Haltung zeigen

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Haltung zeigen

verfangen sich darin, durch sie sinkt das

Netz zu Boden, die Tiere verwesen, das

Netz richtet sich wieder auf. Dieser Prozess

setzt sich über Jahrhunderte fort,

inzwischen ein ganz großes Problem.

Was ist an den Gerüchten dran, dass

ganze Strände nicht mehr aus Sand,

sondern aus Mikroplastik bestehen?

Ein bekannter Wissenschaftler, Richard

Thompson aus Plymouth in England,

hat an der britischen Küste Sandproben

genommen und festgestellt, dass

ein hoher Anteil von Mikroplastik in

diesem Sand zu finden ist. Wir haben in

Deutschland zusammen mit der Uni Osnabrück

kürzlich erste Untersuchungen

gemacht, auf der Insel Fehmarn, da war

nur ganz vereinzelt Mikroplastik in den

Sandproben. Flächendeckend gibt es

solche Untersuchungen noch gar nicht.

Hat der Strand eine andere Farbe?

Unter dem Mikroskop kann man das

sehr gut sehen. Und wenn man Sand

durch die Finger rieseln lässt, dann sieht

man auch mit bloßem Auge kleine bunte

Plastikteilchen dazwischen.

Welches Land hat den größten Schaden

angerichtet?

Wenn man sagt, 80 Prozent der Abfälle

kommen vom Land, sind damit die

Industriestaaten gemeint, die zivilisierten

Länder. Das hat sich in den letzten

Jahren etwas verschoben, weil diese

Länder allmählich eine effiziente Abfall-

Entsorgungsstruktur haben. Da sind wir

Deutschen relativ weit vorne. In den

Schwellen- und Entwicklungsländern

gibt es so etwas nicht, deshalb kommen

besorgniserregende Zahlen aus Indien

und Pakistan. Da wird der Müll aus den

großen Küstenmetropolen über die Flüsse

in den indischen Ozean gespült, nach

einem Report der Vereinten Nationen

2009 fast 12 000 Tonnen pro Tag.

Für uns heißt das: Plastik vermeiden?

Einwegplastiktüten sind grundsätzlich

schlecht. Gerade diese dünnen Tüten,

die man beim Obst und Gemüse

bekommt, sind schlimm. In Frankreich

ist die kostenfreie Abgabe von Plastiktüten

inzwischen verboten, genau wie

in Bangladesch oder China. Bei einer

Befragung der europäischen Bürger

haben 70 Prozent der Beteiligten gesagt,

sie wollen keine Einweg-Plastiktüten

mehr. Die Gegenlobby ist natürlich auch

stark, die wollen nicht auf ihre Tüten

verzichten. Weltweit werden nach Aussage

der Organisation World Watch pro

Jahr mehr als 600 Milliarden Plastiktüten

produziert, andere Quellen sprechen

von einer Billion. Damit macht natürlich

jemand Geld.

Kann man hoffen, dass das Erdöl

rechtzeitig zu Ende geht?

Man sollte lieber den Plastikkonsum

reduzieren. Erdöl reicht noch mindestens

ein paar Jahrzehnte. Außerdem

will man ja die Erdölreserven unter der

Arktis anzapfen, das wird noch ein ganz

anderes Problem für den Meeresschutz

werden.

Ist es nicht deprimierend, sich beruflich

mit einer Sache zu beschäftigen,

in der immer das nächste Problem

auftaucht?

Nein. Man freut sich an den kleinen

Erfolgen. Positiv an dieser Problematik

Müll im Meer ist: Wir können auf vielen

Ebenen aktiv werden. Das fängt bei

den Regularien für die Seeschifffahrt

an, geht über eine gute Abfall-Entsorgungsstruktur,

über mehr Recycling,

über geschlossene Stoffkreisläufe an

Land, aber auch jeder Einzelne kann mit

seinem Einkaufsverhalten helfen: auf

Taschen statt Plastiktüten zurückgreifen,

Glasflaschen statt Plastikflaschen verwenden.

Und die Zusammenarbeit mit

den Fischern ist ein kleiner Erfolg.

Was machen die Fischer?

Im letzten Jahr hat der NABU das Projekt

„Fishing for Litter“ ins Leben gerufen:

Die Fischer sind normal mit einem

Grundschleppnetz auf Fischfang, aber

zusätzlich fischen sie auch Abfälle. In

der Vergangenheit haben sie die Abfälle

entweder auf eigene Kosten im Hafen

entsorgt, oder sie haben sie, wesentlich

öfter, wieder über Bord geworfen. Beim

„Fishing for Litter“ Programm stellen

wir ihnen Sammelsäcke zur Verfügung,

und Container in den Häfen, damit sie

den Müll kostenlos entsorgen können.

In England, Schottland und an der niederländischen

Küste gibt es das bereits,

in Deutschland haben wir 2011 angefangen.

Das funktioniert gut. Wir haben

jetzt drei Häfen an der Ostseeküste, im

August eröffnen wir den ersten an der

Nordseeküste.

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