johannespassion js bach - Kreuzkirche Bonn

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johannespassion js bach - Kreuzkirche Bonn

Vaters beschrieben. In seinem Handeln und Reden wirkt

er dabei zuweilen übermenschlich. So fehlen beispielsweise

bei der Passion alle Hinweise auf ein wirkliches

Leiden oder Verzweifeln. Seine letzten Worte am Kreuz

sind nicht: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?”

(vgl. Mt 27,46), sondern: “Es ist vollbracht!” (Joh 19,20).

Jesus ist im Johannes-Evangelium unangefochten von

menschlichen Ängsten, er vollbringt souverän den Plan

Gottes, um die Menschheit zu erlösen.

5. In langen und mit symbolischen Formulierungen

versehenen Reden betont Jesus immer wieder sein Eins-

Sein mit dem himmlischen Vater. Eine nur bei Johannes

überlieferte Besonderheit bilden dabei die sieben

«Ich-bin-Worte», so zum Beispiel: “Ich bin der Weg, die

Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn

durch mich.” (Joh 14,6)

6. In einer der großen Rede spricht Jesus - auch in Anspielung

auf Psalm 23 - von sich als dem “guten Hirten”

(Joh 10,11ff). Er gibt dabei seinen Jüngern eine Einführung

in die Lehre des “Sterben für andere”. Jesus wird im

Johannes-Evangelium als der gute Hirte beschrieben, der

sein Leben freiwillig für die Schafe hingibt und dadurch

von Gott neues Leben geschenkt bekommt. Außerdem

ist Jesus das Lamm Gottes, das sich hingibt, auf dass die

Menschheit Erlösung finden kann. Dadurch bekommt

seine Passion universellen Charakter.

Die Passion

Anders als in den anderen Evangelien gibt Jesus bei

Johannes sein Leben freiwillig und behält dabei stets die

Handlungsautorität, ohne Gott um Verschonung vom

Leiden zu bitten. Schon beim Verrat des Judas ist er es

selbst, der den Soldaten mit den Worten “Wen suchet ihr?”

(Joh 18,4) aktiv entgegen tritt. Und auf die Antwort der

Soldaten “Jesus von Nazareth” antwortet Jesus wiederum:

“Ich bin (es)”. Diese Antwort ist mehrdeutig, kann sie

doch auch als “Ich bin Gottes Sohn” verstanden werden.

Die Soldaten weichen vor dieser Aussage zurück und

fallen zu Boden. Gegen seinen Willen können Menschen

dem Schöpfer in Gestalt Jesu nichts antun! So lässt Jesus

Gefangennahme, Verhör, Geißelung, Verspottung und

Kreuzigung zugunsten des größeren Heilsplanes über

sich ergehen. Er überlässt sein Schicksal wissentlich der

Gewalt der irdischen Mächte.

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