le prix solaire suisse 2005 - Solar Agentur Schweiz

solaragentur.ch

le prix solaire suisse 2005 - Solar Agentur Schweiz

von Michael Kaufmann

Vizedirektor Bundesamt für Energie (BFE) und Programmleiter EnergieSchweiz

DIE SCHWEIZ MODERNISIEREN –

ANSATZ EINER NACHHALTIGEN GEBÄUDEPOLITIK

Die Schweiz hat jetzt eine Riesenchance: Wenn

sie es schafft, Ihren Gebäudepark energieeffizient

und nachhaltig zu modernisieren, leistet

sie einen grossen Beitrag an die Senkung der

klimaschädigenden CO 2 -Emissionen und gibt

gleichzeitig entscheidende Impulse für eine

nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Innovation

ist angesagt. Aber schlicht und einfach auch

die Anwendung der bestehenden Technologien

und Kenntnisse. Der Solarpreis zeichnet die besten

Zukunftsideen aus - und setzt damit Meilensteine

schon in der Gegenwart.

Die Schweizer Gebäude konsumieren einen

wesentlichen Anteil des Schweizer Energieverbrauchs

und emittieren 40 Prozent der Schweizer

CO 2 -Emissionen. Immer noch gut 80 Prozent

der Nutzenergie in Gebäuden ist fossile Energie

aus Heizöl oder Gas. Zwar trifft es zu dass wir im

Neubaubereich dank guter minimaler Baustandards

(u.a. SIA 380/1, SIA 380/4) auch international

gut abschneiden. Gegenüber Bauten der

70er Jahre des letzten Jahrhunderts hat sich die

Energiekennzahl durchschnittlicher Schweizer

Gebäude fast halbiert und der Anteil an konventionellen

Ölheizungen in Neubauten sinkt: Über

die Hälfte der neuen Gebäude werden mit Wärmepumpensystemen

unter Ausnutzung von

Umgebungswärme, Geothermie, Holz und/oder

Solarwärme versorgt. Und bald jedes Fünfte

neue Gebäude der Schweiz wird im MINERGIE-

Standard gebaut. Dieser bedeutet nochmals die

Halbierung der Energiekennzahl.

Die Schweiz hat ein Sanierungsproblem

Wenn bezüglich Energieverbrauch von Gebäuden

der Durchbruch geschafft werden soll,

muss sich der Fokus auf die Sanierung und

Modernisierung von Gebäuden richten. Hunderttausende

von Schweizer Wohn- und Geschäftsgebäuden

mit Baujahr vor 1980 harren

der ersten Sanierungsmassnahmen, welche bei

jedem Gebäude nach 20 bis 25 Jahren notwendig

sind: Dächer, Gebäudehüllen und Heiz- und

Warmwasseranlagen müssen erneuert werden.

Das ist die Chance für den Einsatz neuer Materialien

und neuer, energieeffizienter Heiz- und

Warmwassersysteme. Denn hier liegen riesige

6 Schweizer Solarpreis 2005

energetische Einsparpotenziale, Einsatzmöglichkeiten

für erneuerbare Energien und auch

wirtschaftliche Vorteile (hoher Ölpreis!). Ein

Gebäude aus der Zeitperiode 1970 - 1980 verbraucht

im Durchschnitt doppelt soviel Energie

wie ein Neubau von 2005!

Leider wird diese Chance in der Mehrheit der

Fälle nicht genutzt, statt dessen wird meist eine

sogenannte Pinselsanierung realisiert.

Die Gründe für den Sanierungsstau:

• Höherer Investitionsbedarf, v.a. beim Ersatz des

Heizsystems, wo die konventionellen Ölheizkessel

immer noch am günstigsten abschneiden.

• Ungenügende, bzw. kaum finanzierbare Anreize

für Sanierungsmassnahmen im Rahmen der

Aktivitäten der Kantone im Gebäudebereich.

Die rund 40 Millionen Franken an Fördergeldern

(davon 14 Millionen aus EnergieSchweiz)

reichen für ein wirkungsvolles Gebäude-Modernisierungsprogramm

nicht aus.

• Unterschiedliche Interessen zwischen Investoren,

Eigentümern und MieterInnen

• Wenige steuerliche Anreize sind an echte Energiesanierungsmassnahmen

gekoppelt.

• Mietrecht ohne Anreize für Eigentümer, da Heizkosten

auf Nebenkosten zu Lasten MieterInnen

abgewälzt werden können. Andererseits ist die

Abwälzung von energetischen Sanierungsmassnahmen

höchstens zu 50-70% überwälzbar.

• Zu wenig griffige kantonale und kommunale

Baugesetze im Modernisierungsbereich (fehlende

Anforderungen an Einzelmassnahmen)

• Geringes Bewusstsein für eine vorausschauende

Gebäudebewirtschaftung. Massnahmen

werden oft nicht im Voraus geplant, sondern

erst realisiert, wenn Probleme auftreten.

Wir brauchen ein koordiniertes Gebäude-Modernisierungsprogramm

Die Strategie von EnergieSchweiz 2006 bis 2010

hat einen Schwerpunktbereich «Gebäudemodernisierung»

festgelegt. Dies zusammen mit

den Kantonen, die ihrerseits dieses Thema in

ihre Gebäudestrategie gesetzt haben. Energie-

Schweiz will damit als Plattform, Ausgangspunkt

und Know-How-Zentrum dazu beitragen,

dass im ganzen Land aktiv etwas gegen den

Sanierungsstau getan wird. Ein wirkungsvolles

schweizerisches Gebäude-Modernisierungsprogramm

ist möglich, wenn folgende Massnahmen

ergriffen werden:

• Ausrichtung der Aktivitäten von Energie-

Schweiz und der Kantone auf die Thematik

Gebäudemodernisierung.

• Stärkere Fokussierung der Fördergelder auf die

Sanierung.

• Konsequenter Einsatz der lenkenden Wirkung

der CO 2 -Abgabe auf Brennstoffen.

• Einbezug von Geldern aus dem Klimarappen

für Gebäudemodernisierungsmassnahmen.

• Einbezug der Baubranche mit entsprechenden

Informations- und Schulungsangeboten.

• Mitmachen von Banken und Geldinstituten

durch besondere Hypothekarbedingungen

Energie-Sanierungen.

• Verstärkte Anreizsysteme in den Steuergesetzgebungen

und im Mietergesetz.

• Weitergehende Bauvorschriften für Gebäude-

Sanierungen.

• Sensibilisierung der Investoren und Liegenschaftsbesitzer

(private und juristische Personen)

in Richtung des energetisch sinnvollen

Bauens und Sanierens von Häusern.

EnergieSchweiz setzt sich zum Ziel, in den

nächsten Jahren alle Massnahmen und Players

im Gebäudebereich zu koordinieren und Impulse

in der richtigen Richtung zu geben.

Solarpreis und andere Anerkennungen für

vorbildliche Gebäude

«Aus Sicht der Strategie von EnergieSchweiz

ist die Auszeichnung besonders vorbildlicher

Gebäude ein wichtiger Beitrag – auch

für die Modernisierung von Gebäuden. Auszeichnungen

und Preise geben einerseits der

Branchen-Avantgarde einen Anreiz, neue Energietechnologien

einzusetzen; sie zeigen der

Öffentlichkeit und der Branche auf, was heute

möglich – und finanzierbar – ist; sie setzen die

Standards und Massstäbe der Zukunft. Deshalb

die Unterstützung auch des Solarpreises

durch EnergieSchweiz».

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine