Wahrheit 06

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Kapitel 6 - Jäger und Gejagte


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Teilnehmer:

Aufbereitet von Michael Myers

(MarkL@desf.org)

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Spieler Rang Charakter

Thomas Krieger Thomas Krieger (CO)

Michael A. Fox Michael A. Fox (XO)

Caroline Benteen Caroline Benteen (CMO)

Maria Dax Maria Dax (SCI)

Sascha Peter Larsons (CHI)

Mark Loafer Mark Loafer (MSEC)

Dares Thain Dares Thain (NAV)

Mark Loafer Michael Myers (OPS)

Frank Carlak Frank Carlak (TAC)

Jihan Paris-Roven Jihan Paris-Roven (MTEC)

Yanas Edan Rahja Preja (COU)

Ayleen Dara D'Lyn Natalija Lexa (MSCI)

Caroline Benteen Dr. Geoffrey Geiger (Arzt)

Missionsbeschreibung

Tag 352 trug viel Aktivität in sich. Während an Bord der Gaines die neu

eingetroffene Counselor Preja und der bajoranische Funktionär Reluk Mardon sich

auf ihr erstes Aufeinandertreffen mit der herrschenden Situation vorbereiten, läuft auf

der Oberfläche, in den Notlazaretten der Föderation, ein gnadenloser Kampf gegen

die wütende Krankheit. Gefundene Fakten werfen weitere Rätsel auf. Irgendwo im

Hinterkopf der Betroffenen kommen vereinzelt Gedanken über Motive der Seuche

zum Vorschein. Unweit des Lazaretts macht sich ein kleines Außenteam im Dekar

Bezirk inzwischen auf die Suche nach Antworten.


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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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2406.352 15:58 - Dekar Bezirk - Michael Alexander Fox - Datum: 2004-11-30

21:31:23

„Eine Schule?“ Fox’ Stirn legte sich in Falten ob der Neuigkeit, die Loafer ihm

mitgeteilt hatte. Nur mit einem Biss auf die Zunge, konnte er sich einen

sarkastischen und in der Situation geschmacklosen Kommentar verkneifen. Hat

jemand im Chemieunterricht Mist gebaut?

Hinter ihnen fiel die Tür ins Schloss, das Echo hallte noch wenige Augenblicke

nach. Die Gänge und Wände schienen aus kahlem Gestein gefertigt, ebenso die

Treppen, die aus dem Eingangsbereich in angrenzende Stockwerke führten. Fox

blickte skeptisch auf die Unordnung, die sich vor ihnen gelegt hatte. Sein Blick

wanderte sogleich zu den beiden Wissenschaftlerinnen. „Sie sind sich absolut

sicher?“

„Die Spuren, denen wir gefolgt sind, enden hier“, bestätigt die junge

Unteroffizierin. „Und die Dichte des Erregers im Gebäude ist um 8,4 Prozent höher

als außerhalb.“

Loafer dagegen war einige Schritte voran gegangen. Kauernd untersuchte er, was

am Boden lag. Glas, Holzreste, Papier. Es glich eher den Folgen einer Explosion

anstatt eines geregelten Schulbetriebs. Wenige Augenblicke später war der

Sicherheitsoffizier wieder zu seinen Kollegen hinzugeschlossen.

„Können Sie den genauen Ort des Ursprungs feststellen?“ fragte Fox, worauf ihm

die Trill unter ihnen lediglich ein Kopfschütteln entgegen brachte. Die Kontamination

sei im Gebäude etwa gleich stark ausgebreitet. Eine genauere Differenzierung

würde mehr als nur einen Tricorder benötigen.

„Wir können uns trennen“, schlug Loafer vor.

Eine logische Möglichkeit, wusste Fox, und doch war ihm nicht wohl bei dem

Gedanken, ihr Team zu halbieren. Er erinnerte sich an die Schatten, die Loafer

außerhalb des Gebäudes gesehen hatte. Was, wenn es mehr als lediglich kranke

Bajoraner gewesen waren? Das Team zu halbieren und somit zu schwächen stand

für den ersten Offizier erst mal außer Frage. „Wir bleiben vorerst zusammen, auf die

Gefahr hin, dass wir länger suchen werden.“ Er deutete auf die Treppe. „Wenn Sie

etwas zu verstecken hätten, wo würden Sie es tun?“

„Im Keller“, schoss Maria ohne zu zögern zurück. Erst Augenblicke später folgte

zustimmendes Nicken der anderen beiden. „Mein Tricorder ortet einen Abgang hinter

der Tür unter der Stiege.“ Glas knisterte, als die Trill den Raum durchquerte, um ihre

Aussage zu untermauern. Wenige Sekunden später hielt sie die Klinke der Tür in der

Hand, hinter welcher sich Treppen ins Dunkel zu befinden schienen. Ihr

triumphierendes Grinsen konnte selbst das Glas ihres Schutzhelms nicht verbergen.

Die Stiege führte das Team in einen Lagerraum. Zumindest deuteten abgestellte

Container und Kisten darauf hin. Fox war der erste, der wenig später auf die Leiche

eines Bajoraners deutete. „Was auch immer geschehen war, es musste

überraschend gewesen sein“, fügte er hinzu. Sie tappten weiter, stets dem Schein

ihrer Handlampen nach, vorbei an Kisten, die nichts beinhalteten außer alten


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Büchern. „Das Schweigen der Propheten“, zitierte Maria und warf das staubige Buch

auf den Boden. „Klingt wie ein Klassiker.“

„Dort liegt jemand!“ Lexa deutete auf den Schein ihrer Lampe, der auf einen Teil

eines Körpers getroffen war.

Wieder jemand? dachte Fox und trat unbeeindruckt hinzu. Seine Lampe traf zu

jener der Wissenschaftlerin. Was er sah, überraschte den ersten Offizier. Der Körper

war ganz und gar nicht bajoranisch. „Ein Takaraner?!“

Sie traten an ihn heran. Lexas Tricorder surrte in die Stille. „Ich ... erkenne nur ein

schwaches Lebenszeichen“, sagte die Wissenschaftlerin.

„Irgendwelche Spuren von Gewalt?“

„Keine erkennbaren.“

Mark war nun auch heran getreten. Auch er erkannte den Gefundenen sofort.

„Der Konsul?“

„Wir müssen ihn hier fortschaffen“, fuhr Fox fort, während sein Blick besorgt auf

dem Takaraner lag. „Wie wirkt sich das Virus auf ihn aus?“

„Das wird Doktor Benteen feststellen können“, gab Lexa zurück.“

Mark wollte den Takaraner bereits am Oberkörper aufheben, als Marias Stimme

seinem Vorhaben ein Ende setzte. „Commander! Schnell hierher!“

Varens Körper landete wieder am Boden, alle drei liefen zu Maria. Rauch quoll

unter mehreren Kisten hervor, gab Anlass zur Besorgnis. Rasch waren die Kisten

zur Seite geschoben, worauf eine Luke zum Vorschein kam. Aus den Rillen quoll

grauer Rauch, der zu dickeren Schwaden wurde, als sie geöffnet wurde.

Fox zuckte zurück. Feuer! „Irgendjemand war hier!“ stellte er sogleich fest. Die

Hand rutschte zum Phaser. Mark nahm das Gewehr in Bereitschaft. Einige

Sekunden verharrten alle in Stille. Nichts ... außer Rauch und Lautlosigkeit.

„Die Tricorder haben keinerlei Lebenszeichen angezeigt, als wir das Gebäude

gescannt hatten“, merkte Maria schließlich an. „Es wies sonst nichts auf die

Anwesenheit eines anderen hin.“

„Wer auch immer hier gewesen sein soll, hatte die Absicht etwas zu vertuschen“,

unterbrach Loafer. „Das Feuer ist noch nicht bis ganz oben gekommen. Noch haben

wir die Zeit nachzusehen, was uns vorenthalten bleiben soll.“

„Zu riskant. Wir fordern einen Löschtrupp von Bord der Gaines an“, widersprach

Fox. Noch eher er sich umsehen konnte, war Loafer bereits halb in der Luke

verschwunden war.

„Der Schutzanzug wird eine Weile vor der Hitze schützen.“


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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„Lieutenant, steigen Sie sofort wieder herauf!“ rief Fox und trat an die Luke und

den Rauch heran. „Das ist ein Befehl!“ Unsicher, was geschehen wurde, wartete er.

Nichts passierte. Verflucht, was soll das? „Maria, fordern Sie sofort Verstärkung an!

Sie müssen das Feuer von oben bekämpfen.“

„Michael, das ist verrückt“, protestierte die Trill und versuchte, Fox abzuhalten.

„Ihr werdet nicht heil heraus kommen!“ Aber er kehrte nicht um. „Das ist Wahnsinn!“

rief sie. Aber ihre Stimme verstummte, eingehüllt in grauen Rauch.

2406.352 16:22 - Dekar Bezirk - Mark Loafer - Datum: 2004-12-02 09:40:35

Feuer! Ein bewusstloser Botschafter! Was war das hier. Wusste dieser Takaraner

mehr, als er wusste sollte, oder wusste er mehr, als man ihm zugetraut hätte? Marks

Gedanken überschlugen sich, aber der logische Schritt war der in den Keller, der

noch nicht so schlimm brannte, das man eventuell noch den einen oder anderen

Beweis finden konnte. Und scheinbar gab es davon dort unten eine Menge, warum

würde sonst jemand dieses Risiko eingehen. Aber auf der anderen Seite, dieser

jemand opferte die Bevölkerung eines ganzen Planeten irgendeinem höheren Ziel,

dessen war sich der Sicherheitler sicher. Aber einen Brand anzuzetteln in einer

solchen Gegend machte nur Sinn, wenn es dort unten einiges zu verbergen gab.

Und das würden sie finden. Sie würden es müssen, denn das ganze wurde immer

undurchsichtiger, als klarer.

Die Stimme von Fox riss ihn aus seinen Gedanken, als die beiden bereits in die

Luke geklettert war und der Rauch einen Sichtkontakt zu den Wissenschaftlerinnen

unmöglich gemacht hatte. „Ach und Mrs. Dax, Mrs. Lexa, schauen sie mal nach

Varen. Vielleicht könne sie ja etwas herausfinden. Was er hier gemacht hat, warum

er jetzt hier liegt. Entweder er ist hierfür verantwortlich, oder er weiß, wer es ist.“

Mark blickte sich um und sah den Schatten des XO hinter sich und rief noch

hinterher. „Seien sie vorsichtig, es ist nur noch wenig Leben in ihm.“ Das einzige,

was von oben zu hören war, war ein kurzes „Aye, Sir“ das Mark so nicht von Maria

erwartet hatte, und wurde gefolgt von einem echt besorgt klingenden „Und passt auf,

so ein brennender Raum kann tückisch sein.“

Mark mochte es nicht, wenn ihm jemand klar zu machen versuchte, das er sich in

Gefahr begab. Er war sich dessen meistens (und in diesem Fall sowieso)

vollkommen bewusst. Aber er hatte eh das unbestimmte Gefühl, das die Besorgnis

der Trill nur am Rande ihm galt. Aber das spielte ja nun keine Rolle.

Er schaute sich um und versuchte sich zu orientieren. Davon ausgehend, das die

Geometrie des darüber liegenden Raumes übernommen worden war, musste die

nächste Wand rechts von ihm sein. Und wände waren immer gut, boten se doch

eine gewissen Orientierung. Zusätzlich gewöhnten sich die Augen offensichtlich

doch an die Helligkeit, die hier herrschte, und so erkannte er seine Fehler noch

rechtzeitig, bevor er gegen die Wand, die praktisch direkt links neben ihm war

stolperte, als er für Fox ein wenig Platz machte.

„Hier ist eine Wand, Sir, wir sollten sie zur Orientierung nutzen.“ Der

Angesprochene nickte nur, aber als ihm einfiel, das Loafer das nicht würde sehen

können setzte er nach „In Ordnung. Gehen sie vor du seien sie vorsichtig.“ Beinahe


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hätte Mark den Vorgesetzten angefahren, das er sich der Gefahr bewusst sein, aber

er ließ es lieber und meinte nur „Sicher, Sir.“ Langsam und mit einer Hand immer

nach der Wand fühlend, damit die Augen zum beobachten von Boden und anderen

Gegenständen frei blieben, bewegte sich der große Mann vorwärts. Man musste

sehr aufpassen, überall lagen Utensilien herum, die man entweder übersteigen, oder

aber zur Seite treten mussten, um nicht den Halt zu verlieren, sollte man darauf

treten.

Mark versuchte die meisten Sachen zur Seite zu schieben, damit der hinter ihm

gehende Lieutenant Commander sich auf das Suchen von Beweisen und Indizien

konzentrieren konnte. Eine paar Meter nur, dann hatte Mark die nächste Wand

erreicht, die sich nun vor ihm abzeichnete. An dieser Wand hatte wohl mal etwas wie

ein Regal gestanden. Das schein jetzt der Ursprung des Feuers zu sein. Man konnte

sich nur bis auf 2 Meter nähern, dann wurde es selbst unter den Schutzanzügen zu

heiß. Aber Fox schien trotzdem genug zu erkennen, um ein entsetztes Gesicht zu

machen. Mark sah das und sofort spannte sich sein Körper. Ws war los? Hatte der

XO etwas gesehen, was Mark entgangen war? Er schaute sich um und sah nur

seltsame Flaschen und Gerätschaften aus Glas und Metall, die er nicht genauer

zuordnen konnte. „Was ist, Sir?“ fragte er also nach. Fox schluckte. Es schien ihn

ziemlich mitzunehmen, was er gesehen hatte. Aber reden war zur Zeit wohl nicht

drin.

Mark schaute sich erneut an, was er sah, und jetzt erkannte er auch, was den

anderen Offizier so sprachlos machte. Vor dem Regal lagen 5 Leichen. Und wenn er

es richtig sehen konnte, waren diese Männer NICHT an der Seuche gestorben,

sondern eher erschossen worden. Aber das war nicht, was Fox entdeckt hatte. Der

hatte schließlich doch seine Sprache wieder gefunden und stammelte „....

biologische Experimente .... unfassbar ... die Cardassianer haben vielleicht wirklich

recht ...“ Es dauerte eine Weile, bis Mark Sinn in die Worte des Mannes hinter ihm

brachte. Aber dann schwante ihm nichts gutes, und er nahm erneut sein Gewehr in

Anschlag. Autsch!

Er musste es sofort wieder loslassen. Selbst der Kunststoff war mittlerweile zu

heiß, um ihn anzufassen. Besser gesagte, um ihn anzufassen, ohne Schmerzen an

den Händen zu bekommen. Mit den Eindrücken, die sie hier unten gewonnen hatten,

war es jetzt langsam genug. Mark beobachtete den Zustand seines Anzuges von

innen und den des Lieutenant Commander von außen und entschied „Sir, wir

müssen hier raus, sonst gefährden wir die Anzüge und damit uns und unsere

Gesundheit.“

Fox schien zur Zeit nicht ganz bei sich zu sein, aber ein kurzer Stumper, und er

blickte dem Sicherheitler in die Augen. Er schien zwar alles mitbekommen zu haben,

aber trotzdem äußerte er lediglich „Wir müssen hier weiter suchen. Hier gibt es

bestimmt noch konkrete Beweise darüber wer und was hier gemacht hat.“ In dem

Augenblick, als Mark gerade erwidern wollte ..... krachte es hinter den Beiden. Ein

ziemlicher Lärm. Ein Blick zurück deutete an, das der direkte Rückweg

abgeschnitten war. Die Wand, die sie entlanggekommen waren war teilweise

eingestürzt. Sie würden sich quer durch den Raum, oder an den anderen Wänden

entlang zurückbewegen müssen. Das eine wäre gefährlich, weil sie die Orientierung

verlieren konnte, das andere würde lange dauern.


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Aber Mark behielt die Nerven und griff nach dem Anderen. Er zerrte ihn hinter sich

her, und Fox wäre fast gestolpert. Aber immerhin kamen sie in die nächste Ecke,

und standen nun vor etwas, das einmal ein Schreibtisch mit angegliedertem

Hängeregister gewesen zu sein schien. So etwas hatte Mark einmal in einem alten

Detektivfilm gesehen. Wo war das? Ja, genau, damals, als er die Akademie ... Er

wischte die Gedanken weg, und half Fox dabei, den Tisch und das Blechgestell zu

untersuchen.

Der Tisch brannte. Es war also unmöglich darauf noch etwas zu retten. Aber mit

Hilfe seine Phasers, den er als Stock missbrauchte, gelang es Mark, die Schublade,

die sich unter der Arbeitsplatte befand herauszuziehen. Krachend fiel sie zu boden

und zerbrach in ihre Einzelteile.

Eigentlich befand sich nur Kleinkram darinnen, der keine Bedeutung hatte.

Lediglich ein kleines braunes, zerfleddertes Buch erregte die Aufmerksamkeit der

Offiziere, und bevor das Feuer Besitz von ihm ergreifen konnte, hatte Fox bereits

einen Fuß darauf gestellt. Mark bückte sich, und als Michael den Fuß wieder

wegnahm, packte er das Papierbündel mit beiden Händen und nah es zwischen die

Handflächen. So war es geschützt, aber Mark merkte, das er die Hände jetzt nicht

mehr öffnen würde können, sonst würde die reine Temperatur das Papier

vernichten. Mark blickte zum Lieutenant Commander, der sich jetzt in Richtung des

Aktenschrankes orientierte.

Mark schaute sich am Anzug um und fand eine große Tasche im

Oberschenkelbereich, wo er das Buch vorsichtig hineinschieben konnte.

Währenddessen machte sich Fox an dem Stahlschrank zu schaffen. Was für

Informationen würde der noch bergen? Konnten sie dort noch etwas retten?

2406.352 16:23 - Dekar Bezirk - Schule - Maria Dax - Datum: 2004-12-02

19:48:12

Entsetzt blickte Maria den beiden Männern nach. Sie konnte immer noch nicht

fassen, dass beide so dumm gewesen waren und in den Raum gelaufen waren. Sie

ballte ihre Hände zu Fäusten und schüttelte nur den Kopf. Marks Worte hörte sie nur

so neben bei in ihrem Kopf und deshalb war ihre Antwort auch nur ein simples Aye

Sir, auch wenn solche Formalitäten bei ihm nicht notwendig waren.

Ein Rütteln Nataljas entriss Maria dem Bann des Feuers und sie war den beiden

Männern noch einen besorgten Blick und Worte hinterher.

Dann lief sie zurück zu Lexa, die sich mittlerweile schon neben den Takaraner

gekniet hatte. Vage erinnerte sie sich, dass sie mal gelesen hatte, das Takaraner

irgendeine spezielle Eigenschaft besessen würden, doch verschwendete sie nicht

mehr Zeit daran.

„Wir müssen hier raus. Und ihn nehmen wir mit.“, sagte Maria und steckte schnell

ihren Tricorder weg.


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Sie hievte den fast leblosen Körper etwas hoch und duckte sich unter seine

Schulter. Lexa tat ihr das nach und zusammen konnten die beiden Frauen den

schwerfälligen Körper Richtung Stiegenaufgang schleifen.

„Wie.. sieht es... mit einem Kontakt … zur Gaines aus?“, stöhnte sie unter der

Last des schweren Körpers. Der Schutzanzug machte die Arbeit nicht gerade

leichter und auch Natalja schien unter der Last des Takaraners zu Ächzen.

„Die Mauern… erschweren die Kommunikation… und da dieses Störfeld noch

nicht vollkommen… ausgeschaltet eist…“, sie beendete ihren Satz nicht, denn die

beiden Wissenschaftler hatten die Stiege erreicht und sahen sich etwas hilflos an.

Sie würden zu dritt neben einander nicht Platz haben…

„Ich nehme ihn…“, sagte Maria schließlich und Natalja hievte den Körper auf

Marias Rücken.

Ihm ersten Moment drückte die Last ihr die Luft aus den Lungen, doch hatte sie

sich ziemlich schnell wieder erholt. Der Gedanke, dass Mark und vor allem Michael

da unten in Lebensgefahr waren, gab ihr neue Energien und so schafften die beiden

die Stiege recht schnell.

Natalja nahm Maria den Körper ab und schleifte ihn alleine weiter zu Tür.

Die Trill aber rannte schon voraus, um die Gaines zu rufen. Sofort als sie die

Schule verlassen hatte, versuchte sie einen Kontakt zur Gaines herzustellen.

Sie musste einige versuche starten, die von heftigen Stampfen und einigen

unschönen Worten, doch schließlich bekam sie, dass was sie wollte. In kurzen

Worten hatte sie Thomas die Lage geschildert, was er mit einem kurzen Schweigen

quittierte.

„Ich werde so schnell wie möglich ein Löschteam runterschicken… Egal was die

Cardassianer dazu sagen.“

„Sehr gut.“

„Und Sie haben Konsul Varen gefunden? Wie geht es ihm?“

„das wissen wir nicht. Seine Vitalfunktionen sind sehr schwach. Wir bringen ihn so

schnell wie es uns möglich ist zum Lazarett.“

Thomas sagte nichts, doch konnte Maria erahnen, dass er nickte und dabei

vergas, dass Maria es nicht sehen konnte. Und tatsächlich kam kurz darauf eine

Antwort die darauf schließen ließ.

„Beeilen Sie sich mit dem Löschteam. Wer weiß, was da unten noch alles zu

finden ist. Dax Ende.“

Maria seufzte leise und drehte sich um. Natalja hatte die Schule mittlerweile mit

Varen verlassen und Maria ging zu den beiden.

Sie kniete sich neben den Konsul hin.


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„Und?“, fragte Lexa Maria.

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„Sie tun was Sie können. Die Cardassianer werden nicht erfreut sein, wenn die

Gaines ein weiteres Team herunter schicken möchte.“

Die Russin nickte und wandte sich wieder dem Takaraner zu. Maria hätte nur zu

gern gewusst, was in dem Kopf der Frau zu ging und sie folgte ihrem Blick.

Maria musterte ihn. Er war blass und die Senkungen und Hebungen seines

Brustkorbs waren nur schwach auszumachen. Sie musste unwillkürlich an Marks

Worte zurück denken. Wusste der Konsul wirklich mehr, als alle glaubten? Dann war

es sein Überleben von größter Wichtigkeit.

Ihr Blicks schweifte ab von Varen und glitt zurück zur Schule.

Maria stand auf und Natalja erkannte die Absicht der Trill erst, als diese ein paar

Schritte auf die Schule zugegangen war.

„Maria, es ist zu gefährlich.“, sagte sie nur.

Die Trill blieb stehen und drehte sich um.

„Ich muss irgendwas tun. Ich kann hier nicht herumsitzen und warten.“

„Ich weiß, dass es schwer ist, aber es wäre dumm von Ihnen, jetzt da hinein zu

gehen. Die beiden wussten, was sie taten, als sie den Raum betraten.“

Maria sah die Frau mit gerunzelter Stirn und besorgten Blick an. Der verwirrte

Blick, der daraufhin auf dem Gesicht der Terranerin folgte, war für Maria das

Zeichen, dass sie Handeln musste.

„Ich muss ihnen helfen.“, sagte sie nur mehr und ging weiter Richtung Schule.

Ihre Schritte wurden immer schneller und so erreichte sie bald den Eingang.

Sie verschwand in den weiten Räumen des Gebäudes, auf der Suche nach

Wasser…

2406.352 16:55 - Dekar Bezirk - Michael Alexander Fox - Datum: 2004-12-03

02:23:37

Dass er mit dagegen Hämmern nicht weiter kommen würde, realisierte Fox sofort.

Der Stahlschrank gedachte nicht daran, nachzugeben. Und dann noch das Husten,

die Hitze. Warum beim Schicksal der Sterne ist er Loafer gefolgt? Ein neuer

Hustenanfall. „Lieutenant, wir müssen schleunigst hier raus.... zu wenig Sauerstoff“,

rief Fox dem Sicherheitsoffizier zu. Ein leichter Anfall von Panik machte sich breit, in

den Armen folgten Krämpfe nach. Ganz leicht, noch kontrollierbar. Aber für wie

lange? Der Rauch verdrängte die atembare Luft, sodass kaum noch etwas durch die

Filter ihrer Helme gelangen konnte. Schweiß tropfte an der Stirn entlang. Was würde

er nicht dafür geben, ihn einfach wegwischen zu können.


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„Sir, gehen Sie zur Seite“, hörte er Mark neben sich. Seine Konturen drangen

kaum sichtbar durch die Dichte des Nebels. Fox folgte, trat einen Schritt zur Seite.

Näher an den brennenden Tisch, näher an die Hitze. Was macht es denn schon?

Wir kommen ohnehin hier nicht raus.

Ein Phaserstrahl blitze auf, dann noch einer. Loafer hatte sich wohl entschlossen,

den Stahlschrank aufzuschießen. Immer wieder feuerte er, bis das Krachen der Tür

gegen den Boden das Knistern der Flammen übertönte. Erfolg!

„Noch mehr Papier?!“ Fox konnte seinen Augen nicht trauen, was er aus dem

Schrank, quasi blind vor Rauch, herausholte. Es würde hier nicht lange den

Temperaturen standhalten können. Mit schnellen Armgriffen holte er raus, was er

konnte. Mit seinen Händen hoffte er, bereits entflammte Blätter zu retten. Wie ein

Kind hielt er das Papier an sich gedrückt, schützend. Aber lange würden sie es nicht

überstehen. Und er selbst auch nicht. Diese verdammte Hitze! „Raus hier, sofort!“

Loafer tappte voran, eng an der Wand entlang. Durch die eingestürzte Wand

hatten sie einen Umweg vor sich, zumal an eine orientierungslose Durchquerung

des Kellers nicht zu denken war. Würde Fox seine Hand ausstrecken, würde sie vor

ihm im Dunkelgrau verschwinden.

Fox hustete. Was für ihn schlimmer war, konnte er nicht erörtern. Der Rauch, die

fehlende Luft, die Hitze? Er kniff die Augen zusammen. Denk an etwas anderes. An

Kälte. An Schnee. An irgendwas, schoss ihm ins Gedächtnis. Er öffnete die Augen

und sah die schneebedeckten Hügel seiner Heimat vor sich. Es war, als konnte er

einen kalten Lufthauch spüren, kurz bevor das Grau zurückkehrte und er gegen eine

Kiste trat.

Als er vor Überraschung, einige Zettel fallen ließ, die kurz darauf in Flammen

aufgingen, fluchte er. Konnte es sein, dass Loafer ihn vor einer Kiste auf dem Boden

gewarnt hatte? Er blickte herab, unsicher, was er noch an sich hielt. Viel konnte es

nicht mehr sein.

„Nur noch eine Wandlänge“, rief Mark aufmunternderweise aus dem Rauch. Der

erste Offizier hatte den Anblick seines Rückens schon vor längerer Zeit verloren,

selbst das Licht der Flammen war nicht mehr genug. Als Fox, langsam vortappend

und auf weitere Überraschungen gewappnet, in einer Ecke einkam, wusste er über

Loafers Behauptung bescheid. Seine Kräfte ließen zunehmend nach, die Augen

waren schwer offen zu halten. Er dankte dem Rauch, dass er nicht erkennen konnte,

ob seine Sicht verschwommen war. Und dann dieses Brennen an seiner Seite ...

oder war es ein Stechen. Er konnte den Schmerz nicht definieren, der Wille zu

überleben überwiegte. „Sind Sie sicher, dass wir richtig gehen?“ rief er seinem

Offizierskollegen zu, um sicher zu gehen, dass er noch vor ihm war.

„Viel Auswahl hatten wir nicht. Wir müssen richtig liegen!“ antwortete Loafer. Er

war also noch da. Erleichterung.

Fox’ Husten wurde immer heftiger. „Ich frage mich .... wie lange es noch ....“, er

setzte ab, um noch kaum vorhandene Luft zu schnappen, „... dauern wird bis die

Lungen stechen.“


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„Das werden wir hoffentlich nie erfahren!“ Loafers Stimme klang vorwurfsvoll.

Selbst dicker Rauch war nicht imstande, seinen Tonfall zu verbergen.

„Commander?!“ Die Stimme war fremd, nur wenige Sekunden später. „Fox,

Loafer, sind Sie dort irgendwo?“

„Wir sind hier!“ rief der Sicherheitsoffizier zurück. Sie erblickten den Schein zweier

Handlampen. Der Rauch musste also dünner geworden sein. Zwei Gestalten in

Schutzanzügen kamen ihnen entgegen, stützten sie. Fox bat um Vorsicht mit den

geretteten Unterlagen, die er hoffentlich noch bei sich trug. Am oberen Rand der

Luke warteten die nächsten, zogen die beiden ‚Abenteurer’ nach oben. Luft, frische

Luft!

Fox fiel zu Boden. Was mit Loafer geschah, wusste er nicht mehr. Er musste raus

aus diesem verfluchten Helm! Seine Arme wanderten zu den Verschlüssen, als sie

davor abgefangen wurden. Wer wollte ihn bloß sterben sehen?

„Michael, beruhig dich. Du hyperventilierst.“

Er erkannte Maria. Das Verlangen nach sauberer Luft konnte jedoch auch sie

nicht nehmen. „Ich muss es tun!“

„Atme ruhig weiter“, beruhigte ihn die Trill, ihre Stimme ruhig und sanft. „Doktor,

ich brauche hier Hilfe!“

Fox wollte hoch, aber zwei Arme hielten ihn weiterhin zu Boden gedrückt. Erst

jetzt bekam er mit, was ihn schmerzte. Er blickte an sich herab und sah das Ausmaß

seines Ausflugs. Die linke Seite seines Anzugs war leicht eingeschmolzen. Er konnte

nicht sagen, was ihn derartige Schmerzen bereitete. Sein Kopf landete wieder am

Steinboden. Es kostete Mühe, nicht zu schreien.

„Das sieht nicht so schlimm aus“, war des Arztes erster Kommentar. Sein Gesicht

war Fox unbekannt und im Augenblick mindestens genauso uninteressant.

„Wasser!“ stammelte Fox. Das kühle Nass würde die Schmerzen vergessen

lassen. Ja, zweifellos!

„Sie müssen sofort auf die Krankenstation“, bemerkte der Arzt und rief nach

einem Helfer, der ihn nach draußen stützen sollte.

„Was ist mit Loafer?“

„Mir geht es gut“, rief dieser unweit von ihm. „Den Umständen entsprechend.“

Erst jetzt dachte Fox an die Beute ihres Ausflugs. Er ließ die Arme zur Seite

fallen, worauf die Blätter zu Boden fielen. Fünf Stück hatten es aus der Hölle

geschafft. Mehr als angenommen hatte. Er suchte Marias Gesicht und fand es

unverändert, besorgt über sich. „Bringt Varen und all das ins Lazarett. Wir müssen

wissen, was dort unten war.“

Maria lächelte, nickte ihm schweigend zu. Fox spürte Arme unter sich. Schon war

er zur Hälfte auf seinen Beinen. Nur doch die Treppen hoch, nur noch zum Ausgang.


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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Gleich würden sie es geschafft haben. Die Zusprüche seiner Stütze hielfen ihm,

wach zu bleiben. Gleich würde er sich auf der Gaines wiederfinden, inmitten dem

Personal der Krankenstation. Erst als der Transporterstrahl ihn erfasst hatte, schrie

er auf. Schmerzen.

2406.352 17:15 - verschiedene Orte auf der Gaines - Rahja Preja - Datum: 2004-

12-03 17:40:41

Die Unterhaltung mit Geiger näherte sich gerade dem Ende, als der

Kommunikator der neuen Counselor der James Robbie Gaines sich zu Wort

meldete.

„Krieger an Preja.“ erklang aus dem kleinen Kommunikationsgerät, das an Rahjas

Uniform in Brusthöhe befestigt war.

„Preja hier.“ beantwortete sie die Anfrage ihres neuen kommandierenden

Offiziers, während das Gespräch, in dem Geiger sich und das Team ein wenig in

Abwesenheit von Benteen vorgestellt hatte, zum Erliegen kam.

„Counselor, ich habe soeben ein Gespräch mit dem Kommandanten der

Cardassianer beendet. Man hat unserer Bitte um ein Gespräch zugestimmt. Es wird

morgen um Punkt 15 Uhr stattfinden. Sie werden Mr. Fox begleiten.“ ordnete Krieger

an.

Die Counselor nickte, während sie gleichzeitig zum Verständnis für den Captain,

der sie nicht sehen konnte mit einem: „Verstanden, Sir.“ antwortete.

„Krieger Ende.“ beendete dieser das Gespräch mit der Klausel, die dem

Bordcomputer anzeigte, das Gespräch zu beenden.

Man ging nun dazu über, das Gespräch endgültig seinem Ende zuzuführen und

schon bald verließen die beiden Neuankömmlinge unter der Führung von Mr. Myers

die Krankenstation wieder.

Den Rest der Führung nahm Rahja nur halb war. Sie stellte hier und dort Fragen

über das Personal. Schließlich würde es bald ihre Aufgabe sein, mit jeder der

Personen an Bord des Schiffes in gewisser Weise vertraut zu sein, wenn auch die

meisten wohl nie in direkteren Kontakt mit ihr treten würden. Sie glaubte dennoch,

dass es von Vorteil war, zumindest jedes Gesicht einem Namen und einer Aufgabe

zuordnen zu können.

Mardons langes Gesicht war ihr ebenfalls nicht entgangen. Sie war sicher, dass

der Bajoraner nicht zufrieden damit war, daß Krieger ihn nicht mitnehmen würde,

aber er hielt es wohl derzeit für klüger, keine weitere Bemerkung darüber zu

machen. Wenn sie den jungen Mann mit den wilden blonden Locken jedoch richtig

einschätzte, dann würde er seine Teilnahme wohl nochmals versuchen bei Krieger

durchzusetzen.

Rahja glaubte allerdings, dass er dort auf Granit beißen würde. Der Kommandeur

wirkte nicht wie jemand, der eine einmal gefasste Entscheidung so schnell wieder


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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revidierte. Wenn er überhaupt irgendeinen Eindruck auf sie gemacht hatte, dann

den, ein sehr fester Mann zu sein – aber auch dieser Eindruck konnte täuschen, wie

sich die El-Aurianerin durchaus bewusst war.

Am Ende der Tour hatten Rahja und Mardon so ziemlich alles gesehen, was es

an Bord der James Robbie Gaines zu sehen gab. Die medizinische Abteilung, die

wissenschaftliche Abteilung und die taktische Abteilung. Die Shuttlerampe, die

Transporterräume und die Einrichtungen für die Jägerpiloten. Die Holosuiten, das

Arboretum und sogar die technische Abteilung. Rahja war überwältig über die

schiere Anzahl der Anlagen, die das Schiff zu bieten hatte.

Irgendwie war sie froh, als die lange Führung vorüber war. Sie war Mr. Myers

jedoch außerordentlich dankbar, dass er sich die Mühe gemacht hatte, sie

herumzuführen. Als sie schließlich wieder bei ihrem Quartier angekommen waren

brachte sie diesen Dank auch zum Ausdruck, indem sie ihn zu einem Drink für den

folgenden Abend im Schiffscasino einlud, so es seine Zeit zuließ.

Dann verabschiedete sie sich von ihrem Begleiter und betrat ihr Quartier, wo ihre

Schuhe sogleich in eine Ecke flogen. Sie ging hinüber zur Couch und ließ sich

hineinfallen. Einen Moment legte sie den Kopf mit geschlossenen Augen in den

Nacken, dann richtete sie sich auf.

Der Feierabend war für sie noch nicht gekommen. Sie musste sich auf das

Treffen morgen vorbereiten. Und dazu musste sie alle Informationen durcharbeiten,

derer sie habhaft werden konnte. Über den Planeten und seine Geschichte und über

den cardassianischen Verband, den sie durch eines der Fenster ihres Quartiers

sogar sehen konnte. Und wenn sie damit fertig war, dann waren die Akten der Crew

dran, die allerdings wohl noch einige ihrer Abende in Anspruch nehmen würden.

2406.352 17:20 - Brücke - Michael Myers - Datum: 2004-12-05 10:30:15

Michael war froh, das endlich mal etwas passierte. Das Fox, Dax, Loafer und

Lexa sich in das Zentrum der Ausbreitung begeben hatten, war zwar einerseits eine

große Gefahr, aber wenn sie weiter kommen wollten, mussten sie dieses Risiko wohl

oder übel eingehen. Jetzt war es also so weit, das es langsam Ergebnisse geben

sollte. Und jetzt war es auch so weit, das Michael froh war, das er hier oben

geblieben war. Auch wenn es jemanden auf der Brücke gab, der wohl lieber heute

als morgen dort runter gewollt hatte, aber als das Löschteam angefordert worden

war, befanden sich Michael und die beiden neuen noch auf dem Rundgang auf dem

Schiff.

Der Bajoraner Reluk wäre, wenn es möglich gewesen wäre, sogar dort runter

gegangen, um seinem Volk zu helfen, sich gegen die (wie er sicher war)

unberechtigten Verdächtigungen der Cardassianer zu wehren. Außerdem war er

davon überzeugt, das er in der Lage wäre, diese Seuche aufzuhalten, die nur einen

einzigen Ursprung haben konnte: Cardassia Prime. Sowohl der OPS, als auch die

Couns, versuchten den fanatischen Mann davon zu überzeugen, das man erste

Beweise bräuchte, bevor man solche Verdächtigungen aussprechen sollte und

durfte. Vergebens. Denn wie üblich interessierten solche vernünftigen Argumente


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

dieses Volk nicht. Er war vollkommen verbohrt. Er wirkte wie ein Bajoraner aus dem

Lehrbuch.

Und genau das schien der Grund zu sein, warum der Commodore froh war, das

der Bajoraner noch hier oben festgehalten werden konnte. Offensichtlich war er

dankbar, das der OPS den Bajoraner von der Brücke fern gehalten hatte, als das

Löschkommando benötigt wurde. Denn dieser Mardon wäre wohl noch

unerträglicher, wenn er selber mitbekommen hätte, das ein Team auf den Planeten

geflogen war, ohne das er in Betracht als Mitglied gezogen worden war. Scheinbar

wollte der Commodore den Vertreter der Regierung von Bajor nicht aus den Augen

lassen, denn immerhin könnte es sich im weiteren Verlauf noch als hilfreich

erweisen, einen Bajoraner hier an Bord zu haben, wo man ihn „kontrollieren“ konnte.

Denn je nachdem, wie sich die Sache auf dem Planeten entwickelte, war es ja

möglich, das die Föderation, und mit ihr die Gaines und ihre Crew, zwischen den

Fronten stand. Mal wieder.

Auf der anderen Seite nervte Reluk schon etwas mit seinen ständigen halt- und

beweislosen Verdächtigungen. Und mittlerweile waren alle dessen satt, und auch

der Commodore schien sich manchmal zu wünschen, der Kerl wäre bereits auf dem

Planeten. Die neu an Bord gekommene Counselor hatte sich nach der Führung

durch Myers erst mal auf ihr Quartier zurückgezogen, da sie erst einmal etwas Ruhe

brauchte. Außerdem konnte sie zur Zeit sowieso noch nichts machen, außer sich ein

Bild von der Situation, und das konnte sie auch in ihrem Quartier, wo sie sich auch

auf ihren Auftritt mit dem Commodore bei den Cardassianern vorbereiten konnte.

Das war ein weiterer Punkt, an dem Reluk dauernd versuchte, mit dem

Commodore zu diskutieren. Er, als Vertreter des bajoranischen Volkes, wäre ja wohl

als erster berechtigt, an diesen Gesprächen zwischen Krieger und dem

Kommandanten des cardassianischen Flotteverbandes teilzunehmen. Das war seine

Meinung. Aber der CO der Gaines sah das anders. Seiner Überzeugung nach war

es eben keine Angelegenheit der Cardassianer gegen die Bajoraner, sondern ein

Problem von Föderation und Cardassia. Reluk wollte dort zwar wieder ansetzen,

indem er sich auch als Vertreter der Föderation darstellen wollte, aber dem

widersprach der Commodore doch deutlich und energisch.

Und natürlich hatte er rein juristisch gesehen damit recht, denn der Bajoraner war

in keiner Weise durch die Föderation legitimiert. Auf der anderen Seite gab es

natürlich schon eine Art moralisches Recht, das die Bajoraner (in welcher Form auch

immer) an den Verhandlungen über das Schicksal eines ihrer Planten teilnehmen

durften. Aber Krieger zog sich eben vollkommen auf die rechtliche Schiene zurück,

um den nervigen Mann aus dem Gespräch herauszuhalten. Denn wie alle anderen

Offiziere ging er davon aus, das der Bajoraner mit seiner typisch aufbrausenden Art

durchaus die gesamten Verhandlungen gefährden und zum scheiten bringen konnte.

Wobei weder Krieger, noch sonst jemand davon ausging, das die Verhandlungen

allzu viel bringen würden, denn klare Beweise, das die Behauptungen der

Cardassianer nicht stimmten, fehlten zur Zeit noch vollkommen.

Eher deutete das, was Fox und sein Team gefunden hatte, eher darauf hin, das

die Bajoraner wirklich etwas zu verbergen hatten auf dem Planten. Der tote

Cardassianer, das Feuer in dieser Schule, der bewusstlose Konsul. Alles ließ sich in

das Bild der Cardassianer einfügen und bestätigte wohl eher ihre Annahme. Aber


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

vielleicht konnten Krieger und Preja ja immerhin erreichen, das die humanitären

Hilfen für die Bevölkerung etwas erweitert werden durften. Denn immerhin, selbst

wenn es Bajoraner gab, die eine Massenvernichtungswaffe bauten, so waren es mit

Sicherheit bei weitem nicht alle, die sich daran beteiligten. Und auch innerhalb einer

bajoranischen Gesellschaft gab es zum grossteil gemäßigte Strömungen.

Auch diese hassten zwar die Cardassianer, aber sie würden sie nicht aktiv

bekämpfen wollen. Und sogar unter den Bajoranern gab es nicht wenige, sie für eine

Versöhnung mit dem verhassten Nachbarn plädierten, denn nur so würde man sich

vollkommen von der Vergangenheit als ewiges Opfer lösen können. Und nur, wenn

man das schaffte, würde man, so die Meinung dieser Kreise, zu einem vollwertigen

Mitglied in der Völkergemeinschaft der Föderation werden können. Das Problem

dabei war, das nicht alle Verantwortlichen das wollten. Vielen gefiel die Rolle des

ewigen Opfers.

Michael hatte sich alles das durch den Kopf gehen lassen, während der

Commodore sich mit dem Bajoraner gestritten hatte, wer und warum bei dem Treffen

dabei sein durfte. Und obwohl Kriegers Meinung schon fest stand, und Reluk keine

Chance haben würde, den umzustimmen, versuchte er es immer wieder. In dieser

Situation bekam Michael eine interessante Neuigkeit, die den Commodore aus

seiner misslichen Situation würde befreien können. Er grinste etwas, als er

überlegte, ob das wirklich wollte, entscheid aber dann, das die Info zu wichtig war,

als das er sie dem CO vorenthalten konnte und durfte. Also wandte er sich um und

blicket Thomas an. Der schien sofort zu merken, das etwas los war, und richtete den

Blick zu seinem schwarzen Brückenkollegen. „Sir, ich habe eine Nachricht der

Krankenstation.“

Jetzt hatte er mal wieder die Aufmerksamkeit der gesamten Gruppe, denn alle

hatten ja mitbekommen, das der XO mit schweren Brandverletzungen auf die

Krankenstation gebeamt worden war. „Ja, Mr. Myers, worum geht es?“ in der

Stimme des Offiziers mischten sich Hoffnung und Freude. Hoffnung wohl darauf, das

es etwas zu tun gab, wobei er Reluk nicht mitnehmen musste, und die Vorfreude,

das es seinem Stellvertreter hoffentlich wieder besser ging. Michael bestätigte diese

Hoffnungen „Sir, es wird gemeldet, das der Zustand des Lieutenant Commander als

nicht kritisch herausgestellt hat. Und es geht ihm mittlerweile wieder so gut, das er

bereits nach ihnen verlangt.“ Alle schienen erleichtert, wenn auch etwas irritiert,

warum Fox nicht persönlich auf die Brücke kommen wollte.

Dem war nicht ganz so, wie es wirkte, und um kein Missverständnis aufkommen

zu lassen, setzte Michael nach „Die Ärzte wollen ihn noch ein paar Stunden

beobachten. Deshalb fragt Fox nach, ob sie nicht zu ihm kommen könnten.“ Normal

wäre Thomas vielleicht nicht begeistert davon gewesen, die Brücke zu verlassen,

aber in diesem Fall war er sichtlich froh, dem tun zu können. Er erhob sich also,

entschuldigte sich bei Mardon, das er nun gehen müsste sie aber später gerne

würden weiter diskutieren können. Er ging drei Schritte nach vorne und stand dann

neben Michael. Er beugte sich hinunter, so das nur der Lieutenant ihn hören konnte.

„Michael, tun sie mir einen Gefallen. Holen sie Mrs. Preja in ihrem Quartier ab, und

bringen sie sie auf die Krankenstation.“ Michael schaute den CO an und wunderte

sich, aber er hatte gemerkt, das er besser nicht jetzt nachfragte, sondern tun würde,

wie ihm „befohlen“ worden war.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

2406.352 17:25 - Lazarett auf dem Planeten - Caroline Benteen - Datum: 2004-

12-03 14:11:34

Nun kam er also doch noch in den Genuss einer Untersuchung. Oder sollte man

dabei besser von Dr. Benteen ausgehen, welchen nun den Takaraner unter ihre

Fittiche nahm? Varen hatte sicherlich nicht vorgehabt, Caroline je kennen zu lernen,

schon gar nicht als ihr Patient. Dies hatte er nicht einkalkuliert. Er wusste noch nichts

von seinem Glück.

Der Takaraner wurde auf schnellstmöglichem Wege in das Lazarett gebracht.

Neben ihm in dem mitsamt dem Biobett unbequemen Shuttle saß der leicht verletzte

Mark Loafer noch immer in voller Montur und mit den Augen starr auf Varen

gerichtet, jede seiner wenigen Bewegungen misstrauisch genau untersuchend.

Maria hatte derweil weiter vorne Platz genommen und ruhte sich von den Strapazen

aus, so gut dies ihr möglich war. Die Unterlagen, welche Fox aus den Flammen

gerettet hatte, lagen vor ihr in einem dichten, farblosen Behältnis, um sie vor

weiteren Umwelteinflüssen zu schützen. So, wie die Trill aussah, rang sie noch mit

sich, wie sie die Papiere anzuwenden hatte und was in ihnen zu entdecken war.

Was hinter ihr geschah hatte für ihre Augen und ihr Gehör im Moment keine

Bedeutung. So fand Caroline angesprochene Personen also vor, als das Shuttle

endlich in der Nähe der Lazaretts landete. Sie war nicht minder erstaunt,

ausgerechnet Mark Loafer hier vorzufinden. Ein sarkastisches „Bei Gott!“ konnte sie

sich verkneifen, allerdings dürfte die im zuteil gewordene nicht vorhandene

Aufmerksamkeit nicht entgangen sein. Doch was kümmerte das die Britin, welche

sich lieber um den Takaraner zu kümmern hatte.

Im normalen Fall hätte man die beiden zur medizinischen Behandlung gesandten

Personen eins zu eins der Notfallmedizin übergeben, die hier im Lazarett von Dr.

Lewis geleitet wurde, welche ihrer Aufgabe in solch hohem Maße nachging, dass

Benteen ein Schulterklopfen ausgeteilt hatte. In diesem Fall, die Britin war ja

bekanntermaßen anderweitig ebenso wichtig beschäftigt, wurde sie dennoch hinzu

gerufen, da es sich um einen Offizier und einen Verdächtigen handelte; beides

unterlag der allgemeinen Diskretion verlangte sachgemäßes Vorgehen, halten an

das Protokoll und weitere Punkte, welche der zu nahe Kontakt zu den beeinflussten

Bajoranern nicht genügend Schutz geboten hätte. Aufgrund dessen hatte es auch

geheißen, an einem anderen Standort des Lazaretts zu landen, wo auffallen nicht

der große Faktor war. Hier nun entluden zwei Mitarbeiter der Chefmedizinerin die

Bahre mit dem recht schweren Takaraner und transportierten sie ab in einen eigens

abgeriegelten Bereich des Standortes. Loafer wurde ebenso auf eine bereitgestellte

Bahre transferiert, auch wenn er sich dieses nicht allzu gerne gefallen ließ, und dem

Takaraner hinterher geschoben. Bei beiden nahmen Arzthelfer vitale Werte auf, um

sie der Chefmedizinerin zu kredenzen, wenn diese die Notfälle im Lazarett annahm.

Maria war die Letzte, die dem Shuttle entstieg, bevor jenes wieder davonflog.

Caroline hielt ihr eine helfende Hand hin, welche die Trill dankend annahm. Die Britin

lächelte sie an, während sie ihr abwechselnd prüfend in die Augen sah. So sah sie

auch, dass die Wissenschaftlerin unter großem Stress gestanden haben muss, so

dass die überflüssige Frage an sie nur kommen musste: „Na, hatten Sie da draußen

Ihren Spaß, Maria?“ Verschmitztes Grinsen. Beide kannten die Antwort, und das

mehr oder minder genau, weshalb sich die Trill dazu nicht äußerte. Man sah ihr an,


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Wahrheit?

dass sie jetzt nichts nötiger brauchte als ein Bett ... und eventuell eine Massage,

aber dazu blieb ihr keine Zeit. Carolines entschuldigender Gesichtsausdruck drückte

dies obendrein aus. Maria seufzte schwer, wand sich dann aber mit fragendem Blick

an Benteen: „Wie geht es Jihan? Hat sich etwas getan?“ Carolines Schultern

zuckten, bevor sie antwortete, dass nichts entscheidendes passiert sei, es ihr aber

den Umständen entsprechend schlecht ging. „Die heutige Nacht wird es zeigen, in

welche Richtung es geht“, meinte die Ärztin ergänzend, „Dr. Enerly ist daran, eine

Probe von einem eventuellen Hilfsmittel zu erstellen, doch braucht der Computer

seine Zeit.“

So sah die Britin in ein freudiges, wenn auch noch immer erschöpftes trillisches

Gesicht. „Sie haben ein Gegenmittel gefunden? Woher ...?“ Diese Frage beließ

Caroline unbeantwortet, und zwar ebenso drastisch, wie sie der Trill das Wort

abgeschnitten hatte. „Fragen Sie nicht, was Ihnen später Leid tun könnte, Maria.“

Und sie rückte näher an jene heran, begann zu flüstern: „Fragen Sie mich nachher,

in aller Ruhe, in Ordnung?“ Die Trill nickte. Mehr tat sie nicht. Um den Schein zu

wahren, alles sei in Ordnung, sprach Caroline nun wieder lauter mit Maria und von

einem anderen Thema: „Wie ich bei Dir das Virus austreiben kann, weißt Du ja noch,

nicht wahr?“ Maria spielte einen erbärmlichen Gesichtsausdruck vor, als sie

antwortete, mehr Kaffee könne sie nicht vertragen. Benteen legte daraufhin den Arm

um die noch immer in dem Schutzanzug steckende Trill und sprach ihr freundlich

Mut zu: „Das wird schon wieder. Und da ich auch eine Koffeinspitze vertragen kann,

werde ich Dich alsbald begleiten.“ Sie schaute ihre Freundin von oben nach unten

musternd an, bevor sie einzuschränken begann: „Du solltest Dir jedoch etwas

bequemeres anziehen!“ Mit einem Lachen gingen beide auseinander.

Für Ruhe war jedoch erst einmal nicht gesorgt. Maria hatte diese verdient,

gedachte Caroline, so würde die Trill sicherlich diese Zeit auch nutzen, während die

Britin mit den beiden Patienten beschäftigt sein würde. Loafer, welchen sie noch

immer recht weit links liegen ließ, begutachtete sie nur sehr kurz und entschied,

dass er einem anderen Arzt übergeben werden konnte, der seine Brandwunden zu

versorgen hatte. Die Sache mit dem Takaraner jedoch nahm sie höchstpersönlich in

Anspruch. Einige Schwestern waren bereits damit beschäftigt, die vitalen Werte

Varens wieder zu erhöhen, doch bis dato ohne Erfolg. Caroline, die das im ersten

Moment stillschweigend beobachtet hatte, erkannte noch kein Anzeichen der

Resignation bei den Schwestern, trotz der Rückschläge, welche ihnen der Takaraner

seit der geraumen Zeit von fünfzehn Minuten bereitete. Eine der Schwestern kam

dann sogleich auf Caroline zu und ließ das Geschehene noch einmal rekapituliert

erscheinen. Kein Anzeichen der Verwunderung zeigte die Britin ob der erhörten

Werte und festgestellten Vitalfunktionen des Patienten, obwohl sicherlich viele

andere vom Glauben abgefallen wären, wenn sie gehört hätten, dass der Patient seit

seiner Einweisung kein Zeichen der Besserung, aber auch keines der

Verschlechterung anzeigte. Seine Werte blieben verdammt noch mal konstant. Ein

Auflachen der Britin schien hier am falschen Ort zu sein, und einige sahen sich rasch

danach um, arbeiten aber weiter daran, unter Hochdruck Varen wieder zu den

vollends Lebendigen zu holen. Nichts.

Als dann nach weiteren Augenblicken, Caroline war nun zu Varen getreten und

hatte ebenso bei den Lebensrettungsmaßnahmen mitgeholfen, auch Maria

erschienen war, endete die Britin ihre Rettungsversuche, was den Körper des


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Patienten jedoch nicht beeindrucken schien. Wie ich es mir gedacht habe ... Sie

unterband sofort jegliche Lebensrettungsmaßnahme von allen Seiten, was ihr einige

vorwurfsvolle Blicke einbrachte. Als dann noch der Befehl erteilt wurde, alle mögen

die Krankenstation verlassen, widersetzte sich der eine oder andere, was der Britin

wieder einmal vor Augen hielt, dass ihr medizinisches Team Dank der Intervention

seitens des SFC an Effektivität verloren hatte. Doch hier blieb keine Zeit für

Ränkespiele. Sie gab den Befehl ein zweites Mal, mit mehr Nachdruck, und die

Belegschaft machte sich hier und da in Ausrufen Luft, bevor alle den Raum

verließen. Caroline schloss das auf die übermenschlichen Kraftakte der letzten Tage

hin und würde ihrer Mannschaft alsbald verzeihen können. Kaum, das niemand

mehr hier war und sich Maria und Caroline über den Patienten gestützt gegenüber

standen, ließ die Britin nun vollends ab von ihm. Maria, die sehr beruhigend wirkte,

fragte: „Was hast Du nun vor? Stirbt er?“ Carolines Gesicht zierte ein Grinsen, was

auf eine neuerliche Gemeinheit hinwies. „Sterben wird er mir nicht, nein. Aber unser

geschätzter Takaraner hier hat ein kleines Kunstwerk erschaffen, indem er sich nun

schon seit geraumer Zeit halbtot stellt. Er weißt keinerlei lebensbedrohliche

Verletzungen auf, und wenn man sich das Naturell dieses Volkes genauer

betrachtet, sind sie dazu fähig, sich so, wie es unser geschätzter Kollege hier tut,

aus jeglicher Affäre zu ziehen. Doch mit mir nicht. Pass auf!“

Sie begab sich weg vom Operationstisch und ließ vom Computer eine bestimmte

Menge einer unbekannten Probe herstellen, während sie mit dem Rücken zu der Trill

gewandt stand und weiter plauderte: „Varen hier, unser lange gesuchter Botschafter,

hat diesen Teil seiner nahezu perfektioniert. Doch seine Kalkulation wird damit

enden, dass er mir im OP begegnet ist.“ Sie drehte sich um und legte sofort das eine

vorbereitete Hypospray an den Hals Varens, um den Stoff in seinen Körper zu leiten.

Nichts tat sich, doch anders war dies nicht zu erwarten gewesen. Zu der Trill

gewandt erklärte Benteen die weiteren Vorgänge: „Da er uns wunderbar hören kann,

und das konnte er schon die gesamte Zeit, wird es sicherlich nicht stören, dass sein

Körper nun Illyamid enthält, das einzige Gift, welches aufgrund seiner chemischen

Zusammensetzung dafür Sorge trägt, einen Takaraner auf ewig in diesem aktuellen

Zustand zu halten.“ Beide Damen schauten mit unterschiedlichem Gesichtsausdruck

auf die mit einem Mal weit geöffneten Augen Varens, in welchen Angst erkennbar

ist. Benteen setzte sogleich fort: „Man kann damit Takaraner konservieren, so

schlimm dies auch klingen mag. Die Sona’a hatten dieses Medikament, das für

andere Völkern ungefährlich ist, entwickelt, um takaranischen Organhandel zu

betreiben. Scheußliche Sache ...“, sie schaute dem angstvollen Blick Varens

genüsslich entgegen, „... wenn man das Gegenmittel nicht besitzt.“ So hielt sie das

zweite vorbereitete Hypospray direkt vor die Augen des Patienten und sprach weiter

in ruhigem Ton: „Schwierige Zeiten gebieten schwierige Maßnahmen. Werden Sie

uns nun zur Verfügung stehen, Mr. Varen, oder nehmen sie lieber mit einem Leben

im Dunkel vorlieb?“

2406.352 17:28 - Lazarett auf dem Planeten - Mark Loafer - Datum: 2004-12-08

16:50:14

Sie waren nicht auf dem Shuttlelandeplatz niedergegangen, sondern waren etwas

abseits geleitet worden. Mark ging davon aus, dies sei, weil der große Platz voll sein,

aber dem war nicht so, wie er später erfahren sollte. Doch jetzt spielte es keine


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Rolle. Sie waren gelandet, und sofort waren Mediziner um sie herum, die ihn und

den Konsul aus dem Shuttle schafften. Fox war ja bereits auf die Gaines

transportiert worden, denn er würde dort wohl ausreichend kompetente Behandlung

erfahren, und so konnte er persönlich Bericht beim CO abgeben, der mit Sicherheit

würde wissen wollen, was passiert war. Maria verließ das Gefährt auf ihren eigenen

Beinen, aber Mark wurde vom anwesenden Personal auf eine Bare genötigt, und

aus dem inneren herausgetragen.

Das war ihm sichtlich peinlich, zumal er außer dem Hitzestau und einigen

kleineren Verbrennungen keinerlei Verletzungen davon getragen hatte. Aber er

konnte sich nicht wehren, zumal sogar extra die CMO der Gaines genötigt wurde,

sich der beiden Patienten anzunehmen. Und obwohl er von der Bare kaum eine gute

Möglichkeit hatte, so beobachtet er doch argwöhnisch jede Bewegung des Konsuls,

die aber seit dem Abflug sich auf konzentrierten. Mark verrenkte

sich fast den Kopf, zumal er immer noch in dem Schutzanzug steckte. Er wollte kein

Risiko eingegangen sein, den Anzug zu früh zu öffnen und doch noch kontaminiert

zu werden.

Nun würden ihn die Mediziner davon abhalten, den vollkommen schwarz gerußten

Anzug abzulegen. Da sie nicht sicher waren, das der nicht eventuell an der einen

oder anderen Stelle mit der Haut oder der darunter liegenden Kleidung

verschmolzen war. Mark war zwar sicher, das dem nicht so war, aber sie ließen nicht

mit sich reden. Die beiden Patienten wurden nu also in die gemeinsame

Notaufnahme gebracht, wo die Chefmedizinerin sie sich anschaute und dann

entschied. Sie würde sich um den Konsul kümmern, der in ihr eigenes Labor

gebracht werden sollte. Und ein Dr. Lewis, der Chef der Notaufnahme, würde sich

um den ehemaligen Marine kümmern.

Als der Takaraner weg gebracht wurde, versuchte Mark wieder aufzustehen, um

ihn länger beobachten zu können, wurde aber von den bestimmten Händen einer

Schwester wieder auf die Liege gedrückt. Er fügte sich, immerhin gab es im Lager

genug Sicherheit. Apropos. „Schwester, sagen sie im Büro der Sicherheit bescheid,

das sich immer ein Mann in Sichtweite des Konsuls aufhalten soll.“ Die Schwester

nickte nur und verabreichte dem Patienten ein Hypospray. Mark wirkte etwas

benebelt, sobald das Medikament zu wirken anfing, aber er war zu faul, um jetzt

nachzufragen. Dann betrat der Doktor den Raum und schaute sich den Anzug an.

„Das sieht aber böse auf, Lieutenant. Warum laufen sie mit den Dingern auch im

Feuer herum. Dafür sind weder die Anzüge, noch sie gemacht.“

Mark musste grinsen, als er an Fox dachte, denn es wesentlich schlimmer

erwischt hatte. Würde der Arzt dem gegenüber dasselbe sagen? Plötzlich spürte

Mark kalten Stahl auf seinem Hals. Er zuckte zusammen, merkte dann aber, das es

sich lediglich um eine Schere handelte. Diese diente dazu, den Helm vom Rest des

Anzuges zu trennen. Nach dem ersten Schock war Mark froh. Endlich wieder frische

Luft. Zwar nicht über den dafür vorgesehenen Weg, aber immerhin. Er sog alles ein,

was er bekommen konnte ..... und zuckte vor Schmerzen zusammen. Seine linke

Schulter schmerzte höllisch. Und das alles nur, weil er eingeatmet hatte.

Die Ärzte blickten erstaunt, konnten sie doch nicht erkennen, warum der große

Mann sein Gesicht so verzog. Als sie schließlich den Helm entfernen konnte,

erkannten sie, das es sich wohl wirklich um Schmerzen handeln müsse. Sie


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

erkundigten sich, und Mark deutete mit gefletschten Zähnen in Richtung der

Schulter. Sofort machten sich zwei Mediziner daran, zu überprüfen, was dort los war.

Und nachdem sie den Ärmel in kleine Streifen geschnitten hatten, sahen sie auch,

wo das Problem lag. Tatsächlich hatte sich (so berichtete man Mark später) ein Teil

des Anzugs in die Uniform eingebrannt, und die wiederum war mit der Haut

verschmolzen. Alleine das hätte schon Schmerzen bereiten müssen, aber Mark

hatte es nicht gespürt. Als er sich aber dann gereckt hatte, um seine Lungen zu

füllen, war das Material von der Haut abgerissen, und hatte ein klaffende Wunde

genau auf der Außenseite der Schulter zurückgelassen.

Unabhängig davon, das es stark blutete, waren das natürlich Schmerzen, die

auch ein Marine nicht mehr ignorieren konnte, wenn sich ein ganzer Streifen Haut

vom Muskel löste. Es trieb Mark zwar die Tränen in die Augen, aber alleine die

Erkenntnis, das Benteen ihn eventuell hätte hören können, verhinderte, das er auch

nur einen Laut von sich gab. Als die Ärzte schließlich diese Wunde versorgt hatten,

begannen sie damit, den restlichen Anzug genauso in Streifen zu schneiden. Dabei

stellten sei außer einigen kleineren Reizungen und Verbrennungen ersten Grades

allerdings nichts mehr fest. Mark war froh, als das ganze dann vorbei war, und er,

nur noch begeleitet von einer Schwester, in ein Krankenzimmer gebracht wurde.

Was er her solle, fragte er die Begleiterin, und die erwiderte, er müsse sich jetzt,

nach Anweisung von Dr. Lewis, bis zum morgigen Tag hier ruhig verhalten, dann

könne er morgen wider in Dienst gestellt werden. Sie stellte ihm noch 2 große

Flaschen Wasser ans Bett und sagte „So, das sollte reichen. Wenn nicht, einfach

hier klingeln.“ Dann wandte sie sich um, und verließ den Marine. Drei Liter Wasser.

Da würde er ja höchstens die Hälfte schaffen, und auch das nur, wenn er sich viel

Mühe gab. Er grinste und sein Blick fiel auf eine Uhr, die im Vorraum aufgehängt

war. Es war mittlerweile 2213, und er hatte ... Durst. Seltsam, warum hatte er

solchen Durst. Er griff nach der ersten Flasche und wollte sie gerade ansetzen. Er

merkte, das es wenig sinnvoll war, hier im liegen zu trinken, also setze er sich auf

und schon überkam ihn ein Schwindel.

Das mussten die Medikamente sein, mit denen die Mediziner ihn gefüttert hatten.

Als er wieder klar sehen und denken konnte, nahm er also die Flasche und nahm

einen großen Schluck. Er setzte sie ab und stellte erstaunt fest, das er fast den

halben Inhalt mit einem Zug getrunken hatte. Was war das bloß. Bestimmt auch die

Medikamente, tröstete er sich, und blickte auf den Knopf, den er drücken sollte,

wenn er etwas bräuchte, eben unter anderem auch Wasser. Aber erst einmal würde

er checken müssen, was mit ihrem Gefangenen war. Er griff also in die Schublade,

wo seine persönlichen Dinge gelagert worden waren und versuchte der

Kommunikator zu aktivieren, aber offensichtlich hatte jemand damit gerechnet, und

etwas dagegen. Er war deaktiviert worden.

Ein leises Fluchen unterdrückte er, nahm aber anstatt dessen einfach das PADD,

das er immer bei sich trug, um sich Notizen zu machen, und begann eine Nachricht

an CO und XO zu verfassen. Er hatte mittlerweile einige Male geflucht, als er

gemerkt hatte, das ihm Ausrüstung, die er im Marine Corps zur Verfügung hatte, hier

und in seiner Position nicht zur Verfügung stand. Aber vielleicht konnte ja ein

Commodore dafür sorgen, das zumindest das eine oder andere sich in den Besitz

der Sicherheit der Gaines verirren mochte.


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Wahrheit?

Die Schutzanzüge des MC, natürlich inklusive des schicken Helmes mit den

integrierten Lampen und Kameras, standen ganz oben auf der Liste Die wären ein

sehr nützliches Tool gewesen, um dort unten in dem Feuer nicht zwei

Menschenleben zu riskieren. Aber die Liste wurde länger und länger ...

2406.352 17:37 - Lazarett - Maria Dax - Datum: 2004-12-03 21:15:04

Maria hatte Caroline anfangs noch verwirrt angesehen, doch hatte sie sehr

schnell erfasst, was die Medizinerin erreichen wollte.

Ihre Hände hatte sie vor ihrer Brust verschränkt und in ihrem Gesicht war nicht

das kleinste Anzeichen einer Regung zu erkennen.

Caroline stand nicht viel anders da, nur das sie in einer Hand den Hypospray mit

dem gegenmittel hielt. Der Blick der beiden Offizierinnen fast fest auf den Takaraner

gerichtet, der sie immer noch leicht ängstlich ansah.

Doch wie mit einem schlag verschwand die Angst aus seinem Gesicht und wich

einem leichten Lächeln, das den leichten Eindruck eines Hohns machte.

„Sie bluffen doch.“, sagte er und spuckte fast die Worte verächtlich aus.

Jetzt war es Maria die leise auflachte.

Sie stützte sich mit ihren Händen auf dem Biobett ab und kam dem Takaraner

etwas näher.

„Sind Sie sich da, so sicher?“, fragte sie ihn mit einem funkeln in den Augen, das

ihn erneut kurz zaudern ließ. Die darauf folgende Antwort war schon nicht mehr so

sicher, auch wenn er versuchte erneut Sicherheit in seine Stimme zu verbannen.

„Ja. Ich kenne kein derartiges Mittel.“

„Nur weil Sie es nicht kennen, heißt es nicht, dass es das Mittel nicht gibt.“, setzte

Caroline an.

„Und glauben Sie mir.“, fügte Maria hinzu und beugte sich noch näher zu dem

Takaraner. „Mit ihr ist nicht zu spaßen. Ich an Ihrer Stelle hätte Angst.“ Sie sah den

Takaraner eindringlich an, und stieß sich dann von dem Biobett ab.

„Caroline, sag Mal. Wie läuft das so ab. Also, was passiert genau, wenn man das

Mittel Takaranern injiziert?“, fragte Maria ganz beiläufig und versuchte recht

interessiert zu wirken.

Caroline stieß mit dem Hypospray vorsichtig gegen ihr Kinn, während sie so tat,

als würde sie überlegen.

„Nun, zuerst werden die im Moment nicht gebrauchten Organe ihre Funktion auf

ein Minimum herunterfahren. Magen, Leber, Nieren und Co, würde ich sagen. Er

dürfte dann ein leichtes Taubgefühl in seinen Armen haben, wenn sein Herz anfängt

in langsameren Takten zu schlagen. Sein Atem wird ebenfalls flacher werden. Seine


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Augenlider und die Glieder werden schwer und ihm wird es vorkommen, als würde

er einschlafen. Nur mit dem Unterschied, dass er nicht mehr aufwachen wird, aber

auch nicht tot ist.“

Maria nickte.

„Ich verstehe. Eigentlich ja nicht so schlimm… Aber wenn ich bedenke, dass ich

dann ewig in dem Zustand bleiben müsste…“ Sie schüttelte angewidert von dem

Gedanken den Kopf.

„Und wie lange dauert der ganze Vorgang?“, fragte sie schließlich so nebenbei.

„Kommt drauf an. Wenn der Takaraner es unterstützt, hat er diesen Zustand in

wenigen Minuten erreicht. Wenn er sich nun aber dagegen wehrt, kann das schon so

10 – 15 Minuten dauern. Kommt auf die physische Verfassung an.“

Wieder nickte Maria und wandte sich dann Varen zu.

„Und? Wollen Sie uns immer noch nichts sagen?“, fragte Maria den Takaraner.

Dieser sagte nichts und sah die beiden Frauen abwechselnd an. Schließlich

seufzte Maria leise und drehte sich weg von Varen.

„Ich glaube Caroline, es macht keinen Sinn. Lass uns einen Kaffee trinken. Er

kommt hier ja sowieso nicht weg.“ Um ihren Worten mehr Ausdruck zu verleihen,

ging sie demonstrativ ein paar Schritte, bevor sie stehen blieb und sich kurz zu

Caroline umdrehte.

„Kommen Sie nicht, Caroline?“, fragte sie mit einem unschuldigen Blick, der sogar

dem Takaraner einen kalten Schauer über den Rücken gehen ließ.

Als schließlich Caroline auch noch darauf antwortete, dass sie schon käme,

schien seine ruhige endgültig verloren zu sein.

Die beiden Frauen hatten sich schon einige Meter vom Biobett entfernt – den

Hypospray mit dem Gegenmittel hatte Caroline immer noch bei sich – als der

Takaraner endlich aufgab.

„He, warten Sie. Gehen Sie nicht. Ich weiß nicht, wer das Feuer gelegt hat.“,

sagte er, schrie fast und leise schwang Verzweiflung in seiner Stimme mit.

Caroline und Maria blieben stehen, doch drehten sie sich nicht um.

„Ausgezeichnete Idee, Caroline.“, flüsterte die Trill zu der Medizinerin, die neben

ihr stand.

„Ihr Spielchen war aber auch nicht ohne.“, erwiderte sie und Maria lächelte kurz.

Dann wich das Lächeln wieder der alten Ausdruckslosigkeit und Maria drehte sich zu

Varen um.


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Wahrheit?

„Was haben Sie dann im Keller der Schule gesucht?“, fragte Maria ihn. Ihre

Hände hatte sie hinter ihrem Rücken verschränkt und keinen Schritt war sie Varen

näher gekommen. Mittlerweile hatte auch Caroline sich wieder umgedreht.

„Ich… ich habe mich dort versteckt. Jetzt kommen Sie schon, was ist mit dem

Gegenmittel?“

„Warum haben Sie sich dort versteckt?“, fragte Maria mit ruhiger Stimme, ohne

auf die Forderung Varens einzugehen.

„Ich hatte Angst. Angst vor den Bajoranern und vor der Seuche. Was ist jetzt.

Geben Sie mir schon das Gegenmittel!“ Varens Stimme nahm bereits einen etwas

schrillen ton ein und mittlerweile hatte er sich auch aufgesetzt.

„Wenn Sie Angst vor der Seuche hatten, warum versteckten Sie sich dort, wo sie

höchstwahrscheinlich ausgebrochen ist?“

Darauf hin stockte Varen. Aus seinem sowieso bleichen Gesicht wich jegliche

Farbe und damit hatte er sich endgültig verraten.

Maria lächelte leicht triumphierend und ging näher zu Varen.

„Wie Sie sehen wissen wir mehr, als Sie glauben und wahr haben möchten. Also,

was haben Sie wirklich dort unten gesucht?“

„Bevor ich nicht das Gegenmittel bekomme, sage ich gar nichts.“

„Glauben Sie wirklich, dass Sie in der Lage wären Bedingungen zu stellen?“,

fragte jetzt Caroline, die ebenfalls ans Biobett herangetreten war.

„Ich weiß, dass ihr Vorgesetzter nicht sehr erfreut wäre, wenn Sie mich sterben

ließen. Immerhin bin ICH der föderative Abgesandte auf diesem Planeten.“, sagte er

und in seinen Augen glitzerte die Sicherheit.

„Och… Man kann uns nicht nachweisen, dass sie jemals aus diesem Komaartigen

Zustand erwacht sind. ‚Wir konnten leider nichts mehr für ihn tun.’ Ich glaube nicht,

dass da jemand genauer Fragen stellen wird. Oder was denken Sie, Maria?“

„Ich denke Sie haben Recht. Es wird keinem auffallen.“

„Das vagen Sie nicht. Ich bin der Konsul.“

„Ich korrigiere. Sie waren der Konsul. Barven Ilian hat Ihre Position nach Ihrem

Verschwinden übernommen.“

Varens Blick war undeutbar für Maria und ihr schien, dass es Caroline nicht viel

anders erging.

„Also? Glauben Sie immer noch, dass Sie in der Lage seien Forderungen zu

stellen?“, hackte Caroline erneut nach. Die Zeit wurde langsam knapp und Maria

wusste nicht, ob es ein derartiges Mittel tatsächlich gab oder ob die Ärztin wirklich

nur bluffte. Doch vertraute sie Caroline, dass diese wusste, was sie tat.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Die beiden Frauen sahen den Takaraner abwartend an und schließlich schloss er

resigniert die Augen.

„Ich habe etwas gesucht.“, rückte er schließlich heraus.

„Was?“, fragte Maria sofort. Der Takaraner öffnete wieder die Augen.

„Geben Sie mir das Gegenmittel.“, sagte er unbeirrbar. „Meine Füße… Sie werden

schon langsam schwer.“

Maria sah zu Caroline, doch diese schüttelte den Kopf.

„Was haben Sie gesucht, Varen.“, fragte Caroline unbeirrt.

„Ein Buch, Aufzeichnungen, irgendwas.“

„Warum?“ Caroline gab keine Ruhe.

„Um es mitzunehmen.“

„Wer war der Brandstifter?“, fragte nun wieder Maria, die Caroline zuvor kam.

„Ich weiß es nicht. Als ich ihn kommen hörte, ließ ich mich in diese Starre

verfallen. Und als ich fliehen wollte, kamen Sie.“

„Wenn das stimmte, hätten wir den Brandstifter treffen müssen, oder zumindest

mit unseren Tricordern scannen. Aber wir haben keine Lebenszeichen gefunden.“

„Dann sind ihre Tricorder kaputt.“

„Oder Sie lügen.“, sagte Maria ruhig.

Die drei schwiegen. Während Die Trill und die Britin ihren Blick unabwendbar auf

dem Takaraner hatten, suchte dessen Blick die Ferne.

Nun war es Caroline, die sich zu ihm hinunterbeugte und aufs Biobett stützte.

„Reden Sie Varen. Sie wissen, dass es das einzige ist, was Ihnen das Leben

retten kann.“, flüsterte sie ihm ins Ohr, laut genug damit es auch Maria hören konnte.

Varens Blick senkte sich.

„Ich will nicht sterben.“, flüsterte er, sagte es noch einmal, lauter. Schließlich sah

er Caroline in die Augen und nahm ihr den Hypospray so schnell weg, dass sie im

ersten Moment nicht genau wusste, was geschah. Doch als sie das Zischen des

Hyposprays hörte, stieß sie sich lächelnd vom Bett ab.

„Wir wissen, dass Sie lügen Varen. Zu wenig Logik befindet sich in Ihren

Aussagen. Und auch wenn Sie jetzt mit dem Schrecken davon gekommen sind,

werden wir es Ihnen das nächste Mal nicht so einfach machen.“ Caroline lächelnde

triumphierend. Sie drehte sich um und machte sich daran, den Raum zu verlassen.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

„Schlafen Sie Varen, sammeln Sie Energien. Sie werden sie noch brauchen.

Maria? Kommen Sie?“, sagte sie im gehen.

Maria hatte die letzten Ereignisse noch nicht ganz verstanden und starrte auf

Varen, bei welchem die Erleichterung und die Angst gleichzeitig in den Augen

glitzerten. Sie drehte sich ebenfalls um und folgte Caroline. Zusammen verließen sie

den Raum.

Als sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte sah Maria Caroline fragend an.

„Hatten Sie wirklich vor, ihn in diesen Komaähnlichen Zustand zu versetzten?“

2406.352 17:45 - Krankenstation - Michael Alexander Fox - Datum: 2004-12-07

01:08:38

Er war müde, doch der Schlaf lag fern. Ebenso Erstaunen. Es verwunderte den

ersten Offizier keineswegs, wie schnell sich eine Handvoll Offiziere um sein Biobett

versammelt hatte. Aus Dämmerzustand erwacht, erkannte er Krieger. Neben ihm

Lieutenant Myers und ein weiblicher Ensign, den er bis dato noch nie zu Gesicht

bekommen hatte. In Counseloruniform? Hatte Fox seine personellen Pflichten nur

schlampig erfüllt, oder war die Planetenoberfläche nicht der einzige Ort, an dem sich

etwas getan hatte?

Im Bemühen, einen akzeptablen Wachzustand zu erreichen, ließ er die

Wiedersehensfloskeln des Commodores über sich ergehen. „Es ist schön,

einigermaßen heil zurück zu sein“, entgegnete Fox. Er hatte erleichtert ausgeatmet,

als der diensthabende Arzt keinerlei Anzeichen der Seuche in sich festgestellt hatte.

Seine schlimmsten Befürchtungen hatten ein Ende gefunden. Seine Hüfte wies

zudem nur leichte Verbrennungen auf. Nach dermaler Behandlung würde am darauf

folgenden Tag wieder seinen Dienst aufnehmen können. Nach den vergangenen

Erlebnissen war ihm nichts wünschenswerter.

Die vergangenen Erlebnisse. Ja, der Grund ihres Besuchs war klar. Und als Fox

einen einigermaßen munteren Eindruck vermittelte, durfte er die neue

Schiffscounselor kennen lernen. Krieger stelle sie als Ensign Rahja Preja vor, eine

El-Aurianerin (wie Fox später noch erkennen sollte). Eine von wenigen, deren

Vorfahren der Borginvasion ihres Heimatplaneten entkommen konnten.

„Ich weiß, Sie benötigen Ruhe, Michael. Aber es ist wichtig zu erfahren, was auf

der Oberfläche vorgefallen ist“, erläuterte schließlich der Kommandant den

offensichtlichen Grund ihres Eindringens. „Die Informationsversorgung war bis dato

mehr als mangelhaft.“

Es war dem jungen Offizier, als würde seine gesamte Hüfte noch brennen, als er

sich etwas aufzusetzen versuchte. „Unsere Befürchtungen haben sich bewahrheitet“,

sagte Fox und wartete, als ob er die Schlussfolgerung den Anwesenden überlassen

wollte. „Das Virus, das für die Seuche verantwortlich ist, wurde künstlich erschaffen.“

Angespanntes Schweigen.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

„Das heißt, die Cardassianer könnten in ihren Anschuldigungen Recht haben?“

fragte Krieger, unsicher, was nun folgen würde.

„Was wir entdeckt hatten, war wohl das Labor. Es gelang uns jedoch nur, in den

ersten Raum vorzudringen.“ Fox dämpfte seine Stimme bei den nachfolgenden

Worten. „Was wir jedoch erkennen konnten, war uns Beweis genug, dass man die

zerstörerische Wirkung forcieren wollte.“ Dann erzählte er über die Leichen, die

Loafer und er entdeckt hatten. Über das gelegte Feuer, den bewusstlosen Konsul

und die Unterlagen, die sie vor den Flammen retten konnten. Was dessen Inhalt war,

konnte Fox ihnen nicht beantworten. „Lieutenant Loafer hat alles ins Lazarett

gebracht. Vielleicht kann Doktor Benteen damit etwas anfangen.“

„Irgendeine Idee, wer das Feuer gelegt haben könnte?“ stieg auch Myers ins

Gespräch mit ein.

„Wir konnten auf unseren Tricordern niemanden erkennen, der sich außer uns

und Konsul Varen im Gebäude befunden hätte.“

Myers versuchte nicht, einen überraschten Blick zu verbergen. „Der Konsul?!“

„Er ist der einzige, der greifbar zu sein scheint“, meinte Krieger. „Der Grund

seines Verschwindens ist bis dato auch weiterhin ungeklärt. Es würde mich nicht

wundern, wenn Varen mehr weiß als er vorgeben würde.“

Krieger blickte die anderen der Reihe nach an. Sein Gesicht war in Falten gelegt,

ein Symbol einer mehr als schwammigen Lage. „Es ist kein Geheimnis, dass Talat

jeden Tag nach Antworten verlangt. Es wäre für die augenblicklich angespannte

Lage hilfreich, wenn wir die Cardassianer in die aktuelle Situation einweihen.“ Sein

Blick blieb am ersten Offizier hängen. „Michael, ich möchte, dass Sie morgen Talat

aufsuchen und ihm vom bisherigen Stand berichten. Finden Sie heraus, wie Talat

die Vorwürfe seiner Fraktion untermauern will. Vielleicht wird uns einer der Hinweise

hilfreich sein.“

Fox starrte einige Augenblicke in das Gesicht seines Vorgesetzten. Verwundet

von der Außenmission zurückgekehrt gleich am folgenden Tag dem

cardassianischen Kommandanten entgegen zu treten? Kriegers Motiv lag in der

Unberechenbarkeit. Fox wäre für den Gul noch Neuland. Dieser würde einige Zeit

brauchen, um gegen einen neuen Gegenüber Wege zu finden, an benötigte

Informationen zu gelangen. Unberechenbarkeit war selbst in Diplomatie eine nicht zu

unterschätzende Waffe. „Dares und Counselor Preja werden Sie begleiten, dass Sie

nicht ganz ohne Unterstützung losziehen.“ Krieger lächelte und klopfte Fox

vorsichtig, aufmunternd auf die Schulter. „Nun ruhen Sie sich erst mal aus. Morgen

wartet ein anstrengender Tag auf Sie.“

Dienst über alles, schmunzelte Fox und nickte. „Da wäre allerdings noch eine

Kleinigkeit“, hielt er die bereits abgewendeten Offiziere auf. „Wir haben im Dekar

Bezirk an bestimmten Straßenzügen verstärkte Konzentration an Seuchenerregern

messen können. Es ist nur eine Vermutung, aber vielleicht hat man etwas weg

transportiert.“


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

„Wenn dem so ist, sollte es kein Problem sein, den Weg herauszufinden“, meinte

Myers. „Es würde zwar dauern, die Sensoren entsprechend fein zu justieren, aber

grundsätzlich müsste eine Verfolgung möglich sein.“ Seine Stimme war etwas

aufgeregter geworden, als ob er die neue Spur kaum erwarten konnte. Als OPS war

er sicherlich nicht gerade von Arbeit belagert gewesen, von daher würde ihm eine

zusätzliche Aufgabe alles andere als schaden. Und das schien der Dunkelhäutige

auch selbst zu erkennen.

„In Ordnung. Sehen Sie zu, was Sie herausfinden können, Lieutenant“, stimmte

Krieger zu. „Und nun wünsche ich eine gute Nacht!“

2406.352 17:48 - Wissenschaftsstation - Michael Myers - Datum: 2004-12-08

11:57:37

Michael hatte dem Gespräch genauestens gelauscht, immerhin war es wichtig, so

viele Informationen wie möglich aus erster Hand zu bekommen. Und die einzige

Quelle in dieser Richtung war nun einmal der XO. Der Teil mit dem morgigen Treffen

der Cardassianer und Fox maß er nur geringe Wichtigkeit zu, würde doch auch

dieser Außeneinsatz ohne ihn ablaufen, aber als der Commander gegen Ende das

Gespräches die Erregerkonzentration erwähnte. Nun, da sie wussten, wo und nach

was sie suchten (denn immerhin gab es mittlerweile genügend Scans des Virus),

sollte es möglich sein, mit Hilfe der Wissenschaft, das auch zu finden.

Leider war Maria weiterhin auf dem Planeten, und die wissenschaftliche Station

personell sehr stark ausgedünnt, aber es würde schon gehen. Die Signatur dessen,

was sie suchten war ja nun bekannt, und die einzige Hilfe, die er brauchen würde,

wären ein paar Anpassungen der Sensoren.

Endlich. Nicht, das es viel war, aber immerhin ging es endlich los. Und diese

Anpassungen und die Scans und die Auswertung würde mindestens einige Stunden

dauern. Nicht, das Michael das jemals gedacht hätte. aber er war froh, endlich Arbeit

zu haben. Der sonst so phlegmatische Mann entwickelte fast etwas wie Feuer für

seine Aufgabe. Ein gutes Zeichen, denn dann (und das wusste Michael am besten),

konnte ihn nichts aufhalten, die Aufgabe auch zu lösen.

Die drei Offiziere verabschiedeten sich von dem Lieutenant Commander der hier

verbleiben musste, und darum auch gar nicht böse erschien. „Machen sie es gut,

Sir.“ Meinte Michael noch beim gehen, als er fast vergessen hätte, dem

Namensvettern alles Gute zu wünschen. Eigentlich hätte er sich bedanken wollen,

aber das wäre wohl etwas befremdlich aufgenommen worden, also ließ er es sein.

Er beschränkte sich auf eine der üblichen Floskeln, denn ehrlich gesagt war er

eigentlich bereits bei den Sensoren und den Scans der Spur. Das war eigentlich

verständlich, hatte er sich doch die letzten Tage noch mehr gelangweilt, als der

Navigator, und selbst der war hoffnungslos unterbeschäftigt gewesen.

Als sie vor der Tür des Turboliftes standen, überlegte Michael, was er nun tun

sollte. Und da er es für sinnlos erachtete, wieder auf die Brücke zu fahren, um dann

per Kommunikator mit der Wissenschaftsstation zu reden, entschied er sich,

persönlich dort vorbei zu schauen. Er würde dort für seine bevorstehende Aufgabe

sowieso bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Also meldete er sich beim


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Commodore und er Ensign ab „Sir, Ma’am, ich werde umgehend auf die

wissenschaftliche Station gehen, um von dort die Suche nach der Spur des

Commanders zu folgen.“ Das war zwar so nicht richtig ausgedrückt, aber die beiden

anderen wussten schon, was er meinte. Krieger nickte ihm zu und stieg mit der

Counselor zusammen in die Kabine und verschwand.

Myers stand nun allein hier und wartete auf den nächsten Lift, der ihn nur eine

kurze Strecke zur Station der Wissenschaftler bringen sollte. Es dauerte nicht lange,

und der schwarze Mann betrat eine fast ausgestorbene Station. Nicht nur, das viele

der Mitglieder des Teams auf dem Planeten waren, um vor Ort Untersuchungen

durch zu führen, sondern es waren auch viele den ganze Tag damit beschäftigt

gewesen, hier an Bord des Schiffes die Daten auszuwerten. Nun lag die Station fast

verlassen hier, und nur die Computer arbeiteten mit Hochdruck. Zwei

Wissenschaftler überwachten das ganze und schienen doch recht erstaunt, als der

Lieutenant ihre Station betrat. Sie machten sich nicht die Mühe aufzustehen,

sondern grüßten den Neuankömmling nur höflich. „Lieutenant, was können wir für

sie tun?“

Es hätte Offiziere gegeben, die sich darüber jetzt aufgeregt hätten, aber Michael

war es so lieber, als wenn man jemanden hatte, der sich zu 110% an die

Vorschriften hielt, und jedes mal Aufsprang, wenn ein ranghöherer Offizier den

Raum betrat. Es verhinderte im Normalfall ein vernünftiges Arbeiten. Er grüßte also

grinsend zurück und kam ebenfalls sofort auf den Punkt. „Commodore Krieger hat

mich beauftragt, eine Spur in einem der Bezirke der Stadt durchzuführen. Ob sie

wohl Zeit hätten, mir dabei ein wenig zur Hand zugehen?“

Natürlich war das eine rethorische Frage, denn immerhin hatte sie mit

„Commodore Krieger“ begonnen. Trotzdem musste man solche Sachen ja nicht

sofort als Befehl verpacken, das kam bei einigen Leuten nicht sonderlich gut an. Und

scheinbar hatte der Lieutenant Glück gehabt, denn die beiden Wissenschaftler

grinsten ihn offen an erwiderten beide „Sicher, Sir, was brauchen sie?“

Gut, dieser erste Teil wäre also schon mal erledigt. Er hatte sich die

Zusammenarbeit der Abteilung gesichert. Nun gut, die war nicht sonderlich groß, zur

Zeit, aber immerhin. Myers setzte sich an eine der Konsolen, die ihm einer der

Wissenschaftler zugewiesen hatte. Dann begann er, den beiden zu erklären, was

der XO und ihre Chefin dort unten gefunden hatten, und was nun ihre Aufgabe war.

Genau wie Michael schienen die beiden recht motiviert zu sein, endlich etwas Licht

in diese Sache zu bringen. Sofort machten sie sich ans Werk.

Die Sensoren mussten neu justiert werden, um die Auflösung zu verbessern. Das

dauerte schon eine Weile, und würde die Gaines teilweise blind mache. Deshalb

müssten sie so schnell wie möglich fertig werden, um wieder „sehen“ zu können.

Während als einer der Wissenschaftler die Fähigkeit der Sensoren verbesserte,

kleiner Strukturen zu erkenne und darzustellen, machten sich Myers und der andere

daran, die Daten, die sie über den Erreger hatten, so aufzubereiten, das die

Sensoren sie schnell und effektiv verarbeiten konnten. Und trotz aller dieser

Vorbereitungen, das wußte Michael jetzt schon, würde es eine lange Nacht werden.

Denn die Daten mussten zum grossteil eben doch von Hand gesichtet werden, um

ein wirklich zuverlässiges Ergebnis zu bekommen. Immerhin redete man hier ja nur


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

von minimalen Schwankung in der Konzentration, und die Entfernung von hier oben,

bis runter auf die Oberfläche des gebeutelten Planeten, war ja auch nicht gerade zu

verachten.

Wie dem auch sei, mehrere Stunden später begann sich die Arbeit zu lohnen.

Mitternacht war lange vorbei. Es waren einige Liter Kaffee vernichtet worden. Wobei

Michael sich eben auf seinen Tee konzentrieren musste, denn ihm war es ja

weiterhin untersagt, das koffeinhaltige Getränk zu sich zu nehmen. Die ersten

Versuche hatten noch gezeigt, das es noch einiges an Korrekturen gab, aber das

war bei einem so kleinen Gegner ja auch kein Wunder. Schließlich hatte man aber

die Strassen identifiziert, die Fox mit seiner Gruppe abgegangen war. Sie waren

eindeutig zu erkennen, wenn man wusste, wonach man suchte. Nun konnte es los

gehen.

Die Uhr zeigte 00:34, als die Scans des gesamten Bezirks, inklusive der

Randbereiche begann. Diese waren um 00:55 abgeschlossen, und nun begann die

Handarbeit. Alle drei hatten sich jeweils einen Teil der Karten genommen und

suchten nun nach Übereinstimmungen. War das am Anfang, in der Nähe der Stellen,

wo Fox das ganze unten auch gemessen hatte, noch recht einfach, so wurde es

schwerer und schwerer, und als man schließlich einen Konzentrationsunterschied

von weniger als 2 % maß, wusste Michael, das es nun nicht mehr möglich sein

würde, die Spur so weiter zu verfolgen.

Es war 05:55, als ein lautes fluchen die Station durchdrang. „VERFLUCHTE

SCHEISSE“. Die beiden Wissenschaftler zuckten zusammen und blickten zu dem

Lieutenant herüber, der auch eine Schale mit den kleinen Würmchen, die er die

ganze Nacht gegessen hatte, quer durch die Station geschleudert hatte. Sie

wussten, was passiert war. Sie wussten, das es irgendwann passieren würde, aber

sie waren eben noch nicht am Ziel, und das war es, was Myers jetzt sauer machte.

Er stand auf und begann, auf der Station auf und ab zu laufen.

Sie hatten die Spur bis in die Randbezirke verfolgen können, aber jetzt wurde sie

(im wahrsten Sinne des Wortes) zu dünn. Sie mussten sich etwas anderes einfallen

lassen, aber er hatte keine Idee, was er hätte tun können. Er musste nachdenken.

Und das tat er laut und mit großen Schritten.

2406.352 17:50 - Lazarett auf dem Planeten - Caroline Benteen - Datum: 2004-

12-04 19:23:59

Die gute Laune musste einfach nach außen getragen werden, und so lachte

Benteen laut auf, nachdem ihr Maria die Frage gestellt hatte. Ein fragender Blick der

Trill war das Ergebnis, welches Caroline rasch zu erklären gedachte: "Wir sind nun

wieder außerhalb des OP, Maria. Zeit, dass Du mich wieder duzt!" Sie zwinkerte der

Wissenschaftlerin zu, welche sich ein wenig verlegen durch das Haar strich, was

Caroline dazu bewegte, ihr einen freundschaftlichen Klaps an den linken Arm zu

geben. Im weitergehen setzte die Ärztin das Gespräch fort: „Es hätte auch ins Auge

gehen können, wenn ich es mir recht überlege. Ist immer schon schwer gewesen,

einer Person ein Placebo glaubwürdig zu gestalten.“ Maria war abrupt stehen

geblieben und hatte ihre Hände hinter dem Rücken zusammengelegt, schaute die

Ärztin mit fragendem Blick an: „Ein Placebo? Du hast Varen mit einem Placebo in


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

die Irre geführt?“ Caroline nickte bestätigend. Sie gingen weiter, auf dem Weg in

einen anderen Teil des Lazaretts, wo sich Labore der wissenschaftlichen Abteilung

befanden. „Ja, ich habe den Takaraner damit zum Narren gehalten“, nahm Benteen

das Gespräch erneut auf, „Ihn und Dich, wie ich feststelle. Unter diesen Umständen

haben wir wirklich Glück gehabt.“ Dieser sarkastischen Feststellung entsprechend

gab die Trill einen freundschaftlichen Klaps zurück, bevor sie das Labor betraten.

Carolines Grinsen ließ sich nicht verbergen, als sie hinter Maria die Räumlichkeiten

betrat und sich hinter ihnen die Türen schlossen.

Drinnen erwartete Dax neue Arbeit, indem sie die geborgenen Unterlagen zu

sichten und auszuwerten hatte. Das Behältnis mit der angesprochenen Ware ist in

dieses Labor gebracht worden, während die beiden Damen mit dem Konsul

„gesprochen“ hatten und war nun bereit, erforscht zu werden. Die Ärztin wusste,

dass sie hier sicherlich nicht vonnöten sein würde, doch war sie froh, endlich wieder

ein freundlich gesonnenes Gesicht präsentiert bekommen zu haben. Während Maria

ein Dokument nach dem anderen auf vorsichtige Art und Weise aus dem kleinen

Container hob, saß Caroline etwas entfernt auf einem der bequemeren Stühle und

schaute der Wissenschaftlerin zu. Insgeheim gefiel ihr der Umstand, für einige Zeit

dem entronnen zu sein, was sich sonst in diesem Lager an Arbeit auftürmte. Der

vorwurfsvolle Blick Jihans ging ihr hier zum ersten Mal aus dem Kopf, und auch

wenn sie die Südafrikanerin in ihrem Umfeld verstand, urteilte sie diese dennoch

innerlich für ihre ständigen Vorwürfe ab. Maria, der die vor Ort vorhandene Stille

merkwürdig vorkam, richtete ihr Wort an Benteen: „Woran denkst Du gerade?“ Sie

hob dabei ein Dokument (es war das dritte) aus dem Kasten und legte es auf eine

von unten beleuchtete Unterlage, während sie der Britin lauschte: „Ich denke an

Jihan und ihren Leidensweg. Es will mir nicht aus dem Kopf, warum Sie sich derart

gegen meine Hilfe sträubt.“ Die Trill schien voller Konzentration über dem Papier zu

hängen; Caroline konnte sehen, wie Maria ihre Lippen mit Feuchtigkeit benetzte.

Dennoch war ihr es möglich, zu antworten. Dies tat sie mit der ruhigen Stimme einer

anderweitig konzentrierten Person, welche zu Mehrfachgesprächen fähig ist: „Kann

es vielleicht an Deiner zuvorkommenden Art liegen, welche die Technikerin

erschreckt?“

Caroline wollte tatsächlich darauf antworten, als ihr noch rechtzeitig jener schöne

Sarkasmus in den Sinn kam, mit welchem sie normalerweise die anderen auf

Distanz hielt. Maria nutze diese Art der Kommunikation, um Benteen zum überlegen

zu bewegen, nicht zum erwidern. Die Chefmedizinerin antwortete sodann auch nicht

gleich, zeigte nur ein anerkennendes Lächeln. So versuchte sie die Situation selbst

ein wenig ihrer Schärfe zu berauben, indem sie ein anderes Thema zum Gespräch

wählte: „Was ist bei Euch da draußen eigentlich passiert? Deinem Urteil nach ging

es ja schließlich hoch her. Und wie kommt Mark Loafer in Dein Außenteam?“ Die

Britin wusste nicht, wieso sie gerade auf ihn zu sprechen kam – wahrscheinlich

brauchte sie nur einen Grund, abzulenken – auf jeden Fall bereute sie es sofort.

„Das können Sie ihn auch selber fragen, Doktor!“ Mark stand in diesem etwas

abseits, hatte die Räumlichkeit durch eine Tür betreten, welche nicht einsichtig war

von dem Platz aus, an welchem die beiden Frauen saßen. Während Caroline sich

schon ein wenig erschreckte, blieb Maria ganz ruhig und konzentriert über ihrer

Arbeit, ließ sich dennoch zu einem Kommentar hinreißen: „Ja, erzählen Sie uns, wie

Sie in mein Außenteam kommen, Mark! Sie wissen schließlich selbst, wie

wissbegierig Doktor Benteen ist.“ Die Trill konnte die zusammengekniffenen Augen


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

der Britin und ihren unverzeihlichen Blick förmlich spüren, und das ließ sie zu einem

weiteren Schmunzeln hinreißen. Mark, der sich dieser Atmosphäre ausgesetzt recht

wohl zu fühlen schien, nahm einen dritten Stuhl und setzte sich zu den beiden

Frauen; zu beiden mit gehörigem Abstand, um der einen nicht in die Arbeit zu laufen

und der anderen auf den nicht vorhandenen Schlips zu treten.

2406.352 18:02 - Lazarett auf dem Planeten - Maria Dax - Datum: 2004-12-13

17:30:28

Maria streckte sich und blickte auf die zerflederten Zettel vor ihr.

„Alles in Ordnung?“, drang von hinten Carolins Stimme an ihr Ohr. Maria nickte

nur und steckte ihre Hände wieder in die dafür vorgesehenen Öffnungen. Sie fasste

sie Papierzettel nur mit Handschuhen an.

„Mark, erzählen Sie nur weiter. Sie können mit der Geschichte doch nicht am

interessantesten Punkt enden.“

Maria hatte sich nicht umgedreht, während Mark Caroline ihren kleinen Ausflug

schilderte. Doch spürte sie in den Worten Marks, das etwas zwischen den beiden

nicht stimmen konnte.

Eher abgelenkt lauschte sie den Worten Marks, der mittlerweile bei dem teil

angekommen war, wo das 4 Mann-Frauen starke Team die stärkeren

Konzentrationen der Seuche entdeckt hatten, welche sie geradewegs zur Schule

gebracht hatte. Hier endete Mark mit seiner Erzählung.

„Was danach geschah, weiß ich nicht mehr so genau. Ich weiß nur mehr, dass

mich jemand aus dem brennenden Raum gezogen hat.“

Caroline nickte und blickte zu Maria.

„Und Sie haben derweilen den Takaraner aus der Schule gezogen?“, fragte sie

Maria.

Diese nickte abwesend.

„Danach meldete ich mich bei Thomas und habe ihn sehr eindringlich auf die

brenzlige Situation hingewiesen. Es schien auch funktioniert zu haben, denn ich

hatte gerade einen Wasseranschluss und einen Schlauch gefunden, mit dem ich

gedachte das Feuer zu löschen, als das Löschteam angerannt kam.“

Caroline sah Maria erstaunt an.

„Sie wären tatsächlich noch einmal in den brennenden Keller gerannt, um die

beiden zu retten?”

Maria nickte nur leicht und vertiefte sich wieder in ihre Arbeit.

Caroline und Mark schwiegen, gab es doch nichts mehr, was sie sich zu sagen

hatten. Maria konnte sich zwar denken, dass Caroline einiges zu den


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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

lebensgefährlichen Taten der Offiziere zu sagen gehabt hätte, doch zog es die Britin

vor zu schweigen und hin und wieder an ihrer Tasse zu nippen.

Schließlich hatte Maria die 7 Stück Papier vorsichtig voneinander getrennt. Sie

waren teils miteinander verbrannt gewesen und stellenweise war die Schrift ob der

Hitze verblasst. Trotzdem schien die Beute noch genug Informationen zu enthalten.

„Dann schauen wir mal, was ich mit meinem Bajoranisch übersetzten kann.“,

sagte sie leise, doch hörten es Caroline und Mark, welche sich beide in Schweigen

gehüllt waren. Und ob der Stille im Raum hallten Marias Worte lauter als gewollt

wieder.

Caroline stand auf und ging zu Maria. Vorsichtig schaute sie über dessen

Schulter.

„Caroline, bitte lass das.“, sagte Maria leise und sag die Ärztin an, welche sie mit

einem fragenden Blick festnagelte.

„Ich mag es nicht, wenn man mir bei meiner Arbeit über die Schulter schaut. Ich

komme mir dann immer so beobachtet vor und habe Angst, dass etwas schief gehen

könnte.“

„Es kann doch immer etwas schief gehen.“, sagte Caroline und ging etwas zur

Seite. So hatte sie nun einen schönen Blick auf die Papierstücke und störte Maria

dennoch nicht bei der Arbeit.

„Und? Können Sie etwas lesen, Maria?“, hörte sie von weiter hinten eine weitere

Stimme, die zu Mark Loafer gehörte.

„Nur mit der Ruhe, Mr. Loafer. Wir wollen doch nichts überstürzen.“, sagte Maria

ruhig und nahm das Blatt in die Hand, das sie durch die Nummerierung als das erste

von den erbeuteten Schriftstücken identifizieren konnte.

Auch Mark kam langsam an den Kasten heran und stellte sich Caroline

gegenüber auf.

„So weit ich das entziffern kann,“, sagte sie mehr zu sich selbst, als zu den

anderen „ handelt es sich hierbei um einige chemische Formeln.“

Maria runzelte angestrengt die Stirn und kniff ihre Augen etwas zusammen.

„Doch um welche genau es sich handelt, kann ich nicht sagen.“

Sie seufzte leise und entspannte ihre Augen.

„Da wird wohl der Computer ranmüssen.“, sagte sie und zog ihre Hände zurück.

Sie ging an eine Konsole um dem Computer dementsprechende Befehle zu

geben.

„Bis wann können wir mit ersten Ergebnissen rechnen?“, fragte Caroline, die mit

verschränkten Armen Maria zu sah.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

„Das weiß ich nicht. Kommt darauf an, wie schnell der Computer die Handschrift

entziffern kann.“

Caroline nickte und schwieg.

„Man sollte auch Varen das Schriftbild sehen lassen. Vielleicht kann er ja die

einzelnen Wörter lesen.“, schlug Mark vorsichtig zu Caroline blickend vor.

„Wenn er weiß, um was es geht, wird er bestimmt nicht mehr die Wahrheit

sagen.“, warf Caroline berechtigt ein.

„Aber man könnte die Wörter in einen ganz anderen Zusammenhang bringen.

Dann würde er nicht sofort wissen, worum es geht.“, führte Mark seine Idee, von der

er nicht ablassen zu wollen schien, weiter aus.

Maria hatte den Computer mittlerweile fertig programmiert und drehte sich zu den

beiden anderen Offizieren um.

„Ich finde Ihre Idee nicht schlecht Mr. Loafer und werde mich darum kümmern.

Könnten Sie mich nun noch einen Moment mit Ms. Benteen alleine lassen?“, fragte

sie ihn lächelnd und er nickte.

„Ich wünsche Ihnen noch viel Erfolg und eine geruhsame Nacht.“

Er verließ das wissenschaftliche Labor und Maria ging zu Caroline.

„Du musst mir einen Gefallen tun.“, begann Maria und sah Caroline bittend an.

„Wenn es in meiner Macht liegt…“, sagte sie nur und Maria fuhr fort.

„Nun, du wirst dich heute doch bestimmt noch einmal mit Dr. Geiger unterhalten,

oder?“, tastete Maria sich langsam vor.

„Sehr wahrscheinlich ja. Was willst du den von ihm wissen?“

„Wie es Michael geht.“, sagte sie nach kurzem Zögern und sie wandte ihren Blick

ab von Caroline hin zu den Schriftstücken. So konnte sie das erstaunte Gesicht der

Medizinerin nicht erkennen, doch Caroline fasste sich sehr schnell wieder.

„Und warum?“, fragte Caroline weiter und Maria sah wieder zu ihr.

„Ich mach mir doch nur Sorgen um ihn… Ist das den verboten?“, fuhr sie Caroline

schon ein wenig an, auch wenn es nicht das war, was sie beabsichtigt hatte. Und ob

der Reaktion der Trill beschloss Caroline nicht weiter nachzufragen.

„Ich werde tun, was ich kann…“, sagte Caroline schließlich.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

2406.352 18:40 - Lazarett auf dem Planeten - Mark Loafer - Datum: 2004-12-14

11:52:06

Mark hatte den beiden Damen gut zugehört, und hatte auch seinen Teil zu der

Geschichte beigetragen. Warum er sich nicht mehr an das erinnerte, was in dem

Keller geschehen war, konnte er sich nicht erklären, immerhin war er bei den Special

Forces mit ganz anderen Belastungen konfrontiert worden. Aber damals war er eben

nur einer von vielen gewesen, diesmal war er persönlich und alleine für die

Sicherheit des XOs eines der kampstärksten Schiffe im Quadranten verantwortlich

gewesen. Ein Mann, der die Geschichte in diesem Teil des Universums noch

beeinflussen konnte. Oder eben auch nicht, wenn er versagen würde. Nun, er hatte

nicht versagt, zumindest wenn man alles im Nachhinein betrachtete. Oder doch?

Er war sich nicht sicher. Denn immerhin hatten sie .... Er fluchte. „Verdammt, wo

ist meine Schutzanzug, oder das, was die Nasen davon übrig gelassen haben?“ Ihm

fiel plötzlich etwas ein. Er hatte sein Leben da unten dafür aufs Spiel gesetzt, und

jetzt vergaß er es. Das konnte ja wohl nicht wahr sein. So was konnte doch auch nur

einem Hornochsen wie ihm passieren.

Er blickte sich kurz um, und orientierte sich, wie er es gelernt hatte, bevor er blind

loslaufen würde. Da war das Notfalllager. Er setzt sich in Bewegung und fluchte

während dessen leise vor sich hin. Wie konnte ihm das nur passiert sein. Hatte ihm

das Feuer das letzte bisschen Verstand auch noch geraubt?

Nein, er hatte einfach nur andere Dinge im Kopf gehabt. Fox, Fax, Lexa, deren

Sicherheit, den Virus, frische Luft und Wasser. Ja, das war es gewesen, er hatte

wohl leichte Ausfallerscheinungen gehabt aufgrund von Dehydration. Kein Wunder,

sie waren schon lange unterwegs gewesen, und diese primitiven Anzüge hatten

weder einen Wasservorrat, noch die Möglichkeit, sie von außen mit so etwas zu

versorgen, ohne sie zu öffnen. Sie waren eben nicht für einen Einsatz wie diesen

gedacht. Wieder dachte er an die Ausrüstung des Marine Corps, und hoffte, der

Commodore könne da etwa von besorgen. Aber jetzt war er erst einmal hier und

betrat das Notfalllazarett von Dr. Lewis.

Sofort kam eine Schwester auf ihn zu, die ihn daran hinderte, weiter zu gehen

„Sir, wie kann ich ihnen helfen? Sie dürfen hier nicht sein, wenn sie ....“ Mark

unterbrach sie mit eine Geste aber blieb auch stehen, um in Ruhe mit ihr reden zu

können. “Ma’am,” begann er „ich weiß, das ich weder ein Arzt, noch ein aktueller

Patient bin, aber glauben sie mir, ich brauche ihre Hilfe.“ Die Frau schaute etwas

entspannt, hatte sie wahrscheinlich gedacht, der Sicherheitler würde seinen

Sturmschritt nicht einstellen wollen, als er auf sie zukam. Aber nun schaute sie ihn

etwas müde, aber wieder entspannt an und nickte „Und wie kann ich ihnen helfen?“

Mark sortierte kurz die Gedanken in seinem Kopf und begann dann erneut. „Mein

Name ist Mark Loafer, und ich wurde vor kurzem hier von den Resten eine

verbrannten Schutzanzuges befreit.“ Bei dem Gedanken lief es ihm eiskalt den

Rücken herunter, und er musste sich schütteln, bevor er weiter reden konnte. Sein

Gegenüber schaute etwas irritiert, aber dann schien ihr der Name doch etwas zu

sagen und sie meinte „Ja, sie waren doch mit Commander Fox in diesem Keller

gewesen, richtig?“ Hm, wie schnell sich so etwas herumsprach. Eigentlich sollte es

noch vertraulich sein, aber scheinbar war gegen die menschliche Neugier kein Kraut


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

gewachsen. Und auch der Drang des Menschen, Informationen schnellstmöglich zu

verteilen schien einmal mehr zu funktionieren.

Mark dachte an seine Ausbildung, wo der Zivilist als der größte

Unsicherheitsfaktor in einem Konflikt galt. Andererseits war es hier ja nun alles

andere als schlimm, aber trotzdem faszinierend, wie schnell Neuigkeiten die Runde

machten. Wie dem auch sein, jetzt galt es, wiederzubeschaffen, was er fast

vergessen hatte. „Ja, genau der.“ Setzte er also erneut an. „Und wissen sie was, ich

habe etwas vergessen in meinem Anzug, bevor ich hier rein kam.“ Da er nicht

wußte, ob er der Schwester 100 % vertrauen konnte, war er lieber vorsichtig und

wollte nicht genau erwähnen, um was es sich handelte. Denn er wusste,

Informationen konnten ein mächtiges Mittel sein. In beide Richtungen des Pendels

allerdings, und er wollte sich nicht seinen Vorteil verbauen. Die Schwester schaute

ihn an als würde sei mehr erwarten, aber Mark blieb wachsam und beendete den

Satz „... nun, es war etwas recht persönliches.“

Und wer weiß, vielleicht war das noch nicht einmal gelogen. Nun gut, es war nicht

sein Persönliches, aber immerhin, es mochte sich um ein Tagebuch handeln. Er

schaute die Pflegerin an und wartete auf eine Reaktion. Die erfolgte, wenn auch

einige Sekunden verzögert, als sie sicher zu sein schien, nicht mehr Informationen

zu bekommen. „Hm, dann müssten wir mal sehen, wo wir ihren Anzug und ihre

persönlichen Dinge finden können. Wenn sie mir bitte folgen wollen?“ Mark tat das

nur zu gerne, würde er jetzt doch endlich bekommen, was er unter Einsatz seines

Lebens aus den Flammen gerettet hatte.

Sie führte ihn durch ein paar Gänge vorbei an den (nun leeren)

Behandlungszimmern, die schwach erleuchtet waren, und nur darauf zu warten

schienen, das etwas passierte. Egoistisch, damit sie wieder zum Leben erwecken

und sich einmischen könnten. Mark vertrieb den Gedanken, denn vor ihnen ging

eine Tür auf, hinter der er verschiedene Tische und Beutel standen und lagen. Alles,

was nicht mehr in den anderen Räumen gebraucht wurde, landete hier: benutztes

Besteck von Operationen, verschmutzte Bettwäsche, teilweise mit Blut verschmiert,

aufgebrauchtes Material und eben sonstiger Müll. Mark schaute sich um. Auch

dieser Raum war nur schwach erleuchtet. Kaum etwas war u erkennen, aber als sich

seine Augen gerade an den Dämmerzustand gewöhnt hatten, flammte das Licht auf

und er kniff die Augen zusammen.

„So, da wären wir.“ Sagte die Schwester überflüssigerweise und ging zielstrebig

auf einen Tisch am Rande zu, auf dem eine blaue Mülltüte lag, die alles andere

verdeckte, was auf dem Tisch verstreut war. Allerdings schien diese Tüte zu sein,

was Mark suchte, denn als er sich näherte vernahm seine Nase bereits den Geruch

von verbranntem Kunststoff. „Das ist alles, was sie an und bei sich hatten, als sei

eingeliefert wurden.“ Sie sprach von ihm, als ob er bettlägerig gewesen wäre, dabei

hatte er auf der Bahre nur gesessen auf ärztliche Anordnung. Er griff nun also nach

dem Beutel. Und als die Schwester ihn aufhalten wollte, ließ er das nicht zu, sondern

bedankte sich für die Hilfe, aber er könne jetzt selber weiter machen.

Die Pflegerin war etwas irritiert und sogar erschrocken, als Mark sie etwas härter

anpackte, als sie es erwartet hatte, aber er wurde langsam paranoid, denn immerhin

fackelten diese Bajoraner ja ihre eigenen Wohnviertel ab. Oder waren es nicht die

Bajoraner selber gewesen? Und warum verdächtigte er jetzt das Personal der


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Sterneflotte? Er blickte sich zu der Schwester um, die ein wenig beleidigt und ein

wenig verängstigt aussah. Aber bei weitem nicht wie eine Verrätern. Aber leider

konnte man so etwas den Leuten nicht ansehen, und so beschloss Mark, sich

anschließend, wenn er gefunden hatte, was er suchte, zu entschuldigen.

Aber jetzt musste er erst einmal finden, was er in die Tasche des Anzugs gesteckt

hatte. Und tatsächlich fand er es. Es war noch da, wo er es hingetan hatte. Es war

wohl vollkommen untergegangen bei der Untersuchung und den Elementen sei

Dank war die Tasche nicht beschädigt worden bei der „Operation“. Er öffnete sie und

nahm das stark angebrannte Buch heraus. Die verduzt schauende Schwester

ignorierte er vollkommen, als er zu den beiden Damen Benteen und Dax

zurückkehrte, um ihnen zu zeigen, was er noch aus den Flammen gerettet hatte.

Auf dem Weg warf er einen kurzen Blick in das Buch, das an den Rändern doch

recht mitgenommen aussah, aber ansonsten einen erstaunlich guten Eindruck

machte. Es waren Zeichen darin, die nach bajoranischer Schrift aussahen, aber sie

ergaben keinen Sinn. Nun gut, Marks Fähigkeiten auf dem Gebiet waren nicht gut,

also ging er davon aus, das es sich um einen Dialekt, oder vielleicht sogar um einen

verschlüsselten Text handelte. Aber die Wissenschaftlerin würde bestimmt mehr

herausfinden können.

Der Sicherheitler betrat also wieder das Labor, in dem er die beiden Offizierinnen

zurück gelassen hatte. Die hatten mittlerweile ihr Privatgespräch beendet und

blickten verwundert zu dem Lieutenant, der ein Buch in der Hand hielt und damit

wedelte. „Ich habe noch etwas vergessen, das ich da unten gefunden habe. Sieht

aus wie ein Tagebuch, aber scheinbar verschlüsselt. Vielleicht gibt uns das

Aufschluss darüber, was da unten war.“

2406.352 21:00 - Lazarett/Isolation - Jihan Paris-Roven - Datum: 2004-11-18

13:38:23

Benebelt und benommen fühlte sich Jihan. Schwindel erfasste ihren Kopf, ließ ihr

Gehirn im Schädel Kreise drehen und ihre Kraft langsam vom Kopf durch den Körper

zu den Füßen sacken, die sie aber nicht halten konnten und verloren. Wieder

erfasste Kühle Jihans Körper, packte sie wie eine Hand und stülpte sich über sie;

einem Sack gleich, den man über ihren Kopf warf.

Vertrauen! Das Wort der Ärztin hallte scharf in ihrem Kopf wider. Vertrauen!

Konnte man ihr überhaupt vertrauen? Zu Dr. Enerly hatte die außer Dienst gestellte

Ingenieurin inzwischen fast eine Art Vertrauensverhältnis etabliert. Aber zu Benteen?

Kompetent ja, aber menschlich fähig?

Eher unwahrscheinlich. beschloss Jihan den Gedanken, der ihr Kopfschmerzen

bereitete und ergab sich der Lethargie. Nichtstun war immer noch die beste Art, sich

die grauenhaft langsam dahinkriechende Zeit zu vertreiben. Den Arzt zu rufen, der

nach wie vor unermüdlich vor ihrer Kabine an seiner Konsole saß und arbeitete,

traute sie sich nicht. Auch wenn sie eingestehen musste, dass der Gedanke,

niemandem zur Last fallen zu wollen, in einem Lazarett reichlich albern war. Noch

dazu in ihrem Zustand.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

„Dr. Enerly!“ Ihre Stimme war noch immer belegt und kratzig. Sie befeuchtete die

Lippen und ertastete dabei mit der Zunge einen klebrigen Flecken im Mundraum. Es

schmeckte nach Blut. Und als sie mit dem Finger die Zungenspitze berührte, färbte

sich die Haut dunkelrot. Jihan fröstelte noch ein wenig mehr, leckte den Finger aber

schnell ab und steckte die Hand unter ihr Bein, bevor Enerly beflissentlich ihre

Kabine betrat.

„Was kann ich für sie tun?“ Sorgenfalten auf der Stirn ob der zitternden Afrikanerin

mischten sich in seinem Gesicht mit den unmissverständlichen Zeichen einer tiefen

Erschöpfung. Jihan empfand Mitleid mit dem Mediziner. Und wieder beschlich sie

das schlechte Gewissen ihn gerufen zu haben, ihn überhaupt zu beschäftigen.

Warum hatte sie sich eigentlich nicht gewehrt? Die Sekunden des Überfalles, zu

diesem Terminus war die Ingenieurin inzwischen übergegangen, hatten sie noch

einige Male im Geiste heimgesucht. Sie hatte versucht, die Situation zu analysieren.

Ohne Ergebnis. Wie tief sie auch grub, sie fand keine Antwort darauf, warum sie es

hatte über sich ergehen lassen. Keine Chance. Doch bisher hatte ihr auch keiner

Vorwürfe gemacht und das beruhigte Jihan auf perfide Weise. Nobody’s perfect,

tröstete sie sich lakonisch. Wenn aber diese fehlende Perfektion ihren Tod

verursachen würde, wäre sie quasi selbst daran schuld. Und dieser Gedanke

wiederum missfiel ihr dann doch wieder.

„Wenn es möglich ist, hätte ich gern noch etwas von ihrem geheimnisvollen

Cocktail.“ Es dauerte es Weile, bis die Ingenieurin geantwortet hatte. Mit flachen

Kalauern versuchte sie, die Stimmung zu heben, was ihr allerdings gründlich

misslang.

Enerly nickte nur knapp, verschwand kurz aus der Zelle und kehrte wenige

Augenblicke später mit einem Hypospray zurück. Er verabreichte ihr das

Medikament und wollte sich schon wieder abwenden, als Jihan ihn ein weiteres Mal

zurückhielt.

„Können Sie bitte Sakkath sagen, dass ich ihn sprechen möchte?“ Eigentlich war

es keine Bitte. Mit einem bestätigenden Murmeln verließ der Norweger den Raum

und trat eine seine Konsole. Durch das Glas gedämpft konnte Jihan seine Worte

hören und nur wenige Minuten später sah sie den Vulkanier durch die Schleuse

treten.

Auch er trug keinen Anzug mehr und irgendwie wirkte das beruhigend. So als

hätte man die Pandemie im Griff, als würde alles gut werden. Trost kann so

trügerisch sein. Und dennoch begab sich die Afrikanerin in dessen wärmende Arme.

Sakkath betrat die Zelle und nickte grüßend.

„Wie geht es Ihnen?“ Jihan zog überrascht eine Augenbraue nach oben.

„Diese Frage hätte ich von Ihnen jetzt nicht erwartet.“ Sakkath legte den Kopf ein

wenig schief und sagte erklärend:

„Nun, unter den Menschen ist eine solche höfliche Floskel durchaus üblich und in

Anbetracht ihres Zustandes erschien es mir angemessen, sie auch zu gebrauchen.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Wenn es Ihnen allerdings anmaßend erscheint, werde ich künftig darauf verzichten.“

Jihan musste lachen, konnte aber nicht und so schmunzelte sie nur.

„Nein, keineswegs anmaßend. Nur ungewöhnlich.“ Der Vulkanier nickte wieder

knapp. Die Frau fuhr fort:

„Aber ich danke ihnen der Nachfrage. Sie sind tatsächlich der Erste, der sich

danach erkundigt.“ Den Blick ihres Assistenten überging sie und sprach

übergangslos weiter.

„Ich möchte, dass sie mir eine kleine Konsole bereithalten, mit deren Hilfe ich auf

die hier verfügbaren Datenbanken zugreifen kann. Untätig herumsitzen macht mich

noch kränker als ich ohnehin schon bin.“ Sakkath verstand den letzten Satz nicht

und sein Gesicht drückte dies auf das Deutlichste aus. Aber er schwieg. Wortlos

nickte er und war schon wieder verschwunden.

Keine dreißig Minuten später hatte Jihan ein größeres PADD auf den Knien, mit

dessen Hilfe sie auf vielerlei Daten zugreifen konnte. Unter anderem auch auf einen

Teil ihrer Krankenakte. Interessiert blätterte sie darin herum, fand Stichworte wie

Marburg, Ebola, hämorrhagisch und wurde nicht müde nachzuschlagen.

Nach einiger Zeit legte sie sich auf den Rücken, winkelte die Beine an und stellte

das PADD auf ihren Bauch. Sie hatte die Symptome studiert [und einiges an sich

wiedererkannt], die Verläufe und die Hintergründe der Erkrankungen auf der Erde

des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts. Bis auf einen kleinen

Ausbruch im 22. Jahrhundert hatte es die Krankheiten nur im Labor gegeben. Und

schon diese Erkenntnis hinterließ einen faden Beigeschmack. Sie suchte weiter und

stieß in ihrer Akte auf den Begriff Filouvirus und die rätselhafte Mutation.

Es dauerte einige Zeit, bis sie das PADD schließlich sinken ließ und schweigend

und blasser als noch vorher zur Decke starrte. Was hatte Enerly vorhin gesagt?

Dass nichts Vergleichbares in den Datenbanken zu finden sei?

Ein vager Verdacht formulierte sich in ihrem Kopf. Erst so diffus wie eine Wolke.

Immer wieder mussten Puzzlestücke an ihren Platz gebracht werden. Und immer

wieder versuchte sich Jihan Abstand zu verschaffen, um den Überblick zu wahren.

Schließlich aber nahm die konturlose Masse abstrakter Informationen Gestalt an. Zu

Beginn langsam, nun immer schneller formte sich aus der Wolke ein klarer Gedanke.

Ruckartig setzte sich Jihan auf. Ihr Atem ging schnell. Sie schüttelte den Kopf und

zwang sich, ihre Überlegungen nochmals zu überprüfen. Kein anderes Ergebnis.

Trostlosigkeit überfiel sie. Der Boden tat sich unter ihr auf und sie drohte samt und

sonders in einem großen schwarzen Loch zu verschwinden. Ihre Finger krallten sich

in die Polsterung des Biobettes, so sehr dass die Knöchel weiß wurden. Eine Träne

formte sich in ihren Augenwinkeln und rollte langsam ihre Wange hinab. Doch fiel sie

nicht in das Loch sondern landete ungehört auf dem hellen, sterilen Boden der

Isolationskammer. Jihans Blick folgte der Träne und ruhte noch eine Weile auf dem

Platz, auf dem sie niedergegangen war.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Dann hob sie den Kopf, drehte ihn der Tür zu und sah, dass Dr. Enerly nicht

anwesend war. Sie hob die Hand, tippte damit auf den Kommunikator auf ihrer Brust

und räusperte sich bevor sie zu sprechen begann.

„Dr. Benteen, hier Paris-Roven, bitte auf die Isolationsstation.“ Es dauerte eine

Weile, bis eine Antwort erscholl. Kurz und knapp. Es dauerte auch nicht lang, bis die

Britin mit konsterniertem Gesicht in die Zelle trat.

Schweigend stellte sie sich vor Jihan und wollte gerade ansetzen etwas zu sagen,

als ihr die Patientin in die Parade fuhr.

„Sie sprachen von Vertrauen.“ herrschte Jihan die Doktorin an, die Stimme

brüchig, für einen kurzen Moment fast weinerlich.

„Sie baten mich darum und ich habe Ihnen vertraut. Jetzt sind über sechs

Stunden um und noch immer konnten sie mir nichts mitteilen. Oder sollte ich sagen:

wollten?“ Sie schluckte und deutete auf das PADD.

„Ich habe inzwischen selbst herausgefunden, was ich wahrscheinlich nicht wissen

durfte.“ Auf das einigermaßen rat- und ausdruckslose Gesicht der Ärztin hin fuhr sie

fort.

„Das Virus, das ich in mir trage ist ein mutwillige Mutation. Es wurde entwickelt,

um Menschen zu infizieren und zu töten. Stimmt’s?“ Die Stimme der Technikerin war

im Laufe des Satzes immer lauter geworden. Sie sprang vom Biobett und ging einen

Schritt auf Benteen zu. Der Schweiß stand ihr auf der Stirn und eine einsame Träne

suchte sich erneut einen Weg zu Boden.

„Stimmt’s?“

Schweigen. Jihans Atem ging schwer und schon wieder überwand sie ein

Schwindel, der ihren Kopf erfasste und sich um ihren Magen schlang. Sie krampfte

und würgte, fiel auf die Knie und spuckte Galle und Blut. Eine Weile sah Benteen

schweigend zu.

2406.352 21:10 - Lazarett auf dem Planeten - Caroline Benteen - Datum: 2004-

11-20 15:41:35

Zu einer Antwort kam Caroline nicht mehr, auch wenn die Frage zum jetzigen

Zeitpunkt vollauf berechtigt schien. Innerlich rang die Britin mit sich, denn

irgendwann musste sie die Südafrikanerin von ihrer Ehrlichkeit überzeugen. Jetzt

war es der günstigste Augenblick, doch war er dies nur für einen Moment, denn just

in dem Moment, als Benteen antworten wollte, wurde sie per Kommunikator gerufen.

Sie hörte sich kurz an, was die medizinische Assistentin an der anderen Seite des

Gerätes zu sagen hatte und rollte hernach etwas erbost die Augen. Kommt denn hier

alles auf einmal? F*ck! Soeben wollte sie zu einer unbeholfenen entschuldigenden

Erklärung gegenüber Jihan ansetzen, als diese einfach nur konsterniert abwinkte:

„Ja, ja, gehen Sie ruhig. Lassen Sie mich weiter mit Dr. Enerly hier herumsitzen und

nicht wissen, ob ich sterbe oder nicht.“ Sie begann zu schluchzen, und Caroline

konnte sich nur umdrehen und auf taub schalten, die Isolationskammer verlassen


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

und sich anderer Arbeit widmen, die für den Moment tatsächlich wichtiger war. Beim

hinausgehen rief ihr die Südafrikanerin noch etwas hinterher, was Benteen jedoch

nicht verstehen wollte. Auf dem Weg nach draußen kreuzte sich ihr Weg mit dem

Enerlys, und sie hielt ihn, indem sie seinen linken Arm festhielt: „Rette sie, Dagfinn,

rette sie!“ Mehr konnte auch sie der Situation nicht mehr beisteuern, weshalb sie

rasch weiterging und den Norweger sich selbst überließ.

In der Notfallstation angekommen, zu welcher man sie gerufen hatte, wurde ihr

ruckartig jenes Bild des hilfsbereiten Bajoraners vors Auge gehalten und sie entsann

sich, dass mitten in der Nacht ein kleines Team von bajoranischen Ärzten hier

erschienen war, um Hilfe anzubieten. Caroline war es befremdlich vorgekommen,

warum sie dies freiwillig taten und dabei jedoch nicht den Anschein machten, als

wollten sie ihren Leuten helfen UND dabei der Föderation dienen. Ein kleiner Wink

von Seiten der Vedek ließ die Britin kurz nicken, denn sie verstand, dass die Ärzte

nur aufgrund des Wohlwollens der Geistlichen hier waren. Eine weitere

Überraschung, war doch die Vedek die bisher einzige Bajoranerin, welche an

diesem Lazarett ernsthaftes Interesse von Seiten Bajors entgegen trug. Caroline war

ihr dankbar, auch wenn sich erste Gedankengänge wenig später bestätigten, dass

die Bajoraner ihre menschlichen Mitarbeiter nicht mehr wie gewohnt in die

Heilungsprozesse einbanden. So nahmen sie zwar die Medikamente entgegen und

verabreichten sie ihren Leuten, doch wurden menschliche Mitarbeiter nicht selten

energisch von ihrer Arbeit angehalten. Benteen, anderweitig und bis dato wichtiger

beschäftigt, konnte sich nicht um diese Probleme kümmern, und Dr. Lewis, die die

Aufsicht auf den größeren Bereich des Lazaretts hatte (den des Bereichs der Notfall-

und Molekularmedizin) hatte nach einiger Zeit nicht mehr den Nerv, sich der

widersprüchlichen Art Bajors zu widersetzen und hatte deshalb mehr und mehr ihren

Kopf durch gesetzt, was bei den behandelnden Bajoranern gleich noch schlechter

Anklang fand.

Jene waren bei anderen Patienten beschäftigt, während Susan Lewis soeben eine

Bajoranerin übernahm, welche von föderativen Sicherheitskräften schier entkräftet

einige Meter vom Lazarett entfernt aufgefunden worden war. „Die Frau ist auf dem

Weg hierher umgekippt“, ließ sich einer der Sicherheitler vernehmen, „Sie kommt zu

sich.“ Die Sicherheitler verschwanden, nachdem ein kleines Team von sechs

Leuten, allesamt Föderative, sich ihrer angenommen hatten. „OK, in die Eins!“ Dr.

Lewis’ Reaktion, die neue Patientin in den Behandlungsraum Eins zu bringen,

nachdem alle Sicherheitsvorkehrungen bezüglich des grassierenden Virus

beschlossen waren; in diesem Lazarett gab es derer fünf nebeneinander liegende,

abgetrennte Räume. Die unbekannte Frau wurde mit dem beweglichen Biobett in

besagten ersten Behandlungsraum geschoben. „Ma’am, Ma’am, wissen Sie, wo Sie

sind?“ Keine Antwort, nur unfreiwilliges Kopfschütteln. In der Eins angelangt, musste

die Patientin von dem beweglichen Bett auf das Untersuchungsbett gehoben

werden. Susan Lewis, unterstützt von einem stets wechselnden, dennoch

eingespielten Team, an welchem auch die Britin beteiligt war, gab die weiteren

Anweisungen: „Glukosetest!“ Eine Schwester, eingebunden wie alle in den normalen

Ablauf, rief nach dem erforderlichen Check einen erhöhten Blutdruck aus: „Sie ist

hypertensisch, 170 zu 120.“ Auf Lewis’ Aussage hin sollte der Patientin ein

Medikament verabreicht werden, welches sich in seinem Zulauf in den Patienten

nach dem diastolischen Blutdruck richten sollte; jenem, der während der

Dehnungsphase des Herzens auftritt.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Eine schluchzende Bajoranerin antwortete nicht genügend auf die Fragen der

behandelnden Ärztin. Als diese wissen wollte, ob die Frau so etwas schon früher

einmal hatte, kam von ihr nur ein undeutliches „Ja!“, während Dr. Lewis den

Herzschlag kontrollierte. „Ganz ruhig! Bleiben Sie ganz ruhig. Entspannen Sie sich!“

Man versuchte die Frau zu beruhigen. Eine andere Schwester hatte Unterlagen bei

der Frau gefunden, welche sie als Be’lok Joan auswies. „Joan, wir müssen Ihren

Blutdruck runter bekommen. Haben Sie so etwas schon öfter gehabt?“ Schluchzend

gab die Patientin zu Protokoll, daß sie das Baby nicht verlieren wolle. Fragender

Blick. „Sie bekommen ein Kind?“ Dr. Lewis stand die Unwissenheit darüber nur kurz

zu Gesicht geschrieben, und während die Frau antwortete, machte die Ärztin schon

wieder weiter mit den Untersuchungen. „In der wievielten Woche?“ „Ich bin in der

zwanzigsten … nein, einundzwanzigsten Woche.“ Bei Caroline schrillten die

Alarmglocken, doch brauchte sie nicht eingreifen. Susan unterband die vorher

angeordnete Medikation und rief stattdessen ein anderes Medikament auf, welches

die Frau in ihrem Zustand nicht schaden sollte. „Und holen Sie mir einen

Gynäkologen!“ Die britische Chefmedizinerin reagierte, weil es ihr Part war (es gab

ja im Moment noch nichts Anästhetisches zu erledigen): „Dr. Praal in die Eins!“

Praal, zu den Rakhvaijanern gehörend, war der Gynäkologe eines nahen Bezirkes.

„Sie haben schon Mal ein Baby verloren?“ – „Ja, letztes Jahr, im sechsten Monat

… bei den Propheten, ich steh’ das nicht durch …“ Zu der Patientin, beruhigend:

„Nicht aufregen, nicht aufregen!“ Zu dem Team, fordernd: „Schließt sie an den

Wehenschreiber und das EKG an!“ Zu der Patientin, fragend, behutsam: „Hatten Sie

damals vielleicht Krampfanfälle? Wir müssen das wissen!“ Die Patientin,

todunglücklich, noch immer total entkräftet: „Sie sagten damals, es sei der hohe

Blutdruck. Dabei sei die Plazenta gerissen … und wenn sie das Baby nicht

rausholen, würde es sterben …“ Lewis, mitfühlend, die Behandlung weiterhin

durchführend: „Verstehe!“ Die Patientin, weiter erklärend, so gut sie kann: „Mein

Baby … war noch zu klein, sie konnten es nicht retten …“ Benteen, zu Dr. Lewis,

besorgt: „Blutdruck steigt, 180 zu 120!“ Verschreibung eines Medikaments mit

entsprechender Dosierung. Lewis an Benteen: „Wer hat drüben Dienst?“ (gemeint

war der OP) Benteen an Lewis: „Dr. Huegeli!“ Die Patientin,

Auflösungserscheinungen: „Dieses Baby … kann …doch nichts dafür.“ Lewis,

erklärend: „Der hohe Blutdruck hat wahrscheinlich mit ihrer Schwangerschaft zu tun.“

Die Patientin, mit einem Mal wieder fast voll dabei: „Nein, nein, auch zwischen den

Schwangerschaften ist mir manchmal schwindelig.“ Fragender, ungläubiger Blick

von Seiten der behandelnden Ärztin. „Was sagen Sie?“ Bestätigung der Patientin,

rasche Reaktion der Ärztin: „Die Herzfrequenz des Kindes?“ Eine Schwester, nicht

minder erstaunt: „145, wie ein Uhrwerk.“ Eine Patientin, die sich gerade wieder

auflöst, schluchzend: „Ich will mein Baby nicht verlieren.“ Benteen, mit besorgtem

Blick zu Dr. Lewis: „Susan, wäre es nicht besser, sie in den OP zu bringen?“ Kurzes

Nachdenken, Antwort: „Ich würd’ gern noch einen Ultraschall machen!“ Schwester,

noch besorgter: „Der Blutdruck ist 190 zu 140!“ Lewis, bestimmend: „Das Kind steht

nicht unter Stress, ich mache erst den Ultraschall!“ Die Patientin, die nicht mehr

weiter weiß: „Was haben Sie vor?“ Lewis, mit einem recht aufmunternden Lächeln:

„Ich versuche das Baby zu retten.“

Dr. Oplok, Bajoranischer Oberarzt, wird durch den Gynäkologen auf lautstarke Art

und Weise davon in Kenntnis gesetzt und gesellt sich zu den Leuten in der Eins.

Sieht den Ultraschall und fragt: „Ist das der Ultraschall, wegen dem der Gynäkologen


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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

mich eben angeschrieen hat? Und wer ist dafür verantwortlich, einer hypersensiblen

Patientin einen Ultraschall zu verordnen?“ Kein Antwort, während Dr. Lewis das

urzeitliche Gerät in altbewährter Manier über den Bauch der bajoranischen Patientin

gleiten lässt. Alles in Ordnung, die Patientin, die nicht weiß, was eben Sache ist,

Benteen, welche stets den Blutdruck im Auge hat, der bajoranische Arzt, der nicht

mehr an sich halten will: „Geben Sie mir einen Überblick!“ Caroline lässt die

behandelnde Ärztin machen, mischt sich nicht ein, will sehen, wie sie reagiert.

„Hypersensible Schwangere in der einundzwanzigsten Woche. Blutdruck des Kindes

normal. Spricht auf *ZENSIERT* an.“ Oplock, auf Fehlersuche: „Wie ist der

Blutdruck?“ Lewis, erklärend, ruhig: „130 zu 100!“ Oplock, ungehalten: „Sie ist

transportfähig! Hat Sie schon Wehen?“ Lewis, weiterhin ruhig: „Nur leichte

Kontraktionen. Auf dem Wehenschreiber ist nichts!“ Oplock, unbeherrscht: „Das ist

eine Präeklampsie (gefährliche Krämpfe im letzten Schwangerschaftsdrittel)! Sie

muss zum Gynäkologen!“ Benteen, der es zu bunt wird: „Das ist Dr. Lewis’

Patientin!“ Lewis, die unbeirrt weiter erklärt: „Die Patientin hat im letzten Jahr in der

zweiundzwanzigsten Woche ein Kind wegen Präeklampsie verloren.“ Die Patientin

wird vorsichtig auf die Seite gerollt und ihr Rücken per Ultraschall untersucht,

während Lewis weiter spricht: „Sie hat gesagt, sie hätte auch zwischen den

Schwangerschaften an Schwindelanfällen und Bluthochdruck gelitten.“ Oplock, der

nicht überzeugt ist: „War im Urin Eiweiß?“ Kein Antwort. Oplock, der immer

ungemütlicher wird: „Dr. Lewis, Sie haben wohl nicht gelernt …“

Susan Lewis, die ein zufriedenes „Ja!“ verlauten lässt und alsbald erklärt: „Ja, das

ist es!“ Sie zeigt auf das Ultraschallgerät: „Eine Struktur in der rechten Nebenniere.“

Genaues hinschauen aller anwesenden Ärzte, Lewis, die weiter arbeitet: „Ruft Dr.

Huegeli, wir brauchen den OP!“ Benteen, die bestätigt: „Sieht aus wie ein

Cohnsyndrom (Nebennierenrindenerkrankung)!“ Die Patientin, die wissen will, was

hier passiert und warum sie transportfähig gemacht wird: „Was ist das?“ Lewis, die

eindringlich erklärt: „Sie haben einen Tumor in der Nebennierenrinde. Der produziert

ein Hormon, welches ihren Blutdruck steigen lässt. Es ist sehr ernst, Joan! Wir

müssen den Tumor operativ entfernen.“ Die Patientin, die weint: „Und das Baby?“

Lewis, aufbauend: „Dem passiert nichts.“ Zu Benteen: „Sag’ dem Gynäkologen ab,

sie kommt in den OP!“ Die Chefmedizinerin nickt und gibt das weiter. Sie spricht:

„Gute Diagnose, Susan. Das hätte nicht jeder gesehen.“ Oplock, mit der Entdeckung

und seiner Bevormundung unzufrieden, murrt: „Die Ultraschalluntersuchung hätte

die Gynäkologie …“ Lewis, welche sie unterbricht: „Die haben die Schwangerschaft

beim letzten Mal nur abgebrochen.“ Die Patientin wird zum OP gebracht, während

Caroline ihre Aufgabe beendet sieht. Sie lässt sich die Zeit sagen … vierzig Minuten

… und begibt sich dann, nach Ablage der während der Untersuchungen angelegten

Kleidung, in der normalen Uniform mit dem üblichen weißen Kittel darüber zurück

zur Isolationskammer, wo sie eine aufgelöste Jihan vorfindet, die nicht mehr an sich

halten konnte und leise weinte, während Dagfinn eingedöst war. Sie legte ihm eine

Hand auf die Schulter und gebot ihm, sich auszuruhen, bevor sie leise die

eigentliche Isolationskammer betrat, sich einen Stuhl heranzog und sich gegenüber

Jihan hinsetzte: „Lassen Sie uns reden, Mr. Jihan!“


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Wahrheit?

2406.352 21:30 - Lazarett/Isolation - Jihan Paris-Roven - Datum: 2004-11-25

09:10:40

Jihan saß auf ihrem Biobett, die Beine zum Oberkörper herangezogen und mit

den Armen umschlungen. Hin und wieder wurde sie von Hustenanfällen geplagt und

wenn der Druck in ihrem Kopf so rasant anstieg, troff Blut aus der Nase und den

Augen. Die Ingenieurin hatte er bereits aufgegeben, stets die Kleidung zu wechseln.

Und so wie so dort saß, mit verklebten und strähnigen Haaren, einer sichtbaren

Blässe unter der dunklen Haut, mit blutunterlaufenen Augen und zahlreichen

dunklen Flecken auf der Kleidung, hinterließ sie beim Betrachter in der Tat einen

beklemmenden und erbärmlichen Eindruck.

Das Frieren war nicht abzustellen gewesen und zum Schutz der Zähne, die bei

den Attacken Schüttelfrost unangenehm aufeinander schlugen, hatte sich Jihan eine

Art Mundschutz dazwischen geklemmt. Diesen, ebenfalls blutig, entfernte sie nun,

da Benteen ihre Zelle betrat, umständlich. Allerdings war das auch das einzige

Zeichen von Gesprächsbereitschaft, das Jihan an den Tag legte. Eine Weile

schwiegen Beide. Benteen sah die Patientin an, diese starrte zur Wand. Eine

seltsame Leere meinte die Britin im Blick der Afrikanerin ausgemacht zu haben. Sie

fühlte sich nicht in der Lage etwas zu sagen. Die ersten Worte, die schwersten

Vorwürfe sollte Jihan nun erheben können, damit das Gespräch nach dem ersten

Ausbruch sachlich weitergeführt werden konnte. Aber Jihan brach nicht aus. Der

Vulkan war verloschen, und irgendwie bereitete das Benteen noch mehr Unbehagen

als die Anamnese der Patientin selbst.

Nach Minuten des Schweigens, die sich zäh wie Honig dahingezogen hatten,

öffnete die Ingenieurin schließlich den Mund, holte Luft und setzte umständlich und

dennoch fast beiläufig zum Sprechen an.

„Es ist ein seltsames Gefühl sich selbst beim Ausbluten beobachten zu können.“

Ein dünnes Lächeln umspielte die Lippen Jihans.

„Als würde das Leben langsam aus einem weichen, um einem Zeit für den

Abschied zu geben.“ Wieder senkte sich eine betretene Stille über die zwei Frauen,

während Jihan langsam den Kopf zu Caroline drehte. Deren Gesichtsausdruck

verschaffte ihr für einen flüchtigen Augenblick lang Genugtuung. Wieder lächelte sie,

diesmal mit einem unverkennbaren Hauch Amüsement.

„Aber ein paar Stunden bleibe ich Ihnen noch erhalten, Doktor. Zeit, meine Fragen

zu beantworten, bleibt Ihnen allemal.“ Mit diesen Worten setzte sie sich auf dem

Biobett zurecht um die Britin frontal ansehen zu können.

Diese war der Situation schweigend gefolgt. Nun räusperte sie sich und hatte

offenbar kleine Schwierigkeiten, der Frau ihr gegenüber in die Augen zu sehen. Aber

schneller als vermutet kehrte die Professionalität der Medizinerin zurück. Sie richtete

sich auf ihrem Stuhl auf.

„Was wollen Sie wissen?“ Jihan sah die Britin konsterniert an. Ein Hauch von

Trotz huschte für einen Moment über ihr Gesicht.

„Alles.“ Antwortete sie schließlich kurz und knapp. Benteen nickte nur. Diese

Antwort hatte sie erwartet.


Wahrheit?

„Was wissen Sie?“

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

„Zu wenig, um selbst zusammenzufassen.“ Wieder nickte die Medizinerin.

Dennoch bedeutete sie der Ingenieurin mit einer Handbewegung, ihr Wissen

darzulegen. Widerwillig begann Jihan.

„Ich weiß, dass mich ein Bajoraner vorsätzlich infiziert hat.“

„Das ist inkorrekt.“ Verwirrt hielt Jihan inne, als Caroline sie unterbrach.

„Es war ein Cardassianer.“ Entgeistert starrte die Afrikanerin erst zur Ärztin, dann

zu Boden. Fieberhaft versuchte sie, in ihrem Kopf die Bilder des Vorfalles zu

rekapitulieren.

„Er liegt nebenan, seiner Krankheit erlegen.“ Immer noch stand der Unglauben

überdeutlich in Jihans Gesicht. Schließlich aber drifteten ihre Gedanken ab und

mehr zu sich selbst denn zu Benteen stellte sie fest:

„Dann war es kein Wirt.“ Es klang resigniert.

„Das ist korrekt.“ Sie erstaunen mich, hätte sie fast noch angefügt. Hier musste

Benteen aufpassen, dass wurde ihr mit jedem Mal, das sie die Ingenieurin traf,

deutlicher. Die kurzeitig in Jihan aufkeimende Hoffnung verflog derweil wieder und

wieder nahm die Trostlosigkeit überhand.

„Fahren Sie fort.“ Es dauerte eine Weile, bis sich Paris-Roven gesammelt hatte.

„Ich weiß, dass das Virus, sobald es mit meiner DNA in Kontakt kam, mutierte.

Und ich weiß, dass diese Mutation nahezu unmöglich zufällig oder evolutionsbedingt

auftreten konnte. Was dann den Schluss zulässt, dass die Infektion geplant hier

verbreitet wurde.“ Benteen nickte nachdrücklich zu Jihans sehr sachlichem Exkurs.

Diese fuhr fort.

„Allerdings folgere ich aus ihren nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen,

dass das Virus von mir weder auf Menschen noch auf Vulkanier übertragbar ist.“

„Auch das entspricht den Tatsachen.“

„Allerdings frage ich mich, welchen Zweck die Infektion dann verfolgte oder ob die

mangelnde Übertragungsfähigkeit ein nicht einkalkulierter oder nicht beachteter

Fehler der Kreation ist.“

Wieder nickte Benteen um zu signalisieren, dass auch sie diese Überlegungen

angestellt hatte. Ohne ein Wort zu sagen, bedeutete sie der Ingenieurin, weiter zu

sprechen.

„Und ich wundere mich darüber, ob es Zufall oder Willen ist, dass der Verlauf dem

einer Jahrhunderte alten irdischen Krankheit ähnelt, die auf meinem Kontinent einst

wütete.“ Pause.

„Gesetzt den Fall es handelt sich dabei um Vorsatz, will der Entwickler damit

bezwecken, dass es kaum Heilungschancen gibt? Noch dazu, wenn die


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Kommunikation zur Gaines unterbrochen ist.“ Das erste Mal wurde Jihan von

Caroline unterbrochen.

„Eine rudimentäre Kommunikation ist möglich. Sakkath hat einen Weg gefunden,

das Feld zu umgehen oder zu durchdringen. Nach Details fragen Sie ihn aber am

besten selbst.“ Bei dieser Nachricht huschte ein Schmunzeln über Jihans Gesicht.

„Bisher stimmt ihre Analyse, Ms. Paris-Roven. Ich frage nicht, woher sie die Daten

bezogen haben.“ Wieder rutschte die Ärztin auf dem Stuhl herum, um sich eine

bequemere Position zu verschaffen.

„Hinzuzufügen ist dem nur noch, dass wir eine gute Chance haben, das Blut eines

Rekonvaleszenten zu beschaffen um daraus Antikörper zu gewinnen.“

In den Augen der Technikerin flammte für einen kurzen Moment etwas auf, das

aber nach nur kurzer Zeit wieder verlosch.

„Woher?“ fragte sie tonlos und ihre Stimme klang heiser. Benteen lächelte

wissend und geheimnisvoll.

„Nun, sagen wir, dass auch radikale Tierschützer hin und wieder einen Glücksgriff

tätigen.“ Jihan verstand kein Wort, begriff aber, dass es nicht klug gewesen wäre,

nach zufragen. Zumindest nicht zielführend. Also beließ sie es dabei.

Wieder erfasste sie ein Hustenreiz, schüttelte sie und ließ sie minutenlang nicht

los. Sie spuckte Blut, das schnell im Stoff ihrer Kleidung versickerte und dort dunkle

Flecken hinterließ. Schon war Dr. Benteen aufgesprungen und wollte ein Hypospray

verabreichen. Die Ingenieurin allerdings winkte ab.

„Das Zeug schwächt mich mehr als mir lieb ist. Ich will wenigstens das Gefühl

haben, so lang wie möglich durchhalten zu können. Nur für den Fall, ihr

geheimnisvoller Serumsspender erweist sich als brauchbar.“ Alles an Jihan war in

diesem Moment lakonisch, die Worte, die Haltung, die Handbewegung. Die Ärztin

ließ ab, wenn auch mit gerunzelter Stirn.

Wieder setzte sich Paris-Roven auf ihr Biobett, zog erneut die Beine an den

Oberkörper und schlang die Arme darum. Dann bettete sie das Kinn auf den Knien

und sah gedankenversunken zur Wand. Benteen stand rat- und etwas hilflos

daneben.

„Ich würde gern wieder mal ein Bad nehmen.“ Sagte Jihan schließlich in die

entstandene Stille hinein.

„Und einen Zinfadel trinken.“ Ein hustendes Geräusch entwich ihrer Kehle, das

eigentlich ein Lachen hätte werden sollte.

„Das letzte Glas habe mich mit einem Bajoraner auf der Akademie getrunken.“

Wieder hustete sie ihr Lachen ob der Ironie der Situation. Benteen blieb sachlich.

„Gegen ein Bad ist nichts einzuwenden, aber Synthenol bleibt Ihnen bis auf

Weiteres verwehrt. Ich werde Sakkath kommen lassen, um eine Wanne replizieren

zu können.“ Jihan nickte dankbar und lächelte die Medizinerin erstmals verhalten an.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Dann überkam sie erneut ein Hustenreiz. Sie krampfte und würgte, hielt sich den

Bauch und rollte die Augen.

Noch ehe sie sich versah, hatte die Ärztin ihr das Hypospray an den Hals gesetzt

und ausgelöst. Mit schmerzverzerrtem Gesicht sah die Ingenieurin vorwurfsvoll auf,

dann übermannte sie die Müdigkeit und bevor sich der Nebel ganz vor ihren Augen

schloss, bettete sie sich noch mit Hilfe der Ärztin. Wie Benteen den Raum verließ

bekam sie schon nicht mehr mit.

2406.352 22:00 - Lazarett auf dem Planeten - Caroline Benteen - Datum: 2004-

12-03 08:15:05

In ruhigem, wenn auch künstlich erschaffenem Schlaf, lag der nur zur Atmung

bewegende Körper Jihans in der Isolationskammer aus dem Biobett. Caroline lehnte

derweil an dem gläsernen Käfig, welche die Isolationskammer umgab, auf der

anderen Seite und schaute hinein, den Blick voller Entschlossenheit und gewichener

Sorge, dennoch ein wenig in den eigenen Gedanken verloren. Die Uhrzeit hatte sie

sich erst kürzlich geben lassen und danach rasch berechnet, wie lange sie bereits

wieder auf den Beinen war. Achtzehn Stunden ... bei Gott! Sie schüttelte den Kopf,

nicht aus Müdigkeit oder Zweifeln, mehr aus Gewohnheit, alles erdenklich mögliche

erst einmal mit einem schüttelnden Kopf zu bedenken. Wenige Sekunden später,

nachdem ihr Blick wieder starr auf Jihan gerichtet war, stieß sie sich ab von der

gläsernen Ummantelung und begab sich langsamen und nachdenklichen Schrittes

an eine der Konsolen, welche ein leises, hochfrequentes Signal von sich gab; ein

Signal, welches gerade die britische Ärztin besonders gut verstand. Zu gut, für

meinen Geschmack ... gedacht und mit geübter Handbewegung hinter die eigenen

Ohren gegriffen, um sich des unangenehmen Signals zu erwehren. Nicht, dass die

Reibung über die beiden unter die Haut eingesetzten Hörimplantate Hilfe

versprachen, doch beruhigten sie derweil, bevor Caroline das Signal unterbinden

konnte. Sie selbst wusste am besten, dass es sich hierbei nur um einen

Placeboeffekt handelte, der rein gar nichts wissenschaftliches an sich hatte, doch

verschaffte er ihr Beruhigung.

Das Signal offerierte der Britin jedoch auch, dass sie nun mit ihrer Arbeit beginnen

konnte, mit ihrer Entscheidung, die radikalste Tortur über den Leib der

Südafrikanerin ergehen zu lassen. Der Computer hatte ihr bestätigt, eine gehörig

große Menge von jenem Mittel hergestellt zu haben, welches auf dem Quellcode

jener Probe basierte, welche Geiger vor einigen Stunden vom Körper der

bewusstlosen Hyäne genommen hatte. Herstellung und Analyse hatten Stunden

gedauert, und ohne wissenschaftliche Tests sollte solch eine Radikalkur nicht

abgehalten werden, doch Wissenschaft hin oder her, Caroline setzte sich darüber

hinweg. Sie selbst wusste es nicht besser, doch schien in ihr mehr Grund der

Errettung Jihans zu greifen als der wissenschaftliche Zweck dieser Untersuchung.

Sie redete sich ein, allein ihrer Forschung ergeben zu sein und, ziemlich vermessen,

nebenher ein Menschenleben zu retten. Diese Gedanken gingen ihr durch den Kopf,

als sie die Probe der Konsole entnahm und sie gegen das Licht hielt. Farblos, wie es

sich gehörte. Caroline schloss diese Probe an ein Hypospray und begab sich dann

langsam in die Desinfektionskammer, welche noch immer als Durchgang vom

medizinischen in den isolierten Bereich diente, von wo aus sie den zweitgenannten

Bereich betrat.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Und hier stockte sie, die Hand fest um das Hypospray geklammert, mit an den

Lippen nagenden Zähnen und besorgtem Blicke. Plötzlich war sie unschlüssig,

wusste nicht ein und aus, denn ihr war bewusst, dass diese nun bevorstehende

Radikalkur mit unbekannter Medikation in dieser hohen Dosis zum größten Teil nur

eines bedeuten konnte: den sicheren Tod Jihans. Gedenkt man der Tatsache, dass

diese Art der Behandlung durch Verabreichung von Antikörpern eines

Rekonvaleszenten, bei ihrem Beginn der Erforschung im ausgehenden zwanzigsten

Jahrhundert mehr Primaten das Leben gekostet hat als es diesen gerettet, so stimmt

es nicht weither, diese negative Effektivität auch auf die hier vorhandene Situation

abzuwälzen. Auch hier wurde praktisch neues Land bereitet, da es sich erstmals um

ein künstlich konstruiertes Virus handelte, von deren Aussagekraft man nur das

wusste, was man anhand der hier vorhanden Völker ersehen konnte: die Bajoraner

starben eines langen, qualvollen Todes, der Mensch wird mit einer uralten, nur lokal

festgestellten Krankheit befallen, Trill nötigen erhöhten Koffeinkonsum ... mehr

wusste man nicht, und es würde Jahre dauern, alles dazu zu erforschen.

Und hier lag der Hase im Pfeffer begraben: Jihan konnte nur durch eine hohe

Dosis der neuen Probe gerettet werden, da die Erde und alles möglicherweise

vorhandene Wissen dazu zu weit entfernt scheint. Die Vitalwerte hatten sich im

Laufe der letzten halben Stunde derart rasch und unkontrolliert verschlechtert, dass

solch eine Maßnahme nur vonnöten war. Doch warum zögerte Benteen dann? Die

Chance, dass die Südafrikerin an dieser Infusion starb, war viermal so hoch, und das

ließ die Britin zögern. Ein Gedanke kam ihr da wie gerufen, welcher ihr den Blick

entnebelte und sie rasch handeln ließ, indem sie schnellen Schrittes auf das Biobett

zu ging, das Hypospray an die übliche Stelle setzte und es in voller Dosis Jihan

verabreichte. Dabei entkrampfte ihre Hand merklich, sie wurde ruhiger und ihr Mund

zeigte sogar ein kleines Lächeln. Welcher Gedanke war ihr wohl gekommen, mit

welchem diese Bereinigung stattfinden konnte? Benteen nickte, als sie sich dieses

Gedanken erneut offenbar wurde: Tu es nicht für Deine Karriere, tu es für Jihan!

Wenige Minuten später, draußen, vor der Isolationskammer, die in den nächsten

Stunden für jedermann tabu war, konnte Caroline zuschauen, wie die Infusion zu

wirken begann. Es sah nicht sehr schön aus, um es diplomatisch zu sagen, doch

jeglicher Gedanke an eine fehlschlagende Behandlung war dahin. [i[ Jihan, Du wirst

es schaffen ...

2406.352 22:25 - Lazarettsnähe - Michael Alexander Fox - Datum: 2004-12-07

00:07:00

Er stellte den Kragen höher, als kalter nächtlicher Wind gegen sein Gesicht

peitschte. Umhüllt von nächtlicher Schwärze breitete sich die Kolonie vor seinen

Augen in schwachem Licht aus, eingetaucht in trübe Nebelschwaden. Davor, wie

eine andere Welt, das Sternenflottenlazarett, dessen helles, gar stolzes Licht sich

von der übrigen Koloniebeleuchtung abhob. Ein Ort, an dem das Leben pulsierte.

Oder erlosch. Welchen Unterschied machte es schon? Ein Überlebender mehr oder

weniger würde das Zeichen nicht verdecken können, dass sie gesetzt hatten.

Seine Beobachter hatten jenes Abends erneut wertvolle Arbeit geleistet. Das

Labor war aufgeflogen, Varen in die Hände der Sternenflotte gefallen. Zugegeben,

die Sternenflotte verrichtete gute Arbeit. Schnell waren sie auf die Quelle gestoßen.

Dass der Takaraner unvorsichtig gewesen war, stellte kein größeres Problem.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Früher oder später wäre der Verdacht auf ihn gefallen, dafür hätte man gesorgt. Der

Konsul hatte seine Aufgabe erfüllt, was er auch selbst zu wissen schien. Einzig die

Tatsache, dass er nicht mit ihnen den Planeten verlassen würde, wäre dem

Takaraner die letzte Überraschung.

Die Phase war abgeschlossen, die Zeichen gesetzt. Was nun folgen sollte,

benötigte Varens Dienste nicht länger. Erstaunlich, wie schnell sich ein Partner in

unnötigen Ballast wandelte. Metamorphosen, die selbst den nächtlichen Beobachter

immer wieder in Faszination versetzen konnten.

„Er wird sie in die Nähe der Abschussbasis führen können“, unterbrach die

Stimme einer weiblichen Gesellin die nächtliche Stille.

Er lachte auf. „Soll er!“ Sein Körper drehte sich zur Partnerin, die nun gegenüber

seines Antlitz stand. „Alles weitere, das hier passieren wird, kann uns nur zum

Vorteil gereichen.“ Sein Lächeln nahm düstere Züge an. „Manchmal denke ich

daran, Mitleid für diese Kolonie und ihre Bewohner zu empfinden. Was würden diese

eitlen Freiheitskämpfer sagen, wenn sie ihre Opfer lediglich als Mittel für einen

unbekannten Zweck erkennen?“

„Wir beide kennen die Reaktionen der Bajoraner. Verletztes Ehrgefühl heilt nur

langsam wieder.“

„Viel zu langsam“, seufzte der eine. „25 lange Jahre. Und erst jetzt wagen wir es,

unsere Ehre wieder herzustellen..“ Sein Blick wanderte gen Boden. Seine Worte

wandelten sich in leises, unbefriedigtes Flüstern. „Sag mir, was ist aus unserem Volk

geworden? Wohin sind die Zeiten geflohen, in denen wir niemandem außer uns

Rechnung schuldig wurden? Wo immer ich hinsehe, ich spüre das Verlangen nach

Freiheit, nach niemandem, der bei jedem Schritt auf unsere Füße sieht.“

„Nicht mehr lange“, flüsterte sie.

Er antwortete nicht. Sein Gesicht wanderte gen der Lichter, die sich unweit von

ihnen wie Sterne erstreckten. Es war der letzte Blick, den er auf die Kolonie, die

Bajoraner und Sternenflotte auf diesem Planeten werfen würde. „Das Zeichen ist

gesetzt. Die Kampfansage ausgesprochen“, sprach er, als würde er die Lichtpunkte

herausfordern wollen. „Wo ist der Rover?“ Er hatte sich umgedreht, die Worte

gefasster und härter.

„Nur wenige Schritte, hinten am Waldrand.“

Sie setzten sich in Bewegung, ließen die Kolonie nun endgültig hinter sich. Noch

zwei Tage und er würde wieder frische Heimatluft atmen können. Ohne Maske.

Ohne Sorge, von seinem eigenen Werk niedergerafft zu werden. In zwei Tagen

sollten sie vom Planeten transferiert werden, bis dahin würde sie niemand auf der

Oberfläche zu Gesicht bekommen. Die Mission war abgeschlossen.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

2406.352 23:25 - Lazarett auf dem Planeten - Caroline Benteen - Datum: 2004-

12-03 09:34:48

„Sie sehen müde aus, Doktor!“ Benteen hatte nicht bemerkt, das die Vedek den

Isolationstrakt betreten hatte; zu sehr war sie mit ihren durch und durch positiven

Gedanken bei der südafrikanischen Technikerin in deren isolierter Gesellschaft. Für

die Winzigkeit eines Sekundenbruchteils war sie deshalb auch erschrocken, die

sanfte und gutmütige Stimme der weiblichen Gläubigen hinter sich zu vernehmen,

obschon sich nur wenig später ihr Puls wieder beruhigt hatte. Sie drehte sich nicht

zur Vedek hin um, sondern senkte kurz den Blick, bevor ihre Augen sich wieder der

Patientin widmeten. Dies tat Caroline nicht aus Unhöflichkeit sondern in jenem

Gedanken, dass die Bajoranerin sich eh neben sie gesellen würde, was jene auch

tat. Caroline warf ihr daraufhin ein leichtes Nicken zu und beließ die Antwort noch

immer hinter ihren Lippen, während ihr Blick schon wieder an den Vitalzeichen

Jihans hing, welche ihr die nächststehende Konsole anzeigte. Die Vedek tat es der

Ärztin gleich, und obwohl die Britin nicht sagen konnte, ob die gesamt dargestellten

Werte für die Bajoranerin zu lesen, zu verstehen waren, legte diese ihren Kopf

langsam wieder in Richtung Caroline. „Wird sie es schaffen?“ Carolines Augen

verrieten die Antwort, dass dies auf der Kippe lag, was sie durch eine weiterführende

Antwort noch zu bekräftigen wusste: „Es liegt jetzt nur noch an ihr, Vedek!“

Diese nickte unmerklich, den Blick jetzt ebenso auf Jihans Kampf mit sich selbst

gerichtet, bevor sie erneut zu sprechen begann: „Bei meinem Volk liegt es der Regel

nach an einem Vedek, den Glauben an die verletzte Person wieder zu gewinnen.“

Die Bajoranerin seufzte schwer und sah im folgenden einen Protest in den Augen

Carolines, welchen die Vedek mit einer beruhigenden Handbewegung unterbinden

wollte. „Doch wie ich hier erneut sehe, kann selbst der Glaube an die Propheten

keine Leben retten oder, wie die Menschen zu sagen pflegen, Berge versetzen.“

Caroline nickte nicht, denn dazu war sie ein wenig zu sehr beeindruckt von jener

bajoranischen Erkenntnis. Selten genug gelang es Gläubigen aller Couleur einen

klaren Gedanken zu waren, und gerade bei den Bajoranern hatte sich dies immer

wieder gezeigt, dass sie zu Überlegungen unfähig waren. Die vedekschen Worte

ließ Caroline erst einmal kurz auf sich wirken, was eine kurze Pause in dem

Gespräch einbrachte, in welcher beide Frauen der dritten in ihrer Isolation zusahen.

Es dauerte einige Zeit, bis die Britin das Wort an die Vedek richtete: „Sie kennen

sich mit der Geschichte der Erde recht gut aus, was mir die letzten beiden Tage

bewiesen haben!?“ Dies galt mehr als Feststellung denn als Frage, so daß die Britin

gleich weitersprechen konnte, ohne die Antwort abwarten zu müssen: „Glauben Sie

mir, Gott ist bei ihr!“ Sie zeigte mit einer Bewegung der linken Hand in Richtung

Jihan, und die Vedek nickte wissend.

Nach weiteren endlos erscheinenden Minuten ohne weitere Gespräche, in

welchen die Damen abwechselnd nach Jihan schauten, fragte die Ärztin die Vedek:

„Zu solch später Stunde erscheinen Sie bei mir und berichten mir, dass ich müde

aussehe?“ Sie sagte dies mit einem sarkastisch-freundlichen Unterton, welchen die

Vedek rasch verstand. „Nein, ich hörte nur ihre Doktor Lewis sagen, dass Sie noch

heute Nacht den Leichnam des unbekannten Cardassianers obduzieren wollen!?“

Caroline lachte kurz und laut auf: „Ich werde mit Dr. Lewis reden müssen, dass sie

Interna für sich behält.“ Doch dann winkte sie mit der rechten Hand ab und sprach

weiter: „Nein, da Sie hier die für ihr Volk verantwortliche Person scheinen, haben Sie

sicherlich das Recht, dementsprechend informiert zu werden. Und ja, ich habe vor,


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

den Toten zu obduzieren. Wollen Sie mir dabei behilflich sein?“ Dies war mehr als

morbider Scherz gedacht, getreu der humoristischen Einfärbung ihrer Herkunft, doch

die Vedek gedachte nicht, darauf zu lachen: „Sie wissen selbst, dass es im Lazarett

niemanden mehr gibt, welcher Ihnen hier behilflich sein könnte. Der Zustrom meines

Volkes hierher ist enorm, und alle Ihre Untergebenen bereiten eine herausragende

Arbeit. Ich will Ihnen etwas wiedergeben davon, da Ihnen der Dank meines Volkes

nicht gerade entgegen geschlagen ist.“ Die Britin dachte über diese Worte nach,

erwiderte jedoch nichts, sondern begab sich raschen Schrittes in eine zweite, eilig

aufgestellte Isolationskammer am anderen, dunklen Ende des Raumes, in welcher

der tote Cardassianer lag. Als die Vedek, auf eine Antwort wartend, ihr nicht folgte,

warf Benteen ihr einen fragenden Blick zu: „Nun, wollen Sie mir nun helfen oder

nicht?“

2406.353 01:05 - Lazarett auf dem Planeten - Caroline Benteen - Datum: 2004-

12-03 10:16:27

Die cardassianischen Organe lagen fein säuberlich aufgeteilt und getrennt auf

einem großen Beistelltisch nahe dem Operationstisch, und wurden von Caroline mit

Skalpell und behandschuhten Händen auf mögliche Fehlerhaftigkeit hin untersucht.

Um diese unschöne Obduktion wenigstens ein wenig schöner zu gestalten lief im

Hintergrund Musik des zwanzigsten Jahrhunderts in recht atemberaubender

Lautstärke, welche der Britin trotz der Hörimplantate nichts auszumachen schien.

Teilweise sang sie kräftig mit und konnte so ihrer Stimme wieder einmal nach langer

Zeit der Abstinenz singende Kraft verleihen. Das ihre Gedanken dabei sekundär zu

ihrem Studium abwanderten, zu der großartigen Band, welcher sie angehörte und zu

welcher sie vor nahezu einem dreiviertel Jahr an Bord der Gaines zurückgefunden

hatte, half der Britin, sich ein wenig zu entspannen. Obduktionen waren notwendig,

mehr nicht, und das ihr bei solch blutigen Angelegenheiten nicht mehr schlecht

wurde, dass sie den vor sich liegenden Haufen organischen Abfalls nicht mehr als

das Übel der Welt ansah, verdankte sie ihrer Ausbildung, ihrem Studium und dem

Dienst im Marine Corps. Obduktionen, und seien sie auch an noch so entstellten

Körpern vorgenommen, waren für die Britin nicht mehr von gedanklicher Relevanz.

Diese hier, an dem Cardassianer, verlief mit leichten Abstrichen recht gut,

erfolgreich sogar, da sich ein bereits vorher anhand von Fakten errechneter

Krankheitsweg zu bewahrheiten suchte. Wer dem Cardassianer die Injektion, die

später zu seinem Tode führte, verpasst hatte, versprach nur wenig medizinischen

Hintergrund: Caroline fand Einstiche von Injektionsnadeln im unteren

Rückenbereich, an der Zahl vier. Diese verliefen jeweils in nach oben, zur Lunge hin

zeigenden Richtung, und allein die Einstiche haben dem Cardassianer sicherlich

schon unendliche Schmerzen bereitet, da sich an den Einstichstellen regelrechte

Krater in die Haut gebohrt hatten und auch der weitere Einstichweg im inneren des

Körpers kleines Blutungen hinterlassen hatte, welche auf recht stumpfe Nadeln,

welche obendrein viel zu groß waren für jenen Teil der Extremitäten, hindeuteten.

Dies gesamte Feld war recht komplex, doch zusammenfassend darf erwähnt

werden, dass sich jemand an dem Cardassianer zu schaffen gemacht hat, welcher

aufgrund seines Wissens, den Virus auf schnellem Wege in die Lunge zu

transferieren, jemand sein muss, der medizinischer Vorbildung bedarf. Die

Nadeleintrittstellen wiesen ebenso darauf hin (Cardassianer hatten nur wenige


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Berührungspunkte ihrer Lungen als Beinflussungsort von außen), doch die Art der

Einstiche und der Umstand, dass die Lunge bei allen vier Versuchen nicht getroffen

wurde, zeigt wiederum das mindere Wissen eines nicht vorhandenen Mediziners.

Hier versucht jemand, uns an der Nase herumzuführen ...

Der Krankheitsweg war hernach dann eindeutig: das Virus griff in einer nie da

gewesenen Effektivität gleichzeitig alle lebenswichtigen Organe an, nachdem es

zum Herzen gelangt war. Wie ein negativer Parasit, welcher seinen Wirt zum

Sterben bringt, bricht sofort der Kreislauf des Erkrankten zusammen. Anhand der

hier vorhandenen Tatsachen und Umstände berechnete der Computer eine

Krankheitsdauer von gerade einmal zwei Stunden, was im Endeffekt bedeutete,

dass der Cardassianer erst kurz vor seinem Auftauchen im Lazarett angesteckt,

besser gesagt ermordet, wurde. So war sie erst einmal hier beschäftigt, mit dem

Herzen des Cardassianers, welches sie mit geübten Schnitten zu öffnen gedachte.

Dies dauerte seine Zeit, während der die Britin auch einmal Entspannung anderer

Art, nämlich der der Augen, nötig hatte, weshalb sie ihren Blick fort von der Arbeit

hin zu der Vedek richtete, die seit einer Stunde in Trance war. Es war schwer für die

Bajoranerin gewesen, sich des vielen Blutes zu entsinnen, welches der

Cardassianer bei der Offenlegung seines Inneren abgab. Ihr ward offensichtlich

schlecht, weshalb sie leise zu singen begonnen hatte. Bis dato war sie der Britin

eine willkommene Hilfe gewesen, welche ihr das eine oder andere Instrument

gereicht hatte, doch ab dann verblieb sie in der Trance, kein Blut sehen zu müssen

und die für sie schreckliche Musik der Menschen anzuhören. Aus der Trance heraus

hatte die Vedek kurz erklärt, dass sie für den Cardassianer, der ja auf einem

bajoranischen Planeten verstorben war, zu den Propheten beten würde, was die

Britin mit einem schiefen Grinsen quittierte, ohne jedoch eines Wortes Gewahr zu

werden. Ich hoffe, sie weiß, dass Cardassianer in den Tiefen ihrer Seele größere

Gläubiger waren als die Bajoraner je imstande sind ... Seit diesem Augenblick hatte

sie kein Wort mehr von der Vedek vernommen, die noch immer in Trance blieb und

ein Summen abgab, welches Caroline nicht vernehmen konnte; die Musik war

einfach zu laut ... und zu schön und passend: Not dark yet ...

Weitere drei Stunden später war sie fertig mit ihrer Arbeit, bei welcher alles

analysiert wurde, was es nur zu sagen gab. So hatte sie jetzt die Möglichkeit, wieder

etwas für ihr chirurgisches Können zu tun, welches nicht so fortgeschritten war, wie

sie es sich gerne gewünscht hätte. Den bajoranischen Segen hatte der Tote nun

bekommen, und ihretwegen auch den von Gott, doch war es nun an der Zeit, die

entweihte Seele mitsamt Körper zu flicken. Die Cardassianer würden die Leiche

sicherlich gerne mitnehmen wollen, sollte der Konflikt einst ein Ende finden. Für

Caroline war der Unbekannte nicht mehr von Wert, da alle relevanten Daten

gesammelt und dem schiffseigenen System über die rudimentäre Verbindung

überantwortet waren. Für die Zusammensetzung des toten Körpers mit seinen toten

Organen nötigte sie jedoch der Hilfe der Vedek, welche sie nach einiger Zeit recht

unsanft aus der Trance rief mit dem Hinweis, doch endlich ihr Wort zu erfüllen. Die

Operation würde noch einmal knappe drei Stunden dauern, da die Britin es so gut

wie möglich machen wollte, um wieder in Übung zu kommen. Just in diesem

Moment berichtete ihr der Computer, was er während der gesamten Nacht getan

hatte, von den Vitalzeichen und sonstigen Werten, welche Jihan betrafen, und

Caroline ward zufrieden. „Nun, Vedek, können wir?“ Etwas unsanft, sicherlich, aber

die Bajoranerin hielt ihr Wort ... auch in den nächsten drei Stunden.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

2406.353 06:00 - Casino / Labor 13 - Michael Myers - Datum: 2004-12-14

16:11:10

Es war exakt sechs Uhr früh, als die drei das Casino betraten. Der Dienst der

Wissenschaftler war noch nicht vorbei, aber Michael war der Ansicht, ein kurzer

Tapetenwechsel wäre in Ordnung und würde allen helfen, sich etwas zu entspannen

und wieder neue Energie zu tanken, um das Problem endgültig zu lösen. Sie

mussten diese Spur weiter verfolgen. Es war ihre einzige Hoffnung, und Myers war

nicht bereit, sie so einfach aufzugeben.

Die beiden Wissenschaftler replizierten sich starke Kaffees, aber Michael blieb

seine Vorgaben treu und nahm nur einen Tee, der ihm laut Speiseplan erlaubt war.

Er schmeckte zwar immer noch nicht, aber er hatte zur Zeit wirklich genug Ärger. Er

wollte es sich also nicht noch mit dem medizinischen Personal verscherzen. Mit dem

Tee bewaffnet, und einigen Stücken Obst, die er sich ebenfalls hatte replizieren

lassen, ging er zu dem Tisch, an dem sich sein nächtlichen Kollegen niedergelassen

hatten. Er legte das Obst in die Mitte, aber so richtigen Hunger hatte keiner der drei.

Sie blickten sich aus holen Augen heraus an, und man merkte, das sie alle

Konzentration zusammen nahmen, um nicht laut loszugähnen. Einige Bissen wurden

zwar gegessen, aber das wohl eher aus Langeweile, denn aus Hunger. Außerdem

half es, so merkte Michael, sich wieder zu konzentrieren, denn man war beschäftigt,

und konnte nicht einfach so einschlafen. Sie waren alle vollkommen fertig. Man sah

ihnen an, was sie hinter sich hatten, wobei der OPS besonders schlecht aussah,

hatte er immerhin vor dieser Nachschicht auch schon einen normale Tagschicht

hinter sich gebracht. Er war jetzt beinahe 24 Stunden auf den Beinen.

Aber an Schlaf war jetzt nicht zu denken, zu drängend waren die Probleme, die

sie hatten. Aber auf der anderen Seite wusste er, das es eigentlich besser sein

würde, wenn er jetzt ein paar Stunden Schlaf nehmen würde, denn danach könnte er

mit neuem Schwung wieder an die Sache heran gehen. Aber bis dahin wäre die

Spur erkaltet, dessen war er sich sicher. Und noch während er so sinnierte, glitt ihm

die Tasse aus den Fingern, und das heiße Getränk lief ihm über die gesamte

Uniform.

Mist!

Jetzt konnte er sich auch noch eine neue Uniform anziehen gehen. Aber immerhin

schien die Hitze, die der Tee auf seine Haut brachte, ihn wieder etwas wacher zu

machen.

Gott, war das heiß. .... und wie ein Hammer traf ihn die Erkenntnis. Er fuhr hoch,

stieß dabei an den Tisch und warf das Obst genauso vom Tisch, wie die Tassen der

Wissenschaftler. Natürlich waren die anderen nicht sonderlich begeistert davon,

hatten aber nicht mehr genug Antrieb, sich lautstark zu beschweren, sondern nölten

nur ein wenig herum. „... was soll denn das werden ...“ und „... hehe, langsam großer

Mann ...“ Aber Michael verstand selbst diese Anspielung auf seine Leibesfülle nicht

mehr, denn er war schon fast wieder aus dem Casino heraus.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Die beiden anderen schauten sich fragend an, was denn in den Schwarzen

gefahren sei. Aber sie besorgten sich erst einmal neue Kaffees, bevor sie Michael

folgten. Der rannte durch den Flur, so schnell er konnte und rief dabei noch „Wir

kriegen euch!“ und dann lachte er fast hysterisch auf. Vor dem Turbolift

angekommen drückte er den Schalter für das Gerät und wartete ungeduldig. Die Tür

öffnete sich. Und ohne zu sehen, ob jemand die Kabine verlassen wollte, stürmte er

sofort in den Lift. Dabei übersah vollkommnen den XO, der sich gerade im Casino

ein Frühstück besorgen wollte. Er rannte ihn fast über den Haufen und entschuldigte

sich kurz, bevor er, ohne Fox die Gelegenheit zum Aussteigen zu geben, den Befehl

gab „Zur Wissenschaftsstation!“

Der Lift setzte sich in Bewegung und erst jetzt wurde Michael bewusst, was er

getan hatte. Er drehte sich zum Kanadier um und lief rot an. Nicht, das man das

wegen seiner schwarzen Haut nicht sah, aber es war ihm schon peinlich, was

passiert war. „.... ähm, .... Sir .... also ....“ stammelte er los und Fox schaute ihn

irritiert an. „Sir, es tut mir leid.“ Hatte er sich mittlerweile wieder gefangen „Ich habe

sie nicht gesehen, und ich muss eine heiße Spur verfolgen, bevor sie noch kälter

wird.“ Dabei grinste er breit, denn immerhin war es in diesem Fall wortwörtlich zu

nehmen.

Der Commander schien nichts zu verstehen, aber fing sich gerade wieder und

fragte „Mr. Myers, wollen sie sagen, sie haben die ganze Nacht durchgearbeitet?“ er

konnte es nicht fassen. Wie konnte dieser Mann dann noch so aufgedreht sein?

Hatte er Drogen genommen, oder wie kam es, das er so vor Energie sprühte? Der

OPS blickte den Namensvettern an und nickte nur. „Aber dafür kriegen wir sie

gleich.“ Allerdings konnte Fox seinen Enthusiasmus nicht teilen. Offensichtlich

verstand er nicht, was los war. Und so fügte der Schwarze hinzu „Nun, wir haben die

Virusspur verloren, sie wurde zu dünn, aber ihre Tarnung wird ihnen nun zum

Verhängnis.“

Er merkte nicht, wie er den XO in immer größere Verständnisprobleme brachte.

Aber es war auch egal, denn sie hatten das Deck ihrer Fahrt erreicht. Fox wußte

noch nicht, worum es ging, aber da er es gerne herausfinden wollte, folgte er dem

großen Mann, als er quer durch die Wissenschaftsstation sprang, um schnell einige

Veränderungen an den Sensoren vorzunehmen und einen Scan zuinitiieren. Dann

drehte er sich um und blickte den wesentlich kleineren Mann an, der dort stand und

mit verschränkten Armen auf eine Erklärung wartete. Michael war verlegen.

Immerhin hatte er seinen Vorgesetzten gerade eben mehrfach vor den Kopf

gestoßen. Nun war es Zeit, zu erklären, was passiert war.

Als die beiden Wissenschaftler der Gammacrew eintrafen, war Michael gerade mit

der Zusammenfassung der Nacht für Fox fertig geworden. Das war günstig, denn

diesen Teil kannten die ja schon. Jetzt kam der auch für sie neue Teil. Michael hatte

sich zwischenzeitlich etwas beruhigt und erzählte so von seinem Plan, die Wesen,

die dort unten den Virus transportiert hatten, aufzuspüren, indem er ihre Wärmespur

folgen würde. Und das war der Grund, warum das Wortspiel mit der „heißen“ Spur

so treffend war. Die Wissenschaftler teilten den Optimismus des OPS nicht, denn sei

meinten, die spuren würden sich verlieren.

Aber hier kam die zweite Idee hinter diesem Versuch. Da es sich um eine Gegend

handelte, in der fast niemand mehr lebte, waren auch wenige Leute in den Strassen


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

unterwegs. Und so bestand die Chance, genau die Wärmespuren, die sei suchten,

doch noch zu finden. Fox schien nicht ganz sicher zu sein, was er glauben sollte,

aber eine Diskussion jetzt würde keine Ergebnis bringen, also würde man wohl die

Ergebnisse des Scans abwarten. Oder besser, dessen anschließende Auswertung.

Zwischenzeitlich stellte er dem OPS und den Wissenschaftlern einige Fragen zu den

Ergebnissen der Nacht, als schließlich die Konsole, an der Myers saß anfing zu

blinken.

Die Ergebnisse waren da. Nun würde sich herausstellen, was die Idee des OPS

tatsächlich wert war. Die drei „Nachtschwärmer“ machten sich also an die

Auswertung der Daten und wenige Minuten später hatten sie ein Ziel ausgemacht.

Zwar war es kein absolut sicheres Ziel, aber die Wahrscheinlichkeit war sehr groß,

nach den Spuren zu urteilen, das sich der- oder diejenige hierher zurückgezogen

hatte. Es schien sich um eine alte Militäranlage zu handeln, in deren Katakomben

die Spur sich dann endgültig verlief, aber was jetzt zu tun wäre, würde wohl am

besten der Commodore entscheiden, wenn man ihm, zu Schichtbeginn, die

Ergebnisse vorgelegt haben würde.

2406.353 07:55 - Labor, Gänge, Brücke - Michael Myers - Datum: 2004-12-16

23:11:39

Der Commodore. Genau dahin würde sie ihr Weg jetzt führen. Die beiden

Wissenschaftler, deren Schicht zu Ende ging, entließ der Commander noch, bevor er

mit Myers an einem Replikator Halt machte, und ihm einen Kaffee anbieten wollte.

Natürlich wollte er auch selber einen haben, aber auch der Einsatzoffizier sah aus,

als ob er ein wenig „Doping“ vertragen könnte. Der nickte zwar erst, aber als er dann

realisierte, was er im Begriff war zu tun, widersprach er schnell „Nein, Sir, ich darf

keinen Kaffee trinken, Anweisung von Dr. Benteen.“ Fox grinste. Hatte er da so

etwas wie Angst in der Stimme des Schwarzen gehört? Nun ja, die CMO war schon

eine beeindruckende Person, aber Angst brauchte man sicherlich keine vor ihr zu

haben.

Trotzdem schwang das etwas derartiges mit, und Fox wusste, warum der andere

so reagierte. Er hatte sich ihre Geschichte angeschaut und ahnte, was in seinem

OPS vorging. Aber er beruhigte ihn und hielt ihm die Tasse mit dem heißen,

koffeinhaltigen Getränk hin. „Hier, nehmen die, denn erstens ist Dr. Benteen nicht

hier, und zweitens ist das ein Befehl.“ Gegen das erste Argument hatte Myers schon

ein Gegenargument auf der Zunge, denn man wusste ja nie, wo der Dr. nicht überall

sehen konnte. Aber bei dem zweiten Satz ging ihm die Basis zum

gegenargumentierten verloren. Zwar war es nicht schlimm, diesen Befehl zu

ignorieren, immerhin war es keine echte Anweisung, aber trotzdem fühlte Michael,

wie er es sich bequem machte und einfach einen Befehl befolgte.

Die beiden Offiziere tranken also ihren Kaffee auf dem weiteren Weg zur Brücke

wortlos. Sie betraten den Turbolift und der setzte sich zügig in Bewegung. Der XO

erläuterte noch, wie er die Sache sah „Also, ich denke, sie halten sich zurück. Sie

sind müde und sollten nur reden, wenn es konkrete Rückfragen gibt.“ Myers war

nichtböse darum, war er doch keine echte Größe im Bereich Reden. Trotzdem wollte

er, das der Commodore wusste, wer die Entdeckungen gemacht hatte. Aber das

würde er sicher, immerhin hatte er ja ihn damit beauftragt. „Einverstanden, Sir, und


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

sie denken, sie haben alle Fakten, die sie brauchen?“ hakte er nach und blickte auf

das PADD mit den Detaildaten.

Fox nickte und als sie schon über die Brücke zu Kriegers Bereitschaftraum

gingen, in dem der sich aufhalten sollte, reichte der Schwarze noch des dünne

Tablett weiter an den Commander weiter mit den Worten „Das sind die Details des

Weges drauf, sowie die Wahrscheinlichkeitsberechnungen.“ Fox nahm das PADD

nicht an und meinte nur, während die beiden schon vor der Tür des Commodore

standen „Das meinte ich mit >Detailfragen klären sie dann bitte selber< vorhin.“ Die

beiden Michaels blickten sich an, und dann betätigte der XO den Türsummer zum

Büro des Commodore. Die, mittlerweile leeren, Kaffeetassen waren in einem

Replikator gelandet, um wiederverwendet zu werden, und XO und OPS mussten

nicht lange warten, bis sich die Türe mit einem Zischen vor ihnen öffnete. Der CO

saß hintern seinem Schreibtisch und hatte vor sich eine heiße Tasse Kaffee vor sich

stehen. Er begrüßte die beiden Offiziere und bat sie herein.

2406.353 08:10 - Bereitschaftsraum des CO - Michael Alexander Fox - Datum:

2004-12-17 02:55:05

Die Gesichtszüge des Commodores hatten die gleiche Frage offenbart, die sich

auch Fox jenes Morgens mehrmals gestellt hatte: Warum lief Myers mit befleckter

Hose quer durch das Schiff herum? Eine Antwort würden sie beide nicht erhalten.

Niemand hatte es gewagt, die Frage offen zu stellen.

Was Krieger stattdessen vernehmen durfte, waren die Entdeckungen seines

Einsatzoffiziers, die Ergebnisse einer durchgearbeiteten Nacht. Fox hatte die

Thematik kurz vorgestellt, bevor Mark eine weit genauere Erklärung lieferte. Trotz

seines ursprünglichen Vorhabens, Myers eher im Hintergrund zu halten, ließ der

erste Offizier seinen Kollegen sprechen. Fox selbst besann sich auf die Arbeit eines

Zuhörers.

Krieger schwieg einige Sekunden lang, nachdem Myers geendet hatte. Es schien,

als würde er sich auf den Grad der Glaubwürdigkeit einigen wollen, den er ihrer

Theorie beimessen wollte. „Wir haben Grund zur Annahme, dass man Waffen durch

die Kolonie transportiert hatte. Eben den Weg entlang, den Lieutenant Myers nach

verfolgt hat“, hatte der erste Offizier abgeschlossen und die gesamte Angelegenheit

auf einen Punkt gebracht.

„In einem ehemaligen militärischen Komplex der Kolonie“, murmelte Krieger leise,

um sich den Gedanken erneut zu verinnerlichen.

„Zumindest verlaufen sich die Spuren dort“, konkretisierte Myers. „Eventuell

könnte ein Team vor Ort die Restbestände weiter verfolgen. Wir wissen allerdings

nicht, was uns dort erwarten könnte.“

„Mit diesem Risiko Leben wir tagein und tagaus“, erwiderte Krieger. Ein stolzes

Lächeln begleitete seine Worte. Sein Blick traf auf den Phaser, der symbolisch

seinen Schreibtisch zierte. Ein Geschenk Captain Fausts, begleitet von einer langen


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Geschichte, die Krieger seinem ersten Offizier irgendwann erzählen wollte. Zuviel

hat sich dazwischen ereignet, seufzte Fox im Geiste.

Krieger war aufgestanden. Seinen Weg zum Replikator begleitete nachdenkliches

Schweigen. Kein Wort fiel, als er seine Gäste eines fragenden Blickes würdigte, ob

sie ein Getränk wünschten. „Tee, übliche Mischung“, lautete schließlich seine

Bestellung, als beide – noch mit warmen Kaffee im Magen – abgelehnt hatten. „Den

letzten Berichten zufolge, die ich aus dem Konsulat erhalten habe, ist in der Stadt

Ruhe eingekehrt“, schilderte er schließlich. Die Teetasse wanderte in die Hand, er

selbst wieder in Richtung seines Arbeitsplatzes. „Lieutenant Delphi berichtete, dass

die Massen nun verstärkt zum Lazarett strömen. Sie haben wohl endlich erkannt,

dass Selbstvorsorge wichtiger ist als Protest.“

„Wohin sich ihr Protest wandeln wird, wenn sie über die Existenz von Waffen

erfahren werden?“ Fox zuckte leicht mit den Schultern. Die Frage nach den

Erschaffern war noch nicht geklärt, was er von seinem Captain zu hören bekam.

„Dennoch. Die Behinderung unserer Arbeit deutet darauf hin, dass sie für den Bau

zumindest mitverantwortlich sind“, beharrte er. Die Wachen am Generator waren

eindeutig bajoranisch.

„Noch haben wir keine Waffen gefunden!“ entgegnete Krieger nüchtern. Das erste

Wort hatte er merkbar betont, worauf sein Blick sich zu Lieutenant Myers bewegte.

„Denken Sie, Sie können die Spuren auf der Oberfläche weiterverfolgen?“

Fox schmunzelte. Thomas’ unwiderstehliche Art, jemanden zu einer freiwilligen

Aufgabe zu bewegen, dachte er, sprach aber nichts. Myers dagegen nickte und

hatte kurz darauf die Aufgabe in der Tasche, sich persönlich um die Verfolgung der

Waffen zu kümmern. „Lieutenant Delphi und einige Sicherheitsbeamte aus dem

Konsulat werden Sie unterstützen“, fügte Krieger hinzu. Daraufhin musterte er den

Offizier genauer. Mehrere Sekunden verstrichen. „Zunächst aber wechseln Sie Ihre

Uniform und holen sich einige Stunden Schlaf. Sie sehen aus, als hätten Sie die

ganze Nacht getrunken.“

Fox drückte seine Arme gegen die Sessellehne, um nicht hörbar zu schmunzeln,

als er sich an Myers’ Aufeinandertreffen im Turbolift erinnerte. Ein leichtes Stechen

in der Hüfte – hervorgerufen durch die Reste seiner Verbrennungen am Vortag –

mahnte ihn, sich nicht auf Kosten eines Offizierskollegen zu amüsieren. Stattdessen

nickte er schweigen, zustimmend.

Lieutenant Myers dagegen war sichtlich weniger erfreut über die Idee, die es als

direkter Befehl des Kommandanten zu verstehen galt. Rasch erhob er sich und

dankte für das Vertrauen, bevor er sich verabschiedend aus dem Büro entfernte.

„Wie geht es dir?“ fragte Krieger sogleich.

Ja, wie geht es mir? Fox seufzte. Nur wenige Stunden war es her, als er sich

Loafer hinterher gestürzt hatte, hinab in einen brennenden Keller. Seine Hüfte grüßte

ihn bei diesem Gedanken. Ein Gefühl, das er so schnell nicht vergessen würde. Was

um alles in der Welt hatte ihn dort hinein getrieben? Pflicht, Ruhm, Wahrheit?

Letztendlich spielte das Motiv keine Rolle. Der Gedanke, dass sie der Auflösung ein

Stück weiter gekommen sein konnten, zählte als einziges. Wie es ihm ging?


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Schlecht, ob des Fundes, den sie gemacht hatten. Wie sehr hatte er sich gewünscht,

dass die Cardassianer falsch gelegen waren. Das Schicksal jedoch sprach gegen

sie, dieses Mal.

Schließlich winkte Fox ab. „Den Umständen entsprechen. Ich weiß nicht, worum

ich mich stärker sorgen sollte.“

„In erster Linie um dich. Wenn du selbst nicht intakt bist, könntest du schon bald

nichts mehr haben, worum du dich sorgen müsstest.“ Krieger schmunzelte, worauf

er seine Mimik in einer Teetasse zu verstecken versuchte.

„Ich frage mich, welche Folgen es haben würde, sollten wir solche Waffen finden“,

murmelte Fox. „Ich habe Angst, die Cardassianer zeigen wenig Verständnis für

Unwissensbeteuerungen seitens der Föderation.“

„Die Zeit wird es zeigen“, beschwichtige der Captain des jungen Offiziers

Gedanken. „Zerbrich dir darüber erst mal nicht den Kopf.“

Nicht zerbrechen? Leicht zu sagen, wenn man nicht derjenige ist, der den

Cardassianern an einem Tisch gegenüber sitzen wird.

Ein Piepen wies auf eine eingehende Nachricht hin. „Commodore, Mr. Reluk

möchte Sie in einer dringenden Angelegenheit sprechen.“

„So früh ist der auf den Beinen?“

„Mich würde es nicht wundern, wenn er erst gar nicht zu Bett gegangen wäre“,

entgegnete Krieger, eher nuschelnd als sprechend. „Schicken Sie ihn in mein Büro,

Mr. Carlak“, bat er schließlich den Überbringer der Ankündigung.

Das war das Zeichen für Fox, nun ebenfalls den Platz zu räumen. Eine wichtige

Aufgabe wartete auf ihn, auf es sich noch vorzubereiten ging. „Egal, was er von dir

will, lass dich von diesem Bajoraner nicht ärgern“, meinte Fox nicht ohne Grinsen im

Gesicht. Kurz darauf war er von der Zugangstür von seinem Vorgesetzten getrennt.

2406.353 08:13 - Lazarett - Maria Dax - Datum: 2004-12-18 15:35:14

Maria hielt die Tasse mit beiden Händen. Mit geschlossenen Augen genoss sie

den Schluck des Raktajinos. Sie wusste nicht, der wievielte es diese Nacht bereits

war, doch wusste sie, dass es eindeutig zu viele waren. Und alles konnte sie mit

ihrer Infektion auch nicht rechtfertigen.

Sie seufzte leise.

„Was mach ich nur mit dir?“, sagte sie dann leise und sah die Tasse leicht tadelnd

an. Der tadelnde Blick ging direkt in ein Kopfschütteln ob ihrer eigenen Naivität über.

Wer hatte schon mal eine Tasse sprechen gehört – im nüchternen Zustand…

„Du solltest einfach weniger davon trinken.“, hallte plötzlich eine Stimme im Raum

wider. Maria brauchte einen Moment lang, bevor sie der Stimme eine Richtung


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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

zuweisen konnte. Für einen kurzen Augenblick hätte sie wirklich gesagt, die Tasse

hätte ihr geantwortet.

Schließlich fuhr die Trill auf ihren Absätzen herum und sah Caroline an. Die

Medizinerin lehnte leicht lächelnd gegen die Konsole.

„Ich wünsche dir auch einen guten Morgen, Caroline.“, sagte Maria demonstrativ

und ging zur Medizinerin.

Die Wissenschaftlerin musterte sie über den Rand des Kaffeebechers hinweg und

konnte einige Ähnlichkeiten zu sich selbst bei der Britin feststellen.

„Du h ast wohl auch nicht sehr viel geschlafen.“, sagte sie müde lächelnd und bat

Caroline den Sessel an, auf dem sie fast die ganze Nacht verbracht hatte.

Carolines Antwort bestand aus einem leichten schütteln ihres Kopfes und Maria

nickte.

„Dachte ich mir… Wie geht es Jihan und wie weit seit ihr mit einem Gegenmittel?“

„Wir arbeiten noch daran. Ich habe gestern unseren cardassianischen Freund

obduziert.“, sagt Caroline so beiläufig wie es eben ging.

Maria schaute verdutzt zu Caroline hoch, hatte sie sich doch mittlerweile gesetzt

und die neuesten Übersetzungen aufgerufen.

Caroline tat so, als hätte sie Marias erstaunten Blick nicht gesehen und fuhr ruhig

fort.

„Er wurde durch einige Stiche in den Rücken die gen Lunge gerichtet waren mit

dem Virus infiziert.“

Maria lief es kalt den rücken hinunter bei dieser Vorstellung und sie griff sich

intuitiv an den Rücken.

„Das verstärkt die Theorie, dass die Bajoraner Schuld an diesem Virus sind.“,

sagte Maria leise. Tief in ihrem innersten hatte sie immer noch gehofft, dass alles

eines natürlichen Ursprungs sei, doch hatten sich die Beweise für einen künstlichen

Virus in den letzten Stunden immer mehr verdichtet.

Caroline war aufgestanden und hatte sich etwas vom Replikator geholt.

„Varen hatte keine Probleme die Handschrift zu lesen, doch glaube ich, dass er

uns immer noch nicht die Wahrheit sagt.“, sagte sie die Stille durchbrechend, als sie

zurück zu Maria kam. Diese nickte.

„Ich hatte mir nichts anderes erwartet. Wie hast du ihn eigentlich dazu gebracht,

dass er es liest ohne Verdacht zu schöpfen.“

Caroline, die sich mittlerweile wieder gegen die Konsole lehnte, grinste wissend.

„Dass bleibt mein kleines Geheimnis.“


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Maria sah Caroline mit gerunzelter Stirn und misstrauischen Blick an, doch konnte

sie der Britin nichts mehr entlocken.

Erneut breitete sich schweigen in dem Raum aus, bevor Maria wieder zu Caroline

hoch sah und sich in ihrem Stuhl zurücklehnte.

„Caroline, wieso bist du eigentlich gekommen? Doch etwa nicht um über die

neuesten Ergebnisse Small Talk zu betreiben.“, fragte sie sie mit leicht

zusammengekniffenen Augen.

Caroline nahm einen Schluck von ihrem Getränk, bevor sie antwortete.

„Da könntest du durchaus Recht haben… Ich wollte dich eigentlich nur fragen, ob

du mit mir Frühstücken willst.“

„Na wenn das so ist. Worauf warten wir noch?“, sagte Maria erfreut lächelnd und

stand auf. Ihre Tasse ließ sie neben der Konsole stehen und schon waren die beiden

Frauen unterwegs zum Ausgang.

Doch so weiter kamen sie nicht. Bevor sich die Tür vor ihnen mit einem zischen

öffnen sollte, drang ein energisches Piepsen von der Konsole an die Ohren der

beiden Offizierinnen. Maria sah Caroline einen Moment lang fragend an, bevor sie

zurück zur Konsole lief.

„Geh schon Mal vor, Caroline. Ich komme sofort nach.“, rief sie ihr noch zu,

woraufhin Caroline verschwand und Maria sich wieder hinsetzte.

„Nicht einmal kann man in Ruhe Frühstücken.“, nuschelte sie leise, bevor sie den

Komm-Ruf von der Gaines entgegennahm.

2406.353 09:30 - Lazarett - Mark Loafer - Datum: 2004-12-27 00:08:00

Mark hatte sich über die nächtliche Ruhe dann doch gefreut, auch wenn er nicht

zufrieden war mit dem, was sie erreicht hatten. Immerhin war er jetzt darauf

angewiesen, das die Wissenschaftler jetzt herausfanden, was das Material, das Fox

und er dort aus den Flammen gerettet hatten. Er hoffte eben, das es sich nicht nur

um das private Tagebuch eines verrückten Wissenschaftlers handelte, was er dort

gefunden hatte. Aber die Tatsache, das die Schrift verschlüsselt worden war, legte

doch nahe, das es sich um ein wichtigeres Dokument handelte. Oder doch, das es

zumindest Informationen enthielt, die nicht für jedermann gedacht waren.

Natürlich hätte es genauso gut eine Sammlung von Liebesbriefen sein könne, die

formuliert aber nie abgeschickt worden waren. Auch solche Sachen mochte ein

Wissenschaftler verschlüsseln, um zu verhindern, das sie in falsche Hände fielen. Es

gab genug geschichtliche Beweise, das auch solche Sachen oft und gut

verschlüsselt worden waren, aber wenn es etwas so persönliches war, wie es dann

nahe lag, warum war es dann im Labor verblieben. Hätte es der- oder diejenige dann

nicht mit sich genommen? Oder war der- oder diejenige, die diese Buch geschrieben

hatte vielleicht nicht lebend aus dem Labor herausgekommen. Entweder dahingerafft

vom Erreger, oder getötet durch das Feuer.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Alles das war möglich. Und im letzteren Fall war es möglich, das sogar die

persönlichen Aufzeichnungen helfen konnte, Licht in diese verwirrende Sache zu

bekommen. Maria würde bestimmt die besten Leute an die Entschlüsselung setzen,

oder sich sogar persönlich darum kümmern, was in jedem Fall Erfolg versprach.

Aber würden sie schon etwas erreicht haben? Er wusste es nicht, und er fand es

beunruhigend, denn das konnte nur heißen, das die Schrift noch nicht entziffert

worden war, oder das sie keine neuen Erkenntnisse gebracht hatte. Wenn der letzt

Fall zwar sehr deprimierend gewesen wäre, so würde er schon gerne wissen, wenn

er eingetreten war.

Er war seit über zwei Stunden wach, und hatte sich bereits wieder mit dem

Sicherheitsstatus des Lagers vertraut gemacht. Das war zwar nicht seine Aufgabe,

aber andererseits konnte es nicht schaden, Bescheid zu wissen, sollte etwas

passieren. Und ehrlich gesagt war ihm langweilig gewesen, nachdem er seinen

morgendlichen Lauf im inneren Perimeter des Lazaretts abgeschlossen und

gefrühstückt hatte. Er würde diesen Frühsport auf keinen Fall ohne guten Grund

ausfallen lassen, und hier und heute gab es einen solchen nun wirklich nicht. In

wenigen Sekunden wäre er an einem beliebigen Einsatzort gewesen, so klein war

das Lager. Also hatte er sich seine morgendlich Fitnessstunde nicht nehmen lassen

und war dann, nach einen wie immer recht gesunden und nahrhaften Frühstück in

das Büro des verantwortlichen Sicherheitlers im Lazarett gegangen.

Der Mann war nicht wirklich ausgelastet, denn außer einigen randalierenden

Bajoranern war hier nichts passiert, seit er hier vor einigen Tagen Quartier bezogen

hatte. Und diese waren schnell wieder zu den Akten gelegt worden, da Bevölkerung

die doch recht geschwächt war, wenn sie denn im Lager war. Hier waren ja nur

Infizierte aufgenommen und da behalten worden. Alle anderen waren versorgt und

wieder heim geschickt worden. Also war der Mann froh, das Mark ihm erstens

Gesellschaft leistete und er zweitens seine Arbeit trotz allem, hier unten mal lobte.

Nachdem Mark dann allerdings die Berichte gelesen hatte, verlor er schnell das

Interesse an dem Posten hier unten, und war froh, nicht selber dafür verantwortlich

zu sein.

Er hatte zwar selber auch nicht mehr zu tun gehabt, aber auf dem Schiff konnte

man doch die Annehmlichkeiten eines Sternenflottenschiffes nutzen. Das Holodeck

sorgte zumindest beim allmorgendlichen Lauf für ein gewisse Abwechslung. Nun

gut, nicht jeder Sicherheitler war in dieser Hinsicht so verrückt wie Mark, aber er

hatte gelernt, das eine mangelnde Kondition ihm nur zum Nachteil gereichen konnte,

wenn sie sich einmal bemerkbar machte. Und da er eh früh aufstand, ergab es sich

nun mal, das er sich fit hielt, auch schon, um die Kollegen nicht zu stören. Zumal es

hier auf dem Schiff noch geregelter ablief, als er es vom Marine Corps gewohnt war.

Denn nach den acht Stunden Dienst wurde die Freizeit wirklich groß geschrieben,

ein Umstand, an den sich der ehemalige SF Offizier erst noch gewöhnen musste,

nachdem er mehrfach von den Kollegen der Betaschicht aus den Räumen der

Sicherheit entfernt wurde.

Nun ja, er war es anders gewohnt, und der Mensch war nun mal ein

Gewohnheitstier. Aber er hatte sich mehr und mehr daran gewöhnt, aber dafür eben

mehr Zeit in den Fitnessräumen des Schiffes verbracht, und jede Minute genutzt, die

er auf einem Holodeck zum Training nutzen konnte. Er würde später, wenn es

wieder ruhiger wurde, mit dem Sicherheitschef über ein Trainingsprogramm der


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Sicherheit sprechen, das sie in die Lage versetzen würde, besser, schneller und

effektiver eingreifen zu könne, sollte es einmal dazu kommen. Immerhin hatte ja

einiges an Erfahrung, was solche Trainings anging, und in abgewandelter und

abgeschwächter Form würde es auch den Sicherheitlern hier an Bord der Gaines

helfen, besser zu werden.

Jetzt, da er die Berichte der Sicherheit alle durchgelesen hatte, und er daraus

nicht viel Information hatte ziehen können, schaute er auf den Terminal und stellte

fest, das es mittlerweile 0800 durch war. Eine Zeit, zu der die Chefwissenschaftlerin

der Gaines ihren Dienst angetreten haben sollte. Er aktivierte den Kommunikator auf

seiner Brust und forderte den Computer auf, eine Sprachverbindung zu Lieutenant

Commander Dax aufzubauen. Es dauerte einige Zeit, bevor er die Stimme der Trill

hörte „Hier Dax, guten Morgen Mr. Loafer, was kann ich für sie tun?“ Sie wirkte ein

wenig genervt. Woran das genau lag, konnte er nicht sagen, aber er versuchte sich

so kurz wie möglich zu fassen.

„Guten Morgen, ihnen auch, Lieutenant Commander. Ich wollte mich nur

erkundigen, ob die Untersuchung des Buches und der Papiere schon weitere

Erkenntnisse gebracht hat?“ Es dauerte wiederum eine Weil, bis eine Antwort

erfolgte. „Nun, ja, das schon, aber kommen sie doch in das Wissenschaftslabor in ....

hm, .... sagen wir in einer Stunde. Dann werde ich ihnen zeigen, was wir haben. Ist

das in Ordnung für sie?“ Mark dachte kurz nach und wusste, das konnte nur

bedeuten, es gab zwar neue Erkenntnisse, aber keine, die von echtem Interesse

waren, denn sonst hätte es keine Stunde zeit gehabt, sie ihm mitzuteilen. Also

erwiderte er kurz „Kein Problem, Ma’am, ich werde pünktlich sein“ dieser letzte Satz

war überflüssig, denn wenn man von Loafer eines sagen konnte, dann war es, das

er pünktlich war, wenn es keinen echt guten Grund dagegen gab.

Offensichtlich hatte er seine Enttäuschung nicht gut verborgen. Und auch wenn

die Trill nichts für die Ergebnisse, oder aber auch Nicht-Ergebnisse, konnte,

entschuldigte sie sich „Mr. Loafer, ich werde noch mit unserer Chefmedizinerin

frühstücken, und danach die Ergebnisse der Nachtschicht durchsehen. Dann werden

wir mehr wissen, hoffe ich.“ „Danke, Loafer Ende“ beendete er ordnungsgemäß das

Gespräch. Der Sicherheitler, der ihm gegenüber saß schaute ihn verwundert an und

wollte wissen, was denn los war, und so fasste Mark kurz zusammen, was in der

Datenbank der Gaines ohnehin schon stand. Er gab also keine Informationen weiter,

die nicht schon Allgemeingut waren. Nur hatte sie der Mann noch nicht gelesen,

aber das könnte er jederzeit nachholen. Mark war das ganz Recht, konnte er doch

so die Wartezeit bis zum Treffen mit der Trill verkürzen.

Pünktlich um 0930, 60 Minuten nach ihrem Gespräch, stand Mark nun also vor

dem Labor der Wissenschaftler und betrat es, in der Hoffnung, hier die

Chefwissenschaftlerin vorzufinden. Er schaute sich um ....

2406.353 12:00 - Lazarett auf dem Planeten - Caroline Benteen - Datum: 2004-

12-20 10:11:52

Kurze Abhandlung über die Nahrungsaufnahme in einem Lazarett der

Sternenflotte des 25. Jahrhunderts


Wahrheit?

von Dr. Caroline Benteen

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Im Lazarett Frühstück oder eine andere Mahlzeit zu sich zu nehmen gleicht in der

heutigen Zeit noch immer jenem Standard, welcher bereits vor mehr als

vierhundertfünfzig Jahren abgeschafft hätte werden müssen. Sollten einem jegliche

Gedanken zu Kopfe steigen, daß sich daran doch etwas geändert haben möge, so

wird stets auf ein Problem hingewiesen: Lazarette neigen nun einmal dazu, autonom

und recht abgeschnitten von jeglichem Nachschub zu arbeiten, wodurch diese

gezwungen sind, das verfügbare Material eingeteilt zu wissen.

So auch in diesem Fall des Lazaretts auf Rakhvaija, welches dank der

cardassianischen Bedrohung und des bajoranischen Übereifers lange Zeit ohne

Verbindung zum heimatlichen Schiff stand und steht und sich deshalb jener Politik

ergeben durfte, welche von den Insassen, den Mitgliedern des Außenteams, als

nach einigen Tagen unzumutbar geschildert wurde. Essensrationen zum Beispiel,

um auf das Thema Frühstück zurückzukommen, waren stark gemindert und

entstammten nicht mehr dem Replikationsprozess, welchem man von einem Schiff

der Sternenflotte gewöhnt war. Die jahrhundertlange Erfahrung auf diesem Gebiet

hatte den Menschen dazu veranlasst, für solche Situationen, wie sie immer wieder

eintreffen konnten, Vorbereitungen jeglicher Art zu treffen.

Diese richteten sich vor allem an die vorbereitenden Maßnahmen bei der

Herstellung essbaren Untergrunds. Kistenweise Kartoffeln, Schweinefleisch und

Gemüse jeder Art war in dieses Lazarett verfrachtet worden, alles vorbereitet und

konserviert für diesen Fall. Da es sich beim Einsatz eines Lazaretts um

Notsituationen handelte, wurde nur selten der Nahrungsgewohnheiten fremder

Spezies bedacht. Da die Mehrheit der sich bildenden Gruppen sich dem

menschlichen oder menschähnlichen Sektor zuordnen lässt, verfällt die Sternenflotte

wiederholt auf die menschliche Nahrungsgewohnheit.

Zieht man diesen Umstand mit der in Lazaretten immer prekären Lage seiner

Mitarbeiter (lange, harte und unregelmäßige Arbeitszeiten) gleich, entsteht ein

großer Überdruck an negativen Verhaltensweisen zwischen den einzelnen

Mitgliedern des Teams. Das sich diese Meinungsverschiedenheiten, welche jetzt viel

öfter und in gereizter Stimmung breiter ausfallen, nicht in sämtlichem handfesten

Umgang der einzelnen Teilnehmer ausweiten, darf als Pluspunkt in Sachen

Teamwork gesehen werden. Jedoch überdeckt eine solche Betrachtung die

psychische Tragweite, welche dahinter steht und für die eigentliche Unruhe sorgt.

Bei einem längeren Lazarettaufenthalt bildet sich bei allen Mitgliedern des

Außenteams über kurz oder lang entsprechender Lagerkoller, welcher sich in

triefendem Sarkasmus bis hin zum Zynismus bewegt.

Im hiesigen Lazarett kann von solchen Ausfällen nicht die Rede sein, waren die

bisherigen doch nur von geringerem Wert und stellten niemanden vor größere

Probleme. Dafür sind wir alle auch eine zu kurze Zeit dabei. Doch die wenigsten

unten den Mitgliedern dieses Außenteams haben eine solch stressige Phase in

ihrem Leben bisher durchstehen müssen, so dass es zu häufigeren Übergriffen der

psychischen Sorte kam, als es der Durchschnitt zeigen will. Und selbst Offiziere sind

von solchen Aussagen, welche eine gewisse Unzufriedenheit nur schlecht verbergen

kann, betroffen. Ein Beispiel, in meinen Augen das beste, liefert gleich meine

Person, als man sich am heutigen Tage mit Maria Dax, Chefwissenschaftlerin


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

unseres Schiffes zum Frühstück traf. Man gesellte sich in jene Reihe, welche

langsam der Essensausgabe zustrebte, und war derart in ein Gespräch vertieft, daß

man keinen Blick auf die heutige Mahlzeit werfen konnte.

Hierbei gilt anzumerken, dass seit dem ersten Auftauchen der Bajoraner vor Ort

jegliche Nahrungsaufnahme aus dem Replikator unterbunden war und man somit

auf die bereits erwähnten, vorbereiteten Maßnahmen zurückgegriffen hatte. Um es

kurz zu halten: das Essen war schlecht wie eh und je, wenn es in einem Lazarett

Arbeit zu erledigen gab. Der Hunger trieb es hinein, und der einzige Vorteil, welches

hinter diesem Essen stand war, daß genügend davon vorhanden war. Aussprüche,

wie nachfolgender, waren an der Tagesordnung und zeigten, wie schon erwähnt, die

Unzufriedenheit vieler, fast aller, auf die Nahrungsaufnahme.

Nachdem Mrs. Dax an der Reihe war, ihr Essen bekommen hatte, hielt besagte

Dr. Benteen ihr Tablett mit verschlossenen Augen dem Koch hin und ließ sich das

Essen auf den mitgebrachten Teller präsentieren. „Es gibt Spinat“, war die teils

fragende, teils feststellende Aussage der Ärztin darauf gewesen, was die trillische

Wissenschaftlerin zu einem erstaunten Blick hinreißen ließ. „Das hast Du

gerochen?“ war hernach ihre verständliche Frage, was die Britin, noch immer mit

verschlossenen Augen, kopfschüttelnd widersprach: „Nein, aber gehört!“

Nicht genug dieses Sarkasmus‘, gab besagte meine Wenigkeit später noch einen

Kommentar zum besten, welcher sich erneut um die essbaren Zustände in diesem

Lazarett drehten. An die Trill gewandt wurde diese gefragt: „Kennen sie schon den

Witz von dem Soldaten, welcher sein ganzes Camp rettete, indem er den Koch

erschoss?“ Festzuhalten, und das eigentlich nur zur eigenen Notiz, ist die Tatsache,

das Mrs. Dax für Sarkasmus nicht zu haben war, wenn sie in einem solchen Lazarett

arbeiten durfte, was ihre Antwort wiedergab: „Nein, wie geht der Witz?“ Ihr blieb ein

Augenzwinkern, um das Niveau, welches hier nicht vorhanden war,

aufrechtzuerhalten.

Abschließend sei noch zu vermerken, dass ich mir das baldige Abrücken von

dieser Art Außendienst wünsche. Nicht so sehr für mich sondern ehr für die

Mitglieder meines Außenteams. Die Stimmung ist nicht die Beste, was vor allem

auch den unhandlichen Bajoranern zu Schulden war. Die Geneve würde mit solch

einer Situation bestens zurecht kommen, ausgerüstet für solche Missionen. Die

Gaines, und da hoffe ich für die Zukunft, wird solch eine Geschichte nur selten

erleben, und wenn es wieder einmal der Fall sein sollte, so bitte ich inständig, dass

immer die selben Leute zu dem Team gehören sollten, die bereits Erfahrungen

gesammelt haben.

Zu guter Letzt sei hier noch einmal vermerkt, dass sich meine Abhandlung nur um

die Nahrungsaufnahme meines Außenteams beschränkte, um zu zeigen, dass allein

hier der Hase im Pfeffer zu suchen sein wird, wenn es um ausschreitende

Maßnahmen streikender Mitarbeiter geht, welche in einem Lazarett auf Dauer keine

Zukunft sehen.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

2406.353 14:59 - Transporterraum der Gaines, Cardieschiff - Rahja Preja -

Datum: 2004-12-05 17:52:53

Kurz vor der Zeit betrat Rahja am nächsten Nachmittag den Transporterraum 1

der James Robert Gaines. Lieutenant Commander Fox war bereits vor ihr

angekommen und hatte sich bisher mit dem Transporterchief unterhalten, drehte

sich jetzt jedoch zur Counselor herum.

„Hallo, Ensign.“ begrüßte er die El-Aurianerin, die mit einem knappen:

„Commander.“ seine Begrüßung erwiderte. Fox fuhr sich kurz mit der rechten Hand

durch sein dunkelblondes Haar. „Sind Sie bereit?“ wollte er dann von der neuen

Counselor wissen, die wohl fast zwei Köpfe kleiner war als er.

Die nickte schlicht, als die Tür zum Transporterraum sich erneut öffnete. Ein

Cardassianer trat herein. Es musste sich um Dares Thain handeln, denn sie hatte

empfohlen den einzigen Cardassianer an Bord als Bindeglied mitzunehmen. Sie

hoffte, dass er als Mittler zwischen den Kulturen würde fungieren können. Sie war

sich dessen bewusst, dass dies auch mehr als nur schief gehen konnte, hielt aber

die wahrscheinlichen Vorteile für wert, das Risiko einzugehen.

Dares blickte sich kurz im Transporterraum um, nur um festzustellen, daß sie

komplett waren. Er nickte beiden zu und bewegte sich, ebenso wie die beiden

anderen auf die Transporterplattform zu, als Fox gemeint hatte: „Dann wollen wir

mal.“

Mit dem Gesicht zum Transporterchief und seiner Konsole gewandt, nahmen die

drei Mitglieder des kleinen Außenteams Aufstellung. Dieser konnte sich ein „Viel

Glück.“ nicht verkneifen und wartete dann auf das: „Energie!“ des ersten Offiziers,

das auch nicht lange auf sich warten ließ.

Beinahe übergangslos wurde der Transporterraum der Gaines gegen denjenigen

der „Tolarus“ ausgetauscht, dem Keldon-Schiff, das die Führung des

cardassianischen Verbandes hatte und auf dem sich auch Gul Talat befand, mit dem

man sich besprechen würde. Nur das leichte blaue Schimmern beider Räume

machte klar, daß die drei Crewmitglieder der Gaines per Transporter von dem einen

Schiff zum anderen transferiert worden waren.

Dort sahen Michael Alexander, Dares und Rahja sich drei Cardassianern

gegenüber, die wohl das ebenfalls dreiköpfige Team von der Tolarus unter Führung

des Guls höchstpersönlich darstellten. Dieser trat nun vor und begrüßte die

Neuankömmlinge.

„Willkommen an Bord der Tolarus.“ begann der zwar leicht übergewichtige, aber

gerade deshalb imposant wirkende Cardassianer. „Ich bin Gul Talat.“ stellte er sich

überflüssigerweise vor und winkte, während die drei Gaines-Offiziere von der

Transporterplattform des Keldon-Schiffes stiegen sein Team herbei.

„Dies sind Glinn Jarett und Gil Goran.“ stellte er die beiden anderen neben dem

obligatorischen Transporterchief anwesenden Cardassianer vor. Bei Glinn Jarett

handelte es sich um eine weibliche Ausgabe der Spezies, mit am Hinterkopf

verknotetem schwarzem Haar, bei Gil Goran um eine durchtrainierte, junge Ausgabe

eines männlichen Cardassianers.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Man tauschte kurze Höflichkeitsfloskeln aus, dann machte man sich zu sechst auf

den Weg zum für das Treffen ausgesuchten Ort, einem mittelgroßen

Besprechungsraum. Man nahm dort an gegenüberliegenden Tischseiten Platz und

das Gespräch begann.

„Nun, wir wissen ja alle, aus welchem Grund wir hier zusammengekommen sind.“

leitete Fox das Gespräch ein.

„Wissen wir dies?“ fragte Talat in dem Plauderton, für den die Cardassianer im

ganzen Quadranten bekannt waren.

Fox ließ sich von der provozierenden Frage nicht aus dem Konzept bringen und

beantwortete sie mit einem: „In der Tat. Es geht darum eine friedliche Lösung für

diesen Konflikt zu finden und eine gewaltsame Eskalation zu vermeiden.“

Der Gul nickte. „Die Cardassianische Allianz ist an einer friedlichen Lösung in

jedem Falle interessiert.“ gab er an, offensichtlich die hohe Kunst der Diplomatie

beherrschend. Auch seine Begleiter nickten zustimmend.

Talat stützte die Ellbogen auf den Tisch, faltete die Hände und beugte sich leicht

vor. „Was also gedenken Sie gegen die Seuche zu tun, die auf dem Planeten

herrscht? Wir werden keinesfalls erlauben, dass sie von den Einwohnern durch

sämtliche Systeme getragen wird. Jedes Schiff, das versucht den Planeten zu

verlassen, wird weiterhin von uns aufgebracht werden und in unserem

Quarantänebereich landen.“ sprach er dann eine Drohung wie aus heiterem Himmel

aus.

Rahja beugte sich ebenfalls leicht vor und meinte in sachlichem Tonfall: „Niemand

hat ein Interesse daran, dass sich die Seuche über den gesamten Quadranten

ausbreitet. Unsere Mediziner arbeiten bereits an einem Heilmittel.“ gab sie an.

Jarett sah die Counselor unverwandt an und fragte: „Und wie weit sind Sie dabei

bisher gekommen?“ wollte die Frau dann wissen.

Fox nahm der El-Aurianerin die Antwort ab. „Das unterliegt im Moment noch der

Geheimhaltung.“ wandte er ein.

Goran lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Verstehe.“ merkte er lediglich an.

Diesmal beugte Thain sich vor. „Ich bin sicher, dass die Föderation ein

entsprechendes Heilmittel auch der cardassianischen Allianz zur Verfügung stellen

würde.“ versuchte er, die sich bildenden Wogen zu Glätten.

Diesmal kommentierte der Gul trocken. „Natürlich.“

Michael Alexander unternahm einen weiteren Vorstoß. „Wir wären dankbar, wenn

Sie uns ermöglichen würden, die humanitäre Hilfe für den Planeten auszuweiten.

Unser Ärzteteam kann nur sehr eingeschränkt arbeiten, da es nur schwerlich

Kontakt zum Schiff aufnehmen kann. Wir benötigen einen leichteren Zugang zum

Planeten, um effektiv nach Ursache und Heilung für die Seuche suchen zu können.“


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Der Gul schwieg und schien Entscheidung sowie Antwort sorgfältig abzuwägen,

bevor er seinen Blick schließlich auf den Lieutenant Commander im Team legte.

2406.353 15:25 - Quartier - Michael Myers - Datum: 2004-12-20 14:36:04

Er hatte das erste mal seit Tagen wieder gut und ruhig geschlafen. Genau

genommen hatte er geschlafen wie ein Stein. Und wahrscheinlich hätten sie sogar

unter seinem Bett das komplette Zimmer abbauen könne, und er hätte s nicht einmal

gemerkt. Das war natürlich kein Wunder gewesen, nach dem , was die netzten 24

Stunden passiert war. Und auch in diesen harten Tag war er ja noch nicht einmal

ausgeschlafen gegangen, denn die Schlafstörungen hatten ihn Tage (oder besser

Nächte) vorher schon von dem abgehalten, was er als ausreichend Schlaf

bezeichnet hätte. Umso erstaunter war er, das er um punkt 1500 aufwachte, ohne

das es einen ersichtlichen Grund dafür gab. Er wurde wach und hatte nicht einmal

das Bedürfnis, weiterhin im Bett zu bleiben.

Er wunderte sich aber gar nicht darüber, sondern sofort waren sein Gedanken

wieder bei dem, was der Commodore ihm wenige Stunden zuvor aufgetragen hatte.

Na ja, erst einmal hatte der ihm einige Stunden Schlaf befohlen. Aber diesen teil des

Befehls hatte der Lieutenant Junior Grade ja nun ausgeführt, und er konnte sich dem

zweiten teil widmen. Er sollte mit einem Sicherheitsteam auf den Planeten gehen

und sehen, was es in dieser Militäranlage, die er als Ziel des Virus herausgefunden

hatte, so tat. Sie hatten keine Ahnung, was sie dort unten erwarten würde, aber

trotzdem war Michael sicher, das es dort zwar nicht mit rechten Dingen zugehen

würde, aber auch, das sie dort unten nichts allzu überraschendes erwarten würde.

Genaugenommen befürchtete er das, denn was all das, was sie herausgefunden

hatten nahe legte, war die Tatsache, das es die von den Cardassianern

angeprangerte biologische Waffe tatsächlich gab, und das die Bajoraner es mal

wieder geschafft hatten, das vertrauen der Föderation auszunutzen. Nun gut, es

waren nicht „die Bajoraner“ als ganzes, aber doch immerhin ein Teil dieses Volkes,

das für seinen Fanatismus bis hin zum Märtyrertum bekannt und überall gefürchtet

war. Auf der einen Seite war es aus der Geschichte verständlich, aber andererseits

war es eben schwer, ein Volk in diplomatische Beziehungen zu verstricken, das

auch keine Probleme hatte, den eigenen Verbündeten in den Rücken zu fallen. Nun

gut, es gab immer einen erklärbaren Anlass, aber ihre blinde Rache war eben sehr

hinderlich.

Michael schüttelte den Kopf kräftig, um den Kopf von diesen Gedanken frei zu

bekommen, immerhin würde er bald da runter müssen, und sich dann neutral

verhalten, egal, was er finden würde. Das war sein Pflicht als Offizier der

Sternenflotte, und die wollte er, so gut es ging, erfüllen. Auch wenn es einem die

Bewohner des Planeten nicht einfach machten. Er würde jetzt eine kalte Dusche

nehmen, um seinen geschundenen Körper wieder seinem Geist unterzuordnen.

Denn langsam merkte er, das sein Kopf zwar fit schien, aber sein Körper sich nun

doch gegen die Bewegung wehrte. Und er würde es nicht zulassen, das sich das

ändern würde. Er würde den Commodore nicht wieder enttäuschen, wie bei ihrem

Aufenthalt auf Starbase 64.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Er war gerade auf dem Weg in seine Nasszelle, als er, bei einem kurzen

Seitenblick, merkte, das er neue Nachrichten hatte. Also steuerte er, noch bevor er

sich duschen würde, seinen Terminal an und aktivierte den. Mit einem leisen

Summen fuhr der also hoch und meldete schließlich Bereitschaft und zeigte bereits,

das es drei neue Nachrichten waren. Eine war von Frank Carlak, der sich

erkundigte, was denn los sei, aber diese Anfrage würde wohl warten müssen.

Michael mochte Frank, aber er wusste auch, das der wusste, was er wissen musste.

Alles andere würde warten müssen, so leid ihm das auch tat. Die zweite Nachricht

war vom internen Benachrichtigungssystem, das die Ankunft der Geneve

ankündigte. Das Medizinschiff würde sie hier unterstützen sollen, vor allem natürlich

bei der humanitären Versorgung der Bevölkerung.

Interessant war noch, das die Ankunft dreier neuer Offiziere gemeldet wurde, die

Geneve als Transporter benutzt hatten. Von Interesse für Michael war die Tatsache,

das ein neuer Sicherheitschef an Bord des „Rot-Kreuz-Schiffes“ war. Er wunderte

sich kurz, was das bedeuten würde, denn er hatte keine Ahnung, was dann aus Krog

werden würde, der Halbklingone wäre sicherlich nicht glücklich, ins zweite Glied

zurückgestuft zu werden. Oder würde er das Schiff gar verlassen? Egal, damit

konnte sich der OPS später beschäftigen, dachte er sich zumindest, aber da

täuschte er sich. Die beiden anderen Offiziere waren eine neue Wissenschaftlerin

und ein neuer Navigator.

Nun kam er zur dritten und eigentlich wichtigen Nachricht in seinem Postfach. Es

war eine Nachricht des Commodore Krieger. Der machte noch einmal klar, das er

nur einen wirklich ausgeschlafenen Offizier wiederzusehen wünschte, da der

geplante Einsatz zu wichtig sein, um ihn dem Schlaf anheim fallen zu lassen. Des

weiteren kündigte er erneut die drei neuen Offiziere an und äußerte die Vorstellung,

das es eine gute Idee wäre, den neuen Sicherheitschef umgehend einzuarbeiten

und ihn mit auf die Mission zu nehmen. Michael solle sich beim CO melden, sobald

er sich wieder fit fühlte. Michael grübelte ein wenig nach, ob es eine gute Idee sein,

einen frischen Offizier sofort auf einen Außeneinsatz zu schicken, aber sicher hatte

Krieger recht, das ihn das am schnellsten in seine Aufgaben einarbeiten würde.

Zumal es ja nun seine Aufgabe war, eine solche Mission zu schützen, und so

könnte man direkt sehen, was er denn zu leisten im Stande war. Der Rest des

Sicherheitsteams würde ja aus erfahrenen Leuten bestehen, so das eigentlich kein

Risiko bestand, das viel schief gehen konnte. Michael machte sich keine weiteren

Gedanken, und vielleicht konnten ja auch die anderen zwei Offizier schnell in

Aufgaben gesteckt werden, die ihnen helfen würden, die Mission der Gaines zu

unterstützen. Michael würde sich Gedanken darüber machen, wenn es so weit wäre.

Jetzt wollte er erst einmal unter die Dusche.

Kaum dort angekommen, fiel ihm nichts anderes ein, als das der Commander Fox

gerade mit seiner Mission bei den Cardassianern beginnen musste. Die erste

Bewährungsprobe für die neue Counselor. Er hatte diese Frau kurz kennen gelernt,

aber viel hätte er nicht über sie sagen können, außer, das die sich wie ein typische

Counselor verhielt, und jeden in ihrer Umgebung zu analysieren schien. Andererseits

sah sie so vollkommen anders aus, als man Michael das von Leuten ihres Berufes

erwartete. Er war etwas verwirrt deswegen, obwohl er wußte, das es Unsinn war,

denn nur die Ausbildung oder Profession prägte ja nun das Aussehen einer Person.

Trotzdem hatte Michael von Counselorn ein vollkommen anderes Bild, als es diese


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Frau bestätigte. Vielleicht war das gut. Vielleicht könnte diese Frau ihn verstehen.

Vielleicht würde sie ihm helfen können, denn das Problem mit seinem Übergewicht

dürfte zumindest partiell auch geistiger Natur sein. Aber man würde sehen. Zur Zeit

waren sie eh alle beschäftigt, und wenn es so weit wäre, würde er schon merken,

was los war.

Das Wasser tat gut. Es brachte seine Muskeln wieder ins Leben zurück, so schien

es, und langsam breitete sich die geistige Frische auch noch auf seinen Körper aus.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis er sich wieder bereit fühlte, dem Commodore

gegenüber zu treten. Er verließ die Nasszelle, legte eine frische Uniform an und

verließ ebenfalls sein Quartier. Auf dem Weg zum Captain machte er sich noch

einmal Gedanken darüber, was er da letzte Nacht eigentlich entdeckt hatte. Es war

beängstigend, wenn man daran dachte, das ein so schlecht ausgerüstetes Volk, wie

die Bajoraner eine solch schreckliche biologische Waffe entwickeln konnten.

2406.353 15:45 - Brücke - Michael Myers - Datum: 2004-12-20 14:38:19

Es schauderte ihm immer noch, als er die Brücke betrat, und die anwesenden

Offiziere mit einem Nicken grüßte. Frank sah ihn verwundert an. Hatte man ihn nicht

informiert? Es wirkte fast so. Und so würde er sich noch die Zeit nehmen, den

taktischen Offizier zu informieren, was los war, oder besser, warum er nicht an der

Alphaschicht teilnahm, wie man es von ihm erwartet hätte. Er ging auf die Konsole

des Freundes zu und grüßte ihn freundlich. Der erwiderte, schien aber wirklich nicht

zu verstehen, was los war. Michael beugte sich zu den großen Mann herunter, was

nicht sonderlich schwer war, um nicht zu laut sprechen zu müssen.

„Hi Frank“ begann er das Gespräch „es tut mir leid, das du offensichtlich nicht

informiert worden bist.“ Frank schaute nun sehr viel erleichterter und grinste ein

wenig. „Du kennst mich noch nicht lange, aber du weißt, das ich chronisch neugierig

bin. Was ist los?“ fragte er unnötigerweise noch einmal nach. Auch Michael musste

jetzt grinsen, denn tatsächlich war er nicht besonders gut darin, aus Gesichtern zu

lesen, aber im Falle des Taktikers war es nicht sonderlich schwer gewesen, und

auch logisch. „Nun, ich hatte in der letzten Nacht noch eine Spätschicht eingelegt,

um einige Spuren zu untersuchen, die Fox und seine Gruppe auf dem Planeten

gesammelt hatten. Hm...“ er dachte kurz nach, als Frank ihn schon ins Wort fiel.

„Und was verstehst du unter einer Spätschicht? Du siehst eigentlich besser aus, als

die letzten Tage.“

Die beiden grinsten sich wissend an, und Michael zeigte dem anderen mal wieder

die schneeweißen Zähne in seinen schwarzen Gesicht. Er wusste durchaus, welche

Wirkung das haben konnte, aber er wusste auch, das er Frank damit nicht wirklich

würde einschüchtern können. Das war natürlich auch nicht sein Ziel, und so fügte er

lächelnd hinzu „Na ja, eigentlich war es eine Frühschicht, denn wir sind heute

morgen um 0800 fertig geworden.“ Jetzt fiel dem Gegenüber fast das Gesicht vom

Kopf, denn das war ja Wahnsinn. Also hakte er nach „Soll das heißen, das du nach

weniger als 7 Stunden Schlaf wieder deinen Dienst antreten musst?“ Die

Gesichtszüge wirkten sehr verwundert über diese Tatsache, aber Michael

verbreiterte sein Grinsen noch und meinte nur „Natürlich nicht, Frank.“ Aber der

merkte, das da noch etwas kommen sollte, und entspannte sich erst einmal nicht,

sondern blickte weiterhin erwartungsvoll in Richtung des anderen Offiziers.


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

„Dir kann man nichts vormachen, Frank“ hierbei lachte er den anderen fast an

„natürlich müssen wir uns jetzt noch um die Bestätigung und Beweissicherung

kümmern. Deshalb werde ich gleich mit einem Team runter gehen, damit wir

schlimmeres verhindern können.“ Frank schien jetzt ehrlich entsetzt zu sein, und

Michael musste ihn beruhigen, damit er nicht darauf bestand, mitzukommen. Aber

der Grund, warum der Lieutenant überhaupt mit durfte war ja eh nur, weil er

derjenige war, der die Spur identifiziert und bis zum Ende verfolgt hatte. Zwar war

Michael froh darum, denn es kam selten genug vor, das er als Einsatzoffizier die

Brücke für Außeneinsätze verlassen durfte.

Weitere Informationen konnte und wollte Michael zum jetzigen Zeitpunkt nicht

herauslassen, und auch den Captain wollte er nicht länger warten lassen. Also

verabschiedete er sich von seinem Freund und ging auf den Bereitschaftraum des

Commodore zu, wo dieser sich sicher befinden würde. Ansonsten herrschte auf der

Brücke Stille und Ruhe, und Michael war froh, aus diesem Trott einmal

ausgebrochen zu sein. An der NAV Konsole langweilte sich heute mal ein anderer,

denn der Cardassianer Tain war ja mit zu seinen Landleuten gegangen, um Fox und

Preja zu unterstützen. Auch die OPS Station war von einem Ersatzmann besetzt,

den Michael kurz grüßte und den Status abfragte.

Das war eigentlich vollkommen überflüssig, denn wenn etwas passiert wäre, wäre

er informiert worden, dessen war er sich sicher. Trotzdem fand der es passend, sich

zu informieren, wenn er denn schon einmal hier wäre. Wie nicht anders erwartet,

gab es nichts zu berichten, und so war auch dieser Besuch schnell erledigt, und

Michael konnte sich nun endgültig dem Commodore und seiner nächsten Aufgabe

zuzuwenden. Er aktivierte den Summer an der Tür und wenige Sekunden später

öffnete sich diese und Michael betrat den Raum des Captains, der freundlich

lächelnd in seinem Sessel saß und aufblickte, als der Schwarze das Büro betrat.

2406.353 16:00 - Bereitschaftraum - Thomas Krieger - Datum: 2004-12-21

09:38:34

Der Tee brach nicht das erwartete Versprechen der Erfrischung. Nachdem

Krieger wenige Schlucke des heißen Getränks zu sich genommen hatte, fühlte er

sich schon gleich viel besser. Die letzten Stunden hatten wieder einmal gezeigt, wie

unangenehm und verwirrend die Streitigkeiten zwischen Bajoranern und

Cardassianern sein konnte. Und damit waren nicht mal die Auseinandersetzungen

an sich gemeint, das Traurige war eher, dass man sich eigentlich schon beinahe an

diesen Dauerzustand gewöhnt hatte und es fast nur noch als eine Art lästige Störung

aufnahm. Der Mensch hatte diese Eigenschaft, irgendwann auf eine Bedrohung nur

noch gemäßigt und mit einer gewissen Gewohnheit, ja schon beinahe mit Routine zu

reagieren. Dennoch verlor man nicht die Ernsthaftigkeit an der Mission, man war nur

einfach nicht mehr so sehr bestürzt über die Tatsache an sich. Und dennoch ...

immer wieder schafften die Bajoraner es, einem den sogenannten Knüppel zwischen

die Beine zu werfen, wenn man dabei war, alle diplomatischen Register zu ziehen,

die einem zur Verfügung standen. Kaum war man an einem Punkt der Besserung

angelangt, so musste unweigerlich genau das passieren, dass das mühsam

aufgebaute Kartenhaus zum Einsturz gebracht wurde. Momente, die Krieger lieber

aus seinem Leben gestrichen gesehen hätte. Wie schön, dass man sich wenigstens

auf die erfrischende und belebende Wirkung des Tees verlassen konnte.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Es war 16:00, als die Tasse Tee wieder seinen Platz auf dem Schreibtisch des

CO einnahm, zum gleichen Zeitpunkt, wie es an der Tür des Bereitschaftsraumes

des Commodore läutete. Um wen es sich handeln würde war Krieger bereits

bewusst und er freute sich der Tatsache, dass die vor der Tür stehende Person

pünktlich zur Stelle war. Nach einer Bestätigung öffnete sich die Tür, um die sich

davor befindende Person, Michael Myers, Einlass zu gewähren. Dieser trat auch ein

und grüßte von der Tür aus, bevor er sich auf ein heranwinken von Krieger zu

dessen Schreibtisch begab.

„Und Mr. Myers, wie sieht’s aus? Fit für Ihren ersten Einsatz?“ Der große

schwarze Mann war der Sache sicherlich gewachsen und ob der Tatsache, dass

dies seine erste Außenmission unter seinem Kommando war, sicherlich etwas

gespannt. Der CO versuchte daher, die Situation mit etwas weniger Formalität zu

entspannen. Der Versuch schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben, dann dem

angespannten und ernstem Gesicht folgte nun ein etwas entspannteres mit einem

leichten Lächeln. „Das Ergebnis Ihrer Aufgabe ist sehr wichtig für die Fortführung der

diplomatischen Verhandlungen in dieser Sache“ klärte Krieger noch einmal auf, ohne

jedoch den großen Mann vor ihm damit die Motivation für seinen Außeneinsatz

nehmen zu wollen. „Nicht immer scheint alles so zu sein, wie es auf dm ersten Blick

erscheint. Es ist gut möglich dass man versuchen wird, uns zu täuschen. Seien Sie

auf alles vorbereitet und hinterfragen Sie jede erdenkliche Antwort, die sich Ihnen zu

bieten scheint. Das letzte was wir uns erlauben können sind falsche

Anschuldigungen, und würden außerdem nicht gerade zu unserem Ruf in dieser

Sache positiv beitragen.“ Die Worte waren wohl eher mahnend anstelle als guter

Tipp aufgenommen worden, denn das Gesicht des Farbigen wurde wieder ernster.

Krieger lächelte beruhigend. „Sie schaffen das schon. Sie sind schon seit einiger Zeit

bei der Sternenflotte und ein guter Offizier. Wenn ich nicht glauben würde dass sie

das schaffen, würde ich Sie nicht runter schicken.“ Mit einem bestätigendem Nicken

versuchte der CO, seine Bemerkung zu verstärken, und es schien seine Wirkung

nicht zu verfehlen.

„Und wie sieht es aus? Haben Sie Ihr Team bereits zusammen und sind bereit für

den Aufbruch?“ schwenkte Krieger das Thema direkt auf die Mission um. Ab hier

sollte der Einsatz für den Lieutenant Junior Grade beginnen.

2406.353 16:04 - Quartier/ USS Geneve - Sina Tharya - Datum: 2004-12-16

15:40:14

Die letzten Tage waren sehr angenehm gewesen. Flouwy hatte weniger

Probleme gemacht als erwartet (nachdem er sich einmal in der neuen Umgebung

ausgetobt hatte, war es ihm wohl zu langweilig geworden) und Sina fand ihre

Quartierkameraden und neuen Kollegen äußerst sympathisch. Inzwischen näherte

sich die USS Geneve ihrem Ziel, dem bajoranischen Mond, und brachte Sina ihrem

Heimatplaneten, auf dem sie nur wenige Jahre verbracht hatte, näher.

Mit schnellen Bewegungen packte Sina ihre letzten Kleidungsstücke und Besitze

in den großen Seesack, bevor sie sich in dem Quartier umsah. Das Gepäck von

Lydra und Seliser stand schon am Eingang bereit und ließ das Gefühl von

Aufbruchsstimmung in der Wissenschaftlerin immer größer werden. Erschrocken

fuhr sie zusammen, als Flouwy ihren Seesack umwarf und sie daraufhin mit großen


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

Augen ansah. Mit einem Schmunzeln wuschelte sie dem kleinen Tier durch das Fell.

Gut, dass der Captain mit Flouwys Anwesenheit einverstanden ist.., fuhr es Sina

durch den Kopf, als sie auf das kleine Wesen hinabsah.

Ihr Blick wanderte zum Chronometer an der Wand. „Wo bleiben die beiden bloß?“

fragte sie nuschelnd und zog ihr Gepäckstück zu denen ihrer beiden

Zimmergenossen, als sie die Türen plötzlich öffneten. Seliser und Lydra traten ein

und nickten der jungen Bajoranerin freundlich zu. „Aufbruchsbereit?“ fragte diese

und versuchte ihren Seesack zu schultern, was sich jedoch bei einem kläglichen

Versuch blieb. „Von mir aus können wir los.“ sagte Lydra, die schon nach ihren

Sachen griff. Manchmal verfluchte Sina ihre doch sehr geringe Körpergröße und

dementsprechende Schwäche, die ihr in Augenblicken wie diesen fehlte. Noch

einmal und unter größter Anstrengung ließ sie den Seesack über Schultern gleiten

und... sie stockte. Warum war das Gepäckstück plötzlich so leicht? Sie hob eine

Augenbraue und drehte sich um. Seliser stand mit einem Schmunzeln hinter ihr und

hielt den Seesack hoch. „Ich helf dir dabei“, sagte er und bevor Sina Einspruch

einlegen konnte, war das elegante Katzenwesen schon aus dem Quartier stolziert.

Irritiert griff Sina nach der Leine für ihr kleines Haustier und eilte Seliser und Lydra

nach.

=A= Zehn Minuten später, Transporterraum 1, USS Geneve =A=

Der Transporterchief nickte den drei Offizieren zu, die sein kleines Reich betraten.

„Sind das alle Gepäckstücke?“ fragte er und deutete mit einer Kopfbewegung auf die

drei Säcke, die neben dem Eingang abgestellt worden waren. Ein leises „Aye“ wurde

gemurmelt und alle schienen nervös darauf zu warten, was nun geschehen würde.

Sina spürte, wie ihr Herz immer höher schlug. In wenigen Minuten würden sie dort

sein. Auf dem neuen Schiff, der USS James Robbie Gaines. Nervös trat sie von

einem Fuß auf den anderen. In ihrem Kopf drängten sich die Erinnerungen an die

USS Lincoln an die Oberfläche und ließen sie wieder und wieder vor ihren Augen in

Flammen stehen. Wie ein brennender Feuerball war das Schiff auf den Planeten

gestürzt und einige Offiziere fanden in ihr ein Grab. Die kleine Lady war

Vergangenheit... Sina seufzte und schüttelte die grässlichen Gedanken ab, die sie

seit Monaten heimsuchten. Welche Macht kann so etwas zulassen? Diese Frage

stellte sie sich wieder und wieder. Vielleicht existierten sie wirklich, die Pahgeister

und die Propheten. Vielleicht war es eine Strafe der Propheten für den Unglauben

und das Misstrauen, dass Sina diesen „Wesen“ entgegen brachte.

„Lieutenant?“ Sina wurde von der tiefen Stimme des Chiefs aus ihren Gedanken

gerissen. „Von mir aus können wir...“ sagte sie eilig und trat auf die Plattform. Mit

fragenden Blicken traten auch Seliser und Lydra hinauf und nickten dem Mann an

der Konsole zu. „Viel Erfolg auf Ihren neuen Posten“ sagte er mit einem freundlichen

Lächeln und bereits wenige Augenblicke später, verschwamm die Umgebung der

USS Geneve um sich in den Transporterraum der Gaines zu verwandeln.


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

2406.353 16:10 - Deck 10 - Jäger Port 1 - Grant Morrigan - Datum: 2004-12-22

11:30:19

„Man das kann doch alles nicht wahr sein!“ entnervt warf Morrigan seinen

Justierer in irgend eine Richtung, wo er klappernd zu boden ging. Zwei Mechaniker

sahen sich hilflos an und zuckten nur mit den Schultern, nicht wissend, wie sie sich

aus der Situation retten konnten. „Wer von Euch Witzfiguren hat das nun wieder

verzapft?“ Mit einem plötzlichen Ruck kam der Pilot unter seinem Jäger

hervorgerutscht. „Seht Ihr was das ist ?!?“ Morrigan konnte sich kaum noch

beherrschen, als er den beiden Technikern ein stück verbogenes Metall direkt unter

die Nase hielt. „Das ist ein Verdichter für den Antrieb. Handgearbeitet, und nicht

eines von diesen replizierten Dingern. Wisst Ihr wie lange ich gebraucht habe um ihn

so hinzubekommen?“ Wütend warf er das Stück Metall in Richtung hinterste Ecke

des Jäger-Ports. „Sobald es auch nur ein Stück vom Föderationsstandard abweicht,

stellt Ihr Euch an wie die ersten Menschen“ er erhob beinahe schon

gebetsmühlenartig die Hände und starrte an die Decke des großen Hangars, an dem

die Öffnung des Jäger-Ports endete. „Womit habe ich diese verdammte Inkompetenz

verdient ... so eine Scheiße!“ Laut fluchend und Blicke auf sich ziehend ging Grant

Morrigan mit großen Schritten auf den Turbolift zu. „Deck 16!“ schrie er den

Computer an, welcher nur monoton zur Bestätigung piepte und die Türen schloss.

James Danton und Sam McDorrya, beide Crewman, sahen sich wortlos an. „Na

klasse hat der mal wieder ne Laune“ murmelte Sam, während James ihn zur Seite

nahm. „Was ist denn da überhaupt passiert?“ McDorrya zuckte erneut mit den

Schultern. „Ach, er hat nen Verdichter gebaut, der den Treibstoff optimierter

verbrennen lassen sollte und somit vielleicht einen oder zwei Prozent mehr an

Beschleunigung gebracht hätte. Nach meiner Einschätzung eher nur nen halben,

aber Du kennst ihn ja... na ja, jedenfalls stimmte wohl der Innendurchmesser des

einen Endes nicht, und da hab ich es nachträglich eingepasst. Aber nicht an Einlass-

Stutzen, welcher ja die Föderationsnorm hat, sondern an seinem Verdichter Marke

Eigenbau. Dabei ist das Material aber anscheinend instabil geworden ...“ James

schüttelte nur mit dem Kopf. „Er kann ja wohl kaum erwarten, dass wir Original-Teile

am Jäger verändern, nur damit seine Exoten auf die Maschine passen“ rechtfertigte

Sam, was aber eigentlich nicht notwendig gewesen wäre. „Na was soll’s, lass uns

zusammen packen. Der beruhigt sich auch wieder, kennt ihn doch...“ rappelte sich

Danton auf und griff nach dem verbogenen Verdichter Morrigans.

2406.353 16:19 - Transporterraum USS Gaines - Sina Tharya - Datum: 2004-12-

19 12:29:51

Der Transporterraum materialisierte sich vor Sinas Augen. Das gewohnte Grau,

das auf allen Schiffen der Sternenflotte vorherrschte, empfing sie in ihrer neuen

Heimat. Vor ihr standen zwei Crewman der USS J. R. Gaines und warfen einen

sonderbaren Blick auf die vor ihnen befindliche Konsole, bevor sie einen Blick auf

Sinas kleinen Begleiter warfen. „Lieutenant, ist das korrekt, dass das Tier sechs

Beine hat?“ fragte einer der beiden Männer und deutete ein wenig verlegen auf

Flouwy, der sie mit großen Knopfaugen anblickte. Mit einem Grinsen, das ihre

Lippen umspielte, nickte Sina. „Völlig korrekt.“

Der Transporterchief kam um die Konsole herum und trat an die drei Offiziere

heran. „Willkommen an Bord der USS James Robbie Gaines.“ Förmlich salutierte


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

der Mann vor Seliser, Lydra und Sina, die sich einen etwas unbehaglichen Blick

zuwarfen. „Man bat mich Ihnen zunächst Ihre Quartiere zu zeigen, bevor Sie sich

beim Captain melden.“ Der Kleinere der Männer trat vor den Transporterchief und

deutete mit einer Handbewegung zum Ausgang, während er diese Worte sprach.

Sina spürte, wie ihre Nervosität anstieg. Es war kein Traum, den sie erlebte,

sondern es war wahr. Sie war auf einem Schiff, auf dem sie von nun an ihren Dienst

verrichten sollte. Die Angst, dass wieder etwas schief gehen könnte, dass sie

diesesmal vielleicht unter denjenigen sein könnte, die ihr Leben für eine gute Sache

lassen mussten, holte sie wieder ein. Sie dachte schmerzhaft daran, wie einige ihrer

Kollegen, Mentoren und Freunde ihr Leben ließen, weil jemand das Schiff sabotiert

hatte. Aus Gründen, die ihr und allen anderen verschlossen geblieben waren. Was

bloß aus ihrem Captain geworden war? Immerhin hatte er die gesamte

Verantwortung für die Misere übernommen und ließ seinem damaligen XO keinen

Zweifel daran, dass er von jeglicher Verantwortung entbunden sei.

Sina seufzte und umfasste die Leine ihres kleinen Freundes fester. Du bist der

einzige, der mir noch geblieben ist..., dachte sie und die großen Augen des Tieres

blickten zu ihr hinauf. Manchmal schien es Sina, als könnte Flouwy Gedanken lesen.

Immer wenn es ihr schlecht ging, kam er zu ihr und gab ihr all die Zuneigung, die so

ein Wesen nur geben konnte.

Der Crewman, der sich als Donald O'Relly vorgestellt hatte, ging vor der kleinen

Gruppe her, grüßte hier und dort einige Crewmember und blieb nach kurzem Marsch

und einer Turboliftfahrt vor einem Quartier stehen. „Lieutenant Tharya“, fing der

Mann an und deutete auf die Tür. „Sina.“ korrigierte die Bajoranerin den Mann noch

immer in Gedanken verloren. Entschuldigend nickte ihr O'Relly zu und reichte ihr ein

Padd. „Die Zugangscodes für Ihr Terminal. Viel Erfolg auf Ihrem neuen Posten

Ma'am“, sagte er freundlich, bevor er Seliser und Lydra bedeutete weiterzugehen.

Sina stand unschlüssig vor dem Eingang zu ihrem neuen Quartier, während

Flouwy sich geduldig umsah. Ihre Hand erhob sich langsam zum Türöffner, welcher

die Tür prompt aufgleiten ließ. „Willkommen daheim...“ sagte Sina leise, mehr zu

sich selbst denn zu ihrem Begleiter. Wenige Schritte trat die junge Wissenschaftlerin

in den Raum hinein und ließ alsbald ihren Seesack sinken. Groß und geräumig.

Nicht zu vergleichen mit den Kadettenquartieren, in denen sie und ihre Freunde auf

der USS Lincoln gehaust hatten. Das trübe Grau, das auch hier natürlich

vorherrschte, würde bald gewichen sein. Die Wände reichlich dekoriert mit

Gegenständen, die ihr Jason zurückgelassen hatte... als Erinnerung.

Langsam sank die Bajoranerin auf dem blauen Sofa nieder und öffnete ihren

Seesack. Eine über einen Meter lange, mit Samt gesäumte Schatulle kam zum

Vorschein. Vorsichtig strich Sina über den glatten Stoff und trug das Kästchen zu

einer der Kommoden, wo sie es sinken ließ. Ein leises Klacken erklang, als Sina es

öffnete. Mit feuchten Augen fasste sie den Griff und hob die lange Klinge hoch. „Dein

letztes Geschenk an mich...“, flüsterte Sina und folgte der eleganten Form des

Schwertes mit ihrem Blick. Jason war ein Fan des irdischen Mittelalters gewesen,

hatte ihr alles darüber erzählt, sie auf spannende Holodeckmissionen mitgenommen

und ihr den Hof gemacht, wie ein Edelmann. Seufzend steckte die junge Frau das

Geschenk in seine Halterung und straffte ihre Uniform. Ihr Blick fiel in den Spiegel,

der über der Kommode angebracht war. Sie hatte ihr langes Haar hochgesteckt,


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

doch einige Strähnen der kürzeren Haare fielen ihr dennoch in die Stirn. Die

Ohrringe die sie trug, baumelten fröhlich vor sich hin. Hätte sie nicht die typische

Nase, die sie auswies, würde man sie nicht für eine Bajoranerin halten. Hoffentlich

würde sie hier von Prophetengläubigen verschont bleiben, fuhr es ihr durch den Kopf

und mit einem Lächeln dachte sie an ihren XO zurück.

Kopfschüttelnd wandte sich die Wissenschaftlerin ab und beschloss sich nun beim

Captain zum Dienst zu melden.

2406.353 16:20 - Bereitschaftraum - Michael Myers - Datum: 2004-12-21

22:15:36

Michael war mehr als nervös, machte der Commodore Ihm doch wieder klar, das

es nun seine Mission sei, da unten herauszufinden, was eigentlich vor ging. Und die

Tatsache, das er auch noch darauf hin wies, wie wichtig dieser Teil sein konnte

verstärkte den Druck noch einmal auf den Einsatzoffizier. Natürlich hatte er schon

duzende solcher Einsätze vorbereitet und betreut, denn das war ja seine Aufgabe

auf einem Schiff. Aber noch nie war er es gewesen, der ein Außenteam geleitet

hatte. Das war normal immer die Aufgabe des XO, der aber zur Zeit bei den

Cardassianern auf diplomatischer Mission unterwegs war, ein Umstand der ein

wenig irritierte, denn eigentlich wäre es die Aufgabe des Captain und vor allem eine

Commodore sich persönlich um diese Art der Verhandlungen zu kümmern.

Aber Fox sollte wohl auch Erfahrung sammeln im Umgang mit solchen Missionen,

so das Thomas darauf verzichtete, selber das Schiff überhaupt zu verlassen. Er

würde sich wohl darum kümmern müssen, die neuen Crewmitglieder willkommen zu

heißen und ... hm, das war ein guter Punkt. Michael wollte zwei der Neuen eigentlich

sofort mitnehmen, um sie sofort vollständig zu integrieren. Würde der Commodore

das erlauben zumal die Navigatorin nicht gebraucht werden könnte? Oder doch?

Hm, sicher würde er einen Piloten brauchen, denn ein Transport war wohl weiterhin

zu gefährlich.

Der Lieutenant Junior Grade hatte nun also eine ganze Weile dort vor den

Schreibtisch des Commodore gestanden und nachgedacht. Langsam schien der

Mann auf der anderen Seite eine Antwort auf seine Frage haben zu wollen. Welche

Frage eigentlich?

Ach ja, die Frage nach der Zusammenstellung des Außenteams. Das der

Hauptnavigator und die Chefwissenschaftlerin nicht zur Verfügung standen, würde

Michael ... er sollte es einfach tun. „Nun, Captain“ begann er förmlich, aber auch

ohne die Anrede mit dem Rang, die der Vorgesetzte nicht zu mögen schien, „ich

dachte daran, die neuen Crewmitglieder gleich voll zu integrieren und ....“ er stockte,

denn er erhoffte eine Reaktion des Commodore, die allerdings ausblieb. Und so

setzte er seinen Satz fort, kurz bevor es peinlich wurde.

„... deshalb dachte ich, unsere neue Sicherheitsfrau, Miss Maloxx, mit dem Schutz

der Mission zu betrauen und auch die neue Wissenschaftlerin, Miss Tharya, hätte

ich gerne für die Untersuchungen dabei.“ Nun schaute der Captain doch etwas

interessierter, wobei es Michael nicht möglich war, zu erkennen, ob er seinen

Vorschlag akzeptieren würde. Und so setzte er die Aufzählung seine Teams fort. „Da


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

wir wohl ein Shuttle zum Transport nehmen sollten, um maximale Sicherheit zu

erreichen, bräuchte ich ebenfalls einen guten Piloten und würde vorschlagen, das

unseren neuen Navigator, Mr. Seliser, dafür doch sehr geeignet erscheint. Zusätzlich

noch 4 Sicherheitsmänner und zwei weitere Wissenschaftler.“ Er kramte kurz in

seinem Gedächtnis, denn leider hatte er vergessen, das ganze auf einem PADD zu

notieren, wo es sicherer und professioneller gewirkt hätte.

„Lincoln, Muronow, Wilson und Meier von der Sicherheit und Lee und Christians

aus der Wissenschaft“ brachte er aus dem Gedächtnis vor. Der Commodore schien

das erst mal so stehen lassen zu wollen und wartete weiter. Natürlich war es auch

wichtig, welche Ausrüstung geplant wäre, und wie das Vorgehen gedacht war. „Wir

werden Schutzanzüge brauchen, und Gewehre für die Sicherheitler.

Breitbandscanner für die Wissenschaftler, und einen Medscanner mit den

Signaturen des Virus. Ansonsten denke ich, wir sollten auf Geschwindigkeit setzen

und uns nicht zu sehr belasten. Dann sollten wir schnell da unten rein und wieder

raus sein. Die Scans zeigen keine Lebensformen außerhalb, und ich denke, auch im

Komplex werden sie eher auf Tarnung hoffen, als auf Feuerkraft.“

Der Commodore hatte sich das alles angehört, und schien beeindruckt zu sein,

wie gut vorbereitet der Lieutenant war. Nicht das sich dieses Wissen alles auf die

letzte Nacht beschränkte, in der er sich nicht dagegen wehren konnte, sie

aufzunehmen, aber es hatte sich seit dem nichts an der Lage geändert, denn

natürlich wurde die Gegend ständig gescannt. Er schien sich noch nicht so ganz

einig, was er von der genauen Ausführung halten sollte, und offensichtlich würde er

sich noch etwas Zeit lassen mit einer Antwort. Michael stand dort, wie auf heißen

Kohlen und wartete.

2406.353 16:25 - Bereitschaftraum - Thomas Krieger - Datum: 2004-12-22

10:22:06

Geduldig hatte sich der CO die Ausführungen seines Einsatzleitenden Offiziers

angehört. Im Grunde stimmte die Zusammenstellung und war auch professionell

vorbereitet, wie er es von seinem OPS erwarten konnte. Was eher überraschend

war, war die Tatsache, dass Myers vor hatte die Neuankömmlinge zum Außenteam

hinzuzuziehen. Gerade in dieser heiklen Angelegenheit wollte er

Besatzungsmitglieder mitnehmen, die sich schlimmstenfalls noch nie über den Weg

gelaufen waren und daher nicht wirklich als ein erfahrenes Team zusammen

arbeiten konnten. Aber da er sein Team mit vier erfahrenen Sicherheitsleuten

verstärkte, sollte es wohl keine größeren Probleme geben. „Es ist Ihr Team, Mr.

Myers. Aber achten Sie darauf, dass keiner der Neuen versucht den Helden zu

spielen. Ich halte es zwar für bedenklich die Neuen gleich an die „Front“ zu schicken,

aber da bisher keine weiteren Auffälligkeiten in diesem Bereich gemeldet worden

sind, sollte es ein ruhiger Einsatz werden.“ Krieger lehnte sich ein stück zurück und

dachte kurz über die Eventualitäten nach, die es geben könnte. Sollte der Einsatz

sich als zu riskant heraus stellen oder eine Person dabei verletzt oder gar getötet

werden, so würde man seine Entscheidung als fahrlässig betrachten. Nur war nicht

jeder Einsatz eine Gefahr? Irgendwann musste einem Offizier die Möglichkeit

gegeben werden, sich zu beweisen. Und wenn Myers der Meinung war, er sei in der

Lage das Team in dieser Zusammenstellung erfolgreich zu führen... wenn er sich

das wirklich zutraute, warum sollte man ihm diese Chance nicht gewähren?


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Letztendlich würde der CO für die Eventualitäten gerade stehen müssen, egal wen

er dort hinunter schickte.

„Machen Sie Ihr Team fertig und bereiten Sie alles für Ihren Einsatz vor“ entschied

er sich dann letztendlich für den Vorschlag seines einsatzleitenden Offiziers, was

auch die abschließenden Worte für diese Unterhaltung darstellte. Myers wandte sich

gerade um zum gehen, als Krieger noch ein „Viel Erfolg“ wünschte. Myers hielt kurz

inne und drehte sich noch einmal kurz um. „Danke Captain“ antwortete er, was der

kommandierende Offizier mit einem Nicken bestätigte. „Schicken Sie mir aber kurz

einmal unsere Neuankömmlinge rein, es wird zeit, dass ich die neuen Gesichter

auch mal zu sehen bekomme“. Letzteres sagte er mit einem leichten Lächeln,

worauf Myers kurz nickte und seinen Weg in Richtung Brücke fortsetzte.

Als der Afrikaner den Bereitschaftsraum verlassen hatte, unterrichtete er seinen

Sicherheitschef Krog über das Außenteam, welches sich in Kürze zur Oberfläche

bewegen würde. Somit war der Klingone informiert und konnte seinerseits

Vorbereitungen treffen, sollten unvorhersehbare Dinge eintreffen, mit dem das Team

eventuell nicht fertig werden könnte. Gerade als er die Verbindung zum

Sicherheitschef beendete, ertönte das Türsignal des Bereitschaftsraumes erneut. Ob

es sich hierbei um die neuen handelte? Oder hatte sich zwischenzeitig etwas

ereignet, von dem der kommandierende Offizier noch nicht unterrichtet war?

2406.353 16:29 - Brücke - Sina Tharya - Datum: 2004-12-22 11:54:06

Neugierig schaute Sina der Frau an der wissenschaftlichen Station über die

Schulter. Die Oberfläche der Konsole unterschied sich nur unwesentlich von den ihr

schon bekannten. Somit sollte die Eingewöhnung sich als relativ einfach gestalten.

Die Bajoranerin blickte sich auf der Brücke um. Ursprünglich wollte sie den Captain

der USS Gaines aufsuchen, um sich zum Dienst zu melden, doch wurde ihr gesagt,

dass er eine Besprechung mit einem Crewmitglied führe. Seliser und Lydra waren

ebenfalls schon auf der Brücke angekommen und sahen sich an den für sie

wichtigen Konsolen um, als ein hochgewachsener, dunkelhäutiger Mann aus dem

Bereitschaftsraum des Commodore trat. Die Besprechung scheint zu Ende zu

sein..., schlussfolgerte die junge Frau und warf einen kurzen Blick zu ihren beiden

neuen Mitoffizieren. Beide schienen so versunken in ihren Erforschungen, dass sie

das Hinaustreten des Mannes nicht bemerkt hatten.

„Miss Tharya, Miss Maloxx und Mister Aleyli, der Captain würde sie gerne in

seinem Bereitschaftsraum sprechen.“ sagte der Mann, nachdem er eine kurze

Unterhaltung mit dem derzeitigen Sicherheitschef führte. Sina hob eine Augenbraue,

ob der Verwendung ihres Namens, der lediglich Freunden zustand. Zuletzt war es

Jason gewesen, der sie so genannt hatte. Schmerzlich erinnerte sich an der

Abschied von ihm vor wenigen Wochen. Sie wusste, wer dafür verantwortlich war,

dass er bisher nicht zurückgekehrt war, sondern verschwunden. Sie wusste es und

konnte nichts dagegen tun.

Ein Kopfschütteln ließ Sina die Gedanken verwerfen. Sie musste in die Zukunft

sehen und nicht in der Vergangenheit leben. Mit einem knappen Nicken

verabschiedete sich die kleine Frau von der Wissenschaftlerin und ging an dem

Mann vorbei, dem sie kurz einige Worte zuraunte. „Miss Sina heißt es..“ sagte sie


Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

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Wahrheit?

mit einem Augenzwinkern und ging, dem Mann noch einen letzten Blick zuwerfend,

in den Besprechungsraum des Captains.

Mit einer Tasse, aus der sanfte Dampfschwaden aufzogen, saß der Commodore

an seinem Tisch und legte ein Padd, das er eben studiert hatte, zur Seite. Er blickte

aufmerksam zu den drei Offizieren, die sein Büro betraten und nickte ihnen mit

einem Lächeln zu. „Nehmen Sie doch Platz“, sagte er mit einer einladenden Geste

zu den Stühlen vor seinem Tisch. Unwillkürlich strich Sina ihre Uniform glatt und

straffte ihre Haltung. Hätte sie nicht salutieren müssen vor ihrem neuen

Vorgesetzten? Ihr Blick huschte zu Seliser und Lydra, die ebenfalls entgegen dem

Protokoll keinen Salut ausgeführt hatten. Mit einem unbehaglichen Gefühl und einem

entschuldigenden Lächeln auf den Lippen ließ sich Sina in den Stuhl sinken. Ihr Blick

schweifte kurz durch den Raum, schien das Wesen ihres Gegenübers anhand seiner

persönlichen Gegenstände kennen lernen zu wollen. Doch die Worte des Captains

holten sie zurück aus ihren Forschungen.

„Ich möchte Sie drei herzlich willkommen heißen auf der USS James Robbie

Gaines. Haben Sie sich bereits mit ihren Quartieren und Stationen vertraut

gemacht?“ fragte Cdo. Krieger, nachdem er seine Tasse auf den Tisch gestellt hatte.

„Bisher nur oberflächlich, Sir. Die Zeit war sehr knapp bemessen.“ antwortete Lydra

souverän und Seliser sowie die junge Bajoranerin nickten zustimmend. „Aber wir

haben ja noch Zeit uns auf dem Schiff einzugewöhnen.“ sagte Sina mit einem

leichten Grinsen, das von ihrem Gegenüber erwidert wurde. „Ich fürchte, dass Sie

sich noch eine Weile gedulden müssen.“ sagte der Mann geheimnisvoll und ließ

seine drei Offiziere mit fragenden Blicken zu ihm aufschauen. „Lieutenant Junior

Grade Myers hat ein Außenteam zusammengestellt, dass in Kürze auf den Planeten

beamen wird.“ fuhr der Commodore erklärend fort. „Ensign Aleyli, Sie werden das

Shuttle fliegen, dass die Gruppe hinunterbringt, Ms. Maloxx, Sie werden mit einem

Sicherheitsteam dafür sorgen, dass niemand zu Schaden kommt. Miss...“ Der

Commodore hielt inne und blickte zu der jungen Wissenschaftlerin. „...Sina“,

beendete diese den Satz Kriegers, der ihr dankend zunickte. „Sie werden mit Mr.

Myers und einem kleinen Team aus Wissenschaftlern die Spur nach den Waffen

aufnehmen...“ „Waffen?“ fragten die drei neuen Offiziere der Gaines wie aus einem

Mund und der Commodore begann mit seinen Ausführungen über das Ziel ihrer

Mission.

2406.353 16:32 - Bereitschaftraum - Thomas Krieger - Datum: 2004-12-22

13:34:44

Der Commodore war der jungen Bajoranerin dankbar gewesen, die ihm bei der

formellen Anrede geholfen hatte. Der Nachnahme war ihm geläufig gewesen, jedoch

hatte er nicht genau darauf geachtet, welcher Spezies sie angehörte. Eine

Unannehmlichkeit, die nun gekonnt umgangen worden war.

Die drei neuen schienen überrascht, schon gleich so früh in den Einsatz geschickt

zu werden, aber in dieser Hinsicht hatte Myers irgendwie recht. Es bot sich gerade

eine Gelegenheit die drei an Ort und Stelle in das Geschehen zu integrieren, warum

sollte man diese nicht nutzen? Mittlerweile hatte sich der kommandierende Offizier

immer mehr mit der Idee angefreundet. „Nun“ begann er seine Ausführungen, „Mr.

Myers ist es gelungen, eine Spur zu verfolgen, die möglicherweise auf die


Wahrheit?

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Kapitel 6 : Jäger und Gejagte

Herstellung von Waffen zurückzuführen ist. Da es sich hierbei anscheinend um eine

neu entwickelte Waffentechnik handelt, brauchen wir Sie als Wissenschaftler und als

Sicherheit vor Ort. Und da das Beamen derzeit nicht als einhundert Prozent sicher

eingestuft werden kann, werden sie mit einem Shuttle zur Oberfläche fliegen. Für Sie

gleich die Möglichkeit, sich in die Arbeit der Gaines zu integrieren“ er beendete den

Satz mit einem freundlichen Lächeln. Die drei ihm Gegenübersitzenden schienen

neugierig und begeistert zu gleich. So kurzfristig auf einen Außeneinsatz gehen zu

können war sicherlich nicht das, was sie erwartet hatten. Ja, so schnell konnte es

gehen.

„Und noch eine Sache, um die ich Sie bitte“ lenkte der kommandierende Offizier

die Aufmerksamkeit wieder auf sich, „Solange wir nicht in offizieller Gesellschaft

sind, bitte ich auf gewisse Förmlichkeiten zu verzichten. Eine Anrede als Captain, in

dessen Funktion ich mich befinde, reicht vollkommen aus. Kein Sir, kein

Commodore. Wir sind hier auf der Gaines auf uns allein gestellt. Ich erwarte eine

gute und funktionierende Teamarbeit, welche nicht durch unnötige Formalitäten

verfremdet werden soll. Das ist jedoch kein Freifahrtsschein nachlässig zu handeln,

ich biete Ihnen lediglich an, Ihre Arbeit ein wenig entspannter anzugehen ... im

Interesse einer großen Gemeinschaft.“ Die drei jungen Offiziere nickten. Was ihn

ihren Köpfen vorging, vermochte der Commodore nicht zu erraten, aber es war diese

Art von Anrede, wie man sie sicherlich auf fast allen Schiffen zu hören bekam –

Ausnahmen gab es natürlich immer. Und so blickte er erneut in die Runde, das

relativ kurze Gespräch abschließend: „Gibt es noch irgendwelche Fragen?“

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