Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

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Tafel 3: Litauen und Wilna

Litauen und Wilna

Wilna, ca. 1942

Doppelstaat Polen-Litauen

Das Großreich Litauen reichte im 14./15. Jahrhundert bis ans Schwarze Meer.

Es war mit Polen in einer Personalunion verbunden und wurde in dieser Zeit

christianisiert. Erbitterte Kämpfe führten die Herrscher sowohl gegen den

Deutschen Ritterorden als auch gegen die Moskauer Fürsten. Im 16. Jahrhundert

vereinigten sich Polen und Litauen zu einem Doppelstaat, Litauen

wurde Teil der polnischen katholischen Adelsrepublik. Die 1569 von Jesuiten

gegründete Wilnaer Universität entwickelte sich zum katholischen Vorposten

Osteuropas und zum intellektuellen Zentrum des Landes. Die dritte polnische

Teilung 1795 bedeutete das Ende des litauisch-polnischen Staates, das Territorium

wurde zwischen Österreich, Preußen und Russland aufgeteilt, Litauen

gehörte bis 1918 zu Russland.

Das polnisch-litauische Doppel-

Rückgewinnung der Selbständigkeit

reich am Ende des 15. Jh.s

Das im Ersten Weltkrieg von Deutschland besetzte Land erhielt nach der

Russischen Revolution von 1917 und der Niederlage Deutschlands 1918 die Unabhängigkeit zurück, war

jedoch durch die territorialen Interessen Deutschlands, Russlands und Polens gefährdet. Nach kurzer litauisch-kommunistischer

Herrschaft lösten sich sowjetische und polnische Truppen bei der Besetzung Wilnas

mehrfach ab, bis die Stadt und die Region 1920 unter polnische Herrschaft kamen. Die Annexion der südlitauischen

Gebiete durch Polen wurde zwar vom Völkerbund faktisch anerkannt, nicht aber von Litauen.

„Es gibt im zwanzigsten Jahrhundert wohl nicht noch einmal eine Stadt, die wie Wilna dreizehnmal

von einer Hand in die andere gegangen wäre. Ihre Bewohner hatten folglich Gelegenheit gehabt zu

lernen, auf den Einmarsch verschiedener Armeen zu reagieren, wie man auf Naturkatastrophen zu

reagieren pflegt – indem man sich bemüht, weiter seinen täglichen Verrichtungen, Interessen und

Zerstreuungen nachzugehen. Leider wurde diese innere Loslösung in dem Moment unmöglich, als

totalitäre Staaten um diesen Teil Europas miteinander zu kämpfen begannen.“ 1

Kaunas, die „provisorische“ Hauptstadt

Nach dem Verlust Wilnas wurde Kaunas „provisorischer“ Regierungssitz. Die liberal-demokratische Entwicklung

des Landes geriet Mitte der 1920er Jahre in die Krise und gab nationalistischen und antisemitischen

Kräften Auftrieb. Nach einem Putsch 1926 kam Antanas Smetona an die Macht, die er mit diktatorischen

Vollmachten bis 1940 ausübte.

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