Landesverband Bayern - DWA Bayern

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Landesverband Bayern - DWA Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Mai 2004

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Landesverband Bayern

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Herausgeber:

ATV-DVWK-Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft,

Abwasser und Abfall e.V.

Landesverband Bayern

Friedenstraße 40, 81671 München

Kanalumlegung in München


14 Jahre Kurt Wittmann, was nun?

Liebe Mitglieder,

Kurt Wittmann hat nach 14 Jahren den Vorsitz des Landesverbandes Bayern der ATV-DVWK abgegeben. Auf

unserer Mitglieder-Versammlung in Fürth wurde ich zum neuen Vorsitzenden gewählt. Durch Förderung des

fachlichen Erfahrungsaustausches bei Landesverbandstagen, den Nürnberger Wasserwirtschaftstagen und in

den Nachbarschaften jeweils mit angemessenen gesellschaftlichen Anteilen hat Kurt Wittmann die Gemeinschaft

unseres Verbandes, insbesondere auch nach der Fusion von DVWK und ATV erfolgreich gepflegt. Mit

der Mitgliederzufriedenheit hat sich auch die finanzielle Situation unseres Verbandes positiv entwickelt. All dies

wurde erreicht durch eine engagierte Zusammenarbeit aller ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter.

Wie soll das nun mit einem neuen Landesverbandsvorsitzenden weitergehen? Zunächst alle ehrenamtlichen

und hauptamtlichen Mitarbeiter des Landesverbandes werden aktiv ihre Aufgaben weiterführen. Hierfür bedanke

ich mich sehr nachdrücklich, denn mit einem guten Team weiterzuarbeiten, erleichtert den Anfang erheblich.

Persönlich schätze ich es sehr, dass auch beide stellvertretenden Vorsitzenden, Jürgen Bauer und Hermann

Klotz, ihre Ämter fortführen. Die erste Zeit unserer Zusammenarbeit hat gezeigt, dass wir den Verband als Team

gemeinsam erfolgreich führen wollen.

Titelbild:

Innenansicht der Schalung vor dem Betonieren

Impressum:

Der Mitglieder-Rundbrief des ATV-DVWK Landesverbandes Bayern erscheint in der Regel zweimal jährlich und zwar im Mai und Dezember.

Die Beiträge stellen die Meinung des jeweiligen Verfassers dar.

Auflagenhöhe: 3500

Redaktion:

LBD Jürgen Bauer, Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft, München

Schriftleitung:

Dipl.-Ing. Alfred Baumeister, RMD Wasserstraßen GmbH, München

Dr.-Ing. Joachim Dressler, Ingenieurbüro EDR GmbH, München

LBD Hermann Klotz, Stadtentwässerung München

Dr.-Ing. Franz Zunic, Technische Universität München

Redaktionsschluss:

15. März und 15. September

Layout:

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Hlauschek, Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft, München

Isolde Hellwig, München

Druck:

Hirthammer Verlag GmbH, Oberhaching

Beiträge sind einzureichen an:

Geschäftsstelle des ATV-DVWK Landesverbandes Bayern, Friedenstraße 40, 81671 München

Telefon (089) 233 62590, Fax (089) 233 62595 (Frau Hellwig), Email: hellwig@atv-dvwk-bayern.de

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Was für Ziele verfolgen wir? Auf jeden Fall wollen wir die erfolgreiche Maßnahmen und Veranstaltungen mit hoher Qualität und mitgliederfreundlichen

Preisen fortführen. Dabei ist mein persönlicher Wunsch, die Wasserwirtschaftler von DVWK und ATV unter dem neuen Namen DWA endgültig

zu verschmelzen. Wenn jeder sich noch mehr für den anderen interessiert und ihn respektiert wird dies gelingen. Mein Wunsch geht noch weiter.

In meiner beruflichen Laufbahn, sowohl in der Wasserwirtschaftsverwaltung als Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt München als auch als

Hochschullehrer für Siedlungswasserwirtschaft an der Universität der Bundeswehr München habe ich erkannt, dass nur ein breiter, ganzheitlicher

Blick über die Wasserwirtschaft für die Wasserwirtschaft Ziel führend und erfolgreich ist. Daher strebe ich auch an, mit dem DVGW Landesverband

Bayern eng zusammenzuarbeiten, um gemeinsam unsere Ziele zu erreichen. Hierzu ist bereits der erste Schritt getan. Auf meine Einladung haben

sich die Vorsitzenden mit den Mitarbeitern der Geschäftsstellen getroffen und erste gemeinsame Ziele vereinbart. Wir wollen in den Geschäftsstellen

organisatorisch, fachlich in Aus- und Weiterbildung und bei der Beratung politischer Mandatsträger eng zusammenarbeiten.

Durch meine langjährige Fachgremienarbeit in der ATV, zuletzt auch als Hauptausschussvorsitzender Kommunale Abwasserreinigung habe ich

bisher auch die bayrischen Interessen im Vorstand der ATV-DVWK vertreten. Dies werde ich künftig verstärkt gemeinsam mit den anderen bayerischen

Vorstandsmitgliedern weiter verfolgen. Als Hochschullehrer werde ich auch versuchen neue fachliche Impulse sowohl in technischer als

auch ökonomischer Sicht in unseren Verband einzubringen.

Eine wichtige Aufgabe ist neben der Einbindung erfahrener Fachleute auch die Motivation und Gewinnung junger Wasserwirtschaftler aus allen

Ausbildungsbereichen für unseren Verband. Wir müssen daher dem Nachwuchs frühzeitig Möglichkeiten für Erfahrungs- und Wissensaustausch

sowie Kontakte eröffnen.

All dies wird mir und uns einige Freizeit kosten, aber mit einem guten Team macht dies auch Spaß. Ich möchte mich bei allen Mitgliedern und

Freunden bedanken, die mir zu dieser verantwortungsvollen Aufgabe als Verbandsvorsitzender gratuliert und zugesprochen haben und freue mich

mit Ihnen in unserem Landesverband zusammen zu arbeiten.

Ihr

F.-Wolfgang Günthert

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004


Inhaltsverzeichnis

Leitartikel

Klimawandel: Die globale Herausforderung dieses Jahrhunderts ........................................................................................... 4

Titelbericht

Mit Spritzbeton und Innenschalung durch Hindernisse - Kanalumlegung Mittlerer Ring Ost in München ........................... 6

Der besondere Beitrag

Ein Interview ............................................................................................................................................................................. 12

Veranstaltungen

Seminar „Niedrigwassermanagement“ am 11./12. Nov. 2004 in der Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz ........... 15

Nürnberger Wasserwirtschaftstag 2004 ................................................................................................................................. 16

XXII. Donauländer-Konferenz .................................................................................................................................................. 17

Internationales Symposium „Wasserwirtschaft in der Fläche“ am 17./18. Jan. 2005 im Europ. Patentamt in München ... 18

„Planen mit Regenwasser - Aktuelles aus Bayern“ am 19.09.2004 ...................................................................................... 19

Symposium „Lebensraum Fluss - Hochwasserschutz, Wasserkraft, Ökologie“ vom 16.-19.Juni 2004 in Wallgau/Obb. ... 20

32. Abwassertechnisches Seminar „Abwasserreinigung ohne Biologie?“ ............................................................................ 21

Seminar „Instrumente des Trinkwasserschutzes“ am 29.09.2004 in Ingolstadt ................................................................... 21

In eigener Sache

Die lange Zeit des Abschieds .................................................................................................................................................. 22

Kurs für Online-Analytik ........................................................................................................................................................... 23

Brief an alle Abgeordneten des Bayerischen Landtags ......................................................................................................... 24

Antworten zum Brief an die Abgeordneten ............................................................................................................................. 25

Treffen mit VBGW/DVGW-Landesgruppe Bayern ................................................................................................................... 26

Sonderdruck über die Wasser- und Abwasserabgabengesetze neu erschienen ................................................................. 26

Berichte

Hochwasserschutz Zell ............................................................................................................................................................ 27

Beobachtungen in tiefen Grundwassermessstellen im Malmkarst ....................................................................................... 29

Nahrungskettensteuerung für eine bessere Wasserqualität von eutrophen stehenden Gewässern .................................. 30

Schilfzonen - ein wirksames Mittel gegen Sekundärverschmutzung und endokrin wirksame Stoffe ................................. 34

Integrierter Umweltschutz in der Textilveredlungsindustrie ................................................................................................... 36

Industrielle Stoffströme am Beispiel der Müllverwertungsanlage Ingolstadt ........................................................................ 39

Stadtentwässerungswerke München starten ab April mit neuem Namen und neuem Logo ............................................... 41

Dezentrale Abwasserbeseitigung im Karst ............................................................................................................................. 41

Berücksichtigung betrieblicher Bläh- und Schwimmschlammprobleme ................................................................................ 43

Tag der offenen Tür im modernsten Klärwerk Europas ......................................................................................................... 45

PC-Programm zur Erstellung von Modellregen und Modellregengruppen nach dem Arbeitsblatt ATV-A 118 .................... 45

Per Mausklick durch die Technischen Regeln - TREN ........................................................................................................... 46

Forschung und Lehre

Berichte des Lehrstuhls und der Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft der TU München ....................... 47

Personalnachrichten

Wechsel des Sachgebietsleiters 850 an der Regierung von Mittelfranken .......................................................................... 48

Neuer Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim ............................................................................................................. 49

Dr.-Ing. Markus Disse zum Universitätsprofessor ernannt .................................................................................................... 49

Das Sachgebiet 850 der Regierung von Oberfranken unter neuer Leitung .......................................................................... 50

Hermann Schiechtl 80 Jahre ................................................................................................................................................... 51

Runde Geburtstage unserer Mitglieder................................................................................................................................... 51

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Seite


Leitartikel

Klimawandel: Die globale Herausforderung dieses Jahrhunderts

Mark Twain soll einmal gesagt haben:

„Jeder schimpft auf das Wetter, aber

keiner tut etwas dagegen“.

Die Klimaproblematik ist heute global

von solcher Dimension, dass Schimpfen

nicht mehr genügt. Alle Staaten der Welt

sind zum Handeln gefordert. Mittlerweile

gibt es keinen wissenschaftlichen Zweifel

mehr an einem vom Menschen verursachten,

gesteigerten Treibhauseffekt.

Zu beobachten ist eine zunehmende

Gefährdung wichtiger Ökosysteme, z.B.

die Ausdünnung des arktischen Eisschildes,

die Zerstörung von Korallenriffen,

der Rückzug der Gletscher in den Alpen

und im Himalaja.

Die Versicherungswirtschaft verweist auf

massives Ansteigen der Schäden in den

letzten vier Jahrzehnten: Es gab 3 mal

mehr große Naturkatastrophen, 9 mal

höhere, dadurch verursachte volkswirtschaftliche

Schäden und 16 mal höhere,

hierdurch verursachte Schadensbelastungen

der Versicherer. Dazu meint der

Chefmathematiker der Münchner Rückversicherung:

Wenn der Schadensverlauf

witterungsbedingter Naturkatastrophen

so anhält wie in den beiden letzten Jahrzehnten,

dann werden in 60 Jahren die

klimabedingten Schäden höher sein als

das weltweite Bruttosozialprodukt.

Klimawandel in Bayern

Die Wissenschaft hat noch nicht alle

Ursachen und Zusammenhänge des

Klimawandels geklärt. Der Staat kann

aber nicht abwarten, bis der letzte wissenschaftliche

Streit ausgefochten ist. Er

muss vielmehr vorsorgend Bürger und

Umwelt vor Schaden bewahren. Vorsorge

beginnt mit der Frage nach der künftigen

Entwicklung. Bayern hat deshalb

schon 1990 die regionale Klimaforschung

mit dem Ziel in die Wege geleitet,

die Folgen der globalen Klimaänderungen

im Freistaat abzuschätzen und

hat dafür über 16 Mio. Euro aufgewandt.

Die wichtigste erkennbare Tendenz ist:

Die Sommer in Bayern werden wärmer

und trockener, die Winter wärmer und

feuchter. Der Temperaturanstieg wird in

einzelnen Regionen Bayerns unterschiedlich

ausfallen; der Sommer in Südbayern

wird deutlich heißer als in Nord-

4

Den folgenden Vortrag hat Staatsminister Dr. Werner Schnappauf im Rahmen der Ringvorlesungen der Fachhochschule München

vor Studenten und Professoren gehalten. Mit freundlicher Genehmigung des Bayer. Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit

und Verbraucherschutz veröffentlichen wir die wesentlichen Inhalte seiner Rede.

bayern. Die Niederschlags- und Temperaturänderung

im Winter verschärft die

Hochwasserproblematik. Besonders besorgniserregend

ist die erhöhte Gefahr

von Hochwassern mit wachsenden Schäden

an Haus und Grund, Infrastruktur und

Landnutzung. Beim Pfingsthochwasser

1999 in Bayern entstanden Schäden von

345 Mio. Euro, beim Hochwasser im August

2002 ca. 200 Mio. Euro. In Bayern

gibt es deshalb erhöhte Anstrengungen

zum Hochwasserschutz: das Aktionsprogramm

2020: Bis zum Jahr 2020 werden

2,3 Mrd. Euro in Hochwasserschutzmaßnahmen

investiert.

Höhere Temperaturen im Winter sind

tendenziell schon heute zu beobachten,

z.B. beim Abschmelzen der Gletscher

und Steigen der Schneegrenze. Dadurch

sind Wintersportmöglichkeiten eingeschränkt,

die Touristenzahlen sinken. Mit

der Folge, dass die vorhandene Infrastruktur

entwertet wird, die Einnahmen

im Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe

sinken und Arbeitsplätze gehen

verloren.

Das Bayerische Klimaschutzprogramm

Die Erkenntnisse der globalen und regionalen

Klimaforschung geben doppelten

Handlungsauftrag:

Die Treibhausgasemissionen müssen

gesenkt werden und ein

Schutz vor schädigenden Folgen des

bereits eingetretenen Klimawandels

ist erforderlich.

Bayern hat deshalb schon im Jahr 2000

ein ehrgeiziges Bayerisches Klimaschutzprogramm

mit dem Ziel beschlossen,

den CO 2 -Ausstoß in Bayern von 92

Mio. Tonnen (1998) auf 80 Mio. Tonnen

im Jahr 2010 zu senken. Das Ziel ist

deshalb so ehrgeizig, weil Bayern mit

jährlich ca. 87 Mio. Tonnen CO 2 -Emission

pro Kopf bereits heute um ein Drittel

niedriger liegt als im Durchschnitt in

Deutschland (7 Tonnen in Bayern pro

Jahr und Einwohner, gegenüber 10 Tonnen

in Deutschland, 17 Tonnen in Nordrhein-Westfalen

und 22 Tonnen in den

USA). Bayern liegt bei der kohlendioxydfreien

Energiegewinnung in Deutschland

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auf einem Spitzenplatz, denn fast 30 %

des bayerischen Primär-Energiebedarfs

wird aus nicht-fossilen Energiequellen

gedeckt; bundesweit sind es nur 13 %

und weltweit nur 10 %.

Der bayerische Erfolg beruht auf einem

sparsamen Umgang mit Energie, auf der

Nutzung der Wasserkraft, dem gezielten

Einsatz erneuerbarer Energien und zu

erheblichem Anteil auf Nutzung der

Kernkraft. Beinahe 80 % des bayerischen

Stroms wird CO 2 -frei erzeugt,

dabei liegt der Anteil der Kernkraftwerke

an der Stromerzeugung in Bayern bei

rund zwei Drittel.

Die Bayerische Staatsregierung tritt

dafür ein, die Option der Kernenergienutzung

offen zu halten, denn die Kernenergie

hilft, CO 2 -Emissionen zu verhindern.

Die Kernenergie erspart in Bayern

jährlich etwa 45 Mio. Tonnen, in Deutschland

rund 160 Mio. Tonnen CO 2 . Dies

entspricht der Höhe nach den Emissionen

wie aus dem Verkehr. Die Erfolge der

bayerischen Klimaschutz- und Energiepolitik

geben Hoffnung, dass Schritt für

Schritt die Energiewende zu mehr Klimaschutz,

zur Schonung der Ressourcen

und zu erneuerbaren Energien gelingt.

Klimaschutz und Verkehr

Der Straßenverkehr gilt als schwierigstes

Problem im Klimaschutz. Die Verkehrsemissionen

sind in den letzten Jahren

weiter angestiegen, weil Bayern durch

Öffnung der Ostmärkte und für den wachsenden

Alpentransit zunehmend zur Verkehrsdrehscheibe

geworden ist. Deshalb

plädiert eine im Auftrag des Bayerischen

Umweltministeriums vergebene umfangreiche

Studie „Vergleich verschiedener

Antriebskonzepte im Individualverkehr im

Hinblick auf Energie- und Kraftstoffeinsparung“

für die Einführung alternativer

Kraftstoffe auf der Basis erneuerbarer

Energien. Dabei ist der aussichtsreichste

Kraftstoff Wasserstoff auf der Basis

erneuerbarer Energien. Unter ehrgeizigen,

aber realistischen Annahmen ist bis

2020 dadurch eine 20 %ige Klimagas-

Reduktion möglich. Bis zur flächendeckenden

Einführung der Wasserstofftechnologie

zur Substitution von Benzin und

Diesel würden Erdgas und flüssige Kraft-


stoffe aus Biomasse ein bedeutsames

Potenzial bieten.

Wasserstofftechnologie

Vor allem im Kfz-Bereich hat der Wasserstoff

eine wichtige Zukunftschance.

Deshalb war Bayern frühzeitig Vorreiter

bei der Förderung dieser Technologie.

Bayern hat schon vor mehr als 15 Jahren

die Bedeutung und das Potenzial der

Wasserstofftechnologien erkannt und

mit Wirtschaft und Forschung die Anwendung

vorangetrieben. Allein in den

letzten 5 Jahren wurden insgesamt etwa

50 Mio. Euro in zukunftsträchtige und

hochinnovative Vorhaben investiert. Bayern

stellt damit mehr Geld bereit als alle

anderen Bundesländer und steht hier an

der Spitze der energietechnischen Entwicklung

in Deutschland.

Ein besonders beispielhaftes Vorhaben

ist das Wasserstoffprojekt am Flughafen

München, weltweit das größte Projekt

seiner Art. Seit 1999 wurden am Flughafen

alle Elemente einer Wasserstoff-

Technologie-Kette entwickelt und erprobt,

von der Erzeugung über die

Speicherung, vollautomatische Betankung,

Betrieb von Vorfeldbussen bis zur

ersten öffentlichen Wasserstofftankstelle

Deutschlands.

Erneuerbare Energien für Klimaschutz

Erneuerbare Energien sind in Bayern

traditionell von großer Bedeutung. Ihr

Anteil am Primärenergieverbrauch in

Bayern liegt bei 7 % und ist damit zweieinhalb

mal so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Die Energiestatistik weist für Bayern

Spitzenpositionen in Deutschland aus.

Bei der bayerischen Stromerzeugung

liegt der Anteil der erneuerbaren Energien

etwa doppelt so hoch wie im deutschen

Durchschnitt. Über 40 % des in

Deutschland erzeugten Solarstroms (Fotovoltaik)

kommen aus Bayern. Der Anteil

der Biomasse an der Energiebedarfsdeckung

ist fast doppelt so hoch

wie im Bundesdurchschnitt. Ein Viertel

aller Solarkollektor- und Wärmepumpanlagen

in Deutschland wurden in Bayern

errichtet und zwei Drittel der insgesamt

in Deutschland erschlossenen Geothermieleistung

stehen in Bayern.

Im Freistaat werden erhebliche öffentliche

Gelder in die Förderung von innovativer

Energietechnologie investiert.

Seit 1990 wurde fast 1 Mrd. Euro vom

Freistaat Bayern zur Verfügung gestellt.

Bayern will den Vorsprung bei innovativer

Energietechnologie nicht nur halten,

sondern auch weiter ausbauen. Trotz

5

knapper Haushaltsmittel werden deshalb

erneuerbare Energien weiter auf

hohem Niveau gefördert. Allein in den

letzten 5 Jahren wurden 300 Mio. Euro

in Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben

investiert und seit

1992 etwa 45.000 Sonnenkollektorenund

Wärmepumpanlagen mit über 50

Mio. Euro gefördert.

Welche erneuerbare Energien in Bayern

bevorzugt gefördert und genutzt werden,

wird durch die natürlichen Gegebenheiten

wesentlich mitbestimmt. Im Vergleich

zum übrigen Deutschland sind die Voraussetzungen

für Biomasse, Wasserkraft

und Sonne günstig, ungünstig hingegen

für Windkraft.

Nachhaltige Energieeffizienz

Ökologischer Nutzen und ökonomische

Kosten müssen beim Einsatz erneuerbarer

Energien gleichermaßen bewertet

und berücksichtigt werden. Ziel einer

Politik der Nachhaltigkeit ist ein

günstiges ökologisch-ökonomisches

Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ein wichtiges

Kriterium sind dabei die „CO 2 -

Vermeidungskosten“, das ist der finanzielle

Aufwand, der zur Einsparung

einer bestimmten Menge CO 2 benötigt

wird.

Die Einsparung von 1 Mio. Tonnen CO 2

kostet mit Wärmepumpen rund 75 Mio.

Euro, mit Fotovoltaik rund 5 Mrd. Euro.

Fotovoltaik ist damit heute mit Abstand

die teuerste Technologie.

Sie ist dennoch wichtig, damit die deutsche

Industrie wettbewerbsfähig bleibt.

Fotovoltaik wird künftig eine wichtige

dezentrale Energiequelle für sonnenreiche

Länder der Dritten Welt werden. Die

deutsche Industrie hat heute einen Anteil

von 25 % an der weltweiten Produktion

von Fotovoltaikanlagen, er wächst

ständig. Der wirtschaftliche Durchbruch

der Fotovoltaik ist aber wohl erst nach

2020 zu erwarten. Viele Bürger Bayerns

investieren in diese moderne Energietechnik,

denn 43 % der Mittel aus dem

„100.000-Dächer-Programm“ der Bundesregierung

sind bisher nach Bayern

geflossen.

Selbstverantwortung und Kooperation

Klimaschutz braucht technologische

Entwicklung. Der Staat kann sie nur begrenzt

fördern, viel wichtiger sind Erfindungsgeist,

Einsatz und Wagemut von

Wissenschaft und Wirtschaft. Bayern

setzt deshalb auf Kooperation zwischen

Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Die

Bayerische Staatsregierung lehnt es

deshalb auch ab, starre Ausbauziele für

bestimmte Energieträger und Energietechnologien

gesetzlich zu fixieren. Der-

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artige dirigistische Eingriffe würden fehlgehen.

Ein wissenschaftlicher Fortschritt

ist vom Staat weder ausreichend vorhersehbar

noch hinreichend steuerbar.

Bayern setzt vielmehr auf freiwillige Vereinbarungen

mit der Wirtschaft, z.B. den

Umweltpakt Bayern 1995 und seine Fortschreibung

im Jahr 2000. In jüngster Zeit

wird vor allem mit der Wirtschaft zur

Umsetzung von Kyoto-Instrumenten

(Handel mit Treibhausgasen bzw. Emissionszertifikaten)

zusammengearbeitet.

Jüngstes Produkt ist ein EDV-basiertes

CO 2 -Monitoring-System für Betriebe, um

die CO 2 -Emissionen eines Betriebes zu

berechnen und zu dokumentieren (für

ein Zertifikat unerlässlich).

Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft

Der Klimaschutz ist entscheidend auch

auf die Unterstützung seitens der Wissenschaft

angewiesen. Die Aktivitäten

der Klimaforschung sind vielfältig, z.B.

die Erforschung der regionalen Klimaänderungen

und deren Folgen. Ein

besonders wichtiges Forschungsprojekt,

das wir zusammen mit Baden-Württemberg

und dem Deutschen Wetterdienst

durchführen, ist „KLIWA“, die Erkundung

möglicher Auswirkungen einer Klimaänderung

auf regionale Wasserhaushalte

in Süddeutschland. Ein anderer wichtiger

Forschungsbereich ist die Erforschung

neuer technischer Entwicklungen

im Bereich der Optimierung der

Energieerzeugung aus fossilen Rohstoffen.

Die Verbrennung fossiler Rohstoffe

ist heute auch auf absehbare Zeit mit

Abstand der wichtigste technische Prozess

zur Energieumwandlung. Deshalb

ist es notwendig, derzeitige Verbrennungstechnologien

weiter zu verbessern.

Wir verfolgen in diesem Bereich

zwei Initiativen.

Seit Oktober 2002 untersucht der „Bayerische

Forschungsverbund Turbulente

Verbrennung“, wie fossile Brennstoffe

durch optimale Verbrennung am besten

und umweltfreundlichsten genutzt werden

können. Der Verbund wird vom Freistaat

während drei Jahren mit insgesamt

1,9 Mio. Euro finanziert, es sind vier

bayerische Lehrstühle beteiligt. Ein weiterer

Forschungsverbund, die „Fossilen

Kraftwerke des 21. Jahrhunderts“, ist geplant.

Ab Anfang 2004 sollen gemeinsam

mit der Industrie die Möglichkeiten

zur Wirkungsgraderhöhung und Emissionsreduktion

bei Kraftwerken untersucht

werden.

Staatsminister Dr. Werner Schnappauf

Bayer. Staatsministerium für Umwelt,

Gesundheit und Verbraucherschutz,

München


Titelbericht

Mit Spritzbeton und Innenschalung durch Hindernisse

Kanalumlegung Mittlerer Ring Ost in München

Einführung

Im Juni 1996 stimmten die Münchnerinnen

und Münchner im ersten Bürgerentscheid

in der Geschichte der Stadt für

einen weiteren Ausbau und die Untertunnelung

der Verkehrsader Mittlerer Ring.

Für den Petuelring, einem Teilabschnitt

des Mittleren Rings, lag bereits 1996

eine Genehmigung vor. 1997 wurde er

in Angriff genommen und in Rekordzeit

im Juli 2002 fertig gestellt. Parallel dazu

wurde mit der Projektierung der beiden

anderen Tunnelabschnitte am Luise-

Kiesselbach-Platz im Südwesten und an

der Richard-Strauss-Straße im Osten

der Stadt begonnen. Beim Südwest-Abschnitt

startete inzwischen zeitlich versetzt

die Planfeststellung.

Für beide Abschnitte wurden in einem

aufwändigen Verfahren mehrere Varianten

untersucht und öffentlich zur Diskussion

gestellt. Trotz angespannter Haushaltslage

entschied sich der Stadtrat für

die im Vergleich besten Tunnellösungen,

da es sich um Bauwerke für Generationen

handele. Beide Maßnahmen werden

zusammen über 600 Millionen Euro kosten.

Dem Bürgerentscheid entsprechend

soll der gesamte Ringausbau bis 2011

abgeschlossen sein.

Nach der Fertigstellung der Vorausmaßnahmen

durch die Stadtentwässerungswerke

München gaben am 25. September

diesen Jahres der Bayerische

Innenminister Günther Beckstein und

der Münchner Oberbürgermeister Christian

Ude den Startschuss für den Bau

des Tunnels Ost.

Vorausmaßnahmen der Stadtentwässerungswerke

München

Im November 1998 genehmigte der

Stadtrat die Weiterplanung für die Tunnelbauprojekte

„Mittlerer Ring Ost und

Südwest“. Das Planfeststellungsverfahren

wurde für beide Abschnitte im November

1999 zeitgleich begonnen.

Der Bau des Straßentunnels erforderte

besonders im Osten die Umlegung

von mehreren Entwässerungskanälen,

die in der zukünftigen Tunneltrasse in

der Richard-Strauss-Straße verliefen.

Insbesondere war ein Hauptsammler mit

den Abmessungen 2,2 Meter auf 2,8

Meter betroffen, der neben der Abwasserentsorgung

im Stadtteil Bogenhausen

auch für den Abwassertransport in

den südöstlichen Stadtteilen, den Nach-

6

Startschacht in der Denninger Straße

Einbau der Innenschalenbewehrung

bargemeinden Haar, Grünwald und

Straßlach und den Abwasserzweckverbänden

München-Südost und Hachinger

Tal notwendig ist. In Spitzenzeiten werden

hier mehr als 14.000 l/s Mischwasser

abgeleitet, eine Menge mit der sich

ein Fußballplatz in weniger als sechs

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Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Minuten einen Meter tief unter Wasser

setzen ließe.

Die Stadtentwässerungswerke München

haben mit Zustimmung des Stadtrates

bei den Baumaßnahmen größten Wert

auf den Schutz der Anlieger vor Lärm

und Staub gelegt.


Karte Baustelle

Große Streckenabschnitte der neuen

Kanäle entstanden deshalb wo immer

wirtschaftlich in unterirdischer Bauweise.

Die von der Öffentlichkeit wahrnehmbare

Bautätigkeit konzentrierte sich auf

wenige Start- und Zielschächte.

Technische Probleme

Technische Probleme ergaben sich vor

allem wegen der Größe des notwendigen

Kanals und dem auf weiten Strecken

engen Bauraum mit unmittelbar hinter

den vorhandenen Geh- und Radwegen

beginnenden Außenfassaden von großen

Wohngebäuden. Da der Tunnel den

gesamten Straßenraum in Anspruch

nimmt, mussten die in der Richard-

Strauss-Straße und im Leuchtenbergring

befindlichen Kanäle still- und umgelegt

werden.

Hinzu kam die Notwendigkeit den geplanten

Straßentunnel mit der Hauptzufahrtsstraße

aus dem Osten (Neues

Messegelände, München Riem) zu verbinden.

Die Querung eines Kanals war

deshalb nur an einer Stelle der 2,5 Kilometer

langen Straßentunneltrasse möglich.

Aus diesem Grund war es notwendig

neben der eigentlichen Straßentrasse

beidseitig neue Kanäle zu erstellen. Der

größte Kanalquerschnitt mit 3,4 Metern

Durchmesser entstand auf der westlichen,

der Innenstadt zugewandten, Seite

des Mittleren Ringes in einem paral-

7

lel dazu verlaufenden Zug kleinerer

Wohnstraßen auf einer Länge von ca.

1,2 Kilometern.

Auf der östlichen Seite ist kein durchgehendes

Straßensystem in dieser Richtung

vorhanden, weshalb der neue Kanal,

neben den bereits erwähnten

Gründen, unter dem dort vorhandenen

öffentlichen Park „Denninger Anger“ erstellt

wurde.

Kostenreduktion

Auf Seiten des Straßentunnelbaus entstanden

durch die trassenferne Wahl der

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Mitglieder-Rundbrief 1/2004

zwei neuen Kanalstrecken deutliche

Kostenentlastungen. Die entsprechenden

Summen wurden zu Gunsten des

Kanalbaus eingesetzt.

Insgesamt waren die Kanalbaumaßnahmen,

die vor dem Bau des Straßentunnels

notwendig waren, in sechs zeitlich

voraus laufende Bauabschnitte aufgeteilt.

Ein siebter Abschnitt umfasst Rohrkanäle,

die Abwässer der unmittelbar am

Straßenrand stehenden Gebäude aufnehmen

und gleichzeitig mit dem Bau

des Straßentunnels erstellt werden. Die

Gesamtkosten für die Stadtentwässerungswerke

München beliefen sich auf

ca. 59,5 Millionen Euro.

Übersicht zu den einzelnen Bauabschnitten und der jeweils geplanten Herstellungsweise


Gegenstand der Baumaßnahme

Der in zwei Abschnitte geteilte Bauabschnitt

III umfasste den mittleren, östlichen

Teil der Umleitungsstrecken und

befand sich zwischen der Buschingstraße

und der Denninger Straße bis zum U-

Bahnhof Richard-Strauss-Straße.

Der erste Teil führte von der Buschingstraße

nordwärts über eine Schrebergartenanlage

und den Denninger Anger auf

die Denninger Straße zu. Dieser Abschnitt

wurde mittels eines Stollenvortriebes

bergmännisch aufgefahren. Mit

einem 90° Richtungswechsel verlief der

zweite Streckenteil in der Denninger

Straße Richtung Westen und bog dann

am U-Bahnhof Richard-Strauss-Straße

Richtung Norden in den vorhandenen

Kanal mit einem Abflussquerschnitt von

3000mm/2800mm ein.

Ziel des unterirdischen Vortriebs war vor

allem eine für die Anwohner – auch im

Hinblick auf die vorhandenen Kleingärten

– möglichst schonende Bauweise zu

wählen.

Außerdem war zu berücksichtigen, dass

die Kanaltrasse durch eine mit verschiedenen

Materialien aufgefüllte ehemalige

Kiesgrube verläuft. Daher kam ein geeignetes

Vortriebsverfahren, mit welchem

auch das Konzept einer begehbaren

Ortsbrust zur Beseitigung von vorhandenen

Hindernissen sichergestellt werden

konnte, zum Einsatz.

Bei der Kiesgrube handelt es sich um

eine weitläufige Anlage, in der der anstehende

Kies bis zum Grundwasser abgebaut

wurde. Nach der Ausbeutung diente

sie als Erd- und Bauschuttdeponie in

der auch Haus- und Sperrmüll abgelagert

wurde.

Die hier geschütteten Auffüllschichten

bestanden aus einem Gemisch aus Kies,

Sand und Schluffen, mit einem hohen

Anteil an Fremdmaterialien wie Draht,

Metall, Mauer- und Ziegelbruch sowie

Betonresten und Steinen. Daneben wurden

auch Möbel, Schrott, und Matratzen

angetroffen. Die Fachgutachter empfahlen

deshalb einen Spritzbetontunnelvortrieb.

Ein mechanischer Tunnelvortrieb, zum

Beispiel durch Vorpressen von Betonrohren

in den Untergrund, wäre aufgrund

der Kiesgrubenauffüllungen auch durch

die Gefahr großer Setzungen risikoreich

gewesen.

Eine Kanalherstellung in offener Bauweise

im Bereich der Kleingartenanlage und

des Denninger Angers wurde aufgrund

der besonderen Baubedingungen

ebenfalls ausgeschlossen. Die Einbringung

eines Spundverbaues durch die inhomogen

gemischten Auffüllungsschichten

wäre mit nicht kalkulierbaren

Risiken behaftet und die technische

Machbarkeit nicht gewährleistet gewesen.

Hinzu kommt dass sich die Menge

der zu entsorgenden Altlasten verdrei-

8

facht und der Bau einen einschneidenden

Eingriff in die gewachsene Kleingarten-

und Parklandschaft zur Folge gehabt

hätte.

Letztlich hätte jedes dieser genannten

Risiken auch eine erhebliche Bauzeitverlängerung

bedeutet, was wegen der

abgestimmten Zeitplanung für das Fertigstellen

der insgesamt drei Verbindungstunnels

zu vermeiden war.

Die beschriebene Planung wurde öffentlich

ausgeschrieben. Das wirtschaftlichste

Angebot mit einer Angebotssumme

von rund 5,6 Millionen Euro brutto

war das der Firma Alpine Bau Deutschland

GmbH -NL Untertagebau, die im

Juni 2001 mit dem Bau beauftragt wurde.

Die Bauarbeiten wurden am 09. Juli

2001 aufgenommen.

Der zweite Abschnitt wurde in offener

Bauweise hergestellt.

Bürgerinformation

Um eine ausreichende Information der

Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen

Unterirdische Bauverfahren

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

wurde für alle sieben Bauabschnitte ein

Informationscontainer am Böhmerwaldplatz

errichtet, wo auch Experten während

der Dauer der Bauarbeiten zu festen

Zeiten den Bürgerinnen und Bürgern

Rede und Antwort standen.

Informationsveranstaltungen, Baustellenführungen

und Postwurf-Sendungen

ergänzten die Bürgerinformation rund

um das Projekt.

Baubeschreibung

Bergmännische Auffahrung –

Stollenvortrieb

Allgemeines

Der bergmännisch vorgetriebene Kanal

DN1800 wurde von zwei Seiten aufgefahren.

Dazu wurde in der Buschingstraße

und in der Denninger Straße je

ein Startschacht abgeteuft. Der ca. 475

Meter lange Vortriebsstollen wurde in

den Drittelspunkten mit je einem Einstiegschacht

versehen, welcher mit

Hilfe eines Verbaus offen erstellt wurde.

Besonders größere Strecken unterirdisch verlegter Leitungen und Kanäle

sind bei entsprechenden Randbedingungen auch aus der Sicht des Bauherrn

einer solchen Infrastrukturmaßnahme wirtschaftlich. Bei insgesamt

drei der sieben Kanalbauabschnitte an Mittleren Ring Ost waren unterirdische

Bauverfahren unter Bewertung aller Kosten für die Herstellung und den

späteren Betrieb günstiger als offene Bautechniken. Beim Abschnitt III war

dabei für die Kostenbewertung auch das Kostenrisiko durch die im Boden

vorhandenen Hindernisse und Kontaminierungen auf der Grundlage der voraus

laufenden Aufschlussbohrungen bewertet worden.

Grundsätzlich verwenden die Stadtentwässerungswerke München bei unterirdischen

Bauverfahren mit größeren Kanalquerschnitten folgende Bauweisen:


Neue österreichische Tunnelbauweise Aufbringen der Spritzbetonschale

Die Überlagerung des Kanals liegt zwischen

2,50 Meter und 5,00 Meter. Der

Vortrieb erfolgte zu ca. 50-60 Prozent im

Bereich einer alten Kiesgrube. Der restliche

Vortrieb verlief im quartären

Münchner Kies, der durch relativ grobkörnige

und stark in seiner Zusammensetzung

wechselnde Bodenbestandteile

gekennzeichnet ist.

Ausbruch und Stützmitteleinbau

Der Stollen wurde nach der „Neuen österreichischen

Tunnelbauweise“ aufgefahren.

Der Vortrieb erfolgte als Baggervortrieb

mit Vollausbruch und sofortigem

Sohlschluss. Der Ausbruch wurde in Teilquerschnitten

vorgenommen. Als Regelsicherung

kamen Vorpfänddielen im

180° Bereich der Kalotte als Vollpfändung

sowie Ausbaubögen mit bewehrtem

Spritzbeton zum Einsatz. Teilweise

wurde die Pfändung bis in den Ulmenbereich

fortgesetzt. Im Auffüllungsbereich

wurde die Ortsbrust streckenweise

mittels Selbstbohrankern gesichert.

Geologie

Vortrieb Buschingstraße

In der Vortriebsstrecke wechselten sich

gewachsene sandig bis stark sandige

Fein- bis Grobkiesschichten ab. Vereinzelt

traten auch Sandlinsen, Rollkieslagen

und stark schluffige Kiese auf. Die

Rollkieslagen (sehr eng gestufte Kiese

mit besonders geringem Feinkornanteil)

stellten vortriebstechnisch kein Problem

dar, da sie sehr dicht gepackt waren. Ein

alter Kanalschacht und ein verfüllter

Heizöltank (ca. 100.000 Liter) stellten

sich als Vortriebshindernisse dar.

9

Vortrieb Denninger Straße

Im Bereich Denninger Anger wurde die

Auffüllung der Kiesgrube durchfahren,

die hauptsächlich aus Bauschutt, organischen

Stoffen, Eisenteilen und Schlacken

bestand. Auf der Restvortriebsstrecke

wurden dieselben Fein- und

Grobkiesschichten wie in der Buschingstraße

angetroffen. Auch hier wurden einige

Fremdobjekte wie zwei aufgelassene

Heizkanäle, ein alter Kanalschacht

und ein ummauerter Raum, vermutlich

ein Betriebsgebäude der verfüllten Kiesgrube,

angefahren.

Der Grundwasserspiegel lag über die

gesamte Vortriebsstrecke ca. 4,00 -

5,00 Meter unter der Stollensohle. Ein

geotechnisches Büro (Ingenieurbüro

Gebauer) begleitete den Stollenvortrieb.

Kontamination

Im Bereich Denninger Anger wurden ca.

270 Tunnelmeter im kontaminierten Bereich

(Auffüllung der aufgelassenen

Kiesgrube) aufgefahren. Hauptsächlich

wurden aromatische Kohlenwasserstoffe,

die bei Verschwelung und unvollständiger

Verbrennung entstehen, angetroffen.

Weiters wurden Chrom, Phenol,

Benzol, Sulfat, Blei und Quecksilber in

sehr geringer Konzentration nachgewiesen.

Dafür dass es zu keinerlei Kontamination

der beteiligten Personen und

des Baustellenumfeldes kam, waren

hauptsächlich die vorab in Zusammenarbeit

mit dem Auftraggeber getroffenen

sicherheitstechnischen Maßnahmen

(Vorsorgeuntersuchungen, Notfallplan,

Personenschutzausrüstung, Gaswarngerät,

etc.) verantwortlich. Die 1,8 Kubikmeter

Ausbruchmaterial wurden einer

geregelten Entsorgung zugeführt.

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Bilder von oben nach unten:

Gewachsene Fein- und Grobkiesschichten

Ummauerter Raum

Vortrieb im Auffüllbereich Denninger

Anger


Bohrwagen Tamrock Micro H103

Betonzugmannschaft beim Herstellen der Stirnschalung

Offene Bauweise für Tiefbauwerke

10

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Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Arbeitszeiten

Auf Grund des erhöhten Risikos bei untertägigen

Auffahrungen wurde auch an

Sonn- und Feiertagen gearbeitet. Der

Stollen wurde von der Denninger Straße

in Tag- und Nachtschicht aufgefahren,

der von der Buschingstraße aus

war nur im Tagschichtbetrieb möglich, da

sich der Startschacht in einem Wohngebiet

befand.

Innenschale

Zur Betonage der bewehrten Innenschale

kam ein Fullroundschalwagen mit einem

Gesamtgewicht ca. 14 Tonnen zum

Einsatz. Auf den geraden Teilabschnitten

des Stollens wurden Blocklängen zu

je 10 Meter betoniert. In den Kurvenbereichen

ging die Blocklänge auf bis zu

1,70 Meter zurück.

Leistungszeitraum

18.07.2001 Beginn der Aushubarbeiten

am Startschacht

Buschingstraße

02.08.2001 Beginn der Aushubarbeiten

am Startschacht

Denninger Straße

23.08.2001 Stollenanschlag Vortrieb

Buschingstraße

30.11.2001 Durchschlag des Stollen

17.01.2002 Betonierbeginn der

Innenschale in der Buschingstraße

26.03.2002 Umlegung der Betoniereinrichtung

in die Denninger

Straße

08.04.2002 Beginn der Klinkerverlegearbeiten

Die klassische, auch heute noch mit Abstand am häufigsten angewandte Baumethode zum Herstellen des Bauraumes

für Tiefbauwerke ist die offene Bauweise. Die Bautechnik und die verwendeten Baugeräte dafür sind wirtschaftlich, der

Aufwand ist überschaubar und die zu erwartenden Risiken sind es im wahrsten Sinne des Wortes auch.

Allgemein bekannt sind auch die Beeinträchtigungen, die in dicht besiedelten und intensiv genutzten Gebieten durch

die offene Bauweise verursacht werden.

Ihr Platzbedarf ist gegenüber allen anderen Varianten am größten. Durch technische Verbaumaßnahmen, wie sie beim

Kanalbau am Mittleren Ring Ost zum Erreichen senkrecht geböschter Baugruben zum Einsatz kamen, wird der erforderliche

Bauraum auf die Bauwerksbreite und bei anderen Tiefbauwerken den gegebenenfalls notwendigen Arbeitsraum

verringert. Während der Bauzeit entstehen volkswirtschaftlich betrachtet weitere Kosten zum Beispiel für zusätzlichen

Zeit- und Energieaufwand der Verkehrsteilnehmer für Umwege und Verkehrstaus, aber auch als Folge von

Beeinträchtigungen durch Lärm und Staub.


13.06.2002 Betonieren des letzten

Blockes – Fertigstellung

der Beton-Innenschale

14.08.2002 Ende der Klinkerverlegearbeiten

05.09.2002 Abnahme und Inbetriebnahme

des bergmännisch

erstellten Kanals

Mitte Okt. 02 Oberfläche Denninger

Straße wiederhergestellt

Mitte Nov. 02 Oberfläche Buschingstraße

Offene Bauweise

Auch bei der gesamten offenen Bauweise

stand quartärer Münchener Schotter

an, der sich als sehr standfest erwies.

Folgende Verbauarten kamen zum Einsatz:

Bohrpfähle

Trägerbohlverbau

Spritzbeton

Spundwände

Der Bereich des U-Bahnhofes Richard-

Strauss-Straße stellte sich wegen der

Fertige Betonschale in der offenen Bauweise

11

Bewehrung in der offenen Bauweise

großen Anzahl an Sparten und der verschiedenen

Verbauarten als der davon

schwierigste Teil dar.

Die offene Bauweise wurde am 09. Juli

2001 begonnen und am 26. August

2002 mit der Abnahme des Kanals beendet.

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Schlusswort

Komplexe Bauvorhaben wie der Kanalumbau

Mittlerer Ring Ost - Abschnitt III

können nur durch die positive Zusammenarbeit

aller Beteiligten erfolgreich

abgewickelt werden.

Die Termine und Kostenansätze konnten

so eingehalten werden. Damit war

besonders zum Wohl der vielen lärmgeplagten

Anlieger am Mittleren Ring Ost

eine wichtige Voraussetzung geschaffen,

auch baldmöglichst den wichtigen

Straßentunnel fertig stellen zu können.

Dipl. Ing. Michael Böhme

Projektleiter

Münchner Stadtentwässerung

Abt. Kanalbau

Thomas Faller

Alpine Bau Deutschland GmbH

ZNL Untertagebau

Mathias Wünsch

Büro der Werkleitung

Münchner Stadtentwässerung


Der besondere Beitrag

Ein Interview

Günthert: Herr Schmidtke, Sie treten in

der Öffentlichkeit persönlich wenig in Erscheinung,

durch Ihre Arbeiten sind Sie

hingegen im „virtuellen Raum“ überall

präsent und wohl bekannt. Warum sind

Sie bereit, sich hier zu artikulieren?

Schmidtke: Nach 40 Berufsjahren im

öffentlichen Dienst beginnt für mich Anfang

August der Un-Ruhestand. Das gibt

mir Gelegenheit, neue Prioritäten zu

setzen und mich stärker mit Themen und

Arbeiten zu befassen, denen ich mich

aus den eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten

bzw. Zeitgründen bisher

nicht in gewünschtem Umfang widmen

konnte.

Günthert: Egoistisch gedacht, bezieht

sich das auch auf Ihr Engagement in der

ATV-DVWK? Sie sind Mitglied seit 1976,

fast genau so lange in Gremien tätig und

seit über 20 Jahren laufen Ihre Seminare

auf dem Gebiet der Wirtschaftlichkeit

mit großem Erfolg.

Schmidtke: Nett, das zu hören. Aber

betrachten wir die ATV-DVWK doch etwas

strategischer als Sachwalter und

Fachanwalt der gesamten Wasserwirtschaft

sowie als Kommunikationsplattform

für die vielen Gruppierungen, die

direkt oder indirekt mit der Ressource

Wasser zu tun haben. Je weiter die

Schubkraft der Verwaltungen zurückgenommen

wird, desto stärker steigen die

Herausforderungen an die ATV-DVWK.

Lassen wir mal die zu beobachtende

Schönrederei und Schwarzmalerei von

wem auch immer weg, ich beobachte in

zunehmendem Maße, dass wir auf der

einen Seite ausgereifte Strategien besitzen,

welche die Umsetzung des Vorsorge-

und Nachhaltigkeitsprinzip in den

verschiedensten Bereichen zum Ziel

haben. Wie sieht es aber mit der Realisierung

aus, wobei wir stets die hohen

Konfliktpotenziale im Auge haben müssen?

Bei allen Erfolgen, in der Praxis fehlen

mitunter die adäquaten Instrumente

und zum Teil auch die Qualifikation, um

auf dem heutigen Erkenntnisniveau für

die konkrete Einzelfallproblematik „best

practice“ im Sinne der genannten Prinzipien

zu entwickeln und umzusetzen.

Hinzu kommt die notwendige Weiterentwicklung

unserer Werkzeuge und Humanressourcen

in den Bereichen, in de-

12

Der neue Vorsitzende des ATV-DVWK-Landesverbandes Bayern, Herr Professor Dr.-Ing. Frank Wolfgang Günthert, befragt Herrn

Professor Dr.-Ing. Reinhard F. Schmidtke zum Zeitgeschehen in der Wasserwirtschaft und zu seiner Person. Herr Dr. Schmidtke

geht in wenigen Wochen in den Ruhestand und blickt kritisch und mit profunden Kenntnissen auf mehr als 40 Jahre Berufserfahrung

zurück.

Prof. Dr.-Ing. Frank Wolfgang Günthert

nen wir die Behebung von Defiziten oder

neuen Aufgaben angehen müssen.

Günthert: Darüber könnten wir jetzt sehr

lange diskutieren. Sie gelten als pragmatisch,

was sind denn konkrete Vorschläge,

von denen Sie meinen, sie liegen im

Leistungsvermögen der ATV-DVWK?

Schmidtke: Jetzt geht’s aber zur Sache!

Also gut, ziehen wir einen Bereich als

Beispiel heran, das integrierte Hochwassermanagement.

Ausgefeilte Strategie

und gute Positionspapiere, aber eine fast

unübersehbare Fülle von Wiederkäuerprodukten

als Ergebnis des Einsatzes

von nicht gerade wenig Ressourcen und

letztendlich keine konkreten Handlungsanleitungen

und umfassende Arbeitshilfen

für den Praktiker. Das Ziel ist doch,

durch Sicherstellung einer hohen Planungsqualität

die bestmögliche Unterstützung

für die Entscheidungsfindung

zu gewährleisten. Wer, außer der ATV-

DVWK, käme denn heute noch in Frage,

eine auf die Belange der Planungspraxis

abgestellte Defizitanalyse durchzuführen

und darauf hin zu wirken, dass ein

Teil der offensichtlich verfügbaren Ressourcen

in die wirklich anwendungsbezogenen

Entwicklungsarbeiten fließt.

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Oder nehmen Sie das Konfliktpotenzial

zwischen politischer und wasserwirtschaftlicher

Rationalität, das derzeit in

einigen Bundesländern bezüglich der

Abwasserentsorgung des ländlichen

Raumes von sich reden macht.

Günthert: Sie sprechen aus Ihrer langen

Befassung mit den theoretisch-methodischen

und praktischen Fragestellungen

der Planung und Bewertung

wasserwirtschaftlicher Systeme. Das ist

ja auch Ihr Lehrgebiet an der Technischen

Universität Darmstadt. Wann hat

denn der Bauingenieur Schmidtke begonnen,

sich mit dieser umfassenden

Sichtweise auseinander zu setzen, was

waren die Gründe?

Schmidtke: Fremdbestimmung und

mein Motto: Gib der Herausforderung

eine Chance. Nach dem Studium an der

TH München wollte der Bauingenieur

Mitarbeiter am dortigen Institut für Baubetriebslehre

und Tunnelbau werden. Als

das nicht klappte, wurde er Referendar

in der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung.

Der Möchte-gern-Tunnelbauer

entwickelte Geschmack an der

Mitte der 60er Jahre aufkeimenden Systemhydrologie

und war motiviert, auf die-


sem Gebiet zu promovieren. Dazu ging

er 1967 nach der Großen Staatsprüfung

an die TH Darmstadt. Aber es kam

anders. Das dortige Institut für Wasserbau

und Wasserwirtschaft befasste sich

mit einer Reihe von Projekten in Entwicklungsländern,

die nach internationalen

Standards zu planen waren. Dazu gehörten

auch Projektbewertungen im Sinne

von Kosten-Nutzen-Analysen und der

jüngste Assistent wurde mit dem Argument

„Hydrologen gibt’s wie Sand am

Meer, aber Ingenieure mit Spezialkennt-

Prof. Dr.-Ing. Reinhard F. Schmidtke

nissen auf dem Gebiet der Projektbewertung

sind Mangelware“ in die Pflicht genommen.

Das war 1968.

Günthert: Sie sind also gut 37 Jahre mit

Darmstadt verbunden und haben die

Entwicklung über einen so langen Zeitraum

verfolgen können. Hauptberuflich

gehören sie seit Dreijahrzehnten wieder

der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung

an. Wie sieht der Praktiker mit

universitären Insiderkenntnissen die

heutige Lehre und Forschung?

Schmidtke: Eine spontane, kurze Antwort

in einem so schwierigen Metier

verlangt ein hohes Maß an Kühnheit.

Wohl denn! Rückblickend haben sich

aus meiner Sicht die Rahmenbedingungen

im Laufe der Zeit zunehmend verschlechtert

und eine allgemeine Besserung

ist wohl auch nicht zu erwarten.

Das Wissen in den Teildisziplinen der

Wasserwirtschaft und die zur Verfügung

stehenden Instrumente, sie zu betreiben,

wachsen überproportional. Die Lehre

steht vor der permanenten Herausforderung,

eine zeitgemäße Anpassung der

Curriculae vorzunehmen. Einen Konsens

über Ausgewogenheit der Lehre zu

erhalten, ist wohl Wunschdenken. Ich

13

vertrete die Strategie einer breiten Basisausbildung,

welche das ganzheitliche

Denken in Systemen verinnerlicht. Spezialwissen

muss sich in Gesamtzusammenhänge

einbinden. Wann wird denn

schon ein Berufsanfänger als Spezialist

einen Job finden? Das heute geforderte

lebenslange Lernen führt automatisch

in die Spezialisierung oder das

Management. Weiterführendes Studium

und berufsbegleitende Fortbildung sind

Instrumente, um sich der Entwicklung

anzupassen.

Was den an der Lehre beteiligten akademischen

Mittelbau betrifft stelle ich

fest, dass immer mehr junge Studienabsolventen

mit relativ kurzen Zeitverträgen

daran beteiligt werden müssen,

da die entsprechenden Langzeit- oder

Dauerstellen fehlen. Von welchem qualitätsgesicherten

Wissensfundus kann

man da ausgehen und wie viel Erfahrung

in der Studentenbetreuung lässt sich erwarten?

In der fachübergreifenden Kooperation

und Koordination ist der mitunter

stark ausgeprägte Individualismus der

Lehrenden ein Element, das integrierenden

Ansätzen einer echten Netzwerkbildung

nicht gerade förderlich ist.

Günthert: Ich habe nach Ihrer Meinung

gefragt, jetzt hab’ ich sie. Der Blick auf

die Forschung fehlt aber noch.

Schmidtke: Die universitäre Forschung

hat es heute schwer. Der Zwang zur Einwerbung

von Drittmitteln verlangt ihr

Kompromisse ab, macht sie häufig kurzatmig

und in der Personaleinsatzplanung

von momentan gegebenen Möglichkeiten

abhängig. Insbesondere leiden darunter

Forschungen abseits der etablierter Richtungen

und die Behandlung interdisziplinärer

Themen. Potenzielle Auftraggeber

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

aus der Praxis hinterfragen heute in der

Regel die Qualifikation des zur Verfügung

stehenden Forschungspersonals. Zwei

Entwicklungen stimmen nachdenklich:

Einmal die bedauerliche Abkoppelung

größerer, gerade unter dem Tenor anwendungsorientierter

Forschung laufender

Verbundvorhaben von den Problemstellungen

der Praxis und die Entwicklung

marktgängiger Produkte aus öffentlichen

Fördermitteln mit anschließendem monopolistischem

Einsatz.

Günthert: Ich weiß, dass Sie sich genau

so wie ich eine starke Kooperation

zwischen den universitären Einrichtungen

und der wasserwirtschaftlichen Praxis,

speziell der Verwaltung wünschen.

Aber liegen dort nicht auch ganz offensichtliche

Hemmschwellen vor?

Schmidtke: In der Tat, ich stelle mir Kooperation

nicht nur als Vergabe von Aufträgen,

deren externe Bearbeitung und

Entgegennahme der Ergebnisse vor. Es

geht ja nicht um die Abwicklung von Ingenieurerträgen,

sondern um die Bewältigung

von Problemstellungen der Praxis,

für die es noch keine routinemäßigen

Lösungsansätze oder adäquate Instrumente

gibt. Das bedeutet, hier muss im

Sinne eines gemeinsamen Lernprozesses

eine echte Zusammenarbeit stattfinden,

die auch seitens des Auftragsgebers

den Einsatz entsprechend

qualifizierten Personals im notwendigen

Umfang erfordert. Und da wird es analog

zu den Schwierigkeiten an den Universitäten

zunehmend enger.

Günthert: Wir sitzen im gleichen Boot

was unsere Rahmenbedingungen und

die gemeinsamen Ziele einer zu verstärkenden

Kooperation betrifft. Ich habe

ernsthafte Bedenken für die Zukunft, vor

allem wenn ich an die einschneidenden

Sparmaßnahmen denke. Was können

wir Ihrer Meinung nach tun?

Schmidtke: An vorderster Stelle sehe

ich die Notwendigkeit, den Handlungsbedarf

für Kooperationsvorhaben in noch

überzeugenderer Form als bisher darzustellen.

Es muss sich um brennende Fragen

der Wasserwirtschaft handeln, sei

es im strategischen oder operationellen

Bereich, zu deren Lösung wissenschaftlicher

Input erforderlich ist. Als ein sehr

effizientes Vorgehen sehe ich die Verknüpfung

von Wissenschaft und Praxis

in partnerschaftlich durchzuführenden

Pilotprojekten an. Für die dabei auftretenden

routinemäßigen Arbeiten lassen

sich Ingenieurbüros integrieren. Damit

würden Wissenschaft, Verwaltung und

Privatwirtschaft zusammenwirken und

auf diese Weise fortschrittliche Lösungsansätze

für aktuelle Problemstellungen

auf qualitätsgesichertem hohem Niveau

bereitstellen.

Günthert: Sie haben eben als dritten

wesentlichen Partner die Ingenieurbüros


angesprochen. Durch Ihre Gremientätigkeit

und Fortbildungsveranstaltungen

haben Sie einen intensiven Gedankenaustausch

mit diesen Fachkollegen. Was

steht denn da zur Debatte?

Schmidtke: Primär handelt es sich natürlich

um die methodischen und empirischen

Fachfragen der Projektbewertung

in den Bereichen Siedlungswasserwirtschaft

und Hochwasserschutz. Generell

möchte ich aber sagen, dass die heutige

Marktpositionierung der im jeweiligen regionalen

Umfeld tätigen mittelständigen

und kleineren Ingenieurbüros besondere

Qualifikationsanstrengungen erforderlich

macht, den erheblich gestiegenen Planungsanforderungen

gerecht zu werden.

Der arbeitsteiligen Spezialisierung sind

hier engere Grenzen gesetzt. Andererseits

würde ich es als sehr unglücklich ansehen,

wenn es aus solchen Gründen zu größeren

Konzentrationsprozessen kommen

würde. Gute ortsspezifische Kenntnisse

und Vertrauensbasen sind äußerst positive

Voraussetzungen, um die geforderte

optimale Individuallösung für die anstehende

Planungsaufgabe zu erarbeiten.

Zwei Anliegen höre ich immer wieder. Das

eine betrifft das fachliche Regelwerk und

das andere die Fortbildungsmöglichkeiten.

Günthert: Es liegt auf der Hand, dass

sie diese beiden Bereiche von sich aus

ansprechen. Sie waren bis Anfang diesen

Jahres Obmann des Arbeitsgremiums

der Länderarbeitsgemeinschaft

Wasser, welches das Standardwerk

„Leitlinien zur Durchführung dynamischer

Kostenvergleichsrechnungen“

entwickelt und gepflegt hat. Wie geht es

damit weiter?

Schmidtke: Die Länderarbeitsgemeinschaft

Wasser hat aus verschiedenen

Gründen für dieses Jahr keinen Unterausschuss

zur Behandlung der Thematik

mehr eingerichtet. Damit endet eine

30-jährige Tätigkeit, die mit meiner Übernahme

der Obmannschaft im Jahr 1974

ihren Anfang genommen hatte. Aber

keine Angst, die Kontinuität wird gewahrt

bleiben. Zunächst: Es erscheint jetzt die

7. Auflage der KVR-Leitlinien, die dem

neuesten Stand der Erkenntnisse entspricht.

Dazu gibt es eine darauf abgestellte

neue Version des KVR-Softwarepaketes,

das von seinen Funktionalitäten

und seiner Benutzerfreundlichkeit erhebliche

Fortschritte zu verzeichnen hat.

Beide Produkte werden von der Praxis

schon sehnlichst erwartet.

Günthert: Das ist eine sehr gute Nachricht.

Aber wer wird in Zukunft der Ansprechpartner

für diesen Themenbereich

sein, wer wird das Softwarepaket

pflegen und den Standard entsprechend

dem Erkenntnisfortschritt anpassen? Ich

mache mir generelle Sorgen, wenn

14

Schlankheitskuren in Fatalismus ausarten

würden.

Schmidtke: Im konkreten Fall zeichnet

sich eine sehr gute Lösung ab. Es laufen

zur Zeit Verhandlungen zwischen

der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser

und der ATV-DVWK mit dem Ziel der

Übernahme dieses Aufgabenbereichs

und der einschlägigen Produkte. Damit

wäre die Kontinuität gewahrt. Im Geschäftsfeld

des ATV-DVWK-Hauptausschusses

Wirtschaft wurde bereits die

Einrichtung einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe

als erste Auffangstelle beschlossen.

Diese soll darüber hinaus ein Konzept

entwickeln, wie künftig der gesamte

Bereich der Projektbewertungen und

dessen Qualitätssicherung in der Regelwerksarbeit

zu behandeln ist. Bei

dem momentan vorhandenen Pluralismus

sind wohl Verbesserungen angezeigt.

Es gilt zu überlegen, welche Gremien

erforderlich sind und wie sie sich

zusammensetzen sollten.

Günthert: Diese Aktivitäten begrüße ich

außerordentlich. Ich selbst und meine

Mitarbeiter befassen sich intensiv mit

diesen Fragen in der Siedlungswasserwirtschaft,

speziell auch mit dem Benchmarking,

und wir wissen, dass hier noch

einiger Klärungsbedarf besteht. Sind Sie

dabei?

Schmidtke: Ich habe mich bereit erklärt,

die Ad-hoc-Arbeitsgruppe zu leiten.

Günthert: Prima, dass Sie hier eine Priorität

setzen. Und wie sehen ihre beruflichen

Ziele für die kommenden Jahre

insgesamt aus?

Schmidtke: Hochleistungssportler müssen,

wenn sie nicht Schaden nehmen

wollen, über einen längern Zeitraum ab-

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

trainieren. Ich bin überzeugt, das gilt auch

für Geistesarbeiter. Also werde ich meine

Lehr- und Fortbildungstätigkeit fortsetzen.

Es ist überraschend, wie schnell ich

interessante Anfragen erhalten habe. Ein

neues Aufgabenfeld sehe ich in der Hilfestellung

für Planer und Controller, die

bei der Bearbeitung bzw. Prüfung von

Wirtschaftlichkeitsrechnungen oder im

Konfliktmanagement kurzfristige und

kurzzeitige Unterstützung wünschen. Der

Bedarf nach ein- oder zweitägigen Inhouseberatungen

zur Vermittlung des

benötigten Handlungswissens und zur

Arbeitsanleitung ist unverkennbar. Die

Ermittlung von Hochwasserschadenspotenzialen

und darauf aufbauenden Nutzen-Kosten-Untersuchungen

sind derzeit

ein Beispiel, wo Büros schnell eigene Expertise

erlangen oder in komplizierteren

Fällen Expertenwissen einbeziehen wollen.

Natürlich bin ich auch für eine umfangreichere

Mitarbeit in Projekten offen.

Wissenschaftlich interessiert mich die

Entwicklung multikriterieller Bewertungsverfahren,

insbesondere in den Bereichen

Kanalsanierung, Abwasserentsorgung

des ländlichen Raumes und des

integrierten Hochwassermanagements.

Günthert: Das sind interessante Herausforderungen,

mit denen Sie sich fit halten

wollen. Bei Ihrer Vitalität und dem

Willen dort anzusetzen, wo andere aufhören,

sind gute Wünsche für eine erfolgreiche

Zukunft mehr oder wenig eine Höflichkeit.

Aber verraten Sie mir noch zum

Schluss, worin Ihr Erfolgsrezept liegt.

Schmidtke: Tut mir leid, mit solchen

Gedanken beschäftige ich mich nicht.

Ich liebe es, klare Prioritäten zu setzen

und gesetzte Ziele nicht aufzugeben.

Eines weiß ich in diesem Zusammenhang

mit Sicherheit: Nur im Lexikon steht

der Erfolg vor dem Fleiß.


Veranstaltungen

Seminar „Niedrigwassermanagement“ am 11./12. November 2004 in der

Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz

Veranstalter:

AG Niedrigwasser der ATV-DVWK - Hauptausschuss Hydrologie und Wasserbewirtschaftung

Hydrologische Wissenschaften – Fachgemeinschaft in der ATV-DVWK

Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz

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Schwerpunkte:

Niedrigwasserereignisse – Definitionen

Niedrigwasserstatistik – Grundlagen, statistische Analysen

Einzugsgebietsmodelle für den Niedrigwasserbereich

Planungs- und Steuerungsmodelle

Niedrigwasservorhersage

Ökologische Auswirkungen

Beispiele zum Niedrigwassermanagement aus den Bereichen der V erbände und Talsperrenbetreiber, der Länder, der Wasser-

und Schifffahrtsverwaltung

Zielgruppe:

Ingenieurbüros, Verbände, Kommunen sowie Umwelt- und Wasserwirtschaftsverwaltungen

Veranstaltungsort:

Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz, Am Mainzer Tor 1, 56068 Koblenz

Programm

Donnerstag, 11. November, 10.15 – 17.00 Uhr

Begrüßung, Einführung (Dir. u. Prof. Volkhard Wetzel, Koblenz und Prof. Dr.-Ing. Gero Koehler, Kaiserslautern)

Niedrigwasserkenngrößen (Prof. Dr.-Ing. Gero Koehler, Kaiserslautern)

Statistische Analyse von Serien der Niedrigwasserkenngrößen (Dr. Winfried Willems, Ottobrunn)

Niedrigwassermanagement in Mittelgebirgseinzugsgebieten (Prof. Dr. Andreas Schumann, Bochum)

Berechnung von Niedrigwasserabflüssen – Anforderungen und Besonderheiten beim Einsatz von Einzugsgebietsmodellen

(Prof. Dr. Konrad Miegel, Rostock)

Wasserbewirtschaftungsmodelle als Instrument für die Planung eines nachhaltigen Niedrigwassermanagements

(Dr. Stefan Kaden, Berlin)

Bemessung der Niedrigwasseraufhöhungsmengen aus Talsperren – Echtzeitsteuerung mit dem Programm WinMBM

(Dr. Wolfram Thiele, Erfurt)

Niedrigwasser – Vorhersage an Bundeswasserstraßen – Entwicklung und operationeller Betrieb

(Dipl.-Ing. Silke Rademacher, Koblenz)

Freitag, 12. November 2004, 9.00 – 13.00 Uhr

Regionalisierung von Niedrigwasserkenngrößen – Methodische Ansätze und Fallbeispiele

(Prof. Dr. Siegfried Demuth, Koblenz)

Ökologische Auswirkungen des Niedrigwassers (Dr. Jochen Koop, Koblenz)

Operationelle Niedrigwasseraufhöhung der Ruhr mit Hilfe von Talsperren (Prof. Dr. Gerd Morgenschweis, Essen)

Die Anreicherung der Lippe aus Wassergütegründen – Niedrigwassermanagement an einem viel genutzten Fluss

(Dr. Jürgen Ruppert und Dipl.-Biol. Petruck, Essen)

Wasserbewirtschaftung der westdeutschen Kanäle – Grenzen der Wasserbewirtschaftung

(Dipl.-Ing. Jürgen Zach, Datteln)

Sauerstoff- und Wärmereglement am Neckar (Dipl.-Chem. Istvan Pinter, Karlsruhe)

Abschluss des Seminars (Prof. Dr.-Ing. Hans-B. Kleeberg, München und Prof. Dr. Uwe Grünewald, Cottbus)

Anmeldeinformationen unter: www.FgHW.de

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Mitglieder-Rundbrief 1/2004


Nürnberger Wasserwirtschaftstag 2004

Programmüberblick:

Seminar 1:

Aktuelles aus der Siedlungswasserwirtschaft

Das Seminar 1 des Nürnberger Wasserwirtschaftstages

2004 bietet einen

Strauß aktueller Themen aus dem Bereich

der Abwasserbehandlung an:

Ausführlich wird das immer aktuelle

Thema Abwasserabgabe behandelt.

Hier können Kommunen bei entsprechender

Fachkenntnis erhebliche

Kosten einsparen.

Zum Thema Energieoptimierung werden

praktische Möglichkeiten aufgezeigt,

den Energieverbrauch zu optimieren

und gleichzeitig die Stromkosten zu

minimieren.

Aufgrund neuer Rechtsprechung zu

den Entwässerungsgebühren müssen

Kommunen künftig verstärkt die Frage

prüfen, ob ein gesplitteter Gebührenmaßstab

(für Schmutz- und Niederschlagswasser)

notwendig wird.

Aktuelle Informationen zu den Fragen

der Arbeitsicherheit, zum Umgang mit

Niederschlagswasser und zur Abwasserentsorgung

im ländlichen Raum

runden dieses Seminarangebot ab.

Vorträge:

Aktuelle Änderungen der Abwasserabgabengesetze

Dr. Heinz Staudigl,

Ministerium für Umwelt, Gesundheit

und Verbraucherschutz, München

Abwasserabgabe und kommunale

Prüfung

Dipl.Verw. (FH) Adolf Kraus,

Bayer. Kommunaler Prüfungsverband,

München

Fremdwasser und Jahresschmutzwassermenge

– Einfluss auf die Abwasserabgabe

Dr.-Ing. Friedrich Seyler,

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

München

16

Der diesjährige Nürnberger Wasserwirtschaftstag 2004 findet am Donnerstag, den 24. Juni 2004 von 9.00 – 17.00 Uhr in der

Meistersingerhalle in Nürnberg statt.

Nach einem von Prof. Dr.-Ing. Peter Wilderer gehaltenen gemeinsamen Festvortrag zum Thema „Visionen für die Siedlungswasserwirtschaft“

wird es auch in diesem Jahr zwei parallel laufende Vortragsveranstaltungen geben.

Nichteinhaltung von Überwachungswerten

– Verrechnung von Baukosten

Dipl.-Ing. (FH) Manfred Fischer,

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

München

Abwasserentsorgung im ländlichen

Raum – neue Randbedingungen?

Dipl.-Ing. Gustl Geisenhofer,

Ministerium für Umwelt, Gesundheit

und Verbraucherschutz, München

Diskussion und anschließend Mittagspause

Neuerungen beim Rückhalt und bei

der Versickerung von Niederschlagswasser

Dipl.-Ing. Georg Rosenzweig,

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

München

Energiewirtschaftliche Optimierung:

Mineralölsteuergesetz, Stromsteuerund

Umsatzsteuergesetz, Erneuerbare-Energien-Gesetz

(EEG), Strombezugs-

und Lieferverträge

Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtsch.-Ing.

Hansjörg Pfeifer,

Ing.-Büro EVIT, München

Identifizierung und Umsetzung von

Energiesparmaßnahmen auf Kläranlagen

Dr.-Ing. Ferdinand Schmitt,

Ruhrverband, Essen

Diskussion und anschließend Kaffeepause

Arbeitssicherheit – Verantwortung

des Unternehmensträger

Dipl.-Ing. Joachim Schmitt,

Bayer. Gemeindeunfallversicherungsverband,

München

Rechtliche Rahmenbedingungen für

gesplittete Abwassergebühren in

Bayern

Dr. jur. Juliane Thimet,

Bayer. Gemeindetag, München

Gesplittete Gebühr – Probleme und

Lösungsansätze in der Praxis

Dipl.Verw. (FH)

Wolfgang Schwamberger,

Bayer. Kommunaler Prüfungsverband,

München

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Seminar 2:

Hochwasserrückhalt in kleinen

Einzugsgebieten

Für die Unterhaltung der kleinen Gewässer

in Bayern, immerhin rd. 60.000

km Fließstrecke, sind die Kommunen

zuständig. Der Freistaat Bayern fördert

mit einem Schwerpunktprogramm die

Planung und Umsetzung von Wasserrückhaltemaßnahmen

in der Fläche.

Wesentliche Bestandteile eines Hochwasserschutzkonzepts

werden kleine

Rückhaltebecken sein. Diese Bauwerke

müssen nicht nur den technischen

Anforderungen und Sicherheitsbelangen

genügen, sie sollten auch ökologisch

durchgängig sein.

In Bayern dürfen die Wasserwirtschaftsämter

für die Kommunen keine Ingenieurleistungen

mehr für kleine Gewässer

übernehmen. Das Seminar richtet sich

deshalb insbesondere an Ingenieurbüros,

die für Kommunen Hochwasserrückhaltemaßnahmen

planen. In dem Seminar

werden für die Bemessung kleiner

Rückhaltebecken die hydrologischen

und hydraulischen Planungsgrundlagen

sowie die technischen Regelwerke und

Richtlinien vorgestellt. Aber auch die

Anforderungen an die ökologische

Durchgängigkeit kleiner Rückhaltebecken

sollen behandelt und diskutiert

werden.

Vorträge:

Hydrologische Planungsgrundlagen

Dipl.-Ing. Franz-Klemens Holle,

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

München

Regelwerke und Richtlinien bei Rückhaltebecken

Dipl.-Ing. Herbert Weiß,

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

München

Kleine Rückhaltebecken

Technische Grundlagen

Dr.-Ing. Tanja Ganz,

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

München


Hydraulische Berechnungen

Dipl.-Ing. (FH) Frank Michel,

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

München

Konstruktive Details

Dipl.-Ing. Birgit Beyer,

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

München

Diskussion und anschließend Mittagspause

Überwachung kleiner Rückhaltebecken

Dipl.-Ing. Reinhard Klumpp,

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

München

Ökologische Durchgängigkeit bei

kleinen Rückhaltebecken

Dipl.-Biol. Markus Heim,

Wasserwirtschaftsamt, Landshut

Beitrag der Gewässerentwicklung

zum Hochwasserschutz

Dipl.-Ing. Walter Binder,

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

München

Diskussion und anschließend Kaffeepause

XXII. Donauländer-Konferenz

Seit 1961 findet alle zwei Jahre die Konferenz

der Donauländer über hydrologische

Vorhersagen und hydrologischwasserwirtschaftliche

Grundlagen statt.

Diese nunmehr über 40jährige Zusammenarbeit

von Hydrologen und Wasserwirtschaftlern

aus den Donauländern

steht heute im Rahmen des Internationalen

Hydrologischen Programms (IHP)

der UNESCO auf zwei Säulen. Neben

der Durchführung der Konferenz ist dies

die gemeinsame Bearbeitung von grundlegendenhydrologisch-wasserwirtschaftlichen

Projekten. Die Projektbearbeitung

wird durch die Arbeitsgruppe

„Regionale Zusammenarbeit/Hydrologie

der Donau“ des deutschen IHP/OHP-

National-Kommittees wahrgenommen.

Die nächste, nunmehr schon XXII. Donauländerkonferenz

findet vom 30.08.

bis 02.09.2004 in der Stadt Brno

(Brünn) in Tschechien statt; sie wird

vom tschechischen IHP-Nationalkommittee

ausgerichtet. Als Konferenzsprache

ist Englisch vorgesehen.

Als Konferenzthemen werden genannt:

Hydrologische Vorhersagen; Meteorologische

Eintrittsdaten in hydrologischen

17

Beispiel: Hochwasservorsorgekonzept

Markt Glonn

Landschaftsökologische Kriterien für

ein Vorsorgekonzept

Dr. Hans Michael Schober,

Büro für Landschaftsarchitektur, Freising

Dimensionierung dezentraler Retentionsräume

Dr.-Ing. Thomas Dick,

Ing.-Büro EDR, München

Technischer Hochwasserschutz im

Siedlungsbereich

Dipl.-Ing. Michael Glück,

Ing.-Büro Glück, Glonn

Seminarort:

Stadt Nürnberg, Meistersingerhalle,

Münchner Str. 21, 90478 Nürnberg, Tel.

0911-2318000

Anmeldung:

Bitte melden Sie sich schriftlich bis 7.

Juni 2004 an. Als verbindliche Anmeldebestätigung

erhält der Teilnehmer die

Rechnung über die Teilnahmegebühr.

Der Anfahrtsplan zum Veranstaltungsort

wird zugesandt. Namensschilder und

Vorhersagemodellen; Hydrologische

Prozesse; Erosion, Sedimenttransport

und Sedimentation; Wasserqualität;

Wasserressourcenbewirtschaftung.

Ziele der Konferenz sind:

Informationsaustausch über die Verbesserung

neuer Modelle und Methoden

für hydrologische Vorhersagen

und Parameter in unterschiedlichen

zeitlichen und räumlichen Maßstäben;

Deutlichere Formulierung der Rolle

der hydrologischen und biotischen

Prozesse im aquatischen System;

Vorstellung von neueren Erkenntnissen

über die Belastung von Wasservorkommen

durch Aktivitäten auf der

Landoberfläche und durch klimatische

Veränderungen und über die Entwicklung

neuer Möglichkeiten für die Messung

und Bewertung der Wasserqualität.

Sowohl Beiträge zur Methodik als auch

Fallstudien aus den Donauländern sind

willkommen.

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Seminarunterlagen werden vor Ort ausgegeben.

Teilnahmegebühr:

ATV-DVWK-Mitglieder 100,00 €

Nicht-Mitglieder 140,00 €

Studenten 20,00 €

Der Preis beinhaltet Seminarunterlagen

und Verpflegung (2 Kaffeepausen, 1

Mittagessen). Bitte zahlen Sie die Teilnehmergebühr

sofort nach Erhalt unserer

Rechnung unter Angabe der Rechnungsnummer.

Nicht-Mitglieder, die im Tagungsbüro

einen Aufnahmeantrag für

eine Mitgliedschaft im ATV-DVWK

unterschreiben, können kostenlos

am Seminar teilnehmen.

Parkplätze:

Parkplätze sind in ausreichender Zahl

vor und hinter der Meistersingerhalle

vorhanden.

Die Einladung kann bei unserem Landesverband

oder im Internet unter

www.atv-dvwk-bayern.de abgerufen

werden.

Auskunft:

Eva Soukalová,

Tschechisches Hydrometeorologisches

Institut, Kroftova 43, 61667 Brno,

Tschechische Republik,

Tel. +420/541 421-022,

Fax +420/541 421-018,

eva.soukalova@chmi.cz

daneben:

IHP/OHP-Sekretariat bei der Bundesanstalt

für Gewässerkunde,

Postfach 200 253, 56002 Koblenz,

Tel. 0261/1306-5440 (Herr Schröder),

Fax 0261/1306-5333

schroeder@bafg.de

oder

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

Herr Weber,

Tel. 089/9214-1516,

Fax 089/9214-1131


Internationales Symposium „Wasserwirtschaft in der Fläche“

am 17. / 18. Januar 2005 im Europäischen Patentamt in München

1. Tag, 17. Januar 2005

9.30 Uhr Begrüßung, Grußworte, Festvortrag

11.00 Uhr Einführung

Prof. Dr.-Ing. Reinhard F. Schmidtke, Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft, TU Darmstadt

Was sind Wasser- und Stoffströme in der Fläche?

18

11.15 Uhr Überblick, Beschreibung der Prozesse, Messungen

Prof. Dr.-Ing. Martin Voigt, Institut für Wasserwirtschaft und Ökotechnologie, Hochschule Magdeburg-Stendal

11.35 Uhr Bewertung und Leistungsfähigkeit der Wasser- und Stofftransportmodellierung

Dr. Martin Bach, Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement, Universität Gießen

11.55 Uhr Versickerungsfähigkeit land- und forstwirtschaftlicher Flächen

Prof. Dr. Ralph Meissner, Bereich Bodenforschung, Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig GmbH

12.15 Uhr Verdunstung und Grundwassererneuerung

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Markus Disse, Institut für Wasserwesen, Universität der Bundeswehr München

12.35 Uhr Abflussbildung auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen:

Einflussfaktoren und Modellierung

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Hans-Peter Nachtnebel, Universität für Bodenkultur, Wien

Was beeinflusst und ändert die Wasser- und Stoffströme?

14.30 Uhr Langfristige und kurzfristige Veränderungen bei Klimaänderung

Dr.-Ing. Kai Gerlinger, Ingenieurbüro Dr. Karl Ludwig, Karlsruhe

14.50 Uhr Änderung der Landnutzung („Flächenverbrauch“)

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Axel Bronstert, Institut für Geoökologie, Universität Potsdam

15.10 Uhr Beeinflussung der Erosionsprozesse

Univ.-Prof. Dr. Karl Auerswald, Lehrstuhl für Grünlandlehre, TU München, Weihenstephan

16.15 Uhr Diffuse Einträge aus der Landwirtschaft

Univ.-Prof. Dr. Alois Heißenhuber, Lehrstuhl für Wirtschaftslehre, TU München, Weihenstephan

16.35 Uhr Koreferat aus der Sicht der Praxis

Dipl.-Ing. agr. Simone Auth, Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft, München

16.55 Uhr Bodenveränderungen und ihre Konsequenzen

Univ.-Prof. Dr. Nicola Fohrer, Ökologie-Zentrum der Universität Kiel,

17.30 Uhr Empfang im Forum der Technik

20.00 Uhr Filmvorführung im IMAX

2. Tag, 18. Januar 2005

Was kommt auf uns zu? Wie sind die wasserwirtschaftlichen Nutz- und Schutzfunktionen betroffen?

8.30 Uhr Grundwasserbewirtschaftung und Wasserversorgung

Dipl.-Ing. Michael Haug, Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft, München

8.50 Uhr Entwicklung der ländlichen Abwasserentsorgung

Prof. Dr.-Ing. Manfred Lohse, Fachbereich Bauingenieurwesen, Fachhochschule Münster

9.10 Uhr Landschaftswasserhaushalt, Landnutzung ond Ökosysteme

Univ.-Prof. Dr. Uwe Grünewald, Lehrstuhl für Hydrologie und Wasserwirtschaft, TU Cottbus

9.30 Uhr Vorbeugender Hochwasserschutz, Retention in der Fläche

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Gero Koehler, Lehrstuhl für Wasserbau der Universität Kaiserslautern

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004


Wie geht es weiter? Strategien zur Zukunftsvorsorge

10.45 Uhr Wasserversorgung und Abwasserentsorgung einschl. Schutz der oberirdischen Gewässer

und des Grundwassers

Prof. Dr.-Ing. Albert Göttle, Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft, München

11.05 Uhr Landschaftswasserhaushalt und Ökologie

Dr. ao Univ.-Prof. Wolfgang Stalzer, Österreichisches Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft,

Umwelt und Wasserwirtschaft Wien

11.25 Uhr Vorbeugender Hochwasserschutz

Vizedirektor Dipl.-Ing. Andreas Götz, Bundesamt für Wasser und Geologie, Biel

19

11.45 Uhr Von der Strategie zur praktischen Umsetzung

Werner Schmid, Bayer. Gemeindetag, München

12.20 Uhr Abschlussvortrag - Wasser in der Fläche im gesellschaftspolitischen Kontext

Univ.-Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork, Direktor des Ökologie-Zentrums der Universität Kiel

(Hinweis: Die genauen Titel der jeweiligen Vortragsthemen sind noch in Bearbeitung)

Veranstalter: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Universität der Bundeswehr

München, Fachgemeinschaft Hydrologie, ATV-DVWK Landesverband Bayern

Programm- und Anmeldeinformationen unter www. atv-dvwk-bayern.de.

„Planen mit Regenwasser – Aktuelles aus Bayern“ am 29.09.2004

Im Bereich der Siedlungsentwässerung hat in den letzten Jahren ein Umdenken bei der Entwässerungsplanung stattgefunden.

Leitgedanke hierbei ist, die wesentlichen Nachteile des reinen Ableitungsprinzips zu entschärfen. Im Sinne einer nachhaltigen

Entwicklung muss unter Beibehaltung des bisherigen Sicherheitsstandards eine Planung so gestaltet und umgesetzt werden,

dass das natürliche Gleichgewicht des Wasserkreislaufes (Verdunstung, oberirdischer Abfluss und Grundwasserneubildung)

durch die geplante Maßnahme so gering wie möglich verändert wird. Dabei darf die Benutzung der Gewässer durch Versickerung

und/oder oberirdische Einleitung nur so erfolgen, dass keine Verunreinigung oder sonstige nachteilige Auswirkungen zu

erwarten sind. Zudem werden von den Entsorgungspflichtigen aufgrund der immer knapper werdenden Mittel kostengünstige

Lösungen gefordert. Für die Umsetzung dieser Zielvorgaben wurden in der Vergangenheit u.a. verschiedene ATV-DVWK-Regelwerke

erarbeitet und in Bayern mit Merkblättern des Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft in der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung

eingeführt. Darin wird gezielt auf Besonderheiten und zulässige Ausnahmen in Bayern hingewiesen. Im

Rahmen der Veranstaltung „Planen mit Regenwasser – Aktuelles in Bayern“ am 29.09.2004 im Bayerischen Landesamt

für Wasserwirtschaft in München, Lazarettstraße 67 werden aktuelle Themenbereiche behandelt, diskutiert und zugehörige

Arbeitshilfen des Bayer. Landesamtes für Wasserwirtschaft für die Planung vorgestellt.

Planen mit Regenwasser

Planungsgrundsätze, Wasserhaushalt, rechtliche Aspekte

Regen- und Mischwasser

Vereinheitlichung und Herleitung von Bemessungswerten für Abwasseranlagen ATV-DVWK-A 198, LfW-Merkblatt 4.3/12

Mischwasserbehandlung und Messeinrichtungen an Regenbecken und Regenüberläufen

Bodenfilter im Misch- und Trennsystem, allgemeine Planungshinweise

Bemessung von Regenrückhalteräumen, ATV-DVWK-A 117, LfW-Merkblatt 4.3/9

Regenwasserversickerung

Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser, ATV-DVWK-A 138, LfW-Merkblatt 4.3/11

Umgang mit Regenwasser

Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Regenwasser ,ATV-DVWK-M153, LfW-Merkblatt 4.3/2

Behandlung von Niederschlagsabflüssen von unbeschichteten Kupferdächern in Filteranlagen

Qualitative Aspekte bei Niederschlagsabflüssen von Straßen

Arbeitshilfen des LfW

Technische Regeln zum erlaubnisfreien Versickern bzw. Einleiten in oberirdische Gewässer (TREN),

Anwendungsprogramm im Internet

Ermittlung des Gesamtbeckenvolumens zur Mischwasserbehandlung (A 128, Anhang 3)

Dimensionierung von Regenrückhalteräumen (A 117)

Qualitative und quantitative Anforderungen bei Regenwassereinleitungen in Gewässer (M 153)

Dimensionierung von Versickerungsanlagen (A 138)

Programm- und Anmeldeinformationen unter www. atv-dvwk-bayern.de.

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004


Symposium „Lebensraum Fluss - Hochwasserschutz, Wasserkraft, Ökologie“

vom 16. – 19. Juni 2004 in Wallgau / Obb.

Mittwoch, 16.06.2004, 13.00 - 18.00 Uhr

Eröffnung und Grußworte

Sitzung 1 „Einführung“ - Leitung: Prof. Heigerth, TU Graz

Die Wasserkraftnutzung im Spannungsfeld zwischen Hochwasserschutz und Ökologie am Fluss (Haas)

Der Beitrag der Wissenschaft zur umweltverträglichen Nutzung der Wasserkraft (Strobl)

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Sitzung 2 „Hochwasser“ - Leitung: Dipl.-Ing. Haas, E.ON Wasserkraft GmbH

Aktuelle Untersuchungen zum Hochwasserschutz im Raum Magdeburg (Horlacher, Heyer, Möricke)

Nachhaltige Entwicklung der Kamptal-Flusslandschaft nach dem Extremhochwasser 2002 (Habersack, Hofbauer, Preis,

Muhar, Jungwirth)

Hochwasserretention durch Vorabsenkung in Flussstauräumen - Fallbeispiel vom Tiroler Inn (Boes, Reindl, Stöger)

Die Verbesserung der Hochwasserschutzwirkung der Talsperre Roßhaupten durch Umbau der Hochwasserentlastungsanlage

(Haimerl, Kalusa, Sepp, Bhattarai)

Q oder W - Worauf konzentriert sich die Hochwasservorsorge? (Sönnichsen)

Donnerstag, 17.06.2004, 8.30 - 18.00 Uhr

Sitzung 3 „Sohlstabilität“ - Leitung: Dr. Hauenstein, Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband

V-Rampen - Ein Konzept zur Stabilisierung von Flüssen (Aufleger)

Stabilität von aufgelösten Blockrampen (Semadeni, Lange, Bezzola)

Die Neue Eisenbahnbrücke über die Salzach, Umbau in einem hochwassergefährdeten Fluss -

Hydraulische Modellversuche und vergleichende Numerik (Heigerth, Klasinc, Steinman)

Einfluss der NEAT-Brückenpfeiler auf die Abflussverhältnisse in der Rhone bei Raron im Kanton Wallis (Schweiz) -

Modellversuche und numerische Simulationen (Chevre, Boillat)

Sitzung 4 „Feststofftransport“ - Leitung: Dr. Volkart, ETH Zürich

Geschiebebewirtschaftungskonzept Obere Drau als Basis eines verbesserten Hochwasserschutzes (Schöberl, Reindl)

Auswirkung wasserbaulicher Maßnahmen auf die Flussmorphologie und Ökologie am Beispiel der Oberen Drau

(Schober, Habersack)

Gewässerausbau Eckerbachtal (Ebner, Lang, Koksch, Schindlmayr, Unterreitmeier)

Durchschleusen von Dichteströmen als Alternative zu Stauraumspülungen zur Verringerung negativer Auswirkungen

auf die Ökologie von Unterliegern (Schneider)

Sitzung 5 „Wasserkraftnutzung“ - Leitung: Prof. Minor, ETH Zürich

Die österreichischen Donaukraftwerke und das Hochwasser vom August 2003 - Verlauf, Erfahrungen und Schlussfolgerungen

(Harreiter, Schimpf)

Das Stadtkraftwerk Leoben in Österreich - Erfolgsstory einer Revitalisierung (Krampl, Wedam)

Optimierung der Geschiebetrift unterhalb eines Flusskraftwerks (Keller, Knoblauch, Heigerth)

Entsander von Wasserkraftanlagen - Systematische Untersuchungen strömungstechnischer Verbesserungen

(Ortmanns, Volkart)

Sitzung 6 „Sanierung“ - Leitung: Prof. Schiller, Wien

Die Sanierung des Innkanals im Jahre 2003 (Kreiser)

Sanierung der Oberflächendichtung der Stauhaltungsdämme der Innstufe Braunau/Simbach (Kleist, Renner, Strobl)

Wasserkraftanlagen - Reaktivierung oder Renaturierung (Heilmair)

Multifunktionaler Wasserbau an der oberen Traisen in Niederösterreich (Goldbacher)

Freitag, 18.06.2004, 8.30 - 12.30 Uhr

Sitzung 7 „Weiches Ufer“ - Leitung: Dr. Rost, Schluchseewerke

Prozessstudie bei der eigendynamischen Aufweitung in einer geraden Gewässerstrecke (Schmautz)

Eigendynamische Gewässerentwicklung - Ein Vergleich zwischen numerischer Simulation und Wirklichkeit

(Hafner, Schindler, Schmautz)

Kolkproblematik in aufgeweiteten Flussabschnitten (Marti, Bezzola)

Uferrückbau an schiffbaren Flüssen - Konzepte für die Donau östlich von Wien (Klasz, Schlögl, Schmalfuß)

Von der Furkationsaue zum Restrhein und zurück (Geiler, Lange)

Sitzung 8 „Isar - Salzach“ - Leitung: Dr. Aufleger, VAO

Fluss- und Auenentwicklung an der Isar (Binder)

Der Isar-Plan - Hochwasserschutz und Renaturierung der Isar in München (Zinsser)

Morphologische Gewässersanierung und Hochwasserschutz durch kontrollierte Dynamisierung - Ein Modellversuch

für die Praxis (Hengl, Stephan)

Sanierung untere Salzach (Lederer)

Das Programm und die Anmeldungsunterlagen unter: http://www.tum-vao.de

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004


32. Abwassertechnisches Seminar „Abwasserreinigung ohne Biologie?“

21

Anlässlich der Verabschiedung von Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Peter A. Wilderer veranstaltet der Lehrstuhl für Wassergüte- und

Abfallwirtschaft der Technischen Universität München ein abwassertechnisches Seminar zum Thema „Abwasserreinigung ohne

Biologie? – zur Bedeutung chemisch-physikalischer Reinigungsverfahren“:

Donnerstag, 15.07.2004, 9.00 - 17.00 Uhr

Begrüßung und Einführung (Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Peter Wilderer)

Wastewater Treatment in Developing Countries: Use of Physico-Chemical Processes for Achieving Affordable Disposal

Schemes (M. Libhaber, The World Bank)

Vorfällung – Eine alte Geschichte neu zu beleben (Prof. Dr.-Ing. E.h. H. H. Hahn, PhD, Karlsruhe)

Chemisch-physikalische Verfahren und die Suche nach Kriterien für ihren Einsatz (Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. H. Kroiss, Wien)

Ist die Sedimentation überholt? (Prof. Dr.-Ing. F. W. Günthert, München)

Ist die chemisch-physikalische Abwasserbehandlung zur Erzeugung von Bewässerungswasser geeignet? (Prof. Dr.-

Ing. P. Cornel, Darmstadt)

Leistungen und Kosten beim Einsatz chemisch-physikalischer Verfahren zur Ergänzung der biologischen Abwasserreinigung

(Prof. Dr.-Ing. M. Dohmann, Aachen)

Maschinelle und verfahrenstechnische Methoden zur Abwasserreinigung (Dipl.-Ing. H. Huber, Berching)

Membranbelebung auf der Kläranlage Monheim – Leistung, Aufwand, Perspektiven (Dr.-Ing. E.h. P. Schleypen und Dr.-

Ing. H. Hruschka, München)

Mikrosiebung und Membrantrenntechnik zur Behandlung von Vergärungsabwasser (Dr.-Ing. M. Grömping, Aachen)

Stoffströme in der Siedlungswasserwirtschaft, Behandlung und Gewinnung von Nährsalzen (Prof. Dr.-Ing. K. H. Rosenwinkel,

Hannover)

Wasseraufbereitung in Rezirkulationsduschen für Flugzeuge

Schlusswort (Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Peter A. Wilderer)

Die Tagungsteilnehmer sind zu dem anschließend stattfindenden Sommerfest des Lehrstuhls eingeladen.

Information: www.wga.bv.tum.de

Seminar „Instrumente des Trinkwasserschutzes“ am 29.09.2004 in Ingolstadt

Die DVGW Landesgruppe Bayern und der ATV-DVWK Landesverband Bayern veranstalten gemeinsam dieses Seminar, das

sich vor allem mit dem Trinkwasserschutz beschäftigt.

Das Programm wird z. Zt. erarbeitet und lag bei Redaktionsschluss noch nicht detailliert vor. Interessenten bitten wir, im Internet

unsere Homepage (www.atv-dvwk-bayern.de) zu besuchen. Dort wird das ausführliche Programm mit Anmeldemöglichkeit

veröffentlicht.

Mittwoch, 29.09.2004, 9.00 – 17.00 Uhr

Begrüßung, Einführung

Block A: „Ausweisung von Wasserschutzgebieten“

Bemessung, Aufgabenkatalog

Rechtliche Verfahren

Konkurrierende Nutzungen in Wasserschutzgebieten

Fallsbeispiele

Block B: „Bewirtschaftung von Wasserschutzgebieten“

Schutzgebietsmanagement

Förderprogramme und Ausgleichsleistungen

Land- und Forstwirtschaft in Wasserschutzgebieten

Kooperationsbeispiele mit der Landwirtschaft

Block C: „Gesundheitsvorsorge beim Trinkwasser“

Erfahrung mit den Untersuchungen nach der neuen Trinkwasserverordnung und Entwicklungstendenzen

Erfahrungen mit der Umsetzung der Trinkwasserverordnung am praktischen Beispiel

Mikrobiologische Aufbereitung

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004


In eigener Sache

Die lange Zeit des Abschieds

14 Jahre als „Landesfürst“ haben ihre

Spuren hinterlassen.

Kurt Wittmann hat zum 01.01.2004 sein

Ehrenamt als Landesverbandsvorsitzender

aufgegeben. Seine Verdienste haben

wir in der letzten Ausgabe des Mitgliederrundbriefes

ausführlich gewürdigt.

Aber so schnell vollzog sich der Abschied

nicht. Wer so breitgefächert im

Landesverband wirkte, der muss auch

akzeptieren, dass sich alle betroffenen

Gremien und Fachgruppen gebührend

von ihrem Vorsitzenden verabschieden

wollten. Doch da gab es auch keine Hindernisse

zu überwinden. Bekannt für

seine Integration und Freude am Feiern

war keine Verabschiedung und keine

Ehrung zu viel.

Mit der Neuwahl von Herrn Prof. Dr. F.

Wolfgang Günthert im Rahmen der Landesverbandstagung

in Fürth am 23.

Oktober 2003 war es amtlich, dass Kurt

Wittmann seiner Aufgabe entbunden

wird. 350 Teilnehmer waren anwesend

als ATV-DVWK Präsident Prof. Hahn,

sowie der stellvertretende Landesverbandsvorsitzende

Hermann Klotz ihn

ehrten. Der langanhaltende Applaus

verdeutlichte seine große Beliebtheit im

bayerischen Landesverband.

Während der Weihnachtsfeier im Dezember

nahm der engere Kreis der Mit-

22

arbeiter des Landesverbandes Abschied

von ihrem Chef. Hermann Klotz übernahm

es, sein Wirken bei den schwierigen

Aufgaben, z.B. mit dem Umzug der

Die Mannschaft des Beirates der Kanal- und Kläranlagen-Nachbarschaften

Die Nachbarschaftslehrer lassen Renate und Kurt Wittmann hochleben

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Geschäftstelle oder den Fusionierungsgesprächen

und den Personalentscheidungen,

zu würdigen.


Es folgte im Januar die Beiratsitzung

der Kanal- und Kläranlagen- Nachbarschaften

deren Vorsitz Kurt Wittmann

14 Jahre inne hatte. Die kommunalen

Spitzenverbände wie auch die Wasserwirtschaftsverwaltung

nahmen die Gelegenheit

gerne wahr, von Kurt Wittmann

Abschied zu nehmen und die

vielen gemeinsamen Jahre noch einmal

Revue passieren zu lassen.

Schließlich folgte im Februar die Lehrertagung

der Kanal- und Kläranlagen

Nachbarschaften. Manfred Fischer übernahm

es, sich im Namen der gesamten

Kurs für Online-Analytik

Wirtschaftlicher Einsatz des Fällungsmittels

?

Wirtschaftliche Prozessregelung der

Stickstoffverminderung ?

Zu diesen Themen bietet der ATV-DVWK

Landesverband Bayern heuer wieder

einen

KURS FÜR ONLINE-ANALYTIK

an.

Bei der Weihnachtsfeier

des

Landesverbandes

Bayern

23

Verabschiedung

im Großen

Beirat

Lehrerschaft zu bedanken und ihm den

bayerischen ATV-DVWK Ehrenkrug zu

überreichen, den Kurt Wittmann verdienten

Mitgliedern so oft schon überreichen

konnte. Jetzt kam er daran.

Der voraussichtliche Schlusspunkt der

Ehrungen wurde während der Beiratssitzung

des Landesverbandes Bayern am

18. Februar gesetzt. Prof. Günthert

sprach die Laudatio und würdigte die Arbeit

seines Vorgängers zum Wohle des

Verbandes.

Auch wir sagen nochmals Dankeschön

- auch wenn wir zugeben, dass es uns

Teilnehmerkreis:

Anwender der Online-Analytik auf Kläranlagen,

Betreuungs-, Wartungs- und

Laborpersonal, Verfahrenstechniker sowie

Ingenieurbüros (max. 15 Teilnehmer)

Kursziel:

Der 2-tägige Kurs zeigt die Möglichkeiten

und Grenzen der Online-Analytik bei

der C-, N und P-Bestimmung in der Abwasserreinigung

aus der praktischen Erfahrung

der Anwender auf. Insbesondere

werden die Leistungsmerkmale dargestellt

und die Eignung einzelner Online-

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

schwer fällt Kurt Wittmann ziehen zu lassen.

Wir haben uns fest vorgenommen,

ihn möglichst oft zu unseren Veranstaltungen

und Abenden einzuladen. Wir

sind uns sicher, dass er sich in seiner

Aufgabe wohl gefühlt hat und dass er mit

seiner Frau Renate gerne kommt, nicht

nur wenn es was zu feiern gibt.

Manfred Fischer

LfW

Wolfgang Stockbauer

ATV-DVWK-Landesverband Bayern

Messgeräte für die Überwachung der

Abwasserabgabe-Parameter in Verbindung

mit der EÜV sowie der Optimierung

der Verfahrenstechnik und des Betriebsmitteleinsatzes

durch Steuerung/Regelung.

Kursorte:

Kläranlage München I für Südbayern

Kläranlage Nürnberg I für Nordbayern

(zur Verkürzung der Anreisezeiten)

Termine:

12.05. – 13.05.2004 in München

15.09. – 16.09.2004 in Nürnberg


Brief an alle Abgeordneten des Bayerischen Landtags

24

Das folgende Schreiben hat unser Landesverband jeder Abgeordneten und jedem Abgeordnetem geschickt. Einige Antworten

auf dieses Schreiben veröffentlichen wir auf der nächsten Seite, aus Datenschutzgründen haben wir die Namen entfernt.

An die Damen und Herren München, 16. März 2004

Abgeordneten des Bayerischen Landtags

Maximilianeum

81627 München

Umstrukturierung der Wasserwirtschaftsämter

Sehr geehrter «ANREDE» «TITEL»,

wir wenden uns heute mit der Bitte an Sie, unser Anliegen zu unterstützen, die Wasserwirtschaftsämter als eigenständige Fachbehörden

zu erhalten.

Der ATV-DVWK Landesverband Bayern besteht seit über 50 Jahren, er hat mehr als 2600 Mitglieder, davon fast 750 Städte und

Gemeinden und über 300 Ingenieurbüros, die in den Wasserwirtschaftsämtern kompetente und wichtige Partner sehen.

Nach der Regierungserklärung von Ministerpräsident Stoiber sollen „Sonderbehörden weitestgehend in die allgemeine innere Verwaltung

oder in ressort- und gebietsübergreifend organisierte zusammenfassende Ämter verlagert werden“. Man verspricht sich

davon Kosteneinsparungen durch Synergieeffekte, Personalkosten würden abgebaut, mehr Geld für Investitionen bliebe übrig.

Nach unseren Informationen wird als eine Variante daran gedacht, die Wasserwirtschaftsämter oder Teile davon auf die Kreisverwaltungsbehörden

aufzuteilen. Wir halten das für einen bedenklichen Ansatz und bitten auch im Namen unserer Mitglieder, dieses

Vorhaben abzulehnen.

Die Wasserwirtschaftsämter sind leistungsfähige und zugleich wirtschaftliche Verwaltungen im Dienst der Bürger. Die Arbeit der

Wasserwirtschaftsämter hat sich in vielen Jahrzehnten bestens bewährt, sie wurde stetig verbessert und neuen Aufgaben angepasst.

Das Personal der Wasserwirtschaftsämter schützt Grundwasser und oberirdische Gewässer, erhebt gewässerkundliche

Daten, erstellt Gutachten als amtliche Sachverständige, pflegt Gewässer und leistet Dienste bei Hochwasser. Das über Jahre

erworbene Fachwissen wird Bürgern, Kommunen, Unternehmen und Ingenieurbüros zur Verfügung gestellt. Durch diese kompetente

Beratung werden ökologisch nachhaltige und ökonomisch günstige Entscheidungen und Planungen vorbereitet. Dadurch

werden die Ziele des Umweltschutzes ideal mit einem sparsamen Mitteleinsatz kombiniert.

Daher sollte die zweckmäßigste Organisationsform der Wasserwirtschaftsverwaltung nicht allein unter dem Aspekt möglicher

künftiger Einsparquoten getroffen werden. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie erfordert eine ganzheitliche Flussgebietsbetrachtung.

Die damit zusammenhängende Aufgabenerledigung wird sich über viele Jahre hinwegziehen. Die derzeitige Struktur

der Wasserwirtschaftsämter gewährleistet eine sachgerechte Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie. Unternehmensberater, die

1998 im Auftrag der Staatsregierung die Wasserwirtschaftsverwaltung überprüft haben, sind zu dem Ergebnis gekommen, dass

die Struktur im wesentlichen erhalten bleiben sollte und eine Eingliederung der Wasserwirtschaftsämter in die Kreisverwaltungsbehörden

zu fachlichen Synergieverlusten und Effizienzeinbußen führen würde.

Ein Wasserwirtschaftsamt arbeitet in der Regel für 3 oder 4 Landkreise und kreisfreie Städte. An den Ämtern ist oft nur ein Spezialist

für besondere Fachaufgaben vorhanden, z.B. ein Hydrogeologe, ein Landespfleger, ein Biologe, ein Chemiker. Wer soll bei

einer Aufteilung welcher Kreisverwaltungsbehörde zugeteilt werden? Wo sich Synergieeffekte und Kosteneinsparungen ergeben

sollen, können wir nicht erkennen. Das Gegenteil wäre der Fall. Um bei einer Aufteilung bayernweit die gleichen Grundlagen,

Beurteilungskriterien u. a. sicher zu stellen, würde an zentraler Stelle ein höherer Koordinierungsaufwand anfallen, verbunden mit

zusätzlichen Kosten und Personal.

Bei einer Aufteilung der 24 Wasserwirtschaftsämter auf die 96 Kreisverwaltungsbehörden würde die Arbeit der Wasserwirtschaftsämter

an Qualität verlieren, weil dann das Fachwissen nicht mehr gebündelt an einem Amt vorhanden ist.

Es fällt nicht schwer zu prognostizieren, dass sich eine Auflösung oder Zersplitterung der Wasserwirtschaftsämter langfristig nachteilig

auf die Qualität des Grundwassers und der oberirdischen Gewässer auswirken würde. Eine Qualität, die mit hohem finanziellem

Aufwand und vorbildlicher Leistung der Wasserwirtschaftsämter geschaffen wurde, auf die wir stolz sein können, um die uns

viele Länder beneiden und die viele Touristen nach Bayern lockt. Wollen wir das aufs Spiel setzen?

Für Rückfragen stehen Ihnen der Landesverband der ATV-DVWK und ich persönlich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. F. – W. Günthert

Landesverbandsvorsitzender

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004


25

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004


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Treffen mit VBGW/DVGW-Landesgruppe Bayern

Am 20. Februar trafen sich der Landesverbandsvorstand

(Prof. Günthert, Herr

Bauer und Herr Klotz) sowie die Mitarbeiter

der Geschäftsstelle (Frau Hellwig,

Frau Philipps und Herr Stockbauer) des

ATV-DVWK-Landesverbandes Bayern

mit dem VBGW (Verband der Bayerischen

Gas- und Wasserwirtschaft e.V.)

bzw. der Landesgruppe Bayern des

DVGW ( Deutscher Verein des Gas- und

Wasserfaches e.V.). Das Treffen fand im

Technischen Rathaus der Stadt München

in der Friedenstraße statt. Seitens

des VBGW haben dessen Stellvertretender

Vorsitzender Herr Knaus, der Geschäftsführer

Herr Möller, sowie Herr

Traue (Referent Technik) und die Damen

Brei (Veranstaltungen) und Zacharias

(Mitgliederverwaltung, und -betreuung)

an dem Treffen teilgenommen.

Da durchaus Berührungspunkte zwischen

den beiden Verbänden bestehen,

war es Ziel dieses Treffens, die Möglichkeiten

gemeinsamer Veranstaltungen

sowie sonstiger Kooperationen zu klären.

Nach einer kurzen Begrüßung

durch die Herren Knaus und Prof. Günthert

fand eine kurze Vorstellungsrunde

statt, in der die Aktivitäten der beiden

(Landes-) Verbände vorgestellt sowie

die Aufgabengebiete der jeweiligen Mitarbeiter/innen

erläutert wurden.

Schon nach einer kurzen Gesprächsdauer

zeigte sich, dass vor allem die beiden

Geschäftsstellen durch eine gegenseitige

Unterstützung bzw. Hilfestellung, z.B.

bei der Organisation von Veranstaltungen,

stark voneinander profitieren können.

Der beliebte gelbfarbige Sonderdruck

des Landesverbandes Bayern über die

einschlägigen Gesetze aus dem Wasserrecht,

ist im Februar in der 11. Auflage

erschienen. Besonders von Interesse

ist dabei die Fassung des BayWG, die

alle Änderungen seit der letzten Neufassung

vom 19. Juli 1994 berücksichtigt.

Das Werk wurde wieder gemeinsam

vom ATV-DVWK Landesverband mit

dem Bayerischen Umweltministerium

herausgegeben, das jetzt offiziell Baye-

Die Teilnehmer des ersten Treffens zwischen dem VBGW und dem ATV-DVWK-Landesverband

Bayern von rechts nach links:

Frau Zacharias, Frau Brei, Herr Traue, Herr Prof. Günthert, Herr Möller, Herr Knaus,

Herr Klotz, Frau Hellwig, Herr Bauer, Frau Philipps und Herr Stockbauer

Eine weitere Kooperationsmöglichkeit

besteht bei gemeinsamen Veranstaltungen.

Eine erste solche Veranstaltung ist

für September 2004 geplant. Hierbei soll

es sich um ein gemeinsames Seminar

zum Thema Trinkwasserschutz handeln.

Das Gespräch hat deutlich gezeigt, dass

Kooperationen zwischen dem VBGW

und dem ATV-DVWK-Landesverband

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Bayern durchaus möglich und zur Stärkung

der Bayerischen Wasserwirtschaft

darüber hinaus auch sinnvoll sind. Deshalb

werden die beiden Verbände zukünftig

eine engere Zusammenarbeit

anstreben.

Wolfgang Stockbauer

ATV-DVWK-Landesverband Bayern

Sonderdruck über die Wasser- und Abwasserabgabengesetze neu erschienen

risches Staatsministerium für

Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz

(StMUGV)

heißt.

Als besondere Leistung gegenüber

seinen Mitgliedern

hat der Landesverband diesen

Sonderdruck allen bayerischen

Ingenieurbüros, den

Regierungen, Kreisverwaltungen

und Wasserwirtschaftsämtern

kostenlos zugesandt.

Im April folgen noch alle Gemeinden,

die sich an den Kanal-

und Kläranlagen Nachbarschaften

beteiligen.

Manfred Fischer

LfW


Berichte

Hochwasserschutz Zell

Der Ortsteil Zell der Gemeinde Üchtelhausen

im Landkreis Schweinfurt wurde

regelmäßig von Hochwasserfluten

heimgesucht. Besonders schlimm war

es am 20. Juni 1992: An diesem Tag fielen

auf wassergesättigten Boden 106

mm Niederschlag in 2,5 Stunden, ein

sogenannter Jahrhundertregen. Eine

Wasser-Schlamm-Brühe wälzte sich

durch den Ort, riss Autos mit und überflutete

den Altort. Wer die Flut gesehen

hat, sieht ein, dass kein Abflussgerinne

diese Wassermassen aufnehmen kann.

Also sprach bei der Planung des Hochwasserschutzes

alles für einen Hochwasserrückhaltedamm

kurz oberhalb

der Ortschaft. Er ist die wirtschaftlichste

und wasserwirtschaftlich sinnvollste

Lösung der Hochwasserproblematik.

Hochwasser wird es auch zukünftig im

„Hesselbacher Waldland“, in dem ca.

250 – 300 mm mehr Regen als im nur

4,5 km entfernt liegenden Schweinfurt

fällt, geben. Jedoch können die Zeller

Bürgerinnen und Bürger ruhig leben:

Denn der Hochwasserrückhaltedamm

schützt ihre Ortschaft auch vor extremen

Hochwassern.

Nach der Entscheidung für den Damm

wurde eine eingehende, umfangreiche

Planung unter Federführung des Wasserwirtschaftsamtes

Schweinfurt durchgeführt.

Das Bayerische Landesamt für

Wasserwirtschaft in München hat dabei

an der Planung fachkundig mitgewirkt.

27

Hochwasser vom 20.06.1992 (Jährlichkeit: 40)

Die Planung umfasste folgende Teilleistungen:

Vermessung

Suche nach Dammschüttmaterial

hydraulische Berechnungen

geotechnische Untersuchungen:

Rammsondierungen, Bohrungen,

Bodenkennwerte

Standsicherheitsnachweise

Entwurfsplanung einschl. Detailpläne

Grunderwerb

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Besonders der Grunderwerb gestaltete

sich zeitaufwändig und mühselig.

Die Planfeststellung konnte innerhalb

eines Jahres im Februar 2002 erreicht

werden. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung

zeigte hierbei die Eingriffe in Natur

und Landschaft sowie die sich daraus ergebenden

Ausgleichsmaßnahmen auf.

Da der Hochwasser bringende Zellergrundbach

ein Gewässer III. Ordnung


Lageplan und Schnitt durch Damm: unmaßstäblich

darstellt, war die Gemeinde Üchtelhausen

Bauherr und ist Betreiber der Hochwasserschutzanlage.

Für die Gemeinde

war es überhaupt das teuerste Vorhaben.

Die Arbeiten auf der Großbaustelle konnten

unfallfrei, termingerecht und ohne

größere Probleme genau in 2 Jahren (Mai

2002 – Mai 2004) abgewickelt werden.

28

Dazu trugen folgende am Bau Beteiligte

bei:

Gemeinde Üchtelhausen:

Bauherr, Photodokumentation

Ing. Büro K. Maaßen, Schweinfurt:

Bauleitung

Wasserwirtschaftsamt Schweinfurt:

Bauüberwachung und - oberleitung,

Projektleitung

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft,

Erdbaulabor:

Kontrolle des Schüttmaterials und

der Einbaudichte

Büro IBUG Bätz & Partner:

Kontrolle der Dammschüttung

Fa. Gollwitzer, Floss / Oberpfalz:

gesamte Bauleistungen

Fa. Weipert-Bau, Maßbach:

Subunternehmer für Betonbau und

Pflasterarbeiten

Fa. Blum, Schweinfurt:

Geländer an der Tosbeckenwand

Ing. Büro Hatwieger, Üchtelhausen:

Gesundheits- und Sicherheitskoordinator

Landschaftsplanungsbüro W. Illig,

Schweinfurt:

Landschaftspflegerische Begleitplanung

Fa. Heinisch, Heustreu :

Pflanzmaßnahmen

Mitgewirkt haben außerdem Herr Vollert,

Üchtelhausen (künstlerische Gestaltung

des Gedenksteins) und verschiedene

Versorgungsunternehmen (Rhön-Maintal-Gruppe,

Telekom etc.)

Die Zusammenarbeit aller Beteiligten an

diesem Projekt war vorbildlich.

Der Zeller Damm steht jetzt den Flutwellen

aus dem Jeusing- und Weipoltshausener

Grund im Wege. Der Durchlass im

Damm lässt nur soviel Wasser durch,

wie das Gerinne in der Ortschaft, ohne

überzulaufen, aufnehmen kann. Der

Hochwasserrückhaltedamm wirkt von

alleine, d.h. ohne Einsatz von Personal

oder Energie.

Dennoch muss die Gesamtanlage regelmäßig

kontrolliert und geprüft werden.

Dazu dient eine Betriebsvorschrift, in der

alle erforderlichen Arbeiten festgehalten

sind. Zum Beispiel wird das Grundwasserniveau

über 3 Messstellen kontrolliert

und die Stabilität des Dammes über 5

Festpunkte auf der Dammkrone überwacht.

Wichtig ist, dass die 3 Geröllfänge

mit Treibholzfängen sowie das Einlaufbauwerk,

besonders nach einem

Hochwasser, geräumt werden.

Für die fachgerechte Unterhaltung der

Dammstauraum- und der Ausbeutefläche

werden die Pflegehinweise von der

Unteren Naturschutzbehörde beachtet.

Historie des Projekts (nur Auswahl):

14.12.1990: Hochwasserstudie

11.08.1992: Beschluss zur

Dammlösung

29.01.1993: Vorentwurf

Okt. 1994: Rammkernsondierungen

April 1995: Kernbohrungen

Sept. 1996: Umweltverträglichkeitsstudie


Bau des Grundablasses DN 1400 (im Sommer 2003)

15.12.2000: Bauentwurf

18.02.2002: PlanfeststellungsundZuwendungsbescheid

28.05.2002: 1. Spatenstich

Aug./Sept. 2003: Dammschüttung

28.05.2004: Einweihung

29

Wichtigste technische Daten des Projekts:

Einzugsgebiet: ca. 17 km²

Zufluss: 36 m³/s (HQ 100 )

Abfluss: 4 m³/s

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Damm:

Kronenlänge: 265 m

Inhalt (Schüttvolumen):

ca. 115.000 m³

Höhe: max. 14 m

Stauraum:

Volumen (bei Vollstau):

ca. 690.000 m³

Fläche: ca. 15 ha

Grundablass:

Durchmesser: 1,2 bzw. 1,4 m

Länge: 136 m

Kreisstraßenverlegung: 850 m

Wegebau: 650 m

Gesamtausgleichsfläche: 10,5 ha

Gesamterwerbsfläche: 18,2 ha

geschützte Siedlungsfäche: 4,5 ha

geschützte Einwohner: ca. 120

Kosten des Projekts:

Beobachtungen in tiefen Grundwassermessstellen im Malmkarst

Im Landesgrundwasserdienst in Bayern

werden die oberflächennahen Grundwasserleiter

durch ein dichtes Messnetz

beobachtet. Für tiefe Grundwasserleiter,

die in der Regel Trinkwasserzwecken

vorbehalten sind, reichen die Erschlie-

ßungstiefen gewöhnlich bis maximal 250

m unter Gelände. Dieses Messnetz wird

derzeit erweitert.

Aus Kostengründen war es bislang nicht

möglich, noch tiefer liegende Grundwas-

Ganglinienvergleich der Thermalwassermessstellen im Malmkarst der süddeutschen Molasse

Grunderwerb: ca. 0,35 Mio €

Baukosten: ca. 2,7 Mio €

Finanzierung: 45 % Förderung

durch Freistaat

Bayern, z.T. durch

die EU

Norbert Schneider

WWA Schweinfurt

sersysteme wie z.B. das Thermalwasservorkommen

im Malmkarst des süddeutschen

Molassebeckens mit Messstellen

zu beobachten. Durch Übernahme

von Bohrungen Dritter konnten

mittlerweile zwei sehr tiefe Messstellen


eingerichtet werden. Diese reichen bis in

eine Tiefe von 796 m bzw. 1453 m unter

Gelände. Die tiefere Messstelle „Haimhausen

II“ wird seit 1990 beobachtet, die

Messstelle „Altdorf Tiefbrunnen“ seit

März 2002. Beide gehören dem bayerischen

Landesmessnetz Grundwasserstand

an.

Der Vergleich der Ganglinien der Druckpotentiale

im Malmkarst zeigt, dass die

beiden Messstellen ein nahezu analoges

Schwankungsverhalten aufweisen (s.

Abbildung), obwohl die beiden Messstellen

ca. 50 km voneinander entfernt sind.

Die Abbildung zeigt die Druckverhältnisse

aus beiden Messstellen über einen

Zeitraum von zwei Monaten. In diesem

30

Zeitabschnitt wurden Wasserspiegelschwankungen

von ca. 30 cm festgestellt.

Der dargestellte Zeitraum ist repräsentativ

für den gesamten gemeinsamen Beobachtungszeitraum

ab 01.03.2002, in

dem an beiden Messstellen eine Amplitude

von bis zu 40 cm gemessen wurde.

Ob diese Schwankungen natürlich bedingt

sind oder ob weit entfernt liegende

Thermalwasserentnahmen ursächlich

sind, wäre noch zu untersuchen.

Die Beobachtung des Druckpotentials im

Malmkarst ist wegen der zunehmenden

Nachfrage an Thermalwassernutzungen

sowohl für Badezwecke als auch zur

Energiegewinnung erforderlich. Wegen

dem relativ geringen Gesamtumsatz an

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Thermalwasser im Malmkarst des süddeutschen

Molassebeckens sind an die

Nutzung aus wasserwirtschaftlicher

Sicht strenge Maßstäbe im Sinne einer

nachhaltigen Sicherung der wertvollen

Ressource Thermalwasser anzulegen.

Daher sind für den bis zu mehrere Tausend

Meter tief reichenden Grundwasserleiter

hydrologische Informationen zu

gewinnen. Diese sind für weitergehende

Untersuchungen (z.B. Bilanzierungsmodelle)

und letztlich zur wasserwirtschaftlichen

Beurteilung der Nutzungen dieses

Grundwasservorkommens erforderlich.

Nahrungskettensteuerung für eine bessere Wasserqualität von eutrophen

stehenden Gewässern

Das Forschungsvorhaben „Nahrungskettensteuerung“

(Biomanipulation) des

Bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft

soll im Auftrag des StMUGV

Möglichkeiten und Wege aufzeigen, die

Wasserqualität von stehenden Gewässern

durch gezielte, steuernde Eingriffe

in das Nahrungsnetz zu verbessern. Die

wissenschaftlich gut belegte Methode

wird erstmals an bayerischen Gewässern

in einem größeren Untersuchungsprojekt

getestet, um fundierte Grundlagen

für weitere Restaurierungen zu

liefern. Die Nahrungskettensteuerung

soll als Ökotechnologie zur Restaurierung

geeigneter Gewässer in der baye-

rischen Wasserwirtschaft verankert werden.

Für eine richtige Gewässerauswahl

und erfolgreiche Anwendung dieser

Ökotechnologie in der bayerischen Wasserwirtschaft

fehlt jedoch bis jetzt die

Grundlage.

1. Handlungsbedarf

Auch in Bayern bestehen trotz vorzuweisender

Erfolge u.a. an den großen Voralpenseen

nach wie vor Gewässerprobleme

durch Eutrophierung. Hiervon

sind besonders Klein- und Flachgewässer

sowie Stauhaltungen betroffen. Ge-

Wolfgang Büttner

Hans Willy

LfW

rade diese Gewässer unterliegen einem

stetig wachsenden Nutzungsdruck

durch Erholungssuchende, Wassersportler

und Angler. Der in der EU-Wasserrahmenrichtlinie

geforderte „gute

ökologische Zustand“ wird oft nicht erreicht

und Grenzwerte, die in der Badegewässerverordnung

festgeschrieben

sind, können nicht eingehalten werden.

Das Wasser ist durch das starke Algenwachstum

trüb und oftmals durch die Toxinproduktion

von Blaualgen gesundheitsgefährdend.

Darüber hinaus ist die

Gewässerbiozönose durch anthropogene

Beeinflussungen stark verändert.

Abb. 1: Stark vereinfachtes Schema des Aufbaus des Nahrungsnetzes eines algentrüben Gewässers (links) und eines natürlicherweise

klaren oder durch Nahrungskettensteuerung beeinflussten, makrophytendominierten Gewässers (rechts).


31

Abb. 2: Mikroskopische Bilder von Kieselalgen (links, ca. 0,1 mm) und einem algenfressenden Wasserfloh (Daphnie, 1,5 mm,

Mitte) und Foto einer untergetauchten Wasserpflanze (Foto S. Schneider, TU München). Sie steht mit den Algen in Konkurrenz

um Licht und Nährstoffe).

Von den Wasserwirtschaftsämtern wurde

wiederholt auf Schwierigkeiten bei

der Restaurierung eutrophierter kleinerer,

mehrfach genutzter Gewässer hingewiesen

und aufgezeigt, dass bisher

Strategien und Methoden fehlen, die Eutrophierungssymptome

wirkungsvoll und

nachhaltig zu bekämpfen.

Eine Umfrage bei allen Wasserwirtschaftsämtern

ergab einen dringenden

Bedarf für eine solche Restaurierungsstrategie.

Die Restaurierung soll zuverlässig

sein, reproduzierbar und nachhaltig

zum Erfolg führen. Das vorgestellte

Forschungsvorhaben wird durch die

Überführung wissenschaftlicher Ergebnisse

in die wasserwirtschaftliche Praxis

dazu beitragen, eine für die bayerische

Wasserwirtschaft neue Restaurierungsmethode

zu bewerten und einem breiteren

Anwenderkreis zugängig zu machen.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es,

eine Handlungsanweisung zu erstellen,

die es Praktikern ermöglicht eine Auswahl

geeigneter Gewässer zu treffen und diese

Methode dort erfolgreich anzuwenden.

2. Prinzip der Nahrungskettensteuerung

Die Nahrungskettensteuerung stellt eine

gezielte Optimierung des ökologischen

Gefüges im Gewässer dar. Ausgangspunkt

ist die Tatsache, dass Seen gleicher

Trophie Chlorophyllschwankungen

von 2 Größenordnungen aufweisen können

und in dem selben Gewässer in

verschiedenen Jahren die Chlorophyllwerte

um den Faktor 10 schwanken können.

Wenn es also gelänge, die Algenbiomasse

von Seen innerhalb dieses

großen Spielraums auf den unteren Bereich

zu bringen, wäre dies ein beachtlicher

Restaurierungserfolg.

Ursachen dieser starken Unterschiede

liegen vor allem im Aufbau des Nahrungsnetzes

begründet (Abb. 1). Trübe,

eutrophe Gewässer sind in der Regel

durch viele Algen (Phytoplankton,

Abb. 2) und einen hohen Anteil an kleinen

algenfressenden Planktonkrebschen

(Zooplankton) gekennzeichnet.

Diese bringen nur eine geringe Filtrationsleistung

auf und fördern durch ihren

hohen Umsatz das Algenwachstum

sogar noch. Die Dominanz dieser kleinen

Filtrierer wird vor allem durch eine

hohe Dichte planktonfressender Fische

verursacht. Diese ernähren sich gezielt

von den großen, sehr effektiv Algen filtrierenden

Zooplanktonarten (v.a. Daphnien,

Abb. 2), die dann aber im Gewässer

fehlen. Die hohe Gewässertrübung

verhindert auch ein Wachstum von untergetauchten

Wasserpflanzen (submerse

Makrophyten, Abb. 2), so dass auch

sie meist gänzlich fehlen.

Im klaren See dominieren dagegen eher

große Zooplanktonarten, die das Algenwachstum

verringern. Die größere Sichttiefe

ermöglicht ein Aufkommen von

Wasserpflanzen, die ihrerseits wieder

mit den Algen in Konkurrenz treten und

deren Wachstum reduzieren.

Makrophytenspezialisten konnten im

Zuge der Eutrophierung vieler Standgewässer

ein Wechsel vom Wasserpflanzen

bestandenen, klaren Gewässer zum algentrüben

beobachten. Viele dieser Gewässer

sind durch die Nährstoffrückhaltemaßnahmen

inzwischen wieder in

einem Trophiebereich, in dem sie vorher

eigentlich klar und makrophytendominiert

waren, bleiben jedoch algentrüb. Die Stabilität

des Ökosystems verhindert einen

spontanen Wechsel oft über Jahre hinaus,

so dass ein Umschlagen erst bei weiterer

Nährstoffabsenkung erfolgen kann.

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Diese Beobachtungen führten zum Biomanipulationskonzept

(Hrbacek et al.

1961, Shapiro et al. 1975), in dem vorgeschlagen

wurde, die Wassergüte durch

Reduktion der planktonfressenden Fische

zu verbessern. Die großen Daphnien

fressen dabei vor allem kleine Algenarten

und sogar Bakterien. Besonders

erfolgversprechend ist die biologische

Sanierung bei Flachseen. Sie wird vor allem

in den Niederlanden bereits in größerem

Maßstab praktiziert. Die höhere

Transparenz des Wassers in Folge der

Reduktion und Umgestaltung des Fischbestandes

ermöglicht das Wachstum von

Makrophyten auf dem Seegrund. Diese

konkurrieren dann im Flachsee sehr effektiv

das Phytoplankton im Kampf um

die Nährstoffe aus. Zusätzlich binden sie

Phosphor in ihrer Biomasse und sorgen

durch ihre Wurzeln für eine Stabilisierung

des Sedimentes. Dadurch werden die

Nährstoffe dem Freiwasser entzogen und

Wasser mit einer ausgesprochen hohen

Transparenz ist die Folge. Dieser Zustand

ist bei gezielter Gestaltung des Fischbestandes

dauerhaft stabil.

Ein Problem in diesem Zusammenhang

ist die Möglichkeit des „Verkrautens“ eines

eutrophen Gewässers. Dies kann

auch bei den durch die Nährstoffverminderung

selbstständig vom algentrüben

zum makrophytendominierten Zustand

„umschlagenden“ Gewässern auftreten

und wird durch die verstärkten Reinhaltemaßnahmen

zunehmen. Der Zustand

ist jedoch selten mit einer Sperrung des

Erholungsbetriebes verbunden, da die

Sichttiefen hoch sind und eine Toxinbelastung

durch Blaualgen nicht auftritt. Im

Gegensatz zum Algenwachstum lässt

sich starkes Makrophytenwachstum

durch gezielte, fachgerechte Mahd vor

allem in Badebereichen verhindern. Damit

kann neben der Pflanzenbiomasse


Abb. 3: Durchschnittliche Körpergrößen des gesamten Zooplanktons (schwarz) und

der Krustentiere (Crustaceen, grau) in drei Untersuchungsseen vor der Nahrungskettensteuerung

2002 und zum Vergleich im Rottachspeicher bei Kempten vor (1991)

und nach (1993) dem ersten Fischbesatz der neuen Talsperre mit planktonfressenden

Fischen.

Abb. 4: Biomasseanteile der dominierenden Arten und Ernährungstypen im Unteren

Inselsee (Stellnetzfänge 2002, 5 bis 80 mm Maschenweite). Der Fischbestand

ist stark von Friedfischen (Rotaugen und Brachsen) dominiert.

32

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

auch ein Teil der Nährstoffe aus dem

Wasserkörper entfernt werden.

Ein umfassendes Makrophytenmanagement

(von der Ansiedlung bis zur Mahd)

muss durch seine zentrale Rolle in der

Restaurierung von Flachgewässern einen

festen Platz in der wasserwirtschaftlichen

Praxis einnehmen. Es sollten dringend

Anstrengungen unternommen

werden, um Geräte und Know-how für

den Gewässerunterhalt zu etablieren.

3. Das Forschungsvorhaben „Nahrungskettensteuerung“

Seit „Entdeckung“ der Nahrungskettensteuerung

1975 wurden weltweit eine

Vielzahl von wissenschaftlichen Experimenten

und Restaurierungsversuchen

mit wechselndem Erfolg unternommen.

In den letzten Jahren hat sich jedoch ein

Verfahren herauskristallisiert, das die

Auswahl geeigneter Seen und Methoden

soweit einschränkt, dass ein Restaurierungserfolg

sehr wahrscheinlich ist. In

den Niederlanden werden Restaurierungen

mittels Biomanipulation sogar schon

von freien Büros durchgeführt. In Bayern

gibt es hierzu jedoch nur vereinzelte,

z.T. sehr unvollständige Versuche einer

Anwendung. Auch unterscheiden

sich die bayerischen Gewässer in vielen

Punkten von den niederländischen Gewässern.

Ziel des Forschungsvorhabens

ist somit:

ein aussagefähiger Test dieser Methode

nach wissenschaftlichen Vorgaben

an verschiedenen bayerischen Gewässern

und

die Erarbeitung einer anwendungsbezogenen

Richtlinie als Arbeitshilfe

zum Einsatz der Nahrungskettensteuerung

in bayerischen Gewässern.

Abb. 5: Fotos vom Abfischen des Bachtelweihers im Herbst 2002. Gut erkennbar ist die mächtige Schlammauflage und das

Fehlen untergetauchter Wasserpflanzen.


33

Abb. 6: Algentrübes Wasser im Bachtelweiher vor den Restaurierungsmaßnahmen 2002 und klares Wasser mit Makrophyten

im ersten Jahr danach (2003).

Das Forschungsvorhaben wird derzeit

an vier Gewässern im unmittelbaren Einzugsgebiet

der Stadt Kempten durchgeführt:

Sulzberger See: 36 ha,

12 m max. Tiefe,

Unteren Inselsee: 12 ha,

8 m max. Tiefe,

Bachtelweiher: 5 ha,

2 max. Tiefe und

Herrenwieser Weiher: 6 ha,

2,5 m max. Tiefe.

Die Gewässer sind eutroph, algentrüb

und durch Erholungssuchende und Fischerei

vielfach genutzt. Grundlage der

im Gewässer angestrebten Verbesserungen

ist eine drastische Änderung der

Fischbestandsstruktur. Da das LfW über

keine fischereilichen Befugnisse in den

Untersuchungsgewässern verfügt, ist

eine enge Abstimmung der Maßnahmen

mit Fischereirechtsinhabern, -ausübungsberechtigten

und Fischereifachleuten

unerlässlich. Für die Nachhaltigkeit

der geänderten fischereilichen Bewirtschaftung,

aber auch aufgrund der engen

Abb. 7: Sichttiefen des Bachtelweihers vor

(2002) und nach Winterung und gezieltem Fischbesatz.

personellen und finanziellen Projektmittel

sind Mithilfe und Mitfinanzierung durch

die Fischereivereine eine grundlegende

Voraussetzung des Projektes. Kooperationen

bestehen darüber hinaus mit dem

Landesfischereiverband Schwaben, dem

Erholungszweckverband und der Stadt

Kempten. Insbesondere ist die hervorragende

Zusammenarbeit mit dem WWA

Kempten hervorzuheben, das u.a. einen

Großteil der erforderlichen Probenahmen

übernimmt.

Die Voruntersuchungsphase des Forschungsvorhabens

, in der der Ausgangszustand

erfasst wurde, ist bereits

abgeschlossen. Neben chemisch/physikalischen

Parametern wurden die

Phytoplankton-, Zooplankton- und

Fischbestandsstruktur sowie der Makrophytenbestand

detailliert erfasst.

Alle Gewässer waren algendominiert

und wiesen z.T. hohe sommerliche Dichten

auf. Die Zooplanktongemeinschaft

war durch kleine Arten und Größenklassen

dominiert (Abb. 3). Die Fischgemeinschaft

bestand zum überwiegenden

Teil aus Weißfischen (Abb. 4). Mit Ausnahme

des Sulzberger Sees hatten alle

drei Gewässer einen geringen bis nicht

vorhandenen Bestand an Unterwasserpflanzen.

Damit ist überall ein

Entwicklungspotential gegeben.

Als erste Maßnahme wurden die

beiden Teiche (Bachtelweiher

und Herrenwieser Weiher) im

Herbst abgelassen (Abb. 5) und

nach den Vorgaben der Nahrungskettensteuerung

im Frühjahr

mit einem hohen Raubfischanteil,

vor allem mit Zandern und

Hechten und ohne wühlende Fische

neu besetzt. Letztere wirbeln

durch ihre Wühltätigkeit das

Sediment auf und tragen

dadurch zu einer Gewässertrü-

bung bei, die untergetauchten

Makrophyten ein Aufkommen erschwert.

Die beiden natürlichen

Gewässer, Sulzberger See und

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Unterer Inselsee, wurden mit Zandern

besetzt. Zusätzlich wird in diesem und

u.U. auch im nächsten Jahr durch eine

Zugnetzbefischung der vorhandene

Weißfischbestand stark reduziert werden.

Dabei werden auch wühlende Fische

wie Brachsen, Schleien und Karpfen

entfernt.

Erste Erfolge:

Bachtelweiher und Herrenwieser Weiher

waren zuvor mehrere Jahre makrophytenfrei.

Beide wiesen nach Ablassen,

Wintern und Neubesatz einen dichten,

artenreichen Makrophytenbewuchs auf

(Abb. 6). Die Bedeckung betrug etwa 40

– 50 % der Gesamtfläche, wobei die

Badebereiche durch ihre höhere Wassertiefe

bisher weitgehend pflanzenfrei

blieben. Selbst im Hitzejahr 2003 konnten

im Bachtelweiher außerordentlich

hohe Sichttiefen, meist bis zum Grund,

belegt werden (Abb. 7). Seit langer Zeit

konnte im letzten Jahr im Bachtelweiher

wieder uneingeschränkt gebadet werden.

Durch intensiven Raubfischbesatz

soll nun einer übermäßigen Entwicklung

junger Weißfische begegnet und so das

Ökosystem langfristig stabilisiert werden.

Für die größeren Seen erhoffen wir

uns nach der Abfischung ebenfalls eine

deutliche Erhöhung der Sichttiefe und in

Folge eine Zunahme der Makrophytendichte,

Besiedelungstiefe und Diversität.

Bereits jetzt konnten wir zeigen, dass

durch steuernde Eingriffe in die Nahrungskette

geeigneter Gewässer eine

Verbesserung der Wasserqualität, u.a.

der Sichttiefe, erreicht werden kann.

Besonderes Augenmerk liegt in der

verbleibenden Projektlaufzeit auf der

Beurteilung der Stabilität des erreichten

Zustandes.

Frank Mattukat

LfW


Schilfzonen - ein wirksames Mittel gegen Sekundärverschmutzung und

endokrin wirksame Stoffe

Der Freistaat Bayern, vertreten

durch das Bayerische Landesamt

für Wasserwirtschaft,

fördert auf der Kläranlage

Mörlbach der Gemeinde Berg,

Landkreis Starnberg, die Untersuchung

eines horizontal

durchströmten Filterdammes.

Gemeinsam mit der GSF Forschungszentrum

für Umwelt

und Gesundheit, Neuherbergund

wissenschaftlichen Beratern

der Limnologischen Station

der TU-München, Iffeldorf,

sollen enzymatische, morphologische

und molekularbiologische

Untersuchungen an der

Röhrichtvegetation des Filterdammes

vorgenommen werden.

Der Damm wurde vor 7

Jahren in einem Forschungsund

Entwicklungsvorhaben

mit der Limnologischen Station

der TU unmittelbar im Ablaufbereich

der unbelüfteten

Abwasserteichanlage errichtet.

Primäres Ziel dieses ersten

Projektes war die Untersuchung

des Algenrückhaltes

und der Restreinigung während

der Dammpassage.

Besonders in den Sommermonaten

kommt es aufgrund erhöhten Lichteinfalls,

steigender Wassertemperatur und

dem hohen Nährstoffangebot in Abwasserteichen

zu vermehrtem Algenwachstum.

Das Ausschwemmen konnte durch

34

Der Abwasserteich in Mörlbach, vom Ablaufdamm aus betrachtet

die Konstruktion und Bepflanzung des

Dammes verhindert, und somit einer Sekundärverschmutzung

des Gewässers

vorgebeugt werden.

Der Ablaufdamm wurde in drei Segmenten

jeweils mit Gewöhnlichem Schilf

(Phragmites australis), Schmal- und

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Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Breitblättrigem Rohrkolben (Typha latifolia

und T. angustifolia) und Rohr-Glanzgras

(Phalaris arundinacea) bepflanzt.

Separate Ablaufvorrichtungen an jedem

Segment ermöglichen, Unterschiede in

der Reinigungsleistung der Röhrichtarten

und der Abwasserzusammensetzung

getrennt festzustellen.

Querschnitt des bepflanzten Filterdammes der Kläranlage Mörlbach (Quelle: Endbericht des „F&E-Vorhabens II“)


Blick auf den bepflanzten Filterdamm vom Teichufer

Seitlicher Blick über den Filterdamm

Gezielte Untersuchungen des Dammkörpers

und der genannten Vegetation

sollen nun Aufschluss über die Kondition

des Ablaufdammes nach 7 Betriebsjahren

geben. Augenmerk liegt dabei auf

der Rhizosphäre der Dammvegetation,

u.a. zur Lockerung des Dammsubstrates

und als Antagonist zur Verschlammung

durch Algen und partikuläre Substanzen.

Detailliertere Laboruntersuchungen sollen

Aufschluss über die Nitrifikationskapazität

der Wurzelbiozönosen, den Algenrückhalt,

die pH-Pufferung und

35

insbesondere über das Phytoremediationsverhalten

der genannten Pflanzenarten

geben. Das Stichwort „Phytoremediation“

beschreibt die Möglichkeit von

Pflanzen, im Boden oder Wasser enthaltene

Giftstoffe (Xenobiotika), wie

beispielsweise Arzneimittelrückstände

oder Schwermetalle, in ihr System einoder

umzubauen. Der Nachweis erfolgt

über enzymatische Analysen des Pflanzenmaterials,

wobei die zu messenden

pflanzlichen Enzymgruppen der Glutathion-S-Transferasen

Indizien für einen

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Mitglieder-Rundbrief 1/2004

verstärkten Entgiftungsmechanismus

liefern. Die zu analysierenden

Proben stammen aus

unterschiedlichen Kompartimenten

des Dammkörpers und

von unterschiedlichen Pflanzenabschnitten,

so Rhizome und ab

dem Frühling photosynthetisch

aktives Blattwerk. Durch die Untersuchungen

versucht man

Kenntnisse darüber zu erlangen,

wo und ob eine Schadstoffaufnahme

durch Pflanzen erfolgt

und ob es sich dabei nur um eine

Problemverlagerung oder eine

wirkliche Elimination der Stoffe

handelt. Erste Untersuchungen

mit Phragmites am Ablaufdamm

zeigen einen Rückhalt von pharmazeutisch

wirksamen Substanzen,

wobei noch keine deutlichen

Aussagen darüber vorliegen, ob

die Substanzen nur adhäsiv an

der Pflanze gebunden, oder

durch spezifische Transportmechanismen

von ihr aufgenommen

werden.

Weiterhin von primärer Bedeutung

zeigt sich der bepflanzte

Ablaufdamm zur pH-Pufferung

und zum Algenrückhalt und folglich

zu einer Verhinderung der

Sekundärverschmutzung der

Gewässer.

Durch regelmäßige Wartung der

Anlage samt Makrophytenvegetation

ist eine naturnahe und

kostengünstige Abwasserbehandlung

mit einer effektiven biologischen

Nachreinigung durch

das Schilf gegeben.

Untersuchungen des betriebstechnischen

Bildes vom Ablaufdamm

zeigen derzeit partielle

Biomassenakkumulation auf der

Dammoberfläche, insbesondere

durch abgestorbenes Pflanzenmaterial,

und partielle Lücken im

Bewuchs – Faktoren, die eine

Überflutung bei steigendem

Wasserstand begünstigen. Als

Abhilfemaßnahmen werden eine

Entschlammung, Aufschüttung

und Neubepflanzung des Kiesfilterdammes

vorgeschlagen,

um auch bei erhöhten Schmutzfrachten

und Volumina die bisher gute

Reinigungsleistung aufrecht zu erhalten.

Weitere Untersuchungen von

Phragmites sollen die Möglichkeiten zur

weitergehenden Abwasserreinigung

durch den Abbau oder Rückhalt von Xenobiotika

durch diese ubiquitäre Schilfart

aufzeigen.

Nicolai D. Jablonowski

LfW


Integrierter Umweltschutz in der Textilveredlungsindustrie

Die Textilveredlung hat in Bayern eine

lange Tradition. Insbesondere im oberfränkischen

und schwäbischen Raum

bestehen zahlreiche Betriebe, die textile

Flächengebilde oder Garne vom Textilhersteller

beziehen und im Wesentlichen

durch Färben und Ausrüsten

veredeln (Abb. 1). Das Abwasseraufkommen

bei diesen Prozessen ist erheblich

und kann bei Großbetrieben bis zu 2.000

m³/d und eine CSB-Fracht von bis zu 2

t/d erreichen. Das Rohabwasser ist

durch eine Vielzahl von Stoffen belastet:

Chemikalien, Farbmitteln, Präparationen

und sonstigen Hilfsmitteln, die in den

einzelnen Veredlungsstufen eingesetzt

werden. Insgesamt sind etwa 7.000 Textilhilfsmittel

auf dem Markt, hinter denen

ca. 1.500 Einzelstoffe stehen. Bereits auf

der Rohware ist oft eine erhebliche Menge

an Hilfsstoffen vorhanden, die bei der

Textilherstellung (Spinnerei, Weberei

usw.) eingesetzt werden. Beim Veredler

werden sie im ersten Prozessschritt

(Vorbehandlung) ausgewaschen und

gelangen so in das Abwasser.

Aus Sicht des Gewässerschutzes sind

neben der Färbung insbesondere die

schlecht abbaubaren organischen Abwasserinhaltsstoffe

problematisch, die

in großer Menge und Vielfalt auftreten

können (Tenside, Komplexbildner u.ä.).

Das Abwasser sämtlicher bayerischer

Textilveredler wird in kommunalen Kläranlagen

mitbehandelt. Seit 01.06.2000

regelt der Anhang 38 der Abwasserverordnung

die Anforderungen an die Abwasserbeschaffenheit

(Abb. 2). Für einen

typischen bayerischen Färbereibetrieb

sind im Regelfall zwei wesentliche Maßnahmen

umzusetzen: Es ist nachzuweisen,

dass die organische Fracht im Abwasser

aus der letzten Veredlungsstufe,

36

Abb. 1: Wesentliche Veredlungsstufen in bayerischen Textilveredlungsbetrieben

der Ausrüstung, zu mindestens 80 %

eliminiert werden kann oder eine Entsorgung

der Restflotten über den Abfallpfad

erfolgt; außerdem sind bestimmte

Vermeidungsmaßnahmen, z.B. hinsichtlich

der Eigenschaften von Einsatzstoffen,

zu beachten. Eine gezielte

Vorbehandlung zur Eliminierung von

abbaustabilen Stoffen, die im Abwasser

der Vorbehandlung und aus den eigentlichen

Färberprozessen anfallen, ist in

aller Regel nicht zu fordern, so dass

zumindest der Anteil dieser Stoffe ins

Gewässer gelangt, der nicht an den

Abb. 2: Überblick über die Regelungsbereiche des Anhangs 38 der Abwasserverordnung

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Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Klärschlamm der kommunalen Kläranlage

adsorbiert.

Schadstoffe vermeiden statt behandeln

Aufgrund der zuvor beschriebenen Zusammenhänge

kommt der Vermeidung

oder Verminderung von unerwünschten

Stoffen an der Quelle eine wesentliche

Bedeutung zu. Grundlage dafür ist die

gezielte Auswahl möglichst unproblematischer

Einsatzstoffe bzw. die Optimierung

von Rezepturen, um

eine Minimierung der Schadstoffbelastung,

die beim jeweiligen

Prozess freigesetzt

wird, zu erreichen. Dafür sollte

ein standardisiertes Erfassungs-

und Bewertungsverfahren

zur Verfügung stehen.

Um den Aufwand für den Betreiber

insgesamt zu minimieren,

ist ein integrierendes

Verfahren wünschenswert,

dessen Bewertungsmaßstäbe

nicht nur die Belange des

Gewässerschutzes, sondern

auch des Immissionsschutzes

und des Arbeits- und Verbraucherschutzesberücksichtigen.

Außerdem sollte

eine realistische Prognose

für die Auswirkungen von

Einsatzstoffen bzw. Rezepturen

auf die Schadstoffbelastung

der beiden wesentlichen

Austragspfade, Abwasser


Abb. 3: Beispiel für das Ergebnis einer Betriebsbilanz bei einem Flächenveredler

(Aufteilung des Textilhilfsmittelverbrauchs auf die Veredlungsstufen; Herkunft der

CSB-Fracht im Abwasser)

und Abluft möglich sein. Als Voraussetzung

dafür müsste das Verteilungsverhalten

der eingesetzten Stoffe in den jeweiligen

Prozessen bekannt sein. Ein

derartiges Bewertungssystem würde es

ermöglichen,

durch eine entsprechende Bilanzierung

bestehender Prozesse Belastungsschwerpunkte

und ihre Ursachen

zu identifizieren und somit

sinnvolle Handlungsprioritäten zur

Verbesserung der bestehenden Situation

ohne großen Messaufwand zu

erkennen (z.B. Ersatz von problematischen

Einsatzstoffen, Behandlung

von Abwasserteilströmen);

bei geplanten Änderungen von Prozessen

oder Rezepturen zu beurteilen, ob

damit eine wesentliche Änderung hinsichtlich

der Umweltauswirkungen verbunden

wäre;

eine optimierte Prozess- und Rezepturgestaltung

zur gezielten Minimierung

von Schadstofffrachten durchzuführen.

Vorreiter für einen derartigen Ansatz ist

das sogenannte LAI-Bausteinekonzept

im Vollzug der TA Luft. Um die abluftseitigen

Emissionen zu minimieren, gibt

die TA Luft Grenzwerte vor, die durch

Abluftreinigung und zum Teil auch alternativ

durch Vermeidungsmaßnahmen

im Sinne einer gezielten Auswahl von

Einsatzstoffen erreicht werden können.

Diese Alternativlösung ist für den Betrieb

mit deutlichen Einsparungen verbunden,

da eine Abluftreinigung in der

Regel entfällt und die Einhaltung der

Emissionsgrenzwerte im Wesentlichen

rechnerisch nachgewiesen werden

kann.

37

Zielsetzung des Forschungsvorhabens

Vor diesem Hintergrund sollte durch ein

Forschungsvorhaben ein integrierter

Ansatz zur Ermittlung der abwasser- und

abluftrelevanten Belastungen aus Textilveredlungsbetrieben

als Grundlage für

ein möglichst einfaches Beurteilungswerkzeug

entwickelt werden. Ziel war es,

die Umweltbelastungen ausgehend von

verfügbaren Stoffdaten mit hinreichender

Genauigkeit durch Berechnung bilanzieren

zu können, um aufwändige,

teure und zum Teil wenig umweltverträgliche

Analysen einzusparen.

Das Vorhaben lief von November 2000 bis

Dezember 2003. Es wurde von der EnviroTex

GmbH, Augsburg durchgeführt und

vom Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft

finanziert. Untersucht wurden drei

typische bayerische Textilveredler (zwei

Flächenveredler mit Schwerpunkt Wolle

bzw. synthetische Fasern, ein Garnveredler).

Die Untersuchungen umfassten im

Kern folgende Schritte:

Ermittlung und Darstellung wesentlicher

Betriebsverhältnisse;

Ermittlung relevanter, stoffbezogener

rechtlicher Anforderungen;

Festlegung der grundsätzlich zu berücksichtigenden

Stoffparameter;

Entwicklung und Erprobung eines allgemeinen

Bilanzierungsansatzes für

den Gesamtbetrieb im Sinne einer

Grobanalyse;

Entwicklung und Erprobung eines allgemeinen

Bilanzierungsansatzes für

wesentliche Einzelprozesse;

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Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Entwicklung und Erprobung eines Ansatzes

zur Ableitung von Emissionsfaktoren

für den Abwasserpfad als

einfache Kenngröße für die prozessbezogene

Abwasserrelevanz von Rezepturen.

Entwicklung und Erprobung eines Bilanzierungsansatzes

für den Gesamtbetrieb

In diesem Schritt wurden Berechnungsansätze

entwickelt und geprüft, die geeignet

sind, ausgehend von der Art und

den Einsatzmengen der im Betrieb eingesetzten

Betriebsmittel (Brauchwasser,

Rohware, Textilhilfsmittel, Farbmittel,

Chemikalien) die resultierende Belastung

der Abluft (Gesamt-Kohlenstoff und

problematische Einzelstoffe) sowie des

Abwassers (Gesamt-CSB, refraktärer

CSB, problematische Einzelstoffe) im

Sinne einer Grobanalyse abzuschätzen.

Dabei wurde der Betrieb nicht als Blackbox

betrachtet, sondern differenziert

nach den wesentlichen Veredlungsstufen

(Vorbehandlung, Färberei, Ausrüstung).

Die durch Berechnung ermittelten

Abluft- und Abwasserwerte zeigten eine

vernünftige Übereinstimmung mit den

als Plausibilitätskontrolle ermittelten

Analysenwerten.

Durch die Bilanzierung über den Gesamtbetrieb

können Belastungsschwerpunkte

ermittelt und Handlungsprioritäten

festgelegt werden. So zeigte sich

z.B. für die beiden Flächenveredler,

dass zwar ein wesentlicher Anteil der

Textilhilfsmittel (ca. 20 %) für die Ausrüstung

eingesetzt wird (Abb. 3). Davon

verbleibt jedoch der Großteil auf der

Ware, so dass letztlich weniger als 1 %

der CSB-Fracht im Abwasser aus diesem

Bereich resultiert. Weit größere

CSB-Anteile kommen aus der Färberei

(ca. 40 %) bzw. werden über die eingekaufte

Rohware (ca. 30 %) und die eingesetzten

Chemikalien (ca. 20 %) eingetragen.

Die einschlägigen Vorgaben

des Anhangs 38 der Abwasserverordnung

für die CSB-Frachtverminderung

bei Indirekteinleitern greifen jedoch bei

diesen Betrieben nur für den Bereich

der Ausrüstung, d.h. für einen sehr geringen

Anteil der CSB-Belastung im

Abwasser. Entsprechende Erkenntnisse

stellen eine wichtige Grundlage für

eine sachgerechte Vorgehensweise bei

der Anpassung von bestehenden Betrieben

an den Stand der Technik dar,

außerdem für die Fortschreibung des

Anhangs 38.

Im Rahmen des integrierten Beurteilungsansatzes

wurden entsprechende

Berechnungen auch für den Abluftbereich

durchgeführt (Abb. 4). Auch hierbei

zeigte sich bei den beiden Flächenveredlern,

dass ein beträchtlicher Teil der

Abluftbelastung, die an der wesentlichen


38

Abb. 4: Beispiel für das Ergebnis einer Betriebsbilanz bei einem Flächenveredler

(Herkunft der Abluftbelastung am Spannrahmen)

Anfallstelle, dem Spannrahmen erzeugt

wird, nicht aus den Ausrüstungshilfsmitteln

stammte, sondern aus Verschleppungen

von Färbereihilfsmitteln

(Carrier), aus der textilen Rohware

(Präparationsmittel des Textilherstellers)

und aus der Beheizung des

Spannrahmens. Die Beurteilung der

Einhaltung von Emissionsgrenzwerten

durch Berechnung auf der Grundlage

von Emissionsfaktoren nach dem sogenannten

LAI-Bausteinekonzept berücksichtigt

jedoch im Wesentlichen nur die

Ausrüstungschemikalien. Nach den

nun vorliegenden Ergebnissen sollte

geprüft werden, ob dieses Konzept

grundsätzlich durch entsprechende

weitere Emissionsfaktoren für die Verschleppungen

aus der Rohware (Präparationen)

und aus der Färberei erweitert

werden sollte.

Bei der Aufstellung der Berechnungsansätze

zeigten sich Informationsdefizite

hinsichtlich der konkret vorliegenden

Belastungen aus der Rohware und aus

den Farbmitteln. Daher musste hier zum

Teil von Erfahrungswerten ausgegangen

werden. Hier sind die Zulieferer bzw.

Hersteller aufgefordert, entsprechende

Informationen offen zu legen, damit diese

an alle Glieder der textilen Kette weitergegeben

und berücksichtigt werden

können. Dieser Ansatz liegt auch der

Initiative der EU-Kommission für eine

neues EU-Chemikalienrecht (REACH)

zugrunde.

Prozessbilanzen und Emissionsfaktoren

Die für die wesentlichen Prozesse, z.B.

in der Färberei, eingesetzten Rezepturen

werden vom Veredler hinsichtlich

Veredelungseffekt und Wirtschaftlichkeit

optimiert (wenn sie im Betrieb selbst

zusammengestellt werden; gerade bei

kleinen Betrieben geschieht dies jedoch

oft durch den Textilhilfsmittel-Zulieferer,

der die Wirtschaftlichkeit aus seinem

Blickwinkel bewertet!). Eine gezielte und

systematische Optimierung bezüglich

möglicher Umweltauswirkungen geschieht

bisher in der Regel nicht. Um

dies auf einfache Art zu ermöglichen,

wurden entsprechende Rechenmodule

entwickelt. Dabei wurden die Einsatzmengen

(z.B. für CSB, AOX, Schwermetalle)

aus der jeweiligen Rezeptur und

verfügbaren Daten zu den Einsatzstoffen

(Sicherheitsdatenblätter u.ä.) abgeleitet

und die in das Abwasser gelangende

Menge anhand spezifischer

Verteilungskoeffizienten vorausberechnet.

Die Verteilungskoeffizienten wurden

aus Erfahrungswerten abgeleitet und

z.T. analytisch überprüft.

Wird die berechnete Abwasserbelastung

auf die Menge des im Prozess veredelten

Substrates bezogen, erhält

man den Emissionsfaktor als Kenngröße

für die Beurteilung der Rezeptur

(z.B. g CSB/kg Textil). Durch Variation

der Rezeptur kann eine Optimierung

hinsichtlich der Abwasserbelastung erfolgen.

Entsprechende Berechnungen

können in die bei nahezu allen Betrieben

vorhandene Rezeptur-Software integriert

werden.

Für den Abluftbereich besteht ein vergleichbarer

Ansatz (Vorausberechnung

der Emissionen einer Flotte anhand von

sog. Substanzemissionsfaktoren der

einzelnen Rezepturkomponenten)

bereits im Rahmen des LAI-Bausteinekonzepts,

der jedoch nach den Ergebnissen

dieses Vorhabens erweitert werden

müsste (s.o.).

Über die Homepage der EnviroTex

GmbH (www.envirotex.de) haben Betriebe

die Möglichkeit, ihre Rezepturen ohne

Kosten einer entsprechenden Bewertung

für den Abwasserbereich zu unterziehen

(„Wasser-EMMA“).

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Aus weiteren Untersuchungen ging

hervor, dass Textilhilfsmittel oft eine

Vielzahl von organischen Einzelstoffen

enthalten, die in Sicherheitsdatenblättern

oder ähnlichen Deklarationen nur

unvollständig beschrieben werden.

Eine routinemäßige analytische Bestimmung

dieser Einzelstoffe ist mit

vertretbarem Aufwand nicht durchführbar.

Es ist daher sinnvoll, wie bei der

o.g. Prozessbilanzierung geschehen,

zur Charakterisierung der organischen

Abwasserbelastung im Wesentlichen

Summenparameter (CSB, TOC, AOX)

zu verwenden. Diese sollten jedoch ergänzt

werden durch eine Bewertung der

biologischen Abbaubarkeit und der

aquatischen Toxizität der wesentlichen

Rezepturkomponenten.

Ausblick

Ausgehend von den Ergebnissen des

Vorhabens ist ein integrierter Ansatz für

eine möglichst effiziente, prozessbezogene

Ermittlung und Bewertung von

Umweltauswirkungen denkbar. Er könnte

folgende Teilschritte umfassen:

Im ersten Schritt werden die möglichen

Einsatzstoffe einem Screening

unterzogen. Dabei werden durch Vergleich

der Stoffdaten mit einschlägigen,

stoffbezogenen Vorgaben (z.B.

Anhang 38, Abwasserrelevanz gemäß

freiwilliger Selbstverpflichtung der

Textilveredlungsindustrie, Wassergefährdungsklasse,

TA Luft, Arbeitsschutz,

Verbraucherschutz) grundsätzlich

unerwünschte Stoffe

identifiziert und ausgeschlossen.

Dafür wurden im Vorhaben entsprechende

Checklisten entwickelt.

Die grundsätzlich zulässigen Stoffe

können in die Rezepturen der einzelnen

Prozesse eingehen. Im zweiten

Schritt können mit Hilfe einer erweiterten

Rezeptur-Software unter Anwendung

der im Vorhaben erarbeiteten Algorithmen

und Verteilungskoeffizienten

umweltbezogene Prozessbilanzen

berechnet und anhand der Emissionsfaktoren

für Abwasser und Abluft

bewertet werden, z.B. um eine Optimierung

der Prozesse zu erreichen

(Minimierung der Umweltauswirkungen).

Werden die im Betrieb aktuell ablaufenden

Prozesse parallel zum Prozessfortschritt

einer EDV-gestützten

Bilanzierung unterzogen, könnte dies

als Online-Simulation im Sinne einer

virtuellen Eigenüberwachung genutzt

werden. In ähnlicher Weise könnten

entsprechende Simulationen zur optimalen

Disposition von Prozessen unter

Vermeidung von Belastungsspitzen

herangezogen werden.


Dieser Ansatz erscheint derzeit

zumindest für die Bewertung derjenigen

Hilfsmittel und Chemikalien realistisch,

die vom Betrieb selbst ausgewählt werden

können und für die ausreichende

Informationen zu den enthaltenen Komponenten

leicht zugänglich sind.

Als Voraussetzung für eine Gesamtbetrachtung

aller Umweltauswirkungen mit

einem derartigen Ansatz müssten jedoch

verlässliche Daten insbesondere

zur Zusammensetzung der Rohware

39

(Präparationen u.ä.) und der Farbmittel

(insbesondere Art und Gehalt an Dispergiermitteln)

sowie zu den Verteilungskoeffizienten

der entsprechenden Komponenten

zur Verfügung stehen. Es wäre

wünschenswert, wenn derartige Informationen

nach Art eines Warenbegleitscheins

entlang der textilen Kette weitergegeben

würden. Im Rahmen des

Vorhabens wurde diese Problematik mit

Textilherstellern und Textilveredlern diskutiert.

Dabei zeigte sich, dass bei den

Herstellern noch zu wenig Bereitschaft

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Mitglieder-Rundbrief 1/2004

besteht, entsprechende Daten auf freiwilliger

Basis weiterzugeben. Derzeit

könnten daher wohl allenfalls Eigenveredler

den für eine derartige Gesamtbetrachtung

notwendigen Kenntnisstand

mit vertretbarem eigenen Aufwand erreichen.

Bei Lohnveredlern steht dem

derzeit das große und rasch wechselnde

Spektrum an Zulieferfirmen und -waren

entgegen.

Industrielle Stoffströme am Beispiel der Müllverwertungsanlage Ingolstadt

Der Zweckverband Müllverwertungsanlage

(MVA) Ingolstadt ist eine kommunale

Einrichtung mit der Aufgabe den

Restmüll von mittlerweile 5 Landkreisen

und einer kreisfreien Stadt zu entsorgen.

In dem Entsorgungsgebiet fällt der

Hausmüll von 660.000 Einwohnern an,

der innerhalb der Müll-Verwertungs-Anlage

mit modernster Technik in thermische

und elektrische Energie umgewandelt

wird. Seit dem Gründungsjahr 1975

des ZV MVA Ingolstadt, sind die langjährigen

Betriebserfahrungen mit der

Behandlung von Abfällen stetig in die

Entwicklung und den Neubau von Verbrennungslinien

mit eingeflossen. Mit

insgesamt 3 Verbrennungslinien ist ein

stündlicher Mülldurchsatz von ca. 32 t

möglich. Durch die thermische Verwertung

des angelieferten Abfalls können

ca. 7000 Einfamilienhäuser mit Heizung

und Warmwasser, ca. 20.000 Haushalte

mit elektrischer Energie versorgt werden.

Im Jahr 2002 wurde die Verbrennungslinie

3 als erste bivalente Verbrennung

weltweit umgebaut. Es ist sowohl der

Einsatz von Müll, als auch von Altholz

möglich. Der Brennstoffwechsel kann

dank einer modernen Prozessleittechnik

und Feuerungsleistungsregelung innerhalb

einer kurzen Zeit erfolgen.

Projektentstehung und –beschreibung

Mit dem Bestreben die vorhandene

Technik am effizientesten auch im Sinne

des Umweltschutzes und der Ressourcenschonung

zu nutzen, wollte der

ZV MVA Ingolstadt auch die organisatorischen

Verbesserungsmöglichkeiten

voll ausschöpfen, mit dem Ziel einer

bestmöglichen Betriebsübersicht als

Grundlage für eine optimale Kontrolle

und Entscheidungsfindung. In einer Besprechung

mit Vertretern des Bayerischen

Landesamtes für Wasserwirt-

Luftbild der Müll-Verwertungsanlage Ingolstadt

schaft wurde erstmalig die Einführung eines

Stoffstrommanagementsystemes

andiskutiert. Betrieblicherseits erkannte

man ein erhebliches Potential durch

solch ein Managementinstrument und

beschloss die Umsetzung des Projektes.

Durch die aktive Förderung des Landesamtes

für Wasserwirtschaft wurde der

ZV MVA Ingolstadt in seinem Bestreben

gestärkt und unterstützt. In Folgegesprächen

wurden die Erwartungen, Ziele und

der zeitliche Rahmen festgelegt. Nachdem

das zu erwartende Arbeitsvolumen

nicht allein durch Mitarbeiter des Zweckverbandes

bewältigt werden kann, wurde

das Institut für Management und

Umwelt (imu) Augsburg durch die MVA

Ingolstadt bestellt. Die Projektbezeichnung

„Flussmanagement“ ist dabei

nicht Synonym für die ökologische und

bauliche Gestaltung von Fließgewässern,

sondern die Erfassung und Gestaltung

von Material- und Informationsflüssen.

Gesteckte Ziele

Dr. Kurt Müller

LfW

Obwohl in den Betriebsteilbereichen

umfangreiche Datenerhebungen bereits

erfolgten, soll die Wasser-, Material-,

Energie- und Informationsflussstruktur

vollständig erfasst und gestaltet werden.

Mit der Zuordnung der erfassten Daten

auf die Wasser-, Material-, und Energieflüsse

soll die Übersichtlichkeit der einzelnen

Messstellen verbessert werden.

Mit der Erfassung und Gestaltung der

Organisation (z. B. Prozesse, Aufbauorganisation,

Projekte) sollen Arbeitsabläufe

stetig verbessert und beschrieben

werden. Mit den gewonnenen Erkenntnissen

und der schematischen Darstellung

von betrieblichen Abhängigkeiten

wird eine weitere Reduzierung von Umweltbelastungen

vorrangig in den Bereichen

Wasser und Ressourcenverbrauch

angestrebt. Alle vorher aufgeführten

Punkte sollen eine langfristige Sicherung

des Standortes durch Verbesse-


ung der Wirtschaftlichkeit

über Effizienzsteigerung

und Synergieeffekte

bewirken.

Die Vorgehensweise für

das Projekt bei der MVA

Ingolstadt basiert grundsätzlich

auf den vier

Phasen des Flussmanagements.

Zusätzlich

kommen noch die dauerhafte

Integration des

Flussmanagements in

die Organisation (5) und

die begleitenden Öffentlichkeitsarbeit

(6) hinzu

(siehe Grafik).

Im Rahmen dieser Projektphasen

werden die

gewünschten Inhalte

gemeinschaftlich erarbeitet,

entsprechend angepasst

und dauerhaft

für die Organisation Projektablauf

nutzbar gemacht. Die

Erarbeitung der einzelnen

Projektschritte erfolgt durch vom

imu augsburg moderierte Workshops

und Einzelgespräche bei der MVA Ingolstadt.

Aktueller Projektstand und bisherige

Erfahrungen

Grundlage eines Flussmanagementsystems

ist die Erstellung eines Übersichtbildes

der Gesamtanlage, in das die einzelnen

Ströme eingetragen werden.

Dabei zeigte sich die Komplexität des

Betriebes und die Vielzahl an Stoffströmen,

insbesondere der unterschiedlichen

Wasserkreisläufe. In diesem Betriebsschema

wurden verschiedenfarbig

und in verschiedene Zeichnungsebenen

folgende Ströme visualisiert:

Wasser (interne Kreisläufe, Grundwasser,

Abwasser)

Massenströme (Brennstoff Müll, Reaktionsprodukte

aus dem Verbrennungsvorgang)

Additive (Natronlauge, Ammoniakwasser,

Regenerierchemikalien)

Energie (Wärme, elektrische Energie)

Der nächste Schritt umfasste die Erhebung

von sämtlichen für die Flussmodellierung

relevanten Datenquellen. Hierfür

wurden die automatisierten Registrierungseinrichtungen

herangezogen

(computergestützte Erfassung von Materialflüssen

mit dem Waagenprogramm,

der Prozessleittechnik), sowie auch

Handaufschreibungen von Zählern und

Messgeräten. Diese Zahlenerhebungen

sind Grundlage für weitere Schritte. Erst

40

durch eine Quantifizierung der Flüsse

sind Einsparungen bzw. Wiederverwendungen

von Stoffen erkenn- und kontrollierbar.

Da nicht nur die materiellen Ströme betrachtet

werden sollen, sondern auch die

zugehörigen finanziellen Werte, wurden

Daten aus der Buchhaltungssoftware

und Warenwirtschaft des Lagers der

MVA herangezogen. Die Ursprünge der

Zahlenangaben wurden tabellarisch aufgelistet

und in das Schema eingezeichnet.

Auffallend hierbei waren die z. T.

mehrfachen Aufzeichnungen von Betriebsdaten,

die innerhalb unterschiedlicher

Abteilungen erfolgten.

Parallel zu den Material- und Energieströmen

wurden die wesentlichen Informationsflüsse

bei Betriebsabläufen (Prozessen)

in Gesprächsrunden erörtert und

dokumentiert. Dabei ergab sich zwangsläufig

auch eine realistische Abbildung

der Betriebsorganisation und -einheiten.

Die neue gesamtheitliche Betrachtungsweise

war zunächst sehr ungewohnt, da

bislang nur innerhalb der jeweiligen Gewerke

ein Überblick bestand, nicht

allerdings übergreifend zwischen Technik

und Verwaltung, den Werte- und

Materialflüssen. Diese umfassende

Sichtweise ist für die Entscheidungsfindung

elementar wichtig und hilfreich.

Noch bevor die vollständige Bewertung

der bisherigen Erkenntnisse und die Planung

der Maßnahmen abgeschlossen

ist, zeigen sich zum einen Optimierungspotentiale

und Verbesserungsansätze,

zum anderen werden bisherige Verfahrensweisen

bestätigt. Das Hinterfragen

von Wasserverbrauchern, notwendigen

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Wasserqualitäten oder die Zusammensetzung

von Additiven ohne eine sprichwörtliche

Betriebsblindheit brachte ein

Überdenken von Betriebsprozessen.

Durch die Visualisierung und Quantifizierung

der physischen Struktur wird eine

Betriebsübersicht geschaffen, die als

Grundlage für ein gezielte Planung und

Vorgehen von Veränderungen dient. Erst

der betriebsweite Überblick bewirkt eine

effiziente Nutzung von Detailkenntnissen

und Verbrauchzahlen!

Weitere Projektschritte

Die folgenden Projektschritte umfassen

die endgültige Bewertung der gesammelten

Erkenntnisse, die Planung von

Maßnahmen, sowie die Vollendung des

Flussrechentools (betriebsinterne Bezeichnung:

„Data Warehouse“), einer

fortlaufend aktualisierten Datensammlung

und Auswertung von umfassenden

Betriebszahlen, die als Grundlage für interne

und externe Berichte herangezogen

werden. Die anschließende Umsetzung

der Maßnahmenliste und die

Verankerung des Flussmanagements im

Betrieb werden das Projekt abrunden.

Nach dem Abschluss der umfangreichen

2. Projekthälfte im Spätsommer 2004

werden in einem Endbericht die durchgeführten

Veränderungen und betrieblichen

Auswirkungen an dieser Stelle veröffentlicht.

Dr. Stefan Enzler, imu augsburg,

Rudolf Kitzmann, LfW

Anton Perfoll, ZV MVA Ingolstadt


Stadtentwässerungswerke München starten ab April mit neuem Namen und

neuem Logo

Seit 1. April präsentieren sich die Stadtentwässerungswerke

München mit neuem

Namen und neuem Unternehmens-

Logo. Fast pünktlich zum zehnjährigen

Bestehen heißt Deutschlands größter

kommunaler Eigenbetrieb im Abwasserbereich

dann „Münchner Stadtentwässerung“.

„Das neue Erscheinungsbild ist der visuelle

Ausdruck des Selbstverständnisses

der Stadtentwässerungswerke München.

Es vermittelt Transparenz und

schafft Identität nach innen und außen“,

sagte der Technischer Werkleiter Prof.

Joachim Eichinger zum neuen Corporate

Design des zur Landeshauptstadt

München gehörenden, aber wirtschaftlich

eigenständigen, Unternehmens.

Die Münchner Stadtentwässerung will

mit der Namensänderung ihre Selbständigkeit

als kommunaler Eigenbetrieb

stärken und ihre Zugehörigkeit zur Landeshauptstadt

München bekräftigen.

Damit soll ein deutliches Zeichen für

41

unternehmerische Identität gesetzt werden.

Die Rechtsform des Eigenbetriebs,

wie auch die Anschrift, Telefonnummern

und E-Mailadressen ändern sich mit

dem Namenswechsel nicht.

Das neue Logo wurde vom Büro für

Gestaltung Wangler & Abele in München

entwickelt, das mit den Erscheinungsbildern

für die Landeshauptstadt München,

den Flughafen München, das Lenbachhaus

und die Fraunhofer-Gesellschaft

bereits Kompetenz bewiesen hat. Das

Büro entwickelte für die Münchner Stadtentwässerung

ein Zeichen, das für sich

selbst steht: einen Kreis, in seiner Form

kompakt und eindeutig.

Dezentrale Abwasserbeseitigung im Karst

In den letzten Jahren rückte die dezentrale

Abwasserbehandlung immer mehr

in den Vordergrund. Um diese Alternative

zur zentralen Abwasserbeseitigung

auch in wasserwirtschaftlich sensiblen

Gebieten auch für kleine kommunale

Kläranlagen anwenden zu können, wurde

ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

initiiert, mit dem Ziel, in Zukunft

diese Entsorgungsvariante besser

beurteilen und einordnen zu können.

Für das Vorhaben wurden drei kleine

Ortsteile in der oberpfälzischen Gemeinde

Ursensollen ausgewählt. Planung und

Bauleitung wurden vom Ing.-Büro Dietrich

und Rubenbauer erbracht. Die wissenschaftlichen

Untersuchungen obliegen

dem Applikations- und Technik

Zentrum (ATZ-Evus) in Sulzbach-Rosenberg,

begleitet wurde die Maßnahme vom

Wasserwirtschaftsamt Amberg und dem

Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft.

Alle drei Kläranlagen liegen im Karst. Um

das behandelte Abwasser schadlos in

den Untergrund versickern zu können,

müssen weitestgehende Reinigungsverfahren

angewendet werden.

Die drei Kläranlagen wurden mit verschiedenen

Verfahrenstechniken folgendermaßen

ausgerüstet:

Blick über den Bodenfilter auf die Kläranlage Erlheim

Kläranlage Erlheim:

Die Anlage ist auf 300 Einwohnerwerte

(EW) ausgelegt. Neben normalem häuslichen

Abwasser leitet hier ein größerer

Gastronomiebetrieb mit ein. Aus Kosten-

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Diese Form findet sich in den Aufgabenbereichen

der Münchner Stadtentwässerung

wieder– das Rohr, der Kanal, die

Becken. Die Wellenbewegung des Wassers

stellen in einem Kreis gefasste, bewegte

Flächen dar. Die Blautöne des

Logos, ausgehend von einem frischen

Blau in Verbindung mit Hellgrau und

Weiß, stehen für Reinigung, Reinheit

und Frische. Die Anordnung der Farbflächen

im Kreis – Wasser, Landschaft,

Himmel – stellen den Bezug zur Umwelt

dar.

Matthias Wünsch

Münchner Stadtentwässerung

gründen wird der Ortsteil weiter im Mischsystem

entwässert. Die vorhandene, private

Teichanlage wurde aufgelassen.

Vor der Kläranlage befindet sich ein kleinerer

Stauraumkanal mit obenliegender


Entlastung. Das dort bei Regenwetter

abgeschlagene Mischwasser wird über

ein Retentionsbecken in einen Bodenfilter

zur breitflächigen Versickerung eingeleitet.

Die Kläranlage besteht aus einer Kompaktbelebungsanlage

mit aerober simultaner

Schlammstabilisation. Die Anlage

ist so bemessen, dass sie mit Stickstoffelimination

betrieben werden kann.

Nachfolgend ist ein kontinuierlich gespülter

Sandfilter angeordnet. Dieser soll

noch vorhandene feine Suspensa aus

dem Abwasser filtern, damit die anschließende

Abwasserdesinfektion effizient

ablaufen kann. Diese erfolgt mit

einer UV-Bestrahlungsanlage. Das so

behandelte Abwasser ist hygienisch

unbedenklich und kann über den Bodenfilter

schadlos versickert werden.

Die Anlage ist Ende 2003 in Betrieb gegangen.

Die Baukosten inklusive Baunebenkosten

für die Kläranlage betragen

1.017.000,- €. Davon entfallen auf die

Filtration und die Bestrahlungsanlage ca.

150.000,- €.

Kläranlage Richtheim:

Hier wurde eine Ausbaugröße von 100

EW gewählt. Da in Richtheim bereits

eine Kanalisation vorhanden war, wurde

ein klassisches Trennsystem realisiert,

wobei die bestehenden Kanäle als Regenwasserkanäle

weitergenutzt werden

und die Schmutzwasserkanalisation neu

gebaut wird.

Auch hier wird das Regenwasser über

ein Rückhaltebecken in einen Bodenfilter

zur Versickerung eingeleitet. Die Klär-

42

anlage besteht aus einer Vorklärstufe

und einer Membranbiologie. Dieser Anlagentyp

kommt ohne Nachklärung aus,

da der Belebtschlamm von der Membrane

zurückgehalten wird.

Um ein schnelles Verstopfen der Poren

von ca. 0,1 µm Durchmesser zu verhindern,

wird die Membrane kontinuierlich

im sog. Cross-Flow-Verfahren betrieben.

Dabei wird Luft an der Membrane vorbeigeführt,

wobei die Scherkraft auf die

Schmutzpartikel größer ist als der Unterdruck

hinter der Membrane. Die Porenweite

ist so gering, dass weder Bakterien

noch Viren passieren können. Damit

ist das behandelte Abwasser hygienisch

Horizontal - und vertikal durchströmte Bodenfilter Wollenzhofen

Betriebsgebäude Membranbiologiekläranlage Richtheim

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

unbedenklich und kann in den Bodenfilter

zur Versickerung eingeleitet werden.

Auch der Betrieb diese Anlage wird wie

in Erlheim wissenschaftlich begleitet. Die

Baukosten inklusive Baunebenkosten

beliefen sich auf 348.000,- €.

Der Anteil für die Membrananlage liegt

bei ca. 87.000,- €.

Kläranlage Wollenzhofen:

Die kleinste Anlage ist auf 60 EW ausgelegt.

Die Kanalisation und eine unbelüftete

Teichanlage waren vorhanden

und können nach kleinen Sanierungsmaßnahmen

weiter betrieben werden.

Der Ablauf der Teichanlage wird je nach

Durchfluss über einen vertikal- bzw. einen

horizontal durchströmten Bodenkörper

versickert. Diese Bodenkörper

kosteten 266.000,- €, inklusive Baunebenkosten.

Hier ist insbesondere von Interesse, was

diese bepflanzten Bodenfilter in hygienischer

Sicht leisten können.

Der Betrieb dieser Anlagen wird nun 2

Jahre intensiv begleitet. Die Ergebnisse

werden zeigen, ob Anlagen dieser Größenordnung

unter praktischen Bedingungen

die erforderliche Reinigungsleistung

erbringen und sich wirtschaftlich

betreiben lassen.

Hermann Lautenschlager

LfW


Berücksichtigung betrieblicher Bläh- und Schwimmschlammprobleme

Einführung

Seit Beginn der biologischen Abwasserreinigung

nach dem Belebungsverfahren

sind Absetzprobleme des Schlammes

im Nachklärbecken bekannt. „Blähschlamm“

bedeutet dabei, dass eine

massenhafte Entwicklung von Fadenbakterien

dazu führt, dass die Schlammflocken

auseinandergespreizt werden,

so dass der Schlamm ein großes Volumen

einnimmt und der Schlammvolumenindex

ISV über 150 ml/g ansteigt. Im

schlimmsten Fall kommt es dann zu

Schlammabtrieb in das angrenzende

Gewässer. Das Phänomen „Schwimmschlamm“

hingegen bezeichnet ein Phänomen,

bei dem sich ein Teil des

Schlammes gut im Schlammtrichter absetzt,

ein anderer aber an die Oberfläche

flotiert, was auch zu Schlammabtrieb

führen kann. Schon früh, d.h. in den

1940er bis 1960er Jahren, wurde versucht,

diesen Phänomenen zu begegnen.

Zunächst wurde nur ein Bakterium,

Sphaerotilus natans, als Übeltäter eingegrenzt,

weitere Arbeiten von Eikelboom

1975 zeigten jedoch, dass im

kommunalen Bereich ca. 30 verschiedene

Fadenbakterien an Absetzproblemen

beteiligt sind. Ihre Unterscheidung und

genaue Bestimmung stellt noch heute

den Schlüssel dar, um geeignete spezifische

Bekämpfungsmaßnahmen einzuleiten.

Durch mikroskopische und mikrobiologische

Untersuchung dieser

Organismen über viele Jahre sind heute

recht genaue Hinweise zu deren physiologischen

und taxonomischen Eigenschaften

verfügbar.

Selektion von Fadenbakterien in Kläranlagen

früher und heute

Das Belebungsverfahren diente in seinen

Anfängen der Entfernung von Kohlenstoffverbindungen

und wurde in einfachen

Reaktoren in Hochlast mit einer

Schlammbelastung BTS z.T. weit über

43

0,2 kg BSB5/(kg TS * d) betrieben. Als

Selektionsfaktoren für Fadenbakterien

waren in diesen Systemen vor allem ein

Mangel an den Nährstoffen Stickstoff

und Phosphor, aber auch eine Unterversorgung

an Sauerstoff maßgebend.

Heute sind die Anforderungen an die Reinigungsleistung

von Belebungsanlagen

weit höher, es müssen auch Stickstoffund

Phosphorverbindungen aus dem

Abwasser entfernt werden. Hierzu dient

zum einen die Nitrifikation/Denitrifikation,

mit Hilfe derer zunächst das aus organischen

Stickstoffverbindungen herrührende

Ammonium zu Nitrit und Nitrat oxidiert

wird, was eine sehr niedrige Schlammbelastung

unter 0,1 kg BSB5/(kg TS * d)

erfordert. Unter anoxischen Bedingungen,

d.h. Vorliegen von oxidierten N-

Quellen ohne Sauerstoff, erfolgt

schließlich über eine Reduktion der oxidierten

N-Verbindungen zu elementarem

Stickstoff eine Denitrifikation, was

wiederum die Zufuhr von organischen

Kohlenstoffquellen nötig macht. Phosphor

wird oft chemisch gefällt, zur Verringerung

von Fällmittelmenge und

Schlammanfall wird zudem auch häufig

die biologische Phosphorentfernung

genutzt, bei der die Belebtschlammbakterien

durch kurzen Aufenthalt in einer

anaeroben, d.h. sauerstofffreien Zone,

zur verstärkten Aufnahme von Phosphor

im aeroben, d.h. sauerstoffhaltigen Bereich,

gezwungen werden. Als Selektionsfaktoren

in den heutigen komplexen

Systemen ist aufgrund der für die Nitrifikation

niedrigen Schlammbelastung ein

Mangel an Kohlenstoffsubstrat maßgebend.

Weiter führt die Einführung von

anoxischen und anaeroben Zonen bei

den Belebtschlammbakterien zu Stress

aufgrund von Sauerstoffmangel. Diese

Selektion führt dazu, dass heute ganz

andere Fadenbakterien eine Rolle spielen

als früher. Weiter führt die Selektion

zur Bildung von hydrophobem, d.h. wasserabstoßendem

Schlamm, der zur Flotation

und daher zu Schwimmschlammund

Schaumbildung neigt. Tab. 1 zeigt

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

eine Zusammenstellung der verschiedenen

„Morphotypen“ von Fadenbildnern in

Hochlast- und Niedriglastanlagen.

Was tun bei Blähschlamm?

Ergibt sich ein hoher Schlammindex

über 150 ml/g und zeigt sich im Mikroskop

ein starkes Wachstum von Fadenorganismen,

so hat man es mit dem

Phänomen Blähschlamm zu tun. Dieses

ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf

Fadenorganismen zurückzuführen, die

in der mittleren Spalte der Tab. 1 aufgeführt

sind. Ein gemeinsames Merkmal

dieser Organismen ist, dass sie als Faden

eine große Zelloberfläche aufweisen

und dadurch mit einer weit geringeren

Konzentration an Kohlenstoffsubstrat

zurecht kommen als kleine stäbchenoder

kugelförmige Bakterien, die sog.

Flockenbildner. Untersuchungen in den

1970er Jahren ergaben, dass durch die

Einführung einer sehr hoch belasteten

Zone am Zulauf des Belebungsreaktors

eine Selektion von Flockenbildnern und

eine Ausgrenzung der Fadenorganismen

bewirkt werden kann. So kann

durch die Einführung eines sog. „Selektors“

der Konkurrenzkampf zwischen

Flockenbildnern und Fadenbakterien für

erstere entschieden werden. Diese Technik

hat sich vielfach bewährt und ist auch

heute Mittel der Wahl zur Bekämpfung

von Blähschlammproblemen in Hochlastanlagen.

Darüber hinaus ist in solchen

Anlagen das Verhältnis von

BSB:N:P im Auge zu behalten und im

Bedarfsfall, d.h. bei Stickstoff- oder

Phosphormangel z.B. während des

Kampagnebetriebs zur Obst- und Gemüseverarbeitung

durch Zugabe entsprechender

Chemikalien auf etwa

100:5:1 einzustellen.

Sollte sich Blähschlamm eingestellt haben,

der durch Schwefelbakterien hervorgerufen

wird, die in der linken Spalte

der Tab. 1 zusammengestellt sind, was

sich im Mikroskop leicht anhand lichtbre-

Tab. 1: Stoffwechselgruppen verschiedener „Morphotypen“ fadenbildender Bakterien in belebtem Schlamm und wichtige

Selektionsfaktoren


chender Schwefelkügelchen feststellen

lässt, ist geboten, die für diese Bakteriengruppe

notwendigen reduzierten

Schwefelverbindungen wie z.B. Schwefelwasserstoff

aus dem Abwasser zu

entfernen, sei es durch Belüftung oder

durch Entfernung von faulenden

Schlammablagerungen.

Was tun bei Schwimmschlamm und

Schaum?

Dieses Phänomen ist von seiner Entstehung

her wesentlich komplexer als die

Bildung von Blähschlamm. Flotierter

Schlamm entsteht dann, wenn zunächst

oberflächenaktive Stoffe und Gasbläschen

zu einer leichten Schaumbildung

führen, bei der dann durch Anlagerung

von hydrophoben, d.h. wasserabstoßenden

sowie tensidartigen Stoffen an die

Grenzfläche zwischen Gas- und Wasserphase

eine Stabilisierung der Gasblasen

erfolgt. Diese können dann durch

Besprühen mit Wasser oder Einrühren

nicht mehr zerstört werden. An diesem

Phänomen sind, wie unsere Untersuchungen

zeigten, nicht nur Fadenbakterien,

sondern auch nicht-fädige Organismen

beteiligt. Häufig wird das Schäumen

durch nicht-fädige Bakterien in Gang

gebracht und anschließend durch Fadenbakterien

stark stabilisiert, die in der

rechten Spalte der Tab. 1 aufgeführt sind.

Leider können diese Organismen nicht

mit so „eleganten“ Mitteln wie einem

Selektor bekämpft werden. Nichtsdestotrotz

sind mittlerweile verschiedene

Maßnahmen erfolgreich getestet, so

dass dem Praktiker auch hier Hilfestellung

geleistet werden kann. Microthrix

parvicella sollte im Konkurrenzkampf

unterlegen sein, wenn wir ihm seine

Lieblingssubstrate langkettige Fettsäuren

und reduzierte Stickstoffverbindungen

entziehen. Dazu ist ein Eintrag von

Fetten in die Anlage zu vermeiden, weiter

muss im aeroben Bereich durch entsprechende

Belüftung die Konzentration

von NH4-N möglichst unter 1 mg/l gebracht

werden. Zudem kann durch teilweisen

Ersatz des Phosphorfällmittels

Eisen durch Aluminiumsalze eine Linderung

erreicht werden, da Microthrix parvicella

offensichtlich auf Al-Salze empfindlich

ist. Nocardioforme Actinomyceten

sind ebenfalls Liebhaber von fettreicher

Kost, auch hier ist der Eintrag dieser

Stoffgruppe zu vermeiden. Darüber hinaus

ist es von ausschlaggebender Bedeutung,

die Bildung von Biotensiden

zu vermeiden, die z.B. durch starke

Scherkräfte bei Einsatz von Oberflächenbelüftern

oder durch hohes

Schlammalter von im Kreis gefahrenen

Schlammfraktionen entstehen. Nostocoida

limicola-artige Organismen müssen

sehr genau mit molekularbiologischen

Methoden bestimmt werden, da

sich hinter dem im Mikroskop erkennbaren

„Morphotyp“ eine breite Palette

von verschiedenen Bakteriengruppen

44

Nostocoida limicola-Morphotyp aus der Gruppe der Grünen Nichtschwefelbakterien

(AHW-Sonde, 1000fach)

Nostocoida limicola-Morphotyp aus der Gruppe der Actinobacteria (NLII65-Sonde,

400fach)

verbirgt, was unterschiedliche Maßnahmen

zur Bekämpfung notwendig macht.

Schlussfolgerung und Ausblick

Die seit etwa 30 Jahren währende Forschung

zum Thema „Absetzschwierigkeiten“

in Belebungsanlagen hat

mittlerweile Früchte getragen, so dass

wir heute in der Lage sind, durch genaue

Bestimmung und Charakterisierung der

Verursacher zumindest im kommunalen

Bereich für die meisten Probleme wirksame

Hilfestellungen für den Praktiker

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

geben zu können. Was Industrieanlagen

betrifft, ergaben derzeitige Untersuchungen

von Eikelboom und Mitarbeitern in

einem EU-Projekt ein weit größeres

Spektrum an verschiedenen Fadenorganismen.

Es deutet sich allerdings schon

an, dass auch diesen oft mit den hier geschilderten

Maßnahmen gegen Hochlastorganismen

wirksam begegnet werden

kann.

Dr. Hilde Lemmer

Dipl. Biol. Margit Schade

LfW


Tag der offenen Tür im modernsten Klärwerk Europas

Am Samstag, den 11. Oktober öffneten

die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des

Münchner Klärwerks Gut Marienhof die

Tore. Rund 1000 Besucherinnen und

Besucher informierten sich beim Tag der

offenen Tür rund um das Thema Abwasserreinigung

im modernsten Klärwerk

Europas. Bei Rundgängen durch die

Anlage mit ihrer preisgekrönten Architektur

wurde den Besucherinnen und

Besuchern gezeigt, welche aufwendige

Technik notwendig ist um das Abwasser

einer Großstadt zu reinigen.

„Wir wollen Transparenz schaffen, denn

viele Bürgerinnen und Bürger machen sich

wenig Gedanken darüber was mit dem

Abwasser nach der Morgentoilette oder

dem Abwasch passiert“, sagte Thomas

Schwarz, Kaufmännischer Werkleiter der

Münchner Stadtentwässerung.

Mit dem im Norden der Stadt gelegenen

Münchner Klärwerk Gut Marienhof setzte

der Eigenbetrieb der Stadt ein vorbildliches

Abwasserkonzept um, was rund

1600 Fachbesucher aus aller Welt jährlich

bestätigen.

Viele Besucherinnen und Besucher waren

erstaunt was es auf den Rundgängen

vorbei an Klärbecken, Faultürmen

und Belebungsbecken alles zu entdecken

gibt und dass es nicht einmal nach

Abwasser riecht.

In zwei Jahren geht eine weitere Besonderheit

der Abwassertechnik am Klärwerk

Gut Marienhof in Betrieb: eine Abwasserdesinfektionsanlage,

die Keime im

Abwasser vor dem Einleiten in die Isar mit

Hilfe von Ultraviolettlicht abtötet. Die rund

12,5 Millionen Euro teure Anlage soll dem

angestrebten Ziel dienen, bis zum Jahr

2005 wieder die Badewasserqualität der

Isar zu erreichen. Ein Modell dieser Anlage

konnten die Besucherinnen und

Besucher bereits bestaunen.

Als Vorgaben für die Bemessung von

Kanalquerschnitten werden in der Regel

Regendaten in Form von Blockregen,

intensitätsvariablen Modellregen oder

historische Starkregenserien verwendet.

Nach dem Arbeitsblatt ATV-A 118 „Hydraulische

Bemessung und Nachweis

von Entwässerungssystemen“ können

hydraulische Berechnungen mit Modellregen

nach Euler Typ II und Modellregengruppen

zum Beispiel nach Otter/

Königer durchgeführt werden. Während

45

Schecküberreichung von Prof. Joachim Eichinger (Technischer Werkleiter der Münchner

Stadtentwässerung, 2.v.l.) an Anton Auer (Leiter der Teestube „komm“, 2.v.r.),

links Adolf Pirchner (Leiter der Kläranlage Gut Marienhof), rechts Franz Herzog

(Teestube „komm“)

Spezielle Kinderführungen und der Umweltkasperl

machten den Tag auch für

Kinder zu einem Erlebnis.

1000.- Euro wurden mit einer Tombola

zu Gunsten der Teestube „komm“ –

Streetwork, einer Einrichtung der

Münchner Obdachlosenhilfe gesammelt.

Prof. Joachim Eichinger, Technischer

Werkleiter der Münchner Stadtentwässerung,

überreichte den Scheck

dem Leiter der Einrichtung Anton Auer.

„Ziel der Obdachlosenhilfe in München

ist es Betroffenen Hilfen zur Überwindung

besonderer Notlagen zu schaffen

und ein würdevolles Leben in der Gemeinschaft

zu ermöglichen“, sagte

Auer. Die obdachlosen Besucher können

während ihrer Tagesaufenthalte in

für die Berechnung kleiner Entwässerungsgebiete

in der Regel die Anwendung

eines Einzelmodellregens ausreicht,

können in großen Einzugsgebieten

kritische Abflusszustände sowohl durch

kurze Starkregen als auch durch lang andauernde

Regen mit großer Niederschlagshöhe

hervorgerufen werden. Deshalb

sind bei längeren Fließzeiten im

Kanalnetz für die Bemessung und den

Überstaunachweis anstelle eines Einzelereignisses

Modellregen unterschiedli-

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

der Teestube in der Zenettistraße waschen,

kochen und eine sozialpädagogische

Betreuung in Anspruch nehmen.

„Wir danken den Stadtentwässerungswerken

München für ihr Engagement.

Das Geld wird zur Sanierung der

Duschanlage für die Besucher der

Teestube verwendet“, sagte Auer.

Am 16. Oktober 2004 findet der nächste

Tag der offenen Tür statt, dann auf

dem ebenfalls im Norden der Stadt gelegenen

Münchner Klärwerk Gut Großlappen.

Mathias Wünsch

Münchner Stadtentwässerung

PC-Programm zur Erstellung von Modellregen und Modellregengruppen nach

dem Arbeitsblatt ATV-A 118

cher Dauer, sog. Modellregengruppen,

einzusetzen.

Das Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft

(LfW) hat das PC-Programm

„Modellregen“ entwickelt, mit dem Modellregen

nach Euler Typ II und Modellregengruppen

nach Otter /Königer erstellt,

graphisch dargestellt, ausgedruckt

und zur weiteren Verwendung in Niederschlags-Abfluss-Modellenabgespeichert

werden können.


Hauptmenü des PC-Programms „Modellregen“

Nach dem Arbeitsblatt ATV-A 118 Anhang

2 ist für die Erstellung der Modellregengruppe

nach Otter/Königer die statistische

Auswertung von mindestens 10

bis 20 Jahren örtlich gemessener Niederschlagsreihen

erforderlich. Alternativ

zu dieser Vorgehensweise wurde vom

LfW ein Verfahren entwickelt, mit dessen

Hilfe für einen beliebigen Standort in

Bayern Modellregengruppen nach Otter/

Königer erstellt werden können, ohne

46

örtlich gemessene Niederschlagsreihen

zu benötigen. Diese im LfW-Merkblatt

4.3/3 beschriebene und im Programm

„Modellregen“ umgesetzte Vorgehensweise

liefert für bayer. Standorte hinreichend

genaue Ergebnisse.

Grundlagen für die Erstellung des Modellregens

nach Euler Typ II und der Modellregengruppe

nach Otter/Königer sind

die Daten der Starkregenstatistik, z.B.

Per Mausklick durch die Technischen Regeln – TREN

Die Entwässerung vieler Siedlungsflächen

ist ohne Genehmigung durch die

Rechtsaufsichtsbehörden möglich.

Doch welche Vorraussetzungen müssen

dabei eingehalten werden, damit

die Genehmigungsfreiheit besteht?

Welche Bedingungen für Art und Größe

der angeschlossenen Flächen gibt

es? Befindet sich die Versickerungsanlage

in einem Karstgebiet? Wie muss

eine Mulde oder Rigole zur Versickerung

gestaltet werden und was ist bei

der Einleitung in ein oberirdisches Gewässer

zu beachten?

Antworten darauf gibt die neue Anwendungssoftware

TREN des Bayer. Landesamtes

für Wasserwirtschaft. In der

ersten Umsetzung einer bayerischen

Verordnung und den zugehörigen Technischen

Regeln (TRENGW, TRENOG)

in ein anwenderfreundliches Computerprogramm

werden alle gesetzlichen

und fachlichen Vorgaben berücksichtigt

und für den Einzelfall ausgewertet und

zusammengefasst. Anhand der Beantwortung

einfacher Fragen per

Mausklick erfahren Sie welche Art der

Entwässerung erlaubnisfrei und für das

Gewässer schadlos möglich ist und

welche Bedingungen dabei einzuhalten

sind.

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

entsprechend dem KOSTRA-Atlas 1990

oder 1997 für den betrachteten Standort.

Die gewünschten Modellregen können

entweder durch das Erfassen von

örtlichen Regendaten, durch die Auswahl

einer gespeicherten Regendatei

oder innerhalb Bayerns durch die Eingabe

der örtlichen Koordinaten erzeugt

werden.

Das Programm wurde unter Microsoft

Windows NT 4.0 entwickelt und unter

Windows NT 4.0 (Service Packs 3-6),

Windows 98 sowie Windows 2000 getestet.

Übersichtliche Eingabeschirme erleichtern

die Eingabe aller zur Berechnung

erforderlichen Daten. Der Umgang

mit dem Programm wird durch Hinweise,

Warnungen oder Fehlermeldungen,

die bei Bedarf am Bildschirm erscheinen,

erleichtert.

Das Programm „Modellregen“ steht den

Behörden der Bayerischen Wasserwirtschafts-

und Staatsbauverwaltung kostenlos

zur Verfügung. Ingenieurbüros

können das Programm auf CD-ROM

gegen eine einmalige Überlassungsgebühr

von EUR 150,- vom LfW erwerben.

Der Bestellschein ist im Internet über

www.lfw.bayern.de unter der Menüabfolge

„Service – Bestell-Center – Software“

abrufbar.

Gerd Fraunhoffer

Hardy Loy

LfW

Das Programm TREN ist kostenlos im Internet

zugänglich unter: www.bayern.de/

lfw/technik/gewaesserschutz.


Forschung und Lehre

47

Berichte des Lehrstuhls und der Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft

der TU München

Die nachfolgend angeführten Berichte

wurden von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Strobl

herausgegeben. Sie können am Lehrstuhl

zum angegebenen Preis erworben

werden.

Das Heft 96/2003 enthält einen Beitrag

von Markus Schmautz zum Thema Eigendynamische

Aufweitung in einer

geraden Gewässerstrecke – Entwicklung

und Untersuchungen an einem

numerischen Modell. Preis: 25,00 €.

Durch die Rücknahme der starren Uferverbauung

in einem korrigierten Flußlauf

wird dem Gewässer die Möglichkeit

einer eigendynamischen Aufweitung

gegeben. Auf Grundlage einer umfassenden

Parameterstudie wurde ein Verfahren

zur Abschätzung der dabei maximal

zu erwartenden Gewässerbreite

entwickelt – der zentralen Frage bei der

Planung einer Aufweitungsmaßnahme.

Die maßgebenden Parameter und

Randbedingungen wurden identifiziert

und die strukturelle Prozessentwicklung

untersucht. Die Arbeit konzentriert sich

auf gestreckte Gewässer mit kohäsionslosem

Bettmaterial, welche im voralpinen

Raum eine bedeutende Rolle

spielen.

Als Untersuchungswerkzeug kam ein

hydrodynamisch-numerisches Modell

zum Einsatz, das um Ansätze zur Beschreibung

der maßgebenden sedimentologischen

Prozesse bei der Gewässeraufweitung

zu erweitern war. Im

Einzelnen wurde das Strömungsmodul

überprüft und kalibriert sowie das Geschiebetransportmodul

weiterentwickelt,

verifiziert und kalibriert.

Das Heft 97/2004 enthält einen Beitrag

von Johann Neuner zur Bestimmung

der erforderlichen horizontalen Sicherheitsabstände

und Fahrrinnenbreiten

für Wasserstraßen. Preis: 25,00 €.

Im Rahmen des Donauausbaues zwischen

Straubing und Vilshofen wurden

Schifffahrtsuntersuchungen im Maßstab

1:25 zur Bestimmung der erforderlichen

Fahrrinnenbreiten durchgeführt. Die

Untersuchungen wurden notwendig, da

für derart sowohl in Tiefe und Breite eingeschränkte

Querschnittsverhältnisse

mit zusätzlich äußerst unregelmäßigen

Uferverlauf, wie sie an der Donau zwischen

Straubing und Vilshofen vorliegen,

kein Dimensionierungsverfahren

existierte, mit dem die minimalen Sicherheitsabstände

in Abhängigkeit der

hydraulischen Randbedingungen verlässlich

ermittelt werden können.

Im Beitrag von Herrn Neuner werden die

Parameterstudien der Modellversuche

dargestellt und darauf aufbauend ein

statistisches Verfahren vorgestellt, mit

dem die Fahrrinnenbreiten und horizontalen

Sicherheitsabstände in Abhängigkeit

von Kollisionswahrscheinlichkeiten

bestimmt werden können.

Das Heft 98/2004 enthält einen Beitrag

von Christian Göhl zu Bypasseinrichtungen

zum Abstieg von Aalen an

Wasserkraftanlagen. Preis: 25,00 €.

Bei der Abwanderung aus den Oberläufen

der Flüsse erfahren Aale vielfache

Schädigungen bei der Passage der Turbinen

von Wasserkraftanlagen. Aufgrund

der stark rückläufigen Bestände ist der

Europäische Aal (Anguilla anguilla) gegenwärtig

bereits in mehreren deutschen

Bundesländern auf der roten Liste der

gefährdeten Arten geführt. Ausgehend

von der speziellen Situation des Main-

Kraftwerkes Dettelbach wurden zunächst

in einem physikalischen Modell die Voraussetzungen

der Wanderung ermittelt

und mögliche Einrichtungen zur Ableitung

von Aalen strömungstechnisch untersucht.

Anschließend wurde die Akzeptanz

der Einrichtungen im Verhaltensversuch

mit Fischen überprüft. Auf der Basis

der gewonnen Erkenntnisse wurden in

der vorliegende Arbeit Grundsätze zu Bypasseinrichtungen

für abwandernde Aale

formuliert, denen als Prinzip die Zwangfreiheit

der Einrichtungen sowie die Begrenzung

auf den Korridor der Hauptaktivität

der Wanderung zugrunde liegt.

Hierdurch werden Techniken für ein praktikables

und kostengünstiges Konzept zur

Ableitung von Aalen vorgeschlagen.

Wenngleich von einer Übertragbarkeit

der Instinktivhandlungen und somit einer

grundsätzlichen Funktion der Einrichtungen

in der Natur auszugehen ist,

sollte nach Ansicht von Herrn Göhl zur

Verifizierung einer effizienten Gesamtfunktion

ein Naturversuch durchgeführt

werden.

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Das Heft 99/2004 enthält einen Beitrag

von Gerhard Haimerl zum Thema

Groundwater Recharge in Wadi Channels

Downstream of Dams - Efficiency

and Management Strategies. Preis:

25,00 €.

Talsperren zur Grundwasseranreicherung

werden in ariden Gebieten genutzt,

um die natürliche Grundwasserneubildung

zu erhöhen. Dazu wird gespeichertes

Hochwasser dosiert aus der Talsperre

abgegeben und im weiteren Wadilauf

kontrolliert versickert. Die Effektivität

dieses Prozesses wurde von Herrn Haimerl

bestimmt und die Bewirtschaftung

der Talsperren hinsichtlich eines maximalen

Volumens der Grundwasseranreicherung

optimiert. Die Arbeit basiert auf

Feldversuchen im Sultanat von Oman

und auf umfangreichen Parameterstudien

mit numerischen Modellen für unterschiedliche

Bodentypen. Bei der Instrumentierung

der Feldversuche wurden

Tensiometer erstmals bis in einer Tiefe

von 20 m verwendet.

Mit numerischen Modellen wurde die

Wasserbewegung in flüssiger und in

gasförmiger Phase simuliert, um sowohl

den Versickerungs-, als auch den

Austrocknungsprozess zu untersuchen.

Damit wurden umfangreiche Sensitivitätsanalysen

der relevanten Parameter

durchgeführt und die prozentuale Grundwasseranreicherung

unter unterschiedlichen

Randbedingungen bestimmt.

Mit den Ergebnissen der Parameterstudien

wurde eine Methode entwickelt, um

die Effektivität der Grundwasseranreicherung

durch Talsperren, unter Berücksichtigung

des Oberflächenabflusses

der Speicherabgabe, zu berechnen.

Unter Verwendung dieser Methode werden

Empfehlungen für den Betrieb der

Talsperren gegeben. Ein Fallbeispiel und

der Vergleich der Situationen ohne und

mit Talsperre zeigen deren Nutzen.

Die Arbeit ist in englischer Sprache verfasst.

Dr. Franz Zunic

TU München


Personalnachrichten

Wechsel des Sachgebietsleiters 850 an der Regierung von Mittelfranken

Ltd. Baudirektor Manfred Ruttner, Leiter

des Sachgebiets Wasserwirtschaft

und Wasserbau an der Regierung von

Mittelfranken ist zum Jahreswechsel

2003/2004 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden.

Herr Ruttner wurde am

31.05.1940 in Jechnitz/CSR geboren. Er

verbrachte einen Großteil der Schulzeit

in Hof, bevor er in Scheyern sein Abitur

ablegte. Herr Ruttner studierte Bauingenieurwesen

an der Technischen Hochschule

München.

Er begann seine berufliche Laufbahn

zunächst als Angestellter am Wasserwirtschaftsamt

Hof/Saale und wechselte

dann an das damalige Straßen- und

Wasserbauamt Kronach. Der weitere

Weg führte ihn nach der Großen

Staatsprüfung im Jahr 1972 über das

Wasserwirtschaftsamt Ansbach an das

Wasserwirtschaftsamt Bayreuth. Dort

war er mehr als 16 Jahre tätig. Neben

seiner Hauptaufgabe als Abteilungsleiter

erledigte er verschiedene Sonderaufgaben,

beispielsweise im Planungsbereich,

bei der Erweiterung des

Fichtelsees, dem Neubau der Flussmeisterstelle

mit Gütelabor und weiteren

wasserwirtschaftlichen Maßnahmen

in den Landkreisen Bayreuth,

Kulmbach und Wunsiedel i. Fichtelgebirge.

In seine Zeit am Wasserwirtschaftsamt

Bayreuth fiel auch die Altlastenerkundung

bei der Chemischen

Fabrik in Marktredwitz und der Beginn

der Sanierung, deren weitere Entwicklung

er an der Regierung von Oberfranken

ab Februar 1992 verfolgte.

Nach nur 13 Monaten an der Regierung

von Oberfranken übernahm Herr Ruttner

die Leitung des Wasserwirtschaftsamtes

Weiden. Dort widmete er sich sehr stark

der Öffentlichkeitsarbeit. Herr Ruttner

war bekannt für seine innovativen und

fachübergreifenden Ansätze. Durchgängige

Gewässer und Renaturierungen

waren ihm ebenso wichtig, wie die Hochwasserfreilegung

von Weiden. Sein besonderes

Augenmerk galt der Zusammenarbeit

mit der Land- und

Forstwirtschaft und der Stärkung des

ländlichen Raums.

Im Oktober 1999 führte Ruttners Weg

wieder nach Ansbach. Dort übernahm er

bis zum Eintritt in die Freistellungsphase

der Altersteilzeit die Leitung des

Sachgebietes Wasserwirtschaft und

Wasserbau bei der Regierung von Mittelfranken.

48

LBD Manfred Ruttner (links) gratuliert seinem Nachfolger, Herrn BD Robert Karl

Seine Nachfolge trat zum 01.01.2004

Baudirektor Robert Karl an. Er wurde

am 28.09.1957 in Ingolstadt geboren, wo

er auch seine Schulzeit verbrachte. Nach

dem Studium im Fach Bauingenieurwesen

an der TU München sammelte er

erste Erfahrungen in der Praxis am Talsperren-Neubauamt

Nürnberg. Es folgte

die Referendarzeit, die er 1985 abschloss.

Anschließend war er knapp 4

Jahre wieder am Talsperren-Neubauamt

tätig, zuständig für den Unterhalt und

den Betrieb der Baustufe I des Überleitungssystems,

mit Altmühlsee, Kleinem

Brombachsee und Igelsbachsee, sowie

die Öffentlichkeitsarbeit und die EDV.

1989 wechselte Herr Karl als Referent

für „Allgemeine Angelegenheiten der

Wasserwirtschaft“ an die Oberste Baubehörde

im Staatsministerium des Inneren.

Die unterschiedlichen Aufgaben

dieses Grundsatzreferates wie Personalwesen,

Arbeitssicherheit, Haushalt,

VOB, Organisation und Fortbildung erforderten

Umsicht und Flexibilität. Herr

Karl musste sich neben den fachlichen

Themen um viele Organisations- und

Koordinationsaufgaben kümmern, die

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

einen reibungslosen Verwaltungsablauf

sichern. Seine dabei gewonnene Erfahrung

brachte er konstruktiv ein, als es

darum ging, die „Oberste Wasserbehörde“

nach der Umressortierung im Juni

1993 ins Staatsministerium für Landesentwicklung

und Umweltfragen zu integrieren.

Die Jahre guter Zusammenarbeit

mit den anderen Abteilungen der

OBB ermöglichten einen reibungslosen

Übergang zentraler Aufgaben, wie Registratur,

Schreibdienst oder VOB-Fragen.

Nach 6 ½ Jahren in der Landeshauptstadt

zog es Herrn Karl zurück in seine

Wahlheimat Mittelfranken an die dortige

Regierung. Neben seiner Referententätigkeit

erhielt er zahlreiche Sonderaufgaben,

unter anderem die Betreuung der

Rüstungsaltlasten in Mittelfranken und

die Koordination des Ausgleich- und

Verbundsystems der nordbayerischen

Wasserversorger.

Wir wünschen Herrn Ruttner für seinen

Ruhestand alles Gute und Herrn Karl viel

Erfolg in seinem neuen, erweiterten Aufgabenbereich.


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Neuer Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim

Nach dem Wechsel von Joachim Kilian

an das bayerische Umweltministerium

wurde der bisherige Pressesprecher des

Umweltministeriums, Ministerialrat Peter

Frei, am 1. Oktober 2003 zum neuen

Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weilheim

berufen. Der 1959 in Landshut

geborene und jetzt in Oberbayern beheimatete

Diplomgeologe begann seine

wasserwirtschaftliche Laufbahn im

Herbst 1987 am Landesamt für Wasserwirtschaft

in München. Anfang 1988

übernahm er am Wasserwirtschaftsamt

in Regensburg die hydrogeologische

Betreuung der Wasserwirtschaftsämter

Regensburg, Amberg und Weiden.

Schwerpunkt seiner Tätigkeit waren Fragen

der Wasserversorgung, technischen

Gewässeraufsicht, Deponiestandortund

Altlastenerkundung anfangs sogar

für die gesamte Oberpfalz. Ende 1992

wurde Frei ins Sachgebiet Grundwasserschutz

an die Oberste Baubehörde und

ein Jahr später an das bayerische Umweltministerium

versetzt. Nach fünfjähriger

Tätigkeit erfolgte ein Wechsel in die

bayerischen Staatskanzlei, in das sog.

„Spiegelreferat“ für Angelegenheiten des

Staatsministeriums für Landesentwicklung

und Umweltfragen. Zwei Jahre später

berief ihn Umweltminister Dr. Werner

Schnappauf im April 1999 zu seinem

Pressesprecher. Es folgten 4 ½ Jahre

aufregende und spannende Jahre an der

Nahtstelle zwischen dem Ministerium

und den Medien. Das Wissen aus der

LBD Peter Frei

Wasserwirtschaft, dem damals personal-

und ausgabenstärksten Bereich des

Umweltressorts, kam ihm dabei

besonders zugute. Im Oktober 2003 und

nach einer erfolgreich abgeschlossenen

Legislaturperiode fand Frei wieder zu

seinen fachlichen Wurzeln - jetzt als Leiter

des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim

- zurück. Es erwarten ihn in Zeiten

Dr.-Ing. Markus Disse zum Universitätsprofessor ernannt

Zum 1. Januar 2003 ist Herr Dr.-Ing.

Markus Disse zum Universitätsprofessor

für Wasserwirtschaft und Ressourcenschutz

am Institut für Wasserwesen

der Universität der Bundeswehr München

ernannt worden. Er hat damit die

Nachfolge von Herrn Universitätsprofessor

Dr. Ing. Hans-Bernhard Kleeberg angetreten,

der sich am 14. November

2002 mit einer Feier von Freunden, Kollegen

und Mitarbeitern – im weitesten

Sinne – verabschiedet hat und der jetzt

die Fachgemeinschaft Hydrologische

Wissenschaften, die im Juli 2002 gegründet

worden ist, ehrenamtlich leitet.

Herr Prof. Dr.-Ing. M. Disse hat an der

Universität Karlsruhe studiert und ist bei

Prof. Plate von der Fakultät für Bauingenieur-

und Vermessungswesen zum Dr.-

Ing. promoviert worden. Danach war er

bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde

in Koblenz zunächst für den Bereich

Gewässermorphologie (Feststofftrans-

Prof. Dr-Ing. Markus Disse

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

knapper Kassen eine Vielzahl von Aufgaben

quer durch das breite Spektrum

der Wasserwirtschaft und harte Zeiten

im Lichte der Verwaltungsreform.

Wir wünschen Herrn Frei viel Erfolg bei

seinen neuen Aufgaben.


port und Feststoffhaushalt) zuständig

und anschließend Leiter von wasserwirtschaftlichen

Forschungsprojekten mit

dem Themenschwerpunkt Hochwassermodellierung.

Jetzt in München wird er neben der

Übernahme der umfangreichen Lehrverpflichtungen

sowohl für den Studiengang

Bauingenieurwesen und Umwelttechnik

als auch für den Studiengang

Zum 01.04.2004 trat Herr Ltd. Baudirektor

Dipl.-Ing. Rudolf Lutz in Ruhestand.

Herr Lutz, am 24.03.1939 in Ansbach

geboren, studierte Bauingenieurwesen

an der Technischen Universität in München.

Nach der Großen Staatsprüfung

1966 begann er seine berufliche Laufbahn

bei der Wasserwirtschaftsverwaltung

1967 am Straßen- und Wasserbauamt

Kronach. Hier leitete er u.a. die

Arbeitsgruppe für den Bau der Trinkwassertalsperre

Mauthaus. Ab 1972 stand er

der Dienststelle Kronach des Wasserwirtschaftsamtes

Hof vor. 1975 wurde

Herr Lutz an das Wasserwirtschaftsamt

Bayreuth versetzt, wo er als Abteilungsleiter

die Landkreise Kulmbach und

Wunsiedel betreute.

1982 wechselte Herr Lutz vom Wasserwirtschaftsamt

an die Regierung von

Oberfranken ins Sachgebiet Wasserbau

und Wasserwirtschaft. Dort betreute er

10 Jahre lang als Referent die Region 4

Oberfranken – West. Zuständig für den

staatlichen Wasserbau setzte er sich

stark für den Hochwasserschutz und die

ökologische Gestaltung der Gewässer

erster und zweiter Ordnung ein.

Im Februar 1992 wurde Herr Lutz zum

Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Hof

ernannt, dem er viereinhalb Jahre mit

viel Elan vorstand. Die Planung bzw.

Ausführung wichtiger Hochwasserschutzmaßnahmen

fiel in diese Zeit, so

in den Städten Coburg, Kronach und

Hof, der Schutz der Perlmuschel beschäftigte

das Amt.

Zum 01.08.1996 wurde Herr Lutz zurück

nach Bayreuth an die Regierung von

Oberfranken versetzt und zum Leiter des

Sachgebietes Wasserbau und Wasserwirtschaft

ernannt. In der nahezu 8 Jahren

an der Regierung verstand er sich

als Anwalt Oberfrankens in wasserwirtschaftlichen

Angelegenheiten. Der

Hochwasserschutz sowie die Sicherung

der Trinkwasserversorgung lagen ihm

stets besonders am Herzen.

50

Geodäsie und Geoinformation seine

Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte

in Untersuchungen zum Wasser-

und Stofftransport, in die Kopplung

von hydrologischen und hydrodynamischen

Modellen sowie in spezielle Fragen

der Wasserbewirtschaftung legen.

Herr Disse ist stellvertretender Leiter

des Hauptausschusses Hydrologie und

Wasserbewirtschaftung in der ATV-

Zum neuen Leiter des Sachgebietes

850, zum Nachfolger von Herrn Lutz,

wurde Herr Baudirektor Erich Haussel

ernannt. Herr Haussel wurde am

09.02.1950 in Marktredwitz geboren.

Nach seinem Studium des Bauingenieurwesens

an der TU in München und

der Großen Staatsprüfung 1978 begann

er seine berufliche Laufbahn in der Wasserwirtschaftsverwaltung

beim Wasserwirtschaftsamt

Ansbach zunächst als

Fachbereichsleiter Technische Gewässeraufsicht

und staatlicher Wasserbau,

ab 1980 als Abteilungsleiter. Die Planung

und der Bau von Rückhaltebecken

sowie die Neuorganisation des HND

waren herausragende Aufgaben dieser

Zeit. 1984 wechselte Herr Haussel zum

Wasserwirtschaftsamt Bayreuth, in dem

er bis 1993 als Abteilungsleiter und

Fachbereichleiter Wasserversorgung,

später für den nichtstaatlichen Wasserbau,

tätig war, im letzten Jahr auch als

stellvertretender Amtsleiter.

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

DVWK, Mitglied der Arbeitsgruppe HW-

3.2 Hochwasser sowie der Arbeitsgruppe

HW-1.5 Hydrometrie offener Gewässer

und bringt sich in die Aktivitäten der

Fachgemeinschaft Hydrologische Wissenschaften

in den Arbeitskreisen Forschung

und Entwicklung sowie Öffentlichkeitsarbeit

und Kommunikation ein.

Das Sachgebiet 850 der Regierung von Oberfranken unter neuer Leitung

LBD Rudolf Lutz (rechts) mit seinem Nachfolger BD Erich Haussel

1993 wurde Herr Haussel zur Regierung

von Oberfranken versetzt, wo er

zunächst als Referent für nichtstaatlichen

Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft

arbeitete. Später übernahm

die Zuständigkeit für den staatlichen

Wasserbau und wurde 2000 zum stellvertretenden

Sachgebietsleiter ernannt.

Besonders die EU und ihre Auswirkungen

auf die Wasserwirtschaft fielen in

seinen Aufgabenbereich, sei es im Rahmen

von Förderprogrammen oder bei

der Umsetzung der WRRL. Dazu gehört

die Tätigkeit in zahlreichen Arbeitsgruppen.

Zum 01.04.2004 wurde Herr Haussel

nun zum Leiter des Sachgebietes Wasserbau

und Wasserwirtschaft ernannt.

Wir wünschen Herrn Lutz für seinen

Ruhestand alles Gute, Gesundheit und

viel Freude beim Golfen und Herrn Hansel

für seine neuen Aufgaben viel Erfolg.


Hermann Schiechtl 80 Jahre

Am 05. Januar 2004 feierte Herr Hermann

Schiechtl, der langjährige Vorsitzende

des DVWK-Landesverbands Bayern,

seinen 80sten Geburtstag bei

bester Gesundheit. Unser Landesverband

hat ihm herzlich gratuliert.

Herr Schiechtl war seit der Gründung des

DVWK-Landesverbands Bayern 20 Jahre

lang als Vorsitzender tätig und in dieser

Eigenschaft gleichzeitig auch Mitglied

des Vorstandes des Bundesverbands. 10

Jahre lang hat Herr Schiechtl auch die

Aufgaben eines Vizepräsidenten des

Bundesverbands wahrgenommen.

Im Präsidium, Vorstand und Landesverband

wurde stets seine Meinung geschätzt.

Mit seinen Anregungen und

Vorschlägen hat Herr Schiechtl wichtige

Entscheidungen maßgeblich beeinflusst.

So hat er unbeirrbar und in zähen Verhandlungen

eine größere Selbständigkeit

für die Landesverbände erreicht.

Unser von vielen gern gelesener Mitgliederrundbrief

wurde von Herrn Schiechtl

gemeinsam mit Herrn Prof. Strobel, dem

damaligen Präsidenten des Bayer. Landesamt

für Wasserwirtschaft, aus der

Taufe gehoben. Ein besonderes Anliegen

war ihm die Vertiefung der noch

heute bestehenden fruchtbaren Kontakte

zu den benachbarten Verbänden in

Österreich, der Schweiz und Baden-

Württemberg. Auch der Dialog des Landesverbands

mit der Politik war ihm

wichtig; in mehreren parlamentarischen

Abenden mit Abgeordneten der CSUund

SPD-Landtagsfraktionen konnten

aktuelle wasserwirtschaftliche Fragen

51

sachlich erörtert werden. Mit den guten

Kontakten, die Herr Schiechtl schon

während seiner beruflichen Laufbahn

zur Wirtschaft, zu den Hochschulen und

zur Wasserwirtschaftsverwaltung pflegte,

förderte er das Ansehen und die Arbeit

des Landesverbands.

Weit über die Grenzen Bayerns hinaus

bekannt wurde der Landesverband in

den 80er Jahren durch die Ausrichtung

dreier geschichtlicher Seminare an der

TU München gemeinsam mit dem Landesamt

für Wasserwirtschaft. Der beachtliche

Erfolg dieser Veranstaltungen

war Herr Schiechtl durch seinen

großen persönlichen Einsatz bei der

Vorbereitung und Organisation zu verdanken.

Im gewissen Sinne eine Fortsetzung

der geschichtlichen Seminare waren

dann die internationalen Symposien

im Europäischen Patentamt, die im

nächsten Jahr schon zum 6. Mal ausgerichtet

werden und im dreijährigen Abstand

zu einer festen Einrichtung geworden

sind. Auch hierfür hatte Herr

Schiechtl schon 1989 den entscheidenden

Anstoß gegeben und durch seine

unermüdliche Schaffenskraft zum Erfolg

dieser Symposien beigetragen.

1983 war es Herr Schiechtl, dem es gelang,

die Arbeitsgemeinschaft „Wasserkraft

in Bayern e.V.“ zu gründen. Die von

diesem Verein durchgeführten Veranstaltungen

machten einer breiten Öffentlichkeit

die Nutzung dieser umweltfreundlichen

Energie bekannt. Inzwischen haben

sich Österreich, die Schweiz und Baden-

Württemberg diesem Verein angeschlos-

Von unseren Mitgliedern haben vollendet

das 91. Lebensjahr

Lorenz Walther, Dr.-Ing., Ltd. MR a.D.,

München

das 90. Lebensjahr

Offhaus Kurt, Dr. rer. nat., München

das 86. Lebensjahr

Michele Friedrich, Reg. Baumeister,

München

das 85. Lebensjahr

Hölzl Max, MR a. D., Wolfratshausen

das 82. Lebensjahr

Büttner Leo, Mdirigent a.D., Landshut

das 81. Lebensjahr

Strobel Ludwig, Professor Dipl.-Ing.,

Präsident a. D., Landshut

Wieselsberger Friedrich, Ltd. BD a.D.,

München

das 80. Lebensjahr

Scheurmann Karl, Professor, Ltd. BD

a.D., Landshut

Schiechtl Hermann, Dipl.-Ing., Vorstandsmitglied

i.R., München

Seifert Wilhelm, Betriebsleiter i.R., Dingolfing

das 75. Lebensjahr

Bruck Joseph, TOAR a.D., München

Meier Heinz, Dr. Dipl.-Chem., München

Steinlein Helmut, Dr.-Ing., Reg. Direktor

a.D., München

Stolz Armin, Dipl.-Ing., TOAR a.D.,

Vaterstetten

das 70. Lebensjahr

Henneberg Friedrich, Dipl.-Ing.,

Schweinfurt

Koch Wolfgang, Rottach-Egern

das 65. Lebensjahr

Bauernschmitt Dieter, Ltd.BD, Hassfurt

Brey Ludwig, Abt. Direktor, Regensburg

Greim Berthold, MR, Diedorf

Grüner Gerhard, Kanalmeister, Mauerstetten

Kastner Hans, TOAR a. D., München

Lochner Wolfgang, BD a.D., Icking

Lutz Rudolf, Ltd. BD , Bayreuth

ATV-DVWK Landesverband Bayern

Mitglieder-Rundbrief 1/2004

Hermann Schiechtl, langjähriger Vorsitzender

des DVWK-Landesverbands

Bayern

sen, der nun auf wesentlich breiterer

Basis als „Arbeitsgemeinschaft alpine

Wasserkraft e.V.“ die Arbeiten fortführt.

Herr Schiechtl hat sich in beeindruckender

Weise um unseren Landesverband

verdient gemacht. Da war es einfach

selbstverständlich, Herrn Schiechtl mit

der Ehrenmitgliedschaft auszuzeichnen.

Herr Schiechtl genießt nun den Ruhestand

im Kreise seiner Familie, umgeben

von einem kleinen „Zoo“, von seiner

Katze, von Vögeln und Fischen. Wir

wünschen Herrn Schiechtl weiterhin

eine stabile Gesundheit und freuen uns,

wenn er ab und zu an einer unserer Veranstaltungen

teilnimmt.

Martin Manfred, Dipl.-Ing., Neustadt

Rottler Herbert, BD a.D., Günzburg

Torge Berthold, BD a.D., München

Trepte Harald, Dipl.-Ing., Herrsching

Wilderer Peter, Prof. Dr.-Ing., Schliersee

das 60. Lebensjahr

Bühne Hartmut, Dipl.-Ing., Altötting

Ferstl Frank, Dipl.-Ing., Landshut

Hruschka Herbert, Dr.-Ing., Landshut

Lemkers Alois, Elektromeister, Haag

Litza Bernd-Michael, Abwassermeister,

Traunreut

Löbel Jürgen, Dr. rer. nat., Dipl.-Phys.,

Ottersberg

Oehring Bernd, Dipl.-Ing., Deggendorf

Wetzel Jürgen, Dipl.-Ing., Stadtbaurat

a.D., Schweinfurt

Wörnzhofer Johann, Abwassermeister,

Peiting

Dazu die herzlichsten Glückwünsche

des Landesverbandes!


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