Lenkzeitvorteile im Verteilerverkehr

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Lenkzeitvorteile im Verteilerverkehr

Verkehr | 1. Juli 2011 | Nr. 26 7

PRAXISTEST FÜR NEUE TACHOGENERATION

Lenkzeitvorteile im Verteilerverkehr

Nur Stoneridge und VDO bieten seit Mai die digitalen Tachografen an, mit welchen die neue 1-Minuten-Regel gemäß

der EU-Verordnung 1266/2009 ab Oktober umgesetzt werden muss.

VON JAN BERGRATH

Es ist ein Wettrennen um die

Zeit. Die Lenkzeit des Lkw-Fahrers.

Stoneridge präsentierte den

neuen digitalen Tacho

SE5000Exakt als Erster schon

im April auf der NUFAM in

Karlsruhe, Marktführer VDO

legte im Mai auf der transport

logistic in München mit der Version

1.4 des DTCO 1381 nach.

Beide Geräte warten mit einigen

neuen sinnvollen Features auf,

die das Handling für die Fahrer

und die Unternehmen erleichtern

werden. Entscheidend ist jedoch

die Umsetzung der sogenannten

1-Minuten-Regelung, die ab Oktober

2011 gemäß der ergänzten

EU-Verordnung 1266/2009 für

alle dann neu zugelassenen Fahrzeuge

Pflicht wird. Das hängt

mit der gesetzlich vorgegebenen

Einstellung der Software im

Zeitmesser zusammen: Bislang

notiert ein digitaler Tacho Lenkzeit

bereits nach exakt fünf Sekunden.

In Zukunft bestimmt

die längste Aktivität innerhalb

einer gegebenen Minute, ob diese

als Lenk-, Arbeits- oder Ruhezeit

gewertet wird.

Große Zeitgewinne

Ein Praxistest bei der Spedition

Große-Vehne in Schwieberdingen

zeigt jetzt erstmalig: Im Verteilerverkehr

sind erhebliche Zeitvorteile

möglich. Mit 150 Lkw fährt

Große-Vehne an diesem Standort

für die Automobil- und Zulieferindustrie.

In der Frühschicht beliefert

Kai Matthes mit einem Sattelzug

im Radius von 250 Kilometern

sechs bis acht Entladestellen

mit Leergut, dazu hat er etwa

gleich viele Ladestellen für Vorholungen.

In der Spätschicht fährt

ein Springer die nächtliche Linie

ins 170 Kilometer entfernte Werk

von Mercedes-Benz in Wörth. In

diesen Actros mit einem älteren

Tacho von Siemens VDO wird ein

SE5000Exakt parallel verbaut, sodass

ein Vergleich der Lenkzeiten

und der zurückgelegten Wegstre-

cke bei beiden Tachos möglich ist.

Dabei geht es nicht um einen

Markenvergleich. Als der Test bereits

Ende April vereinbart wurde,

hatte VDO seinen DTCO 1.4

noch nicht vorgestellt. Nach Angaben

von VDO kommt er bei internen

Tests aber auf vergleichbare

Werte.

Eine Stichprobe erfolgte am

11. Mai auf der etwa 50 Kilometer

langen Strecke von Bretzfeld

nach Schwieberdingen. Getestet

werden unter anderem: der Parkplatzsuchverkehr

auf einer Raststätte,

die Ortsdurchfahrt in Bietigheim

mit Ampeln und Kreisverkehren

und am Ende eine typische

Situation an der Rampe,

bei der Fahrer Kai Matthes den

Zug innerhalb von 29 Sekunden

zum Halteplatz fährt – ohne dass

eine Lenkzeit notiert wird. Das

Zwischenergebnis nähert sich

bereits dem bekannten Werbeversprechen

des Herstellers, bis

zu 45 Minuten reine Lenkzeit

am Tag zu sparen: Während der

ältere Tacho 85 Minuten Lenkzeit

notiert, kommt der neue Sto-

neridge mit 65 Minuten aus. Ein

Zeitgewinn von 20 Minuten.

Neuer Tacho

rechnet anders

Für die ganze Testphase – genau

eine Doppelwoche – berechnet

der VDO 87:10 Stunden, der

SE5000Exakt nur 76:07 Stunden.

Die Zeitersparnis beträgt

11:03 Stunden. Selbst auf der Linientour

ins Werk holt der neue

DigiTacho im Schnitt dreizehn

Minuten raus. Ausgehend von

zehn Werktagen ergibt sich eine

tägliche Lenkzeitdifferenz von

rund 66 Minuten – zu Gunsten

des SE5000Exakt.

Dabei sind das nur fiktive Werte.

Faktisch legt der Fahrer seine Tagestour

keine Sekunde schneller

zurück. Und eigentlich hat er

auch nichts davon. Seine reine

Lenkzeit liegt pro Schicht immer

bei rund fünf Stunden. „Wir

müssen nur sehen, dass er mit

seiner gesamten Arbeitszeit im

gesetzlichen Rahmen bleibt“,

sagt Geschäftsführer René Gro-

Teststellung Lenkzeitvegleich Tacho (DTCO1381) nach bisher gültiger Verordnung

und SE5000Exakt nach 1266/2009, verbaut in MB Actros

Tacho (DTCO) Test-Tacho (SE5000Exakt) Vergleich

KW Tag Datum Lenkzeit gef. Strecke Lenkzeit gef. Strecke Differenz Differenz

in Std. in KM in Std. in KM in min in Std.

18 Mo 02.05.2011 10:43 448 09:17 448 -86 -01:26

18 Di 03.05.2011 09:58 457 08:36 456 -82 -01:22

18 Mi 04.05.2011 09:53 480 08:49 480 -64 -01:04

18 Do 05.05.2011 08:31 413 07:35 413 -56 -00:56

18 Fr 06.05.2011 09:32 485 08:37 485 -55 -00:55

18 Sa 07.05.2011 00:05 0 00:00 0 -5 -00:05

18 So 08.05.2011 00:00 0 00:00 0 -0 -00:00

Summe KW 18 48:42 2283 42:54 2282 -348 -05:48

19 Mo 09.05.2011 07:29 340 06:30 341 -59 -00:59

19 Di 10.05.2011 08:21 398 07:25 397 -56 -00:56

19 Mi 11.05.2011 09:29 429 08:15 429 -74 -01:14

19 Do 12.05.2011 06:37 282 05:40 282 -57 -00:57

19 Fr 13.05.2011 05:41 249 04:57 250 -44 -00:43

19 Sa 14.05.2011 00:51 7 00:26 7 -25 -00:25

Summe KW 19 38:28 1705 33:13 1706 -315 -05:14

Summe KW 18+19 87:10 3988 76:07 3988 -663 -11:02

ße-Vehne. „Dennoch sind die

Werte irritierend. Im Prinzip

kann sich jeder Unternehmer

jetzt den Tacho aussuchen, der

am besten zu seiner Tour passt.“

Kostbare Zeiten

In der Tat: Noch nie war Lenkzeit

so wertvoll wie heute. Denn

der im Mai 2006 europaweit

eingeführte digitale Tacho hat

sie, zusammen mit der EU-Verordnung

561/2006 über die

Lenk- und Ruhezeiten, arg be-

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TRANSPORT & LOGISTIK

BERGRATH (2)

schnitten. Ihre Kontrolle ist

praktisch lückenlos geworden.

Und schon früh haben Fahrer

und Unternehmer festgestellt,

dass sie bestimmte Touren, die

sie jahrelang ohne Probleme mit

einem analogen Tacho im Rahmen

der Gesetze abwickeln

konnten, mit einem digitalen Tacho

nicht mehr schaffen. Und sei

es dabei auch nur eine Frage von

wenigen Minuten.

Ñ FORTSETZUNG SEITE 8

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