To Do-Liste Beschäftigte in der Pflege: Positionen - Diakonie ...

diakonie

To Do-Liste Beschäftigte in der Pflege: Positionen - Diakonie ...

Positionen

Oktober 2012

www.an-die-pflege-denken.de

Deutschland

Evangelischer Bundesverband

Evangelisches Werk für Diakonie

und Entwicklung e. V.

Kontakt:

Diakonie Deutschland

Dr. Annika Lange

annika.lange@diakonie.de

Deutscher Evangelischer

Verband für Altenarbeit und

Pflege e.V.

Imme Lanz

lanz@devap.de

An die 890.000 Beschäftigten in der Pflege

denken!

Positionen der Diakonie Deutschland – Evangelischer Bun-

desverband und des Deutschen Evangelischen Verbands

für Altenarbeit und Pflege e. V. (DEVAP)

Rund 890.000 Beschäftigte arbeiteten laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2009 in der Pflegebranche.

Davon waren rund 269.000 (30 Prozent) im ambulanten Bereich tätig und rund 621.000 (70 Prozent) im

stationären 1 . Der Bedarf an Pflege(fach)kräften wird in den kommenden Jahren beziehungsweise Jahrzehnten

weiter stark ansteigen.

Das Bruttomonatseinkommen in Pflegeberufen beträgt ohne Sonderzahlungen auf Basis einer 38-Stunden-Woche

durchschnittlich 2.360 Euro 2 . Am besten bezahlt werden Operationsschwestern und -pfleger

mit 3.066 Euro, am geringsten fällt das Monatseinkommen der Helfer/innen in der Krankenpflege mit 1.828

Euro aus.

Der Mindestlohn für Pflegehilfskräfte liegt derzeit bei 8,75 Euro im Westen und bei 7,75 Euro im Osten pro

Stunde.

Beschäftigte in Pflegeberufen profitieren stark von der Tarifbindung. In Betrieben, für die ein Tarifvertrag

gilt, liegt ihr Monatseinkommen mit durchschnittlich 2.597 Euro knapp 19 Prozent über dem Gehalt ihrer

Kolleginnen und Kollegen in nicht tarifgebundenen Betrieben mit 2.118 Euro.

Politisches Handeln ist dringend notwendig, um den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft

gerecht zu werden. Die Diakonie Deutschland und der DEVAP fordern mit Blick auf den künftig stark

anwachsenden Bedarf an Pflegepersonal deutliche Verbesserungen für Pflege(fach)kräfte:

1 Quelle: BMG, Zahlen und Fakten zur Pflegeversicherung (04/12).

2 Quelle: Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung, 07/2012.


Deutschland

1. Gesetzliche Rahmenbedingungen ändern, um einen Tariflohn für Beschäftigte in der

Pflege sicherzustellen – gute Pflege hat ihren Preis!

Pflegefachkräfte müssen Anerkennung insbesondere auch durch eine angemessene Vergütung erfahren.

Das hohe Maß an Verantwortung, der individuelle Einsatz sowie die Leistungsbereitschaft von Mitarbeitenden

sind viel wert. Die öffentliche Anerkennung der Pflegeberufe ist dringend zu stärken.

Das Lohnniveau ist ein entscheidender Faktor für die Attraktivität und den gesellschaftlichen Stellenwert

eines Berufsbildes. Engagierte und qualifizierte Mitarbeitende sind die Grundvoraussetzung zur Sicherung

pflegerischer Qualität. Um eine Entlohnung der Mitarbeitenden auf der Grundlage von Tarifen oder

Arbeitsvertragsrichtlinien sicherstellen zu können, müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen

geändert werden.

Die Höhe der Vergütung muss gewährleisten, dass die Beschäftigten in der Pflege bei Vollzeittätigkeit

nicht auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen sind.

Unmissverständlich sollte der Mindestlohn für Pflegehilfskräfte, der derzeit bei 8,75 Euro im Westen und

bei 7,75 Euro im Osten pro Stunde liegt, als absolute Untergrenze definiert werden. Den diakonischen

Trägern muss es möglich sein, die tarifliche Bezahlung über die Pflegesätze zu refinanzieren.

2. Mehr Personal in die Einrichtungen und Dienste mit leistungsgerechter Vergütung – für

die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Betreuung pflegebedürftiger Menschen!

Die quantitative und qualitative Personalausstattung ist gezielter den Erfordernissen in den Einrichtungen

und Diensten anzupassen. Nicht nur die aktuellen Pflegeeinstufungen sind entscheidend, sondern der

tatsächliche Hilfe- und Betreuungsbedarf der Pflegebedürftigen muss berücksichtigt werden.

Die Pflegeeinrichtungen und die ambulanten Dienste müssen angemessen mit Personal ausgestattet

sein und ihr Personal leistungsgerecht und tariflich vergüten können. Nur dann können sie auch in

Zukunft die wachsende Zahl von pflegebedürftigen Menschen begleiten, unterstützen und pflegen. Eine

zu knappe Personalausstattung führt zu unzuverlässigen Dienstzeiten, erhöhten Fehlzeiten sowie zu

dauerhafter Überlastung der Mitarbeitenden. Ständiger Zeitdruck in der Pflege gefährdet die qualitativ

gute Versorgung der pflegebedürftigen Menschen.

Wenn die Pflegekassen und Sozialhilfeträger eine angemessene Personalausstattung und die tarifliche

und ortsübliche Entlohnung in den Entgeltverhandlungen nicht in voller Höhe anerkennen, kann es für

die Pflegekräfte keine angemessene tarifliche Vergütung, keine verlässlichen Personalschlüssel und

keine motivierenden Arbeitsbedingungen geben.

Mitarbeitende wollen älter werdende und pflegebedürftige Menschen mit ausreichend Zeit betreuen und

begleiten. Heute müssen jedoch zunehmend Arbeitszeitanteile für indirekte Leistungen aufgebracht

werden, die deshalb nicht mehr beim Menschen ankommen.

3. Verlässliche Finanzierung der generalistischen Pflegeausbildung sicherstellen – für eine

qualifizierte Aus-, Fort- und Weiterbildung!

Ein neues, attraktives Ausbildungsprofil (Fachberufe und Studium), das differenzierte Karrierewege

zulässt, macht die Pflegeberufe für Auszubildende noch attraktiver. Eine gemeinsame Pflegeausbildung,

mit einer einheitlichen Grundausbildung für die bisherigen Pflegeberufe, ist notwendig. Die generalistische

Ausbildung ermöglicht einen direkten beruflichen Einstieg in alle Tätigkeitsfelder des Gesundheits-

und Pflegewesens.


Deutschland

Für eine gemeinsame Pflegeausbildung ist eine bundeseinheitliche, stabile und verlässliche Finanzierung

erforderlich, die allen Beteiligten Raum für die Ausgestaltung und Entwicklung einer hochwertigen Aus-,

Fort-, Weiterbildung gibt. Notwendig ist eine gesetzlich geregelte und vollständige Refinanzierung aller

Ausbildungskosten, bei der alle, die von der Ausbildung profitieren – nämlich alle Einrichtungen im

Gesundheits- und Pflegebereich –, beteiligt und mit dem gleichen Faktor belastet sind. Vorbild für die

Finanzierung ist § 17a des Krankenhausfinanzierungsgesetzes.

Die Diakonie und der DEVAP fordern eine dauerhafte vollständige Förderung von Umschulungsmaßnahmen

in der Pflege durch die Bundesagentur für Arbeit.

Neue Strukturen und Angebote müssen die horizontale wie vertikale Durchlässigkeit der Pflegeaus- und

Weiterbildung ermöglichen.

Die uneingeschränkte berufliche Anerkennung auf dem europäischen Binnenmarkt muss als Attraktivitätsmerkmal

unbedingt erhalten bleiben.

4. Pflege entbürokratisieren - Mitarbeitende müssen mehr Zeit für die Pflegebedürftigen

haben!

Die Leistungen der Pflegekräfte sollen bei den pflegebedürftigen Menschen ankommen. Im Interesse der

Qualität der Pflege sind die Anforderungen an die Pflegedokumentation zu prüfen. Eine Entbürokratisierung

der Pflege ist erforderlich, damit bei den Pflegekräften nicht der administrative Teil der Arbeit

überwiegt.

Um den bürokratischen Aufwand möglichst gering zu halten, ist die Zusammenarbeit zwischen Heimaufsicht

und dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen verbindlich zu regeln. So ist beispielsweise

nicht eindeutig festgelegt, wer welche Prüfungen vornimmt, so dass es zu Doppelprüfungen kommen

kann.

Die „Eckpunkte zum Bürokratieabbau und zur besseren Rechtsetzung“ der Bundesregierung aus dem

Jahr 2010 sind zügig umzusetzen.

Durch Expertenstandards wird die Leistungserbringung in Verfahren und Ablauf der Pflege zunehmend

standardisiert. Die Planung, Durchführung und Dokumentation der Pflegearbeit binden Arbeitszeiten, die

in der direkten Pflege und Betreuung des Menschen fehlen.

Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen müssen für extern veranlasste Prüfungen (Qualitätsprüfung des

MDK, Einrichtungsprüfung FQA, Hygieneprüfungen, Sicherheitsprüfungen) vermehrt ihre Arbeitszeit

(einschließlich der Zeiten für die Vor- und Nachbereitung) aufbringen, die für Gespräche mit pflegebedürftigen

Menschen, ihren Angehörigen oder Interessierten fehlen.

Dem Arbeitgeber werden die Kosten für Mitarbeitende mit geforderten Funktionen nicht refinanziert

(Qualitäts-, Sicherheits- oder Hygienebeauftragter, etc.).


Deutschland

5. Notwendigen gesetzlichen Rahmen für gute Arbeitsbedingungen schaffen – für hohe

Zufriedenheit im Beruf und einen langen Berufsverbleib!

Die Gewinnung, Entwicklung und Bindung von Mitarbeitenden wird zukünftig eine noch zentralere Rolle

spielen. Die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger, die Kostenträger und die Einrichtungen

und Dienste sind gemeinsam gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen für attraktive Ausbildungs-

und Arbeitsplätze zu schaffen. Pflege ist sehr viel wert – dafür muss auch entsprechend Geld in

die Hand genommen werden.

6. Bessere Strukturen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf!

Organisationsstrukturen zur Vereinbarkeit von Familie und Berufe sind durch Angebote wie Kindertagesstätten

und Ganztagsschulen auszubauen.

Maria Loheide Renate Gamp

Vorstand Sozialpolitik Vorsitzende des Deutschen Evangelischen

Diakonie Deutschland - Evangelischer Bundesverband Verbands für Altenarbeit und Pflege e. V.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine