Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

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Tafel 7: Jüdischer Widerstand

Jüdischer Widerstand

Jüdische Partisanen, 1944. Stehend v.l.n.r.: Elchanan Magid, Jakob Prener, Bluma

Markowicz, Abba Kovner, Rozka Korczak, Leib Sapirsztein, Vitka Kempner

Kniend v.l.n.r.: Gerschon Griner, Pesach Miserec, Motl Schames

„Nicht wie Schafe zur Schlachtbank“

Die Annahme, die Juden hätten sich widerstandslos in ihr Schicksal der Vernichtung ergeben, ist längst

widerlegt. Vor allem junge Juden haben unter schweren Opfern Widerstand geleistet: im Untergrund der

besetzten Länder und in den Ghettos, in Partisaneneinheiten, in den Armeen der Westalliierten und in der

Roten Armee. Viele Beispiele des Widerstands wurden zum Symbol des Überlebenswillens: sowohl bewaffneter

Widerstand als auch kulturelle und religiöse Selbstbehauptung unter den Bedingungen des Ghettos.

Die FPO

Gegen den planvoll praktizierten Terror gab es keine Chance zum direkten Widerstand. Die deutsche

Eroberungsarmee überrollte in kürzester Zeit Wohngebiete und Heimatländer der osteuropäischen Juden. Ihr

folgten die SS-Einsatzgruppen, die mit Hilfe einheimischer Kollaborateure die wehrlose jüdische Bevölkerung

zusammentrieb und tötete. Erste Nachrichten von den Massenexekutionen in Ponary stießen im Wilnaer

Ghetto wegen ihrer Ungeheuerlichkeit zunächst auf Unglauben. Nachdem alle Zweifel beseitigt waren,

schlossen sich im Januar 1942 Aktivisten der Jugendorganisationen zur Widerstandsorganisation FPO

(Fareynigte Partizaner Organizatsie) zusammen. Die FPO organisierte vielfältige, oft verlustreiche Aktionen:

Kurierdienste, Dokumentenfälschungen, Fluchtwege, Beschaffung von Waffen, Waffentraining.

„Auch wenn die Antwort grausam ist, müssen wir sagen: Es gibt keine Rettung … Gibt es einen

Ausweg? Ja, er lautet: Aufstand und bewaffneter Widerstand.“ 1

Yitzak Wittenberg (1907–1943)

Gewerkschafter, Mitglied der Kommunistischen Partei, bis zu seiner

Ermordung Anführer der FPO.

Abba Kovner (1918–1987)

Schriftsteller, Mitglied einer linkszionistischen Jugendorganisation,

Nachfolger Wittenbergs als FPO-Führer.

Yitzak Wittenberg Abba Kovner

Verbindung nach Bialystok und Warschau

„Als sich unsere Partisanenorganisation gefestigt hatte, wurde entschieden, zuverlässige Leute in

andere Städte mit bedeutendem jüdischen Anteil zu entsenden, um dort die Widerstandsorganisation

zu verstärken. Im Ghetto von Bialystok schmachteten etwa 40.000 Juden, im Warschauer Ghetto etwa

eine halbe Million. Die Bialystoker wollten nicht glauben, dass in Wilna Massenerschießungen statt-

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