Katholische Kirche Region Bern

kath

Katholische Kirche Region Bern

Katholische Kirche Region Bern

Römisch-katholisches Dekanat Region Bern

Jahresbericht 2009

«...dank Ihnen!»

Türen und Fenster auf! Seite 2

Haben Sie Zeit zum Verschenken? Seite 3

Rezepte aus dem Volk. Seite 4

Der Haken dran... Seite 5

Glaubwürdig leben! Seite 6

«Eine Chance, die wir genutzt haben!» Seite 7

Sexuelle Übergriffe in der Kirche: Was muss sich ändern?

Eine Stellungnahme der Dekanatsleitung der Katholischen Kirche Region Bern


Türen und Fenster auf!

Karl Graf, Co-Dekanatsleiter

Liebe Leserin, lieber Leser

Geöffnete Fenster und Türen erinnern

mich an die grosse Öffnung der katholischen

Kirche, die Papst Johannes XXIII.

1960 angestossen und mit dem Zweiten

Vatikanischen Konzil in Bewegung gebracht

hat. Entscheidende Reformschritte

waren: Die Ökumene und der interreligiöse

Dialog, die erneuerte Liturgie in

der Volkssprache, die persönliche Gewissensfreiheit.

Solche grundlegenden Reformen haben

die meisten Menschen begeistert und

einen Teil der Kirchenleitung verunsichert.

So kam ein verzweifelter Kardinal

zu Johannes dem XXIII mit der Frage,

wie denn nun alles weitergehen solle?

Die Antwort des Papstes war, dass er in

seinem Arbeitszimmer schweigend zum

Fenster schritt und es weit öffnete.

Von offenen Türen und Fenstern in der

Katholischen Kirche Region Bern berichten

wir Ihnen hier. Es geht uns nicht

darum, dass die Kirche «im Dorf bleibt»,

sondern dass sie für Menschen in den

verschiedensten Lebenssituationen er-

„Die Antwort von Papst Johannes

XXIII. war, dass er in seinem

Arbeitszimmer schweigend

zum Fenster schritt und

es weit öffnete...“

fahrbar wird und näher rückt: Für die

Jugendlichen, die nach Lebenssinn und

Zukunftsperspektiven suchen, für die

vereinsamte Rentnerin, die den Kontakt

zu den Menschen verloren hat. für den

Fremden, der in unserem Land ein Stück

Heimat vermisst.

…Dank Ihnen! wird all das Berichtete

und noch viel mehr möglich. Dank Ihnen

gibt es in unserer Gesellschaft Orte,

wo Kirche lebt, wo ein bisschen mehr an

menschlicher Wärme möglich wird, wo

der Sinn für Spiritualität und die Suche

nach Lebenssinn lebendig gehalten wird,

wo die herausfordernde Stimme Jesu im

Markt der tausend Möglichkeiten wach

gehalten wird, wo Menschen am Rand

Zuwendung erfahren.

Ich freue mich und danke Ihnen herzlich,

wenn Sie mit Ihrem persönlichen

Beitrag eine lebendige Kirche weiterhin

unterstützen. Wir werden dafür sorgen,

dass Fenster und Türen weit offen bleiben.

Karl Graf, Co-Dekanatsleiter Region

Bern

Katholische Kirche Region Bern

Ein lebendiger Organismus!

Katholische Kirche Region Bern ist

ein lebendiger Organismus, bestehend

aus vielen, sehr vielen Menschen.

Ganz unterschiedlichen. Mit

vielen Ideen, Zielen, Gedanken,

Hoffnungen, Vorurteilen, Träumen,

tiefem Glauben und starken Zweifeln.

Einen ganz, ganz kleinen Ausschnitt

aus diesem lebendigen Alltag der

Katholischen Kirche Region Bern

präsentieren wir Ihnen hier - und

verweisen Sie zugleich weiter: auf

die Homepage www.kathbern.ch,

auf das Pfarrblatt, auf andere Medien

... und auf die Menschen in Ihrer

Nähe, die sich für Kirche engagieren.

Dort lesen oder hören Sie das ganze

Jahr über, was alles mit Ihrer Kirchensteuer

geleistet wird - für viele

Menschen und mit vielen Menschen

hier in Bern und Umgebung.

Ihre Kirchensteuer bleibt hier in

Bern - bei uns und damit bei all den

Menschen, für die wir und mit denen

wir da sind, auch in einer für die Kirche

sehr schwierigen Zeit.

So danken wir Ihnen: mit Ihrem

Geld, mit Ihrer Kirchensteuer unterstützen

Sie das Engagement für die

Menschen in und um Bern! Ihr Geld

ist gut angelegt - angelegt das Engagement

für lebenswerte Welt. Hier

bei uns, hier bei Ihnen!

Ludwig Spirig-Huber

Kommunikationsstelle Katholische

Kirche Region Bern


«Haben Sie Zeit zu verschenken?»

«Die Kirche ist da für Menschen, die einsam sind», sagt Andrea Sahre.

Konkret sind die Katholische und die Evangelisch-reformierte Kirche Belp

unter anderem mit ihrem Besuchsdienst ‹A casa› da. Gemeint ist nicht in

erster Linie die Institution, gemeint sind ganz konkrete Menschen, die sich

Zeit für andere nehmen.

Andrea Sahre: «Kirche ist da für Menschen,

die einsam sind!»

Geleitet wird das Projekt ‹A casa› (‹Daheim›)

von Andrea Sahre, Sozialarbeiterin

der katholischen Kirche Belp. Zehn

Freiwillige sind es im Moment (drei Männer

und sieben Frauen), die Menschen

regelmässig zu Hause besuchen. Menschen,

die sich unsicher fühlen, wenn sie

allein ausser Haus gehen müssen. Menschen,

die alt, krank oder behindert sind.

Menschen, die allein sind.

Mehr als ein ganz normaler Besuch

Beim gemeinsamen Kaffeetrinken, auf einem

kurzen Spaziergang, während dem

Vorlesen aus einem Buch – da geschehen

diese Begegnungen, die sowohl den

Besuchten wie den Besuchenden viel geben.

Man spricht über dieses oder jenes,

nimmt Anteil – wie auf einem ganz normalen

Besuch bei Freunden oder Freundinnen.

Und doch: ‹A casa› ist mehr.

Die Freiwilligen, die zu Besuch kommen,

werden dafür speziell vorbereitet und

sind auch durch Fachpersonen begleitet.

«Wie gehe ich mit schwierigen Situationen

um?» Darüber tauschen sich die

zehn Frauen und Männer, die in regelmässigen

Abständen Besuche machen,

untereinander und mit Projektleiterin

Andrea Sahre regelmässig aus.

«...und ganz einfach auch Zeit»

Was braucht es, um im Besuchsdienst

‹A casa› mitmachen zu können? «Kontaktfreudigkeit

und verstehendes Einfühlungsvermögen,

Verschwiegenheit

und Verlässlichkeit, ganz einfach auch

Zeit...», sagt Andrea Sahre. Das ist Kirche

- nicht nur in Belp, sondern auch an

vielen anderen Orten in der Region Bern.

«Begleitung bei der Alltagsbewältigung»

- so umschreibt Heidi Mosimann, Mitarbeiterin

bei der FASA (Fachstelle Sozialarbeit)

an der Mittelstrasse 6a in Bern die

Aufgabe der Besuchsdienste, die auf verschiedene

Art und Weise in den Pfarreien

Zeit schenken - für andere da sein (Foto: zvg)

Was macht eigentlich die Katholische

Kirche Region Bern mit Ihrem

Geld? Genaues finden Sie im

Rechenschaftsbericht 2009 der Römisch-katholischenGesamtkirchgemeinde

Bern und Umgebung

unter www.kathbern.ch/gkgbern!

«Man spricht über dieses oder

jenes, nimmt Anteil – wie auf

einem ganz normalen Besuch

bei Freunden oder Freundinnen.»

der Katholischen Kirche Region Bern angeboten

werden. Das Bedürfnis nach Besuchen

dieser Art ist bei vielen Menschen

vorhanden. Dies habe eine Umfrage im

vergangenen Jahr klar gezeigt.

Dank Ihnen...

Auch Sie sind auf all diesen Besuchen mit

dabei: dank Ihnen kann die Katholische

Kirche Region Bern solche Dienste für

Menschen, die krank oder einsam sind,

anbieten. Ihre Kirchensteuer kommt solchen

Menschen zu gute!


«Rezepte aus dem Volk»

Wenn Rodolfo Catucci aus den Abruzzen, bzw. aus Bümpliz, am Herd stand,

kamen die Leute in die Prairie. An einem Donnerstag mittag im Monat lud

‹La buona forchetta› (‹Die feine Gabel›) vor allem Seniorinnen und Senioren

aus der italienischen Gemeinde in Bern, aber auch ältere Menschen aus

der Schweiz, aus Spanien und Portugal zum mediterranen Mahl ein. Klar:

da wurde nicht nur gegessen, da wurde auch miteinander geredet, gefeiert.

Gekocht, serviert und abgewaschen wurde von Freiwilligen. Ins Leben gerufen

wurde ‹La buona forchetta› von Lorenzo Calabria, Mitarbeiter der

Fachstelle Sozialarbeit der Katholischen Kirche Region Bern.

Manchmal nahm er den Backofen bereits

morgens um halb sechs Uhr in Betrieb,

wenn er ‹Porchetta› machen wollte.

Manchmal nahm er Wein aus eigener

Produktion («...fast eigener Produktion»,

wirft er ein) aus den Abruzzen zurück

nach Bern, wo er ihn dann servierte. Immer

war Rodolfo Catucci mit Leib und

Seele dabei, wenn es ums Einkaufen ging

und ums Kochen für meistens 60 Leute,

vornehmlich Senioren und Seniorinnen,

denen die mediterrane Atmosphäre an

einem Donnerstag im Monat mitten in

Bern gut tat.

Sechs Jahre mediterranes Essen

2004 hatte Lorenzo Calabria, Sozialarbeiter

der Pfarrei St. Antonius in

zum Gluschtigmachen...

das Menu vom 3. Dezember

2009

Bümpliz, den Anfang zur ‹Buona forchetta›

gemacht, hatte Freiwillige gefunden.

Nun, nach sechs Jahren, ist das Projekt

ausgelaufen - wenigstens im Moment.

Das Bedürfnis ist nach wie vor da, was

fehlt, sind Freiwillige, die viel Arbeit und

Engagement auf sich nehmen, um für andere

da zu sein. «Wir suchen ältere Leute,

die Zeit haben für dieses Engagement

und gleichzeitig noch so gesund sind,

dass sie es über eine längere Zeit machen

können», sagt Lorenzo Calabria.

Mit Erinnerungen verbunden, zentral,

belebt

Die Atmosphäre mediterran, das Essen

wunderbar, die Preise sehr billig - für Fr.

12.- war jeweils ein Menu inklusive Mineralwasser

zu erhalten. Ein ganzes Menu

(siehe das Menu von Ende Dezember

gleich nebenan) mit Suppe, Hauptspeise,

Salat und Dessert)! Es waren immer,

wie sowohl Lorenzo Calabria

wie auch Rodolfo Catucci

betonen,

«Rezepte

aus dem

Volk» -

und somit

immer auch

für das Volk...

Auch der Ort

in der Prairie

bei der Dreifaltigkeitskirche

war

Rodolfo Catucci: während Jahren der Chef

(Foto: zvg)

nicht zufällig: zum einen erinnert der

Bau ein wenig an das frühere Italien,

zum anderen liegt er zentral in der Stadt,

und zum dritten ist die Prairie kein Ghetto,

sondern Teil einer lebendigen Pfarrei,

wo Menschen verschiedener Nationalitäten

ein- und ausgehen.

So war die ‹Buona forchetta› nicht einfach

ein Mittagessen, sondern ebenso ein

Projekt für Menschen, die den Rappen

hin und wieder zweimal umdrehen müssen.

Sie war ein Projekt für Menschen,

die zwar in unserer schweizerischen Gesellschaft

integriert sind und sich doch

auch nach dem ‹Daheim› sehnen.

....dank Ihnen!

Auch dank Ihnen und Ihren Kirchensteuern

können Menschen aus anderen Ländern

in der Katholischen Kirche Region

gemütlich zusammen sitzen, miteinander

essen und reden - und sich damit hier

bei uns wohl fühlen.


Der Haken dran...

Kirche und Kunst - eine nicht immer einfache Konstellation. Eine spannende

aber! Die Kirchgemeinde und Pfarrei Worb hat sich an ein Kunstprojekt

gewagt. Was am Martinsfest im November 2009 enthüllt und vorgestellt

werden konnte, ist beeindruckend: der Mantel des heiligen Martin, des Patrons

der Pfarrei Worb, hängt an der Aussenwand der modernen Kirche

- und er ist aus Blechbüchsen ‹zusammengenäht›.

Man glaubt es kaum, dass dieser Mantel,

der so weich fällt, aus Blechbüchsen hergestellt

ist: bei uns ein Wegwerfprodukt,

in Burkina Faso kostbares Rohmaterial

und Werkstoff. Die Künstlerin Rahel

Boos hat zusam men mitKünstlern

aus dem afrikani schen Land diesen

Mantel des heiligen Martin geschaffen.

Rahel Boos hatte an einem

Wettbewerb der Katholischen

Kirchgemeinde Worb teilgenommen

und mit ihrem

Projekt den ersten Preis gewonnen.

Der heilige Martin - hochaktuell

Das Projekt überzeugte,

am 8. November 2009

wurde es eingeweiht.

Im Gottesdienst sagte

die Künstlerin

Rahel Boos dazu:

«Jene Konservendosen,

aus welchen

die Skulptur geschaffen

ist, sind vom Exportgut

von Europa

nach Afrika zum Exportgut in die andere

Richtung geworden. Sie symbolisieren

so einerseits Martins überwundene Diskrepanz

zwischen Arm und Reich sowie

jene zwischen der Schweiz und Burkina

Faso.» Weich - hart; arm - reich; kalt

- warm; kostbar - wertlos; geben - nehmen:

all dies sind Spannungen, die im

Martinsmantel von Worb drin sind, die

den Betrachter oder die Betrachterin beschäftigen.

Aussen an der Kirche

Hängt an der Aussenwand der Worber Kirche:

Martins Mantel

Dem Kirchgemeinderat wie auch dem

Pfarreiteam sei es wichtig gewesen, so

erzählt Sibylle Taeggi, Finanzverantwortliche

der Kirchgemeinde Worb,

dass die rund 10jährige Martinskirche

in Worb mit einem modernen

Kunstwerk geschmückt werden

könne. Zugleich wollte

man den Innenraum der

Kirche nicht verändern

- darum hängt der Martinsmantel

nun auch

aussen, beim Zugang

zur Kirche von der

Bernstrasse her. Wer

also zur Kirche oder

auch ins Pfarreizentrum

kommt,

muss sich mit dem

Mantel des heiligen

Martin aus

Burkina Faso

auseinandersetzen.

Der Haken dran

Doch das Kunstwerk

besteht

nicht nur aus dem Mantel. Man muss

genauer hinschauen... denn da sind auch

zwei Haken, zum einen der, an dem der

Mantel - der ganze Mantel übrigens! - des

Heiligen Martin hängt. Die Legende besagt

eigentlich, dass der Heilige seinen

Mantel geteilt habe, um die eine Hälfte

dem frierenden Bettler am Strassenrand

zu geben. Bei Rahel Boos wird der Aspekt

des Teilens aktualisiert: am anderen

Sibylle Taeggi und Urs Stierli-Fürst: Spannende

Geschichten rund um den Martinsmantel

Haken links neben dran hängt... nichts!

Urs Stierli, Gemeindeleiter in Worb sagt

dazu: «Der Betrachter/die Betrachterin

wird aufgefordert, das was er oder sie

teilen will, symbolisch an den zweiten

leeren Haken zu hängen...es geht nicht

«Man muss genauer hinschauen...

denn da sind auch

zwei Haken...»

nur ums Geld teilenman kann sich ja bewusst

Zeit nehmen, seine Zeit mit anderen

Menschen teilen, man kann gemeinsam

schwierige Situationen aushalten,

miteinander schweigen, beten oder gute

Worte teilen...Oder man kann sich freuen

an schönen Momenten, die anderen Menschen

geschenkt sind...»

Auseinandersetzung mit dem Evangelium

Auch so geschieht Verkündigung, Auseinandersetzung

mit der Botschaft Gottes:

durch Kunst, die anregt - den einen oder

anderen vielleicht auch aufregt -, Kunst,

die Fragen stellt, die Gewohntes aus einem

neuen Blickwinkel anschaut. Kunst

aber auch, die Grenzen überschreitet,

Gräben überspringt: die riesigen Unterschiede

zwischen den Menschen in der

Schweiz und den Menschen in Burkina

Faso.


«Glaubwürdig leben»

Gemeinsam unterwegs sein auf ein Ziel hin. Was das heissen kann, haben

die Firmlinge der Pfarreien St. Antonius Bümpliz und St. Mauritius Bethlehem

eindrücklich erfahren. 23 Jugendliche, alle etwas älter als 17 Jahre

und aus dem Westen Berns, liessen sich auf den Firmweg 2009 ein. 18 beendeten

ihn mit der Firmung im November, 5 sind aus unterschiedlichen

Gründen vorher ausgestiegen.

Es geht aufwärts...Jugendliche aus Bethlehem und Bümpliz in Assisi (Foto: Patrick Schafer,

Bümpliz)

Höhepunkt des Firmweges 2009 war

sicher die gemeinsame Woche im mittelitalienischen

Assisi, dem Ort, wo der

heilige Franziskus lebte und wirkte. Auf

einer Wanderung dann passierte es:

«Die Mitglieder der Gruppe hatten plötzlich

ein Gruppengefühl». Einer der Teilnehmer

war auf der längeren Wanderung

überfordert, wollte aufgeben. Andere Jugendliche

blieben bei ihm, nahmen sich

ihm an und führten ihn schlussendlich

mit der ganzen Gruppe zurück nach Assisi.

Durch diese Erfahrung entstand ein

Gefühl der gegenseitigen Solidarität –

ein Gefühl, das über die Assisi-Woche hinausging

und auch jetzt – einige Monate

nach der Firmung – weiter anhält.

Persönlich wie gemeinsam

23 Jugendliche aus den Pfarreien St. Antonius

Bümpliz und St. Mauritius Bethlehem,

alle um die 17 Jahre jung, wagten

sich auf den Firmweg, den die Katholische

Kirche Region Bern auch in verschiedenen

anderen Pfarreien anbietet.

Klar, viel Plausch ist auch dabei, mit anderen

Jugendlichen zusammen sein, über

dies und das reden - aber dazu gehört die

persönliche wie die gemeinsame Suche

nach Gott, der uns Menschen trägt.

Zentrales Anliegen auch bei einem Firmweg

ist aber die Glaubwürdigkeit. Gefirmt

werden/gefirmt sein heisse, so sagt

es Patrick Schafer, Theologe in Bümpliz,

«glaubwürdig zu leben.» «Wir regen die

Jugendlichen zum eigenen Denken an»,

Zwei von fünf Leitenden: Elisabeth Reingruber,

Bethlehem, und Patrick Schafer, Bümpliz.

Im weiteren gehörten auch zur Leitung des

Firmweges in den Pfarreien St. Antonius und

St. Mauritius: Rosa Tirler, Claudia Vonlanthen

und Sévérine Decaillet

ergänzt Elisabeth Reingruber, Jugendarbeiterin

in Bethelehem und Bümpliz.

«...da kommt Atmosphäre auf!»

Nicht nur in Assisi waren die rund 20

Jugendlichen unterwegs, während einem

Jahr trafen sie sich regelmässig zu

Abenden oder Wochenenden in Bern. Da

wurde über Themen wie Gottesbilder,

Heiliger Geist oder Fairer Handel gesprochen,

wurden Gottesdienstformen

ausprobiert...es wurde auch nicht nur

geredet, sondern viel Kreatives gestaltet

- und eben auch gewandert.

Elisabeth Reingruber sagt es klar: «Wenn

wir mit 17jährigen in die Kirche hineingehen,

dann passiert etwas, da kommt

Atmosphäre auf!» Und Patrick Schafer,

Theologe in Bümpliz, resumiert: «Bei der

Firmung waren die Jugendlichen eine

Gruppe, die zusammen hält. Freundschaften

sind entstanden. Und diese Jugendlichen

engagieren sich – das freut

uns sehr! – für die Pfarrei.» Der Firmweg

als Plattform für weitere Kontakte in der

Pfarrei und in die Pfarrei hinein.

....dank Ihnen!

Auch dank Ihnen und Ihren Kirchensteuern

können Jugendliche auf vielfältige

Weise Gott erfahren und zugleich miteinander

spannende Momente erleben. So

werden sie, zusammen mit Erwachsenen,

einstehen können für eine glaubwürdige

Kirche.


«Eine Chance,

die wir genutzt haben!»

«Für mich ist das ein kleines Wunder!», sagt Josef Durrer, der Präsident des

Kleinen Kirchenrates der Katholischen Kirche Region Bern. Damit meint

er den Kauf des Akademikerhauses an der Alpeneggstrasse 5 - ganz nahe

beim Bahnhof und der Universität. So viel hat zusammen passen müssen,

damit es zu diesem Kauf gekommen ist. Ein Kauf ganz im Dien-ste der Seelsorge,

insbesondere an jungen Menschen. Karl Graf, Co-Dekanatsleiter Region

Bern, unterstützt Josef Durrer in seiner Einschätzung.

Josef Durrer, Präsident des Kleinen Kirchenrates, und Karl Graf, Co-Dekanatsleiter: Gemeinsam

für die Seelsorge (Foto: lsh)

Es war doch ein wenig überraschend

für die Katholische Kirche Region Bern,

als die Berner Jesuiten im Januar 2009

verkündeten, dass sie demnächst Bern -

nach mehr als 80 Jahren - verlassen würden.

Das Haus an der Alpenegg-strasse

5, in dem sie wohnten und in dem sie

auch die Studierendenseelsorge anboten,

werde verkauft. Der Kleine Kirchenrat,

die Exekutive der römisch-katholischen

Gesamtkirchgemeinde Bern und Umgebung,

bekundete sein Interesse an der

Liegenschaft, ein Interesse, das sich sehr

gut mit dem der Jesuiten-Gemeinschaft

deckte: das Haus sollte nicht zum Spekulationsobjekt

verkommen, sondern weiterhin

im Dienste der Seelsorge genutzt

werden können.

Gemeinsam für die Zukunft

Speziell am ‹aki›, wie das Katholische

Akademikerhaus umgangssprachlich

genannt wird, ist sein niederschwelliges

Angebot. Die Tür ist offen für junge

Menschen, zum Musizieren, zum Dis-

kutieren, zum Meditieren. Solche Erfahrungen

verbinden, werden vertieft,

auch religiös gedeutet. Diesen Dienst an

jungen Menschen wollte die Katholische

Kirche Region Bern nicht aufgeben - sie

alleine konnte aber nicht alle Mittel aufbringen,

die fürs Gebäude einerseits, für

den Betrieb der Studierendenseelsorge in

diesem Haus andererseits nötig sind. Die

Römisch-katholische Landeskirche des

Kantons Bern bot Hand zu einer für alle

tragbaren Lösung. Gegenwart und Zukunft

des Hauses und der darin untergebrachten

Studierendenseelsorge konnten

so gemeinsam gesichert werden.

Breit gefächertes Angebot

Das ‹aki› wird aber nicht nur Ort der

Studierendenseelsorge bleiben, sondern

neu auch zu einer Art ‹Medienzentrum›

der Katholischen Kirche Region Bern

werden. Neben dem Pfarrblatt und ‹kathbern.ch›,

dem Internet-Auftritt der

Katholischen Kirche im ganzen Kanton,

wird auch die Kommunikationsstelle Ka-

Was macht eigentlich die Katholische

Kirche Region Bern mit Ihrem

Geld? Genaues finden Sie im

Rechenschaftsbericht 2009 der Römisch-katholischenGesamtkirchgemeinde

Bern und Umgebung

unter www.kathbern.ch/gkgbern!

Im Besitze - und mehr noch - im Dienste der

Katholischen Kirche Region Bern: das aki

nahe dem Bahnhof

tholische Kirche Region Bern sowie der

Kommunikationsdienst der Landeskirche

des Kantons Bern im ‹aki› untergebracht

werden. Und im obersten Stock

wird die Seelsorge für die Portugiesen

im Kanton Bern eingerichtet.

Dank Ihnen...

Auch dank Ihnen sind die Türen des ‹aki›

weiterhin für junge Menschen offen. Ihre

Kirchensteuern ermöglichen es der Katholischen

Kirche Region Bern (ebenso

wie der Landeskirche des Kantons Bern),

Räume für verschiedenste Aufgaben zur

Verfügung zu stellen.

Impressum

Konzeption

Begleitgruppe Kommunikation

(Marie-Louise Beyeler, Rolf Frei, François

Emmenegger, Ludwig Spirig-Huber)

Texte, Fotos, Redaktion und Gestaltung

Kommunikationsstelle

Katholische Kirche Region Bern

Ludwig Spirig-Huber

Auflage

31‘000 Exemplare

Druck

W. Gassmann AG, Biel


Aus aktuellem Anlass

Sexuelle Übergriffe in der Kirche:

Was muss sich ändern?

«Lasset die Kinder zu mir kommen, … ihnen gehört das Himmelreich.»

(Mt 19,14) Jesus betont, dass Kinder in der Gemeinschaft seiner Jüngerinnen

und Jünger einen besonderen Platz haben. Er hat Kinder gesegnet und

sie vor zudringlichen oder abweisenden Erwachsenden geschützt. Daher

treffen sexuelle Übergriffe die Mitte des Evangeliums und widersprechen

diametral dem Wirken und Willen Jesu. Bei sexuellen Übergriffen wird

der seelsorgerliche Vertrauensraum missbraucht und Kindern psychisch

und physisch Gewalt angetan. Die Empörung in der Öffentlichkeit bei solchen

Vergehen durch Seelsorgende ist daher berechtigt.

Karl Graf, Co-Leiter Dekanat Region Bern

Im Rückblick auf die letzten Monate wird

deutlich, dass Kirchenleute die Tendenz

hatten, Übergriffe geheim zu halten und

die Täter zu schützen, um so vermeintlich

den Ruf der Kirche zu wahren. Wo

aber solche Vergehen vorliegen, kennt die

christliche Tradition nur einen Weg: Das

Bekenntnis zur eigenen Schuld und die

klare Bereitschaft, daraus Konsequenzen

zu ziehen. Die Kirche wird glaubwürdiger,

wenn sie sich offen zu ihrer Schuld

bekennt.

Ein weiterer Zusammenhang zeigt sich

in der rigiden Sexualmoral der offiziellen

Kirche. Da wirken immer noch sexualfeindliche

Traditionen, die Menschen daran

hindern, ihre Sexualität in ihre Persönlichkeitsentwicklung

zu integrieren.

Für Straftäter bei sexuellen Übergriffen

ist aber genau dieses Defizit einer nicht

integrierten Sexualität typisch.

«Ich wünsche mir eine Kirche...»

Diese Überlegungen zeigen, dass die Empörung

in der Öffentlichkeit über die sexuellen

Übergriffe ein heilsamer Schock

für die Kirche sein kann - und zwar dann,

wenn sie sich ehrlich den aufgeworfenen

Fragen stellt und sich neu orientiert.

In den folgenden Wünschen möchte ich

verdeutlichen, in welche Richtung dieser

Weg gehen kann:

Ich wünsche mir eine Kirche, die sich

grundlegend am Auftrag und am Wirken

Jesu orientiert.

Ich wünsche mir eine Kirche, die sich

nicht an einem Perfektionsideal orientiert,

sondern auch zu ihren Fehlern und

ihrer Schuld steht.

Ich wünsche mir eine Kirche, die den

Menschen nicht eine rigide Moral weitergibt,

sondern Hilfe bietet zu erfülltem

Leben und persönlicher, ganzmenschlicher

Reife.

Ich wünsche mir eine Kirche, die verschiedene

Lebensformen von Frauen

und Männern in der Seelsorge akzeptiert

und fördert.

Im Dekanat Region Bern haben wir uns

in den letzten Wochen und Monaten um

eine offene Information gegenüber der

Öffentlichkeit bemüht und damit gute

Erfahrungen gemacht. Die verschiedenen

Statements, Interviews und Aufrufe

sowie die Stellungnahmen der Seelsorgenden

sind gut angekommen. Wir sind

auch froh, dass wir bereits im Jahr 2001

für eine umfassende Regelung für das

Vorgehen bei sexuellen Übergriffen gesorgt

haben mit einer kirchenunabhängigen

Ansprechperson und einem kompetenten

Fachgremium. (Mehr dazu siehe

auch unter www.kathbern.ch)

Mit Ihnen zusammen dran bleiben...

Wir möchten mit Ihnen zusammen weiter

dran bleiben am Aufbau einer glaubwürdigen

und zukunftsgerichteten Kirche.

Der Mediensonntag von Mitte Mai

ist für uns ein geeigneter Anlass, um darüber

nachzudenken: Daher laden wir sie

am Samstag, 15. Mai, auf 16.30 Uhr zu einer

offenen Vesper in die Berner Dreifaltigkeitskirche

ein unter dem Motto: Wir

sind Kirche: Was muss anders werden?

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