Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

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Tafel 4: Überfall auf die Sowjetunion

zusammen, deren Angehörige – neben „wild“ agierenden Häschern,

Denunzianten und Mördern – unter deutschem Befehl beim Zusammentreiben

und bei der Ermordung der jüdischen Landsleute in

vorderster Linie aktiv waren.

...sich aller Juden zu entledigen

„Für die ideologische Reifwerdung der litauischen Nation ist es

wesentlich, dass antikommunistische und antijüdische Aktionen

verstärkt werden. Es ist von großer Wichtigkeit, dass dabei die

Möglichkeit genutzt wird, sich aller Juden zu entledigen. Wir

müssen eine Atmosphäre schaffen, die für Juden so drückend

Litauische „Partisanen“ treiben

jüdische Frauen durch die Stadt

ist, dass kein einziger Jude denkt, er habe das geringste Recht, im neuen Litauen zu leben. Es ist

unser Ziel, die Juden gemeinsam mit den roten Russen zu vertreiben. Je mehr von ihnen bereits jetzt

das Land verlassen, umso einfacher wird es, später den Rest loszuwerden.“ 6

Grigorij Schur berichtet:

„Das Land wurde von den blitzartig sich entrollenden Ereignissen völlig überrumpelt. In der Nacht

zum Sonntag, den 22. Juni 1941, überschritt die deutsche Armee ohne vorherige Kriegserklärung die

festgelegte Grenze und drang rasch ins Landesinnere vor ... Eine bedeutende Rolle bei der Vorbereitung

des deutschen Überfalls spielten die örtlichen Nazi-Organisationen. In den Baltischen Staaten

gab es seit langem schon ein weit verzweigtes deutsches Spionagesystem, das sich auf dortige Anhänger

Nazi-Deutschlands stützte. Der deutsche Generalstab war natürlich über das Militär und das

Zivilleben des Landes, über die Zahl und die Lage der sowjetischen Truppen … genauestens informiert.

In den Monaten seit Beginn der Sowjetherrschaft in Litauen waren örtliche Nazis in zahlreichen

Organisationen, Volkskommissariaten, Fabriken und Betrieben an Schlüsselpositionen gelangt

… Die Stimmung der Bevölkerung war zudem negativ geprägt von der Deportation einer riesigen

Menschenzahl in den Osten der Sowjetunion. Acht Tage vor Beginn der Kriegshandlungen … fanden

im gesamten Baltikum, in Litauen, Lettland und Estland, an Hand vorher erstellter Listen Massenarreste

und Deportationen von Personen statt, die von der Sowjetmacht als unerwünschte Elemente

bezeichnet wurden. Die Deportationen hielten eine ganze Woche an, während der die baltische Bevölkerung

in Angst und Schrecken lebte … Ein aufmerksamer Beobachter konnte mühelos erkennen,

dass antisemitische Stimmungen im Baltikum 1941 im Anwachsen waren … die Existenz von verdeckten

nationalistischen Organisationen, die mit dem Nationalsozialismus sympathisierten, [war] kein

Geheimnis.“ 7

Stahlecker-Bericht:

„Befehlsgemäß war die Sicherheitspolizei entschlossen, die Judenfrage mit allen Mitteln und aller

Entschiedenheit zu lösen. Es war aber nicht unerwünscht, wenn sie zumindest nicht sofort bei den

doch ungewöhnlich harten Maßnahmen, die auch in deutschen Kreisen Aufsehen erregen mussten, in

Erscheinung trat. Es musste nach außen gezeigt werden, dass die einheimische Bevölkerung selbst als

natürliche Reaktion gegen jahrzehntelange Unterdrückung durch die Juden und gegen den Terror

durch die Kommunisten in der vergangenen Zeit die ersten Maßnahmen von sich aus getroffen hat …

Aufgabe der Sicherheitspolizei musste es sein, die Selbstreinigungsbestrebungen in Gang zu setzen

und in die richtigen Bahnen zu lenken, um das gesetzte Säuberungsziel so schnell wie möglich zu

erreichen ... Durch Unterrichtung der Wehrmachtsstellen, bei denen für dieses Vorgehen durchweg

Verständnis vorhanden war, liefen die Selbstreinigungsmaßnahmen reibungslos ab. Dabei war es von

vornherein selbstverständlich, dass nur die ersten Tage nach der Besetzung die Möglichkeit zur Durchführung

von Pogromen bot.“ 8

„das jüdisch-bolschewistische System muss ein für allemal

ausgerottet werden“ (Generaloberst von Manstein) 9

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