Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

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Juden unter Strafe stellten und gesetzlich festlegten, wer als Jude

zu gelten hatte.

Nürnberger Prozesse

Im Strafprozess vor dem Internationalen Militärtribunal (IMT)

in Nürnberg von November 1945 bis Oktober 1946 mussten sich

deutsche Hauptkriegsverbrecher (NS-Politiker, Generäle, Spitzenbeamte,

NS-Funktionäre) wegen Führung eines Angriffskrieges,

Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit

verantworten. Diesem Prozess folgten von 1946 bis 1949 zwölf

Verfahren vor US-Militärgerichten u.a. gegen weitere NS-Politiker,

Generäle, SS-Funktionsträger, Ärzte und Wirtschaftsvertreter.

Oktoberrevolution

Die nach dem damaligen russischen Kalender im Oktober 1917

unter Führung Lenins und Trotzkis in Russland erfolgte Machtübernahme

der Bolschewiki, die zur Entstehung der Sowjetunion

führte.

Pogrom

Aus dem Russischen stammende Bezeichnung für gewalttätige

Ausschreitungen gegen Minderheiten allgemein, seit Ende des 19.

Jahrhunderts vor allem bezogen auf Pogrome gegen jüdische

Minderheiten.

Polnische Teilungen

Ende des 18. Jahrhunderts in drei Schritten erfolgte Aufteilung

des polnischen Königreichs zwischen dem zaristischen Russland

und den österreichischen und preußischen Monarchien. Zwei

Drittel des polnischen Territoriums, darunter auch Litauen mit

Kaunas und Wilna, fielen an Russland.

Potsdamer Konferenz

In ihrer letzten Kriegskonferenz vereinbarten die USA, Großbritannien

und die Sowjetunion im Juli/August 1945 u.a. das

Besatzungsregime in Deutschland, die Auflösung aller nationalsozialistischen

Organisationen und der Wehrmacht sowie die

Entnazifizierung.

Reichskommissariat Ostland

Verwaltungsgebiet, das nach dem deutschen Überfall auf die

Sowjetunion 1941 die baltischen Staaten und Teile Weißrusslands

umfasste. Reichskommissar war der vorherige Gauleiter von

Schleswig-Holstein, Hinrich Lohse, mit Sitz in Riga. Litauen

bildete eines der vier Generalkommissariate. Aufgabe war vor

allem die wirtschaftliche Ausbeutung zur Versorgung der Wehrmacht

und die Deportation von Zwangsarbeitern nach Deutschland.

Die Dienststellen des Reichskommissariats waren an der

Vernichtung der Juden und an der Partisanenbekämpfung beteiligt.

„Reichskristallnacht”, Reichspogromnacht

s. Novemberpogrom

SA

Abkürzung für „Sturmabteilung”, die sich von der Ordnungstruppe

zur Terrororganisation der NSDAP gegen politische

Gegner entwickelte. Sie verlor 1934 ihre Vormachtstellung an die

SS, blieb aber die Massenorganisation der Nazipartei, die antisemitische

Aktionen und vormilitärische Ausbildung organisierte.

Schutzmannschaften

Sammelbegriff für die nach dem Einmarsch in die Sowjetunion u.a.

im Reichskommissariat Ostland aus einheimischen Hilfswilligen,

meist nationalistisch-antisemitischen Organisationen gebildeten

Einheiten. Sie wurden zu paramilitärischen Hilfstruppen aufge-

Glossar

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baut. Die antisemitischen „Partisanen” Litauens wurden von der

deutschen Besatzung Zug um Zug in Polizeibataillonen zusammengefasst

und bei Verfolgungs-, Bewachungs- und

Vernichtungsaktionen eingesetzt.

Sicherheitsdienst (SD), Sicherheitspolizei (SiPo)

Der SD wurde 1931 als Nachrichten- und Agentenapparat der SS

zur Ausforschung der politischen Gegner und der Bevölkerung

gegründet. Ihm gehörten um 1940 über 3.000 hauptamtliche

Mitarbeiter und ein großes Agentennetz an. Kriminal- und Gestapo-Beamte,

die SS-Mitglieder waren, waren in den SD eingebunden.

In den besetzten Gebieten spielte der SD bei der Unterdrückung

und Vernichtung eine zentrale Rolle. Die SiPo entstand

1936 aus der Zusammenlegung von Kriminalpolizei und Gestapo

und deren Eingliederung in die SS. Faktisch wurden damit SD,

SiPo, Gestapo und Kripo zu einem vom SS-Reichssicherheitshauptamt

zentral gesteuerten Terrorapparat.

SS

Abkürzung für „Schutzstaffel”, ursprünglich als Elitetruppe der

Nationalsozialisten konzipiert („Herrenmensch”), wurde unter

Heinrich Himmler nach der Zusammenlegung aller Polizeidienste

und der SS im Reichssicherheitshauptamt zur zentralen Terrororganisation

des NS-Regimes.

Stahlecker-Bericht

Benannt nach Walter Stahlecker, SS-Befehlshaber der Einsatzgruppe

A. Der an die SS-Führung gerichtete Bericht vom 15. 10.

1941 schildert die Arbeitsweise und Einzelheiten bei den Mordaktionen

zwischen Juni und Oktober 1941 in den baltischen

Ländern.

Strashun-Bibliothek

1892 von dem jüdischen Gelehrten und Philanthropen

Mattityahu Strashun in Wilna gestiftete, größte Bibliothek

Europas für Manuskripte und Bücher in jiddischer Sprache.

Verbrecherische Befehle

Von Hitler, der deutschen Wehrmachtsführung und einzelnen

Befehlshabern – zum Teil noch vor dem Überfall auf die Sowjetunion

– erteilte Befehle, die Verbrechen anordneten, billigten oder

deckten (u.a. Ermordung von Juden und slawischer Zivilbevölkerung,

von kommunistischen „Kommissaren” und von Kriegsgefangenen).

Versailler Vertrag

Der zwischen Deutschland und den über 20 Kriegsalliierten im

Juni 1919 geschlossene Vertrag war die völkerrechtliche Beendigung

des Ersten Weltkriegs. Er enthielt die Satzung des Völkerbundes,

regelte Gebietsabtretungen u.a. an Frankreich (Elsaß-

Lothringen) und an die neu entstandenen Staaten Polen und

Tschechoslowakei; er beschränkte die deutsche Militärmacht und

legte Reparationen fest, die die These von der alleinigen Kriegsschuld

Deutschlands zur Grundlage hatten. Die antidemokratischen

Kräfte, unter ihnen die erstarkende NSDAP, bekämpften

den Versailler Vertrag als „Schand- und Diktatfrieden”. 1937

kündigte NS-Deutschland den Vertrag.

Widerstand

Im jüdischen Widerstand Osteuropas fanden die ideologisch und

politisch sehr unterschiedlichen Jugendorganisationen zu einem

engen Bündnis zusammen. Die FPO in Wilna wurde ebenso von

religiös-zionistischen und sozialistisch-zionistischen Organisationen

getragen wie von den nicht-zionistischen Bundisten und

der kommunistischen Jugendorganisation.

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