Wie würde Jesusheute leben - idealisten.net

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Nr. 1/2012

Deine

Meinung

gewinnt!

Magazin

Weltherrscher? revolutionär? FriedensstiFter?


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I NTERNATIONALE C HRISTLICHE B OTSCHAFT J ERUSALEM

„Tröstet,

tröstet

mein

Volk!“

spricht

euer

Gott.

Jesaja 40,1

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Inhalt

Jesus, der Sündenbock.

copyright: menschjesus.de

Seite 4

Mensch Jesus

Er wusste besser als jeder andere Mensch, warum er lebte. Und er

machte seinen Job bis zum bitteren Ende. Wie gut! Markus 10,45

Seite 12

Keine Lügen mehr

Seite 18

Wie würde Jesus heute leben?

Seite 26

Vom Mut, eigene

Entscheidungen zu treffen

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Herausgeber:

idea e.V. · Postfach 18 20 · 35528 Wetzlar

idealisten.net-Magazin erscheint als

Beilage in ideaSpektrum.

Presserechtlich verantwortlich:

Helmut Matthies

Textredaktion:

Simon Jahn, Bernhard Limberg

Satz & Layout:

zeichensetzen wetzlar GmbH, Jens Weigel

Collagen:

zeichensetzen wetzlar GmbH,

Anna Siebert, Rosa Pegam

1/2012

Lieber Jesus,

Seite 7

Freundebuch

danke! Seite 14

Brief an …

Seite 20

Interview Martin Dreyer

Seite 30

Titus Müller: Die Sehnsucht nach

der göttlichen Liebe

Kostenlos im App-Store erhältlich:

idealisten.net-App

Anzeigenverwaltung:

zeichensetzen wetzlar GmbH

Steinbühlstraße 3

35578 Wetzlar

Tel. 06441 915-142 · Fax 06441 915-148

E-Mail: adam@zeichensetzen.de

Agenturleitung:

Astrid Jaehn

Mediaberatung und Koordination:

René Adam

Anzeigengestaltung:

Katja Reimer, Heike Scharmann

Inhalt

Seite 8

Politisch korrekt? Christlich korrekt!

3

Seite 15

Top 5

Seite 24

Warum Zeiten der Stille

so wertvoll sind

Seite 34

Das Kreuz


4 Mensch Jesus

MENSCH JESUS.

Fernglas drehen, bitte!

Jesus von Nazareth, dieser Mann, der vor 2.000 Jahren lebte,

was hat er mit uns heute zu schaffen? Zu seiner Zeit existierten

weder Fernsehen, Computer, Flugzeug noch Waschmaschine,

Autobahn oder Hochhäuser. Dementsprechend

gab es keine Reizüberflutung, Computerviren, Wasserrohrbrüche,

Staus oder streikende Fahrstühle. Er scheint so weit

weg, wie die Welt, die man durch ein falschherum gehaltenes

Fernglas betrachtet.

Doch ist er wirklich so weit weg? Ob man nun Stress hat

mit einem Verkäufer in der Computerabteilung oder mit

den Händlern auf einem arabischen Basar, ob man unter

Jesus, der Sündenbock.

copyright: menschjesus.de

Er wusste besser als jeder andere Mensch, warum er lebte. Und er

machte seinen Job bis zum bitteren Ende. Wie gut! Markus 10,45

Jesus, der Kindernarr.

Er knuddelte und herzte sie. Er wusste, was es heißt, Kind zu sein: Auch er buddelte

in der Sandkiste, kämpfte als Teenie gegen Pickel und büchste mal aus. Lukas 2,41-52

copyright: menschjesus.de

römischer Besatzungsmacht leidet oder weltweite Terroranschläge

fürchtet – die menschlichen Gefühle in diesen

Situationen sind in jedem Zeitalter die gleichen. Was wäre,

wenn wir unsere Ferngläser drehten, Jesus mal bis in

unsere heutigen Situationen hineinholten und ihn uns

unter unseren Umständen betrachten würden?

Ich habe 2006 einen Versuch gestartet, das Fernglas umzudrehen:

Ich entwarf einen Online-Adventskalender, der

jeden Tag eine andere Facette von Jesus abbilden sollte.

Schließlich feiern wir am 24. 12. Jesu Geburtstag – ein

guter Grund, ihn einmal etwas genauer unter die Lupe

zu nehmen.

Jesus, der Gefühlsmensch.

Mitanzusehen, wie die Menschheit einfach keinen Fuß auf den Boden

bekommt, ließ ihn nicht kalt. Er weinte bittere, echte Tränen. Lukas 19,41-44

copyright: menschjesus.de

Jesus, der Geduldige.

Er hatte alle Zeit der Welt, um Menschen zuzuhören und zu helfen. Manche

Zeitgenossen unterschätzten seine Koordinationsfähigkeit gewaltig. Lukas 8,40–55

copyright: menschjesus.de

1/2012


Tag für Tag veröffentlichte ich ein interessantes

Detail aus seinem Leben – immer mit dem Verweis

auf eine Bibelstelle zum Nachlesen. Inzwischen

wurden aus den damals 24 Motiven mehr als 70.

Der Alltag Jesu entpuppte sich als sehr facettenreich

und vielseitig: Jesus, der Wassersportler, der

Frauenversteher, Vieltelefonierer, Fahrlehrer … Jesus

selbst wird in der Serie nie abgebildet. Wer weiß

schon, wie er ausgesehen hat. Ich fand es vielmehr

spannend, die Geschichten aus dem alten Orient per

Bild und Text ins Heute zu übersetzen, um damit

Menschen, die keine Vorstellung von damals haben,

eine Idee von Jesu Leben zu vermitteln.

Es gab in der Zwischenzeit zahllose Reaktionen

auf die Serie. Viele freuen sich darüber. Einige

stoßen sich daran. Mir scheint, manchen ist der

weit entfernte Jesus lieber als der Jesus im Hier und

Heute. Der verklärte Blick auf die Vergangenheit

will nicht zulassen, dass Jesus verletzlich, ausgelassen,

aufbrausend, sportlich, humorvoll, unausgeschlafen

und vieles mehr war. Aber Jesus war kein

Übermensch, er kam als Baby und war vollkommen

abhängig. Er musste Laufen und Sprechen lernen

und kennt praktisch alle Situationen, durch die ein

Mensch durch muss – damals wie heute.

Die Tatsache, dass Gott sich nicht zu schade war,

sich dieser Welt mit Haut und Haar auszuliefern,

macht den christlichen Glauben weltweit einmalig.

In jeder anderen Religion versuchen sich

die Menschen Gott zu nähern, um ihrer Erlösung

näher zu kommen. Durch Jesus Christus begegnet

uns Gott, um uns nahezukommen und seine Liebe

spürbar zu machen. Gott wurde Mensch, um eine

Brücke zu uns zu schlagen, die wir von uns aus nicht

hätten bauen können. In der Betrachtung von Jesus

Christus bekommen wir die einmalige Chance, uns

Gott auf eine ganz persönliche, menschliche Art zu

nähern.

Es wäre aber zu kurz gegriffen, wenn wir Jesus nur

als Menschen betrachten. Sicherlich eine wichtige

Übung. Aber er ist eben auch Gott. Gott in seiner

menschlichsten Form. Die ausgestreckte Hand Gottes

und der lebendige Beweis, dass Gott ein uneingeschränktes

Ja zu uns hat.

1/2012

AutorIN

Eva Jung (43) ist Geschäftsführerin

der Kreativschmiede gobasil.com

aus Hamburg und als Designerin,

Art-Directorin und Kreativ-Beraterin

tätig. Sie initiierte und gestaltet

unter anderem die Webseiten

godnews.de, menschjesus.de,

wertvollwort.de und gottspricht.com

und hat für die Neugestaltung der

BasisBibel viele nationale und internationale

Kreativpreise erhalten.

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Mensch Jesus

5

Im vierten idealisten-Magazin

dreht sich alles um Jesus.

Wie gefällt Dir das Heft?

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Das bin ich

Autor

Name

Spitzname

Geburtsort

Wohnort

Lieblingsessen

Lieblingsbuch

Mein Motto

Mein Hauptcharakterzug

1/2012

Mein größtes Vorbild

Mein größtes Unglück

Das ist für mich das

vollkommene Glück

Das mag ich gar nicht

Mit wem ich mich mal

unterhalten möchte

Was mich schier verrückt

macht

Das hätte ich lieber nicht

gemacht, wenn es möglich

gewesen wäre

Jesus von Nazaret, später wurde ich

auch Jesus Christus genannt

Fabian Backhaus (27) ist ein

Jesus Freak und arbeitet als

Diakon in der ev. luth.

Epiphaniasgemeinde Bremen.

www.fabianbackhaus.de

Rabbi, Messias, Meister

Betlehem, 8 km südlich von Jerusalem

früher Nazaret, jetzt ewiger Himmel

Ungesäuerte Brote, Passalamm

Die Bibel

Ich sagte nicht, dass es einfach werden

würde, ich sagte nur, es würde sich lohnen

Liebe

Mein Vater

Wenn Menschen nicht den Weg zu Gott finden

Alle lieben Gott, einander und sich selbst

Den Teufel, die Sünde

Mit Dir

Wenn ich sehe was manche Menschen tun

Ans Kreuz zu gehen, ich hatte

panische Angst

Freundebuch

Bethlehem

Jerusalem

See Genezareth

7


8 Politisch korrekt? Christlich korrekt!

Politisch KorreKt?

christlich KorreKt!

Kirche in der Krise? Steigende Austrittszahlen und

immer weniger Gottesdienstbesucher sprechen

eine deutliche Sprache. Dabei war unser Land

doch nie »christlicher« als heute: Rechtlich sind alle

gleichberechtigt, niemand darf diskriminiert werden.

Aber ist gelebte Nächstenliebe im Sinne Jesu wirklich

»Friede, Freude, Eierkuchen«? Jesus hatte keine Angst

davor, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und

damit zu polarisieren oder anzuecken.

Man könnte Jesus aus gutem Grund als »unumstritten«

bezeichnen. Auch heute noch. Nicht, weil etwa jeder an

den Gottessohn glaubt, sondern weil Jesus noch immer

verhältnismäßig »gut wegkommt« – selbst bei notorischen

Kirchenkritikern und Atheisten. Die Kreuzzüge

haben seinem ruf ebenso wenig geschadet wie die

»Deutschen christen«, Dan Brown oder die jüngsten

Missbrauchsfälle. Während die Kirchen sich immer

geringerer Beliebtheit erfreuen und überzeugte christen

zunehmend als Fundamentalisten gebrandmarkt werden,

ist Jesus chic. ein Freak, ein netter sandalenhippie mit

gemütlicher Botschaft von »liebe und Frieden«. Fast

schon ein Wegbereiter der 68er mit seiner lässigen langhaarfrisur.

Mit den Purpurträgern im Vatikan und den

aggressiven Fernsehpredigern in den UsA hat der doch

nichts zu tun – die missbrauchen seinen Namen nur! Und

in Wahrheit war Jesus, wie wir alle wissen, ohnehin der

erste linke.

1/2012

Foto: istockfoto.com/aprott


1/2012

soweit, so falsch: Der Versuch, Jesus christus

zu einem Vordenker linker ideen umzudichten,

ist so alt wie der sozialismus selbst – und doch

aktuell wie nie. Kein evangelischer Kirchentag

und keine Veranstaltung des Zentralkomitees

deutscher Katholiken kommen mittlerweile ohne

eine gehörige Portion linken Weltverbesserertums

aus. Warum auch über den Kreuzestod

christi philosophieren, wenn Klimawandel,

Zwei-Klassen-Gesellschaft und raubtierkapitalismus

viel naheliegender und bedrohlicher scheinen

als das Jüngste Gericht? Das hat doch alles

auch etwas mit Jesus zu tun. Und man muss die

Frohe Botschaft ja in die heutige Zeit übertragen!

Doch Jesus lehrt uns: »es werden viele kommen

in meinem Namen und sagen: ich bin der christus,

und sie werden viele verführen« (Matthäus 24,5).

Nicht von dieser Welt

Man kann freilich darüber streiten, wie sich

die Botschaft Jesu am besten in die sphäre des

Politischen übersetzen lässt – ob Jesus nun besser

zum ersten linken oder zur Galionsfigur des

Konservatismus taugt. Viel entscheidender aber

als die müßige einordnung des christlichen ins

politische links-rechts-schema ist das Problem

der Verweltlichung Jesu. Auf Kirchentagen muss

man sich heutzutage immer wieder selbst daran

erinnern, auf einer religiösen und nicht auf einer

politischen Veranstaltung zu sein. Auch in vielen

Gottesdiensten hat das Weltliche mittlerweile

nicht nur »Kirchenasyl« gefunden, sondern die

religiöse Praxis durchsetzt – und damit auch den

Glauben. Fürbitten für den Klimaschutz, Predigten

über den Arabischen Frühling und »gegendertes«

Politisch korrekt? Christlich korrekt!


»Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;

niemand kommt zum Vater denn durch mich.«

Jesus Christus, Johannes 14,6

evangelium. Jesu einwand ist eindeutig: »Mein

reich ist nicht von dieser Welt« (Johannes 18,36).

Natürlich kommen wir nicht umhin, immer

wieder aufs Neue zu versuchen, den christlichen

Gedanken ins hier und Jetzt zu übertragen,

wenn wir den Glauben nicht zur bloßen tradition

verkommen lassen wollen. Jesus selbst sollte dabei

aber nicht auf der strecke bleiben. Wir sollten

die Politik mit christlichem Geist füllen – nicht

den christlichen Glauben mit Politik. Und sei die

Politik dahinter auch noch so bunt, tolerant und

sozial. es ist die Politisierung des Glaubens, die

Jesus zum bloßen charismatiker herabstuft, den

Gottessohn zum gewöhnlichen Gutmenschen

verweltlicht. Nun meinen es die wenigsten böse,

die Jesus in einem Atemzug mit Gandhi, Mandela

oder dem Dalai lama nennen. in eine reihe mit

diesen Persönlichkeiten passt er trotzdem nicht.

seine Botschaft beinhaltet mehr als den Kampf

gegen Apartheid oder Kolonialherrschaft. Jesus

ist mehr, nicht nur, weil er der sohn Gottes mit

einem reich »nicht von dieser Welt« ist.

Profilscharf und radikal

Wer ihn als jedermanns liebling und naiven

idealisten darstellt, der verkennt seinen Absolutheitsanspruch:

»ich bin der Weg und die Wahrheit

und das leben; niemand kommt zum Vater

denn durch mich« (Johannes 14,6). Die Botschaft

Jesu ist eine profilscharfe, unmissverständliche

Ansage an die Welt. Mit der scheu vor Festlegung

und klaren Bekenntnissen, die unserem Zeitgeist

innewohnt, hat sie nichts gemein.

Jesus trennt klar zwischen Gut und Böse, verliert

9


10 Politisch korrekt? Christlich korrekt!

sich nicht in gleichgültigem relativismus. Die teils schon

bizarre Furcht davor, womöglich jemandem »auf den

schlips zu treten«, gar zu »diskriminieren«, kannte Jesus

nicht. »Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt

mir nach, der ist meiner nicht wert«, ist in Matthäus 10,38

zu lesen, nur einige sätze nach der Aufforderung, Vater und

Mutter, sohn und tochter nicht mehr als ihn zu lieben.

starker tobak!

Vermeintlich sozialistisch, aber nicht minder scharf und

provokativ ist Jesu Gleichnis vom Nadelöhr. »es ist leichter,

dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein

reicher ins reich Gottes komme«, sagt Jesus (Markus 10,25).

Wie hat er das bloß gemeint? Ganz und gar nicht »pazifistisch«

erscheint er uns in der Geschichte von der tempelreinigung.

Das Johannes-evangelium berichtet: »Und er

machte eine Geißel aus stricken und trieb sie alle zum

tempel hinaus samt den schafen und rindern und schüttete

den Wechslern das Geld aus und stieß die tische um

und sprach zu denen, die die tauben verkauften: tragt das

weg und macht nicht meines Vaters haus zum Kaufhaus!«

(Johannes 2,15-16). huch – das ist Jesus ?!

Kein Politiker auf Stimmenfang

Noch »polarisierender«, um in der sprache der Politik zu

bleiben, zeigt sich Jesus in der Bergpredigt. »Wer eine Frau

ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die ehe

gebrochen in seinem herzen« (Matthäus 5,28). Das klingt

nicht gerade nach freier liebe. Auch die vielzitierte Nächstenliebe

entpuppt sich als etwas grundlegend anderes als der

gemütliche stuhlkreis, den man nach dem Konfirmandenunterricht

vor Augen hat. sie ist eben nicht nur eine

toleranzfloskel. Unsere Feinde lieben? Für unsere Verfolger

beten? Und auch noch die linke Wange hinhalten, nachdem

wir auf die rechte geschlagen worden sind? »Aber das tut

doch weh«, hört man sich laut denken. tatsächlich verlangt

Jesus hier auch dem Frömmsten einiges ab: Dessen ist er

sich bewusst – und trotzdem rückt er keinen Zentimeter

von seinem Absolutheitsanspruch ab.

er ist eben kein Politiker auf stimmenfang und kein

redner, der der Menge nach dem Mund redet, um bejubelt

zu werden. trotzdem - oder gerade deswegen - folgt ihm

die Menge selbst in entlegenste Winkel oder begrüßt ihn

mit Palmwedeln. Jesus wird im Volk verehrt, aber nicht als

bloßer Volkstribun oder Populist, nicht als einer, der bloß

leere Versprechungen macht. er ist kein revoluzzer um der

revolution, sondern um der göttlichen Wahrheit willen.

Das nehmen ihm die Menschen ab. »Weh euch, schriftgelehrte

und Pharisäer, ihr heuchler«, ruft er den religiösen

eliten zu, »ihr Narren und Blinden!« (Matthäus 23,25+17). er

richtet sich nicht nach momentanen opportunitäten und

dem Zeitgeist, er ist unbequem und riskiert einiges – was istockfoto.com/IBushuev

ihn bekanntlich bis ans Kreuz führte. Denkt man an die Foto:

1/2012


Geschehnisse im Garten Getsemane, wird deutlich, dass

Jesus durchaus auch Zweifel und Ängste plagten. Aber

anstatt die Flucht zu ergreifen, betet er: »Mein Vater, ist‘s

möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht

wie ich will, sondern wie du willst! « (Matthäus 26,39).

Und statt sich seiner Festnahme zu widersetzen, ermahnt

er seine Begleiter, keine Gewalt anzuwenden: »Wer das

schwert nimmt, der soll durchs schwert umkommen«

(Matthäus 26,52).

Authentisch »bis zum bitteren Ende«

Jesu Authentizität durchzieht sein ganzes leben bis zu seinem

tod am Kreuz. Was, wenn nicht diese Glaubwürdigkeit,

ist das Geheimnis hinter zwei Jahrtausenden lebendigen

christentums? Würden wir heute noch zu ihm beten, hätte

er damals nur bequeme Belanglosigkeiten von sich gegeben?

Wohl kaum.

Wollen wir, wie Jesus uns auffordert, ihm nachfolgen,

dann müssen auch wir Mut zeigen und im christlichen

sinne authentisch sein. Wollen wir das salz der erde sein

und nicht »weggeschüttet« und »von den leuten zertreten«

(Matthäus 5,13) werden, dann müssen wir wagen, Farbe

zu bekennen. so gern der christenmensch auch als schäfchen

und herdentier dargestellt wird: in einer zunehmend

unchristlichen herde bedarf es »schwarzer schafe«, die sich

ihres Glaubens nicht schämen, sondern profiliert auftreten.

1/2012

Politisch korrekt? Christlich korrekt!


Jesu Authentizität durchzieht

sein ganzes Leben bis zu seinem

Tod am Kreuz.

Gerade auch gegenüber den schriftgelehrten und Pharisäern

unserer Zeit mit ihren toleranzwettbewerben. Jesus

ermutigt uns eindringlich dazu, am Glauben festzuhalten:

»Wer aber beharrt bis ans ende, der wird selig werden«

(Matthäus 24,13). Beharren, das klingt störrisch und intolerant:

ein Wahrheitsanspruch aber, der nicht beharrt,

nimmt sich nicht ernst. Das müssen wir christen wieder

lernen. Nicht trotz, sondern wegen unseres Bekenntnisses

zur Nächstenliebe, die eben mehr ist als nur toleranz. es

soll schließlich nicht beim lippenbekenntnis bleiben.

AutoR

Im Rheinland geboren, im

Schwabenland aufgewachsen

und nun zum Studieren in Bayern:

Lukas Lange (19) ist ein Fall für

das Navigationsgerät. Politisch

ist er dagegen ein Freund klarer

Fahrtrichtung - dabei hilft ihm das

Studium der Staatswissenschaften

sowie regelmäßige Artikel auf

idealisten.net.

11


12 Ab heute keine Lügen mehr

Ab heute keine Lügen mehr

Dass es Gott nicht gefällt, wenn wir lügen, würde wohl kein Christ bestreiten. Die Bibel zeigt uns

das an vielen Stellen. Aber mal ganz ehrlich: Wie aufrichtig sind wir in unserem Alltag wirklich? Wie

schnell rutschen uns Unwahrheiten, Ausreden oder Beschönigungen über die Lippen? Jesus hat uns

vorgelebt, dass es auch anders geht. Er hat sich sogar im Angesicht des Todes nicht herausgeredet –

und er war auch ein Mensch! Dieses Jahr will auch ich versuchen, wirklich ehrlich zu sein …

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Dezember


Januar


Januar


Januar


Januar

Ich bin kein Fan von Neujahrsvorsätzen, aber

dieses Mal hab ich einen: Ich will ehrlich sein –

richtig ehrlich.

Ich habe beschlossen, den Personen, die mich

2011 geprägt haben, eine kurze „Dankesmail“ zu

schreiben. Denn die Wahrheit zu sagen, heißt ja

nicht nur mit den negativen Dingen rauszurücken,

sondern auch die positiven mal loszuwerden.

Das ist eine ganz neue Erfahrung.

Fragen wie: »Findest du, die beiden passen

zusammen?«, »Steht mir das auch wirklich?«,

»Würde dich meine Anwesenheit stören?«, »Aus

welchem Grund hast du geweint?« fordern mich

zum ersten Mal heraus, nicht zu lügen. Aber

unter wahren Freunden fällt es gar nicht so

schwer, ehrlich zu antworten.

Der Automat in der Straßenbahn funktioniert

nicht. Ich habe mein Möglichstes getan, aber

keine Fahrkarte bekommen. Jetzt fahre ich

schwarz, aber nicht absichtlich! Ist das trotzdem

unehrlich?

Ein krasser Fall von (Un)wahrheit : Eine Freun-

din, die zur Zeit bei einer christlichen Hilfs-

organisation im Ausland arbeitet, hat keine

Visumsverlängerung bekommen. Um bei einer

erneuten Beantragung erfolgreich zu sein, raten

ihr Andere, die vor dem gleichen Problem standen,

tatsächlich zu lügen, weil sie das Visum

sonst wohl ganz knicken kann. Das finde ich

ziemlich heftig! Und sie im Übrigen auch!


Januar


Januar

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Januar

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Januar

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Januar

Meine Mutter erzählt mir von einem ähnlichen

Wahrheits-Experiment, das mit einem nicht mehr

vorhandenen Freundeskreis und einer Scheidung

endete … Sehr ermutigend!

Bisher ist die Aktion weniger herausfordernd als

gedacht. Aber ich merke, dass mir Lügen einfacher

über die Lippen rutschen als gedacht. Vor allem bin

ich schnell beim Übertreiben. Ein passender Satz,

den ich heute auf einer Konferenz gehört habe:

»Jede Lüge ist ein Kompromiss mit dem Teufel.«

Ich bin Vegetarierin, aber sonst wirklich nicht

mäkelig. Doch wenn ich als vegetarisches Essen

eine grünliche, schleimige Suppe vor mir habe,

sie dann anstandslos esse und froh bin, wenn sie

alle ist – was tue ich dann, wenn der Koch mich

nachher fragt, wie es mir geschmeckt hat? Kann

ich dann meinem natürlichen Reflex, meiner

guten Erziehung und meinem schlechten Gewissen

widerstehen und sagen wie es ist, nämlich:

»Nein, es hat nicht geschmeckt!«? Ich werde es

zumindest heute nicht erfahren, denn der Koch

fragt nicht nach.

Neue Erkenntnis: Zu sich selbst vollkommen aufrichtig

zu sein, ist eigentlich noch anstrengender,

als zu seinen Mitmenschen ehrlich zu sein.

Zwei Wochen und immer noch ist nichts Spekta-

kuläres passiert. Klar ertappe ich mich zwischen-

durch beim Nicht-ganz-ehrlich-sein. Oft wird mir

erst abends im Bett klar, dass ich an dem ein oder

anderen Punkt nicht bei der Wahrheit geblieben

1/2012


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Januar

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Januar

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Januar

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Januar


Februar

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Februar

1/2012

bin. Beispielsweise ist mir aufgefallen, dass ich

ziemlich kreativ bin im (Er)finden von Ausreden,

um eine Sache nicht tun zu müssen.

Habe heute in meiner 20-köpfigen Wohngemein-

schaft von meiner neuen Wahrheitsliebe erzählt,

in der Hoffnung, dass das Ganze irgendwie spannender

oder herausfordernder wird …

Auf mein »Outing« hin hatte ich ein interessan-

tes Gespräch über Lügen und wurde mit einem

guten Gedankengang konfrontiert: Wenn man in

einer Haltung der Wertschätzung lebt, ist es auch

weniger schlimm, die Wahrheit zu sagen. Auf

mein Vegetarisches-Suppen-Dilemma bezogen

heißt das: Wenn ich dem Koch jeden Tag erzähle,

wie lecker sein Essen war (was auch der Wahrheit

entspricht), ist es für mich nicht so schwer, auch

mal was Negatives zu äußern und für ihn ist es

dann auch kein so großes Problem, meine Kritik

anzunehmen.

Manche Leute nutzen das Wissen, dass ich die

Wahrheit sagen muss, ganz schön aus: Unter

sechs anderen Menschen, die im Raum sind, werde

ich natürlich prompt ausgewählt („Frag Jule,

die muss die Wahrheit sagen“), um unangenehme

Wahrheiten („Ja, du störst!“) an den Mann oder die

Frau zu bringen.

Bei meinem letzten Besuch zu Hause wurde ich

mit einer neuen Zimmerfarbe (Grün mit pinken

Streifen) überrascht. Ich fand das wirklich cool

und bin meinen Freunden echt dankbar für die

Aktion. Selbst wenn mir die Farbe null gefallen

hätte, hätte ich wahrscheinlich das Gegenteil

behauptet. Und das wäre gelogen gewesen.

Sobald man unter Menschen ist und Beziehungen

pflegt, wird es schwieriger, weil man einfach viel

redet (zumindest unter Mädels) – und weil man

bei persönlichen Beziehungen leicht verletzen und

damit viel kaputt machen kann. Aber die viel größere

Angst ist vermutlich, sich selbst verletzlich

zu machen, indem man ehrlich ist.

Der Klassiker: Die Antwort »gut« auf die Frage,

wie es einem geht, ist ziemlich oft unwahr. Doch

manchmal habe ich einfach keine Lust, darüber

zu reden, warum es mir nicht gut geht. Und mit

einem „gut“ lässt sich die Unterhaltung meist

schnell beenden.

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Februar

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Februar

Ab heute keine Lügen mehr

Ich habe festgestellt, dass ich anderen nicht

wirklich aufrichtig begegnen kann, wenn ich von

Dritten Dinge über sie weiß, ohne dass sie das

wissen, dass ich das weiß … Selbst wenn es sich

um nichts Dramatisches handelt, beeinflusst

es irgendwie die Ehrlichkeit, die ich der Person

gegenüber an den Tag legen kann.

Anrufe wegzudrücken, auf die man – wegen der

Gesprächsthemen – keine Lust hat, ist auch nicht

unbedingt ehrlich, oder?

Eine wahrhaftig eindrückliche Erfahrung: Nach

einer recht banalen Unterhaltung gestern mit

einem Freund kam er heute auf mich zu, um mir

zu sagen, dass nicht alles der Wahrheit entsprochen

hatte. Es war keine große Sache, aber sein

Mut, eine Lüge einzugestehen, hat mein Bild von

ihm ziemlich positiv verändert!

Thema „Ehrlichkeit in Glaubenssachen“: Wie

schnell sage ich „Ich bete für dich!“ und mache es

dann maximal zwei Mal!? Oder wie oft singe ich

Lobpreislieder und meine gar nicht wirklich, was

ich da singe? Ich denke noch nicht einmal drüber

nach! Da mache ich dann wohl eher Gott als mir

etwas vor.

Mein Zwischenfazit nach zwei Monaten: Ein

wahrhaftiger Lebensstil ist in erster Linie

Übungs- und Wollenssache. Die Herausforderungen

stecken dabei vor allem in den kleinen

Dingen, die man leicht übersieht. Ich habe gelernt:

Ehrlich zu sein heißt nicht, alles sagen zu

müssen. »Darüber möchte ich nicht reden« ist ein

ziemlich ehrlicher Satz …

AUTorIN

13

Julia Bothe (20) hat das letzte halbe

Jahr eine Bibelschule in Bad Liebenzell

besucht. Dort teilte sie mit 20

Leuten das Haus und hat dabei einiges

über menschliches Zusammenleben

gelernt. Nach dieser prägenden

Zeit geht es für sie im April nach

Mainz, wo sie Geschichte und Politikwissenschaft

studieren wird.


14 Brief an …

Lieber Jesus,

danke!

Danke, dass Du ein Geber bist – und zwar einer vom Feinsten. Du schenkst mir Zeit,

Du hörst mir zu. Wenn ich unsicher bin, hilfst Du mir, die richtige Entscheidung zu

treffen. Du trägst mich sogar. Und Du machst das nur, weil Du mich liebst. Und

alles, was ich dafür tun muss, ist zu Dir umzukehren!

Ein bisschen kann ich nachempfinden, warum Du ein Geber bist. Das bereitet nämlich

Freude. Ich war sogar überrascht, wie viel Spaß es macht, anderen etwas zu

schenken. Es tut gut, die Freude in den Gesichtern zu sehen, die Dankbarkeit, die

Erleichterung.

Wir haben mit jungen Leuten aus unserer Gemeinde älteren Menschen geholfen – for

free. So wie Du es auch machst. Gut, wir haben ihnen keine wegweisenden Entscheidungen

abgenommen, sie nicht durchs Leben begleitet. Aber wir haben Holz geschnitten,

die Straße gekehrt, Möbel transportiert, ihnen Zeit geschenkt und zugehört.

Das mag im Vergleich zu den Dingen, die Du schenkst, kleinlich klingen, aber

darauf kommt es ja gar nicht an.

Ein Erlebnis hat mich besonders geprägt: Wir haben eine ältere Frau besucht und ihr

einfach nur zugehört. Sie hat uns liebevoll Obst und Saft angeboten, uns eine Geschichte

vorgelesen, von ihrem Leben erzählt, ihrer Kindheit und Jugend im Zweiten

Weltkrieg. Es waren erschütternde und traurige Geschichten, die uns sehr bewegt

haben. Und gleichzeitig konnten wir spüren, welche Freude es ihr bereitete, dass wir

bei ihr waren. So ähnlich muss es Dir auch gehen.

Für uns war es weder aufwendig noch anstrengend, ihr Gesellschaft zu leisten – im

Gegenteil, es hat uns selbst wahnsinnig gut getan. Den restlichen Tag war ich super

gelaunt und habe mich daran erfreut, mit welch einfachen Mitteln ich anderen

Menschen Gutes tun kann. Ich war glücklich und habe mir vorgenommen, solche Aktionen

viel öfter zu machen. Das Wissen, damit auch etwas für Dich tun zu können,

hat mich in große Freude versetzt.

Ich habe mir während der Aktion überlegt, wie sich das wohl für Dich anfühlen

mag: Du bist 24 Stunden am Tag für jeden einzelnen Menschen da! Und es gibt

wahrlich viele von uns. Es ist Dir keine Last, unendlich viel Zeit in uns zu investieren.

Das ist schon beeindruckend und übersteigt meine Vorstellungskraft.

Du bist ein perfektes Beispiel. In kleinen und alltäglichen Dingen kann ich von Dir

lernen. Und ich muss mir noch nicht einmal Gedanken über das »wie« machen. Ich

kann einfach darauf schauen, wie Du es vorgelebt hast. Viel zu oft habe ich genau

diesen Aspekt vergessen. Das will ich ändern!

Deine Anne

AutorIN

Anne Klotz (26) hat

gerade ihren Magister in

Fachjournalistik Geschichte

an der universität Gießen

gemacht. Sie gönnt sie sich

hin und wieder Auszeiten

am Fotoapparat, am Klavier

oder beim Genießen

guten Kaffees.

1/2012





Top 5

Lamm Gottes

Nach alttestamentarischer Vorstellung

ist im Blut das Leben. Stellvertretend

für den vor Gott schuldig gewordenen

Menschen konnte ein Tier geopfert

werden. Das Opfer vollzog der Hohepriester

für sich – und stellvertretend

für das jüdische Volk. Für uns Christen

ist Jesus selbst dieses makelloses

Lamm und damit das Opfer, um uns

endgültig mit Gott zu versöhnen.

mensChensohn

Eine Vision des Propheten Daniel

berichtet von einem »wie eines

Menschen Sohn«, der von Gott die

Herrschaft über alle Völker erhält.

In diesem »Menschensohn« sahen

die Juden den Messias. Jesus selbst

spricht mehrmals von sich als dem

Menschensohn und erinnert damit

an zweierlei: an seine eigene Menschlichkeit

und – im Sinne von Daniels

Prophezeiung – an seine Göttlichkeit.

Kyrios

In der jüdischen Tradition darf der

Name Gottes nicht ausgesprochen

werden. Deswegen benutzen die Juden

im Allgemeinen die Anrede »Adonai« –

»Herr«. In der griechischen Übersetzung

bedeutet Herr »Kyrios«. Im Neuen

Testament wird diese Bezeichnung

auch für Jesus verwendet. »Kyrios«

beschreibt den in die völlige göttliche

Machtstellung erhöhten Jesus: Kyrios

Jesus – der Weltenherr ist Jesus!

1/2012

Die Namen Jesu und ihre Bedeutung


sohn Gottes

Nicht nur mit »Vater« sprach Jesus Gott

im Gebet an, sondern sogar mit dem

vertraulichen »Abba« – Papa. Und Gott

selbst bestätigt im Neuen Testament

mehrmals, dass Jesus sein Sohn ist. So

etwa bei Jesu Taufe, als Gott sagte: »Du

bist mein geliebter Sohn, an dir habe

ich Gefallen gefunden.« (Markus 1,11).


Christus

top 5

15

Es ist beinahe schon Jesu Nachname.

Doch Christus bedeutet eigentlich

ganz allgemein »der Gesalbte« – ebenso

wie das hebräische »Messias« – und

galt ursprünglich als Würdetitel für

Könige oder Hohepriester. Jesus ist der

Retter aller Menschen. Er erlöst uns

von unserer Schuld und ebnet uns den

Weg zu Gott. Der Doppelname Jesus

Christus ist das kürzeste Bekenntnis

der Christenheit: Jesus von Nazareth

ist in seiner Person der verheißene

Christus (Messias).

AutorIN

Anja Reumschüssel (28)

aus Alzey hat Publizistik

studiert und gerade sieben

Monate in Bethlehem

verbracht – direkt an der

Quelle des Christentums.


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18 Wie würde Jesus heute leben?

Hallo, ich heiße Jesus, bin zum zweiten Mal auf diese Erde gekommen und bin

ein Öko. Ich trage nur Leinenkleidung, kaufe ausschließlich fair gehandelte

Bio-Produkte und baue den Großteil meines Essens selbst an. Ich bastle die

meisten meiner Möbel selbst. Läden wie Ikea, McDonald’s und Aldi finde ich

schrecklich. Ich kaufe beim Tante-Emma-Laden ein. Veränderung geschieht

durch den Unterschied im Kleinen.

Hallo, ich heiße Jesus, bin zum zweiten Mal auf diese Erde gekommen und

bin ein Politiker. Ich fahre einen dicken Mercedes, trage einen Anzug und

nehme Einfluss auf höchster Ebene. Jeden Tag verbringe ich 12 Stunden

im Büro oder im Flugzeug und gebe mein Bestes, um die Welt zu verändern.

Nur wenn ich Einfluss nehme, kann ich auch wirklich etwas

bewegen.

Hallo, ich heiße Jesus, bin zum zweiten Mal auf diese Erde gekommen

und bin ein Lehrer. Ich stehe jeden Morgen in aller Frühe auf, bereite

den Rest für meinen Unterricht vor und fahre dann in die Schule. Ich

liebe meine Schüler, möchte Werte prägen, bin Vertrauenslehrer. Nur,

wenn wir die kommende Generation lieben und verändern, wird sich

auch unsere Gesellschaft wirklich verändern.

Hallo, ich heiße Jesus, bin zum zweiten Mal auf diese Erde gekommen

und bin ein Idealist. Ich halte nicht viel von Facebook oder Twitter.

Reden kann man auch von Mensch zu Mensch. Ich fördere das Miteinander

verschiedener Kulturen und Völker. Jeder Mensch ist wertvoll.

Wirklich verändern wird sich erst dann etwas, wenn wir lernen, wieder

miteinander zu reden.

Wie wäre Jesus wohl? Wie würde er heute leben? Wie würde er versu-

chen, Einfluss zu nehmen? Indem er sich alternativ verhält? Indem er auf

höchster Ebene arbeitet? Indem er als Lehrer Vertrauen gewinnt? Oder als

Idealist? Vielleicht wäre er eine Mischung aus allem: Ein idealistischer

Politiker, der ein Rapsöl-Auto fährt und sich um die Kinder kümmert. Auf

jeden Fall anders. Jesus wäre anders. Unkonventionell. Das war er schon

immer. Schon als er vor 2000 Jahren auf dieser Welt lebte. Er war nicht

angepasst. Hat die Konventionen und Regeln der Gesellschaft über den

Haufen geworfen. Er wäre anders. Aber wie würde er sich unterscheiden?

Vermutlich würde er tatsächlich nicht bei McDonald’s oder Ikea kaufen.

Nicht in erster Linie die unterstützen, die sowieso schon alles haben, sondern

in die investieren, die noch alles brauchen. Er würde darauf achten,

was er kauft. Besonders darauf, dass die Dinge, die er kauft nicht auf Kosten

anderer Menschen oder Geschöpfe geerntet und produziert wurden. Ein verantwortliches

Leben vor der Natur, den Menschen – und besonders vor Gott.

Was nicht heißt, dass er sich nicht auch wie ein Politiker auf höchster Ebene

engagieren könnte oder sich wie ein Lehrer voller Liebe um die Belange von

Wie würde Jesu

Autorin

1/2012


s heute leben?

Nikita Goseberg (23) liebt es, Jesus an vielen

verschiedenen orten und in vielen verschiedenen

Menschen zu entdecken. Als sie den Artikel verfasst

hat, lebte sie gerade mit 16 Personen gemeinsam in

einem Zimmer in Südafrika. Mehr erfährst Du unter

glaubenskunst.blogspot.com.

1/2012

Kindern und Jugendlichen kümmern würde. Im Gegenteil, er hätte genau diese

Menschengruppen im Blick. Politiker und Machthaber, aber auch Kinder und

die, die schnell übersehen oder vergessen werden.

Er würde sich mit Sicherheit für die Themen der Politik und Wirtschaft inte-

ressieren. Sich aber nicht darin verlieren, sondern engagieren. Investieren.

Standpunkt beziehen. Klarheit und Wahrheit sprechen. Lügen hat er schon

damals nicht stehen lassen und das würde er auch heute nicht. Er würde

sich einmischen, wenn es nötig ist. Riskieren, dass die Menschen ihn nicht

mögen. Er nimmt lieber Widerstände in Kauf, als dass er seine Fahne in den

Wind hängt oder sich gar auf Korruption einlässt.

Wie würde Jesus heute leben?

Überhaupt gehört es einfach zu seinem Leben, dass ihn nicht jeder mag.

Ablehnung um den Preis der Wahrheit. Denn so wichtig ihm die Liebe ist

– niemals lebt er Liebe und Versöhnung auf Kosten der Wahrheit. Deshalb

eckt er immer wieder an. Menschen stoßen sich an ihm. Weil das, was er

sagt, unbequem ist. Doch er provoziert nicht um der Provokation willen.

Nur wenn es im Namen der Wahrheit oder der Liebe wirklich nötig ist.

Und was die Kinder betrifft: Vermutlich würde er mit ihnen durch die

Gegend springen. Sich an ihnen freuen und ihnen Freude bereiten. Fußball

spielen. Leben genießen. Sich an der eigenen Schöpfung erfreuen. Den

Kindern zeigen, dass sie nicht unbedeutend, sondern Vorbilder sind – in

ihrer Kindlichkeit, Selbstverständlichkeit, Abhängigkeit.

Anstatt abzuwarten und zu meckern, wäre er selbst aktiv. In allen Berei-

chen. Statt über Prostituierte zu lächeln, sie auszunutzen oder zu verur-

teilen, schätzt er sie wert. Für ihn sind sie keine Gefahr oder Verführung.

Er muss als Mann keinen Bogen um sie machen. Er geht auf sie zu, hört

sich ihre Nöte an und begegnet ihren Sehnsüchten. Und selbst die Zuhälter

schätzt er wert. Sagt ihnen, dass sie damit aufhören müssen – aber in Liebe.

Er sieht die kaputten Seelen.Jesus wäre einfach er selbst. Anders. Unkonventionell.

Nicht in Worte zu fassen. In keine Schublade zu packen. Selbst

wenn ich versuche mir vorzustellen, wie er wäre, bin ich sicherlich noch

weit von der Realität entfernt.

Er würde vermutlich alles irgendwie in sich vereinen können. Einfluss, Idealismus,

Liebe, Macht, Konsequenz … Wir können es nicht und deshalb sind

wir alle unterschiedlich geschaffen. Jeder von uns begegnet der Gesellschaft

auf einer anderen Ebene, beeinflusst sie anders. Jesus würde alles abdecken.

Oder doch nur einen einzelnen Bereich? Er würde allen Nöten begegnen. Oder

doch nur einer einzigen? Tja, wie wäre er? Er wäre anders. Er ist Liebe. Er bleibt

Liebe. Er ist Wahrheit. Er bleibt Wahrheit. Und beides würde er in Vollkommenheit

auf dieser Erde leben. Wie gut, dass wir das Neue Testament haben, in dem

wir nachlesen können, wie er ist. Und wie gut, dass wir wissen, dass er am Ende

der Zeit einmal wiederkommen wird!

19


20 Mr. Jesus Freak

Mr. Jesus Freak

Wenn sie das Stichwort »Jesus« hören, denken junge Nichtchristen oft an verstaubte

Kirchenbänke, langweilige Lieder und eine Sprache, die mit ihrer Alltagswelt

wenig zu tun hat. Das erkannte auch Martin Dreyer und gründete Anfang

der 90er Jahre die »Jesus Freaks«. Er wollte diesen Jugendlichen zeigen, dass man

den Glauben an den Messias auch schrill und unkonventionell leben kann. Simon

Jahn sprach mit ihm darüber, was es bedeutet, verrückt für Jesus zu sein.

Martin, wir wollen über jemanden reden, den wir noch

nie gesehen haben. Wer ist dieser Jesus überhaupt?

Jesus ist mein Freund: Er versteht mich, weil er selber

Mensch war. Ich kann ihm nichts vormachen. Jesus ist für

mich Hilfe in der Not: Er kann Wunder tun. Und Jesus ist

auch Gott. Er ist jemand, den ich anbete, dem ich sage, wie

cool ich ihn finde und vor dem ich manchmal staunend in

meiner Küche knie, weil mir plötzlich klar wird, was für ein

großer Gott er ist. Er hat den ganzen Kosmos geschaffen!

Aber ist Jesus denn heute noch zeitgemäß?

Jesus ist Gott und die Frage nach Gott wird immer

zeitgemäß bleiben. Menschen sind fortwährend auf der

Suche nach Antworten. Sie stoßen an Grenzen in ihrem

persönlichen Leben – durch Krankheit, Tod, Arbeitslosigkeit,

Depressionen oder kaputte Freundschaften. Und

dann kommt die Frage auf: Wer kann mir helfen? Gibt

es jemanden, der über den Dingen steht? Jemanden, der

Wunder tun kann? Ich glaube, dass jeder Mensch mindestens

einmal im Leben für sich entscheiden muss: Glaube

ich an diesen Gott? Und in den Momenten, in denen man

sich nicht mehr sicher ist, dass es ihn nicht gibt, tritt er

in Erscheinung.

Wie ist Gott bei Dir in Erscheinung getreten?

Mit 18 Jahren hatte ich schon alles ausprobiert, was es zu

dieser Zeit an Drogen gab. Ich suchte echtes Leben. Aber weder

in Rauschmitteln, Sport, Freundschaften, Beziehungen noch

auf Parties fand ich es. Es machte für mich keinen Sinn mehr,

weiter zu leben. Doch dann wurden in meiner Familie alle

Christen und ich dachte mir: Geh doch einfach mal mit in die

St.-Petri-Kirche. Dort fand jeden Sonntagabend ein charismatischer

Gottesdienst statt, zu dem bis zu 1.000 Leute kamen.

Ich spürte eine Energie, eine Gottesnähe, die ich bis dahin

nicht gekannt hatte. Bei meinem dritten Gottesdienstbesuch

habe ich mich dann entschieden, ein Leben mit diesem Gott

auszuprobieren.

Warum bist Du nicht dort geblieben, sondern hast die Jesus

Freaks gegründet?

Ich merkte, dass viele Leute aus meiner alten Szene und viele

Leute von der Straße, auch diesen Gott brauchten, aber dass

sie nie mit in die Kirche gekommen wären. Nicht, weil sie

nicht auf der Suche nach Gott gewesen wären, sondern aus

kulturellen Gründen. Ein Freund, mit dem ich zuvor viel

Drogen genommen hatte, sagte zu mir: »In die Kirche gehen

doch nur Spießer. Die können mich und meine Lebenssituation

1/2012


Foto: Michael Englert/michael-englert.com

gar nicht verstehen!« Deshalb wollte ich einen Ort schaffen

für Leute, die nicht in eine normale Kirche gehen würden;

einen Ort, an dem die räumliche Hemmschwelle sehr niedrig

war und an dem Musik gespielt wurde, die wir auch sonst

gerne hörten – aber mit jesusmäßigen Texten. Ich wollte, dass

die Predigt in einer Sprache gehalten wird, die die Leute auf

der Straße verstehen.

Ist es sich nicht ein bisschen zu einfach, zu sagen: Ich bleibe

so, wie ich bin und packe mir Jesus da mit rein?

Ich finde es wichtig, Gottesdienstregeln und -formen dem anzupassen,

wie man ist. So bewahrt man sich seine Identität.

Nicht anpassen darf man sich der Welt aber in punkto Sünde.

Mir war immer wichtig, dass die Jesus Freaks nicht bekannt

sind als die Punks, bei denen man auch besoffen in den

Gottesdienst gehen und rauchen darf und trotzdem Christ

sein kann. Meine Sehnsucht war, dass wir bekannt sind als

radikale Christen. Als die, die ihr Leben für Jesus auf den Kopf

stellen und ein Herz für die Verlorenen haben. Gerade in den

ersten Jahren haben wir echt radikal mit Jesus gelebt: Wir

haben vielleicht ausgesehen wie Schläger von der Straße, aber

wir haben täglich stundenlang gebetet, haben nichts anderes

als die Bibel gelesen. Wir waren regelrecht verliebt in Jesus.

1/2012

Mr. Jesus Freak

»Wir beteten

das ›Vater Unser‹

so laut, dass die

Nachbarn mit

den Besen an

die Wände klopften.«

Wie fing das denn eigentlich an mit den Jesus Freaks?

Wir haben uns mit zwei Freunden in meiner Wohnung getroffen

und begannen mit Gott so zu reden, wie wir waren –

ohne religiöse Floskeln oder Formeln. Und plötzlich war die

Gegenwart Gottes in diesem Raum so spürbar, dass wir gedacht

haben: »Wow, das müssen wir weitermachen!« Dann

hat einer seine Bekannten aus seiner Szene mitgebracht.

Auch die spürten: »Hier ist Gott! Hier ist Kraft! Hier kann

man wirklich mit ihm reden und er hört unsere Gebete!«

Daraufhin haben sie wiederum ihre Freunde mitgebracht

und so weiter. Bald waren wir 40 Leute und beteten nachts

um eins das »Vater Unser« so laut, dass die Nachbarn mit

den Besen an die Wände klopften. Bald machte das Gerücht

in Hamburg die Runde: »Da gibt es diese Freaks und die

treffen sich wegen Jesus. Das müsst ihr euch mal anschauen!«.

So entstand unser Name.

Ihr habt aufsehenerregende Aktionen durchgeführt.

Gehört es dazu, andere zu provozieren, wenn man

verrückt für Jesus sein möchte?

Ich denke schon. Wenn Jesus sagt: »Geht hin in alle Welt

und bringt das Evangelium allen Völkern« muss ich mir

schon überlegen, zu wem Jesus mich sendet. Für uns war

21


22 Mr. Jesus Freak

aber klar: Gott schickt uns zu den Punks, zu den Hippies,

zu den Skatern – vor allem zu den jungen Szene-Leuten.

Und für die braucht es eine laute, schrille Art, um das

Evangelium rüberzubringen. Denn gerade die jungen

Leute sind so zugeballert mit Internet, Fernsehen, Handy

und Computerspielen, dass sie nur schwer zu erreichen

sind. Dazu haben sie das kritische Denken in der Schule

eingeimpft bekommen. Die sagen dann: »Du siehst das

vielleicht so, aber ich sehe das ganz anders.« Sie halten

alles schön weit weg von sich. Und darum hatte ich den

Gedanken, dass wir etwas Schrilles, etwas Provozierendes

machen müssen, um diese Leute aufzurütteln. Darum

sind wir mit einem Sarg über die Reeperbahn gezogen

oder haben die Kreuzigung nachgespielt.

Aber habt ihr damit wirklich Leute für Jesus gewonnen?

Vor ein paar Wochen erst habe ich jemanden getroffen, der

mir erzählt hat: »Ich war damals auf der Reeperbahn, als

ihr den Jesus gekreuzigt habt. Ich wollte eigentlich in einen

Pornoladen gehen. Aber dieses Bild hat mich so verfolgt,

dass ich wieder umgekehrt bin. Zwei Wochen später habe

ich mir einen Pastor gesucht, meine Sünden gebeichtet und

bin Christ geworden.«

Wenn Du Jesus so spürbar erlebt hast, wie konnte es bei

Dir zu einem mehrjährigen Drogenrückfall kommen?

Als die Jesus Freaks immer bekannter wurden, schwappte

eine regelrechte Medienwelle über uns und immer mehr

Gemeinden luden uns ein, bei ihnen Jesus Freaks-Abende

zu machen. Dabei bekehrten sich viele zu Jesus und oft

entstanden neue Jesus Freaks-Gruppen. Auf dem Rückweg

von einem solchen Abend machte ich den Fehler, einen

Jungen ans Steuer zu lassen, der noch wenig Fahrpraxis

hatte. Auf der Autobahn bauten wir einen Unfall. Weil ich

in Panik geschrien hatte: »Wir müssen aussteigen!«

wurde ein Mädchen von einem Auto erfasst und starb vor

unseren Augen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits eine

60-Stunden-Woche. Doch nach dieser tragischen Erfahrung

stürzte ich mich noch mehr in die Arbeit und setzte

mich über mehrere Jahre 120 Stunden die Woche für das

Reich Gottes ein. Das lief eine ganze Zeit gut. Es war eine

fruchtbare Zeit – viele kamen zum Glauben. Aber ich ging

permanent über meine Grenzen. Irgendwann konnte ich

nicht mehr schlafen. Es war wie Folter: Ich lag über Wochen

nachts wach, war völlig ausgebrannt. Um müde zu werden,

fing ich wieder an, Bier zu trinken. Dann machte ich eine

Woche Urlaub in New York und bekam auf einer Techno-

Party eine Ecstasy-Pille geschenkt. Die habe ich unter

einem frommem Vorwand geschluckt: »Du kannst es ja mal

ausprobieren, dann verstehst Du, wie die Leute hier ticken

und kannst sie besser für Gott erreichen«. Von da an ging

es über vier Jahre steil bergab bis ich schließlich mit einer

Überdosis im Krankenhaus landete.

Wo war Jesus in dieser Zeit?

Gott hat mich gebraucht und gesegnet, wenn ich für ihn

unterwegs war, obwohl mein Leben auf der anderen Seite

abdriftete. Als ich immer mehr abrutschte, war irgendwann

auch der Segen weg. Trotzdem habe ich versucht, an Jesus

festzuhalten. Was viel mehr an meinem Glauben genagt hat

als meine eigenen Fehler, war der Umgang anderer Christen

mit mir. So verschickte beispielsweise der Leitungskreis

der Jesus Freaks-Bewegung einen Brief an alle Gruppen, in

dem sie vor mir warnten. Sie taten das in guter Absicht, um

die Bewegung zu schützen. Mich hat es aber natürlich sehr

verletzt. Und ich musste dann auch feststellen, dass ich

kaum wirkliche Freunde hatte.

Du hattest bei den Jesus Freaks eine große Vorbildfunk- Hünerhoff

tion. Dein Absturz hat sicher viele Leute ins Zweifeln am

Glauben gebracht. Wie gehst Du damit um?

Christian

Ich habe immer gesagt: Folgt nicht mir nach, sondern Jesus.

Martin

Ich bin ein Loser und baue auch Mist – genau wie jeder andere

Mensch. Und ich glaube, dass die meisten Jesus Freaks das Fotos:

1/2012


auch so befolgt haben – darum gibt es die Bewegung nach

wie vor. Besonders die Leute im Leitungskreis sind nicht

mir nachgefolgt. Als ich weggebrochen bin, waren sie in

ihrem Glauben reif genug, um die Bewegung auch ohne

mich zu leiten.

Wie bist Du aus dem Tief wieder rausgekommen?

Ich habe zwei stationäre und drei ambulante Psychotherapien

gemacht, habe Psychopharmaka genommen –

aber nichts hat geholfen. Irgendwann traf ich mich mit

dem Pastor und Seelsorger Rudi Pinke. Er meinte zu mir:

»Ich wusste, dass wir uns mal über den Weg laufen würden.

Gott hat mir das im Gebet gezeigt. Ich werde mich so lange

mit Dir zum Beten treffen, bis ich sehe, dass Du wieder

in Deiner Berufung lebst.« Für mich war es zu diesem

Zeitpunkt undenkbar, überhaupt wieder etwas für Gott

zu machen. Doch wir haben uns viele Male zusammengesetzt

und haben gebetet. Ich bekannte meine Sünden

vor Gott und tat Buße. Diese Treffen haben mich so positiv

verändert, dass alle Leute in meinem Umfeld ins Staunen

gerieten.

Um begeistert von Jesus zu sein, muss ich ihn erstmal

kennenlernen. Wie kann man ihn finden?

Indem man ihn sucht. Das fängt an mit Worten. Gott ist

ein Gegenüber und keine wabbelige Energiemasse. Deshalb

kann man da, wo man ist, anfangen, mit ihm zu reden. Ob

man sich gerade im Park, am Meer, im Hotelzimmer oder

im Auto befindet, ist völlig unerheblich. Oder man schreibt

Gott einen Brief. Aber: Sich auf die Suche zu machen, bedeutet,

das nicht nur einmal zu tun, sondern regelmäßig. Man

muss Zeit und Energie investieren. Warum nicht auch mal

ins Kloster gehen für ein paar Tage. Oder Urlaub nehmen

und dabei nicht Dan Brown, sondern in der Bibel lesen und

beten. Gut ist auch, sich mit Leuten zu unterhalten, die Gott

schon gefunden haben. Jesus hat gesagt: »Suchet so werdet

ihr finden« – und damit meinte er nicht den Autoschlüssel

oder das Handy. Er meinte sich!

1/2012

Autor

Simon Jahn (29) war selbst 12 Jahre

lang bei den Jesus Freaks aktiv. Auf

dem »Freakstock«-Festival hat er

seine Frau kennengelernt, mit der er

inzwischen zwei wundervolle Kinder

hat.

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Mr. Jesus Freak

23


24 Warum Zeiten der Stille so wertvoll sind

Warum Zeiten der Stille so wertvoll sind

Erleichtert schließe ich die Tür hinter mir. In meinem Zimmer ist es ungewohnt leise. Die letzten

Tage waren von Abgabeterminen und Klausuren geprägt. Ich habe Stunden in der Unibibliothek

gesessen, nachgedacht, gelesen, geschrieben. Nun ist das Semester zu Ende. Ich bin plötzlich

alleine und es gibt nichts, was dringend erledigt werden muss …

Während ich mich auf mein Bett fallen lasse, kommen mir

all jene Dinge in den Sinn, für die ich in den letzten Tagen

keine Zeit hatte: Ich sollte meine Mutter anrufen. Die Blumen

könnten gegossen werden. Ich habe meiner Freundin

schon vor Wochen versprochen, mit ihr ins Kino zu gehen.

Ein Friseurbesuch wäre auch wieder fällig. Aber als ich zu

meinem Handy greifen will, wird mir klar, dass ich etwas

anderes brauche. Ich muss den Stress der letzten Tage verdauen.

Anstatt meine Freunde anzurufen, schwinge ich mich auf

mein Fahrrad. Mein Ziel ist der Wald ganz in der Nähe. An

der frischen Luft, zwischen den Bäumen kann ich am besten

Abstand zum Alltagsstress gewinnen. Und somit begreifen,

dass ich Teil einer Welt bin, die Gott für uns geschaffen hat.

Und als er damit fertig war, ruhte auch er sich aus.

1/2012


Meine Freundin kann nicht mehr

Ganz anders ist es meiner Freundin ergangen: Sie ist 20,

studiert mit mir und ist eines jener Mädchen, die immer

glücklich zu sein scheinen. Immer am Lächeln, niemals

launisch, für jeden Spaß zu haben, zu jeder Party bereit.

Und sie ist klug. In der Uni erhält sie nur Bestnoten. Nebenbei

leitet sie die Theatergruppe unseres Campus und

fasziniert selbst als Schauspielerin auf der Bühne ihr

Publikum. Eines Tages erzählte sie mir überraschend, dass

es ihr schlecht gehe. Niemand hatte es gemerkt – auch ich

nicht. Sie weinte. Sie hatte keine Kraft mehr. Keinen

Antrieb. Morgens kam sie nicht mehr aus dem Bett, abends

konnte sie nicht einschlafen. Und das, obwohl nichts

Gravierendes passiert war. Keine Probleme in der Familie,

kein Liebeskummer. Ihr Lebensstil war eine Überforderung.

Die Folge: Sie war ausgebrannt.

Darüber nachdenken, was man tut

Der Begriff Burn-out existiert seit den 70er Jahren. Er

beschreibt ein Gefühl der Niedergeschlagenheit, verbunden

mit Kraftlosigkeit und Antriebsschwäche. Eigentlich

haben wir alle schon mal gehört, dass zu viel Hektik und

Druck nicht gut für uns sind. Unsere Gesellschaft ist

jedoch hochgradig leistungsorientiert. Und weil es wichtig

scheint, erfolgreich zu sein, ignorieren wir oft so lange

wie möglich jegliche Erschöpfungssymptome. Man kann

schließlich auch mit Kopfschmerzen Hausarbeiten schreiben.

Zur Not wirft man ein Mittel dagegen ein. Erst durch

meine Freundin habe ich verstanden, was Alltagsstress mit

uns machen kann. Wir gehen Tag für Tag fast mechanisch

unseren Aufgaben nach. Wir stehen auf, wenn der Wecker

klingelt, fahren zur Uni oder Arbeit, um zu erledigen, was

zu erledigen ist. Sobald eine Aufgabe erledigt ist, nehmen

wir die nächste in Angriff. Und das Erschreckende ist, dass

wir selten dabei nachdenken.

Sicherlich ist es wichtig, etwas zu tun zu haben. Es kann

sehr erfüllend und befriedigend sein, wenn man endlich

die Hausarbeit einreicht, wenn das Badezimmer wieder

glänzt oder wenn am Ende eines Arbeitstages ein zufriedenes

Lächeln auf dem Gesicht des Chefs zu sehen ist.

Unabhängig davon, wonach wir streben, ist es wichtig, immer

wieder auch inne zu halten. Die Kraftreserven nur im

Urlaub aufzufüllen – das reicht nicht. Bei meiner Freundin

kam das Burn-out nicht von einem Tag auf den anderen,

sondern entwickelte sich über Monate.

Wo überfordere ich mich?

Wer ein Ausbrennen vermeiden will, muss sich immer wieder

mit sich selbst und seinem Leben auseinandersetzen.

Wo überfordere ich mich? Mute ich mir zu viel zu? Hinsetzen,

nachdenken, beten, sich auf Gott konzentrieren. Ein

1/2012

Warum Zeiten der Stille so wertvoll sind

Buch nur zur Entspannung und nicht zum Lernen lesen.

Solches Innehalten geht nicht mal eben schnell nebenbei.

Reflektion braucht Zeit und vor allem Stille.

Stille im Kopf

Stille beschreibt nicht bloß das Fehlen jeglichen Lärms.

Stille bedeutet auch Stille im Kopf. Wenn das Leben nur

vorbeifliegt, ist es unmöglich, die Schönheit um sich

herum wahrzunehmen. Es ist nicht verwunderlich, dass

man dann irgendwann morgens nicht mehr aufstehen

möchte. Besser ist es, sich regelmäßig Zeit für sich selbst

zu nehmen. Das kann schon eine Tasse Tee auf dem Sofa

sein. Oder ein Spaziergang allein im Wald. Sich auf einer

Bank niederzulassen und bewusst die Schönheit unserer

Welt wahrzunehmen. Und dabei zu merken, dass es einen

Schöpfer gibt, der für uns sorgt, wenn wir unsere Probleme

in seine Hände legen.

Tipps aus der Bibel

Wer mit wachen Augen durch die Welt geht, begegnet Gott

in der Natur, in menschlichen Begegnungen – und in der

Bibel, die man auch als Handbuch für ein gelingendes Leben

lesen kann. Dort liest man, dass auch Jesus um die Bedeutung

der Stille wusste. Sein Dienst war geprägt von einem

Wechsel zwischen öffentlichen Aktionen und Ruhe. Wenn

Jesus es mit »der Menge« zu tun bekam, zog er sich anschließend

in die Stille zurück. Warum wohl? Um Kraft zu

schöpfen. Offenbar ist selbst ihm das nicht immer gelungen.

Als Jesus mit den Jüngern im Boot auf dem See Genezareth

war, schlief er ein vor Erschöpfung, trotz des Sturms,

der rings herum tobte. Er brauchte die Ruhe der Abgeschiedenheit

des Sees. Was kann uns das sagen? Immer unter

Strom zu sein, das geht nicht gut. Wir brauchen die Phasen

der Nicht-Hektik, des Runterkommens, des Abschaltens.

Jesus hat uns vorgelebt: Stille tut uns gut.

AUTorIN

25

Lara Rösler (21) lebt seit fast zwei

Jahren in Hollands größter Unistadt

Utrecht und studiert dort Philosophie

und Kognitive Neurowissenschaften.

Wenn sie nicht über ihren Büchern

hockt, nutzt sie die freie Zeit gerne

um neue rezepte auszuprobieren,

Gitarre zu spielen und mit ihren

Freunden Unvergessliches zu erleben.


26 Vom Mut, eigene Entscheidungen zu treffen

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1/2012

Vom Mut, eigene

Entscheidungen zu treffen

Jesu Worte waren nie kompliziert. Er redete stets einfach

und verständlich. Trotzdem gibt es unter Christen ganz

unterschiedliche Ansichten darüber, wie man als Christ

leben sollte. Was ist die »richtige« Einstellung zu Fragen wie

Klimawandel, Atomkraft oder Homosexualität? So mancher

meint, da die Antworten zu kennen. Doch kann man eine

eindeutige christliche Ethik wirklich aus der Bibel herauslesen?

27

»Der Teufel kann sich auf die Schrift

berufen«, heißt es in Shakespeares Der

Kaufmann von Venedig. Oft scheint

es, als lasse sich alles und nichts mit

der Bibel, oder konkreter: mit den

Worten Jesu begründen. Mein jüngstes

Erlebnis zu dieser Thematik war eine

Debatte um den gesetzlichen Mindestlohn,

bei dem sich beide Seiten auf das

Gleichnis der Arbeiter im Weinberg beriefen.

Darin zahlt der Eigentümer des

Weinbergs jedem Arbeiter denselben

Lohn, unabhängig davon, wie lange

dieser gearbeitet hatte. Der Befürworter

des Mindestlohns erklärte stolz:

»Da siehst du es, Jesus verkündet eine

gleiche Bezahlung für alle – unabhängig

von der Leistung des Einzelnen!«

Der andere reagierte verwundert: »Im

Gegenteil! Das Gleichnis spricht von

der Vertragsfreiheit des Unternehmers,

der mit seinem Geld tun und lassen

kann, was er will.«

Mal abgesehen davon, dass es in

diesem Gleichnis natürlich weder um

das eine noch um das andere geht,

stellt sich trotzdem die Frage: Wie

kommt es, dass sich zuweilen extrem

gegensätzliche Positionen scheinbar

auf Jesus berufen können? Wie kann

er einmal als Motivator für Pazifismus

dienen, dann wieder als Legitimation

für Krieg? Wie einmal als Begründung

für Sozialismus, dann wieder für die

freie Marktwirtschaft?


28 Vom Mut, eigene Entscheidungen zu treffen

Man kann Jesus

ja viel nachsagen, aber

mit Sicherheit nicht, dass er sich kompliziert

ausgedrückt hätte. Manchmal denke ich, er wäre zutiefst

amüsiert über die unzählige wissenschaftliche Literatur,

die zur Analyse seiner Worte verfasst wurde. Hatte er diese

nicht bewusst einfach gehalten, damit sie jeder verstehen

kann? »Eure Rede sei ja, ja, nein, nein« – diesen Satz hat

er sich auch selbst zu Herzen genommen. Jemandem, der

das gesamte Alte Testament in zwei Sätze zusammenfassen

konnte (»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von

ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt

= Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«), kann

man wohl kaum den Vorwurf machen, er würde die Dinge

unnötig verkomplizieren.

Das »wie« entscheidet

Das eigentliche Problem liegt also woanders. Bei ethischen

Entscheidungen geht es selten um das ob, sondern fast

immer um das wie. Vermutlich würden mir die meisten

Menschen zustimmen, wenn ich sage, dass es zur christlichen

Ethik gehört, den Armen zu helfen. Wenn ich aber

fragen würde, ob man Bettlern auf der Straße Geld geben

soll, würden die Meinungen womöglich auseinandergehen.

Ebenso würde kaum jemand bestreiten, dass es richtig ist,

sich für Frieden auf der Welt einzusetzen. Würde ich aber

fragen, ob zur Sicherung des Friedens auch militärische

Einsätze durchgeführt werden sollen, wäre die Antwort

wohl schon weniger einheitlich. Die Liste solcher Beispiele

ließe sich beliebig fortsetzen, und sie alle verdeutlichen die

Feststellung: Es geht selten darum, ob man etwas tun soll,

sondern wie man es am besten tut.

Dieser Umstand

macht es so schwierig, sich bei

ethischen Entscheidungen auf Jesus zu berufen. Seine

Worte zeugen von einer weltumspannenden Menschenliebe,

sie sprechen uns an in ihrer tiefen und überwältigenden

Schönheit. Unsere alltäglichen ethischen Probleme aber

sind zumeist konkrete Einzelfallentscheidungen und hängen

von unzähligen Faktoren ab, die man allesamt kennen

und erwägen muss, um zu einem angemessenen Urteil zu

gelangen. Kommen wir auf das Beispiel des Mindestlohns

zurück. Natürlich sollen Menschen von ihren Löhnen auch

ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Aber es muss

auch berücksichtigt werden, ob die Einführung eines

gesetzlichen Mindestlohns möglicherweise nicht eher zur

Vernichtung von Arbeitsplätzen führen würde. Solche

Faktoren dürfen unter keinen Umständen ausgeblendet

werden, wollen wir ethisch richtige Entscheidungen treffen.

Egal ob es um Mindestlöhne, Atomkraft oder Frauenquoten

geht: Gut gemeint ist nicht selten das Gegenteil von gut.

Ethik heißt Abwägen

Habe den Mut, deine eigenen Entscheidungen zu treffen!

Das ist die vielleicht entscheidende ethische Weisung

Jesu, die sich zwar in dieser Form nicht in seinen Worten

findet, aber aus seinen Taten spricht. Auch Jesus hatte oft

zwischen verschiedenen Faktoren abzuwägen. Als er sich

entschloss, am Sabbat eine Frau zu heilen, brach er bewusst

das jüdische Sabbatgebot. Auch wenn uns heutzutage die

Abwägung zwischen der Heilung eines Menschen und der

Beachtung eines Feiertags als nicht besonders schwierig

erscheinen mag, dürfen wir uns hier nicht täuschen

lassen. Jesus lebte in den jüdischen Traditionen seiner Zeit,

und es wäre verfehlt anzunehmen, dass er keinen Respekt

vor ihnen gehabt hätte. Er war kein rebellischer Trotzkopf,

der es den »Alten« mal richtig zeigen wollte. So hatte er

1/2012


auch Respekt vor der Beachtung des Sabbats, aber trotzdem

stellte er das Gebot der Nächstenliebe über das Sabbatgebot.

Er wird diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen haben,

ebenso wenig wie bei der Vertreibung der Geldwechsler aus

dem Tempel, die eine völlig andere Seite Jesu zeigt. Wer

darin eine ethische Inkonsequenz sehen will, verkennt, dass

auch Jesus Einzelfallentscheidungen traf, bei denen er

abwägen musste. In diesem konkreten Fall stellte er die

Wahrung der Ehre Gottes über Sanftmut und Friedfertigkeit.

Aber noch etwas anderes, vielleicht noch

Wichtigeres können wir aus diesen Erzählungen

ersehen. Die Ethik Jesu ist eine Ethik der

Tat. Darin liegt die Ursache seines Dauerkonflikts

mit den Pharisäern. Deren Ethik ist eine Ethik des

»Nicht-Handelns«: keine verbotenen Speisen essen, keine

unreinen Menschen berühren, keine Arbeit am Sabbat

tun – kurz gesagt, es geht ihnen darum, sich selbst nicht

die Hände schmutzig zu machen. Dieser Haltung setzt

Jesus seine berühmten Worte entgegen: »Es gibt nichts, was

von außen in den Menschen hineingeht, das ihn unrein

machen könnte; sondern was aus dem Menschen herauskommt,

das ist‘s, was den Menschen unrein macht.« Frei

übersetzt könnte man auch sagen: Entscheidend ist, was

hinten rauskommt!

Eben diese Ethik der Tat zeigt Jesus in solchen Momenten

wie der Heilung am Sabbat. Noch deutlicher wird diese

Haltung im Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Die

ersten beiden Knechte werden gelobt, weil sie das meiste

aus ihren Talenten gemacht haben, der dritte aber wird

hart bestraft, weil er sich nicht getraut hatte, aktiv zu

werden. Jesus wünscht sich Menschen, die nicht in Angst

und Resignation verharren, sondern mutig mit den ihnen

anvertrauten Gaben umgehen, um die Welt zum Besseren

zu verändern.

AuTor

Sebastian Moll (31) arbeitet als

Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der

Evangelisch-Theologischen Fakultät

der universität Mainz. Sein jüngst

erschienenes Buch »Jesus war kein

Vegetarier«, in dem er die politisch

korrekte Bibelauslegung aufs Korn

nimmt, hat in theologischen Kreisen

für viel Wirbel gesorgt.

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Vom Mut, eigene Entscheidungen zu treffen

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Genauso anders wie ich

29

Zwei Männer erzählen die spektakuläre Geschichte ihrer

verrückten Freundschaft – der Landstreicher, der wie ein

Sklave auf den Baumwollfeldern Louisianas aufwächst

und der Kunsthändler aus der „Upper Class“. Und sie erzählen

von der mutigen Frau, die beide zusammenbringt,

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30 Die Sehnsucht nach der göttlichen Liebe

Ureus faltete seine Schwingen an den Körper. Er sah Luzifer

an, stand einfach da, aufrecht und prächtig. Jeder andere

Dämon muss te sich vor Luzifer verneigen. Ureus aber war

zu wichtig, um ihn wegen seines Stolzes zu demütigen und

mit einer Strafe seine Loyalität aufs Spiel zu setzen.

Luzifer kniff die Augen zusammen. Etwas stimmte nicht.

Es schien ihm, als sei ein Teil von Ureus’ Schönheit zurückgekehrt.

Hatten sich die Falten geglättet in seinem Gesicht?

Er sah aus, als habe er Kontakt mit dem Tröster gehabt. »Was

willst du?«, herrschte er ihn an.

»Ich habe sie versammelt. Die Legionen stehen bereit, Meister.«

Ureus hatte seinen Platz bei offiziellen Anlässen nahe beim

Thron des Schöpfers gehabt. Er war einer der stärksten Engel

gewesen, betraut mit der Herrschaft über eine Gruppe

fruchtbarer Planeten, auf denen eine intelligente Spezies

lebte. Dass er zur Rebellenseite wechselte, hatte damals

viele Engel zum Nachdenken gebracht. Luzifer musste ihn

halten. Verlor er Ureus, dann verlor er mit ihm Hunderte.

»Spürst du es?«, fragte er.

»Was?«

»Der Schöpfer wird schwächer.« Die ganze Nacht und den darauffolgenden

halben Tag hatte Luzifer sich daran erfreut, viel

mehr als am Tod des Himmelsfürsten an jenem Holzkreuz.

Gottes stetiger Pulsschlag im Universum wurde langsamer.

Die Trauer lähmte ihn. Der Schöpfer hatte sich mit dem Tod

seines Sohnes eine fürchterliche Wunde zugefügt.

Die Sehnsucht nach

der göttlichen Liebe

Wie leicht unterläuft es uns Christen, dass wir

philosophisch von Gut und Böse sprechen wie

von abstrakten Größen. Wie leicht vergessen

wir, dass unser Planet Schauplatz einer unsichtbaren

Schlacht ist und dass wir es bei Gott

und den Engeln mit klugen, lebendigen Wesen

zu tun haben, genauso bei Satan und den Dämonen,

wenn sie ihre Klugheit auch zu Tücke

einsetzen. Weil uns eine Geschichte emotional

mitunter besser erreicht als eine sachliche

Argumentation, hat Jesus so viele Geschichten

und Gleichnisse erzählt. Aus demselben Grund

habe ich die folgende Geschichte geschrieben:

in der Hoffnung, dass sie uns wieder bewusst

macht, was zu Ostern geschehen ist.

»Ich spüre es, Meister.«

»Ist dir bewusst, was das bedeutet? Der Schöpfer hat sich den wichtigsten

Teil seiner Persönlichkeit herausgerissen und ihn vernichtet. Er

zerstört sich selbst. Bald wird er sämtliche Kraft verlieren.«

»Sollen wir das Grab stürmen? Was ist Euer Auftrag für die

Legionen?«

Warum lenkte er vom Thema ab? Wollte Ureus vermeiden,

über den Schöpfer zu reden? »Wir sind alte Kampfgefährten. Ich

kann es spüren, dass du mich betrügst, Ureus.« Luzifer gab seiner

Erscheinung ein rotes Leuchten.

»Ich betrüge Euch nicht. Ich habe lediglich … ein Gespräch

geführt.«

»Ein Gespräch mit Gottes Geist. Spiele das nicht herunter!« Er

fletschte die Zähne. Gleichzeitig spürte er, dass es nicht

klug war, dem Dämon zu drohen. Er strengte sich an, seine

Gesichtszüge wieder zu entspannen. »Versucht er noch immer,

dich zurückzurufen?«

Ureus zögerte. »Darf ich Euch etwas fragen, Luzifer?«

»Ich habe dir nie Antworten verweigert.«

»Vermisst Ihr manchmal die Liebe des Schöpfers?«

Es traf ihn wie ein Blitzschlag. So tief war der Zweifel

bereits in Ureus eingedrungen! Der Schöpfer versuchte

offenbar mit aller Macht, ihm den Heerführer streitig zu

machen. Warum verstärkte er seine Bemühungen gerade

jetzt? Was hatte das zu bedeuten?

Natürlich kannte er die Sehnsucht nach der göttlichen

Liebe. Es kostete ihn fortlaufend Kraft, sie niederzukämp-

1/2012


fen. Er musste die Erinnerungen vertreiben an die Zeit des

Friedens und die Freudenfeste in den Himmelssphären,

genauso die Erinnerungen an die Ewigen Gespräche mit

dem Schöpfer. »Nein, Ureus, ich vermisse sie nicht. Und auch du

wirst diese Schwäche bald los sein. Ich habe es dir schon einmal gesagt.

Wenn du lange genug von ihm getrennt bist, schwindet die Sucht nach

seiner Anerkennung.«

»Der Tröster hat gesagt, dass Ihr mich damals angelogen

habt. Ihr habt Missgunst in mich eingepflanzt, als Ihr

behauptet habt, mein Bruderfreund Lihasar sei ungerecht

bestraft worden vom Schöpfer. Durch Tücke habt Ihr mich

für Eure Sache gewonnen.«

»Siehst du, wie verzweifelt er ist? Der Schöpfer weiß, dass er zu weit

gegangen ist mit seinem Versuch, die Welt zu erlösen. Weil seine Kräfte

schwinden, greift er selbst zu den Mitteln, die er mir vorwirft: Er

will dich mit Lügen ins Wanken bringen. Erinnere dich an die Große

Schlacht, Ureus! Wie sie uns aus den Himmelssphären verbannt

haben, wie sie uns gedemütigt haben, nur weil wir Beweise für Gottes

Gerechtigkeit wollten! Warum sind wir aus den Weiten des Universums

verstoßen worden? Warum ist uns allein die Erde geblieben als Rückzugsort?

Weil der Schöpfer uns fürchtet! Weil wir im Recht sind und er

uns mundtot machen will. Ich bin enttäuscht von dir, dass du das nicht

durchschaust.«

Er dachte ungern an die Große Schlacht zurück. Sie war

zu früh gekommen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt erst ein

Drittel der Engel für sich gewonnen, und so hatten sie verloren,

obwohl mächtige Helden wie Ureus für ihn kämpften.

Ureus litt sicher genauso wie er unter der Niederlage.

Der Dämon hob seine mächtigen Hände. »Der Tröster hat

gesagt, dass Jesus Christus auferstehen wird. Er sagte, dass

sein Tod notwendig war, um für die Schuld der Menschheit

zu bezahlen. Es war geplant und gewollt vom Schöpfer,

behauptet er.«

»Er lügt! Der Himmelsfürst ist tot und bleibt zerstört in alle Ewigkeit.

Und es war mein Plan!« Luzifer brüllte vor Wut. Er stampfte

auf. Das Gebirge, auf dem er sich niedergelassen hatte,

erzitterte. »Ich habe den Schöpfer in die Enge getrieben, indem ich die

Menschheit zur Rebellion gebracht habe. Verstehst du nicht? Er hatte

sich in sie verliebt. Ich habe sofort gesehen, dass ihn das verletzlich

macht. Nach ihren ersten Verstößen gegen das göttliche Gesetz habe

ich sie verklagt und vom Schöpfer gefordert, dass er sie vernichtet. Er

hat es nicht getan. Natürlich nicht. Er hatte so viel mit ihnen vor, wie

sollte er das alles aufgeben? Uns aber will er vernichten. Das ist ungerecht.

Ich habe endlich bewiesen, dass er ungerecht ist!«

Ureus hörte schweigend zu. Die Art, wie er sein Kinn rieb,

verriet, dass die Erklärungen begannen, ihn zu überzeugen.

»Ich habe seine Verzweiflungstat vorhergesehen, Ureus. Ich habe ge-

1/2012

Die Sehnsucht nach der göttlichen Liebe


»Der Himmelsfürst ist tot und bleibt zerstört

in alle Ewigkeit. Und es war mein Plan!«

ahnt, dass er so etwas tun würde. Seinen eigenen Sohn, den Himmelsfürsten,

in unsere Hände zu geben! Hätte ich das nicht im Vorhinein

gewusst, hätte ich es dann schaffen können, dass Jesus Chris tus so

wenig erreicht auf der Erde? Ich habe die Herzen hart gemacht. Ich

habe Hass geschürt, bevor Gottes Sohn die Massen mobilisieren konnte.

Seine Kreaturen sind nicht zu Königstreuen geworden, wie er gehofft

hatte.«

»Er hat nur wenige Nachfolger gewonnen, das ist wahr.«

Es gelang, den Intellekt des Dämons zu bearbeiten. Darin

war er schon immer gut gewesen: Das Denken anderer

Wesen zu beeinflussen. »Komm mit, ich zeige dir etwas.« Er

erhob sich in die Lüfte. Er verließ das Hermongebirge und

flog nach Jerusalem. Hinter sich hörte er die Flügelschläge

seines Heerführers.

Bald zogen unter ihnen die Dächer Jerusalems dahin. Durch

die Straßen liefen Menschen und Ziegen und Esel. Die

Räder von Ochsenkarren wirbelten Staub auf. Buden an den

Straßenrändern waren mit bunten Tüchern geschmückt.

Luzifer hielt über einem Dach. »Komm!« Er stieß hindurch

und flog in einen stickigen, verdunkelten Raum. Ureus folgte

ihm. Männer hatten sich in diesem Raum eingesperrt.

Sie rauften sich die Haare. Ein Mann namens Johannes

weinte hemmungslos. Bartholomäus starrte stumpf vor

sich hin. Philippus hatte sich in einer Ecke zusammengekrümmt

und schlief.

»Siehst du diese Schwächlinge?« fragte er. »Sie sind Gott höchstpersönlich

begegnet, und nicht einmal sie glauben daran, dass er aufersteht.

Sie wissen, es ist vorbei.«

»Was habt Ihr vor?«

Endlich kamen die richtigen Fragen. Ureus begriff, dass

er, Luzifer, die Zügel in der Hand hielt. »Noch können wir den

Schöpfer nicht angreifen. Wir sind zu wenige. Deshalb werde ich das

Menschengeschlecht in mein Heer eingliedern.«

»Ich denke, sie sind Schwächlinge?«

»Wenn du wüsstest, welche Fähigkeiten diese Geschöpfe haben! Sie

ahnen nichts davon. Ich drücke sie zu Boden, und sie selbst helfen mir

dabei.« Er lachte. »Zuerst muss die Liebe ausgelöscht werden.«

»Mag sein, dass sie Gott nicht mehr recht zu lieben wissen.

Aber sie lieben einander, Meister. Ich kann es deutlich spüren.

Überall auf der Welt lieben sich die Menschen.«

»Bald nicht mehr. Sie werden nur noch der eigenen Lust nachgeifern. Sie

werden vergessen, was Schönheit ist. Auch das Mitleid mit Schwächeren

lösche ich aus. Gier wird sie voranpeitschen und jedes Mitgefühl in

ihnen verbrennen.«

»Dann lieben sie immer noch sich selbst.«

»Zum Schluss lösche ich auch diese Form der Liebe aus. Sie werden sich

hassen für das, was sie getan haben. Sie werden sich abscheulich finden.«

31


32 Die Sehnsucht nach der göttlichen Liebe

»Sie sind nicht abscheulich. Sie sind wunderschön, selbst

wenn sie weinen.«

Er stutzte. Was sagte Ureus da? »Sei auf der Hut, Ureus«, zischte

er. »Gottes Geist hat dich schon vergiftet.« Er gab Philippus einen

Tritt. »Sie sind nicht schön. Sie sind unterlegen und dumm.«

Philippus erwachte und verzog vor Schmerzen das Gesicht.

»Erst wenn sie ganz am Boden sind«, sagte er, »biete ich ihnen meine

Hilfe an. Sie werden bereitwillig für mich kämpfen und mit uns in die

Schlacht gegen Gott ziehen.«

»Und wenn Jesus doch aufersteht?«

»Rufe das Heer zusammen, Ureus. Kommt zum Grab.«

Es war wieder Nacht, die zweite seit dem Tod des Gottessohns.

Der Himmel war von Sternen und Galaxien übersät,

zu denen er nicht mehr reisen durfte. Luzifer sog die kühle

Luft ein und blies sie heiß wieder aus seinem Körper aus.

Beim Grab des Himmelsfürsten wachten römische Soldaten.

Um die Menschen herum standen Engel, sie füllten die

ganze Hügelkuppe, Cherubim und Seraphim mit flammenden

Schwertern. Er drehte sich um. Hinter ihm wallte

das Heer der Dämonen in die Dunkelheit. Sie waren in der

Überzahl. Die Dämonen feixten. Die Stimmung im Heer

war gut. Gottes Sohn war tot, das hatte die Moral bedeutend

gebessert.

Neben ihm stand Ureus. Er sah schweigend auf das Engelheer.

»Kannst du Gabriel besiegen?«

Ureus Blick schweifte zum Anführer des Engelheers. »Gabriel

ist stark.«

»Lass ihn uns gemeinsam angreifen. Du und ich, Seite an Seite gegen

ihn. Er wird fallen.«

Luzifer breitete seine Schwingen aus und flog über das Dämonenheer.

Die Dämonen verneigten sich vor ihm, sobald

sie ihn erblickten. Eine Wellenbewegung ging durch das

Feld von Köpfen und Flügelspitzen. Er brüllte: »Der Himmelsfürst

ist tot!«

Sie jubelten. Es war ein schriller Vielklang von gellenden

Stimmen.

»Er ist nicht auferstanden, entgegen Gottes Versprechungen. Ich kenne

den Schöpfer, ich war ihm näher als jeder von euch. Wenn er die Kraft

besäße, seinen Sohn wieder zum Leben zu erwecken, dann hätte er es

bei Sonnenaufgang getan, voll theatralischer Majestät. Aber er kann

es nicht. Spürt ihr, wie schwach er ist? Jesus liegt nun schon die zweite

Nacht dort drin. Der Menschenkörper, den er angenommen hat wie ein

freiwilliges Gefängnis – er verrottet!«

Die Dämonen brachen in hämisches Gelächter aus.

»Seid ihr bereit, den Prozess zu beschleunigen? Seid ihr bereit, diesen

verhassten Körper zu verspeisen und ihn in seine Atome zu zersprengen?«

Die Dämonen tobten vor Kampfeswillen.

Er flog zurück zur Spitze des Heeres und rief: »Gabriel! Sieh

endlich ein, dass die Liebe versagt hat. Unser Schöpfer findet den Untergang!

Es ist schade um ein starkes Wesen wie dich. Schließe dich mir

an, bevor wir dich zermalmen!«

Gabriel breitete seine weißen Flügel aus, als wollte er damit

die hinter ihm stehenden Engel schützen. Der Cherub sagte

mit Donnerstimme: »Ich diene allein Gott dem Schöpfer.

Ihm gilt meine ganze Liebe.«

Der Himmel färbte sich allmählich blau. Ein roter Schimmer

zog über die Hügel. »Dann wirst du diesen Tag nicht mehr

erleben«, sagte Luzifer. Er richtete sich zu voller Größe auf,

um mit einem langanhaltenden Brüllen den Befehl zum

Angriff zu geben. Bevor er dazu kam, stockte er. Täuschte er

sich? Beschleunigte sich der Puls des Schöpfers?

Er spürte eine Kraft nahen. Steine knirschten. Rings um

1/2012


ihn öffneten sich Gräber. Menschen richteten sich auf, die

längst gestorben gewesen waren, und sahen neugierig

um sich. Sie besaßen frische, gesunde Leiber. Der Schöpfer

spendete diesem Flecken Erde Lebenskraft.

Luzifer begriff sofort. Gott versuchte, seinen Sohn wiederzuerwecken!

Er erschauderte. Er hatte vergessen, wie sich

die Kraft anfühlte, die Planeten und Vegetationen und Lebewesen

erschuf, die Kraft, die wachsen ließ und Saft und

Farben verströmte.

Plötzlich war da eine Stimme. Gottes Stimme. Sie summte

eine Melodie, so durchdringend, dass er sie in seinem

Bauch spüren konnte. Die Töne kamen aber nicht allein

vom Universum. Sie wurden erwidert und ergänzt aus dem

Grab.

Engel rollten den großen Stein beiseite. Die römischen Soldaten

wichen angstvoll zurück. Er spürte eine unermessliche

Liebe aus dem Grab wehen. Wider seinen Willen begann

er zu zittern. Sanftes Licht erhellte den Höhleneingang.

Der Himmelsfürst trat heraus. Das Heer der Engel kniete

nieder. Lächelte Gottes Sohn? Wohin sah er? Er blickte in

Luzifers Richtung, aber Luzifer fühlte sich nicht angeschaut.

Wen lächelte Christus an?

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Die Sehnsucht nach der göttlichen Liebe


Er spürte eine unermessliche Liebe aus dem Grab

wehen. Der Himmelsfürst trat heraus.

Er wendete den Kopf. Sein Dämonenheer wich mit panischen

Flügelschlägen zurück. Ureus aber blieb an seinem

Platz. Der Heerführer verneigte sich tief, bevor er ebenfalls

auf die Knie niederging, um dem auferstandenen Himmelsfürsten

die Ehre zu erweisen.

AuTOr

33

Titus Müller (35) studierte Literatur,

Mittelalterliche Geschichte, Publizistik

und Kommunikationswissenschaften

in Berlin. Der Bestsellerautor

ist verheiratet und lebt in

München. Er schreibt historische

romane und Sachbücher und wurde

2005 mit dem C.S. Lewis-Preis

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34 Das Kreuz

Das Kreuz

Es ist radikal und revolutionär zugleich: Das

Kreuz steht für die Versöhnung zwischen

Gott und den Menschen. Geistlich betrachtet

bildet es den Mittelpunkt zwischen Anfang

und Ende. Es ist das Bekenntnissymbol unseres

christlichen Glaubens. Und: Es hat alles

grundlegend verändert.

»Endlich ist Schluss mit dem ganzen Theater«, dachte da- Am Kreuz hat Gott sich in Christus ganz für uns Menschen

mals der Mainstream, als Jesus Christus ans Kreuz geschla- hingegeben. Weil er sich selbst erniedrigte und alle Schuld

gen wurde. Nur wenige Stunden zuvor, als Pilatus die Men- auf sich nahm, können wir mit ihm wieder in Beziehung

ge fragte, was er mit Jesus tun solle, wurde skandiert: »Ans kommen. Nirgendwo sonst als am Kreuz wird Gott per-

Kreuz mit ihm!« (Matthäus 27,22). Damit erfüllte sich, was sönlicher und (an)greifbarer: Durch Jesu Wunden sind wir

Jesus vorausgesagt hatte: Er werde verspottet, gegeißelt, ge- geheilt. In seinem Sterben am Kreuz nimmt Gott konkret

kreuzigt (Matthäus 20,18-19). Das Geschehen auf Golgatha Anteil an jedem Leid der Welt und zeigt uns in seiner Hin-

bedeutete vorerst ein Ende der Aufgeregtheit des jüdischen gabe, dass er nicht fern von uns ist oder nur von »oben« teil-

Establishments um die Person Jesu.

nahmslos zuschaut.

Das Kreuz – den Ungläubigen eine Torheit

Doch Jesu Sterben bedeutete nicht das Ende: Er

ist auferstanden und lebt mitten unter uns! So

ist er am Kreuz, als Zeichen der Hoffnung und

der Versöhnung mit Gott, selbst zu einem Ärgernis

geworden, an dem sich die Geister scheiden.

Feinde des Kreuzes Christi versuchen, die

Freiheit dieses Bekenntnisses einzuschränken,

wenn z. B. Kreuze per Gesetz aus Klassenzimmern

verbannt werden.

Das Kreuz – der Ort der Erkenntnis

Auch die engsten Vertrauten Jesu – die Jünger –

ließen ihn allein und verleugneten und verrieten

ihn, bevor der Hahn krähte. Wer, wenn nicht

sie, hätte einen größeren Glauben an Jesus haben

müssen? Wie könnten wir, ohne mit Jesus

gelebt zu haben, also treuer sein? Wir können es

nicht. Durch die Sünde, durch das Schlechte im

Herzen trägt jeder Mensch Mitschuld am Verrat

und Tod Christi. Diese Einsicht entzieht jeder

Überheblichkeit und jedem Stolz den Boden.

Sie führt zu einem demütigen Herzen und lädt

zum Leben mit Jesus ein. Denn das Kreuz ist der

einzige Ort im Universum, an dem es niemals

Verurteilung oder Verdammnis gibt. Christus

ruft uns, zum Kreuz zu kommen und das, was

uns unfrei macht, dort abzulegen. Wir dürfen

es eintauschen gegen Freiheit und Versöhnung.

Das Kreuz – unser Hoffnungszeichen

Das Kreuz ist der Anfang vom Ende der Macht

der Sünde und des Todes. Und es ist der Ursprung,

von dem aus Jesus in uns lebendig

werden kann. Es befreit uns zu einem Leben

in Hoffnung und gibt uns einen Vorgeschmack

auf den Frieden, der bei Gott herrscht.

1/2012

Foto: istockfoto.com, paphia


1/2012

AuTor

TIPPS

Das Kreuz

35

Tobias Pechmann (28) ist Diplom-

Politologe, arbeitet als Projektleiter

bei einem Verlag, engagiert sich in

der Katholischen Kirche und bereist

gerne Italien.

� Michael Herwig: Komm zum Kreuz.

� John Stott: Das Kreuz – Zentrum des

christlichen Glaubens.


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