Topographie und Geschichte der Insel Euboia

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Topographie und Geschichte der Insel Euboia

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Auf den Antrag des Antikles folgt dann (Zeile 70ffi) ein zweiter

des Archestratos, der die Gerichtsbarkeit der Chalkidier regelt; alle

schweren Vergehungen, die mit Verbannung, Atimie und Tod bestraft

wurden, werden nach Athen verwiesen ').

Ferner sei noch erwähnt, dass Zeile 47 ff. die von den Chalki-

diern erbetene Auslieferung der Geiseln vorläufig abgeschlagen wird.

Baraus und aus der Zeile 76 ff. an die Strategen gerichteten Mahnung,

sich die Bewachung Euboias angelegen sein zu lassen, geht hervor,

dass die Unterwerfung nicht lange vorher stattgefunden haben kann.

Die Nichterwähnung der Vertreibung der Hippoboten, an der Egger

Joorn. des Savants (s. S. 50 Anm. 1) Anstoss nimmt, und die Köhler und

Foucart veranlasst hat, an der Angabe Plutarchs Per. 23 zu zweifeln,

ist mit Meyer a. a. 0. p. 142 daraus zu erklären, dass diese Mass-

regel in den verloren gegangenen Bestimmungen angeordnet war.

Durch diese Beschlüsse des athenischen Demos wurde Chalkis

rechtlich aus einer autonomen Reichsstadt eine Untertanengemeinde

Athens; wenn es auch die Selbstverwaltung in beschränktem Masse

behielt, so konnte Thuk. VII 57 die Chalkidier seitdem doch als

«CwcYjxooi yuxX (pöpou 67C0TeX£T?" bezeichnen im Gegensatz zu den „ol ätcö

(Ju[i(jia/ia$ aÖTÖvojJLOi" . Auch zu den Äusserungen des Syrakusaners

Hermokrates: Thuk. VI 76, und des Atheners Euphemos: Thuk.

VI 84 ') passt unsere Inschrift ausgezeichnet. Ausserdem wurde den

Chalkidiern das Münzrecht genommen.

Die Nachrichten einiger alter Autoren über die Erhöhung der

Tribute der euboiischen Städte nach dem Aufstand erweisen sich

durch die Tributlisten als falsch 3). Chalkis hat sogar nach dem

Aufstand eine sehr erhebliche Herabsetzung seines Phoros erfahren:

es zahlte 449 10 Talente, im Jahre 436 aber nur 3 Talente: Köhler

Hermes 31, 141. Diese Ermässigung ist mit der Neueinrichtung der

Kleruchie zusammenzubringen. Man wird daher wohl nicht fehl

gehen, — die Phorosverhältnisse der anderen Städte sind ähnlich

') Zeile 66 wird ein Hierokles erwähnt, der jedenfalls mit dem bei Eapolia

frg. 212 (Kock I 316) und Aristoph. pax 1046. 1125 genannten xpt)(7(JU>X6yoc Hiero-

kles identisch ist. Da ihn Aristopbanes als aus Oreos kommend bezeichnet, so hat

Köhler angenommen, dass er für seine Dienste um die Expedition nach Euboia

mit einem Landlos in Oreos beschenkt worden seL Über den Amtscharakter des

Hierokles s. Foucart a. a. 0. p. 254 S.

') Thuk. VI 76: - - - XaXxiScoc 8c tou; ev EOßoi?, öv otSe Äjroocot eloi, 8ou-

Awaa[xcvou; vft:-*. — Thuk. VI 84: - - - xai 6 XaÄxi8eu{, cv iAOYO); ^jiS? 9ri(ji SouXwaa-

(uvo'jc Tou; £v^dl?f. iXeu&e{

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