Als PDF downloaden - Haufe.de

haufe.de

Als PDF downloaden - Haufe.de

Mat.-Nr. 06051-5078

Deutschland 6,40 €

Das Magazin für den innovativen Mittelstand

Trennung

tut weh

NUR TROPFENWEISE

Unternehmen beklagen den

schleppenden Fluss der

KfW-Förderkredite. Seite 42

KLEINER BEGLEITER

Der Laptop bleibt im Büro: Auf

Reisen genügen oftmals leistungsstarke

Netbooks. Seite 56

JULI/AUGUST 2009

www.profi rma.de

Betriebsbedingte Kündigungen unterziehen

das gesamte Unternehmen einer Zerreißprobe –

und belasten auch den Chef emotional. Seite 24

Petra Mogg ist am Himmel zu Hause.

Neun Flugzeuge zählt die Flotte ihrer

Donau-Air Service GmbH im oberschwäbischen

Mengen. Sie fl iegt Geschäftsleute

nach London und Mailand und dreht

für sich selbst gern Loopings. Seite 14


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, wirtschaftliche Notwendigkeiten mögen zuweilen

keinen anderen Ausweg erlauben, und dennoch ist für Unternehmer nur

schwerlich etwas Unangenehmeres vorstellbar als der Zwang, Mitarbeiter aus

betrieblichen Gründen zu entlassen. Gerade in mittelständischen Betrieben sind

die Beschäftigten kein „Menschenmaterial“, sondern wertvolles Humankapital.

Völlig zu Unrecht war dieser Begriff das „Unwort des Jahres 2004“. Er umfasst

alle Fertigkeiten und das gesamte Wissen, das die Mitarbeiter eines Unternehmens

verkörpern, und bezeichnet in seiner Gesamtheit deshalb einen unschätzbaren

Wert. Auf Teile davon verzichten zu müssen, wie es derzeit viele Unternehmer

erleben, ist an sich schon sehr bedauerlich.

Viel schwerer wiegt jedoch oft die emotionale Seite. Anders als in Konzernen

kennen Chefs im Mittelstand ihre Beschäftigten persönlich, oftmals schon

seit vielen Jahren. Häufi g bestehen familiäre Beziehungen oder gute Bekanntschaften:

Das Schicksal, das denen, die gehen müssen, widerfährt, spüren die

Firmenchefs hautnah, es geht ihnen unter die Haut. Hiervon handelt unsere

Titelgeschichte ab Seite 24. Wir schildern, wie Entlassungen mittelständische

Betriebe einer Zerreißprobe unterziehen, und mit welchen Gefühlen Unternehmer

in dieser Situation konfrontiert werden. Es sind sehr unerfreuliche Gefühle,

und nur die wenigsten können sich davon frei machen, wenn sie sehen, dass

auch das eigene Lebenswerk bedroht ist. Was kann hier trösten? Vielleicht die

Gewissheit, dass Emotionen, vor allem eine tief empfundene Empathie, auch

helfen werden, wenn die Krise irgendwann einmal ausgestanden ist.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

dieter.roemer@profi rma.de

ProFirma 07/08 2009

Chefredakteur Dieter Römer

Zerreißproben

ProFirma PROFESSIONAL

Wissen und Werkzeuge für Unternehmer.

Wirtschaftsmagazin, Themenportal, Unternehmercockpit.

Infos unter: www.profi rma.de

3

Haben Ihre

Steuerungsinstrumente

versagt...

...oder ist Ihr

Unternehmen

einfach nur

vom Kurs

abgekommen?


Inhalt 07/ 08.2009

Titelthema:

Trennung tut weh

Betriebsbedingte Kündigungen unterziehen das

gesamte Unternehmen einer Zerreißprobe – und

belasten auch den Chef emotional.

25 Die rechtlichen Aspekte Von der Anhörung

des Betriebsrats bis zur Sozialauswahl.

28 Erfahrungsbericht Ein Abteilungsleiter berichtet,

wie er seinen Mitarbeitern kündigen

und dann selbst gehen musste.

31 Interview „Entlassungen berühren mich

ganz tief.“ Der Familienunternehmer Michael

Monnheimer über seine Erfahrungen mit

dem Stellenabbau im eigenen Betrieb.

14

Leidenschaftliche Pilotin: Petra Mogg führt in

Mengen erfolgreich ein Unternehmen mit neun

Flugzeugen.

36

Messeauftritte kosten viel Geld: Wirksames

Controlling sorgt für bessere Übersicht.

10 Wir Unternehmer

10 Innovatorin des Monats Claudia Karrer und ihre Tasche mit Solarzelle.

12 Redezeit Ein „Unternehmens-Lebenszielplan“ bietet Firmenchefs die

beste Orientierung, meint Unternehmensberater Werner Bayer.

13 Debatte Warum die Pfl ege einer Feedback-Kultur für ein gutes Klima

im Unternehmen immer wichtiger wird.

14 Unternehmerinnenporträt Petra Mogg – am Himmel zu Hause.

18 Personalien

20 Mittelstand 2.0 Ein Internet-Portal hilft Betrieben mit einem Klick,

Aushilfskräfte zu fi nden.

22 Auszeit Zum großen Rasen auf dem „Circuit du Var“.

24 Unternehmensführung

24 Titelthema Trennung tut weh Betriebsbedingte Kündigungen führen

Unternehmen in eine Zerreißprobe – auch bei den Chefs hinterlässt das

emotional tiefe Spuren.

32 Querdenker Prof. Martin Beck über den richtigen Umgang mit der

Macht im Unternehmen.

34 Vertrieb Wie Unternehmen die Loyalität ihrer Kunden fördern.

24

36 Marketing Mit einer strengen Kontrolle verhindern kleine Unternehmen,

dass die Kosten einer Messe aus dem Ruder laufen.

38 Recht Endet ein Arbeitsverhältnis, gibt es strenge Bestimmungen für

die Abgeltung von Urlaubsansprüchen.

4 ProFirma 07/08 2009


40 Finanzen & Steuern

40 Trends Stahlpreise im Sinkfl ug.

42 Fördermittel Nur zögerlich kommt die Hilfe aus den Konjunkturpaketen

bei den Unternehmen an.

46 Interview Commerzbank-Vorstand Markus Beumer über die Lehren aus

der Finanzkrise und die Pläne nach der Fusion mit der Dresdner Bank.

49 Soll & Haben Übersteht der Euro die Krise?

50 GmbH-Chef Die neuen Informationspfl ichten der Geschäftsführer.

52 Steuertrend Klare Regeln für den Investitionsabzugsbetrag.

54 Steuertipp 1 Der Trick mit dem Vorsteuerabzug.

55 Steuertipp 2 Preisfrage: Sieben oder 19 Prozent?

42

56 IT & Investition

56 Hardware Mini-Laptops bieten große Leistung für wenig Geld.

60 IT-Sicherheit Unternehmen unterschätzen die Gefahren aus dem

Netz. Dabei gibt es einfache und wirkungsvolle Schutzsysteme.

64 Limousinen Es muss nicht immer ein schwarzes Gefährt sein,

die Farbe Weiß wird immer beliebter.

66 Cole‘s Corner Neues Spielzeug Poken: Mein Panda frisst

Visitenkarten.

68 Praxiswissen

ProFirma 07/08 2009

Personalarbeit Stimmt das

Umfeld, stimmen meist auch die

Leistung und die Motivation der

Mitarbeiter.

Jeden Monat

aktuell

Exklusive

Downloads

Business-Tools für

die erfolgreiche Unternehmensführung

Staatsknete in der Krise:

Die KfW hat die Messlatte für die

Kreditvergabe sehr hoch gelegt.

Rubriken

03 Editorial

08 ProFirma Professional

72 Rückschau, Termine

73 Vorschau, Impressum

74 Schluss mit lustig (16)

CONTROLLING

kann so einfach sein!

■ Integriertes Produkt-Portfolio

für Planung, Analyse, Reporting

und Konsolidierung

■ Betriebswirtschaftliches

Wissen inklusive

■ Leichte Bedienung, höchste Flexibilität

■ Bei mehr als 3.200 Unternehmen

erfolgreich im Einsatz

20 Jahre auf Erfolgskurs

Corporate Planning feiert Jubiläum am 04.09.2009

CP CORPORATE PLANNING AG

Große Elbstraße 27 · D-22767 Hamburg

Telefon 040 / 43 13 33 - 0 · Fax 040 / 43 13 33 - 33

Info@corporate-planning.com

www.corporate-planning.com


Eine Marke der Daimler AG

Was immer Sie transportieren, Sicherheit ist

Der Sprinter. Durchdacht bis ins letzte Detail.

Ob Sie nun Pakete, Nahrungsmittel oder Werkzeuge befördern, eines liefert der Sprinter immer: ein Höchstmaß an Sicherheit.

Denn zusätzlich zu dem gewohnt umfangreichen Sicherheitspaket wurde das adaptive Bremslicht für den Sprinter entwickelt,

das nachfolgende Fahrzeuge bei einer Gefahrenbremsung durch deutliches Aufblinken warnt und so die Gefahr eines Auffahrunfalls

verringern kann. Außerdem wurde das ADAPTIVE ESP� um die ESP� Anhängerstabilisierung erweitert. So kann mit gezielten

Bremseingriffen der Vorderräder dem Aufschaukeln eines Anhängers vorgebeugt werden. Denn wer Gefahren minimiert, hält

seinen Transporter für sein Geschäft permanent einsatzbereit. Und das macht den Sprinter zur sichersten Investition für Ihr

Unternehmen. www.mercedes-benz.de/sprinter *Nur i.V.m. V6 CDI Motor mit ECO Gear

Mit Euro 5 jetzt bis zu 1,5 l/100 km Kraftstoffersparnis*

4-Zylinder Dieselmotor


schon an Bord.

Adaptives Bremslicht

ESP� Anhängerstabilisierung


ProFirma Professional

DAS UNTERNEHMER-COCKPIT: LÖSUNGEN FÜR ENTSCHEIDER

Von welchem Zeitpunkt an rechnet sich die Produktion für mich? Welche Unterlagen

brauche ich für das Bankgespräch? Darf das Finanzamt mir Einnahmen einfach unterstellen?

Als Chef müssen Sie jeden Tag Entscheidungen fällen und Strategien festlegen. ProFirma Professional

unterstützt Sie in der täglichen Arbeit mit praktischen Rechnern, Checklisten, Mustertexten und Fachbeiträgen

zu den Themen Unternehmensführung, Marketing, Vertrieb, Personal, Steuern und Finanzen.

DAS TOP-THEMA DES MONATS

Mit dem Top-Thema des Monats bietet ProFirma Professional seinen

Abonnenten eine Zusammenstellung von Fachbeiträgen und Arbeitshilfen

zu einem aktuellen Thema.

Smartphone: Die neue Generation

Multifunktionale Smartphones sind eine Kombination aus PDA und

internetfähigem Mobiltelefon mit integriertem Satellitennavigationssystem

oder dem automatischen E-Mail-Empfang (Push-Mail). Wir

geben Ihnen einen Überblick und stellen die wichtigsten Leistungsund

Ausstattungsmerkmale vor. Haufe-Index: 2158463

PDA und Smartphones: Leistungskriterien Haufe-Index: 1117553

Richtlinien zum Einsatz von und PDAs Haufe-Index: 1307998

Datensicherheit für Notebook und PDA Haufe-Index: 822091

NEU IM PROFESSIONAL

Eine kleine Auswahl von neuen Dokumenten und Arbeitshilfen.

■ Jährliches Mitarbeitergespräch Haufe-Index: 1513623

In Jahresgesprächen werden Ziele vereinbart, die Leistung der Mitarbeiter

beurteilt und deren berufl iche Entwicklung skizziert.

■ Coaching als Führungsförderung Haufe-Index: 1120101

Coaching ist inzwischen von Experten als effi ziente und gezielte

Maßnahme für die Unterstützung von Führungskräften bei deren

persönlicher wie fachlicher Entwicklung anerkannt.

■ Praxis-Check: Rechtssichere Website Haufe-Index: 1950070

Prüfen Sie, ob Sie alle rechtlichen Vorgaben bei Ihrem Internet-

Angebot beachtet haben. Machen Sie Ihre Website abmahnsicher.

■ Mehrstufi ge Deckungsbeitragsrechnung Haufe-Index: 721124

Die Deckungsbeitragsrechnung bildet die Grundlage für aussagekräftige

und zuverlässige Umsatz-, Kosten- und Gewinnanalysen.

THEMEN IM JULI/AUGUST

ONLINE-SEMINARE

ProFirma Professional bietet regelmäßig kostenfreie Online-Seminare

zu aktuellen Themen und Problemen an. Informieren Sie sich bequem

und vom eigenen Schreibtisch aus über neueste Entwicklungen.

Nächstes Thema: Personalarbeit und

Führung in der Krise.

Montag, 13. Juli, 14 Uhr, Dauer zirka 60 Minuten,

die Teilnahmegebühr ist in Ihrem Abo enthalten.

■ Die aktuellen Themen der Online-Seminare und die Anmeldung

fi nden Sie auf Ihrer Startseite unter Services/Online-Seminare.

ONLINE-PRODUKTSCHULUNG

ProFirma Professional effi zient einsetzen

Damit Sie Ihre Software bei Ihrer täglichen Arbeit optimal einsetzen,

haben wir in einem 60-minütigen Video alle wichtigen Funktionen

der Software ausführlich erklärt.

■ Das Video fi nden Sie über Ihre Startseite unter

Services/Online-Produktschulung

VIER GRATIS-TOOLS DES MONATS

Diese vier ausgewählten Arbeitshilfen aus dem umfangreichen

Angebot von ProFirma Professional haben wir in diesem Monat

für Sie kostenlos zum Test freigeschaltet. Sie fi nden diese unter

www.profi rma.de/professional

■ Stärken-Schwächen-Analyse Mit dieser Excel-Anwendung können

Sie auf der Basis Ihrer Unternehmensdaten ein Bild der aktuellen

Unternehmenssituation und der künftigen Entwicklung aufzeigen.

■ Preiskalkulation im Handel Dieses Tool bietet drei verschiedene

Kalkulationsverfahren, ausgehend vom Einkaufspreis, dem Verkaufspreis

oder wenn beide Preise festliegen.

■ Abwicklungsvereinbarung In diesem Mustervertrag werden

zahlreiche Punkte geregelt, die bei der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses

zu regeln sind.

■ Neukundengewinnung durch Networking Der Fachbeitrag zeigt,

wie Sie mit Networking ein Kontaktnetz aufbauen, das aus Neukunden

schnell Stammkunden macht.

Testen Sie ProFirma Professional drei Monate zum

exklusiven Einführungspreis von nur 28,90 Euro.

Sie sparen dabei 35 Prozent zum regulären Preis und

erhalten als Prämie den Haufe Taschenguide „Reden

Trainer“. Mehr unter www.profi rma.de/abonnement

8 ProFirma 07/08 2009

3 Monate

für nur

28,90

Euro


In Krisenzeiten verlieren sich

viele in blindem Aktionismus.

Was tun um der Wirtschaftskrise zu trotzen? Wie lassen sich Kosten senken und gleichzeitig Arbeitsplätze

erhalten? Wie lässt sich die Liquidität mit fremden Fördermitteln sichern? Wer jetzt verantwortungsvoll

handeln will, braucht zuverlässige Partner. Mit Haufe und ProFirma treten Sie der Wirtschaftskrise gestärkt

gegenüber!

www.haufe.de/profi rma/konjunktur

Ich bin schon bei Haufe.


Wir Unternehmer – Innovatorin des Monats

Claudia Karrer

Sonnenschein bringt Kraft fürs Handy

Eine Designerin hat eine Tasche mit einer Solarzelle ausgestattet, die auch abseits

der Zivilisation das Mobiltelefon reanimiert. VON MICHAEL BAHNERTH

Claudia Karrer ist Camperin, möchte aber dabei nicht auf Luxus

verzichten. Da kam es hin und wieder vor, dass mitten in

der Pampa die Akkus ihres Handys oder Laptops leer waren

und keine Steckdosen weit und breit. Ein mobiles, steckdosenunabhängiges

Ladegerät, das wäre es, dachte sie. Sie suchte

und fand nicht. Dann hatte die Kommunikationsdesignerin

aus Allensbach eine Idee.

Das Prinzip ist simpel. Da ist eine Tasche, an deren Außenseite

eine acht mal 15 Zentimeter große Solarzelle angebracht ist.

Innen in der Tasche liegt ein kleiner Akku, der die Sonnenenergie

speichert und abgibt, wenn man Strom braucht. Man

ist „elektronisch mobil“, wie die Erfi nderin Karrer sagt. Ein

Selbstläufer, denkt man, eine grandiose Idee, die Frau hat eine

Nische gefunden, in der ein Goldesel steht. Ab 180 Euro gibt’s

diese Tasche aus Leder oder Lkw-Plane, man kann wählen aus

54 Bodensee-Designs oder sich die Tasche individuell zusammenstellen

lassen. Alles in Handarbeit und wasserdicht.

Schwerer verständlich ist, dass Karrer seit der Lancierung der

Solar Bags im vorigen Jahr erst 460 Stück verkauft hat. Immerhin

kann man mit einer vollen Akkuladung ein iPhone

aufl aden oder drei Handys „ohne Schnickschnack“. Und zwar

überall, im Gebirge, auf dem Wasser, auf dem Fahrrad. Die

Bedienung ist kinderleicht und geht über ein USB-Kabel, das

wiederum mit einem Adapter für alle gängigen Stecker an das

Endgerät angeschlossen werden kann. Im Grunde ist ihr Produkt

die Emanzipation von der Steckdose. Drei Jahre Entwicklung

stecken im „kompaktesten Kraftwerk, das man haben

kann“, alles selbst fi nanziert, und bald kommt ein Rucksack

auf den Markt mit einem Akku, der Laptops aufl aden kann.

Die Entwicklung war ungefähr genauso schwierig, wie sich

bei Regen Sonnenschein vorzustellen. Deutsche Firmen hätten

wenig Interesse an mobiler Solartechnik gezeigt, die entsprechenden

Module fand sie dann in Asien und den USA.

Das relative Schattendasein der Solar-Taschen mag darin liegen,

dass man sie bisher nur über das Internet erhält. „Händler

kalkulieren eine Spanne von 250 Prozent auf Taschen“, sagt

die Mittvierzigerin, „und das ist offenbar zu viel für potenzielle

Kunden. Aber irgendwann ist die Zeit reif“. So sicher,

wie die Sonne immer wieder aufgeht.

www.seesolar.eu

10 ProFirma 07/08 2009

Foto: Gerhard Herr, Seesolar


Hier herrscht Lexware.

nur 269,90

Lexware fi nancial office: für ordentlich Erfolg.

Um in diesen widrigen Zeiten wachsen zu können, brauchen Sie zwei Dinge:

eine clevere Idee und Lexware fi nancial office. Damit haben Sie auf Knopfdruck

alle Kennzahlen im Blick, lassen die Papierberge hinter sich und schaffen sich

finanzielle Spielräume. Also: Starten Sie durch.

Das Erfolgs-Paket für Unternehmer mit hohen Zielen enthält:

Lexware buchhalter ´09, Lexware faktura+auftrag ´09 und Lexware lohn+gehalt ´09.

4 Wochen kostenlos testen! Jetzt bestellen auf www.lexware.de/shop


Wir Unternehmer – Redezeit

Werner Bayer

Flexibel mit Fernzielen

Der Leuchtturm am Horizont weist Seefahrern den

richtigen Weg. Firmenchefs orientieren sich langfristig

mithilfe eines „Unternehmens-Lebenszielplans“.

Im Geschäftsleben ist es häufi g nötig,

fl exibel zu reagieren oder plötzlich sich

bietende Chancen kurz entschlossen

wahrzunehmen. Wer sich in solchen

Situationen an einem Fernziel orientieren

kann, wird leichter zu einer guten

Lösung fi nden, als wenn die langfristige

Ausrichtung des Unternehmens

nicht geklärt ist. Für Firmenchefs sollte

es deshalb selbstverständlich sein, ihre

langfristige Ausrichtung in einem „Unternehmens-Lebenszielplan“festzule-

„Die Ziele müssen nachvollziehbar,

verständlich

und überzeugend sein.“

WERNER BAYER

gen. Diese strategische Planung ist unverzichtbar

für das operative Geschäft:

Erst wenn in der Firma Einigkeit über

das „Wohin?“ besteht, lässt sich auch

das „Wie?“ planen.

Der Lebenszielplan eines Unternehmens

sollte folgende Fragen beantworten

(möglichst als „Zielfoto in Worten“,

also aus Sicht des erreichten Endzustands

in 20, 30 oder gar 50 Jahren).

> Welche unternehmerischen Leistungen

und übergeordneten Ziele habe ich

mit meinem Unternehmen erreicht?

Aus welchen Gründen kann auch die

nächste Führungsgeneration mit Stolz

auf das Erreichte zurückblicken?

privat AG, HelfRecht Fotos:

> Welchen Menschen und Zielgruppen Werner Bayer

(Kunden, Mitarbeiter, Zulieferer, Behör- ist Vorstand der Helfrecht Unternehmerische

den, Banken ...) hat mein Unternehmen Planungsmethoden AG, Bad Alexandersbad.

in den letzten Jahrzehnten welchen

besonderen Nutzen geboten? Wem

haben wir geholfen erfolgreich zu sein,

www.helfrecht.de

Probleme zu lösen, seine Bedürfnisse zu Lebensziele möglichst emotional be-

befriedigen?

schrieben sein: Gefühle bringen Ener-

> Welche materiellen Ziele (Marktangien zum fl ießen, fördern Kraft und Kreteile,

Eigenkapitalquote, Immobilien, Beativität. Je stärker die langfristigen Ziele

triebs-/Geschäftsausstattung ...) haben die Menschen im Unternehmen nicht

wir erreicht?

nur rational ansprechen, sondern auch

> Welche mitmenschlichen Ziele (Ar- emotional berühren, desto stärker wird

beitsatmosphäre, Firmenkultur, Ver- die Wirkung dieser Ziele sein.

trauen, Harmonie ...) haben wir er- Des Weiteren sollten die Ziele so forreicht?muliert

sein, dass sie für alle nachvoll-

> Welche Anerkennung (guter Ruf, ziehbar, verständlich und überzeugend

Image, Wertschätzung bei Mitarbei- sind. Das setzt voraus, dass sie auch

tern und in der Gesellschaft...) hat mein wirklich zur Firma passen – zur Persön-

Unternehmen erhalten? Durch welche lichkeit, zum Profi l, zur Kultur und zum

Leistungen haben wir diese Wertschät- Stil des Unternehmens. Ebenso müssen

zung jeweils erreicht?

die Ziele zu den Menschen passen – zu

> Was hat mein Unternehmen für Ge- den Persönlichkeiten, Begabungen, Fäsundheit,

Fitness und Wohlbefi nden higkeiten und Anlagen der Führungs-

welcher Menschen getan? Welche Umkräfte wie der Mitarbeiter.

welt- und Gesundheitsgefährdungen Natürlich sind die Lebensziele eines Un-

haben wir vermieden, welchen Beitrag ternehmens nicht in Stein gemeißelt.

zum Natur- und Umweltschutz haben Vielmehr sollte regelmäßig – mindes-

wir geleistet?

tens einmal im Jahr – überprüft wer-

Wichtig ist dabei: Die Unternehmens- den, ob sie noch Gültigkeit haben, wo-

Lebensziele sollten nicht nur für den möglich schon erreicht oder hinfällig

Chef eine anhaltend starke Anziehungs- geworden sind und ob neue Aspekte

kraft und Motivation erzeugen. Die ge- neue Zielformulierungen oder Textänsamte

Führungs-Crew sowie alle Mitderungen erfordern.

arbeiterinnen und Mitarbeiter müssen Gerade in Zeiten, wie wir sie jetzt er-

von diesen langfristigen Perspektiven leben, mit Verunsicherung, Perspek-

derart „gebissen“ sein, dass sie sich über tivlosigkeit, ja Unplanbarkeit, ist das

viele Jahre hinweg mit all ihrer Energie langfristig festgelegte Fernziel eine sta-

dafür engagieren, diesen Zielen stetig bile Orientierung über das jetzt teilwei-

näher zu kommen. Deshalb sollten die se vorherrschende Vakuum hinaus.

12 ProFirma 07/08 2009


Feedback-Kultur

Signale des Respekts setzen

Professor Bernt Mayer rät Firmenchefs, unbedingt eine

Feedback-Kultur im Betrieb zu pfl egen. Dafür reichen

auch einfache Konzepte. VON MONIKA HOFMANN

Herr Professor Mayer, eignet sich

ein Feedback-Management auch für

kleinere Firmen?

Mayer: Auf jeden Fall. Das verbessert

die Mitarbeiterbindung zu einem überschaubaren

Aufwand. Denn Firmenchefs

signalisieren ihren Mitarbeitern

mit regelmäßigen Gesprächen, dass sie

sich Zeit für sie nehmen und sie wertschätzen.

Warum ist das so wichtig?

Mayer: Jeder Mensch sucht im Betrieb

seinen Platz, sein Revier – letztlich als

Folge des Aggressionstriebs. Werden

ihm Anerkennung und Respekt entge-

Gegenseitige Wertschätzung

Peter Sander hat die Erfahrung gemacht: Feedback steigert

Motivation, Leistung und Reputation der Firma.

Was man sät, wird man ernten: Dieses Prinzip leben wir. Mit

gegenseitiger Wertschätzung und Kollegialität, kurz mit Liebe,

lässt sich am meisten erreichen. Daher haben wir eine

konsequente Feedback-Kultur eingeführt mit Gesprächen, Befragungen,

Bewertungen und spezifi schen Werkzeugen, um

Konfl ikte zu lösen – ohne Verlierer. Unsere Erfahrung damit

ist durchweg positiv. Dadurch, dass wir alle Mitarbeiter an

Entscheidungen beteiligen, wissen wir stets, wie es um Arbeitsklima,

Motivation und Leistung bestellt ist. Der Aufwand mag

hoch sein, doch er lohnt sich. Denn die Kollegen informieren

sich, tauschen Wissen aus und unterstützen sich besser als je

zuvor. Das steigert ihre Motivation, ihre

Leistung und die Reputation, da sie stolz

auf ihre Firma sind.

ProFirma 07/08 2009

Peter Sander ist Marketingleiter der EWM

Eichelhardter Werkzeug- & Maschinenbau

GmbH, die mit 47 Mitarbeitern Mähwerkantriebe

für Mähdrescher herstellt.

gengebracht, hebt dies sein Selbstwertgefühl,

die Leistungsbereitschaft und

das Wir-Gefühl wachsen. Das wiederum

zähmt den Aggressionstrieb, lenkt ihn

in sinnvolle Bahnen. Ein weiterer Vorteil:

Unsicherheiten, Missverständnisse,

Fehleinschätzungen oder Gerüchte lassen

sich mit einer gelebten Gesprächskultur

vermeiden.

Gibt es auch Nachteile?

Mayer: Feedback bewirkt eher das Gegenteil,

wenn sich der Chef zu wenig

vorbereitet oder im Nebulösen bleibt.

Deshalb sollten Führungskräfte Anerkennung

für einzelne Leistungen zol-

Starke Motivation

Professor Bernt Mayer lehrt Unternehmensführung

und Personalmanagement an der

Fachhochschule Amberg-Weiden.

Olaf Kleidon ist Geschäftsführer der

Arithnea GmbH in Taufkirchen, er entwickelt

und betreibt mit 35 Mitarbeitern individuelle

IT-Lösungen für Unternehmen.

Debatte

len, konstruktive Kritik mit konkreten

Beispielen üben, klare Verbesserungsvorschläge

machen und Vorschläge

ernst nehmen.

Wie können kleinere Firmen dies bewältigen?

Mayer: Handwerker beispielsweise mit

zehn Mitarbeitern können mindestens

einmal jährlich mit allen Beschäftigten

tief gehende Einzelgespräche führen.

Dabei sollten sie klären, was gut lief, was

sich verbessern lässt, wo die Chancen

liegen. Das lässt sich dann zu einer Feedback-Kultur

mit Zielvereinbarungen auf

allen Ebenen weiterentwickeln.

Feedback-Kultur schafft Transparenz und ein gutes Klima,

bilanziert IT-Unternehmer Olaf Kleidon.

Kommunikativ, selbstbewusst, selbstständig – diese Eigenschaften

bringen unsere Mitarbeiter allesamt mit. Und

das ist wohl die beste Voraussetzung für eine konsequente

Feedback-Kultur. Einmal pro Jahr führen wir Mitarbeitergespräche,

ebenso gibt es regelmäßige Teambesprechungen

auf allen Ebenen. Zum einen schaffen wir damit Offenheit,

räumen Unklarheiten sofort aus dem Weg, unterbinden Gerüchte.

Zum anderen sprechen wir mit den Mitarbeitern über

ihre Leistungen, ihr Potenzial und ihre Weiterentwicklung.

Der Aufwand zahlt sich aus. Alle fühlen sich respektiert, was

ihre Motivation und Bindung steigert. Zudem macht das gute

Klima, das die Feedbackkultur entstehen

lässt, unsere Firma auch für interessante

Kandidaten attraktiv.

13


Wir Unternehmer – Porträt

Petra Mogg

Am Himmel zu Hause

Schon als 15-Jährige wollte Petra Mogg hoch hinaus. Doch der Vater, selbst Pilot, sagte:

„Frauen fl iegen nicht.“ Mittlerweile hat die leidenschaftliche Pilotin alle denkbaren

Fluglizenzen und betreibt in ihrem Unternehmen neun Flugzeuge. VON MICHAEL BAHNERTH

14 ProFirma 07/08 2009


Der Flugplatz im oberschwäbischen Mengen, Landkreis Sigmaringen,

liegt an diesem Tag so verlassen da, als ob die Krise

ihm schon vor Jahren die Flügel gestutzt hätte. Ein bleierner

Himmel in der Farbe von Kampfjets liegt über allem, und

Nebel verhüllt den Horizont. An Fliegen ist nicht zu denken.

Das vor einem Jahr errichtete, sonnenblumenfarbene Flughafenhotel

„Zum Fliegerwirt“ steht da, als ob es noch nie einen

Menschen gesehen hätte, oder nur diesen älteren Herrn, der

einen Zaun repariert und über das Rollfeld guckt, als ob er

bald ein Bier und einen Schnaps bräuchte. Das Flughafencafé

öffnet erst um zwei, wenn überhaupt, aber man kann in den

Briefi ngraum der Piloten, dessen Tische und Stühle einen an

die Zeiten erinnern, als Filbinger von Späth als Ministerpräsident

abgelöst wurde.

Petra Mogg ist noch nicht da. Sie besetzt ungefähr die Hälfte

des Flugplatzes. Ihre Donau-Air Service GmbH und die insge-

ProFirma 07/08 2009

samt neun Flugzeuge sind hier weitläufi g untergebracht, Bürogebäude,

Hangar. Ohne Petra Mogg würden hier nur noch

ein paar Vögel ohne große Verve rumfl attern. Wenn jemand

aus der Gegend mit Leidenschaft fl iegt, dann ist es Petra Mogg.

Um den Hals trägt sie die goldene Miniatur einer Speedcanard,

ihres Lieblingsfl ugzeugs, und wenn man fragt, was das zu

bedeuten hat, lächelt sie unergründlich. Vielleicht ein Mann,

vielleicht war da mal einer. Heute kümmert sie sich nicht

mehr um Männer, oder „nur, wenn was über den Weg läuft.

Aber wie denn, wenn ich die ganze Zeit in der Luft bin?“

Mit viel mehr Leidenschaft spricht sie übers Fliegen. Über ihre

Antonov II etwa, den größten Doppeldecker der Welt. Dass es

„Mir ist nur wohl, wenn ich selbst

bestimmen kann, was ich tue.“

PETRA MOGG, DONAU-AIR SERVICE GMBH, MENGEN

ein legendäres Flugzeug sei, und dass sie ihre AN II vor einigen

Jahren aus Beständen der Nationalen Volksarmee gekauft

habe. Und dass es einiges an Geld und Arbeit gekostet habe,

den alten Vogel wieder fl ottzukriegen. Petra Mogg ist in einem

Alter, in dem man das Alter bei Frauen nicht mehr erwähnt.

Eine Frau, die mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht. Die,

wenn sie gerade nicht fl iegt, leidenschaftlich Motorrad fährt

und mit ihrem roten Opel Astra einen fl otten Reifen auf die

Straße legt. Eine Frau, die zwischen zwei Leben hin und her

düst, eines in der Luft, das andere ein paar Flugminuten von

Mengen entfernt in Stetten, wo sie als Rechtsanwältin eine

Kanzlei führt, „einen Rückhalt“ hat, auch fi nanziell, „weil die

Zeiten gerade nicht leicht sind“.

VIP-Transporte und Frachtfl üge

Folgendes ist passiert: Seit gut acht Jahren besitzt Mogg einen

Citation-Jet. Das ist ein kleiner, düsenbetriebener Jet, 2.500

Kilometer Reichweite, knapp 800 Stundenkilometer schnell,

vier Plätze für Passagiere. „Das lief richtig gut.“ Mogg fl og und

fl iegt überwiegend Geschäftsleute aus der Region, aber auch

VIP und Promis umher, holt sie etwa in Frankfurt ab und

bringt sie nach London oder München. Sie holte Russen in

St. Petersburg ab und fl og sie nach St. Moritz. Oder sie hatte

Frachtfl üge, fl og etwa für einen Dichtungshersteller Spezialteile

zu Geschäftspartnern in Europa. Bald machten die Charterfl

üge immer mehr ihres Geschäftsbetriebs aus, der Rest

waren Flugstunden, Pilotenausbildungen und Rundfl üge.

Acht Charterfl üge hatte sie monatlich im Schnitt, Nachfrage

steigend.

Das Geschäft wurde zu groß für die relativ kleine Maschine,

fünf bis sechs Plätze sind nicht die Welt, sechs bis acht wären

besser. Aber mehr Plätze bedeuteten auch ein neues

15


Wir Unternehmer – Porträt

Flugzeug. Ein Millioneninvestition, immer noch, auch wenn

sie die alte Citation verkaufen würde. Alles ohne Kredite. Petra

Mogg hält gerne in allen Bereichen ihres Lebens den Steuerknüppel

in den Händen. „Mir ist nur wohl, wenn ich selbst

bestimmen kann, was ich tue“, sagt sie. Mogg kauft also das

Flugzeug, holt es in den USA, überführt es, ist ein bisschen

stolz, und vor allem ist sie startklar. Und dann fällt eine Krise

vom Himmel, und ihr neuer Vogel kommt nicht mehr allzu

häufi g in die Luft. Der Kundenstamm wird äußerst zurückhaltend,

und alle fl iegen plötzlich nicht mehr privat, sondern

nur noch Businessclass. Obwohl, wie sie sagt, wenn vier Leute

„Zwischen Himmel und Erde bin

ich am glücklichsten, weil mich dort

niemand stört.“ PETRA MOGG

in einer Linienmaschine ohne Vergünstigungen von Mengen

nach Mailand fl iegen würden, dann würden sie bei ihr immer

noch günstiger davonkommen. „Und die Kofferschlepperei

fällt weg.“ In ihrem Prospekt hat sie ein Rechenbeispiel. Bei

der Donau Air Service GmbH würde der Flug pro Person 1.800

Euro kosten, mit Linie 2.800. Das klingt gut, weil der Privatjet

natürlich viel mehr hermacht. Aber der Haken dabei ist, dass

man zuerst mal irgendwie nach Mengen kommen muss, denn

wenn Mogg die Fluggäste etwa in München abholen muss,

wird es wieder reichlich teurer.

Flog sie früher drei Mal die Woche Passagiere, fl iegt sie heute

nur noch einmal. „Na ja“, kommentiert Mogg, „ich hab jetzt

halt mehr Zeit für die Kanzlei.“ Das klingt ein wenig nach

Zweckoptimismus bei einer Frau, die einmal die Woche

Kunstfl iegen geht, weil es sie juckt, „ans Limit zu gehen“, und

auch, um mit sich selbst in Einklang zu bleiben. Eine Frau, die

zwischen Himmel und Erde am glücklichsten ist, „weil mich

da keiner stört“.

Deutsche Regulierungs- und Prüfungswut

Was sie unten auf der Erde stört, sind die zwischenzeitlich unzähligen

Vorschriften und vor allem, wie diese insbesondere

vom Luftfahrtbundesamt ausgelegt und umgesetzt werden.

Sie spricht von einer „Entmündigung der Piloten“. Dass die

Freiheit über den Wolken grenzenlos sein soll, das war vielleicht

einmal. Heute sei alles geregelt, fast jeder Zentimeter

des Himmels über Europa „beslotet“, das heißt, in geografi sche

und zeitliche Abschnitte unterteilt. Man kann nicht mehr einfach

in einen Privatjet steigen und losfl iegen, weil man gerade

Lust hat, mal eben in Nizza einen Café au lait zu trinken. All

die nötigen Permits für einen kleinen Flug innerhalb der EU

erfordern inzwischen fast mehr Papierkram als eine Einbürgerung.

Noch ein Beispiel: Wer Berufspilot werden möchte, braucht

die ATPL, die Airline Transport Pilot License, die Ausbildung

ist nicht nur knapp 80.000 Euro teuer, sondern in ihrem Umfang

in der Theorie einfach monströs. „Es gibt“, schnaubt

Mogg, „18.000 Fragen für die theoretische Prüfung. 18.000!

So viel zur europäischen Prüfungswut. Die Hoffnung, durch

Einführung europäischer Regeln die deutsche Regulierungs-

und Prüfungswut etwas einzudämmen, hat sich leider nicht

erfüllt. Das Problem bei dieser bürokratischen Vielfalt ist nur,

16 ProFirma 07/08 2009

Fotos: Karlheinz Fahlbusch


dass das Wesentliche untergeht. Dass man vor lauter Bäumen

den Wald nicht mehr sieht.“ Das sind die Momente in ihrem

Büro, das voller Flugkarten ist und Papieren, bei denen man

denkt, Petra Mogg müsste wieder mal mit ihrer JAK 52 Kunstfl

iegen gehen, ein bisschen ausspannen.

Als „Flugplatzkind“ aufgewachsen

Wenn die Donau-Air kein Familienunternehmen wäre, wäre

angesichts der Wirtschaftskrise Grounding durchaus ein

Thema. Mogg leitet das Unternehmen zusammen mit ihrem

Viel Zeit und Geld hat Petra Mogg in die Restaurierung ihrer Antonov

II gesteckt, des größten Doppeldeckers der Welt.

Vater, einem 82-Jährigen, der im Jahr 1971 die Donau-Air gegründet

hat und heute aussieht wie 70. Die beiden suchen nun

„Teilhaber“, um die Arbeit auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.

„Das ist aber nicht so einfach“, sagt sie.

Petra Mogg ist seit dem Jahr 1976 im Flieger-Business dabei.

In der Welt des Fliegens lebt sie quasi seit ihrer Geburt. „Ich

war ein Flugplatzkind.“ Jedes Wochenende auf dem Flugplatz

hieß das, weil ihr Vater da Segelfl ieger war und später mit dem

Motorfl ieger Fallschirmspringer in die Luft brachte. Jedes Wochenende

rumhängen mit Erwachsenen, die über Dinge sprachen,

die sie zwar interessierten, aber nicht betrafen. Die pubertierende

Mogg wollte das nicht akzeptieren. Mit 15 sagte

sie sich: „Wenn ich schon jedes Wochenende auf dem blöden

Flugplatz verbringen muss, dann will ich auch fl iegen.“

„Fliegen?“, fragte der Vater, „Frauen fl iegen nicht.“ Das war

1968, auf dem Flugplatz Leibertingen, ein bisschen im Nirgendwo

zwischen Freiburg und Ulm, unweit von Mengen,

und drumherum herrschten gerade Turbulenzen, weil die

1968er-Generation die konservativen Krusten einer moralisch

ProFirma 07/08 2009

morsch gewordenen Gesellschaft aufbrach und vor allem

auch die Gleichstellung von Mann und Frau forderte. Aber bis

nach Leibertingen und zu Vater Mogg drang das nicht durch.

Ganz große Krise bei Petra. Aber der Vater hatte Gott sei Dank

ein paar Freunde, solche mit gesundem Menschenverstand, die

ihm in der Folge gut zuredeten und meinten, er solle sein Mädchen

doch fl iegen lassen, was sei schon dabei. Petra Mogg durfte

dann Segelfl iegen, da war sie 15. „War gut“, sagt sie kurz, „zwei

bis drei Starts pro Tag. Und ich war weg vom Flughafen.“ Ein

paar Jahre später, als ihr Vater die Lehrberechtigung hatte, wurde

sie seine erste Schülerin und Pilotin einmotoriger Maschinen.

Der Doppeldecker ist ein Kraftpaket: Sein Neun-Zylinder-Sternmotor

mit 30 Litern Hubraum entfaltet rund 1000 PS.

Sie wechselte den Flugplatz mit der Uni, wurde Rechtsanwältin,

gründete eine Kanzlei und kam zurück auf den Flugplatz,

„weil ich doch nicht nur Anwältin sein wollte“. Und machte in

der Folge so ziemlich alle Scheine, die man im Fliegergeschäft

machen kann. Das war harte Arbeit, und man darf Mogg bewundern

für ihre Gradlinigkeit und Disziplin. So wie sie es geschafft

hat, als erste Flugschule für den Simulator Alsim AL 200

in Deutschland vom Luftfahrtbundesamt die Genehmigung zu

erhalten, einem Simulator für Instrumentenfl ugschulung.

Zwei Triebwerksausfälle hat Mogg in ihrem Fliegerleben

überstanden. Beim Triebwerksausfall mit einer Einmotorigen

kurz nach dem Start machte Mogg eine Notlandung in einem

Haferfeld. Niemand wurde verletzt, nur das Flugzeug war beschädigt.

Sie fl og voraus, ihr Vater hinter ihr her. „Dann fängt

das Ding an zu kotzen“, sie fl iegt eine fl ache Kurve und landet,

na ja, pfl ügt sich in ein Feld. „Noch mal Glück gehabt.“ Da

wünscht man Petra Mogg, dass sie weiter Glück hat mit ihrem

Leben. Und dass ihr der Himmel nicht auf den Kopf fällt.

www.donauair.de

17


Wir Unternehmer – Personalien

Neuer Geschäftsführer bei Teletrust

Neuer Geschäftsführer von Teletrust Deutschland wird

Dr. Holger Mühlbauer. Er soll dem deutschen Kompetenznetzwerk

für IT-Sicherheit eine neue Richtung geben.

Die Schwerpunkte seiner Arbeit sieht er in den nächsten

Jahren in der aktiven Gremienarbeit, der öffentlichen

Präsenz und der Kooperation mit anderen Organisationen.

Der Jurist war Secretary in mehreren Gremien des

Europäischen Komitees für Normung (CEN) und der Internationalen

Normungsorganisation (ISO).

Peter Buschbeck (47) wird neuer Vorstand

Privat- und Geschäftskunden der

HypoVereinsbank. Der Aufsichtsrat des

Instituts hat ihn mit Wirkung zum 1.

August 2009 zum neuen Leiter der Division

Privat- und Geschäftskunden und

Mitglied des Vorstands der HypoVereinsbank

bestellt. Buschbeck war zuletzt

Vorstandsvorsitzender der SEB AG. Seit

August 2005 verantwortete er als Vorstandsmitglied

das Retail-Geschäft der

SEB-Bank in Deutschland. Zuvor war er

Mitglied des Vorstands der Citibank Privatkunden

AG.

PERSONALIEN

Professor Wolfgang Kothen

Dr. Wolfgang Kothen (43) wurde zum Professor für Medienwirtschaft/Medienmanagement

an der staatlich

anerkannten privaten Fachhochschule des Mittelstands

(FHM) berufen. Kothen ist seit Oktober 2008 als Hochschullehrer

an der FHM in Bielefeld und Köln tätig und

wird nun als Professor den Fachbereich Medien verstärken.

Dr. Kothen promovierte zur „Theorie der Marken-

Kommunikation – Tradierte und konstruktivistische

Dr. Wolfgang Kothen Erkenntnisse“. Er war wirtschaftswissenschaftlicher Koordinator

im integrierten Diplomstudiengang „Medien-Planung, -Entwicklung

und -Beratung“ an der Universität Siegen sowie in zahlreichen universitären

Praxisprojekten. Vor seinem Einstieg in die FHM war Kothen außerdem

als Geschäftsführer einer Werbefi lmproduktion tätig.

Dr. Holger Mühlbauer

In Kürze

Dieter Schweer wird Mitglied der Hauptgeschäftsführung

des Bundesverbands der

Deutschen Industrie e.V. (BDI). Präsidium

und Vorstand des Spitzenverbands haben

einem entsprechenden Vorschlag von BDI-

Präsident Hans-Peter Keitel zugestimmt.

Zugleich wird Holger Lösch, Bereichsleiter

Kommunikation und Marketing, in die Geschäftsleitung

des BDI berufen.

Martin Mudersbach, Vorsitzender der Geschäftsführung

der akf Leasing GmbH &

Co KG, ist beim Bundesverband Deutscher

Leasing-Unternehmen (BDL) zum neu-

SoftM ohne Wiesholler

Der Vorstandsvorsitzende der SoftM

Software und Beratung AG in München,

Franz Wiesholler, ist aus dem Vorstand

der Gesellschaft ausgeschieden. Er wird

sich einer neuen unternehmerischen

Herausforderung stellen, wie es in einer

Pressemitteilung heißt.

Gleichzeitig hat der Aufsichtsrat der

SoftM AG Piotr Piatosa, den Vorstandsvorsitzenden

des SoftM-Mehrheitsaktionärs

Comarch Software AG in Dresden,

zum neuen Vorstandsvorsitzenden der

Gesellschaft bestellt. Piatosa wird gemeinsam

mit den beiden amtierenden

Vorständen Ludwig Ametsbichler und

Ralf Gärtner die Geschäfte der SoftM AG

führen. Sein Aufsichtsratsmandat bei

der SoftM AG hat Piatosa niedergelegt.

Franz Wiesholler hatte im Juni 2007 den

Vorstandsvorsitz als Nachfolger von Dr.

Hannes Merten übernommen. Dieser

ist Vorsitzender des Aufsichtsrats bei

der SoftM AG. Das Unternehmen bietet

seit dem Jahr 1973 Unternehmenssoftware

an und zählt rund 4.200 Kunden in

mehreren europäischen Ländern.

en Präsidenten und damit Nachfolger

von Reinhard Gödel gewählt worden.

Vizepräsidenten sind Rüdiger von Fölkersamb

(Deutsche Leasing AG) und

Thomas Kolvenbach (Comco Leasing

GmbH).

Die Mitgliederversammlung des Bundesverbands

der Freien Berufe (BFB) hat Dr.

Rolf Koschorrek einstimmig zum neuen

Vizepräsidenten gewählt. Der Zahnarzt

aus dem schleswig-holsteinischen Bad

Bramstedt wird für nunmehr drei Jahre

in der BFB-Spitze mitarbeiten.

18 ProFirma 07/08 2009

Fotos: privat


Von Peking nach Köln

Groß in China, jetzt

zurück in Deutschland:

Nico Dürbeck

(31), der in den vergangenen

zwei Jahren

das Avantgarde-Büro

in Peking aufbaute,

wird Geschäftsführer

der Kommunikati- Nico Dürbeck

onsagentur Avantgarde Köln. „Nico Dürbeck hat maßgeblich

die großartige Entwicklung von Avantgarde in

Peking geprägt. Unter seinem Management wuchs das

Büro von anfangs sechs auf inzwischen 24 Angestellte“,

kommentiert Martin Schnaack, Gründer von Avantgarde,

die Qualitäten des neuen Geschäftsführers in Köln.

Vorn bei Ferber-Software

Neuer Geschäftsführer bei der Ferber-Software GmbH

wird mit sofortiger Wirkung Jochen Schneiders (39).

Er wurde zum zweiten Geschäftsführer der Ferber-Software

GmbH mit Sitz in Lippstadt bestellt. Herr Schneiders

war zuvor als Prokurist und Abteilungsleiter Consulting

tätig. Die Ferber-Software GmbH vertreibt die

selbst entwickelte Inkasso-Software Ikaros.

Strategiepreis an Kilian-Druck

Das Strategie-Forum e.V. hat Klaus

Dinges, Geschäftsführer der Kilian-

Druck Grünstadt Dinges GmbH,

mit dem Strategiepreis 2009 in

der Kategorie „Industrie/Produktion“

ausgezeichnet. Das Strategie-

Forum e.V., Netzwerk für Erfolg

und Wachstum, verleiht diesen

Klaus Dinges

Preis jährlich für die vorbildliche

Umsetzung der Unternehmensstrategie auf Basis der

engpasskonzentrierten Verhaltens- und Führungsstrategie

EKS. Klaus Dinges von Kilian-Druck nutzt seit

mehr als 20 Jahren als Unternehmer die Methode der

engpasskonzentrierten Verhaltens- und Führungsstrategie

EKS. Dank dieser Strategie hat sich Kilian-Druck

von einer einfachen Druckerei konsequent zu einem

innovativen Spezialanbieter für individuelle Etikettierlösungen

weiterentwickelt. So konnte das Unternehmen

sowohl seine Produktionsfl äche als auch die

Produktionskapazität seit 2007 mehr als verdoppeln.

Am Unternehmensstandort in Grünstadt sind über 60

Mitarbeiter beschäftigt.

ProFirma 07/08 2009

Homepage Basic

0,– €

für 3 Monate*

bis zum 30.06.09

Unsere Firma ist jetzt auch im Internet.

Und bringt uns neue Kunden.

Entwerfen Sie Ihre eigene, professionelle Homepage – ganz ohne

Vorkenntnisse!

� Einfache Einrichtung und Verwaltung mit dem DesignAssistenten

� Marketingpaket für erfolgreiche Werbung im Internet inklusive

� E-Mail-Kommunikation unter eigener Domain

� Lageplan, Kontaktformular, Bildergalerie u. v. m.

Jetzt bestellen: www.t-home.de/meine-homepage

Individuelle Beratung unter der kostenlosen Geschäftskundenhotline

0800 330 1682 oder in Ihrem Telekom Shop.

*Ab dem 4. Monat 9,99 €/Monat (brutto). Der einmalige Einrichtungspreis von 14,99 € (brutto) für Homepage

Basic entfällt bei Beauftragung bis zum 30.06.2009. Mindestvertragslaufzeit 12 Monate. Bei Überschreitung

des im gewählten Produkt enthaltenen monatlichen Transfervolumens (ausgenommen Homepage Professional)

fallen je weiterem angefangenem MB 0,0051 € (brutto) an. Bei Überschreitung des im gewählten Produkt enthaltenen

Speicherplatzes fallen je weiterem angefallenem MB Speicherplatz 0,0975 €/Monat (brutto) an.


Wir Unternehmer – Mittelstand 2.0

Communities im Web

Aushilfe auf einen Klick

Mit dem Internet-Portal www.Aushilfe-Direkt.de von Paul Mertes und Mathias Leven können

Betriebe zeitnah und unbürokratisch Aushilfen fi nden. Eine Umkreissuche schränkt den Kreis der

Interessenten ein. VON GERLINDE KÜSEL

Ob Koch, Erntehilfe, Verkäuferin oder

Lkw-Fahrer: Meldet sich ein Mitarbeiter

kurzfristig krank oder ist überraschend

Mehrarbeit zu bewältigen, steht der Unternehmer

oft vor einem Problem: Woher

bekomme ich auf die Schnelle Ersatz?

Um solchen Notlagen abzuhelfen,

haben Paul Mertes und Mathias Leven

aus Korschenbroich Mitte vergangenen

Jahres den Online-Service www.Aus-

hilfe-Direkt.de ins Leben gerufen. Der

Unterschied zu klassischen Jobbörsen:

„Die Hilfe kommt sehr schnell und

ohne längeres Bewerbungsverfahren

zustande. Ein Landwirtschaftsbetrieb

verschickt beispielsweise morgens eine

SMS, und mittags stehen die Erntehelfer

bei ihm auf dem Acker“, verspricht Paul

Mertes. Mit solcher Reaktionsschnellig-

keit besetzen die Macher von Aushilfe-

Direkt.de eine echte Nische.

Die Nutzung des Portals ist einfach:

Auftraggeber und Aushilfen registrieren

sich mit ihrer Handynummer, ihrer

E-Mail-Adresse und ihrer Postleitzahl.

Wer ein Hilfegesuch hat, schickt dieses

über das Portal ab: Automatisch wird

eine SMS an alle infrage kommenden

Aushilfen verschickt. Die Aushilfen

„Der Landwirt verschickt morgens eine SMS, und

mittags steht der Helfer bei ihm auf dem Acker.“

PAUL MERTES, GESCHÄFTSFÜHRER, KORSCHENBROICH

Über Aushilfe-Direkt.de fi nden Aushilfen

und Betriebe kurzfristig zueinander.

melden sich dann per Handy bei dem

Auftraggeber. Einzelheiten wie Beginn

der Tätigkeit sowie Dauer und Entlohnung

werden im direkten Kontakt besprochen.

Die Idee für das Aushilfe-Portal wurde

Anfang 2008 in einem Kundengespräch

geboren. „Wir saßen abends bei einem

Gastronomen beim Essen, als ihm

kurzfristig zwei Kellner ausfi elen. Auf

die Schnelle konnte er keinen Ersatz

auftreiben. Da beschlossen wir, eine

Online-Community für Aushilfen und

Aushilfesuchende zu gründen“, berichtet

Mertes.

Die Auftraggeber stammen aus den

Branchen Gastronomie, Messebau,

Messeservice und Landwirtschaft. Auch

die Nachfrage nach Aushilfen in der

Kategorie „Büro und Verkauf“ wächst.

Doch von den derzeit knapp 4.600 aktiven

Benutzern sind rund 4.200 Aushilfen.

„Der typische Auftraggeber – sei es

Gastronom, Landwirt oder Messebauer

– sitzt nicht ständig vorm PC“, begründet

Mertes dieses Missverhältnis.

Der Online-Service ist bundesweit

nutzbar und kostenfrei. Mertes & Leven

fi nanzieren das Portal selbst, da sie

mit Community-Projekten Erfahrung

sammeln wollen. „Internet-Communities

reagieren sensibel wie ein Fischschwarm.

Mit viel Grafi k, Geblinke und

einer komplizierten Log-in-Prozedur

schreckt man sie nur ab. Als Portalinhaber

müssen Sie die Sache schlank halten,

dann kommen die Leute“, sagt Mertes.

Die Hauptkategorien bei Aushilfe-

Direkt.de sind Büro und Verkauf, Gastronomie,

Dienst am Menschen, Haus

und Garten, Landwirtschaft, allgemeine

Hilfstätigkeiten. Ob neue Stichwörter

dazukommen sollen, entscheidet die

Community selbst. „Wir haben ein Ideenlabor

eingerichtet, in das jeder Nutzer

Vorschläge einstellen kann. Diese werden

zur Abstimmung gestellt. Bekommt

ein Begriff genügend Zuspruch, wird er

aufgenommen“, so Mertes.

20 ProFirma 07/08 2009

Foto: privat


Name: Philipp Lay_

Beruf: Unternehmer_

Leidenschaft: Backwaren_

Folge deiner

Leidenschaft!

Als Bäckermeister arbeitet Philipp Lay täglich hart für den

Erfolg des eigenen Familienunternehmens. Seine Leidenschaft:

Backwaren, die seinen Kunden jeden Morgen ein Lächeln auf

das Gesicht zaubern!

Damit auch bei den Finanzen, beim Personal und im Verkauf

nichts anbrennt, gibt es ProFirma Professional – das neue

Rundum-Sorglos-Paket für die Unternehmensführung mit

garantiertem Zeit-Spar-Effekt!

Jetzt informieren: www.folge-deiner-leidenschaft.de

Mittelstand ist Leidenschaft.


Wir Unternehmer

Kurzreise

Das große Rasen

Zugegeben, es sind keine Siegerwagen, und die Boliden sind

im Schnitt zehn Jahre alt. Heinz Harald Frentzen etwa fuhr

mit einem, Jean Alesi, Jarno Trulli auch, es waren vierte Plätze

und sechste. 650 PS haben die Autos, von null auf 100 in etwas

mehr als zwei Sekunden, 6-Gang-Getriebe, 340 Stundenkilometer

Spitze, 520 Kilo leicht, 80 Liter Spritverbrauch auf 100

Kilometer. 350.000 Euro kostet eine der alten F-1-Raketen. Sie

stehen in Frankreich, 40 Kilometer landeinwärts von St. Tropez

und eine knappe Stunde vom Flughafen in Nizza entfernt.

Dort liegt der Circuit du Var, das sind zweieinhalb Kilometer

Straße, neun Meter breit, neun Kurven, selbstverständlich gibt

es einen Helikopterlandeplatz.

Ein Ort für Männerträume und ein paar verwegene Frauen, für

Menschen, die Adrenalin mögen und Benzin im Blut haben.

Einen Tag lang können sie Formel-1 spielen und dieses Gefühl

verspüren, wenn ein paar G auf Körper und Hirn treffen. Sie

AUSZEIT

können spüren, wie es ist, plötzlich von 300 auf 80 km/h herunterzubremsen,

und wie man sich fühlt, so als Geschoss.

Der Tag beginnt mit dem Einkleiden und Sicherheitsinstruktionen,

führt über die Einstimmung mit Formel-3-Wagen hin

zu den F-1-Runden. Drei sind die Norm, aber man kann bis zu

zwölf dazukaufen. Der Tag geht weiter mit Doppelsitzerfahren

und endet mit einem Diplom und Champagner. Mittagessen

ist auch dabei, wenn man noch was runterkriegt. Knapp zehn

Stunden, die sich in die Erinnerung einbrennen wie weicher

Gummi auf Asphalt. Das Ganze in deutscher Sprache, wenn

man will, der Organisator und Instruktor ist René Wolff, selbst

Rennfahrer, heute noch in der Langstrecken-Meisterschaft

tätig. Natürlich kostet solch ein „Once-in-a-lifetime“-Tag auf

einem Jordan-Prost-Arrows-AGS-F1 (Hight-Tech-Paket) ein

bisschen Geld: Zwischen 2.000 Euro (drei Runden F-1) und

5.000 Euro (15 Runden F-1). (MiB) www.formula-event.de

Das schöne Ding

Einiges können Schweizer nicht so gut. Fußballspielen etwa. Oder Deutsche

mögen. Einiges können Schweizer am besten. Taschenmesser machen

etwa. Schon 125 Jahre lang kümmert sich Victorinox darum, und neuerdings

verbinden sie Messer-Hightech mit Spitzen-IT. Das Swiss Flash ist so klein,

dass es in keinem Jackett ins Gewicht fällt, es hat für 107 Euro ein 16-GB-

Memory-Modul, eine Klinge, eine Schere, einen Kugelschreiber und eine

Feile mit Schraubendreher sowie einen Laserpointer. Alles, was der moderne

Mann braucht, um zu überleben. (MiB) www.victorinox.ch

22 ProFirma 07/08 2009

Fotos: formula-event; Victorinox; Olympiapark München


ProFirma 07/08 2009

Lesenswert

DURCHS WILDE

KAPITALISMUSTAN

Heike Faller ist eine Journalistin mit

fl otter Schreibe. Unlängst nahm sie

eine Auszeit. Während andere an

Stränden lümmeln und von Literatur

träumen, ging Faller in jene Welt, die

unlängst ein Outing als rechts- und

moralfreie Zone hatte: die Welt des

Investmentbankings. Ihr Ziel war, an

verschiedenen Finanzplätzen der Welt

mitzumischen und ihr Geld in einem

Jahr zu verdoppeln. Dann kam die Krise,

und Faller und ihre neuen Kollegen

befanden sich mittendrin. Kurz darauf

wurde sie wieder Journalistin, schrieb

ein Buch darüber und verdient jetzt

wahrscheinlich doppelt. Aber Heike

Faller unternahm ihre Geldvermehrungstour

nicht aus Gewinnsucht. Sagt

sie zumindest. Ihr sei das Streben nach

Profi t der beste Reiseführer durch die

wilde Welt des entfesselten Kapitalismus

gewesen. Gute Reise. (MiB)

Heike Faller:

Wie ich einmal versuchte,

reich zu werden.

Mein Jahr unter Spekulanten.

DVA Verlag 2009, 280 Seiten,

19,95 Euro; ISBN 978-3-421-04385-6

PARADIES

des Monats

Für den Terminkalender

Kino, nah am Wasser gebaut

Es gibt immer ein paar Gründe, wieder

mal nach München zu gehen:

Schwabing, der Englische Garten, die

Bar Schumann’s. Und während der

Sommermonate gibt es einen Grund

mehr: Das Kino am Pool. Bisher fand

diese hübsche Veranstaltung

mit ausgezeichnetem

Filmangebot bei

schönem Wetter immer

im Schwabinger Ungererbad

statt. Voriges

Jahr jedoch fühlten sich

ein paar Anwohner vom

Lärm gestört und bereiteten

dem Ganzen über die Staatsmacht

ein Ende. So etwas wäre übrigens ein

Grund, nicht nach München zu gehen.

Heuer fi ndet das Kino am Pool am

Olympiasee statt, es heißt nun Kino am

Olympiasee, und es fehlt vielleicht ein

bisschen das Familiäre. Noch immer

Gipfelsturm

Wer möchte nicht einmal ganz oben sein, ganz oben stehen auf dem

Gipfel? Runtergucken, und das Unten unten sein lassen? Sich hochkämpfen

zuvor, die Euphorie des Aufstiegs spüren und seine Mühsal?

Sich selber überwinden, immer wieder dem inneren Schweinehund in

den Hintern treten, die Muskeln spüren und einen gesunden Durst? Den

Blick schweifen lassen über Horizonte, äußere und innere? An jenem

Punkt in Deutschland stehen, von dem aus es nicht mehr höher geht?

Unterwegs an das Höllental denken? Später den Hüftgurt auspacken

und die Klettersteigsicherung, die Leiter und das Brett meistern, den

Gletscher überqueren, den Helm aufsetzen, den letzten Klettersteig nehmen?

Und dann auf dem Gipfel sein? Zugspitze. (MiB)

aber öffnet das Kino um 20 Uhr, und der

Film beginnt mit Anbruch der Dunkelheit.

Wer gute Plätze möchte, und vor

allen Dingen einen der begehrten Liegestühle

für acht Euro, geht besser gleich

um acht hin. Natürlich gibt es die Rasenplätze

für sechs Euro,

aber Kino im Liegestuhl

ist natürlich gediegener.

Bei der Verpfl egung

herrscht das bayrische

Biergartenprinzip: Essen

mitbringen gerne,

Getränke bitte nicht.

Für alle, die mit leeren

Händen kommen, gibt es Currywürste,

Frühlingsrollen und Pommes. Und Jugendliche

unter 18 Jahren, schreibt der

Veranstalter, dürfen wegen des nächtlichen

Beginns nur in Begleitung Erwachsener

hin. (MiB)

www.kinoamolympiasee.de

23


Unternehmensführung – Titelthema

Personalabbau

Trennung tut weh

Betriebsbedingte Kündigungen unterziehen das gesamte Unternehmen einer

Zerreißprobe. Die Gemengelage aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten, persönlichen

Ängsten und überforderten Vorgesetzten resultiert bei Entlassungen häufi g in einem

hochemotionalen und explosiven Gemisch. VON DR. ULRIKE FELGER

„Ich kann mir keine Gefühle leisten“, sagt Alexander Wesp

(Name zum Schutz des Unternehmens geändert) und spricht

damit vielen Geschäftsführern im Mittelstand aus der Seele.

Seit zehn Jahren führt der Wirtschaftsingenieur ein Entwicklungsunternehmen

in der Software-Branche. Im vorigen

Quartal musste er drei seiner 20 Mitarbeiter entlassen. Der Inhaber

und sein Kompagnon stehen betriebswirtschaftlich mit

dem Rücken zur Wand. Schon vor vier Jahren beutelte eine

Konjunkturdelle das Unternehmen: „Damals haben wir alle

durchgefüttert – als es besser wurde, sind sie zur Konkurrenz

gegangen“, erzählt Wesp bitter. Heute spüre er diese Form

fristig gar keinen Effekt haben: Schließlich würden Löhne und

imago/bonn-sequenz

von Loyalität nicht mehr. Abfi ndungen gezahlt, Anwalts- oder Beratungskosten fi elen

Foto:

24 ProFirma 07/08 2009

ProFirma

Titelthema

Egal, ob Rezession oder Underperformance, Umstrukturierung

oder Insolvenz: Personelle Veränderungen in der Belegschaft

sind für kleine und mittlere Unternehmen eine große

Herausforderung. Trennungen gehören für Rüdiger Hahn, Geschäftsführer

der Winkler Unternehmensgruppe in Stuttgart,

zur Ultima Ratio, „weil es einem Menschen die Existenz raubt

und den Boden unter den Füßen wegzieht“. Die Lässigkeit,

mit der andere Chefs ganze Abteilungen „freisetzen“, erstaunt

und irritiert den erfahrenen Manager. Besonders bedenklich

fi ndet er, dass Massenentlassungen seiner Ansicht nach kurz


an. Für Hahn fängt ein gelungenes Trennungsmanagement

lange vor der Entlassung an: „Eine vernünftige und kompromisslose

Einstellungspraxis und die gezielte Förderung von

Mitarbeitern sorgt dafür, dass Menschen optimal für ihren

Arbeitgeber wirken können.“

Produktivitätsverluste aufdecken

Wertschöpfung hat auch Thomas Schader, Unternehmensberater

der Succeed GmbH aus Dieburg, fest im Blick, wenn

ein Unternehmen in Schiefl age gerät: „Im ersten Schritt muss

man seine Prozesse prüfen. Wir hatten einen Fahrzeugbauer,

bei dem die Produktion um sieben Uhr startet, das Lager

war aber erst ab 7.30 Uhr besetzt“, berichtet Schader, der

Produktivitätsverluste in Firmen aufzudecken versucht. Wo

dies nicht ausreicht, hilft ein umfangreiches Maßnahmen-

Repertoire, um Kündigungen zu vermeiden: Die Reduzierung

von Arbeitszeiten gehört ebenso dazu wie Arbeitszeitkonten,

Wenn es sich nicht vermeiden lässt und

betriebsbedingte Kündigungen anstehen,

gelten besonders strenge rechtliche Voraussetzungen.

Zunächst muss die arbeitsvertragliche,

tarifl iche oder gesetzliche

Kündigungsfrist eingehalten werden, da es

sich bei der betriebsbedingten Kündigung

um eine ordentliche (fristgerechte) Kündigung

handelt. Außerdem müssen die folgenden

Voraussetzungen erfüllt sein.

Die Kündigung

muss klar und deutlich sein

Eine Kündigungserklärung darf keinen

Zweifel daran lassen, dass die Beendigung

ProFirma 07/08 2009

„Viele Mittelständler tun sich schwer,

mit ihren Mitarbeitern in eine

gute Kommunikation zu kommen.“

THOMAS SCHADER, SUCCEED GMBH, DIEBURG

des Arbeitsverhältnisses gewollt ist. Auch

wenn es gesetzlich nicht vorgeschrieben

ist, empfi ehlt es sich, das Wort „Kündigung“

als Überschrift einzusetzen. Aus der

Erklärung muss außerdem deutlich hervorgehen,

wann das Beschäftigungsverhältnis

beendet sein soll. Einen Kündigungsgrund

kann man angeben, muss man aber nicht.

Beispiel: „ … hiermit kündigen wir das

Arbeitsverhältnis zum …. aufgrund dringender

betrieblicher Erfordernisse …“

Nur schriftlich

Eine Kündigung ist nur dann wirksam, wenn

sie schriftlich erteilt wird und eine zur Kün-

der Abbau von Überstunden, ein Verzicht auf Gehalt oder

Sonderzuwendungen, Betriebsferien, die Weitervermittlung

von Spezialisten an befreundete Unternehmen oder die Beteiligung

von Mitarbeitern, um Liquidität und Motivation zu

steigern. Ansonsten sind Geschäftsführer und Gesellschafter

die Ersten, die zurückstecken, ihre Gehälter kürzen oder auf

Überschüsse, Auszahlungen und Dividenden verzichten.

Kurzarbeit ist für viele mittelständische Unternehmen eine

Notlösung: Oft mangelt es weniger an Arbeit als an Liquidität.

Software-Unternehmer Wesp beispielsweise kann eigentlich

auf keinen Mitarbeiter verzichten, zu groß sei der Druck,

neue, zukunftsfähige Produkte auf den Markt zu bringen.

„Sozialabgaben fallen bei Kurzarbeit nach wie vor an, und der

Verwaltungsaufwand ist enorm: Ich sitze jeden Monat zwei

volle Tage mit dem Steuerberater über den Unterlagen“, klagt

Werner Wassermann, geschäftsführender Gesellschafter der

Wassermann & Kress GmbH im fränkischen Karlstein und

Chef von 20 Mitarbeitern. Seit Ende 2008 ist der Umsatz

Betriebsbedingte Kündigungen – die rechtlichen Aspekte

digung berechtigte Person, wie etwa der

Prokurist oder Personalleiter, sie unterschrieben

hat. Wichtig: Eine Kündigung per

E-Mail oder per Fax ist unwirksam.

Eine Kündigung muss zugehen

Für die Wirksamkeit der Kündigung kommt

es entscheidend auf den Nachweis an, dass

der Gekündigte sie erhalten hat. Einem

Anwesenden kann die Kündigung gegen

eine Empfangsquittung überreicht werden.

Wird diese Quittung verweigert, kann der

Arbeitgeber Zeugen hinzuziehen, die die

Übergabe bestätigen können. Scheidet

eine persönliche Übergabe aus, bietet

25


Unternehmensführung – Titelthema

des Metallverarbeiters um mehr als 70 Prozent eingebrochen;

zum Glück hatten die weitsichtigen Unternehmer ein fi nanzielles

Polster geschaffen, das nun über die Durststrecke helfen

soll.

Um die mühsam aufgebauten Fachkräfte zu halten, haben

sich Wassermann & Kress zur Kurzarbeit durchgerungen:

„Wir suchen seit 20 Jahren nach guten Leuten – jetzt haben

wir nichts zu tun“, berichtet er. Aufträge kämen kurzfristig.

Zum Glück habe die Arbeitsagentur Fortschritte gemacht:

„Früher war Kurzarbeit für uns Kleinbetriebe aufgrund starrer

Vorschriften sehr schwierig, heute sind die Vorgaben gelockert

– wir können Leute daheim lassen, wenn wir sie nicht

brauchen.“ Zusätzlich hat sich das Unternehmen via „Kündigung

mit Wiedereinstellungsgarantie“ von zwei Mitarbeitern

auf Zeit getrennt. Bis diese Anfang Oktober wieder vor der

Tür stehen, hofft Wassermann auf bessere Zeiten.

Das Lebenswerk steht auf dem Spiel

Häufi g stehen nicht nur die Ersparnisse oder Altersversorgung,

sondern das ganze Lebenswerk eines Unternehmers

auf dem Spiel. Zulieferer Wassermann fängt nach den vergangenen

Monaten bei seinen Altersbezügen fast wieder bei

null an. Die Bereitschaft, die eigene Börse zu strapazieren, ist

Für die Zustellung

von Kündigungen

gibt es feste

Vorschriften.

sich die Zustellung durch einen Boten an.

Dabei muss sichergestellt sein, dass der

Bote den Inhalt des Schreibens kennt, damit

er in einem Prozess bestätigen kann,

was er zugestellt hat. Wichtig: Der Arbeitgeber

selbst sollte nie der Bote sein, denn

in einem Prozess wäre er Partei und könnte

deshalb nicht als Zeuge gehört werden.

Grundsätzlich gilt: Einem Abwesenden geht

die Kündigung dann zu, wenn sie so in seinen

Einfl ussbereich gelangt ist, dass er unter

normalen Verhältnissen von ihr Kenntnis

nehmen kann. Beispiel: Eine Kündigung

wird abends von einem Boten in den Briefkasten

geworfen. Diese Kündigung geht

am nächsten Tag zu, wenn üblicherweise

der Briefkasten geleert wird. Urlaub ist kein

anerkannter Grund für eine Verzögerung.

Anhörung des Betriebsrats

Der Betriebsrat muss vor jeder Kündigung

angehört werden – das gilt auch für die

betriebsbedingte. Wurde keine oder eine

fehlerhafte Anhörung durchgeführt, ist die

Kündigung unwirksam. Der Arbeitgeber hat

nicht nur über die Person des Gekündigten,

die Art und den Termin der Kündigung,

sondern auch über die Kündigungsgründe

zu informieren. Der Betriebsrat muss so

umfassend informiert werden, dass er sich

ohne eigene Nachforschungen ein Bild von

den Zusammenhängen machen kann. Bei

einer ordentlichen Kündigung kann der

Betriebsrat innerhalb von einer Woche wi-

bei Mittelständlern ausgeprägt, doch macht sich ab einem gewissen

Punkt Nüchternheit breit. „Ich bin nicht bereit, meine

Firma wissentlich an die Wand zu fahren“, sagt Software-

Unternehmer Wesp. Er will lieber weiter schrumpfen, denn

er ist überzeugt, dass eine drastisch verkleinerte Mannschaft

den Weg in die Zukunft schaffen wird: „Jeder Monat, den wir

überfl üssige Leute mitschleppen, kostet mich persönlich Geld

und gefährdet den Turnaround.“

Martina Goldhorn, geschäftsführende Gesellschafterin der Janus

Unternehmensberatung in Aying, rät Firmenchefs dazu, sich auf

Trennungsgespräche akribisch vorzubereiten.

dersprechen. Wichtig: Das beeinfl usst nicht

das Recht des Arbeitgebers zur Kündigung.

Auch bei einem Widerspruch kann gekündigt

werden. Den Widerspruch sollte man

in Kopie der Kündigung beifügen.

Besondere Personen –

besonderer Schutz

Für Personen, die besonders schutzbedürftig

sind, bestehen zum Teil Kündigungsverbote

beziehungsweise kann der Arbeitgeber nur

dann kündigen, wenn er zuvor die Zustimmung

einer bestimmten Behörde eingeholt

hat. Bei Schwangeren und Müttern bis zu

vier Monaten nach der Entbindung und Arbeitnehmern

während der Elternzeit muss

beispielsweise vor einer Kündigung das

Gewerbeaufsichtsamt um Zustimmung ersucht

werden. Bei Schwerbehinderten

26 ProFirma 07/08 2009

Foto: Janus GmbH


GEFÜHLE DER

VERBLEIBENDEN MITARBEITER

Damit haben sie zu kämpfen

> Verlust lieb gewonnener Kollegen

> Schuldgefühle und eigene Betroffenheit

> Unsicherheit und Zukunftsängste

> Erleichterung, dass belastende Kollegen weg sind

> Defi zit, da Anlass zur Klage und Kritik entfällt

> Steigende Arbeitsbelastung bis zur Überlastung

> Angst, etwas falsch zu machen

> Geschwundenes Vertrauen ins Management

> Hadern mit der Entscheidung der Unternehmensleitung

> Rangeleien um wenige Plätze

> Angst, sich berechtigt krank zu melden

> Identitätsverlust

> Sinkende Risikobereitschaft

> Demotivation und innere Kündigung

Swiss Life · Service Center

Postfach 4017 09 · 80717 München

Telefon 0180 - 318 00 00

Fax 0180 - 317 00 00

info@swisslife.de · www.swisslife.de

CHECKLISTE FÜR DAS

TRENNUNGSGESPRÄCH

Folgende Aspekte sollten Sie vorbereiten

und die wichtigsten Formulierungen gegebenenfalls

wörtlich auf Ihrem persönlichen

„Sprechzettel“ festhalten

> Gesprächseröffnung

> Trennungsbotschaft in den ersten fünf Sätzen

> Aussagen in Ich-Form halten

> Klare, deutliche Sprache

> Exakte Trennungsbegründung

> Argumentation und Einwandbehandlung

> Antizipation und Umgang mit Reaktionen

> Vereinbarung Folgetermin und Überleitung

zum Auffanggespräch

> Beendigung des Gesprächs

nach: Andrezejewski, Laurenz: Trennungs-Kultur,

Verlag Wolters Kluwer, Köln.

Das Swiss Life Zeitwertkonto

Die Lösung für moderne Unternehmen


Unternehmensführung – Titelthema

ERFAHRUNGEN EINES ABTEILUNGSLEITERS

Bis zum bitteren Ende

„Manchmal hatte ich kaum noch Kraft, zum Hörer zu greifen und den Nächsten herzubitten“, erzählt

Peter Meier (Name geändert). Als Abteilungsleiter in der Halbleiterindustrie erlebte er den Niedergang

seines Arbeitgebers. Erst kündigte er seinen Mitarbeitern, dann musste er selbst gehen.

Freitags lud die Firma zum Seminar, Thema „Trennungsgespräche“.

Von Montag an standen für ihn 40 Personalgespräche

auf dem Programm: Zwölf Kündigungen in zwei Tagen, dazu

Termine mit bleibenden Kollegen als fl ankierende Maßnahme.

Kein Seminar kann auf ein solches Pensum vorbereiten. Meier

hat in der Praxis gelernt, dass alles gut läuft, solange der Mut

die Angst übersteigt. Setzt die Erschöpfung ein, übernimmt der

Bauch: „Man wird lasch, führt die Gespräche nicht mehr mit Offenheit,

nichts läuft wie geplant.“ Als Vorgesetzter verändere

man sich in solchen Zeiten – man nehme Schaden.

In einem speziellen Meeting informiert Meier seine Mitarbeiter

über den Ablauf der Personalgespräche. Jeder soll die gleichen

Infos bekommen, sich innerlich auf das Geschehen vorbereiten.

Aussagen zur Entwicklung und zur wirtschaftlichen Lage trifft er

ausschließlich in diesem einen Treffen. Meier erklärt, dass die

Reihenfolge der Gespräche unabhängig von getroffenen Trennungsentscheidungen

ist: „Ich wollte den Leuten die Chance

lassen, es ihren Kollegen selbst zu sagen.“ Kollegen, die ohnehin

einen Wechsel planen, bittet er, sich an ihn zu wenden. Vier

Mitarbeiter reagieren und sichern damit Kollegen vorerst den

Arbeitsplatz.

kann eine Kündigung nur mit vorheriger

Zustimmung des Integrationsamts erfolgen.

Diese behördlichen Zustimmungen

müssen auch bei betriebsbedingten

Kündigungen eingeholt werden.

Schwerbehinderte stehen

unter besonderem

Schutz.

Sonderfall Kleinstbetrieb

Kleinstbetriebe, für die das Kündigungsschutzgesetz

(KSchG) nicht gilt, müssen

nicht nachweisen, dass dringende betriebliche

Erfordernisse vorliegen, die

eine Kündigung sozial rechtfertigen.

Wenn aber der Arbeitnehmer

> schon länger als sechs Monate im Betrieb

arbeitet und

> regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer

(Auszubildende zählen nicht mit)

dort beschäftigt werden,

dann besteht Kündigungsschutz. Der

Arbeitgeber muss dann nachweisen,

dass es einen betriebsbedingten Grund

gibt, der die Kündigung rechtfertigt. Teilzeitkräfte

werden bei der Berechnung

der Arbeitnehmerzahl nur zeitanteilig

berücksichtigt. Sie zählen bei einer re-

Um das Resultat der Trennungsgespräche abzufedern, bittet der

Abteilungsleiter Teamleiter und zwei erfahrene Kollegen, „auf

die Gekündigten aufzupassen“. Er weiß, dass mancher Zuspruch

brauchen wird. Dann heißt es für ihn durchhalten. Die Gefasstheit

der Betroffenen hilft ihm durch den Tag. Monate später hält

Meiers Chef ihn auf dem Gang an. Ob er kurz Zeit hätte? „Seine

Anspannung sprach Bände.“ Die eigene Kündigung verfolgt

Meier mit nüchterner Gefasstheit – und zählt die Fehler seines

Noch-Vorgesetzten. Dass dessen Stellvertreter unabgesprochen

mit am Tisch sitzt, empfi ndet er als besonders feige.

„Alle haben im Seminar etwas gelernt, nur der Chef nicht“,

sagt er. Besonders ärgert ihn die Nonchalance, mit der sein Vorgesetzter

die Kündigung einordnet und damit (ab)wertet: „In

diesem Moment war ich ungeheuer gekränkt – wie er mich intellektuell

unterfordert, mich zu manipulieren versucht.“ Meiers

eigene Gelassenheit bringt den Chef völlig aus dem Konzept. Er

fängt vage an, mögliche Bleibe-Optionen in Aussicht zu stellen.

Mittlerweile ist Peter Meier arbeitslos. Einen neuen Job hat

der Familienvater und Hausbauer noch nicht in Aussicht, aber

er ist optimistisch, dass das Leben ihm die nächste Chance bieten

wird.

gelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit

von nicht mehr als 20 Stunden mit 0,5

und bei bis zu 30 Stunden mit 0,75. Im

Kleinstbetrieb reicht es aus, dass die Anforderungen

an die guten Sitten gewahrt

werden. Wichtig: Für Arbeitnehmer, deren

Arbeitsverhältnis vor dem 1. Januar

2004 begründet wurde, bleibt es beim

alten Schwellenwert von mehr als fünf

Arbeitnehmern. Deren Kündigungsschutz

tritt also schon ein, wenn diese Schwelle

erreicht ist.

Anforderungen an die

betrieblichen Erfordernisse

Greift der allgemeine Kündigungsschutz

nach dem Kündigungsschutzgesetz,

müssen dringende betriebliche Erfordernisse

vorliegen, die zum Wegfall des Ar-

28 ProFirma 07/08 2009


Wenn ein Unternehmen ums Überleben kämpft, geht die

Stimmung in die Knie. „Wir versuchen, unsere Sorgen nicht

auf die Mitarbeiter zu übertragen, aber in einem so kleinen

Unternehmen bleiben Probleme nicht verborgen“, sagt

Werner Wassermann. In schwierigen Situationen registrieren

die meisten Vorgesetzten erhöhten Gesprächsbedarf. „Viele

Mittelständler tun sich schwer, mit ihren Mitarbeitern in eine

gute Kommunikation zu kommen“, sagt Unternehmensberater

Schader. Oft bestimmten Gerüchte die Stimmung, und

der Chef gerate in Verdacht, sich auf Kosten seiner Mitarbeiter

eine goldene Nase zu verdienen. Es gebe eine Diskrepanz in

der Realitätswahrnehmung von Unternehmern und Mitarbeitern,

bestätigt Fertigungsspezialist Wassermann. Wer es

allerdings schaffe, offen und ehrlich zu kommunizieren, könne

auf eine gute Unterstützungsbereitschaft zählen – und das

nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch bei Lieferanten

oder Banken.

Kündigen ist eine Managementaufgabe

„Die Kultur eines Unternehmens beweist sich in Trennungssituationen“,

sagt Rüdiger Hahn. Eine Tatsache, die sich betroffene

Unternehmer immer wieder klarmachen sollten:

Jeder scheidende Kollege ist ein Botschafter seines früheren

Arbeitgebers. Wie die Botschaft lautet, bestimmt eine Firma

maßgeblich selbst. „Ein systematisches Projektmanagement

und ein fester Trennungsleitfaden helfen dabei, Fehler zu vermeiden“,

sagt Martina Goldhorn, geschäftsführende Gesellschafterin

der bayerischen Unternehmensberatung Janus aus

Aying. Kündigen sei eine Managementaufgabe, die entsprechend

geplant werden müsse. Für das eigentliche Trennungsgespräch

rät sie, sich akribisch vorzubereiten und im Falle

beitsplatzes des Mitarbeiters führen, bevor

es überhaupt zu einer betriebsbedingten

Kündigung kommen kann. Die außerbetrieblichen

Umstände wie Auftragsmangel,

Absatzschwierigkeiten und so weiter können

nur dann eine Kündigung rechtfertigen,

wenn sie einen konkreten Bezug zum

Betrieb haben.

Auf allgemeine arbeitsmarkt- oder sozialpolitische

Erwägungen kann sich der Arbeitgeber

nicht stützen. Bei einer Kündigung

aus innerbetrieblichen Gründen muss

der Arbeitgeber darlegen, welche organisatorischen

oder technischen Maßnahmen

er angeordnet hat und wie sich das auf den

Arbeitsplatz des gekündigten Mitarbeiters

auswirkt.

ProFirma 07/08 2009

Weiterbeschäftigung

ausgeschlossen

Zu einer wirksamen betriebsbedingten Kündigung

gehört auch, dass eine Weiterbeschäftigungsmöglichkeit

völlig ausgeschlossen

ist. Die Kündigung muss das letzte Mittel

sein – vorher muss eine andere Stelle zur

Verfügung gestellt werden. Das gilt aber nur

für freie Arbeitsplätze. Der Arbeitgeber darf

nicht einen besetzten Arbeitsplatz „freikündigen“.

Deshalb müssen vor einer betriebsbedingten

Kündigung immer sämtliche Versetzungsmöglichkeiten

geprüft werden.

Die Sozialauswahl

korrekt durchführen

Eine Sozialauswahl muss vor jeder betriebsbedingten

Kündigung durchgeführt werden

und erfolgt in drei Schritten:

WAS ENTLASSUNGEN KOSTEN

Nur wenige Kostenfaktoren, die bei Entlassungen eine

Rolle spielen, sind sofort offensichtlich. Viel größer ist der

Aufwand, den versteckte Posten verursachen.

WAHRGENOMMENE

KOSTEN

VERDECKTE

KOSTEN

Quelle: modifi ziert nach Grimmeisen, 1997

Wen es bei Entlassungen

trifft,

hängt auch von

der Sozialauswahl

ab.

Sozialplan

Abfi ndungen

Training/Beratung

Arbeitsgericht

Fluktuationskosten

Sitzungszeiten

Energiebindung

Entscheidungsverzögerung

Absinken der Produktivität

Steigende Fehlerquote

Vertretungskosten

Fehlzeiten

Gerüchte

Loyalitäts- und Vertrauensverlust

Imageverlust bei Kunden

Verschlechterung des Betriebsklimas

Geringere Attraktivität

Kosten zum Neuerwerb von Know-how

1. Die vergleichbaren Mitarbeiter werden

ermittelt. Nur wer untereinander vergleichbar

ist, kann in die Sozialauswahl einbezogen

werden. Vergleichbar sind diejenigen,

die untereinander austauschbar sind.

2. Im nächsten Schritt wird geprüft, ob bestimmte

Personen aus der Sozialauswahl

herausgenommen werden dürfen, weil

29


Unternehmensführung – Titelthema

von Unsicherheiten lieber vor dem Spiegel oder mit dem Diktiergerät

zu üben. Im Gespräch selbst seien klare Worte ohne

Weichspüler und Floskeln gefragt: „Der Mitarbeiter hat ein

Recht darauf, reinen Wein eingeschenkt zu bekommen.“ Dabei

müsse man bedenken, dass Menschen im Schockzustand

kaum zuhören könnten.

Begleitet werden behutsam vorgenommene Entlassungen

von einer umfassenden Kommunikation mit den Betroffenen,

aber auch mit den beteiligten Kollegen. Die ungekündigten

Mitarbeiter, zynischerweise oft „Survivors“ genannt,

bewerten ein Trennungsgeschehen immer bezüglich seiner

Gerechtigkeit. Informationen aus erster Hand sind deshalb

vital. Laurenz Andrzejekski spricht in seinem Buch „Trennungskultur

und Mitarbeiterbindung“ vom psychologischen

Kontrakt zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, der im

Laufe einer Kündigung nachhaltig gestört wird. Ihn mit den

Verbleibenden wieder zu erneuern, ist eine wesentliche Aufgabe

der Führung. Nur so erreicht die Belegschaft wieder ihre

Leistungsfähigkeit und Produktivität.

deren Weiterbeschäftigung im berechtigten

betrieblichen Interesse liegt. Das können

bestimmte Leistungsträger sein, deren

Weiterbeschäftigung wegen ihrer Kenntnisse,

Fähigkeiten und Leistungen für den

Betrieb absolut notwendig ist.

3. Zum Schluss wird der Mitarbeiter für die

betriebsbedingte Kündigung ausgewählt,

der nach den Kriterien

> Dauer der Betriebszugehörigkeit

> Lebensalter

> Unterhaltspfl ichten

> Schwerbehinderung

am wenigsten sozial schutzbedürftig ist.

Sonderfall Massenentlassung

Vor jeder Massenentlassung muss die Bundesagentur

für Arbeit in Kenntnis gesetzt

werden. Die Anzeigepfl icht richtet sich nach

ProFirma PROFESSIONAL

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie auf unserem

Unternehmer-Cockpit. Zugang über www.profi rma.de

Betriebsbedingte Kündigung. Ein ausführlicher Fachbeitrag erklärt

Ihnen alle arbeitsrechtlichen Zusammenhänge.

Haufe-Index: 515610

der Größe des Betriebs und den beabsichtigten

Entlassungen. Um anzeigepfl ichtige

Massenentlassungen handelt es sich dann,

wenn

1. mehr als 20, aber weniger als 60 Arbeitnehmer

dem Betrieb angehören und mehr

als fünf entlassen werden sollen oder

2. mindestens 60, aber weniger als 500

Arbeitnehmer dem Betrieb angehören und

10 Prozent oder mehr als 25 entlassen werden

sollen oder

3. mindestens 500 Arbeitnehmer dem Betrieb

angehören und mindestens 30 entlassen

werden sollen.

Entlassungen in diesem Umfang müssen

der Bundesagentur angezeigt werden. Diese

Anzeige setzt eine einmonatige Sperrzeit

in Gang. Der Arbeitgeber kann also erst

nach Ablauf von einem Monat nach der An-

Entlassungen emotional bewältigen

„Wo gekündigt wird, ist die Stimmung auch mal schlecht, das

gehört dazu“, weiß Beraterin Goldhorn, die in einer früheren

Position selbst zahlreichen Mitarbeitern kündigen musste.

Führungskräfte werden geschnitten, Fehlzeiten steigen, Gespräche

verstummen, die Geschäftsführung erhält anonyme

Schreiben, oder Stimmungsfragen in Meetings werden nur

noch zögerlich oder gar nicht beantwortet. „Die Verbleibenden

sind mit einer Menge Emotionen beladen und wissen

oft nicht, ob sie es auch noch erwischt“, sagt Beraterin Goldhorn.

Experten vergleichen die Bewältigung von Entlassungen

mit den Gefühlen, die man beim Tod eines nahestehenden

Menschen durchlebt. Nur wer Trauer und Resignation Raum

gibt, schafft einen guten Neuanfang.

Eine besondere Herausforderung für tatkräftige Macher im

Mittelstand ist es, die Effekte von Entlassungen auf die Belegschaft

auszuhalten und nicht gleich in eine Gegenbewegung

zu verfallen. Wer die Trauer seiner Mannschaft beispielsweise

durch massenhafte Anweisungen und E-Mails abzukürzen

oder sogar zu unterdrücken versucht, pokert hoch: Er setzt

damit das zügige Wiedererlangen von Produktivität und Arbeitsfähigkeit

leichtfertig aufs Spiel.

Massenentlassungen

müssen der Bundesagentur

für Arbeit

angezeigt werden.

zeige die geplanten Kündigungen aussprechen.

Wenn es schneller gehen soll, muss

die Zustimmung der Agentur für Arbeit eingeholt

werden.

Hinweis aufnehmen

In alle Kündigungen und auch als Anhang

zu den Aufhebungsverträgen sollte der

Arbeitgeber aufnehmen, dass der Arbeitnehmer

verpfl ichtet ist, sich unverzüglich

bei der Agentur für Arbeit zu melden und

er eigene Aktivitäten bei der Suche nach

einer anderen Beschäftigung zu erbringen

hat.

30 ProFirma 07/08 2009


ProFirma 07/08 2009

INTERVIEW

„Entlassungen berühren mich ganz tief“

Michael Monnheimer, geschäftsführender Gesellschafter

des Holzwerks Gras-Ellenbach im Odenwald, berichtet, wie hart gerade für

Familienunternehmer ein Kündigungsvorhaben ist.

Herr Monnheimer, welche Erfahrungen

haben Sie mit dem Thema Entlassungen?

Monnheimer: Wir sind ein sehr innovatives

Unternehmen, das als Zulieferer

von Bleistift-Brettchen und auch im

Palettenbau, als Sägewerk und beim

Thema Energiegewinnung einen guten

Namen hat. Jetzt haben uns die Globalisierung,

vor allem der hohe Eurokurs,

und die Dumpingpreise durch die EU-

Osterweiterung eiskalt erwischt. Heute

haben wir noch 40 Mitarbeiter, fünf

mussten in den letzten Monaten leider

gehen. Zehn Jahre sind wir kontinuierlich

gewachsen. Wenn ein Arbeitsplatz durch

Rationalisierungen oder Investitionen

wegfi el, haben wir den Mitarbeiter an

einer anderen Stelle integriert. Vorbei.

Was ist bei Kündigungen in einem mittelständischen

Betrieb anders?

Monnheimer: In den Großunternehmen

kennen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter teilweise

nur auf dem Papier, als Zahlen. Bei

uns ist das anders: Wir haben nur langjährige,

sehr gute und treue Mitarbeiter.

Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit

liegt bei über 20 Jahren. Jeder kennt

jeden, Dinge werden persönlich und mit

Handschlag abgemacht. Ich bin mit fast

allen meinen Mitarbeitern per Du. Die

Leute sind aus der Region, viele haben

ihre Lehre bei uns gemacht.

Welche Möglichkeiten haben Sie genutzt,

um Kündigungen zu vermeiden?

Monnheimer: Wir besprechen im Unternehmen

wichtige Dinge gemeinsam.

Lohnverhandlungen zum Beispiel

laufen in einer gemeinsamen Betriebsversammlung,

wir sind in keinem Ar-

DAS GESPRÄCH FÜHRTE DR. ULRIKE FELGER

beitgeberverband. Aktuell merken die

Mitarbeiter, dass die wirtschaftliche Lage

schlecht ist, wenn plötzlich der Lohn zwei

oder drei Tage später kommt, weil uns die

Liquidität fehlt. Zudem arbeiten die meisten

in Leistungssystemen. Wenn weniger

Arbeit anfällt, zum Beispiel in der Palettenproduktion,

verdienen sie auch weniger.

Als Konsequenz hat die Belegschaft

mitgetragen, dass wir in diesem Jahr auf

eine Lohnerhöhung verzichten.

Welche Rolle spielt die Kommunikation im

Trennungsgeschehen?

Monnheimer: Als klar wurde, dass wir

entlassen müssen, habe ich zunächst mit

den einzelnen Betriebsleitern gesprochen.

Dann kamen Gespräche mit Mitarbeitern,

um zu sondieren, wer vielleicht ohnehin

eine Veränderung plant. Ein Mitarbeiter

leistet nun seinen Wehrdienst ab, ein

anderer hat eine Vorruhestandsregelung

angenommen. Die Hälfte unserer Belegschaft

hat einen Migrationshintergrund,

da muss man klären, ob jemand vielleicht

sowieso zurück in die alte Heimat will. In

genau diesen Gesprächen beweist sich,

dass wir hier fair und offen miteinander

sprechen.

Wie halten Sie Ihre verbleibende Mannschaft

leistungsfähig?

Monnheimer: Die Leute müssen wissen,

dass ich ehrlich mit ihnen umgehe,

dass das, was ich sage, der Wahrheit

entspricht. Ehrlichkeit ist der Sockel von

Vertrauen. Außerdem muss man seine

Leute auch zusammenrufen, wenn es

gut läuft. Wenn wir erfolgreich sind, es

einen neuen Kunden oder einen neuen

Auftrag gibt, sollen meine Mitarbeiter

wissen, dass es auch ihr Erfolg ist. Sie

sind beteiligt – nicht nur an Problemen

wie in der Krise, die uns gerade beutelt.

Wie bewahren Sie sich bei Trennungen

Ihre Menschlichkeit und Ihr Mitgefühl?

Monnheimer: Die Entlassung von Mitarbeitern

berührt mich ganz tief. Jede

„Die Mitarbeiter müssen wissen,

dass ich ehrlich mit ihnen umgehe.“

MICHAEL MONNHEIMER, HOLZWERK GRAS-ELLENBACH

Trennung fällt mir schwer. Unsere Kinder

gehen zusammen in die Schule, spielen

miteinander – und da soll ich dem Vater

sagen „Du darfst morgen nicht mehr

kommen“. Wir sind ein Ausbildungsbetrieb.

Wenn junge Menschen wegen

einer Lehrstelle anklopfen, ihr Leben

mit dem Beruf des Holzbearbeitungsmechanikers

ausfüllen wollen, habe ich

ihnen eine tolle Lehre für eine gute Zukunft

versprochen. Jetzt muss ich sagen

„Du hast den falschen Beruf, du hättest

Politiker werden sollen“. Ich fühle mich

immer verantwortlich für die, die hier

arbeiten.

31


Unternehmensführung – Kolumne

Macht ist wie Luft: Sie ist überall, aber sie ist meist nicht zu

sehen und manchmal auch nicht zu fassen. Wer sie hat, freut

sich insgeheim, zeigt sie aber in der Regel nicht vor. Wer sie

nicht hat, ist dumm dran und zeigt in aller Regel auch nicht,

dass er sie nicht besitzt. Das wäre ja peinlich. Wer führen will

oder muss, der muss auch mit Macht umgehen können. Das

kann man lernen, jedenfalls den handwerklichen Teil davon.

Dieser Umgang mit Macht kann ganz individuelle Züge haben,

ganz auf den Fall oder die Situation bezogen, situationsadäquat.

Sie kann im einen Fall ganz fest und vielleicht sogar

hart und unnachgiebig, im anderen Fall sehr sensibel und vorsichtig

eingesetzt werden.

Macht wird mithilfe von Instrumenten ausgeübt. Information

und Kommunikation gehören zu den wichtigsten Instrumenten

der Macht. Wer Informationen besitzt, hortet, verschweigt oder

taktisch einsetzt, der übt Macht in einem negativen Sinne aus.

Wer sie dagegen weitergibt, sortiert, strukturiert, andere daran

teilhaben lässt und seine Motive und Interessen offenlegt, dessen

Machtausübung hat einen positiven Charakter. Das muss

nicht harmlos oder gar naiv sein, aber es ist klug. So macht

man sich Freunde und Verbündete. Aber auch Vertrauen und

Misstrauen, Verlässlichkeit und Falschheit, Halbwahrheit und

Unwahrheit können Machtinstrumente sein. Im wirklichen

Leben kommen alle diese Erscheinungsformen von Macht vor,

und zwar in allen Lebensbereichen. Machtanwendung muss

nicht immer donnernd und dröhnend daherkommen. Sie

kann auch weiche Züge haben, sensibel vorgehen, vorhandene

Interessen erkennen, aufnehmen und einbeziehen. Macht als

Konfrontationsmittel erzeugt Gegenmacht und Widerstand.

Macht als Einladung zur Mitwirkung und zur Mitgestaltung

erzeugt Kooperation und Inspiration.

Skrupellose Menschen greifen tief und ungeniert in den Werkzeugkasten

der Macht. Sie verschwenden keinen Gedanken

Querdenker

Martin Beck Der Unternehmensberater

ist Großhandelskaufmann, Diplom-

Betriebswirt (FH) und Honorarprofessor

an der Hochschule Nürtingen.

www.prof-beck.net

Macht haben und Macht ausüben

Von Professor Martin Beck

daran, dass Machtausübung immer nur auf Kosten anderer

möglich ist. Moralisch gefestigte Zeitgenossen machen sich

Gedanken, ob das von ihnen ausgewählte Machtinstrument

auch wirklich für den geplanten Zweck geeignet sei und wie

eine missbräuchliche Nutzung verhindert werden könne.

In der Praxis kann das dazu führen, dass der Schnellere und

Bedenkenlosere siegt, obwohl die moralischen Kräfte eher

bei seinem Widersacher zu vermuten sind. Damit muss man

leben, wenn man Werte und Prinzipien schätzt. Macht kann

auch den Charakter des Mächtigen verändern. Der kluge Präsident

Abraham Lincoln, der Macht in wilden Zeiten ausüben

musste, sagte dazu: „Willst du den Charakter eines Menschen

erkennen, so gib ihm Macht.“ Je weniger Machtbalance in einer

Organisation vorhanden ist, je mehr der Mächtige unkontrolliert

und ungestraft agieren kann, desto eher besteht die

Gefahr von Willkür oder grandiosen Fehlentscheidungen. Es

hat seinen guten Grund, dass viele Eigentümerunternehmer

zu ihrer eigenen Begleitung und als Korrektiv einen unabhängigen

Beirat installieren oder unabhängige Begleiter ins Haus

holen. Das ist nicht immer angenehm, aber auf jeden Fall

hilfreich.

Wer Verantwortung für Menschen und Sachen ausübt, muss

sich mit Macht befassen. Ist die notwendige Dosis verfügbar,

kann gehandelt werden. Fehlt sie oder wird sie verweigert,

muss sie erkämpft werden. Wegschauen gilt nicht und hilft

nicht! Der legendäre Bankier Alfred Herrhausen bemerkte

dazu: „Führen muss man wollen!“ Nichts ist schlimmer als

ein Mensch mit Führungsverantwortung, der nicht wirklich

führen will. Er wird seiner Aufgabe nicht gerecht, bringt die

Sache nicht vorwärts, er kann weder Ordnung halten noch

Strukturen schaffen. Es herrscht Anarchie. Und das ist das

Letzte, was ein Unternehmen brauchen kann, in guten wie in

schlechten Zeiten.

32 ProFirma 07/08 2009


Auf der Suche nach dem richtigen Weg in

der Buchhaltung geraten viele ins Schleudern!

Gerade bei der Buchführung gilt: Überblick bewahren. Aus diesem Grund liefert Ihnen Haufe Buchführung

Office die konzentrierte Buchführungs-Power für Ihre Praxis. Das verständlich aufbereitete Wissen aller

relevanten Themen führt Sie schnell und sicher zur richtigen Lösung. Der kompakte Schnellzugriff, direkt

einsetzbare Arbeitshilfen, eine der größten Frage-Antwort-Sammlungen und Online-Kompakt-Seminare

sorgen dafür, dass Sie gezielt und sicher Ihre Buchhaltungsaufgaben erledigen.

www.haufe.de/shop/fi ww w

nance

Ich bin schon bei Haufe.


Unternehmensführung – Vertrieb

Kundenbindung

Die Flucht verhindern

Das größte Vermögen eines Unternehmens ist die

Loyalität seiner Kunden. Treue zu fördern und Abwanderung

zu vermeiden, sichert den dauerhaften Geschäftserfolg.

VON ANNE M. SCHÜLLER

Den Unternehmen laufen die Kunden

davon. Es ist nicht mehr ungewöhnlich,

regelmäßig den Lieferanten zu wechseln.

Selbst durch und durch zufriedene

Kunden ziehen einfach von dannen,

wenn irgendwo ein besseres Angebot

winkt oder eine neue Marke angesagter

ist. Die Wechselbereitschaft ist sozial

akzeptiert, und sie steigt dramatisch.

Die Illoyalen sind auf dem Vormarsch.

Das neue Phänomen heißt: Der fl üchtende

Kunde.

LITERATUR-TIPP

Autorin: Anne M. Schüller

COME BACK! Wie Sie verlorene

Kunden zurückgewinnen

Orell Füssli, Zürich 2007, 226 Seiten,

26,50 Euro, ISBN 978-3-280-05242-6

Wer nun als Kunde mit Liebesentzug

droht und seine Verträge nicht einfach

verlängert, sondern regelmäßig kündigt,

kann – zum Beispiel bei Mobilfunk- und

Kabel-TV-Anbietern, bei Krankenkassen

und Versicherungen, bei Zeitungen

und Zeitschriften – inzwischen so richtig

absahnen: Fette Gutscheine, satte

Nachlässe, Wunsch-Handys, kostenfreie

Vertragslaufzeiten und SMS. Ein

paar Hundert Euro kommen da schnell

mal zusammen. Aber nur, wenn man

kündigt. Die Kunden, deren Vertrag sich

stillschweigend verlängert, bekommen

natürlich nichts. Das heißt: Untreue

wird belohnt. Treue wird bestraft.

Beim nutznießenden Kunden kommt

sicher Freude auf – doch marketingtechnisch

ist so etwas ein Sündenfall.

Denn auf diese Weise wird uns Kunden

der letzte Rest Loyalität aus dem Herzen

geeist. Wir lernen: Erst, wenn wir

kündigen, werden die Firmen so richtig

entgegenkommend. Da regnet es plötzlich

lauter schöne Überraschungen.

Wer seine Kunden aufs systematische

Kündigen abrichtet, statt sie zu hegen

und zu pfl egen, dem mag man wünschen,

dass dies mit einem wahren

Kündigungs-Tsunami bestraft wird.

Doch leider ist der Schaden größer: Das

Misstrauen gegen die Anbieter am Markt

wird weiter geschürt. Und die Aggressivität

der Verbraucher wird zunehmend

steigen. Beides können wir derzeit nun

wirklich nicht gebrauchen. Und schlim-

Wer seine guten Kunden

hält, muss sich weniger um

das Neugeschäft sorgen.

mer noch: Verbraucher mit solchen

Kündigungserfahrungen werden das

nun bei allen und jedem erwarten.

Gut gemachte

Kundenrückgewinnung

Gott sei dank machen es nur wenige Unternehmen

so wie gerade beschrieben.

Einige machen es richtig und gut. Die

meisten haben allerdings bislang erst

wenige Gedanken darauf verwendet,

verlorene Kunden systematisch zurückzugewinnen

und ein professionelles

Kundenrückgewinnungsmanagement

aufzubauen.

Es beginnt dort, wo alle Loyalisierungsmaßnahmen

erfolglos blieben, wenn

also der Kunde die Geschäftsbeziehung

offi ziell beendet oder das Unternehmen

stillschweigend verlassen hat. Demnach

ergeben sich zwei Ansatzpunkte:

> das Kündigungsmanagement mit dem

Ziel des Abwehrens oder der Rücknahme

von Kündigungen,

> das Revitalisierungsmanagement mit

dem Ziel der Wiederaufnahme der

abgebrochenen oder eingeschlafenen

Geschäftsbeziehung.

34 ProFirma 07/08 2009


Im Einzelnen geht es darum zu erkennen,

wer aus welchen Gründen abgewandert

ist und wen man wie zurückholen

kann, um es im zweiten Anlauf

besser zu machen. Der Prozess des

Rückgewinnungsmanagements lässt

sich somit in fünf Schritten darstellen:

1. Identifi zierung der verlorenen

oder „schlafenden“ Kunden

2. Analyse der Verlustursachen

3. Planung und Umsetzung von Rückgewinnungsmaßnahmen

4. Erfolgskontrolle und Optimierung

5. Prävention oder Erzielung einer

„2. Loyalität“.

Alle Maßnahmen zielen letztlich auf

den fünften Schritt: Die Prävention von

Kundenverlusten. Und bei den zurückgewonnenen

Kunden gilt es, eine „2. Loyalität“

aufzubauen. Eine dritte Chance

gibt es so gut wie nie.

Prävention ist die erste Wahl

Verlorene Kunden zurückzugewinnen,

ist natürlich immer nur die zweite

Wahl. Viel wichtiger ist Prävention. Dabei

haben Kundenverluste viel seltener

etwas mit Preisen zu tun, als allgemein

angenommen wird. „Zu teuer“ ist ein

wunderbarer Vorwand für beide Seiten:

Für den Kunden, damit er seine emotionale

Verletztheit nicht offenlegen

muss. Und für den Betreuer, um sich aus

der persönlichen Verantwortung zu

stehlen.

Einer Untersuchung von CRMGuru zufolge

verlassen 74 Prozent aller Kunden

ein Unternehmen wegen des schlechten

Service, 32 Prozent wegen schlechter

Qualität und 25 Prozent wegen der Preise.

Die gleichzeitig befragten Manager

ProFirma 07/08 2009

ProFirma PROFESSIONAL

Weitere Informationen zum Thema erhalten

Sie auf unserem Unternehmer-Cockpit.

Zugang über www.profi rma.de

Kundenbindung Mit dieser Arbeitshilfe

ermitteln Sie, welche Maßnahmen sich für

Ihr Unternehmen besonders eignen.

Haufe-Index: 1123833

So bleiben Ihnen die Kunden treu

1. Manche Unternehmen sind so sehr

mit der Neukundengewinnung beschäftigt,

dass Bestandskunden oft das Gefühl

haben, nur noch „zweite Klasse“ zu sein.

Jedoch: Ihre Stammkunden sind Ihre

wichtigsten Kunden. Diese bekommen

also die besten Angebote, Stammkunden-Preise,

Exklusiv-Services, Vorabinformationen

usw.

2. Kunden fehlt oft die so wichtige emotionale

Aufmerksamkeit. Zeigen Sie

daher Akzeptanz, Anerkennung, Wertschätzung

und Respekt. Bedanken Sie

sich doch mal ausdrücklich für die gute

Geschäftsbeziehung und die Treue des

Kunden. Ein individueller Besuch, Anruf

oder Brief vom Chef persönlich sind dabei

besonders zielführend.

3. Dem Kunden keine Kontakte aufzwingen.

Lassen Sie ihn vielmehr selbst

entscheiden, wer ihn wie oft und auf

welchem Weg kontaktieren darf. Aktualisieren

Sie kontinuierlich alle kundenrelevanten

Informationen in Ihrer Datenbank

und ergänzen Sie diese sukzessive um

hingegen glauben, es sei zu 49 Prozent

wegen der Preise, zu 36 Prozent wegen

veränderter Bedürfnisse und nur zu 22

Prozent wegen des schlechten Service.

Das heißt, die Sündenböcke werden

außen und nicht innen gesucht. Man

zeigt lieber auf andere als auf sich selbst.

Dabei wäre es sinnvoll, nach wunden

Punkten vor allem im eigenen Unternehmen

zu suchen.

Die Ursachen für hohe Wechselfreude

liegen nämlich nicht nur in verändertem

Sozialverhalten und gesamtwirtschaftlichen

Rahmenbedingungen.

In den meisten Fällen sind sie hausgemacht.

Die größten Loyalitätszerstörer

heißen:

> Austauschbarkeit

> Preis-Aktionismus

> emotionale Kälte

> ständig wechselnde Ansprechpartner.

emotionale Details. Markieren Sie Ihre

Stammkunden und insbesondere Ihre

Empfehler, damit jeder Mitarbeiter diese

auf den ersten Blick als solche erkennt.

4. Bei jeder Unzufriedenheit denkt der

Kunde sofort über einen Wechsel nach.

Beugen Sie also Unzufriedenheit vor,

indem Sie fokussierende Fragen stellen,

etwa wie folgt: „Wenn es eine Sache

gibt, lieber Kunde, die wir in Zukunft

für Sie noch ein wenig besser machen

können, was wäre dann das Wichtigste

für Sie?“ Entwickeln Sie ein Frühwarnsystem

mit den typischen Anzeichen für

Abwanderungsbereitschaft.

5. Gehen Sie mit Reklamationen professionell

um. Schlecht oder gar nicht

bearbeitete Reklamationen sind ein

Hauptgrund für Kundenfl uktuation. Denken

Sie nicht nur an den Ausgleich des

tatsächlichen Schadens, sondern geben

Sie auch eine emotionale Wiedergutmachung.

Denn der Kunde hatte Ärger und

Stress, und das kommt einer Körperverletzung

gleich.

Wer schon allein an diesen Punkten ansetzt,

kann die Loyalität seiner Kunden

beträchtlich erhöhen und gleichzeitig

seine Fluktuationsraten deutlich senken.

Der Aufbau einer andauernden,

freiwilligen Kundentreue ist gerade in

wirtschaftlich herausfordernden Zeiten

oberstes Gebot. Ein durch und durch

loyaler Kunde kommt ja nicht nur immer

wieder, er generiert auch die so

wertvolle Mundpropaganda. Aktive

positive Empfehler sind die besten Helfershelfer

auf dem Weg zu verbesserten

Ergebnissen und hohem Neukundengeschäft.

Die Autorin: Anne M. Schüller

ist Management-Consultant und Expertin

für Loyalitätsmarketing in München.

www.anneschueller.de

35


Unternehmensführung – Marketing

Messen

Kontrolle spart Kohle

Die Messekosten sind der größte Brocken im Budget eines Ausstellers. Doch gerade

kleineren Unternehmen fehlt es oft am richtigen Umgang mit der komplexen Materie.

Messegesellschaften und Verbände bieten Analysehilfen zur Kostenkontrolle.

VON DETLEV BRECHTEL

Vor allem in Krisenzeiten stellen Unternehmer

sämtliche Budgets auf den Prüfstand.

Brauchen wir das? Geht’s auch

günstiger? Da Messeauftritte auf der

Kostenseite unter den Marketinginstrumenten

ohnehin hoch angesiedelt sind,

setzt hier oft zuerst der Rotstift an. Das

ist verständlich, denn gerade für kleinere

Firmen steigen die relativen jährlichen

Kosten für Messebeteiligungen umgekehrt

proportional zur Unternehmensgröße.

Das heißt: Im Kleinbetrieb ist das

Beschickungsrisiko ungleich höher als

im Großunternehmen, Budgetaspekte

sind damit von vornherein wichtig.

„Die Kosten sollten sich an festen Parametern

orientieren“, erläutert Klaus

Zittrich, Geschäftsführer beim Messebauer

Complexx GmbH in Gelsenkirchen.

Dazu sei jedoch eine Werteskala

der eigenen Ziele unabdingbar. „Allgemeingültige

Aussagen über die Kosten

lassen sich ohnehin nicht treffen“, weiß

der Branchenkenner. Die Tücken lie-

gen im Detail: Geht es bei den großen

Kostenblöcken wie Standbau, Standbetrieb,

Personalkosten oder Werbung am

Messestand noch vergleichsweise transparent

zu, verhält es sich bei den anfallenden

Nebenkosten oft wie mit einer

Black Box: Keiner blickt durch.

Nebenkosten intransparent

Zwar rühmt sich Deutschland beispielsweise

damit, im europäischen Vergleich

„Es ist leider keine Seltenheit,

dass Monate nach der Messe

noch keine fundierten Auswertungen

stattgefunden haben.“

BJÖRN JOPEN, FAIRCONTROL, MÜNCHEN

die niedrigsten Standmieten aufzuweisen.

Allerdings verdanken die Aussteller

dies vor allem der effi zienten Arbeit sogenannter

Ausstellerbeiräte, die bei den

Messegesellschaften Kostenänderungen

regelmäßig auf ihre Plausibilität prüfen.

Nebenkosten, die jeder Aussteller für

Strom- und Wasseranschlüsse, Leergut,

Transport oder Abhängepunkte an der

Hallendecke zahlen muss, summieren

sich oftmals auf den gleichen Betrag

wie die Standmiete. Dass Messebeteili-

gungen oft als kostspielig empfunden

werden, liegt auch an diesem Punkt. Stetige

Aufschläge für Einlagerung, Stapler,

das Verbringen vom Lkw zum Stand

oder für Wasseranschlüsse beobachtet

der Verband Direkte Wirtschaftskommunikation

(Famab) im deutschen

Messewesen schon länger. Eine schleichende

Verteuerung zum Nachteil der

Aussteller sei dies, insbesondere der

kleineren, kritisiert der Verband.

Da Messebauunternehmen häufi g erst

durch den Aussteller beispielsweise die

Preise für Stromanschlüsse erfahren,

können sie den Kunden bei der Kostenermittlung

an dieser Stelle nicht unterstützen.

„Diese Situation ist absurd,

denn Famab-Mitglieder, die oft einige

Dutzend Stände auf einem Messegelände

planen und bauen, können in ihren

Angeboten etwa die Kosten für Abhängepunkte

nicht einpreisen, da sie den

Betrag nicht kennen“, erklärt Famab-

Geschäftsführerin Elfi e Adler.

Messeneulinge haben es schwer

Um Abhilfe zu schaffen, hat der Famab

exklusiv für seine Mitglieder einen Kalkulator

entwickelt. Er umfasst eine Aufstellung

der anfallenden Nebenkosten

für die wichtigsten Veranstaltungen

eines Jahres auf den großen deutschen

Messeplätzen, soweit der Verband sie

ermitteln konnte. In unklaren Fällen

empfi ehlt der Verband seinen Mitglie-

36 ProFirma 07/08 2009

Foto: imago/Horst Rudel; Faircontrol


dern, die Kunden darauf hinzuweisen,

dass eine korrekte Kostenermittlung

aufgrund der Informationspolitik der

Messegesellschaften nicht realisierbar

war. Dass eine transparente Kostengestaltung

möglich und für jeden jederzeit

nachvollziehbar sein kann, zeigt laut Famab

das Beispiel der Messe Düsseldorf.

Zu allen Veranstaltungen sind sämtliche

Preise online abrufbar – und machen

dem Aussteller bereits in der Planungsphase

eine genaue Kalkulation möglich.

Nimmt ein Unternehmen jedoch zum

ersten Mal an einer Messe teil, ist die Erstellung

eines Budgets doppelt schwer,

da keine Vergleichsdaten vorliegen. In

diesem Fall empfi ehlt es sich, anhand

von Veröffentlichungen der Messegesellschaften,

von Industrieverbänden,

Kammern, des Messeverbands Auma

oder des Famab ein möglichst genaues

Bild zu erarbeiten. Hilfreich sind auch

die sogenannten FKM-Kennzahlen der

Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle

von Messe- und Ausstellungszahlen in

Berlin. Für mehr als 180 deutsche Messen

fi nden sich darin zum Beispiel Besucherstrukturanalysen

sowie Aussteller-

und Flächenzahlen.

Bei der Erstellung des Kostenplans gibt

es zwei grundsätzliche Vorgehensweisen:

Messeunerfahrene Unternehmen

kalkulieren idealerweise jeden einzelnen

Budgetposten, um so aus der Summe

den Gesamtetat zu errechnen. Dabei

sollte zusätzlich ein Posten für „Unerwartetes“

einbezogen werden. Hat

man das Budget für eine Veranstaltung

zusammengestellt, lässt sich daraus ein

Gesamtbudget für das In- und Ausland

errechnen und somit der Jahresetat festlegen.

Immer mehr Anbieter vermieten

ProFirma 07/08 2009

ProFirma PROFESSIONAL

Weitere Informationen zum Thema erhalten

Sie auf unserem Unternehmercockpit. Zugang

über www.profi rma.de

Messebeteiligung eines Mittelständlers.

Der Fachbeitrag gibt wertvolle Tipps zur

kostengünstigen Beschickung von Messen.

Haufe-Index: 1826776

Beim Aufbau von Messeständen entstehen erhebliche Nebenkosten.

auch Messestände. Das ist häufi g für

den Auftraggeber kostengünstiger, als

in eigene Messebauten zu investieren.

Den größten Anteil der Messekosten

deutscher Veranstalter verschlingt nach

aktuellen Angaben des Auma übrigens

der Messestand (39 Prozent) mit einigem

Abstand vor den Personalkosten

(21 Prozent), den Grundkosten

wie Standmiete (20 Prozent) und dem

Standservice (zwölf Prozent).

Um den Überblick zu behalten, stellt

der Auma einen kostenlosen Online-

Nutzencheck zur Verfügung. Dieses

Tool hilft auch bei der Kontrolle und

Optimierung der individuellen Messeziele.

Eine genaue Kostenanalyse kann

dabei überraschende Erkenntnisse bringen:

Etwa dass auch kostengünstigere

Teilnahmemöglichkeiten wie Gemeinschaftsbeteiligungen,

Normstände der

Messegesellschaften oder Förderungen

durch Bund und Land erwägenswert

sind. Messeerfahrene Unternehmen

gehen andersherum vor: Hier erstellt

die Unternehmensleitung aufgrund der

Zahlen des Messe-Controllings einen

Jahresetat für Messen, auf dessen Basis

den Veranstaltungen Geld zufl ießt.

Den realen Ausgaben steht aber auch

Nutzen gegenüber, der sich kaum sinnvoll

in Zahlen und Kennziffern fassen

lässt: Wurden Kontakte geknüpft? War

die Kundenresonanz positiv? Stieß das

Gewinnspiel auf Kundeninteresse? Firmenlenker

sollten daher ein wenig über

den Tellerrand der Budgetoptimierung

blicken. Denn eine Messe kann mehrere

andere Marketinginstrumente ersetzen

und somit bei guter Planung doch die

kostengünstigere Option sein. Wichtig

ist auch, die Nachbearbeitung eines

Messeauftritts nicht zu vernachlässigen,

was Björn Jopen, Geschäftsführer der

Münchner Messeberatung Faircontrol,

noch immer häufi g beobachtet: „Leider

haben oftmals Monate nach der Messe

noch keine fundierten Auswertungen

stattgefunden.“

Kommunikationskonzept

beachten

Ganz klar: Die Messekosten werden

gerade in Zeiten schwieriger wirtschaftlicher

Rahmenbedingungen noch genauer

unter die Lupe genommen. Das

wissen auch die Messegesellschaften

und bieten immer öfter Servicehilfe an.

Mit der Anwendung „Salespark“ macht

es etwa die Messe Berlin möglich, den

Aufwand einer Messebeteiligung exakt

zu ermitteln. Das mathematische

Modell soll nicht nur den geldwerten

Nutzen jeder denkbaren Messeveranstaltung

berechnen, sondern auch „als

Beratungstool für Entscheidungsträger“

taugen, so Messesprecher Michael

T. Hofer. „Es zeigt den Etatverantwortlichen,

was sie für alternative Marketingmaßnahmen

aufwenden müssten,

wenn sich das Unternehmen nicht an

einer in Erwägung gezogenen Veranstaltung

beteiligen würde.“

37


Unternehmensführung

Urlaub und Urlaubsabgeltung

Wenn es um den Urlaub geht, gibt es einen

Grundsatz: Arbeitnehmer müssen

Urlaub in Form von Freizeit in Anspruch

nehmen, um sich zu erholen. Eine fi -

nanzielle Urlaubsabgeltung anstelle

von Freizeit und Erholung widerspricht

dem Sinn des Bundesurlaubsgesetzes

(BUrlG). Deshalb ist die Ausbezahlung

des Urlaubs an den Arbeitnehmer auch

unwirksam. Lässt sich der Arbeitgeber

darauf ein, weil der Mitarbeiter vielleicht

gerade Geldschwierigkeiten hat, weiß er

vielfach nicht, dass der Urlaubsanspruch

dennoch bestehen bleibt. Kommt der

Arbeitnehmer also später auf die Idee,

den Urlaubsanspruch nochmals geltend

zu machen, dann muss der Arbeitgeber

diesen Anspruch erfüllen.

RECHT

Bares statt Erholung

Die Abgeltung von Urlaub sorgt im Betriebsalltag oft für Streitigkeiten. Wenn das

Arbeitsverhältnis endet und ein Teil des Urlaubs bis dahin nicht genommen wurde,

erwarten viele Arbeitnehmer einen fi nanziellen Ausgleich. VON DR. STEPHANIE KAUFMANN

Recht in der Praxis

Nur ausnahmsweise kann der Erholungsurlaub

vom Arbeitgeber fi nanziell

abgegolten werden. Voraussetzung

für eine solche Regelung ist, dass der

Erholungsurlaub nicht mehr gewährt

und genommen werden kann, weil das

Arbeitsverhältnis endet. Dabei kommt

es nicht darauf an, aus welchem Grund

das Arbeitsverhältnis endet. Entscheidend

ist vielmehr, dass es noch einen

Anspruch auf Urlaubstage gäbe, würde

das Arbeitsverhältnis fortbestehen.

Und: Der Abgeltungsanspruch muss

rechtzeitig geltend gemacht werden. Er

darf also noch nicht verjährt sein. Das

kann beispielsweise der Fall sein, wenn

im Arbeitsvertrag Ausschlussfristen

vereinbart wurden, innerhalb derer

Urlaubsabgeltung ist steuer- und sozialversicherungspfl ichtig

Wenn bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses festgestellt wird, dass noch Anspruch

auf einige Urlaubstage besteht, der nun abzugelten ist, dann handelt es sich dabei nicht

um eine Abfi ndungszahlung, die sozialversicherungsfrei ist. Vielmehr ist der Urlaubsabgeltungsbetrag

als einmalig gezahltes Arbeitsentgelt für die Beitragsberechnung heranzuziehen

und gehört zum letzten Entgeltabrechnungszeitraum des laufenden Kalenderjahres.

Gleiches gilt für die Steuerpfl icht: Beträge, die der Arbeitgeber als Entschädigung

für nicht genommenen Urlaub zahlt, sind steuerpfl ichtiger Gehaltsbestandteil.

Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis

geltend gemacht werden müssen. Ist

diese Frist verpasst, sind die Ansprüche

verjährt.

Neue Regeln bei Krankheit

Bislang war es so, dass ein Arbeitnehmer

auch arbeitsfähig gewesen sein

musste, um seinen Urlaub in Anspruch

zu nehmen. War er das nicht, weil er

beispielsweise durchgehend krank war,

verfi el der Urlaubsanspruch und damit

auch der Urlaubsabgeltungsanspruch.

Beispielsweise entschied das Bundesarbeitsgericht,

dass der Arbeitgeber den

Abgeltungsanspruch des Arbeitnehmers

nicht erfüllen muss, wenn dieser

bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses

und danach bis zum 31. März des Folgejahres

arbeitsunfähig war (BAG, Urteil

vom 27.05.2003, Az.: 9 AZR 366/02).

Doch das hat sich geändert, denn der

Europäische Gerichtshof sieht das anders.

Seine Entscheidung: Ist ein Arbeitnehmer

wegen einer lang anhaltenden

Krankheit nicht in der Lage, innerhalb

der gesetzlichen Fristen (31. März des

Folgejahres) seinen Jahresurlaub zu nehmen,

verfällt dieser Urlaubsanspruch

nicht. Das gilt auch dann, wenn der

Arbeitnehmer aus dem Unternehmen

ausscheidet und deshalb den Urlaub

38 ProFirma 07/08 2009


Finanzieller Ausgleich für nicht genommenen

Urlaub ist nur in Ausnahmefällen möglich.

nicht mehr nehmen kann. In diesem

Fall muss der Arbeitgeber den Urlaub

abgelten (EuGH, Urteil vom 20. Januar

2009, Az. C-350/06).

LAG Düsseldorf gab den Anstoß

Ein Arbeitnehmer, der seit September

2004 fortlaufend arbeitsunfähig krankgeschrieben

war und Ende September

2005 dann eine Rente bekam, hatte geklagt.

Er verlangte, dass ihm der noch

offene Urlaub aus den Jahren 2004 und

2005 ausbezahlt wird. Nach bisheriger

deutscher Rechtsprechung war das ausgeschlossen.

Er konnte seinen Urlaub

gar nicht in Anspruch nehmen, weil er

krank war, und damit war der Urlaub

verfallen. Das LAG Düsseldorf wandte

sich mit der Frage, ob diese Rechtsprechung

im Widerspruch zur europäischen

Arbeitszeitrichtlinie (2003/88/

EG) steht, an den EuGH. Und dieser

sah die deutsche Rechtsprechung mit

dieser Richtlinie als unvereinbar. Da

die Frage damit beantwortet war, gab

der EuGH den Rechtsstreit an das LAG

Düsseldorf zur Entscheidung zurück

– und zwar zu einer Entscheidung, die

die Auffassung des EuGH hinreichend

berücksichtigt. Deshalb entschied das

LAG Düsseldorf nun, dass dem Kläger

der Urlaub abzugelten ist. Auch das

Bundesarbeitsgericht wird in Zukunft

diese Entscheidung des EuGH berücksichtigen

und seine Rechtsprechung bei

der Urlaubsabgeltung bei Krankheit ändern

müssen.

ProFirma 07/08 2009

Bedeutung für die Praxis

Der EuGH hat nichts gegen die Fristen,

die es in einigen Mitgliedsstaaten gibt

und die besagen, dass ein Urlaub innerhalb

einer bestimmten Zeit genommen

werden muss, wenn er nicht vollständig

verfallen soll. Der Urlaubsanspruch darf

aber dann nicht erlöschen, wenn ein

Arbeitnehmer während des gesamten

Bezugszeitraums, also Urlaubsjahr plus

die Zeit bis zum 31. März des Folgejahres

oder eines Teils davon, krankgeschrieben

war. Besteht die Krankschreibung

bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses

fort, ist der Urlaubsanspruch auszubezahlen.

Wird also ein Arbeitsverhältnis

beendet, muss der Urlaub womöglich

abgegolten werden, obwohl der Arbeitnehmer

nicht einmal theoretisch in der

Lage war, diesen Urlaub zu beanspruchen.

Die Höhe des Anspruchs

Für die Berechnung der konkreten

Höhe des Urlaubsabgeltungsanspruchs

gelten dieselben Regeln wie für die Berechnung

des Urlaubsentgelts – also

das Gehalt, das während der Urlaubsphase

weitergezahlt wird. Grundlage

der Berechnung für den Fall, dass das

Arbeitsverhältnis endet, sind die letzten

13 Wochen vor Beendigung des

Arbeitsverhältnisses. Hierbei muss

der durchschnittliche werktägliche

Arbeitsverdienst in diesem Zeitraum

errechnet und mit den Urlaubstagen

multipliziert werden. Sofern bei der

Berechnung des Abgeltungsanspruchs

Urlaubsbruchteile entstehen, die mindestens

einen halben Tag ergeben, so

ist dieser auf einen vollen Urlaubstag

aufzurunden und abzugelten. Führt die

Berechnung zu 5,7 Urlaubstagen, so

sind sechs Tage abzugelten. Führt die

Berechnung hingegen zu 7,4 Urlaubstagen,

so sind genau diese 7,4 Tage zu

bezahlen.

Die Autorin: Dr. Stephanie Kaufmann

ist Rechtsanwältin mit Schwerpunkt

Arbeitsrecht in Feldafi ng.

www.rechtsanwalt-feldafi ng.de

Urteils-Ticker

KEINE RUFBEREITSCHAFT,

KEINE KÜNDIGUNG

Die Kündigung eines Computerspezialisten,

der sich geweigert hatte, am

Wochenende Rufbereitschaft zu übernehmen,

ist unwirksam, entschied das

Landesarbeitsgericht (LAG) Frankfurt.

Der Mitarbeiter hatte die Rufbereitschaft

mit dem Argument verweigert,

dass er aufgrund der Entfernung seines

Wohnorts in einem Notfall nicht

rechtzeitig in der Firma sein könne.

Eine Arbeitsverweigerung, so das LAG,

hätte nur dann vorgelegen, wenn der

Mitarbeiter arbeits- oder tarifvertraglich

zur Übernahme der Rufbereitschaft

verpfl ichtet gewesen wäre.

INFO: LAG Frankfurt, Az. 12

Sa1606/06

ZU KURZE RABATTAKTION IST

WETTBEWERBSWIDRIG

Unangemessen kurze Rabattaktionen

schneiden Verbrauchern die Möglichkeit

zur freien Kaufentscheidung

ab, sind somit als unlautere Wettbewerbshandlung

anzusehen und damit

rechtswidrig, urteilte das Oberlandesgericht

(OLG) Baden-Württemberg. Im

vorliegenden Fall hatte ein Elektronik-

Discounter damit geworben, dass Kunden

an einem einzigen Tag, nämlich

dem Erscheinungstag der Werbung,

Produkte „ohne 19 Prozent Mehrwertsteuer“

erwerben können. Nach dem

Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb

handelt wettbewerbswidrig,

wer die Entscheidungsfreiheit der Verbraucher

durch Ausübung von Druck

oder sonstigen unangemessenen

unsachlichen Einfl uss beeinträchtigt.

Nach Auffassung des OLG war es aufgrund

der kurzen Angebotszeit einem

erheblichen Teil der Verbraucher unmöglich,

Vergleichsmöglichkeiten für

Preis und Qualität der angebotenen

Waren heranzuziehen.

INFO: OLG Baden-Württemberg, Az.

U 82/07

39


Finanzen & Steuern

COFACE:

ZAHLUNGSMORAL LÄSST NACH

Die Zahlungsausfälle und -verzögerungen

in Deutschland sind im ersten

Halbjahr 2009 um 103 Prozent

gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Zu diesem Ergebnis kommt der

weltweit agierende Forderungsspezialist

Coface. „Bedingt durch

Insolvenzen verzeichnen wir einen

deutlichen Anstieg der Schadenquote“,

stellt Norbert Langenbach,

Vorstandsmitglied von Coface

Deutschland, fest. Folge: Der Finanzdienstleister

stufte das Rating

für Deutschland ab. Aber auch andere

Länder sind betroffen: So hat

Coface allein im April 47 Länder abgestuft,

vor allem Industrieländer

in Europa, Nordamerika und Asien

sind betroffen. Demnach weisen

nun 33 Länder ein schlechteres Rating

auf als im Jahr 2008.

VEA:

WETTBEWERB DRÜCKT

GASPREISE

Unternehmen können derzeit Einsparungen

von bis zu 30 Prozent

beim Gasbezug durchsetzen. Zu

diesem Ergebnis kommt die neue

Studie des Bundesverbands der Energieabnehmer

(VEA) in Hannover.

In der Studie ermittelte der VEA den

Gaspreis in 50 Versorgungsgebieten

in Deutschland. Dabei erwiesen

sich insbesondere etablierte

Gasversorger als teuer. Besonders

günstige Konditionen bieten die

Stadtwerke Lübeck, die Gas- und

Wasserversorgung Fulda sowie die

Stawag in Aachen.

Info: www.vea.de

FINANZTRENDS

Stahlpreise im Sinkfl ug

Die Stahlpreise in Europa sind nach einer

Auswertung des Bundesverbands Materialwirtschaft,

Einkauf und Logistik (BME)

in Frankfurt/Main im ersten Quartal 2009

gegenüber dem vierten Quartal 2008 um

15 Prozent gesunken. In absoluten Zahlen

ausgedrückt fi elen die Kontraktpreise um

50 bis 100 Euro pro Tonne. „Die Verhandlungsposition

der Einkaufsabteilungen gegenüber

den Stahlproduzenten hat sich in

der Finanzkrise erheblich gebessert“, betont

BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Holger Hildebrandt.

Optimierungspotenzial bestehe jedoch insbesondere

für mittelständische Unternehmen.

Viele kleinere Unternehmen erzielten

in Preisverhandlungen mit Stahlhändlern

und -produzenten keine optimalen Ergebnisse.

Die Preisdifferenz zwischen einzelnen

Firmen betrage bei vergleichbaren Mengen

bis zu 25 Prozent. Info: www.bme.de

FACTORING-BRANCHE

Krise kann Forderungskäufer

noch nicht bremsen

Die deutsche Factoring-Branche verzeichnete im Jahr 2008 erneut ein starkes

Wachstum. Wie aus einer Pressemitteilung des Deutschen Factoring-Verbands

in Berlin hervorgeht, stieg der Gesamtforderungsumsatz der 26 führenden

Factoring-Institute um 24 Prozent auf rund 104 Milliarden Euro und nahm

damit erstmals die 100-Milliarden-Euro-Hürde.

„Factoring wird gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von Unternehmen

als Weg zu dringend benötigter Liquidität gesehen“, fasst Joachim Secker,

Sprecher des Vorstands des Verbands, das Jahresergebnis zusammen. Die

gerade in der Krise gestiegene Attraktivität des Factorings lässt sich nicht

nur am Forderungsvolumen ablesen. So stieg die Zahl der Kunden innerhalb

eines Jahres um 15 Prozent auf 5.450. Trotz der globalen Krise habe sich

die durchschnittliche Forderungslaufzeit im Jahr 2008 verbessert: Sie betrug

lediglich noch 40,5 Tage (1,5 Tage weniger als 2007). Aufgrund der Krise

sieht die Mehrzahl der Mitgliedsunternehmen für 2009 ein eher schwieriges

Geschäftsjahr voraus.

40 ProFirma 07/08 2009


Wir fördern Ihr Unternehmen.

Die NRW.BANK fördert kleine und mittlere Unternehmen mit zinsgünstigen Krediten, Dar-

lehen zum Ausgleich mangelnder Sicherheiten und zur Stärkung des Eigenkapitals sowie

mit Eigenkapital-Finanzierungen. Fragen Sie Ihre Hausbank – oder direkt uns:

Tel. 0211 91741-4800 (Rheinland) oder 0251 91741-4800 (Westfalen-Lippe).

www.nrwbank.de


Finanzen & Steuern – Finanzierung

Förderkredite

Die Quelle sprudelt noch nicht

Das „KfW-Sonderprogramm 2009/2010“ der KfW-Bankengruppe soll

Unternehmen in der Krise den Zugang zu neuen Krediten erleichtern.

Doch die Staatsbank macht es Kapital suchenden Betrieben nicht leicht,

an die Fördergelder zu kommen. VON SABINE HÖLPER

„Wir wünschen uns eine

Risikoplanung, die zeigt,

dass das Management

fl exibel reagieren kann.“

ULRICH SCHÜRENKRÄMER,

DEUTSCHE BANK, FRANKFURT

An aktuellen Umfragen zur derzeitigen Finanzierungssituation

in den Unternehmen mangelt es nicht. Und sie alle kommen

ungefähr zum gleichen Ergebnis: Seit Ausbruch der Finanz-

und Konjunkturkrise ist es für Unternehmen bedeutend

schwieriger geworden, einen Kredit zu bekommen. Um nicht

leer auszugehen, müssen sie höhere Zinsen zahlen, mehr Sicherheiten

hinterlegen und den Bankern einen sehr offenherzigen

Einblick in die Bilanzen und betrieblichen Planungen

gewähren.

Während die meisten Institutionen diese Erkenntnisse publizieren,

um in der politischen Diskussion auf die Probleme

der Betriebe hinzuweisen, mutet die „Unternehmensbefragung

2009“ der KfW-Mittelstandsbank eher wie Werbung in

eigener Sache an. Schließlich konstatiert das Institut bei der

Vorstellung der Ergebnisse Mitte Mai nicht nur, dass „der Kreditzugang

deutlich schwieriger geworden“ ist und dass es die

„zentrale Aufgabe beim Weg aus der Krise“ sei, die „Finanzierungsschwierigkeiten

so weit wie möglich abzufedern“. Der

KfW-Vorstandsvorsitzende Ulrich Schröder versichert auch,

dass sich die Förderbank „dieser Aufgabe mit ihrer ganzen

Gemeint ist das von der Regierung aus der Taufe gehobene

Sonderprogramm, in dessen Rahmen die KfW deutschen

Unternehmen, die infolge der Krise in eine Schiefl age geraten

sind, 2009 und 2010 Förderkredite für Investitionen und

Betriebsmittel in Höhe von 40 Milliarden Euro gewährt. Der

Clou dabei: Die Hausbanken werden mit bis zu 90 Prozent

von der Haftung befreit, was die Bereitschaft der Geldhäuser,

Zusagen zu erteilen, erhöhen dürfte.

Lob von den Banken

„Ein sehr gutes Programm“, urteilt Wolfgang Langer, Spezialist

im Corporate Banking bei der Commerzbank AG

in Frankfurt. Schließlich stehe es auch Unternehmern mit

schlechteren Bonitäten zur Verfügung. Außerdem werde

die Liquidität nicht nur für Investitionen, sondern auch für

Betriebsmittel, also für den kurzfristigen Bedarf, bereitgestellt.

„Damit hebt sich das Sonderprogramm von bisherigen

Förderinstrumenten ab“, sagt der Commerzbanker erfreut.

Eine weitere Besonderheit ist, dass nicht nur Mittelständler,

sondern auch größere Unternehmen zum Kreis der Berech-

Kompetenz und Erfahrung widmet“. Illustration: Reinhold Harwath

42 ProFirma 07/08 2009


tigten gehören. Ihnen steht mit 25 Milliarden von insgesamt

40 Milliarden Euro sogar der Löwenanteil der Fördersumme

zu. Auch diese Öffnung nach oben begrüßen die Banken.

„Es ist ein Gewinn, dass nun auch Firmen mit mehr als

500 Millionen Euro Umsatz profi tieren“, sagt Ulrich Schürenkrämer,

Mitglied der Geschäftsleitung Firmenkunden

Deutschland bei der Deutschen Bank in Frankfurt.

Kritik von den Verbänden

Nicht jeder teilt indes die Auffassung der Banker. Vor allem

die großen Unternehmensverbände kritisieren das Sonderprogramm

der KfW. „Das Programm soll eine Brücke für Unternehmen

mit Finanzierungsschwierigkeiten bieten“, sagt Ilja

Nothnagel, Leiter des Referats Unternehmensnachfolge und

Unternehmenssicherung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag

(DIHK) in Berlin. „Doch wenn eine Finanzierungsbrücke

gebaut wird, dann muss sie begehbar sein.“ Genau

das sei teilweise nicht der Fall. Erste Erfahrungen zeigten, dass

das Programm nur schwer zu den Unternehmen fi nde. „Die

Betriebe klagen über Ablehnungen“, betont der DIHK-Experte.

ProFirma 07/08 2009

Viele Unternehmer benötigen in Krisenzeiten Betriebsmittelkredite,

doch die Genehmigungen und das Geld fl ießen trotz

der Förderprogramme derzeit noch nicht reichlich.

Problematisch sei außerdem die lange Bearbeitungszeit. „Viel

Zeit haben die Unternehmer aber nicht“, weiß Nothnagel.

Als Hauptkritikpunkt, gar als „Konstruktionsfehler“ hat der

Verband ausgemacht, dass Betriebsmittelkredite den Unternehmen

mit ausreichenden Bonitäten und geringfügigen Sicherheiten

gar nicht offenstünden, obwohl diese mit knapp

zwei Drittel aller Anträge bedeutend häufi ger nachgefragt

werden als Investitionskredite. Auch vonseiten des Bundesverbands

der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin kommt

Kritik an der Ausgestaltung der kurzfristigen Kredite. Weil bei

den Betriebsmittelkrediten die Haftungsfreistellung für die

Hausbanken nur 60 Prozent und nicht 90 Prozent wie bei den

Investitionsdarlehen beträgt, seien die Banken mit der Bewilligung

sehr zurückhaltend. „Wir plädieren deshalb dafür, die

Haftungsfreistellung für Betriebsmittelkredite auf 90 Prozent

anzuheben“, fordert BDI-Sprecher Thomas Hüne.

Die Kritik ist nicht von der Hand zu weisen. Auch manche

Details des Sonderprogramms gelten als verbesserungswürdig.

Dazu gehört die sogenannte Stichtagsregel, nach der

die Hausbank bestätigen muss, dass das Unternehmen zum

1. Juli 2008 nicht überschuldet war, keine Zahlungsrück-

43


Finanzen & Steuern – Finanzierung

stände von mehr als 30 Tagen aufgewiesen hat und darüber

hinaus kein „Watchlist- oder Non-Performing-Loan-Status“

gegeben war. Das Unternehmen darf also nicht unter besonderer

Beobachtung gestanden haben. „Das ist ein Problem“,

räumt Commerzbank-Experte Langer ein. Schließlich stünden

unter Umständen auch Kunden mit guter Bonität auf der

Liste, nämlich dann, wenn sie in einer potenziell schwierigen

Branche wie der Baubranche agierten. „Ich hoffe, dass die

KfW und die Bundesregierung hier noch nachbessern“, so

Langer.

In anderen Punkten hat die KfW seit dem Start der Programme

bereits nachjustiert. Vor allem aber haben die Förderbank und

die Hausbanken dazugelernt. Dass die Banken nicht ausreichend

informiert sind, lässt sich nicht mehr behaupten, zumal

die KfW in die Schulung der Banker investiert hat. Außerdem

hat sie eine Service-Hotline für Unternehmer eingerichtet,

und bis Mitte Juli rollen zwei KfW-Busse durch 64 Städte, um

über die Programme zu informieren. An Bord sind Mitarbeiter,

die interessierten Unternehmern und Bankern Rede und

Antwort stehen. Dass das Sonderprogramm langsam, aber

sicher in Fahrt kommt, zeigen überdies die Zahlen. So sind bis

Ende rund 1.200 Anträge mit einem Volumen von 4,8 Milliarden

Euro bei der KfW eingegangen. Ein Monat zuvor waren es

Die Programme im Überblick

Art des

Kredits

KfW-Sonderprogramm

Mittelständische Unternehmen

Bankdurchgeleitete Kredite für

mittelständische Unternehmen

Zielgruppe Freiberufl er und Unternehmen

mit einem Jahresumsatz von unter

500 Millionen Euro

Gesamtvolumen

Kreditvolumen

Finanziert

werden

Finanzierungsanteil

Haftungsfreistellung

KfW-Sonderprogramm

Große Unternehmen

Bankdurchgeleitete Kredite

sowie Direktkredite im Rahmen

von Bankenkonsortien für große

Unternehmen ohne Kapitalmarktzugang

Unternehmen mit einem

Jahresumsatz von mehr als

500 Millionen Euro

erst 860 Anträge mit einem Volumen von 2,4 Milliarden Euro.

„Das ist ein deutlicher Anstieg“, bilanziert KfW-Sprecher

Wolfram Schweickhardt. „Wir sind sehr zufrieden.“

Nicht immer erste Wahl

Ob der Mittelstand mit dem Kreditprogramm ebenfalls zufrieden

sein kann? Das gilt es im Einzelfall zu klären. Denn fest

steht, dass es nicht für alle Unternehmen und für jedes Vorhaben

die beste Wahl ist. Dafür sind die Darlehen mit Zinssätzen

zwischen nominal 4,30 Prozent (bei A-Bonität) und 7,15 Prozent

(bei Bonitätsklasse G) schlichtweg zu teuer. Insbesondere

für Unternehmen mit einem guten Rating und Bedarf an einem

Investitionsdarlehen gibt es oft bessere Alternativen. Manche

Kreditinstitute bieten ihren Gewerbe- und Firmenkunden das

Sonderprogramm aus dem gleichen Grund erst gar nicht an.

Die Berliner Volksbank zum Beispiel fi ndet das Programm

laut Sprecherin Nancy Mönch „zu kompliziert und zu teuer“.

Andere KfW-Förderprogramme wie der Unternehmerkredit

seien günstiger. Bis zu 1,5 Prozentpunkte lassen sich einsparen.

Dennoch ist das Sonderprogramm bestimmten Zielgruppen

nahezu auf den Leib geschneidert. Für Unternehmen, die

vorübergehend in Schiefl age geraten sind, aber „nachhaltig er-

KfW-Sonderprogramm

Projektfi nanzierung

Bankdurchgeleitete Kredite sowie

Direktkredite im Rahmen von

Bankenkonsortien für typische

Projektfi nanzierungen

Projektgesellschaften, die in

Deutschland investieren, unabhängig

von ihrem Gruppenumsatz

und dem ihrer Gesellschafter

15 Milliarden Euro 25 Milliarden Euro Ein nicht näher bestimmter Teil

der insgesamt 40 Milliarden Euro

bis 50 Millionen Euro bis 300 Millionen Euro 50 bis 200 Millionen Euro pro

Projekt

Investitionen, Betriebsmittel Investitionen, Betriebsmittel Projekte

bis 100 Prozent der förderfähigen

Investition (bei Investitionen),

maximal 30 Prozent der letzten

Bilanzsumme (bei Betriebsmitteln)

optional 90 oder 50 Prozent

(Investitionen), 60 Prozent

(Betriebsmittel)

Laufzeit bis zu fünf oder bis zu acht Jahre

mit höchstens einem tilgungsfreien

Anlaufjahr, bei langlebigen

Investitionen (Bauvorhaben,

Schiffe) bis maximal 15 Jahre bei

drei tilgungsfreien Anlaufjahren;

Betriebsmittel: maximal fünf Jahre

mit höchstens einem tilgungsfreien

Anlaufjahr

bis 100 Prozent der förderfähigen

Investition (bei Investitionen),

maximal 30 Prozent der letzten

Bilanzsumme (bei Betriebsmitteln)

Haftungsfreistellung: optional

70 oder 50 Prozent (Investitionen),

50 Prozent (Betriebsmittel)

bis zu fünf oder bis zu acht Jahre

mit höchstens einem tilgungsfreien

Anlaufjahr, bei langlebigen

Investitionen (Bauvorhaben,

Schiffe): bis maximal 15 Jahre, bei

drei tilgungsfreien Anlaufjahren,

Betriebsmittel: maximal fünf Jahre

mit höchstens einem tilgungsfreien

Anlaufjahr

70 Prozent

50 Prozent

bis zu fünf oder bis zu acht

Jahre mit höchstens einem

tilgungsfreien Anlaufjahr oder

bis maximal 15 Jahre bei drei

tilgungsfreien Anlaufjahren

Innovationen

und Energieeffi zienz

Kredite für Energieeinsparmaßnahmen

und Innovationen von

mittelständischen Unternehmen

sowie Beteiligungskapital für junge

Technologieunternehmen

Freiberufl er und Unternehmen mit

einem Jahresumsatz von unter 500

Millionen Euro

Zusätzlich zu den 40 Milliarden

aus den Sonderprogrammen stellt

die KfW eine Milliarde Euro für

die Förderung im Rahmen bereits

bestehender Programme zur Verfügung.

Im Bereich der Innovationsfi

nanzierung stockt die KfW das

ERP-Innovationsprogramm auf. Für

die Förderung junger Technologieunternehmen

wird zusätzliches

Beteiligungskapital über den ERP-

Startfonds zur Verfügung gestellt.

Für Energieeinsparinvestitionen

kleiner und mittlerer Unternehmen

stockt die KfW die Mittel der Programmvariante

B des ERP-Umwelt-

und Energieeffi zienzprogramms

auf. Um die Förderung Erneuerbarer

Energien zu stärken, soll das zum

1. Januar 2009 gestartete KfW-

Programm Erneuerbare Energien

zeitlich befristet um eine besondere

Förderung größerer Projekte erweitert

werden.

44 ProFirma 07/08 2009


folgreich sein werden“, sei das Programm ideal, erklärt Ulrich

Schürenkrämer. Gleiches gilt Mittelstandsexperten zufolge für

Unternehmen, die derzeit noch ausreichend Liquidität haben,

sich diese aber für die nächsten Jahre sichern wollen. „Ohne

Zwang jetzt vorzubeugen und fi nanzielle Sicherheit zu schaffen

– das nenne ich clever“, so Schürenkrämer.

Darüber hinaus haben Firmen mit mittlerer oder schlechter

Bonität ebenfalls die Chance auf einen Förderkredit. Es liegt

an ihnen, die Ausgangsposition zu verbessern, indem sie

gut vorbereitet in das Gespräch mit dem Bankberater gehen.

Wer alle Unterlagen zügig vorlegt, erhöht die Chance, den

begehrten Kredit zu erhalten – und verkürzt gleichzeitig die

Bearbeitungsfrist laut KfW auf „zehn bis 14 Bankarbeitstage“.

Allerdings ist der Umfang der einzureichenden Papiere recht

groß: Abgesehen von den Antrags- und Zusatzformularen, die

die Hausbank bereithält, verlangt die KfW im Falle einer Haftungsfreistellung

vom Unternehmer zusätzlich Unterlagen,

die die Sicherheiten genau spezifi zieren und die Besitz- und

Beteiligungsverhältnisse offenlegen. Des Weiteren schreibt

die KfW die Vorlage eines aktuellen Unternehmenskonzepts

inklusive der Vermögens-, Ertrags-, Liquiditäts- und Kapitaldienstfähigkeitsplanung

für die kommenden drei Jahre vor.

Schließlich will die KfW den Jahresabschluss beziehunsgweise

den Wirtschaftsprüfungsbericht inklusive der Jahresabschlusszahlen

des Vorjahres, einen Kreditverbindlichkeitenspiegel

sowie eine aktuelle betriebswirtschaftliche

Auswertung (BWA) sehen. Bei Anträgen mit einem Kreditbetrag

von mehr als zehn Millionen Euro müssen Firmen außerdem

weitere Unterlagen zur Risikoprüfung einreichen. Dazu

gehören vor allem Informationen zu den Produkten, zur

Markt- und Wettbewerbssituation sowie zur Bewertung der

Managementkompetenz. Sind diese Papiere – inklusive einer

Stellungnahme und eines Votums vonseiten der Hausbank –

Erfolgreich

selbstständig!

START

MESSE

Holen Sie sich auf den START-Messen die wichtigsten

Informationen für die erfolgreiche Selbstständigkeit

– ob als Franchise-Nehmer oder mit einer eigenen

Geschäftsidee.

www.start-messe.de

ENTWICKLUNG DER KREDITAUFNAHME

KfW-Umfrage: Vor allem große Unternehmen haben

mehr Probleme, Kredite zu bekommen.

2008

2009

START 2009: Nürnberg 3. - 4. Juli · Essen 13. - 14. November

bis 1 Mio Euro

über 2,5 bis 10 Mio. Euro

über 50 Mio. Euro

37,4%

39,8%

22,8%

33,1%

11,0%

37,5%

Quelle: KfW

in den Augen der KfW noch immer nicht ausreichend, kann

sie jederzeit noch umfangreichere Daten anfordern oder sich

vor Ort im Unternehmen ein Bild machen.

Den Forderungen der KfW nachzukommen, ist unumgänglich.

Da aber in erster Linie die Hausbank über die Genehmigung

entscheidet, sollte man als Unternehmer immer auch

deren spezifi sche Anforderungen kennen. So wünscht sich

Deutsche-Bank-Berater Schürenkrämer zum Beispiel weniger

einen Drei-Jahresplan als vielmehr eine „Risikoplanung“ und

„Szenario-Rechnungen“, die zeigen, dass das Management

vorbereitet ist, fl exibel auf verschiedene Situationen zu reagieren.

Unternehmer mit Kreditbedarf sind gut beraten, den

Wünschen ihrer Bankberater nachzukommen. Zwar haben

sie dann allen Grund, in der nächsten Unternehmerbefragung

noch immer den sehr offenen Blick in die Bücher zu beklagen.

Aber immerhin ist die Kasse gut gefüllt.

www.agentur-marks.de


Finanzen & Steuern – Finanzierung

Interview

„Zu viel Wachstum auf Pump“

Markus Beumer, Mitglied des Vorstands der Commerzbank AG, über die Fusion mit der

Dresdner Bank, die Finanzierung des Mittelstands in der Finanzkrise und die Lehren aus

der Krise. DAS GESPRÄCH FÜHRTEN PAUL LAUER UND DIETER RÖMER

Herr Beumer, wie fühlt man sich unter

einem Aufseher Peer Steinbrück?

Beumer: (lacht) Sie spielen auf die Beteiligung

des Bundes mit 25 Prozent

und einer Aktie an der Commerzbank

an. Um es klar zu sagen: Die Commerzbank

ist keine Staatsbank, sondern eine

Bank mit einem staatlichen Investor.

Deshalb arbeiten wir so weiter, wie wir

es gewohnt sind. Die Geschäfts- und

Kreditvergabepolitik wird vom Vorstand

der Commerzbank bestimmt.

Und das wird auch so bleiben.

Wir hören da durchaus positive Töne

heraus. Hat sich die Commerzbank also

für ein notwendiges Übel entschieden?

Beumer: Man muss da zwei Dinge

STATIONEN EINER ÜBERNAHME

22,6900

auseinanderhalten. Bei der zunächst

vereinbarten stillen Einlage des Sonder -

fonds Finanzmarktstabilisierung (SoF-

Fin) ging es um die Stärkung des Kernkapitals

– das war ja keine unmittelbare

Beteiligung. Dafür erhält der Bund eine

entsprechende Verzinsung aus dem

Gewinn. Die Übernahme von 25 Prozent

plus einer Aktie, die jetzt in einem

zweiten Schritt vollzogen wird, hat eine

andere Zielrichtung: Der Staat investiert

in eine neue starke Bank und es muss in

seinem Interesse sein, seine Investition

zu schützen.

Zur Vorgeschichte der Krise. Waren

wirklich keine Anzeichen erkennbar,

was sich da zusammenbraut?

8. 9. 2008

Die Commerzbank gibt

65 Millionen Aktien zur Teilfi nanzierung

der Übernahme aus

31. 8. 2008

Die Commerzbank kündigt die

vollständige Übernahme der Dresdner Bank

von der Allianz bis Ende 2009 an

Beumer: Sicher gab es Warnsignale,

aber das Ausmaß der Krise war in dieser

Form nicht absehbar. Man muss bei der

Entwicklung zwei Phasen unterscheiden.

Die erste Phase war die Subprime-

Krise, die im Jahr 2007 begann. Es hat

dabei in einzelnen Marktsegmenten

auffällige Risikoausschläge gegeben.

Aber solche Ausschläge kannten wir

von früher auch. Da wir die Risiken sahen,

begannen wir, entsprechende Positionen

abzubauen. Im Nachhinein müssen

wir leider feststellen, dass wir noch

schneller hätten reagieren müssen. Der

Auslöser der zweiten Phase war dann

die Lehman-Pleite im Herbst 2008. Sie

führte zu einem Domino-Effekt, bei

dem nicht nur die Verbriefungsmärkte

15. 9. 2008

Die US-Investmentbank

Lehman Brothers meldet

Insolvenz an

27. 11. 2008

Die Commerzbank vereinbart

mit der Allianz die vorzeitige

Übernahme der Dresdner Bank

Juni 2008 Juli 2008 August 2008 September 2008 Oktober 2008 November 2008

46 ProFirma 07/08 2009


Foto: Markus Götzke, Commerzbank AG

zusammenbrachen, sondern auch viele

Wertpapiersegmente, die eigentlich

zum grundsoliden Geschäft gehören.

Das führte zu einem erheblichen Abschreibungsdruck

auf die Banken, der

mit der Subprime-Krise im Grunde genommen

nichts zu tun hatte.

Müssen wir in den kommenden Monaten

mit weiteren Wellen rechnen?

Beumer: Das ist eine gute Frage. Es ist

sicher noch zu früh, um zu sagen, dass

das Schlimmste vorüber ist. Man muss

den engen Zusammenhang zwischen

Finanzmarktkrise und Konjunkturkrise

sehen, der vielfach unterschätzt wird. Da

die konjunkturelle Lage sich verschlechtert

hat, steigen jetzt Risiken im Firmen-

19. 12. 2008

Der Bund stellt über den SoFFin 8,2 Milliarden

Euro als stille Beteiligung bereit

kundengeschäft. Hier wird es nochmals

Abschreibungsbedarf bei den Banken

geben. Wir sind jedoch zuversichtlich,

dass der Mittelstand besser aufgestellt

ist als früher und die Krise gut überstehen

kann. Wenn sich die Konjunktur

wieder aufhellt, hat das zudem positive

Effekte auf die Finanzmärkte.

Kann eine Bad-Bank-Lösung den Kreditinstituten

weiterhelfen?

Beumer: Eine Bad Bank ist – unabhängig

von ihrer Ausgestaltung im Detail

– eine Schlüsselgröße, die in illiquide

Märkte wieder Vertrauen und Stabilität

hineinbringen kann. Denn sie kann helfen,

eine weitere Abschreibungswelle

zu vermeiden, die nicht fundamental

gerechtfertigt wäre. Es gibt für mich

aber darüber hinaus weitere Punkte, an

denen angesetzt werden muss Das gilt

vorrangig für Basel II. Die Basel-II-Regelungen

sind beispielsweise nicht in den

USA eingeführt worden. Es gibt damit

international eine Wettbewerbsverzerrung,

weil Banken mit einer schlechten

Eigenkapitalausstattung mehr Kredite

vergeben können als diejenigen Banken,

welche die strengen Basel-II-Kriterien

einhalten müssen.

Kommen wir zur Realwirtschaft: Welche

Rückmeldungen von Ihren mittelständischen

Kunden erhalten Sie als

Reaktion auf die Turbulenzen?

Beumer: Die emotionale und pauschalisierende

Diskussion in der Öffentlichkeit

über Manager und die Banken war

für das Verhältnis zwischen Kunden

und Banken sicher nicht förderlich. Der

Mittelstand hat auch seine Sorgen entsprechend

artikuliert. Aber aus unseren

Gesprächen wissen wir, dass die breite

Masse des Mittelstands, die eine Hausbank

als Partner hat, sich nach wie vor

vernünftig betreut fühlt. Und das wird

sich nicht ändern.

Trotzdem klagen Firmen über strengere

Aufl agen und höhere Konditio nen?

Beumer: Aufgrund der Entwicklung

kommen wir nicht daran vorbei, gemeinsam

mit unseren Kunden die

Themen Informationsbereitschaft,

Eigenkapitalausstattung und de-

Dezember 2008 Januar 2009 Februar 2009 März 2009 April 2009 Mai 2009 Euro

ProFirma 07/08 2009

8. 1. 2009

Der Bund kündigt eine Beteiligung von 25 Prozent

und einer Aktie an der Commerzbank an

12. 1. 2009

Die Commerzbank vollzieht die vorzeitige

Übernahme der Dresdner Bank

Markus Beumer (45)

ist im Vorstand der

Commerzbank AG seit

Anfang 2008 zuständig

für das Segment

Mittelstandsbank.

2,2700

16. 5. 2009

Die Hauptversammlung gibt grünes

Licht für die Beteiligung des Bundes am

Aktienkapital der Commerzbank

11. 5. 2009

Die Dresdner Bank wird auf die

Commerzbank verschmolzen

20

15

10

5

47


Finanzen & Steuern – Finanzierung

taillierte Planung anzugehen. Richtig

ist auch, dass die Margen in die Höhe

gehen. Trotzdem entsteht für viele

Kunden meist kein höherer Kostenaufwand,

weil die Zinsen gesunken

sind. Es kann daher keine Rede von

prohibitiven Kreditpreisen sein. Für

die Commerzbank kann ich sagen,

dass die Finanzierung der Kunden sichergestellt

ist. Der Mittelstand ist ein

Kerngeschäft für uns.

Es gibt also keine Kreditklemme?

Beumer: Nein, es gibt aber Ausnahmen:

Dazu gehören große Konzerne

und große Mittelständler, die Probleme

bei der Finanzierung haben, etwa bei

Großprojekten. Das ist auch das Neue

an der Krise, denn in früheren Schwächephasen

hat es immer zuerst den

breiten Mittelstand getroffen. Für diese

Entwicklung gibt es zwei Ursachen: Die

großen Unternehmen sind zum einen

abhängig vom Kapitalmarkt, an dem im

derzeitigen Umfeld eine Refi nanzierung

schwierig ist. Zum anderen haben diese

Firmen oft einen großen, internationalen

Bankenkreis. Gerade internationale

Banken haben sich aber als Kreditgeber

aus Deutschland zurückgezogen.

Wenn sich Auslandsbanken aus

Deutschland zurückziehen, kann Sie

das doch nur freuen.

Beumer: Ja, im Prinzip schon, wenn

unendlich viel Kapital vorhanden wäre.

Da dies nicht der Fall ist, können die

deutschen Banken nicht einfach neue

Risiken auf ihre Bücher nehmen, sondern

wir müssen zunächst unsere Kunden

weiter begleiten.

Was bedeutet die Krise für Ihr Mittelstandsgeschäft?

Vor Kurzem hatten Sie

für das Jahr 2009 noch ein positives Ergebnis

angekündigt. Bleibt es dabei?

Beumer: Wir haben gesagt - und dabei

bleibe ich -, dass wir in der Mittelstandsbank

in diesem Jahr schwarze Zahlen

schreiben wollen. Das gilt naturgemäß

nicht für den Fall, wenn große Einzelrisiken

schlagend werden.

Und das Jahr 2010?

Beumer: Es ist richtig, dass es im Firmenkundengeschäft

immer einen gewissen

Nachlaufeffekt gibt. Deshalb gehen

wir davon aus, dass wir nicht schon

im Jahr 2010 mit verbesserten Risikozahlen

gegenüber dem laufenden Jahr

kalkulieren können. Genauer werden

wir das aber erst sagen können, wenn

wir mehr Klarheit über den Verlauf des

aktuellen Jahres haben. Aber ich würde

„Ich habe ein gutes Gefühl, dass der Mittelstand und

die Banken gestärkt aus der Krise herauskommen.“

MARKUS BEUMER

im derzeitigen Stadium noch nicht die

weiße Flagge für nächstes Jahr hissen.

Wann haben wir denn die Schwierigkeiten

völlig überstanden?

Beumer: Wir rechnen damit, dass das

kommende Jahr noch schwierig wird.

Ich glaube aber, dass die Jahre 2011 und

2012 wieder besser werden. Wir Banker

sind nach den Depressionsphasen der

vergangenen Monate ohnehin nicht die

großen Optimisten. Aber ich habe ein

gutes Gefühl, dass wir aus dieser Krise

gestärkt herauskommen – sowohl auf

Banken- als auch Kundenseite.

Was können wir aus der Krise lernen?

Beumer: Darauf gibt es keine pauschale

Antwort. Aber ich glaube, wir müssen

uns global intensiv der Frage stellen, ob

wir uns in den zurückliegenden Jahren

nicht zu viel Wachstum auf Pump geleistet

haben. Das wird die Schlüsselfrage

sein. Betrachtet man zum Beispiel die

Entwicklung der öffentlichen Haushalte

weltweit, kommt man zum Ergebnis,

dass sich die Staaten immer mehr verschuldet

haben als gleichzeitig Wachs-

tum entstanden ist. Das gilt ebenso für

die privaten Konsumenten weltweit.

Auch die großen Unternehmen müssen

sich intensiver damit beschäftigen, wie

viel an Investitionen sie mittels Kredit

fi nanzieren können und wie viel Eigenkapital

dafür notwendig ist. Hier wird in

Zukunft eine bessere Balance notwendig

sein.

Gehen wir mal davon aus, dass irgendwann

alles gut wird. Wie sehen die Perspektiven

der fusionierten Commerzbank

und Dresdner Bank aus?

Beumer: Wir haben die Dresdner

Bank aus zwei Gründen gekauft: wegen

des Privatkunden- und wegen des

Mittelstandsgeschäfts. Das sind die

Haupttreiber der Fusion. In beiden

Kundensegmenten haben wir so hohe

Marktanteile, dass für viele Kunden

kein Weg an uns vorbeiführt. Diese

Größe bietet gerade für den Mittelstand

Vorteile im Auslandsgeschäft, wenn sie

bei ihren Aktivitäten entsprechende

Produkte, Dienstleistungen oder Beratungsleistung

benötigen. In der nächsten

Wachstumsphase werden wir von

unserer Aufstellung profi tieren. Ein weiterer

Vorteil ist, dass wir durch die Integration

mit qualifi zierten Beratern an

sehr viel mehr Standorten in der Fläche

vertreten sind. Wir können daher unsere

Kundenverbindungen intensivieren

und neue Kunden gewinnen. Damit

waren wir übrigens in den zurückliegenden

Jahren schon sehr erfolgreich.

In diesem Zusammenhang die Schlussfrage:

Würden Sie die Übernahme der

Dresdner Bank aus der heutigen Perspektive

immer noch befürworten?

Beumer: Die Übernahme der Dresdner

Bank ist nach wie vor richtig,. Die Commerzbank

wird dadurch in Deutschland

zum Marktführer für Privat- und

Firmenkunden. Eine Commerzbank

oder Dresdner Bank alleine hätte das

nie geschafft. Welche Vorteile sich aus

dem Zusammenschluss ergeben – das

alles wird sicher erst nach der Krise

richtig deutlich werden. Und dann wird

sich auch die Perspektive darauf wieder

positiv verändern. Davon bin ich überzeugt.

48 ProFirma 07/08 2009


ProFirma 07/08 2009

Soll & Haben

Übersteht der Euro die Krise?

Vor gut zehn Jahren, am 1. Januar 1999, wurde der Euro eingeführt.

Angesichts der schlimmsten Rezession seit dem Zweiten

Weltkrieg drängt sich gerade jetzt die Frage auf, wie stabil

das europäische Währungssystem heute ist.

Die Bilanz des Euro ist gemischt. Technisch war die Einführung

ein voller Erfolg, und der Euro hat sich als globale Leitwährung

nach dem US-Dollar etabliert. Auch die Kapitalmärkte

erlebten in den vergangenen zehn Jahren eine signifi kante

Entwicklung. Ein anerkannter Vorteil des einheitlichen Währungsraums

ist außerdem die höhere Wechselkursstabilität.

Die nominalen Wechselkurse sind intern festgelegt, und ein

großer Teil des Handels, der früher in Fremdwährungen abgewickelt

wurde, fi ndet nun in der Gemeinschaftswährung statt.

Der Anteil des Handels in Fremdwährungen ist gesunken.

In Sachen Angleichung der wirtschaftlichen Entwicklung in

den Ländern (Konvergenz) und Reformen sieht die Bilanz dagegen

schlechter aus. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt blieben

größere Verbesserungen aus, und die wirtschaftliche Konvergenz

entpuppte sich als enttäuschend. Der Grund: Typischerweise

haben Regionen mit dem höchsten Wachstum die

höchste Infl ation und deswegen die niedrigsten Realzinsen.

Gleiches gilt auch umgekehrt. Innerhalb eines souveränen

Einzelstaats werden diese Ungleichgewichte durch automatische

Geldströme weitgehend ausgeglichen, denn Regionen

mit niedrigem Wachstum zahlen wenig Steuern, erhalten

aber hohe Zuwendungen.

Dieser Mechanismus fehlt im Euroraum. Die fi nanziellen

Transferströme zwischen den EU-Staaten sind sehr gering.

Um dies zu ändern, müsste es eine viel stärkere politische

Integration geben, einschließlich einer Harmonisierung des

Steuersystems. Schritte in diese Richtung waren und sind aber

unpopulär. Auch die Antwort auf die Frage, ob der Euro die

Wirtschaft angekurbelt hat, ist eher ernüchternd. Tatsächlich

Von Alan Brown

Alan Brown ist Group Chief

Investment Offi cer beim britischen

Vermögensverwalter Schroders,

der weltweit 111 Milliarden Euro

für private und institutionelle

Anleger betreut.

hat sich das Trendwachstum im Euroraum nicht spürbar erhöht,

und das Wachstumstempo der Staaten weicht erheblich

voneinander ab.

Angesichts der durchwachsenen Euro-Bilanz sowie der

Wirtschafts- und Finanzkrise wird inzwischen deshalb das

Undenkbare gedacht: Nämlich ein Auseinanderbrechen der

Währungsunion. Dagegen wird zwar eingewendet, dass politisch

in den Euro derart viel investiert wurde, dass ein Zerfall

der Union undenkbar ist. Aus dieser Sicht spricht auch dagegen,

dass ein schwaches, das System verlassendes Euro-Land

über Nacht bankrott ginge, weil ein Großteil seiner Schulden

in Euro, sein Vermögen aber plötzlich in einer schwachen

Neuwährung bewertet wäre.

Diese Argumente ignorieren jedoch zwei Punkte. Erstens

würde alles verhandelbar, wenn ein Land den Euro aufgibt, so

wie es bei allen staatlichen Zahlungsausfällen ist. Zweitens ist

es zumindest auch vorstellbar, dass die wirtschaftlich starken

Länder aus dem Verbund herausgelöst werden und Portugal,

Italien, Irland, Griechenland sowie Spanien den Euro behalten.

Dann wären die Neubewertungseffekte für die im System

bleibenden Volkswirtschaften ungefährlich, während die den

Euro verlassenden Länder Vermögen hätten, die in starken

Neuwährungen bewertet wären.

Die Märkte haben sich bisher auf ein solches Szenario nicht eingestellt.

Zwar sind die Risikoaufschläge zwischen deutschen

Anleihen und den Papieren aus Portugal, Irland, Italien, Griechenland

und Spanien so hoch wie noch nie seit der Euro-Einführung.

Aber sie sind auch niedrig genug, um zu zeigen, dass

der Markt einen Kollaps oder Zerfall der Gemeinschaftswährung

für eher unwahrscheinlich hält. Nach allem, was wir heute

wissen, scheint dies eine realistische Einschätzung zu sein.

Kluge Anleger sollten die Entwicklung trotzdem aufmerksam

verfolgen.

Kolumne

49


Finanzen & Steuern

Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz

Vor einigen Tagen hat Heiner P., Geschäftsführer

einer Bau- und Immobilien-GmbH,

das erste Mal im elektronischen

Unternehmensregister seine

Zahlen und die seiner Konkurrenten

begutachtet. Sein spontanes Urteil: „Denen

geht es besser, als ich dachte.“

GMBH-CHEF

Immer schön klein bleiben

Die Bilanz nach 18 Monaten Unternehmensregister ist ernüchternd:

Der Gesetzgeber bestraft Verstöße von Firmen gegen die Veröffentlichungspfl

ichten streng. Wer seine Zahlen trotzdem schützen will, dem hilft das neue

Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz weiter. VON LOTHAR VOLKELT

Die neuen GmbH-Größenklassen

Aber auch das, was er über die eigene

Firma im Internet – und damit für jeden

sichtbar – las, beunruhigte ihn nicht weniger.

Dass dort jeder sehen kann, wie

viel Guthaben er auf der Bank hat und

in welchem Umfang seine Firma mit

Fremdkapital fi nanziert ist, fi ndet der Fir-

Weil der Gesetzgeber die Grenzwerte für GmbH-Größenklassen angehoben hat, können

sich jetzt viele GmbH in eine niedrigere Klasse abstufen lassen.

Bilanzsumme Umsatzerlöse Mitarbeiter

Kleine GmbH bis 4,84 Millionen Euro bis 9,68 Millionen Euro bis 50

Mittelgroße GmbH von 4,84 Millionen

bis 19,25 Millionen Euro

Große GmbH mehr als

19,25 Millionen Euro

von 9,68 Millionen

bis 38,5 Millionen Euro

mehr als

38,5 Millionen Euro

50 bis 250

mehr als 250

menchef nicht richtig. Zu Recht: Denn

die Zahlen, die heute im Internet stehen,

sind mindestens 18 Monate alt und sagen

nicht viel über den aktuellen Status

des Unternehmens aus. Dabei profi tiert

seine Bau- und Immobilien GmbH noch

in diesem Jahr von den Nachbesserungen

der Bundesregierung. Denn mit

dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz

(BilMoG) hat der Gesetzgeber die

Größenklassen zur Einstufung und damit

zum Umfang der Veröffentlichungspfl

ichten für GmbH-Firmen um bis zu

20 Prozent angehoben (siehe Tabelle unten).

Mit 4,6 Millionen Euro Umsatz und

28 Mitarbeitern gilt das Unternehmen

von Heiner P. damit nicht mehr als mittelgroße,

sondern als „kleine“ GmbH.

BilMoG-Änderungen gelten sofort

Der Vorteil des BilMoG: GmbH können

die damit verbundenen Erleichterungen

sofort beanspruchen. Im Einzelnen gilt:

> Die neuen Größenklassen können

freiwillig bereits für das laufende Geschäftsjahr

und damit für den Jahresabschluss

2009 angewendet werden.

> Die Bilanzierungserleichterungen für

kleine und mittelgroße Unternehmen

50 ProFirma 07/08 2009


Legale Tricks gegen die Pfl ichtveröffentlichung

Ziel Instrument

Verkürzung

der Bilanzsumme

Reduzierung der

Mitarbeiterzahl

Änderung der

Rechtsform

Ergebnisverlagerung

im Unternehmensverbund

können sogar schon für den Jahresabschluss

2008 in Anspruch genommen

werden. Danach können alle GmbH, die

den Jahresabschluss 2008 noch nicht

veröffentlicht haben, sich dennoch

nach den neuen Größenklassen-Kriterien

einstufen, wenn sie den Abschluss

bis spätestens 31. Dezember 2009 veröffentlichen

müssen.

Auch im mittleren Bereich gibt es Entlastungen.

Bisher wurde schon eine

GmbH mit einem Umsatz von 32

Millionen Euro als „groß“ eingestuft

und musste neben der Bilanz auch die

Gewinn- und Verlustrechnung, den

Anhang und einen Lagebericht veröffentlichen.

Diese Grenze wird nun um

rund 20 Prozent auf 38,5 Millionen Euro

aufgestockt. Entsprechend sinkt die Belastung

mit Bürokratiekosten.

Es gibt aber auch noch einige andere

Möglichkeiten, den Wechsel der GmbH-

Größenklasse zu beeinfl ussen. Vorteil:

Wird die GmbH durch eine solche Gestaltung

zur „kleinen“ GmbH, muss

sie nur noch den verkürzten Jahresabschluss

veröffentlichen. Außerdem

verringern sich die Verwaltungskosten

für die Veröffentlichung. Mit welchen

Maßnahmen Firmenchefs die Größenklassen

beeinfl ussen können, zeigt die

oben stehende Übersicht.

ProFirma 07/08 2009

> Sale and lease back

> Tilgung von Darlehen und Dauerschulden

> Zahlung von Verbindlichkeiten

> Gewinnausschüttungen

> Auslagerung von Unternehmensteilen

> Spaltung des Unternehmens

> (betriebsbedingte) Kündigungen

> sonstiger Personalabbau

> Outsourcing

> Leiharbeit

> Auslagerung von Unternehmensteilen

> Spaltung des Unternehmens

> Auslagerung von Unternehmensteilen

> Spaltung des Unternehmens

> Umgründung in eine Personenhandelsgesellschaft mit mindestens einem

persönlich haftenden Gesellschafter

> Aufnahme eines neuen, persönlich haftenden Gesellschafters

> Einbeziehung von Tochtergesellschaften in den Konzernabschluss

> Steuerung des Unternehmensertrags durch eine Änderung der innerbetrieblichen

Verrechnungspreise im Rahmen der steuerlich zulässigen Wahlrechte.

Verweigerer haben keine Chance

Eine Strategie gegen die Pfl ichtveröffentlichung

geht aber auf keinen Fall

auf: Die Verweigerung. Bereits im vergangenen

Jahr setzte das Bundesamt für

Justiz die Pfl ichtoffenlegung fl ächendeckend

durch. Alle Klagen von betroffenen

Firmen gegen Abmahnungen

und Bußgeldbescheide wurden bisher

vom zuständigen Landgericht Bonn abgewiesen.

Keinen Ausweg aus der Pfl ichtoffenlegung

ist die neue haftungsbeschränkte

Unternehmergesellschaft (UG). Ob

als Unternehmens-Neugründung, als

Tochter-UG oder Auslagerung von

Projektgeschäften: Die Unternehmergesellschaft

ist eine GmbH und muss

in Sachen Offenlegung alle Pfl ichten

erfüllen, die jede andere GmbH erfüllen

muss. Kleiner Trost: Die meisten Mini-

GmbH sind kleine Kapitalgesellschaften

und müssen lediglich den verkürzten

Jahresabschluss offenlegen.

Eine Frage bleibt: Wem bringt dieses

Zahlenungetüm im Internet eigentlich

etwas? Die meisten großen Unternehmen

mussten ihre Karten auch schon

früher offen zeigen. Öffentlichkeitsscheue

Privatunternehmer indessen

brauchen sich mit der richtigen Ge-

GmbH-Ticker

MINI-GMBH RASANT

AUF DEM VORMARSCH

Die neue Mini-GmbH (Unternehmergesellschaft

– haftungsbeschränkt;

kurz: UG) wird immer beliebter. Ende

Mai gab es mehr als 10.000 eingetragene

Unternehmergesellschaften.

Spitzenreiter bei den Gründungen

ist Nordrhein-Westfalen mit mehr

als 2.000 vor Bayern mit 1.600 und

Baden-Württemberg mit knapp 1.000

Gründungen. Allein im Mai wurden

fast 2.000 Mini-GmbHs neu gegründet.

Fazit: Geht der Trend weiter, wird

es bis zum Jahresende fast 23.000

haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaften

geben.

VORSICHT BEI VIP-TICKETS

Laut Landesarbeitsgericht Rheinland-

Pfalz stellt die Annahme eines mehr

als 200 Euro teuren VIP-Fußball-Tickets

eine gravierende Pfl ichtverletzung

dar, die eine ordentliche Kündigung

rechtfertigt. Im Urteilsfall hatte der

Personalleiter das Ticket von einem

Geschäftspartner des Unternehmens

erhalten (LAG Rheinland-Pfalz, Urteil

vom 16.1.2009, 9 Sa 572/08).

ProFirma rät: Das 200-Euro-Ticket

stellt einen erheblichen geldwerten

Vorteil dar. Aber auch bei geringeren

Beträgen kann der Verdacht auf

Einfl ussnahme nicht ausgeschlossen

werden. Das kann auch für den

GmbH-Geschäftsführer gelten, der als

Fremd- oder Minderheitsgesellschafter-Geschäftsführer

tätig ist. Lehnen

Sie entsprechende Zuwendungen

grundsätzlich ab. Die Risiken aus solchen

„Geschenken“ sind in einer Führungsposition

höher einzuschätzen als

eventuelle Vorteile.

staltung weiterhin nicht in die Karten

schauen zu lassen. Die kleinen und

mittelgroßen Unternehmen dagegen

können sich den neuen Regeln nicht

entziehen.

51


Finanzen & Steuern

Steuer-Tipps

VORSTEUERABZUG

Ist die in einer Rechnung angegebene

Adresse des leistenden Unternehmers

nicht korrekt, kann das Finanzamt

dem Rechnungsempfänger den Vorsteuerabzug

kürzen. Entzieht sich der

Rechnungsaussteller nach Leistungsausführung

und Rechnungsstellung

lediglich dem Zugriff des Finanzamts,

hat das keine Auswirkung auf den

Vorsteuerabzug, so die Richter des Finanzgerichts

Köln (Az. 4 K 1367/05).

EINSPRUCHSFRIST

Erhält ein Unternehmer einen Steuerbescheid,

kann er zum Datum des

Bescheids drei Tage und einen Monat

hinzurechnen und innerhalb dieser

Frist einen Einspruch einlegen. Kommt

der Bescheid dagegen per Fax, bleibt

für den Einspruch nur ein Monat Zeit.

Die drei Tage zusätzlich dürfen nicht

einbezogen werden (FG Köln, Urteil v.

11.3.2009, Az. 5 K 1396/05).

GEWERBESTEUER

Obwohl die Gewerbesteuer nicht mehr

als Betriebsausgabe abziehbar ist, ist

der Aufwand innerhalb der Bilanz zu

erfassen. Auch Gewinn mindernde

Rückstellungen sind zulässig. Die Gewerbesteuer

ist außerhalb der Bilanz

vom Gewinn abzuziehen (Verfügung

v. 5.5.2009, Az. S 2137 – 2009/0006).

KFZ-STEUER

Zum 1. Juli 2009 tritt die Kfz-Steuerreform

in Kraft. Wer nach welcher

Rechtslage günstiger fährt, erläutert

das Bayerische Landesamt für Steuern

in einem Katalog, der unter www.lfst.

bayern.de abgerufen werden kann.

STEUERTRENDS

Investitionsabzugsbetrag

Alle Unklarheiten sind beseitigt

Selbstständige, die bestimmte Voraussetzungen

beherzigen, können ihren

Gewinn 2008 kräftig drücken, ohne einen

Cent investiert zu haben. Nach § 7g

Abs. 1 Einkommensteuergesetz dürfen

bei innerhalb der nächsten drei Jahre

geplanten Investitionen ins bewegliche

Anlagevermögen bereits für das Jahr

2008 bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen

Investitionskosten vom Gewinn

abgezogen werden. Stellt sich nach

drei Jahren heraus, dass nicht investiert

wird oder dass der Investitionsgegenstand

nicht begünstigt ist, werden die

Steuerersparnis für 2008 plus Nachzahlungszinsen

vom Finanzamt zurückgefordert.

Das Bundesfi nanzministerium

hat in einem ausführlichen Infoschreiben

zu sämtlichen Zweifelsfragen Stellung

genommen.

ProFirma rät: Begünstigt ist ein Gegenstand

stets dann, wenn er ausschließlich

betrieblich genutzt wird (private Nutzung

höchstens zehn Prozent). Wird

für einen Pkw ein Investitionsabzugsbetrag

abgezogen und der zu versteuernde

Umsatzsteuer

Zahlungsaufschub für kleine Firmen

Erstellt ein Unternehmer eine Rechnung

mit Umsatzsteuerausweis, muss

er die Umsatzsteuer grundsätzlich sofort

ans Finanzamt überweisen. Das

kann in der Praxis insbesondere bei

kleinen Unternehmen zu erheblichen

Liquiditätsengpässen führen. Doch die

Bundesregierung verteilt gerade Wahlkampfgeschenke

und hat für dieses Problem

eine Lösung gefunden.

Hat das Unternehmen im Vorjahr nicht

mehr als 500.000 Euro erwirtschaftet,

kann es beim Finanzamt einen Antrag

Wert der Privatnutzung nach dem Kauf

auf Basis der Ein-Prozent-Regelung ermittelt,

ist das schädlich. Denn bei der

Ein-Prozent-Regel wird eine mindestens

30-prozentige Privatnutzung unterstellt.

Folge: Der Investitionsabzugsbetrag

wurde zu Unrecht abgezogen.

Dann drohen Steuernachzahlungen

plus Zinsen (BMF, Schreiben v. IV C 6 –

S 2139 – b/07/10002).

Wer seinen Geschäftswagen zu viel privat

nutzt, gefährdet den Investitionsabzugsbetrag.

auf Ist-Versteuerung stellen. Stimmt das

Finanzamt zu, muss die in Rechnung

gestellte Umsatzsteuer erst dann ans

Finanzamt gezahlt werden, wenn der

Schuldner die Rechnung bezahlt hat.

Die Ist-Versteuerung gibt es bereits heute,

aber nur wenn die Vorjahresumsätze

nicht mehr als 250.000 Euro/500.000

Euro (Betriebe im Westen/Betriebe im

Osten) betrugen. Nun soll eine einheitliche

Höchstgrenze von 500.000 Euro

gelten, egal, von welchem Bundesland

aus das Geschäft betrieben wird.

52 ProFirma 07/08 2009


Neue Chancen

in Sicht.

Das aktuelle

Programm für

Fach- und

Führungskräfte.

Weiter durch Bildung

Gleich anfordern unter:

Telefon 0761 4708-667

www.haufe-akademie.de


Finanzen & Steuern – Steuertipp

TIPP 1: Abwrackprämie

Der Trick mit dem Vorsteuerabzug

Der Staat hilft Selbstständigen beim Kauf eines Neufahrzeugs doppelt:

Neben 2.500 Euro Prämie winken bei einer richtigen Gestaltung zusätzliche

Steuervorteile. VON OTTFRIED WEISS

Die Abwrackprämie von 2.500 Euro für

die Verschrottung von Altfahrzeugen

bei gleichzeitigem Kauf eines neuen

Fahrzeugs hat die Konjunktur in der

Automobilwirtschaft kräftig angekurbelt.

Doch Neuwagenkäufer müssen

sich nicht nur mit der Prämie zufriedengeben.

Gerade Selbstständigen winken

sogar zusätzlich Steuervorteile.

Clevere Kombination

Hajo Becker (Name geändert) hat in seinem

Fuhrpark einen elf Jahre alten Pkw,

der voll abgeschrieben ist und bei einem

Verkauf kaum mehr als 200 Euro einbringen

würde. Herr Becker möchte für

dieses Altfahrzeug gerne die Abwrackprämie

kassieren und sich gleichzeitig

für den Kauf des Neufahrzeugs die Vorsteuern

erstatten lassen.

Keine schlechte Idee, doch

kann das funktionieren?

Liest man die Richtlinie zur

Förderung des Absatzes

von Personenkraftwagen

vom 20. Februar 2009, fällt

auf, dass nicht zwischen

Betriebs- und Privatvermögen

differenziert wird. Die Umweltprämie

erhalten grundsätzlich Privatpersonen,

wobei beide Fahrzeuge – sowohl

das Alt- als auch das Neufahrzeug – auf

diese Privatperson zugelassen sein

muss. Bei Einzelunternehmern ist diese

Voraussetzung eindeutig erfüllt. Damit

Herrn Beckers Rechnung ohne größere

Risiken aufgeht, sollte er folgendermaßen

vorgehen:

Schritt 1: Vor der Verschrottung des

Altfahrzeugs sollte Herr Becker das elf

Jahre alte Fahrzeug aus seinem betrieblichen

Fuhrpark in das Privatvermögen

übertragen. Den Entnahmewert von

200 Euro muss er versteuern.

Schritt 2: Herr Becker lässt dann sein

privates Altfahrzeug verschrotten und

erwirbt aus privaten Mitteln das neue

Gefährt mit der Zulage.

Schritt 3: Nutzt Herr Becker sein Privatfahrzeug

zu mindestens zehn Prozent

betrieblich, kann er das Fahrzeug umsatzsteuerlich

seinem Betriebsvermögen

zuordnen. Vorteil: Er kann sich die

Vorsteuer aus dem Kaufpreis und aus

den laufenden Kosten erstatten lassen,

muss aber im Gegenzug für die Privat-

So wird die Umsatzsteuer berechnet

Nettokaufpreis des Fahrzeugs 20.000 Euro

Abwrackprämie - 2.500 Euro

Umsatzsteuer (19 Prozent von 20.000 Euro) 3.800 Euro

Vom Fahrzeugkäufer zu zahlen 21.300 Euro

Vom Verkäufer ans Finanzamt abzuführende Umsatzsteuer 3.800 Euro

nutzung Umsatzsteuer ans Finanzamt

überweisen.

Schritt 4: Bei einer betrieblichen Nutzung

des Fahrzeugs zwischen zehn und

50 Prozent kann (muss aber nicht) Herr

Becker das Fahrzeug auch in sein Betriebsvermögen

einlegen und Gewinn

mindernd abschreiben.

ProFirma rät: Jeder Selbstständige sollte

vorher unbedingt seinen Steuerberater

einbinden, der die Weichen für dieses

Gestaltungsmodell auf seine Zulässigkeit

prüft. Schließlich könnte die Finanzverwaltung

den Prämienabruf und

die gleichzeitige Vorsteuererstattung

per Verfügung stoppen.

Keine Entgeltminderung

Ganz andere Probleme beschäftigen

derzeit die Autohändler. Diese übernehmen

für ihre Kunden meist die

komplette Abwicklung der Anträge zur

Abwrackprämie und lassen sich vom

Kunden den Anspruch auf 2.500 Euro

abtreten. In der Praxis stellt sich nun die

Frage, ob die Umsatzsteuer im Rahmen

des Fahrzeugverkaufs auf den vollen

Kaufpreis berechnet wird oder

nur auf den um die 2.500 Euro

geminderten Kaufpreis. Die ernüchternde

Antwort kam aus

dem Bayerischen Landesamt

für Steuern. Die Prämie stellt

eine Entgeltzahlung von dritter

Seite dar und ist daher in voller

Höhe umsatzsteuerpfl ichtig.

Wird ein Neufahrzeug gekauft und nach

Erhalt der Prämie weiterverkauft, kann

das steuerliche Folgen haben. Denn das

Finanzamt könnte den Veräußerungsgewinn

nach § 23 EStG als privates Veräußerungsgeschäft

besteuern. Eine Stellungnahme

der Finanzverwaltung steht

jedoch noch aus.

54 ProFirma 07/08 2009


TIPP 2: Umsatzsteuer

Preisfrage: Sieben oder 19 Prozent?

Die Umsatzsteuer ist für Bäcker, Metzger und Gastronomen ein Buch mit sieben

Siegeln. Eine Verfügung der Oberfi nanzdirektion Frankfurt will Klarheit schaffen,

welche Regeln wann gelten. VON OTTFRIED WEISS

Egal, ob Bäcker, Metzger, Catering-

Unternehmen, Gastronomen oder Imbissbudenbesitzer

– die Antwort der

Kunden auf die Frage: „Zum Hier-Essen

oder zum Mitnehmen?“ hat steuerlich

Konsequenzen. Denn verzehrt der Kunde

die Speisen und Getränke im Laden

oder in der Gaststube, verlangt der Fiskus

19 Prozent Umsatzsteuer. Nimmt

der Kunde Speis und Trank jedoch mit,

sind es nur sieben Prozent Umsatzsteuer.

„Bei Umsatzsteuerprüfungen ist

klar, dass der Prüfer versucht, bei einem

Teil der siebenprozentigen Umsätze 19

Prozent zu unterstellen“, weiß Imbissbudenbesitzer

Karsten Huck aus Berlin.

„Doch das Problem sind die vielen

besonderen Bestimmungen, bei denen

kaum jemand mehr durchblickt.“

In der Tat scheinen Finanzbeamte bei

der Umsatzsteuer auf Speisen und Getränke

vorauszusetzen, dass der Gastronom

ein echter Steuerprofi ist. Die

Oberfi nanzdirektion Frankfurt am Main

erkannte das Problem und erläutert in

einer Rundverfügung vom 10. Dezember

2008 (Az. S 7100 A – 204 – St 110)

ausführlich alle umsatzsteuerlichen Besonderheiten

zu diesem Thema.

Sobald ein Selbstständiger seinen Kunden

Speisen und Getränke verkauft und

ihnen (Steh-)Tische, Bänke und Stühle

anbietet, liegt eine umsatzsteuerliche

nicht begünstigte Leistung vor, für die

19 Prozent Umsatzsteuer fällig werden.

Hier muss dann die entscheidende Frage

„Zum Hier-Essen oder zum Mitneh-

ProFirma 07/08 2009

Info-Schreiben: Das Bundesfi nanzministerium

hat in einem Schreiben vom 16.

Oktober 2008 zu weiteren umsatzsteuerlichen

Zweifelsfragen Stellung bezogen.

Das Schreiben kann kostenlos unter

www.bundesfi nanzministerium.de unter

Aktuelles und BMF-Schreiben abgerufen

werden.

Dinner-Shows: Bei Dinner-Shows unterstellt

das Finanzamt, dass das Dienstleistungselement

überwiegt und deshalb

die Einnahmen einheitlich mit 19 Prozent

Umsatzsteuer besteuert werden.

Essen auf Rädern: Ein Mahlzeitendienst,

der Mittagessen auf eigenem Geschirr in

der Wohnung des Kunden ausgibt und

das Geschirr reinigt, muss 19 Prozent

Umsatzsteuer berechnen.

Fußballstadion: Wer einem Fußballfan

eine Bratwurst oder ein Getränk verkauft,

muss dafür nur sieben Prozent

Umsatzsteuer abrechnen. Begründung:

Die vom Stadionbetreiber bereitgehaltenen

Tribünenplätze sind keine besonderen

Vorrichtungen zum „komfortablen“

Verzehr.

men?“ gestellt werden. Denn lässt sich

ein Kunde nicht zum Essen nieder, gilt

der verminderte Satz von sieben Prozent.

Werden Speisen und Getränke vor

Ort vom Bedienungspersonal serviert,

sind es 19 Prozent. Dasselbe gilt, wenn

dem Kunden Geschirr oder Besteck ausgehändigt

wird.

DIE REGELN IM ÜBERBLICK

Kino: Beim Verkauf von Popcorn und

Getränken beträgt die Umsatzsteuer 19

Prozent, weil die Bestuhlung im Filmvorführsaal

aufgrund der besonderen

Verhältnisse auch für den Verzehr von

Speisen bereitgehalten wird.

Musterklagen: Insbesondere Gastronomen

in Kinos können sich an zwei

Musterklagen vor dem Bundesfi nanzhof

hängen (Az. V R 3/07 und V R 90/07).

Prozedere: Setzt das Finanzamt für in

Kinos vertriebene Speisen und Getränke

generell 19 Prozent Umsatzsteuer fest,

muss Einspruch eingelegt und bis zur

Klärung der Streitfrage ein Ruhen des

Einspruchsverfahrens beantragt werden.

ProFirma rät: Empfehlenswert ist es,

Aufzeichnungen darüber zu führen, dass

das Personal geschult wurde zur Frage

„Mitnehmen oder Hier-Essen?“. Das Finanzamt

versucht häufi g mit Testessern

herauszufi nden, ob die Mitarbeiter an

der Kasse die Umsatzsteuer korrekt eingeben.

Bei Mängeln erkennt der Fiskus

eine Abrechnung auf Basis von sieben

Prozent Mehrwertsteuer dann nicht an.

ProFirma rät: Selbstständige, die ausschließlich

sieben Prozent Umsatz abführen

wollen, dürfen ihren Kunden

also keine Verzehrmöglichkeiten zur

Verfügung stellen. Mit umliegenden Imbissbudenbesitzern

sollte auch vereinbart

werden, dass die eigenen Kunden

dort nichts verzehren dürfen.

55


IT & Investition – Hardware

Mini-Laptops und Server

Sparsam und grün

In der Krise müssen Mittelständler auch bei den IT-Ausgaben sparen.

Die Industrie hat darauf reagiert. Mini-Laptops bieten große Leistung

für weniger Geld. Und in der Server-Technik kommt die „grüne Welle“ –

mit Servern, die nur noch laufen, wenn sie gebraucht werden.

VON TIM COLE

Schneller, größer, teurer, so lautete jahrelang das wenig olympisch

klingende Motto der Computerindustrie. Doch dann

kam die Wirtschaftskrise, und auf einmal sieht die Welt ganz

anders aus. „Unternehmenskunden denken heute anders

über ihre IT“, stellt Jörg Wissing fest, Productmanager Mobile

Computing beim taiwanesischen PC-Hersteller Asus. „Sie

stellen auch andere Fragen als früher. Heute wollen sie wissen,

wieso ein Computer überhaupt so viel kosten muss – und was

ihre Leute wirklich brauchen.“

Benötigt beispielsweise ein Handelsvertreter einen superschnellen

Mobil-PC mit teurer Grafi kkarte, um beim Kunden

einen Auftrag zu schreiben? Kann ein Versicherungsmakler

eine elektronische Police nicht auch auf einem Billiggerät ausfüllen?

Muss der Chef einen klobigen Laptop mitschleppen,

nur um unterwegs E-Mails zu ziehen? Und muss der Server

im Keller Tag und Nacht im Dauerbetrieb laufen und dabei

teuren Strom aus der Steckdose fressen?

Solche und ähnliche Fragen stellen knallhart rechnende Mittelständler

inzwischen immer häufi ger. Doch die Computerbranche

hatte lange keine richtigen Antworten parat. Getrieben

vom Primat der Technik boten sie Jahr für Jahr immer

neue Rechnergenerationen an, die mindestens genau so viel

kosteten wie ihre Vorgänger, aber ein Vielfaches an Rechnerleistung

boten – die kaum ein Normalsterblicher wirklich

auszunutzen vermochte. „Ein guter Laptop kann mehr als

früher ein Superrechner an der Uni“, sagt Wissing, „aber wer

braucht das schon, wenn er nicht gerade Computerwissenschaftler

ist?“

Schick und ausdauernd

Doch seit wegen der Krise Sparen angesagt ist, hat die Industrie

das Ruder schnell umgelegt. Mit kleinen, kompakten und

vor allem billigen Mobilcomputern der neuen „Subnotebook-

Klasse“ bieten die meisten Hersteller inzwischen Geräte an,

die zwar etwas weniger können, aber dafür auf Reisen weniger

Platz wegnehmen und deren Batterien länger halten

als bei herkömmlichen Laptops. Und die meisten dieser sogenannten

„Netbooks“ sehen zu allem Überfl uss sogar noch

schick aus: Kaum größer als ein Notizblock und leicht wie ein

Taschenbuch, das Gehäuse im vornehmen Edelstahl-Look

oder poppig-bunt, tauchen die Winzlinge immer häufi ger in

Airline-Lounges und Zugabteilen auf, wo sie wahlweise neidische

Blicke auf sich ziehen oder spöttische Kommentare

auslösen („… so klein und schon ein Computer?“).

Als wir vor zwei Jahren damit auf den Markt kamen, hatten

wir keine Ahnung, ob sich die Dinger in Deutschland überhaupt

verkaufen lassen“, gibt Wissing zu. Im Oktober 2007

erschien in den USA, drei Monate später auch in Europa, der

Urvater aller Netbooks, der mittlerweile legendäre Eee PC 700.

56 ProFirma 07/08 2009

Foto: Asus


Die Abkürzung stand für „Easy, excellent, exciting“ (einfach,

exzellent, aufregend), und gedacht war der Winzling, der nur

etwa halb so groß war wie ein normaler Laptop und gerade

eben 400 Euro kostete, vor allem für die jungen Märkte in den

Schwellenländern. „Doch auf einmal ging bei uns ein richtiger

Run darauf los“, erinnert sich Wissing, „und wir wurden von

der Nachfrage regelrecht überrollt.“

Seine taiwanesischen Entwickler waren ausnahmsweise ganz

anders vorgegangen als sonst. „Statt noch mehr reinzupacken,

fragten sie: ‚Was können wir alles weglassen?‘“, sagt Wissing.

Das Ergebnis war ein Bildschirm, der in der Diagonale gerade

noch sieben Zoll (knapp 18 Zentimeter) maß, etwa halb

so groß wie bei den bis dato kleinsten Mobil-PC. Statt einer

stromhungrigen Festplatte kam der Kleine mit einem fest eingebauten

Speicherchip („Flash Memory“) mit einer Datenkapazität

von vier Gigabyte (GB) aus – „genug für E-Mails, Texte

und ein paar Präsentationen“, so Wissing. Dafür lief er gut und

gerne vier Stunden, bevor er wieder an die Stromzapfsäule

musste.

ProFirma 07/08 2009

Die zweite Generation: Etwas größer

Durch den schnellen Anfangserfolg ermuntert, schob Asus in

kurzer Zeit mehrere Modelle nach mit etwas größerem Bildschirm

und höherer Speicherkapazität. „Inzwischen ist der

Zehn-Zoll-Bildschirm so etwas wie ein Standard geworden“,

meint Wissing, die Festspeicher sind auf bis zu zwölf Gigabyte

gewachsen, dank verbesserter Batterietechnik laufen die neuesten

Geräte nach dem Aufl aden bis zu neun Stunden.

Doch die Konkurrenz schlief nicht. Binnen kurzer Zeit brachten

Wettbewerber wie HP, Acer und Samsung eigene Versionen

der Kleinstrechner heraus. „Subnotebooks sind fast über

Nacht eine ganz eigene Geräteklasse geworden“, berichtet

Markus Schütz, Pressesprecher beim US-Hersteller Dell, der

früher neben Schreibtisch-PC und Laptops noch unter dem

Markennamen „Axim“ westentaschengroße Organizer, sogenannte

PDA (Personal Digital Assistents), anbot. „Aus dieser

Produktkategorie sind wir inzwischen raus“, sagt Schütz

– dafür boomt auch bei Dell das Geschäft mit den Netbooks.

Der Anbieter hat gezielt den Mittelstandskunden ins Visier genommen

und lockt mit kompaktem Design (Schütz: „Größe

ist nicht so entscheidend wie Gewicht!“), vor allem aber mit

attraktiven Dienstleistungsangeboten wie Vor-Ort-Service

„Easy, excellent, exciting“

Mit dem Eee PC brachte Asus vor zwei Jahren eine Laptop-Serie

auf den Markt, deren Erfolg in den USA und Europa sogar den

Hersteller selbst überraschte. Die Devise bei der Entwicklung

lautete: „Was können wir alles weglassen?“

Eee PC 1002HA

Eee PC 1000HE

57


IT & Investition – Hardware

„Viele kaufen das Netbook als Zweitgerät

und lassen den größeren Laptop stattdessen

zu Hause oder im Büro stehen.“

MARKUS SCHÜTZ, DELL, FRANKFURT

und kostenlosem Austausch defekter Geräte noch am selben

Tag. „Für die Firmenmitarbeiter, die damit Geld verdienen

müssen, ist das Netbook schließlich ein Arbeitsgerät, da ist

es nicht zumutbar, wenn man es erst einsenden und ein paar

Tage auf Ersatz warten muss“, glaubt der Dell-Mann.

Anders als beim Laptop, der in der Regel individuell nach den

Wünschen des Benutzers konfi guriert wird, sind Netbooks

nach seiner Beobachtung Standardgeräte, was den Austausch

erleichtert. Und bei dem geringen Anschaffungspreis – meistens

zwischen 300 und 600 Euro – schaffen sich größere Firmen

gleich ein paar Reserveexemplare an, die man sich erst

mal ins Regal stellt. „Netbooks werden fast wie Mobiltelefone

behandelt“, sagt Schütz.

So neu ist die Geräteklasse, dass es noch keine zuverlässigen

Verkaufszahlen dafür gibt. Marktforscher wie IDC fangen erst

an, eigene Statistiken dafür zu erheben, sodass Beobachter

auf Herstellerangaben angewiesen sind. Asus behauptet, mit

einem Anteil von mehr als 30 Prozent Marktführer zu sein,

vermutlich gefolgt von HP und Samsung. Weltweit wurden

Branchenschätzungen zufolge rund fünf Millionen Subnotebooks

abgesetzt, die Wachstumsraten dürften im mittleren

zweistelligen Bereich liegen. „Die Krise kommt uns natürlich

zugute“, sagt Dell-Sprecher Schütz erfreut. Unklar ist auch, inwieweit

es zu Kannibalisierungseffekten kommt, wenn Kunden

auf die Anschaffung eines teuren Laptops verzichten und

stattdessen zum Netbook greifen. Schütz glaubt allerdings,

dass solche Ersatzkäufe eher die Ausnahme bilden: „Viele

kaufen das Netbook als Zweitgerät und lassen den größeren

Laptop stattdessen zu Hause oder im Büro stehen.“

Eigene Chips für Netbooks

Entscheidend für den Siegeszug der Minis, darüber sind sich

alle Experten einig, war die frühzeitige Entscheidung des

Chip-Herstellers Intel, im vergangenen Jahr mit der neuen

Prozessorgeneration „Atom“ eine Chip-Reihe auf den Markt

zu bringen, die speziell für Netbooks entwickelt wurde. Dabei

handelt es sich, so Intel-Sprecher Martin Strobel, um eine „abgestrippte“

Version der hauseigenen x86-Halbleiter, die auf

geringe Stromaufnahme hin optimiert wurde. „Der Schwachpunkt

der klassischen Prozessoren ist die Wärmeentwick-

lung“, erklärt Strobel. Mit einem Trick gewöhnten die Intel-

Entwickler den Atom-Chips die übermäßige Hitzewallung ab:

Während moderne Halbleiter, etwa die in Desktop-PC und

Laptops verbaute „Celeron“-Baureihe, in der Lage sind, eingehende

Computerbefehle in beliebiger Reihenfolge abzuarbeiten,

selbst wenn noch nicht alle Informationen zur Verfügung

stehen („Out-of-order processing“), muss ein Atom-Chip warten,

bis alle Befehle vorliegen („In-order processing“), was die

Arbeitsgeschwindigkeit spürbar herabsetzt. Dafür verbraucht

der Halbleiter weniger Strom. Strobel rechnet vor: „Die Ab-

Buntes, kompaktes Vergnügen

Kompaktes Design und guter Service für Mittelstandskunden

zeichnen die Netbooks von Dell aus. Weil die Geräte vorwiegend

in einer Standardausstattung ausgeliefert werden, kann ein

eventuell nötiger Austausch rasch vonstatten gehen.

Inspiron Mini 10

58 ProFirma 07/08 2009


Foto: Dell GmbH, Fujitsu

wärme beim Atom liegt ungefähr zehnmal niedriger als bei

einem Celeron-Prozessor.“ Die Stromaufnahme im Ruhezustand

(„Idle Power“) ist sogar 50 Mal niedriger.

Strobel gibt zu, dass Intel zunächst das Potenzial der Netbook-

Revolution unterschätzt hat. Außerdem hatte der Hersteller

eine eigene Parallelentwicklung für stromarme Kleinstcomputer

gestartet, die auf der sogenannten ARM-Technik basierte

und deshalb nicht mit den anderen Chip-Familien des Hauses

kompatibel war. Im Jahr 2006 wurde diese Sparte kurzerhand

verkauft, und Intel legte alle Kraft in die neue Atom-Strategie.

Nicht zuletzt deshalb, weil man darauf hofft, mithilfe der kleinen

und vergleichsweise kühl arbeitenden Flachchips auch

den Einstieg in ganz neue Märkte zu fi nden. „Atom eignet

sich auch für Haushaltsgeräte, Automobile oder in der Werkzeugsteuerung“,

schwärmt Strobel. Intel schätzt die Zahl der

elektronischen Alltagsgeräte, die innerhalb der nächsten fünf

Jahre mit den neuen Halbleiterelementen ausgestattet werden

können, auf mindestens 15 Milliarden.

Doch damit nicht genug: „Jeder Client braucht einen Server“,

weiß der Intel-Profi . Ist erst einmal jeder Kühlschrank und

jede Fertigungsmaschine mit dem Internet verbunden, dürfte

die Nachfrage nach neuer Hardware in den Rechenzentren

und IT-Abteilungen der Unternehmen ebenfalls sprunghaft

steigen.

Server mit teurer Hitzewallung

Doch da stößt die Computerei bereits heute an eine harte

Grenze, die ebenfalls mit der Wärmeentwicklung durch die

Halbleiterelemente verursacht wird. Der Multicore-Prozessor

eines superkompakten „Blade“-Servers modernster Bauweise

strahlt inzwischen so viel Hitze ab wie eine Herdplatte – entsprechend

aufwendig muss das Kühlsystem dahinter sein.

„Große Teile des Stroms, den Server auf der einen Seite aus

der Steckdose saugen, blasen sie hinten als Abwärme wieder

hinaus“, sagt Christoph Witte, Herausgeber der Fachzeitung

„Computerwoche“. Damit die Geräte keinen Hitzeschock erleiden,

müssen die Rechenzentren rund um die Uhr heruntergekühlt

werden: Klimaanlagen verschlingen nach Analystenberechnungen

mindestens noch einmal so viel Strom wie die

Rechner selbst.

Bei einem Unternehmen mit einigen Dutzend PCs, ein paar

Servern im Keller, dazu jede Menge Drucker, Faxgeräte und

Mobiltelefone, summieren sich die Stromkosten schnell auf

mehrere Tausend Euro im Jahr. Da die meisten dieser Geräte

abends nicht ausgeschaltet werden, mithin also etwa 14 Stunden

im Leerlauf vor sich hin brummen (von den Wochenenden

und den Urlaubszeiten ganz zu schweigen), verschwindet

das meiste davon durch den Schornstein. Weltweit, so

eine Schätzung der Beratungsfi rma Gartner, ist der Ausstoß

des Klimagases CO 2 , der durch Computersysteme verursacht

wird, so hoch wie jener der zivilen Luftfahrt.

Inzwischen wetteifern deshalb die Hersteller um den Titel des

„Weltmeisters in der Energieeffi zienz“. Fujitsu etwa wirbt damit,

dass ihr „Green Server“ Primergy TX150 „tausend Ope-

ProFirma 07/08 2009

rationen pro Watt“ ausführen könne. Und laut Marktführer

IBM ist es „auch im Mittelstand Zeit für frische, ‚grüne‘ Technologie“,

so Firmensprecher Hans-Jürgen Rehm. Die neuen

superkompakten Server der Baureihe „BladeCenter Express“,

die speziell für kleinere Unternehmen konzipiert wurde, verbrauchen

laut Rehm bereits in der Leistungsspitze bis zu zehn

Prozent weniger Strom als die Vorgängermodelle, im Leerlauf

sogar 30 Prozent weniger.

Auch hier liegt das Geheimnis weitgehend in der verwendeten

Chip-Technologie. Die Prozessoren von Intels neuester

„Nehalem“-Serie sind in der Lage, „besonders schnell zwischen

Wachen und Schlafen hin und her zu schalten“, sagt

Intel-Sprecher Strobel. Dabei werden im Ruhebetrieb ganze

Transistorbereiche auf dem Chip komplett stillgelegt, ziehen

also im „Standy-by“-Modus überhaupt keinen Strom aus der

Steckdose.

„Viele haben gesagt, Green IT wäre nur ein kurzlebiger Modetrend“,

erinnert sich Strobel. Er ist ganz vom Gegenteil

überzeugt: „Energieeffi zienz wird auch in den kommenden

Jahren das Thema Nummer eins bleiben.“ Der Grund sei

ganz einfach: „Natürlich will man als Unternehmen etwas

für den Umweltschutz tun, aber viel wichtiger ist es, Geld

zu sparen.“ Und dieser Grundsatz gilt schließlich nicht nur

in Krisenzeiten.

Protagonisten der Green-IT

Nachhaltigkeit hat sich Fujitsu mit seiner Esprimo PC-Serie

und den Primergy-Servern, etwa dem TX120, auf die Fahnen

geschrieben. Die Geräte verbrauchen vergleichsweise sehr

wenig Strom und stoßen auch weniger Kohlendioxid aus als

herkömmliche Computer.

Esprimo 0 Watt PC

Primergy TX120

59


IT & Investition – IT-Sicherheit

Gefahren aus dem Netz

Grundschutz in der Praxis

Ein Ausfall der IT oder ein Befall mit Viren und Würmern verursacht in Unternehmen

enorme wirtschaftliche Schäden. Die Sicherheit wird leider oft vernachlässigt,

auch wenn es einfachen und wirkungsvollen Schutz gibt. VON INGO STEINHAUS

Im Frühjahr befi el ein weltweit grassierender

Computerwurm Millionen

Rechner von Unternehmen und Behörden.

Das als „Confi cker“ bezeichnete

Schadprogramm springt in einem ungeschützten

Netzwerk relativ ungehindert

von einem System zum anderen

und verbreitet sich rasch weiter. Die befallenen

Computer lassen sich dann via

Internet für illegale Aktionen wie den

Versand von unerwünschter Werbung

(„Spam“) missbrauchen – für das betroffene

Unternehmen ein riesiger Imageschaden

und eine teure Angelegenheit.

Das russische Sicherheitsunternehmen

Kaspersky hat die weltweiten Verluste

durch Internet-Kriminalität vor einiger

Zeit auf 100 Milliarden Dollar pro Jahr

beziffert.

Die Lösung zur Vermeidung solcher

Schäden lautet ganz schlicht: Nutzen Sie

die aktuellen Standards zur IT-Sicherheit.

Doch leider ist die Einarbeitung

INTERNET-LINKS

www.bitkom.org

Kompass der IT-Sicherheitsstandards

www.bsi.de

Leitfaden IT-Sicherheit, Grundschutzprofi

l für eine kleine Institution und

BSI-Standard zum Notfallmanagement

in das Thema schwer. Ein Beispiel: Der

„Kompass der IT-Sicherheitsstandards“

soll Unternehmern mehr Übersicht

geben. Auf gut 50 Seiten beschreiben

darin der IT-Branchenverband Bitkom

und das Deutsche Institut für Normung

(DIN) die annähernd 50 technischen

Standards zur IT-Sicherheit. Was dort

in Stichworten zusammengefasst wird,

schreckt durch stark technische Formulierungen

eher ab, als dass es zur Sicherheit

ermuntert. „Brauchen wir das

eigentlich alles?“, fragt sich jeder, der in

dieser Broschüre blättert. Leider ja, lautet

die Antwort, denn nach einer Studie

des Bundeswirtschaftsministeriums

haben 80 Prozent aller Unternehmen

wenigstens einmal pro Jahr schwere IT-

Probleme.

Oft sind Fahrlässigkeit oder Unwissen

der Mitarbeiter der Grund: „Wenn es keine

technischen oder organisatorischen

Beschränkungen gibt, passiert auch etwas.

Zum Beispiel öffnen Mitarbeiter

irgendwelche Dokumente in E-Mails,

ohne sich über Gefährdungen im Klaren

zu sein“, sagt IT-Sicherheitsexperte

Reiner Kraft vom Fraunhofer Institut

für Sichere Informationstechnologie in

Darmstadt. Er empfi ehlt trotz der anfänglichen

Lernhürde die Grundschutzkataloge

des Bundesamts für Sicherheit

in der Informationstechnik (BSI). Sie

bieten eine umfassende Beispielkonzeption

für IT-Sicherheit, die eigentlich

nur noch angewendet werden muss. Mit

deutscher Gründlichkeit geht es dem

BSI dabei um „die geeignete Kombination

von organisatorischen, personellen,

infrastrukturellen und technischen Sicherheitsmaßnahmen“,

so die Autoren

in der Einleitung zu dem mehr als 4.000

Seiten umfassenden Werk.

Grundlegender Schutz ist einfach

„Die Unternehmer starren erschreckt

auf diesen Wust an Informationen“,

meint Reiner Kraft. Auf Maßnahmen zur

IT-Sicherheit solle aber kein Unternehmen

verzichten, betont der Informatiker.

„Oft bewirken bereits sehr einfache

Maßnahmen eine höhere Sicherheit.“

(Siehe Kasten „Basisschutz mit Firewall

und Virenscanner“, Seite 62.) Doch in

vielen Fällen bieten Virenscanner und

Firewall nicht genug Sicherheit. Dies

gilt zum Beispiel bei der Nutzung eines

komfortablen WLAN-Funknetzes oder

beim Aufbau eines Fernzugriffs, mit

dem der Geschäftsführer von seinem

Heim aus Firmendaten nutzen kann.

Auch wer weitergehenden Rat für solche

Anwendungsbereiche sucht, wird beim

BSI kostenlos fündig. Unter anderem

bietet die Behörde den „Leitfaden für

IT-Sicherheit“ an, der einen fundierten

Überblick über die Knackpunkte bei

der Abschirmung von Computern enthält.

Weitere praktische Ratschläge für

Lesch/panthermedia.net

kleinere Unternehmen, wie zum Bei-

Manuel

spiel Arztpraxen, Rechtsanwaltskanz- Foto:

60 ProFirma 07/08 2009


leien, Steuerberaterbüros, Handwerksbetriebe,

Reisebüros oder Hotels, gibt

das „Grundschutzprofi l für eine kleine

Institution“. Es vermeidet die Umständlichkeiten

der Grundschutzkataloge

und liefert stattdessen Anleitungen für

Sofortmaßnahmen.

Kostengünstige Angebote

für KMU

Trotzdem bleibt immer noch ein Problem

übrig, das wirkungsvolle IT-Sicherheit

verhindert: die Kosten für die

notwendige Software und Hardware, die

vor allem Selbstständige und kleinere

Unternehmen zu schlechten Kompromissen

verführen. Eine recht günstige

und unkomplizierte Lösung sind spezielle

Software-Pakete für Unternehmen.

Sie werden von verschiedenen

Herstellern wie McAfee, Symantec oder

Trendmicro vermarktet und kosten für

fünf Arbeitsplätze ab etwa 300 Euro pro

Jahr. Solche Pakete sind ideal für kleine

Unternehmen ab fünf Nutzern, die sich

umfassend schützen und gleichzeitig

den Aufwand für die Verwaltung

ProFirma 07/08 2009

WIRKSAMER SCHUTZ

Die Top 10 der Sicherheitsregeln

1. Schützen Sie Rechner und Anwendungen

mit Kennwörtern. Ein sicheres

Kennwort ist eine zufällige Abfolge von

mindestens acht Ziffern und Buchstaben.

Es kann über eine Eselsbrücke

ermittelt werden. Zum Beispiel ergeben

die ersten Buchstaben aus „Nützliche

Kennwörter sind 15 Zeichen & Ziffern

lang“ das ziemlich sichere Kennwort

„NKs15Z&Zl“.

2. Beschränken Sie Datenzugriffe auf

ein Mindestmaß. Jeder Benutzer (und

auch jeder Administrator) sollte nur auf

die Daten und Programme zugreifen

dürfen, die er für seine tägliche Arbeit

wirklich benötigt.

3. Beschränken Sie auch die Administratorrechte

– Admins sollten nur

Zugriff auf Ressourcen haben, für die

sie zuständig sind.

4. Verbergen Sie jeden PC mit Internet-

Zugriff hinter einer Firewall – entweder

eine Personal Firewall am Arbeitsplatz

oder eine zentrale Firewall in einem

Netzwerk-/DSL-Router.

5. Schirmen Sie alle Rechner mit

Antivirenprogrammen ab. Internet-

Daten (Web, Mail) sollten zentral über

einen Server geleitet und dort geprüft

werden. Aktualisieren Sie die Virendatenbanken

täglich, am besten häufi ger!

6. Installieren Sie Sicherheitsaktualisierungen

sofort, vor allem für Betriebssysteme,

Browser, E-Mail-Programme

und Offi ce-Anwendungen.

7. Sichern Sie alle wichtigen Daten regelmäßig.

Prüfen Sie außerdem, ob die

Sicherungskopien funktionsfähig sind.

8. Schützen Sie alle IT-Systeme gegen

Überhitzung, Feuer, Wasserschäden,

Stromausfall und Diebstahl.

9. Schulen Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig.

Viele Sicherheitsprobleme entstehen

aus Unkenntnis oder mangelndem

Problembewusstsein.

10. Prüfen Sie die IT-Sicherheit: Werden

Kennwörter gewechselt? Werden die

Sicherheitseinstellungen nicht geändert?

Sind nur zulässige Anwendungen

installiert?

Leider noch keine Wirklichkeit:

Der Schutzknopf

gegen Trojanerbefall auf

der Tastatur.

61


IT & Investition – IT-Sicherheit

der Software gering halten wollen. Integrierte

Hilfsfunktionen und vereinfachte

Bedienoberfl äche sollen den Betrieb der

Sicherheitspakete ohne umfangreiches

Fachwissen ermöglichen.

Trotzdem wird der Einsatz solcher Paketlösungen

für viele Anwender noch zu

umständlich sein. Selbst die einfachste

Software-Lösung muss korrekt installiert

und betrieben werden, damit echte

Sicherheit die Folge ist. Eine sinnvolle

und erschwingliche Komplettlösung ist

„Sicherheit zum Mieten“, wie sie zum

Beispiel die Kölner Druckerei Moeker

Merkur nutzt. Eine kleine Box am zentralen

Telefonanschluss ist die Schnittstelle

zum Internet. Sie reicht automatisch

sämtliche Internet-Verbindungen

in beiden Richtungen an einen Dienst-

BASISSCHUTZ MIT FIREWALL

UND VIRENSCANNER

Firewall heißt „Brandschutzmauer“

und bezeichnet eine Software, mit der

ein LAN vor unerlaubten Zugriffen aus

dem Internet geschützt wird. Normalerweise

ist sie auf einem Netzwerkgerät

direkt am Internet-Anschluss

(etwa ein DSL-Router) installiert. Zusätzlichen

Schutz bringt eine Personal

Firewall auf jedem PC. Sie überwacht

alle ein- und ausgehenden Datenpakete

auf diesem Rechner und erlaubt

nur bestimmten Anwendungen den

Zugriff auf das Internet.

Ein Virenscanner ist ein Programm,

das die Daten des Rechners anhand

einer Datenbank mit sogenannten

„Virussignaturen“ überprüft und

Schadprogramme unschädlich macht.

Doch ein Virenscanner funktioniert

nur so gut, wie seine Virendatenbank

aktuell ist. Diese Datenbank enthält

die sogenannten Virussignaturen,

anhand derer der Virenscanner die

Schadprogramme identifi zieren kann.

Virenscanner nutzen meist eine automatische

Aktualisierung, die unter

keinen Umständen ausgeschaltet

werden sollte.

leister für Internet-Sicherheit weiter.

Dort werden die Daten nach höchsten

Standards geprüft und dann erst an die

Druckerei und – bei ausgehender E-Mail

– an ihre Kunden geschickt.

Sicherheit gibt es auch zur Miete

Im IT-Jargon heißt so etwas „Managed

Security Services“. Über mehrstufi ge

Firewalls blockiert der Dienstleister

Angriffe auf die Rechner seiner Kunden,

aktualisiert die Virenscanner im

halbstündlichen Rhythmus und sichert

die Dokumente. Dabei wird eine abgesicherte

und verschlüsselte Internet-Verbindung

eingesetzt. „Die Übertragungsgeschwindigkeit

leidet dabei nicht unter

dem Umweg über den IT-Dienstleister“,

berichtet Friedhelm Spohr, einer der Geschäftsführer

der Druckerei. Diese externe

Sicherheitsleistung kostet eine monatliche

Mietgebühr, die je nach Art der

eingesetzten Sicherheitsbausteine und

der Anzahl der Arbeitsplätze berechnet

wird. Für die Druckerei fallen Kosten

von etwa 1.000 Euro im Jahr an. Im Gegenzug

muss sich kein Mitarbeiter um

Aktualisierungen und neue Sicherheitstechniken

kümmern, der Dienstleister

liefert immer „State of the Art“. Für

Friedhelm Spohr ist das die perfekte Lösung:

„Umfassende IT-Sicherheit ohne

große Investition.“

Für Notfälle vorsorgen

Doch ein wirkungsvoller Schutz der

Firmendaten ist mehr als nur Schutz

der IT, denn was ist, wenn die Computer

wegen eines Notfalls nicht mehr

arbeiten? „Dabei muss ein Notfall nicht

einmal durch eine Naturkatastrophe

ausgelöst werden, der Fund einer alten

Fliegerbombe oder die plötzliche

Pleite eines Lieferanten reicht aus“,

sagt Matthias Hämmerle, IT-Manager

beim Beratungsunternehmen KPMG in

Frankfurt. Er betreibt unter www.bcmnews.de

einen Blog zu „Business-Continuity-Management“.

Unter diesem

Stichwort, das oft auch unter der Abkürzung

BCM erscheint, werden Strategien

zur Erhaltung des Geschäftsbetriebs in

Katastrophenfällen zusammengefasst.

Matthias Hämmerle, IT-Manager bei KPMG,

beobachtet bei Unternehmenskunden eine

starke Nachfrage nach IT-Risikoschutz.

Darunter fallen Vorkehrungen wie ein

Dieselaggregat als unterbrechungsfreie

Stromversorgung, aber auch brandgeschützte

Schränke für Computer mit

wichtigen Firmendaten. Ebenso wichtig

ist ein Plan, wo und von welchem

Geld in einem extremen Notfall neue

Computer besorgt werden. „Viele Unternehmen

verlangen inzwischen von

ihren Kunden den Nachweis dieser

Notfallvorsorge, um fatale Verluste auszuschließen“,

sagt Matthias Hämmerle.

„Auch Banken achten mittlerweile bei

der Bonitätsprüfung im Kreditgeschäft

verstärkt auf die Risikovorsorge.“ Eine

gute Notfallplanung schlägt sich dann

schnell in günstigeren Kreditbedingungen

nieder.

Es gibt inzwischen sogar eine Art Standard

dafür: Im Februar 2009 hat das Bundesamt

für Sicherheit in der Informationstechnik

(BSI) die Norm „BSI 100-4

Notfallmanagement“ veröffentlicht. Sie

ist in Buchform im Handel und als E-

Book auf der Webseite des BSI (www.

bsi.de) erhältlich. Die Publikation bietet

praxisnahe und wie in einem Baukastensystem

umsetzbare Maßnahmen für

kleine und mittelgroße Unternehmen.

Matthias Hämmerle: „Damit können

Mittelständler sehr leicht eine Vorsorge

treffen, und zwar für die geschäftskritischen

Aktivitäten und Ressourcen

(zum Beispiel Mitarbeiter, Gebäude,

Dokumente) wie auch für die wichtigen

privat

Dienstleister und Lieferanten.“ Foto:

62 ProFirma 07/08 2009


Für nähere Informationen rufen Sie uns an unter Telefon 0800 330 51 02 oder besuchen Sie uns auf

www.mamutone.de/E4Silver und testen Sie Mamut One gratis!

AKTIONSANGEBOT

www.mamutone.de/E4Silver

Die komplette IT-Lösung

Für einen effizienten Arbeitsalltag

Mamut One kombiniert die preisgekrönte Unternehmenssoftware und moderne webbasierte Services

von Mamut mit der Software lohn+gehalt pro von Lexware und dem Wissensportal ProFirma Professional

der Haufe-Mediengruppe.

Von Kunden-, Vertriebs- und Projektmanagement über Lohn, Personal und Finanzen bis hin zu mobiler

E-Mail, Websites mit Webshop, Online-Konferenzen, einer automatischen Buchhaltungsprüfung und

Online-Content bietet Mamut One alles, was Ihren Geschäftsbetrieb einfacher und Ihr Unternehmen

wirtschaftlicher macht. Erreichen Sie Ihre Ziele mit Mamut One!

Aktionsangebot

Mamut One E4 € 990,-

Lizenzpreis – nur € 590,-,-

Silver Servicevertrag € 74,-

Pro Monat – nur € 59,-

40%

Die Preise gelten für eine Ein-Benutzer-Anwendung und exkl. MwSt. Weitere Benutzer: Lizenz einmalig € 349,-;

Servicevertrag € 39,-/Monat * 40% Rabatt auf die 1. Softwarelizenz

Rabatt*


IT & Investition – Fuhrpark

Limousinen

Für den Sommer kühles Weiß?

In der automobilen Business Class dominiert Schwarz. Aber die Farbe Weiß holt

auf. Auch deshalb, weil man glaubt, damit die Aufheizung des Autos im Sommer zu

verringern. Doch den Hitzschlag verhindert am besten eine Klimaanlage.

VON WOLFGANG PETERS

Ganz in Weiß: Immer mehr Autos tragen

diese Farbe, und die Gründe dafür

liegen zumeist nicht in der Technik,

sondern bei den Designern. Weiß, das

teilt Audi in seinem jüngsten Geschäftsbericht

mit, stehe für technischen Fortschritt.

Weiße Autos wirkten leicht,

sagen die Audi-Leute, und wer jetzt

an die hohe Zahl weiß lackierter Audi

Q7-Modelle denkt, kommt den Dingen

schon auf den Grund. Diese derart

eingefärbten Audi-Crossover-Typen

(sie sollen die Grenzen zwischen Off-

Road- und On-Road-Betrieb überwinden)

sind häufi ger geworden als weiße

Weihnachten. Weil Weiß in Europa

auch als Farbe der Unschuld gilt, entsteht

hier angesichts der keineswegs

geringfügigen Verbrauchswerte eine

gewisse Pikanterie. Ein weißes Auto ist

für die meisten Designer der deutschen

Limousinenindustrie das Ziel ihrer Bemühungen:

eine Lichtgestalt auf Rädern,

deren Eindruck beim Betrachter

sich unmittelbar positiv auf den Auftritt

des Fahrers auswirke.

In Europa kommt Weiß zwar in

Schwung, aber richtig durchgesetzt hat

es sich noch längst nicht: Auf der Ebene

der Limousinen für die Chefetagen

wurden zum Beispiel im Jahr 2004 nur

vier Prozent der Fahrzeuge in weißem

Lack ausgeliefert. Dieser Anteil hat sich

während der folgenden Jahre über fünf,

sechs, dann acht bis zum Jahr 2008 auf

zwölf Prozent erhöht.

Die Tendenz für Weiß steht auf Grün.

Denn die entscheidenden Designer

tragen zwar im Beruf mit Vorliebe

Schwarz, aber auf den Autos lieben sie

Weiß. Wolfgang Josef Egger, jetzt im

Audi-Konzern Leiter Design und zuvor

verantwortlich für die umwerfenden

Formen des Alfa Romeo 8C (kommt am

besten in Rot!), schreibt der Farbe Weiß

fast schon magische Wirkungen zu. Es

Audi

entstehen Wirkungen auf dem Körper

BMW,

der Karosserie, die mit „Skulpturen aus Foto:

64 ProFirma 07/08 2009


weißem Marmor“ zu vergleichen sind.

Weiß steht für Egger auch für eine Geisteshaltung,

die dicht an Reinheit, Leichtigkeit

und Verantwortung siedelt. Er

verweist auch auf weiße Computer oder

das weiße Geschirr. Gleichzeitig lässt

sich damit Rationalität, Vernunft und

Sparsamkeit zum Ausdruck bringen.

Der Hang zum Dunklen

Doch der Nadelstreifenanzug auf vier

dern kommt noch immer vorzugsweise

in Schwarz, knapp 30 Prozent der

Oberklasse-Autos sind gekleidet wie

Pfarrer. Der Hang zum Dunklen offenbart

auch, dass die meisten Autofahrer

keine Bange vor den nächsten Sommern

mit höher prognostizierter Sonneneinstrahlung

haben. Das hat zwei

Gründe: Die Annahme, dass die Farbe

des Autos in erster Linie die steigenden

Temperaturen im Innenraum zu verantworten

habe, ließ sich durch entsprechende

Messreihen (zum Beispiel

im amerikanischen Death Valley) nicht

bestätigen. Die Autoingenieure machten

andere Schuldige ausfi ndig: Der

Dachaufbau mit seinen größeren oder

kleineren Glasfl ächen in Verbindung

mit der Neigung der Fensterfl ächen ist

für die Aufheizung des Innenraums viel

entscheidender. Ein schwarz lackiertes

Auto muss im Innenraum nicht heißer

sein als ein weißes.

Bei Versuchsreihen von „donnerwetter.

de“, dem Internet-Wetterservice, machten

Meteorologen bei einer Außentemperatur

von 30 Grad Celsius sehr unterschiedliche

Hitzegrade im Innenraum

aus: Ein schwarzer VW Golf kam da auf

41,2 Grad, während ein silbern lackierter

Ford Escort mit 62,2 Grad aufwartete.

Die Auswertung des Wetterdiensts

kam zu dem Schluss: Große, schräg

gestellte Fensterfl ächen sorgten im

Auto für Wüstenklima. Getönte Scheiben

oder Fenster mit entsprechendem

Schutz hielten den Innenraum vergleichsweise

kühl. Bei BMW betrachtet

man das Problem der Aufheizung differenzierter:

Der entscheidende Faktor sei

die Dauer der Aufheizung. Heller Lack

heize sich nicht so schnell und nicht so

hoch auf, speichere allerdings die Hit-

ProFirma 07/08 2009

ze länger. Beim Lackspezialisten BASF

Coatings ist man sicher: Der Einfl uss

der Fahrzeugfarbe auf die Innenraumtemperatur

ist sehr begrenzt. Der „Wärmeeintrag“

in den Innenraum komme

hauptsächlich über die Scheiben zustande.

Aber wer wirklich nicht nur einen

klugen, sondern auch einen kühlen

Kopf im Auto behalten will, fährt mit

Klimaanlage. Die Technik zum Regeln

der Temperatur und zum Entfeuchten

und Reinigen der Luft – für Allergiker

zudem mit Pollenfi ltern – im Auto hat

eine bemerkenswerte Karriere hingelegt.

Sie wandelte sich vom begehrten,

aber teuren Extra zur beinahe überall

anzutreffenden Serienausstattung. In

der Chefwagen-Klasse gehört die Klimaanlage

mittlerweile fast immer zum

Standard, nicht immer freilich in der

komfortablen Automatik-Variante. Die

Aufpreise hierfür offenbaren große Unterschiede,

sie liegen zwischen 1.000

Komfortabel und vielfältig einstellbar:

Klimaanlage in einem neuen Audi.

und 3.000 Euro, wenn man sie überhaupt

noch aufwenden muss. Denn

die Klimaanlage ist zum Statussymbol

geworden, das den hitzigen Fahrer vom

besonnenen Wagenlenker unterscheidet.

Und auf dem Gebrauchtwagenmarkt

sind Oberklasse-Autos ohne

Klimaanlage kaum noch zu verkaufen

oder nur mit Preisabschlägen.

Moderne Klimaanlagen mit automatischer

Regelung sind Hightech-Geräte:

Zahlreiche Sensoren nehmen ohne Unterbrechung

zum Beispiel die Güte der

Luft, die Intensität der Sonneneinstrahlung

und die Luftfeuchtigkeit auf. Sie

informieren eine zentrale Klimaeinheit,

diese gleicht die Sensornachrichten mit

der gewählten Temperatur ab und regelt

die Zuführung gekühlter Luft über

Gebläse und Ausströmer. In Luxusmobilen

werden separate Temperaturzonen

offeriert, die man auch vom Rücksitz

aus beeinfl ussen kann.

Im Prinzip funktioniert jede Klimaanlage

wie der Kühlschrank in der Küche.

Ein Kältemittel wird verfl üssigt und

verdampft und kühlt dabei durchströmende

Luft ab. Weil die Klimaanlage mit

der Motorenergie betrieben wird, gibt

es ihre Annehmlichkeiten nicht kostenlos:

Es muss Antriebsleistung für sie

abgezweigt werden, und sie nimmt je

nach Technik drei bis sechs Kilowatt auf.

Moderne Automobile sorgen in ihrem

elektronischen Innenleben dafür, dass

das Anspringen der Klimaanlage vom

Fahrer unbemerkt bleibt. Früher ruckte

der Motor kurz, wenn sich der Kühl-

Kompressor einschaltete. Bei manchen

Modellen legt sich die Klimaanlage von

selbst still, wenn zum Beschleunigen die

ultimative Motorkraft gefordert wird.

Regeln für gutes Klima

Für den Betrieb aller Klimaanlagen gibt

es einige Grundsätze: Beim Einsteigen

in das aufgeheizte Auto für kurze Zeit

alle Fenster öffnen, gleichzeitig die Anlage

mit Gebläse auf höchste Leistung

und niedrigste Temperatur stellen, so

wird heiße Luft aus dem Innenraum gedrückt.

Dann keine zu niedrige Temperatur

wählen, wer friert, fährt schlechter

und fängt sich eine Erkältung ein. Als

ideal gelten 20 bis 22 Grad im Innenraum,

dabei bleibt der Fahrer am längsten

fi t. Direkte Kalt-Luftströme auf den

Körper aus dem Gebläse sollten vermieden,

die Fenster geschlossen werden.

Wenn möglich, sind unterschiedliche

Klimazonen im Fahrzeug zu beachten.

Der Fahrer sitzt vielleicht lieber kälter,

der lesende Chef auf der Rückbank mag

nicht frösteln. Wichtig: Vor Inbetriebnahme

empfi ehlt es sich, die Betriebsanleitung

des Autos zu lesen. Moderne

Klimaanlagen bieten trotz Sensoren

und Automatik eine unglaubliche Vielfalt

an Wirkungsweisen.

65


IT & Investition – Kolumne

Cole's Corner

Tim Cole Der ehemalige Polizeireporter

und Chefredakteur mehrerer Elektronikzeitschriften

ist ein gefragter Autor und

Redner zum Thema E-Commerce.

Info: www.cole.de

Mein Panda frisst Visitenkarten

Wie Sie, geneigter Leser, trage auch ich noch Visitenkarten

mit mir herum, aber wir sind damit hoffnungslos altmodisch.

Das wurde mir auf einer Web-Konferenz in Berlin klar, einer

Veranstaltung, auf der fast alle anderen Teilnehmer allerdings

auch meine Kinder oder Enkel hätten sein können. Beim Kennenlernen

streckte man sich dort kleine, knallbunte Plastikfi

guren entgegen mit den Worten: „Wollen wir mal poken?“

Poken sind so etwas wie eine Kreuzung zwischen einem Personalausweis

und einem Tamagotchi. Sie wissen noch: Das

waren die Schlüsselanhänger, die in den 90ern vor allem bei

jungen Leuten wie meiner Tochter wahnsinnig beliebt waren.

Sie trugen in ihrem Innern angeblich eine Art digitales Küken,

das der Besitzer ständig per Knopfdruck hätscheln und füttern

musste, damit es groß und kräftig wurde. Vergaß man es, ging

es nach ein paar Tagen ein. Man musste also die Neustarttaste

drücken, um ein neues Küken aus dem virtuellen Ei schlüpfen

zu lassen, und so weiter.

Ein Poken ist so ähnlich, nur speichert es auf einem Computerchip

alle Daten, die sonst auf meiner Visitenkarte stehen,

beziehungsweise die ich, wenn ich eine habe, in meinem Profi

l bei „Facebook“, „MySpace“, „Xing“ oder sonst einem der

unzähligen Online-Freundeskreise (neudeutsch: „social networks“)

hinterlegt habe. Jede Poken-Figur hat eine übergroße

Hand mit vier Fingern, die es laufend in die Höhe hält. Wenn

zwei Poken-Besitzer ihre persönlichen Informationen austauschen

wollen, halten sie die kleinen Plastikhände aneinander

und drücken auf einen Knopf, damit die Daten drahtlos von

einer Figur zur anderen gefunkt werden. Das nennt sich „Hi-

Four!“ und ist gerade unglaublich schick in gewissen Kreisen.

Zu Hause überträgt man die Daten dann in seinen Computer,

und schon hat man wieder einen neuen Freund gewonnen.

Es gibt Poken, die wie ein Alien oder eine Biene oder ein Totenschädel

aussehen. Dabei sind Poken eigentlich eine sehr

Von Tim Cole

ernsthafte Erfi ndung von Forschern an der Fachhochschule

in Bern, wo man bekanntlich zum Lachen in den Keller geht.

Stéphane Doutriaux, der als Vater aller Poken gilt, hat dafür

immerhin im vergangenen Jahr den Schweizer Gründerwettbewerb

„Venture Leaders“ gewonnen. Er fand es schade, dass

man bis heute immer noch Visitenkarten beim ersten Geschäftskontakt

austauscht, die später mühsam in den Computer

überführt werden müssen – oder halt nicht, dann wandern

sie in den Papierkorb. Und im Privatleben gibt es sie gar nicht.

Wer sich in der Kneipe nicht den Vor- und Nachnamen seiner

Bekanntschaften merken kann, bekommt meistens keine

zweite Chance. Damit soll Schluss sein, fand der Schweizer,

und Poken ist seine Antwort.

Ob sich die Plastikfi guren allerdings am Ende durchsetzen

(vielleicht in einer etwas weniger bunten und fl ippigen Form)

oder ob der Poken dem Tamagotchi in die digitale Versenkung

folgen wird, lässt sich jetzt noch nicht abschließend sagen.

Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass jemand versucht, die

Visitenkarte als Medium der Kontaktanbahnung abzulösen.

Als Palm-Besitzer habe ich schon lange die Möglichkeit, meine

elektronische Visitenkarte per Infrarotstrahl zum Organizer

des Gegenübers zu beamen. Ähnliche Programme gibt es

für das iPhone, das für trendige Geschäftsleute ja heute so etwas

Ähnliches ist wie der Poken für die Jüngeren.

Nun, Papier ist bekanntlich geduldig, und ich werde vorsorglich

weiterhin ein paar meiner alten Kontaktkartons einstecken,

wenn ich auf Konferenzen gehe. Ich habe mir aber vorsichtshalber

auch einen kleinen Poken zugelegt, denn man kann ja

nie wissen. Er ist süß und sieht aus wie ein Pandabärchen. Ich

habe ihn mit vielen Informationen über mich gefüttert, und

jetzt warte ich immer darauf, dass mir jemand über den Weg

läuft, der auch so ein Ding in der Tasche oder am Schlüsselbund

trägt. Bisher warte ich allerdings vergebens …

66 ProFirma 07/08 2009


Praxiswissen update

Motivationsfördernde Jobgestaltung

Produktivitätsfaktor Personal: Die Leistung von Mitarbeitern spielt die entscheidende

Rolle für den Unternehmenserfolg. Dabei ist einer der wesentlichen Faktoren das Umfeld

des Mitarbeiters. Denn dieses bestimmt dessen Motivation beziehungsweise das

Leistungsverhalten maßgeblich.

Materielles

Umfeld

THEMENÜBERSICHT:

UPDATE PERSONALARBEIT

Mitarbeiter

Persönliches

Umfeld

Psychisches

Umfeld

12/08 Personalarbeit – Anforderungen

und Herausforderungen

01/09 Personalbeschaffung und -auswahl

02/09 Ziele und Zielvereinbarungen

03/09 Rückmeldung geben, Rückmeldung leben

04/09 Binden und Entwickeln von Mitarbeitern

05/09 Fördern und Fordern

06/09 Und wenn es so nicht mehr weiter-

gehen kann

7-8/09 Motivationsfördernde Jobgestaltung

09/09 Arbeitszeit und Leistungsfähigkeit

10/09 Führungskraft sein und Führung leben

11/09 Systematische Entwicklung von

Leistungsträgern in der Praxis

Mit der Serie „Praxiswissen update“ können

Chefs ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse auf

den aktuellen Stand bringen. In kompakter Form,

mit anschaulichen Grafi ken und praxisorientierten

Checklisten bietet die Serie ein Kompendium des

Unternehmerwissens. In der aktuellen Jahresstaffel

geht es um das Personalwesen, von der

Rekrutierung über die Mitarbeiterbindung bis hin

zur Vorbildfunktion der Führungskraft.

Mitarbeiterleistung

Bezogen auf das Unternehmen können

zwei Hauptebenen unterschieden

werden, die maßgeblichen Einfl uss auf

den Mitarbeiter haben. Zum einen das

materielle und zum anderen das psychische

Umfeld. Ein drittes Kriterium,

das jedoch aus Unternehmenssicht eher

eine untergeordnete Rolle einnimmt, ist

das persönliche Umfeld.

Alle drei Ebenen wirken auf den Mitarbeiter

und dessen Arbeits- und Leistungsverhalten

ein. Im persönlichen

Umfeld geht es primär um private Themen

wie Beziehung, Familie, Freunde

oder Hobbys. Beim materiellen Umfeld

stehen Arbeitsplatzbedingungen wie

Sauberkeit, Ordnung oder Ausstattung

im Mittelpunkt, während der Mitarbeiter

im psychischen Umfeld eher vom

Führungsstil des Vorgesetzten, dem

Verhalten im Team oder der Unternehmenskultur

beeinfl usst wird.

Auf der psychischen Ebene gibt es Untersuchungen

von Hackman und Oldham

(1981, 2005) zufolge drei wichtige

Faktoren, die Auswirkungen auf das

Motivationspotenzial von Mitarbeitern

haben. Zu nennen sind die Sinnhaftigkeit

der Arbeit, die Verantwortlichkeit

für Arbeitsergebnisse sowie die Kenntnis

über Ergebnisse der Arbeitsaktivitäten.

Welche Möglichkeiten es in der betrieblichen

Praxis gibt, über die eine Führungskraft

das Leistungsverhalten der

Einen Teil der Serie verpasst?

Die bisher erschienenen Beiträge der Jahresstaffeln

Betriebswirtschaft und Marketing

fi nden Sie als PDF zum Herunterladen unter

www.profi rma.de, Rubrik „Wissen“.

Mitarbeiter positiv beeinfl ussen kann,

zeigt das Modell von Wittkuhn und

Bartscher aus dem Jahr 2001 (siehe Grafi

k Seite 69). Über den gezielten Einsatz

von Feedback, Design oder Ressourcen

können wertvolle nutzensteigernde Leistungsergebnisse

für das Unternehmen

und schließlich auch für den Kunden

(Erhöhung der Kundenzufriedenheit)

erzielt werden.

Wie aus dem Modell ersichtlich, spielt

die Führungskraft eine zentrale, leistungsbeeinfl

ussende Rolle. Auf der

einen Seite kann sie über Handlungsfelder

wie Unterstützung, Ressourcen

oder Design ein besseres Leistungsumfeld

ermöglichen. Auf der andern

Seite kann sie aber durch den Einsatz

von Instrumenten wichtige Impulse

zur Leis-tungssteigerung setzten. In der

Funktion als Impulsgeber ist es Auftrag

der Führungskraft, das Leistungsverhalten

des Mitarbeiters mithilfe von Zielen,

Rückmeldungen oder Konsequenzen

zu steuern. So können unter anderem

regelmäßige Ziel- oder Feedback-Gespräche,

Anerkennung, Lob oder Prämien

zu mehr Motivation beim Mitarbeiter

führen.

Über diese beiden Dimensionen (Ermöglicher

und Impulsgeber) hinaus, ist

auch die Persönlichkeit der Führungs-

68 ProFirma 07/08 2009

ProFirma

Serie


INPUT

ProFirma 07/08 2009

Modell von Wittkuhn/Bartscher

Ermöglicher Impulsgeber

Unternehmen/

Management

Unterstützung

Ressourcen

kraft von Bedeutung. Haltungen, Werte

sowie das persönliche Führungsverständnis

haben Wirkung auf die Mitarbeiter.

So kann ein Vorgesetzter, der

situationsgerecht führt, seine Mitarbeiter

fördert und fordert und ihnen Wertschätzung

und Respekt entgegenbringt,

wesentlich mehr Motivationspotenziale

wecken als eine Führungskraft, die

erbrachte Leistungen nicht anerkennt

oder permanent Angst erzeugt.

Motivationsfördernde

Jobgestaltung

Design

Die impulsgebenden Bereiche wurden

bereits in früheren Beiträgen der Praxiswissen-Serie

ausführlich erörtert. Aus

diesem Grund soll nun in erster Linie

auf die Aufgaben von Führungskräften

als Ermöglicher eingegangen werden.

Auftrag der Führungskraft ist es, dafür

zu sorgen, dass die Arbeitsbereiche der

Mitarbeiter motivationsfördernd gestaltet

werden. Dies kann unter anderem

durch das Zur-Verfügung-Stellen von

Ressourcen, persönlicher Unterstützungstätigkeit

oder über die designtechnische

Arbeitsplatzgestaltung erfolgen.

Ressourcen

Unter Ressourcen kann die Bereitstellung

von allen für die erfolgreiche Ausübung

der Tätigkeit notwendigen Ar-

Konsequenzen

Ziele Feedback

Treiber

Mitarbeiter Mitarbeiter

OUTPUT

Leistung

Kunde

beitsmittel verstanden werden. Es geht

dabei darum, Rahmenbedingungen zu

schaffen, die es dem Mitarbeiter erlauben,

die geforderte Leistung zu erbringen.

Der Zugang zu Arbeitsmitteln wie

Geräten und Werkzeugen sowie das Bereitstellen

von relevanten Informationen

und Unterlagen zählen genauso zu

den Ressourcen wie Maßnahmen, die

die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit

des Mitarbeiters betreffen wie

Essen, Trinken, Luft, Ruhe oder Zeit.

Unterstützung

Die Unterstützung von Mitarbeitern

durch den Vorgesetzten ist eine weitere

wichtige, verhaltensbeeinfl ussende

Größe. Aufgabe der Führungskraft auf

dieser Ebene ist es zum Beispiel, Schulungsbedarf

zu erkennen und abzudecken,

bei Fragen als Ansprechpartner

zur Verfügung zu stehen oder für den

Mitarbeiter den notwendigen Präsentationstermin

bei der Geschäftsleitung

sicherzustellen. Außerdem stellen auch

Maßnahmen wie Mentoring oder Supervison

Unterstützungsleistungen dar.

Ziel des Mentorings ist es, dem Mitarbeiter

Orientierung über interne Abläufe

zu geben oder seine Bindung an

das Unternehmen zu verstärken. Dies

geschieht, indem die Führungskraft als

Ansprechpartner zur Verfügung steht

und ihn in allen innerbetrieblichen Fragestellungen

unterstützt. Supervision

geht noch einen Schritt weiter. Hier

geht es, vor dem jeweiligen organisatorischen

Hintergrund, primär um die berufsbezogene

Beratung des Mitarbeiters

und die Beantwortung der Fragen nach

berufl icher Weiterentwicklung und

Karriereplanung.

Design

Das Design ist ein wichtiges Element,

das im Hinblick auf die Qualität der

Leistung am Arbeitsplatz nicht zu vernachlässigen

ist. Unter Design können

zum Beispiel die generelle Ausstattung

des Arbeitsplatzes oder die architektonische

Ausgestaltung der Arbeitsumgebung

zusammengefasst werden. Darüber

hinaus sind auch Elemente wie die

eindeutige Zuordnung von Aufgaben

und Verantwortlichkeiten, die Abfolge

der jeweiligen Tätigkeiten in einem

Arbeitsprozess oder Vorschriften und

Anweisungen von Bedeutung.

Ein weiteres wesentliches Design-Element

der motivationsförderlichen Jobgestaltung

ist der Bereich der Ergonomie.

Bei der Ergonomie geht es primär

um die optimierende Gestaltung von

einzelnen oder mehreren zusammenhängenden

Arbeitsplätzen.

Bei der ergonomischen Betrachtung von

Arbeitsplätzen steht an erster Stelle der

Schutz der Mitarbeiter vor gesundheitlichen

Beeinträchtigungen und Schäden.

Ist dies gesichert, kann in einem

zweiten Schritt die Erhaltung von Gesundheit

und Wohlbefi nden fokussiert

werden und schließlich auch als dritter,

ergänzender Aspekt die Weiterentwicklung

bestehender Arbeitsbedingungen

erfolgen.

Anthropometrische

Arbeitsplatzgestaltung

Bei der anthropometrischen Arbeitsplatzgestaltung

steht die Anpassung

des Arbeitsplatzes an die durchschnittlichen

menschlichen Körpermaße im

Vordergrund. Die Vermessung des

menschlichen Körpers und der Bewegungsfreiheit

stehen dabei im Mittelpunkt.

Mithilfe der anthropometrischen

Arbeitsplatzgestaltung soll durch eine

Anpassung des Arbeitsplatzes und

69


Praxiswissen update

der Arbeitsmittel, belastungsstarkem

und ermüdendem Verhalten vorgebeugt

werden. So wird insbesondere

auf die Höhe des Arbeitsbereichs oder

des Griffbereichs des Mitarbeiters abgestellt.

Da viele Arbeitnehmer einen Bildschirmarbeitsplatz

haben und dort auch

große Teile ihrer Arbeitszeit verbringen,

kommt es regelmäßig zu gesundheitlichen

Beeinträchtigungen. Denn

auf stundenlanges Sitzen und Arbeiten

am Computer reagiert der menschliche

Körper häufi g mit Kopf- und Rückenschmerzen,

brennenden Augen oder

Konzentrationsschwächen. Deshalb

ist es notwendig, die Arbeitsplatzbedingungen

individuell an die Mitarbeiterbedürfnisse

anzupassen. Dies kann

durch höhenverstellbare Tische oder

Stühle und Fußstützen erfolgen.

Büroorganisation

Beispiel Wichtige Fragestellungen

Ausstattung > Ist die Technik auf einem aktuellen Stand?

> Sind die Arbeitsplätze mit den notwendigen Arbeitsmitteln

bestückt?

> Gibt es Ruhe- und Erholungsräume?

Architektur > Sind die Büros groß und hoch genug?

> In welchem baulichen Zustand sind die Gebäude des

Unternehmens?

> Gibt es Parkmöglichkeiten in der Nähe?

Aufgaben und Verantwortlichkeiten

> Sind Verantwortlichkeiten klar geregelt?

> Sind Aufgaben anforderungsgerecht verteilt?

Prozesse > Sind Prozesse zielführend aufgesetzt und effi zient geplant?

> Gibt es jemanden, der sich um das Thema kontinuierliche

Verbesserungsprozesse und Prozessoptimierung kümmert?

Vorschriften und

Anweisungen

Im Allgemeinen können fünf Dimensionen

der Arbeitsplatzgestaltung unterschieden

werden:

anthropometrische

Gestaltung

> Gibt es klare Vorgaben und Richtlinien, bezogen auf das

Verhalten und die Leistungserstellung im Unternehmen?

> Sind Regeln und Vorschriften schriftlich fi xiert und bekannt

gemacht?

physiologische

Gestaltung

Die physiologische

Arbeitsplatzgestaltung

Auch physiologische Umweltfaktoren

spielen eine wichtige Rolle bei der Leistungserstellung,

da sie in negativer Ausprägung

erhebliche gesundheitliche

Beeinträchtigungen nach sich ziehen

können. Dabei geht es vor allem darum,

die Arbeitsmethoden und -bedingungen

speziell auf die menschliche

Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit

abzustimmen mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit

des Mitarbeiters über das

ganze Arbeitsleben hinweg zu erhalten

und krankheitsbedingte Ausfälle weitestgehend

zu minimieren. Die physiologische

Arbeitsplatzgestaltung befasst

sich dabei in erster Linie mit Komponenten

wie Klima, Schadstoffe oder Beleuchtung

am Arbeitsplatz.

Arbeitsplatzgestaltung

psychologische

Gestaltung

PRAXISTIPP Beleuchtung mit künstlichem

Licht: Der Mensch nimmt seine

Umwelt zu 80 Prozent mit den Augen

wahr. Die Beleuchtung am Arbeitsplatz

ist deshalb von großer Relevanz. Aus

diesen Gründen wurde eine Richtlinie

zur Kernbeleuchtungsstärke in Büro-

und Arbeitsbereichen (DIN 5035) defi -

niert. Überprüfen Sie selbst, inwieweit

Ihre Arbeitsplätze die vorgeschriebenen

Kriterien erfüllen.

> Ausrichtung von Leuchten parallel zu

Fenster und Hauptblickrichtung.

> Leuchten sollten getrennt schaltbar

und fl immerfrei sein.

> Die Beleuchtungsstärke sollte stufenlos

regelbar sein, damit sie an die individuellen

Sehkräfte angepasst werden

kann.

> 500 Lux für Arbeitsplätze in Büroräumen.

> 750 – 1000 Lux für Arbeitsplätze in

Großraumbüros (je nach Refl exion).

Auch die klimatischen Bedingungen

wie Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit,

Wärmestrahlung oder Luftbewegung

spielen für die Leistungsfähigkeit von

Mitarbeitern eine wichtige Rolle. So gilt

zum Beispiel ein Mensch bei einer Temperatur

von 35-40 Grad als arbeits- und

leistungsunfähig.

Psychologische

Arbeitsplatzgestaltung

Aufgabe der psychologischen Arbeitsplatzgestaltung

ist es, für die Mitarbeiter

eine angenehme Umwelt zu schaffen.

Dies kann unter anderem durch Farbgebung,

Pfl anzen oder Musik erfolgen.

Gerade bei einfachen, monotonen Tätigkeiten

kann beispielsweise ein kleines

Radio wahre Wunder wirken. Auch hat

die farbliche Gestaltung von Arbeits-

oder Erholungsräumen Studien zufolge

informationstechnische

Gestaltung

Arbeits- und

Gesundheitsschutz

70

ProFirma 07/08 2009


Einfl uss auf die psychische Stimmung

von Mitarbeitern. So wirken bestimmte

Farbtöne wesentlich beruhigender,

während andere anregend wirken.

PRAXISTIPP: Für Büroräume einer kaufmännischen

Abteilung empfi ehlt sich

eine eher beruhigende Farbgebung mit

Grün- oder Blautönen. Bei Kreativabteilungen,

wie dem Marketing oder der

Forschungs- und Entwicklungsabteilung,

bieten sich vielmehr anregende

und inspirierende Farben wie Orange

oder Gelb an.

Informationstechnische

Arbeitsplatzgestaltung

Der Informationsfl uss im Unternehmen

und die informationstechnische Gestaltung

sind ein weiterer wichtiger Faktor

bei der leistungsoptimierten Ausgestaltung

von Arbeitsplätzen. Zu berücksichtigen

sind in diesem Bereich neben

optischen Informationsträgern (z.B. Beschaffenheit

oder Ablesbarkeit von Anzeigeinstrumente)

auch die Gestaltung

von Stellteilen (Griffen) beispielsweise

über Anordnung, Bewegungsrichtung

oder Stellwiderstand. Ferner gehört

auch die Nutzung von Software in diese

Kategorie der Arbeitsplatzgestaltung.

Arbeits- und Gesundheitsschutz

Abschließend sei noch kurz der Bereich

Arbeits- und Gesundheitsschutz erwähnt.

Bei der Arbeitsplatzgestaltung

berücksichtigt werden hier nicht nur

allgemeine Gefahren, denen Mitarbei-

ProFirma 07/08 2009

Farbwirkung

ter während ihrer Arbeit an Maschinen

und Anlagen ausgesetzt sind. Auch

Wegeunfälle oder Berufskrankheiten

sind wichtige Themen.

Mittlerweile wird in immer mehr Betrieben

aktives Gesundheitsmanagement

betrieben. Das betriebliche Gesundheitsmanagement

(BGM) ist Managementaufgabe

und beinhaltet neben dem

bereits erwähnten Arbeitsschutz auch

Felder wie Suchtprävention, Sozialberatung

und Gesundheitsförderung. Wichtig

ist, dass in Unternehmen nicht nur

Einzelmaßnahmen angeboten werden,

sondern ein ganzheitliches betriebliches

Gesundheitssystem installiert wird.

Beispiele:

> Suchtprävention: Alkoholprogramme,

Anti-Rauchprogramme

> Sozialberatung: Betriebsfürsorge,

Frauenbeauftragte

> Gesundheitsförderung: Betriebssport,

Kantine, kostenlose Gesundheits-

Checks, Grippeimpfungen

Work-Life-Balance

Die Führungskraft hat nicht nur direkten

Einfl uss auf das physische und

psychische Arbeitsumfeld des Mitarbeiters.

Auch auf der persönlichen Ebene

kann der Unternehmer leistungsfördernd

wirken. Die Möglichkeiten, die

sich in diesem Bereich eröffnen, werden

aktuell unter dem Stichwort Work-

Life-Balance diskutiert. Darunter wird

das ausgeglichene Verhältnis zwischen

Berufs- und Privatleben verstanden. So

ist für den Mitarbeiter der ausgewogene

Farbe Temperaturwirkung Psychische Stimmung

Blau kalt beruhigend

Grün kalt bis neutral sehr beruhigend

Rot warm sehr aufreizend und beunruhigend

Orange sehr warm anregend

Gelb sehr warm anregend

Braun neutral anregend

Violett kalt aggressiv, beunruhigend, entmutigend

LITERATURTIPPS

KLEINES HANDBUCH DER PRAK-

TISCHEN ARBEITSGESTALTUNG

Grundsätzliches. Gestaltungshinweise.

Gesetze, Vorschriften und Regelwerke.

Weiterführende Literatur.

Autoren: Steffen Kubitscheck;

Johannes H. Kirchner;

Carl Hanser Verlag, 2005;

227 Seiten, 19,90 Euro;

ISBN 978-3-446-40034-4

GESUNDHEIT & ARBEITSSCHUTZ

Vorschriften einhalten, Maßnahmen

durchführen.

Autoren: Joachim Gutmann,

Martina Kollig;

Rudolf Haufe Verlag, 2005;

124 Seiten, 9,90 Euro;

ISBN 978-3-448-06339-4

Mix von Arbeitszeit und persönlicher

Freizeit genauso wichtig wie die Aspekte

Gesundheit, Wohlbefi nden und

das Streben nach Erfüllung der eigenen

Wünsche und Pläne.

Beispiele: Betriebliche Unterstützung

der Work-Life-Balance

> Altersteilzeit

> Betriebssportgruppen

> Betreuungsservice für Kinder

> Betriebsfeiern (mit der Möglichkeit,

Partner/Kinder mitzunehmen)

> Gutscheine für Fitnesscenter

> Workshops zum Thema Konfl iktmanagement

oder Stressbewältigung

> Pausen- und Erholungsräume

> Möglichkeiten eines Sabbaticals

> Unterstützung von Elternzeit für

Väter

> Flexible Arbeitszeitmodelle

> Kostenlose Konzertkarten

Die Autoren:

Prof. Dr. Thomas Bartscher und

Dipl.-Psych. Eva Natalia Resch

sind Mitglieder der Forschergruppe

Shared Knowledge. Professor Bartscher

ist Referent bei der Haufe Akadamie.

71


Rückschau & Termine

Service Engineering

Neuer „Werkzeugkasten“ für den Mittelstand

„Dienstleistungen systematisch entwickeln – Ein Methoden-

Leitfaden für den Mittelstand“ heißt eine Publikation, die das

Itb – Institut für Technik der Betriebsführung in Karlsruhe

herausgegeben hat. Sie fasst die Ergebnisse des Projekts „Service

Engineering – Innovationstreiber in KMU“

zusammen, das vom Bundesministerium für

Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und

vom Itb umgesetzt wurde. Ausgehend von konkreten

und mittelstandstypischen Problemstellungen

aus der betrieblichen Praxis präsentiert

der zusätzlich mit einer CD-ROM ausgestattete

Ratgeber verschiedene Lösungswege für die

sys tematische Dienstleistungsgestaltung.

Die Methoden und Instrumente werden als

theoretischer „Werkzeugkasten“ in Funktion

und Wirkungsweise detailliert vorgestellt. Darüber

hinaus werden erfolgreiche praktische

Lösungsansätze gezeigt. Sie sind das Ergebnis

der Erfahrungen mittelständischer Betriebe. Ein weiteres Kapitel

mit zusätzlichen Instrumenten konzentriert sich auf die

Erfolgskontrolle.

„Wir begnügen uns nicht mit der Theorie“, charakterisiert

Institutsleiterin Professor Birgit Ester das besondere Anliegen

des Methoden-Leitfadens. „Wir zeigen vor allem, wie die

TERMINE

17. – 27. September 2009

IAA, Frankfurt

www.iaa.de

9. Juli 2009

L-Bank-Wirtschaftsforum, Friedrichshafen

www.l-bank.de

Instrumente im konkreten betrieblichen Alltag greifen. Der

größte Vorteil unserer Publikation aber besteht darin, dass wir

uns auf die Methoden konzentriert haben, die ihren Bewährungstest

im Betrieb erfolgreich bestanden haben.“ Der unmittelbare

betriebliche Nutzen liegt ihrer Ansicht

nach darin, dass die Unternehmerinnen

und Unternehmer durch Verwendung dieses

„Werkzeugkastens“ beim Aufbau von Dienstleistungen

ihre Entwicklungskosten senken

und Entwicklungszeiten verkürzen können.

Auch die Berater in den Kammerorganisationen

werden den Methoden-Leitfaden für ihre Arbeit

nutzen und so künftig einfacher als bisher viele

in der betrieblichen Praxis erprobte Geschäftsmodelle

im Rahmen ihrer Unternehmensberatungen

zur Entwicklung und Gestaltung von

Dienstleistungen einsetzen können.

Die Broschüre (ISBN 978-3-926509-29-1) kann

zum Preis von 19,80 Euro beim Itb, Karl-Friedrich-Straße 17,

76133 Karlsruhe, bestellt werden. Solange der Vorrat reicht,

kann der Methoden-Leitfaden gegen Einsendung eines adressierten

und mit 1,45 Euro frankierten C4-Briefumschlags kostenlos

beim itb bezogen werden.

INFO: www.itb.de und www.service-engineering-kmu.de

Gründertreffen

„Start“ kommt

nach Nürnberg

Die nächste Ausgabe der Start als bundesweite

Leitmesse für Existenzgründung, Franchising

und junge Unternehmen fi ndet am 3.

und 4. Juli 2009 in Nürnberg statt. Besucher

erhalten dort wieder umfassende Informationen

rund um den Weg in die berufl iche

Selbstständigkeit. Das vielfältige Vortragsund

Rahmenprogramm beschäftigt sich

unter anderem mit den Themen Finanzierung,

Fördermittel und Beteiligungskapital,

innovative Ideen und technologieorientierte

Kommunikation

-

Gründungen, Franchising und Unterneh-

marks

mensnachfolge sowie Unternehmenssicherung

und Wachstumsstrategien.

agentur

INFO: www.start-messe.de Foto:

72 ProFirma 07/08 2009


Vorschau 09.2009

Titelthema: Unternehmer vor der Wahl

Schenkt man den Versprechungen der Parteien Glauben, so wird nach der Bundestagswahl

am 27. September generell alles besser. Doch auf Pauschalaussagen

wie „Wir senken die Belastung des Mittelstands“ können Firmenchefs wenig

geben. In unserer Titelgeschichte analysieren wir die Wahlprogramme der einzelnen

Parteien auf ihre Relevanz für unternehmerische Belange – mit dem Vorbehalt,

dass auch Papier, auf dem Wahlprogramme gedruckt werden, geduldig ist.

IMPRESSUM

Redaktion:

Dieter Römer (Chefredakteur)

E-Mail: Dieter.Roemer@ProFirma.de

Martin Hug (Redakteur)

E-Mail: martin.hug@profi rma.de

Paul Lauer (Redakteur)

E-Mail: Paul.Lauer@ProFirma.de

Hans-Walter Neunzig (Redakteur)

E-Mail: Hans-Walter.Neunzig@ProFirma.de

Gabi Reuys (Assistentin)

E-Mail: Gabi.Reuys@ProFirma.de

Telefon 07 61/36 83 575, Fax 07 61/36 83 105

Hausadresse der Redaktion:

Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co. KG

Hindenburgstr. 64, 79102 Freiburg

Autoren dieser Ausgabe:

M. Bahnerth, Th. Bartscher, W. Bayer, M. Beck,

D. Brechtel, A. Brown, T. Cole, U. Felger, S.

Hölper, M. Hofmann, St. Kaufmann, G. Küsel, W.

Peters, E. Resch, A. M. Schüller, I. Steinhaus, L.

Volkelt, O. Weiss,

Grafi k: Hanjo Tews

ProFirma 07/08 2009

Anzeigen-Verkauf:

Bernd Junker (Anzeigenleitung)

Telefon 09 31/27 91 556

Oliver Cekys (Senior Key Account Manager)

Telefon 09 31/27 91 731

Thomas Horejsi (Senior Key Account Manager)

Telefon 09 31/27 91 451

Michaela Dotzler (Disposition)

Tel. 09 31/27 91 559, Fax 09 31/27 91 477

E-Mail: Anzeigen@ProFirma.de

Verbreitete Aufl age,

1. Quartal 2009: 80.320

Verkaufte Aufl age: 68.265

IVW-geprüft. ISSN 1435-6082

Abonnentenservice:

Haufe Service Center GmbH, Postfach,

79091 Freiburg

Telefon 01 80/50 50 169*, Fax 01 80/50 50 441*

E-Mail: Zeitschriften@Haufe.de

*0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz, abweichende Mobilfunkpreise.

Ein Service von dtms.

Die Ausgabe 09/2009 erscheint am 26. August 2009

Weitere Themen:

INTERVIEW

Wie wirtschaften wir?

Professor Joachim Starbatty, Vorsitzender

der Aktionsgemeinschaft soziale Marktwirtschaft,

über die Fehler, die während

der Wirtschaftskrise gemacht werden.

FINANZIERUNG

Geldgeber gesucht

Eigenkapital ist das beste Mittel gegen Liquiditätsprobleme.

Obwohl das Geld nicht

mehr locker sitzt, sind Investoren leichter

zu fi nden als viele Unternehmer denken.

KOMMUNIKATION

Alle auf dem Schirm

Warum weit reisen, wenn ich meine

Außenbüros auch per Videokonferenz

erreiche? Die neuen Telepräsenz-Systeme

sind ausgereift und leistungsstark.

Verlag: Haufe Fachmedia GmbH & Co. KG

Geschäftsführer: Reiner Straub

Im Kreuz 9, 97076 Würzburg

Tel. 09 31/27 91 400, Fax 09 31/27 91 444

www.Haufe-Fachmedia.de

Druck: Druckerei Echter, Würzburg

Vertrieb im Handel:

SPECIAL INTEREST

Zeitschriften Distribution & Marketing GmbH

Nordendstraße 2; 64546 Mörfelden-Walldorf

Beilagenhinweis:

Diese Ausgabe enthält eine Beilage des Unternehmens

1 & 1 Internet AG, Montabaur.

Wir bitten um Beachtung!

Der jährliche Bezugspreis beträgt für ProFirma im Inland: 64 Euro inkl. MwSt. und Versand, im Ausland 79 Euro inkl. Versand. Das Kombi-Jahresabo ProFirma

Professional kostet im Inland 177,60 Euro inkl. MwSt. und Versand, im Ausland 192,60 Euro inkl. Versand. Bezieher der Produkte aus der „Lexware professional

line“ (9018, 9182, 9183, 9170, 9171, 9172, 9173, 9174, 8804, 9094) erhalten ProFirma im Rahmen ihres Abonnements. Für Mitglieder des Bundes der Selbständigen

(BDS) ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag enthalten.

73


Schluss mit lustig

Er spürte ihn kommen. Tagelang. Die Welt um ihn herum

war ein Chaos. Die Japaner hatten die Bestellung für die zehn

Biopommes-Automaten storniert, seine Frau Clara hatte ihm

eine Szene gemacht und ging unverzüglich seine Tochter besuchen,

weil er sich an diesem Abend betrunken hatte. Seine

Tochter bezeichnete ihn als Arsch, und auf dem Golfplatz hatte

er die schlechteste Runde seit Jahrzehnten gespielt. Da war

dieser Schmerz im Unterkiefer, er dachte an Zahnschmerz, an

Wurzelbehandlung, er schluckte Diclofenac 100 und gewann

abends nach ein paar Whisky, zwei Zigarren und ein paar

Dexter Gordon-Liedern ein paar

Schlachten gegen den Schmerz,

nicht aber den Krieg.

Natürlich ging er zum Zahnarzt,

aber die Zähne waren in Ordnung.

Der Schmerz blieb. In der

Firma brachte ihm seine Assistentin

in Tücher gewickelte Eiswürfel,

damit er seinen linken Unterkiefer

kühlen konnte. Er ging

an kein Telefon und wollte niemanden

sehen, und als die Bank

anrief, verließ er sein Büro und

meldete sich krankheitshalber

ab. Zu Hause im Bett, benommen

von zwei Diclos und ein bisschen

Whisky zum Runterspülen, im

Fernsehen spielte gerade Ronnie

O‘Sullivan gegen John Higgins Snooker, dachte er, dass der

Schmerz, wenn überhaupt, etwas, na ja, Positives hätte: Dass

er zwar im Grunde pleite war, aber entweder der Schmerz zu

groß oder seine Behandlungsmethoden zu effektiv waren, als

dass es ihn wirklich kümmerte. Das Wort konkursit kam ihm

in den Sinn, und er musste lächeln. Welch ein schönes Wort,

konkursit. „Wie geht es ihnen?“ „Oh, hervorragend konkursit.“

Das ist gut, Henning, sagte er sich. Henning Hirschmüller-Oberst,

the konkursit man. Verdammt, das klang nach

was, fand er. Obwohl konkursit nicht englisch war, aber egal.

Zur Belohnung goss er sich noch einen Whisky ein.

Seine Therapeutin kam ihm in den Sinn, diese Zicke, zu der er

ging, hingehen musste, weil er seiner Frau versprochen hatte,

H 2O

... bricht zusammen

von Michael Bahnerth

Für den Biopommes-Unternehmer Henning Hirschmüller-Oberst, von seinen

Mitarbeitern H2O genannt, waren die letzten Wochen einfach zu viel.

etwas gegen sein Trinken zu tun. Neuerdings musste er bei jedem

Glas an seine Therapeutin denken. Lästig sowas. Er nahm

an, das gehörte zur Therapie. „Ich heiße Henning und bin konkursit“,

kicherte er. Genau. „Ich bin H2O, kann kein Golf und

bin Konkursholiker.“ Ha. Ha. Ha.

Er versuchte aufzustehen, weil er pinkeln musste, aber es ging

nicht. Er bekam plötzlich keine Luft mehr, er fühlte sich, als

ob eine Tür auf ihm läge und ein Mann obendrauf. Oh, dachte

er noch bei sich, das ist nicht gut. Er fi ng an zu schwitzen, den

linken Arm konnte er nicht mehr bewegen. Bewegen ging irgendwie

überhaupt gar nicht

mehr, atmen auch nicht mehr

richtig. Das war’s, Henning, kam

ihm in den Sinn, so geht das also

zu Ende. Mit einer 5:4-Führung

für Ronnie O‘Sullivan, das bekam

er mit, seltsamerweise ganz

klar. Wo ist ein Telefon, fragte

er sich. Genau, die 110, das war

doch die 110?

Im selben Moment, als er so

dalag und dachte, dass er jetzt

sterben würde, kam die Putzfrau.

Sie hatte einen Schlüssel. Er

hörte sie und rief um Hilfe, aber

er schaffte es nicht, Lautstärke

in seine Stimme zu geben. Hilfe.

Mit letzter Kraft schmiss er das

Whiskyglas gegen den Anziehspiegel seiner Frau, und er fand

noch, dass der Spiegel ganz leise zerbrach. Danach gingen seine

Lichter aus.

Als er wieder zu sich kam, lag er auf der Intensivstation, zumindest

nahm er das an. Er war und gleichzeitg war er doch

nicht. Schläuche, das Piepsen von aufgezeichneten Herzschlaggeräuschen,

ein Licht, das war wie kein Licht. „Herr

Hirschmüller. Können Sie mich hören?“ Er nickte. „Ich bin Dr.

Meier. Sie hatten einen Herzinfarkt.“

DIE NÄCHSTE FOLGE: Die Familie steht sorgen- und doch

vorwurfsvoll am Krankenbett.

74 ProFirma 07/08 2009

Folge 16

Illustration: Reinhold Harwath


Die Online-Messe für ERP-Software.

,

Veranstaltungsort:

Golfplatz

Veranstaltungszeit:

Montag, 16:12 Uhr

Messe to Go

erp-expo.de

Fachwissen, Anbieterübersicht, Produktinfos und alles, was Sie schon immer

über ERP-Software wissen wollten. Schnell, aktuell und kostenlos!

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine