Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

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Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

Retterinnen und Retter

Denkmal für Chiyune Sugihara vor dem Jüdischen Museum in Wilna

Die Rettung von Juden

In den Jahren der Judenverfolgung und des Holocaust haben nur wenige Menschen das Risiko von Denunziation,

Verhaftung und Lebensgefahr in Kauf genommen, um Juden zu helfen und zu retten. Viele von ihnen

haben dabei ihr Leben verloren. Die Zahl der Retterinnen und Retter in Deutschland und in den besetzten

Ländern ist unbekannt. Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem hat bis 2007 mehr als 21.000 als „Gerechte

unter den Völkern“ geehrt, weil sie jüdische Menschen gerettet haben. Besonders gering ist die Zahl jener,

die in der Uniform der deutschen Wehrmacht die Rettung von Juden gewagt haben.

„Der Wehrmacht haben ungefähr 18 Millionen Menschen angehört, die Zahl der bislang bekannten

Retter in Uniform liegt unter 100.“ 1

Karl Plagge (1897–1957)

Malinen als Rettungsort

Malinen waren Verstecke, die den Zweck

hatten, sich bei Aktionen in einem

möglichst unauffindbaren Schutzraum vor

dem Zugriff der SS und deren Helfer verbergen

zu können. Oft wurden die

Malinen entdeckt und die dorthin

Geflüchteten getötet. Manche Malinen

Tafel 9: Retterinnen und Retter

Retter in Uniform

Karl Plagge schützte die jüdischen HKP-Arbeitskräfte und ihre Familien

vor allem durch die Ausgabe von beim Judenrat angeforderten Arbeitsbescheinigungen,

die Einrichtung des HKP-Lagers, die Sicherung der

Versorgung, aber auch durch einzelne Interventionen, bei denen er Gefangene

freibekam oder ihren Abtransport nach Ponary verhinderte.

„Unter dem Deckmantel des ernst zu nehmenden Wehrmachtskommandanten

– den Kriegsanstrengungen verpflichtet – war es

ihm möglich, die eigenen Regeln der deutschen Besatzungsbürokratie

zur Rettung von Leben zu nutzen … aber seine Methoden

waren subtil, nicht die eines großmäuligen Draufgängers, der

allzu schnell mitsamt seinen Schützlingen enttarnt und getötet worden

wäre.“ 2

Der HKP wurde auf diese Weise zum relativ geschützten Bereich, auch

wenn Plagge beim Abzug 1944 nicht mehr tun konnte, als vor der Auflösung

des Lagers und vor der Gefahr durch die SS zu warnen. Diese

Warnung rettete ungefähr 250 Menschen das Leben. Einem kleineren

Teil gelang die Flucht, die Mehrzahl überlebte in Verstecken, in so genannten

Malinen.

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Die Skizze, 1992 von Gary

Gerstein angefertigt, zeigt jene

Maline, in der ungefähr 100

Menschen überlebten, unter ihnen

Perella Esterowicz/Pearl Good mit

ihren Eltern und den Verwandten

Nina und Mula Gerstein mit Sohn

Gary sowie Simon Malkes mit

seinem Vater Abraham

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