Farbe + .xtil Als Fäden sich zu .1 - Deutsches Farbenzentrum eV

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Farbe + .xtil Als Fäden sich zu .1 - Deutsches Farbenzentrum eV

möglich ist, farbige Schatten zu fotografieren, müssen diese

Farben wohl als tatsächlich vorhanden angenommen und

eher den objektiven Wahrnehmungen zugerechnet werden.

Dem scheint allerdings zu widersprechen, daß bei einer Betrachtung

farbiger SChatten ohne Umgebungsfarben '(z.B.

durch ein Rohr) diese plötzlich die Farbe verlieren.

Nachdem nun dieses faszinierende Phänomen seltsamerweise

allgemein so wenig Beachtung findet, ist es interessant

zu untersuchen, ob und in welcher Form die Kunst sich

damit befaßt hat. Man gelangt dabei zu der Feststellung,

daß zwar die Maler seit Jahrhunderten sich mit der Färbung

des Eigenschattens auseinandersetzen, daß aber die Schlagschatten

als farbige Erscheinung unbeachtet bleiben und

höchstens ohne genaue Begrenzung In dunkelbraunen Tönen

auftreten. Erst die Impressionisten beziehen farbige

Schatten in ihre Kompositionen ein. Aussagekräftig finden

wir den Schatten schließlich bei den Surrealisten, aber diese

sehen ihn nur als dunkles bedrohendes Element und nicht in

seiner möglichen Farbigkeit.

Als ich mich intensiv mit Goethes Farbenlehre befaßte und

nahezu alle von ihm beschriebenen Beobachtungen und Experimente

nachvollzog, übten die Versuche mit den farbigen

Schatten eine besondere Faszination auf mich aus. Die heute

dafür zur Verfügung stehenden technischen Mittel bieten

Möglichkeiten, wie sie Goethe nicht entfernt gegeben waren.

Aus diesen entwickelten sich seit dem Jahre 1959 meine

"Skiachromatischen Kompositionen"_

Während die Impressionisten Schatten farbig malten und

dies in ihre Gemälde als Teile der Gesamtkomposition einbezogen,

male ich gewissermaßen mit farbigen Schatten.

Nach allem, was ich über deren Erzeugung dargelegt habe,

ist der technische Aufbau dafür praktisch gegeben: farbige

und farblose Lichtquellen, geformte Körper, die sich dem

Licht entgegenstellen und eine Projektionsfläche. Dieser

Aufbau kann sichtbar erfolgen oder in einer Wandnische

oder einem Gehäuse verborgen sein, wenn man eine transluzente

Scheibe mit eider begrenzten Durchlässigkt:ii äls Projektionsfläche

benutzt. Letztere bestimmt das Format - von

Buchgröße bis zur Raumwand. Bei den ersten Versuchen ergaben

sich zunächst statische Bilder. A"erdings stellte sich

dabei ein unerwarteter Effekt ein, insofern als im Vorübergehen,

also bei der Standortänderung des Beschauers, eine

Verschiebung innerhalb des Bildes eintritt, wie man es bei

Werken der op-art findet. Hierdurch wurde aber auch die

Flüchtigkeit bzw. die leichte Variabilität des Schattens deutlich.

Diese Erkenntnis brac1te mich dazu, gezielt Bewegung

herbeizuführen. Das erfOlgte zunächst von Hand, schließlich

mit Hilfe von Elektromotoren mit einer geringen Umdrehungszahl,

so daß die Veränderungen von Formen und Farben

nur sehr langsam vonstatten gehen. Bei Einbau mehrerer

schattenwerfender Objekte mit unterschiedlicher Rotation

ergibt sich eine unbegrenzte Variationsbreite.

Außer den beschriebenen bildähnlichen Objekten habe ich

weitere Möglichkeiten entwickelt: drei- und vierseitige freistehende

Objekte, schließlich auch Filme, die vergleichbar einer

musikalischen Komposition entworfen sind. Weitere Versuche

befassen sich damit, den Schatten des menschlichen

Körpers zur Gestaltung zu verwenden, z.B. im Rahmen eines

Environments oder in einem Film als Schattenballett. Bei

letzterem ist das Besondere und besonders Reizvo"e, daß

durch die verschieden gerichteten lichtquellen die Formen

38 FARBE + DESIGN 21/22

des menschlichen Körpers oft nur in Teilen und in mannigfachen

Verformungen teils farbig, teils farblos-dunkel erscheinen.

Auch eine Hintergrundsprojektion für ein Fernsehbalett

wurde durchgeführt.

Anschrift des Verfassers:

Prof. Siegfried Albrecht

Grunerstraße 42

0-6270 IdsteinfTs.

ENTSTEHUNG FARBIGER SCHATTEN

SCHWARZ SCHWARZ SCHWARZ

GRÜN ROT

'\ I

WEISS ROT WEISS ROT WEISS ROT

Skiachromatik mit 3 lichtquellen

SCHWARZ SCHWARZ SCHWARZ

BLAU WEISS VIOLETT BLAU WEISS VIOLETT BLAU WEISS

--------------------

BLAU ORANGE GELB BLAU-

VIOLETT

BLAU

Farbbilder

• •

WEISS BLAU- BLAU WEISS BLAU- BLAU

VIOLETT VIOLETT

LICHTQUELLEN •

Farbe der liChtquellen:

Abb. 1: Blau - Weiß

Abb. 2: Blau (Grün) - Weiß - Blau (Violett)

Abb. 3: Grün - WeiB - Blau

Skiachromatische KomPOSitionen:

Abb. 4 und 5

WEISS BLAU-

VIOLETT

OBJEKTE = SCHATIEN-

FARBE + DESIGN 21/22 39


Manfred Haselbach

Oberflächenverhalten von Kupferbauteilen

an der Atmosphäre

1. Patina-Schutzschicht

1.1 Zusammensetzung und Schutzwirkung

Die Patina ist eine witterungsbbständige, festhaftende, nicht

giftige Schutzschicht, die sich auf Bauteilen aus Kupfer an

der Atmosphäre bildet. Die Zusamm nsetzung der Patina

ist auf Grund der variierenden atmosphärischen Bedingungen

regional unterschiedlich. In Industrie- und Großstadtluft besteht

sie vorwiegend aus basischem Kupfersulfat. in Meeresnähe

aus basischem Kupferchlorid, in Berg- und zuweilen

Landluft aus basischem Kupferkarbonat.

Die chemische Zusammensetzung dieser Kupfersalze entspricht

derjenigen der natürlich vorkommenden Mineralien.

Das bedeutet, daß die Schutzschichten in sich stabil sind.

Dies erklärt die ausgezeichnete Korrosionsbeständigkeit des

Kupfers.

Die Patina-Schutzschicht ist als selbstheilend zu bezeichnen:

Mechanisch bedingte Oberflächenbeschädigungen werden

durch die erneut einsetzende Patinabildung wieder abgedeckt.

In der Umgangssprache wird die aus grünen Kupfersalzen

bestehende Patina oftmals als "Grünspan" bezeichnet.

Diese Bezeichnung ist falsch. Grünspan entsteht nur durch

chemische Reaktion von Kupferwerkstoffen mit Essigsäure

und ist ein Gemenge von basischen Kupfer(II)-acetaten. Im

Gegensatz zu Kupfersalzen, die die natürliche Patina­

Schutzschicht bilden, ist Grünspan wasserlöslich. Optisch

ist es durch den stechend grünen Farbton zu erkennen.

1.2 Farbtöne (Bild 1)

Das metallisch blanke Kupfer zeigt einen roten Farbton, der

sich durch die OXidschichtbildung von Rotbraun über Dunkelbraun

bis zu Anthrazitgrau verändert. Die Oxidschicht

stellt bereits einen primären Schutz des Kupfers dar; Im

Laufe der Jahre bilden sich sekundäre Deckschichten, die

im wesentlichen aus basischen Kupfersalzen bestehen.

Der Farbton wird nicht nur durch die spezifische Art des

jeweiligen Kupfersalzes bestimmt, sondern auch durch verschiedene

Verunreinigungsbestandteile der Atmosphäre. So

verleihen beispielsweise Eisenrostanteile in der Atmosphäre

der Patina lindgrüne Färbungen; Rußanteile trüben und v rdunkeln

die Patina.

An senkrechten Gebäudeteilen ist mit einer tiefbraunen bis

anthrazitgrauen Färbung der Patina-Schutzschicht zu rechnen

(Bild 2). Eine Grünfärbung ist hier i. a. nicht zu erwarten.

Diese Feststellung wird durch Beobachtungen an einem

Berliner .. Kupferhaus" erhärtet. Die vertikalen Bereiche

dieses Hauses wurden vor rund 40 Jahren mit leicht profilierten

Kupfertafeln verkleidet. Während die Kupferdachfläche

eine lindgrüne Färbung aufweist, zeigen die senkrechten

Kupferbauteile einen anthrazitgrauen Farbton. Je

nach den Lichtverhältnissen ist aber auch ein leichter Grünschimmer

festzustellen. Ausnahmen von dieser Regel finden

sich in Meeresatmosphäre.

Andererseits begünstigt bereits eine geringe Abweichung

von der Vertikalen die Grünfärbung der Patina-Schutzsicht,

40 FARBE + DESIGN 21/22

wie es an zahlreichen, steilen Kirchtürmen, die mit Kupfer

gedeckt sind, zu erkennen ist. Vermutlich wirkt die längere

Verweilzeit von Feuchtigkeit auf geneigten Kupferbauteilen

fördernd auf die Bildung der grünen Kupfersalze.

1.3 Einflüsse auf die Schutzschichtbildung

Von großer Bedeutung für das Verhalten von Kupfer an der

Atmosphäre sind die Verunreinigungen durch Schwefelverbindungen,

da sie schon in geringen Mengen auf Kupfer

einwirken. Kupfer ist gegenüber den normalerweise in Industrie-

und Großstadtatmosphäre enthaltenen Schwefelverbindungen

beständig. Stärkere Konzentrationen können jedoch

zu Schäden führen. Gefährdet sind beispielsweise

Schornsteinabdeckscheiben bei schlecht regulierten Olheizungen

und Regenfallrohre, in die Schwefelwasserstoff gelangt.

Letzterer tritt auf, wenn bei EntWässerungsanlagen

lm Mischsystem oder bei Anschluß der Regenfallrohre an die

Klärgrube der Geruchsverschluß fehlt oder die Toilettenlüftung

an die Regenfallrohre angeschlossen wird.

Grundsätzlich sind auch die Schwefeldioxid-Emissionen bei

der Verfeuerung von Heizöl EL in häuslichen Feuerstätten

(Olöfen, Zentralheizungskessel) nicht von negativem Einfluß

auf umgebende Kupferbauteile bzw. auf die Patina­

Schutzschichtbildung. Abgase von unsachgemäß installierten

und/oder betriebenen häuslichen Feuerstätten können jedoch

auf die Ausbildung der Patina hemmend wirken. Die

Verantwortung für die sachgemäße Installation und Einstellung

der Anlage trägt der He1zungsbauer. Eine laufende

überwachung des einwandfreien Betriebes wird durch die

Auflagen des Emmissionsschutzgesetzes gewährleistet.

Im Bauwesen wird vorzugsweise die Kupferqualität SF-Cu

nach DIN 1787 eingesetzt, die sehr gut korrosionsbeständig

ist.

Bei dieser Werkstoffqualität handelt es sich um phosphordesoxidiertes,

sauerstofffreies Kupfer mit einem Kupfergehalt

von mindestens 99,90 Gew.-%. Im allgemeinen kann

davon ausgegangen werden, daß in Deutschland Kupferbänder

und -tafeln in der vorgenannten Werkstoffqualität ge­

Il fert w rden. Um Zweifel auszuschließen, sollte diese jedoch

schon bei der Bestellung angegeben werden.

1.4 BildungsgeSchwindigkeit der Patina-Schutzschicht

Die wichtigsten Einflußfaktoren für die BildungsgeSchWindigkeit

der Patina-Schutzschicht sind die Zusammensetzung

der Atmosphäre und verschiedene Feuchtigkeitsphasen

(Regen, Sahnee, Reif, Tau etc.). In Betracht zu ziehen ist

auch die Beanspruchung durch feste Teilchen (Staub, Ruß,

Sand etc.) und durch Mikroorganismen (Pilze, Bakterien

ete.). Begünstigend für eine rasche Patina-Bildung sind u. a.

hohe Regenmengen, hohe Durchschnittstemperaturen, Neigungswinkel

der Kupferbauteile unter 80° und Lage der

Kupferbauteile zur Hauptwetterrichtung. Weiterhin ist auch

der pH-Wert des Regenwassers von Einfluß auf die Bil-

Veränderung der Kupferfarbtöne an der Atmosphäre

(Foto: CDA, New YOrk)

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