Auch im

ehemaligen Frauenlager ist das

Wasserbassin gut auszumachen.

Ansonsten ist dieses Gelände, mit

Ausnahme der beiden Seiten an

Straße und Weg, nicht so scharf

und deutlich von der Umgebung

abgegrenzt wie das des Männerlagers.

Ähnliches gilt auch für

die ehemalige Bebauung, deren

Grundmauern mehr zu ahnen als

zu sehen sind. Insgesamt erweckt

das Gelände des Frauenlagers

einen uneindeutigen Eindruck,

der sich wohl mit der bereits begonnenen

Überwucherung mit

pflanzlichem Bewuchs erklären

lässt. 31)

Eindeutig dagegen sind die Veränderungen,

die an der Metzer

Straße inzwischen vorgenommen

worden waren. An beiden Straßenseiten

sieht man in regelmäßigem

Abstand gepflanzte Bäume –

die Landstraße ist zu einer Allee

geworden. Damit nicht genug, verbreitert

sich die Straße dynamisch,

um Raum für vier schmale Grüninseln

zu schaffen, und verengt

sich entsprechend wieder.

Demgemäß sind auch die Verkehrsinseln

zugeschnitten, die auf eine

etwas breitere Mittelinsel zuführen.

An der Einmündung des Alstiner

Weges sind es zwei kleine Inseln,

die sich nach Süden Richtung

französische Grenze verjüngen und

nach Norden Richtung Mittelinsel

abrunden. Das nördliche Gegenstück

ist länger und verjüngt

sich in Richtung Saarbrücken.

Die Mittelinsel ist an beiden Enden

abgerundet. In ihrem Zentrum

Gedenkfeier am 11.11.1954. Situation

auf der Metzer Straße mit Mittelinsel und

Denkmal. Foto von Erich Oettinger

erhebt sich das Denkmal von

André Sive, das auf dieser Luftaufnahme

wie eine weiße Nadel

aussieht. Der schmale Schatten,

den das 30 m hohe Denkmal wirft,

ist deutlich zu erkennen.

Das Monument ist in axialen Bezug

zur Mitte des »Löschweihers« im

Männerlager gesetzt. Die Achse

Denkmal – »Löschweiher« durchschneidet

ebenfalls mittig einen

trapezförmigen Platz, der auf

einem zwischen Straßenrand und

Lagergelände befindlichen Flurstück

neu angelegt wurde.

Während der Platz zum Lagergelände

und zur Straße hin offen

ist, begrenzen ihn im Süden und

Norden Bäume, die hier in verdichteter

Reihung die östliche Alleebepflanzung

abknickend bis zur

Lagergrenze fortsetzen.

Der Vergleich der Luftaufnahmen

ergibt, dass die Metzer Straße

durch die Veränderung der Trasse,

die Bepflanzung mit Alleebäumen

und die Anlage der Grüninseln

dergestalt verändert wurde, dass

sie von beiden Richtungen aus

signifikant auf das neu gesetzte

Denkmal hinführte. Innerhalb

dieses Denkmalareals kann man

die neue Allee auch als Teil eines

erweiterten, unsymmetrischen

Platzgefüges ansprechen, das aus

dem Gelände vor der Gaststätte,

der Straße inklusive Mittelinsel und

dem trapezförmigen Platz am

Rande des Männerlagers bestand.


Während die Platzfolge an der

Westseite durch die vorhandene

Gebäudegruppe der Ausflugsgaststätte

und eine Baumgruppe einen

Randabschluss besaß, war sie an

der Ostseite offen und bot einen

freien Blick auf das Gelände des

ehemaligen Männerlagers.

Auf der 1954 erschienenen überarbeiteten

Grundkarte 32) von 1933

wird deutlich, dass die Fahrbahn

der Metzer Straße sich an dem

trapezförmigen Platz, seine Form

aufnehmend, ausbuchtet und Teil

desselben ist. Die neu geschaffene

Fläche ist auf der Grundkarte

zusammen mit dem ungefähr

quadratischen Flurstück des

ehemaligen Männerlagers als

»Neue Bremm Gedächtnisplatz«

ausgewiesen. Der selben Quelle

ist indessen auch zu entnehmen,

dass das Gelände des ehemaligen

Frauenlagers nicht Bestandteil des

Gedächtnisplatzes war. Über die

Ursachen, die zu dieser Ausgrenzung

führten, ist bisher nichts

bekannt.

Der beschriebene, den Straßenraum

miteinbeziehende neue Platz

war der Ort, an dem in den ersten

Jahren die öffentlichen Gedenkfeiern

stattfanden.

Bei diesen Gelegenheiten konnte

die Metzer Straße für den Durchgangsverkehr

gesperrt und als

Aktionsfläche genutzt werden,

wie Fotos des Pressefotografen

Erich Oettinger zeigen. 33)

Oettinger hat die mit großem

Aufwand durchgeführte feierlicheGedenkzeremonie

vom

11. November 1954 in zahlreichen

Aufnahmen dokumentiert. Aus

heutiger Sicht ist nicht allein die

Dimension und die schlichte,

funktionale Ausgestaltung der

Platzanlage bemerkenswert,

sondern ebenso der starke

Aufmarsch von französischem

Militär, die zahlreich erschienenen,

sorgfältig gekleideten

Zivilisten und Kinder, das Meer

aus Blumen und Kränzen, die

Beflaggung mit französischen

Trikoloren und Fahnen der

autonomen Saar sowie schließlichdie

aufwendige Zeremonie,

die der Hohe Kommissar Grandval

gemeinsam mit weiteren Personen

aus dem militärischen und zivilen

Bereich durchführt.

Gedenkfeier am 11.11.1954. Situation auf dem trapezförmigen Platz und der Metzer Straße.

Foto von Erich Oettinger

Gedenkfeier am 11.11.1954. Der Hohe Kommissar Grandval bei der Kranzniederlegung

am Gedenkstein. Foto von Erich Oettinger

Gedenkfeier am 11.11.1954. Der Gedenkstein mit niedergelegten Blumengebinden und

Ehrenwache. Im Bildmittelgrund das umzäunte Gelände des Männerlagers, im Hintergrund der

Rother Berg in Spicheren mit Kriegerdenkmälern von 1870/71. Foto von Erich Oettinger

17


Das zeremonielle Geschehen spielt

sich hauptsächlich auf der weiten

Fläche des trapezförmigen Platzes

ab, während die Zivilisten von

seinem südlichen Rand aus die

Szene verfolgen. Das Militär hat

teils quer zur Fahrtrichtung auf

der Straße, teils vor der Mittelinsel

mit dem Denkmal Aufstellung

genommen. Deutlich ist anhand

der Oberflächenstruktur die Zweiteilung

des Platzes zu erkennen:

in einen wie die Fahrbahndecke

asphaltierten Teil und in einen

bürgersteigartig erhöhten Teil, der

mit oblongen Platten belegt ist.

Im Norden und Süden wird der

Platz durch die bereits auf dem

Luftbild beschriebenen Bäume

und davor stehende Fahnenstangen

begrenzt. Im Osten raint er unmittelbar

an das Lagergelände.

Platz und Lager werden nicht nur

durch unterschiedliche Bodenoberflächen

deutlich differenziert und

von einander geschieden sondern

auch durch den vermutlich alten

Lagerzaun. Dieser wurde jedoch im

Kernbereich der Zeremoniefläche

zu Gunsten des Gedenksteins entfernt.

Der Gedenkstein steht unmittelbar

an der Lagergrenze in

der Achse Denkmal – »Löschteich«.

Links und rechts davon bilden

niedrig an Betonpollern hängende

Metallketten die Verbindung zu

dem Zaun und betonen auf diesen

Strecken die Grenze zwischen

Zeremonialplatz und Lagergelände.

Das Lagergelände selbst ist im

Allgemeinen auf denjenigen

historischen Aufnahmen gut zu

erkennen, die den Gedenkstein

und die auf und neben ihm

abgelegten Blumen und Kränze

zum Thema haben. Der Blick der

Kamera fällt über den Gedenkstein

hinweg auf das mit Rasen bewachsene

Lagergelände, in dessen

Mitte die quadratische, ausbetonierte

Vertiefung des »Löschweihers«

deutlich sichtbar ist.

Mit der Lupe lassen sich im kurz

geschnittenen Gras Fundamente

ausmachen und bestätigen die

Beobachtung auf der Luftaufnahme

von 1953: die Fundamente

der 1945 abgerissenen Baracken

werden erkennbar mit Absicht

von Bewuchs freigehalten. Offensichtlich

ist das Gelände des

Männerlagers mit einfachen

Mitteln hergerichtet und muss im

Sinne einer Grünanlage gepflegt

18

und unterhalten werden. Im Osten

wird das Gelände durch einen

blickdurchlässigen Drahtzaun begrenzt;

man erkennt die hohen,

auf Abstand gesetzten Zaunpfähle.

Es dürfte der alte Lagerzaun von

1943 sein. Dahinter ist frei und

unverstellt der Rother Berg von

Spicheren mit einigen der Kriegerdenkmäler

von 1870/71 zu sehen.

Eine sorgfältige Betrachtung der

historischen Fotos liefert weitere

aufschlußreiche Details über die

Ausgestaltung des Zeremonialraums.

Mit Ausnahme der Fahnenstangen,

der Metallketten und der

Inschriftentafel sind alle Objekte

aus dem gleichen Material: Beton.

Die oblongen Bodenplatten, die

kegelförmigen Poller und der

Gedenkstein sind aus Waschbeton

gegossen, das Denkmal von

André Sive ist in Stahlbeton gefertigt.

Die Bodenplatten wurden

in großem Fugenabstand zueinander

und mit der Längsseite parallel

zu dem Gedenkstein verlegt,

wodurch man eine ausgewogen

wirkende Fläche von markanter

Oberflächenstruktur gewann.

Von dem Denkmal aus betrachtet

fluchten die breiten Fugen

signifikant auf den Gedenkstein

und den »Löschteich« zu.

Gedenkfeier am 11.11.1954.

Foto von Erich Oettinger

Bei dem Gedenkstein handelt es

sich um eine breite, aus Beton

gegossene Platte, die pultartig

angekippt auf niedrigen Füßen

ruht. Auf die Platte wurde mittig

die queroblonge Inschriftentafel

aus Gusseisen montiert, neben der

links und rechts ausreichend Fläche

zur Ablage von Blumengebinden

bleibt. Es erweist sich der Gedenkstein

als ein freistehendes, funktionales

Objekt, das gleichermaßen

als Sockel für die Gedenktafel

wie als Tablett für die Ablage von

Blumen und Kränzen entworfen

wurde. Der Gedenkstein ist so

positioniert und die Neigung der

Platte so gewählt, dass eine davor

stehende Person beim Lesen der

in erhabenen Buchstaben modellierten

Inschrift sich zwangsläufig

auf das ehemalige Männerlager

und das Zentrum des Leidens, den

»Löschteich« ausrichtet.

Der Text lautet:

»Dans ce camp / sur des ordres

venus d’outre-Rhin / furent traînés

vers la mort / les défenseurs /

de la dignité et la liberté humaines, /

victimes de la barbarie nazie. /

Monument / érigé par le comité

de la Nouvelle Brème, / inauguré

le 11 novembre 1947«.

Übersetzung: In diesem Lager sind

auf Befehle von jenseits des Rheins

Verteidiger der menschlichen

Würde und Freiheit in den Tod

gehetzt worden, Opfer der nationalsozialistischen

Barbarei. Denkmal,

errichtet vom Lagerkomitee der

Neuen Bremm, eingeweiht am

11. November 1947. 34)

Das von André Sive entworfene

Denkmal hat sich bis heute am

alten Standort erhalten. Jedoch

wurde das Umfeld im Laufe der

Jahre durch Straßenbau und

Gewerbeansiedlung so einschneidend

und tiefgreifend verändert,

dass das Monument heute

wie abgestellt wirkt und sein

ursprünglicher Kontext nicht mehr

ohne weiteres verständlich ist.

Sive hatte das »Monument Commémoratif«

so konzipiert, dass es

durch seine Höhe von ca. 30 Meter

und seine Plazierung auf der mit

Rasen eingesäten Mittelinsel der

Allee sowohl in der Fernwirkung

ein deutliches Zeichen setzte, als

auch für Passanten und Vorüberfahrende

Hinweise auf den Ort

des Geschehens gab, zu dessen

Erinnerung es gesetzt worden war.

Es handelt sich um eine sehr

schlanke, sich nach oben verjüngende,

stumpf endende nadeloder

zeigerähnliche Skulptur auf

einem Sockel. Während der Querschnitt

des Sockels ungefähr als

rund charakterisiert werden kann,

ist der Querschnitt der hochaufragenden

»Nadel« eindeutig als

griechisches Kreuz, d. h. als Kreuz

mit vier gleich kurzen Balken zu


Aktuelle Situation auf der Metzer Straße.

Ehemalige Mittelinsel mit Denkmal.

Foto 2001

beschreiben. Von dem Sockel

strecken sich zu den Fahrbahnen

zwei leicht verzogene Flügel ab, die

jeweils eine herausmodellierte Tafel

tragen. Auf ihnen steht in

erhabenen Buchstaben:

»In Memoriam 1943-1945«.

Der Sockel des Denkmals ist an der Nordseite

teilweise durch inzwischen angepflanzte

Scheinzypressen verstellt. Foto 2001

Die Inschriftentafeln sind im

Gegensinn angeordnet, um von

dem ursprünglich gegenläufig an

der Mittelinsel vorbeifließenden

Verkehr gelesen werden zu können.

Wie die historischen Fotos

erkennen lassen, war das Denkmal

ursprünglich nicht gefasst.

Der heutige weiße Anstrich erhöht

in dem optisch unruhig gewordenen

Umfeld die Signalwirkung

und unterstützt zusätzlich bei den

plastisch gearbeiteten Teilen das

Spiel von Licht und Schatten.

Deutungen

Die Stahlbetonplastik von

André Sive wird in der Literatur zur

»KZ-Gedenkstätte Neue Bremm«

sehr unterschiedlich beschrieben:

hoher Pfeiler, Betonpylon, Obelisk,

Bajonett – auch in Kombinationen

wie Bajonett-Pfeiler, Französisches

Bajonett (Beton-Obelisk) oder

Obelisk, im Volksmund auch

französisches Bajonett genannt.

Die Charakterisierung als Bajonett

und die Inschrift des Gedenksteins

führen, wenn sie überhaupt interpretiert

werden, zu einer Auslegung

des Denkmals als Denkmal für die

Résistance, den Heroismus des

Widerstandes und den militärischen

Sieg Frankreichs. 35) Diese Interpretation

führt zwangsläufig zu der

kritischen Schlussfolgerung der

politischen Instrumentalisierung

und des selektiven Gedenkens. 36)

Zu der Deutung als Bajonett findet

sich in der von der Bundeszentrale

für politische Bildung herausgegebenen

Dokumentation der

Gedenkstätten für die Opfer des

Nationalsozialismus der Hinweis,

das Saarbrücker Denkmal »stellt

ein französisches Bajonett dar, das

auf das Militärgewehr Le Bel aufgepflanzt

wurde, mit dem die

französische Armee ausgerüstet

war.« 37) Leider fehlt der Quellennachweis

für diese Information. Das

genannte Gewehr, das 1886 eingeführt

wurde, ist nach dem französischen

Offizier Nicolas Lebel 38) benannt.

Das dazugehörende Bajonett

zeichnet sich von seinem Vorgängermodell

durch eine Klinge mit

drei Schneiden aus. 39) Im Laufe der

Zeit wurde das Bajonett »Lebel«

mehrfach modifiziert. Vergleicht

man das Stahlbeton-Monument von

André Sive mit einem vierschneidigen

Bajonett »Lebel«, so lässt sich

der runde Sockel als oberer Teil des

in die Erde gesenkten Griffes interpretieren,

die beiden Flügel mit den

Inschriften als Bügel zur Arretierung

des Bajonetts am bzw. zur Lösung

vom Gewehr und die sich verjüngende

»Nadel« über kreuzförmigem

Grundriss als vierschneidige

Klinge. Es fehlt allerdings die Spitze.

Dagegen kommen die Vergleiche,

die der Autor des 1948 in der

Zeitschrift »L’Architecture

d’Aujourd’hui« erschienenen

Artikels zur Charakterisierung

von Sives Denkmal heranzieht, nicht

oder nur bedingt aus dem Bereich

des Militärischen. Dadurch werden

andere Bilder hervorgerufen und

weitere Assoziationen geweckt.

Die kurze Notiz stammt zwar nicht

aus der Feder des entwerfenden

Architekten, gleichwohl dürfte die

darin vertretene Ansicht seiner

Auffassung nicht diametral entgegengestanden

haben, da Sive

bei Erscheinen des Artikels Mitglied

der Redaktion war.

»Monument Commémoratif du

Camp de Concentration de la

Nouvelle Brème à Sarrebruck.

André Sive, Architecte.

Ce grand mât, ligne qui coupe

l’horizon et arrête le regard, haut

borne qui se dresse pour une

indication silencieuse, semble

vouloir affirmer la volonté de barrer

la route à de nouvelles invasions...

On sera peut-être étonné par la

nudité d’un tel monument, mais

ce dénuement même est en accord

avec le souvenir qu’il veut symboliser.

Il est permis de le préférer à tant de

monuments emphatiques, boursouflés

et sans grandeur vraie qui

encombrent nos villes et nos

villages. M.-A. F.«

Übersetzung: Das Denkmal zu Erinnerung

an das Konzentrationslager

Neue Bremm in Saarbrücken.

Architekt: André Sive.

Dieser große Mast, eine den Horizont

teilende und den Blick anhaltende

Linie, dieser hochaufragende

Markstein steht wie ein stummer

Wegweiser für den festen Willen,

den Weg für neue Überfälle zu

sperren...

Die Kahlheit dieses Monumentes

könnte vielleicht Erstaunen hervorrufen,

aber eben diese Schlichtheit

entspricht genau der Erinnerung, an

die der Mast symbolisch gemahnen

will.

Dieses Monument darf man ruhig

all denen vorziehen, die zu emphatisch,

aufgeblasen und ohne

wirkliche Größe all zu oft unsere

Städte und Dörfer entstellen.

M.-A. F. 40)

Die hier verwendeten Begriffe

Mast, Linie, Markstein betonen

den Charakter des Denkmals als

weithin sichtbare Markierung.

Durch die Aussage, der Mast drücke

den festen Willen aus, die Straße für

künftige Überfälle zu sperren,

19


gewinnt das Denkmal eine weitere

Bedeutung: es wird ein Bezug zu

dem wenige hundert Meter südlich

an der Metzer Straße gelegenen

Grenzübergang nach Frankreich

hergestellt. Die Straße führt hinter

der Grenze als Route Nationale N° 3

über Metz, Verdun und Châlonssur-Marne

nach Paris, der französischen

Hauptstadt. Die Soldatengräber

und Kriegerdenkmäler in

unmittelbarer Nähe und auf beiden

Seiten der Grenze zeugen von den

deutschen Invasionen Frankreichs

der Kriege 1870/71, 1914/18 und

1939/45, die auch über diesen Weg

geführt wurden.

Die Existenz des Lagers »Neue

Bremm« war zu einem großen Teil

durch diese Nähe zur Grenze begründet,

da das Barackenlager

unter anderem als Sammel- und

Durchgangslager für Deportierte

aus Frankreich diente. Sives Mast

markiert im direkten Zusammenhang

mit dem Lager drei Punkte:

die Stelle des Lagers und damit das

Lager selbst; über den Achsenbezug

den »Löschweiher«, um den herum

Häftlinge »in den Tod gehetzt«

wurden; mittels der Aufpflanzung

auf der Straße den Weg. Durch die

Einbeziehung der Straße kommt

der Charakter des Lagers als Durchgangslager

sinnfällig zum Ausdruck.

Des Weiteren werden über Blickbezüge

direkte und assoziative

Verbindungen hergestellt zu der

nahen Grenze und schließlich auch

zu den Kriegerdenkmälern der

Spicherer Höhe.

20

Zusammenfassung

Die »KZ-Gedenkstätte Neue

Bremm« in ihrer Form von 1947

gliederte sich in zwei Bereiche: Die

Stätte für das öffentliche Gedenken

– bestehend aus Allee, Grüninseln,

Denkmal und Platz mit Gedenkstein

– seitlich des Männerlagers. Die

Stätte des Leidens und Sterbens von

Menschen, derer gedacht wurde,

hergerichtet als kahle Grünanlage,

wobei die übernommenen sichtbaren

Relikte – Zaun, Fundamente

der Baracken, »Löschweiher« – die

ehemalige Funktion des Geländes

als Lager noch deutlich erkennen

ließen. Das Gelände des ehemaligen

Frauenlagers war aus bislang unbekannten

Gründen nicht in die

Gedenkstätte einbezogen worden.

Aus dem Verborgenen, in dem die

Planungsgeschichte der Gedenkstätte

von 1947 liegt, konnte der

Architekt des Denkmals ans Licht

geholt werden. Die gedankliche

Rekonstruktion der Anlage lässt

erkennen, dass der Gedenkstätte

eine Gesamtkonzeption zu Grunde

gelegen hat, die in inhaltlicher,

formalästhetischer und städtebaulicher

Hinsicht für das Männerlager

schlüssig war. Es liegt nahe,

den Architekten und Städteplaner

André Sive nicht nur als verbürgten

Urheber des Entwurfes für das

Denkmal anzusprechen sondern

auch als Verfasser der gesamten

Gedenkstätte.

Ausblick

Dieser Nachtrag hat bisher unbekannte

Informationen und

neue Beobachtungen über die

»KZ-Gedenkstätte Neue Bremm«

geliefert. Dabei wurde deutlich,

dass die 1947 eingeweihte Gedenkstätte

bisher weder eingehend

erforscht noch genau beschrieben

und adäquat verglichen wurde.

Im Rahmen des vorliegenden

Beitrages war diese Arbeit nur

ansatzweise zu leisten. Solange

aber alle grundlegenden Untersuchungen

fehlen, wird eine

fundierte, umfassende Bewertung

und Interpretation der Anlage von

1947 zurückstehen müssen.

Es sind vor allem drei Gründe, die

es als vorrangig erscheinen lassen,

das bisher Versäumte nachzuholen.

Zum einen gehört die Gedenkstätte

von 1947 zu den wenigen Projekten,

die von den Entwürfen des

französischen Teams aus Architekten

und Städteplanern realisiert

wurden. Damit ist sie für die

Architekturgeschichte des Saarlandes

von großem Interesse. Zum anderen

ist die Gedenkstätte von 1947 ein

wichtiger Abschnitt innerhalb des

Themenkomplexes »KZ Neue

Bremm« und »KZ-Gedenkstätte

Neue Bremm«, dem nach einer

langen Zeit der Gleichgültigkeit

und Missachtung nun dank der

1984 erschienenen Erstausgabe des

Buches über das KZ »Neue Bremm«

von Raja Bernard und Dietmar

Renger öffentliche Aufmerksamkeit

zuteil wird. In diesem Zusammenhang

ist besonders auf das Projekt

zur systematischen Erforschung des

Gedenkplatz mit den wiederverwendeten

Bodenplatten und dem Gedenkstein von

1947. Der Gedenkstein ist heute auf das

Denkmal ausgerichtet, die Achse Denkmal –

Gedenkstein – »Löschweiher« durch einen

neu angepflanzten Baum verstellt.

Foto 2001

Barackenfundamente, die 1999 im Rahmen

eines Work-Camps des Landesjugendrings

Saar wieder freigelegt wurden. Foto 2001

»KZ-Gedenkstätte Neue Bremm«, Blick nach

Westen: Lagergelände mit »Löschweiher«

und heutigem Gedenkplatz mit Gedenkstein

(Hecke) und Fahnenstangen. Im Hintergrund

das Denkmal und die Gaststätte Neue

Bremm. Foto 2001

Lagers zu verweisen, das 1999

unter der Leitung von Prof. Dr.

Rainer Hudemann an der Universität

des Saarlandes gestartet wurde. 41)

Drittens schließlich ist die genaue

Kenntnis der ursprünglichen

Gedenkstätte von 1947 eine unentbehrliche

Voraussetzung für die

Beurteilung der Gedenkstätte in

ihrer jetzigen Form.

Im Laufe der Jahrzehnte haben

sich durch Vernachlässigungen

und dezimierende Eingriffe starke

Veränderungen am Bestand des

Denkmalareals ebenso ergeben


Das Denkmal von Süden. Foto 2001

wie am Bestand des Geländes der

beiden Lagerabteilungen.

Das Frauenlager ist heute mit

einem Hotelkomplex überbaut,

das Gelände des Männerlagers

durch Straßenbau und Kfz-Stellplätze

beschnitten, der Zaun und

Teile der Barackenfundamente sind

verschwunden. Die Allee ist gefällt,

die Trasse der Metzer Straße stark

verändert und verbreitert, der

trapezförmige Platz eliminiert.

Das Denkmal ist an seiner alten

Stelle geblieben und wirkt dennoch

deplaziert. Was von den Grüninseln

übrig ist, dient zum Teil als Abgänge

einer Fußgängerunterführung

– unmittelbar am Fuß des

Denkmals. Die ehemals ländliche

Umgebung ist zum vorstädtischen

Gewerbegebiet gewandelt.

Gedenkstein, Fahnenstangen und

Bodenplatten der alten Anlage

wurden auf das Restgelände des

Männerlagers verbracht und dort

neben dem »Löschweiher« neu

zusammengestellt. Im Laufe der

Jahre kamen weitere Einzelteile

hinzu. Die heutige »KZ-Gedenkstätte

Neue Bremm« kann man

als »Stückwerk« charakterisieren.

Die hier lediglich skizzierte Entwicklung

der Areale von 1947 bis

heute zu untersuchen und zu beschreiben,

erweist sich als ein

weiteres Desiderat. In der Literatur

über die »KZ-Gedenkstätte Neue

Bremm« finden sich beispielsweise

keine präzisen Daten zum Ausbau

der Metzer Straße, zur Parzellierung

des Lagergeländes, zur Umwidmung

und zum Verkauf einzelner

Parzellen (Frauenlager), zur Anlage

der Behrener Straße sowie zur

Umsetzung von Gedenkstein,

Fahnenstangen und Bodenplatten.

Das Unbehagen, das sich seit

langem angesichts der Summe

dieser Vernachlässigungen, Eingriffe

und gut gemeinten Versuche zur

»Schadensbegrenzung« einstellt,

führte zuletzt zur Bildung der

»Initiative Neue Bremm«. Unter

ihrer Federführung wurde ein

zweistufiger Wettbewerb zur Neugestaltung

der »KZ-Gedenkstätte

Neue Bremm« ausgelobt, zu dem

136 Arbeiten eingereicht wurden.

Die Jury entschied sich am 13. Januar

2001 für den Entwurf »Hotel der

Erinnerung« des Architektenteams

Nils Ballhausen und Roland Poppensieker,

das mit der weiteren

planerischen Umsetzung ihrer

Konzeption beauftragt wurde. 42)

1999 wurde durch den Landesjugendring

Saar im Rahmen eines

Workcamps Teile der noch vorhandenen,

inzwischen lange

zugewachsenen Barackenfundamente

freigelegt. 43) Damit wurde

ein wichtiges, aussagekräftiges

Relikt des Lagers wieder sichtbar

gemacht und unbewusst auch ein

Detail der Gedenkstättenkonzeption

von André Sive wiedergewonnen.

Vielleicht ist es nicht zu spät, die

neuen Erkenntnisse über die

Gedenkstätte von 1947 in die

aktuellen Diskussionen und

Planungen einzubeziehen.

Die gedankliche Rekonstruktion

ergab beispielsweise, dass der

Gedenkstein auf das Lager hin

orientiert war. Bei seiner Verpflanzung

auf das Lagergelände

in die Nähe des »Löschweihers«

wurde er zwar wieder in die Achse

Denkmal – »Löschweiher« gesetzt,

dabei aber gedreht und sinnwidrig

auf das Denkmal hin ausgerichtet.

Der Gedenkstein. Foto 2001

Den Blick desjenigen, der zum Gedenken

vor dem Stein stand, sollten

Stellung des Steines und die aufstrebende

Neigung der Betonplatte

zu dem Ort hinwenden, an dem,

wie die Inschrift besagt, »Verteidiger

der menschlichen Würde und

Freiheit in den Tod gehetzt worden

sind«. Die heutige falsche Ausrichtung

hat zur Folge, dass man genau

diesem Ort, dem »Löschweiher«,

den Rücken zukehrt und aus dem

Lager hinausblickt, wenn man die

Inschrift liest. Deswegen sollte überlegt

werden, den Gedenkstein

erneut zu drehen. Dabei kommen

zwei Varianten in Betracht. Erstens

die Wiederherstellung der ursprünglichen

Ausrichtung auf den

»Löschweiher« des Männerlagers.

Zweitens eine erneute Umorientierung,

diesmal auf das verschwundene

Frauenlager, zu dem dann ein

direkter Bezug hergestellt wäre.

Bei der Verpflanzung des Gedenksteines

ist ein weiterer Fehler

unterlaufen, der gleichfalls zu der

gravierenden Beeinträchtigung von

Erscheinungsbild und Sinngehalt der

Gedenkstätte geführt hat: der Stein

hat keine Standfläche mehr. Bei der

Verlagerung des alten Gedenkareals

wurde mit den wiederverwendeten

Betonplatten eine neue Fläche neben

dem »Löschweiher» angelegt. Dabei

hat man die oblongen Platten um

90° gedreht verlegt, was erheblich

zu dem gestalterischen Desaster beiträgt.

Der entscheidende Fehler aber

war, den Gedenkstein nicht auf die

Steinfläche zu stellen, sondern ihn

wie eine Grabplatte daneben ins

Gras zu legen. Dadurch verlor er

seinen Charakter als freistehender,

niedriger Pulttisch. Die in der

Folgezeit angepflanzte Hecke und

die 1985 davor angelehnte deutsche

Gedenktafel ließen ihn weiter verschwinden.

Einzig und allein die falsche und

entstellte Positionierung und Ausrichtung

des Gedenksteines lässt

die Qualität des Entwurfes und die

damit verbundene Auffassung und

Haltung untergehen. Die Hinführung

des Gedenksteines auf

den Ort und damit auf den Inhalt

des Gedenkens ging verloren; sein

Angebot, auch als Ablagefläche

für zum Gedenken niedergelegte

Blumen zu dienen, wird nicht mehr

wahrgenommen. 44) Als letzte Anmerkung

sei noch auf den jungen

Baum am Straßenrand verwiesen, der

die Achse Denkmal – Gedenkstein –

»Löschweiher« verstellt.

Alle genannten Fehler lassen sich

mit geringem Aufwand korrigieren.

21


Anmerkungen

1) Jo Enzweiler, Hrsg.: Kunst im öffentlichen

Raum Saarland. Band 1, Saarbrücken,

Bezirk Mitte 1945 bis 1996. Saarbrücken

1997, S. 332, Kat. Nr. 373. – Zum Begriff des

Denkmals siehe Lexikon der Kunst, Bd. 2,

Leipzig 1989, S. 121-124.

2) Karl August Schleiden: Kunst im

öffentlichen Raum. In: Saarbrücker Hefte,

Nr. 78, 1997, S. 87-88.

3) M.-A. F.: Monument Commémoratif

du Camp de Concentration de la Nouvelle

Brème à Sarrebruck. In: L’Architecture

d’Aujourd’hui, 19. Jg., Heft 16, 1948.

4) Zur Geschichte des Lagers siehe Raja

Bernard und Dietmar Renger: Neue Bremm.

Ein KZ in Saarbrücken. 4. erweiterte Auflage

Heusweiler 1999. – Landeshauptstadt Saarbrücken

Kulturamt, Hrsg.: KZ und

Gedenkstätte Neue Bremm in Saarbrücken.

Dokumentation 1943-1999 mit ausgewählten

Texten, Plänen und ausführlicher

Chronologie. Ein Reader. 2. Auflage 1999. –

Der Landeszentrale für politische Bildung,

Saarbrücken, sei an dieser Stelle für die

kostenlose Zusendung der beiden

Publikationen gedankt.

5) Zu dem System der nationalsozialistischen

Lager siehe Catalogue of Camp and Prisons

in Germany and German-Occupied Territories

Sept. 1st, 1939 - May 8th, 1945. 1st Issu,

Arolsen 1949; erneut abgedruckt in:

Martin Weinmann, Hrsg.: Das nationalsozialistische

Lagersystem (CCP). 2. Auflage

Frankfurt/Main 1990. – Vgl. auch

Hans-Walter Herrmann: Saarbrücken unter

der NS-Herrschaft, in: Rolf Wittenbrock,

Hrsg.: Geschichte der Stadt Saarbrücken.

Bd. 2, Saarbrücken 1999, S. 243-338,

S. 283-285. – Neueste Ergebnisse bei

Rainer Hudemann: Das Lager Neue Bremm.

Zur Erforschung eines wenig beachteten

nationalsozialistischen Lagertyps.

In: Bernard und Renger 1999, S. 159-165

(wie Anm. 4).

6) Hudemann 1999, S. 163 (wie Anm. 5).

7) Zu dem gewählten Datum vgl.

Armin Flender: Gedenktage im Saarland nach

dem Zweiten Weltkrieg. Politische Symbole

zwischen Autonomie und »kleiner

Wiedervereinigung«. In: Rainer Hudemann,

Burkhard Jellonek und Bernd Rauls, Hrsg.:

Grenz-Fall. Das Saarland zwischen Frankreich

und Deutschland 1945-1960. St. Ingbert

1997, S. 293-312, S. 295.

8) Zur Biographie von Yves-Gilbert-Edmond

Grandval (1904-1981) siehe: Dictionnaire de

Biographie Française. Bd. 16, Paris 1985,

Spalte 999.

9) Neue Saarbrücker Zeitung vom

13.11.1947, abgedruckt bei Bernard und

Renger 1999, S. 140-142 (wie Anm. 4).

Siehe auch Armin Flender: Öffentliche

Erinnerungskultur im Saarland nach dem

Zweiten Weltkrieg. Untersuchungen über

den Zusammenhang von Geschichte und

Identität. Baden-Baden 1998, S. 111-115.

10) Seit 1987 wird die Erschließung der weit

verstreuten und teilweise nur schwer auffindbaren

französischen Quellen der Nachkriegszeit

vom Landtag des Saarlandes und anschließend

auch von französischer Seite gefördert und unterstützt

(vgl. den Festvortrag von Prof. Dr.

Rainer Hudemann zum 50. Jahrestag des Landtag

des Saarlandes, zugänglich über www.jura.uni-sb.de/Landtag-Saar/hauptmen/ausstell/

fest/ ssitzung/hudemann.htm). Es ist zu hoffen,

dass auf diesem Weg auch Quellen zur Entstehungsgeschichte

der Gedenkstätte »Neue

Bremm« ans Licht kommen werden.

11) Biographische Daten nach Joseph Abram:

Sive, André. In: Jane Turner,

Hrsg.: The Dictionary of Art. Bd. 28, London

und New York 1996, S. 809.

12) Zu Auguste Perret (1874-1954) siehe

The Dictionary of Art, Bd. 24, S. 472-475

(wie Anm. 11).

13) Zu Ernö Goldfinger (1902-1987) siehe

The Dictionary of Art, Bd. 12, S. 871-872

(wie Anm. 11). – Farbige Zeichnungen

von Möbelentwürfen von Sive und

Goldfinger sind abgebildet bei Robert Elwall:

22

Ernö Goldfinger. London 1996

(= Royal Institute of British Architects

Drawings Monographs N° 3), S. 36.

14) Jean Prouvé (1901-1984). Zu den

Häusern in Meudon siehe Jean Prouvé

»Constructeur«. Ausstellungskatalog Centre

Pompidou, Paris. Paris 1991, S. 166-167.

15) Zu Le Corbusier (1887-1965) siehe

The Dictionary of Art, Bd. 19, S. 39-53

(wie Anm. 11), mit ausführlichem Verzeichnis

der Schriften von Le Corbusier und Bibliographie

der Sekundärliteratur.

16) Rémi Baudouï: Französische Wiederaufbaupolitik

an der Saar, oder: Funktionalismus

als politische Doktrin (1945-1950).

In: Hudemann, Jellonek und Rauls 1997,

S. 279-291 (wie Anm. 7). – Zur französischen

Wiederaufbaupolitik und dem Urbanistenteam

siehe auch Ulrich Höhns: Saarbrücken:

Verzögerte Moderne in einer kleinen Großstadt.

In: Klaus von Beyme, Werner Durth,

Niels Gutschow und andere, Hrsg.: Neue

Städte aus Ruinen. Deutscher Städtebau der

Nachkriegszeit. München 1992, S. 283-298.

17) Ausstellungskatalog 1991, S. 239

(wie Anm. 14).

18) Marcel Roux war Leiter der »Section

Urbanisme et Reconstruction du Gouvernement

militaire de la Sarre«.

19) George-Henri Pingusson (1884-1978)

schuf Wiederaufbauplanungen für Saarbrücken.

Biographische Daten bei Adolf K.

Placzek, Hrsg.: Macmillan Encyclopedia of

Architects. Bd. 3, New York 1982, S. 420. –

The Dictionary of Art, Bd. 24 (wie Anm. 11).

20) Jean Mougenot war für den Wiederaufbau

im Landkreis Saarbrücken zuständig.

Höhns 1992, S. 289 (wie Anm. 16).

21) Pierre Lefèvre entwarf Wiederaufbauplanungen

für Neunkirchen.

22) Edouard Menkès (1903-1976) schuf

Wiederaufbauplanungen für Saarlouis.

Biographische Daten in der Zeitschrift

»Bau. Wohnen, arbeiten, sich erholen«.

Heft 2, 1948, S. 79. – Lutz Hauck: Saarlouis

nach der Stunde Null. Der Wiederaufbau

zwischen Tradition und Moderne. St. Ingbert

1998. – Oranna Dimmig: Zur Stadtentwicklung

von Saarlouis. Die ehemalige Festungsstadt

als Bezugsrahmen für die Kunst im

öffentlichen Raum. In: Jo Enzweiler, Hrsg.:

Kunst im öffentlichen Raum im Saarland, Bd. 3,

Landkreis Saarlouis (in Druckvorbereitung).

23) Ausstellungskatalog 1991, S. 135-136,

S. 239-240 (wie Anm. 14).

24) Gabriel Guévrékian (1900-1970).

Biographische Angaben bei Elisabeth Vito:

Gabriel Guévrékian. 1900-1970. Une autre

architecture moderne. Paris 1987. –

Jo Enzweiler und Michael Jähne: Sonderforschungsprojekt

»Geschichte der Saarbrücker

Kunstschulen«. Teil 1, Das Direktorat

Gowa 1946-1951. Saarbrücken 1989

(Typoskript).

25) René Herbst (1891-1982). – Zum Wiederaufbau

an der Saar unter französischer Regie

siehe auch Dieter Heinz: Konflikte beim

Wiederaufbau. In: Von der ‘Stunde 0’ zum

‘Tag X’. Das Saarland 1945-1959. Ausstellungskatalog

Saarbrücken 1990, S. 77-94. –

Marlen Dittmann: Erziehung durch Baukunst.

Architektur und Stadtplanung als Bedeutungsträger

in Metz und Saarbrücken.

In: GrenzenLos. Lebenswelten in der deutschfranzösischen

Region an Saar und Mosel seit

1840. Ausstellungskatalog Saarbrücken

1998, S. 277-299.

26) Baudouï 1997, S. 281 (wie Anm. 16).

27) Zitiert nach Höhns 1992, S. 368,

Anm. 32 (wie Anm. 16).

28) Abgebildet bei M.-A. F. 1948

(wie Anmerkung 3).

29) Abgebildet bei Bernard und Renger

1999, S. 114 (wie Anm. 4).

30) Abgebildet bei Bernard und Renger

1999, S. 115 und Titelfoto (wie Anm. 4).–

Bildflug-Nr. 1 vom 20. 04. 1953, Bild-Nr.

1808, ungefährer Maßstab 1 : 2700. –

Dank an Herrn Ludwig vom Landesamt für

Kataster-, Vermessungs- und Kartenwesen,

Saarbrücken, für seine freundliche Hilfe bei

der Suche nach Luftbildern und Kartenmaterial.

31) Eine Luftaufnahme von 1973 lässt erkennen,

dass das Gelände des Frauenlagers

inzwischen dicht mit Bäumen und

Buschwerk bestanden ist. Herbert Liedtke,

Karl-Heinz Hepp und Christoph Jentsch:

Das Saarland in Karte und Luftbild.

Ein Beitrag zur Landeskunde. Herausgegeben

vom Vermessungsamt des Saarlandes.

Münster 1974, S. 38.

32) Topographische Grundkarte des

Deutschen Reiches, Saarbrücken-Alt, Feldlage,

Reichsamt für Landesaufnahme, Berlin,

hrsg. 1933, 1:5000, Ausgabe 1954, Nr. 4.

33) Landesarchiv Saarbrücken, Bestand

Bildersammlung, Fotoarchiv Oettinger. –

Dank an Dr. Wolfgang Laufer und

Michael Sander für den Hinweis auf den

Nachlass Oettinger und für die freundliche

Hilfe bei der Bildrecherche.

34) Zur Interpretation der Inschrift siehe

Flender 1998, S. 113-115 (wie Anm. 9).

In einer anderen Schrift weist Flender auf die

deutliche Sprache hin, derer sich die ehemaligen

Lagerinsassen hier bedient haben

(im Unterschied zur Sprache der deutschen

Inschriftentafel, die 1985 hinzugefügt

wurde). Rainer Möhler nennt die Inschrift

beispielhaft für das Konzept der »Entpreußung«

und den darin liegenden Vorteil,

»dass die Saarländer als die irregeleiteten

Opfer des ‘Preußentums’, des Nationalsozialismus,

dargestellt werden konnten«. –

Armin Flender: Die Inszenierung der Erinnerungskultur

im Saarland nach dem Zweiten

Weltkrieg. In: Edwin Dillmann und Richard

van Dülmen, Hrsg.: Lebenserfahrungen an

der Saar. Studien zur Alltagskultur 1945-

1995. St. Ingbert 1996, S. 14-39, S. 29. –

Rainer Möhler: Bevölkerungspolitik und

Ausweisungen nach 1945 an der Saar. In:

Hudemann, Jellonek und Rauls 1997,

S. 379-400, S. 382 (wie Anm. 7).

35) Initiative Neue Bremm: Ideenwettbewerb

»KZ-Gedenkstätte Neue Bremm«.

Das Lagergelände 1945 bis 2000. Zugänglich

über Internet www.lpm.uni-sb.de/start/

lpb/NeueBremm/NeueBremm/htm.

36) Zur Denkmalkritik allgemein siehe

Harold Marcuse, Frank Schimmelpfennig und

Jochen Spielmann: Steine des Anstoßes.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg in

Denkmalen 1945-1985. Hamburg 1985.

37) Ulrike Puvogel und Martin Stankowski:

Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus.

Eine Dokumentation. Bd. 1

Baden-Württemberg, Bayern, Bremen,

Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-

Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland,

Schleswig-Holstein. 2. überarbeitete und

erweiterte Auflage, Bonn 1995, S. 707.

38) Nicolas Lebel (1838-1891). Grand

Larousse encyclopédique en 10 volumes,

Bd. 7, Paris 1962, S. 648.

39) Grand Larousse encyclopédique en 10

volumes, Bd. 1, Paris 1960, S. 843-844 mit

Abbildung.

40) Uta Orluc, Berlin, danke ich für ihren Part

bei der Suche nach treffenden Formulierungen

für die Übersetzung.

41) Hudemann 1999 (wie Anm. 5).

42) Initiative Neue Bremm: Ideenwettbewerb

»KZ-Gedenkstätte Neue Bremm«. Zugänglich

über Internet www.lpm.unisb.de/start/lpb/NeueBremm/NeueBremm/htm.

43) Tina Schorr: Die Umgestaltung der KZ-

Gedenkstätte »Neue Bremm« in Saarbrücken

aus Sicht des Landesjugendring Saar.

In: Landeshauptstadt Saarbrücken Kulturamt

1999, S. 63-65 (wie Anm. 4).

44) Vgl. das Foto »Frau Minister Scheurlen

bei der Kranzniederlegung«, abgebildet bei

Bernard und Renger 1999, S. 148 oben

(wie Anm. 4) mit dem Foto des Gedenksteins

abgebildet bei Enzweiler, 1997, S. 332,

Kat.-Nr. 372 (wie Anm. 1).

Rechte Seite:

Bildflug-Nr. 1 vom 20.04.1953.

Bild-Nr. 1808.

Maßstab 1:5000 (Ausschnitt)

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