Die Mühle lebt - R.Ø.SA

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Die Mühle lebt - R.Ø.SA

20 Jahre Mühle Tiefenbrunnen

Die Mühle lebt


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1 ‹Miller’s Studio› öffnet seine Türen vor der

Vorstellung – die Mühle lebt auch nachts, dank des

vielbesuchten Kulturbetriebs.

2 Auch im Schneegestöber weiss Fritz Wehrli, der

Herr der Zürcher Mühle Tiefenbrunnen: Sie lebt

nicht von selbst, man muss dafür sorgen. Er tuts

mit Herzblut und Hartnäckigkeit.

Inhalt

6 Vom Bier übers Mehl zur Durchmischung

20 Schichtwechsel: Von der Industrie zum Kulturort

22 Mischen: Arbeiten, Wohnen und Freizeit

26 Ausdauer: Der Markt liebt die Mühle

30 Erfolg: Treue Mieter sorgen für Auslastung

34 Wohlsein: Das Restaurant als Ankerplatz

38 Zuschauen: Die Mauern speichern das Lachen

42 Mahlen: Last und Lust des Müllers erleben

Liebe Leserin, lieber Leser

Eine Unternehmerfamilie hat in der siebten Generation ihren angestammten

Beruf aufgegeben. Aber nicht den Unternehmergeist. Wir

sind zwar nur noch Museumsmüller, aber nach wie vor ein Familienunternehmen.

Das prägt unsere Denkweise, erklärt vielleicht unser

nachhaltiges Verhalten. Lange Vergangenheit bedeutet irgendwie

auch lange Zukunft. Unsere Geschichte manifestiert sich nicht zuletzt

in unseren Gebäuden. Warum zerstören, was Identität stiftet

und langfristig als Mehrwert eingesetzt werden kann? Modern heisst

aus unserer Sicht nicht, alles ständig erneuern, sondern Gutes erhalten

und erfolgreich weiterentwickeln.

«Stimmt die Rendite?», ist eine Standardfrage, die uns immer wieder

gestellt wird. Sie stimmt betriebswirtschaftlich langfristig. Und

ganz besonders stimmt sie unter der Prämisse, dass für uns die

Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft und unserer Stadt

eine wichtige Rolle spielt und wir im Rahmen unseres kulturellen

Engagements auf einen Teil der Einnahmen verzichten. Im Rahmen

unseres Jubiläums haben wir uns die Frage gestellt: «Immer gleich

oder ständig neu?» Die Mühle Tiefenbrunnen ist unsere Antwort.

So viel gleich wie möglich, so viel neu wie nötig, damit die Mühle

auch in Zukunft ein innovativer Klassiker bleibt.

Unsere Idee damals: Lebendig sollte sie werden, eine 24-Stunden-

Mühle voller Aktivitäten, ein pulsierendes Stück Stadt. Vor über 20

Jahren haben sich das nur wenige vorstellen können: die alten Bauten,

die periphere Lage, das riskante Nutzungskonzept! Wir haben

es trotzdem gewagt und immer an die Idee geglaubt. Wir haben es

bis heute nicht bereut. Viele haben die Vision von Anfang an mitgetragen

und ihr zum Durchbruch verholfen. Vielen ist ihr Erfolg zu

verdanken. Die vorliegende Publikation ist ein Zeichen der Anerkennung

für die ideelle und die materielle Unterstützung, die wir in

den letzten Jahren erfahren durften. Vielen Dank auch allen, die die

vorliegende Publikation ermöglicht bzw. realisiert haben.

Die Mühle Tiefenbrunnen hatte 1986 – nach einem spannenden Pro-

zess der Planung und Entwicklung – einen erfolgreichen Start. In

den letzten zwanzig Jahren hat sie sich prächtig entwickelt und

unsere hohen Erwartungen mehr als erfüllt. Heute dürfen wir mehr

denn je mit Genugtuung feststellen: Die Mühle lebt! Fritz Wehrli

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Drehscheibe der Ideen. Plattform für Geschäfte. Startrampe für Neues.

Heimat des Vertrauten. Entdeckung, Genuss, Begegnung, Vergnügen.

Ein Schuss Experiment, eine Prise Eitelkeit oder zwei. Konzept

und Umsetzung, Versuch und Irrtum, Unternehmertum und Kunst,

Pflicht und Vergnügen. Und eine eigenartige Art von Wohlbefinden:

das Mühlegefühl, ein heutiger Mensch zu sein und dennoch aufgehoben.

Sein eigenes Ding zu machen und doch immer jemand zum

Reden in der Nähe zu haben. Den Grad von Nähe und Distanz selbst

zu bestimmen. Es ist das städtische Leben, das den Freiraum schafft:

so sehr dazugehören, wie man will, und sich so deutlich abgrenzen

können, wie mans braucht.

Die Mühle lebt. Sie lebt durch das Neben-, Mit- und Durcheinander

der Menschen, die sie benützen und bewohnen. Auf der Piazza, dem

Hof der Mühle, fliesst alles ineinander: Denken, Reden, Verhandeln,

Arbeiten, Herumsitzen, Essen, Trinken, Schauen, Betrachtetwerden,

Applaudieren, Einkaufen, Tanzen, Sichbewegen.

Der besondere Reiz: Das Heutige passt in die Hülle von gestern. Mauern

und Räume widerspiegeln, was in unserer Gesellschaft passiert

ist: der Transfer der Arbeitswelt von der Industrie zur Dienstleistung

und zur Information. Arbeiten, wohnen und die anderen schönen

Dinge des Lebens geniessen, alles an der gleichen Adresse. Die

Mühle Tiefenbrunnen ist der Ort für das, was der Modebegriff als

‹work-life-balance› bezeichnet. Man kann es auch einfacher sagen:

Zufriedenheit. Oder Glück. Karl Lüönd

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Vom Bier übers

Mehl zur

Durchmischung

Text: Benedikt Loderer

Fotos: Archiv GMT

Als noch niemand wusste, was eine Industriebrache

ist, hier gab es sie schon. Als die Industriebauten

noch Abbruchobjekte waren, hier waren sie

bereits kulturelles Kapital. Als noch niemand Umnutzung

buchstabieren konnte, hier wurde sie verwirklicht.

Als das Wort ‹Durchmischung› noch ein

leeres Versprechen war, hier wuchs sie heran. Als

alle nur noch von Wertzuwachs redeten, sprach

man hier schon vom kulturellen Engagement. In

der Mühle Tiefenbrunnen wurde zum ersten Mal in

der Schweiz aus einem Industriebetrieb ein Stück

Stadt. Eine unterschätzte Pionierleistung.

Im äusseren Seefeld baute der aus Deutschland eingewanderte

Karl Mayer 1889 / 1890 die Brauerei Tiefenbrunnen. Der

Bauplatz lag am Stadtrand, doch die erste Etappe der 1894 eröffneten

Seebahn am rechten Zürichseeufer sorgte für den Anschluss

an das Eisenbahnnetz. Mayer erstellte nicht bloss einen Zweckbau,

sondern ein Fabrikschloss. Während die Textil- und Maschinenindustrie

mit nüchterner Zurückhaltung baute, trumpfte die

Nahrungs- und Genussmittelbranche mit Repräsentationsbauten

auf. Als Zeichen für die Seriosität des Unternehmens prangte das

Bierschloss stolz auf den Briefköpfen und in den Inseraten. Mit Absicht

waren die Menschen, Pferde und Eisenbahnen darauf verkleinert

dargestellt: je kleiner die Menschen, desto grösser der Betrieb.

Die Brauerei Feldschlösschen in Rheinfelden vermarktet heute noch

ihr Fabrikschloss mit Namen, Reklame und Führungen. Auch Karl

Mayer baute sich eine Kathedrale des Biers.

Doch seine Brauerei war ein schlechtes Geschäft, er musste sie

bald dem Konkurrenten Hürlimann verkaufen. Im Zuge des Konzentrationsprozesses

im Braugewerbe legte Hürlimann die Brauerei

Tiefenbrunnen still. Ironie der Wirtschaftsgeschichte: Hürlimann

wird siebzig Jahre später dasselbe Schicksal erleiden.

Vom Bier zum Mehl

Am oberen Mühlesteg über der Limmat mitten in der Zürcher Altstadt

betrieb die Familie Wehrli seit 1772 eine Mühle. Auch ist

unterdessen ein Zweig der Familie Wehrli Müller in der siebten

Generation. Der obere Mühlesteg wurde abgebrochen, die Wehrli-

und die benachbarte Kollermühle fusionierten, zogen 1907 zuerst

in die Stadtmühle (die heutige ‹Swissmill› am Sihlquai) und

1913 ins Seefeld. Hürlimann hatte Wehrli & Koller die stillgelegte

Brauerei verkauft. So kams vom Bier zum Mehl: Die neuen Besitzer

Wehrli & Koller bauten die Brauerei zur Mühle um. Die technischen

Einrichtungen der Firma Daverio & Henrici aus Zürich waren topmodern

und sehr dauerhaft: Ein vertikaler Gruppenantrieb setzte

mit Transmissionsriemen die Maschinen über vier Geschosse hinauf

in Bewegung. Sie liefen siebzig Jahre lang Tag und Nacht, bis

Ende 1982 der Betrieb eingestellt wurde.

Warum? Aus zwei Gründen. Wegen mangelnder Entwicklungsmöglichkeiten

erstens und der Familienverhältnisse zweitens. Der

Standort im Seefeld lag nach rund hundert Jahren unterdessen mitten

in der Stadt, die Anlieferung des Getreides wurde immer mühsamer,

und die technischen Einrichtungen waren veraltet. Nur der

Abbruch des Fabrikschlosses und ein Neubau hätten die Anforderungen

einer modernen Mühle erfüllen können. Durch die Fusion

mit der Mühle Steiners Söhne & Cie entstand die Firma Steiner

& Wehrli, die in Malters LU eine neue, zeitgemässe Mühle

1 Das äussere Seefeld am 14. Februar 1891. Die

‹Seegfrörni› erlaubt ein Panorama vom Wasser aus.

Foto: Baugeschichtliches Archiv, Zürich

2 Dieses Plakat zeigt keine Mühle, sondern ein Maiensäss

mit Bahnanschluss und Alpenhintergrund.

3 Liefertag ist Festtag. Der Bauer posiert im Sonntagsstaat

vor dem hochaufragenden Fabrikschloss.

Plakat: Graph. Werkstätten Gebr. Fretz, Zürich

4 Der Innenhof in den Fünfzigerjahren. Das Tonnengewölbe

beherbergt die Lastwagengarage.

5 Die Menschen, die Bahn und die Fuhrwerke sind

ganz klein, damit das Schloss umso grösser wird.

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1837

Die selbständige Gemeinde Riesbach ist ein

lockeres Konglomerat einzelner Häusergruppen.

Zusammen mit Hottingen und Hirslanden

bildet sie die Kirchgemeinde Neumünster, die

eben die Neumünsterkirche 2 erbaut. In

der Stadtnähe hat sich Gewerbe angesiedelt:

Sägerei, Ziegelhütte, Garnhenke, Bäckerei.

Der L-förmige Hafen verrät noch die einstige

Stadtbefestigung. (1830–1850 erfolgt die

Entfestigung von Zürich.)

1 Wildbach

2 Neumünsterkirche

3 Kornhaus

4 Hafen

5 Bäckerei

6 Ziegelhütte

7 Garnhenke

8 Schützenhaus

1869

Die um 1840 erbaute, parallel zum See verlau-

fende Seefeldstrasse beginnt sich im Sied-

lungsmuster abzuzeichnen. Der rechtwinklig in

den Stadelhofer Hafen mündende Stadtgraben

ist verschwunden. Das Seeufer wird gewerblich

intensiv genutzt: Warenumschlag, Steinhauer-

häfen, Werkplätze von Baufirmen, Seiden-

färbereien etc. 1853 erstellt Riesbach das noch

heute bestehende Zentralschulhaus 12.

1 Wildbach (trat 1852 über die Ufer)

2 Neumünsterkirche

3 Kornhaus, 1868 zur Tonhalle umgebaut

4 Hafen

9 Seidenfärberei

10 Seefeldstrasse

11 Badeanstalt

12 Schulhaus

1890

Ein orthogonales Strassennetz ergänzt jetzt die

Seefeldstrasse (Bebauungsplan 1875). Ries-

bach wird zu einem gut durchmischten Vorstadt-

quartier. Die Gemeinde und die Stadt Zürich

erstellen von 1881 bis 1887 die Quaianlagen.

Dies ist möglich, weil 1873 verhindert wur-

de, dass die Seebahn direkt am Ufer verläuft.

Obwohl erst eine Etappe der Bahn fertig-

gestellt ist, stehen die Stationen Stadelhofen

und Riesbach schon. Letztere erhält einen

riesigen Hafen mit Lagerplatz, um den Waren-

umschlag vom Schiff auf die Bahn zu gewähr-

leisten. Zwei neue Schulhäuser entstehen 12.

➞ baute. Die Fusion löste auch das Familienproblem. Ein Zweig

übernahm die Beteiligung an der neuen Mühle in Malters, dem andern

blieb das Grundstück und die Bauten im Zürcher Seefeld.

Das kulturelle Kapital

Doch die Planung begann schon 1981. Eines war von Anfang an

klar: Das Fabrikschloss, das damals noch nicht unter Denkmalschutz

stand, musste erhalten bleiben. Dafür gab es einen handfesten

Grund. Im Falle eines Neubaus hätte man auf die festgelegte

Baulinie zurückweichen und die gültige Bauordnung einhalten

müssen. Anders herum: Die Ausnützung wäre gesunken. Ausserdem

waren die bestehenden Gebäude brauchbar, genauer, so nutzungsneutral,

dass sie für verschiedenste Zwecke dienen konnten.

Warum etwas abbrechen, wenn es noch brauchbar ist? Doch

das Entscheidende war: Die Bauherrschaft spürte den Zeitgeist

voraus. Sie sah in den Altbauten kein lästiges Hindernis, sondern

ein wertvolles Erbe. Die Mühle Tiefenbrunnen ist das erste

bedeutende Umnutzungsprojekt in der Schweiz, das den Altbau

als kulturelles Kapital entdeckte. Zwanzig Jahre später wird das

Stichwort ‹Identität› heissen, was mit unverwechselbar zu übersetzen

ist. Es gab damals schon nur diese Mühle Tiefenbrunnen,

das Ensemble war eine Immobilienpersönlichkeit, einmalig, nicht

zu wiederholen. Besser als mit einem Fabrikschloss konnte man

eine kommende gute Adresse nicht einrahmen. Diese Wertschätzung

der Bausubstanz teilen unterdessen auch die Immobilienleute.

Die Giessereihalle auf dem Escher Wyss-Areal zum Beispiel

stand nicht unter Schutz, sie wurde trotzdem erhalten und im Projekt

‹Puls 5› integriert. Die Mühle Tiefenbrunnen war der höchst

lebendige Anschauungsunterricht für die Immobilienbranche. Das

neue Schulfach hiess Industriearchäologie.

1 Der Wildbach wird nach der erneuten Über-

schwemmung von 1878 gebändigt

2 Neumünsterkirche

3 Tonhalle (1897 abgerissen)

4 Häfen mit Lagerplatz

9 Seidenfärbereien

10 Seefeldstrasse

11 Badeanstalten

12 Schulhäuser

13 Stationen Stadelhofen und Riesbach

14 Quaianlage von Arnold Bürkli

15 Gasanstalt

16 Atelier Rudolf Koller

17 Stall- und Remisengebäude des ‹Rösslitrams›

18 Bierbrauerei Bender

19 Anstalt für Epileptische

20 Dampfschiffländen

21 Stadttheater im Bau

Pläne: Andreas Müller

Ein privatrechtlicher Vertrag zwischen der Stadt Zürich und den

Eigentümern regelte die freiwillige Unterschutzstellung. Der Hauptbau

ist praktisch vollständig, das Kühlhaus in seinem Äusseren geschützt.

Darüber hinaus liess die Bauherrschaft den Verwaltungsbau

ebenso stehen wie die Stallungen. Zum Ensemble gehören

nicht nur die Gebäude, sondern auch die Zwischenräume. Der Hof

bindet als Binnenraum das Zentrum der Schlossanlage. Den Hof erhalten

hiess den Charakter bewahren.

Die Mühle Tiefenbrunnen ist eine Pionierpflanze. Um 1980 konnte

man sich noch kaum vorstellen, dass die schweizerische Industrie

in den nächsten zwanzig Jahren schneller schmelzen würde als die

Gletscher. Die Mühle setzte das Thema ‹Umnutzung einer Industriebrache›

zum ersten Mal auf die Traktandenliste der Stadtentwickler.

Heute allerdings überschatten das Sulzerareal in Winterthur,

Neu Oerlikon und Zürich West die Mühle, doch gibt es keinen

Investor, Planer und Entwickler, der nicht im Tiefenbrunnen die

Probe aufs Exempel studiert hat.

Durchmischung

Doch was tun mit einer leeren Mühle? Sie steht mitten im Millionen-Zürich,

für Ankömmlinge von der Goldküste ist sie das Tor

zur Stadt und generell mit Tram, Bus und Bahn bestens erschlossen.

(Heute erweist sich der Goldküstenexpress als Vorläufer der

S-Bahn.) Zusammenfassend war die Lage zwar etwas abseits der

Kaufkraftströme, aber doch vielversprechend.

Am Anfang der Überlegungen stand die Vorstellung ‹Stadt›, die

Mühle als eines ihrer lebendigen Stadtquartiere. Man versteht das

sofort, wenn man sich das Gegenteil vor Augen führt, die Monokultur.

Das reine Geschäftsviertel oder die Einfamilienhaushalde.

‹Stadt› meint: Hier soll 24 Stunden lang etwas los sein. Das ge- ➞


1937

1893 erfolgt die Eingemeindung. Ein gewaltiger

Bauboom erfasst den (ab 1913 so genannten)

Kreis 8, der von Stadelhofen und Tiefenbrunnen

gegen die Mitte wächst. An der neuen See-

front (Uto-, Seefeldquai) entstehen noble Hotel-

und Wohnpaläste. Die Erschliessung des

Quartiers verbessert sich sowohl durch die Er-

öffnung der Seebahn 1894 (was den Ha-

fen Tiefenbrunnen überflüssig macht) als auch

durch die Elektrifizierung der Strassen-

bahn 1900, durch Dampfschiffländen und ab

1918 gar durch einen Flughafen für Wasser-

flugzeuge der Ad Astra Aero 24.

1 Wildbach

2 Neumünsterkirche

4 Hafen

11 Badeanstalt

12 Schulhäuser

13 Bahnhöfe Stadelhofen und Tiefenbrunnen

15 Gasanstalt

16 Atelier Koller

17 Tramdepot

18 Wehrli-Mühle

19 Anstalt für Epileptische

20 Dampfschiffländen

21 Stadttheater

22 Bernhard-Theater

23 Altes Kasino Zürichhorn

24 Flugzeughangar

1969

Das Quartier verdichtet sich weiter, nicht zu-

letzt aufgrund der neuen Bau- und Zonenord-

nung von 1947, die die sechsgeschossige

Blockrandbebauung zulässt. Beim Zürichhorn

begünstigen die Landi 1939 und die Garten-

bauausstellung 1959 die Neugestaltung der Quai-

anlage, die 1967 noch durch ein einzigartiges

architektonisches Juwel aufgewertet wird: das

Centre Le Corbusier 27. Das Verwaltungsge-

bäude der Alusuisse 24 eröffnet die Parade reprä-

sentativer Geschäftssitze, die von der prächti-

gen Seelage profitieren.

1 Der Wildbach kommt streckenweise unter den

Boden.

2 Neumünsterkirche

4 Hafen

11 Badeanstalt

12 Schulhäuser

13 Bahnhöfe

14 Neugestaltung der Quaianlage

17 Tramdepot

18 Wehrli-Mühle

19 Anstalt für Epileptische

20 Landungsstellen

21 Opernhaus

22 Bernhard-Theater

23 Neues Kasino Zürichhorn

24 Verwaltungsgebäude Alusuisse (1956)

25 Arbeitgeberverband der Maschinen- und

Metallindustrie

26 Museum Bellerive (1968)

27 Centre Le Corbusier

28 Restaurant Fischerstube (Überbleibsel der

Landi 39)

29 Erlöserkirche

30 Strandbad Tiefenbrunnen (1954)

31 Seepolizei

2001

In der Mitte des Quartiers schliesst die neue

Kantonsschule 33 eine der letzten Baulücken. Die

Bebauungsdichte erhöht sich auch durch die

Erstellung zahlreicher Tiefgaragen. Ehemalige

Industriebauten werden umgenutzt (Müh-

le Tiefenbrunnen, Tramdepot). Ein Chinagarten

verschönert nun das Zürichhorn. Beim See-

feldquai ermöglicht der Abbruch der fünf direkt

vor den neuen Büropalästen 24 liegenden

Villen die Vergrösserung der Quaianlage, die üb-

rigens auch beim Utoquai verbreitert wird.

1 Wildbach

2 Neumünsterkirche

4 Hafen

11 Badeanstalt

12 Schulhäuser

13 Bahnhöfe

14 Verbreiterung der Quaianlage

17 Wohnüberbauung Tramdepot (1992)

18 Mühle Tiefenbrunnen

19 Epilepsieklinik

20 Landungsstellen

21 Erweiterung des Opernhauses

22 Neubau des Bernhard-Theaters

23 Kasino Zürichhorn

24 weitere repräsentative Geschäftssitze

25 Arbeitgeberverband der Maschinen- und

Metallindustrie

26 Museum Bellerive

27 Centre Le Corbusier

28 Restaurant Fischerstube

29 Erlöserkirche

30 Strandbad Tiefenbrunnen

31 Seepolizei

32 Chinagarten

33 Kantonsschule

34 Botanischer Garten

Pläne: Andreas Müller

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➞ lingt nur, wenn sich verschiedenste Nutzungen überlagern. Quartier

heisst auch, dass die Mühle zwar ein Privatgrundstück ist, aber

allen zugänglich sein soll. Stadtleben bedeutet immer auch Öffentlichkeit.

Die verschiedenen Nutzungen sollen sich gegenseitig ergänzen

und befruchten.

Zur Belebung tragen auch die kulturellen Nutzungen bei. Nach einigen

gescheiterten Anläufen entstanden durch die private Initiative

der Bauherrschaft zwei Institutionen. Das ‹Mühlerama› konserviert

einen senkrechten Ausschnitt des Mühlegebäudes mit den Maschinen

von Daverio & Henrici. Doch ist dieses Museum nicht bloss die

konservierte und herausgeputzte Maschinerie, sondern ein arbeitender,

Mehl mahlender Betrieb. Das Mühlerama leistet Schwerarbeit.

Mit ‹Miller’s Studio› entstand ein Kleintheater, flexibel und

vielfältig brauchbar. Die Kulturnutzungen sind abendfüllend, sie

bringen auch nach Geschäftsschluss Leben in die Mühle. Dasselbe

gilt für das Restaurant ‹Blaue Ente›. Für viele ist der Gastrobetrieb

die Hauptattraktion.

Zusammenfassend heisst das Stichwort Durchmischung. Diese Zauberformel

war anfangs der Achtzigerjahre noch ein Lippenbekenntnis,

erst Ursula Koch hat sie als Handlungsanweisung verstanden. In

jedem der folgenden Umnutzungsprojekte war die Durchmischung

Programm, sie ist unterdessen selbstverständlich geworden. Auch

hier war die Mühle ihrer Zeit voraus, hier lieferten private Grundeigentümer

mit ihrem Nutzungskonzept den Tatbeweis und den

Stadtentwicklern das Überzeugungsbeispiel.

Selbstverständlich war die Unternehmung Mühle eine Immobilieninvestition,

es galten und gelten noch immer die kaufmännischen

Grundsätze, sprich eine angemessene Rendite musste geplant und

erzielt werden. Doch denkt, wer in der siebten Generation müllert,

an die Folgenden, also langfristig. Die Durchmischung verteilt das

1 Flugaufnahme vor dem Umbau. Im Vordergrund

das unterdessen abgebrochene Silo, rechts hinten

der Garten, wo heute die Wohnzeilen stehen.

2 Flugaufnahme nach dem Umbau. Die Mühle steht

wie eine Insel im Grünen und doch gehört sie

zur Stadt, nicht zum Villenviertel. Foto: COMET-Photo

3 Umnutzung und Umbau 1985 / 86: Vom Kühlhaus

steht nur noch die Fassade, die Giebelwand mit einer

Hilfskonstruktion gestützt.

4 Der Blick ins Mühlegebäude zeigt die Konstruktion:

Mauerschale, Holzstützen und Balkendecken.

5 Die Stahlträger im Bogenscheitel gehorchen

dem Architekturprotokoll: grobe gradlinige Stahlverschweissungen,

weiss gestrichen.

Risiko, das Grundstück bleibt im Familienbesitz, das Unternehmen

wird von den Eigentümern selbst gesteuert, es ist die Vorbereitung

auf die nächste Generation. Man kann es auch anders ausdrücken:

Die Familie Wehrli hatte noch vor dem Bauen ihre Hausaufgaben gemacht.

Sie wusste, was möglich war, wusste, was sie wollte – und

wollte, dass es weitergeht.

Ein Bauherr findet einen Architekten

Die Familie vertritt Fritz Wehrli. Er und seine zwei Schwestern waren

die Mitglieder der einfachen Gesellschaft Mühle Tiefenbrunnen,

heute ist es noch eine Schwester. Sie beide haften also mit ihrem

gesamten Privatvermögen für die Unternehmung Mühle Tiefenbrunnen.

Er ist ein Bauherr im wahren Sinn des Wortes, der Umbau der

Mühle ist sein persönliches Werk. Eine Baukommission hätte das

nie geschafft. Immer hat er sich als Unternehmer gesehen, aber

auch als ein Glied in der Kette der Familie, die seit dem 16. Jahrhundert

in Zürich verbürgert ist. Die Mühle behandelte er wie einen

Ahnensitz. Jede Generation muss ihn den Bedürfnissen der Zeit anpassen,

nie aber der Tagesmode.

Erst jetzt taucht der Architekt auf. Fritz Wehrli begann mit einer

Namenliste mit Architekten, die sich bereits mit Umnutzungen beschäftigt

und die Räume für Kultur gestaltet hatten. Auf dieser Liste

stand auch Pierre Zoelly. Zoellys bekanntester Bau steht nicht mehr,

der Bahnhof an der Expo 64. Als Wehrli ihn anrief, stand er eine halbe

Stunde später im Büro. Zoelly zeigte einige seiner Werke: das

Fernheizwerk im Autobahndreieck in Zürich Nord zum Beispiel und

das Uhrenmuseum in La-Chaux-de-Fonds. Die Besichtigungsfahrt

war so überzeugend, dass Wehrli am andern Tag Zoelly zu- und allen

andern Architekten absagte. Auf einer Reise durch die USA, die

die beiden Ehepaare Wehrli und Zoelly als Vorbereitung unter- ➞

12 13

3

4 5


1 Passerelle zwischen Lagerhaus und Mühlegebäude.

Die schlanke, technoide Neukonstruktion,

trifft auf die handwerkliche Sichtbacksteinfassade.

2 Übersichtsdarstellung der Mühle Tiefenbrunnen:

Mühlegebäude 1, Bürogebäude 2, Restaurant

‹Blaue Ente› 3 , Kühlhaus 4, Wohnungen 5, Ergänzung

Stallungen 6, Stallungen 7, Lagerhaus 8.

3 Die Prunkfassade gegen die Stadt und den See.

Im Rasterkubus rechts steckt noch das Lagergebäude

aus den Fünfzigerjahren.

4 Hoffassade des Kühlhauses und der Stallungen.

Rechts der Schnitt durch die Kulturmulde, die zu

Malaktionen animieren soll. Pläne: Archiv GMT/Zoelly

➞ nahmen, entstanden die sogenannten Architekturprotokolle.

(Zoelly war jahrelang in den USA Architekturprofessor gewesen.)

Die besichtigten Umnutzungen wurden fotografiert, die Bilder in

ein Buch geklebt und kommentiert. Diese Gedächtnisprotokolle

bildeten die Grundlage einer Sammlung von guten Detaillösungen.

Sie waren die Worte der Umbausprache, mit der sich Bauherr und

Architekt nun verständigten.

Neu- und Altbauten

«Rollende Planung» sagt sich leicht, doch Zoelly beschreibt es als

«die Mühen einer dreijährigen Hetzjagd durch ein unglaublich

kompliziertes Projekt.» Die Nutzungen änderten sich während des

Baus ständig, je nach Erscheinen und Verschwinden der möglichen

Mieter, wie zum Beispiel: Museum für konkrete Kunst, Spielzeugmuseum,

Fernsehstudio, Klinik, Tanzsaal, Werkstätten, Informatikforum,

Läden … jede Nutzung mit eigenen Ansprüchen an

die Raumgrössen, Spannweiten und damit an das statische System.

Das Ergebnis war «viele Böden und mittlere Tragweiten getragen

von einem Betonkorsett, das die stehen gebliebenen Fassadenteile

zusammenhielt» (Zoelly).

Doch was wurde schliesslich gebaut? Das Mühlegebäude 1, das Bürogebäude

2, das Kühlhaus 4 und die Stallungen 7 wurden sorgfältig

renoviert, restauriert, revitalisiert, rekonstruiert, kurz die alte

Bausubstanz wurde für ihre neue Aufgabe tauglich gemacht. Zoelly

nannte das «die bestehende Substanz schützend aufwerten». Vom

Kühlhaus allerdings blieb nur die Mauerschale stehen. Was heute

wie ein renovierter Altbau aussieht, ist ein vom Mantel der alten

Fassade eingehüllter Neubau. Ergänzt werden die Altbauten durch

Neubauten: durch den Flachbau des Restaurants ‹Blaue Ente› 3,

durch die zwei Wohnzeilen mit 21 Einheiten 5 und der Tiefgarage

1

Zeittafel

--› 1889 / 90 Bau der Brauerei Tiefenbrunnen

von Karl Mayer

--› 1912 Stilllegung der Brauerei Tiefenbrunnen

durch den Konkurrenten Hürlimann

--› 1913 Umbau zu Mühle und Bau des Kühl-

hauses im Hof

--› 1981 Beginn der Planung für Umnutzung

--› 1982 Stilllegung des Mühlebetriebes, Verle-

gung der Produktion in einen Neubau in

Malters LU

--› 30. Dezember 1982 Direktauftrag an den Ar-

chitekten Pierre Zoelly

--› März 1984 Vorprojekt

--› 16. Mai 1984 Denkmalpflegerische Verein-

barung mit der Stadt Zürich

--› 12. Juni 1984 Baugesuch eingereicht

--› 29. Oktober 1984 Baubewilligung erteilt

--› 19. März 1985 Vergabe GU-Auftrag an Oerli-

kon Bührle

--› 18. Juni 1985 Grundsteinlegung

--› 18. August 1986 Aufrichte

--› 27. Oktober 1986 Einweihung

--› 8. November 1996 Jubiläumsanlass 10 Jahre

Mühle Tiefenbrunnen

--› 1. Dezember 2006 Jubiläumsanlass 20 Jahre

Mühle Tiefenbrunnen

darunter und durch die zwei Ergänzungen der Stallungen 6. Die Lagerhäuser

8, Bauten aus den Fünfzigerjahren, wurden bis auf die

Rohbaustruktur ausgeweidet und mit neuem Innenausbau und einer

neuen Fassadenhaut in ein Bürogebäude verwandelt.

Zoelly arbeitete mit dem Gegensatz von Alt und Neu. Die neuen

Bauten sind kubisch, scharf geschnitten und haben glatte Oberflächen

aus Glas, Stahl und Sichtbackstein. Diese neuzeitlichen und

technoiden Fassaden treten in einen deutlichen Kontrast zu den

handwerklich gemauerten, reich ornamentierten Sichtbacksteinmauern

der Altbauten. Wo die beiden Zeiten aufeinanderstossen,

kommt es zur «sorglosen Addition von ‹rough› auf ‹smooth› zum

Schaden der Integration und zum Nutzen der Pragmatik» (Zoelly).

Übersetzung: Der Bau ist eine Summe von Einzellösungen, die in

der Zeitnot des Bauprozesses täglich gefunden werden müssen.

Sie werden durch die Spielregeln der Architekturprotokolle in dieselbe

Richtung gelenkt. «Grobe geradlinige Stahlschweissungen

für Träger und Konsolen, weiss gestrichen» zum Beispiel.

Das unschweizerisch Nichtperfekte

Wer umbaut, erlebt Überraschungen. Das Kühlhaus zum Beispiel

war siebzig Jahre von innen her tiefgefroren. Als man die Kühlmaschinen

abstellte, schmolz es ab und die eine Giebelwand stürzte

ein. Der Mörtel der Tragpfeiler hatte sich in Sand verwandelt. Einer

der beiden Kompressoren von 1918, die für die Kälte gesorgt

hatten, steht nun von den Sulzer-Lehrlingen renoviert in der ‹Blauen

Ente›. Als man die Zwischenböden im Mühlegebäude entfernte,

drohte die Kuppel des künftigen ‹Mühleramas› einzustürzen.

Sie musste mit einer Stahlzange daran gehindert werden. «Diese

Zange ist kein Provisorium, sie ist ein bleibendes Mahnzeichen

für gewagte Aushöhlungen», schreibt Zoelly. ➞

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➞ Architektonisch zählt nicht der einzelne Bau, sondern das Ensemble.

Stellvertretend sei hier die Rückwand in der ‹Blauen Ente›

erwähnt. Mit Bögen aus Sandsteinquadern, die von massiven Pfeilern

aufgefangen werden, stemmt sich die Schwergewichtsmauer

gegen den Hang. Darüber scheidet ein filigranes Glasdach den

Alt- vom Neubauteil. Doch bestimmend sind die Altbauten, sie prägen

die Stimmung. Zusammen mit dem Charme des Provisorischen

oder genauer gesagt der «Frechheit im Detaillieren», wie Zoelly

sich ausdrückte. Eine weise Unbekümmertheit, die Gelassenheit,

zum Nichtperfekten zu stehen. Zoelly hatte bei diesem Projekt eine

Schweizer Architektenkrankheit nicht oder vielmehr hat er sie sich

abgewöhnt: das Uhrmacherdetailleiden (morbus perfectionis).

Die Zusammenarbeit von Bauherr und Architekt war so aussergewöhnlich

wie das Projekt. «Eine Vater-Sohn-Beziehung, intensiv bis

zerstörerisch», blickt Wehrli heute zurück. Er war jeden Tag auf der

Baustelle, wo er den Architekten traf. Unzählige Ad-hoc-Entscheidungen

wurden auf dem Bauplatz getroffen. Zoelly resümierte: «Es

ist erstaunlich, wie sich aus Notsituationen nachträglich eine ganze

Verhaltensphilosophie erhärten kann. Man lernt aus der Improvisation

oder baut aus Zufällen eine Lehre.»

Ohne Konflikte ging es nicht. Wehrli entzog Zoelly gegen Schluss

die Einrichtung des Restaurants und des Theaters und zog andere

Fachleute bei. Die Beziehung zwischen Bauherr und Architekt geriet

in eine Krise, Zoelly erschien nicht mehr auf dem Bauplatz. Seine

fähigen Mitarbeiter führten das Werk zu Ende. Später haben sich

Wehrli und Zoelly wieder ausgesöhnt und die durch die Zusammenarbeit

entstandene Freundschaft hielt bis zu Zoellys Tod. Er starb

im Dezember 2003 achtzigjährig. Die Umgestaltung der Mühle Tiefenbrunnen

und ihre Ergänzung mit Neubauten ist Pierre Zoellys

reifstes Alterswerk. Mit grosser Mühe war das Gebäude im Oktober

1 Perspektivischer Querschnitt durch Lagergebäude,

Stallung und Wohnzeilen. Die Tiefgarage ist darunter

in den Hang gegraben.

2 Perspektivischer Querschnitt durch das ‹Mühlerama›

und das Kühlhaus. Das ‹Mühlerama›

geht durch vier Geschosse bis hinauf zur Kuppel.

3 Grundriss des Erdgeschosses. Die Mauerstärke

lässt Schlüsse auf die Entstehungszeit zu: je dicker,

desto älter. Verwaltung 1, Restaurant ‹Blaue

Ente› 2, Bar 3, Läden 4, Theater ‹Miller's Studio› 5,

Fitnessstudio 6, Atelier 7, Werbeagentur 8, Tiefgarage

9, Konferenzraum 10, Büroräume 11.

4 Querschnitt durch die ‹Blaue Ente›. Im Zusammenspiel

von Alt und Neu dominiert das Alte und bestimmt

die Stimmung. Pläne: Archiv GMT, Zoelly

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1986 termingerecht bezugsbereit; die Kosten überschritten den Voranschlag

um weniger als 10 Prozent, die letzten Bauarbeiten dauerten

noch bis in den Sommer 1987.

Heute noch Vorzeigeprojekt

Als die Mühle fertig war, staunte Zürich und rannte hin. Die einen

waren hingerissen, die andern rümpften die Nase. ‹Grossstadt›

schwärmten diese, ‹Gentrification› schnaubten jene. Die fröhlichen

Konsumenten liebten die Mühle, die aufrechten Konsumkritiker verachteten

sie. Vergleiche mit der Roten Fabrik waren das Tagesgespräch,

was nur zeigt, dass 1986 noch niemand die Botschaft

der Mühle verstanden hatte. Umnutzung, Industriearchäologie und

Durchmischung waren die neuen Themen, nicht ‹Gentrification›.

Hier setzte die Mühle den Anfangspunkt und das Beispiel.

Denn zwanzig Jahre später ist im Seefeld der Normalzustand eingekehrt,

und man kann erhellendere Vergleiche als mit der Roten Fabrik

ziehen. Mit den vier grossen, städtischen Industriebrachen im

Millionen-Zürich zum Beispiel: Sulzer Escher Wyss in Zürich West,

Neu Oerlikon, Baden Nord und Sulzer Stammareal in Winterthur.

Von diesen fünf ist die Mühle das erfolgreichste Projekt. Nicht bloss

ökonomisch, sondern auch städtebaulich. Statt eines Kahlschlags

wie in Neu Oerlikon Industriearchäologie.

Statt Leere wie auf dem Sulzer Escher Wyss-Areal Stadtleben. Statt

Leerstand wie in Baden Nord Vollvermietung. Statt Abwarten wie

im Sulzer Stammareal fertig gebaut. Die Mühle lebt. Die brodelnde

Insel am Fusse eines Villenquartiers ist erfolgreich angewachsen.

Schaut man genauer hin, so ist die Mühle Tiefenbrunnen das massstabsetzende

Vorzeigeprojekt aller Umnutzungen von Industriebrachen

in der Schweiz. Heute nach zwanzig Jahren wäre es an der

Zeit, diesen Erfolg zur Kenntnis zu nehmen. •


Die Pracht der Belle Epoque – heute nur noch Fassade? Nicht wirklich,

denn die Bauten von gestern zu pflegen bedeutet auch Respekt

zeigen vor den guten Werten der Vergangenheit. Heisst Sorge tragen

zur gebauten Gestalt dieser Stadt. «Angestrebt ist eine Architektur

der vorzüglichen Hochachtung.» (Rudolf Schilling). Kluge Um-

nutzung ist der Tatbeweis für den Willen, mit dem Wissen und den

Mitteln von heute den Weg der Achtsamkeit weiterzugehen, vielleicht

gar Neues zu entdecken. Die Mühle in ihrem zwanzigsten Jahr: Das

sind 30 Wohnungen, 150 Arbeitsplätze und an die tausend, manchmal

mehr Besucher Tag für Tag im Restaurant, im Theater, im ‹Mühlerama›,

in der Arena, den Ateliers, Büros und Geschäften. Was sich

hier abspielt, ist gelebte und selbstverständliche Urbanität. In ihren

ersten zwanzig Jahren ist die Mühle beweglich und wandelbar geblieben.

Die Denkmalpflege hat das Haus nicht eingefroren, sondern

viele umkehrbare Nutzungsvarianten ermöglicht. In Zürich war die

Mühle zudem die Uraufführung einer neuen Architektur-Disziplin:

der Um- und Anbaukunst. Sie ist die Frucht der neuen Wertschätzung,

die heute den Industriebauten entgegengebracht wird. Der

respektvolle Umgang mit dem Alten verbessert auch das zugefügte

Neue. Bei aller Verschiedenheit haben die Bauten und die Menschen

in der Mühle etwas Gemeinsames: die Offenheit. Und wenn es so

etwas wie einen ‹Mühle-Geist› gibt, eine gemeinsame Charta der

Mühle-Menschen, dann ist es die Freude an der Veränderung und

die Neugier auf morgen. Die Mühle lebt! Karl Lüönd

18 19


Schichtwechsel:

Von der Industrie

zum Kulturort

Text: Karl Lüönd

Zürich 1986: Die Stadt häutet sich. Nach und nach

verwandelt sich das industriell geprägte Zentrum

in einen Denk-, Genuss- und Lebensplatz. Noch

scheinen viele nicht zu merken, was da geschieht.

Die Grossstadtregion dehnt sich ins Viereck Frauenfeld-Brugg-Schaffhausen-Zug

aus. ‹Greater Zurich

Area› wird Tatsache.

Der Treiber dieser Entwicklung ist der Verkehrsverbund.

Seit 1950 hat das Auto die Strassen dominiert. Noch 1973 hat die

Kantonsbevölkerung das U- und S-Bahnnetz abgelehnt, doch 1981

nimmt das Volk die S-Bahn-Vorlage an. 1988 wird das Fundament

für den Verkehrsverbund gelegt. Am 27. Mai 1990 wird das S-Bahn-

System den Betrieb aufnehmen. Das Umdenken nimmt Gestalt an.

Der Wandel wird Alltag. Nicht nur im öffentlichen Raum, wo die

Verkehrsströme ineinanderfliessen, verändert sich die Welt. Es sind

immer mehr ältere Menschen da. Der Ausländeranteil steigt. Die

Rückwanderung von der Agglomeration in die Stadt wird zum Thema.

Und die Randgruppen, die aus dem sozialen Netz fallen, werden

immer sichtbarer. Das Drogenelend auf dem Platzspitz und im Letten

ist der dramatischste Ausdruck dafür, aber nicht der einzige.

Die Industrie verlässt die Stadt und lässt riesige Flächen zurück.

Später wird man von Zürich West und Zürich Nord sprechen, aber

die grosse Veränderung der Stadtlandschaft hat eigentlich im Osten

angefangen, dort, wo an prächtiger Lage das Seefeldquartier in die

sanfte Vorortslandschaft übergeht. Heute, im Rückblick, wird der

stadtgeschichtliche Rang des Projekts Mühle Tiefenbrunnen sichtbar.

Hier erlebt die Stadt das erste grosse Umnutzungsprojekt von

Industriegelände in Kultur- und Freizeitorte.

Dass dieser ‹Schichtwechsel› auf Anhieb gelang, war von grosser

Bedeutung. Dies ermutigte Planer, Politiker und Investoren. Es war

wie ein psychologischer Stromstoss. Fachleute und Laien sahen: Es

funktioniert ja, wenn man es richtig macht. Dem Erfolg ging ein komplexer

gedanklicher, städtebaulicher und schliesslich auch rechnerischer

Prozess voraus. Wie überall, wo es ums Bauen geht, stiessen

öffentliche und private Interessen aufeinander. Das Projekt Mühle

kam zum Erfolg, weil keine der beteiligten Parteien ihre Ziele kompromisslos

durchsetzen konnte, sondern jeder auf den andern Rücksicht

nahm. Offenheit, Neugier, Lernbereitschaft und Respekt kennzeichneten

den langen Prozess.

Auf dem Boden der Wirklichkeit

Wie bringt man Ideen hier und heute auf den Boden der Wirklichkeit?

Bauen in der Stadt ist streng reglementiert und teuer. Eine

grosse Liegenschaft an prominenter Lage ist Wert und Risiko zugleich.

Verständnis und Verständigung muss man sich nicht nur

leisten können, man muss sie langfristig wollen. Da war es von Vorteil,

dass die Mühle Tiefenbrunnen im Besitz einer Familie steht, die

seit vierhundert Jahren Gewerbe und Industrie in Stadt und Land

mitgeprägt hat. Die Wehrlis waren Müller, seit 1772 in der Stadt

Zürich. Unternehmendes Bürgertum denkt und plant über Generationen.

Dazu kam eine gewisse freiwillige Selbstverpflichtung zur

nachhaltigen Nutzung – und viel Selbstbewusstsein. Denn gewaltig

war der Konformitätsdruck, und an Bedenkenträgern hat es nicht

gefehlt. Wer begibt sich mit einem solchen Grossobjekt schon freiwillig

unter Denkmalschutz? •

Alltag im Hof: Wo früher die Pferde angeschirrt

und Bierflaschen aufgeladen

wurden, herrscht heute städtisches Leben.

20 21


Mischen:

Arbeiten, Wohnen

und Freizeit

Text: Karl Lüönd

Lässig! Absichtsvoll steht hier das Modewort, denn

es trifft die Stimmung genau. In der Mühle Tiefenbrunnen

herrscht ein lässiges Leben: Beschaulichkeit

und Betrieb. Urbanität und Ländlichkeit.

Nähe und Distanz. Alles kann, nichts muss. Doch

die gute Atmosphäre ist alles andere als ein Zufallsprodukt

– dahinter steckt Planung.

Als die Mühle umgebaut war, konnte das Leben einziehen.

Leben ist etwas Spontanes, aber es lebt sich am besten, wenn

es organisiert ist. Die das Risiko tragenden Eigentümer und Bauherren

hatten sich für das langfristige Denken entschieden. Deshalb

befassten sie sich mit dem Nutzungskonzept, lange bevor der Bau

beendet war. Drei kulturelle Betriebe unter eigener Regie sollten

zweierlei leisten: den Charakter, die Persönlichkeit und damit das

Markenbild der Mühle Tiefenbrunnen prägen – und an der städtischen

Randlage eine Grundfrequenz an Laufkundschaft erzeugen.

Für die kulturelle Nutzung – Museum, Theater – wurden 18 Prozent

der Gesamtfläche reserviert. Den nächstgrösseren Flächenanteil

mit 26 Prozent aber hat das Wohnen. Denn damit wird ein zweiter

Grundgedanke Wirklichkeit: die Verbindung von Wohnen, Arbeit und

Freizeit. Die Arbeit belegt 44 Prozent der Nutzfläche.

Das Wünschbare und das Mögliche

Entscheidend war die Nutzungsmischung. Interesse und Zuspruch

kann man in einer Marktwirtschaft nicht verordnen und nur beschränkt

voraussehen. Also lief der Aufbau des ersten Mieterstammes

auf einen längeren, partizipativen Prozess hinaus, der von allen

Beteiligten nicht nur Investitionen in Geld, sondern vor allem in Zeit

und Engagement forderte. Das Projekt war neu, ungewöhnlich und

attraktiv. Dass es auf grosses Interesse zahlreicher möglicher Mieter

stiess, überraschte deshalb nicht. Aber die materiellen Randbedingungen

setzten mancher romantischen Vorstellung Grenzen. Für

die meisten Handwerker und einen grossen Teil des Kunstgewerbes

waren die Mieten zu hoch. Niedrig konnten sie nicht sein, denn

eine angemessene Verzinsung des Risiko tragenden Kapitals setzte

zwingend die Quersubventionierung voraus – ein Verfahren, dem

der Betriebswirtschaftler an sich mit Misstrauen begegnet. Anders

aber wäre der für die Belebung des Komplexes unerlässlich hohe

Anteil an öffentlichen und kulturellen Nutzungen nicht finanzierbar

gewesen. Das Wünschbare rieb sich am Möglichen, aber aus der

Reibung entstand auch produktive Energie.

Kultur als Rückgrat

Das ‹Mühlerama›, einziges produzierendes Museum der Schweiz,

war zwingend gegeben, denn nur auf diesem Wege war die dringend

geforderte Erhaltung der tadellos funktionierenden, teilweise

über siebzig Jahre alten Mühleanlagen sinnvoll und möglich. Aus

einem denkmalpflegerischen Sachzwang entstand mit privater und

öffentlicher Hilfe die Idee, den Weg des Brotes vom Korn auf den

Tisch in einer Erlebnisschau bildhaft zu machen. Die mächtigen

Kühlräume als Theater zu nutzen lag ebenfalls nahe, ebenso wie der

Name ‹Miller’s Studio›. Seinen Platz im Gefüge der Zürcher Theaterwelt

musste sich das neue Haus aber zuerst suchen. Es fand ihn auf

einigen Umwegen: bei der modernen, leicht schrägen Kleinkunst.

Und der dritte Kulturbetrieb – er war und ist ausdrücklich als solcher

gedacht – war der Ess- und Weinkultur gewidmet. Ohne ein

Restaurant hätte dem Komplex die Blut- und Kalorienzufuhr gefehlt.

Und so kam die ‹Blaue Ente› in die kleine, bunte Mühlewelt. •

Valentino Piasini, Gymnasiast, Bewohner

Vom städtisch belebten Mühlehof, zwischen zwei Fabrikgebäuden,

gehts treppauf zum Hambergersteig. Eine Treppe bloss, aber sie

führt sozusagen von der Stadt aufs Land, in eine Art Dorf wie aus

einer anderen Zeit. Die beiden Häuserzeilen links und rechts des mit

hellem Kalksplit belegten Hofes haben sich im Rücken der mächtigen

backsteingelben Hauptgebäude gut versteckt.

Im Eckhaus ganz vorn wohnt Valentino. Er ist hier aufgewachsen.

«Die Mühle ist meine Heimat.» Er sagt das ruhig und bestimmt, so

als wären seine Wurzeln hier für alle Zeit. Was aber, wenn eine Fee

käme und ihm sein Zuhause an einen Ort seines Traums verlegen

würde? «Dann würde ich mir nur wünschen, dass die ganze Mühle

direkt am See liegen würde.» Bei dieser Antwort grinst der Teenager,

wird aber wieder ernst, als er anfügt, dass er nirgendwo anders zu

Hause sein wolle. Weshalb auch? «Der See ist in Gehdistanz, der

Bahnhof ebenfalls, und die Architektur der Häuser gefällt mir.»

Valentino geht mittlerweile in die Stadt zur Schule. Ins Gymnasium.

«Früher, als ich noch die Tagesschule in Küsnacht besuchte»,

sagt er, «nutzte ich die Infrastruktur viel intensiver. Ich ging hier

zum Coiffeur, und in der Mühle habe ich ab und zu Brot gebacken.

Der Innenhof war, nebst dem Hof vor den Häusern, mein Spielplatz.

Zusammen mit den vielen anderen Kindern, die damals auch hier

wohnten, war er unsere Rollerblade-Bahn. Nur im Sommer gabs ab

und zu Zoff mit Herrn Ströhm, dem Hauswart. Dann, wenn wir zu

laut waren oder den Gästen der ‹Blauen Ente› zu rasant um die Ohren

fuhren.» Das komme heute aber nicht mehr vor. Ausserdem ist

Valentino jetzt einen Kopf grösser als Herr Ströhm.

Der Teenager krault gedankenverloren die Ohren seines Hundes.

Es ist ein Golden Retriever namens Ginger, der sich ihm zu Füssen

gelegt hat. «Eigentlich müsste er über seine Erlebnisse

hier in der Überbauung erzählen», meint

Valentino. «Ginger ist den ganzen Tag draussen

und bewegt sich frei wie ein Bauernhund. Er kennt

jede und jeden, und alle kennen ihn. Die Mühle

ist sein Hof.» Der Hund wedelt mit dem Schwanz,

erhebt sich und will nach draussen. Offenbar sieht

es das Tier genauso. Christa Löpfe

Valentino Piasini | Gymnasiast | aufgewachsen in der Mühle |

Der Innenhof war früher seine Rollerblade-Bahn.

«Eigentlich müsste mein Golden Retriever ‹Ginger›

über seine Erlebnisse hier im Hof der Mühle erzählen.

Er bewegt sich frei wie ein Bauernhund. Er

kennt jede und jeden, und alle kennen ihn.»

22 23


«Wenn ich abends müde das Geschäft verlasse, über

den Platz gehe und den schönen Menschen begegne,

fühle ich mich gleich besser. Als würden die

alten Mauern ihre Energie übertragen.»

Annet Furrer, Einrichtungsberaterin

‹teo jakob› steht rot auf weiss auf dem Ladenschild. Darunter in grau

‹colombo›. Diese Reminiszenz an den Gründer des Designermöbelgeschäfts

ist ein Markenzeichen. Iwan Colombo war 1985 der erste

und, während der zweijährigen Bauphase, einzige Mieter in der Müh-

le Tiefenbrunnen. Seine legendären Feste und Ausstellungen machten

‹Colombo Centro Mobili› schnell zu einem Pilgerort für Designbewusste

und beförderten ihn in die Zürcher Prominenz.

Fünfzehn Jahre später will Iwan Colombo aufhören, schliesst sich

mit dem traditionsreichen Berner Unternehmen Teo Jakob zusammen.

Nun haben die Berner Einrichtungsprofis neben ihren acht

Filialen in der ganzen Schweiz auch ein Standbein in Zürich. «Dass

Zürich eine Hochburg für Designermöbel ist, merken wir an der

Kundschaft. Während die Berner diesen Markt weniger gut kennen

und sich deshalb gerne umfassend beraten lassen, kommen die

Zürcher und Zürcherinnen bestens informiert in das Geschäft. Oft

wissen sie ganz genau, was sie wollen.» Schwingt in dieser Aussage

ein leichtes Bedauern mit? «Nei!», lacht Annet Furrer, Einrichtungsberaterin,

in unverfälschtem Berner Dialekt. «Die Beratung ist hier

umso anspruchsvoller und fordernder.»

Während sie das sagt, streichen ihre Hände über die leicht gerippte

Oberfläche des Tischs aus Birkenschichtholz, an dem sie sitzt. Er

ist von Tossa, der Möbelwerkstatt an der Töss. Die dazugestellten

Stühle ‹Torsio› sind preisgekrönt, stammen aus der

Kollektion ‹Röthlisberger›, das Design vom international

tätigen Schweizer Hanspeter Steiger. Darüber

bewegt sich eine Pendelleuchte von Ingo Maurer

ganz leicht im Wind, der durch die geöffneten

Fenster und den Ausstellungsraum streicht. Jedes

einzelne, stilsicher präsentierte Stück ist hier gutes

Design. Die Hersteller und Designer, mit denen

Teo Jakob zusammenarbeitet, lesen sich wie das

‹Who is Who› dieser Branche. Von A wie Alias bis

Z wie Zanotta, von Alvar Aalto bis Stefan Zwicky.

«Nicht nur inmitten dieses Ambiente arbeiten zu

dürfen, ist ein Traum. Auch mein Wunsch, nach

Zürich, hier in die Mühle zu kommen, hat sich erfüllt»,

schwärmt Annet Furrer. «Wenn ich abends

müde das Geschäft verlasse, über den Platz gehe,

den schönen Menschen begegne, die frisch geduscht

vom Tanzunterricht kommen, vorbeigehe

an den Gästen, die draussen an den Tischen der ‹Blauen Ente› sitzen,

fühle ich mich gleich besser. Es ist so, als würden die alten Gemäuer

der Mühle ihre Energie auf mich übertragen.» Christa Löpfe

Teo Jakob Colombo | Mühle Tiefenbrunnen | Seefeldstrasse 231 | 8008 Zürich | 044 421 18 18 |

Fax 044 422 25 27 | zuerich@teojakob.ch | www.teojakob.ch

Christa de Carouge, Designerin

Christa de Carouge ist ‹Christa de Carouge›. Sie und ihr Label sind

nicht zu trennen. «Deshalb werden meine Kleider eines Tages zusammen

mit mir von dieser Welt verschwinden.» Das steht für sie

heute schon fest. Aber ans Aufhören denkt die Designerin noch

lange nicht. Nur die Prioritäten hat sie 2004 neu gesetzt und ihr

erstes Geschäft in Carouge aufgegeben. Vor über vierzig Jahren hat

Christa dort ihre einmalige Karriere gestartet. Der Stadtteil von Genf

hat ihr Glück gebracht und Carouge wurde zu ihrem Namen. «Das

Beste von dort», lacht sie, «habe ich aber hierher

nach Zürich mitgenommen. Meinen Mann.»

Mit ihm zusammen und mit einem kleinen Team

führt sie ihr Geschäft in der Mühle Tiefenbrunnen.

«Hier bin ich zu Hause, hier fühle ich mich wohl.»

Das Gesagte unterstreicht sie mit einer weiten,

das Gebäudegeviert und den Innenhof umfassenden

Geste. Ein paar Schritte entfernt von der Boutique

hat Christa de Carouge ihre Werkstatt, wo sie

ihre Kleider entwirft und Prototypen, Einzelteile

und Accessoires herstellt.

Dass sich ihr Arbeitsort in der Mühle befindet, ist

kein Zufall. Hier wollte sie ihre Zürcher Boutique

eröffnen. Das wusste sie schon, als sie den fertigen

Umbau sah und die Räume damals zum Mieten

ausgeschrieben waren. Denn schon als Kind hatte

dieser Ort Christa in seinen Bann gezogen. Nie

ging sie nach dem Baden im Strandbad Tiefenbrunnen

heim, ohne dem Fuhrmann zugeschaut zu haben, wie er

seine Pferde ausspannte oder für eine weitere Lieferung die schweren

Mehlsäcke auf den Karren lud.

Beinahe schien es aber, dass sie den Traum, der für sie eigentlich

schon Realität war, begraben musste. Doch als klar wurde, dass kein

zweites Restaurant einziehen würde, packte Christa de Carouge die

Chance. Sie bewarb sich – sie bekam den Zuschlag. Das war 1988.

«Das musste einfach so kommen», sagt sie mit ihrem tiefen, herzlichen

Lachen. «Die Ambiance der Fabrikgebäude, des Hofs, wo man

sich trifft, die Vielfalt des Angebots passen haargenau zu meinem

Designkonzept. Untereinander ergeben sich Synergien. Menschen,

die in die ‹Blaue Ente›, das ‹Miller’s›, das ‹Mühlerama›, zu Teo Jakob

oder zu mir kommen, haben ähnliche Wertbegriffe.» Tatsächlich

scheint sich die gegenseitige Befruchtung zu bewahrheiten.

Nicht nur auf Kundenseite. Die ‹Blaue Ente› wird einen exzellenten

Schweizer Weisswein, einen Mont sur Rolle, auf die Karte setzen,

den Christa de Carouge im Welschland entdeckt hat. Christa Löpfe

Christa de Carouge | Mühle Tiefenbrunnen | Seefeldstrasse 231 | 8008 Zürich | 044 381 18 89 |

Die Modedesignerin ist mit ihren Kollektionen schwarzer Kleider bekannt geworden.

«Die Ambiance der Fabrikgebäude, des Hofs, wo

man sich trifft, die Vielfalt des Angebots passt

haargenau zu meinem Designkonzept. Untereinander

ergeben sich Synergien.»

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Ausdauer:

Der Markt liebt

die Mühle

Text: Karl Lüönd

Können Konzepte auch ohne Worte überzeugend

kommuniziert werden? Ja, denn zwingende Ideen

werden schnell verstanden. Und wenn sich am Ende

eines aufwändigen und manchmal mühsamen

Prozesses – hier: der Entwicklung einer Nutzungsmischung

– dann die Richtigen zusammengefunden

haben, ist die Quittung perfekt.

Was die erneuerte Mühle Tiefenbrunnen baugeschichtlich

spiegelte – den Transfer von der Industrie- zur Dienstleistungs- und

Kommunikationsgesellschaft –, bildete sich bereits in ihrem ersten

Mieterspiegel ab. Viele Betriebe haben einen langen Atem. Wir sehen

– in alphabetischer Reihenfolge – eine grosse Zahl von kommunikativen,

beratenden, gestaltenden und dienstleistenden Bran-

chen: Architektur. Ballett-Berufsschule. Bauleitung & Bauausführung.

Coiffeur. Computer Systems. Computergrafik. Delikatessen. Design

aus Stein. Exercise & Dance. Export & Distribution. Fotostudio. Galerie.

Galerie. Grafik-Werkstatt. Innenarchitektur. Innendekoration und

Antiquitäten. Kommunikationsberatung. Management Consultants.

Modellagentur. Möbel. Möbeldesign. Mode. Musikatelier. Personalberatung.

Psychoanalytische Praxis. Public Relations. Dazu kommen

ausserdem: Rechtsanwalt. Restaurant. Unternehmensberatung. Vinothek.

Visuelle Kommunikation. Werbeagentur.

Neue Namen – alter Mix

In den zwanzig Jahren seit dem Einzug der ersten Mieter haben

manche Namen und Adressen geändert, aber die Nutzungsarten

blieben weitgehend die gleichen. Ausgezogen sind Mieter vor allem,

weil ihre Betriebe wuchsen und das freie Raumangebot in der Müh-

le mit der Nachfrage nicht Schritt zu halten vermochte. Der zweite

Hauptgrund für Mutationen sind die unvermeidlichen Wechselfälle

des Geschäftslebens, die in den seltensten Fällen vom Standort

abhängig sind. Die von den Besitzern selbst entwickelten Basisnutzungen

– das ‹Mühlerama›, ‹Miller’s Studio›, das Restaurant – hatten

schwierige Zeiten und einen langen Durchhaltewillen, der manchen

anderen Kulturprojekten gefehlt hat. Und als im vergangenen

Sommer, ausgerechnet im Jubiläumsjahr, mit der ‹Arena 225› ein in

einer besonders umkämpften Branche tätiger, für die Jugendlichkeit

der Mühle aber unentbehrlicher Betrieb unter Druck geraten ist, engagieren

sich die Eigentümer in einer Auffanggesellschaft. Die Erfahrung

lautet eben: Die Mischung macht den Erfolg.

Das Unfertige ist das Entscheidende

Bemerkenswert ist, dass Banken und andere Finanzinstitute in der

Mieterbiografie der Mühle Tiefenbrunnen nie eine wichtige Rolle

gespielt haben. Das hängt in erster Linie mit dem Stadtteil zusammen;

die Finanzindustrie konzentriert sich auf der anderen Seite der

Stadt. Auch sie sucht und findet ihre Agglomerationen und bestätigt

damit indirekt, was den Erfolg des eher hedonistischen Kommunikations-,

Gestaltungs- und Genussbiotops in der Mühle Tiefenbrunnen

ausmacht: Gleich und Gleich gesellt sich nicht nur, weil

sie es gern tun, sondern auch, weil sie einander brauchen: sowohl

als Reibungsflächen wie auch als Resonanzkörper.

Entscheidend für den Erfolg und die – auch durch die erzielten ansehnlichen

Mietzinse beglaubigte – Sonderstellung der Mühle Tiefenbrunnen

auf dem Zürcher Vermietungsmarkt ist wohl die unternehmerische

Balance aus zähem Festhalten am erfolgreichen

Konzept und Offenheit für Neues. Oder wie es Bert Brecht formuliert

hat: «Die wirklich gross geplanten Werke sind unfertig!» •

Toni Maruccia, Coiffeur

‹Il Parruchiere›, der Coiffeur, Toni Maruccia ist seine Abstammung

sofort anzusehen: Seine schwarzen, bis tief in seinen Nacken reichenden,

leicht gewellten Haare, die dunklen, lebhaften Augen und

die olivfarbene, leicht gebräunte Haut machen ihn zu einem Bilderbuch-Italiener.

Der gelernte Coiffeur steht in seinem Salon, gleich

neben dem ‹Miller’s Studio›. Konzentriert wickelt er, Strähne für

Strähne, das lange, blonde Haar einer Kundin auf die dicke Rundbürste.

Rollt sie in die Gegenrichtung aus und föhnt das so gestreckte

Haar in Form. Seine Assistentin steht aufmerksam daneben

und verinnerlicht die geübten und fliessenden Bewegungen ihres

Lehrmeisters. Links davon wäscht eine Mitarbeiterin einem Kunden

das Haar. Der Raum ist klein, aber zweckmässig und modern eingerichtet.

Die Türe ist offen und gibt den Blick auf den Innenhof der

Mühle frei. «Ciao, Toni!», rufts ab und zu herein, wenn ein Nachbar

vorbeigeht – man kennt sich in der Mühle.

Trotzdem: «Als Teil einer Familie empfinde ich mich nicht, obwohl

ich seit achtzehn Jahren mein Geschäft in der Mühle Tiefenbrunnen

habe», kommentiert Toni Maruccia die Rufe. «Dazu sind wir hier alle

zu individualistisch. Leben und leben lassen – eher so würde ich das

Gemeinschaftsgefühl beschreiben.»

Dass sein Salon nicht an einer Passantenlage liegt und Laufkundschaft

eher selten ist, stört den ‹Parrucchiere› nicht. Seine langjährigen

Kundinnen und Kunden sind ihm hierher gefolgt und profitieren,

wie er selber, vom einmaligen Ambiente, der Infrastruktur und dem

ausreichenden Parkplatzangebot. Die reizvolle Lage seines Geschäfts

ist aber nicht der Hauptgrund für deren Treue. Davon ist der

Coiffeur überzeugt. «Die Qualität meiner Arbeit und das Vertrauensverhältnis,

das sich über Jahre aufgebaut hat, sind wichtiger – und

ich bin ein guter Zuhörer.» Was hört er denn so?

«Die meisten reden über ihren Beruf und dessen

Umfeld oder über Familienangelegenheiten. Ich

lerne eine ganze Menge über die verschiedensten

Branchen, und da viele meiner Kunden in den Medien

arbeiten, werde ich mit News und Klatsch

bestens versorgt. Von den Dächern pfeifen hier aber

nur die Vögel. Die richtigen. Ich kann nämlich auch

gut schweigen.» Der Figaro lacht und wendet sich

seiner nächsten Kundin zu. Christa Löpfe

Il Parrucchiere | Toni Maruccia | Mühle Tiefenbrunnen | Seefeldstrasse 225 |

8008 Zürich | 044 422 80 22

Seite 28 Blick in die Kuppel des ‹Mühleramas› mit

dem Loch in der Mitte, des Lüftungsabzugs.

Seite 29 Aus Christa de Carouges Atelier sieht man

in den Hof und zur ‹Blauen Ente›.

«Als Teil einer Familie empfinde ich mich auch nach

18 Jahren noch nicht. Dazu sind wir hier alle zu

individualistisch. Leben und leben lassen – eher so

würde ich das Gemeinschaftsgefühl beschreiben.»

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Erfolg:

Treue Mieter sorgen

für Auslastung

Text: Karl Lüönd

Nach einer Generation steht fest, dass sich das

langfristige Denken auch wirtschaftlich gelohnt

hat. In die Mühle Tiefenbrunnen wurden rund 54

Millionen Franken investiert, davon etwa fünf Millionen

direkt in die kulturellen Betriebe. Die Verzinsung

des Eigenkapitals entspricht etwa dem,

was ein langfristiger Immobilieninvestor auch von

einer konventionellen Lösung erwarten kann. Und

der Mehrwert kommt in Form von Lebensqualität

und Zufriedenheit allen Beteiligten zugute.

Ein Viertel der Mieterinnen und Mieter sind seit zwanzig

Jahren in der Mühle; sie besetzen mehr als die Hälfte der Fläche.

Leerstand war in den ganzen Jahren nie ein Problem. Die Fluktuation

ist denkbar gering. Das schafft nicht nur eine gute Atmosphäre,

sondern spart auch hohe Kosten, wie sie mit jedem Wechsel

verbunden sind, auch für den Vermieter. Mit ihrer Durchmischung

ist die Mühle Tiefenbrunnen zur national bekannten, wertbeständigen

Marke geworden. Die ‹Blaue Ente›, das ‹Mühlerama›, ‹Miller’s

Studio› und die ‹Arena› sind in Zürich gefestigte Begriffe für vitale

Gegenwart und urbanen Chic. Dass sich in ihrem Umfeld moderne

Lifestyle-Angebote aus Gastronomie, Kunst und Inneneinrichtung

siedeln, ist kein Zufall, sondern Logik.

Zwischen 80 und 85 Prozent des kulturellen Betriebsbudgets werden

über den freien Markt finanziert. Öffentliche und private Beiträge

sind wichtig, aber sekundär. Seit Jahr und Tag leisten die Nutzer

der Mühle einen Kulturbeitrag zwischen 1 und 2,5 Prozent ihrer

Miete. Bereits jeder am Bau Beteiligte liess schon damals 1 Prozent

des Rechnungsbetrags für die Kultur liegen. Die Bruttorendite von

5,5 Prozent (1986) ist inzwischen auf 6 Prozent geklettert und soll im

Jahr 2010 6,3 Prozent erreichen. Der Anteil der Kulturbeiträge macht

dabei konstant 0,6 Prozent aus.

Investition mit Engagement

Nutzungskonflikte gibts wie überall. Am häufigsten wird der Lärm

genannt, doch bis jetzt waren die Probleme lösbar. Immer wichtiger

wird für die Mühle der öffentliche Verkehr. 140 Parkplätze werden

angeboten, davon 60 für Mieter. Der Parkplatz auf dem Bahnareal

hat sich als Pufferlösung für Frequenzspitzen bewährt.

Die Piazza: Hier haben sie früher die Pferde bespannt und die Fuhrwerke

geladen. Heute ist der Platz der Laufsteg, Showplattform und

Kontakthof für die Menschen in den 50 Betrieben und 24 Wohnungen.

Die Botschaft lautet: Kultur in offener, nicht-elitärer Darreichungsform

ist ein erstaunlich altersloses, die Generationen überspannendes

Projekt. Sie verlängert die Haltbarkeit und erhöht die

Investition, wenn ein robustes Nutzungskonzept über lange Zeit

hinweg durchgehalten wird. Was unbedingt gefordert ist, sind Präsenz,

persönlicher Einsatz, Arbeit um des Sinnes willen. Es ist nicht

Mäzenatentum oder Spleen. Es ist Vernunft. •

Mietflächen Fläche Anteil

Wohnen 3225 m² 26 %

Büro / Gewerbe 4077 m² 32 %

Kultur / Freizeit 2235 m² 18 %

Ausbildung 462 m² 4 %

Läden / Galerien 1360 m² 11 %

Gastronomie 1241 m² 9 %

Hermann Strittmatter, Werber

Sein Verstand und sein Witz sind scharf: frisch und würzig wie Ingwer,

wenn er gut, ätzend wie Chili, wenn er schlecht gelaunt ist. Das

wissen alle, die Hermann Strittmatter, Gründer und Mitbesitzer der

GGK Zürich Werbeagentur, kennen. Bei unserem Besuch hat er einen

Ingwertag. Die Begrüssung fällt herzlich aus, aber knapp. Mehr

Zeit nimmt er sich für die Wahl der richtigen Krawatte. Gleich fünf

hat ‹Stritti› für das geplante Fotoshooting mitgebracht. Schliesslich

weiss der Kommunikationsprofi, dass es auf die Details ankommt.

Genauso sorgfältig hat Hermann Strittmatter das Domizil seiner

Werbeagentur ausgesucht. «Seit 1993 sind wir jetzt hier in der

Mühle. Genauer gesagt, im ehemaligen Pferdestall. Als ich ihn zum

ersten Mal betrat, wusste ich sofort, dass er zu uns und unserer

Philosophie passt. Die alten Gemäuer erzeugen eine

Atmosphäre, in der man gerne arbeitet.» Der

Innenausbau ist stilvoll modern und zweckmässig.

Die Stahlkonstruktion, die die Galerien für weitere

Arbeitsplätze sowie die Stau- und Archivräume

trägt, fügt sich unauffällig in die ursprüngliche Architektur

ein. «Übrigens», erklärt er und lacht dabei

schelmisch, «war es Ursula Koch, die damalige

Bauvorsteherin persönlich, die mich beruhigte, als

ich ihr die Frage stellte, ob unser Einzug eine Nutzungsänderung

erfordere. Sie stellte fest, dass die

vorher hier eingemietete Galerie ja auch, wie die

Werbung, mit Kultur zu tun habe.»

Doch nicht nur das Gebäude selbst hat es Hermann

Strittmatter und seinem 15-köpfigen Team

angetan. Die ganze Überbauung mit ihrem Mix aus

Dienstleistung und Gewerbe mache den Reiz aus,

meint er: «In der Mühle wird immer noch gemahlen

und Brot gebacken, Christa de Carouge hat nicht nur ihre Boutique

hier, sondern auch ihr Atelier, in der ‹Blauen Ente› wird gekocht und

gegessen, beim ‹Parrucchiere› werden Haare geschnitten. Diese

Spannung zwischen Kreativität und Produktion ist für uns der beste

Nährboden. Hier materialisieren sich Ideen.»

‹Tolggen› in dieser positiven Bilanz findet ‹Stritti› nur wenige. Einer

ist der Wegzug der Weinhandlung ‹Brancia› zum Beispiel. «Solche

und andere Wechsel hinterlassen bei mir persönlich eine Lücke und

machen mich traurig. Trotzdem hat es sich nachträglich gezeigt,

dass die Mühle-Philosophie auch langfristig, trotz Veränderungen,

Bestand hat.» Zufall oder nicht – auf genau derselben Philosophie

basieren die GGK-Werbekampagnen. Der Leitsatz «Flexibilität in der

Kontinuität» ist Bestandteil jeder Präsentation. Christa Löpfe

GGK Zürich Werbeagentur | Mühle Tiefenbrunnen | Seefeldstrasse 229 | Postfach |

8034 Zürich | 044 388 69 69 | Fax 044 388 69 40 | ggk@ggk.ch, www.ggk.ch

«Die Spannung zwischen Kreativität und Produktion

ist für uns der beste Nährboden. Hier materialisieren

sich Ideen. Die Mühle-Philosophie hat,

trotz Veränderungen, auch langfristig Bestand.»

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«Ich erfuhr durch Zufall von freien Flächen in der

Mühle, war noch am gleichen Tag zur Stelle und

spürte sofort: Das ist es! Uns hat der industrielle

Charakter der Räume überzeugt.»

Claudia Meythaler, Kreativdirektorin

So stellt man sie sich vor, und so sind sie wirklich: Surround Internetradio,

MTV an die Wand gebeamt, konzentriert-leidenschaftliche

Arbeit und morgens um drei oft immer noch Licht … Sie leben für

das, was ihnen wichtig ist, und manchmal vergessen sie die Zeit.

Heraus kommen vielfältige Projekte: TV Interfaces, Kinospots, mobile

Applikationen, ganze Firmenidentitäten. Namhafte Unternehmen

wie Migros, Cablecom, Sunrise oder Greenpeace haben ihre Internetportale

hier bauen lassen. Hier ist bei R.Ø.S.A.

R.Ø.S.A. ist eine Agentur, die für ‹Creation›, ‹Technology› und ‹Intelligence›

steht. Ein erwachsen gewordenes Kind des Internetzeitalters

– das, was man noch vor ein paar Jahren einen ‹hot shop›

nannte mit Gründungsjahr 1998 und einer abwechslungsreichen

Firmengeschichte, wie Claudia Meythaler, Mitinhaberin und Kreativdirektorin

der 15-köpfigen Belegschaft, berichtet.

«Wir hatten Niederlassungen in New York, Wien, Berlin und Belgrad.»

In Berlin sass ein grosser Kunde, der das ultimative Gesundheitsportal

zu eröffnen versprach. Unterwegs

ging ihm das Geld aus, was auch die Lieferanten

zurückwarf: ‹Reload› für R.Ø.S.A. «Wir mussten unsere

Fixkosten reduzieren und wollten in Zukunft

flexibler sein. Gleich geblieben ist die bewährt

pragmatische und projektorientierte Arbeitsweise

mit hohem Qualitätsanspruch. Ich erfuhr durch

Zufall von freien Flächen in der Mühle und war

noch am gleichen Tag zur Stelle. Ich spürte sofort:

Das ist es! Uns hat der industrielle Charakter der

Räume überzeugt – und die enorme Qualität des

Standorts: der See, der Hof, die Tatsache, dass fast

immer jemand da ist. Das ist wichtig für Leute wie

uns, die oft zu unüblichen Zeiten arbeiten. Hier

darf man sogar laut Musik machen, wenn man es

nicht übertreibt.»

Funktioniert die Mühle, Frau Meythaler? «Als Arbeitsumfeld

ja. Manche unserer Mitarbeiter wohnen

beinahe schon hier. Noch nicht so häufig haben wir die geschäftliche

Interaktion erlebt. Dass wir durch diese Nähe Aufträge

bekommen, ist erst vereinzelt passiert. Doch im Hof entstehen im-

mer wieder überraschende Kontakte. Schön, dass man hier den Grad

von Nähe und Distanz selbst bestimmen kann.»

R.Ø.S.A. ist glücklich über ihren Standort mit Seeblick. «Wir schätzen

die Mischung zwischen Privatem und Öffentlichem», sagt Claudia

Meythaler. «Wir brauchen eine Umgebung, in der sich unser

Team wohlfühlen kann.» Karl Lüönd

R.Ø.S.A. Creation. Technology. Intelligence. | Seefeldstrasse 231, | 8008 Zürich, Schweiz

044 389 63 33 | Fax 044 389 63 30 | zurich@rosa.com | www.rosa.com

Jürg Wildberger, Journalist

Der Journalist und Unternehmer Jürg Wildberger zog in eins der

Häuser am Hambergersteig ein, nachdem er sich von seiner Familie

getrennt hatte. «Was mich angesprochen hat, war das Spezielle an

dieser Architektur, das zu meiner Lebenssituation passte. Manchmal

lebten meine Kinder bei mir, manchmal war ich allein. Die

Lage ist hervorragend und ruhig wie in einem Park. Es gibt einen

gemütlichen Innenhof, und in nur zwei Minuten ist man unten bei

der S-Bahn oder an der Tramstation.»

Lebensumstände verändern sich immer wieder. Heute lebt Jürg

Wildberger mit zwei Kleinkindern und dem Sohn seiner verstorbenen

Partnerin im geräumigen Achtzimmerhaus mit dem atemberaubend

hohen Wohnraum. Mit an Bord ist die Nanny, die die Kleinen

betreut. Dem aufmerksamen Beobachter ist aufgefallen, dass in der

Nachbarschaft viele Leute in ähnlichen Umbruch- und Wechselsituationen

leben: Patchworkfamilien, Alleinerziehende, auch Alleinstehende.

«Die ideale Lage in einem der vielfältigsten Quartiere

Zürichs, der See und die Nähe der Dienstleistungsbetriebe – das

machts wohl aus. Manchmal ist man einfach froh um den Catering-Service

der ‹Blauen Ente›.» In die Renovationen sollte mehr

investiert werden, findet Jürg Wildberger. Inzwischen melde sich

nämlich in den Häusern der Ersatzbedarf an, ausserdem seien die

Bauten aus den Achtzigerjahren punkto Schallisolation nicht so gut,

wie wenn man sie heute bauen würde.

Gibt es einen Austausch unter den Mietern, ein Gemeinschaftsgefühl

gar? Jürg Wildberger zögert, dann sagt er: «Es gibt relativ wenig

direkte Interaktion, aber eine freundliche, offene Grundstimmung mit

diskreter Hilfsbereitschaft. Ich durfte viel Unterstützung erfahren,

etwa beim Kinderhüten. Angenehm ist, dass man das Mass an Vernetzung

und Gemeinschaftlichkeit selbst dosieren

kann. Es gibt keinen Zwang zur Privatheit, aber

auch nicht zum Gegenteil. Es ist ein sehr angenehmes,

ein sehr urbanes Leben in der Mühle.» Karl Lüönd

Jürg Wildberger | Journalist und Unternehmer | Er lebt in einem der

Häuser am Hambergersteig auf dem Areal der Mühle Tiefenbrunnen.

«Angenehm ist, dass man das Mass an Vernetzung

und Gemeinschaftlichkeit selbst dosieren kann.

Es gibt keinen Zwang zur Privatheit, aber auch nicht

zum Gegenteil – ein sehr urbanes Leben.»

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Wohlsein:

Das Restaurant als

Ankerplatz

Text: Karl Lüönd

Da das Leben auch durch den Magen geht, ist die

‹Blaue Ente› der Mittelpunkt der Mühle Tiefenbrunnen

und die Achse, um die sich ihr Alltag dreht.

Das beliebte und gepflegte Restaurant dient der

Grundversorgung der Eingesessenen und pumpt

Tag für Tag Gäste und damit Betrieb in den Betrieb.

Die ‹Blaue Ente› ist ein anatomisches Kuriosum: Sie

ist Herz und Magen der Mühle in einem.

Das Restaurant, das einst als trendiger Vorläufer des Zeitgeists

galt und heute den mehrheitsfähigen Chic der gepflegten

Gastlichkeit ausstrahlt, ist nach zwanzig Jahren fast schon so etwas

wie ein Denkmal einer gastronomischen (und damit auch kultur-

und alltagsgeschichtlichen) Entwicklung. In der Stadt der Zunfthäuser

und der Kronenhalle herrschte nach dem Krieg wie überall

die gastronomische Klassengesellschaft. Jeder wusste, wo er hingehörte:

der Arbeiter in die Kneipe an der Ecke, der Bürger ins Zunfthaus,

der Millionär ins Dolder. Und wenns ausnahmsweise einmal

ein Ausflug in die höhere Klasse sein durfte, zog man sich fein an,

denn dann war sowieso Geburtstag oder goldene Hochzeit.

Picken wie die Möwen

Dann erschien ein Hotelierssohn namens Ueli Prager und brachte

seinen Mitbürgern das Picken nach der Art der Möwen bei: schnelle

Landung im Flug der Alltagsgeschäfte, etwas Besonderes geniessen,

mit einer angenehmen Rechnung davonkommen und weiterfliegen.

Kaum waren die letzten Reste der kriegswirtschaftlichen

Zwangsverwaltung beseitigt, lernten die Zürcherinnen und Zürcher

im Möwenflug fremde Köstlichkeiten kennen: Beefsteak Tarta-

re, Langusten, Flaschenwein im Glas. Mit steigender Kaufkraft und

Welterfahrung des grossen Publikums begannen sich die gastronomischen

Schichten zu durchdringen. Mit dem Wachstum der Agglomerationen

wurden die Wege länger, die Arbeitszeiten veränderten

sich. Auswärtsessen wurde zur Regel: allein auf die Schnelle,

im Kollegenkreis möglichst unkompliziert und günstig, mit Kunden

zum Businesslunch gepflegt und ungestört. Diesen drei Grundzuständen

folgte die Entwicklung der Lokale überall in der Stadt. Mit

Macht ergriff der Wandel die Gastroszene und warf neue Wellen: die

Italienerwelle, die zur Ethnowelle aufschäumte: mit Spaniern, Portugiesen,

Chinesen, Japanern und Thailändern, mit Griechen, Indern

und und und … Es folgte die Welle der neuen Darreichungsformen,

vom Drive-in-Restaurant mit dem weltweit identischen Plastikdesign

bis zur Sushi-Bar mit dem laufenden Band.

Offenheit und Beständigkeit

In all den Wandlungen steht der Gastrobetrieb in der Mühle Tiefenbrunnen,

die ‹Blaue Ente›, sowohl für Offenheit als auch für Beständigkeit.

Indem sie die ‹Mühle-Menschen› versorgt, ist sie auch

ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Ihr Catering reicht weit über

den Leistungsbereich eines gewöhnlichen Partyservice hinaus, indem

es für Veranstaltungen bis 250 Personen alles liefert, sogar ein

mehrgängiges Menü. Zugleich ist die ‹Blaue Ente› flügge genug für

die sehr aktuelle Kommunikationsart der Eventkultur, das will heissen:

offen für originelle Ideen und Überraschungen der angenehmen

Art. Das ‹Mühlerama›, ‹Miller’s Studio›, die Piazza (und wenns sein

muss auch die Tiefgarage) stehen als Schauplätze zur Disposition.

Es herrscht keine Aufregung, wenn es ausnahmsweise einmal lauter

werden sollte als gewohnt. Die Mühle lebt schliesslich, und Leben

kann nicht immer leise sein. •

Marc Wyss, Geschäftsführer ‹Blaue Ente›

Erlenbacher Fleischkäse aus dem Ofen ist ein Renner. Mit Spiegelei

und Butterrösti. Gegrilltes Suzukifilet an Hummersauce läuft auch

sehr gut und Entenbrust sowieso. Wir sind in der ‹Blauen Ente›, in

Zürichs erstem Trendlokal. Eröffnet wurde es, als es diesen Begriff

noch gar nicht gab. Verwegen oszilliert die Speisekarte zwischen

Bodenständigkeit und Exotik. Die Tendenz geht deutlich nach Pasta,

Fisch und Vegetarischem. «Mediterran, frische Marktküche», lautet

die offizielle Ansage. Ein modernes Stadtrestau-

rant, manchmal ein Laufsteg für schöne und bekannte

Leute, ein ‹In-Place› – und frisch wie am ersten

Tag. Wie macht man das? Die Frage geht an Marc

Wyss, den Geschäftsführer. Seine Antwort tönt für

diese Umgebung betont konservativ: «Indem man

fast nichts ändert, jedenfalls äusserlich nicht.» In

der Tat: Es ist ein elegantes, aber einladendes Lokal

mit dem industriellen Chic der Gründerzeit.

Sparsam, aber effektvoll sind die Designakzente

gesetzt. Das Lokal strahlt aus, was es sein will:

unkompliziert, gepflegt, speziell.

Das Angebot ist dreischichtig. Für die schnelle

Alltagsverpflegung ist ‹Nuno› da, eine smarte Café-Bar

mit grossem Take-away-Angebot. ‹Nuno›?

«So hiess der portugiesische Chef de Service, der

vor Jahren in der ‹Blauen Ente› gearbeitet hat und

‹Nuno› mitgründete», erklärt der Geschäftsführer.

Die Bar dient den Gästen, die formlos mit Kollegen zum Essen kommen,

der Restaurantteil ist für die Bewirtung aller anderen Gäste, für

Geschäftsessen und Familienanlässe gedacht. Die ‹Ente› ist mit den

anderen Betrieben und Mietern in der Mühle Tiefenbrunnen und in

der Nachbarschaft bestens vernetzt. Ihr Catering bietet fast alles,

vom Apéro mit Fingerfood bis zum grossen Fest. ‹Mühlerama› und

‹Miller’s Studio› werden regelmässig bespielt. Und im Sommer die

Piazza. Die ‹Blaue Ente› ist ein Markenzeichen für «edlen Kundenkreis

und Kontinuität in der Küche», lobt der ‹Züri-Tipp›.

Apropos Markenzeichen: ‹Blaue Ente› war der Name der Taverne,

die 1410 in Altstetten eingerichtet wurde, «für bilgri, kouflüt oder

ander lüt», wie der zuständige Gerichtsherr schreiben liess. Ab 1779

war das Haus für 110 Jahre im Besitz der Familie Wehrli, die dafür

gesorgt hat, dass der skurrile Name nicht verschwand. Warum diese

Ente ausgerechnet blau ist, bleibt ungeklärt. Poetisch ist der Name

allemal, und wer dort gegessen hat, merkt ihn sich sowieso. Karl Lüönd

Restaurant Blaue Ente | Restaurant Bar ‹Nuno› Espresso Entenhalle | Catering für 2 bis 1000

Personen | Regelmässige Anlässe in ‹Miller’s›, im ‹Mühlerama› und im Sommer auf der Piazza |

Mühle Tiefenbrunnen | Seefeldstrasse 223 | 8008 Zürich | 044 388 68 40 | Fax 044 422 77 41 |

info@blaue-ente.ch | www.blaue-ente.ch

«In-Place bleibt man wohl, indem man fast nichts

ändert, jedenfalls äusserlich nicht. Das ‹Nuno›

hat seinen Namen übrigens vom damaligen Chef de

Service, einem Portugiesen.»

Seite 36-37 Ein majestätischer Anblick: Stolz präsentiert

sich eines der markantesten Gebäude

im Seefeld: Die Mühle beim Bahnhof Tiefenbrunnen.

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Zuschauen:

Die Mauern speichern

das Lachen

Text: Karl Lüönd

Die Einrichtung und der Betrieb eines privaten

Kleintheaters ist ein unternehmerisches Abenteuer

und ein kultureller Blindflug. Aber in der Mühle

Tiefenbrunnen wurde es gewagt, und zum allgemeinen

Erstaunen der vielen Bedenkenträger ist

die Übung gelungen. Im deutschsprachigen Raum

ist ‹Miller’s Studio› zum renommierten Ort für Kabarett

geworden. Jedes Jahr kommen 20 000 Besucher

um die 140 Vostellungen zu sehen. Mit Hartnäckigkeit

wurde eine Institution geschaffen.

Am Anfang war der Raum, dieser mächtige, hohe, dunkle

Kühlraum, und es war der feste Wille des Bauherrn, diesen Raum

nicht einer beliebigen Nutzung zuliebe zu zerstückeln. Hier ein

Theater einzubauen war zwar, vom Raum her, die zwingende Idee.

Aber wie würde sich der Betrieb rechnen? Fritz Wehrli und seine

Mitstreiter entschlossen sich zur praktischen Erprobung der Idee

und eröffneten 1986 das ‹Miller’s Studio›. Der Schwerpunkt lag auf

Jazz. Die Stimmung war gut, die Zahlen leuchteten tiefrot.

«Kleine Kunst gibt es nicht!»

Das Haus brachte sich zunächst ohne öffentliche Beiträge einigermassen

in Sicherheit, indem der praktische und vielseitig verwendbare

Raum für allerhand öffentliche und private Feiern und Anlässe

vermietet wurde. Firmen- und Familienfeiern, Lesungen und Anlässe

aller Art belebten das Studio. Christie’s führte hier Kunstauktionen

durch, es gab Talentwettbewerbe, und mehrmals wurde hier

der Zürcher Journalistenpreis vergeben. Es dreht sich auch hier die

bekannte Mühlespirale: Einer hilft dem anderen allein schon dadurch,

dass es ihn gibt und dass er etwas unternimmt. Die vielfältigen

Anlässe werben neue Interessenten für das hauseigene Programm

an. Der Schwerpunkt dieses Programms war nach ersten

tastenden Versuchen und einem Seitenblick auf die Sparten, die

die anderen Theater bespielten oder eben nicht, schnell gefunden:

zeitgenössisches Kabarett mit Schwerpunkt Deutschland und Österreich.

‹Kleinkunst› als Begriff ist im ‹Miller’s› allerdings verpönt. Wie

pflegte doch Véronique Burri, die erste Theaterleiterin, jeweils zu

sagen: «Kleine Kunst gibt es nicht. Entweder ist etwas gut, dann ist

es nicht klein. Oder es ist lausig, dann ist es lausig.»

Véronique Burri war es auch, die 1994 ‹Spektakuli› auf den Weg

brachte, das alljährliche Kabarett-Festival im Mai, das inzwischen

europaweit zu einem Markenzeichen und beim Zürcher Publikum zu

einem Dauererfolg geworden ist. Die NZZ schrieb: «Selten wird in

Zürich der Wahnsinn hinter der Wirklichkeit so unterhaltsam gefeiert

wie in den zehn Tagen und Nächten im Namen von ‹Spektakuli›.

‹Miller’s Studio› (…) hat einen Titel etabliert, der hoch kotiert ist. Im

Grunde wäre der nächste logische Schritt der Börsengang.»

Die rosarote Null als Ziel

Nun gut, das stand im Kulturteil der NZZ; der Wirtschaftsteil hätte

angemerkt, dass das Theater zwar ein gesundes Wachstum aufweist

und bei 140 jährlichen Vorstellungen über 20 000 Besucher anlockt,

was einer durchschnittlichen Auslastung von 60 Prozent entspricht.

Unter dem Strich resultiert eine rosarote Null, obwohl inzwischen

die Stadt Zürich einen jährlichen Beitrag von 120 000 Franken leistet.

Über Wasser hält sich der Betrieb mit Beiträgen von Sponsoren

und einer Gönnervereinigung – deren Mitglieder übrigens jede Vorstellung

umsonst besuchen dürfen. •

Markus Ludstock, Theaterleiter

«Ludstock, nicht Woodstock, ist meine Name», lacht der Theaterleiter

des ‹Miller’s› fröhlich. Seine Mundwinkel berühren dabei fast die

Ohren. Beide sind verziert. Links mit zwei kleinen silbernen Ringen,

rechts mit einem Dreieck. «Ich werde», fügt er an, «ab und zu so ge-

nannt, vor allem am Telefon.» In den deutschsprachigen Künstler-

und Kabarettkreisen jedoch kennt man seinen Namen genau.

Markus Ludstock zeigt stolz auf seine Fotogalerie im Foyer des

Theaters. Auf den schwarz-weissen Bildern sind viele Berühmtheiten

der nationalen und internationalen Kabarettszene verewigt.

Sie alle sind einmal oder öfters hier im ‹Miller’s Studio› aufgetreten

(Seite 46). Gerhard Polt ist auch unter ihnen. Er sagte einmal: «Die Zeiten

für Satire sind immer gut. Sie stirbt nicht, solange der Mensch

menschelt.» Das ist sozusagen das Programm des Hauses. Mit ‹Spektakuli›,

dem internationalen Kabarettfestival hat sich das ‹Miller‘s›

nicht nur in Zürich, sondern auch weit über die Landesgrenzen

hinaus als Markenname profiliert.

Zu diesem Erfolg, da ist sich der Theaterleiter sicher, hat auch die

einmalige Atmosphäre in der Mühle Tiefenbrunnen beigetragen –

und die Nachbarschaft zur ‹Blauen Ente›, die die Besucherinnen

und Besucher kulinarisch verwöhnt. Markus Ludstock geht an der

Bar im Theaterfoyer vorbei und öffnet die Tür zum Theatersaal. Die

Wände sind tiefschwarz gestrichen. Die Decke auch. Sie ist deshalb

und wegen ihrer Höhe, über der technischen Stahlkonstruktion, an

der die Scheinwerfer hängen, nur zu erahnen.

Das ehemalige Kühlhaus der mühleeigenen Brauerei wirkt aber

weder düster noch kalt. Im Gegenteil. Die Mauern scheinen das Lachen

und die Freude des Theaterpublikums und die ausgelassene

Fröhlichkeit der hier oft gefeierten privaten Partys gespeichert zu

haben – und strahlen sie wieder ab. Kein Wunder

also, dass auch der künstlerische und finanzielle

Erfolg sich hier wohlfühlt.

Miller’s Studio | Kabarett | Satire Theater Musik | Raum für Anlässe

aller Art bis 250 Personen | Kabarettfestival ‹Spektakuli› (Mai / Juni) |

Mühle Tiefenbrunnen | Seefeldstrasse 225 | 8008 Zürich |

044 387 99 79 (Kasse / Vorverkauf), 044 387 99 70 (Büro) | Fax 044 387 99 74 |

info@millers-studio.ch | www.millers-studio.ch | www.millers.ch |

www.spektakuli.ch

«Mit ‹Spektakuli›, dem internationalen Kabarettfestival,

hat sich das ‹Miller‘s› nicht nur in Zürich,

sondern auch weit über die Landesgrenzen hinaus

als Markenname profiliert.»

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«Ich möchte, dass diese Schule eine internationale

Institution wird. Die Chancen stehen gut, dass

Schweizer Tänzer, die in der Schweiz studiert haben,

einmal gross herauskommen werden.»

Oliver Matz, Kammertänzer

Oliver Matz scheint die Hitze, die sich im Innenhof

der Mühle staut, nichts auszumachen. «Vielleicht

liegts an meinen spanischen Wurzeln», meint er

und nippt an seinem Mineralwasser. Geboren ist

der Kammertänzer und Leiter des Departements

Tanz an der Hochschule Musik und Theater Zürich

in Rostock. Der Tanz ist sein Leben. So ging

er früh nach Berlin, Sektor Ost, und absolvierte in

der renommierten Staatlichen Ballettschule seine

Ausbildung zum Berufstänzer. Die darauffolgenden

Stationen seiner Karriere und die unzähligen

internationalen Auszeichnungen füllen anderthalb

eng beschriebene A4-Seiten. Wie kommt so eine

Kapazität nach Zürich? Leicht genervt schüttelt

Oliver Matz seinen Kopf. «Das ist die Frage, die ich

hier in Zürich am meisten höre. Meistens lautet sie

sogar ‹Was hat dich hierher verschlagen?!›. Dabei

hat die Stadt, so klein sie ist, einen sehr wohlklingenden Namen in

der Welt. Auf vielen Gebieten, nicht nur auf dem des Tanzes.»

Der Kammertänzer, übrigens ein Titel, den die Stadt Berlin speziell

zu seinen Ehren geschaffen hat, um seine Stellung am Ballett zu

würdigen, atmet hörbar aus und lehnt sich in seinem Stuhl zurück.

«Deswegen bin ich aber nicht nach Zürich gekommen.» Nun richtet

er sich wieder auf. Seine Augen wandern über die gelbe Backsteinfassade,

kommen zurück. Leidenschaft glimmt in ihnen auf. «Es war

die Idee, hier eine Schule auf- und auszubauen. Nach 25 Jahren auf

der Bühne kam ich an den Punkt, mir zu überlegen, wie es weitergehen

soll. Ich wollte dann aufhören, wenn die Leute sagen, es ist noch

zu früh. Das Angebot aus Zürich kam genau zum richtigen Zeitpunkt

und entsprach meinen Vorstellungen und meinen Stärken. Ich habe

ein Faible, mich um andere zu kümmern, und dank meiner elitären

Ausbildung ein gut geschultes Auge.»

Oliver Matz ist an der einzigen Ballettberufsschule der Schweiz für

22 Mitarbeitende und 70 Schülerinnen und Schüler verantwortlich.

«Mein Ziel: Ich möchte, dass diese Schule eine internationale Institution

wird, die Schweizer Tänzerinnen und Tänzer ausbildet. Der

Bedarf ist da. Ich sehe, dass die Schweizer alle im Ausland studieren.

Wir werden das ändern. Eben erst waren wir in Berlin an einem

internationalen Wettbewerb. Da haben wir mächtig Preise abgeräumt.

Die Chancen stehen also gut, dass Schweizer Tänzer, die in

der Schweiz studiert haben, einmal gross herauskommen werden.»

Sagts, verabschiedet sich und eilt, sehnige Kraft ausstrahlend, zu

seinem Arbeitsplatz in der Mühle Tiefenbrunnen. Christa Löpfe

Hochschule Musik und Theater | Departement Tanz | Mühle Tiefenbrunnen | Seefeldstrasse 225 |

8008 Zürich | 043 305 43 26 | Fax 043 305 43 27 | info.ballett@hmt.edu.ch | www.hmt.edu

Anita Kunz, Geschäftsleiterin Arena 225

Ist das Wetter schön und die Temperatur angenehm, schallt Musik

über den Mühleplatz. Flamenco, Jazz, Hiphop, Discosound. Die ‹Arena›

hat ihre Fenster geöffnet und kommuniziert so auf direkteste

Art, was ihr Geschäft ist. «Für Tanz und Aerobic wollen wir wieder

der Trendsetter in Zürich werden.» Anita Kunz hat den Kopf voller

Ideen und Pläne. Als neue Geschäftsleiterin der ‹Arena› steckt sie

ihre Ziele hoch und will neben Tanz, Aerobic und Yoga auch das

Angebot des angegliederten Kraftraums ausbauen.

«Zusammen mit der Schulthess-Klinik bauen wir neu ein Programm

für medizinische Bewegungstherapie auf. So können deren VIPs,

hauptsächlich Spitzensportler, in einer Ambiance und Umgebung

trainieren, die nicht an ein Krankenhaus erinnert.» So wie Anita

Kunz selber ist auch das Gros des ‹Arena›-Publikums jung. Ihr honigblondes

langes Haar ist unkompliziert hinter die Ohren gestrichen

und fällt ungestylt auf ein Sweatshirt mit Kapuze. Die Jeans hat sie

bis unters Knie hochgekrempelt, die Füsse stecken in Nike-Sneakers.

Anita könnte selber auch eine der ungefähr fünfhundert Körperbewussten

sein, die jeden Tag zur Mühle Tiefenbrunnen in die

‹Arena› strömen. Werden in der Ferienzeit spezielle Sommertanzkurse

angeboten, sind es noch viel, viel mehr.

«Diese ganz spezielle Atmosphäre der Mühle trägt sicher zu unserem

Erfolg bei. Nach dem Training noch einen Aperitif draussen auf dem

Platz oder in der Bar trinken zu können, in der ‹Blauen Ente› essen zu

gehen – wo gibt es das sonst noch in Zürich?», schwärmt die ‹Arena›-Geschäftsleiterin

vor. «Doch glaube ich auch», fügt sie noch an,

«dass umgekehrt das ganze Areal von uns und der ‹Arena› profitiert.

Unser mehrheitlich junges Publikum ist das Salz im ‹Melting-Pot›

der Mühle-Geschäftsleute und Mühle-Kundschaft.» Christa Löpfe

arena225 just move! | Aerobic Tanz Yoga Fitness | Zusammenarbeit mit

der Schulthess Klinik | Internationaler Sommerkurs und Workshops |

Mühle Tiefenbrunnen | Seefeldstrasse 225 | 8008 Zürich | 044 422 50 30 |

Fax 044 422 37 08 | info@arena225.ch | www.arena225.ch

«Ich glaube, dass das ganze Areal von der ‹Arena›

profitiert. Unser mehrheitlich junges Publikum

ist das Salz im ‹Melting-Pot› der Mühle-Geschäfts-

leute und Mühle-Kundschaft.»

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Mahlen:

Last und Lust des

Müllers erleben

Text: Karl Lüönd

Das ‹Mühlerama› in der Mühle Tiefenbrunnen ist

nicht nur ein industriegeschichtliches Denkmal

von hohem Rang, sondern ein ‹arbeitendes Museum

zum Anfassen› mit enormem Erlebniswert. Auf

kurzweilige Art lernen Jung und Alt das Mahlen

verstehen, eine der ältesten Kulturtechniken der

Menschheit. Das ‹Mühlerama› zeigt aber auch immer

wieder Sonderausstellungen zu alltagskulturellen

Themen. Die Tradition mit Originalmaschinen

lebt so lange, wie sie sichtbar arbeitet.

Die Mühle Tiefenbrunnen war eine der ersten industriellen

Mühlen Zürichs. Sie war von 1913 bis 1983 in Betrieb. Das ‹Mühlerama›

bewahrt in seiner heutigen Form die Erinnerung an ursprüngliche

Industrienutzung. Die Mühlenanlage ist eine industrie-archäologische

Rarität. Sie ist eines der letzten noch integral erhaltenen

Zeugnisse der vertikalen Gruppenantriebsmechanik. Mit Transmissionsriemen

wurden die einzelnen Maschinen von unten über vier

Geschosse angetrieben. Später lösten einzelne Elektromotoren die

Gruppenantriebe ab. Gebaut von der Firma Daverio & Henrici Zürich

war die Mühlenmaschinerie damals auf dem Stande der Technik.

Sie war siebzig Jahre lang Tag und Nacht in Betrieb.

Mühlemuseum und Produktionsstätte

Aus dem grossen Mühlegebäude wurde ein senkrechtes Stück ausgesondert

und zum Museum umgebaut. Doch noch lebt die Mühle,

denn noch immer ist das ‹Mühlerama› ein echter, arbeitender Betrieb.

Was im musealen Umfeld rattert, sind die Originalmaschi-

nen – eine industrielle Mühlenanlage, die die Mühlentechnik von

damals nicht bloss ausstellt, sondern in Gang hält. Das Museum ist

auch eine Produktionsstätte. Auf und am Weg der Ackerfrucht vom

Korn zum Brot sind viele Zwischenstationen zu erleben. Das ‹Mühlerama›

erschliesst sie auf spielerische, leicht fassbare Weise, angefangen

bei den weltweiten Fruchtbarkeitskulten rund um das Korn

bis zur Diskussion über die verschiedenen Methoden in der Saatgutzüchtung

und der Gentechnik. Das ‹Mühlerama› blendet auch

nicht aus, dass Millionen von Menschen um Nahrung kämpfen müssen.

Die Ursachen von Überfluss und Hunger sind ein Thema, die

alten und neuen Produktionsweisen im Getreideanbau ein anderes.

Zudem werden Back- und Mahlkurse angeboten, und viele Besucherinnen

tragen einen Sack Mehl oder ein selbst gebackenes, ofenfrisches

Brot nach Hause. Die Sackrutsche über vier Geschosse ist die

grosse Attraktion für die Kinder. Das ‹Mühlerama› ist mehr als ein

Museum, es ist ein Betrieb.

Eine Fülle von Themen

Im ‹Mühlerama› folgt der Besucher dem Weg des Mahlguts über

vier Stockwerke. Neben dem eigentlichen Mahlprozess gibt eine

permanente Ausstellung Einblicke in Themen wie: die Technik des

Mahlens, industriegeschichtliche Zusammenhänge, Querbezüge zu

Landwirtschaft, Pflanzenbau, Kultur- und Lokalgeschichte, Politik,

Religion und Ethik, die wichtigsten Getreidesorten der Welt, das Be-

rufsbild des Müllers, Konsumgewohnheiten im Wandel, Mühlen in

aller Welt (von der tibetischen Stein- bis zur holländischen Windmühle).

In den Sonderausstellungen werden weitere Themen der

Alltagskultur oder der Ernährung breiter dargestellt. Ein Beispiel ist

die Ausstellung über die hiesige Bierkultur mit dem neugierig machenden

Titel ‹Frauenbier und Männerbräu›. • Sonderausstellungen Seite 46

Franziska Rüttimann, Leiterin ‹Mühlerama›

Brot kommt nicht einfach aus dem Supermarkt. Doch sein Werdegang

vom Weizenfeld über die Mühle und den Backofen bis auf den

Tisch wäre in der modernen Welt kaum mehr erlebbar, wenn es nicht

Einrichtungen wie das ‹Mühlerama› gäbe, eine Mischung aus produzierendem

Betrieb, Museum und Erlebniszentrum mit spielerischen

und pädagogischen Elementen. Es behandelt eine der ältesten und

wichtigsten Kulturtechniken der Nahrungsmittelherstellung. Warum

sonst würden heute noch so viele Leute Müller heissen?

Bis zu 17 000 Besucher kommen jedes Jahr, die Hälfte davon sind

Schulklassen. Die Dauerausstellung gräbt bis zu den Wurzeln der

menschlichen Geschichte und wirft mutig Schlaglichter auf brennende

Themen, von Gentechnik über die Welternährung bis um

Hungerproblem. Ein erfahrener Müller leitet die

undgänge und erklärt. Aber ‹Mühlerama›-Leiterin

Franziska Rüttimann, Ethnologin mit Nachdiplomstudium

in Museologie, hält auch spannende

Zusatzprogramme bereit: Workshops für Schüler

und Erwachsene mit Brotbacken und Ernährungs-

kunde, Mäuseabenteuer und andere Geburtstagsideen

für die Kleinen, aber auch kulturgeschichtliche

Einblicke in Wirtschaft und Brauchtum rund

um das Brot. Und einmal im Jahr organisiert das

Mühlerama› eine Sonderausstellung.

«Das ‹Mühlerama› steht auch Gruppen von 30 bis

150 Personen für originelle Einladungen und Feiern

offen», betont Franziska Rüttimann. «Das Einmalige

bei uns ist: Hier wird der Produktionsvorgang mit

den alten Maschinen im Massstab 1:1 nachvollzogen,

und es wird echt produziert. Das Mehl kann

man kaufen und nach Hause tragen.» Man begreift

die komplexe Technik, indem man des Müllers Last und Lust beobachtet:

vom Sortieren und Reinigen über das Einweichen und das

Mahlen bis zum Sieben, dem Verfeinern und dem Absacken. Die grosse

Attraktion für Kinder jeden Alters ist natürlich die Rutschbahn, auf

der man in die Tiefe gleitet wie ein Mehlsack, vier Stockwerke tief,

vom Sichterboden über den Stäubeboden bis zum Walzenboden.

In der Mühle Tiefenbrunnen ist heute die Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft

zugange. Das ‹Mühlerama› blendet zurück zu

seinen agrarischen und industriellen Ursprüngen und stellt historische

Tiefenschärfe her. Glaubwürdig ist nur, wer zu seiner Herkunft

steht. Die Mühle Tiefenbrunnen tut es mit dem ‹Mühlerama›. Karl Lüönd

Mühlerama | Funktionierende Mühlenanlage (1912) | Dauerausstellung vom Korn zum Mehl |

Wechselnde Sonderausstellungen | Gruppenangebote für Erwachsene und Kinder |

Museumsshop | Mühle Tiefenbrunnen | Seefeldstrasse 231 | 8008 Zürich | 044 422 76 60 |

Fax 044 422 89 22 | info@muehlerama.ch | www.muehlerama.ch

«Hier wird der Produktionsvorgang mit den alten

Maschinen im Massstab 1:1 nachvollzogen, und

es wird echt produziert. Das Mehl kann man kaufen

und nach Hause tragen.»

42 43


DieMühlestadt› liegt am Seeufer, man erreicht sie mit dem Zug,

der Strassenbahn oder per Schiff. Wie eines der Kleinstädtchen in

Umbrien oder im Languedoc sitzen wir in Mühlestadt auf dem

Hauptplatz und schreiben eine Postkarte, worauf steht: «Meine

Lieben, wir sind in Mühlestadt angekommen, einem ehemaligen

Industriestädtchen, kaum hundertjährig. Hier gibt es alles, was der

Mensch braucht. Allem voran einen städtischen Raum, genauer

einen Platz, eine Mitte des Städtchens. Am Platz stehen die öffentlichen

Gebäude, die Beiz zuerst, und wir sitzen hier an der Sonne

und spüren: Wir sind angekommen. Hier verdichtet sich das städtische

Leben, dem wir vergnügt zuschauen. Doch lebt der Mensch

nicht vom Brot allein. Darum geht er in die Kirche, genauer in den

Tempel der Körperkultur, denn Fitness ist die Religion der Bewohner

hier. Sie schwitzen und meditieren, sie arbeiten sich ab und lernen

sich bewegen. Am Platz liegen auch das Theater und das Museum.

Ausgesuchte Unterhaltung und Belehrung bietet Mühlestadt seinen

Einheimischen, aber auch den Fremden, die von weit her nach Mühlestadt

kommen, wie wir zum Beispiel. Möbel und Gerät braucht der

Mensch, Mühlestadt bietet sie an. Kleiden muss er sich, der Mensch.

In Mühlestadt findet er seine Garderobe. Arbeiten ist sein Los. Hier

findet der Mensch sein Auskommen. Wohnen muss er. Er tut dies im

ruhigen, höher gelegenen Quartier. Meine Lieben, wir assen gut und

tranken noch besser auf dem Hauptplatz von Mühlestadt, herzliche

Grüsse, Eure …» Benedikt Loderer

44 45


Impressum

Herausgeber: Gesellschaft Mühle Tiefenbrunnen, Seefeldstrasse

219, 8008 Zürich, Telefon 044 380 76 01, Fax 044 380 76 06,

info@muehle-tiefenbrunnen.ch, www.muehle-tiefenbrunnen.ch

Zu beziehen bei Mühle Tiefenbrunnen, CHF 15.–

Konzept, Beratung und Koordination: Peter Fenkart, Berater für

Unternehmenskommunikation, Zollikon

Autoren: Benedikt Loderer, Karl Lüönd, Christa Löpfe (Mitarbeit),

Andreas Müller (Zeitschnitte)

Umschlagfoto aussen, Seiten 3, 44-45: Mike Bingesser

Umschlagfoto innen, Seiten 4-5, 21, 28-29: Derek Li Wan Po

Fotos Seiten 18-19, 36-37, Porträts 23-43: Roman Keller

Gestaltung und Produktion: Verlag Hochparterre

Redaktion: Benedikt Loderer

Litho und Druck: Mattenbach AG, Winterthur

© Hochparterre, Ausstellungsstrasse 25, 8005 Zürich

Sonderausstellungen im Mühlerama 1987–2006

Innert zwanzig Jahren zeigte das Mühlerama

ein faszinierendes Panorama von Ausstel-

lungen mit den Themen Brot, Mahlen, Fabrik

und Landwirtschaft.

--› Osterbräuche rund ums Brot (1987)

--› Geschichten aus dem Ofen (1987)

--› Ostern – anno dazumal (1988)

--› Sahel – Menschen in Not. Photografien von

Sebastiao Salgado (1988)

--› Sackstark. Bauern- und Müllersäcke aus

dem Zürichbiet (1988)

--› Magie der Mühle. Mühlengeschichten aus

vergangener Zeit (1989)

--› Totenkult und Totenbrot in Mexico (1990)

--› SchichtWechsel – Stationen einer Fabrikge-

schichte (Die Mühle Tiefenbrunnen 1890–

1990)

--› Reis ist Leben. Agrarkultur und Landwirt-

schaft in Indonesien (1991)

--› Ausgekocht und Eingemacht. Ernährung im

Wandel (1991 / 92)

--› Von der Muskelkraft zum Elektromotor. An-

triebstechniken in der Mühle (1992)

--› Stroh – eine Ausstellung über die Vielfalt

eines Abfallproduktes (1993)

--› Heimliche Untermieter. Eine Ausstellung

über Tiere und Tierchen, die den Menschen

heimsuchen. (1993)

--› Was lagert in unseren Speichern? (1993 / 94)

--› Das Süsse im Leben. Eine Kulturgeschichte

des Zuckers (1994)

--› Mais – eine Kulturpflanze im Wandel der

Zeit (1994 / 95)

--› Sagenhaftes Salz (1995 / 96)

--› Wasser auf Zürichs Mühlen. Die Geschichte

der Mühlen in Zürich vom Mittelalter bis in

die Neuzeit (1996)

--› Ingwerwurzel und Sesamöl. Eine Ausstel-

lung speziell für Blinde und Sehbehinderte

(Jan. / Feb. 1997)

--› Mit Brot, Leib und Seele. Eine Ausstellung

zur Symbolik des Brotes (1997)

--› Schlagwort Brot. Politische Plakate des 20.

Jahrhunderts (1997 / 98)

--› Alles Papier. Wandlung bis zur letzten Faser

(1998 / 99)

--› Seidengaze – der Stoff fürs tägliche Brot

(2000)

--› Was lange gärt, schmeckt endlich gut (2001)

--› Chocolat Tobler – eine Dreiecksgeschichte

(2001 / 02)

--› Ein Toast auf den Toaster! (2002 / 03)

--› Vollflockig. Das Müesli von Bircher Benner

bis functional Food (2004)

--› Feurig rot – Safrangelb. Eine Ausstellung

über exotische Gewürze (2005 / 06)

--› Frauenbier & Männerbräu (2006 / 07)

KünstlerInnen im ‹Miller’s› seit 1994:

Lioba Albus, Dortmund; Katja Alves, Zürich;

Antrak auf Stumphsinn, Dresden; Claude Arias,

Frankfurt; Ars Vitalis, Köln; Django Asül,

Niederbayern; Frank-Markus Barwasser, Würz-

burg; Matthias Beltz, Frankfurt; Wolfi

Berger, Wien; Betancor.die Popette, Berlin; Big

Town Playboys, London; The Bobs, New

York; Bolzano & Maleh, Wien; Ingo Börchers,

Bielefeld; Margrit Bornet, Zürich; Thomas

C. Breuer, Heidelberg; Werner Brix, Wien; Timo

Brunke, Stuttgart; Les Bu,bb Liverpool;

Martin Buchholz, Berlin; Angela Buddecke, Ba-

sel; H.G. Butzko, Gelsenkirchen; Annette

Corti, Zürich; Matthias Deutschmann, Freiburg;

Dezibella, Frankfurt; Uwe Dick, Bayern;

Alfred Dorfer, Wien; Engstfeld-Weiss Quartett,

Düsseldorf; Simon Enzler, Appenzell;

Erwi & Alwi, Chile; Horst Evers, Berlin; Veronika

Faber, München; Duo Fischbach, Schweiz;

Ottfried Fischer, München; Lisa Fitz, München;

Petra Förster, Freiburg; Günter Fortmeier,

Deutschland; Patrick Frey, Zürich; Bänz Friedli,

Zürich; Cora Frost Berlin; Daniel Fueter,

Zürich; Geholten Stühle, Zürich / Bern; Viktor

Giacobbo, Winterthur; Andreas Giebel,

München; Golus Story Theatre, Toronto; Frank

Goosen, Bochum; Severin Groebner, Wien;

Otto Grünmandl, Tirol; Gruppo di Valtorta, Mün-

chen; Josef Hader, Wien; Andrea Händler,

Wien; Wendelin Haverkamp Aachen; Ulrich

Michael Heissig, Berlin; Hepp & Heuss,

Zürich; Katharina Herb, München; Martin Herr-

mann, Heidelberg; HG Hildebrand,t Zü-

rich; Christian Hölbling, Graz; hop o’my thumb,

St. Gallen; Jörg Hube, München; Lotti Huber,

Berlin; Gardi Hutter, Schweiz; Krissie Illing, Eng-

land; Jacqueline Kroll, Deutschland /

Schweiz; Jess Jochimsen, Freiburg; Bruno

Jonas, München; Lorenzo Jordan, West Virginia;

Marius Jung, Köln; Hilde Kappes, Berlin;

Nicole D. Käser, Bern; Phil Kay, Edinburgh;

Luise Kinseher, München; Piet Klocke, Essen;

Karl Ferdinand Kratzl, Wien; Krauss & Re-

ge-nauer, Berlin / Nürnberg; Max Küng, Zürich;

La Le Lu, Hamburg; Lach- und Schiessge-

sellschaft ,München; Christine Lather, Zürich;

Gregor Lawatsch, Köln; Bernhard Ludwig,

Wien; Leo Lukas, Graz; Jochen Malmsheimer,

Essen; Thomas Maurer, Wien; Annette

Mayer, Hamburg; The Mint Juleps, London; –

minu, Basel; Mölä & Stahli, St. Gallen;

Dieter Nuhr, Düsseldorf; Noa Golden Stars,

Wien; Gisela Öchselhäuser, Berlin; Or-

chester Bürger Kreitmeier, München; Gunkl,

Wien; Heinrich Pachl, Köln; Dietrich

(Piano) Paul, München; Sissi Perlinger, Mün-

chen; Maria Peschek, München; Alfred

Pfeifer, Wien; Volker Pispers, Düsseldorf; Martin

Puntigam, Wien; Michael Quast, Frankfurt;

Martin Quilitz, Berlin; Arnulf Rating, Berlin;

Andreas Rebers, München; Linus Reichlin,

Zürich; Georg Ringsgwandl, Bayern; Joachim

Rittmeyer, Basel; Uta Rotermund, Dortmund;

Frank Sauer, Freiburg; Esther Schaudt-

Kälin, Zürich; Florian Scheuba, Wien; Schiffer &

Beckmann, Köln; Helmut Schleich, Mün-

chen; Bärbel Schmid, München; Georg Schramm,

Freiburg; Florian Schroeder, Lörrach;

Schümlipflümli, Schweiz; Hertha Schwätzig,

Köln; Dagmar Schönleber, Köln; Screaming

Potatoes, Schweiz; The Shenanigan Brothers,

Neuseeland; François Silvant, Schweiz;

Alvaro Solar, Chile; Simone Solga, München;

Serdar Somuncu, Köln; Volkmar Staub,

Berlin; String of Pearls, München; Swing that

Music and the Rhythm Hot Shots, Stock-

holm; Nessie Tausendschön, Hannover; Tina

Teubner, Köln; Maria Thorgevsky & Dan

Wiener, Basel; Arnim Töpel, Heidelberg; Dave

Tronzo, New York; Ulan und Bator, Köln /

Berlin; Unsere Lieblinge, München; Vera Kaa

Trio, Schweiz; Le Voci Atroci, Genua; Dr.

Eckart von Hirschhausen, Berlin; Kurt Weinzierl,

München; Die Wellküren, München; Jean-Luc

Wicki, Zürich; Gisela Widmer, Zürich; Thomas

Widmer, Zürich; Sigi Zimmerschied, Passau;

Anka Zink, Bonn; Claudio Zuccolini, Zürich

Facts & Figures 2006

--› Bauherrschaft: Gebr. Wehrli AG, vertreten

durch Fritz Wehrli

--› Heutige Eigentümerin: Gesellschaft Mühle

Tiefenbrunnen (Barbara Rudolf-Wehrli und

46 47

Fritz Wehrli)

--› Konzeptionelle Beratung: Brigit Wehrli-

Schindler

--› Architekt und Generalplaner: Pierre Zoelly,

Architekt, Zürich

--› Bauherrenberater: Diego Gruenberg, Zürich

--› Oberbauleitung: Christian Fischer, Zürich

--› Generalplanerteam: Benno Bernardi (Statik);

Schmidiger & Rosasco (Elektro); W. Ziemba

und E. Hauber (Heizung und Lüftung); Meier

& Wirz (Sanitär)

--› Innenarchitekt ‹Blaue Ente› und ‹Miller’s›:

Gerd Burla, Architekt, Zürich

--› Museumsgestaltung ‹Mühlerama›: Willy

Ebinger, Bern

--› Generalunternehmer: Bührle Immobilien,

Zürich

--› Partner Hochbauamt Stadt Zürich:

Peter Ess, Dieter Nievergelt

--› Grundstücksfläche: 9472 m²

--› Bruttogeschossfläche: 12 600 m²

--› Baukosten: CHF 36 Mio.

--› Mieter 2006: Aids & Kind, APS Applied

Systematics, Angelika Beretta public relati-

ons, Architekturbüro Kleeb, arena225

just move!, art and coaching, Dave Bach-

mann Fashion, Big Design Bingesser,

brain2, Brunner & Partner, Christa de Ca-

rouge, Concept, Dienstleistung und

Recht, Entwurfsatelier Kurt Greter, GGK Zü-

rich Werbeagentur, Gremli + Partner

Architekten, Hochschule Musik und Theater

Departement Tanz, Il Parrucchiere,

JOOP! Marti & Partner, Medic Créatif, Menz

Kommunikation, Stiftung Miller’s Studio,

Stiftung Mühlerama, Nuno Espresso Bar,

Olsen Ltd., PRfact, Psychologische

Praxis Dr. Brigitte Müller, R.Ø.S.A. Creation.

Technology. Intelligence., Restaurant

Blaue Ente, Rosenstein Unternehmungsbe-

ratung, Schulthess Klinik, Special Model-

lagentur, Symmetrix, Teo Jakob Colombo,

WFB Informatik / Unternehmungsberatung,

Witzig Kommunikationsgestaltung,

Zurich Living sowie 21 Mieterinnen und

Mieter von Wohneinheiten

Dank

Die Gesellschaft Mühle Tiefenbrunnen dankt den

folgenden Personen, Unternehmen und

Institutionen für ihre Unterstützung bei der He-

rausgabe dieser Publikation: Peter Fenkart,

Georg und Bertha Schwyzer-Winiker-Stiftung,

Kultur Stadt Zürich, Zürcher Kantonalbank

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