Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

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Tafel 7: Jüdischer Widerstand

Die Partisanenhymne

Hirsch Glik (1922–1944)

Wie Sutzkever und andere Widerstandsangehörige Mitglied der Künstlergruppe „Jung

Wilne“; Verfasser dieses rasch zur Hymne der Partisanen gewordenen Liedes; beim

bewaffneten Widerstand im September 1943 in Gefangenschaft geraten und nach

Estland deportiert; nach gelungener Flucht zu einer Partisaneneinheit bei einem Gefecht

gefallen.

Sag nie...

(übersetzt von Arno Lustiger)

„Sag nie, du gehst den letzten Weg,

wenn Gewitter auch das Blau vom Himmel fegt.

Die ersehnte Stunde kommt, sie ist schon nah,

dröhnen werden unsere Schritte: wir sind da!

Vom grünen Palmenland bis weit zum Land voll Schnee

kommen wir mit unserer Pein, mit unserem Weh.

Und wohin ein Tropfen fiel von unserm Blut

sprießen für uns neue Kräfte, neuer Mut.

Der Tag wird golden, wenn erst Morgensonne scheint,

und die schwarze Nacht verschwindet mit dem Feind.

Und zögert auch die Sonne noch am Horizont,

ist unser Lied dafür Gewissheit, dass sie

kommt.

Das Lied, wir schrieben es mit Blut und nicht mit Blei,

das ist kein Lied von einem Vogel froh und frei.

Es hat ein Volk gestanden zwischen Rauch und Brand,

das Lied gesungen mit den Waffen in der Hand.“ 5

Hirsch Glik

Fania (r.) vor einem ehemaligen

Unterstand, 2005

„Tod dem Faschismus“

Nach der gelungenen Flucht einer größeren Zahl von FPO-Mitgliedern aus dem Ghetto im September 1943

gründete Abba Kovner die Partisaneneinheit „Tod dem Faschismus“, mit der er u.a. Sabotageakte organisierte

und an der Befreiung Wilnas beteiligt war.

„Ich erinnere das erste Mal, als wir einen Zug aufmischten. Ich ging mit einer kleinen Gruppe, Rachel

Markewitch begleitete uns. Es war der Neujahrsabend … Der Zug erschien auf den Bahnschienen,

eine Reihe großer, schwer beladener Waggons Richtung Wilna. Mein Herz stoppte plötzlich vor Freude

und Angst. Ich zog den Zünder mit aller Kraft, und in dem Moment, bevor der Donner der Explosion

in der Luft ein Echo gab und 21 Waggons voller Truppen in den Abgrund stürzten, hörte ich

Rachel rufen: ‚Für Ponary!‘“ 6

Aufruf zum Widerstand von Abba Kovner

„Lassen wir uns nicht wie Schafe zur Schlachtbank führen! Jüdische Jugend, glaubt nicht den Verführern.

Von den 80.000 Juden im ‚Jerusalem von Litauen’ blieben nur 20.000. Vor unseren Augen

haben sie uns unsere Eltern, Brüder und Schwestern entrissen. Wo sind die Hunderte von Menschen,

die von den litauischen Häschern zur Arbeit entführt wurden? Wo sind die nackten Frauen und ihre

Kinder, die in der schrecklichen Nacht entführt wurden? Wo sind die Juden vom Jom-Kippur-Tag?

Und wo sind unsere Brüder aus dem zweiten Ghetto? Von denen, die vor das Ghetto-Tor geführt

wurden, kehrte kein einziger zurück. Alle Wege der Gestapo führen nach Ponary. Und Ponary ist der

Tod! Ihr Zweifler, lasst alle Illusionen fallen! Eure Kinder, Männer und Frauen sind nicht mehr am

Leben. Ponary ist kein Lager. 15.000 wurden dort durch Erschießen getötet. Hitler beabsichtigt, alle

Juden Europas zu vernichten. Es ist das Schicksal der Juden Litauens, als erste an der Reihe zu sein.

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