Matthias Domaschk zum 30. Todestag - Geschichtswerkstatt Jena eV

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Matthias Domaschk zum 30. Todestag - Geschichtswerkstatt Jena eV

des Protestantismus zum Vorbild für das Widerstehen gegen die SED-Diktatur erhoben. 6 Mit

dabei war die ehemalige Lebensgefährtin von Domaschk, Renate Ellmenreich geb. Groß. Sie

hielt einen Vortrag zu Leben und (Nach-)Wirken von Domaschk. Anwesend waren auch sein

damaliger Freund und Weggefährte Peter Rösch sowie der Autor. Anlass der Veranstaltung

war die Vorstellung des Sammelbandes „Widerstehen - Wirkungsgeschichte und aktuelle

Bedeutung christlicher Märtyrer“ von Björn Mensing und Heinrich Rathke. 7 Vier Jahre später,

im Jahr 2006, wurde Domaschk in einer weiteren Buchveröffentlichung der Evangelischen

Verlagsanstalt Leipzig als Märtyrer des 20. Jahrhunderts vorgestellt. 8 Der ehemalige

Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen und Stellvertretende

Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Christoph Kähler, vertrat

dabei die Ansicht, Domaschk sei zu Recht in eine Dokumentation über evangelische Märtyrer

des 20. Jahrhunderts aufgenommen worden, weil ihm in der DDR seine im christlichen

Glauben wurzelnde Kritik am SED-Staat vorgeworfen wurde. 9

War Matthias Domaschk, war „Matz“, wie ihn seine Freunde nannten, Vorbild und

christlicher Märtyrer, wie in den Veröffentlichungen 2002 und 2006 ausgeführt wurde, oder

doch einfach „ nur ein ganz normaler Typ“, wie Renate Ellmenreich 2005 in der

Filmdokumentation „Tod im Stasiknast“ darlegte: „Natürlich war er kein Held. Aber er hat

trotzdem gute Sachen gemacht. Natürlich war er kein Martyrer, er hätte sich das nie

vorgestellt. Und trotzdem hat sein Tod in vielen Menschen etwas ausgelöst, was auch weitere

Entwicklung beschleunigt hat oder angeregt hat.“ 10 Der ehemalige Pfarrer Walter Schilling

stellte klar, er, „Matz“, war kein Held, aber sein Tod hatte eine Wirkungsgeschichte. 11

6 09. April 2002, 19.00 Uhr, Vorbilder für das Widerstehen? Gedenken an die Opfer von Nationalsozialismus

und Stalinismus aus dem Raum des Protestantismus. Veranstalter: Evangelische Akademie zu Berlin; Matthias-

Domaschk-Archiv; Evangelische Kirchgemeinde Charlottenburg-Nord, Ort: Evangelisches Gemeindezentrum

Berlin Plötzensee, Heckerdamm 226, Berlin 13627.

7 Mensing, Björn; Rathke, Heinrich Hg.: Widerstehen: Wirkungsgeschichte und aktuelle Bedeutung christlicher

Märtyrer, Leipzig 2002. Für dieses Buch haben Heinrich Rathke und Björn Mensing mehr als 280

Kurzbiographien deutschsprachiger evangelischer Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus recherchiert.

8 Schultze, Harald; Kurschat Andreas Hg.: „Ihr Ende schaut an…“, Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts,

Leipzig 2006, zu Matthias Domaschk ab S. 619 f., Zweitauflage 2008.

9 „Kähler erinnert an Märtyrer aus der DDR - Auch Kähler und Wanke sprachen sich für deutliche

Solidaritätsbekundungen mit bedrängten Gemeinden aus. In der DDR-Zeit seien Besuche aus dem Westen eine

große Ermutigung gewesen. Kähler - auch stellvertretender EKD-Ratsvorsitzender - erinnerte an den

Feinmechaniker Matthias Domaschk (1957-1981), der als Mitglied der Jungen Gemeinde Jena unter bis heute

ungeklärten Umständen in Stasi-Haft starb. Man habe ihm seine im christlichen Glauben wurzelnde Kritik am

SED-Staat vorgeworfen. Domaschk sei zu Recht in eine Dokumentation über evangelische Märtyrer des 20.

Jahrhunderts aufgenommen worden, so Kähler. Wanke mahnte zum „langen Atem“. Die Kirche lebe, während

mit Nationalsozialismus und Kommunismus zwei totalitäre Weltanschauungen zusammengebrochen seien.“

Internetplattform der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) mit Sitz in Bad Blankenburg (Thüringen) vom

18.10.2006, URL: http://www.ead.de/nachrichten/nachrichten/einzelansicht/article/nigerianer-deutschland-istim-glaubensurlaub.html

(Stand 27. Dezember 2010).

10 Filmdokumentation „Tod im Stasiknast. Warum starb Matthias Domschk? Film von Andreas K. Richter und

Tom Franke im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks für die ARD, gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung

zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 2005.

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