Topographie und Geschichte der Insel Euboia

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Topographie und Geschichte der Insel Euboia

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älteste Geschichte der Stadt tun. Nachdem die Elloper oder

Perrhaiber Histiaia und damit die Nordküste Euboias besetzt hatten,

dehnten sie ihre Herrschaft sofort weiter aus, indem sie den Abanten

eine Stadt nach der andern entrissen. Kerinthos*), Aidepsos und

Orobiai fielen in ihre Hände: seitdem konnten die Heilquellen des

Herakles die „hellopischen" genannt werden 2), Auch Aigai hat aller

Wahrscheinlichkeit nach zu dem Machtbereich Histiaias gehört. Nur

Dion und Athenai Diades, durch ihre isolierte Lage geschützt, be-

wahrten ihre Selbständigkeit. Später ist dann Kerinthos, jedenfalls

bei Gelegenheit einer Unterstützung der adligen Chalkidier durch

Histiaia, von einem chalkidischen Tyrannen zerstört worden (s. Kap.

ni 2). Die von den thessalischen Aiolern unterworfenen Abanten

wanderten zum Teil nach Klein-Asien aus, wo sie sich u. a. auch

in Chios niederliessen: Paus. VII 4,9 (s. Kap. I 4). Weiter erfahren

wir von der älteren Geschichte Histiaias nichts. Erst zur Zeit der

Perserkriege tritt es wieder hervor: an seiner Küste wurde die erste

vSeeschlacht mit den übermächtigen Streitkräften des Perserkönigs

geliefert. Dass sie nicht entscheidend war, sollte Histiaia schwer

treffen. Nach der Abfahrt der griechischen Flotte erschienen die

Schiffe der Perser vor Histiaia, besetzten die Stadt und ihr Gebiet

und plünderten es 3). Nach einem Aufenthalt von mehreren Tagen

(Her. VIII 66) brachen die Perser dann wieder auf und segelten

durch den Euripos nach Attika. Nach Beendigung der Freiheits-

kriege trat Histiaia jedenfalls sofort in den attisch-delischen See-

bund ein: vgl. C. I. A. I 231. 233 und Kap. 1 5. C. I. A. I 233

pjiebt für das Jahr 447/46 einen Phoros von 980 Drachmen an, sehr

fijering für die Bedeutung der Stadt. Daher wird Köhler mit Recht

diese niedrige Tributleistung mit den Vorbereitungen zu dem grossen

euboiischen Aufstande in Zusammenhang bringen. Von inneren

Zwistigkeiten nach den Perserkriegen berichtet uns noch Aristot.

polit. VUI 4 p. 1303 b: durch den Zwist zweier Brüder um das

') Nach Eustath. in Hom. U. II 538 wurde Kerinthos auch Ellopia genannt,

was die Annahme der Zugehörigkeit zu Histiaia unterstützt.

') Plin. nat. hist. IV 64: aquisque calidis quae Hellopiae Tocantur

nobilis. — Solin IX 15 fllhrt an, dass Karystos Heilquellen habe, welche man die

ellopischen nennt. Kb ist dies sicher eine Verwechslung mit Aidepsos, da von

II "11 in der Karystia sonst nichts bekannt ist und auch die Elloper ni«

ystos geboten.

*) Herod. VIII 23 (s. S. 88 Anm. 1); Diodor XI 13. — Unter den nü\un wapafr«kdaaiat

will Girard memoire p. 696 auch die St&dte auf dem Kenaion verstehen, was

aber zurückzuweisen ist, da sowohl Dion wie Athenai DiadM danutls selbständig waren.

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