Vortrag von Prof. N. Fischer

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Vortrag von Prof. N. Fischer

Bestattungs- Bestattungs und

Erinnerungskultur

im Wandel

Prof. Dr. Norbert Fischer

(Universität Hamburg)

Mölln, 29. April 2010


Traditionelle christliche

Sargbestattung

• Trauerzug im ländlichen

Bayern

• Gemälde von L. v.

Kalckreuth (1883)


Der christliche Kirchhof

• Nebel auf Amrum

• Gemälde von C. L.

Jessen

• um 1860


Auslagerung der Friedhöfe

• Nürnberg

• Vorstadt St. Johannis

• Ab 1517


Erster Parkfriedhof:

Père Lachaise in Paris

• 1804; erster ausgelagerter

Friedhof von Paris

• Ästhetik des

Parkfriedhofs im

englischen Stil


Tod und Natur als romantisches Ideal

C. D. Friedrich: „Friedhofseingang“ (1825)


Arnold Böcklin:

„Toteninsel Toteninsel“ “ (1880 ff.)


Parkfriedhöfe Deutschland

• Parkfriedhof Ohlsdorf in

Hamburg

• Ab 1877

• Erster großer deutscher

Parkfriedhof

• Leitbild für die Zeit um

1900


Die bürgerliche Grabmalkultur:

Bestattung, Empfindsamkeit und

Natur

• Grabstätte des Dichters

J. G. Klopstock in

Ottensen (heute zu

Hamburg)

• 1759 erworben für seine

Frau Meta

• Klopstocks Tod 1803


Die ersten Leichenhäuser

• Erstes Leichenhaus in

Deutschland: 1792 in

Weimar

• Furcht vor dem

Scheintod

• Hygieneaspekt

• Neue Bauaufgabe: Atzel- Atzel

Traktat 1796


Furcht vor dem Scheintod


Leichenhallen im 19. Jahrhundert

• Leichenhallen werden bis

Ende 19. Jh. zum

regulären

Aufbahrungsort

• Urbanisierung:

Hygienische Probleme

• Abb: Abb:

Leichenhalle

Giessen, 1833/34


Feuerbestattung und Krematorium

• Zeitalter der

Industrialisierung

• Erste Krematorien: USA

1876, Italien 1876,

Deutschland 1878

• Abb.: Probeverbrennung

durch Sir Henry Thompson

(GB) 1874

• Technisierung des Todes


Die ersten Krematorien

• Gotha 1878

• Heidelberg 1891

• Hamburg 1892 (Abb.)


Aschenbeisetzungen als moderne

Beisetzung

• Urnenhallen

• Kolumbarien (Urnenwände)

• Urnenfriedhöfe

• Oberirdische Beisetzungen auf regulären

Friedhöfen

• Unterirdische Beisetzung auf regulären

Friedhöfen

• „anonyme Bestattung“ (Rasenbestattung) und

Mischformen


„Anonymer Anonymer Urnenhain“

Hamburg-Ohlsdorf

Hamburg Ohlsdorf (seit 1975)


Neue Kultur im Umgang mit dem

Tod

• Individualisierung

• Mobilität

• Bedeutungsverlust der Friedhöfe

• Entstehung neuer Orte der Trauer

• Neue Medien


Aschengarten Hauptfriedhof

Karlsruhe


Bestattungspyramide

Hauptfriedhof Saarbrücken


„Rosengrabstätte“

Rosengrabstätte“

• Hamburg-Ohlsdorfer

Hamburg Ohlsdorfer

Friedhof

• Themenbezogenes

Gemeinschaftsgrab für

preisgünstige

Einzelbeisetzungen


Gemeinschaftsgrabstätte

„Garten der Frauen“

• „Garten der Frauen“,

Ohlsdorfer Friedhof

Hamburg, seit 2001

• Historische Grabmäler

und aktuelle

Beisetzungen

• Denkmalschutz und

Bestattungspraxis


„Humanistischer Humanistischer Bestattungshain“

• 2007 auf dem

Waldfriedhof Berlin- Berlin

Zehlendorf angelegt

• „Weltliche“, d.h. nicht-

kirchliche Natur-

bestattungen (nur

Aschenbeisetzungen)

• Größe: 6000 qm

in Berlin-Zehlendorf

Berlin Zehlendorf


HSV-Friedhof HSV Friedhof in Altona


Hauptfriedhof Altona, am HSV-Stadion

HSV Stadion


Die Seebestattung


Gemeinschaftsdenkmal für

Seebestattungen

Lübecker Bucht bei Travemünde


Neue Orte der Bestattung:

„Friedwald“, „Ruheforst“

• „Friedwald“ =

Baumbestattung

• In der Schweiz seit 1997

• In Deutschland seit 2001


Weitere Formen der

Naturbestattung: Almbestattung u.ä. u.ä

• „Die Asche wird auf einer wunderschönen

Almwiese in einem Blumenmeer, auf Wunsch

unter einem Edelweiß, eingebracht.“

(Werbeprospekt)


Ehemalige Kirche

als Kolumbarium zur Urnenbeisetzung:

St. Konrad in Marl-Hüls Marl Hüls (NRW)


Designer-Urne Designer Urne (Niederlande)


Der Aschendiamant

• „Die Die Transformation der Urnenasche selbst findet in

einem speziellen Labor in der Schweiz statt. Der

mehrwöchigen Pressung des Diamanten unter hoher

Temperatur geht eine chemisch-physikalische chemisch physikalische Analyse

mit anschliessender aufwändiger Aufbereitung voraus.

Danach wird der Rohdiamant in der gewünschten

Grösse und Form geschliffen. Auf Wunsch kann der

Stein auch mit einer individuellen Mikro-Laser Mikro Laser-Gravur Gravur

versehen werden.“ (Bestatter-Prospekt)

(Bestatter Prospekt)


Neue Formen von

Trauer und Erinnerung

• Erinnerungsstätten für Totgeburten

(„Stillgeburten“)

• Kreuze am Straßenrand


Gemeinschaftsdenkmal für totgeborene Kinder

(Friedhof Bad Oldesloe)


„Sternengarten“

Sternengarten“

Hauptfriedhof Mainz

• Eine Trauer- Trauer und Gedenkstätte für totgeborene

Kinder, die nicht der Bestattungspflicht

unterliegen sowie für frühverstorbene Kinder

• Eingerichtet 2004 durch eine private Initiative

• Begriff „Sternengarten“ geht auf eine Passage im

Roman „Der kleine Prinz“ von Antoine de

Saint-Exupéry Saint Exupéry zurück


Sternengarten Mainz:

Objekte der Trauer und Erinnerung


Neue Orte der Erinnerung

• Kreuze am Straßenrand

• Seit 1980er-Jahren

1980er Jahren


Kreuze am Straßenrand

• Erinnerung an den

Verkehrstod als

Ausdruck der mobilen

Gesellschaft


Virtuelle Gedenkseiten im Internet

• World Wide Cemetery


Virtuelles Gedenken seit 1990er

Jahren

• Der Kanadier M.

McKibbee gründete 1991

den World Wide

Cemetery


Virtual Memorials

• Virtueller „Grabstein“

mit Links zu anderen

Internetseiten


Virtual Memorials

• Tod eines Jugendlichen

1994


„Anonymer“ Anonymer“ Bereich


Weltliche Trauerredner

• „Als freiberuflicher Dipl.-Theologe Dipl. Theologe (ev.) bin ich

im Großraum München und Augsburg für

ausserkirchliche Trauerfeiern, Hochzeiten und

Kindersegungen tätig.“ (Werbeanzeige)


Lasst tausend Blumen blühen,

tausend Herzen sprechen

• Beisetzung in Wandsbek

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