Zur Wohnung ein Jaguar als Draufgabe - Baumeister & Partsch

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Zur Wohnung ein Jaguar als Draufgabe - Baumeister & Partsch

Immobilien-Spezial | BERUF & ERFOLG

Situationsbericht: Dubai von innen betrachtet

Zur Wohnung ein Jaguar als Draufgabe

Auch in Dubai wachsen die Renditen

nicht mehr endlos in den Himmel.Beim

Kampf um Wohnungskäufer müssen

sich die Baufirmen bereits einige ganz

besondere Anreize einfallen lassen.

VON MICHAEL PARTSCH*

Wer kennt sie nicht, die vielen Dokumentarberichte

und Erfolgsstorys

über Dubai, jener Stadt im gleichnamigen

Emirat mit dem wohl besten Marketing,

das je eine Stadt weltweit bekannt gemacht

hat. Dubai hat ja auch Außergewöhnliches

zu bieten, was intelligent in Szene gesetzt

wird.

Die Zuwachsraten der Touristen z. B.

aus den deutschsprachigen Ländern ist in erster

Linie der Fernsehberichterstattung zuzuschreiben,

die mit Berichten über Highlife,

Jetset, Erfolg und ewig blauem Himmel

wirbt. Wer möchte sich da nicht auch einmal

– und wenn es nur für 14 Tage ist – von

diesem Glanz etwas blenden lassen und vielleicht

sogar einen Scheich sehen? Und wer

erzählen kann, dass er im Burj Al Arab war,

sticht jeden aus, der es nur bis Mallorca oder

Lignano geschafft hat.

Aber nicht nur Urlaubsreisende werden

dadurch angesprochen, sondern auch

Geschäftsleute und Investoren, die das große

und vor allem schnelle Geld wittern. Wie

vieles im Leben hat aber auch Dubai zwei

Seiten. Wenn der eine vom Erfolg erzählt,

dann gibt es sicher zwei, die mit leeren Taschen

nach Hause gefahren sind. Zu große

Erwartungen, keine Vorbereitung und vor

allem der zu vordergründige Goldgräber-

Rausch hat viele blind gemacht – vor Gefahren,

wie sie überall auf der Welt lauern.

Da ist Dubai kein Einzelfall.

Auf der anderen Seite bietet Dubai all

jenen, die clever sind und außergewöhnliche

Produkte oder Dienstleistungen anbieten,

einen schier unerschöpflichen Markt.

Mit etwas Glück und den richtigen Beziehungen

kann dort sehr wohl in angemessener

Zeit ein kleines oder großes Vermögen

zusammenkommen und auch für Investoren

bietet Dubai alles, was das Herz begehrt.

Vom Appartement bis zur Villa, vom Office

Building bis zum Hotel ist alles zu haben und

wer vor allem die richtigen Partner oder Be-

Foto: Baumeister&Partsch

„Burj“ bedeutet „Turm“ und mit den bis jetzt erreichten 100 Stockwerken steht der Burj Dubai eigentlich

schon ordentlich da. Ende 2008 soll er aber sogar mehr als 900 Meter erreichen

rater hat, darf sich auch relativ sicher sein,

damit Geld zu verdienen.

Wettlauf der Emirate: Wer hat den Größeren?

Geistiger Vater und Erbe dieser idealen Voraussetzungen

ist Sheikh Mohammed bin

Rashid Al Maktoum, Ruler seit Anfang 2006,

Herrscher über das Emirat Dubai, vorher

aber schon als Kronprinz, Visionär und Regisseur

des Märchens aus 1001 Nacht. Was

für Paris der Eifelturm und für Wien der

Stephansdom ist, war bis vor einem Jahr

80 TOP Mai 2007


das Burj Al Arab, bis vor Kurzem das einzige

Hotel mit (selbsterteilten) sieben Sternen.

Weil dies Schule machte und für das

Nachbaremirat auch Ansporn war, hat sich

Abu Dhabi mit seinem Emirates Palace

ebenfalls ein Sieben-Sterne-Hotel genehmigt.

Es gibt sowieso einen andauernden

Wettstreit zwischen den beiden Emiraten,

der irgendwann mit dem Anspruch auf die

größere Flagge begann.

Mittlerweile hat der im Bau befindliche

Burj Dubai das Burj Al Arab (Burj =

Turm) abgelöst und führt nun mit seinen erreichten

100 Stockwerken die Hitliste der

wohl grandiosesten Skurrilitäten des Emirats

an. Ende 2008 soll das Gebäude zwischen

750 und 950 Meter hoch werden, wobei

die endgültige Höhe geheim gehalten

wird und laut seinen Architekten den Anspruch

auf das höchste Gebäude der Welt

über die nächsten 25 Jahre verteidigen können

soll. Doch Qatar hat bereits ein Projekt

angemeldet, das neben einer Anstoßfinan-

zierung und der endgültigen Bauerlaubnis

durch den Ruler darauf wartet, dass das

letzte Teil des oberen Endes irgendwann in

einer Höhe von sage und schreibe 1.800

Metern angebracht werden soll. Allein die

Schwankungen in dieser Höhe dürften mit

Sicherheit jedem Nicht-Seemann während

des Aufenthalts den Magen versagen lassen

und Brechbeutel zur Standardausrüstung

machen. Bei der Geschwindigkeit, mit

welcher solche Gebäude unter dem Kürzel

24/7 (24 Stunden/7 Tage die Woche) hochgezogen

werden, lässt die 25 Jahre Vorsprung

des Burj Dubai wohl dramatisch

schrumpfen.

Ein Drittel aller weltweit vorhandenen

Baukräne, nämlich rund 30.000 Stück, sind

derzeit in Dubai aufgestellt. Dubai ist mit

einem Bevölkerungswachstum von sieben

Prozent eines der am schnellsten wachsenden

Länder der Welt. Rund 1,4 Millionen

Einwohner leben auf einer Fläche, die um

rund 70 Prozent größer ist als Vorarlberg.

Neben dem Erweiterungsbau des bestehenden

Airports werden gerade schon die Bauarbeiten

am zweiten Airport südwestlich

von Dubai begonnen. Um hier wieder Vorarlberg

als Maßstab zu nehmen, kann man

sich beim besten Willen nicht vorstellen,

was dann eine Passagierkapazität der beiden

Flugplätze von rund 140.000.000 – in

Worten: einhundertvierzigmillionen – pro

Jahr bedeutet. Nebenbei: Der neue Airport

wird natürlich der größte der Welt. Atlanta

dürfte dann im Vergleich wie eine Probebühne

wirken.

Ungezügelte Gier der Hauseigentümer

Doch nicht die Petro-Dollar ermöglichen

dies alles, wie man vielleicht fälschlicherweise

glauben möchte, sondern Investo-

Foto: REUTERS/Ahmed Jadallah

Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum herrscht

seit 2006 über das Emirat Dubai

rengelder aus aller Welt. Hier werden Millionen

in kürzester Zeit verdoppelt und verdreifacht

und wieder reinvestiert. Steigende

Mieten freuen die Hauseigentümer ebenso

wie die Investoren, da sie schneller zum

ROI (Return Of Investment) führen. Die

ungezügelte Gier der Landlords, sprich:

Hauseigentümer, trieb dafür manchem Mieter

den Angstschweiß ins Gesicht, wenn

ihm zur Wahl gestellt wurde, ab dem nächsten

Monat entweder die doppelte Miete zu

bezahlen oder mit Sack und Pack das Appartement

zu verlassen. Wer es nicht glauben

wollte, dem wurden dann auch schon

mal der Strom und das Wasser abgestellt,

um den Vorgang zu beschleunigen.

Diesen Machenschaften haben nun die

Emirate Abu Dhabi und Dubai einen Riegel

vorgeschoben und gesetzlich geregelt,

dass die Mieten pro Jahr „nur“ noch um maximal

sieben Prozent erhöht werden dür-

Foto: Baumeister&Partsch

BERUF & ERFOLG | Immobilien-Spezial

fen. Es beruhigt zu wissen, dass es dadurch

nur noch rund zehn Jahre dauert, bis sich die

Miete verdoppelt hat. Da muss uns die Indexanpassung

unserer Miete im Vergleich

lächerlich vorkommen und wer als Expatriat,

sprich: Auswanderer, von Dubai wieder

nach Hause zurückkehrt, wird wohl neue

Maßstäbe an unseren Wohnstandard legen.

Zur Wohnung einen X-Type

Trotzdem ist der Immobilienmarkt ein Megamarkt

und Metropolen wie London oder

Hongkong werden bald neidisch nach Dubai

blicken, denn im Gegensatz zu vielen

anderen Großstädten ist noch genug Platz

zum Bauen da, und laut Sheikh Mohammed

sind erst 20 Prozent seiner Ideen verwirklicht

oder in Bau. Da ist es nur zu verständlich,

dass die Developer, also jene, die bei

Megaprojekten wie der Palme (es werden

drei davon gebaut, wobei jede größer ist

als die vorherige), Dubai Sports City, Dubai

Businessbay oder Dubai Waterfront ihre

Hände im Spiel haben – um nur vier von

rund 50 zurzeit in Bau befindlichen Milliarden-(Dollar-)Projekten

zu nennen –, mit

ungewöhnlichen Mitteln um Käufer werben.

Wer die Gelegenheit nutzte und sich

für ein Appartement eines bestimmten Anbieters

in Dubai entschied, bekam auf jeden

Fall nach Zahlung des Kaufpreises einen

Jaguar X-Type für ein Ein-Bett-Appartement

oder einen Jaguar S-Type für ein

Zwei-Bett-Appartement geschenkt, und die

ersten 700 Käufer nahmen zusätzlich an einer

Verlosung teil. Was es zu gewinnen gab?

Nur einen Privatjet, . . . aber auch ohne diese

Gewinnchance ist es gut zu wissen, dass

in der Garage in Dubai auf jeden Fall ein

Jaguar steht.

Wer aber Ruhe und Abgeschiedenheit

sucht, für den bieten sich jetzt im aufstrebenden

Emirat Ras Al Khaimah, etwas im

Norden der Emirate, schöne Appartements

an, entweder mit Meerblick oder Blick auf

den Golfcourse, dessen Mitgliedschaft man

automatisch miterhält. Die Preise sind vergleichsweise

günstig und die Wertsteigerung

kauft man hier gleich mit.

*) Über den Autor

Der Vorarlberger Michael Partsch, Jahrgang

1952, lebt und arbeitet seit 2000 regelmäßig

in Dubai. Er berät deutschsprachige Unternehmen

auf ihrem Weg in die Emirate. In Zusammenarbeit

mit der Außenhandelsstelle in Abu Dhabi und den

Wirtschaftskammern organisiert er u. a. Informationsveranstaltungen

über Dubai. Internet: www.

baumeister-partsch.com.

Mai 2007 TOP 81

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