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NitroSessions - Filmarchiv Austria

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NiTroSESSioNS

NitroSessions

Filme aus den ersten Jahren des Mediums spielen besonders eindrucksvoll mit der sinnlichen Kraft

des Visuellen. Zu finden sind hier kurze, prägnante Manifeste einer neuen Sehkultur, die das Kino

vor über 100 Jahren etablierte. Elementare Themen wurden angesprochen, Tempo, Farbe, Feuer

und Eros forderten alle Sinne der Zuschauer. Heute bilden diese oft nur fragmentarisch erhaltenen

Produktionen das Fundament einer audiovisuellen Kultur, praktisch alle Formen der aktuellen Film-

sprache finden ihre Wurzeln im frühen Kino.


evisited: Pioniere der Filmgeschichte

Ernst KiEningEr, Karl WratschKo

Anlässlich der bevorstehenden Eröffnung des

neuen Nitrofilmdepots in Laxenburg werden in der

6-teiligen Filmschau »NitroSessions« Pionierpro-

duktionen der Filmgeschichte aus den Kammern

des Zentralfilmarchiv Laxenburg geholt und mit

zeitgenössischer Musikvertonung zur Wiederauf-

führung gebracht. Pure Laufbilder erleuchten

dabei in neuen, überraschenden und unerwarteten

Zusammenhängen. Sämtliche Filme der Programm-

reihe stammen aus der hauseigenen Sammlung,

die durch die aktive Sammeltätigkeit und repatriie-

rung seitens der Mitarbeiter des Zentralfilmarchiv

Laxenburg stetig erweitert wird. in der Konservie-

rung und restaurierung der besonders gefährdeten

Nitrofilme hat das Filmarchiv Austria in den letzten

Jahren eine hohe Spezialisierung entwickelt, die

auch international ausstrahlt. »NitroSessions«

wird die Früchte dieser permanenten Arbeit und

Auseinandersetzung mit dem frühen Film, sei es in

inhaltlicher bzw. materieller Hinsicht, in gebündel-

ter Form präsentieren und ermöglicht es interes-

sierten – ganz nach dem Motto »to preserve and to

show« –, einen Blick auf die Ergebnisse der Archiv-

und restaurierungstätigkeit zu werfen.

in den sechs Programmen von »NitroSessions«

zeigt Kino sich als sinnliches Gesamtkunstwerk.

Jedes Programm setzt sich aus einer reihe von

Kurzfilmen aus den ersten zwei Jahrzehnten der

Kinematografie zusammen, welche ihr Gemein-

sames in der Hinwendung zu einem der elemen-

taren Themen des frühen Kinos finden.

NiTroSESSioNS

Zum Programm: die Filme

Animation: Von Anbeginn wurden Filme auch in

Trick- und Animationstechnik hergestellt. Gezeich-

nete Filme der Frühzeit beeindrucken noch heute

mit Witz und Charme. – Farbe: der allergrößte

Anteil der frühen Filme aus der Nitrofilmsammlung

des Filmarchivs zeichnet sich durch überbordende

Farbenpracht aus. Kader für Kader wurden Filme

koloriert und viragiert. Diese damals übliche

handwerkliche Bearbeitung des Zelluloids verleiht

den Filmen bis heute eine eigentümliche, manch-

mal fast surrealistische Anmutung. – Eros: das

frühe Kino zelebrierte die Körperlichkeit, erotische

Darstellungen zählten zum Standardrepertoire der

Produktionsfirmen. Der österreichische Herstel-

ler Saturn Film belieferte mit seinen »pikanten

Filmen« zwischen 1905 und 1910 halb Europa. Das

Programm verhandelt auch Themen wie Blickbezie-

hungen und Voyeurismus im frühen Kino. – Zer­

setzung: ein wesentliches Merkmal des Nitrofilms

ist seine Tendenz zur Selbstzersetzung. Alle Film -

archive kämpfen daher bei ihrem Bemühen um

Sicherung des audiovisuellen Erbes gegen die Zeit.

in vielen Fällen ist aber eine »rettung« des Materi-

als nicht mehr möglich. im Prozess der Zersetzung

wird die sich auflösende fotografische information

in ein zusehends abstraktes Abbild von eigenem

ästhetischen reiz transformiert. – Tempo: das frühe

Kino war ein begeisterter Chronograf der um 1900

aktuellen Verkehrsmittel (Eisenbahn, Flugzeuge/

Ein Drama in DEn WolKEn | F 1904

traDition ist DiE WEitErgaBE DEs FEUErs | A 1999

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Zeppeline, Autos etc.). Das Programm zeigt viele

Facetten der beschleunigten Bilder- und Wahrneh-

mungswelt, die das Kino vor über 100 Jahren schuf.

– Feuer: Feuerszenen sind klassische Sujets des

frühen Kinos. Feuer ist aber auch das Synonym für

die besondere Fragilität der Nitrofilme (das Material

ist leicht brennbar), im Lauf der Geschichte wurden

die Nitrobestände weltweit durch Brände stark de-

zimiert. Das Programm thematisiert die immanente

Bedeutung dieses Urelements für die Filmkunst.

Zum Programm: die musiker

Alle Programme werden von experimentellen Mu-

sikern neu vertont. Das frühe Kino mit seinem un-

ermesslichen Einfallsreichtum ruft geradezu nach

einem neuen, spielerisch musikalischen Umgang.

Aus diesem Grund wurden für »NitroSessions«

fast ausschließlich Musiker engagiert, die sich zum

ersten Mal der Vertonung von Stummfilmen anneh-

NiTroSESSioNS

men. Das Filmarchiv Austria ist der Meinung, dass

das Zusammenwirken von unvoreingenommenen

Tonkünstlern mit dem oft naiven Charakter des

frühen Kinos zu wunderbaren Symbiosen zwischen

Bild und Ton führen wird. Besonders stolz sind wir,

folgende Musiker für die reihe gewonnen zu haben:

Marco Eneidi, Stefan Kmet, Bernd Klug, Fabian

Pollack, Bernhard Schöberl, Thomas Stiermaier,

Alexandr Vatagin.

Ernst Kieninger, Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft,

Philosophie, Politikwissenschaft und Theaterwissenschaft

an der Universität Wien, zahlreiche Ausstellungsprojekte zur Film-

und Mediengeschichte, seit 1994 wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit

1996 geschäftsführender Direktor des Filmarchiv Austria.

Karl Wratschko, Studium der Theater-, Film und Medienwissenschaft

sowie der Betriebswirtschaftslehre in Wien und Paris. Seit 2006 Mitarbeiter

des Filmarchiv Austria/Zentralfilmarchiv, mit Spezialisierung

auf österreichischem Dokumentar- und Amateurfilm. Mitarbeit im EU-

Projekt »European Film Gateway« sowie bei diversen DVD-Projekten.

Kurator der reihe »CinemaSessions«.

la PoUlE aUX oEUFs D’or/Das hUhn mit DEm golDEnEn Ei

| F 1905


aimund Fritz (Hg.)

oskar Werner N. Y. 1965

Bildkalender 2011

im Sommer 1965 kam es zu einer denkwürdigen Foto-Session

in New York. Der Star-Fotograf Sam Shaw porträtierte den

österreichischen Schauspieler oskar Werner für das LiFE-

Magazin. Dieses Shooting stand im Zusammenhang mit den

Vorberichten zur Premiere von SHiP oF FooLS in den USA.

Das Ergebnis waren 42 hochkarätige Fotos, der Großteil dieser

Aufnahmen wurde nie veröffentlicht. Mit der Erschließung

dieses einmaligen Bestandes wird diese Lücke nun geschlossen.

raimund Fritz (Hg.)

oskar Werner n. Y. 1965

Bildkalender 2011

12 Fotos, ca. 35 x 60 cm

Spiralbindung

iSBN-13 978-3-902531-96-4

EUr 19,90

Erscheint September 2010


10

Eröffnung

Nitrofilmdepot Laxenburg

28. September 2010

NiTroFiLMDEPoT LAxENBUrG


NiTroFiLMDEPoT LAxENBUrG

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Mit der Fertigstellung des neuen Nitrofilm-Depots

hat das Filmarchiv Austria am Standort Laxenburg

ein zukunftsweisendes Konservierungs- und restau-

rierungszentrum für das audiovisuelle Kulturerbe

Österreichs geschaffen. Zusammen mit dem 2004

eröffneten zentralen Sicherheitsfilmdepot und dem

Aufbau der digitalen Filmrestaurierung ist es in den

letzten Jahren gelungen, vor den Toren Wiens eine

höchsten technischen und ästhetischen Standards

genügende filmarchivarische infrastruktur zu reali-

sieren, die nun selbst vorbildhaft auf internationale

Archivprojekte wirkt.

Das Nitrofilmdepot öffnet der Kunstarchivierung

neue Perspektiven. Schon längst verschüttete

Traditionen der Filmaufbewahrung verbinden sich

mit den modernsten Erkenntnissen ökologisch

nachhaltiger Baukultur. Basis für die Planung war

der weitreichende Einsatz erneuerbarer Baustoffe

und Energiesysteme. Als erstes Filmarchivgebäude

der Welt wurde das Nitrofilm-Depot in Laxenburg

in Massivholzbauweise errichtet – die inspiration

dazu lieferten japanische Holzboxen, in denen die

ältesten Nitrofilme Japans trotz schwierigster kli-

matischer Bedingungen überlebt haben. Kombiniert

wurde die außergewöhnliche Gebäudehülle mit

einem zukunftsweisenden Energiekonzept – der ge-

samte Energiebedarf des Depots wird mit Sonnen-

strom abgedeckt, womit in Laxenburg ein veritables

Solarfilmarchiv entstanden ist.

NiTroFiLMDEPoT LAxENBUrG

Kompromisslos wurde aus der Funktion heraus

der Außenauftritt des Gebäudes konzipiert: Ein

Filmdepot als kraftvoller, ja fast kontemplativer ort,

der in klarer und purer Form die kulturelle Dimen-

sion der Arbeit des Filmarchiv Austria vermittelt.

Beziehungsreich in die Naturkulisse eingebettet,

leuchtet das Nitrofilmdepot wie eine Kunsthalle des

Films in der Landschaft – den Eingang zu diesem

Lichtspielarchiv bildet ein rotes Kinoportal, eine in

Architektur gegossene Einladung, die historischen

Bilderwelten immer wieder aufs Neue zu entdecken.

Das neubauprojekt

Ausgangspunkt des Projektes »Nitrofilmdepot

neu« war die Analyse zahlreicher internationaler

Filmarchivgebäude. in Japan fand sich dazu ein

interessantes Detail, das zu einem Grundmotiv für

die weitere Planung werden sollte: in einer Filmbox

aus Holz hat sich dort in schwierigen klimatischen

Verhältnissen eines der seltenen Filmmaterialien

der Pionierjahre über 100 Jahre in bestem Zustand

erhalten. Es handelte sich dabei um das original-

Negativ eines Films über das Begräbnis eines japa-

nischen Herrschers aus 1910. Der Zusammenhang

mit der Lagerung in einer Holzkiste schien evident.

Diese hat offensichtlich feuchtigkeits- und tempera-

turpuffernd gewirkt. Zudem dürfte die hölzerne Box

Schadstoffe, die bei der Nitrofilmalterung anfallen,

absorbiert haben. offensichtlich fungiert Holz als

ideale Speicherhülle für Filme! Damit war eine ini-

tialzündung gesetzt: Holz sollte als dominierender

Baustoff für ein ganzes Filmarchiv in Betracht

gezogen werden. Ein Baustoff, der aus den in unmit-

telbarer Nähe liegenden niederösterreichischen und

steirischen Wäldern gewonnen werden kann und

der sich in enger stofflicher Verwandtschaft mit den

historischen Laufbildern befindet: denn Nitrofilm

basiert selbst auf Zellulose, dem Hauptbestandteil

von Holz.

Während die Leitidee in wenigen Sekunden skizziert

war, erforderte die Wirklichkeitserprobung einige

Jahre der Analyse, Expertise und vor allem aufwen-

dige Simulationen: denn ein Filmarchiv aus Holz gab

es noch nirgends. Ein umfassendes Forschungspro-

jekt, das Themen wie Bauphysik, Wärmetechnik und

Brandschutz wissenschaftlich bearbeitete, bestä-

tigte schließlich die kleine Archivsensation aus Ja-

pan – ein Holzfilmarchiv macht auch technisch Sinn

und übertrifft die konventionellen Bautechnologien

in vielen Parametern. So weist ein massiver Holzbau

bessere Dämm- und Brandschutzwerte als eine

vergleichbare Stahlbeton-Konstruktion auf. Durch

die lange und sorgfältige Trocknung des Holzes

lässt sich überdies das Problem der Baufeuchte

vollständig eliminieren. Damit war die Entscheidung

gefallen, das neue Nitrofilmdepot in Laxenburg als

erstes Vollholz-Filmarchiv der Welt zu errichten.


architektur

Der Anspruch für die architektonische Umset-

zung des neuen Nitrofilmdepots war durchaus

ambitioniert: Ein aufs Wesentliche reduzierter,

hochkonzentrierter Aufbewahrungsort sollte

entstehen, ein Gebäude, das eher die Anmutung

einer Kunsthalle denn eines Lagers ausstrahlt, das

den Spirit der japanischen Holzbox in den großen

Maßstab übersetzt und das ehrgeizige ökologische

und technische Konzept integriert. Ein Gebäude,

das seine Funktion selbstverständlich und gelassen

kommuniziert und in einen spannungsvollen Dialog

mit der umgebenden Naturkulisse tritt. Ein Lauf-

bildarchiv als Zukunftsspeicher, ein Kunstdepot, das

mit großzügiger Geste zu immer neuen Formen des

kulturellen Gebrauchs seiner Archivalien einlädt.

Aus einem kleinen Architektenwettbewerb wurde

der Entwurf von Ernst Michael Jordan ausgewählt.

Die Planung integriert die technische Komponente

der südseitig ausgerichteten Solar-Elemente in

eine schlüssige architektonische Gesamtlösung.

Die Dachkonstruktion ist als »schräger Deckel«

aus Streckmetall über der Vollholz-Gebäudehülle

situiert und vermittelt die Assoziation eines geöff-

neten Filmtransportbehälters. Das luftig über dem

Baukörper schwebende Dachmodul beschattet den

hölzernen Archivkern und trägt andererseits die

optimal platzierte Photovoltaikanlage zur Stromer-

NiTroFiLMDEPoT LAxENBUrG

zeugung. Nordseitig gibt das hier angehobene Dach

den Eingang – ein rot leuchtendes Kinoportal – frei.

Damit ist das festliche Entree zu den reliquien der

Filmarchivierung in Österreich markiert. Unmittel-

bar neben dem Gebäude wurde ein Biotop angelegt,

das die Funktion des von der Feuerwehr geforderten

Löschteichs erfüllt. Der solar betriebene kleine

Bachlauf symbolisiert hier die Programmatik des

Gesamtprojektes: Die Filmhalle als purer und zeit-

loser Kunstspeicher, der – autark im Betrieb – tief in

lokalen Energie- und Stoffkreisläufen wurzelt.

Mit dem Neubau des Nitrofilmdepots in Laxenburg

verschmelzen Geschichte und Vision geradezu

paradigmatisch an einem ort. Das auf Nitrofilm

aufgespeicherte filmische Erbe, der älteste und

besonders wertvolle Kernbestand des Filmarchivs,

kann hier – in einem der innovativsten Filmdepots

der Gegenwart – weit in die Zukunft tradiert werden.

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NiTroFiLMDEPoT LAxENBUrG


NiTroFiLMDEPoT LAxENBUrG

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NiTroFiLMDEPoT LAxENBUrG


Nitrofilmdepot Laxenburg

Projektdaten

Bauherr: Filmarchiv Austria, Wien/Laxenburg

Projektleitung: Mag. Ernst Kieninger

Planung: Atelier Jordan, St. Valentin: ing. Ernst Michael Jordan, Thomas Wimmer MAS

BauPhysik: TU Graz, institut für Hochbau und Bauphysik: Univ.-Prof. Dr. Dr. Peter Kautsch;

geBäudesimulationen: TU Graz, institut für Wärmetechnik: Univ.-Prof. Di Dr. Wolfgang Streicher, Di Dr. Hermann Schranzhofer

haustechnikPlanung: GMi Architekten, Liechtenstein/Wien: Di Michael Berger, Di Elisabeth Brandstetter

BaumeisterarBeiten: Fa. Lauggas, Himberg/Eisenstadt

holzBau: Fa. Thoma Holz, Goldegg/Salzburg

holzBau, montage: Ybbstaler Holzbau, Waidhofen/Ybbs

metallBau: Fa. Grossenberger, Amstetten

glasarBeiten: Fa. Gusenbauer, Tragwein

kühl- und klimatechnik: Fa. Menerga, Mühlheim/ruhr, Salzburg

heiztechnik: Fa. Stadler Energiesysteme, Steyr

elektrotechnik: Fa. Hobiger, Elektro- und Solartechnik

Photovoltaik: Fa. Pan Ökoteam, Harmannstein

regaltechnik: Forster Metallbau, St. Peter in der Au

gartengestaltung/BiotoP: ing. Thomas Schreieck

grafik/design: Perndl&Co., Wien; Grafikdesign Chalupnik, Linz

Bauweise: Holz massiv

nutzfläche: ca. 250 m2

errichtungskosten: 0,75 Mio. Euro

lagerkaPazität: 70 000 Filmdosen

BauBeginn/fertigstellung: oktober 2007/August 2010

hauPtförderer: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur,

NiTroFiLMDEPoT LAxENBUrG

Niederösterreichische Landesregierung/Kulturabteilung

finanzierungsPartner: FFG-Forschungsförderungsgesellschaft/Bundesministerium für Verkehr, innovation und Technologie;

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft;

VDFS – Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden; FAF – Fachverband der Film- und Musikindustrie;

Marktgemeinde Laxenburg

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01

Animation

mo 27.9, 19:00

GeSAMtLÄNGe: 57 Minuten

Von Anbeginn wurden Filme auch in trick- und

Animationstechnik hergestellt. Gezeichnete Filme

der Frühzeit beeindrucken noch heute mit Witz und

Charme, sie bieten zudem attraktive Grundlagen

für eine Neubearbeitung etwa via Computer- und

Digitaltechnik. Dabei überraschen nicht nur ihre

innovation, sondern auch deren bewusstes Spielen

mit Fiktion und realität, die die aufgebauten

Phantasiewelten immer wieder in Frage stellen.

ein stilistisch besonders ausgereiftes Beispiel

dafür ist Louis Seels erotischer WieNer BiLDer-

BoGeN Nr. 1, in dem die reale Hand des Zeichners

die Nacktheit seines Geschöpfes – natürlich nur

un vollkommen – bedeckt. Aber auch in Ladislaus

tuszinskys Detektivfilm-Persiflage AMArANtA.

AUS DeN MeMoireN DeS BerÜHMteN DeteKtiVS

HArrY PACKS greift der Zeichner selbst immer

wieder ins Geschehen ein. ein besonderer Lecker-

bissen dieser technik ist Max und Dave Fleischers

tHe CArtooN FACtorY aus der out-of-the-ink-

well-Serie, in der der berühmte Clown Coco von der

Feder seines Schöpfers durch irreale Welten gejagt

wird. (Nikolaus Wostry)

NitroSeSSioNS | ProGrAMM | 27. BiS 30. SePteMBer 2010 | Metro KiNo

WIener bIlderbogen nr. 1 | A CA. 1925

Ideale FIlmerzeugung A 1914

AnimAtion Ludwig Schaschek Produktion Sascha-Film, Wien

FormAt 35 mm, stumm, viragiert

amaranta. aus den memoIren des berühmten

detektIvs harry Packs A 1921

AnimAtion Ladislaus tuszinsky Produktion Astoria-Film (Wien)

FormAt 35 mm, stumm, s/w

neurestaurierung

kleIder machen leute (ausschnitt)

AnimAtion Michael Maibaum regie Hans Steinhoff Produktion

Volo-Film, Wien FormAt 35 mm, stumm, viragiert

der geIstIge arbeIter A ca. 1921

AnimAtion Peter eng FormAt 35 mm, stumm, s/w

neurestaurierung

dIe entdeckung WIens am nordPol A ca. 1921

AnimAtion Peter eng zugeschrieben FormAt 35 mm, stumm, s/w

WIener bIlderbogen nr. 1 A ca. 1925

AnimAtion Louis Seel FormAt 35 mm, stumm, viragiert

the cartoon Factory USA 1924

Produktion out of the inkwell regie Max Fleischer, Dave

Fleischer FormAt 35 mm, stumm, viragiert

Live-musik:

Der Gitarrist und elektroniker thomas stIermaIer engagierte sich

intensiv in der internationalen Filmbewegung »Kinokabarett«, die in

48 Stunden einen Kurzfilm dreht, fertig stellt und in der Folge auf

die Leinwand bringt. Viele der Filme wurden aus Zeitgründen auch

live vertont, was thomas Stiermaier auch zu seiner ersten Arbeit als

Stummfilmmusiker inspirierte. Stiermaier leitet derzeit die »Vienna

Audioscapes«, ein Projekt im rahmen »Digitale Kunst«, gefördert

von der Stadt Wien, das im Bereich Field recordings angesiedelt ist.

Darüber hinaus komponierte er den Soundtrack zum Dokumentarfilm

iN BetWeeN von Claudia Dermutz und Christin Veith.


02

Farbe

mo 27.9., 21:00

GeSAMtLÄNGe: 52 Minuten

Der allergrößte Anteil der frühen Filme aus der

Nitrofilmsammlung des Filmarchivs zeichnet sich

durch überbordende Farbenpracht aus. Kader für

Kader wurden Filme koloriert, viragiert, getont

oder gebeizt. Diese damals übliche, nur durch die

handwerkliche einzelbearbeitung mögliche Verfei-

nerung des Zelluloids verleiht den Filmen bis heute

eine eigentümliche, manchmal fast surrealistische

Anmutung. Besonders das Genre der Feerie, entfacht

mit seinen gesättigten Kolorierungen in Filmen wie

DAS WUNDerBAre StAMMBUCH, Die tAUBeNFee

oder LeBeNDe BLUMeN ein opulentes Feuerwerk an

Farben. Am ende der entwicklung steht die Scha-

blonenkolorierung mit zarten Pastellfarben wie in

iStANBUL, dessen hervorragende Konturschärfe

dem Film in »Naturfarben« frappierend nahe kommt.

eine ganz andere Bildästhetik erzielt die österrei-

chische Sascha-Film mit einer raffinierten Kombinati-

on aus Viragen, also monochromen einfärbungen der

transparenten Partien des Filmbildes, und tonungen,

bei denen die Silberschwärzungen durch andere

Farbstoffe chemisch substituiert werden. Selbst bei

Dokumentarfilmen wie BeiM JoHANNeSFALL iN DeN

rADStÄtter tAUerN iM WiNter erzielt sie damit

nicht nur ungewöhnlich realistische effekte, sondern

auch atmosphärische Verdichtung. (Nikolaus Wostry)

NitroSeSSioNS | ProGrAMM | 27. BiS 30. SePteMBer 2010 | Metro KiNo

la Fée PrIntemPs/dIe FrühlIngsFee | F 1906

l’album merveIlleux/das Wunderbare

stammbuch F 1905

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm,

koloriert

la Fée aux PIgeons/dIe taubenFee F 1906

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm,

koloriert

la Fée PrIntemPs/dIe FrühlIngsFee F 1906

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm,

koloriert

les Fleurs anImées/lebende blumen F 1906

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm,

koloriert

[arIzat – PrIesterIn der göttIn tanIt]

F 1912

Produktion Leon Gaumont (Paris) FormAt 35 mm, stumm,

koloriert

neurestaurierung

beIm JohannesFall In den radstätter

tauern Im WInter A 1917

Produktion Sascha-Film (Wien) FormAt 35 mm, stumm,

viragiert

[Istanbul] F ca. 1918

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm,

koloriert

Live-musik:

Der Musiker FlorIan kmet pendelt zwischen abstrakter experimentalmusik,

schwer definierbarem Jazz und klassischem Songwriting.

Zusammen mit Stéfan Nemeth spielt er im Duo »Lokai« (Alben:

»7millions« (mosz, 2005), »transition« (thrill Jockey, 2009)), mit

Ludwig Bekic und Alexander J. eberhard in der Gruppe »Superlooper«

(»Construct me«, 2008) und ist seit 2007 Mitglied der Gruppe

»trio exklusiv«. Als Solokünstler veröffentlichte er das Songwriter-

Album »electric songs«. (Konkord, 2007). Konzerttätigkeit in Japan,

Mexiko und den USA. Spielte u. a. auf den Festivals: Jazzfest Wien,

Wien Modern, eXPo Japan, Klangspuren Schwaz. Zusammenarbeit

mit Wolfgang Mitterer, Max Nagl, Franz Hautzinger, Burkhard Stangl,

Martin Brandlmayer, Jorge Sánchez-Chiong …

19


20

03

eros

mI 29.9, 19:00

GeSAMtLÄNGe: 47 Minuten

Das frühe Kino zelebrierte die Körperlichkeit, ero-

tische Darstellungen zählten zum Standardrepertoire

der Produktionsfirmen. Das Programm verhandelt

auch themen wie Blickbeziehungen und Voyeuris-

mus im frühen Kino. Der österreichische Hersteller

Saturn Film belieferte mit seinen »pikanten Filmen«

zwischen 1905 und 1910 nicht nur europa. Seine

»sujets viennois« machten erstmals die Marke

»Wiener Film« international bekannt, indem sie im-

mer ein bisschen mehr an entblößtem Fleisch bot wie

die Konkurrenz, und deren Akteure in wohlgelaunter

Unbefangenheit agieren wie in DAS eitLe StUBeN-

MÄDCHeN oder BeiM FotoGrAFeN. Den Unwillen

der Zensurbehörden zogen sie sich nicht so sehr

wegen ihrer heute fast unschuldig wirkenden Nudi-

täten zu, sondern aufgrund ihrer gesellschaftlichen

Positionen, die wie in eiNe MoDerNe eHe oder

WeiBLiCHe ASSeNtierUNG geheiligte institutionen

der bürgerlichen Gesellschaft ironisch betrachteten.

ergänzung finden die Saturnfilme in den zeitgenös-

sischen Produktionen anderer Länder. eine beson-

dere rarität sind oskar Messters AKt-SKULPtUreN,

die als älteste deutsche Spielfilme gelten und deren

ästhetische Ausführung noch ganz im Stil des

19. Jahrhunderts ausgeführt ist. (Nikolaus Wostry)

NitroSeSSioNS | ProGrAMM | 27. BiS 30. SePteMBer 2010 | Metro KiNo

akt­skulPturen | D 1903

[das malen eInes WeIblIchen aktes]

F? ca. 1898

FormAt 35 mm, stumm, viragiert

neurestaurierung

[maler mIt modell] F ca. 1902

FormAt 35 mm, stumm, s/w

neurestaurierung

le coucher de la marIée/das schlaFengehen

der neuvermählten F 1902

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

akt­skulPturen D 1903

Produktion Messters Projection (Berlin) FormAt 35 mm, stumm,

s/w

neurestaurierung

le baIn des dames de la cour/bad der

hoFdamen F 1904

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

dIe dame Im bad mondaIne au baIn F 1904

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

baden verboten A 1906

Produktion Saturn-Film (Wien) FormAt 35 mm, stumm, s/w

eIne moderne ehe A 1907

Produktion Saturn-Film (Wien) FormAt 35 mm, stumm, viragiert

[beIm FotograFen] A ca. 1908

Produktion Saturn-Film (Wien) FormAt 35 mm, stumm, s/w

das eItle stubenmädchen A ca. 1908

Produktion Saturn-Film (Wien) FormAt 35 mm, stumm, s/w

WeIblIche assentIerung A ca. 1908

Produktion Saturn-Film (Wien) FormAt 35 mm, stumm, s/w

morgentoIlette eIner lebedame A ca. 1908

Produktion Saturn-Film (Wien) FormAt 35 mm, stumm, s/w

[vorbereItung auF das rendezvous] A ca.

1908

Produktion Saturn-Film (Wien) FormAt 35 mm, stumm, s/w

[dIe zaubereIen des mandarIns] a ca. 1908

Produktion Saturn-Film (Wien) FormAt 35 mm, stumm, s/w

Live-musik:

FabIan Pollack, Chefkomponist und -arrangeur von Nifty’s (Alben:

»takeshi express« (extraplatte, 2007), »Naftularasa« (cracked anegg

records, 2009) sowie Gitarrist mit Hang zur improvisation und unkonventionellen

Grenzüberschreitungen: Zur Wachauerin (neue Volksmusik),

brpobr (pure improvisation), Wanderer (jiddische Songs),

Knalpot (›Krankfunk‹), Cappella con durezza (Avantgarde). Vertonung

von Stummfilmen: »Der treubruch« bei der Viennale 2009 gemeinsam

mit Andreas Schreiber sowie »Jewish Slapsticks« mit thomas Berghammer

beim Festival »Jewish Comedians« im Nestroyhof Hamakon.


04

Zersetzung

mI 29.9, 21:00

GeSAMtLÄNGe: 51 Minuten

ein wesentliches Merkmal des Nitrofilms ist seine

tendenz zur Selbstzersetzung. Alle Filmarchive

kämpfen daher bei ihrem Bemühen um Sicherung

des audiovisuellen erbes gegen die Zeit. in vielen

Fällen ist aber eine »rettung« des Materials nicht

mehr möglich. im Prozess der Zersetzung wird die

sich auflösende fotografische information in ein

zusehends abstraktes Abbild von eigenem ästhe-

tischen reiz transformiert. in seiner Auflösung zeigt

Nitrofilm eine ungleich größere Dignität als andere

Schichtträger, da er im Unterschied zu zersetztem

Azetatfilm seine Planlage zumeist nicht verliert

und deshalb in jedem Stadium seines Verfalls keine

durch Verwölbungen hervorgerufene Unschärfen

auftreten. Die gewählten Beispiele zeigen die ver-

schiedensten transformationen, wobei die Auswahl

so getroffen wurde, dass der inhalt der Filme in

seiner integrität erhalten blieb. Zumeist sind es

hydrolytische Zersetzungen der emulsion, die in

ihrem ersten Stadium ein rythmisches Verschieben

der Bildkonturen bewirkt, das sich in weiterer Folge

bis zu völlig neuen, abstrakt anmutenden Bild-

deformationen steigert. eine besonders schöne Art

der Bildzersetzung stellen dichroitische Schleier

und Solarisationen dar. Bei diesen bleiben die

Bildkonturen vollständig erhalten, die Farben der

Bilder werden jedoch durch interferenzen in ein

NitroSeSSioNS | ProGrAMM | 27. BiS 30. SePteMBer 2010 | Metro KiNo

vues d’esPagnes en carte Postales/ansIchten von sPanIen auF Postkarten | F 1907

reiches Spektrum gebrochen und einzelne Bildpar-

tien kippen durch Solarisationen von einem Positiv

ins Negativ. Die psychodelischen Qualitäten dieser

Farbumwandlungen haben einem der Kernwerke

des österreichischen Stummfilms, emil Leydes Der

SoNNWeNDHoF, in seinen dramatischsten Szenen

eine frappierende Verdichtung gegeben.

(Nikolaus Wostry)

vues d’esPagnes en carte Postales/ansIchten

von sPanIen auF Postkarten F 1907

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, viragiert

gedächtnIsFeIer aus PoltaWa vor s. m.

dem cza F 1909

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

neurestaurierung

der kunstdrechsler F ca. 1909

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

neurestaurierung

der hanF F ca. 1909

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

neurestaurierung

[das begräbnIs des WIener bürgermeIsters

dr. karl lueger] A/F 1910

Produktion Leon Gaumont (Paris/Wien) FormAt 35 mm, stumm, s/w

neurestaurierung

abreIse zum kreuzzug i ca. 1910

Produktion Fixité (italiene) FormAt 35 mm, stumm, s/w

neurestaurierung

tauFFeIerlIchkeIten des erzherzogs

Franz JosePh auF schloss Wartholz

am 25. november 1912 In anWesenheIt des

thronFolgers erzherzog Franz FerdInand

und der übrIgen mItglIeder des

kaIserhauses A/F 1912

Produktion Leon Gaumont (Paris/Wien) FormAt 35 mm, stumm,

s/w

neurestaurierung

der sonnWendhoF A 1918

Produktion Leyka-Film regie emil Leyde mit trude Merly, Poldi

Müller, Fritz Kortner, Josef reithofer FormAt 35 mm, stumm, viragiert

neurestaurierung

Live-musik:

bernhard schöberl (Gitarre, elektronik) und bernd klug

(Bass) bewegen sich einerseits im Jazz und andererseits in der freien

improvisation. Gemeinsam sind sie in eine reihe von Projekten involviert

und spielen u. a. im improvisationsensemble »ctrl« sowie als Duo

unter dem Namen »fritz&franz«. Bernhard Schöberl arbeitete darüber

hinaus mit dem »Wiener Geräuschorchester«, dem Mitteleuropäischen

Kammerorchester sowie dem SWr-Sinfonieorchester und ist in der

Formation »lsd« tätig. Bernd Klug arbeitete u. a. mit Michael Horowitz,

Bernhard Lang, Martin Gut, Jeff Frohner, Florian Fennes, dunkelbunt,

tim Sharp.

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05

tempo

do 30.9, 19:00

GeSAMtLÄNGe: 53 Minuten

Das frühe Kino war ein begeisterter Chronograf

der um 1900 aktuellen Verkehrsmittel (eisenbahn,

Flugzeuge/Zeppeline, Autos etc.). Das Programm

zeigt viele Facetten der beschleunigten Bilder-

und Wahrnehmungswelt, die das Kino vor über

100 Jahren schuf. Vor allem die Aktualitäten jagten

den sich ständig überbietenden rekorden in Aviatik

und Automobilistik nach, sodass wir heute mit

Filmen wie WiLBUr WriGHt UND SeiNe FLUGMA-

SCHiNe oder dem FLUG BLeriotS iM AeroPLAN

ÜBer Die StrASSe VoN DoVer über einzigartige

Filmdokumente verfügen, in denen Geschichte

geschrieben wurde. Aber auch der fiktionale Film

holt sich inspiration vom Fieber des Fortschritts:

So transzendiert Georges Méliès’ temporeiche Pha-

nasiewelt in Le VoYAGe DANS LA LUNe mit ihrer

ausgefeilten tricktechnik die Schwere des raums,

und auch die in ihrem anarchistischen Übermut

berückenden Pathé-Burlesken wie Die JAGD NACH

Der PerrÜCKe oder eiN DUrCHGeGANGeNeS

AUtoMoBiL sind nicht nur freudige Verbeugungen

vor dem technischen Fortschritt, sondern in ihrer

Furiosität selbst tempo, wie sie nur der Kinemato-

graf bieten kann. (nw)

NitroSeSSioNS | ProGrAMM | 27. BiS 30. SePteMBer 2010 | Metro KiNo

der Würger der Welt | D 1919

le voyage dans la lune F 1902

Produktion Astoria-Film (Wien) FormAt 35 mm, stumm, s/w

[charles voIsIn: Flugversuche auF der

seIne] F ca. 1905

FormAt 35 mm, stumm, s/w

neurestaurierung

la course a la Perruque/dIe Jagd nach

der Perrücke F 1905

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

les raPIdes de la rIvIère ozu/In JaPan –

blItzFahrten auF dem ozu­Fluss F 1906

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm,

viragiert

un colPo dI vento sulla sPIaggIa F 1907

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

de tonneau de tonneau/von Fass zu Fass

F 1907

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm,

viragiert

l’automobIle emballée/eIn durchgegangenes

automobIl F 1907

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

WIlbur WrIght und seIne FlugmaschIne

F 1909

Produktion eclipse (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

Flug blerIots Im aeroPlan über dIe

strasse von dover F 1909

Produktion Leon Gaumont (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

dIe katastroPhe auF dem FlugFelde beI

ParIs F 1911

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm, s/w

neurestaurierung

Live-musik:

Der Altsaxophonist marco eneIdI bewegt sich zwischen Free-Jazz

und improvisationsmusik. in seiner jahrzehntelangen Karriere spielte

der US-Musiker mit Jazz-Größen wie Cecil taylor, Dewey redman, Bill

Dixon, Ken Vandermark, Peter Brötzmann … Seit 1987 betreibt er das

Label »Botticelli records« bei welchem u. a. Denis Charles, William

Parker, Wadada Leo Smith, Glenn Spearman, Wilbur Morris, Karen Borca

and Jackson Krall Platten veröffentlichten. Unter dem titel »the

Neu New York/Vienna institute of improvised Music« veranstaltet

Marco eneidi wöchentlich am Montag eine Jam Session im Keller des

kleinen Wiener Lokals Celeste.


06

Feuer

do 30.9, 21:00

GeSAMtLÄNGe: 60 Minuten

Feuerszenen sind klassische Sujets des frühen

Kinos. Feuer ist aber auch das Synonym für die

besondere Fragilität der Nitrofilme (das Material ist

leicht brennbar). im Lauf der Geschichte wurden

die Nitrobestände weltweit durch Brände stark de-

zimiert. Das Programm thematisiert die immanente

Bedeutung dieses Urelements für die Filmkunst.

Die technik der Virage, monochromer einfärbungen

des Filmbildes, beginnt mit der Wiedergabe der

elementaren Naturerscheinungen von Feuerrot und

Nachtblau. Nur zögernd wird die filmische Gram-

matik weitere Farben aufnehmen und damit jenes

stilistische instrumentarium schaffen, das bis Mitte

der 1920er-Jahre das zentrale element atmosphä-

rischer Untermalung sein wird. Das eiSeNBAHN-

AtteNtAt ist eine Pionierleistung dieser erwei-

terten Farbpalette, die jedoch noch ganz auf das

dramatische – und natürlich feuerrote – Finale des

Films hin komponiert ist.

Mit gleich zwei Filmen ist der berühmte Georges

Méliès in diesem Programm vertreten, der als

größter Magier des frühen Kinos die infernalischen

Kräfte des Feuers beschwört. Sein letzter großen

Film À LA CoNQUÊte DU PÔLe, dessen einzige

originale Farbfassung im Filmarchiv Austria erhal-

ten geblieben ist, führt noch einmal alle elemente

NitroSeSSioNS | ProGrAMM | 27. BiS 30. SePteMBer 2010 | Metro KiNo

le PIed de mouton/der hammelFuss | F 1907

seines Schaffens zu einem Höhepunkt. Albert

Capellanis Le PieD De MoUtoN markiert eben-

falls Höhepunkt und ende des Genres der Feerie,

das nach 1907 keine nennenswerte entwicklung

mehr erfährt. Für die effektvolle tricktechnik und

Fotografie dieser »feurigen« Feerie ist der, neben

Méliès wichtigste Pionier des Filmtricks, Segundo de

Chomón, verantwortlich. (nw)

le chaudron InFernal F 1903

Produktion Starfilm (Paris) regie: Georges Méliès Mit: Georges

Méliès FormAt 35 mm, stumm, koloriert

un attentat sur la voIe Ferrée/eIsenbahnattentat

F 1906

Produktion Pathé Frères (Paris) FormAt 35 mm, stumm,

viragiert

le PIed de mouton/der hammelFuss F 1907

Produktion Pathé Frères (Paris) regie: Albert Capellani Kamera:

Segundo de Chomón FormAt 35 mm, stumm, koloriert

neurestaurierung

À la conquête du Pôle/dIe entdeckung

des nordPols F 1912

Produktion Starfilm (Paris) FormAt 35 mm, stumm, viragiert/

koloriert

Live-musik:

alexandr vatagIn lebt als Musiker und Produzent in Wien. er

bewegt sich zwischen den Genres experimenteller Musik, Jazz,

Post-rock und Dance und veröffentlichte bislang zwei Soloalben. Der

Autodidakt und Multiinstrumentalist spielt Cello, Bass, elektronik,

Vibraphon … in den Formationen »tupolev«, »Slon« und »Das Werner

Kitzmueller trio«. im Jahr 2008 gründete er das Label »Valeot«, das

sich schon heute durch einen umfangreichen Katalog auszeichnet.

Die Musikzeitschrift »thegap« zählte Alexandr Vatagin 2009 zu den

meistversprechenden jungen Künstlern Österreichs.

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