Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

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Überfall auf die Sowjetunion

Einmarsch in Wilna, 1941

1941 überfiel die deutsche Wehrmacht ohne Kriegserklärung die Sowjetunion. Damit wurde der im August

1939 zwischen Berlin und Moskau geschlossene Nichtangriffsvertrag („Hitler-Stalin-Pakt“) gebrochen. Die

Truppen der Heeresgruppe Nord überquerten in den Morgenstunden des 22. Juni die Grenze zur damaligen

Sowjetrepublik Litauen, überrannten innerhalb weniger Tage die baltischen Teilrepubliken und erreichten

schon am 24. Juni die litauische Hauptstadt Wilna. Die vorübergehende Militärverwaltung wurde nach wenigen

Wochen von einer deutschen Zivilverwaltung abgelöst. Sie sollte kurzfristig die militärischen und wirtschaftlichen

Anforderungen der Wehrmacht – Versorgung und Sicherung des Hinterlandes – erfüllen und

auf längere Sicht den Anschluss an das Deutsche Reich vorbereiten.

Überfall der deutschen Wehrmacht

auf die Sowjetunion, 1941

Tafel 4: Überfall auf die Sowjetunion

Unternehmen Barbarossa

Das „Unternehmen Barbarossa“ – so der Deckname für den Überfall

auf die Sowjetunion – war von der Wehrmacht unter großer Geheimhaltung

sorgfältig vorbereitet worden. Sein Ziel war, in einem sog. Blitzkrieg,

den sowjetischen Staat und dessen Armee zu zerschlagen. Nach der

Unterwerfung der europäischen Gebiete galt es, deren Ressourcen für

ein großgermanisches Kolonialreich zu sichern. Der slawischen Bevölkerung

war die Rolle von Sklaven zugedacht, die jüdische Bevölkerung

sollte vernichtet werden. Viele Litauer bejubelten die Deutschen als Befreier

von sowjetischer Herrschaft. Für die Juden Litauens dagegen begann

die Verfolgung, die sich binnen kurzem zur systematischen Ausrottung

steigern sollte.

Wehrmacht und Einsatzgruppen

Mit der Wehrmacht kamen die Einsatzgruppen, mobile Spezialeinheiten

mit Angehörigen der Sicherheitspolizei und des SS-Sicherheitsdienstes

(SD). Deren Auftrag war die Ermordung von Juden, Kommunisten, Roma und aller „feindlichen Elemente“.

Mit dem Einmarsch begann der planmäßige Massenmord. Den Einsatzgruppen war vom Oberkommando

der Wehrmacht für das „Unternehmen Barbarossa“ eigens zugesichert, dass sie ihre als „Sonderaufgaben“

umschriebenen Mordaktionen „in eigener Verantwortung“ und unabhängig von militärischen Gesichtspunkten

durchführen können. Im Baltikum wütete die Einsatzgruppe A unter der Leitung von SS-Brigadeführer

Dr. Walter Stahlecker. Im Herbst 1942 wurde SS-Oberführer Humbert Achamer-Pifrader, 1939 bis 1942

Gestapo-Chef in Darmstadt, einer der Nachfolger in dieser Funktion. Das in Kaunas stationierte Einsatzkommando

3, eine Untereinheit der Einsatzgruppe A, betrieb unter dem SS-Standartenführer Karl Jäger die

systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Litauens. Wehrmacht und Einsatzgruppen kooperierten

reibungslos, ihre Zusammenarbeit war „im allgemeinen gut, in Einzelfällen…sehr eng, ja herzlich.“ 1

Die Wehrmachtsführung hatte sich das Feindbild von der jüdisch-sowjetischen Weltverschwörung zu eigen

gemacht: Juden und Kommunisten waren „auszurotten“. Hitler selbst und die Wehrmachtsführung erteilten

noch vor Beginn des Russlandfeldzuges und in dessen Verlauf entsprechende verbrecherische Befehle. Der

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