Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

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Orten fanden Massenerschießungen statt, das Neunte Fort in Kaunas und

Ponary waren während der gesamten Besatzungszeit Schauplätze von

Vernichtungsaktionen. In

Verstecken, von Helfern (l.): Karl Jäger (1888–1959),

gerettet oder in der sowje- SS-Standartenführer, Komtischen

Armee und bei den mandant des Einsatzkom-

Partisanen kämpfend, übermandos 3, beging 1959 in

lebten weniger als 10.000 Untersuchungshaft Selbstmord

litauische Juden.

(r.): Jäger hatte im Dezember

1941 gemeldet, das ihm unterstellte

Kommando habe seit

dem Einmarsch 137.346 Juden

„erledigt“

Juni/Juli 1941

Die erste Vernichtungswelle richtet

sich gegen junge Männer, Intellektuelle

und Repräsentanten der

jüdischen Gemeinden, um jeden

Widerstand auszuschließen.

Gleichzeitig werden litauische

Hilfskräfte rekrutiert. Die Führung

der Einsatzgruppe A fördert anfangs

vor Ort „spontane“ Pogrome

– z. B. in Kaunas, wo litauische

Schlägertrupps unter den

Augen der Deutschen innerhalb

weniger Tage ca. 5.000 Juden umbringen

– und übernimmt dann die

Organisation selbst. Das Einsatzkommando

9 beginnt am 4. Juli in

Wilna und Umgebung mit Massenerschießungen

in Ponary, ab 20.

Juli übernimmt das Einsatzkommando

3 die Aktionen.

Juli/August 1941

Die jüdische Bevölkerung wird

zunächst in provisorischen Ghettos

„konzentriert“. In Kaunas, Wilna

und Siauliai entstehen große Ghettos.

Litauische Hilfskräfte stellen

die Bewachung, spüren Juden auf

Tafel 6: Holocaust in Litauen

Holocaust in Litauen – Chronik in Stichworten

und übergeben sie der SS. Die

„konzentrierten“ Juden in den provisorischen

Ghettos werden vom

Rollkommando Hamann liquidiert.

September–Dezember 1941

In zahllosen „Aktionen“ werden

vor allem „Unproduktive“ – Alte,

Kranke, Intellektuelle, für Arbeitseinsätze

nicht mehr benötigte

Zwangsarbeiter, Kinder, Frauen –

ermordet. Der „Jäger-Bericht“

vom 1. Dezember 1941 nennt die

Zahl von 34.500 Juden, die nach

der Vernichtungswelle des Herbstes

noch am Leben seien –

ansonsten sei Litauen „judenfrei“.

1942

In einer Phase vorübergehender

„Stabilität“ steht die Ausbeutung

der verbliebenen Zwangsarbeitskräfte

im Vordergrund. Gleichzeitig

erfolgt eine fortschreitende Dezimierung

der Ghettogefangenen

durch Straf- und Selektionsmaßnahmen

sowie Geiselerschießungen

nach gelungenen Fluchtaktionen.

1943

Nach der Auflösung von Außenlagern

werden zwischen Juli und

September die großen Ghettos liquidiert.

Die Gefangenen werden

in KZs nach Estland und Lettland

deportiert, in Arbeitslager der

Besatzer oder direkt in die Vernichtungslager

gebracht. Tausende

werden sofort ermordet.

1944

Im März erfolgt eine zentrale

„Kinderaktion“: SS und litauische

Hilfskräfte durchkämmen die nach

der Ghettoliquidierung verbliebenen

Arbeitslager nach Kindern, um

sie abzutransportieren und zu ermorden.

Beim Heranrücken der

Roten Armee Ende Juni/Anfang

Juli fallen die in den Arbeitslagern

verbliebenen Juden kollektiven

Mordaktionen zum Opfer. Einige

Hundert überleben in Verstecken.

Das jüdische Litauen existiert nicht

mehr.

„Doch wie kann man erzählen von diesem totalen

Grauen …?“ (Grigorij Schur) 6

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