Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

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Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

Die Überlebenden

Samuel Bak: The Family, 1974

Dank an die Geretteten

Viele Überlebende des Holocaust haben die Geschichte ihrer Rettung nie erzählt, nicht einmal ihren Kindern.

Zu sehr fürchteten sie die Wiederkehr des Grauens, dem sie entkommen sind. Wir verdanken denjenigen, die

trotz aller Schmerzen der Erinnerung berichtet haben, meist auch die Namen ihrer Retterinnen und Retter,

von denen sie mit Achtung und großer Dankbarkeit sprechen. Der Dank der HKP-Überlebenden gilt vor

allem Karl Plagge. Sein mutiges und mitmenschliches Verhalten hat ihnen und ihren Nachkommen ein Leben

nach dem Holocaust ermöglicht. Mit ihren Erinnerungen haben sie wesentlich zur Rekonstruktion der Geschehnisse

in Wilna von 1941 bis 1944 beigetragen.

Samuel, Ida und Perella Esterowicz/Pearl Good

Samuel Esterowicz, Jurist und Ökonom, erhielt 1941 Arbeit in der HKP-Werkstatt für Autositze. In seinen

Erinnerungen berichtet er von Karl Plagges Bemühungen um erträgliche Arbeits- und Lebensbedingungen

Ida und Samuel Esterowicz,

1954

Tafel 10: Die Überlebenden

und um Schutz für die Lagerinsassen. Die Mutter Ida und die vierzehnjährige

Perella arbeiteten in den Textilwerkstätten des Lagers. Die

Familie überlebte unter qualvollen Umständen mit hundert

weiteren Schicksalsgenossen in einer großen Maline. 1951

emigrierten die Eltern und Perella, die in Italien ein Chemiestudium

abgeschlossen hatte, in die USA.

„Für die Glücklichen des HKP 562 schien es, als habe

Major Plagge … ein Wunder vollbracht. Man sprach

davon, dass er mit der Forderung, ein eigenes Lager

einzurichten, … nach Kowno gefahren sei … um seine

Arbeiter vor der drohenden Vernichtung zu bewahren

… [Es] war dank der Bemühungen des Major Plagge

… dass die 1.000 Bewohner des HKP, zumindest auf

Zeit, dem Schicksal der im Ghetto verbliebenen Juden

Perella Esterowicz

(Pearl Good), 1947

entgehen konnten. Darum war es nicht überraschend, dass wir unseren Beschützer Major Plagge

sehr verehrten und respektierten.“ 1

„Am Sonnabend, dem 1. Juli 1944, kam Major Plagge, der freundliche Kommandeur des HKP 562,

um zu uns zu sprechen … Major Plagge warnte uns, dass die deutsche Armee Wilna verlassen und

unser Lager wegen der heranrückenden Russen nach Westen verlegt würde … Diese Rede des Majors

Plagge machte uns schreckliche Angst … Fast alle von uns begriffen, … dass für unser Lager

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