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Intuitive Benutzbarkeit als Usability-Ziel - ekphorie.de

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2.1 Gestaltung und Bewertung <strong>de</strong>r<br />

<strong>Usability</strong> von Walk-up-and-use<br />

Zur empirischen Überprüfung <strong>de</strong>r <strong>Usability</strong><br />

von Walk-up-and-use-Interfaces<br />

wer<strong>de</strong>n Vorgehensweisen für alle drei<br />

<strong>Usability</strong>-Maße vorgeschlagen (Effektivität,<br />

Effizienz und Zufrie<strong>de</strong>nstellung). Es<br />

gibt, wie bei <strong>de</strong>r ISO 9241-Serie üblich,<br />

keine allgemeine Regel, wie die genannten<br />

Maße im Einzelfall ausgewählt,<br />

kombiniert und operationalisiert wer<strong>de</strong>n<br />

sollten. Die relative Be<strong>de</strong>utung <strong>de</strong>r einzelnen<br />

<strong>Usability</strong>-Komponenten hängt<br />

sowohl vom Nutzungskontext <strong>als</strong> auch<br />

vom Zweck ab, für <strong>de</strong>n die <strong>Usability</strong> zu<br />

bestimmen ist.<br />

Die Effektivität kann durch <strong>de</strong>n Prozentsatz<br />

<strong>de</strong>r beim ersten Versuch erfolgreich<br />

abgeschlossenen Aufgaben bestimmt<br />

wer<strong>de</strong>n. Die Messung <strong>de</strong>r Effizienz erfolgt<br />

zum einen über die erfor<strong>de</strong>rliche<br />

Zeit für <strong>de</strong>n ersten Versuch (Effektivität<br />

im Verhältnis zum Aufwand), zum an<strong>de</strong>ren<br />

über die Anzahl wie<strong>de</strong>rkehren<strong>de</strong>r<br />

Fehler. Die Zufrie<strong>de</strong>nstellung wird durch<br />

die Anzahl freiwilliger Benutzungen operationalisiert.<br />

Bezüglich <strong>de</strong>r Grundsätze <strong>de</strong>r Dialoggestaltung<br />

für interaktive Systeme leiten<br />

wir ab, dass eine „intuitive“ Benutung<br />

von Walk-up-and-use-Interfaces möglich<br />

wird, wenn die Selbstbeschreibungsfähigkeit<br />

und die Erwartungskonformität<br />

nach ISO 9241-10/110 gewährleistet ist.<br />

Auf die Aufgabenangemessenheit wird<br />

nicht geson<strong>de</strong>rt eingegangen, da sie für<br />

eine effektive Benutzung eine Conditio<br />

sine qua non darstellt.<br />

2.1.1 Erwartungskonformität<br />

Das Kriterium Erwartungskonformität<br />

2 verlangt, dass die Erwartungen eines<br />

Users an die Informationsdarstel-<br />

2 "Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn<br />

er <strong>de</strong>n aus <strong>de</strong>m Nutzungskontext heraus<br />

vorhersehbaren Benutzerbelangen sowie<br />

allgemein anerkannten Konventionen entspricht."<br />

ISO 9241-110<br />

lung und das Interface-Verhalten erfüllt<br />

wer<strong>de</strong>n. Das Kriterium wird dabei auf<br />

die Konzepte „Konsistenz“ und „Vorhersagbarkeit“<br />

abgestützt (Herczeg<br />

2009). Nicht erwartungskonforme bzw.<br />

inkonsistente Anwendungen behin<strong>de</strong>rn<br />

die Bildung eines geeigneten stabilen<br />

mentalen Mo<strong>de</strong>lls von <strong>de</strong>r Anwendung.<br />

Herczeg unterschei<strong>de</strong>t hier zwischen<br />

einer „inneren Konsistenz“ (Konsistenz<br />

<strong>de</strong>r Dialogsyntax innerhalb <strong>de</strong>r Anwendung),<br />

einer „äußeren Konsistenz“<br />

(Konsistenz <strong>de</strong>r Dialogsyntax über<br />

vergleichbare Anwendungen) und einer<br />

„metaphorischen Konsistenz“<br />

(Konsistenz <strong>de</strong>r Dialoggestaltung mit<br />

<strong>de</strong>r physikalischen Umwelt). Äußere<br />

Konsistenz und metaphorische Konsistenz<br />

entsprechen <strong>de</strong>n „allgemein anerkannten<br />

Konventionen“ nach ISO<br />

9241-110. Sie wer<strong>de</strong>n im Allgemeinen<br />

durch Stylegui<strong>de</strong>s vorgegeben und<br />

sorgen über unterschiedliche Anwendungen<br />

hinweg für eine Einheitlichkeit.<br />

Das Einarbeitungsproblem kann somit<br />

durch Nutzungskonventionen überwun<strong>de</strong>n<br />

wer<strong>de</strong>n.<br />

Bei <strong>de</strong>r erwartungskonformen Gestaltung<br />

von Walk-up-and-use-Interfaces<br />

gibt es die Möglichkeit, die Ergebnisse<br />

<strong>de</strong>r Forschung zum impliziten Lernen,<br />

zum impliziten Gedächtnis und zum<br />

analogen Transfer gezielt anzuwen<strong>de</strong>n,<br />

um bei <strong>de</strong>r Erzeugung „intuitiver“<br />

<strong>Benutzbarkeit</strong> nicht nur auf Nutzungskonventionen<br />

angewiesen zu sein, die<br />

durch Stylegui<strong>de</strong>s mehr o<strong>de</strong>r weniger<br />

zufällig eingeführt wur<strong>de</strong>n.<br />

2.1.2 Selbstbeschreibungsfähigkeit<br />

Mit <strong>de</strong>m Kriterium Selbstbeschreibungsfähigkeit<br />

3 wur<strong>de</strong> bislang nach<br />

ISO 9241-10 gefor<strong>de</strong>rt, dass das Inter-<br />

3 "Ein Dialog ist selbstbeschreibungsfähig,<br />

wenn je<strong>de</strong>r einzelne Dialogschritt<br />

durch Rückmeldung <strong>de</strong>s Dialogsystems<br />

unmittelbar verständlich ist o<strong>de</strong>r <strong>de</strong>m<br />

Benutzer auf Anfrage erklärt wird.“ ISO<br />

9241-10<br />

face durch Systemrückmeldungen unmittelbar<br />

verständlich ist bzw. ein interaktives<br />

Hilfesystem verfügbar ist. Die<br />

Zulässigkeit eines Hilfesystems sprach<br />

bislang dagegen, das Kriterium mit <strong>de</strong>r<br />

„intuitiven“ <strong>Benutzbarkeit</strong> in Verbindung<br />

zu bringen. Die Revision <strong>de</strong>s Kriteriums<br />

ohne expliziten Verweis auf ein Hilfesystem<br />

än<strong>de</strong>rt die Sachlage (ISO 9241-<br />

110) 4 . Nun steht das Kriterium in erstaunlicher<br />

Nähe zu <strong>de</strong>n von Jürg Nievergelt<br />

formulierten „4 W’s“: „Wo bin<br />

ich?“, „Was kann ich hier tun?“, „Wie<br />

kam ich hierhin?“ Und: „Wo kann ich hin<br />

und wie komme ich dorthin“ (Nievergelt<br />

1983). Die Beantwortung dieser Fragen<br />

zum Ort, zum Modus und zum Interaktionsweg<br />

muss zu je<strong>de</strong>r Zeit vom Interface<br />

durch geeignete Rückmeldungen<br />

unterstützt wer<strong>de</strong>n, wenn Anfängern<br />

eine mühelose Interaktion gelingen soll.<br />

2.2 Umbruch durch eine neue Norm?<br />

Vor kurzem wur<strong>de</strong> von <strong>de</strong>r ISO ein<br />

neuer Standard herausgegeben, <strong>de</strong>r<br />

sich ausdrücklich auf die Einfachheit <strong>de</strong>r<br />

Handhabung bezieht (ISO 20282). In<br />

dieser Norm wird die ISO 9241-11 gezielt<br />

auf Interfaces von Produkten <strong>de</strong>s<br />

täglichen Gebrauchs angewen<strong>de</strong>t, die<br />

bislang ausgeklammert o<strong>de</strong>r nur implizit<br />

behan<strong>de</strong>lt wur<strong>de</strong>n. In Teil 1 <strong>de</strong>r Norm<br />

wird <strong>de</strong>r Gestaltungsprozess beschrieben,<br />

die Teile 2 bis 4 legen <strong>de</strong>zidierte<br />

Prüfverfahren für Walk-up-and-use-Produkte,<br />

Konsumgüter und <strong>de</strong>ren Installation<br />

fest. Im Unterschied zur bislang<br />

üblichen Wahlfreiheit bei <strong>de</strong>r Überprüfung<br />

<strong>de</strong>r <strong>Usability</strong> wird die Planung,<br />

Durchführung und Auswertung von <strong>Usability</strong>-Tests<br />

in allen Einzelheiten <strong>de</strong>finiert<br />

und primär auf die Effektivität ausgerich-<br />

4 "Ein Dialog ist in <strong>de</strong>m Maße selbstbeschreibungsfähig,<br />

in <strong>de</strong>m für <strong>de</strong>n Benutzer<br />

zu je<strong>de</strong>r Zeit offensichtlich ist, in welchem<br />

Dialog, an welcher Stelle im Dialog<br />

sie sich befin<strong>de</strong>n, welche Handlungen unternommen<br />

wer<strong>de</strong>n können und wie diese<br />

ausgeführt wer<strong>de</strong>n können." ISO 9241-<br />

110<br />

4 Dieser Text ist vorläufig. Er ist nicht abschließend korrekturgelesen. Sowohl Inhalt wie Schreibweise mögen sich noch än<strong>de</strong>rn.<br />

Bei Zitaten bitte beachten. Im Zweifel gilt die spätere Druckfassung. 2009-06-29, h.

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