Aufbruch der Performer-Avantgarde: Die Ensembles Liquid Penguin ...

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Aufbruch der Performer-Avantgarde: Die Ensembles Liquid Penguin ...

15. Jahrgang / Nr. 1 | Sommersemester 2010 | Gratis

allaBREVE

April 2010

MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR MUSIK SAAR

Aufbruch der Performer-Avantgarde:

Die Ensembles Liquid Penguin

und Die Redner

Klavierspiel als Lebensform:

Zum 200. Geburtsjahr von Frédéric Chopin

Landespreis Hochschullehre 2009

für Prof. Wolfgang Mayer und

„Ensuite – ein Abend der Schulmusik“

Mehr Autonomie für die HFM:

Das neue Hochschulgesetz

Auf dem Gipfel des Hügels:

Der Bayreuther Festspielmusiker Jan Epp

Begehrte Förderung:

Das Stipendiatenwesen der HFM


Sommersemester 2010 EDITORIAL

Verehrte Leserinnen und Leser,

der Ausgang der letztjährigen Landtagswahl

rückte das Saarland, weit

über die Landesgrenzen hinaus,

in das Zentrum politischer Debatten

und öffentlicher Spekulationen.

Ein halbes Jahr später

haben sich die Wogen offenbar

geglättet, oder? Eine für Studenten

zunächst positiv anmutende

Nachricht, die Abschaffung

von Studiengebühren, sorgt für

Gesprächsstoff und Sorgenfalten.

Meines Erachtens ist diese Entscheidung

falsch; sie fördert weder soziale Gerechtigkeit,

noch Qualität in Lehre und Studium.

Die Einführung der Studienbeiträge führte

zu mehr Engagement, Leistungs- und

Verantwortungsbereitschaft, ihre Abschaffung

trägt nicht zur Konsolidierung des

Landeshaushalts bei, im Gegenteil, auch

die Studierenden der Gegenwart werden

zukünftig unter einer stetig wachsenden

Schuldenlast zu leiden haben.

Zu den erfreulichen Nachrichten: Trotz

des Verzichts auf Studiengebühren hat das

Saarland eine Stiftung eingerichtet, die besonders

begabten Studierenden Stipendien

zur Verfügung stellt. Die HFM verfügt –

dank großzügiger Zuwendungen – über

weitere Möglichkeiten der Förderung ihrer

Studierenden.

Die Umsetzung des Projekts „Erweiterungsbau“

schreitet voran; der Architektenwettbewerb

ist abgeschlossen, das

VOF-Verfahren eingeläutet. Das Untergeschoss

der HFM wird derzeit saniert,

Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik,

des Schallschutzes, der Beleuchtung

und der Anmutung sind im Gange und

hoffentlich rechtzeitig zu Beginn der

Vorlesungszeit abgeschlossen.

Ich möchte mich sehr herzlich bei der

Landesregierung für die Bereitschaft, auch

in wirtschaftlich schweren Zeiten in die

HFM zu investieren, bedanken! Ein herzliches

Dankeschön auch an alle Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter der Hochschule,

die unter den derzeit schwierigen Arbeitsbedingungen

leiden. Ich bitte um Verständnis

für sämtliche Belastungen durch

Baumaßnahmen! Die Vorfreude über den

Erweiterungsbau sollte jedoch manch temporäre

Unwägbarkeit vergessen machen!

Der Landespreis Hochschullehre 2009,

die höchstdotierte Auszeichnung des

Landes, wurde an die HFM Saar verliehen!

Nach Professor Dr. Michael Dartsch

erhielt nun Professor Wolfgang Mayer – an

der Realisierung des 2008/2009 durch das

Ministerium für Bildung, Familie, Frauen

und Kultur in Kooperation mit der HFM

Saar initiierte Projekt „Ich + Ihr = Wir“ beteiligt

– für „ ENSUITE – ein Abend der

Schulmusik“, den begehrten Preis. Herzlichen

Glückwunsch!

Freuen Sie sich mit mir auf viele hochkarätige

Veranstaltungen im Sommersemester

– Meisterkurse u. a. mit dem Klaviervirtuosen

Misha Dacic, die Opernaufführung

„Cosi fan tutte“, die Lange Jazz-Nacht, das

Promenadenkonzert, die Woche der Kammermusik

(u. a. mit dem Debüt des neuen

Violinprofessors David Grimal) und vieles

andere mehr.

Zunächst jedoch viel Vergnügen bei der

Lektüre von alla breve!

Ihr

Professor Thomas Duis

Rektor der Hochschule für Musik Saar

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Sommersemester 2010 INHALT

IMPRESSUM

Inhalt

Aufbruch der Performer-Avantgarde:

Die Ensembles Liquid Penguin und Die Redner 6

Der durch die Noten lächelte:

Zum 100. Geburtstag von Heinrich Konietzny 8

Veranstaltungen

Hochschule für Musik Saar 10

Kooperation für Musik in der Großregion (CMGR) 14

Saarbrücker Kammerkonzerte 14

Saarländisches Künstlerhaus 15

Netzwerk Musik Saar 15

Saarländischer Rundfunk 17

Saarländisches Staatstheater 18

Panorama

Aktionstag Musikalische Bildung an der HFM 20

Landespreis Hochschullehre für Prof. Wolfgang Mayer 23

Studium

HFM: Mehr Autonomie durch neues Hochschulgesetz 26

Neuer Studiengang: Lehramt Musik an beruflichen Schulen 27

Wettbewerb um HFM-Erweiterungsbau entschieden 27

Forum

Preisgekrönt: Das Konzept von „ENSUITE – ein Abend der Schulmusik“ 29

Campus

Aus den Klassen 31

Namen & Nachrichten 31

Auf der Spitze des Hügels: Der Bayreuther Festspielmusiker Jan Epp 33

Wo „Lohengrin“ begann: Das Stipendium des

Richard Wagner-Verbandes Saar 34

Das Stipendiatenwesen der Hochschule für Musik Saar 35

Essay

Klavierspiel als Lebensform: Zum 200. Geburtsjahr von Frédéric Chopin 37

allaBREVE Magazin der Hochschule für Musik Saar Herausgeber/V.i.S.d.P.: Prof. Thomas Duis,Rektor der Hochschule für

Musik Saar, Bismarckstraße 1, 66111 Saarbrücken, Telefon: 0681/967310, Fax: 0681/9673130, www.hfm.saarland.de

Redaktion: Thomas Wolter, E-Mail: t.wolter@hfm.saarland.de Gestaltung: Swetka Bär (swetka.baer@googlemail.com)

Druck: Fischer Druck Saarbrücken allaBREVE erscheint zu Beginn eines jeden Semesters. Namentlich gekennzeichnete

Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Auflage: 2.000 Titelfoto: SST © Texte und Fotos falls

nicht anders angegeben: Hochschule für Musik Saar

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HFM-REPORT allaBREVE Sommersemester 2010 HFM-REPORT

Aufbruch der

Performer-

Avantgarde

In der saarländischen Avantgarde-Szene tut sich was. Fast unbemerkt

von der breiten Öffentlichkeit haben sich hierzulande

zwei Performance-Gruppen etabliert, die für bundesweites Aufsehen

sorgen und mit Auszeichnungen geradezu überschüttet

werden.

Die Rede ist von den Multimedia-Formationen „Liquid Penguin

und „Die Redner“. Beide Gruppen sind an der Schnittstelle

zwischen Musik, Bildender und Darstellender Kunst unterwegs

und profitieren von einer immer engeren Verzahnung

der großen saarländischen Kultur-Institutionen. Sowohl bei dem

lyrisch-feinsinnigen Ensemble „Liquid Penguin“ als auch bei

den hochästhetischen Dokumentarperformern „Die Redner“

wirken Lehrkräfte unseres Hauses mit.

Psychedelisches Abendmahl in „Auris interna“

Reisen in die Mitte des Menschen:

Stefan Scheib und Katharina Bihler

Pinguine am

Ende der Welt

Das Performer-Duo Katharina Bihler

und Stefan Scheib

Mit dem Ende der Welt ging alles so richtig los. In seiner großen

Produktion des letzten Jahres „Bout du Monde“ widmete sich

das Ensemble „Liquid Penguin“ einem Welterkunder, Sonderling

und Pflanzenforscher – und erntete dafür ein stattliches Bouquet

erlesener Auszeichnungen: „ARD-Hörspiel des Monats Juni“

und „Hörspiel des Jahres 2009“ der Deutschen Akademie der

Darstellenden Künste, Bensheim.

In „Bout du Monde“, eine eigenwilligen Annäherung an den französischen

Weltumsegler und Wissenschaftler Louis Antoine de

Bougainville, zogen die Klangkünstler und Performer Katharina

Bihler und Stefan Scheib alle Register ihres Könnens im kreativen

Spannungsfeld zwischen Musik, Sprache und Bildender Kunst.

Die Musiktheater-Performance entstand 2008 im Rahmen von

„strukturwandel – neues hören und sehen“ von Netzwerk Musik

Saar und wurde im November 2008 im Saarbrücker Kulturbahnhof

(KuBa) uraufgeführt. In der Folge entwickelten die Künstler

das Projekt für verschiedene Medien weiter: es entstand ein „Bericht

zum Hören und Sehen“ als Buch mit CD und Mitte 2009

ein Radiohörspiel für SR2. Dieses lobt die Deutsche Akademie

der Darstellenden Künste als eine „originelle und kunstvolle

Komposition aus Meeresrauschen, Möwenkreischen, Musik,

pseudodokumentarischen und imaginierten historischen Texten.“

Eine fiktive Reise zu den Horizonten und über sie hinaus bis an die

Grenze der Welt. Eine Reise, wie so oft in den Produktionen der

Avantgarde-Künstler, in das Innere der Welt. Eine Reise zu uns

selbst.

Im Februar hatte die bislang 26. Produktion des Ensembles

Premiere. Auch in „Auris interna – Fische im Innenohr“

sind das Meer und seine Bewohner nur an der Oberfläche

Tableau für wissenschaftlich anmutende multimediale

Betrachtungen. Es geht aber auch hier um mehr als

nur Meer. In der audiovisuellen Meditation über das

Hören und Wahrnehmen führen die Vortragenden das

Publikum durch die verschlungenen Gänge des

menschlichen Hörorgans zu dessen tieferem (Meeres-)

Grund. Subtile psychedelische Effekte mit Licht und

Klang, sparsam und bedacht dosiert, beziehen den

Raum als Akteur ein in das Gesamtkunstwerk.

Die gemeinsame Arbeit der Pinguin-Performer nahm

1997 mit „Schlagschatten“ ihren Anfang – eine Hommage

an den Film Noir. Das dunkle Erstlingswerk

nach einer Story von Paul Auster ließ die Fachwelt

bereits hellhörig werden. Die folgenden Produktionen

drehten sich vorwiegend um Themen aus Philosophie,

Wissenschaft, Natur und vor allem auch aus der Literatur – No-

valis, Poe, Rilke, Nietzsche und Trakl lieferten unter anderen

den Gedankenstoff für die Bühnen- und Studio-Bearbeitungen.

Schon für „Gras wachsen hören“ aus dem Jahr 2007 konnte das

Duo den begehrten Deutschen Hörspielpreis der ARD in

Empfang nehmen, dazu auch den ARD-Online Award 2008

und die Auszeichnung ARD-Hörspiel des Monats Dezember

2007. Die ARD-Juroren würdigten die „intelligente, leichte

und methodisch bezwingende Art und Weise“, mit der die

Künstler „pflanzlich-menschlichen Beziehungsgeflechten“

nachspürten: „Humorvolle Miniaturen von loriotscher Qualität

aus dem Schallarchiv des Instituts wechseln sich mit dem Jargon

der Wissenschaftler ab‚ ‚Gras wachsen hören‘ spielt auf

eigensinnige Weise mit den klanglichen und poetischen Möglichkeiten

des Radios.“

Der anfangs, so Stefan Scheib, „sehr jazzlastige“ Musikanteil

von Liquid Penguin entwickelte sich mit den Jahren immer

mehr in Richtung neuer Musik. Kunstvoll collagiert aus Elementen

zeitgenössischer Klangkunst, des neuen Hörspiels und

neuer Medien spielen die Werke des Duos mit Versatzstücken

des Dokumentar-Theaters – in der Substanz zielen sie jedoch

stets auf die Mitte des Menschen. Seit jeher gute Tradition ist

die Einbindung von Gästen unterschiedlichster Provenienz in

das Repertoire des Programms. So konnten, live oder im Studio,

eine grenzenlose Fülle von inszenatorischen Konzepten und

künstlerischen Ausdrucksweisen entstehen: Klang-/Rauminstallationen,

Hörspielinstallationen und begehbare Hörspiele,

Musiktheaterperformances, Konzerte, Live-Musikhörspiele,

Hörstücke fürs Radio und CD-Produktionen.

1996, als sich das Duo kennen lernte, hatte Katharina Bihler

gerade ihr Psychologie-Studium abgeschlossen und parallel dazu

schon als Schauspielerin, Sängerin und Regieassistentin Bühnenerfahrung

gesammelt. Der Saarländer Stefan Scheib, nebenberuflich

Lehrbeauftragter an der HFM, befand sich nach seinem

Studium von E-Bass, Kontrabass und Komposition in seiner

künstlerischen Entwicklung auf dem Weg vom Jazz hin zu

improvisierter Musik, zu anderen Medien und Stilen. Da traf er

mit Katharina Bihler, die sich „offene Konzepte“ wünschte und

ihn für das „Springen zwischen den Stilen“ begeistern konnte,

genau die richtige Partnerin zur rechten Zeit.

Nach einem Jahr Vorbereitungszeit wagte sich das Liquid

Penguin Ensemble schließlich an die Öffentlichkeit, ging in

die Studios und Konzertsäle und begann jene außergewöhnliche

künstlerische Laufbahn, die Publikum wie Fachwelt stets aufs

Neue mit überraschenden Inszenierungen für Auge und Ohr

erstaunt.

Viele Produktionen werden im eigenen heimischen Tonstudio

entwickelt und vorbereitet, den Feinschliff erhalten die Klanggebilde

dann in den Aufnahmeräumen des langjährigen Medienpartners

Saarländischer Rundfunk. Neben seiner künstlerischen

Tätigkeit liebt das Duo, das auch privat ein Paar ist, die pädagogische

Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und veranstaltet

häufig Workshops in unterschiedlichen Bildungseinrichtungen.

Es gibt noch viele Horizonte zu entdecken und zu überschreiten.

Das Liquid Penguin Ensemble, so scheint es, befindet sich

erst am Ende seines künstlerischen Anfangs.

Im bildmächtigen Bann der Geschichte

In ihrer dritten Produktion „response.UN.ability“ gelingt der Gruppe „Die Redner“ eine intelligente und dichte Multimedia-Performance

Am Ende zieht auf der Leinwand ein Leichensack den Vorhang

der Geschichte zu. Ein abrupter Herz-Stillstand, der das Publikum

aus einem bildmächtigen Bann erlöst. Hinter uns liegt ein

halbstündiger atemberaubender Parforce-Ritt durch jüngeres

deutsches Kriegsgeschehen im Innen und Außen, kunstvoll montiert

aus Live-Musik, Videoprojektionen, elektronischen Sounds

und dokumentarischen Wort-Einspielungen.

Eingebettet in den viel beachteten Tanztheater-Zyklus „Krieg

und Frieden“ des Saarländischen Staatstheaters unter der Leitung

von Marguerite Donlon ist der Performance-Gruppe „Die

Redner“ mit ihrer jüngsten Arbeit „response.UN.ability“ ein

ganz großer Wurf gelungen. Eine hoch verdichtete und intelligent

gefügte Multimedia-Collage, die sich um die bewegenden

Statements zweier Zeitzeugen rankt. Auszüge einer Rede von

Helmut Schmidt aus den 1977er Jahren, in der er die Bevölkerung

auf den heißen Herbst einschwört, werden der ergreifenden

Schilderung einer Stabsärztin über einen Selbstmordanschlag auf

eine Bundeswehreinheit in Afghanistan gegenübergestellt. Die

„Redner“, in militärisches Khaki-Grau gekleidet, marschieren

dazu, teils inspiriert von afghanischer Rhythmik, im hämmernden

Stakkato-Sound: die Perkussionisten Bernhard Wittmann

und HFM-Professor Oliver Strauch sowie am E-Bass Florian

Penner und mit Claas Willeke am Saxofon ein weiterer Professor

unseres Hauses. Es ist die bislang wohl kompakteste Arbeit der

Kunstvoller Parforce-Ritt durch die jüngere

6

deutsche Kriegsgeschichte: Die Redner

7


HFM-REPORT allaBREVE Sommersemester 2010 HFM-REPORT

Saarbrücker Performer, die sich mit der künstlerischen Ausgestaltung

prägnanter historischer Reden ein neues Feld innerhalb

der Dokumentarkunst eröffnet haben. Raffiniert geschnitten,

mit sorgsam kalkulierten akustischen und optischen Effekten

ausgestattet, zieht „response.UN.ability“ das Publikum mitten

hinein in den Sog des politischen und menschlichen Geschehens.

In der spektakulären Video-Projektion, für die ebenfalls Florian

Penner verantwortlich zeichnet, tanzen Mitglieder der Ballett-

Com pagnie Donlon gewohnt gekonnt und ästhetisch stilsicher

ein ergreifendes Lied von Tod und Trauer, untermalt von Text-

Zitaten mit zum Teil phänomenalen typographischen Effekten:

Penner lässt die Buchstaben artistisch tanzen und Tänzer zu

Buchstaben werden.

Mit ihrer dritten Produktion „response.UN.ability“ katapultieren

sich die Redner endgültig in die oberste Liga der Multimedia-Kunst.

Gegensätze diktierten sein Leben. Als

reichsdeutscher Schlesier kam er in den

30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts

ins französisch regierte Saargebiet. Sein

Elternhaus war gleichzeitig preußischmilitärisch

wie sozialistisch geprägt. Mal

galt er als richtungweisender Avantgardist,

mal wurde er als künstlerisch Konservativer

geschmäht. Mit der gleichen Leidenschaft,

mit der er komplexe Sinfonien für

großes Orchester schrieb, wandte er sich

der Amateurmusik zu. Zeitzeugen beschreiben

ihn als eine stattliche männliche

Erscheinung, doch litt er zeit seines reifen

Erwachsenenlebens unter schweren

Kriegsverletzungen und anderen Gebrechen.

Heinrich Konietzny, der Musiker, Komponist

und frühere HFM-Professor, der in

diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert

hätte, war ein Mann mit vielen Facetten.

Ein Zerrissener indessen war er nicht.

Ehemalige Weggefährten, wie der Musi-

Am Beginn der gemeinsamen Zusammenarbeit der Saarbrücker

Künstlergruppe steht die „JFK-Show“, die mit ihrer audiovisuellen

Annäherung an den amerikanischen Präsidenten-Mythos auf

Anhieb Aufsehen erregte und der Gruppe 2007 den Medienkunstpreis

des Saarlandes einbrachte. Im Nachfolgeprojekt „EuroVision“

werden mit Willy Brandt und Charles de Gaulle zwei

unterschiedliche Visionäre der europäischen Idee mit den Mitteln

der multimedialen Kunst einander gegenüber gestellt.

Die Geschichtslektionen für alle Sinne sind Konzept. Die Redner

verstehen ihre Kunst als „Wahrnehmungsschule“, die unter

dem Mantel der geschichtlichen Ereignisse die menschliche

Dimension aufspürt. Das dichte Zusammenspiel von Klang,

visueller Inszenierung und Originalreden geht unter die Haut,

findet immer neue Ebenen der Wirklichkeitserfahrung: Praller

Politikunterricht, der das Publikum packt.

Thomas Wolter

Der durch die Noten lächelte

Zum 100. Geburtstag von Heinrich Konietzny

(1910 – 1983)

Unermüdlicher Reisender zwischen Profi- und

Amateuermusik: Heinrich Konietzny

ker Edwin Mertes, beschreiben ihn als

eine humorvolle, in sich ruhende Persönlichkeit.

Ein Mann mit Herz und Verstand.

Ein strenger, aber gütiger Lehrer.

Ein Universalgebildeter, der sich gleichermaßen

für chinesische Philosophie wie für

moderne Literatur begeisterte. Ein Genussmensch

auch, der sich in der sinnenfrohen

saarländischen Wahlheimat bestens

aufgehoben fühlte.

Als Heinrich Konietzny am 23. April

1983 im Alter von 73 Jahren verstarb,

hinterließ er ein gewaltiges Oeuvre. 500

bis 600 Werke, darunter sechs Sinfonien,

eine Schlagzeugsinfonie, mehrere Streichquartette,

25 Instrumentalkonzerte, Kammermusik

in unterschiedlichsten Besetzungen,

Ballette, über 300 Film- und

Hörspielmusiken sowie über 200 Lieder

und Kantaten. Daneben komponierte er

zahlreiche Werke für den Amateurmusik-

Bereich: Werke für Akkordeon und Bläser

sowie auch 40 Kompositionen für Zupf-

instrumente. Ein Mammut-Oeuvre, das in

seiner Gesamtheit bisher noch gar nicht

erschlossen ist. Viele Autographe sind

verschollen. Andere warten noch darauf,

von der Fachwelt entdeckt zu werden.

Nicht ausgeschlossen, dass sich darunter

noch die eine oder andere Überraschung

befindet.

Der Schüler von Paul Hindemith lässt

sich in keine gängige Schublade stecken.

Starke künstlerische Einflüsse erhielt er

als Klangschöpfer auch von Bruckner,

BartÓk, Messiaen und Hugo Distler. Er

komponierte für viele Anlässe und fast

jedes Instrument, scheute sich auch nicht

vor den im Konzertleben geschmähten

Klangwerkzeugen Alphorn, Akkordeon

und Mundharmonika.

Er war kein Provokateur; er komponierte

als Musiker für Musiker. Er wollte das

Erbe seiner geistigen Väter nicht zertrümmern,

sondern es in ihrem Sinne weiter-

führen. Die Aleatorik mied er und bevorzugte

stattdessen Freitonalität und synästhetische

Klangfarben. Er war ein Suchender,

ein mit vielen Formen und Möglichkeiten

Spielender, kein Bilderstürmer.

Er konnte „durch die Noten hindurch

lächeln“, wie es ein Zeitzeuge beschreibt.

Zu seinem umfänglichen Freundeskreis

zählten neben Literaten, Theaterleuten vor

allem auch bildende Künstler, darunter

Siegward Sprotte, Roland Peter Litzenburger

und Boris Kleint. Sie alle inspirierten

ihn mit „Bildern“, die er in sein Schaffen

einfließen ließ.

Am 7. Mai 1910 wird Heinrich Josef Konietzny

im schlesischen Gleiwitz als Sohn

eines preußischen Offiziers und späteren

sozialdemokratischen Politikers geboren.

Nach frühen Versuchen mit Mandoline,

Gesang und Perkussionsinstrumenten

erhielt er mit acht Jahren ersten Violinunterricht.

Schon als 17-Jähriger wurde

er Konzertmeister im Kurorchester von

Bad Kurdowa; nur zwei Jahre später stand

er bereits als Konzertmeister in vorderster

Reihe des Schlesischen Philharmonischen

Orchesters. Eine folgenschwere Fraktur

der linken Hand setzte seiner Geiger-

Karriere im Jahr 1930 ein abruptes Ende.

Ein Jahr darauf wurde Konietzny in die

Kompositionsklasse von Paul Hindemith

an der Staatlichen Musikhochschule

Berlin aufgenommen. Auf

Anraten Hindemiths nahm er 1931

zusätzlich ein Fagottstudium auf.

Seine zweite Karriere als Musiker

begann und führte ihn schließlich

1936 als Mitglied des damaligen

Reichssenders Saarbrücken an

die Saar. Bis 1939 war er Solofagottist

des Orchesters; nach

dem Krieg hielt er bis 1964 im

neuformierten SR-Radiosinfonieorchester

die Stelle des

Ersten Fagottisten; mit dem

Dirigenten des Orchesters,

Rudolf Michl, verband ihn

eine tiefe und schöpferische

Freundschaft. Zeitgleich zu

seiner Fagottistenstelle

leitete Konietzny auch ein

Holzbläserensemble des

RSO Saarbrücken. Als

Hauskomponist und

Lektor des SR schrieb

er einige hundert Hörspielmusiken.

Früh auch knüpfte Konietzny Kontakte

zur saarländischen Amateurmusik-Szene.

Er verfasste zahlreiche Werke, die speziell

auf die Belange von Hobby-Musikern

zugeschnitten sind; Werke, die heute noch

vielfach im Repertoire der Amateurmusik-

Vereine erscheinen. In Lehrgängen und

Kursen schulte er den musikalischen

Nachwuchs. Besonders mit dem Bund für

Zupf- und Volksmusik Saar (BZVS) verband

ihn eine enge Beziehung. Noch heute

wird dort sein Andenken in tiefer Verehrung

wach gehalten.

Als eines ihrer Gründungsmitglieder

übernahm Heinrich Konietzny 1947

eine Meisterklasse für Komposition,

Instrumentation und Kammermusik am

damaligen Saarbrücker Konservatorium.

1963 wurde er zum Professor der späteren

Hochschule für Musik Saar ernannt.

Seine Schule führte er ganz im Sinne

seines Lehrmeisters und väterlichen

Vorbildes Paul Hindemith: an der Praxis

orientiert, mit einem ‚demokratischen’

Kunstverständnis, das sich unterschiedslos

mit der Musik in ihrer ganzen Bandbreite

beschäftigte. Zu den bekanntesten Absolventen

seiner Kompositionsklasse zählen

Clemens Kremer, Gerd Boder und

Marcel Wengler.

Heinrich Konietzny hat zu seiner Zeit

Großes für das Musikleben an der Saar

und darüber hinaus geleistet. Seine Verdienste

sind unter anderem mit dem

Kunstpreis des Saarlandes (1959) und

dem Bundesverdienstkreuz (1975) gewürdigt

worden. Er war ein Mann der Praxis

und der Theorie, ein Neuerer und ein

Bewahrer, er schrieb für Spitzenmusiker

wie für Amateure. Er war ein ernsthafter

Verfechter der Kunst und ein lebensfroher

Mensch. Er war ein Mann, der die Gegensätze

in sich aufhob.

Thomas Wolter

* * *

Anlässlich des 100. Geburtstages von

Heinrich Konietzny findet am Mittwoch,

den 21. April 2010, um 19 Uhr in Zusammenarbeit

mit dem Saarländischen Rundfunk

ein Gedenk-Konzert zu Ehren des

Komponisten statt. Professoren und Studierende

unseres Hauses spielen ausgewählte

Werke aus seinem umfangreichen Schaffen

Autograph von Heinrich Konietzny

aus dem Jahr 1965

8 9


VERANSTALTUNGEN allaBREVE Sommersemester 2010 VERANSTALTUNGEN

Von der Dichtung inspiriertes

hochromantisches Werk:

Robert Schumann (1810 – 1856)

Programm

(Änderungen vorbehalten)

Mittwoch, 9. Juni 2010 | 19 Uhr |

HFM-Konzertsaal

Werke von Robert Schumann,

Jacques Ibert, Maurice Ravel und

Willhelm Killmayer

Donnerstag, 10. Juni 2010 | 19 Uhr |

HFM-Konzertsaal

Werke von Schumann,

Jean Francaix, Claude Debussy und

Camille Saint-Saëns

Freitag, 11. Juni 2010 | 19 Uhr |

HFM-Konzertsaal

Werke von Schumann, Alban Berg

und Édouard Lalo

Samstag, 12. Juni 2010 | 19 Uhr |

HFM-Konzertsaal

Werke von Schumann, Gabriel Fauré,

Francis Poulenc und Claude Debussy

Eintritt: 6 Euro / 3 Euro ermäßigt.

Für Studierende der HFM und

FuF-Mitglieder frei

Die vollständige Veranstaltungsübersicht

erscheint in einem eigenen

Flyer und auf der HFM-Homepage.

Hochschule für Musik Saar

3. HFM-Woche der Kammermusik

Robert Schumann und

französische Komponisten

9., 10., 11. und 12. Juni 2010

jeweils 19.00 Uhr HFM-Konzertsaal

(red). „Robert Schumann und französische

Komponisten“ stehen im Mittelpunkt

der 3. HFM-Woche der Kammermusik,

die vom 9. bis 12. Juni 2010 im Konzertsaal

unserer Hochschule veranstaltet

wird. Es musizieren hochkarätig besetzte

Professoren-Ensembles und Kammermusik-Formationen

mit herausragenden

Studierenden unserer Hochschule. Die

diesjährige Reihe ist insbesondere dem

200. Geburtstag Robert Schumanns am

8. Juni 2010 gewidmet.

Schumann hat uns mit seinem stark von

der Dichtung inspirierten, hochromantischen

Werk eine neue Ausdruckswelt hinterlassen.

In seiner Klavier- und auch in

seiner Kammermusik finden wir Zauberhaftes,

Poetisches, Träumerisches vereint

mit leidenschaftlicher Charakterdarstellung:

„Märchenerzählungen, Romanzen,

Fantasiestücke, Märchenbilder“ lauten

etwa die Titel von opus 132, op. 94, op. 73

und op. 113, die unter anderem erklingen

werden.

Aus Schumanns Liedschaffen wird der

„Liederkreis“ op. 39 von Josef Eichendorff

und ausgewählte „ Romanzen“ für Frauenstimmen

mit Klavier aus op. 69 und op. 91

zu hören sein.

Schumann war nie in Paris, pflegte jedoch

Kontakte zu dort lebenden Musikern und

Komponisten wie Hector Berlioz und

Frédéric Chopin und machte deren Musik

in Deutschland bekannt durch seine

berühmten Schriften.

Der in Paris lebende Franz Liszt setzte

sich für die Anerkennung von Schumanns

Musik in Frankreich ein. Viele der französischen

Komponisten des 19. Jahrhunderts

waren von der deutschen Romantik

beeinflusst.

Die großen französischen Komponisten

dieser Zeit wie Camille Saint-

Saëns, César Frank, Gabriel Fauré und

Édouard Lalo schufen aber auch völlig

Eigenständiges und trugen mit ihrer

Musiksprache entscheidend dazu bei,

dass die Kammermusik in Frankreichs

Musikleben in der zweiten Hälfte des

19. Jahrhundert eine besondere Stellung

einnahm.

Die Gegenüberstellung der Kammermusik

Schumanns und der französischen

Komponisten der Romantik und

des Impressionismus’ soll Entwicklungslinien

aufzeigen und einen möglichst

facettenreichen Einblick in die französische

Kammermusik ab ca. 1850 geben.

Ein Sprung wird gewagt zu den Komponisten

der Group des Six, die – als

Gegenbewegung – allen romantischen

Geist aus ihrem Werk fernhalten wollten.

Vervollständigt wird die Hommage

an Schumann mit einigen Werken

nicht-französischer Komponisten wie

Wilhelm Killmayer und Alban Berg.

Andreas Rothkopf

spielt das gesamte

Orgelwerk von Robert

Schumann

(red). Ebenfalls aus Anlass des 200.

Geburtsjahres von Robert Schumann

spielt der HFM-Professor Andreas

Rothkopf das gesamte Orgelwerk von

Robert Schumann in einem Abendprogramm.

Das Konzert findet am Mittwoch,

den 28. April 2010, um 19 Uhr

im Konzertsaal der Hochschule statt.

7. Saarbrücker Komponistenwerkstatt

Bundesweites Forum

für junge Tonkünstler

(red). Die Deutsche Radio Philharmonie

Saarbrücken Kaiserslautern, der Saarländische

Rundfunk und die Hochschule

für Musik Saar werden im Mai 2011

zum siebten Mal die „SAARBRÜCKER

KOMPONISTEN-WERKSTATT“

ausrichten.

Die gemeinsame Initiative soll Komponistinnen

und Komponisten deutschsprachiger

Musikhochschulen die Möglichkeit

geben, ihre Orchesterwerke durch die

Deutsche Radio Philharmonie unter

der künstlerischen Leitung von Johannes

Kalitzke einstudieren zu lassen. Eine Auswahl

der Werke wird dann im Rahmen

des Festivals „Mouvement. Festival für

Neue Musik“ am 12. Mai 2011 in der

Congresshalle Saarbrücken uraufgeführt.

Das Konzert wird vom Saarländischen

Rundfunk aufgezeichnet.

Die Musiker der Deutschen Radio Philharmonie

vergeben einen Kompositionspreis

an einen der ausgewählten Komponisten.

Dieser Preis besteht aus einem

Auftragswerk für großes Orchester, das

im Rahmen von „Mouvement. Festival

für Neue Musik“ 2012 uraufgeführt wird.

Die „Saarbrücker Komponistenwerkstatt“

ist kein Wettbewerb, sondern ein

Workshop, in dem Komponistinnen und

Komponisten an der Einstudierung ihrer

Werke aktiv mitarbeiten und sie in einem

öffentlichen Seminar vorstellen. Diese Initiative

wird von der Bundeskulturstiftung

im Rahmen des Projekts „Netzwerk Neue

Musik“ gefördert.

Nähere Informationen:

www.hfm.saarland.de

www.sr-online.de

Bühnenbildentwurf für „Cosi fan tutte“

von Renée Günther

The Directors:

„The Art of Horace

Silver“

(red). Mit „The Directors“ präsentieren

sich beim diesjährigen Promenadenkonzert

der Freunde und Förderer der

HFM am 9. Juli 2010 die Dozenten

der beiden Jazz-Studiengänge der

Hochschule für Musik Saar. „The Art

of Horace Silver“ ist eine Hommage

an die Musik des legendären Pianisten

Horace Silver. Die Musiker arbeiten

als Leiter bzw. Band-Mitglieder in

verschiedenen nationalen und internationalen

Formationen.

„Cosi fan tutte“

im Mauritius-Studio

(red). Mozarts berühmte Oper „Cosi fan

tutte“ wird von der Opernabteilung und

dem Orchester der HFM im Juli dieses

Jahres aufgeführt. Das verwickelte Spiel

um Liebeswirrnisse hat am Mittwoch,

den 14. Juli 2010, um 19 Uhr im Mauritius-Studio

der HFM Premiere. Weitere

Vorstellungen gibt es am Freitag, den 16.

Juli und am Sonntag, den 18. Juli, jeweils

um 19 Uhr. In der Inszenierung von Thomas

Max Meyer wird Gerhard Schneider

die musikalische Leitung übernehmen.

Für die Ausstattung sorgt Renée Günther.

Der Saxofonist Wollie Kaiser

ist einer der „Directors“

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Foto: Jean M. Laffitau


VERANSTALTUNGEN allaBREVE Sommersemester 2010 VERANSTALTUNGEN

Die ganze Vielfalt improvisierter Musik

HFM Jazz-Nacht 2010

Ein großes Fest der improvisierten Musik

präsentiert die HFM-Jazzabteilung am

8. Mai 2010, von 19 Uhr bis tief in die

Nacht findet in den Räumlichkeiten der

Hochschule die zweite HFM Jazz-Nacht

statt. Und diese wird nicht mit musikalischen

Höhepunkten geizen.

Die Hochschule für Musik Saar macht

ihrem Ruf als Innovations-Pool alle Ehre,

wenn man an diesem Abend auf mehreren

Bühnen – und bei gutem Wetter möglicherweise

auch open air – die beeindruckende

Vielfalt dessen erleben kann, was

sich innerhalb des Hauses und draußen

in der deutschen Szene so in Sachen Jazz

und aktueller Musik tut.

Nicht weniger als acht Combos vertreten

die HFM und stellen Originalität

und Vitalität der Talentschmiede unter

Beweis. Und dessen noch nicht genug:

das Quartett „Lautstark!4“ aus Köln mit

seinem Gast, dem indischen Ausnahme-

Perkussionisten Ramesh Shotham, wird

mit spannenden Improvisationskonzepten

und mitreißender rhythmischer Interaktion

beeindrucken. Weiterhin im Programm

ist das Trio „Wollie Kaiser-Georg Ruby-

Dieter Manderscheid“: zwei international

renommierte Musiker aus dem HFM-

Team zusammen mit dem Ausnahme-

HFM-Jazzer und namhafte Gäste spielen

bei der zweiten HFM-JazzNacht

Kontrabassisten Dieter Manderscheid.

Komplettiert wird das Programm mit

dem luxemburgischen Musiker Michel

Pilz, dem Altmeister der Bassklarinette.

Er wird mit dem HFM Jazz Orchestra,

der Big Band der HFM, auftreten.

Festivals leben aber nicht nur von den offiziellen

Acts der Bühnen. Ihr Reiz entsteht

nicht zuletzt in den Zwischenräumen, da

wo sich aktuelle Musik in kleinen, ungewöhnlichen

Formaten präsentiert und wo

sich ihre Urheber als Grenzgänger zwischen

Stilen und Genres versuchen. Ein

Raum ist deshalb ganz dem Experiment

verschrieben – ein Labor für Spezielles, für

Performatives und Installationen zwischen

Musik, Klängen, Licht und Bild.

Und natürlich wird bei all diesen akustischen

Köstlichkeiten eines nicht zu

kurz kommen – das Kulinarische. Von

exquisiten Leckerbissen bis zum einen

oder anderen guten Tropfen wird alles

bereit stehen. Da ist es gleichgültig, was

der Wettergott für dieses Wochenende

bereithält: die HFM Jazz-Nacht wird ein

gelungener Auftakt für den Kultursommer

2010 werden. Georg Ruby

Weitere Informationen unter

www.jazz.hfm.saarland.de.

FuF-Konzerte

Mittwoch, 21.04.2010, 19 Uhr

HFM-Konzertsaal

KONZERT zum 100. Geburtstag

von Heinrich Konietzny

Professoren und Studierende der HFM

Mittwoch, 19.05.2010, 19 Uhr

HFM-Konzertsaal

POSAUNENKONZERT

Posaunenquartett mit HFM-Professor

Fabrice Millischer

Mittwoch, 09.06.2010, 19 Uhr

HFM-Konzertsaal

ROBERT SCHUMANN UND

FRANZÖSISCHE KOMPONISTEN

Konzert innerhalb der HFM-Woche

der Kammermusik

Freitag, 09.07.2010, 19 Uhr

HFM-Konzertsaal

PROMENADENKONZERT

mit den HFM-Jazzern

5. Saarbrücker

KulturMeilenFest

(red). Am Sonntag, den 29. August 2010

findet das nächste Saarbrücker KulturMeilenFest

statt. Nach zweijähriger

Pause wegen anderer Großveranstaltungen

geht das große Kunst- und

Kulturfestival für drinnen und draußen

nunmehr in seine fünfte Auflage. Die

Kooperationspartner HFM, Saarländischer

Rundfunk, Saarländisches Staatstheater

und Saarlandmuseum werden

trotz der räumlichen Beeinträchtigung

durch Baustellen wieder ein attraktives

und vielseitiges Programm für Jung und

Alt zusammen stellen.

Semesterabschluss-

Party des HFM-AStA

(red). Zum Semesterende veranstaltet

der AStA der HFM am Freitag, den

23. Juni 2010, im Foyer der Hochschule

seine Sommer-Party. An diesem Abend

findet innerhalb der Fußballweltmeisterschaft

das letzte Gruppenspiel der

deutschen Nationalmannschaft gegen

Ghana statt. Das Spiel (Beginn: 20:30 h)

wird auf der Fete live übertragen.

(red). Nach „Mackeben Revisited“, gewidmet

der Musik deutscher Song- und

Standardschreiber der 1930er und 1940er

Jahre (dokumentiert auf JHM 121/JazzhausMusik)

hat sich Georg Ruby für sein

aktuelles Projekt dem Werk einer der bedeutendsten

und faszinierendsten Künstlerinnen

angenommen, die Deutschland

jemals hervorgebracht hat.

Hildegard Knef – universell begabt und

höchst erfolgreich als international renom

mierte Schauspielerin, Malerin und

Autorin („Der Geschenkte Gaul“, „Das

Urteil“) – war in den 60er und 70er Jahren

für lange Zeit Deutschlands künstlerisch

beliebteste und auch kommerziell erfolgreichste

Sängerin. Neben erstaunlich

ori ginellen Interpretationen von Musik des

Cole-Porter-Songbooks schuf sie als Texterin

ihrer stilprägenden Chansons („Von

nun an gings bergab“, „Ich hab’ noch einen

Koffer in Berlin“) zusammen mit ihren

Hauskomponisten Charlie Niessen und

Hans Hammerschmidt eine Sammlung

unzähliger Preziosen, die in ihrem Charme

unvergleichlich sind – und trotzdem, oder

vielleicht gerade deswegen, eher selten von

anderen Musiker/innen oder Ensembles

interpretiert werden.

Georg Ruby hat auf mit seiner Village

Zone-Produktion „Deconstruction Service –

The Music of Hildegard Knef“ (JHM 177)

Georg Ruby und seine Village Zone

haben die stilprägenden Chansons von

Hildegard Knef neu arrangiert

Georg Ruby & Village Zone

Deconstruction Service –

The Music of Hildegard Knef

mit Wollie Kaiser, Ulla Oster und Nils Tegen, 16. Mai 2010, 11 Uhr, HFM-Saal

in seinen Arrangements und Bearbeitungen

des Materials der 2002 verstorbenen Knef

– sowohl den Cole-Porter-Versionen, als

auch ihren eigenen Werken – dem speziellen

Knef-Sound weitere, klangliche und

improvisatorische Komponenten hinzugefügt.

Dabei arbeitet er gänzlich ohne vokale

Ebene und vertraut ganz auf die Stringenz

seiner Bearbeitungen, die Kraft des melodischen

Ausgangsmaterials und auf die, selbst

bei instrumental vorgetragenen Versionen,

immer präsente vokale Aura Hildegard

Knefs – und natürlich auf die unvergleichliche

bläserische Stimme des Ausnahmesaxophonisten

Wollie Kaiser.

Drei Vorlieben sind bei Georg Ruby &

Village Zone unüberhörbar: einmal das

kreative Miteinander der drei Musiker

an der Umsetzung ihres eigenen Materials,

dann die Lust an freier, spontaner

Improvisation, dem Prinzip des Instant

Composing und als drittes ihr Spaß an der

Verarbeitung der alten Standards. Hier

sucht sich die Band aber keineswegs das

halbe Dutzend fast schon totgespielter Hits

der Jazzgeschichte aus, sondern präsentiert

viel lieber Material deutscher Song- und

Standardschreiber, wie nun die Musik von

Hildegard Knef. Die vier Kölner Musiker

sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten

jeweils auf seine bzw. ihre Weise in die

Kategorie der wichtigsten europäischen

Musiker hineingewachsen.

Institut für historische

Aufführungspraxis

Donnerstag, 13. Mai 2010, 17 Uhr,

(Christi Himmelfahrt)

Evangelische Stiftskirche St. Arnual

Prolog I

Neue und Alte Vokal- und Instrumentalmusik

von Heinz Holliger, Klaus Huber,

Carlo Gesualdo, Orlando di Lasso u. a.

Ensemble des Fachbereichs Vokalmusik

der HFM-Saar sowie Solisten und Instrumentalisten

(Leitung: Lutz Gillmann)

20 Uhr, Konzertsaal der

Hochschule für Musik Saar

Prolog II

Musik von Heinz Holliger, Klaus Huber,

Salvatore Sciarrino und Jürg Wyttenbach

Studierende und Dozenten der HFM-

Saar, Leitung: Stefan Litwin

Mittwoch, 30. Juni 2010,

19 Uhr, Konzertsaal der

Hochschule für Musik Saar

Frauen stimmen (Arbeitstitel)

Vokalmusik von Henry Purcell,

Robert Schumann, Samuel Barber,

Dieter Schnebel u. a.

(Komponisten der Gedenkjahre

2009/10 u. a.)

Frauenstimmen des Ensembles des

Fachbereichs Vokalmusik der HFM-Saar

sowie Solistinnen und Instrumentalisten

Leitung: Lutz Gillmann

Szenische Gestaltung: Yaron Windmüller

Änderungen vorbehalten!

* * *

Die vollständige Konzertübersicht der

Hochschule finden Sie im Veranstaltungs-

Flyer und auf der Homepage der HFM.

HFM stellt in

der Saarbrücker

Sparkasse aus

(red). Vom 6. Juli bis 20. August 2010

wird die HFM in der Saarbrücker Zentrale

der Sparkasse (Neumarkt 17) eine

Ausstellung gestalten. Neben Informationen

über die Hochschule in Wort und

Bild werden auch Artefakte, vorwiegend

aus der Instrumentensammlung, sowie

audiovisuelle Präsentationen aus dem

Campusleben und dem Konzertgeschehen

der HFM gezeigt werden.

12 13


VERANSTALTUNGEN allaBREVE Sommersemester 2010 VERANSTALTUNGEN

HFM-Oboestudent

Maksym Malkov

ist der Solist der

diesjährigen

Arbeitsphase.

Kooperation für Musik in der Großregion (CMGR)

Brahms, Strauss, Tschaikowsky

Das Junge Orchester der Großregion: 2010 in Saarbrücken

Das Junge Orchester der Großregion,

eine Initiative der CMGR (Kooperation

für Musik in der Großregion),bietet

den besten Studierenden der beteiligten

Institutionen alljährlich die Möglichkeit,

im Rahmen einer zweiwöchigen

Arbeits- und Konzertphase ihr Können

auf europäischer Ebene vorzustellen und

ihre Orchestererfahrung unter professionellen

Bedingungen zu vertiefen.

Die diesjährige Arbeits- und Konzertphase

des Jungen Orchesters der Großregion

vom 23.10. bis 05.11.2010 steht

unter der Federführung der Hochschule

für Musik Saar, die ihre Studierenden,

ebenso wie die jungen Musiker der

Partnerkonservatorien, herzlich zur

Teilnahme am grenzüberschreitenden

Musikprojekt auf hohem Niveau einlädt.

In intensiver und professioneller

Orchesterarbeit unter Leitung des

Dirigenten Rasmus Baumann und

unter Mitwirkung des Solisten Maksym

Malkov (Oboe) studiert das frisch

gebildete junge Symphonieorchester

in der diesjährigen Probenphase

(23.10–29.10. 2010) drei Werke ein:

Die Akademische Festouvertüre

von Brahms, das Oboenkonzert von

Strauss und die Symphonie Nr. 5 von

Tschaikowsky.

Auch die Veranstaltungsorte der Konzerttournee

vom 30.10. bis 05.11. 2010,

an verschiedenen Orten der Großregion,

garantieren mit ihrem einzigartigen Ambi-

ente ein exzellentes Musikerlebnis.

Einen fulminanten Auftakt bildet am

30.10. 2010, um 20 Uhr der Konzertabend

in der Gebläsehalle des Weltkulturerbes

Völklinger Hütte, Aufführungsort des

diesjährigen saarländischen Projektausrichters

Hochschule für Musik Saar.

Es folgen Konzerte im Conservatoire de

Luxembourg (31.10.), in der Salle Poirel in

Nancy (02.11.) sowie in der Salle Philharmonique

de Liège (03.11.).

Besonderheit der diesjährigen CMGR-

Tournee: Zwei Konzerttermine an Veranstaltungsorten

außerhalb der Großregion

sind geplant. Um die Coopération musicale

de la Grande Région über deren Grenzen

hinaus populär zu machen, soll das

Konzertprogramm auch in der Fruchthalle

Kaiserslautern und in Echternach (05.11.)

zur Aufführung gebracht werden.

Das Junge Orchester der Großregion

der CMGR steht allen Studierenden der

teilnehmenden Institutionen offen, die

sich musikalisch fortbilden und Orchester-Erfahrung

auf europäischer Ebene

sammeln oder vertiefen wollen. Während

der kompakten zweiwöchigen Proben- und

Konzertphase im Herbst 2010 erwartet die

jungen Musikerinnen und Musikern neben

intensiver musikalischer Arbeit auch ein

reicher sprachlicher und interkultureller

Austausch. Nadine Brettar

Weitere Informationen: www.cmgr.eu

Saarbrücker Kammerkonzerte Saarländisches Künstlerhaus Netzwerk Musik Saar

Freitag, 23.04.2010, 19.00 Uhr

HFM-Konzertsaal

Mannheimer Streichquartett und

Kristin Merscher, Klavier

Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy

und Robert Schumann

Freitag, 21.05.2010, 19.00 Uhr

HFM-Konzertsaal

Vogler Quartett

Werke von Robert Schumann

Samstag, 22.05.2010, 10.00 Uhr

HFM-Konzertsaal

Vogler Quartett

Workshop der Mitglieder des

Vogler Quartetts für Quartettformationen

von Studierenden der Hochschule

Sonntag, 13.06.2010, 11.00 Uhr

HFM-Konzertsaal

Erich Höbarth (Violine)

Nadja Höbarth (Klavier)

Matinee Konzert

Sonaten aus der Wiener Klassik

Freitag, 25.06.2010, 19.00 Uhr

HFM-Konzertsaal

Rivinius-Klavier-Quartett

Werke von Robert Schumann

und Stephen Hartke

Die Pianistin und

HFM-Professorin

Kristin Merscher

Das junge Orchester der

Großregion 2009 in Reims

Konzert innerhalb der Reihe

Künstlerhausmusik

maya homburger – violine

barry guy – kontrabass

claas willeke – saxophon,

electronics

Freitag, 16.04.2010, 20.00 Uhr

Im der Ballett-Produktion „Krieg und

Frieden“ des Saarländischen Staatstheaters

gab es die Uraufführung „Footprints“

von Ballettdirektorin Marguerite Donlon.

Die Musik zur Choreographie stammt

vom britischen Bassisten, Komponisten

und u.a. Gründer des „London Jazz

Composers Orchestra“ Barry Guy. „After

the Rain“ (1992) – eine Komposition

für Streichorchester und inspiriert von

Max Ernst‘ Gemälde „Europa nach dem

Regen“; ein surrealistisches Bild von 1933,

das den 2. Weltkrieg und seine Zerstörungen

vorwegzunehmen scheint.

Barry Guy wird nun innerhalb der

künstlerhausmusik wieder zu hören sein in

einem „Private Special” mit Maya Homburger,

einer renommierten Barock-Violinistin

und dem im Saarland lebenden

Musiker, Komponisten und Hochschullehrer

Claas Willeke.

Der Abend wird, Jahrhunderte übergreifend,

Barockmusik mit Neuer Musik über

Improvisation verbinden; Gemeinsamkeiten

von Alter und Neuer Musik (in der

Kunst der Variation und Improvisation)

und deren Unterschiede (in der Klangkonzeption,

Harmonik und Rhythmik)

virtuos in schöpferische Spannung

versetzen.

Der Eintritt ist frei.

Sounding D und

Spiel ohne Grenzen

Das Halbjahres-Programm von

Netzwerk Musik Saar

Kompakt und vielseitig – so gestaltet sich in

diesem Jahr das Programm von Netzwerk

Musik Saar. Seit 1995 bemüht sich der Verein

erfolgreich um Förderung und Vermittlung

zeitgenössischer Musik, nicht zuletzt durch die

Bündelung von Einzelinitiativen. Dominierendes

Projekt ist derzeit die Reihe „strukturwandel

– neues hören und sehen“, die über das

bundesweite Netzwerk Neue Musik von der

Kulturstiftung des Bundes unterstützt wird.

Überaus erfolgreich verlief gleich der Start

ins laufende Jahr mit der Uraufführung

des nunmehr dritten Projekts der freien

Performance-Gruppe „Die Redner“.

Ihre audiovisuelle Performance response.

UN.ability (Premiere: 30. Januar 2010) behandelt

das Thema politischer Verantwortung

in Zeiten des Terrors und heimste

frenetische Kritiken ein, nachzulesen unter

www.netzwerk-musik-saar.de. Dort findet

man auch die weiteren Aufführungstermine.

Eine zweite Erfolgsmeldung durfte

Netzwerk Musik Saar im Februar vermelden:

Für Konzeption, Vorbereitung

und Realisierung des Ausstellungsprojekts

Das begehbare Märchen (30. November

2008 bis 18. Januar 2009 im Rahmen von

strukturwandel – neues hören und sehen

im Stadtmuseum St. Wendel zu erleben)

wurden Dr. Andreas Bayer und Prof.

Burkhard Detzler von der Hochschule

der Bildenden Künste (HBKsaar) mit

dem Landespreis Hochschullehre 2009

ausgezeichnet.

Was passiert noch bis Oktober? Gespannt

sein darf man auf „La fabbrica illuminata“,

frei nach Luigi Nonos gleichnamigem

Neue-Musik-Klassiker von 1964 über die

Arbeit in einem Stahlwerk: Nachdem im

Dezember vergangenen Jahres Schüler

des Gymnasiums Ottweiler zu Klang-

Aufnahmen quer durch die saarländische

Industrie gestartet waren, um daraus eigene

Kompositionen zu erstellen, werden

nun im Frühjahr (Termin und Ort werden

noch bekannt gegeben) die Ergebnisse des

Workshops präsentiert.

Machen von sich hören: Die Redner

Foto: Jean M. Laffitau

Kathrina Bihler und Stefan Scheib arbeiten

mit Jugendlichen des Vereins „Zweite Chance“

Die beiden nächsten Veranstaltungen

laufen im Rahmen von „Mouvement.

Festival für Neue Musik“. Zunächst der

Kompositionspreis der Deutschen Radio

Philharmonie (DRP) am 14. Mai, 20 Uhr,

in der Congresshalle: Beim Konzert der

DRP (Leitung: Tito Ceccherini) ist mit

„Tiebreak“ eine Uraufführung des Slowaken

Vito Zuraj zu erleben. Bei „Spiel

ohne Grenzen“ tags darauf (15. Mai, um

15 Uhr, VHS-Zentrum, Saarbrücken)

prallen dann verschiedene kulturelle

Welten aufeinander: Musiker der DRP

kooperieren mit Jugendlichen des Vereins

„Zweite Chance Saarland“; das Saarbrücker

Liquid Penguin Ensemble“ hat

die künstlerische Leitung und vermittelt

zwischen Rap, Breakdance und Klassik.

Den Halbjahresabschluss bildet im Rahmen

der Matinée am 27. Juni (11 Uhr,

Congresshalle) die deutsche Erstaufführung

der Dritten Sinfonie des US-Autors

Stephen Hartke, die sich auf den 11. September

2001 bezieht. Mit der DRP unter

Christoph Poppen musizieren Sänger des

britischen Hilliard Ensembles. Vorgeschaltet

ist am 25. Juni die Musik für

junge Ohren (Congresshalle, 9.30 Uhr),

bei der Moderator Roland Kunz (SR)

Ausschnitte des Matinée-Programms

erläutert.

14 15


VERANSTALTUNGEN allaBREVE Sommersemester 2010 VERANSTALTUNGEN

Nach der Sommerpause darf man sich

auf ein ganz besonderes Ereignis freuen:

Vom 25. August bis zum 12. September

entwirft das Projekt „sounding D“ des

bundesweiten Netzwerk Neue Musik ein

repräsentatives Bild der zeitgenössischen

Kunstmusik und ihrer Akteure in ganz

Deutschland. Als Teil dieser Kunstaktion

und als verbindendes Element fährt ein

Klangkunst-Zug in einer großen spiralförmigen

Bewegung durch alle 15 Projektorte,

die am Netzwerk Neue Musik beteiligt sind.

Ziel des Zuges ist Eisenach, wo sounding

D mit dem dreitägigen Festival „mitten-

Drin“ seinen Abschluss findet. Am

4. September 2010 ist sounding D

in Saarbrücken zu erleben: Bei seiner

Ankunft am Hauptbahnhof wird der Zug

am Bahnsteig von dem Ensemble Alfred

Gulden/Christof Thewes empfangen, das

seine Bahnhofsgeschichten präsentieren

wird. Anschließend wird der Zug selbst

für das breite Publikum als Klangkunst

und Ausstellungsobjekt erlebbar. Im

Anschluss daran ist vorgesehen, das

Publikum mittels eines Klangspaziergangs

zu den so genannten „rooftop concerts“

auf dem Gelände des Eurobahnhofs zu

leiten.

Diese „Dachkonzerte“ werden von der

HBK Saar ausgerichtet im Rahmen der

Klangkunstinstallation „stadtklangraum –

stadtraumklang“, welche die Stadt auf ihre

Tauglichkeit als Resonanzraum untersucht.

Eine besondere Wahrnehmungs- und

Aufführungspraxis soll durch die Nutzung

ungewöhnlicher Orte generiert werden:

Bei den rooftop concerts fungieren ausgewählte

Dachflächen als Bühne; dafür

werden eigens multimediale Konzertkonzeptionen

entwickelt, bei denen Sounds

und Bewegungen des städtischen Alltags

keine „Störfaktoren“, sondern integrativer

Bestandteil der Aufführungssituation sind.

Wirken mit beim Kulturzug „sounding D“:

Der HFM-Lehrbeauftragte Christof Thewes

und Alfred Gulden

Mit einem Konzert des InZeit-Ensembles

in Kooperation mit der Konzertreihe

Saarbrücker Sommermusik soll der Tag

ausklingen. Nach diesem Großereignis

folgen die „Tage für Inter pretation und

Aufführungspraxis“ vom 11. bis 15. Oktober

2010 in der Hochschule für Musik

Saar.

Kerstin Krämer

Infos im Internet:

www.netzwerk-musik-saar.de

Klanginseln

Saarländischer Rundfunk

40 Jahre SR-Festival für Neue Musik

vom 12. bis 16. Mai 2010

„Denn die Wirklichkeit ist immer gleich und ändert sich doch

fortlaufend.“ Dieser Satz von Salvatore Sciarrino über seine Art

zu komponieren trifft auch den Kern des SR-Festivals für Neue

Musik. Denn „Mouvement 2010“ ist sich in den 40 Jahren seines

Bestehens immer treu geblieben – und hat sich in den Jahrzehnten

seines Bestehens immer wieder verändert und an die veränderten

Rahmenbedingungen der Zeit angepasst.

Als Christoph Bitter, der damalige SR-Musikchef, das Festival

1970 ins Leben rief, ging es ihm darum, die Neue Musik in ihren

historischen Voraussetzungen und ihren Bezügen darzustellen.

Das damals so genannte Festival „Musik im 20. Jahrhundert“

wollte die Möglichkeiten und Traditionen der Moderne aufzeigen

und an sie anknüpfen. Diesem Anspruch ist „Mouvement 2010“,

wie das Festival mittlerweile heißt, auf vielfältige Weise verpflichtet.

So wurden gleich im Eröffnungsjahr Orchesterkompositionen

von Gustav Mahler und Bruno Maderna nebeneinander gestellt.

Romantik traf auf die musikalische Moderne.

Dieser Ansatz ist dieses Jahr im Mai wieder sehr präsent

und wurde weiterentwickelt. Beispielsweise wird das Violinkonzert

von Felix Mendelssohn-Bartholdy vor dem Violinkonzert

„Allegoria della Notte“ von Salvatore Sciarrino zu hören sein. Der

italienische Komponist, der seit 1972 immer wieder beim Festival

aufgeführt wird, hat musikalisches Material aus Mendelssohns

Konzert weiterentwickelt und möchte, wie er sagt, „die dunkle

Seite des Mondes Mendelssohn“ hörbar machen.

Aber auch in anderen Konzerten ist die musikalische Tradition

immer wieder präsent. Die „Lamentationes Sacrae et Profanae ad

Responsoria Iesualdi“ gehen auf Musik des Renaissancekomponisten

Gesualdo di Venosa, dessen Responsorien vom Weltklassechor

„Solistes XXL“ aufgeführt werden, zurück. „Ich habe die

Prozesse so gestaltet, dass Gesualdo in bestimmten Augenblicken

wie ein Eisberg auftauchen kann, während er sonst unter der

Schwelle der direkten Wahrnehmung vorhanden ist“, erläutert der

Komponist Klaus Huber, ebenfalls immer wieder Gast beim SR

Festival.

Neben Salvatore Sciarrino und Klaus Huber stellt Mouvement

das Schaffen des Oboisten, Dirigenten und Komponisten Heinz

Holliger in den Mittelpunkt. In drei Klanginseln werden diese

drei Komponisten exemplarisch in einer Auswahl ihres Schaffens

dargestellt. Sind viele Neue-Musik-Festivals Uraufführungsfestivals,

versucht das SR-Festival Mouvement nun auch zu einer

Kanonbildung beizutragen.

Viele Kompositionen der Neuen Musik werden einmal aufgeführt

und verschwinden dann wieder. Mouvement versucht

dazu beizutragen, wichtigen zeitgenössischen Stücken zu einer

Interpretationsgeschichte zu verhelfen und ihnen einen Platz im

regulären Konzertbetrieb zu verhelfen. Damit sich die „immer

Mittlerweile fast schon

Stammgast beim Festival:

Der Komponist

Salvatore Sciarrino

Bearbeitet Renaissancemusik:

Klaus Huber

Foto: Stefan Forster

Deutsche Erstaufführungen von

„Tonscherben“: Heinz Holliger

Foto: D.Vass

gleiche Wirklichkeit“ der Komposition in der sich „fortlaufenden

Veränderung“ der Interpretation spiegelt. Auch in diesem Punkt

reflektiert das Festival seine Geschichte.

1988 gestaltete die Harfenistin Ursula Holliger die Uraufführung

von Heinz Holligers „Präludium, Arioso und Passacaglia“ beim

Saarbrücker Festival. Nun wird sie dieses Stück mit mehr als 20

Jahren Abstand und Beschäftigung damit wieder aufführen. Auch

Holligers Orchesterwerk „Tonscherben“ erlebte seine Deutsche

Erstaufführung beim SR-Festival, und 1991 wurde Klaus Hubers

„Des Dichters Pflug“ schon einmal gespielt.

So gesehen bilanziert Mouvement 2010 anhand ausgewählter

Kompositionen nicht nur die wichtigen Entwicklungen der

Neuen Musik der letzten Jahrzehnte, sondern auch seine eigene

Geschichte. Dass sich das Festival auch der Aufführung bislang

ungehörter Musik verpflichtet fühlt, zeigt sich an der Uraufführung

von Vito Zurajs Orchesterstück „Tiebreak“. Zuraj hat

den Kompositionspreis 2008 der Deutschen Radiophilharmonie

gewonnen.

Neben Ensembles und Musikern auf Weltniveau gibt Mouvement

dieses Jahr auch wieder Newcomern Raum. So gestaltet die

Hochschule für Musik Saar nicht nur den traditionellen Prolog

in der Hochschule, sondern auch ein weiteres Konzert mit einer

Gegenüberstellung Zeitgenössischer und Alter Musik in der

Stiftskirche St. Arnual.

„Mouvement. Festival für Neue Musik“ bietet in diesem Jahr an

fünf Tagen poetische, aufregende und faszinierende Klangerlebnisse.

Karsten Neuschwender

Weitere Informationen: www.sr-online.de/mouvement

16 17


DOCTOR ATOMIC

Oper von John Adams und Peter Sellars

in der Reihe

(sst). Nach „Der Erste Kaiser“ steht seit

Mitte Februar erneut die Deutsche Erstaufführung

einer der großen zeitgenössischen

Opern auf dem Programm des SST.

John Adams, der zu den „Vätern der Miminal

Music“ zählt, stellt in Saarbrücken

sein neues Meisterwerk vor, das seit der

Uraufführung 2005 in San Francisco seinen

Siegeszug über die Bühnen von New

York, London und Amsterdam angetreten

hat.

John Adams und sein Librettist Peter

Sellars stellen sich anhand von dokumentarischen

und poetischen Originalquellen

einer der größten Fragen des 20. Jahrhunderts:

„Hätten wir das Atomzeitalter je

mit sauberen Händen beginnen können?“

(Edward Teller).

Die ebenso spannende wie leidenschaftliche

Oper schildert die Ereignisse des

15. und 16. Juli 1945, als in der Wüste

von New Mexico unter der Leitung

des legendären Kernphysikers J. Robert

Oppenheimer der erste Atombomben-Test

durchgeführt wird. Neben alle technischen

Probleme tritt in den kritischen Momenten

die ethische Frage, was die Funktion

der neuen Bombe sein wird und welchen

Einfluss die Wissenschaftler darauf haben

können und müssen. Der Countdown

wird zur Stunde der Wahrheit. „Die Welt“

jubelte, es sei eine „Produktion der ersten

Opernliga“.

Weitere Termine:

18. und 30. April sowie am 08. Mai 2010.

18

VERANSTALTUNGEN allaBREVE Sommersemester 2010 VERANSTALTUNGEN

Saarländisches Staatstheater

SAKONTALA

Oper von Franz Schubert in der Reihe


(sst). Kein anderer Mythos der Welt

hat die Jahrtausende so unbeschadet

überlebt wie die indische „Mahabharata“

– bis heute bestimmt dieses große

Epos Religion und Alltag des Subkontinents.

Als Franz Schubert sich 1820 der

Sakontala-Episode aus „Mahabharata“

annahm, wurde diese nicht nur

von Goethe bewundert, sondern in

allen europäischen Salons diskutiert.

Erzählt wird die Geschichte von der

Liebe zwischen der halbgöttlichen

Asketentochter Sakontala und dem

mächtigen König Dschumanta. Durch

einen Fluch erkennt er Sakontala nicht

als seine erwählte Braut wieder. Erst

Heldentaten und der wieder gefundene

Verlobungsring können den Fluch

lösen.

Dem dänischen Komponisten Karl

Aage Rasmussen ist es auf bewundernswerte

Weise gelungen, Schuberts

unvollendetes Manuskript zu einem

aufführbaren, lebendigen Werk zu

rekonstruieren. Die „neue“ Schubert-

Oper erklingt in Saarbrücken erstmals

in einem Opernhaus.

Weitere Termine:

16., 23., 25. April, 02., 06., 27. Mai

sowie am 06. Juni 2010

Der Opernchor des Saarländischen

Staatstheaters in „Doctor Atomic“

KRIEG UND FRIEDEN der neue

vier teilige Tanzabend mit Werken von

Marguerite Donlon, Die Redner und Kurt

Jooss steht noch bis Ende Juni auf dem

Spielplan des Staatstheaters.

Lee Poulis als J. Robert Oppenheimer

„Sakontala“ erzählt die

Liebesgeschichte zwischen

einer Halbgöttin und

einem mächtigen König

Weitere Opernpremieren in dieser Spielzeit

DER UNGLAUBLICHE SPOTZ

Oper von Mike Svoboda und Manfred Weiß. Die musikalische

Leitung übernimmt Martin Straubel und inszeniert wird von

Sebastian Welker. Premiere am 9. Mai 2010 im Staatstheater.

OTELLO

Oper von Giuseppe Verdi. Inszeniert von Oliver Tambosi unter

der musikalischen Leitung von Toshiyuki Kamioka. Premiere am

15. Mai 2010 im Staatstheater.

DIDO UND AENEAS

Oper in drei Akten von Henry Purcell. Unter der musikalischen

Leitung von Konrad Junghänel und inszeniert von Nigel Lowery

Premiere am 26. Juni 2010 im Staatstheater.

Sinfoniekonzerte des SST

6. SINFONIEKONZERT

Am Sonntag, 11. April, 11.00 Uhr und Montag, 12. April 2010,

20.00 Uhr, in der Congresshalle mit Werken von Richard Wagner.

7. SINFONIEKONZERT

Am Sonntag, 30. Mai, 11.00 Uhr und Montag, 31. Mai 2010,

20.00 Uhr, in der Congresshalle mit Werken von Berthold Hummel

und Ludwig van Beethoven.

8. SINFONIEKONZERT

Am Sonntag, 13. Juni, 11.00 Uhr und Montag, 14. Juni 2010,

20.00 Uhr, in der Congresshalle mit Werken von Johannes

Brahms.

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PANORAMA allaBREVE Sommersemester 2010 PANORAMA

Verzauberte Küsse von Verliebten

in der Klangmaschine

LAUTer SPIELEREIEN mit Kindern

der Max Ophüls-Grundschule

Feuer, Erde, Wasser, Luft, Musik

Aktionstag Musikalische Bildung an der Hochschule für Musik Saar

„Feuer, Wasser, Erde, Luft, Musik: Können Sie sich eine Welt ohne Musik vorstellen?“,

so lautete der Slogan des Aktionstages „Musikalische Bildung“ der am 19.

November 2009 bundesweit an den deutschen Musikhochschulen stattfand, so auch

an der Hochschule für Musik Saar.

Uns Studierenden des Studiengangs EMP fiel die Aufgabe zu, den Vormittag für

Kindergarten- und Grundschulkinder zu gestalten. Wir machten uns Gedanken

über den Ablauf und begannen mit den Vorbereitungen. Am Anfang schien alles

noch ein wenig unklar. Wie viele Kinder kommen? Von wo kommen die Kinder?

Wie soll der Ablauf aussehen? All dies war zunächst offen. Der 19. November

rückte immer näher und langsam aber sicher stand das Programm, das wir gemeinsam

mit unseren Professoren Prof. Dr. Michael Dartsch und Prof. Monika Utasi

entwickelten.

Den Auftakt unter der Leitung von Prof. Dr. Dartsch bildete das „Singen mit

Kindern“. Für uns war die Aufregung groß. Als es hieß, dass statt der 60 angemeldeten

Kinder 80 da waren, stieg diese noch einmal an. Nichtsdestoweniger begann

die Veranstaltung pünktlich um 9.30 Uhr im großen Saal. Die Kinder konnten es

sich auf Sitzkissen bequem machen und es ging los. Das erste Lied „Mombaba“ ein

Begrüßungslied von Uli Führe wurde von Michelle Thein vorgestellt. Die Kinder

wurden erstmal durch Dehnübungen und Strecken wachgeschüttelt, aufgeweckt und

aufgewärmt und dann wurde kräftig gesungen.

Plötzlich kam eine andere Stimmung auf, als aus der hintersten Ecke eine Katze

herangeschlichen kam. Diese Katze war Tamara Meschwilischwili, die die Kinder

durch das geheimnisvolle und verspielte Lied der Katze verzauberte.

Die Katze schlich sich wieder davon und mit Nina Hreus sauste der Wind durch den

großen Saal. „Horch wie der Wind weht“ versetzte die Kinder in eine herbstliche

Stimmung, in der der Wind durch die Stimme und die Instrumente dargestellt wurde.

Auch am Infostand des Aktionstages

herrschte großer Andrang.

Am Ende wurde sich dann noch einmal richtig bewegt.

Claudia Kemmerer studierte mit den Kindern ein selbstkomponiertes

Lied ein: In „Atmen“ wurde ein- und ausgeatmet,

sich gestreckt und gedreht, die Kinder hatten sichtlich Spaß.

Befürchtungen, die Kinder zu über- oder zu unterfordern und

ihre Aufmerksamkeit nicht fokussieren zu können, bestätigten

sich nicht. Begeistert sangen sie mit, machten Windgeräusche

und bewegten sich zu den Liedern.

Es waren aber nicht nur die Kinder, die großen Spaß hatten,

sondern sichtlich auch die Erzieherinnen und die Lehrkräfte,

die den Weg in den großen Saal gefunden hatten.

Nach Plan ging es um 10.00 Uhr weiter mit „Musik bewegt“,

wiederum unter der Leitung von Prof. Dr. Dartsch.

Es war eine Herausforderung für alle, in einer solch großen

Gruppe einen Tanz aufzuführen – Michael Dartsch gestand

den Kindern freimütig: „Ich habe noch nie mit 70 Kindern

getanzt!“ – aber mit Hilfe der Studierenden und der Erzieherinnen

gelang auch dieses.

Der erste Tanz „Hashual“, ein Volkstanz aus Slowenien,

handelt von einem Fuchs, der Sorgen hat, weil er nichts zu

fressen findet. Er versucht, Hühner zu sich zu locken, um sie

dann zu fangen. Sie fliegen jedoch wieder davon. Der zweite

Tanz wurde zu „Gah von mir“ getanzt. Hier handelt es sich

um traditionelle deutsche Musik, zu der die Choreographie

von den Studentinnen gemeinsam mit Herrn Dartsch

entwickelt wurde. Danach machte sich ein Teil der Kinder auf

den Weg zurück in den Kindergarten, die anderen gingen zur

nächsten Veranstaltung: „LAUTer SPIELEREIEN“.

Hier waren es Kinder einer 4. Klasse aus der Max Ophüls-

Grundschule, die Stücke, die sie im letzten Semester mit

Eva Behr, Miranda Alijai und Niklas Walker entwickelt

hatten, gemeinsam mit Studierenden unter der Leitung

von Prof. Monika Utasi aufführten.

Um 11 Uhr ging es dann weiter mit „Mach mit! Spiel mit!“.

Entlang der Geschichte „Vom Schmetterling, der einen neuen

Namen suchte“ entwickelte Prof. Monika Utasi mit einer

Gruppe von Kindern eine Musik, die von den Kindern ad

hoc mit Stimme und Instrumenten mitgestaltet wurde.

Im Flur der HfM war eine „Klangpassage“ mit verschiedenen

„Klangmaschinen“ installiert. Zwischen den Veranstaltungen

konnten die Kinder diese ein- und ausschalten und somit in

verschiedene „Klangwelten“ eintauchen. Es befanden sich drei

verschiedene Maschinen auf dem Weg die jeweils von Studieren

den der EMP und des Lehramtes Musik gestaltet wurden.

Gleich am Anfang befand sich die „Dschungelwelt“. Hier

wurden die Kinder durch die Klänge von Harfe, Congas,

Guiros, Stimmen und durch ein selbstgeschriebenes Gedicht

in den Dschungel eingeladen. Allein durch das Anknipsen der

Lampe konnte man die Klänge initiieren.

Etwas weiter oben befand sich dann die „Rapper“-Abteilung.

Hier wurde ein selbstgeschriebener Rap aufgeführt wobei am

Ende eine Überraschung wartete. Den Rap musste man mit

einer kleinen Klingel in Gang setzen und konnte ihn auch so

wieder stoppen.

Bei der letzten Station schwebten einem die Klänge von

Verliebten entgegen. Hier erwartete die Kinder eine Leinwand

mit zwei Köpfen, die die Kinder durch Betätigung des

Gonges zum Erwachen bringen konnten. Dann wurden

verzauberte Küsse ausgetauscht, bis die Kinder das ganze

Spektakel wieder beendeten.

Michelle Thein

(Studentin des Hauptfachs Elementare Musikpädagogik)

20 21


PANORAMA allaBREVE Sommersemester 2010 PANORAMA

Landespreis Hochschullehre

für HFM-Professor

Wolfgang Mayer

(red). HFM-Professor Wolfgang Mayer hat den

mit 30.000 Euro dotierten Landespreis Hochschullehre

2009 erhalten. Der Preis wurde ihm im

Rahmen einer Feierstunde von Wissenschaftsminister

Dr. Christoph Hartmann verliehen.

Prämiert wurde Mayer für seine, so die Jury,

richtungsweisende Lehrveranstaltung „ENSUI-

TE – ein Abend der Schulmusik“. Bei der

Veranstaltung werden jedes Semester revueartig

in schneller Folge aktuelle künstlerische

Arbeiten der Schulmusikstudierenden öffentlich

präsentiert.

Ob gesungen, gesprochen, getanzt, gespielt, ob

solistisch, im Ensemble, improvisiert, komponiert

oder arrangiert, ob Mozart oder Madonna,

Cembalo oder E-Gitarre – ENSUITE legt den

inhaltlichen Schwerpunkt auf die breite Vielfalt

der künstlerisch-praktischen Unterrichtsfächer.

Der zum 7. Mal vergebene Landespreis ist

insgesamt mit 50.000 Euro dotiert und wird für

herausragende Lehrveranstaltungen an saarländischen

Hochschulen verliehen. Ausgezeichnet

wurde auch ein Projekt der HBKsaar, an dem

Studierende unserer Hochschule unter der

Leitung von Prof. Dr. Michael Dartsch beteiligt

waren.

Eine detaillierte Darstellung des Konzep tes von

ENSUITE finden Sie in der Rubrik „Forum“ in

dieser allaBREVE.

Foto: M. Wittinger

Musikalisches

Spitzenereignis:

Festkonzert zum

Foto: Jean M. Laffitau

50jährigen

Bestehen der FuF Jazzförder-

(red). Ein musikalisches Ereignis der

Sonderklasse war das Fest-Konzert zum

50jährigen Bestehen der Freunde und

Förderer der Hochschule für Musik Saar

(FuF). Unter der Leitung von Maxim

Vengerov spielte das Orchester der Hochschule

in der voll besetzten Saarbrücker

Congresshalle ein faszinierendes Programm

mit Werken von Beethoven und

Tschaikowsky.

Über die Leistung des Dirigenten schrieb

Hans Bünte, der Rezensent der Saarbrücker

Zeitung, der auch die Proben aufmerksam

verfolgte: „Vengerovs intensive

musikalische Vorstellung vermittelt seine

Körpersprache. Er formt die Themen

detailgenau … er singt viel vor … und

bogentechnische Ratschläge gibt‘s gratis

dazu.“ Weiter heißt es in der Besprechung:

„Phantastisch dann die Steigerung

im Konzert. Nach einer etwas steifen

„Egmont“-Ouvertüre ein lebendiges

Musizieren gemeinsam mit Thomas Duis

bei dessen ebenso virtuoser wie kraftvoller

Darstellung von Beethovens 5. Klavierkonzert.

Mit einer Schumann-Zugabe

dankte der Solist für den rauschenden

Beifall. Doch erst bei Tschaikowskij

konnte Vengerov, auswendig dirigierend,

alle Qualitäten zeigen: archaische Ruhe

bei der Einleitung, Grazie und Humor im

Fünfviertel-Walzer, entfesselte Raserei im

3. Satz und ein intensiver, aber unsentimentaler

Klagegesang im Finale. Auf

lange Stille folgte frenetischer Applaus.“

Der Lohn für die außergewöhnliche

musikalische Leistung des Dirigenten

und seines Orchesters waren nicht nur

Beifallsstürme eines restlos begeisterten

Publikums – mit dem Erlös des Benefiz-

Konzertes konnte durch die FuF auch ein

stattlicher Förderbeitrag für die Ausbildung

an unserer Hochschule bereit gestellt

werden.

preis der Stadt

St. Ingbert für

Manuel Krass

Der HFM-Student und Jazz-Musiker

Manuel Krass hat den Jazzförderpreis der

Stadt St. Ingbert 2010 erhalten. Die Jury

würdigte die herausragenden Leistungen

des Saarländers sowohl als Komponist als

auch als Instrumentalist und Arrangeur:

„In selten gehörter Art und Weise versteht

es der 1988 in Saarbrücken geborene

Künstler, die Möglichkeiten des Pianos

in einer filigranen Art und Weise auszuloten.

Klassische Jazzstandards werden in

den Händen von Manuel Krass verändert

und von einer anderen Warte aus gehört.

Gleichzeitig erweist sich der Musiker als

sorgfältiger und talentierter Interpret eigener

Kompositionen, indem er sein Instrument

feinfühlig und nuanciert, gleichzeitig

aber auch ungemein kraftvoll spielt.“

22 23


PANORAMA allaBREVE Sommersemester 2010 PANORAMA

Foto: Jean M. Laffitau

HFM vertritt

Saarland auf der Berliner Jazz-Meile

(red). Jedes Jahr im Oktober wird in

Berlin die Straße „In den Ministergärten“

in eine Jazz-Meile umgewandelt.

Dann laden die sieben Landesvertretungen

beim Bund zu einem

gemeinsamen Jazzfest ein. Zum

Jazz-Event in der Bundeshauptstadt

entsendet jede Landesvertretung ein

Ensemble aus der Heimat. In diesem

Jahr hatten Professoren und Studierende

der HFM die Ehre, das Saarland

auf der Jazz-Meile zu vertreten.

Repräsentative Werke

von Claude Lefebvre

(red). Eine neue CD würdigt das Schaffen

des französischen Komponisten Claude

Lefebvre (geb. 1931). Der Doppel-Tonträger,

der vom Saarländischen Rundfunk

und vom Südwestrundfunk produziert

wurde, verzeichnet einen repräsentativen

Querschnitt durch das weitverzweigte

Werk des Künstlers.

Claude Lefebvre studierte am Conservatoire

Paris Komposition bei Darius Milhaud

und anschließend bei Pierre Boulez

an der Musikakademie Basel.

1966 wurde er zum Professor für Analyse

und Komposition ans Konservatorium

Ob in St. Ingbert oder Berlin:

Die HFM-Jazzer begeistern ihr Publikum

Metz berufen. Er ist Initiator des 1972

in Metz gegründeten „centre européen

pour la recherche musicale“ und des

Festivals „Internationale Begegnung

Zeitgenössischer Musik“, dessen künstlerische

Leitung er 20 Jahre lang innehatte.

1996 gründete er im lothringischen

Forbach das musikalische Zentrum

„rendezvous musique nouvelle“, dessen

Bestand mittlerweile an unsere Hochschule

übergegangen ist. Neben der Musik

gilt Lefebvres Interesse vor allem der

Poesie. Seine Werke sind weltweit aufgeführt

worden, seine Gedichte wurden

vielfach vertont.

Eingeladen hatte Jürgen Lennartz, der

Bevollmächtigte des Saarlandes beim

Bund. Mit den Formationen „The

Directors“ (Professoren) und „The

Beatles“ (Studierende) begeisterten die

HFM-Jazzer das Berliner Publikum,

und der Bär in der saarländischen

Landesvertretung steppte bis tief in die

Nacht. Kooperationspartner „Saarländischer

Rundfunk“ hat das viel beachtete

Konzert für die Radiohörer an der Saar

mitgeschnitten.

Will man sich mit Claude Lefebvres

Werk befassen, so begegnet man einer

Klangwelt, die resolut im Leben fußt und

doch eine formale Strenge beibehält. Die

lyrischen Titel der Werke zeugen vom

poetischen Impuls, der das ganze Schaffen

des Autors bewegt.

Die CD ist im Label perc.pro (LC 11995)

erschienen (www.perc-pro.com).

Neu buchstabiert:

Das „ABC Musik“

(red). Bei Breitkopf & Härtel ist eine

Neuauflage des erfolgreichen Lehrbuches

„ABC Musik“ erschienen.

Unzählige Schüler(innen) und Studierende

haben nach dem ABC Musik die

Allgemeine Musiklehre buchstabieren

gelernt. Nach fünf überaus erfolgreichen

Auflagen der 1997 erstmals erschienenen

Ausgabe hat Wieland Ziegenrücker

sein Grundlagenbuch gründlich durchgesehen,

aktualisiert und um 60 Seiten

erweitert. Das neue ABC Musik bringt

mehr zur Akustik, Jazz- und Popmusik

und Musikinstrumentenlehre und vertieft

historische Bezüge. Die grundlegenden

Qualitäten von ABC Musik – umfassende

Themenauswahl, durchdachter Aufbau,

leicht verständliche Sprache, praktische

Übungen zur Lernkontrolle, Register mit

Sachwort-Erläuterung – wurden so noch

stärker betont. ABC Musik erklärt fundiert

die Musikpraxis von abendländischer

Musiktradition bis zur Neuen Musik- und

das zum alten Preis.

Wieland Ziegenrücker

ABC Musik

Allgemeine Musiklehre

446 Lehr- und Lernsätze

Neufassung

ISBN 978-3-7651-0309-4

BV309 € 9,80

(red). „Heavenly Wood“ heißt eine neue

CD, die das Blockflötenconsort Saarbrücken

unter der Leitung des HFM-Lehrbeauftragten

Bernhard Stilz eingespielt

hat. Der Tonträger mit englischer Consortmusik

aus der Renaissance-Zeit ist

aus Live-Mitschnitten von zwei Konzer-

HFM-Jazzer bei

St. Ingberter „Go!“

(red). Die Jazzabteilung der HFM hat sich erfolgreich im Rahmen

des Projektes "Go!" beim internationalen Jazzfestival 2010

in St. Ingbert präsentiert.

Das Projekt "Go!" bestrebt eine Vernetzung der Jazzabteilungen

von Ausbildungs-Institutionen innerhalb der Großregion.

So entsandten auch die Konservatorien von Metz, Nancy und

Luxembourg Beiträge zum Festival. Initiator und künstlerischer

Leiter von "Go!" ist der HFM-Professor für Jazzschlagzeug

Oliver Strauch.

Professoren und Dozenten der HFM-Jazzabteilung zeigten auf

dem Festival die ganze Bandbreite ihres musikalischen Schaffens:

von der Erzeugung digitaler Klanglandschaften bis zur ‚analogen’

bodenständigen Jazz-Band mit Neuarrangements von Kompositionen

Horace Silvers. Die EBU (European Broadcast Union)

hat den Beitrag der HFM-Jazzer europaweit vor einem Millionenpublikum

live übertragen.

Englische Consortmusik

mit dem Blockflötenconsort

Saarbrücken

ten zusammengestellt worden. Sängerin

in dem siebenköpfigen Ensemble aus

Studierenden und Absolventen der HFM

ist die Sopranistin Laura Hoellinger. Die

CD ist im Label tgf-records (LC 08669)

erschienen (0800-8826678; tgf-records@

email.de).

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STUDIUM allaBREVE Sommersemester 2010 STUDIUM

Mit der Einführung des neuen

Hochschulgesetzes erhält die HFM

weitreichende Autonomie

Mehr Autonomie und

Promotionsrecht durch

neues Hochschulgesetz

(red). Mit der Einführung des neuen

Hochschulgesetzes wird die Hochschule

für Musik Saar künftig über mehr

Autonomie und damit über größere

strukturelle Souveränität sowie über ein

eigenes Promotionsrecht verfügen. Das

sieht der Entwurf eines Gesetzes über

die beiden künstlerischen Hochschulen

des Saarlandes vor, dem der saarländische

Ministerrat bereits zugestimmt hat.

Als Ausgangspunkt für die Novellierung

der Gesetze bezeichnet der Minister

für Bundesangelegenheiten, Kultur und

Chef der Staatskanzlei, Karl Rauber,

neben derderalismusreform und dem

Bologna-Prozess vor allem den institutionellen

Reformbedarf der Hochschule

für Musik Saar und der Hochschule der

Bildenden Künste Saar. Die Gesetze

sind vom zuständigen Fachreferat in

enger Abstimmung mit den Hochschulen

erarbeitet worden, um den Belangen

der beiden Einrichtungen in besonderer

Weise gerecht zu werden.

Die wichtigsten Änderungen sind im

Einzelnen: Nach Einführung des Bachelor-

und Mastergrades wird die Lehre

beider Hochschulen an die zweistufige

Studienstruktur angepasst. Für eine Übergangszeit

soll auch der international hoch

angesehene Diplomabschluss beibehalten

werden. Die Hochschulen werden bei der

Regelung ihrer internen Gremienstruktur

und Gliederung zukünftig weitgehend frei

von gesetzlichen Vorgaben sein.

Ändern soll sich auch der Bereich der

Selbstverwaltung durch Einführung eines

Rektorats, die Reduktion der Hochschulgremien

und die Zusammenfassung der

einzelnen Hochschulmitgliedergruppen.

Außerdem ist nunmehr auch die Möglichkeit

der Einführung von sogenannten

An-Instituten vorgesehen, was die

externen Betätigungsmöglichkeiten der

Hochschulen erweitert.

Mit der Einführung des Promotionsrechts

wird eine wichtige Reform zur

Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit im

nationalen und internationalen Wettbewerb

umgesetzt. Schließlich sieht das

novellierte Hochschulgesetz auch eine

Anpassung an die Änderungen im Tarif-

und Beamtenrecht vor.

Minister Rauber würdigt die neuen Gesetze

als wichtigen Beitrag zur Modernisierung

und Steigerung der Effizienz der

künstlerischen Hochschulen im Saarland.

Insbesondere das Promotionsrecht

werde die Attraktivität der Hochschulen

steigern.

Wettbewerb um

HFM-Erweiterungsbau entschieden

(red). Der Minister für Bundesangelegenheiten, Kultur und Chef

der Staatskanzlei Karl Rauber, Finanzstaatssekretär Gerhard

Wack und der Vorsitzende der Jury, Prof. Dr. Carl Fingerhuth,

haben die Sieger des Architektenwettbewerbs für die „Erweiterung

der Hochschule für Musik Saar“ vorgestellt und die Preise

an die Gewinner übergeben. Die Vorstellung der Gewinner

und ihrer Entwürfe sowie die Übergabe der Preisgelder fand in

Anwesenheit des Rektors der Hochschule für Musik Saar, Prof.

Thomas Duis, statt.

Für den Wettbewerb zur Erweiterung der HFM waren Preisgelder

in Höhe von insgesamt 53.000 Euro zur Verfügung gestellt

worden. Das Architekturbüro pw gard, Dipl.-Ing. Paul Werner

Gard aus St. Wendel hat den mit 14.000 Euro dotierten 1. Preis

des europaweit ausgeschriebenen Realisierungswettbewerbes zur

Erweiterung der Hochschule gewonnen. Die Entscheidung fiel

nach intensiven Beratungen des Preisgerichtes unter Vorsitz von

Prof. Carl Fingerhuth aus Zürich.

Neuer Studiengang:

Lehramt Musik an beruflichen Schulen

Ab dem WS 2010/2011 wird die Schulmusik

um eine weitere Studienmöglichkeit

bereichert: das Lehramt Musik an

beruflichen Schulen. Von den Absolventen

können beispielsweise die Fachschulen

für Erzieher/innen profitieren und damit

langfristig die Musikpraxis in Kindergärten.

Auch wenn sich voraussichtlich nur

ein oder zwei Studenten pro Jahr für die

spezielle neue Ausrichtung entscheiden

werden, gehört die HfM Saar damit doch

bundesweit zu einer von wenigen Hochschulen,

die sich für das Fach Musik an

beruflichen Schulen engagieren.

Die Studienbereichskonferenz Schulmusik

hat auf ihrer letzten Sitzung im Wintersemester

außerdem ihr Interesse an einer

Musiklehrerbildung für Grundschulen

erklärt. Sollte es in Zukunft wieder ein Studium

für das Lehramt an Primarschulen

im Saarland geben, darf das Fach Musik im

Kanon möglicher Fächer nicht fehlen.

Der 2. Preis in Höhe von 12.000 Euro ging an die Architekten

PASD Feldmeier + Wrede aus Hagen, der mit 9.000 Euro

dotierte 3. Preis an das Architekturbüro Bayer & Strobel aus

Kaiserslautern und der mit 7.000 Euro dotierte 4. Preis an Wilford

Schupp Architekten aus Stuttgart. Darüber hinaus wurden

drei gleichrangige Ankäufe für insgesamt 11.000 Euro getätigt.

Insgesamt waren 19 Vorschläge für den Wettbewerb eingereicht

worden. Als städtebauliche Vorgabe war ein Neubau gefragt, der

sich in bestehende Gebäudekomplexe einfügt und auf relativ

enger Fläche ein großes Raumpotenzial zur Verfügung stellt.

„Ausgangslage ist die erfreulich positive Entwicklung der

Hochschule für Musik Saar in den letzten Jahren“ – so Minister

Rauber. In der Folge sind sowohl die Studentenzahlen als auch

der Raumbedarf deutlich gestiegen. Um den jetzigen und künftigen

Bedürfnissen der Hochschule gerecht zu werden, soll durch

den Neubau die Kapazität und Attraktivität am Hauptstandort

Bismarckstraße erhöht werden.

In der Eignungsprüfung für die Schulmusikstudiengänge

kommt schon bald ein

neuer Prüfungsteil hinzu. Ähnlich wie an

anderen Musikhochschulen müssen die

Bewerber sich künftig mit einem kleinen

und einfachen vorbereiteten Arrangement

als Ensembleleiter bewähren.

Die Begabung und die Fähigkeit, vor

und in einem Musikensemble zu agieren

und mit der Gruppe zu kommunizieren,

bilden eine wichtige Voraussetzung für

den späteren Musiklehrerberuf. Außerdem

bekommen die angehenden Schulmusiker

künftig die Gelegenheit, sich mit Nebeninstrumenten

(über Hauptfach, Klavier

und Gesang hinaus) zu präsentieren. Damit

können die Vielseitigkeit von Bewerbern

und die Breite ihrer musikalischen

Erfahrungen bei der Studienplatzvergabe

berücksichtigt werden.

Christian Rolle

26 27


Meisterkurs

Viola mit Prof.

Thomas Riebl

(red). Vom 29. bis 31. Mai 2010 gibt

Prof. Thomas Riebl vom Mozarteum in

Salzburg an der HFM einen Meisterkurs

für Viola und andere Streichinstrumente.

Nähere Informationen werden noch

bekannt gegeben.

Lebendige Vermittlung

von Musikgeschichte:

Seminar für

Schulmusiker

in Leipzig

In der ersten Märzwoche 2010 fand an der

Hochschule für Musik und Theater „Felix

Mendelssohn Bartholdy" in Leipzig eine

interdisziplinäre hochschulübergreifende

Lehrveranstaltung statt, an der u.a. Prof.

Dr. Christian Rolle als Dozent beteiligt

war. Die hochschulübergreifenden

Seminare finden jedes Jahr im Wechsel

an verschiedenen Musikhochschulen statt

und richten sich an Schulmusiker aus ganz

Deutschland.

28

STUDUM allaBREVE

Die Besonderheit der diesjährigen, einwöchigen

Blockveranstaltung lag in der

interdisziplinären Zusammensetzung des

vierköpfigen Dozententeams, zu dem neben

Prof. Dr. Rolle ein weiterer Musikpädagoge

(Prof. Dr. Christopher Wallbaum)

und eine Musiktheoretikerin aus Leipzig

(Prof. Dr. Gesine Schröder) sowie ein

Musikwissenschaftler aus Mannheim, Prof.

Dr. Thomas Schipperges, zählten.

„Wie kann Musikgeschichte auf lebendige

Weise in der Schule unterrichtet werden?“

lautete die Frage, mit der sich die 19

teilnehmenden künftigen Musiklehrer aus

sieben verschiedenen Musikhochschulen

eine Woche lang auseinandersetzten.

Die Studierenden machten dabei unterschiedliche

Erfahrungen zur Herangehensweise

an dieses Thema. So begaben sich zu

Beginn des Seminars die Dozenten und

Studierenden in Mönchskutten gekleidet in

verschiedene „Klöster“, die in den Räumen

der HMT Leipzig eingerichtet waren, um

dort gemeinsam mehrstimmige „Mönchsgesänge“

im Stile des 16. Jahrhunderts zu

improvisieren.

Am zweiten Tag erlebten die Studierenden

eine ganz andere Art der Herangehensweise

an die gestellte Aufgabe. Während es am

ersten Tag darum ging, ästhetische Erfahrungen

zu machen, wurde am zweiten Tag

musiktheoretisch und musikwissenschaftlich

gearbeitet. Den Studierenden sollte

somit ein Einblick in die Arbeitsweisen der

Musikwissenschaft gegeben werden.

In den folgenden Tagen hatten die Studierenden

Gelegenheit, selbst Ideen und

Konzepte zu entwickeln, wie man ein Thema

der Musikgeschichte Schülern lebendig

näher bringen kann.

Zu den Höhepunkten des Seminars

zählten auch die verschiedenen Warmup-

Übungen zu Beginn der Seminartage. So

erhielten die Studierenden unter anderem

einen Einführungskurs im Menuett-Tanz

in Form einer Tanzimprovisation, angeleitet

von Herrn Kaspar Mainz, einem freischaffenden

Pädagogen und Choreographen

u.a. mit Lehrtätigkeit am „Mozarteum“

in Salzburg und an Universitäten in New

York und Graz.

An den letzten beiden Tagen lernten

die Studierenden in zwei Einheiten „Vokalimprovisation“

(angeleitet durch Herrn

Christian Fischer, Dozent für Chorleitung

an der HMT Leipzig) Möglichkeiten

kennen, Schulchöre und Schulklassen mit

einfachen, aber wirkungsvollen Übungen

einzusingen.

Zudem wurde von Christopher Wallbaum

eine kleine Stadtführung durch Leipzig angeboten,

in deren Verlauf u.a. die Thomaskirche

mit dem Grab von Johann Sebastian

Bach und die Nikolaikirche gezeigt wurde.

Benedict Guntermann

(Student der Schulmusik im 9. Semester)

Studierende der HFM beim Seminar

für Musikpädagogik und

Musikwissenschaft in Leipzig

Sommersemester 2010 FORUM

modular angelegtes nachhaltiges Konzept

»ENSUITE – ein Abend der Schulmusik«

von Prof. Wolfgang Mayer

(red). Professor Wolfgang Mayer ist für seine HFM-Veranstaltungsreihe

„ENSUITE – ein Abend der Schulmusik“ mit dem

Landespreis Hochschullehre 2009 verbunden mit einem Preisgeld

von 30.000,– Euro ausgezeichnet worden. Im Folgenden

finden Sie Auszüge seiner im Rahmen der Preisverleihung präsentierten

Vorstellung des didaktisch-methodischen Konzeptes.

Neben dem Erwerb sowohl theoretisch-wissenschaftlicher als

auch pädagogischer Kompetenzen bildet die Vermittlung von

künstlerisch-ästhetischen Kompetenzen eine wichtige Säule in

der Ausbildung künftiger Musiklehrerinnen und Musiklehrer.

Besonders diese künstlerisch-ästhetischen Kompetenzen machen

die späteren Musiklehrerinnen und Musiklehrer zu Expertinnen

und Experten für die planvolle Inszenierung von Erfahrungssituationen,

in denen durch Schaffung von Handlungsmöglichkeiten

musikbezogenes Lernen stattfinden und musikalische Kompetenzen

erworben werden können. Zur nachhaltigen Vermittlung

dieser Kompetenzen ist die Lehre im Studienbereich Schulmusik

an der Hochschule für Musik Saar verantwortlich beauftragt.

Mit Blick in die Studien- und Prüfungsordnungen der Lehramtsstudiengänge

können wir uns eine Übersicht über die Unterrichtsfächer

mit künstlerisch-fachpraktischer Ausrichtung machen:

Künstlerisches Schwerpunktfach (Hauptinstrument oder

Gesang als Hauptfach), Bläser-/Streicherklasse, Chorleitung,

Hochschulchor, Improvisation (EMP, Perkussion, Stummfilmimprovisation)

Klassenmusizieren mit Arrangement/Computer,

Klavier (Literaturspiel), Musiktheorie, Komposition, Popularmusik/Bandarbeit

mit Arrangement/Computer/Medien, Projektarbeit,

Rhythmik/Bewegung/Tanz, Schulpraktisches Klavierspiel,

Sprecherziehung/Szenisches Spiel, Vertiefende Ensemblearbeit

(Bigband, Ensemble für Neue Musik, Hochschulorchester,

Schulmusikorchester, Jazzchor, Jazzcombo).

Die künstlerische Persönlichkeit wird aus

vielen kreativen Quellen gespeist“

Schon bei der Anmeldung zur Eignungsprüfung für ein Schulmusikstudium

steht für die jungen Bewerberinnen und Bewerber

an erster Stelle das künstlerische Schwerpunktfach. Diesen

Stellenwert hat das künstlerische Schwerpunktfach auch zu

Recht. Gerade auf einem Instrument oder mit der Stimme von

Kindheit an aufbauende persönliche künstlerisch-ästhetische

Erfahrungen zu machen und diese innerhalb eines Musikstudiums

tief greifend mit hohen Zielen zu perfektionieren, ist für die

Formung einer künstlerischen Persönlichkeit unabdingbar

(und nicht zu vergessen: dahinter stehen auch erhebliche

Nachhaltig angelegtes modulares Konzept:

Szenenfotos aus „ENSUITE“ – hier mit

Prof. Wolfgang Mayer an der Klarinette

finanzielle Investitionen der Eltern und der Studierenden). Die

einzelne künstlerische Persönlichkeit wird aber noch aus vielen

anderen kreativen Quellen gespeist, so dass allen künstlerischfachpraktischen

Fächern in der Lehre eine große Wichtigkeit

und Bedeutung zukommt, um den Studierenden den Erwerb der

für den Lehrberuf an den verschiedenen Schulformen erforderlichen

Kompetenzen zu ermöglichen.

„Öffentliches Forum, um den „spielerischen“

Erwerb einer Vielzahl von Kompetenzen zu

ermöglichen“

Nach meinem Ruf an die Hochschule für Musik Saar zum

Wintersemester 2005/06 habe ich alsbald festgestellt, dass ein

großes Gefälle in der individuell studentischen, aber auch in der

hochschulöffentlichen Wahrnehmung innerhalb dieser Fächerliste

bestand. Verfügt das künstlerische Schwerpunktfach schon

in der Aufnahmeprüfung über ein ausschlaggebendes Gewicht

bezüglich der Zuteilung der Studienplätze, erfährt man über die

künstlerischen Qualitäten der Studierenden in den restlichen

Fächern des künstlerisch-praktischen Fächerkanons oft erst in

den Prüfungen. Der Blick auf die Prüfungsleistungen und insbesondere

das Gespräch mit den Studierenden aber verdeutlichten,

welches künstlerische „Herzblut“ vorhanden war bzw. welches

kreative Potential sich erst gar nicht entfalten und präsentieren

konnte. Folglich beschloss ich im Interesse einer Verbesserung

dieser Situation ein öffentliches Forum zu schaffen, das diesem

Potential Raum verschaffen, den künstlerischen Leistungen der

Studierenden Wertschätzung entgegenbringen und vor allem den

„spielerischen“ Erwerb einer Vielzahl von Kompetenzen künftiger

Musiklehrerinnen und Musiklehrer ermöglichen konnte.

Eine verantwortliche Lehre hat dabei ihr Augenmerk sowohl

auf die durch die Studierenden zu erwerbenden individuellen

Kompetenzen zu richten, als auch die spätere Berufswelt, die Lebenswelt

von Kindern und Jugendlichen und die gesellschaftliche

Verantwortung der Berufstätigkeit von Musiklehrerinnen und

Musiklehrern im Blick zu halten.

29


FORUM allaBREVE Sommersemester 2010 CAMPUS

Zum einen müssen Studierende einer Musikhochschule die

Fähigkeit besitzen, theoretisch gelerntes intellektuell, mental und

körperlich in die Praxis umsetzen zu können. Musizieren heißt

wie kaum eine andere Disziplin, Kompetenzen zu entwickeln,

mit Konzentration auf mehreren Ebenen eine künstlerischpraktische

Leistung einem Publikum vorzutragen. Geschieht dies

öffentlich, so wird der Kunstschaffende dabei sofort mit der Reaktion

des Publikums auf seine eigenen schöpferischen Leistungen

– im Guten wie im Schlechten – konfrontiert. Zum anderen

eröffnet der Blick auf die Berufs- und Lebenswelt die notwendige

Aneignung ganz anders gelagerter Kompetenzen. Kultur ist

kein Beiwerk, sondern Kultur gehört zu unserem Lebensalltag.

Eine wichtige Aufgabe der Musiklehrerinnen und Musiklehrer

besteht darin, ihre Aufgabe als Kulturvermittler wahrzunehmen.

„Nur eine gelebte Kulturvermittlung kann

andere Menschen motivieren, sich in unsere

Kulturgesellschaft einzubringen“

Kulturvermittler zu sein heißt, andere Menschen auf diese

Lebenswirklichkeit und deren großen Wert in unserer Kulturgesellschaft

immer wieder aufmerksam zu machen und ein solches

Verständnis im Menschen zu implementieren. Nur eine gelebte

Kulturvermittlung kann andere Menschen motivieren, sich in

unsere Kulturgesellschaft einzubringen. Der in unserer Gesellschaft

– auch aus ureigenem Interesse durch die Musikindustrie

verstärkten – immer mehr verankerten Vorstellung, Kultur sei

reines Konsumgut, muss eine gelebte Kulturvermittlung entgegengestellt

werden, die es versteht, Menschen zu begeistern und

zu motivieren, um aktiv an Kultur teilzuhaben und einen eigenen

Beitrag zu leisten.

Vor dem Hintergrund der vorhin genannten Beobachtungen

bezüglich eines Ungleichgewichts in der Wahrnehmung der

künstlerisch-praktischen Fächer und mit dem Ziel, die Lehre in

puncto der Vermittlung bzw. Festigung einer Vielzahl wichtiger

Schlüsselkompetenzen zu verbessern, entwarf ich das Basiskonzept,

benannte es mit einem griffigen Titel und konnte im

Wintersemester 2006/07 den Startschuss für „ENSUITE –

ein Abend der Schulmusik“ geben, der seitdem jedes Semester an

der Hochschule für Musik Saar zusammen mit den Schulmusikstudierenden

präsentiert wird.

„Vermittlung bzw. Festigung einer Vielzahl

wichtiger Schlüsselkompetenzen“

ENSUITE ist ein nachhaltig angelegtes, modulares Konzept, das

den zukünftigen Musiklehrerinnen und Musiklehrern Werkzeuge

an die Hand gibt, motivierend und kommunikativ permanent

wechselnde Situationen, Personen und Inhalte zugunsten

eines stets hochwertigen Ergebnisses zu meistern. Das modular

angelegte Konzept hat sich über die letzten sieben Semester gut

bewährt, so dass ENSUITE sich – mit sich selbst vergleichend

– stetig optimiert und nachhaltig mittlerweile neue Konzeptformen

aus sich entwickelt hat. Als aktuelles Beispiel möchte ich

das seit dem Wintersemester 2009/10 gestartete Projekt „ENSU-

ITE goes radio“ nennen, das wir dieses Sommersemester auf die

Bühne bringen bzw. über den Äther schicken wollen.

[Anm. d. Red.: Auf den Abdruck der tabellarischen Darstellung

des Rahmenkonzeptes und der damit verknüpften Lernziele, der

vermittelten Schlüsselkompetenzen und der allgemeinen Ziele

muss hier aus Platzgründen verzichtet werden und kann hier nur

schlagwortartig genannt werden.]

Rahmenkonzept

ENSUITE ist eine in schneller Folge wechselnde öffentliche

Präsentation künstlerischer Arbeiten aus allen künstlerisch-praktischen

Fächern ohne stilistische oder inhaltliche Abgrenzungen,

die mit ihrer künstlerischen Aussage ihren integrativen Platz in

einer künstlerischen Hochschule einnehmen und gleichzeitig

einen Beitrag für eine positive Außenwirkung sowohl des Studienbereichs

Schulmusik als auch der gesamten Hochschule leisten

möchte. ENSUITE findet jedes Semester im Konzertsaal der

HFM Saar unter der Leitung von Prof. Wolfgang Mayer statt.

Die Mitwirkung ist freiwillig.

Lernziele, Kompetenzen, allgemeine Ziele

Erfahrungswelt Bühne, Kontinuität, Vergleichbarkeit, persönlichkeitsbildende

Komponente, Motivation, Teamarbeit, gegenseitige

Wertschätzung, gelebte Kulturvermittlung, Verantwortung

übernehmen, Praxisorientierung, Konzertorganisation, Veranstaltungstechnik

, Aspekte zu(r): Konzeption, Präsentation, Performance,

Musikrezeption, Musikgeschichte, Musikpsychologie,

Musikästhetik.

Am Ende meiner Ausführungen möchte ich allen Menschen

an der Hochschule für Musik Saar gleich welcher Position und

Aufgabe für den „kreativen humus“ danken, in dessen Umfeld

ein Konzept wie „ENSUITE – ein Abend der Schulmusik“ sich

entwickeln konnte.

Hinweis: „ENSUITE“ im Sommersemester:

Montag, 21. Juni 2010, 19 Uhr, Konzertsaal der HFM Saar

Aus den Klassen

Oboen-Klasse

Prof. Armin Aussem/

Stéphane Egeling

Die Absolventin der Oboenklasse

Bo Min Kim hat nach erfolgreichem

Probespiel einen Vertrag bei den

Dresdnern Philharmonikern erhalten.

Kompositionsklasse

Prof. Theo Brandmüller

Bei der 12. Münchener Biennale (April-

Mai 2010) wird die Oper „Die Quelle“ der

HFM-Absolventin Lin Wang uraufgeführt.

In dem Werk wird der Versuch

unternommen, Elemente westlicher und

östlicher Kultur- und Musiktradition

zusammen zu führen.

Eine schwierige künstlerische Synthese,

die nach Auskunft der Komponistin, nur

über den langen Weg zu einer „radikalen

Individualität“ möglich ist. Das Libretto

der Oper beruht auf einer Erzählung der

chinesischen Dichterin Can Xue, die sich

in ihren Werken außer mit ihrer eigenen

kulturellen Tradition mit der literarischen

Strömung des Expressionismus und

Surrealismus in Europa und Nord- und

Südamerika beschäftigt. Die Quelle in

Wangs multimedial inszenierter Oper wird

zum Symbol des Lebens in seiner ganzen

Vielschichtigkeit.

Das SWR-Sinfonieorchester Baden-

Baden und Freiburg würdigte die Absolventin

der Kompositionsklasse, Zeynep

Gedizlioglu, im März dieses Jahres mit

zwei Porträtkonzerten – eine ganz besonders

ehrenvolle Auszeichnung für die junge

Komponistin. Gedizlioglu wurde 1977 in

Izmir geboren. Ihr Werk ist schon mehrfach

national und international prämiert

worden. In ihrem Schaffen finden sich

zahlreiche Einflüsse der zeitgenössischen

Kultur ihrer türkischen Heimat.

Elementare Musikpädagogik

Klasse Prof. Dr. Michael

Dartsch, Prof. Monika Utasi

Im Rahmen eines von saarländischen

Rotary-Clubs finanzierten Projektes

haben die EMP-Absolventinnen

Miranda Aliaj, Anja Ewen, Heike Hempel,

Barbara Neumeier und Hanna Kersten

ihre musikpädagogische Arbeit in Kindergärten

in Saarlouis, Steinrausch, Merzig,

Waller fangen, St. Ingbert und Saarbrücken

aufgenommen. Durch eine pro Woche

mehrstündige Präsenz der Absolventinnen

in den Einrichtungen soll die Basis für eine

nachhaltige Verankerung der Musik in den

Tagesstätten – und damit im Alltag der

Kinder – gelegt werden.Melanie Gruber

hat eine Anstellung an der Musikschule

Ravensburg erhalten. Miranda Aliaj nimmt

ihre Arbeit als Lehrkraft an der Musikschule

Saarbrücken auf. Heike Hempel ist

nach Eva Mörsdorf als zweite Absolventin

der Klasse ins Team der Musikschule

Sulzbach-Fischbachtal aufgenommen

worden. Anja Ewen hat an der MusikKreativSchule

Anton in Lebach als Lehrkraft

begonnen und ein Angebot für Kleinkinder

mitkonzipiert.

Violaklasse

Prof. Jone Kaliunaite-Fassbender

Fana Spirkoska hat eine Stelle als

Solobratschistin an der Nationaloper von

Mazedonien erhalten.

Klarinettenklasse

Prof. Johannes M. Gmeinder

Carina Stamm hat für die Spielzeit

2009-2010 eine Praktikantenstelle am

Theater Osnabrück erhalten.

Simone Weber hat das Probespiel für

das Baltic Youth Philharmonic Orchestra

(Musikdirektor: Kristjan Järvi) gewonnen.

Kontrabassklasse

Prof. Wolfgang Harrer

Endika Rodriguez wurde nach erfolgreichem

Probespiel als Aushilfe in das

Orchester der Wiener Staatsoper/Wiener

Philharmoniker verpflichtet.

Jungstudent Manuel Holzhäuser gewann

beim Regionalwettbewerb „Jugend

musiziert“ einen ersten Preis und wird bei

der nächsten Runde im Landeswettbewerb

teilnehmen.

Alexis Scharff, Absolvent der Kontrabassklasse

Wolfgang Harrer, erhielt die

Solostelle im Kurpfälzischen Kammerorchester

in Mannheim

Dirigierklasse

Prof. Toshiyuki Kamioka

Der Absolvent Tobias Deutschmann

hat seinen Vertrag als Solorepetitor mit

Dirigierverpflichtung an den Wuppertaler

Bühnen verlängert und die künstlerische

Leitung der Operettenproduktion

„Der Vetter aus Dingsda“ (Premiere am

28.5.2010) erhalten.

Klavier-Kammermusik Klasse

Prof. Tatevik Mokatsian

Sebestyén Ludmany (Violoncello),

der zusammen mit Beáta Guba (Klavier)

im Duo studiert, hat bei der Camerata

Salzburg eine Substituten-Stelle erhalten

- mit der Aussicht auf eine permanente

Mitgliedschaft.

Orgelklasse

Prof. Wolfgang Rübsam

Christian Barthen gelangte in die Vorauswahl

des bedeutenden internationalen

Orgelwettbewerbs Grand Prix de Chartres

(Interpretation), der im August dieses

Jahres in der französischen Stadt ausgetragen

wird.

Namen & Nachrichten

Das europäische Fachmagazin für Bläsermusik

„eurowinds“ widmete HFM-Professorin

Gaby Pas-Van Riet im vergangenen

Jahr eine Titelge schichte. In der Ausgabe 5

(September/Oktober 2009) wird die Flötistin

und Hochschullehrerin auf mehreren

Seiten ausführlich porträtiert.

Die Leser des angesehenen Fachblattes

erfuhren nicht nur Interessantes über die

künstlerische Denkweise der 50-Jährigen

(„Musik ist die Kombination aus Mathematik

und Gefühlen“) sondern auch, dass

die erfolgreiche Musikerin im flämischen

Teil Belgiens mit vier Geschwistern in sehr

bescheidenen Verhältnissen aufwuchs. Die

Wahl des Instrumentes, mit dem sie später

internationalen Ruhm erwarb, entsprach

weniger einer persönlichen Vorliebe als ökonomischen

Erfordernissen: Die Flöte war

ganz einfach „das billigste Instrument“.

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CAMPUS allaBREVE Sommersemester 2010 HFM-REPORT

Christian Schmitt

Der HFM-Absolvent und Organist

Christian Schmitt ist derzeit in der überregionalen

Musikszene sehr erfolgreich. Im

Februar eröffnete der Saarländer als erster

von vier Organisten eine neue Orgelreihe

der Stiftung Berliner Philharmoniker. Das

Konzert fand im Saal der Philharmonie statt.

Mit den Bamberger Symphonikern hat er

in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen

Rundfunk die Auftakt-CD einer Gesamteinspielung

der Werke von Charles-Marie

Widor produziert. Sieben weitere CDs

werden folgen; die Widor-Reihe wird im

Label CPO erscheinen. Auf Einladung des

Deutschen Musikrates wird Schmitt als

Jury-Mitglied beim diesjährigen Bundeswettbewerb

„Jugend musiziert“ mitwirken.

Konzerte und Meisterkurse führen ihn unter

anderem nach Den Haag und Rotterdam.

Im Januar nächsten Jahres ist ein Konzert

und eine CD-Produktion mit der Sopranistin

Juliane Banse geplant.

Anfang März war Prof. Dr. Christian

Rolle als Dozent an einer interdisziplinären

hochschulübergreifenden Lehrveranstaltung

an der HMT Leipzig beteiligt. Die

hochschulübergreifenden Seminare finden

jedes Jahr im Wechsel an verschiedenen

Musikhochschulen statt und richten sich an

Schulmusiker aus ganz Deutschland. Die

Besonderheit der diesjährigen einwöchigen

Blockveranstaltung lag in der interdisziplinären

Zusammensetzung des vierköpfigen

Dozententeams, zu dem noch ein Musikpädagoge,

ein Musikwissenschaftler und

eine Musiktheoretikerin aus Leipzig zählten.

„Wie kann Musikgeschichte auf lebendige

Weise in der Schule unterrichtet werden?“

lautete die Frage, mit der sich die 32 teilnehmenden

künftigen Musiklehrer eine Woche

lang auseinandersetzten.

Prof. Dr. Michael Dartsch wurde im

vergangenen Herbst zu Vorträgen im

deutschsprachigen Ausland eingeladen: Beim

Kongress der Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung

Österreich (AGMÖ) in Feldkirch

referierte er zum Thema „Grundlagen einer

Didaktik der Musikalischen Früherziehung“.

Beim 25. Kongress der Euopean Piano

Teachers Association (EPTA) Schweiz in

Winterthur hielt er den Eröffnungsvortrag

zum Thema „Vom Nutzen des Instrumentalunterrichts.

Gedanken zur musikalischen

Bildung“.

An der Johannes Gutenberg-Universität

Mainz hielt er schließlich im Januar 2010 ein

Gastseminar zum Thema „Flexibilität und

roter Faden im Violinunterricht“.

Daniel Huppert, ehemaliger Student der

Dirigierklasse von HFM-Emeritus Prof.

Dr. Max Pommer, hat den „Deutschen

Operettenpreis für Junge Dirigenten“ der

Oper Leipzig gewonnen. Huppert studiert

derzeit noch an der Hochschule für Musik

„Franz Liszt“ in Weimar und wurde 2009 in

die 1. Förderstufe des Dirigentenforums des

Deutschen Musikrats aufgenommen. Bei

dem Abschlusskonzert des Deutschen Operettenpreises,

das vom MDR live übertragen

wurde, war auch der Präsident des Deutschen

Musikrats, Prof. Martin Maria Krüger,

anwesend.

Die CD „Fanny und Felix“ (s. alla breve

2-2009) des Kammermusik-Ensembles Trio

Vivente, dem die HFM-Lehrbeauftragte

Jutta Ernst als Pianistin angehört, hat es

in der letztjährigen Novemberausgabe des

Fachmagazins „fonoforum“ auf die Empfehlungsliste

geschafft. Die musikalische Würdigung

von Felix Mendelssohn-Bartholdy,

und insbesondere seiner Schwester Fanny

Hensel, war den fonoforum-Juroren fünf

Sterne in der Kategorie „Musik“ und vier

Sterne in der Kategorie „Klang“ wert. In

der Rezension heißt es unter anderem: „Die

Pianistin Jutta Ernst versteht es prächtig, bei

den lebendigen Steigerungsebenen die Zügel

an sich zu reißen. Sofort nimmt sie sich

dann wieder zurück, um Anna Katharina

Schreibers schlankem Violinton und dem

samtenen Cello Kristin von der Goltz’ Raum

zu lassen.“

HFM-Emeritus Prof. Dr. Max Pommer

hat in den zurück liegenden Monaten wieder

einige eindrucksvolle Konzerte der Hamburger

Camerata dirigiert. Beim Mozartfest in

Wismar überzeugte der Klangkörper unter

Pommers Leitung mit seiner Interpretation

von Werken Haydns und Mozarts. Zum

Auftakt der neuen Konzertsaison in der

Hamburger Musikhalle dirigierte Max Pommer

unter anderem das Werk „Traumspur.

Konzert für Percussion und Orchester“ des

Komponisten Johannes Fischer. Der Rezensent

der überregionalen Tageszeitung „Die

Welt“ bescheinigte, dass die Camerata unter

Max Pommer „einen wunderbar inspirierten

Abend spielte“.

Prof. Wolfgang Rübsam hat eine überwiegend

pädagogisch ausgerichtete Orgel-

Publikation bei Augsburg Fortress Publishers

(St. Paul/Minnesota), dem größten Verlag

der Evangelischen Kirche in den USA,

veröffentlicht.

Darin sind vierzehn Choralvorspiele mit

cantus firmi aus dem evangelischen Gesangbuch

der USA in kontrastierenden Improvisationsstilen

(Alain, DuMage, Duruflé,

Dupré, Langlais, Howels, Walcha, Distler

usw.) verzeichnet. Sie sind als Vorlage zum

Improvisieren gedacht. Dieser Veröffentlichung

gingen Beiträge zum Orgelbuch des

Evangelischen Gesangbuchs der USA voraus.

Weitere Buch-Projekte sind in Planung,

unter anderem auch beim deutschen Schott

Verlag.

Berufungen

David Grimal: Neuer HFM-

Professor für Violine

David Grimal

In der Nachfolge von Prof. Joshua Epstein

hat David Grimal an unserem Haus eine

Professur für Violine übernommen.

David Grimal, 1973 in Paris geboren, begann

bereits im Alter von fünf Jahren Violine

zu spielen. Seine musikalische Ausbildung

konnte er bei renommierten Musikerpersönlichkeiten

wie Philipp Hirschhorn, Shlomo

Mintz und Isaac Stern vervollständigen. Als

Solist spielt er mit weltbekannten Ensembles

wie beispielsweise mit dem English Chamber

Orchestra, den Moskauer Virtuosen,

dem Stochkholm Chamber Orchestra,

den Warschauer Symphonikern und dem

Bayrischen Kammerorchester. David Grimal,

der die berühmte „ex Roederer“ Violine von

Antonio Stradivari aus dem Jahr 1710 spielt,

wurde zum 1. Oktober 2009 als Professor für

Violine an die Hochschule für Musik Saar

berufen.

Auf dem Gipfel

des Hügels

HFM-Trompetestudent

Jan Epp ist Mitglied des

Bayreuther Festspielorchesters

Der Weg auf den Gipfel des Hügels ist steil und voller Steine.

Eine direkte Straße führt nicht hinauf. Nur Berufene finden

Eingang in das hoch renommierte Orchester der Bayreuther

Festspiele. Eine Bewerbung ist in der Regel zwecklos: Die

Gralsritter der elitären musikalischen Tafelrunde suchen sich

ihre Novizen am liebsten selber aus.

Jan Epp ist einer von den wenigen Glücklichen, die schafften,

wovon Viele träumen: in den erlesenen Kreis dieser europäischen

Spitzenmusiker aufgenommen zu werden. Während eines

einjährigen Engagements am Theater Osnabrück wurde ein

Kollege und einflussreicher Festspielmusiker auf den hoch begabten

HFM-Trompetestudenten aufmerksam. Der empfahl ihn

nach Bayreuth als neues Mitglied der Sektion Bühnenmusik. Der

Rest war reine Formsache: Bald hielt Jan Epp einen recht üppig

ausgestatteten Vertrag über die gesamte Festspielzeit 2009 in

Händen.

Die Eindrücke aus der ersten Spielzeit sind für den 25-Jährigen

noch immer überwältigend. Tief beeindruckt hat ihn der

ausgeprägte Korps-Geist der Bayreuther Festspielmusiker, von

denen einige schon seit Jahrzehnten allsommerlich den Weg in

die fränkische Wagner-Metropole einschlagen. Trotz der

versammelten hohen musikalischen Klasse herrscht im Orchester

eine lockere, ja freundschaftliche Stimmung. Ein anderes

Orchester-Mitglied beschreibt die Atmosphäre wie in einem

„Jugendorchester für Profis“. Auf gemeinsame Unternehmungen

wird großen Wert gelegt – vielfach führen sie in die wunderschönen

Landgasthöfe und Ausflugslokale der romantischen Bay-

Auf dem Musiker-Olymp:

HFM-Student Jan Epp hat es ins

Bayreuther Festspielorchester geschafft

reuther Umgebung. In der unbeschwerten musikalischen

Sommerfrische verlieren Neulinge schnell die Scheu vor den

„großen Namen“: viele technische Finessen konnte sich Jan Epp

von den gestandenen Könnern seines Faches abschauen, viele

wichtige Kontakte hat er während seines knapp zweimonatigen

Engagements am Hügel geknüpft.

Dabei wurde dem in der ländlichen Umgebung von Kaiserslautern

Gebürtigen die musikalische Karriere nicht gerade in die

Wiege gelegt. Mit zehn Jahren erhielt er ersten Trompete-Unterricht

in der Musikschule. Mit 14 nahm sich Uwe Zaiser, derzeit

Solotrompeter der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken-

Kaiserslautern, seiner Ausbildung an. Ein Jahr später war dem

jungen Musiker bereits klar, dass er unbedingt in die Profi-Liga

aufsteigen will. In dieser Zeit nahm HFM-Professor Peter

Leiner das viel versprechende Talent als Jungstudent unter seine

Fittiche. Unter Leiners erfahrenen pädagogischen Händen wurde

der Rohdiamant weiter geschliffen. Nach einem Zwischenaufenthalt

an der Musikhochschule Stuttgart und seinem folgenreichen

Engagement am Osnabrücker Theater bezog Jan Epp im

Sommersemester 2009 als Vollstudent die Klasse von Prof.

Leiner.

Mit seiner wertvollen Bayreuth-Erfahrung auf der beruflichen

Vita dürfte sich der junge Trompeter um seine weitere berufliche

Laufbahn keine Sorgen mehr machen müssen. Apropos: Eine

erneute Verpflichtung für die kommenden Festspiele hat Jan Epp

schon in der Tasche.

Thomas Wolter

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HFM-REPORT allaBREVE Sommersemester 2010 HFM-REPORT

Wo für „Lohengrin“

alles begann

Seit mehr als 50 Jahren vergibt der

Richard Wagner-Verband Saar Stipendien

für die Bayreuther Festspiele

Wenn Weltstar Jonas Kaufmann in diesem

Sommer die Paraderolle des „Lohengrin“

im Bayreuther Festspielhaus singt, mag

er sich vielleicht in einer stillen Stunde

daran erinnern, wie er zum ersten Mal

ganz nah mit der Wagner-Stätte in Berührung

kam. 1995 war das. Als frischgebackenes

Ensemblemitglied des Saarländischen

Staatstheaters hatte Kaufmann

gerade erste Kostproben eines kommenden

Startenors abgeliefert; da wurde auch

der Richard Wagner-Verband Saar auf

ihn aufmerksam. Der Verband schickte

das vielversprechende junge Talent als

einen seiner alljährlichen Stipendiaten zur

Festspielzeit in die Wagner-Hochburg.

Der Rest ist (Musik-)Geschichte: 15 Jahre

später kehrt Lohengrin-Darsteller Jonas

Kaufmann als einer der ganz großen Stars

an seinen einstigen Praktikantenplatz im

Bayreuther Festspielhaus zurück.

Das ist die eindrucksvollste, aber nicht

die einzige Erfolgsstory in der langjährigen

Stipendiaten-Geschichte des saarländischen

Richard Wagner-Verbandes,

über die der Vorsitzende, Hermann Kronz,

mit Begeisterung und nicht ohne legitimen

Stolz berichtet. In den gut 50 Jahren

seines Bestehens hat der Verband bis zum

heutigen Zeitpunkt genau 501 Stipendiaten

zur Festspielzeit nach Bayreuth

entsandt; viele von ihnen gingen später

innerhalb oder außerhalb der Wagner-

Szene ihren Weg: Jens Malte Fischer etwa,

Catarina Ligendza, Elizabeth Wiles und

Bernhard Leonardy. Seit jeher rekrutierte

sich das Gros der Wagner-Stipendiaten

aus Studierenden der Hochschule für

Musik Saar. Auch sie machten sich später

vielfach einen Namen als praktizierende

Musiker oder angesehene Hochschul-

Lehrer: Nicolai von Dellingshausen zählt

Langjähriger Leiter des saarländischen Richard

Wagner-Verbandes: Hermann Kronz

dazu, Michael Wendeberg, Judith Braun,

Stefan Röttig, Anne Kathrin Fetik, Lutz

Gillman, Jonathan Kaell und Prof. Tanja

Ponten.

Sieben bis acht Stipendiaten pro Jahr, so

Hermann Kronz, entsendet der saarländische

Wagner-Verband gegenwärtig zu den

Festspielen. Bei einer Gesamtzahl von 250

Stipendiaten weltweit liegt der saarländische

Anteil so bei beachtlichen drei

Prozent. Bewerben können sich neben

Sängern und Instrumentalisten im Prinzip

alle, die im Bereich des Musiktheaters

tätig sind, also auch Dramaturgen und

Bühnenbildner. Die Altershöchstgrenze

liegt bei 35 Jahren. Traditionell ist auch

immer ein Talent aus dem saarländischen

Landesjugendsinfonieorchester (LJO)

dabei. Seit einigen Jahren finanziert der

Saar-Verband in Patenschaft überdies

auch jeweils zwei Stipendiaten aus Osteuropa.

Über die Vergabe entscheidet nach den

Vorschlägen der Wagner-Regionalverbände

letztlich die Bayreuther Stipendien-

Stiftung. Das Stipendium beinhaltet

Freikarten für drei bis vier Vorstellungen

sowie die kostenlose Teilnahme an

Führungen, Vorträgen und Workshops.

Für Anreise, Unterkunft und Verpflegung

müssen die Stipendiaten selber

sorgen; aber hier leistet der Verband gerne

praktische Hilfestellung. Pro Jahr wendet

die Saar-Sektion für diesen Kernbereich

seiner Nachwuchsförderung rund 4.000 €

auf; sie speisen sich ausschließlich aus den

Beiträgen der rund 300 Mitglieder.

Das Bayreuth-Stipendium kann mittlerweile

auf eine über 100jährige Geschichte

zurückblicken. Richard Wagner selbst

Foto: Dietmar Scholz

Startete seine

Welt-Karriere in

Saarbrücken:

Der ehemalige

Wagner-Stipendiat

Jonas Kaufmann

hat es 1882 ins Leben gerufen, auch als

kleine Kompensation für seine gescheiterte

idealistische Idee, den Besuch der

Festspiele für jedermann frei zugänglich

zu machen. Neben der allgemeinen

Förderung des begabten musikalischen

Nachwuchs’ steckt natürlich auch eine

gute Portion Eigeninteresse der Wagnerianer

hinter dem Förderprogramm: die

besonders Talentierten sind später als

Profis im Festspiel-Star ensemble eine

willkommene Bereicherung. Neben Jonas

Kaufmann ist unter anderen auch der

gegenwärtige Orchesterdirigent Christian

Thielemann ein ehemaliger Wagner-

Stipendiat. Thomas Wolter

Foto: Jean M. Laffitau

Der Jazz-Gitarrist Jeffry Soaloon war

DAAD-Preisträger des Jahres 2009

Das Stipendiatenwesen der

Hochschule für Musik Saar

Die Hochschule für Musik Saar bietet

ihren Studierenden eine Vielzahl

von Stipendien, Preisen und anderen

Fördermöglichkeiten zur zusätzlichen

finanziellen Unterstützung des Studiums.

Neben allgemeinen überregionalen

Förderprogrammen gibt es auch

spezielle hauseigene Stipendiaten-Einrichtungen,

die der Studierendenschaft

zu Gute kommen.

Die Mittel dieser Fonds stammen überwiegend

aus der Hinterlassenschaft von

Idealisten und Musikliebhabern, die als

Zeichen ihrer tiefen Verbundenheit mit

unserem Haus Stiftungen zum Wohl

der HFM-Studierenden eingerichtet

haben. Es ist ganz im Sinne dieser

großzügigen Gönner, wenn möglichst

viele junge Musikerinnen und Musiker

unserer Hochschule von diesen segens -

reichen Einrichtungen Gebrauch

machen.

Das Stipendium der Studienstiftung des

deutschen Volkes wird einmal jährlich

vergeben. Die Studienstiftung hat

sich laut Satzung zum Ziel gesetzt, die

Hochschulbildung junger Menschen zu

fördern, deren hohe wissenschaftliche

oder künstlerische Begabung und deren

Persönlichkeit besondere Leistungen

im Dienste der Allgemeinheit erwarten

lassen.

Das Landesgraduiertenstipendium belohnt

überdurchschnittliche künstlerische

und Prüfungsleistungen. Beim Grundstipendium

beträgt die Dauer der Förderung

in der Regel zwei Jahre. Danach besteht

die Möglichkeit, ein zusätzliches einjähriges

Aufbaustipendium in Anspruch zu

nehmen.

Der DAAD-Preis des Deutschen Akademischen

Austauschdienstes ist ausschließlich

Studierenden ausländischer Herkunft

Elisabeth und

Brundo Meindl

vorbehalten. Er wird für herausragende

künstlerische Leistungen sowie für ein

besonderes soziales, gesellschaftliches

oder hochschulinternes Engagement

vergeben.

Zweimal jährlich ausgeschrieben wird

die Studienbeihilfe des Saarlandes. Auch

sie ist für die Förderung internationaler

Studierender vorgesehen.

Die hauseigenen Stipendiateneinrichtungen

der HFM speisen ihren Etat

vorwiegend aus testamentarisch vererbtem

Privatvermögen. Bei den Stiftern

handelt es sich mehrheitlich um Persönlichkeiten,

die zeit ihres Lebens enge

Verbindungen mit unserer Hochschule

pflegten. So auch das Ehepaar Elisabeth

und Bruno Meindl. Sie sind Initiatoren

und Namensgeber einer Stiftung, die sich

die Förderung hochbegabter Nachwuchs-

Musiker zum Ziel gesetzt hat. Mit den

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HFM-REPORT allaBREVE Sommersemester 2010 ESSAY

Preisen und Stipendien der Elisabeth-

und Bruno Meindl-Stiftung sollen

überdies finanziell bedürftige Studierende

unterstützt werden.

Martha Meise war zu ihren Lebzeiten

ebenfalls eine treue Freundin der HFM.

Von den vielen glücklichen Momenten,

die sie mit den Musikern der HFM

erleben durfte, wollte sie nach ihrem

Tod etwas zurückgeben und widmete

einen großzügigen Anteil ihrer Hinterlassenschaft

der Martha Meise-Stiftung.

Diese gewährt nicht nur Stipendien für

die Teilnahme an externen Wettbewerben

und Kursen, sondern stellt auch Mittel

für die Verbesserung der hochschulinternen

Infrastruktur bereit, z. B. bei der

Durchführung von Workshops und bei

der Anschaffung von Soft- und Hardware

sowie der Neuanschaffung und Reparatur

von Musikinstrumenten.

Das Stipendiatenwesen der HFM bietet den

Studierenden vielfältige Fördermöglichkeiten.

Ein trauriges Schicksal verbirgt sich hinter

dem Claudia Meyer-Stipendium. Die

junge Frau, nach der die Stiftung benannt

ist, verstarb bei einem Autounfall. Musik

bedeutete Claudia Meyer sehr viel. Ihre

Eltern richteten zu ihrem Andenken einen

Fonds ein, aus dem einmal jährlich ein

Stipendium an einen förderwürdige Instrumentalist/innen

oder Sänger/innen der

Hochschule vergeben wird.

Die jüngste Fördereinrichtung der HFM

ist das Oswald Mayer-Stipendium, das sich

aus der Hinterlassenschaft eines saarländischen

Lehrers speist. Laut Stiftungssatzung

unterstützt dieses Stipendium künstlerische

und insbesondere auch pädagogische

Projekte im Nachwuchsbereich.

Thomas Wolter

Weitere Informationen zu den Stipendienangeboten

der HFM erteilen Frau Martina Hoffmann

und HFM-Kanzler Wolfgang Bogler.

Foto: Jean M. Laffitau

Ablehnung des oberflächlichen Virtuosentums:

Frédéric Chopin

Bekannt war Frédéric Chopins Scheu, vor einem großen

Publikum zu spielen. Das überrascht umso mehr, als das virtuose

Element eines Großteils seiner Werke der Präsentation im

Rahmen der großen Konzertsäle entgegenkam. Virtuosität zieht

die Massen damals wie heute an. Der extrovertierte Künstler als

Akrobat gilt mehr als ein in sich gekehrter Interpret.

Dieser Publikumserwartung entzog sich Chopin, indem er nur

selten in der großen Salle de Pleyel in Paris auftrat. George Sand,

seine langjährige Lebensgefährtin, weiß zu berichten: „Er will

keine Plakate, kein Programm, kein großes Publikum.“ (Brief

vom 18.4.1841 an Pauline Viardot). Er zog es vor, vor einem

kleinen Publikum, das er persönlich kannte, zu spielen. Die

musikalische Kommunikation vollzog sich eher in der Intimität

des Salons. Wie erklärt sich diese Einstellung des Komponisten?

Nicht nur die Ablehnung des oberflächlichen Virtuosentums

legte Chopin Zurückhaltung gegenüber dem großen Publikum

nahe; stärker wirkte der Verzicht auf jede Art der Selbstdarstellung,

auf die Preisgabe seiner individuellen Gefühlslage in der

Öffentlichkeit.

Chopins Musik wurde von ihm nahestehenden Zeitgenossen im

Wesentlichen als Gefühlserregungskunst rezipiert. Diese

Rezeptionsweise herrschte auch in der zweiten Jahrhunderthälfte

vor. So charakterisiert der Dichter Lew Tolstoi sie als „Stenographie

der Gefühle“ (in den „Annales Chopin“).

Diese griffige Formulierung sollte nicht zu dem Missverständnis

verleiten, Chopins Musik sei Ausdruck unmittelbarer Gefühlskundgabe.

Die die Zeiten überdauernde große Wirkung seiner

Werke gründet auf einem Transformationsprozess, der die

besondere künstlerische Leistung des Komponisten darstellt: die

persönliche Erlebniswelt ins objektiv Ästhetische zu übertragen.

Klaus Velten

Klavierspiel als

Lebensform

Zum 200 .Geburtsjahr des

Komponisten Frédéric Chopin

Dieser Vorgang vollzieht sich im Inneren der Tonsatzstruktur. In

der nuancierten Durcharbeitung des Tonsatzes verwandelt sich

der bloße individuelle Ausdruck in einen universalen Ausdrucksgehalt.

Der Komponist entzieht sich jeder

programmatischen Vereinnahmung.

Seine Musik ist „reine“ Musik.

Der Ausdruck Chopinscher Musik wird einmal durch die Wahl

der Gattung bestimmt: Tanz, Nocturne, Wiegenlied, Scherzo,

Ballade, Etüde u.a.; zum anderen durch das Genre: idyllisch,

elegisch, choralartig, marschartig, heroisch, spielerisch. Oftmals

ist der spezifische Ausdruck das Ergebnis der Verbindung

kontrastierender Genres. Durch die Bindung an Gattungen und

Genres als Träger eines allgemeinen Ausdruckgehalts entzieht

sich der Komponist jeder programmatischen Vereinnahmung.

Seine Musik ist „reine“ Musik. Versuche semantischer Dechiffrierung

gelingen kaum. Gleichwohl beinhaltet sie Botschaften,

die sich nur schwerlich in Worte fassen lassen.

Gottfried Benn interpretiert in seinem eindrucksvollen Künstlerportrait

aus dem Jahre 1948 (erschienen 1960 in „Statische

Gedichte“) eine dieser Botschaften mit den Worten „... tragische

Progressionen“. Er verweist damit auf die Existenz von Menschen,

die von Krankheit, Leiden und Einsamkeit gezeichnet

sind. In solchen Lebenssituationen bewirkt die Musik Chopins

Linderung und Trost. – Bezogen auf den Autor dieser Musik

fügt Benn seiner Interpretation hinzu: „… aus artistischer

Überzeugung“. Was bedeutet das?

36 37


ESSAY allaBREVE

Leidvolle Erfahrung wird im Vollzug künstlerischer Gestaltung

überwunden. Das Streben nach ästhetischer Vervollkommnung

setzt sich der von Labilität bedrohten Existenz

entgegen. Mit den Worten des Dichters bilanziert Chopin am

Ende seines Lebens: „Meine Versuche sind nach Maßgabe

dessen vollendet, was mir zu erreichen möglich war.“

Chopin strebt ein „vollendetes“ Werk an,

in dem jeder Ton verantwortet werden kann.

Künstlerisches Selbstbewusstsein und Bescheidenheit

zugleich drücken sich darin aus. Die Werke werden als

„Versuche“ bezeichnet: der Komponist sucht nach neuen

Strukturierungsmöglichkeiten des tradierten Materialstandes;

er weiß, dass ihm dabei Grenzen gesetzt sind. Innerhalb dieser

Grenzen strebt er ein „vollendetes“ Werk an, in dem jeder Ton

verantwortet werden kann.

Bekanntlich bereitete der Komponist die endgültige Veröffentlichung

eines Werkes sehr sorgfältig vor. Nicht selten kam

es zu Verzögerungen bei der Herausgabe. Die musikalische

Erfindung, häufig aus der Improvisation geboren, wird einer

strengen kompositorischen Kontrolle unterzogen, ehe sie

veröffentlicht wird. Chopin unterscheidet bewusst zwischen

Werken, die für das öffentliche Musikleben bestimmt sind (er

versieht diese mit Opuszahlen: 157 im Laufe von 22 Jahren

kompositorischer Arbeit), und solchen für den privaten

Gebrauch.

Die Liebe zur verloren gegangenen

Heimat schwingt im kompositorischen

Schaffen immer mit.

Der polnische Musikwissenschaftler Mieczyslaw Tomaszewsky

beleuchtet in seiner verdienstvollen Arbeit „Frédéric Chopin

und seine Zeit“ (Laaber 1999) den Kreis der Widmungsträger

und definiert damit das gesellschaftliche Milieu, in dem sich

der Komponist bewegte. Die Adressaten entstammen aristokratischen

und großbürgerlichen Kreisen, auf die auch Benn

in seinem Gedicht anspielt. Wie weit das ästhetische Ich in

diesen Milieus verankert war, bleibt offen.

Stärker als durch die Atmosphäre gesellschaftlicher Kreise

wird Chopin in seinem Schaffen beeinflusst durch die

Wurzeln seiner Herkunft. Sie finden ihren Niederschlag im

Wesentlichen in der Ausdruckswelt der Mazurken und

Polonaisen, aber auch in anderen Gattungen.

Bewundernswert ist in den Mazurken die Kunst der vielfältigen

Variation des Grundrhythmus’, welche zu einer Fülle unterschiedlicher

Ausdruckscharaktere des musikalischen Modells

führt. Die Transformation des Folkloristischen ins Artifizielle

wird hier getragen von einem Ausdrucksbedürfnis, in dem die

Liebe zur verloren gegangenen Heimat mitschwingt. Durch

Welterfahrung ausgelöste Expressivität verbindet sich in diesen

Werken mit konstruktiver Phantasie zu wortlosen Botschaften,

die Menschen über die Zeiten hinweg ansprechen.

Gottfried Benn:

CHOPIN

Nicht sehr ergiebig im Gespräch,

Ansichten waren nicht seine Stärke,

Ansichten reden drum herum,

wenn Delacroix Theorien entwickelte,

wurde er unruhig, er seinerseits konnte

die Notturnos nicht begründen.

Schwacher Liebhaber;

Schatten in Nohant,

wo George Sands Kinder

keine erzieherischen Ratschläge

von ihm annahmen.

Brustkrank in jener Form

mit Blutungen und Narbenbildung,

die sich lange hinzieht;

stiller Tod

im Gegensatz zu einem

mit Schmerzparoxysmen

oder durch Gewehrsalven:

man rückte den Flügel (Erard) an die Tür

und Delphine Potocka

sang ihm in der letzten Stunde

ein Veilchenlied.

Nach England reiste er mit drei Flügeln:

Pleyel, Erard, Broadwood,

spielte für zwanzig Guineen abends

eine Viertelstunde

bei Rothschilds, Wellingtons, im Strafford House

und vor zahllosen Hosenbändern;

verdunkelt von Müdigkeit und Todesnähe

kehrte er heim

auf den Square d'Orleans.

Dann verbrennt er seine Skizzen

und Manuskripte,

nur keine Restbestände, Fragmente, Notizen,

diese verräterischen Einblicke –

sagte zum Schluß:

„Meine Versuche sind nach Maßgabe dessen vollendet,

was mir zu erreichen möglich war."

Spielen sollte jeder Finger

mit der seinem Bau entsprechenden Kraft,

der vierte ist der schwächste

(nur siamesisch zum Mittelfinger).

Wenn er begann, lagen sie

auf e, fis, gis, h, c.

Wer je bestimmte Präludien

von ihm hörte,

sei es in Landhäusern oder

in einem Höhengelände

oder aus offenen Terrassentüren

beispielsweise aus einem Sanatorium,

wird es schwer vergessen.

Nie eine Oper komponiert,

keine Symphonie,

nur diese tragischen Progressionen

aus artistischer Überzeugung

und mit einer kleinen Hand.

38 39


Kontinuität.

In der Verbindung von Tradition

und Neubeginn Ihr Vertrauen

gewinnen - das ist mein Ziel.

Alexandra Knopp,

neue Leiterin der Pianoabteilung

im Musikhaus Arthur Knopp

MUSIKHAUS

ARTHUR KNOPP

Das große Musik- und Pianohaus an der Saar

Futterstraße 4, 66111 Saarbrücken • Telefon (0681) 9 10 10-14 • Telefax (0681) 9 10 10-20

www.musikhaus-knopp.de

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