4 deutscher kinderschutzbund - Kinderschutzbund in Braunschweig

dksbbs

4 deutscher kinderschutzbund - Kinderschutzbund in Braunschweig

4 DEUTSCHER

JAHRE

KINDERSCHUTZBUND

ORTSVERBAND BRAUNSCHWEIG E.V.


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PÄDAGOGISCHER

MITTAGSTISCH

SCHULKINDBETREUUNG

VERMITTLUNG VON

KINDERBETREUUNG

FÖRDERKREIS

ELTERNKURSE

BERATUNG

NUMMER GEGEN KUMMER

FAMILIENPATEN

Themenbereiche


Inhaltsverzeichnis

Grußwort des Braunschweiger Oberbürgermeisters

Grußwort des Präsidenten des Kinderschutzbundes

Grußwort des Vorsitzenden des Landesverbandes

Wir über uns

Beratungsstelle

Vermittlung Notmütter

Elternkurse

Braunschweiger Familienpaten

Kinderrechte

Unsere Chronik

10 Jahre Kinderhaus

OGS Diesterwegstraße

Pädagogischer Mittagstisch

Netzwerke Arbeitskreise

KJT und Schulbesuche

KJT Auszug Interview von Radio Okerwelle

10 Jahre Elterntelefon

Öffentlichkeitsarbeit

10 Jahre Förderkreis

Wir bedanken uns

Impressum

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10–11

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Dr. Gert Hoffmann

Zum 40-jährigen Bestehen übermittele ich dem Ortsverband Braunschweig

des Deutschen Kinderschutzbundes im Namen der Stadt meine herzlichsten

Grüße und Glückwünsche.

Aber der Kinderschutzbund kann in Braunschweig dieses Jahr noch weitere

Jubiläen feiern, so das zehnjährige Bestehen des Förderkreises, des Elterntelefons

und der Schulkindbetreuung an der Grundschule Diesterweg. Auch

zu diesen „runden“ Geburtstagen gratuliere ich Ihnen herzlich.

Ihre Erfolge unterstreichen eindrucksvoll, dass es Ihnen durch Ihr großes

Engagement gelungen ist, den Schutz von Kindern durch zielgerichtete Hilfen

immer den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Und das Spektrum Ihrer

Aktivitäten ist breit gefächert: Es reicht weit über Ihre vielseitige Beratungstätigkeit

hinaus, umfasst vielmehr auch ganz praktische Angebote wie

Elternkurse oder die Vermittlung von „Notmüttern“ und Familienpaten.

Auf welch große Akzeptanz Ihre Arbeit in Braunschweig stößt, bestätigt die

Unterstützung, die Sie hier finden – etwa durch Stiftungen und Spender,

aber selbstverständlich ebenfalls durch die Stadt. Auch die enge, konstruktive

Zusammenarbeit mit Ihren zahlreichen hiesigen Partnern und den örtlichen

Institutionen untermauern, dass Sie fester Bestandteil des gesellschaftlichen

Lebens in Braunschweig sind.

Für ihr Engagement danke ich den rund 20 fest angestellten, insbesondere

aber den über 80 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des hiesigen

Kinderschutzbundes ganz herzlich: Sie alle setzen sich mit großer

Tatkraft und Kompetenz für das Wohl unserer Kinder ein.

Bleibt mir abschließend nur, dem Deutschen Kinderschutzbund in Braunschweig

mindestens weitere 40 so aktive Jahre zu wünschen, damit unsere

Stadt das bleibt, was sie seit Jahren ist: eine kinderfreundliche Großstadt,

die beim Kinderschutz und bei der Einhaltung der Kinderrechte weit über ihren

Tellerrand hinausschaut.

Dr. Hoffmann

Oberbürgermeister

Grußwort


Grußwort

Grußwort zum 40jährigen Bestehen des Ortsverbandes in Braunschweig

Liebe Kinderschützerinnen und Kinderschützer in Braunschweig,

zu Ihrem 40jährigen Jubiläum gratuliere ich Ihnen im Namen des Bundesverbandes auf das

Herzlichste. 40 Jahre Deutscher Kinderschutzbund, Ortsverband Braunschweig e.V. – ist eine

große Erfolgsgeschichte, auf die alle Beteiligten stolz sein können. In dieser langen Zeitspanne

ist es durch Ihr großes Engagement gelungen, ein gut funktionierendes Netzwerk für Kinder

und deren Familien aufzubauen. 2009 jährt sich die Verabschiedung der Kinderrechtskonvention

durch die Vereinten Nationen zum 20. Mal. Sie setzt Meilensteine für einen umfassenden

Schutz, gute Versorgung und Mitsprache der Kinder. Der Kinderschutzbund in Braunschweig

hat über all die Jahre immer neue Wege gefunden, um diese Ideale in zielgerichteten Hilfen

für Kinder und Eltern zu verankern. Das wird in der Vielseitigkeit der Beratungsangebote des

Vereins deutlich und verdient große Anerkennung. Kinderschutz muss sich neuen Herausforderungen

stellen. In einer Zeit, in der wirtschaftliche und soziale Probleme in unserem Land

zunehmen, wird der Bedarf an Unterstützung der Familien größer. So leben fast 2,4 Millionen

Kinder in Armut. Es ist bislang noch zu wenig geschehen! Wir brauchen ein umfassendes

Konzept zur Bekämpfung der Kinderarmut. Gesundheit, Schutz, Förderung, Bildung und

Beteiligung sind Grundrechte aller Kinder. Deswegen gehören sie auch ins Grundgesetz! Die

Kinderrechte sollen Wirklichkeit werden, dies ist auch das Ziel des Ortsverbandes Braunschweig,

das alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter mit Spaß und Freude in

der praktischen Arbeit verfolgen. Für unsere Lobbyarbeit ist gerade jetzt Ihre entschlossene

und konkrete Arbeit in Braunschweig bedeutend und wichtig. Vor allem aber brauchen Kinder

und ihre Familien weiterhin Ihre engagierte Arbeit. Dafür gebührt Ihnen unser herzlichster

Dank – Dank dafür, dass Sie seit 40 Jahren nicht nachlassen, die Verwirklichung der Kinderrechte

einzufordern und Ihren Beitrag dazu leisten. Ich wünsche Ihnen weiterhin viele Ideen, Freude

und Kraft für Ihre Arbeit in den kommenden Jahren.

Mit besten Wünschen und Grüßen

Heinz Hilgers,

Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes

Heinz Hilgers

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Johannes Schmidt

Der Landesverband Niedersachsen gratuliert herzlich

zum 40-jährigen Jubiläum des Deutschen Kinderschutzbundes Braunschweig!

40 Jahre Kinderschutzbundarbeit in Braunschweig – das sind sehr viele Jahre des Engagements

für Kinder und Eltern. Die Hilfen vor Ort sind breit gefächert und werden von Ihnen stetig

weiter entwickelt. So haben wir Ihnen gerade erst im April dieses Jahres zum Neustart Ihres

Pädagogischen Mittagstisches gratuliert. Natürlich sind es immer die Personen, die die Ideen

und die Arbeit des Kinderschutzbundes prägen! Das ehrenamtliche Engagement war und ist

für den Kinderschutzbund von ganz zentraler Bedeutung. Gerade im Kinderschutzbund

Braunschweig wirken viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Kenntnissen

und Fähigkeiten unter einem Dach zusammen. Daraus ergeben sich immer neue produktive

und innovative Aktionen. Ihr erfolgreicher Einsatz wäre nicht denkbar ohne den unermüdlichen

Einsatz der vielen freiwilligen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Ihnen und dem Vorstand

sei an dieser Stelle unser herzlicher Dank ausgesprochen!

Der Einsatz für die Rechte der Kinder steht seit jeher im Zentrum der Aktivitäten des

Deutschen Kinderschutzbundes. Zu Ihrem Jubiläum stehen wir nicht mit leeren Händen

da: unser aller Lobbyarbeit hat in diesem Jahr Früchte getragen. Zum 1. Juli 2009 sind

die Kinder rechte in die Niedersächsische Landesverfassung aufgenommen worden. Wir begrüßen,

dass darin die eigenständige Rechtspersönlichkeit von Kindern herausgestellt wird.

Selbstverständlich wünschen wir uns als Kinderschutzbund, dass neben den Rechten auf

Schutz und Förderung auch das Recht auf Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gestärkt

wird. Diesen Erfolg sehen wir als Start für weitere Maßnahmen der niedersächsischen

Kinderpolitik. Das bedeutet für alle Kinderschützer in Niedersachsen: Rückenwind für die

Verwirklichung der Kinderrechte, diese im Alltag lebendig werden zu lassen, und insbesondere

für die Chancengleichheit jungen Menschen einzutreten. Für die kommenden Jahre begleiten

Sie unsere besten Wünsche. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

Johannes Schmidt,

Vorsitzender Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Niedersachsen

Grußwort


Wir über uns

Der Ortsverband Braunschweig

wurde als eingetragener Verein

am 18. Januar 1969 gegründet.

Als Ortsverband sind wir Mitglied im:

n Bundesverband des

Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB)

n Landesverband Niedersachsen des DKSB

n Paritätischen Niedersachsen

Als Ortsverband Braunschweig sind wir

rechtlich und finanziell selbständig und

arbeiten eigenverantwortlich. Als Mitgliedsorganisation

des DKSB sind wir an Programme

und Grundsätze gebunden, die von der

Bundesmitgliederversammlung beschlossen

werden.

Der Ortsverband Braunschweig ist gemeinnützig

und politisch und konfessionell

ungebunden.

Der Deutsche Kinderschutzbund tritt ein für:

n die Rechte von Kindern und Jugendlichen,

wie sie verankert sind in der

„UN-Konvention über die Rechte

des Kindes’’

n die Förderung der geistigen, psychischen,

sozialen und körperlichen Entwicklung

von Kindern

n den Schutz der Kinder vor Ausgrenzung,

Diskriminierung und Gewalt jeder Art.

Freiwilligkeit, Anonymität und Vertrauensschutz

unserer Arbeit sind im Leitbild

unseres Verbandes verankert.

Wer wir sind – was wir wollen

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8

Seit Juli 2009 leitet

Annette Brühl

die Beratungsstelle.

Beratungstermine unter:

0531. 81009

Die Beratungsstelle des Kinderschutzbundes

in Braunschweig ist eine vom Land Niedersachsen

geförderte Einrichtung, die Hilfen

in dem Bereich „Gewalt gegen Kinder und

Jugendliche“ anbietet.

Menschen, die unsere Hilfe suchen,

kommen freiwillig zu uns. Es sind Eltern, die

sich im Zusammenleben mit ihren Kindern

oft hilflos und überfordert fühlen, die Unterstützung

und manchmal auch nur Zuspruch

und Anerkennung brauchen für die vielfältigen

Aufgaben, die sie leisten. Wir haben

keine Patentrezepte, aber wir können bei der

Klärung eines Problems helfen, gemeinsam

nach Lösungen suchen, neue Perspektiven

aufzeigen und manchmal können wir auch

andere Projekte des Kinderschutzbundes

hinzuziehen und praktische, unbürokratische

Hilfe anbieten (Notmütter, Braunschweiger

Familienpaten, Elternkurse „Starke Eltern –

Starke Kinder“).

Auch Kinder und Jugendliche kommen zu

uns, wenn sie Probleme mit Eltern, Freunden

oder der Schule haben, wenn sie sich

bedroht fühlen oder jemanden brauchen,

dem sie sich anvertrauen können. Fachkräfte

aus dem Bereich Kindertagesstätten oder

Schule nutzen unsere Beratung, um sich über

spezielle Themen zu informieren oder sich in

Einzelfällen fachkundige Hilfe zu holen.

ANZAHL DER ...

ANLASS DES

KONTAKTES FÄLLE

Vernachlässigung

Misshandlung

Sexueller

Mißbrauch

Scheidung/

Trennung

Suizidproblematik

Trauer/Tod

GESAMT:

Zahlen von 2008

50

9

10

23

92

KONTAKTE

183

29

33

46

291

Beratung

ERSTBERATUNG

WEITERVERMITTLUNG

13

4

7

17

41

BERATUNG

AUFDECKUNG

37

5

3

6

51


Vermittlung

Unsere so genannten „Notmütter”

kommen zum Einsatz

n wenn die Mutter bzw. der Elternteil, der

überwiegend für die Versorgung der Kinder

zuständig ist, für einige Zeit wegen

Krankheit ausfällt.

n wenn eine Frau während der Schwanger-

schaft oder nach der Geburt für eine

begrenzte Zeit Hilfe benötigt.

n wenn während eines Kuraufenthaltes

die Kinder einer Familie zu Hause

betreut werden müssen.

Bei gesetzlich Versicherten übernehmen die

Krankenkassen die Kosten, wenn bestimmte

Voraussetzungen erfüllt sind, z.B. wenn keine

andere im Haushalt lebende Person die Betreuung

übernehmen kann und wenn Kinder

im Haushalt leben, die das 12. Lebensjahr

noch nicht vollendet haben.

Babysitter-Vermittlung

Voraussetzung ist immer ein Attest des

behandelnden Arztes bzw. der Nachweis

über einen Krankenhausaufenthalt oder

eine genehmigte Kur.

Der entsprechende „Antrag auf

Haushaltshilfe” muss bei der

Krankenkasse gestellt werden.

Unsere ‚Notmütter’ sind Frauen, die über

eine erzieherische und/oder hauswirtschaftliche

Grundausbildung oder eine vergleichbare

Qualifikation verfügen und jahrelange

Erfahrung im Umgang mit Kindern und

Haushaltsführung mitbringen.

Wir vermitteln nur Frauen, die uns

persönlich bekannt und die zuverlässig

und absolut vertrauenswürdig sind.

Telefon: 81009

Vermittlung von Notmüttern

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Starke Eltern – Starke Kinder

Die Elternkurse „Starke Eltern – Starke

Kinder” sind ein bundesweit eingeführtes

Produkt des Deutschen Kinderschutzbundes

nach dem Konzept von Paula Honkanen-

Schobert und Lotte Jennes-Rosenthal

und für alle Eltern geeignet.

Eltern sind manchmal genervt, fühlen sich

überfordert, finden im Gespräch mit ihren

Kindern nicht den richtigen Ton. Wir wollen

Eltern in ihrem Selbstvertrauen als Erziehende

stärken und sie darin unterstützen, den

Erziehungsalltag positiv wahrzunehmen.

Das Miteinander in der Familie soll verbessert

werden, deshalb stehen die Kurse unter dem

Motto: mehr Freude und weniger Stress mit

den Kindern.

Von großer Bedeutung ist dabei die Art der

familiären Kommunikation und der Zuwendung:

Ein Kind merkt schnell, ob die Eltern

ein echtes Interesse für seine Bedürfnisse

haben und sich aktiv mit ihm beschäftigen.

Jedes Treffen steht unter einem bestimmten

Motto und hat ein Thema, über das es

zunächst Informationen gibt. Es folgen dann

praktische Übungen und Diskussionen mit

konkreten Beispielen aus den Familien.

Die Erfahrungen zeigen, dass Eltern neue

Kenntnisse, Sichtweisen und Anregungen

aus dem Kurs mitnehmen.

Gegenseitige Unterstützung und der

Austausch untereinander wird von den

Eltern als besonders hilfreich erlebt.

Inhalte der Elternkurse sind zum Beispiel:

n Grundsätzliche Fragen der Erziehung

n Vermittlung von Werten

n Eltern als Vorbild für ihre Kinder

n Umgang mit Ärger und Wut

n Bewältigung von Konfliktsituationen

n Problemlösestrategien

Unsere ModeratorInnen durchlaufen eine

zertifizierte Ausbildung – in regelmäßigen

gemeinsamen Treffen haben sie die Möglichkeit

zu korrigierendem Erfahrungsaustausch.

Wissenschaftliche Evaluationen

sind unter anderem nachzulesen:

www.kinderschutz-niedersachsen.de

Eltern können sich anmelden unter:

Elternkurse

0531. 81009


Elternkurse

Unter dem Titel „Elternkompetenzen stärken

– Integration fördern“ führte 2006 das Büro

für Migrationsfragen der Stadt Braunschweig

mit uns als Kooperationspartner Elternkurse

durch. Um Eltern mit Migrationshintergrund

zu erreichen, war es wichtig, in der Muttersprache

persönlichen Kontakt mit den Eltern

aufzunehmen. Der Kurs selbst wurde auf

Deutsch gehalten, bei Bedarf mit Übersetzungen.

Die Moderatoren benötigten hier

besonderes Einfühlungsvermögen in die aus

anderen Kulturen stammenden Teilnehmerinnen

und deren Verständnis von Erziehung.

Die Kooperation mit dem Büro für Migrationsangelegenheiten

der Stadt Braunschweig

hatte leider nur ein Jahr Bestand, da

Personalgelder nur für die kurze Projektzeit

aus dem Bundesprogramm ENTIMON zur

Verfügung standen.

Seit 2006 bieten wir in Braunschweig Elternkurse

auch in Kooperation mit dem Arbeitskreis

‚faustlos’ an. Die Praxis hat gezeigt, dass

die Einbindung in ‚faustlos’ für Eltern nicht

ausreichend ist. Es gibt darüber hinaus eine

Reihe von Themen, die Eltern bewegen und

die im Elternkurs ihren Platz finden.

Die Elternkurse „Starke Eltern – Starke Kinder“

bieten sich daher als sinnvolle Weiterführung

an. Finanziell gefördert wird dieses

Projekt von der Bürgerstiftung Braunschweig

und der Sparda-Bank, so dass Eltern, deren

Kinder im Kindergarten oder in der Grundschule

das Programm ‚faustlos’ mitgemacht

haben, nur 20 € pro Person bzw. 30 € pro

Paar für den gesamten Kurs bezahlen.

Kooperationen

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Familienpaten in Braunschweig seit 2005

Entstanden im Arbeitskreis „Frühe Hilfen“,

in Kooperation mit dem Haus der Familie

und der Ostfalia Hochschule für angewandte

Wissenschaften, entwickelten wir 2005 mit

ausgebildeten Ehrenamtlichen für Familien

das Projekt „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Der Bedarf an Unterstützung und Präven-

tion in vielen Familien stand außer Frage.

Mit der gleichzeitigen Neuregulierung der

Tagespflege im so genannten Tagespflegekoordinierungsgesetz

brach ein über Jahre

gewachsener Service weg, den wir für Eltern

und Tagesmütter kostenlos angeboten hatten:

die Vermittlung von zuletzt über siebzig

Tagesmütter.

PatInnen der ersten Stunde Alle Jahre wieder ...

Braunschweiger Familienpaten

Damit hatten wir Ressourcen frei und

konnten, seit 2007 mit der Unterstützung der

Stiftung Volksbank BraWo, eine Teilzeitkraft

einstellen. 2009 konnten die Ehrenamtlichen

(zur Zeit sind es 24 aktive) an dem Curriculum

Erziehungslotsen in Niedersachsen

teilnehmen.

Ziel des Projektes ist es, ausgebildete ehrenamtlich

tätige Paten an Familien zu vermitteln,

die für einen überschaubaren Zeitraum

Unterstützung und Entlastung benötigen.


Kinderrechte ins Grundgesetz

In den 40 Jahren des Bestehens des Ortsverbandes

Braunschweig hat sich der Aufgabenbereich

vom Schutz des Kindes und damit

von der Betrachtung des Kindes als Objekt

hin zu einer besonderen Beachtung des

Kindeswohls entwickelt mit dem Focus auf

das Kind als gleichberechtigtem Mitglied der

menschlichen Gemeinschaft, als eigenständige

Persönlichkeit mit eigener Würde und

dem Anspruch der Anerkennung seiner

Individualität. In Art. 6, Absatz 2 des Grundgesetzes

der Bundesrepublik werden Kinder

zwar erwähnt, jedoch nur als „Regelungsgegenstand“

der Norm, also Objekte: „Pflege

und Erziehung der Kinder sind das natürliche

Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen

obliegende Pflicht.“ Damit werden Kinder

nicht als Rechtssubjekte, bzw. eigenständige

Rechtspersönlichkeiten behandelt, spezielle

Kinderrechte finden keine Beachtung.

Und dies im Jahr 2009, in dem nicht nur der

40-jährige Geburtstag des Ortsverbandes

Braunschweig, sondern auch der 20-jährige

Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention

gefeiert werden.

Bereits 1989 sind alle Staaten der Welt – mit

Ausnahme der USA und Somalia – mit der

Unterzeichnung der Kinderrechtskonvention

(von Deutschland 1992 ratifiziert) die

Verpflichtung eingegangen, „alle geeigneten

Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstige

Maßnahmen zur Verwirklichung der in diesem

Übereinkommen anerkannten Rechte“

zu treffen (Art 4, UN-Konvention über die

Rechte des Kindes (UN-KRK).

Dazu gehört die Aufnahme der Kinderrchte

in die Verfassung. Mit Ratifizierung der UN-

Kinderrechtskonvention hat sich die Bundesrepublik

Deutschland dazu verpflichtet, die

in der UN-KRK garantierten Rechte in ihren

nationalen Gesetzen zu verwirklichen.

Dazu wird von 10 Grundrechten ausge-

gangen: Gleichheit, Gesundheit, Bildung,

Spiel und Freizeit, freie Meinungsäußerung

und Gehör, gewaltfreie Erziehung, Schutz

im Krieg und auf der Flucht, Schutz vor

wirtschaftlicher Ausbeutung, elterliche

Fürsorge und soziale Sicherheit, Betreuung

bei Behinderung.

Die Bundesrepublik hat das UN-Komitee

für die Rechte des Kindes in Genf, welches

für die Beobachtung der Umsetzung dieser

Konvention zuständig ist, bereits 1995 über

eine Prüfung der Aufnahme der Kinderrechte

informiert. Seitdem mahnt die 1995 gegründete

„National Coalition“ für die Umsetzung

der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland

(NC), in der sich 9o Organisationen

zusammen geschlossen haben, immer wieder

UN-Kinderrechtskonvention

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14

Aktionsbündnis Kinderrechte

die Verantwortungsträger in allen politischen

Bereichen, dass die Verpflichtungen aus der

UN-Kinderrechtskonvention befolgt werden

müssen. Trotz allem ist das Übereinkommen

bis zum heutigen Tag noch nicht im Grundgesetz

verankert.

Zur Realisierung der Forderung „Kinderrechte

ins Grundgesetz“ gibt es noch immer unzählige

Aktivitäten des Bundesverbandes, der

Länder- und Ortsverbände des DKSB, aber

auch von Bündnispartnern und Mitgliedern.

Der Ortsverband Braunschweig hat in den

letzten Jahren regelmäßig den Weltkindertag

genutzt, um durch Luftballon- oder Trommelaktionen

auf die Kinderrechte aufmerksam

zu machen. Auch wird bei den regelmäßigen

Schulbesuchen, bei denen das Kinder- und

Jugendtelefon vorgestellt wird, mit den

Kindern über Kinderrechte gesprochen.

Darüber hinaus gab es eine Unterschriftensammlung

und Radiospots.

Auch gelang es, die Wanderausstellung des

Landesverbandes „Kinder-haben-Rechte“

in Braunschweig zu zeigen.

Kinderrechte ins Grundgesetz

Das „Aktionsbündnis Kinderrechte“ –

Deutsches Kinderhilfswerk, UNICEF,

Deutscher Kinderschutzbund – hat für die

Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz

der Bundesrepublik Deutschland fest

umrissene Forderungen formuliert, „um die

Position der Kinder zu stärken und ein klares

Signal an Staat und Gesellschaft zu senden,

das Wohlergehen der Kinder als Kernaufgabe

anzusehen.“

Danach werden folgende Kernelemente für

eine Verfassungsänderung vorgeschlagen:

n Das Recht des Kindes auf Anerkennung

als eigenständige Persönlichkeit

n Das Recht des Kindes auf Entwicklung

und Entfaltung (Gesundheit, Bildung,

Chancengleichheit, emotionale Sicherheit,

stabile Beziehungen)

n Das Recht des Kindes auf soziale

Sicherheit (ein der körperlichen, sittlichen,

geistigen, sozialen Entwicklung förderlicher

Lebensstandard)

n Das Recht des Kindes auf Schutz und

auf vorrangige Berücksichtigung des

Kindeswohls (Vorzug des Kindeswohls

bei Gesetzgebung, Verwaltung und

Rechtsprechung)


Kinderrechte ins Grundgesetz

n Das Recht des Kindes auf Beteiligung

(Berücksichtigung ihrer Meinung

entsprechend Alter und Reifegrad)

n Die Verpflichtung des Staates, für

kindgerechte Lebensbedingungen

Sorge zu tragen

Rechtzeitig zum 40igsten Geburtstag des

Ortsverbandes Braunschweig hat der niedersächsische

Landtag nun endlich Kinderrechte

in der Landesverfassung verankert.

Dadurch ist nicht nur der Weg in Niedersachsen

für eine innovative Kinderpolitik erleichtert,

auch die Option „Kinderrechte ins Grundgesetz“

ist ein Stück näher gerückt.

Der Artikel 4a „Schutz und Erziehung

von Kindern und Jugendlichen“ lautet nun:

(1) Kinder haben als eigenständige

Personen das Recht auf Achtung

ihrer Würde und gewaltfreie Erziehung.

(2) Wer Kinder erzieht, hat Anspruch auf

angemessene staatliche Hilfe und

Rücksichtnahme. Staat und Gesellschaft

tragen für altersgerechte Lebens-

bedingungen Sorge.

(3) Kinder und Jugendliche sind vor

körperlicher und seelischer Vernach-

lässigung und Misshandlung zu schützen.

Leider sind die Kinderrechte auf Bildung und

Partizipation, die Mitsprache der Kinder bei

sie direkt betreffenden Entscheidungen, noch

nicht festgeschrieben, aber bundesweit gibt es

eine Tendenz diesen berechtigten Forderungen

durch die Einrichtung von Kinderbeauftragten

und Kinderbüros zu entsprechen.

Kinderrechte in die Landesverfassung

Landesvorsitzender Johannes

Schmidt übereicht Landtagspräsident

Herrmann Dinkla

anlässlich der Aufnahme der

Kinderrechte in die Landesverfassung

einen blauen Elefanten,

das Qualitätssiegel des Deutschen

Kinderschutzbundes.

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GRÜNDUNG DES

ORTSVERBANDES BRAUNSCHWEIG

HAUSAUFGABENHILFE

1969

10 Ehrenamtliche

1. OFFIZIELLE GESCHÄFTSSTELLE

1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988

27 Ehrenamtliche

AB-Maßnahmen

Praktikanten

NUMMER GEGEN KUMMER

KINDER- UND JUGENDTELEFON

VERMITTLUNG VON TAGESMÜTTERN

MÜTTERGESPRÄCHSKREIS MUTTER-KIND-GRUPPE

1979

Erste feste Mitarbeiterin

(ABM) für Familienhilfe & -betreuung

Chronik

SCHULBESUCHE

Dipl.-Pschologe

(Honorarkraft)

FAMILIENBERATUN

SOZIALPÄDAGOGISCHE BERATUNG (SÄUGLINGSPFLEGEKURS)

198


G

Chronik

GEWALTBERATUNG

1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008

9 1999 2009

5 fest angestellte

Mitarbeiter

KINDERHAUS

NUMMER GEGEN KUMMER

ELTERNTELEFON

40 Ehrenamtliche

(1.680 geleistete Stunden)

9 fest angestellte

Mitarbeiter

VERMITTLUNG VON NOTMÜTTERN

ELTERNKURSE FAMILIENPATEN

KRABBELGRUPPE PÄDAGOGISCHER MITTAGSTISCH

19 fest angestellte

Mitarbeiter

OFFENE GANZTAGSGRUNDSCHULE

80 Ehrenamtliche

(> 4.000 geleistete Stunden)

3 Honorarkräfte

für Supervision

hat bis heute Bestand

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10 Jahre Kinderhaus Diesterwegstraße

Als Ergänzung zu unserem Projekt: „Hilfe

bei Schulschwierigkeiten“ konnte 1997

durch die Grundsteinaktion des NDR in

Kooperation mit der Pfarrgemeinde

St. Joseph in der Goslarschen Straße ein

Pädagogischer Mittagstisch für Grundschulkinder

angeboten werden.

Denn, viele der Kinder, die zu uns kamen,

um sich bei den Hausaufgaben helfen zu

lassen, hatten nach der Schule keine

warme Mahlzeit bekommen und wurden

von uns ersatzweise mit Müsli versorgt.

Eine Köchin als ABM-Kraft und zwei

Sozialpädagoginnen im Anerkennungsjahr

versorgten die Kinder im Gemeindehaus.

Ein offenes Angebot, das von allen

Kindern täglich genutzt wurde.

Der Abriss des alten Gemeindesaales beendete

unser Projekt an diesem Standort.

Als Alternative bot sich 1999 die Anbindung

direkt an die Grundschule Diesterwegstraße

im so genannten Kinderhaus

neben dem Schulhof an. Täglich warmes

Essen aus großen Töpfen, gemeinsam an

einem Tisch eingenommen, war der Mittelpunkt

unserer pädagogischen Arbeit,

die den Kindern vor allem soziales Verhalten

wie Rücksichtnahme und Einhalten

von gemeinsam erarbeiteten Regeln

vermitteln sollte.

Schulkindbetreuung

Im Jahr 2006 wurde diese Gruppe und

eine weitere Hortgruppe in die Schulkindbetreuung

der Stadt Braunschweig

aufgenommen.

Bis Juli 2009 betreuten wir dort

inklusive 8 Drittmittelplätzen

52 Grundschulkinder,

bei Bedarf auch in den Ferien.


Schulkindbetreuung

Seit dem Schuljahr 2009/10 ist die Grundschule

Diesterwegstraße Offene Ganztagsschule

und der Kinderschutzbund Kooperationspartner

der Nachmittagsbetreuung.

Die Umstellung ist groß, denn ohne Umbaumaßnahmen

müssen statt 54 Kinder in

3 Gruppen jetzt 124 Kinder in 7 Gruppen

teilweise bis 17 Uhr betreut werden.

In enger Absprache mit den Lehrkräften und

der Schulleitung haben wir die Planung und

die ersten Monate gut überstanden. Die erste

Ferienbetreuung in Gruppen von 8 Uhr bis

15, bis 16 oder bis 17 Uhr fand reges Inte-

resse, über 60 Kinder waren ange-

meldet. Nicht ausreichend ist die

Situation beim Mittagessen, da zwar

3 Räume für den Umbau in eine

Ausgabemensa leer geräumt wurden,

aber der Umbau noch nicht einmal

angefangen hat, müssen die Kinder

weiterhin in mehreren Schichten essen.

Wir hoffen auf baldige Abhilfe sowie

Umgestaltung des Schulhofs inklusive

Einrichtung eines „grünen Klassen-

zimmers“ vor dem Kinderhaus.

Offene Ganztagsgrundschule

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Pädagogischer Mittagstisch

Im Jahr 1997 richteten wir unseren ersten

Pädagogischen Mittagstisch ein, der heute

an der Diesterwegstraße in die Nachmittagsbetreuung

der Offenen Ganztagsgrundschule

übergegangen ist.

Durch den RTL-Spendenmarathon und die

uns davon durch die Stiftung Volksbank

BraWo zugesprochenen Gelder können wir

mit dem Standortwechsel an die Grundschule

Pestalozzistraße seit Mai 2009 wieder

Grundschulkinder mit einem gesunden,

kindgerechten Mittagessen versorgen.

Schulkindbetreuung

In unserer Betreuung bis 16 Uhr helfen wir

den Kindern nicht nur bei den Hausaufgaben

sondern versuchen auch, ihren Familien

nachhaltig Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Noch haben wir nur ein Zimmer im Schulgebäude,

das wir zum „Wohnzimmer“ machen

konnten. Unsere Suche nach einem Standort,

in dem wir Platz für 20 und mehr Kinder

haben und auch mit ihnen gemeinsam

kochen können, ist bisher leider noch

nicht erfolgreich gewesen.


Vernetzung

PSAG Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft Braunschweig

Runder Tisch „Frühe Kindheit – Frühe Hilfen in Braunschweig

Fachgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie

des sozialpsychiatrischen Verbundes Braunschweig

plankontor braunschweig – Arbeitskreis Gesundheit

Arbeitskreis „Kinderbetreuung in Braunschweig

Arbeitskreis Gewalt gegen Frauen

Stadtteilkonferenzen

Regelmäßige Arbeitsgruppen und Kooperationen

Koordinierungszentrum

Kinderschutz (Beirat)

Präventionsnetzwerk

gegen Kinderarmut (Beirat)

Projekt-Kooperation:

Stadt Braunschweig

GS Diesterwegstraße

GHS Pestalozzistraße

Ostfalia Hochschule für

angewandte Wissenschaften

Haus der Familie

Diakonisches Werk

Arbeitskreis „Faustlos“

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22

30 Jahre Kinder- und Jugendtelefon in Braunschweig

Ein Braunschweiger Sorgentelefon für Kinder-

und Jugendliche wurde schon 1979 gegründet.

Die feierliche Übergabe an den Kinderschutzbund

fand 1991 in einem offiziellen

Rahmen statt, es waren Vertreter der Stadt,

der Beratungsstellen und die Staatssekretärin

Dr. Christa Karras aus dem Frauenministerium,

sowie Vertreter des Landesverbandes

des DKSB eingeladen.

Seit 1991 gibt es eine bundesweit einheitliche

kostenlose Rufnummer und einheitliche

Beratungszeiten. Die Telefonberatung

der ‚Nummer gegen Kummer’ wird ausschließlich

von ehrenamtlich tätigen MitarbeiterInnen

geleistet. Das bedeutet pro

Tag 4 Stunden Einsatz von engagierten

Menschen, die ihre Zeit und Kraft ehrenamtlich

zur Verfügung stellen, um mit

Kindern und Jugendlichen über deren

Sorgen und Probleme zu sprechen.

Alle BeraterInnen haben eine halbjährige

Ausbildung durchlaufen und nehmen an

einer einmal pro Monat stattfindenden

Supervision teil.

Schulbesuche: Um die Kinder auf dieses Angebot

aufmerksam zu machen, besuchen wir

jedes Schuljahr alle vierten Grundschulklassen

im Stadtgebiet und diskutieren mit ihnen

mögliche Probleme, die „Nummer gegen

Kummer” anzurufen.

Nummer gegen Kummer

Das Kinder- und Jugendtelefon ist von

Montag bis Freitag immer zwischen 15

und 19 Uhr besetzt unter der Rufnummer:

0800. 1110333

ist kostenlos erreichbar und gilt bundesweit.

Seit 1996 wurden insgesamt 105 Ehrenamtliche

ausgebildet. Jährlich werden am Kinder-

und Jugendtelefon über 1.000 ehrenamtliche

Stunden geleistet.

Ausbildungsschwerpunkte

Allgemeine Inhalte sind unter anderem:

systemische Lösungsstrategien, Kommunikation,

Selbsterfahrung, Entwicklungspsychologie,

Erziehungsstile

n Helferidentität

n Sexueller Missbrauch, Sexualität

n Gesundheit

n Familien-Konflikte & -Konstellationen

n Trennungsbewältigung

n Suchtmittelmissbrauch & Konsequenzen

n die Arten der Anrufe

n Praktische Übungen

n Besuch von sozialen Einrichtungen

n Hospitationen


Auszüge aus einem Interview von Wolfgang

Altstädt, Radio Okerwelle in Braunschweig,

mit einem langjährigen Ehrenamtlichen, des

KJTs in BS.

Was sind die größten Sorgen

der Kinder und Jugendlichen?

In der Reihenfolge sind sehr, sehr oft Beziehungsprobleme

zu hören, verstärkt bei den

Mädchen, weil die Mädchen eher aus sich

herausgehen und das am KJT besprechen.

Dann ist da aber auch sehr viel Gewalt dabei,

häusliche Gewalt, Mobbing in der Schule und

auch sexualbezogene Probleme. Zu den häuslichen

Problemen zählen insbesondere Gewalt

innerhalb der Familie von Geschwistern, auch

von Eltern her und was besonders bedrückend

für Kinder aussieht, sind die Trennung und

Scheidung von Eltern. Das kann sehr, sehr

hart auf die Kinder wirken, wobei am Telefon

viel von dieser Problematik auch verarbeitet

werden kann.

Wie ist Ihre Motivation, diese ehrenamtliche

Tätigkeit auszuüben, gerade auch über einen

so langen Zeitraum?

Meine eigene Motivation, dazu zu kommen

war, dass ich mich sehr gut an meine eigene

Kindheit und Jugend erinnere. Da ich eine

nicht ganz unproblematische Umgebung

hatte, war ich oft in einer Situation, wo ich

sehr hilflos war und mir leider Gottes keine

Hilfe holen konnte. Die Erwachsenen, die

ich so als Ansprechpartner hatte, waren nicht

immer verfügbar und waren meinen Problemen

gegenüber auch gar nicht aufgeschlossen.

Dadurch sehe ich das, was ich jetzt am KJT

leisten kann, wirklich als große Möglichkeit,

die Probleme, an die ich mich erinnere, bei

anderen aufzuweichen und zu verbessern.

Die Möglichkeit, dass man solche Situationen,

die für Kinder ausweglos erscheinen, mit Hilfe

seiner Erfahrung und seiner Empfehlungen

verbessern oder gar lösen kann, ist eben eine

sehr, sehr große Motivation. Man versucht

immer, auch gerade über einen so langen

Zeitraum, die Erkenntnisse, die man eben hat,

auch dann anzuwenden und das merke ich im

Laufe der Jahre, dass das sehr gut vorangeht.

Gibt es auch Scherzanrufe und

wie viel machen die anteilig aus?

Es gibt auch immer wieder Scherzanrufe, die

von den Kindern nicht unbedingt mit böser

Absicht gemacht werden, aber mal um zu

testen, wie weit die Erwachsenen, die da am

Telefon sitzen, belastungsfähig sind oder ob

sie vielleicht gleich an die Decke gehen oder

ob sie vielleicht auch mal humorvoll reagieren.

Ich habe die Möglichkeit immer genutzt,

wenn es nicht gerade grober Unfug war,

Interview zum Thema KJT

eigentlich locker und scherzhaft damit

umzugehen. Ich habe häufig erlebt, dass

solche Gespräche, die als Scherz begonnen

hatten, dann nachdem die Kinder

Vertrauen fassten, dahin weiterführten,

dass die Kinder auch ihre tatsächlichen

Probleme ebenfalls zur Sprache brachten

und wir dann in einem guten Verhältnis

auseinander gegangen sind.

Was sind die extremsten Probleme?

Was als besonders belastend angesehen

werden kann, ist, wenn Kinder oder

Jugendliche so verzweifelt mit ihrer

Situation sind, dass sie tatsächlich darüber

nachdenken, aus dem Leben zu

gehen. Das verlangt von uns besonders

viel Aufmerksamkeit und die bekommen

sie auch. Wenn man gerade dann

am Ende die Auffassung hat, dass diese

Verzweiflung nicht mehr so stark ist, bzw.

wieder ein Fenster aufgestoßen ist, dann

ist das eine sehr befriedigende Erfahrung.

Was auch sehr belastend ist, wenn ein

Kind oder Jugendlicher über sexuellen

Missbrauch berichtet, was aber nicht so

das Häufigste ist. Aber wenn es dann

auftritt, dann ist man auch stark emotional

angespannt.

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24

10 Jahre Elterntelefon in Braunschweig

1999 ging zusätzlich zum Kinder- und

Jugendtelefon das Elterntelefon in Braunschweig

als eines der ersten bundesweit ans

Netz. Warum Elterntelefon? Immer mehr

Erwachsene riefen auf dem Kinder- und

Jugendtelefon an und blockierten damit

die Nummer für ratsuchende Kinder und

Jugendliche.

Auch für die Eltern ist die Nummer bundesweit

einheitlich und kostenlos zu erreichen.

Beratungszeiten des Teams in Braunschweig:

Mo, Di und Mi von 9 bis 11 Uhr, Di und Do

von 17 bis 19 Uhr.

2008

Beratung

Gespräche

232 von 899

Frauen

71 %

Es wird ausschließlich von ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen geführt, und wie beim

Kinder- und Jugendtelefon ist eine halbjährige

gemeinsame Ausbildung und

Teilnahme an der Supervision Voraussetzung

für die Mitarbeit.

Jährlich werden am Elterntelefon über

500 ehrenamtliche Stunden geleistet.

30 – 44

Jahre

67 %

Nummer gegen Kummer

Erziehung

60 %

Gewalt

17 %

Auszug aus Statistik 2008


Öffentlichkeitsarbeit

Um eine „Lobby für Kinder“ zu sein, die mit

dem Ziel arbeitet, eine kinderfreundliche

Welt schaffen zu helfen, noch bestehende

kinderunfreundliche Gesellschaftsstrukturen

zu verändern und die gesellschaftlichen

Ursachen für die vielfach bestehende Geringschätzung,

Bevormundung, Unterdrückung

und Misshandlung von Kindern zu beseitigen,

bedarf es einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit.

In den 40 Jahren des Bestehens des Ortsverbandes

Braunschweig haben engagierte

Personen immer wieder vielfältige Aktionen

in der Stadt und bei öffentlichen Veranstaltungen

mit und für Kinder durchgeführt,

die durch begleitende Informationen die

Belange der Kinder in den Focus zu rücken

vermochten.

Teilnahme und Mitgestaltung von Ausstellungen

wie „Rosenstraße 76“ gegen häusliche

Gewalt, der Wanderausstellung „Kinder

haben Rechte” sowie „Kinder im Blick“, in

der Kinder als Hauptakteure auf sich und ihre

Lebenslagen aufmerksam machten, ermöglichte

uns wieder ein Stück Bewusstsein in

unserer Gesellschaft zu wecken, dass Kinder

als eigenständige Personen das Recht auf

Achtung ihrer Würde haben.

Ein wichtiger Faktor für eine gelungene

Öffentlichkeitsarbeit ist ein guter Kontakt zur

Presse, der in den letzten Jahren intensiviert

werden konnte. So führte dieser nicht nur zu

für uns natürlich sehr erfreulichen Berichten

über Scheckübergaben, sondern ermöglichte

auch unsere Stellungnahmen zu Problem-

bereichen, wie Schulschwierigkeiten,

Kinderarmut, Gewalt etc.

Es gab aber auch zahlreiche Artikel zu

Themen, die den Ortsverband direkt

betreffen, wie zum Beispiel die Vorstellung

unserer Jahresberichte, Berichte über unser

Kinder- und Jugendtelefon oder Elterntelefon,

pädagogischen Mittagstisch und das Projekt

„Familienpaten“.

Ein wichtiger Bereich für eine effektive Prävention

ist die Schule. Im Laufe der Jahre hat

sich die Zusammenarbeit des Ortsverbandes

mit den Schulen dahingehend entwickelt,

dass bis 2008 alle 5ten Klassen der Braunschweiger

Schulen, seit Abschaffung der

Orientierungsstufe alle 4ten Klassen

(46 Schulen) einmal im Jahr von Ehrenamtlichen

des Braunschweiger KSB für eine

Schulstunde besucht und gern gesehen

werden, um über den KSB zu informieren

und insbesondere die „Nummer gegen

Kummer“ vorzustellen.

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Öffentlichkeitsarbeit

Das Bild „Braunschweigs Kinder – unsere Zukunft“

(copyright: ROM-ART Galerie) des Malers Peter Matzat

durfte auf seinen Vorschlag mit unserem Logo versehen werden

und wurde mit Hilfe großzügiger Spender für unsere

Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung gestellt.

Stand 1995 Stand 2009


Öffentlichkeitsarbeit

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Öffentlichkeitsarbeit


Förderkreis

1999 sammelten sich unter der späteren

Vorsitzenden Viviane von Veltheim am

Nikolaustag engagierte Kinderschützer-

Innen, denen die finanziell missliche Lage

des Ortsverbandes Sorgen bereitete, denn

die nachhaltige Unterstützung von wichtigen

Projekten schien gefährdet.

Der Förderkreis hat sich zum Ziel gesetzt,

die Arbeit des Kinderschutzbundes in Braunschweig

nachhaltig zu unterstützen. Den

Fördermitgliedern liegt vor allem am Herzen,

Projekte finanziell zu fördern, die sinnvoll

und gut, aber manchmal aus finanzieller Not

nur schwer am Leben zu erhalten sind.

Mit der Gründung eines Förderkreises zur

Unterstützung der Kinderschutzarbeit in

Braunschweig konnten in den folgenden

Jahren Spenden eingeworben werden, die

auf lange Sicht ein eigenes Haus mit

„Familienhilfe unter einem Dach“ möglich

machen sollen. Für die laufenden Geschäfte

wichtig, konnte er immer wieder bei Engpässen,

insbesondere bei Ferienreisen der

Kinder des Pädagogischen Mittagstischs und

bei größeren Anschaffungen unbürokratisch

und schnell helfen.

Seit 2006 ist Sabine Bonn die Vorsitzende

dieses Förderkreises. Sie organisiert gemeinsam

mit anderen Mitgliedern jährlich

anlässlich des Weltkindertages eine Tombola,

bei der zahlreiche Sachspenden von Braunschweiger

Unternehmen in die Verlosung

kommen. Durch diese Aktion konnte sehr

erfolgreich in der Stadt auf die Arbeit des

Kinderschutzbundes aufmerksam gemacht

werden.

Der Förderkreis des Kinderschutzbundes

freut sich über weitere Mitglieder.

Eine private Mitgliedschaft im

Förderkreis kostet 60,00 Euro pro Jahr.

Eine Firmenmitgliedschaft für 300,00 Euro

pro Jahr ist ebenfalls möglich.

Weitere Informationen erhalten Sie direkt

beim Kinderschutzbund Braunschweig e.V.

oder unter Telefon:

0531. 42877181

10 Jahre Förderkreis e.V.

Deutsche Bank

BLZ 27070024

Konto 0331033

29


30

Danken möchten wir allen, die mit Mut

und Durchsetzungsvermögen das Bestehen

und die Weiterentwicklung unseres Vereins

möglich mach(t)en.

Die Überzeugung, dass junge Menschen

von Geburt an eigene Rechte haben, ist auch

heute noch die treibende Kraft, die uns für

eine Kinder- und Familiengerechte Gesellschaft

kämpfen lassen. In einer wirklich

kindgerechten Umwelt sollte unser „Kinderschutz“

nicht mehr nötig sein. Bis dahin ist

es leider noch ein langer Weg.

Dank möchten wir an dieser Stelle sagen:

an alle unsere Vernetzungs- und Kooperationspartner:

in Braunschweig ist ein Netzwerk

gewachsen, das sich in vielen Arbeitskreisen,

Stadtteilkonferenzen, runden Tischen

bewährt. Hier findet in vielen Querverbindungen

ein wichtiger Informationsaustausch

statt und es wird neidlos kollegiale Supervision

gewährt. Die Stadt Braunschweig hat darin

mit ihrer eigenen Vernetzung im sozialen

Bereich eine wichtige Schlüsselposition.

Danken möchten wir unseren Mitgliedern

und Mitarbeiterinnen, sowie allen, die uns

als Privatpersonen, als Betriebsangehörige,

als Unternehmer, als Stiftungsvertreter oft

über Jahre kontinuierlich mit Spenden

unterstützen.

Danksagung

Durch ihre Spendenbereitschaft ermöglichen

sie uns nicht nur nachhaltiges, am Bedarf

der Kinder und ihren Familien orientiertes

Arbeiten. Wir nehmen ihre finanzielle

Unterstützung auch als Wertschätzung

unserer Arbeit. Das gibt uns Mut – auch in

schwierigen Phasen – unsere ehrenamtliche

Vorstandsarbeit konsequent zum Schutz der

Kinder fortzuführen. Auch können wir uns

die Vielfalt unserer Projekte nicht vorstellen

ohne die tatkräftige Unterstützung durch

unsere Dachverbände auf Landes- und

Bundesebene.

Dank in eigener Sache:

viele tausend Stunden ehrenamtliches

Engagement benötigt es, um so aufgestellt

zu sein, wie wir es heute sind. Hier möchten

wir nicht nur unseren vielen aktiven Mitgliedern

danken, sondern auch einmal an deren

Angehörige denken, die ohne Murren und

oft selbst eingebunden in Aktivitäten das

Ehrenamt ihres Kinderschützers in der Familie

selbst an Wochenenden klaglos mittragen!


Impressum

Roswitha Goydke Dr. Regina Olshausen

Herausgeber:

Deutscher Kinderschutzbund

Ortsverband Braunschweig e.V.

Madamenweg 154

38118 Braunschweig

Telefon 0531. 81009

Telefax 0531. 2809781

info@dksb-bs.de

www.dksb-bs.de

Fotos:

Wir bedanken uns beim Landesverband

(Seite 3 rechts oben, Seite 15 rechts unten

sowie Seite 24 links oben), und bei

Wolfgang Altstädt (Seite 12 und 13).

Restliche Abbildungen privat

beziehungsweise © Fotolia.com.

Gestaltung: www.bruhndesign.de

Impressum

So können Sie helfen

Spendenkonten:

Volksbank BraWo

Konto 6211046000

BLZ 26991066

und Nord/LB

Konto 1556000

BLZ 25050000

Stand: Dezember 2009

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Stand 12/09 – Herausgeber

Deutscher Kinderschutzbund

Ortsverband Braunschweig e.V.

Madamenweg 154

38118 Braunschweig

Telefon 0531. 81009

Telefax 0531. 2809781

info@dksb-bs.de

www.dksb-bs.de

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