Hilfe kommt wie gerufen! Die Johanniter. - Diakonie Leipzig

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Hilfe kommt wie gerufen! Die Johanniter. - Diakonie Leipzig

Leipzig

Jahresbericht

2011

Diakonisches Werk

Innere Mission Leipzig e.V.

Vielfalt

für das Leben


2 Jahresbericht 2011 Vorwort

Vorwort

Jesus Christus spricht: Das Reich Gottes ist mitten unter

euch. (Lk 17,21)

Dieses Wort ist Teil der Evangelien-Lesung des Gottesdienstes

zu unserem 142. Jahresfest am 6. November 2011. Es ist

die Zusage, dass die Herrlichkeit Gottes nicht erst im Jenseits

Wirklichkeit wird, sondern auch hier und heute erfahrbar ist.

Jedoch - stimmt dies in der Praxis unseres Alltages? Erleben

wir das Reich Gottes tatsächlich mitten uns, auch in unserer

Zeit?

In unserem Werk erleben wir täglich die Nöte der von uns

betreuten Menschen. Wir versuchen zu helfen, zu begleiten,

Mut zu machen, neue Lebenswege aufzuzeigen, wo immer es

möglich ist. Letztlich versuchen wir damit, Spuren des

Reiches Gottes mitten unter uns erlebbar werden zu lassen.

Leider erfahren wir dabei auch immer wieder die Grenzen

unseres Tuns. Und dies nicht nur in der direkten Arbeit mit

den Menschen, sondern auch darin, dass die Rahmenbedingungen,

die wir für gute und professionelle soziale Arbeit

brauchen, nicht einfacher werden.

Im letzten Jahresbericht sprachen wir von der Vermutung,

dass die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zeitverzögert

in wohl noch verstärkter Weise die sozialen Bereiche

erreichen werden. In diesem Jahr müssen wir feststellen, dass

dies tatsächlich so geschehen ist. So war es im Berichtsjahr

nicht möglich, mit den wichtigsten Kostenträgern ausreichende

Entgelte zu verhandeln. Die Spannung zwischen den

nach unseren vereinbarten Arbeitsvertragsrichtlinien zu

zahlenden Gehältern und der in vielen Bereichen nicht

ausreichenden Finanzierung beeinflusst in zunehmendem

Maße die Diskussion um Qualität, Quantität und Struktur der

inhaltlichen Arbeit. Dies bedeutete in der Konsequenz, dass

unsere Arbeit nicht ausreichend finanziert wird. Die entstehende

Lücke lässt sich kaum schließen.

In den Wohnstätten für Menschen mit Behinderungen findet

zurzeit ein extern begleiteter Prozess statt, um die Arbeit

dieser Einrichtungen einerseits wieder kostendeckend zu

ermöglichen, und um andererseits Einschränkungen der

Lebensqualität der dort lebenden Menschen so gering wie

möglich zu halten. Die Einrichtungen in Borsdorf und Markkleeberg

haben diese Ziele bereits erreicht, in anderen gibt es

sichtbare Fortschritte.

Zum Jahreswechsel 2010/2011 kam es zu Gefährdungen der

Arbeit unserer Ökumenischen Projekte des Nachtcafés der

Leipziger Oase und der sich

in Betriebsträgerschaft der

Caritas befindlichen aber

durch uns mit verantworteten

Bahnhofsmission. Durch

politische Unterstützung,

durch die Hilfe der Kirchgemeinden,

das Einlenken der

ARGE, die dann letztlich

doch die geforderten geförderten

Maßnahmen bewilligte

Missionsdirektor Pfr. Christian Kreusel

und großzügige Spenden aus

der freien Wirtschaft konnte dann aber doch noch eine

Lösung gefunden werden. Dies zeigt uns, dass auch in

aussichtslos erscheinenden Situationen doch noch positive

Veränderungen möglich sind.

Auch weitere positive Entwicklungen sollen kurz genannt

werden: Am 21. Mai 2011 wurde mit einer Festveranstaltung

das Haus am Viadukt in Borsdorf in Dienst gestellt. Damit

haben sich in Borsdorf Wohnbedingungen weiter verbessert.

Im Juli 2011 fand in der Pauluskirchgemeinde Leipzig-Grünau

der zweite Gottesdienst Inklusive statt. Ein dritter hat anlässlich

des 15. Jahrestages der Wohnstätte „Alte Posthalterei“ in

Panitzsch im Oktober 2011 mit der Kirchgemeinde Taucha

stattgefunden. Erwähnenswert sind weiterhin das engagierte

Mitwirken einiger unserer Mitarbeitenden am Kirchentag in

Dresden im Juni 2011 sowie ein beeindruckendes Singspiel,

das Schülerinnen und Schüler unserer Förderschule mit

denen zweier Gymnasien mit Unterstützung von Musikern des

Gewandhauses eingeübt und aufgeführt haben. Von diesen

und weiteren Aktivitäten ist in diesem Bericht zu lesen.

Jesus Christus spricht: Das Reich Gottes ist mitten unter

euch. In Vollendung ist dieses Reich Gottes erst ein zukünftiges

Reich. In Spuren ist es jedoch schon heute in dieser Welt

zu erfahren: Dort, wo Menschen hilfreiche Unterstützung,

Zukunftshoffnung oder wieder eigene Kräfte bekommen. Dort,

wo solche Dienste durch Spenden, Ehrenamt, Gebet oder auf

andere Weise unterstützt werden. Im Berichtsjahr haben wir

neben den Herausforderungen auch davon viel erleben

dürfen. Wir sind deshalb Gott dankbar. Ebenso danken wir

allen, die unsere Dienste an Mitmenschen unterstützt haben

und unterstützen. Viele Menschen haben dadurch Segen

erfahren. Herzlichen Dank dafür.

Pfr. Christian Kreusel, Missionsdirektor


Inhalt

02 Vorwort

04 Evangelischer Kirchentag 2011

06 Spendenbericht

09 Ehrenamt - Spende Zeit

10 Altenhilfe - Vielfältige Angebote

13 Tagespflege

14 Behindertenhilfe - Du bist es wert!

16 Talente ohne Barrieren

18 Projekt Wegweiser

19 Haus am Viadukt - Borsdorf

20 Lindenwerkstätten

22 Evangelische Kindertagesstätten

24 Stricken, weben, basteln mit Oma Brigitte

26 Beratungs- und Betreuungsdienste

30 Missstände an Leipziger Mittelschulen

32 Suchthilfe für russischsprachrige Menschen

33 Hilfe zur Selbsthilfe - Blickwechsel

34 10 Jahre Erziehungsstellen

36 Wirtschaftsbericht

42 Bericht Verwaltungsrat

44 Anschriften

46 Kurzchronik 2011

Jahresbericht 2011 Inhaltsverzeichnis 3


4 Jahresbericht 2011 Evangelischer Kirchentag 2011

„ … wir waren mit dem Herzen dabei ... “

Vom 1. bis 5. Juni 2011 fand der Deutsche Evangelische

Kirchentag in Dresden statt.

Vom 1. bis 5. Juni 2011 haben rund 120. 000 Dauerteilnehmende

den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in

Dresden gefeiert. Mitten drin - auf dem Theaterplatz vor der

Semperoper - das Quartier der Diakonie. Vier Tage lang

zeigten dort Mitarbeitende aus diakonischen Einrichtungen

und Diensten in knapp 40 „Häusern“ die Vielfältigkeit und

Lebendigkeit ihrer Arbeit.

Natürlich war auch die Diakonie Leipzig bei diesem bunten

Spektakel mit dabei - z.B. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

der Evangelischen Jugendhilfe. Sie haben mittels eines

Baby- Wettwickelns unsere Familiäre Bereitschaftspflege und

die Erziehungsstellen vorgestellt und mittels Bataca Schlägern

und Pratzen (mit Schlaghandschuhen) Jugendlichen und

Kindern die Gelegenheit gegeben, mal Dampf abzulassen,

drauf zu hauen oder sich mit den Batacas einen fairen

Spaßkampf zu liefern.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer KirchenBezirks-

Sozialarbeit haben mit dem Thema Armutsgrenze und Hartz

IV gerade die Politiker förmlich angezogen.

Aber auch Mitarbeiter und Ehrenamtliche des Psychosozialen

Gemeindezentrums Blickwechsel waren auf dem Diakonischen

Quartier eingespannt. Sie haben in der „Villa Herz und

Seele“ die psychiatrischen Angebote der Sächsischen

Diakonie vorgestellt.

Die von uns organisierte „Villa herzlich alt“ lud die Besucher

ein, sich mit den Themen des Alters auseinander zu setzen.

Wie möchte ich im Alter mal leben, welche Unterstützung

steht mir zu. Die Besucher konnten, wie in einigen unserer

Pflegeheime auch, mit Hilfe der Spielkonsole Wii kegeln, sie

konnten ihr Gehör testen oder auch die körperlichen Einschränkungen

des Alters mit Hilfe eines Alterssimulationsan-

EUnsere „Villa herzlich alt“ war zum Kirchentag von Jung und Alt gut besucht.


zuges nachempfinden. Gerade für junge Leute war diese

Reise ins Alter sehr beeindruckend und Grundlage vieler guter

Gespräche.

Nicht im Diakonischen Quartier, aber beim Stand der Kirchgemeinde

von Carlsfeld / Erzgebirge konnte man Mitarbeiter und

Ehrenamtliche der Wohnungslosenhilfe Leipziger Oase

antreffen. Sie stellten das Modell der Carlsfelder Kirche vor,

das von ehemaligen Gästen der Oase in der Werkstatt der

Leipziger Oase“ gebaut wurde. In der Werkstatt haben die

Gäste die Möglichkeit, einer sinnvollen und kreativen Tätigkeit

nachzugehen. Unter Anleitung bauen sie verschiedene

erzgebirgische Häuser in Modellbauweise nach. Besucht

wurde der Stand vom Ministerpräsident Sachsens Stanislaw

Tillich, von Bundespräsident Christian Wulff, Kirchentagspräsidentin

Katrin Göring-Eckardt und Landesbischof Jochen

Der Diakonie Präsident OKR Johannes Stockmeier und SPD Parteivorsitzende

Sigmar Gabriel bei einem Spiel der Kirchenbezirkssozialarbeit zum Thema Armut.

Jahresbericht 2011 Evangelischer Kirchentag 2011 5

Bohl. Der Stand hat damit die höchste VIP-Dichte aller

unserer Stände gehabt.

Neben der Arbeit blieb den meisten haupt- und ehrenamtlich

Mitarbeitenden noch genügend Zeit, im Besucherstrom die

besondere Atmosphäre dieser Tage in Dresden zu erleben

und Vorträge, Konzerte, Ausstellungen und Gottesdienste zu

besuchen. Es war ein rundum sehr gelungener Kirchentag,

den die sächsische Landeskirche, die Diakonie und die Stadt

Dresden den Besuchern hier sehr vielfältig, bunt, einfallsreich

und herzlich präsentierte.

Ein Dank an alle Kolleginnen und Kollegen der Diakonie

Leipzig, die diese Tage noch bunter gemacht haben.

Matthias Möller I Öffentlichkeitsarbeit


6 Jahresbericht 2011 Spendenbericht

Spendenprojekte - eine

Auswahl

Gutes tun - aus gutem

Grund.

Auch im vergangenen Berichtszeitraum haben uns wieder

viele Spenden erreicht. Das gesamte Spendeneinkommen

ist im Wirtschaftsjahr 2010 mit rund 326.000 € leicht

gestiegen. Darüber freuen wir uns sehr. Spenden helfen uns

bei unserer Arbeit. Sie sind aber auch ein Vertrauensbeweis

derer, die unsere Arbeit auf diese Weise unterstützen. Die

Spenden sind ganz unterschiedlicher Art. Es gibt viele kleine,

aber auch äußerst großzügige Spenden von Privatpersonen,

Firmenspenden, regelmäßige und einmalige Sachspenden,

Möbel sowie Kleiderspenden für unsere Kleiderkammer.

In den letzten Monaten erhielten wir besonders viele so

genannte Anlass-Spenden. Menschen bzw. Firmen, die

anlässlich eines Jubiläums auf Geschenke verzichtet und

dafür eine Spende für ein Projekt oder eine Einrichtung

unseres Werkes gebeten haben. Auf diese Weise sind beachtliche

Summen zusammengekommen.

Eine ganz besondere Hilfe sind diejenigen, die uns regelmäßig

mit einem Beitrag unterstützen.

Ein ganz großes Dankeschön an alle Spender!

Selbstverständlich ist es unmöglich, über alle mit Spenden

unterstützten Aktionen zu berichten. Faktisch wird jede

einzelne unserer mittlerweile über 40 Einrichtungen auf die

eine oder andere Weise mit Spenden unterstützt – sporadisch

oder auch regelmäßig. So erhält allein die Leipziger Oase

Sachspenden (vor allem Lebensmittel) in Höhe von über

50 000 Euro pro Jahr. Bei der Suchtberatungs- und ambulanten

Behandlungsstelle Blaues Kreuz wird schon seit vielen

Jahren eine Sozialarbeiterstelle mit einer Spende finanziert.

Im Folgenden möchte ich über einige ausgesuchte Spendenprojekte

genauer Bericht erstatten. Dabei beziehe ich mich

nicht auf das Wirtschaftsjahr 2010, sondern auf den Berichtszeitraum

dieses Jahresberichtet – September 2010 bis August

2011.

Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich keine einzelnen

Spender, seien es Privatpersonen oder Firmen, namentlich

benennen kann. Es wäre unfair gegenüber denen, die unerwähnt

bleiben würden. Und alle zu erwähnen übersteigt den

Rahmen dieses Berichtes.

Schulsozialarbeit – Hilfe für Kinder mit sozialen und

emotionalen Störungen

Bereits im August wurden für die Schulsozialarbeit der

Evangelischen Jugendhilfe über 2400 Euro aus einer privaten

Anlass-Spende überwiesen. Das Geld wurde verwendet für

die Arbeit unserer Sozialarbeiter am Förderzentrum für

Erziehungshilfe. Hier lernen Schüler, die auf Grund von

schweren sozialen und emotionalen Störungen nicht in einer

Regelschule unterrichtet werden können. Für diese Kinder,

aber auch für die Eltern und Lehrer, bieten die Schulsozialarbeiter

psychosoziale Beratung an der Schule an. Ziel ist es,

diese Kinder wieder in das soziale, schulische und familiäre

Umfeld zu integrieren, ihre Persönlichkeit zu stärken und

ihnen Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Diese Arbeit wird

zwar von der Stadt Leipzig gefördert, es muss aber auch ein

Eigenanteil aufgebracht werden. Das Geld wurde auch

verwendet für notwendiges Material wie Sportgeräte, Ausstattung

eines Ruheraumes etc.

Ausbau und Ausstattung der Bürgerwerkstatt

Im September 2010 erhielt die Bürgerwerkstatt des Psychosozialen

Gemeindezentrums Blickwechsel eine Spende von


einer Bank in Höhe von 2.500 Euro aus dem Zweckertrag des

Lotterie-Sparens im 1. Halbjahr 2010. Mit Hilfe dieser Unterstützung

konnten für die Bürgerwerkstatt neue Werkstattgeräte

für die Holzbearbeitung sowie notwendiges Verbrauchsmaterial

angeschafft werden. In der Bürgerwerkstatt haben

Menschen mit psychischen Krankheiten die Möglichkeit, einer

sinnvollen, handwerklichen Beschäftigung nachzugehen.

Dieses Angebot wird von vielen Menschen genutzt, die

Werkstatt stößt gegenwärtig an die Grenzen ihrer räumlichen

Kapazität.

Kita Nathanael – Sport- und Spielgeräte

Der Spendenaufruf für die neue Kindertagesstätte Nathanael

im September 2010 erbrachte insgesamt über 4000 Euro,

davon stammen 2000 aus einer privaten Einzelspende. Im Mai

2011 kamen noch weitere 800 Euro von einer Firma dazu. Von

dem Geld wurden Spiel- und Sportgeräte für den Bewegungsraum

und den Außenbereich angeschafft, da es wichtig

ist, dass Kinder sich ausreichend bewegen und ihre motorischen

und koordinatorischen Fähigkeiten entwickeln. So

stehen den Kindern jetzt Kinderfahrzeuge wie Roller und

Dreiräder zur Verfügung.

Besuchs- und Begleitdienst – Weiterbildung und Dankveranstaltung

für Ehrenamtliche

Ebenfalls eine private Anlass-Spende erbrachte im November/Dezember

über 900 Euro für den Besuchs- und Begleitdienst

für Menschen mit Behinderungen. Dieses Angebot lebt

von den vielen Ehrenamtlichen, die regelmäßig Menschen mit

Behinderungen begleiten. Das Geld wurde verwendet für die

Weiterbildung der Ehrenamtlichen sowie für Dankveranstaltungen.

So wurde beispielsweise eine Weihnachtsfeier für die

ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finanziert.

Tagestreff für Wohnungslose Leipziger Oase – Nachtcafé

gerettet

Die Leipziger Oase sorgte Ende des Jahres 2011 für einige

Aufregung. Aufgrund der Tatsache, dass die Arge ab Januar

2011 nur drei statt fünf der beantragten Arbeitsgelegenheiten

mit Entgeltvariante genehmigt hatte, drohte dem Nachtcafé

die vorzeitige Schließung.

Das Nachtcafé bietet in den Räumen der Oase eine Notübernachtung

für etwa 10 Menschen, die sonst keinen Platz zum

Schlafen haben, an. Der Bedarf an diesen Schlafmöglichkeiten

war im kalten Dezember 2010 groß, die Notbetten

waren fast jede Nacht komplett belegt. Betreut wird das

Nachtcafé jeweils von ehrenamtlichen Helfern aus den

Leipziger Kirchgemeinden und einem Hauptamtlichen der

Jahresbericht 2011 Spendenbericht 7

Leipziger Oase. Mit dem Wegfall zweier Arge-Stellen waren

die Nachtdienste mit Hauptamtlichen nicht mehr abzudecken.

Ohne diese dramatische Entwicklung vorhersagen zu können,

hatten wir in der Adventszeit einen Spendenaufruf für die

Leipziger Oase gestartet. Die Resonanz war enorm. Insgesamt

sind weit über 10 000 Euro für die Oase eingegangen.

Zusätzlich spendete eine Leipziger Firma 6656 Euro für die

Finanzierung von hauptamtlichem Personal zur Aufrechterhaltung

des Nachtcafés. Mit diesen zur Verfügung stehenden

personellen und finanziellen Mitteln war es möglich, das

Nachtcafé wie geplant bis Ende März fortzuführen und

Menschen ohne Unterkunft eine Übernachtungsmöglichkeit

zu bieten.

Am Heiligen Abend konnten die Mitarbeiter über 70 Gäste in

der Leipziger Oase begrüßen. Sie alle erhielten ein kostenloses

warmes Essen und ein kleines Geschenk. Auch diese

zusätzlichen Ausgaben konnten nur mit Spenden finanziert

werden.

An dieser Stelle seien ebenfalls eine Einzelspende von 1000

Euro für einen Computer sowie mehrere, auch größere

Spenden für die Anschaffung von Küchengeräten erwähnt.

Evangelische Lebensberatungsstelle – Weiterbildung für

Beraterinnen

Einem Aufruf an die Kirchgemeinden, für die Evangelische

Lebensberatungsstelle Kollekten zu sammeln, sind insgesamt

13 Kirchgemeinden gefolgt. Dabei wurden bisher über 4000

Euro gesammelt. In der Lebensberatungsstelle wird sehr

professionelle Arbeit geleistet. Die Nachfrage nach Beratung

und Hilfe in den unterschiedlichsten Lebenslagen ist entsprechend

hoch und übersteigt die Kapazität der Einrichtung bei

weitem. Die Belastung der Beraterinnen, die in ihrem Arbeitsalltag

häufig mit schwierigsten psychischen und sozialen

Problemen und menschlichem Leid konfrontiert werden, ist

enorm. Um sie entsprechend zuzurüsten und sie für ihre

Arbeit ausreichend zu qualifizieren, sind Weiterbildungen

nötig, die aber nur von diesen zusätzlichen Geldern finanziert

werden können.

Stadtmission – Ausbau der Räume und neue Fenster

Das Haus der Stadtmission wird in mehreren Bauphasen

umgebaut. Es ist geplant, dort ein integratives Begegnungszentrum

für verschiedene Menschen aus dem Stadtteil und

der Umgebung zu schaffen, für Familien mit Kindern, Alleinstehende,

Menschen mit und ohne Behinderungen, Senioren.

Betrieben werden soll dieses Zentrum von unserer Werkstatt

für Menschen mit Behinderungen – damit wollen wir die Vision


8 Jahresbericht 2011 Spendenbericht

umsetzen, Menschen mit Behinderungen am „normalen“

Leben und Arbeiten teilhaben zu lassen.

Der erste Bauabschnitt ist fertiggestellt. Es gibt jetzt einen

Aufzug, über den alle Räume endlich auch für Menschen mit

Behinderungen zugänglich sind. Der Ausbau des Hauses der

Stadtmission wird gefördert vom Europäischen Fonds für

regionale Entwicklung. Es müssen aber auch Eigenmittel

aufgebracht werden. Daher freuen wir uns über die dort

eingegangenen Spenden. Eine größere Einzelspende erbrachte

1000 Euro.

Eine weitere private Anlass-Spende in Höhe von über 2000

Euro ist ebenfalls für den Ausbau der Stadtmission bestimmt.

In nächster Zeit sollen die Fenster erneuert und eine neue

Tonanlage angeschafft werden.

Fahrräder für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen

Die Spende einer Leipziger Firma im April 2011 in Höhe von

2000 Euro für Kinder mit Behinderungen wurde für den Kauf

von vier Jugendfahrrädern verwendet. Die Wohnstätte Heinz

Wagner, Haus 1 bietet seit Frühjahr 2011 einmal wöchentlich

die Teilnahme an einer Fahrradgruppe an. Ziel dieser Gruppe

ist, neben dem Kraft- und Ausdauertraining, auch einen

Perspektivwechsel aus dem Heimalltag zu schaffen. Ein

weiteres Ziel ist die spätere Teilnahme am Radteam der

Diakonie Leipzig. Vier der Teilnehmer sind verhaltensauffällig,

zwei von ihnen erhalten eine intensivpädagogische Begleitung

im Form einer Einzelbetreuungsmaßnahme. Bei ihnen ist ganz

deutlich zu beobachten, wie sich angestaute Wut und Spannungszustände

in Bewegungsabläufe verwandeln und wie gut

ihnen die sportliche Betätigung tut.

Neue Fenster für das Pflegeheim Johann Hinrich Wichern

Dem Spendenaufruf in den Leipziger Diakonie Nachrichten im

Frühjahr 2011 für neue Fenster im Pflegeheim Johann Hinrich

Wichern sind Viele gefolgt, so dass wir nun mit der Erneuerung

der Fenster weiter voran kommen können. Insgesamt

wurden etwa 3500 Euro überwiesen. Diese baulichen Investitionen

sind notwendig, um unsere Gebäude in einem guten

Zustand zu halten und die Wohnqualität unserer Bewohner

auch nachhaltig zu sichern.

Heinz Wagner Haus 1 erneuert den Snoezelraum

Im Juli und August wurde aus Anlass des 100jährigen Jubiläums

einer Firma Geld für die Wohnstätte Heinz Wagner,

Haus I gesammelt. Dies erbrachte 2375 Euro. Mit den Spendengeldern

wird der Snoezelraum erneuert und ergänzt.

Einige Geräte sind schon sehr alt, andere fehlen ganz. Ein

Lichterhimmel soll über die gesamte Deckenfläche installiert

werden, die Musikanlage verbessert und eine Taststrecke

Kinder der Wohnstätte Heinz Wagner I freuen sich über die neuen gespendenten

Fahrrädern

angeschafft werden, um auch taktile Reize anzubieten. Zur

Erklärung: Ein Snoezelraum ist ein gemütlicher, warmer Raum,

in dem man bequem liegt oder sitzt und dabei leisen beruhigenden

Klängen und Melodien lauschen und Lichteffekte

betrachten kann. Hier kann man einfach mal die Seele

baumeln lassen. Besonders für Menschen mit herausforderndem

Verhalten hat dies einen positiven Einfluss und wird

sehr gern genutzt.

Auch in Zukunft werden wir bei unserer Arbeit auf Spenden

angewiesen sein. Die Gelder der öffentlichen Hand reichen an

vielen Stellen nicht aus. Mit Spenden können wir manche

Lücke schließen. Oder aber wir können unseren Bewohnern,

Betreuten, Klienten und Gästen ein gewisses „Mehr“ an

Aufmerksamkeit und Zuwendung, an Angeboten, Hilfen,

Abwechslung und Unterhaltung bieten, was für sie eine

deutlich bessere Lebensqualität zur Folge hat. Dies funktioniert

aber nur im Zusammenspiel verschiedener Kräfte und

durch das großartige Engagement vieler unserer haupt- und

ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihren

Dienst engagiert und mit Herz und Verstand an den verschiedenen

Stellen unseres Werkes tun.

Susanne Straßberger

Presse I Fundraising


Spende Zeit

Ehrenamtliche gut

beraten und begleiten

In vielen Bereichen unseres Werkes sind Ehrenamtliche

inzwischen nicht mehr wegzudenken. Voraussetzung für eine

gute Zusammenarbeit ist ein sorgfältiges Auswahlverfahren

sowie genaue Absprachen und Abgrenzung der Aufgaben

zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen. Interessenten für ein

Ehrenamt sind jederzeit willkommen. Viele wenden sich direkt

an die Einrichtungsleiter, sie können sich zukünftig auch im

Haus der Diakonie über die vielfältigen Einsatzfelder informieren

(Susann Hanske, 0341. 56 12 12 90).

Hier einige Beispiele:

< ältere und behinderte Menschen im Pflegeheim oder

zu Hause besuchen

< Unterstützung von älteren und behinderten Men-

schen bei der Alltagsbewältigung (Begleitung zu

Einkäufen, kulturellen Veranstaltungen und zu

Spaziergängen)

< Durchführung von Bibelstunden und Andachten im

Pflegeheim

< Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchfüh-

rung von Gruppenangeboten im Psychosozialen

Gemeindezentrum Blickwechsel, der Leipziger Oase

und im TeeKeller Quelle

< Telefonseelsorge

Auch die Arbeit in den Kindertagesstätten soll zukünftig

stärker durch Ehrenamt unterstützt werden. Hier gibt es

bereits gute Erfahrungen. So macht in einer Kindertagesstätte

eine Frau regelmäßig Handarbeiten mit den Kindern - mit

großem Erfolg.

Zugenommen hat in letzter Zeit der Anteil jüngerer Menschen,

die sich für ein Ehrenamt interessieren. Diese können oft nur

in den Abendstunden und an Wochenenden zur Verfügung

stehen. Der Bedarf nach ehrenamtlicher Hilfe konzentriert sich

jedoch stärker auf die Vormittags- und frühen Nachmittagszeiten.

Im vergangenen Berichtszeitraum wurde eine Koordinierungsgruppe

„Ehrenamt“ ins Leben gerufen. Mitarbeiter aus

verschiedenen Einrichtungen treffen sich zwei- bis dreimal im

Jahr zum Erfahrungsaustausch über die Arbeit mit Ehrenamtlichen.

Ziel ist eine stärkere Vernetzung der Einrichtungen, um

Jahresbericht 2011 Ehrenamt 9

besser Synergieeffekte nutzen zu können. So können Weiterbildungsangebote

für Ehrenamtliche einrichtungsübergreifend

angeboten werden. Denkbar wäre auch einmal im Jahr eine

gemeinsame Dankveranstaltung. In einer zentralen Anlaufstelle

soll der Bedarf der Einrichtungen erfasst werden, damit

Interessenten umfassend beraten und in ein geeignetes

Einsatzfeld vermittelt werden können.

Alle, die Ehrenamtliche in ihren Einrichtungen beschäftigen,

sind sich darüber einig, dass der Begleitung der Ehrenamtlichen

während ihrer Tätigkeit eine hohe Bedeutung zukommt.

Die meisten bieten Schulungen und Dankveranstaltungen für

Ehrenamtliche an, Unterschiede gibt es allerdings noch in der

Häufigkeit solcher Angebote. In Zukunft sollen einheitliche

Qualitätsstandards für das Auswahlverfahren und die Begleitung

der Ehrenamtlichen entwickelt werden.

In einer Einrichtung werden schnell und unkompliziert Anfragen

und Informationen über einen E-Mail-Verteiler an die

Ehrenamtlichen weiter gegeben. Diese Möglichkeit hat sich

bewährt, weil somit regelmäßiger Kontakt und Austausch mit

vielen Ehrenamtlichen besteht. Dies trug außerdem dazu bei,

dass sich einige stärker einbezogen und dazugehörig fühlten.

So wurden die Ehrenamtlichen bei der Erstellung eines neuen

Logos zum Thema „Spende Zeit“ einbezogen. Sie erhielten

über den Verteiler mehrere Entwürfe und konnten äußern,

welcher der Entwürfe sie am meisten angesprochen hat.

An dieser Stelle möchten wir uns einmal sehr herzlich bei allen

Ehrenamtlichen für ihr Engagement in unseren Einrichtungen

bedanken.

Susann Hanske I Besuchs- und Begleitdienst

www.spende-zeit.de


10 Jahresbericht 2011 Angebote für alte Menschen

Vielfältige Angebote

für das Leben im Alter

Beratungsstelle Altenhilfe –

Pflegestützpunkt der Diakonie Leipzig

Die Beratungsstelle Altenhilfe ist dem Standort Diakonie im

Zentrum angeschlossen und wird von Menschen unterschiedlichen

Alters aufgesucht. Unsere Mitarbeiterin der Beratungsstelle

informiert, berät und unterstützt Menschen in Bezug auf

individuelle erforderliche Unterstützungsmöglichkeiten im

Alter. Pflegende Angehörige schildern ihre oft schwierige

Situation und suchen nach geeigneten Unterstützungsmöglichkeiten.

Im Berichtszeitraum fanden zum Thema Heimeinzug 148

Beratungen statt – 49 Ratsuchende entschieden sich danach

für eines unserer Pflegeheime. In Anbetracht der derzeitigen

Wettbewerbssituation ist dies ein gutes Ergebnis. Vorwiegend

wünschen Interessenten Einzelzimmer, so dass die Vermittlung

von Doppelzimmerplätzen eine gewisse Herausforderung

darstellt.

Außerdem finden Beratungen zu Vollmachten, Pflegestufen,

Patientenverfügungen und Leistungen der gesetzlichen

Pflegeversicherung statt.

Die bei Dringlichkeit angebotenen Hausbesuche werden

dankend angenommen. Leider war in einem Fall das Einschalten

des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) notwendig

um die Gefährdung einer Seniorin zu unterbinden.

Die Vermittlung und Koordination ehrenamtlich interessierter

Menschen gewinnt auch für den Bereich der Altenhilfe

zunehmend an Bedeutung. Derzeit sind in unseren Pflegeheimen

29 ehrenamtliche Mitarbeiter aktiv. Sie treffen sich

zweimal jährlich zum Erfahrungsaustausch und nehmen an

verschiedenen Schulungen teil. Drei Ehrenamtliche unterstützten

uns beim Kirchentag in Dresden. Die Öffentlichkeitsarbeit

für unseren Fachbereich stellt ein weiteres Aufgabenfeld der

Beratungsstelle dar. Ein großes Ereignis war zweifelsohne der

Kirchentag in Dresden. In Zusammenarbeit mit den ehren-

und hauptamtlichen Mitarbeitern sowie unserem Bereich

Öffentlichkeitsarbeit konnten gute Ideen zusammen getragen

werden. Mittels einer Befragung stellten wir fest, wo und wie

sich die Menschen ihr eigenes Alter vorstellen. Die Ergebnisse

sind zwar nicht repräsentativ, zeigen aber interessante

Tendenzen.

Die große Zustimmung für Seniorengemeinschaften bzw.

Mehrgenerationshäuser zeigen, dass Menschen im Alter

Gemeinschaft wie auch eine möglichst hohe Selbstständigkeit

wünschen. Mittels eines Alterssimulationsanzuges ließen sich

die Besucher für das Thema Altern sensibilisieren. Auch die

Spielkonsole Wii fit, welche auch in unseren Pflegeheimen

genutzt wird, fand reichlich Zuspruch bei Jung und Alt.

Wenige Tage nach dem Kirchentag in Dresden wirkten wir als

Teilnehmer am 20jährigen Jubiläum des Leipziger Seniorenbeirates

am 16. Juni 2011 im Neuen Rathaus Leipzig mit. In

diesem Rahmen stellten wir die Angebote des Fachbereiches

vor und führten interessante Gespräche mit Kollegen aus der

Altenhilfe.

Auch dieses Mal waren wir auf der Pflegemesse Leipzig im

September 2011 vertreten. Wir haben dort u.a. die Diakonie

Leipzig als einen attraktiven Arbeitgeber für Pflegekräfte

beworben, um damit dem Fachkräftemangel entgegen zu

wirken.


Diakonie Sozialstation – Ambulanter Pflegedienst

Im letzten Jahresbericht der Altenhilfe informierten wir über

einen positiven Trend der Diakonie Sozialstation. Diese

Entwicklung setzte sich im Folgejahr fort.

Neben den 12 pflegebedürftigen Schwestern (Diakonissen)

und „zivilen“ Patientinnen in Borsdorf kamen auch noch

weitere 34 Patienten in Schkeuditz dazu, deren Betreuung

durch ihren ehemaligen Pflegedienst nicht gewährleistet

werden konnte. Auch das Einzugsgebiet in der Stadt Leipzig

verzeichnete kontinuierlich weitere Patientenzuwachse.

Im Vergleich zum März 2010 hat sich die Anzahl der zu

Versorgenden bis heute mehr als vervierfacht. Zur Zeit werden

von der Diakonie Sozialstation insgesamt mehr als 140

Patienten versorgt.

Nun galt es, die Personaldecke zu stabilisieren und fachlich

gut ausgebildetes Personal zu werben. Es gelang uns motivierte

Mitarbeiter einzustellen. Dennoch mussten wir sehr oft

auf die Angebote der Arbeitszeitfirmen zurückgreifen. Die

Gewinnung qualifizierter Fachkräfte wird auch zukünftig eine

anhaltende Herausforderung für die ambulante Pflege sein.

Des weiteren ist zu erwähnen, dass mittlerweile eine eigene

Verwaltungsmitarbeiterin für die Sozialstation eingestellt

werden konnte. Sie hat ihren Arbeitsplatz direkt in den

Räumlichkeiten der Sozialstation.

Im Zuge des Patienten– und Personalzuwachses war auch

der Ausbau unseres Fuhrparkes um weitere vier Dienstfahrzeuge

erforderlich. Der gestiegene Aufwand an ambulanten

Pflege- und Betreuungsleistungen erforderte eine gut organisierte

Planung der Einsatz- und Tourenpläne.

Unsere Pflege- und Betreuungskräfte versorgen Menschen im

Bereich der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege sowie

der Intensiv- und Palliativpflege. Die Angebote der hauswirtschaftlichen

Unterstützung und der niederschwelligen

Betreuungsleistungen ließen im vergangenen Jahr eine

stärkere Zusammenarbeit mit den „Kleinen Familienhilfen“ der

Evangelischen Jugendhilfe unseres Werkes entstehen.

Zusammenfassend ist eine sehr positive Entwicklung der

Diakonie Sozialstation durch die Nutzung der Vielfältigkeit

unseres Werkes sowie durch die Flexibilität unserer Mitarbeiter

zu erkennen.

Tagespflegen – eine Möglichkeit für Pflegebedürftige, die

gern noch zu Hause leben möchten

Unsere drei Tagespflegen Albert Schweitzer, Matthäistift und

Paul Gerhardt sind teilstationäre Einrichtungen, die pflegebedürftigen

Menschen die Möglichkeit bieten, Angebote und

Leistungen von Montag bis Freitag tagsüber in Anspruch zu

nehmen und dennoch weiterhin zu Hause wohnen zu bleiben.

Oft wird die Tagespflege zur Entlastung pflegender Angehöri-

Jahresbericht 2011 Angebote für alte Menschen 11

ger genutzt. Die gesetzliche Grundlage des SGB XI bietet den

Betroffenen die Möglichkeit, Leistungen der ambulanten

Pflege mit denen der Tagespflege zu kombinieren.

Alle drei Tagespflegen sind als separater Bereich in das

jeweilige Pflegeheim integriert. Trotzdem zeigen sie sehr

unterschiedliche Auslastungen.

Die Tagespflege im Pflegeheim Paul Gerhardt in Bad Lausick

hält insgesamt 12 Tagespflegeplätze vor und ist mit einer

durchschnittlich hundertprozentigen Auslastung belegt. Die

Tagespflege Paul Gerhardt hat in den vergangenen Jahren

sehr an Popularität gewonnen. Die eher ländlich gelegene

Einrichtung hat den Vorteil, dass sie im Umkreis von ca. 13

km die einzige Tagespflege vor Ort ist.

Im Gegensatz dazu weisen die Tagespflegen Albert Schweitzer

und Matthäistift in Leipzig eher weniger zufriedenstellende

Auslastungszahlen auf. Die Tagespflege Matthäistift hat in

den vergangenen Monaten an Bedeutung gewonnen. Sie

konnte eine Belegung von mehr als 50% für 2010 und Anfang

2011 verzeichnen.


12 Jahresbericht 2011 Angebote für alte Menschen

Trotz intensiver Bemühungen ist es uns nicht möglich, die

Belegung der Tagespflege Albert Schweitzer zu erhöhen. Die

durchschnittliche Auslastung liegt hier bei 27,5%.

Die relativ geringe Auslastung der Tagespflegen in Leipzig

liegt darin begründet, dass die Konkurrenz in Leipzig höher ist

als in den ländlichen Gebieten. Die Tagesgäste verweilen oft

nur kurze Zeit in der Tagesbetreuung und gehen zeitnah in

die vollstationäre Pflege über.

Die Auslastung der Platzkapazität unserer Tagespflegen unterliegt

aufgrund unterschiedlicher Faktoren starken Schwankungen:

Wetter, Urlaubszeiten von Angehörigen, Fernbleiben

bei Krankheit und Wiederkehr nach Genesung, flexible

Handhabung der Teilnahmetage (um Angehörige so weit wie

möglich zu entlasten), das Lebensende.

Für eine bessere Auslastung und um die Vorteile und das

Interesse der Bevölkerung für die Tagespflege zu wecken,

werden wir zukünftig verstärkt Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit

umsetzen.

Pflegeheime – Ergebnisse der vollstationären Einrichtungen

Belegungen unserer Pflegeheime

Die Belegung unserer Einrichtungen ist mit den Ergebnissen

im Vorjahr identisch. Die Auslastung unserer Pflegeheime liegt

in der Zeit von Juli 2010 bis Juni 2011 im Durchschnitt bei

95,5%. Auf Grundlage der vorliegenden Zahlen kann keine

jahreszeitliche Tendenz bezogen auf eine bessere Auslastung

beobachtet werden. Die Belegungen schwanken zwischen

91,5% und 99,9%. Rund 76% unserer Bewohner sind Frauen.

Im Berichtszeitraum sind insgesamt 211 pflegebedürftige

Menschen in unsere Pflegeheime in Leipzig (ausschließlich

Paul Gerhardt) eingezogen. Etwa 80% der eingezogenen

Personen stammen direkt aus unserer Stadt. Knapp 20%

stammen nicht aus Sachsen.

Das Pflegeheim Paul Gerhardt in Bad Lausick hatte im

genannten Zeitraum insgesamt 35 Einzüge zu verzeichnen.

Der Großteil stammt aus Bad Lausick und den naheliegenden

Ortschaften, wie Neukieritzsch, Colditz, Groitzsch, Geithain,

Elstertrebnitz oder Grimma.

Qualitätsprüfungen

Erstmals 2010 wurden die relevanten Ergebnisse der Qualitätsprüfungen

nach dem Schulnotensystem (sehr gut 1,0 und

mangelhaft 5,0) zusammengefasst und in Transparenzberichten

veröffentlicht. Im Zeitraum September 2010 – März 2011

fanden in unseren Häusern (einschließlich Kurzzeitpflege Paul

Gerhardt) die letzten Prüfungen durch den Medizinischen

Dienst der Krankenversicherung statt.

Geprüft wurden:

< Pflegeheim Albert Schweitzer mit der Gesamtnote 1,3

< Pflegeheim Marthahaus mit der Gesamtnote 1,3

< Pflegeheim Marienheim mit der Gesamtnote 1,7

< Pflegeheim Paul Gerhardt mit der Gesamtnote 1,9

< Kurzzeitpflege im Pflegeheim Paul Gerhardt mit der

Gesamtnote 1,2.

Nach anfänglicher Aufregung in Bezug auf die im vergangenen

Jahr benoteten Qualitätsprüfungen, kehrt nun wieder

etwas Ruhe in die Arbeit unserer Pflegeheime ein.

Pflegesatzverhandlungen

In den vergangenen Monaten konnten wir uns intensiver auf

die dringend erforderlichen Pflegesatzverhandlungen konzentrieren.

Im April und Mai 2011 fanden nach durchschnittlich

vier Jahren Unterbrechung wieder die ersten Pflegesatzverhandlungen

in den Häusern Marienheim, Marthahaus und

Albert Schweitzer statt. Dabei konnten wir uns mit den

Leistungsträgern auf eine Steigerung von rund 7 Prozent

einigen. Die übrigen vollstationären Einrichtungen sollen bis

zum Ende 2011 verhandelt werden.

Personalsituation

Die Personalsituation hat sich in dem letzten Jahr weiter

zugespitzt. Jede Stelle, die es neu zu besetzen gilt, ist eine

große Herausforderung. Nicht nur das Gewinnen von Fachkräften

gestaltet sich immer schwieriger, auch Nichtfachkräfte

sind immer schwerer zu bekommen. Dazu kommt noch, dass

wir natürlich bevorzugt Mitarbeiter mit Kirchenzugehörigkeit

einstellen möchten. Leider hält sich die Auswahl sehr in

Grenzen. Eine Verbesserung der Situation ist auch in den

nächsten Jahren nicht zu erkennen. Von daher sind wir sehr

daran interessiert, unsere Auszubildenden nach Abschluss

ihrer Ausbildung in unseren Einrichtungen zu halten.

Auszubildende

Zum Ausbildungsjahr 2011/ 2012 konnten wir sechs neue

Auszubildende begrüßen. In Zusammenarbeit mit der Johanniter-Akademie

in Leipzig sowie den Euro-Schulen Leipzig

sind wir bestrebt, unseren Auszubildenden Freude und

Fachwissen im Bereich der Altenpflege zu vermitteln.

Wir sind sehr froh, dass sich doch viele junge Menschen für

diesen Beruf entscheiden, um auch zukünftig die Versorgung

und Betreuung unserer älteren Menschen zu sichern.

Maria Dösinger-von Wolffersdorff

Fachbereichsleitung Altenhilfe


Tagespflege

Betreuung für Menschen mit

Demenz, Entlastung für pflegende

Angehörige

Zweimal in der Woche bringt Herr Weller seine Frau morgens

um 8.00 Uhr in die Tagespflege der Diakonie ins Albert-

Schweitzer-Haus und holt sie um 16.30 Uhr wieder ab. Seine

Frau Margit ist vor drei Jahren an Demenz erkrankt. Damals

war sie 68 Jahre alt. Inzwischen ist die Krankheit so weit

fortgeschritten, dass sie nicht mehr allein zu Hause gelassen

werden kann.

„Den eigentlichen Beginn der Krankheit meiner Frau habe ich

erst gar nicht bemerkt. Sie hat mal etwas vergessen oder verlegt,

manchmal wusste sie nicht mehr, was wir besprochen

haben. Später hat sie die Tage falsch eingeordnet. Die Kinder

haben mich dann darauf aufmerksam gemacht, dass hier

etwas nicht stimmt.“ Um die Sache abzuklären, gingen sie

zum Neurologen. Nach verschiedenen Tests stand es fest:

Altersdemenz. Dabei war sie erst 68 Jahre alt und körperlich

fit.

Das Ehepaar Weller lebt im Borsdorf, beide sind Rentner. Die

drei erwachsenen Kinder wohnen im Umkreis und führen ihr

eigenes Leben. Herr Weller kümmert sich um seine Frau, Tag

und Nacht. Die Krankheit kann mit Medikamenten etwas

aufgehalten werden, eine Heilung gibt es nicht. Immer mehr

zerfällt das Gedächtnis. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist

betroffen. Das macht das Zusammenleben und den Alltag zu

einer echten Herausforderung. Da hilft Herr Wellers pragmatische

und optimistische Art: „Wir können es nicht ändern. Wir

müssen damit leben. Natürlich ist das nicht einfach. Ich muss

auf alles aufpassen. Sie räumt Sachen irgendwo hin, die ich

dann nicht wieder finde. Inzwischen habe ich alle Schränke

abgeschlossen und die Schlüssel versteckt. Außerdem

schalte ich nach Möglichkeit den Strom ab, damit sich meine

Frau sich nicht verletzt. Ich muss jetzt den kompletten

Haushalt selber machen und nebenbei auf Margit aufpassen.

Eigentlich kann ich sie gar nicht allein lassen.“

Menschen mit Demenz müssen rund um die Uhr betreut

werden. Oftmals übernehmen das die Ehepartner. Viele fühlen

sich damit überfordert. Herr Weller besucht ein Seminar für

pflegende Angehörige. Hier wird darüber gesprochen, wie sie

mit der Situation fertig werden, hier tauschen sie ihre Erfahrungen

aus und geben sich Tipps, auch über den Umgang mit

Jahresbericht 2011 Tagespflege im Albert Schweitzer Haus 13

Eine Mitarbeiterin der Tagespflege im Gespräch mit einem Besucher.

Behörden, über gesetzliche Regelungen und auch über die

Möglichkeit, Tagespflege in Anspruch zu nehmen. Es ist

wichtig, dass die Angehörigen für sich selbst sorgen können,

sich selbst etwas Zeit verschaffen können, damit sie nicht leer

brennen. Denn die Pflege geht an die Substanz.

Inzwischen geht Frau Weller zweimal in der Woche in die

Tagespflege der Diakonie im Albert-Schweizer-Haus. Hier

werden die Gäste gut versorgt und beschäftigt. Töpfern und

basteln, Bewegung, backen, Spiele, Gedächtnistraining und

Blumenpflege gehören zum Programm. Frau Weller geht gern

hier hin. Es ist für sie eine Abwechslung im wöchentlichen

Ablauf. Und Herr Weller kann diese Zeit für sich nutzen. „An

diesen beiden Tagen kann ich etwas für mich selbst tun. Ich

weiß, meine Frau ist gut versorgt, und ich muss mir keine

Sorgen machen. Meistens gehe ich zu Fitness und Sauna in

die Sachsentherme. Nachmittags erledige ich dann Wege

oder Dinge im Haushalt.“ Herr Weller ist nicht in der Kirche,

trotzdem hat er sich für eine christliche Einrichtung entschieden.

„Hier sind die Schwestern bei der Sache und der

Umgang mit den Angehörigen ist sehr gut.“ Was für ihn auch

ein Grund für das Albert-Schweitzer-Haus war: Hier wird auch

Verhinderungspflege angeboten. „Wenn mir mal etwas

passiert, kann meine Frau auch über längere Zeit hier betreut

werden. Das Gebäude und die Pfleger sind ihr vertraut. Für

mich ist das schon ein beruhigendes Gefühl.“

Susanne Straßberger I Presse und Fundraising


14 Jahresbericht 2011 Behindertenhilfe

Du bist es wert!

Umfassende Assistenz

für Menschen mit Behinderungen

Und wer einem ganz unbedeutenden Menschen auch nur einen

Schluck kaltes Wasser zu trinken gibt - einfach weil er nur mein

Jünger ist - , ich versichere euch, wer das tut, wird ganz gewiss

nicht leer ausgehen. Matthäus 10,42

Du bist es wert! Das möchte ich allen zurufen, die mit uns in

der Diakonie Leipzig in Kontakt kommen. Du bist es wert! Ob

Du mit Deinen Problemen und Sorgen zu uns kommst, ob Du

Hilfe, Assistenz und Unterstützung benötigst, ob Du bei uns

arbeitest, ob Du unser Kunde bist, Du bist es einfach wert!

Wertschätzung, die leider im Alltag des diakonischen Handelns

oft zu kurz kommt. Wertschätzung , welche auch an

Feier- und Festtagen ausgesucht verteilt wird. Leider wird

immer auch jemand vergessen. Daher hier meine Bitte, dass

alle, welche im vergangenen Jahr übergangen und vergessen

wurden, hier einen Platz der Wertschätzung erhalten. Stellvertretend

sollen hier erwähnt werden:

Ich bedanke mich bei den Kolleginnen und Kollegen in den

Einrichtungsleitungen unserer Wohnstätten und allen dort

tätigen Kolleginnen und Kollegen, welche alle in angespannter

wirtschaftlicher Lage mit viel Engagement, Empathie und

einem großen Ideenreichtum und Kreativität ihren Dienst tun.

In der Begleitung und Assistenz, der Hilfestellung und Pflege

sowie bei der Unterstützung des Alltages bzw. der weiteren

Persönlichkeitsentwicklung der Bewohnerinnen und Bewohner

ist viel Kreativität und das Reagieren auf immer wieder

neue Herausforderungen gefragt, welche in der gesamten

Breite der Anforderungen sowohl die Gestaltung und Absicherung

des Dienstplanes als auch die Begleitung einer Freizeitgestaltung

umfasst. Ich danke allen, die mit wertvollen Ideen

und kritischen Beiträgen in den Mitarbeiterversammlungen,

den großen und kleinen Dienstberatungen und im Betreuungs-

bzw. Lebensalltag in der Begleitung von Menschen mit

Behinderungen tätig sind. Sie verstehen es, die wirtschaftliche

Krise zu nutzen und mit neuen Ideen die Assistenz zu ermöglichen,

welche sonst wohl kaum umzusetzen wäre. Wir beklagen

sicher auch die Verluste an Möglichkeiten durch die

eingeschränkte Finanzierung, aber Sie gestalten ihren Spielraum

immer wieder kreativ und neu. Das ist ein wertvoller, diakonischer

Beitrag, für den ich mich hier bei Ihnen bedanke.

Besucher und MitarbeiterInnen des Lindentreff - Hilfen für Menschen mit Behinderungen

Ich möchte stellvertretend allen Kolleginnen und Kollegen

danken, welche sich im Wohnen in den Außenwohngruppen

und im Ambulant Betreuten Wohnen, ich möchte fast

sagen, still und heimlich, ja zumeist völlig unauffällig und

mitten in unserer Gesellschaft in ganz normalen Wohnungen

unter engen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen überzeugend

und mit viel Empathie und in wachsender Zahl engagieren.

Dort werden ja selten große Einweihungen gefeiert. Mal

ein Glas Sekt, wenn es gut geht eine kleine Zeitungsnotiz. Es

ist mir eine große Freude zu sehen, dass mittlerweile 80

Menschen von uns in diesen Wohnformen begleitet werden.

Die MitarbeiterInnen der Förderschule „Werner Vogel“ und

der Lindenwerkstätten üben ebenfalls den Spagat zwischen

dem bewährten heilpädagogische fundierten Angeboten und

den neuen Wegen des inklusiven Lernen, Arbeiten und

Teilhabe an der Gemeinschaft. Da gilt es viel auszuprobieren

und Chancen zu nutzen. Dazu lesen Sie ja hier weiter. Auch

dafür vielen Dank.

Unsere engagierten KollegInnen in der Beratungsstelle und

die dort angebotenen Beratungsleistungen werden von immer

mehr Menschen mit Behinderungen nachgefragt. Die Kolleginnen

und Kollegen leiden derweil unter den Kürzungen der

kommunalen - und der Landeshaushalte. Hier muss mit den

politisch Verantwortlichen deutlich mehr gesprochen und von


Ihnen mehr Unterstützung eingefordert werden.

Wer „ambulant vor stationär“ gebetsmühlenartig fordert, der

sollte auch die dazu entsprechende finanzielle Ausstattungen

schaffen und nicht nur in Sonntagsreden das Wort „Inklusion“

als (Wahl -)Werbebanner vor sich hertragen. Wie kann es denn

sein, dass der Wirtschaftminister dieses Freistaates im Juli

des Jahres vor der versammelten Landespresse darüber

barmt, dass 250 Mio. € aus der regionalen Wirtschaftsförderung

noch nicht abgerufen wurden, während in den Sozialbereichen

die Kostenträgern von uns als Anbieter das Unterschreiten

tariflicher Bindungen verlangen. Es kann doch nicht

sein, das einem Menschen mit Behinderung auf dem amtlichen

Papier des Kommunalen Sozialverbandes in einem

Bescheid zum persönlichen Budget empfohlen wird, dass

eine Dienstleistung Einkaufshilfe auch von einer Nichtfachkraft,

möglicherweise einem engagierten Nachbarn, für 4,- €

brutto pro Stunde erbracht werden könnte. Das liegt weit

entfernt von jeglichem Mindestlohn und ist sittenwidrig, wenn

nicht gar strafbar.

„Ambulant vor stationär“ ist in Verbindung mit der UN – Konvention

für die Rechte von Menschen mit Behinderungen und

dem Ziel der Inklusion, also der Hereinnahme von Menschen

mit Behinderungen in die Mitte unserer Gesellschaft an allen

Orten des Lernens, des Arbeitens, des Wohnens und des

Lebens, vor allem eine inhaltliche Aufgabe und kein Wahlslogan!

Es ist vor allem nicht zur Sanierung von Haushalten

geeignet, denn diese gesellschaftliche und sozialpolitische

und im Grundgesetz verankerte Aufgabe wird uns etwas wert

sein müssen. Sonst verkommt sie wirklich nur zum Wahlslogan

in Sonntagsreden.

Dazu zwei Anmerkungen:

Obwohl die Citibank im Jahr 2009 3,2 Milliarden Doller Verlust

„erwirtschaftete“, zahlte sie ihren Spitzenmanagern 11,7

Millionen Doller als Bonus – Geld, das diese definitiv nicht

verdient hatten.

Der Freistaat Sachsen übernimmt im 3. Quartal 2011 Bürgschaften

für den Zusammenbruch der Sächsischen Landesbank

und den sogenannten Verkauf an die Landesbank

Baden – Württemberg (LBBW) in der Höhe von 33 Millionen

Euro. Nur um einmal die Höhe dieses scheinbaren Peanuts-

Betrages zu ermessen: Von dem Geld könnte die Stadt

Leipzig zehn neue Schulen bauen - denn mit Fördergeldern

könnte die Summe auf über 50 Millionen aufgestockt werden.

Oder andersherum: Der Freistaat Sachsen könnte mit dem

Geld den Neubau von 15 Schulen fördern. Bisher wurden

Jahresbericht 2011 Behindertenhilfe 15

aufgrund der durch den Freistaat Sachsen übernommenen

Höchstbetragsgarantie zugunsten der Landesbank Sachsen

AG Garantiezahlungen in Höhe von insgesamt 239.752.942,84

Euro geleistet. Zum besseren Lesen: 240 Millionen Euro.

(Angaben der Netzeitung Leipzig entnommen)

Nicht verdienen – dienen macht reich!

Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich,

welche sich an ihrem Platz dafür einsetzen, dass in allen

Bereichen Menschen mit Behinderungen in unseren ganz

normalen Alltag im Wohnen, Arbeiten, Lernen und Leben mit

hineingenommen werden und ihnen dort die gemeinsam

verabredete Assistenz, Hilfe und Betreuung zu Gute kommt.

Josef Brandt I Fachbereichsleiter Behindertenhilfe


16 Jahresbericht 2011 Talente ohne Barrieren - Förderschule Werner Vogel

Talente ohne Barrieren

Förderschule Werner Vogel

Das Singspiel „Diese Erde ist dein Garten“ von Dieter Stork

und Matthias Nagel wurde am 11. März 2011 gemeinsam von

allen 81 Schülerinnen und Schülern der Förderschule Werner

Vogel, dem Chor des Wilhelm-Ostwald-Gymnasiums, einem

Kunstkurs des Immanuel-Kant-Gymnasiums und Musikern

des Gewandhauses zu Leipzig und der Musikalischen Komödie

aufgeführt. Thema dieses einzigartigen Singspiels sind die

Schönheit und Vielfalt der Schöpfung, das faszinierende

Geheimnis des Zusammenlebens von Pflanzen, Tieren und

Menschen, aber auch die Gefährdung und Verwundbarkeit

unserer Erde.

Die Aufführung wurde mit Spannung und Aufregung erwartet

und schließlich ein großer Erfolg. Vom ersten Ton an sprang

der Funke auf das Publikum über, es wurde sofort von der

Begeisterung der Aufführenden angesteckt. Manche Lieder

regten zum Nachdenken, viele auch zum Mitsingen und

Mittanzen an. Honoriert wurde die beeindruckende Vorstellung

mit einem lang anhaltenden Applaus, stehenden Ovati-

onen, mit Tränen der Freude und der Rührung. Die Botschaft

des Singspiels, die dem Alten Testament entnommen ist,

wurde erleb- und erspürbare Realität. Die Kinder und Jugendlichen

haben sich gemeinsam bewegt - und gemeinsam

etwas bewegen können - ob nun auf den Kirchenbänken oder

in den Köpfen. Bewegt war das Publikum nicht nur von den

musikalischen, schauspielerischen und handwerklichen

Fähigkeiten der Kinder, sondern auch vom herzlichen und

künstlerischen Miteinander.

Fast genau ein halbes Jahr zuvor, am 17. September, hatten

die Proben für dieses Singspiel mit einer feierlichen Eröffnung

des Integrativprojektes begonnen. Von diesem Tage an

probten und bastelten, bauten und sangen die Schülerinnen

und Schüler zusammen in vielen gemeinsam verlebten

Stunden. Im März standen dann fast alle Mitwirkenden zum

ersten Mal zusammen auf der „Bühne“ - im noch kalten

Altarraum der Kirche. Die Reihe von Jungen und Mädchen

reichte von einem Ende des Raumes zum anderen. Die

Leiterin des Projekts, Anne Chachaj-Steinborn, konnte sich zu

diesem Zeitpunkt schon sehr daran erfreuen, wie selbstverständlich

und sicher die Kinder und Jugendlichen aus den

drei Schulen miteinander umgingen. Auf der Chortreppe

standen Gymnasiasten mit gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen

mit geistiger Behinderung und sangen „Wir wollen

aufsteh’n, aufeinander zugeh’n“. Auch ein Rollstuhl stellte

keinen Hinderungsgrund für den Auftritt dar: Der junge Mann

wurde mit vereinten Kräften einfach auf die Bühne gehoben.

Die beteiligten Schüler fanden das Projekt toll weil – so eine


Schülerin vom Ostwald-Gymnasium „ man sieht, wie Kinder

zusammen halten, wenn sie etwas gemeinsam erreichen

wollen“.

Spätestens zur Generalprobe waren dann wirklich alle Teilnehmenden

Feuer und Flamme für ihren Auftritt. Und dabei war

es wirklich unwichtig, ob jung oder alt, Laie oder Professioneller,

mit oder ohne Behinderung - niemand wollte etwas

dem Zufall überlassen und alle waren auf den Punkt konzentriert

und mit dem Herzen dabei. Die Generalprobe und später

auch die Aufführung wurde ein voller Erfolg! Die geladenen

Gäste, zum größten Teil aus Kindergärten und Schulen, waren

so begeistert, dass manche auf die Kirchenbänke kletterten,

um besser sehen und lauter applaudieren zu können.

Diese Erde ist dein Garten“, eine Jede, ein Jeder hat seinen

Teil in diesem Garten zu bestellen, dann wird daraus ein:

Diese Erde ist unser Garten!“. Diese Aufführung soll als

Saatkorn verstanden werden, als ehrlicher Appell der Kinder

für gelebte Integration, weit über Projekte und einzelne Tage

hinaus.

Jana Simon | Förderschule Werner Vogel

www.foerderschule.diakonie-leipzig.de

Jahresbericht 2011 Talente ohne Barrieren - Förderschule Werner Vogel 17


18 Jahresbericht 2011 Projekt „Wegweiser“

Projekt „Wegweiser“

bringt junge Menschen auf

den allgemeinen Arbeitsmarkt

Robert G.*, Schüler der Werkstufe im letzten Schuljahr, steht

jeden Montag und Dienstag um 3:30 Uhr auf, um nach einem

Arbeitsweg von knapp einer Stunde um 5:30 Uhr in der

Großküche seinen Dienst zu beginnen. Er möchte nach der

Berufsvorbereitung über einen Reha-Träger gern Koch

werden, später ein eigenes Restaurant eröffnen. „Ein vegetarisches

zunächst. Später, wenn es gut läuft, vielleicht noch ein

veganes.“ Robert hat Träume - eine gute Arbeitsgrundlage für

die zwei Sozialpädagoginnen Frau Laue und Frau Simon, die

das Projekt „Wegweiser“ betreuen. Finanziert wird es aus der

Haus- und Straßensammlung, ist zunächst befristet bis 2013.

„Der Erfolg der Vermittlungen garantiert uns hoffentlich ein

Weitermachen“, so Frau Simon, die an der Förderschule

arbeitet.

Die Vielfalt der Übergänge von der Förderschule auf den

Arbeitsmarkt liegen ihr am Herzen, sie möchte für jeden das

passende Angebot stricken. Die Werkstatt für Menschen mit

Behinderungen wird weiterhin für einen Großteil der Schulabgänger

ein guter und passender Weg sein. Für diejenigen, die

als „konkurrenzfähig“ gelten, sollen die Praktika während der

Schulzeit einen aussagekräftigen Einblick in die Arbeitswelt

bieten können. Sie sind auf einen längeren Zeitraum angelegt

- bei Robert und drei weiteren Schülern in ihrem letzten

Schuljahr in der Werkstufe wurden vier bis fünf Monate

daraus, jeweils an zwei Tagen in der Woche. Robert hat einen

Einblick in die teilweise schweißtreibende Arbeit eines Kochs

bekommen, hat gelernt, im Team zu arbeiten und dass es

wichtig ist, verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen.

Die Anerkennung seiner Kollegen auf Zeit gab ihm einen

großen Schub Selbstbewusstsein.

Auch die Praktikumsbetriebe lernten dazu: Viele Mitarbeiter

konnten Vorurteile abbauen. In vielen Köpfen spuken immer

noch Kinder und Jugendliche, die nicht lernfähig sind, die

ständige Begleitung und Betreuung brauchen. Die Mitarbeiter

der Betriebe konnten sehen, dass die Jugendlichen hochmotiviert

zur Arbeit kamen, etwas Neues dazu lernen und ja,

vielleicht auch Abwechslung vom Schul- bzw. Arbeitsalltag

erleben wollten. Teilweise konnte diese Motivation auch über

Förderschule Werner Vogel in Leipzig

einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden.

Seit September 2010 existiert auch in den Werkstätten für

Menschen mit Behinderung in ganz Deutschland ein verändertes

Fachkonzept. Dieses fordert eine verstärkte Beteiligung

an Betriebspraktika auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt

während des Berufsbildungsbereiches (BBB). Auch in unseren

drei Lindenwerkstätten werden über das Projekt „Wegweiser“

Beschäftigte betreut, die das Potenzial haben, Aufgaben und

Anforderungen in ungeschützten Arbeitsbereichen zu übernehmen.

Die Projektmitarbeiter erarbeiten zusammen mit den

Beschäftigten ein Fähigkeitsprofil, in dem die Interessen und

Neigungen der Beschäftigten festgehalten werden. Dies dient

als Grundlage für die Suche nach einem geeigneten Betrieb.

Darüber hinaus wird ein Pool an potenziellen und interessierten

Praktikumseinrichtungen erstellt. Hier konnten teilweise

recht gute Erfahrungen bei der Kontaktaufnahme gemacht

werden.

Die engere Zusammenarbeit mit anderen Schulen, Werkstätten,

Fachdiensten und Einrichtungen wird auch im nächsten

Jahr weiter wichtig sein, um den Schülern und Beschäftigten

auch dann wieder ein „Wegweiser“ sein zu können.

Jana Simon | Förderschule Werner Vogel

*Namen geändert


Hier wohnen wir jetzt

Haus am Viadukt in Borsdorf

Im Frühling dieses Jahres wurde der sogenannte 2. Ersatzneubau,

das Haus am Viadukt fertig gestellt. Haus am Viadukt

– der Name bezieht sich auf die Straßenbrücke, die die

Eisenbahnlinie Leipzig-Dresden überbrückt und somit eine

Verbindung zwischen zwei Seiten eines geteilten Ortes

schafft. Ganz in der Nähe dieses Viaduktes befindet sich

unser neues Haus.

Die Bauarbeiten zogen sich über ein Jahr hin. Im Juli 2010

wurde das Richtfest gefeiert, die äußere Hülle war fertig,

einige Besonderheiten bereits zu erkennen. Nur eine Ebene

sollte dieses Haus bekommen, ebenerdig, stufenlos zu

begehen bzw. mit dem Rollstuhl zu befahren sein, Treppen

und Aufzüge sind nicht nötig.

Mit dem deutlich erkennbaren Voranschreiten der Bauarbeiten

wuchs natürlich auch die Spannung, entbrannten Fragen und

Diskussionen. „Wer zieht in das neue Haus, wer zieht mit wem

zusammen, was macht mein Freund, wo bleibt meine Freundin?“

Die Entscheidung, dass es ein Haus nur für Werkstattgänger

sein sollte, engte den Kreis der möglichen Bewohner

schon erheblich ein. Nach längerem Abwägen und Überlegen

stand zum Ende des Winters fest, wer in das neue Haus

einzieht.

Die ersten Blicke in dieses neue Haus waren überraschend.

Uns begegneten Farben und Raumaufteilungen, die ungewöhnlich

sind und bei Bewohnern zunächst oft Erstaunen

auslösen. Große offene Küchen gehen übergangslos in die

Gemeinschaftsräume über. Durch großflächige, bis zum

Boden reichende Fenster und Glastüren dringt sehr viel

Tageslicht in die Bewohnerzimmer und die Gemeinschaftsräume.

Das Flachdach ist etwa 50 cm über den Gemeinschaftsräumen

aufgestellt, dadurch konnte ein Lichtband entstehen,

welches dazu beiträgt, die Räume mit viel Tageslicht zu

versorgen. Die offen liegenden Deckenbalken tragen dazu bei,

eine warme, wohnliche Atmosphäre zu schaffen.

Ende April zogen elf Frauen und fünf Männer im Alter von 20

bis 59 Jahren in das neue Haus ein. Geradezu sommerliche

Frühlingstage machten es bald möglich, die Terrassen zu

nutzen und die Gartenmöbel einzuweihen. Mittlerweile hat

Jahresbericht 2011 Haus am Viadukt, Borsdorf 19

sich in der Freiflächengestaltung um das neue Haus viel

getan. Dafür sei dem Gärtner der Einrichtung sehr herzlich

gedankt. Japanische Zierkirschen und Winterlinden wurden

gepflanzt, ebenso Beetrosen und Lavendel. Die feuchten Tage

der Sommerwochen haben den neu gesäten Rasen schnell

wachsen lassen. Es ist ein Umfeld entstanden, das dazu

einlädt, vor das Haus zu gehen und die Natur zu genießen.

Die meisten der in das neue Haus gezogenen Bewohner

kennen sich schon viele Jahre. Einige kamen neu hinzu und

mussten die anderen Bewohner zunächst kennenlernen.

Mittlerweile hat wohl jeder seinen Platz gefunden und sich

eingelebt. Die Bewohner haben ihr neues Zuhause in Besitz

genommen, sich darin auf unterschiedliche Weise eingerichtet

und eingelebt. Es gibt genügend Raum zum Zusammensein,

zum Sitzen und Reden, oder für gemeinsame Aktivitäten. Aber

es gibt für jeden ebenso die Möglichkeit, sich in sein individuelles

„Reich“ zurückzuziehen. Diese Balance ist wichtig, um

auch weiterhin in einer entspannten Atmosphäre leben zu

können. Insgesamt können wir auf ein gelungenes erstes

Vierteljahr im neuen Haus am Viadukt zurückblicken. Darüber

sind die Bewohner und die Wohnstätte sehr froh und dankbar.

Andreas Fünfstück I Wohngruppenleiter im Haus am Viadukt


20 Jahresbericht 2011 Lindenwerkstätten

Lindenwerkstätten

Arbeit für Menschen mit

Behinderungen

In den drei Lindenwerkstätten waren im Berichtszeitraum ca.

400 Menschen mit Behinderungen tätig. Somit hat sich die

Belegung zum Vorjahr nicht maßgeblich verändert. Die

Auftragslage konnte in allen drei Häusern trotz gelegentlicher

Auftragsausfälle stabil gehalten werden.

Das Arbeitsfeld Godly Play der Werkstatt II in Panitzsch hat

sich mittlerweile zu einem eigenständigen Arbeitsbereich

entwickelt. Hier konnte in diesem Jahr eine weitere Serie der

religionspädagogischen Lehr- und Lernmittel realisiert werden.

In der Werkstatt III in Schkeuditz entwickelte sich die

Teilnahme am Leipziger Wochenmarkt mit Produkten der

Gärtnerei zu einem großen Erfolg. Auch ein verkaufsoffener

Samstag in Verbindung mit dem Tag der Offenen Tür wurde

von vielen Interessenten angenommen.

In der Werkstatt II in Panitzsch wurde die Fleischerei zum 30.

9. 2011 geschlossen. Das bestehende Konzept war organisatorisch

nicht mehr umsetzbar. Die Tierzucht und –pflege

erfolgen jedoch weiterhin. Der Verkauf der Erzeugnisse des

Bereiches Kleintierhaltung findet weiterhin in den Werkstattläden

der drei WfbM statt.

Im kommenden Jahr ist die Einstellung eines Produktionsleiters

für die der Werksktätten geplant. Hauptschwerpunkt

seiner Arbeit soll die Betreuung des bestehenden Kundenkreises

sowie die Neukundenaquise mit dem Ziel einer

perspektivisch stabilen wirtschaftlichen Auslastung sein.

Im vielen Bereich der Werkstätten wurden viele gute kreative

Ideen entwickelt und umgesetzt, was sich auch in den

Verkaufserlösen des Werkstattlädchens widerspiegelt. Die

Einrichtung und der Betrieb des Lindenlädchens in Leipzig

Lindenau ist ein großer Erfolg. Dort werden auch Produkte der

Lindenwerkstätten aus Panitzsch und Schkeuditz angeboten

und verkauft.

In jeder Werkstatt gibt es einen Werkstattrat. Dieser besteht

aus einer Gruppe gewählter MitarbeiterInnen mit Behinde-


ungen und vertritt die Wünsche und Bedürfnisse der Werkstattmitarbeiter.

Dieser hat das Recht, Informationen über das

Werkstattgeschehen zu hinterfragen und bei verschiedenen

Entscheidungen Mitbestimmungsrechte. Im Werkstattrat der

Werkstatt I ist auch die Frauenbeauftragte vertreten. Sie

nimmt Anteil an den Sorgen von Werkstattmitarbeiterinnen,

bietet Gesprächsmöglichkeiten an und bespricht Lösungsansätze

mit den Gruppenleitern, dem Sozialdienst sowie der

Werkstattleitung.

Ehrenamtliche, PraktikantInnen und Zivildienstleistende

unterstützten die Arbeit in den Werkstätten. Mit Hilfe von

Ehrenamtlichen gibt es arbeitsbegleitende Angebote wie eine

Tischtennisgruppe und eine Zeitungsgruppe für 8 bis 10

MitarbeiterInnen mit Behinderungen. Diese gibt die beliebte

Werkstattzeitung „Lindenwurm“ heraus. Ein Zivildienstleistender

hat seinen Dienst verlängert und bleibt jetzt ein weiteres

Jahr im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes in den

Jahresbericht 2011 Beratung und Betreuung 21

Lindenwerkstätten. Etwa 40 PratikantInnen verschiedener

auszubildender Schulen (Ergotherapeuten) haben die verschiedenen

Abteilungen durchlaufen und sind durch die

Mitarbeiter fachlich angeleitet und begleitet worden.

Zahlreiche Feste und Feiern wie Sommerfest, Weihnachtsfeier,

Faschingsfeier etc. brachten wieder Abwechslung in den

Alltag . Auch im Jahr 2010 fand wieder die schon traditionelle

Weihnachtsfeier mit den Rotariern in der Stadtmission statt.

Die Speisezubereitung und Organisation am kalten und

warmen Buffet wurde durch Mitarbeiterinnen und Gruppenleiterinnen

der Hauswirtschaftsgruppe aus den Lindenwerkstätten

WfbM in Leipzig sicher gestellt, welche auch das Haus der

Stadtmission bewirtschaftet.

Joachim Steeck I Werkstattleiter Lindenwerkstätten Leipzig

Hilfe kommt wie gerufen!

Die Johanniter.

Häusliche Geborgenheit und ein sicheres Gefühl.

Das Leben zu Hause gibt älteren, kranken oder behinderten Menschen Geborgenheit.

Und wenn der Partner, die Familie oder Nachbarn nicht zur Stelle sind, ist unsere Hausnotrufzentrale

rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche erreichbar.

Robuste Technik – sicher und einfach zu bedienen.

Der Sender wird als Armband, Halskette oder Clip getragen. Über die am Telefon angeschlossene

Notrufstation halten wir Sprechverbindung, bis genau die Hilfe vor Ort ist,

die gebraucht wird. Das Signal funktioniert in der gesamten Wohnung.

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. · Regionalverband Leipzig/Nordsachsen

Marcusgasse 7 in 04315 Leipzig

Servicenummer: 0800 3233 800 (gebührenfrei)

www.johanniter.de/hausnotruf

GUT (2,5)

Im Test:

12 Hausnotrufdienste

3 gut

Ausgabe 9/2011


22 Jahresbericht 2011 Evangelische Kindertagesstätten

Kindertagestätten

spielen - lernen - lachen

Auch im zurückliegenden Berichtszeitraum waren unsere

Kindertagesstätten stets sehr gut ausgelastet. Bis Jahresmitte

2010 wurden durchschnittlich insgesamt 320 Kinder,

davon ca. 70 Krippenkinder, in unseren bis dahin 5 Kindertagesstätten

betreut.

Zum 01. Juli 2010 konnte die neue Kindertagesstätte Nathanael

eröffnet werden mit einer Kapazität von 50 Kindergarten-

und 26 Kinderkrippenkindern, was eine Gesamtkapazität von

76 Plätzen ergibt. Somit können nunmehr insgesamt 396

Kinder, davon 96 Krippenkinder sowie 11 Integrationskinder in

unseren 6 Kindertagesstätten betreut werden. Das Ergebnis

der beiden Jahre entspricht bisher einer Gesamtauslastung

von 95,11 Prozent.

In diesem Zeitraum standen im Durchschnitt insgesamt 55

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Betreuungspersonal für

die zu betreuende Kinderzahl zur Verfügung. Neben der

Leitung der neueröffneten Kindertagesstätte Nathanael

konnte im Januar 2010 die in der Kindertagesstätte St. Moritz

seit Juli 2009 vakante Leitungsstelle komissarisch neu besetzt

werden.

Inhaltlich lag im vergangenen Jahr der Schwerpunkt für die

Kindertagesstätten auf der systematischen Organisation der

Arbeit mit dem Qualitätsüberprüfungsinstrument PädQuis.

Dafür wurde aus jeder Kindertagesstätte je ein Qualitätsbeauftragter

geschult sowie ein Qualitätszirkel installiert. Unter

Anleitung der Qualitätsbeauftragten für unsere Kindertagesstätten

wurde begonnen, das QM-Handbuch zu überarbeiten,

bzw. nach einer neuen Struktur zu erstellen. Vorhandene

Standards, wie z.B. der interne Handlungsablauf bei Kindeswohlgefährdung,

wurden auf ihre Aktualität geprüft und neue

Standards werden erarbeitet. Damit in Zusammenhang

stehend lag ein weiterer Schwerpunkt auf der Neuerstellung

der sozialpädagogischen Konzeptionen. Dazu erschlossen

sich die Kita-Teams zunächst noch einmal das Leitbild der

Diakonie sowie das Leitbild der evangelischen Kindertagesstätten.

Parallel dazu fanden Einführungsveranstaltungen in

die „Leipziger Konzeptstruktur“ nach Dr. Markus Stück statt.

Mit viel Engagement begannen die Teams nach dieser neuen

Struktur mit der Erarbeitung der Konzeptionen. Die neue

Gliederung in Zielbereiche und dazugehörige Methoden

Buntes Treiben in der Ev. Kindertagesstätte Nathanael

erachten alle als sehr praktikable Arbeitsgrundlage. Die Teams

werden durch das „Zentrum für Bildungsgesundheit“, die

Fachberaterin und die Koordinatorin begleitet.

Im Zuge der begonnenen Überarbeitung der Einrichtungskonzeptionen

besuchte ein überwiegender Anteil der ErzieherInnen

eine Konsultationskindertagesstätte in Leipzig zur

fachlichen Orientierung. Zur weiteren qualifizierten Fortbildung

der ErzieherInnen fanden, neben den zahlreichen durch die

ErzieherInnen besuchten externen Fortbildungen, kitaübergreifend

intern thematische Erzieherstammtische, Weiterbildungen

zum Thema Gesprächsführung sowie der jährliche

Erziehertag statt – diesmal zum Thema „Sexualpädagogik in

Kindertagesstätten“.

Mit viel Engagement, Ideenreichtum und Liebe zum Kind

gestalteten unsere Erzieherinnen und Erzieher in den Teams

die täglichen gemeinsamen Stunden in den Kitas. Die Angebote

und Projekte sind dabei sehr vielfältig und reichen vom

täglichen Spiel, über das Toben im Waldgarten bis hin zu

Besuchen des Bachmuseums oder der Feuerwehr. Dabei

stehen die individuellen Wünsche der Kinder stets im Mittelpunkt.

Unterstützt durch die Kooperationen mit den verschiedenen

Kirchgemeinden arbeiteten im vergangenen Berichtszeitraum

die Teams wieder verstärkt an der Schärfung des

christlichen Profils unserer Kindertageseinrichtungen. Die

Eltern und weitere wichtige Kooperationspartner bereichern


mit Ihren Ideen und ihrer Unterstützung ebenfalls die Arbeit in

unseren Einrichtungen.

Zusammenfassend kann auf eine sehr positive Entwicklung

im Bereich der Kindertagesstätten zurückgeblickt werden.

Anzumerken ist jedoch, dass sich die lt. SächsKitaG vorgesehene

Anzahl an Betreuungspersonal nach wie vor als unzureichend

erweist angesichts der qualitativ hohen fachlichen

Anforderungen. Dieses der Politik weithin bekannte Thema,

erfordert zukünftig dringend Handeln zum Erhalt der Qualität

unserer Kindertagesstätten. Die Möglichkeit der Anstellung

berufsbegleitend auszubildender ErzieherInnen entspannt

diese Lage zwar zum einen, ist jedoch andererseits eine

Herausforderung, da Schultage und noch fehlende fachliche

Kenntnisse anderweitig ausgeglichen werden müssen bzw.

die betroffenen Mitarbeiter einer Anleitung bedürfen.

Im Ausblick auf künftige Entwicklungen geht die Stadt Leipzig

von weiterhin ansteigenden Kinderzahlen aus. Dem damit

verbundenen steigenden Bedarf an Tagesbetreuungsplätzen

begegnen wir durch den Bau bzw. die Übernahme weiterer

Kindertagesstätten. So ist für das Frühjahr 2012 die Eröffnung

der ev. Kindertagesstätte Noah auf dem Gelände des Evangelisch-Lutherischen

Diakonissenhauses Leipzig e.V. sowie die

Eröffnung einer Kita in Kooperation mit dem Pavillon der

Hoffnung e.V. auf dem alten Messegelände in der Puschstraße

geplant.

Jahresbericht 2011 Evangelische Kindertagesstätten 23

Ab Januar 2012 soll die Kindertagesstätte der ev.-luth. St.

Laurentius Kirchgemeinde Leipzig-Leutzsch in unsere Trägerschaft

übergehen.

Intensive Gespräche werden seitens der Geschäftsführung

sowie der Fachbereichsleitung darüber hinaus bereits mit

zwei weiteren Interessenten geführt, welche unser Werk als

Betreiber ihrer noch zu errichtenden Kindertageseinrichtungen

wünschen.

Maria Dösinger-v.Wolffersdorff

Fachbereichsleiterin Beratungs- und Betreuungsdienste


24 Jahresbericht 2011 Projekt Handarbeiten

Stricken, weben, basteln

mit Oma Brigitte

Handarbeiten fördern Ausdauer

und Konzentration von

Kindern

Seit vier Jahren arbeitet Brigitte Ettmann nun als ehrenamtliche

Mitarbeiterin in der Kindertagesstätte „Unter dem

Regenbogen“. Damals, nach ihrem Umzug nach Leipzig, hatte

sie sich an die Freiwilligenagentur gewandt, auf der Suche

nach einer sinnvollen Beschäftigung, und wurde an diese

Kindertagesstätte vermittelt. Angefangen hat sie mit wenigen

Stunden in der Betreuung der Kinder. Dann ergab es sich wie

von selbst – Brigitte Ettmann berichtet:

„Eines unserer Mädchen kam mir etwas gelangweilt vor, so

dass ich auf die Idee kam, mit Mirijam und ein paar anderen

Kindern Handarbeiten zu machen. Diese Idee wurde bald in

die Tat umgesetzt. Schon bald webte Miriam mit dem Rund-

webrahmen eine kleine Decke, die jüngeren wickelten Bommeln,

die Vierjährigen begannen mit einem Stickrahmen zu

sticken. Ich kaufte Jutestoff, schnitt Vierecke zurecht und zog

Fäden heraus, so dass die Kinder Linien für das Sticken

hatten. Wir arbeiteten im Gruppenraum während der Zeit des

freien Spielens. Alles war und ist immer noch freiwillig. Unsere

Erzieherin unterstützte mich anfangs – denn z.B. hatte ich

keine Ahnung, wie man eine Bommel herstellt! Die Kinder

wählten die Art der Wolle und die Farben aus, waren mit

Begeisterung bei der Arbeit und nahmen am Ende ihr fertiges

Werk stolz mit nach Hause. „Was man mit Wolle alles machen

kann!“ staunte einmal eines unserer Mädchen. Ich dachte,

diese „Welle“ würde nach einigen Wochen vorüber sein. Doch

inzwischen sind mehr als zwei Jahre vergangen und die

Kinder sind immer noch mit Feuereifer bei der Sache. An zwei

Tagen in der Woche helfe ich weiter morgens in „meiner

Gruppe“ – manchmal wird auch da die Handarbeitskiste

ausgepackt. In der Mittagszeit bin ich in einem kleinen Raum

gut eine Stunde lang mit vier bis sieben Vorschul- oder

Aufbleibkindern, die an diesem Tag Lust zum Handarbeiten

haben, und helfe ihnen beim Weben, Sticken, Flechten – die

Mädchen flechten Bänder für ihre Haare und die Jungen seit

kurzem Seile aus dicker Wolle.


Das Weben mit dem Schul-Webrahmen und dem dazugehörigen

Webschiffchen war für die Kinder nicht zu schaffen.

Inzwischen können die Großen das aber auch. Vier der

Vorschul-Mädchen haben jetzt mühsam mit dem Stricken

angefangen, weil sie es unbedingt lernen wollen. Mit einigen

habe ich kleine Kissen genäht, mit der Strickliesel können

inzwischen auch mehrere Mädchen umgehen. Vor einem Jahr

war ihnen das noch nicht möglich.

Das Neueste ist das „Fingerstricken“. Der Faden wird wie in

Achten um die vier Finger der linken Hand geschlungen und

dann oberhalb der unten gewonnenen vier „Maschen“ entlang

geführt. Wie bei der Strickliesel wird die „Masche“ mit der

rechten Hand über den oberen neuen Faden gehoben. Der

Faden wandert dabei immer hin und her. Auf dem Handrücken

entsteht dann dadurch ein schmaler Schal. Die Kinder

stricken aus dicker oder doppelter Wolle meterlange Schals in

rasender Geschwindigkeit. Manche Kinder schaffen einen

Schal in der Mittagszeit. Der Rekord liegt inzwischen bei 3

Metern in 1 ½ Stunde!! Zwei unserer Fünfjährigen strickten

jetzt tagelang eine bunte „Girlande“ von je sechs bis acht

Metern. Was für eine Ausdauer! Ich bin voller Bewunderung

für den Jungen und das Mädchen.

Die Eltern schätzen die Handarbeit sehr, freuen sich und

staunen über die Werke ihrer Kinder. Die Kinder, die in diesem

Jahr in die Schule gekommen sind, waren von Anfang an

dabei und sind viel weiter mit ihrer Geschicklichkeit als die

Kinder, die im Vorjahr den Kindergarten verlassen haben und

bis dahin nur Bommeln gewickelt, gestickt, gewebt und

geflochten hatten.

Ich bin begeistert davon, mit welcher Freude, Ausdauer,

Konzentration und Eifer die Kinder bei der Sache sind. Die

Fingerfertigkeit wird durch die Handarbeit gefördert. Und das

ist das, woran es neben Sport und Bewegung bei den

meisten Kindern mangelt: Feinmotorik und Konzentrationsfähigkeit.

Die Kinder bekommen ein Gespür für Schönes durch ihre freie

Auswahl der Farben und Materialien. Besonders lieben die

Kinder die kuschelige Wolle und Glitzerfäden. Ich denke, auch

ihr Selbstbewusstsein wird durch das Handarbeiten gestärkt.

Sie sehen, was sie da geschaffen haben, und dass sie es

können, nachdem sie sich manchmal sehr anstrengen

mussten. Eines unserer Mädchen quälte sich einige Wochen

mit ihrem Webrahmen. Sie warf ihn mir öfter hin und sagte:

„Brigitte, mach du weiter“. Ich webte ein wenig, sie war

versöhnt und arbeitete wieder. Endlich war die letzte Reihe

geschafft, und sie sagte laut: „Jetzt bin ich aber richtig stolz

auf mich!“ Das werde ich nie vergessen. Die Kinder bekommen

die Bewunderung von den Erziehern und Eltern und

Jahresbericht 2011 Projekt Handarbeiten 25

natürlich Ermutigung, Anerkennung und Log von mir während

ihrer Arbeit. Auch die Jungen machen begeistert mit. In letzter

Zeit hatte ich öfter mehr Jungen als Mädchen in der Mittagszeit

am Tisch sitzen. Ich bin durch mein Alter auch so etwas

wie eine Oma für die Kinder. „Brigitte, du bist doch schon alt.

Stirbst du bald?“ wurde ich schon mehrfach gefragt. Im

Sommer sitze ich bei schönem Wetter mit meinen Körben im

Hof und bin dann auch für die jüngeren Kinder aus den

anderen Gruppen erreichbar. Diese freiwillige Arbeit ist eine

große Bereicherung für mich und ich genieße das Zusammensein

mit den Kindern sehr. Zu Hause sitze ich manche Stunde

mit ihren kleinen Werken, vernähe Fäden, bügele und bereite

neue Decken und Webrahmen vor.

Ich fände es wunderbar, wenn auch Kinder in anderen

Kindergärten die Möglichkeit zur Handarbeit hätten. Vielleicht

finden sich ältere oder jüngere Frauen oder Männer, die Lust

haben in einem Kindergarten Handarbeiten mit den Kindern

zu machen.

Noch etwas zu den Kosten: Wir arbeiten zum Teil noch mit

alter Wolle aus dem Kindergarten, neue kaufe ich für einen

Euro pro 50 oder 100 Gramm dazu. Die Kinder brachten

Reste von Wolle oder Stickgarn von zu Hause mit. Jute-Stoff

zum Sticken kostet ca. 7 Euro der Meter bei 1,50 Breite.

Damit kommt man sehr lange aus. Ein Rundwebrahmen,

Sticknadeln und Stickrahmen in verschiedenen Durchmessern

waren in der Kindertagesstätte vorhanden. Bei ebay habe ich

einiges preiswert dazu gekauft und ersteigert.“

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26 Jahresbericht 2011 Beratungs- und Betreuungsdienste

Beratungs- und Betreuungsdienste

„Leben heißt denken und handeln, denken und handeln heißt

verändern“ Diese Zeilen von James Allen gehen mir immer

durch den Kopf, wenn ich die Vielfalt der Einrichtungen der

Beratungs- und Betreuungsdienste vor mir sehe.

Angefangen bei der Leipziger Oase über die unterschiedlichen

Beratungsstellen bis hin zu den nunmehr sechs

Kindertagestätten werden in diesem Fachbereich die unterschiedlichsten

Menschen begleitet, beraten und betreut.

Genauso vielseitig ist die Art der Finanzierung. Nahezu

jährlich werden alle Einrichtungen verhandelt und ein Anpassen

auf die aktuellen Situationen ist unumgänglich – und das

heißt denken und handeln und damit verändern.

Besonders spürbar war es in der Suchtberatungs- und

Behandlungsstelle Blaues Kreuz (SBB), da das Jahr 2010

finanzpolitisch vor allem durch die massiven Einsparzwänge

des Landes Sachsen geprägt war. Die Haushaltssperre des

Sozialministeriums Sachsen hat zu erheblichen Finanzschwierigkeiten

im Haushalt der SBB geführt. Dankbar sind wir für

die Entscheidung des Landtages, die geplante Haushaltskürzung

im Doppelhaushalt 2011/12 im Bereich der Suchtkrankenhilfe

zurückzunehmen. Die Umsetzung der Planungen

hätte definitiv nur durch Personalreduzierungen mit verheerenden

Folgewirkungen für den Angebotsumfang realisiert

werden können.

Wartezeiten von bis zu vier Wochen sind ohnehin momentan

Realität und werden dem oft akuten und schnellen Hilfebedarf

in der Suchtkrankenhilfe nicht gerecht. Personalkürzung

bedeutet Betreuung weniger Klienten. Die Entwicklungen und

Tendenzen im Bereich der Klienten zeigt gerade das Gegenteil,

nämlich eine Zunahmen der Vermittlung von Klienten

durch die ARGE. Die Drogenklienten werden tendenziell älter.

Die größte Gruppe der drogenabhängigen Klienten sind die

über 30jährigen Drogenkonsumenten. Alkoholprobleme bei

Jugendlichen – was sowohl in den Medien immer wieder

dargestellt wird, als auch die ansteigende Zahlen aus den

Akutkrankenhäusern vermelden – spielen in der Suchtberatungsstelle

praktisch keine Rolle. Ebenso ist im Bereich der

Online- und Mediensüchte kaum eine erhöhte Nachfrage in

der Suchtberatungsstelle zu verzeichnen.

Das nunmehr über 3 Jahre bestehende Funke-Projekt

(Wohnprojekt für suchtkranke Menschen) konnte im Jahr 2010

weiter ausgebaut werden. Es wurden vor allem im Bereich der

Tagesstruktur weitere Angebote etabliert und stärker Methoden

der Gruppenarbeit angewendet. Eine weitere Klienten-

Wohnung wurde angemietet, so dass seit 2011 sieben

Ein-Raumwohnungen plus ein Gruppenraum sowie ein Büro

im Haus Eutritzscher Straße 1 zur Verfügung standen. Unverändert

gegenüber dem Vorjahr ist die Tatsache, dass die

Einrichtung an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt ist. Die Planung

der räumlichen Ausweitung konnte zum 1. Oktober umgesetzt

werden. Die Suchtberatung und Behandlungsstelle „Blaues

Kreuz“ hat nun Ihren Sitz in der Georg-Schumann-Straße 172

mit einem wesentlich größeren Raumangebot.

Im Bereich ambulante Hilfen zur Erziehung ist 2010 grundsätzlich

eine sehr gute Auslastung zu verzeichnen gewesen.

Zu Jahresbeginn 2010 wie 2011 erreichten uns jedoch

wiederholt in einzelnen Bereichen weniger zentrale Fallanfragen,

die zunächst gut ausgeglichen werden konnten. Dies

betraf insbesondere die Sozialpädagogische Familienhilfe, die

Erziehungsbeistandschaft und die Aufsuchende Familientherapie.

Hintergrund ist die statistisch belegte geringere Nutzung

dieser Angebote durch die Stadt Leipzig jeweils zu

Jahresanfang. Unser Pilotprojekt „Kleine Familienhilfe“ (seit

April 2010 in Zusammenarbeit mit unserem ambulanten

Pflegedienst) erfreute sich einer guten Resonanz, so dass hier

eine halbe Personalstelle eingerichtet werden konnte.

Die Leistungen unserer Jugendhilfe blieben weiterhin stark

nachgefragt, obwohl der Kostenträger sich bei Auswahl der


Leistungserbringer stärker am Preis orientierte und wir, auch

aufgrund unserer tariflichen Bindung, eher höhere Preise

verlangen müssen als andere Anbieter.

Die stationäre Einrichtung der Hilfe zur Erziehung verzeichnete

auf Grund einer politisch motivierten Strategieänderung

des Jugendamtes, insbesondere einer Bevorzugung

ambulanter Leistungen, eine geringere Auslastung. Dies

konnte durch inhaltliche Ausweitung des Angebotes zum Teil

ausgeglichen werden. Im Oktober 2010 wurde bei einem Tag

der Offenen Tür der Einrichtung der Name Haus Lebensweg

gegeben. Kinder, Jugendliche und junge Eltern, welche

Unterstützung benötigen, wohnen hier und werden von

Fachkräften begleitet. Wir konnten 2010 unseren Hof auf

Grund von Spendengeldern ausbauen. So gibt es jetzt ein

großes Spielschiff und ein kleines Spielhaus. Dieses wurde

vom Beta-Projekt der Diakonie erbaut. Im Jahr 2011 sind

noch ein Pavillon und ein Geräteschuppen geplant. Hierfür

benötigen wir noch weitere Spendengelder.

Die für die Schulsozialarbeit angedrohte Kürzung der

Finanzierung erfolgte nach politischer Willensbildung nicht

vollständig, die Bewilligung von Mitteln jeweils nur für ein Jahr

gefährdet allerdings ständig die Kontinuität der Arbeit, welche

aber insbesondere in diesem Bereich dringend notwendig ist.

Familiäre Bereitschaftspflege und Erziehungsstellen

werden nach wie vor sehr nachgefragt und das Jugendamt ist

an einer Kapazitätserweiterung in unserer Trägerschaft

interessiert. Hier liegen die Herausforderungen nicht in der

Finanzierung oder Konkurrenz, sondern in der Fluktuation und

der Akquise neuer Pflegeeltern. Leider wird es immer schwieriger,

geeignete Pflegefamilien zu finden, die sich diesen

Herausforderungen stellen. Dies ist u.a. auf die aktuell

zunehmenden Stellenangebote im pädagogischen Bereich

zurückzuführen.

Hinter der Beratungsstelle Diakonie im Zentrum verbergen

sich unterschiedliche Angebote im Bereich Jugendhilfe,

Kirchenbezirkssozialarbeit und Lebensberatung.

Die Kirchenbezirkssozialarbeit wird fast ausschließlich über

landeskirchliche Mittel finanziert und ist mit drei Personen

ausgestattet. Der Bereich Vermittlung zu Mutter-Kind-Kuren

wurde auch im Berichtszeitraum stark beansprucht. Für die

Begleitung von sozialen Projekten mit Kirchgemeinden

wurden Fördermittel z.B. von Stiftungen (Bürgerstiftung

Leipzig, Ehrenamtsfonds u.a.) eingeworben. So gab es im

geringen Maße noch externe Mittel (z.B. für die Begleitung

Spielgarten Volkmarsdorf oder den Diakonischen Jugendtag).

Jahresbericht 2011 Beratungs- und Betreuungsdienste 27

Durch die zentrale Innenstadtlage wird das Beratungsangebot

von Klienten sowohl im Bereich Kurberatung als auch in der

Allgemeinen sozialen Beratung stärker wahrgenommen und

damit auch mehr nachgefragt. Dies zeigt sich in höheren

Beratungszahlen. Gleichzeitig steigt der Beratungsaufwand

weiter und Multiproblemsituationen bei Klienten nehmen zu.

Zeitweise überschreitet die Nachfrage der Klienten die

zeitlichen Kapazitäten der Mitarbeiter. Wünschenswert wären

mehr zeitliche Ressourcen für die Arbeit mit den Kirchgemeinden.

Die Evangelische Lebensberatungsstelle wird ebenfalls

mehr nachgefragt als Beratungskapazität vorhanden ist.

Inhaltlich trägt vor allem die Arbeit mit hochstrittigen Paaren

zu einer erhöhten Nachfrage bei. Indirekt ist dies auch mit

höheren Kosten für z.B. Weiterbildung oder Co-Beratung

verbunden. Hierfür eine Kapazitätserhöhung seitens des

Kostenträgers zu bekommen, wäre ideal, ist aber leider nicht

in Sichtweite. Ein Eigenanteil ist im gesamten Bereich der

Beratungsstelle zu erbringen, der vor allem durch die zahlreichen

Spenden erbracht wird. Bezüglich Weiterbildungen

und Supervision müssten vom Kostenträger höhere Beträge

eingestellt werden, da gerade in diesem Bereich die Weiterbildungen

und Supervisionen ihren Preis haben.

Im Psychosozialen Gemeindezentrum Blickwechsel (PGZ)

nahm die Anzahl der Klienten, insbesondere für individuelle

Beratungen, die Besucher in unserem Sozialcafe und die

Teilnahme an Selbsthilfeaktivitäten zu. Besonders geschätzt

sind die besucherfreundlichen Öffnungszeiten des Café,


28 Jahresbericht 2011 Beratungs- und Betreuungsdienste

täglich durchgehend, auch an Samstag, Sonn- und Feiertagen

sowie die ständige Gewährleistung eines Gesprächspartners

für persönliche Anliegen. In dem Zusammenhang ist darauf

hinzuweisen, dass auch derartige Gruppen fachkundige

Begleitung benötigen.

Im Ambulant Betreuten Wohnen (ABW) war die Auslastung

im vergangenen Jahr wieder sehr gut. Klienten mussten bei

Anfragen eine gewisse Wartezeit in Kauf nehmen. Wie im

Vorjahr stieg die Zahl der Doppeldiagnosen und Personen mit

komplexem Hilfebedarf weiter. In Einzelfällen wie beim

Auszug aus stationären Wohnformen oder in anderen akuten

Problemsituationen, die häufig von auffälligem Verhalten und

dramatischen Störungen des Umfeldes begleitet sind, kann

ein zeitlich befristeter individueller Betreuungsmehrbedarf

beim Kostenträger beantragt werden, um den Verbleib in der

ambulanten Wohnbetreuung zu gewährleisten.

Im Januar 2010 konnte der Aufbau des anspruchsvollen

Projektes Außenwohngruppe abgeschlossen werden. Die

Planstellen wurden laut Betreuungsschlüssel mit 3 Teilzeit-

Fachkräften besetzt. Damit entspannte sich die Personalsituation

im Vergleich zum Vorjahr. Die durchschnittliche Auslastung

war zufriedenstellend. Jedoch entstand ein in Zukunft

hoffentlich vermeidbarer Zimmerleerstand durch zahlreiche

– durchaus im Konzept vorgesehene – Aus- und Einzüge. Um

beim derzeit verhandelten Kostensatz die Trägerkosten zu

refinanzieren, sollte eine Neubelegung möglichst innerhalb

von 4 Wochen gewährleistet sein (einmonatige Kündigungsfrist).

Hier wünschen wir uns eine schnellere Reaktion des

Kostenträgers auf die Vorstellungen der Bewohner.

Die Auslastung der Angebote in der Bürgerwerkstatt bleibt

mit nahezu 2000 Nutzerkontakten auf hohem Niveau konstant.

Durch die große Inanspruchnahme stoßen alle Beteiligten

an räumliche Grenzen. Eine Kommunal-Kombi- und eine

Bürgerarbeitsstelle für jeweils drei Jahre sind eine gute Basis

für die notwendige Erweiterung der Bürgerwerkstatt und ihrer

niedrigschwelligen Beschäftigung.

Nach langer Vorbereitung konnte ab 1. Dezember 2010 die

Ergotherapiepraxis des Psychosozialen Gemeindezentrums

Blickwechsel in Betrieb gehen. Somit kann hier eine

kassenfinanzierte medizinische Versorgung angeboten

werden. Durch interne und externe Öffentlichkeitsarbeit

konnten erste Erfolge hinsichtlich der Auslastung der Praxis

verzeichnet werden. Ziel ist, durch die finanzielle auch die

personelle Basis des Gemeindezentrums im Bereich Arbeit

und Beschäftigung durch Kasseneinnahmen nachhaltig zu

stabilisieren. Von unvorhersehbaren politischen Kürzungen

kann das PGZ so etwas unabhängiger werden.

Im vergangenen Jahr lagen die Schwerpunkte in der Ökumenischen

Kontaktstube für Wohnungslose Leipziger Oase

darin, geeignete anleitende Mitarbeiter für Garten und Werkstatt

zu finden, und insbesondere das Angebot Nachtcafé

fortzuführen. Sowohl im Garten als auch in der Werkstatt

konnten für ein Jahr über die ARGE Leipzig geförderte

Mitarbeiter angestellt werden, welche die arbeitswilligen

Gäste anleiteten. Damit ist eine gewisse Konstanz gewährleistet.

Für die Durchführung des Nachtcafés fanden sich wieder

genügend ehrenamtliche Helfer aus den Kirchgemeinden in

Leipzig. Ein Großteil der Übernachtungsgäste konnte mittlerweile

in eigenen Wohnraum vermittelt werden.

Auch in diesem Jahr wurde wieder eine Arbeits- und- Erholungswoche

mit Oase-Gästen durchgeführt.

Wie auch in den vergangenen Jahren stellte der jährliche

Wechsel der durch die ARGE Leipzig geförderten Mitarbeiter

für die Gäste und die anderen Mitarbeiter eine sehr hohe

Herausforderung und manchmal eine unerträgliche Belastung

dar. Die Einarbeitungszeit beträgt in der Regel mehr als ein

halbes Jahr. Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern kostet

viel Zeit. In der Regel werden keine Mitarbeiter gefunden, die

zum einen in der Lage sind mit der schwierigen Klientel

umzugehen, moderne Arbeitsmittel effektiv einzusetzen und

zum anderen bereit sind, das eigene Handeln zu reflektieren

und gewohnte Arbeitseinstellung zu verändern. In der Werkstatt

wurde kontinuierlich, mit Einbindung der Klienten, an


einem Modellbauprojekt gearbeitet. Die Ergebnisse dieser

Arbeit – erzgebirgische Häuser – werden im benachbarten

Alten- und Pflegeheim Johann Hinrich Wichern ausgestallt.

Die Kleiderkammer Passgenau ist Mitte Mai 2010 in die

Georg-Schumann-Straße 132 umgezogen. Ab 2012 soll sie

dann mit in die neuen Räume der Suchtberatungsstelle

integriert werden. Leider kann Kleidung dort nicht mehr

geändert werden, da die Kooperation mit dem BBW nicht

mehr besteht.

Der Teekeller Quelle hat ab Februar 2011 eine neue Leiterin,

Frau Gerit Schleusener. Frau Bräuer-Kießling hat ihre Tätigkeit

innerhalb des Vereins gewechselt. Auch 2010 konnten wieder

ehrenamtliche Helfer gewonnen werden, welche jedoch bei

weitem nicht mehr so umfänglich und kontinuierlich zur

Verfügung standen wie in den Vorjahren. Die Entwicklung,

dass dafür die Gäste mehr Aufgaben übernehmen, hat sich

verstärkt. Der seit 2009 gepachtete Kleingarten ist gemeinsam

von Gästen und Ehrenamtlichen zuverlässig bewirtschaftet

worden, hat mit seinen Erträgen das Abendessen bereichert

und zu einem gesunden Ernährungsverhalten der Gäste

beigetragen.

Die Telefonseelsorge ist ein wichtiges Beratungs- und

Hilfsangebot des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig

e. V. geworden. Die Internetberatung, welche seit 2004

genutzt werden kann, ist eine Möglichkeit des Seelsorgedienstes

und wird gut angenommen. Zur Beantwortung der

eingehenden Mails aus einem zentralen Verteiler stehen uns

momentan nur noch 4 Beraterinnen aus den Reihen der

ehrenamtlichen Mitarbeiterschaft zur Verfügung.

Zur Zeit arbeiten zirka 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge. Da mehrere Mitrabeiterinnen

im Jahr 2009 aus verschiedenen Gründen ihren Dienst

beenden mussten, wurde von Februar 2010 bis einschließlich

Februar 2011 die tägliche Dienstzeit um 4 Stunden auf 20

Stunden reduziert. Seit März 2011 ist die Telefonseelsorge

Leipzig wieder 24 Stunden am Netz.

Im April 2010 wurden 10 neue MitarbeiterInnen zum Dienst

am Telefon beauftragt und sechs Frauen und ein Mann

beendeten am Ende des Jahres ihre Ausbildung. Telefonseelsorge

als niederschwelliges Angebote der Beratung in

Not- und Krisensituationen ist sehr wichtig. Häufige Themen

der Beratung sind Probleme in Familie und Partnerschaft,

gefolgt von Gesprächen, in denen es um psychische Belastungen

und Vereinsamung geht. Viele Menschen rufen an,

um mit jemandem zu sprechen, weil sie gerade auf eine

Jahresbericht 2011 Beratungs- und Betreuungsdienste 29

Therapie warten oder in ärztlicher Behandlung sind und die

Zeit bis zum nächsten Termin überstehen müssen (besonders

nachts ist dies der Fall). Zunehmend werden suizidale Gedanken

geäußert. Auch soziale Unsicherheit wird häufiger als

bisher zum Thema gemacht.

Maria Dösinger-von Wolffersdorff

Fachbereichsleiterin Beratungs- und Betreuungsdienste


30 Jahresbericht 2011 Schulsozialarbeit

Missstände in Leipziger

Mittelschulen

Sozialarbeiter erstellen Positionspapier

Am 28. Juni fand den Räumen der Stadtmission ein Workshop

zum Thema „Soziale Arbeit in der Schule“ statt, der

gemeinsam vom Arbeitskreis Schulsozialarbeit, Diakonie Leipzig

und der GRÜNEN-Fraktion im Sächsischen Landtag

veranstaltet wurde. Über 60 Lehrer, Schulsozialarbeiter und

Eltern nahmen daran teil.

Vorher hatte der Arbeitskreis Schulsozialarbeit Leipzig als

trägerübergreifender Zusammenschluss aller Schulsozialarbeiterinnen

in Leipzig ein Arbeitspapier erstellt mit dem

Thema „Man kann nicht an der Realität vorbei unterrichten!“.

Dieses beinhaltet eine Situationsbeschreibung von 5. und 6.

Klassen in Leipziger Mittelschulen und schlägt Handlungsmöglichkeiten

zur Lösung der drängenden Probleme vor.

Dieses Positionspapier wurde an die bildungspolitischen

Sprecher aller Parteien im Sächsischen Landtag geschickt.

Die Grünen reagierten mit dem Vorschlag, einen gemeinsamen

Workshop zu veranstalten.

Von der Diakonie Leipzig war eine Kollegin an der Erstellung

dieses Papiers beteiligt. Als Schulsozialarbeiterin an einer

Mittelschule ist sie Ansprechpartner für Schüler, Eltern und

Lehrer und steht bei Problemen und Krisen beratend zur

Seite.

SchulsozialarbeiterInnen organisieren offene Angebote für die

Schüler, vermitteln zu weiterführenden Hilfen, kooperieren mit

den Einrichtungen der Jugendhilfe, mit Freizeiteinrichtungen

im Stadtteil, sie führen Gespräche mit den Eltern, vermitteln

bei Konflikten, unterstützen die Schüler beim Umgang mit

Problemen und sind an verschiedenen Projekten beteiligt.

Das Positionspapier beschreibt die Situation an Leipziger

Mittelschulen so wie die Schulsozialarbeiter sie erleben. Es ist

ein Erfahrungsbericht und keine wissenschaftliche Untersuchung.

Die Situation

Es wird immer wieder beobachtet und auch angesprochen,

aber kaum einmal in einer so genauen und umfassenden

„Feldstudie“ beispielhaft belegt: Ein normaler Unterricht ist in

Schulsozialarbeiter bei der Präsentation der Ergebnisse

einer „normalen“ Mittelschulklasse kaum noch möglich. So

heißt es im Positionspapier: „Es gibt einen dringenden

Handlungsbedarf in Grund- und Mittelschulen, auf Grund

eines enorm gestiegenen Erziehungsbedarfes. Strukturelle

Veränderungen sind notwendig, um den Erziehungsauftrag

der Schule und damit auch den Bildungsauftrag angemessen

erfüllen zu können. Neben den Auswirkungen auf die SchülerInnen

zeigen sich zunehmend bei LehrerInnen unterschiedliche

Formen von Burn-Out. Beiden Entwicklungen muss

umgehend entgegen gewirkt werden.“

Das Problem beginnt schon in der Grundschule

„Wir gehen davon aus, dass sich nicht die Grundschule, wohl

aber das Potenzial der SchülerInnen negativ verändert hat.“

So heißt es in dem Papier. Es wird eine Zunahme von SchülerInnen

mit erhöhtem Förderbedarf beobachtet, aber dieser

wird zu spät oder gar nicht diagnostiziert, da es an Kapazitäten

fehlt. Grundschullehrer sind unzureichend qualifiziert für

die Förderung spezieller Integrationsarbeit. Die Zahl der

SchülerInnen, die überaltert oder psychisch auffällig sind,

nimmt zu. Bei vielen Eltern ist ein Desinteresse gegenüber der

Schule und den eigenen Kindern zu beobachten. Das macht

die Arbeit mit Eltern, Schülern und dem Jugendamt besonders

schwer.

Schulische Leistungen beim Übergang zur Mittelschule

Die Schüler kommen mit immer schlechteren Leistungen in


die Mittelschule. Bestimmte fachliche Noten lassen vermuten,

dass an der Grundschule die Noten geschönt wurden. Immer

mehr Schüler sind verhaltensauffällig, entweder waren sie das

schon in der Grundschule oder sie kommen mit der veränderten

Situation nicht zurecht.

Förderbedarf in der Mittelschule

Die Feststellung von Förderbedarf an der Mittelschule ist

relativ langwierig, es gibt auch hier zu wenig Kapazitäten und

lange Wartezeiten bei Amtsärzten und Schulpsychologen.

Oftmals scheitert eine Überprüfung auch am Willen der Eltern,

die Nachteile für ihr Kind befürchten, wenn es beispielsweise

an eine Förderschule wechseln soll. So bleiben viele sehr

verhaltensauffällige und teilleistungsgestörte Kinder an der

Mittelschule und behindern das Lernen in der Klasse für die

anderen Schüler zusätzlich. Ein „normaler“ Unterricht in einer

Klasse mit sehr vielen sehr leistungsschwachen und vor allem

verhaltensauffälligen Schülern ist kaum noch möglich.

Die Beispielklasse

Untersuchungen von den 27 Schülern einer (beliebigen und

anonymen) 5. Klasse einer Mittelschule ergaben folgendes

Bild: 7 Schüler hatten eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, bei

einem Schüler wurde ADHS diagnostiziert, bei weiteren vier

Schülern wird ADHS vermutet, 3 Schüler sind bereits langfristig

stationiär in der Kinder- und Jugendpsychiatrie diagnostiziert

bzw. behandelt worden.

„Das Sozial- und Lernverhalten in der Klasse ist geprägt von

massiven Unterrichtsstörungen, Unruhe, auffälligem, unangemessenem

Sozialverhalten und einem hohen Aggressionspotential

sowie einer geringen Hemmschwelle bezüglich der

Anwendung verbaler und nonverbaler Gewalt… „

Lehrer schlagen Alarm

Die beschriebene Situation stellt LehrerInnen vor eine Fülle

erzieherischer Aufgaben, auf dies sie ungenügend vorbereitet

sind. Es fehlt ihnen das „Handwerkszeug“ wie Kenntnisse in

Kommunikation, Gesprächführung und Konfliktlösung. Zum

ohnehin schon schwierigen Schulalltag kommen häufige

Eltern- und Schülergespräche, sowie Kontakte mit der

Jugendhilfe. Dies sprengt den zeitlichen Rahmen und führt zu

Überlastungssituationen. Sozialrechtliche und psychologische

Aspekte spielen in der Bildungs- und lehrplanorientierten

Lehrerausbildung eine untergeordnete Rolle. Im Schulalltag

werden sie aber konfrontiert mit körperlicher Gewalt, seelischem

und sexuellem Missbrauch, drogenabhängigen und

alkoholkranken Eltern, Todesfälle von Eltern (tritt gehäuft auf,

da Eltern sehr ungesund leben), vernachlässigten Kinder

sowie erziehungsunfähigen Eltern.

Jahresbericht 2011 Schulsozialarbeit 31

Im Gegensatz zu zum Beispiel Sozialarbeiterinnen werden

Lehrer nicht auf diese Situationen vorbereitet. Sie haben keine

regelmäßige Supervision und kollegiale Fallberatung, um zum

Beispiel Burn Out vorzubeugen.

Die Situation ist untragbar und erfordert Handeln von Seiten

der Politik.

Die Ergebnisse des Workshops wurden dokumentiert und

gemeinsam von den Veranstaltern ausgewertet, intensiv

diskutiert und sollen in die politische Arbeit des Landtages

eingebracht werden.

Susanne Straßberger I Presse I Fundraising


32 Jahresbericht 2011 Suchtberatung

Suchthilfe

für russischsprachige

Menschen

Das Projekt Interkulturelle Suchthilfe für Migranten, kurz

IKUSH, hilft suchtmittelabhängigen Migranten, die nicht oder

nur wenig deutsch sprechen. Das Projekt wird gefördert vom

Gesundheitsamt Leipzig, insgesamt drei Personen sind dafür

angestellt – jeweils Muttersprachler in den Sprachen persisch,

arabisch und russisch. Die Kollegin für den russischen

Sprachraum, Katja Kessler, ist bei der Suchtberatungsstelle

und Behandlungsstelle Blaues Kreuz (SBB) angestellt. Frau

Kessler ist selbst Russlanddeutsche und kam vor einigen

Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie kennt die

Probleme ihrer Landsleute und spricht ihre Sprache. Bei der

Suchtberatungsstelle Blaues Kreuz berät und begleitet sie

russischsprachige Menschen, die abhängig sind von Alkohol

oder Drogen.

Viele von ihnen kamen mit großen Hoffnungen nach Deutschland,

haben eine gute Ausbildung, häufig einen Hochschulabschluss,

konnten hier aber nicht Fuß fassen. Der Abschluss

wurde nicht anerkannt, sie finden keine Arbeit, das Suchtproblem

verschärft sich – der übliche Teufelskreislauf. Nur dass

hier die etablierten Hilfesysteme nicht greifen, weil die

Menschen oftmals nicht genug deutsch sprechen. Sie haben

keine Motivation und vor allem keinen Kontakt zu den Einheimischen.

Viele leben in ihrer eigenen - russischsprachigen -

Welt. Bei der Beratung dieser Menschen geht es oftmals nicht

nur um die Sucht an sich, sondern um das ganze Spektrum

sozialer Beratung, um Antragstellung, Arbeitssuche, Probleme

mit dem Arbeitsamt oder dem Jugendamt, um Wohnungssuche

oder die Beantragung von Wohngeld. Frau Kessler

vermittelt, übersetzt, berät und macht neuen Mut, wenn Pläne

immer wieder an der Bürokratie oder anderen Problemen

scheitern.

Seit etwa einem Jahr gibt es eine Selbsthilfegruppe. Hier

treffen sich etwa zehn Männer und Frauen. Sie sprechen über

ihre Probleme, aber auch über die ganz normalen Dinge des

Alltags. Und sie verbringen ein Stück Freizeit miteinander. Die

Fortschritte, die manche in ihrem Leben machen, sind

Ansporn für die anderen – wenn es gelingt, über einen

längeren Zeitraum ganz ohne Alkohol und Drogen zu leben,

wenn man einen Arbeitsplatz oder einen Ausbildungsplatz

bekommen hat, wenn man einen Schritt weiter ist, auf dem

Weg in ein zufriedenes und suchtmittelfreies Leben. So wie

Alexander (Name geändert), der von Anfang an dabei ist und

mittlerweile selbst die Gruppe leitet. Er ist 32 Jahre alt und in

Russland geboren und aufgewachsen. Seit elf Jahren lebt er

nun in Deutschland und hat ein bewegtes Leben hinter sich:

„Ich nahm viele Jahre lang verschiedene Drogen, schon in

Russland, dann auch in Deutschland und war mehrmals in

Haft wegen Beschaffungskriminalität. Durch eine geschlossene

Therapie im Maßregelvollzug ist es mir gelungen, mit

Drogen aufzuhören. Jetzt bin ich seit fünf Jahren „clean“. Ich

habe einen festen Job, mache Weiterbildung. Bald möchte ich

eine eigene Familie gründen. In unserer Selbsthilfegruppe für

russischsprachige Menschen fühle ich mich wohl. In der

Gruppe können wir uns öffnen und aktiv mitteilen. Wir denken

alle in der gleichen Sprache. Einigen hat unsere Gruppe schon

dabei geholfen, erste Schritte zu machen, sich von ihrer Sucht

zu befreien. Unsere Treffen helfen auch denen, die schon

„clean“ leben, sich in diese neue Lebensweise zu finden und

gemeinsam Lösungen für verschiedene Alltagsprobleme zu

suchen.“

Im Mai 2012 läuft das Projekt IKUSH aus. Frau Kessler und

ihre Klienten hoffen, dass es auch danach eine Möglichkeit

gibt, suchtkranke Migranten in ihrer eigenen Sprache zu

beraten und ihnen zu helfen, einen Weg aus der Sucht heraus

und in ein zufriedenes Leben in diesem Land zu finden.

Susanne Straßberger, Presse I Fundraising


Sprungbrett ins Leben

durch Hilfe zur Selbsthilfe

Beim Psychosozialen Gemeindezentrum Blickwechsel (PGZ)

können die Besucher und Klienten, Menschen mit psychischen

Erkrankungen bzw. Behinderungen vielfältige Hilfen in

Anspruch nehmen. Sie erhalten Beratung und Begleitung

durch gut ausgebildete Sozialpädagogen. Im Sozialcafé

Blickwechsel können sie neben Speisen und Getränken vor

allem Geselligkeit und Kontakte zu anderen Betroffenen und

Nicht-Betroffenen aufnehmen. Seit Anfang 2010 gibt es eine

betreute Wohngruppe (Außenwohngruppe) in 6 gemütlichen

Zweiraumwohnungen. Mehr als 60 Personen werden im

Ambulant Betreuten Wohnen in ihren eigenen Wohnungen

betreut.

Psychisch erkrankte Menschen brauchen stabile soziale

Kontakte und die Möglichkeit zu sinnvoller Beschäftigung. Um

ihnen dies zu ermöglichen ist ein vielfältiges Spektrum an

weiteren Angeboten innerhalb des Psychosozialen Gemeindezentrums

entstanden.

Schon seit einigen Jahren gibt es die Bürgerwerkstatt, in der

die Besucher verschiedene handwerkliche Arbeiten machen

können. Durch die große Inanspruchnahme dieses Angebotes

(1700 Nutzerkontakte) stößt das Angebot an die Grenzen

seiner räumlichen Kapazitäten. Neue Projekte wie der „Blickwechsel-Garten“

und „Kleine häusliche Hilfen“ und zusätzliche

externe Betätigungsfelder schaffen kurzfristig Abhilfe.

Aber nur durch Überwindung des derzeitigen Provisoriums in

der Bürgerwerkstatt durch Sanierung und Ausbau neuer

Räumlichkeiten würde eine wirkliche Entspannung der Lage

erreicht (längere Öffnungszeiten, mehr Platz, Aufgaben im

Winter).

Am 1. Dezember 2010 ging die Ergotherapiepraxis des PGZ

Blickwechsel „ans Netz“ der kassenfinanzierten medizinischen

Versorgung. Durch gemeinsame interne und externe

Aufklärungs- und Informationsaktionen nahmen mehr und

mehr Patienten diese Leistungen in Anspruch. Langsam

lernen Betroffene wie auch Ärzte, in welcher Weise Ergotherapie

wichtig für die seelische Gesundheit ist. Ziele wie die

Bewältigung von Antriebs- und Motivationsstörungen, von

Konzentrationsstörungen oder die Wiedererlangung bzw.

Erhaltung sozialer und kommunikativer Kompetenz und der

Handlungsfähigkeit im Alltag sind hier wichtige Stichworte.

Ein großer Erfolg war die Einführung des Sonntags-Brunch im

Café. Von Ehrenamtlichen mit vorbereitet und durchgeführt

Jahresbericht 2011 Blickwechsel 33

kommen an jedem ersten Sonntag im Monat etwa 20 Besucher.

Manche bringen Salate oder selbst gebackenen Kuchen

mit. Gegessen wird nicht im Gastraum, sondern an Vierertischen

im Mehrzweck-Raum, wo die Atmosphäre gemütlicher

ist. Das SonntagsBrunch ist auch ein guter Anlaufpunkt für

Besucher, die in der Woche arbeiten müssen sowie für neue

Gäste, die die Einrichtung erst einmal kennenlernen möchten.

Manche Aktivität und gegenseitige Hilfe entsteht hier beim

Essen oder beim Spaziergang zwischendurch.

Überhaupt auffällig und erfreulich ist in letzter Zeit die Zunahme

von Selbsthilfeaktivitäten und gegenseitiger Unterstützung

unter den Klienten. Krankenbesuche, Renovierungsarbeiten,

Umzugs- und Transporthilfen, Haustierpflege oder Informations-

und Erfahrungsaustausch zum Umgang mit Ämtern und

Behörden - all das organisieren die Besucher selbst. Ebenso

Rommé-, Skat- und Tischtennisturniere oder auch Besuche

auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt und der Ballon-Fiesta in

Leipzig-Lößnig. Zahlreiche Besucher feiern ihre Geburtstage

gemeinsam in den Räumen des Cafés; im Jahr 2010 heirateten

hier sogar zwei regelmäßige Cafébesucher. Die Blickwechsel-Feste

wie Fasching, Frühlingsfest, Herbstfest,

Heiligabend und neuerdings Silvester sind feste Größen im

Besucherterminkalender. Immer treten dabei die ‚einheimische‘

Singegruppe und Musikgruppe auf.

Johannes Wonnberger I Leiter des Psychosozialen Gemeindezentrum

Blickwechsel


34 Jahresbericht 2011 Erziehungsstellen

Zehn Jahre Erziehungsstellen

Antje Stabrey ist von Anfang

an dabei

Kinder brauchen eine Familie! So lautete die Überschrift

über dem ersten Werbeaufruf 2001 auf der Suche nach

Erziehungsstellenfamilien. In diesem Jahr feiert der Trägerverbund

für Erziehungsstellen in Leipzig sein zehnjähriges

Bestehen. Zum Trägerverbund gehören der Diakonische Werk

Innere Mission Leipzig e.V., der AWO Leipzig Stadt e.V., der

Herbie e.V. und der Fairbund e.V.

Das Jugendamt der Stadt Leipzig suchte damals nach einer

geeigneten Betreuungsform für besonders entwicklungsbeeinträchtigte,

vernachlässigte, traumatisierte Kinder, welche

dauerhaft oder langfristig getrennt von ihrer Herkunftsfamilie

lebten. Um diesen Kindern eine sichere Zukunftsperspektive

zu bieten und weitere Beziehungsabbrüche zu vermeiden

brauchte es eine Hilfeform alternativ zur stationären Unterbringung

im Heim und der klassischen Pflegefamilie. Dieses

spezielle Betreuungsangebot bieten Erziehungsstellen.

Ähnlich wie bei der klassischen Pflegefamilie werden die

betroffenen Kinder hier vorübergehend, oft aber dauerhaft in

eine Ersatzfamilie integriert. Erziehungsstellen unterscheiden

sich gegenüber der herkömmlichen Pflegefamilie jedoch

durch ihren professionellen Anspruch. Mindestens ein Elternteil

muss eine pädagogische oder psychologische Ausbildung

haben. Schon vor der Aufnahme des Kindes in die Familie

wird die Familie umfassend geschult und während der gesamten

Zeit kontinuierlich begleitet und beraten. Die Beraterinnen

sind speziell geschult und sind rund um die Uhr ansprechbar.

Frau Stabrey, Sie waren von Anfang an dabei. Was ist für Sie

die wichtigste Erfahrung dieser Jahre?

Das sich die Anstrengung lohnt! Ich habe den Weg der ersten

Kinder vor Augen, die heute zum Teil schon volljährig sind und

auf dem besten Weg in ein eigenverantwortliches, selbstbestimmtes

Leben. Diese Kinder haben wir auf einen guten Weg

gebracht.

Können Sie etwas zu der Entwicklung dieser Kinder sagen?

Mir fallen die verschiedensten Schicksale von Kindern ein, die

Mit diesem Motiv auf Plakaten und Flyern suchen die Mitarbeiterinnen der Erziehungsstellen

nach neuen Pflegeeltern.

mir im Laufe der Zeit begegnet sind. Kinder mit Erfahrungen,

die zu schlimm sind, um sie allein bewältigen zu können. Der

kleine Junge, verwahrlost und tagelang eingesperrt in seinem

Zimmer bis Hilfe kam. Das Mädchen misshandelt vom

eigenen Vater, gezeichnet für ihr ganzes Leben. Jedes

Schicksal hat mich erschüttert und umso mehr freue ich mich

an der guten Entwicklung, die fast alle Kinder in den Erziehungsstellen

nehmen konnten und können. Viele sind dabei,

einen Beruf zu erlernen und leben mittlerweile in ihrer eigenen

Wohnung, sie haben ihre Freunde und führen ihr eigenes

Leben.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Madlen, zum Beispiel, kam mit 10 Jahren aus dem Kinderheim

in eine Pflegefamilie. Sie hatte sich selbst dafür entschieden,

diesen Schritt zu wagen, wollte aber unbedingt mit

ihrer Schwester zusammen bleiben. Zum Glück fand sich eine

Familie, die beide Kinder aufnehmen konnte. Diese Familie

hatte selbst schon vier Kinder großgezogen und – da diese

aus dem Haus waren – Zeit und ein offenes Herz für die

beiden Mädchen aus dem Kinderheim, die bei ihren eigenen

Eltern nicht mehr leben konnten. In dieser neuen Familie ging

Madlen durch die Höhen und Tiefen der Kindheit und durch

die Krisen der Pubertät. Madlen ist heute 18 Jahre alt, lebt in

einer eigenen Wohnung und geht in die 12. Klasse. Sie ist

selbstbewusst, zielstrebig und weiß, was sie will. Nach dem


Abitur möchte sie ein Jahr lang als Au pair in die USA gehen

und anschließend studieren. In ihrer Freizeit tanzt sie in einer

Hip-Hop Tanzgruppe, daneben ist sie Trainerin für eine

Kindertanzgruppe. Mit ihren Pflegeeltern hat sie immer noch

regelmäßig und guten Kontakt. Bei ihr ist es wirklich sehr gut

gelaufen.

Wie viele Kinder wurden in den vergangenen zehn Jahren

vermittelt?

82 Kinder sind das bis heute. Vielleicht nicht viele, werden

manche denken, aber für jedes einzelne von ihnen war die

Geborgenheit, die Liebe und Zuwendung, das Verständnis

und die Geduld in ihren Ersatzfamilien eine zweite Chance.

Eine Chance auf die Sicherheit einer Familie, eine Chance ihre

verletzten Seelen zu heilen und ihre Persönlichkeit zu entfalten.

Hinter diesen Erfolgen steckt sicherlich auch ein ganzes Stück

Arbeit und Anstrengung – nehme ich an?

Bei Anstrengung denke ich in verschiedene Richtungen. Ich

erinnere mich an die Anfangszeit, bis das Projekt anlaufen

konnte, an die viele Vorarbeit und fachlichen Diskussionen.

Später dann die vielen Anstrengungen der Familien, an die

harten Geduldsproben, Diskussionen, Tränen, Streitgespräche,

an Eifersucht und Unverständnis, an die Anfechtungen

von außen, an die Verzweiflung und die vielen winzigen

Schritte die es zu gehen bedurfte bis sich Erfolge

einstellten. Die Probleme waren oftmals nicht einfach zu

bewältigen und gingen häufig an die Grenzen der Belastbarkeit

von Erziehungseltern und Pflegeeltern. Natürlich gab es

auch Enttäuschungen. Aber meistens konnte dann doch noch

eine Lösung des Problems herbeigeführt werden.

Und Ihre Rolle als Beraterin – wie sehen Sie sich selbst?

Wir als Beraterinnen sind für die Familien immer ansprechbar.

Wir helfen bei Problemen und Konflikten, vermitteln wenn

nötig zu weiterführenden Hilfen und geben Erfahrungen

weiter. Die Familien müssen wissen, dass sie mit dieser

schwierigen Aufgabe nicht allein gelassen werden. Wichtig ist

auch unsere Netzwerkarbeit. Die Erziehungsstellenfamilien

stehen im regelmäßigen fachlichen Austausch, erhalten

Fortbildungsangebote und bei Bedarf Supervision. Es gibt

verschiedene Angebote für die gesamte Familie, ebenso wie

Gruppenaktivitäten für die Kinder. Nicht alleine zu stehen mit

einem besonderen Schicksal ist auch für die Kinder eine wichtige

Erfahrung. Da wachsen auch zwischen den Kindern über

die Jahre Freundschaften, gemeinsame Freizeitaktivitäten

werden gern wahrgenommen und in diesem Jahr gibt es

schon das zweite Mal das Angebot einer mehrtägigen

Ferienfreizeit in Begleitung der Beraterinnen des Trägerverbundes.

Haben Sie einen Rat, den Sie zukünftigen Bewerbern für

Erziehungsstellen mitgeben?

Erwarten Sie nicht kurzfristig Dankbarkeit von Seiten der

Kinder, sondern erleben Sie vielmehr Ihre eigene Zufriedenheit

etwas Sinnvolles und Wertvolles für ein Kind zu tun, dessen

Chance im Leben ohne Sie schlechter gewesen wäre. Und

schöpfen Sie Kraft und Freude aus den leuchtenden Augen

der Kinder und deren Vertrauen in ihre Person, auf ihre Geduld

und auf ihr Einfühlungsvermögen.

Mit welchen Gedanken blicken Sie in die Zukunft?

Wir wissen, dass unsere Arbeit wichtig ist, wir sehen, dass wir

Erfolge haben, dass wir Kindern die Chance geben können, in

einer Familie aufzuwachsen. Doch unsere ständige und größte

Sorge ist: Es fehlen weitere Familien, die sich den besonderen

Herausforderungen dieser sehr individuellen Aufgabe stellen

wollen. Es gibt viel mehr Kinder, die noch auf ihre Chance der

Aufnahme in eine Erziehungsstelle warten. Auch klassische

Pflegeeltern werden immer gesucht.

www.erziehungsstellen-leipzig.de

Das Interview führte Susanne Straßberger.

Jahresbericht 2011 Erziehungsstellen 35


36 Jahresbericht 2011 Wirtschaftsbericht

Wirtschaftsbericht

Grundsätzliche Überlegungen

Das Absinken der Wirtschaftsleistung in Deutschland im Jahr

2009 schlug erst im Berichtsjahr auf unser Werk durch.

Mindereinnahmen bei den Gebietskörperschaften bewirkten

dort eine rigide Sparpolitik. Das führte bei uns dazu, dass

Kostenmehrungen, insbesondere kollektivvertraglich vereinbarte

Gehaltssteigerungen, nicht durch Ertragsverbesserungen

ausgeglichen werden konnten.

Leider ist unter Politikern und in der Verwaltung die Ansicht

weit verbreitet, dass freigemeinnützige Organisationen

Leistungen im sozialen Sektor kostengünstiger zu erbringen

hätten als staatliche Organisationen, weil die Entgelte der

Beschäftigten mit vergleichbaren Aufgaben hier niedriger zu

sein hätten als im öffentlichen Sektor. Dieser irrigen Auffassung

ist, wo immer möglich, zu widersprechen. Gleiche

Leistung verdient gleiches Entgelt. Wir wünschen uns, auch

diesbezüglich, mehr Ehrlichkeit in Politik und Verwaltung.

Irritiert sind wir aber auch durch die unbewiesene Behauptung

von gewerkschaftlicher Seite, Entgelte, die im sogenannten

Dritten Weg, das heißt durch paritätisch besetzte Arbeitsrechtliche

Kommissionen vereinbart worden sind, wären

grundsätzlich niedriger als die im Zweiten Weg, das heißt

unter Mitwirkung der Gewerkschaften ausgehandelten

Gehälter. Dies kann nicht der Realität entsprechen,

sonst wäre die auch von einigen Einrichtungen der Diakonie

betriebene Ausgliederung bestimmter Arbeitsfelder, für die

dann Regelungen, die an im Zweiten Weg ausgehandelte

Tarifverträge angelehnt sind, angewendet werden, betriebswirtschaftlich

nicht sinnvoll.

Darstellung des Geschäftsverlaufs vom 01.01.2010 bis

31.12.2010

Überblick

Im Jahr 2010 konnten wir die ordentlichen Erträge erneut, um

3,1 %, steigern. Dies resultiert aus der Ausweitung von

Aktivitäten und der Verbesserung von Betreuungsleistungen.

Der Ertragszuwachs konnte weder den Anstieg der Sachaufwendungen

(3,5 %; ohne Abschreibungen und Zinsen) noch

den der Personalaufwendungen (6,2 %) ausgleichen. Dem

Kostendruck versuchten wir durch Optimierung der Prozesse,

stärkeren, allerdings auch kostenintensiven Einsatz der EDV

und effektivere Nutzung vorhandener Ressourcen zu begegnen.

Dies gelang nicht vollständig, zumal der von uns verlangte

Verwaltungsaufwand, insbesondere für Dokumentation


und Statistik, weiter ansteigt.

Am 31.12.2010 waren 985 (Vorjahr 919) Menschen in unserem

Werk beschäftigt, von denen allerdings 45 (Vorjahr 53)

langfristig abwesend waren. Die verbleibenden 940 (Vorjahr

866) Personen füllten fast 723 (Vorjahr 697) Vollzeitarbeitsplätze

aus. Darunter waren im Berichtsjahr 70 Mitarbeitende, die

aus Mitteln der Beschäftigungsförderung finanziert wurden.

Hiervon konnten wir 12 Menschen in dauerhafte Arbeitsverhältnisse

übernehmen. Die von interessierter Seite lancierte

Meinung, mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sei Wiedereingliederung

in den ersten Arbeitsmarkt nicht erreichbar,

halten wir für falsch.

Im Jahr 2010 wandten wir etwa 101 (Vorjahr 94) T€ für Fort-

und Weiterbildung sowie Supervision auf.

Zum Ende des Jahres 2009 gaben wir 16 Auszubildenden in

unseren Pflegeheimen die Möglichkeit, Praktika zu absolvieren.

Weitere 8 junge Menschen absolvierten den praktischen

Teil ihrer über Bildungsgutscheine finanzierten Ausbildung in

unseren Einrichtungen.

Unsere Beschäftigungspflichten nach dem Schwerbehindertenrecht

haben wir wieder eingehalten.

Unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danken wir für ihre

engagierte Leistung, die innerhalb wie außerhalb unseres

Werkes hoch geschätzt wird. Hiervon konnte sich auch

Landesbischof Jochen Bohl, der unser Werk in die Visitation

des Kirchenbezirkes Leipzig einbezog, überzeugen.

Fachbereich Altenhilfe

Die Wettbewerbsposition unserer Pflegeheime ließ es uns

2010 nicht sinnvoll erscheinen, Verhandlungen über Entgelterhöhungen

anzustreben. Die Entscheidungen über den

Mindestlohn in der Pflege und die Anerkennung der Arbeitsvertragsrichtlinien

der Diakonie Sachsen als Basis der mit den

Jahresbericht 2011 Wirtschaftsbericht 37

Pflegekassen zu vereinbarenden Entgelte waren im Markt

noch nicht wirksam geworden. Da die auch in diesem Fachbereich

eingetretenen Kostensteigerungen nicht durch

Ertragszuwächse ausgeglichen wurden, konnten wir den hier

Mitarbeitenden leider nur einen geringen Teil des zweiten Teils

der Jahressonderzahlung 2010 auszahlen.

Die auch politisch gewollte Tendenz, den Einzug eines

pflegebedürftigen Menschen in ein Pflegeheim hinauszuzögern,

führte zu einem durchweg schlechteren Gesundheitszustand

unserer Bewohner. Folgen sind längere und vermehrte

Krankenhausaufenthalte und häufiger Belegungswechsel

durch Versterben von Bewohnern. Die daraus resultierenden

zunehmenden psychischen Probleme unserer Mitarbeitenden

haben wir ebenso zu berücksichtigen wie höhere Verwaltungs-

und Renovierungsaufwendungen.

Fachbereich Behindertenhilfe

Im Jahr 2010 verzeichneten wir, trotz häufigeren Wechsels der

Bewohner, in den Wohnstätten für Menschen mit (geistigen)

Behinderungen eine Auslastung von über 97 %. Leider reagieren

staatliche Verwaltungsinstanzen nur mit Zeitverzögerung

auf die Folgen des demografischen Wandels sowie einer

Zunahme von Menschen mit einer Kombination von geistiger

Behinderung und starker Verhaltensauffälligkeit. Das daraus

resultierende wirtschaftliche Risiko haben wir und unsere

Mitarbeitenden zu tragen.

Eingehen auf individuelle Bedürfnisse, z.B. Einzelzimmer als

Rückzugsraum, und Inklusion werden zwar offiziell, auch von

Politikern aller Fraktionen, gefordert, die Schaffung der dafür

notwendigen strukturellen Voraussetzungen, z. B. in der

lokalen Gemeinwesenarbeit, wird aber nicht hinreichend

finanziert.

Einen großen Arbeitsumfang nahm die Vorbereitung auf die


38 Jahresbericht 2011 Wirtschaftsbericht

vom Kommunalen Sozialverband (KSV) angestrebte Umstellung

der Bemessungsgrundlage der Entgelte für unsere

Leistungen hin zu einem stärker pauschalierten System in

Anspruch. Leider ist es bisher nicht zu einer Einigung gekommen.

Wir müssen vermuten, dass einerseits die interne Abstimmung

im KSV zwischen fachlicher Beurteilung und finanzieller

Auswirkung dort zu Friktionen führte und andererseits die

Umstellung als Mittel der Kürzung individueller Leistungen

genutzt werden soll.

Die schlechten wirtschaftlichen Ergebnisse in unseren

Wohnstätten für Menschen mit Behinderungen (WSB) sind vor

allem auf das Verhalten des KSV zurückzuführen. Wie waren

gezwungen, den in den WSB Arbeitenden unseres Werkes

den zweiten Teil der Jahressonderzahlung für das Jahr 2010

nicht auszuzahlen.

Die Leistung in unseren drei Lindenwerkstätten konnte trotz

schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen auf ca.

1.087 T€ (netto) leicht gesteigert werden. Ebenso stieg auch

die Zahl der Arbeitsplätze leicht.

Gemeinsam mit Lehrern allgemeinbildender Schulen verfolgen

Mitarbeitende unserer Förderschule für Kinder mit geistigen

Behinderungen Konzepte inklusiven Lernens, um Veränderungen

mitgestalten zu können.

Fachbereich Beratungs- und Betreuungsdienste und Kindertagesstätten

In die Arbeit in die Einrichtungen dieses Fachbereiches

bringen wir Gelder unserer Landeskirche, den weitaus größten

Teil der Spenden sowie Eigenmittel ein.

Auf inhaltliche Aspekte der Arbeit ist die Fachbereichsleiterin,

Frau Dösinger-von Wolffersdorff eingegangen.

Darstellung der Lage

Vermögens- und Finanzlage

Das langfristig gebundene Vermögen in Höhe von fast 63,4

Mio. € ist durch Eigenkapital (nach Ergebnisverwendung etwa

22,4 Mio. €), Sonderposten (rund 40,5 Mio. €) und lang- und

mittelfristig verfügbares Fremdkapital (rund 8,8 Mio. €)

finanziert. Im Berichtsjahr konnten weitere Kredite in Höhe

von gut 320 T€ außerplanmäßig zurückgezahlt werden. Auch

im Jahr 2010 haben wir, wenn auch nicht in uns befriedigendem

Umfang, Reserven zur Abdeckung künftiger bau-


licher Risiken gebildet.

Zur Minderung der Bilanzsumme trug die Umsetzung der

Vorschriften des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes

insbesondere hinsichtlich jener Positionen, die mit Altersteilzeitvereinbarungen

im Zusammenhang stehen, bei.

Aus dem Jahresergebnis von knapp 0,7 Mio. € stärkten wir

die Rücklagen, die Eigenkapitalquote kann damit auf 29,8 %

verbessert werden.

Der Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit blieb auf

gesunkenem Niveau positiv, der Finanzmittelbestand hat,

auch auf Grund der Erfüllung von Investitionsverpflichtungen

und außerplanmäßiger Kreditrückführungen, abgenommen.

Im Berichtsjahr konnten mehrere Verfahren zur Prüfung von

Verwendungsnachweisen abgeschlossen werden. Damit

erlangten wir Rechtssicherheit hinsichtlich aller bis 2009

abgeschlossenen Baumaßnahmen.

Das Haus der Stadtmission soll zum einen stärker zur Arbeit

von und mit Menschen mit Behinderungen und zum anderen

als Begegnungszentrum genutzt werden. Den aus Mitteln der

EU und der Städtebauförderung finanzierten ersten Bauabschnitt

konnten wir 2010 fertig stellen. Für weitere Bauabschnitte

wurde der Sächsischen Aufbaubank ein Finanzierungsantrag

eingereicht.

Eine Außenstelle unserer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen

in Panitzsch konnte, in deren direkter Nähe, in

gemieteten Räumen in Nutzung genommen werden. Der KSV

hält leider erst jetzt, mit über einem Jahr Verspätung, seine

schriftlich gegebenen Zusagen ein.

Für die Förderschule führten wir im Jahr 2010 eine bauliche

Erweiterung durch, die langfristig die Konkurrenzfähigkeit der

Schule auch dann verbessert, wenn inklusive Beschulung von

Schülern mit geistiger Behinderung in stärkerem Maße

durchgesetzt wird.

Im Jahr 2010 konnten wir mit einem ersten Bauabschnitt des

letzten Ersatzneubaus in Borsdorf beginnen. Die Absenkung

der Förderung hat eine Absenkung des baulichen Standards

zur Folge. Dies glichen wir durch höheren Eigenmitteleinsatz,

allerdings nur teilweise, aus.

Bei den Geldanlagen unseres Werkes mussten wir auch im

Berichtsjahr keine Kapitalverluste oder Zinsausfälle hinnehmen.

Derivative Finanzgeschäfte haben wir nicht getätigt.

Ertragslage

Jahresbericht 2011 Wirtschaftsbericht 39

Im Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mussten wir

eine Verschlechterung auf rund ./. 179 T€ hinnehmen, dazu

trug das Finanzergebnis mit ./. 325 T€, rd. 43 T€ schlechter

als im Jahr 2009, leider wesentlich bei.

Unser Ziel, positive Betriebsergebnisse auch in den einzelnen

Einrichtungen zu erwirtschaften, haben wir insbesondere in

stationären Einrichtungen nicht erreicht.

Die gute Auslastung unserer Förderschule war Grund für

deren Überschuss. Auch in unserer Werkstatt für Menschen

mit Behinderungen konnten wir einen Überschuss erzielen.

Außerordentliche Erträge wurden durch Auflösung von

Rückstellungen erzielt, da aus gesetzlicher Altersteilzeitregelung

keine neuen Ansprüche mehr entstehen können.

Das Spendenaufkommen, insbesondere für vorab bestimmte

Objekte oder Projekte, konnte erneut leicht gesteigert werden.

Verlässlicher Berichterstattung über die vereinnahmten

Spenden kommt immer stärkeres Gewicht zu.

Bericht zur Steuerung des Vereins

Eine aus der neuen Fassung der Satzung abgeleitete Geschäfts-

und Zuständigkeitsordnung unseres Vereins wurde

vom Verwaltungsrat in Kraft gesetzt.

Systeme des Risikomanagements sowie des inhaltlichen Controlling

sind im Aufbau.

Das Rechenzentrum wurde neu strukturiert und die elektronischen

Leitungswege zwischen unseren Einrichtungen haben

wir verbessern können, dies war Voraussetzung für optimierende

und ergänzende Maßnahmen des Einsatzes von

EDV-Programmen. Langfristig erwarten wir neben Kostenminderungen

auch Effizienzsteigerungen.

Den Jahresabschluss 2010 hat der Wirtschaftsprüfer uneingeschränkt

testiert, die Prüfung der Ordnungsmäßigkeit der

Geschäftsführung wies keine schwerwiegenden Beanstandungen

auf.

Auch im Berichtsjahr hat es keine die Existenz des Werkes

bedrohenden Sachverhalte gegeben. Die Zahlungsfähigkeit

des Werkes und seiner Einrichtungen war stets gegeben,

Zahlungen wurden und werden unter Nutzung von Skonti

vorgenommen.


40 Jahresbericht 2011 Wirtschaftsbericht

Nachtragsbericht

Geschäftsverlauf bis heute

Bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichtes mussten

wir keine Einbrüche in der Belegung und der Nutzung unserer

stationären Einrichtungen und ambulanten Dienste hinnehmen.

Mit den Pflegekassen und dem KSV nahmen wir Verhandlungen

über die Entgelte für die Leistungen, die wir in unseren

Pflegeheimen erbringen, auf. Setzt sich der bisherige Trend

der Ergebnisse fort, können wir vermutlich in diesem Sektor

im Geschäftsjahr 2011 den weiteren Kostenanstieg ausgleichen.

Unsere Marktposition in Leipzig müssen wir dabei

ebenso beachten wie die Fähigkeit und die Bereitschaft der

Bewohner und ihrer Angehörigen, den jeweiligen Eigenanteil

zu leisten. Die Leistungen unseres ambulanten Pflegedienstes

werden weiter ausgeweitet.

Im April des Jahres 2011 konnten die Bewohner in den

erwähnten Neubau in Borsdorf umziehen.

Der dem KSV zugehörige Medizinisch Pädagogische Dienst

hat die BewohnerInnen unserer Einrichtungen begutachtet

und dabei zum großen Teil unsere Einschätzung bestätigt.

Leider hält die Verweigerungshaltung des KSV immer noch

an.

Durch eine Veränderung der Organisationsstrukturen wollen

wir die Voraussetzungen für die notwendige Verbesserung

des wirtschaftlichen Ergebnisses unserer Lindenwerkstätten

schaffen. Die Tendenz, dass mehr Beschäftigte Doppeldiagnosen

aufweisen, hält an. Damit steigen daraus resultierender

Betreuungsaufwand und auch Ausfallzeiten, die der

KSV allerdings nur unzureichend finanziell ausgleicht.

Anhaltend großer Bedarf veranlasste uns, die Kapazität im

Projekt Funke nochmals zu erweitern.

Auslastungsproblemen in unserer Einrichtung der stationären

Jugendhilfe konnten wir durch Flexibilisierung der Angebote

unter Einhaltung der Betriebserlaubnis begegnen.

Die Stadt Leipzig hat im Jahr 2011 die Dynamisierung der

Leistungen für unsere Kindertagesstätten wieder einsetzen

lassen, allerdings reicht die Größenordnung der Anpassung

nicht aus, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu

werden und die Gehaltssteigerungen unserer Mitarbeitenden

auszugleichen.

Aktuelle Vermögens- und Finanzlage

Die Gebäudesubstanz unseres Werkes erhalten wir durch

entsprechende Aufwendungen für laufende Instandhaltungen,

die Finanzierung erfolgt weiterhin aus eigenen Mitteln.

Die Zahlungsfähigkeit des Werkes war und ist gesichert,

Skonti werden bei Rechnungsbegleichung abgezogen.

Die Geld- und Kapitalanlagerichtlinie wurde überarbeitet,

dabei behielten wir die konservative, auf Sicherheit der Anlage

gerichtete Strategie bei.

Das Objekt Otto-Schill-Straße 7 haben wir erworben und so

Grundstückseigentum und Erbbaurecht wieder vereinigt. Die

Gebäude des Lutherstifts in Störmthal haben wir an den

Prisma e.V., einen diakonischen Träger der Arbeit mit jungen

Straffälligen, vermietet.

Aktuelle Ertragslage

In den ersten Monaten des laufenden Jahres konnten die

steigenden Personalkosten, resultierend aus den in der

Arbeitsrechtlichen Kommission vereinbarten Zuwächse und

der Anhebung des Pflichtbeitrages zur Evangelischen Zusatzversorgungskasse

Darmstadt, nicht durch Ertragszuwächse

ausgeglichen werden. Im Jahr 2011 wird eine nochmalige

Verschlechterung des Ergebnisses aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit

sowie des Jahresergebnisses ausgewiesen

werden müssen.

Unternehmenssteuerung

Infrastruktur, Anwendungen und Einsatzmöglichkeiten unserer

EDV werden mit dem Ziel der Optimierung der Prozesse und

damit der Minderung der Gesamtkosten weiter optimiert.

Internen Prüfungen werden wir zukünftig stärker unser

Augenmerk schenken.

Ausblick

Während sich die finanzielle Lage anderer Gebietskörperschaften

im Zuge der konjunkturellen Entwicklung besser

entwickelt als angenommen, gilt dies für die Kommunen und

ihre Zweckvereinigungen meist nicht.

Wir rechnen mit dem häufigeren Einsatz von den Wettbewerb

verstärkenden Maßnahmen, darauf bereiten wir uns u.a. durch

weitere Intensivierung des Qualitätsmanagements vor. Sofern

Ausschreibungen für bisher von uns z.B. im Auftrag der Stadt

Leipzig erbrachte Leistungen erfolgen, werden wir unsere

durch die Bindung an die AVR vergleichsweise hohen Personalkosten

durch hohe Qualität der Leistungserbringung und

die Nutzung ehrenamtlichen Engagements z.B. infolge

unserer Einbindung in kirchliche Strukturen zu kompensieren

versuchen. Gelingt dies nicht, werden wir die Kürzung und

notfalls Einstellung der betreffenden Leistungen erwägen

müssen. Wir bezweifeln, dass insbesondere der Preiswettbe-


werb bei Erbringung sozialer Leistungen ein adäquates

Entscheidungsinstrument ist.

Falls unsere Landeskirche in den kommenden Jahren die

finanziellen Leistungen zum Betrieb von ihr gewünschter

Dienste einschränken wird, werden wir möglicherweise mit

Leistungseinschränkungen reagieren müssen.

Die Evangelische Zusatzversorgungskasse wird 2013 den

Regelbeitrag erneut anheben. Dies findet in den Verhandlungen

in der hiesigen Arbeitsrechtlichen Kommission auf der

Dienstnehmerseite leider keine Berücksichtigung.

Auf Vereinfachung der Vorschriften zur Dokumentation in der

Pflege hoffen wir inzwischen nicht mehr.

Wir beschäftigen uns mit weiteren Maßnahmen der Krankheits-

insbesondere der Sturzprävention.

Die Kooperation mit Schulen und anderen Bildungsträgern

werden wir intensivieren und verstärkt Praktika anbieten.

Damit sollen junge Menschen frühzeitig für Berufe sozialer

Arbeit, aber auch für freiwilliges soziales Engagement interessiert

werden.

Mit dem als Ersatz für den Zivildienst eingeführten Bundesfreiwilligendienst

sind hohe Erwartungen verbunden, deren

Erfüllung gegenwärtig nicht einschätzbar ist.

Für den notwendigen Ersatz von Plätzen in einer Wohnstätte

für meist ältere Menschen mit Behinderungen wollen wir, auch

um Inklusion zu realisieren, eigene Altbausubstanz außerhalb

unseres Geländes in Borsdorf nutzen. Es erstaunt uns, dass

das Sächsische Staatsministerium des Sozialen dem nicht

positiv gegenübersteht, obwohl auch von dort stets Inklusion

gefordert wird.

Unsere Suchtberatungs- und Behandlungsstelle „Blaues

Kreuz“ ist in neue, erweiterte Räume eingezogen.

Der Wechsel der Politik der Arbeitsverwaltung führt zu einem

Abschmelzen geförderter Arbeitsplätze. Die dadurch entstehenden

Betreuungslücken, insbesondere in der Kontaktstube

für Wohnungslose Oase und unserem Psychosozialen

Gemeindezentrum Blickwechsel, werden wir mangels eigener

finanzieller Mittel nicht auffüllen können.

Das breite Spektrum unserer Leistungen ermöglicht Vernetzungen,

die einerseits dem Klientel zu Gute kommen und

andererseits Synergien bergen. Wir halten es für unwahrscheinlich,

dass kurz- oder mittelfristig Problemstellungen in

einzelnen Diensten oder Einrichtungen existenzgefährdend

auf das ganze Werk durchschlagen.

Um die Bindung freiwillig, unentgeltlich tätiger Menschen an

unser Werk sind wir weiter bemüht, stets mit den Hinweisen,

dass auch Ehrenamt nicht frei von (finanziellem) Aufwand

Jahresbericht 2011 Wirtschaftsbericht 41

wahrzunehmen ist und Ehrenamt nicht Hauptamt ersetzen

kann. Nur gemeinnützige Vereinigungen, so unsere Überzeugung,

sind allerdings in der Lage, bürgerschaftliches Engagement

im sozialen Bereich erfolgreich zu befördern.

Als Dienstleister auf dem Sozialmarkt wie auch als Dienstgeber

am Arbeitmarkt genießen wir ein großes Vertrauen, für das

wir sehr dankbar sind, das uns stärkt. Um dieses Vertrauen

muss aber auch jeden Tag neu geworben werden. Wir

müssen beweisen, dass wir diesen Vertrauensvorschuss nicht

missbrauchen. Dies ist uns bewusst, es bestimmt unser

Handeln.

Sönke Junge

Kaufmännischer Vorstand

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42 Jahresbericht 2011 Bericht Verwaltungsrat

Rückblick und zukünftige

Entwicklung

Bericht des Verwaltungsrates

Im Berichtszeitraum von September 2010 bis August 2011 hat

der Verwaltungsrat sechsmal getagt. Der Hauptausschuss

des Verwaltungsrates tagte viermal.

Hauptsächliche Themen, die im Verwaltungsrat besprochen

wurden, waren:

< wirtschaftliche Entwicklung des Werkes

< Beschluss einer Geschäfts- und Zuständigkeitsordnung

(GZO)

< Beschluss zur Dienstanweisung „Zum Umgang in

Fällen von sexualisierter Gewalt gegen über Schutz

befohlenen sowie gegenüber Mitarbeitenden des

DWIML e.V.“

< Beschluss einer Geld- und Kapitalanlagerichtlinie

< Beschluss des Wirtschaftsplanes 2011

< Dienstverlängerung Missionsdirektor Kreusel bis

2015 durch das Landeskirchenamt nach Antrag des

Verwaltungsrates

< Stand der aktuellen Entgeltverhandlungen

< Schwerpunktsetzung inhaltlicher Arbeit in Bezug auf

die Verwendung der Eigenmittel des Werkes

< Beratung und Beschlussfassung zum Jahresab-

schluss 2010

< Beschluss zum Ankauf des Objektes Otto-Schill-

Str. 7 (Vorderhaus)

< Beschluß zur Übernahme der Trägerschaft der

Kindertagesstätte St. Laurentius der Ev.-Luth.

Kirchgemeinde Leipzig-Leutzsch

< Mietvertrag Georg-Schumann-Str. 172 als neuen

Standort der Suchtberatungs- und ambulanten

Behandlungsstelle Blaues Kreuz

Wichtige Aktivitäten und Projekte im vergangenen Berichtszeitraum

Am 21. Mai 2011 konnte am Rande des Geländes des

Ev.-Luth. Diakonissenhauses Borsdorf das seit langer Zeit

geplante Haus am Viadukt in Dienst gestellt werden. Es ist

beabsichtigt, weitere Plätze für Menschen mit Behinderungen

in werkseigenen Immobilien in Borsdorf entstehen zu lassen.

Da der Bedarf an Räumen für die Suchtberatungs- und

Behandlungsstelle Blaues Kreuz weiter gestiegen ist, hat

diese Einrichtung seit dem 1.10.2011 nun nicht mehr in der

Theresienstraße 7, sondern in der Nähe des Arbeitsamtes, in

der Georg-Schumann-Straße 172, ihren neuen Standort.

Das frühere Eigentum des Werkes, das Haus in der Otto-

Schill-Straße 7, konnte zurückerworben werden und dient nun

durch Mieteinnahmen der Stabilisierung der Vermögenseinkünfte.

Im Fachbereich der Altenhilfe erweiterte sich die Arbeit der

Sozialstation deutlich, der geplante Ausbau von Formen des

betreuten Wohnens ist jedoch noch nicht weiter vorangeschritten,

da die Interessen möglicher Investoren und die

unseres Werkes noch nicht ausreichend übereinstimmen.

Schwerpunkte der Arbeit unseres Werkes in der nächsten Zeit

Im Berichtsjahr ist der Wettbewerb um zu pflegende Bewohnerinnen

und Bewohner in den Pflegeheimen weiter gestiegen.

Die Pflegesätze für die Pflegeheime konnten in den

letzten Monaten weitgehend neu verhandelt werden. Sie

befinden sich jetzt durch die vergleichsweise hohen Vergütungen

unserer Mitarbeitenden im obersten Feld. Da die

Leistungen der Pflegeversicherung nicht entsprechend

steigen, sind die Erhöhungen der Pflegesätze weitgehend von

den Bewohnerinnen und Bewohnern der Heime zu tragen,

falls diese nicht wegen zu geringen Einkommens vom Kommunalen

Sozialverbandes übernommen werden. Es ist

erfreulich und spricht für das Engagement der Mitarbeitenden,

dass es trotzdem zu keinen nennenswerten Rückgängen der

Auslastung unserer Heime kam. Allerdings besteht das Risiko,

dass bei einer weiter steigenden Differenz unserer Vergütungen

zu denen der anderen Anbieter unserer Region die

Auslastung und die davon abhängigen Anteile der Arbeitsplätze

in diesem Bereich nicht mehr gehalten werden können. Ob

es der für die Gehaltsentwicklung unserer Mitarbeitenden

zuständigen Arbeitsrechtlichen Kommission gelingt, diese

Tatsachen ausreichend zu berücksichtigen, ist zu hoffen, aber

derzeit noch offen. Die weitere Entwicklung der Qualität der

Arbeit in unseren Pflegeeinrichtungen, sowie durch Effizienzsteigerungen

durch Strukturänderungen (z.B. Organisation der

Küchen), sind deshalb wichtige Aufgaben der nächsten Zeit.

Auch in der Behindertenhilfe ist die Spannung zwischen den

erforderlichen Entgelten der Kostenträger und den nach den

Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie zu zahlenden Gehälter

größer geworden. Interessant und für uns möglicherweise

auch nicht folgenlos ist, dass es im Bereich der stationären

Behindertenhilfe der Stadt Leipzig nach den in den letzten

Monaten erfolgten Veröffentlichungen wohl nicht möglich war,

die dortigen Einrichtungen, in denen die Mitarbeitenden nach


dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TvöD) bezahlt

werden, kostendeckend zu führen. Interessant ist auch, dass

die Mitarbeitenden der städtischen Altenhilfe schon seit

einigen Jahren nicht mehr nach diesem Tarif bezahlt werden,

da er mindestens in Teilen des Sozialwesens nicht mehr

wettbewerbsfähig ist.

Allerdings soll nun wohl doch der städtische Eigenbetrieb

Behindertenhilfe nach entsprechenden Veröffentlichungen

weiter im TvöD geführt werden, was möglicherweise Auswirkungen

auf Vergütungsverhandlungen der Diakonie hat. Es

bleibt zu hoffen, dass der wichtigste Kostenträger der Behindertenhilfe,

der Kommunale Sozialverband Sachsens, nicht

nur – wie in den genannten Veröffentlichungen wohl zugesagt

– die höheren Tarife der städtischen Einrichtungen, sondern

auch die der Diakonie in den anstehenden Kostensatzverhandlungen

entsprechend berücksichtigen wird. Darüber

hinaus müssen aber auch die Bemühungen in einigen Einrichtungen

der Behindertenhilfe verstärkt werden, die Strukturen

und Arbeitsabläufe zu überprüfen und zum Teil auch zu

verändern, damit alle Einrichtungen kostendeckend und damit

zukunftsfähig geführt werden können.

Wettbewerb im sozialen Bereich gibt es allerdings nicht nur im

Hinblick auf die Klientel, sondern zunehmend auch im

Hinblick auf die Gewinnung von geeignetem Personal, dies

gilt in besonderer Weise für Fachpersonal. Nicht nur aus

diesem Grund, sondern auch aus ethischen Gründen und

wegen der in den letzten Jahren laufend erhöhten Anforderungen

an die Mitarbeitenden werden das betriebliche Eingliederungsmanagement

sowie die Gesundheitsförderung fortentwickelt.

Das Bemühen um geeignete, besonders auch christlich

geprägte Mitarbeiter ist zur Zeit in der Diskussion bzw. in

Veränderung. Auf diesem Hintergrund werden spezielle

Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen zu Grundlagen

christlichen Glaubens für die Mitarbeitenden unseres

Werkes angeboten. Da viele der von uns betreuten Menschen

im Bereich der Diakonie nicht nur fachliche Professionalität,

sondern auch eine christliche Prägung erwarten, ist es

wichtig, dass es auch in Zukunft christlich geprägtes Personal

in den Einrichtungen gibt. Erfreulicherweise gibt es immer

wieder Mitarbeitende, die sich taufen lassen, da für sie

persönlich der christliche Glaube wichtig geworden ist.

Der „Gottesdienst inklusive“ – Gottesdienst für Menschen mit

und ohne Behinderungen hat bereits in drei Leipziger Kirchgemeinden

stattgefunden. Ziel ist es, am Beispiel eines Gottesdienstes

unterschiedliche Gemeinden für das Thema Inklusion

zu sensibilisieren. In der Praxis werden die Chancen, manchmal

aber auch die Grenzen der Möglichkeiten zur Inklusion

Jahresbericht 2011 Bericht Verwaltungsrat 43

deutlich. Weitere inklusive Gottesdienste sollen im nächsten

Jahr durchgeführt werden. Nach unserer Sicht haben die

Kirchgemeinden als wertevermittelnde Institutionen unserer

Gesellschaft in diesem Zusammenhang eine besondere

Aufgabe.

Im September 2011 hat der Leipziger Stadtrat den Beschluss

gefasst, die Tagesaufenthalte für wohnungslose Menschen

auf der Grundlage von Verträgen an freie Träger zu übertragen.

Ob damit eine Ausschreibung dieser Leistungen durchgeführt

werden kann, halten wir für rechtlich nicht unbedenklich.

Und ob wir uns mit unserer Leipziger Oase an dieser

Ausschreibung beteiligen können, ist nun von den im Ausschreibungstext

enthaltenen Kriterien abhängig und muss

gemeinsam mit dem Caritasverband in dem dafür zuständigen

Kuratorium entschieden werden. Es ist zu hoffen, dass

den für diese Ausschreibung Verantwortlichen deutlich ist,

dass wir in diesem Bereich weit über die Hälfte aller für diese

Arbeit nötigen Ressourcen durch Einwerbung von Spenden

und Ehrenamt selbst aufbringen. Es ist nicht zu erwarten,

dass dies kommerziellen Anbietern gelingen kann.

Weitere Themen, deren Bearbeitung weithin schon begonnen

wurde und die in den nächsten Monaten hohe Priorität haben,

sind:

< Fortentwicklung der Personalverwaltung

< Weiterentwicklung von Gesundheits- und Arbeits

schutz

< Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Kirchge-

meinden - in besonderer Weise im Hinblick auf die

Dienste von Kindertagesstätten

< Fortentwicklung der internen Organisation

Wir danken an dieser Stelle im 142. Jahr des Bestehens

unseres Werkes wieder den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

für ihre engagierten Dienste, ohne die der Dienst an Mitmenschen

nicht so möglich gewesen wäre, wie wir ihn erleben

durften. Auch den etwa 1600 Mitgliedern unseres Werkes

sowie allen Freunden und Helfern danken wir für ehrenamtliche

Dienste, für Spenden, für das Mitbeten und Mittun sowie

für andere Formen der Unterstützung, ohne die viele Aktivitäten

unseres Werkes auch in diesem Jahr nicht möglich

gewesen wären.

Auch wenn weitere Herausforderungen in der Arbeit unseres

Werkes kommen werden, ist zu hoffen, dass durch die

täglichen Dienste auch in Zukunft Menschen hilfreiche

Begleitung, Stärkung der eigenen Kräfte und neue Zukunftshoffnung

erfahren können.

Prof. Dr. Martin Petzoldt

Vorsitzender des Verwaltungsrates


44 Jahresbericht 2011 Anschriften

Anschriften (Stand 1.10.2011)

Diakonisches Werk Innere Mission Leipzig e.V.

Geschäftsstelle - Haus der Diakonie

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig;

Tel.: 0341. 56 12 - 0 Fax: 0341. 56 12 - 11 35

Ev.-Luth. Diakonissen-Mutterhaus Borsdorf

Am Diakonissenhaus 7, 04451 Borsdorf

Tel.: 034291. 891 21

Haus der Stadtmission

Begegnungs- u. Integrationszentrum Lindenau,

Demmeringstr. 18, 04177 Leipzig, Tel.: 0341. 478 22 03

Fachbereich Altenhilfe

Beratungsstelle Altenhilfe

Diakonie im Zentrum

Nikolaikirchhof 3, 04109 Leipzig

Tel.: 0341. 58 61 72 19

Diakonie Sozialstation - Ambulanter Pflegedienst

Lausicker Str. 59 a, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 230 56 56

Pflegeheime und Tagespflegen

< Albert Schweitzer mit Tagespflege

Täubchenweg 14/16, 04317 Leipzig

Tel.: 0341. 684 50

< Marienheim

Chopinstr. 14, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 70 22 00

< Marthahaus

Löhrstr. 9, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 127 20

< Matthäistift mit Tagespflege

Kommandant-Prendel-Allee 85, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 271 30

< Matthias Claudius

Weißenfelser Str. 18, 04229 Leipzig

Tel.: 0341. 870 97 10

< Johann Hinrich Wichern

Seeburgstraße 11, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 866 39 08

< Paul Gerhardt mit Tagespflege

Ludolf-Colditz-Str. 3, 04651 Bad Lausick

Tel.: 034345. 530

Betreutes Wohnen am Matthäistift

Lausicker Str. 59 a, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 271 31 13

Betreutes Wohnen Paul Gerhardt, Bad Lausick

Ludolf-Colditz-Str. 1, 04651 Bad Lausick;

Tel.: 034345. 530

Fachbereich Behindertenhilfe

Hilfen für Menschen mit Behinderungen - Lindentreff

Demmeringstraße 20, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 478 22 44

Besuchs- und Begleitdienst

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 56 12 12 91

Blinden- und Sehbehindertendienst

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 56 12 12 90

Wohnstätten u. Außenwohng. für Menschen mit Behinderungen

< Ev.-Luth. Diakonissenhaus Borsdorf

August-Bebel-.Str. 8, 04451 Borsdorf

Tel.: 034291. 89-0

< Alte Posthalterei

Hauptstr. 21, 04451 Panitzsch

Tel.: 034291. 424-300

< Heinz Wagner

Haus 1 - Scheffelstr. 42, 04277 Leipzig

Tel: 0341. 305 48-60

Haus 2 - Nieritzstr. 9, 04289 Leipzig

Tel.: 0341. 863 850-460

< Katharina von Bora

Freiburger Allee 74, 04416 Markkleeberg

Tel.: 0341. 350 14 71 10

< Martinstift

Arndtstr. 51 a-c, 04275 Leipzig

Tel.: 0341. 30 63 50


Lindenwerkstätten Werkstätten für behinderte Menschen

< Lindenwerkstätten WfbM I

Roßmarktstr. 17/19, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 478 22 00

< Lindenwerkstätten WfbM II

An den Werkstätten 4, 04451 Panitzsch

Tel.: 034291. 44 02 50

< Lindenwerkstätten WfbM III

Edisonstraße 26-28, 04435 Schkeuditz

Tel.: 034204. 704 80

Förderschule Werner Vogel

Hans-Marchwitza-Str. 12, 04279 Leipzig

Tel: 0341. 33 63 80

Fachbereich Beratungs- und

Betreuungsdienste

Diakonie im Zentrum

Nikolaikirchhof 3 in 04109 Leipzig

< Kirchenbezirkssozialarbeit, Tel.: 0341. 58 61 72 22

< Evangelische Jugendhilfe, Tel.: 0341. 58 61 72 12

< Müttergenesung, Tel.: 0341. 58 61 72 20

< Evangelische Lebensberatungsstelle

Ritterstraße 5 Tel.: 0341. 140 60 40

Psychosoziales Gemeindezentrum Blickwechsel

< Beratungsstelle und Sozialcafé

Natonekstr. 2, 04155 Leipzig, Tel.: 0341. 561 14 40

< Ambulant Betreutes Wohnen

Eisenacherstraße 37, 04155 Leipzig

Tel.: 0341. 25 39 79 25

< Kreative Bürgerwerkstatt

Eisenacher Str. 68, 04155 Leipzig

Tel.: 0341. 462 43 94

< Praxis für Ergotherapie

Eisenacher Straße 68, Tel.: 0341. 462 43 95

Suchtberatungs- und ambulante Behandlungsstelle

Blaues Kreuz

Georg-Schumann-Straße 172, 04159 Leipzig

Tel.: 0341. 92 65 70

Ökumen. Kontaktstube für Wohnungslose Leipziger Oase

Nürnberger Str. 31, 04103 Leipzig, Tel.: 0341. 268 26 70

Ökumen. Kontaktstube für Wohnungslose Teekeller Quelle

Nordplatz 14, 04105 Leipzig, Tel.: 0175. 447 80 12

Ökumen. Kontaktstube für Wohnungslose Kleiderkammer

Passgenau, Georg-Schuhmann-Straße 132,

Tel.: 0176. 53 26 14 57

Evangelische Kindertagesstätten

< Das Samenkorn

Demmeringstr. 18, 04177 Leipzig;

Tel.: 0341. 87 07 98-0

< Mosaik

Ferdinand-Rhode-Str. 17 A, 04107 Leipzig

Tel.: 0341. 124 79 90

< Nathanael

Rietschelstraße 12, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 47 83 91 72

< Unter dem Regenbogen

Löhrstr. 9, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 12 452 80

< Kinderarche

Goldsternstraße 21a, 04329 Leipzig

Tel.: 0341. 251 92 72

Jahresbericht 2011 Anschriften 45

< St. Moritz

Max-Liebermann-Straße 2, 04425 Taucha

Tel.: 034298. 98 97 57

Ökumenische Telefonseelsorge Leipzig

Geschäftsstelle, Paul-List-Str.19, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 994 06 76

Ökumenische Bahnhofsmission Leipzig

Hauptbahnhof, Westseite (Betriebsführung: Caritasverband)

Willy-Brandt-Platz 2a, 04109 Leipzig

Tel.: 0341. 968 32 54


46 Jahresbericht 2011 Kurzchronik

Kurzchronik 2011

Januar

Die Leipziger Oase kann ihr Nachtcafé nun doch weiterhin

öffnen und damit bis zu zehn wohnungslosen Menschen eine

Schlafstelle zur Verfügung stellen.

März

Am 12. März wurde das Singspiel „Diese Erde ist dein

Garten“ von Dieter Stork und Matthias Nagel in der Paul-

Gerhardt-Kirche in Leipzig-Connewitz aufgeführt.

April

Anlässlich seines 65. Geburtstages am 13. April 2011 wurde

Professor Dr. Martin Petzoldt, dem langjährigen Vorsitzenden

des Verwaltungsrates des Diakonischen Werkes Innere

Mission Leipzig e.V, das Goldene Kronenkreuz der Diakonie

verliehen. Prof. Dr. Petzoldt hat seit dem 24.1.1991 den

Vorsitz des Verwaltungsrates des Diakonischen Werkes Innere

Mission Leipzig e.V. inne.

Mai

Am Samstag, 21. Mai 2011, feierte das Ev.-Luth. Diakonissenhaus

Borsdorf die Einweihung des neu gebauten Gebäudes

Haus am Viadukt. Im Haus am Viadukt leben 16 erwachsene

Menschen mit geistiger Behinderung die eine Werkstatt für

Menschen mit Behinderungen besuchen.

Juni

Vom 1. bis 5. Juni fand in Dresden der 33. Deutsche Evangelische

Kirchentag statt. Die Diakonie Leipzig war mit mehreren

Ständen vertreten. So lud die „Villa herzlich alt“ die

Besucher ein, sich mit den Themen des Alters auseinander zu

setzen.

Juli

Am Sonntag, 3. Juli 2011, 10 Uhr wurde in der Pauluskirche

Grünau der 2. „Gottesdienst Inklusive“ gefeiert. Nach der

guten Resonanz des ersten Gottesdienstes inklusive, in dem

Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam den

Gottesdienst gestalten, hatte sich die Pauluskirchgemeinde

entschlossen, dieses Projekt in ihrer eigenen Gemeinde

umzusetzen.

September

Vom 27. September bis zum 29. September war die Diakonie

Leipzig mit einem großen Informationsstand auf der Fachmesse

und dem Kongress für professionelle Pflege, Betreuung

und Versorgung „Pflegemesse + Homecare“ vertreten.

Dabei wurde unser gesamtes Angebot für alte und pflegebedürftige

Menschen vorgestellt.

Die Erziehungsstellen feierten 10jähriges Jubiläum.

Insgesamt 82 Kinder konnten im Laufe dieser Zeit in eine

neue Familie vermittelt werden und dort ein neues Zuhause

finden.

Die Theatergruppe „Südstaatler“ traten mit ihrem zweiten

Stück „Ristorante Furioso“ im soziakulturellen Zentrum

„naTo“ in der Leipziger Südvorstadt auf.

Oktober

Im Oktober feierte die Alte Posthalterei Panitzsch ihr 15jähriges

Bestehen. Aus diesem Anlass fand am 23. Oktober ein

„Gottesdienst Inklusive“ in der St.-Moritz-Kirche in Taucha

unter Mitwirkung der Bewohner der AltenPosthalterei Panitzsch

statt.

Die Suchtberatung- und Behandlungsstelle „Blaues

Kreuz“ ist in ihr neues Quartier in der Georg-Schumann-Straße

172 gezogen.

Die Wohnstätte Katharina von Bora in Markkleeberg feierte

fünfjähriges Jubiläum.

November

Am 10. November veranstaltet die Diakonie Leipzig im

Gewandhaus, Mendelssohnsaal, ein Benefizkonzert zugunsten

von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen.

Es singen die „Five Gentlemen“ Lieder der berühmten

Comedian Harmonists.

Am 6. November findet um 9.30 Uhr wieder der Festgottesdienst

anlässlich des 142. Jahresfestes des Diakonischen

Werkes Innere Mission Leipzig statt. In diesem Gottesdienst

wird Frau Christiane Burger in ihren Dienst als Schulleiterin

der Förderschule Werner Vogel eingeweiht. Die Predigt hält

Prof. Dr. Martin Petzoldt. Es singt der Thomanerchor Leipzig.

Dezember

Wir laden herzlich ein zur Weihnachtsmusik des Diakonischen

Werkes, am 11. Dezember, um 15.30 Uhr in der

Nikolaikirche. Es singt wieder die Schola Cantorum. Die

Leitung hat Marcus Friedrich.


Der Verwaltungsrat des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig e.V.

für die 5. Legislaturperiode (2007-2011)

Gewählte Mitglieder (stimmberechtigt)

• Jürgen Distelrath

• Prof. Dr. Rolf Haupt

• Wolfgang Menz

• Prof. Dr. Martin Petzoldt

• Pfarrer Hans-Christoph Runne

• Pfr. i. R. Dr. Hans-Jürgen Sievers

• Kristin Unverzagt

• Dr. Jürgen Zimmermann

Geborenes Mitglied (stimmberechtigt)

• Superintendent Martin Henker

Berufene Mitglieder (stimmberechtigt)

• Dr. Siegfried Haller - Leiter des Jugendamtes

der Stadt Leipzig

• Jasmine Schwarzer - Richterin Arbeitsgericht

• Jens Gerlach - Wirtschaftsprüfer und Steuerberater

Impressum

Herausgegeben vom Verwaltungsrat des Diakonischen Werkes

Innere Mission Leipzig e.V.

Leipzig, Oktober 2011

Haus der Diakonie I Gneisenaustraße 10 I 04105 Leipzig

Redaktion: Susanne Straßberger und Matthias Möller

Gestaltung: Matthias Möller

Druck: Merkurdruck Leipzig

Personen, die an der Sitzung des Verwaltungsrates

gemäß der Satzung § 8 Abs. 4 beratend teilnehmen

• Rektorin des Ev.-Luth. Diakonissen-Mutterhauses

Borsdorf - Pfarrerin Friederike Müller

• Fachbereich Altenhilfe, Leiter des 2. Heimverbundes

- Diakon Dieter Haufe

• Fachbereich Behindertenhilfe,

Leiter der Förderschule - Ulrich Weber

• Fachbereich Beratungs- und Betreuungsdienste

Leiter der SBB Blaues Kreuz - Benjamin Förster

• Vorsitzender der Mitarbeitervertretung

André Müller

• Direktor des Diakonischen Amtes Radebeul

Pfarrer Christian Schönfeld ständig vertreten

durch Kfm. Vorstand Friedhelm Fürst

Fotos:

Holger Simmat

Seite 5

helix - Fotolia.com

Seite 6

Stephan Rabe

Seite 8

Swen Reichhold

Seite 11

Antrej Heim

Seite 19

Rebekka Lucaciu

Seite 24

Anja Roesnick - Fotolia.com

Seite 27

Susanne Straßberger

Seite 30

Matthias Möller

Seiten 1, 4, 13, 14, 16, 17, 18, 20, 22, 26, 33

GIS - Fotolia.com

Seite 32

Kzenon - Fotolia.com

Seite 34


Diakonisches Werk

Innere Mission Leipzig e.V.

Haus der Diakonie

Gneisenaustraße 10

04105 Leipzig

Telefon 0341. 56 12 - 0

Telefax 0341. 56 12 11 35

E-Mail info@diakonie-leipzig.de

www.diakonie-leipzig.de

Spendenkonto

Volksbank Leipzig eG

Konto: 100 100 100

BLZ: 860 956 04

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